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Das öffentlich-rechtliche Internet: funk ist da.

Disclaimer: funk – bis gestern mehr oder weniger als „Das Junge Angebot von ARD und ZDF“ bekannt – war und ist im Jahr 2016 Partner des von Tanja und mir gegründeten TINCON e.V. und der Jugendkonferenz TINCON und hat die Konferenz dadurch mitfinanziert. Dieser Artikel ist nicht Teil unserer Vereinbarung.

Mitte der 2000er Jahre, als Blogs in Deutschland boomten, ihre Autor*innen rund um die Uhr beschäftigten und vor die Frage stellten, wie diese ihre Arbeit finanzieren sollten (und ja, es war und ist – auch – Arbeit), da kam öfter mal der Gedanke auf, wie toll doch ein öffentlich-rechtliches Blog-Netzwerk wäre. Blogs verschiedener Ausrichtungen hätten sich einem Bildungsauftrag verschrieben und wären wenigstens zu einem Teil durch die Einnahmen des öffentlich-rechtlichen Systems finanziert worden und damit werbefrei gewesen. Zudem wäre mit einem solchen Ö-R-Blog-Netzwerk ein wenig auf die berechtigte Kritik an genau diesem System eingegangen worden, das zu oft den Eindruck macht, allein für Rentner zu produzieren und dafür Zwangsgebühren zu erheben.

Zu einem Ö-R-Blog-Netzwerk ist es nie gekommen und es hätte vermutlich auch gar nicht dazu kommen können. Rundfunkmedienstaatsvertragsgesetzvorgabensrichtlinien standen im Weg. Außerdem hat sich niemand so richtig um die Idee gekümmert, glaube ich.

Jetzt, etwa zehn Jahre später, ist vieles anders. Gesetze wurden neu verhandelt und dem digitalen Zeitalter angepasst, so dass ein öffentlich-rechtliches Netzwerk von digitalen Inhalten nun möglich ist.

Und es heißt funk.

Was ein ziemlich guter, so selbstironischer wie sinnvoller Name ist. Denn wir sind ja alle Sender, und irgendwie funken wir so vor uns hin.

funk bietet eine Mischung aus bereits vorhandenen Formaten und von Autor*innen oder Produktionsfirmen eigens produzierten oder lizenzierten Inhalten, die zwar auch auf der eigenen Website stattfinden, in erster Linie aber auf den für die jeweilige Zielgruppe relevanten Kanälen. Also derzeit auf Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, Snapchat und so weiter. Und vor allem überhaupt nicht im Fernsehen, denn das schaltet das erwünschte Publikum von funk, Menschen unter 30 Jahren, sowieso nicht mehr ein.

Ich halte das für ein stimmiges, gutes Konzept für öffentlich-rechtliche Inhalte im Netz. Selbst wenn es natürlich nicht (mehr) um Blogs, sondern in erster Linie um Videos geht. Und ich hielt es auch schon im frühen Sommer 2015 für ein gutes Konzept, als es mir vom federführenden Florian Hager vorgestellt wurde, der als einer der Ersten Support für die TINCON zusagte. Es passte: Beide hatten wir ähnliche Ziele (nämlich „gute“ Inhalte für eine junge Zielgruppe zu erstellen), beide hatten wir keine Ahnung, ob wir diese Ziele erreichen können, und beide suchten wir nach Partnern im Geiste.

Dass es nicht wie ursprünglich geplant zum Start von funk während der ersten TINCON im Mai 2016 kam, hatte die üblichen zeitlichen und organisatorischen Gründe. Immerhin aber war diese TINCON eine erste Test-Plattform für ein paar Inhalte und Gespräche mit Jugendlichen und nicht zuletzt landeten ein paar der TINCON-Gäste schon vorher, zeitgleich oder hinterher auch bei funk.

Ob und wie die TINCON auch im kommenden Jahr mit funk kooperieren wird, ist im Moment noch genauso unklar wie die Reaktionen der jungen Menschen auf funk. Den Meme-Video-Trailer oben finde ich, der nicht zur Zielgruppe gehört, etwas zu perfekt und bemüht (da gefällt mir das hier schon viel besser), die bisher vorgestellten Inhalte und Formate halte ich aber für einen gelungenen Start. Und genau das ist es ja: Ein Start. Der von Medien, Politik und Online-Publikum sicher sehr aufmerksam verfolgt wird.

Von allen bisherigen Versuchen der „alten“ Ö-R-Sender, sich an Jugendliche zu wenden, ist funk sicher der ambitionierteste und durchdachteste. Ich weiß, dass hinter der Idee nicht nur ein dafür nötiger, ordentlicher Etat, sondern auch ein sehr motiviertes und tatsächlich junges und netzaffines Team steht. Und wenn funk ein Erfolg und zu einem Qualitätssender im deutschsprachigen Netz wird, wäre das gut für die hiesige Online-Landschaft.

Daher von mir und dem TINCON-Team: Alles Gute! Legt los!

Genaue Anzahl der verkniffenen Wortspiele mit „funk“ in diesem Artikel: 7.

8 Kommentare

  1. 01

    Love it!

    (ein unter 30 Jähriger GEZ-Zahler)

  2. 02

    @Jonathan Funke: Du solltest dich gleich mal bewerben. Mit DEM Namen?! :)

  3. 03
    Martin

    Das Video fand ich gut und hat mich neugierig gemacht, weil ich Kinder habe, die langsam in das Alter kommen, in dem sie sich selbstständig auf Youtube, Netflix und Kika bewegen – begleitet von meiner Meinung und meinen Einwänden, was immer weniger Effekt hat, bis hin zur Gegenposition. Normal also.
    funk.net sieht tatsächlich so aus, als könne ich sie dort guten Gewissen hinschicken, aber jetzt noch nicht.
    Dass ich persönlich Krämpfe bekomme, weil die Pop-Kultur für 15-25-Jährige nur noch eine Alles-total-extrem-lustig!!!!-Ästhetik kennt, ist die andere Seite. Ich sage da auch nicht: Ach, ich bin alt und verstehe das nicht. Nein, ich verstehe das sehr wohl, habe allerdings eine andere Haltung. Es ist ja nicht so, das wir alt sind und es nur blöd finden. Es ist blöd! Das ist zeitweise und in Maßen auch ganz nützlich und manchmal ein guter Weg, um Inhalte zu transportieren, aber nicht so durchgängig. Ich hätte gern etwas, dass Menschen in dem Alter etwas umfassender, ernsthafter ernst nimmt. Da gibt es noch ganz andere Formen von Jugendkultur und die bilden sich im Netz nicht ab.

  4. 04

    @Martin: Ich glaube, man neigt als Erwachsener zu einem bestimmten Blick. Vieles ist mit dieser Dauerironie behaftet, das stimmt. Aber dann kommt z.B. so einer hier, der die Hallen mit jungen Menschen füllt, und da kann man doch nur sagen: Es ist nicht alles doof. Manches ist sogar sehr großartig:

    https://www.youtube.com/watch?v=Ls-U01un_Bk

    (Nix für die ganz Kleinen, klar.)

  5. 05
    Martin

    @Johnny Haeusler: Das ist kein Blick, sondern eine mühsam erarbeitete Haltung, die ich ganz bewusst einnehme :) Aber klar: funk.net ist ja gerade nicht von uns gemacht.

  6. 06
  7. 07
  8. 08
    meh

    1. Die funk Webseite sieht lieblos und leer aus
    2. Braucht die Zielgruppe einen YouTube Aggregator eines Ö-R Sender?
    3. an die BBC Serien* kommen „die jungen Leute“ auch ohne Hilfe von ARD/ZDF
    4. Die funk Webseite sieht lieblos und leer aus

    * es wirkt als ob man den Inhalten bzw. Anziehungskraft der Youtuber nicht ganz vertraut

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