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Die Spreeblick-Wahl 2017


Foto by chrisevans

Natürlich wird es Widerspruch, andere Meinungen und Einschätzungen geben, aber das ist ja das Gute: Dass wir nicht nur zwei Parteien haben in Deutschland. Und was auch klar ist: Jede Wahl ist ein Kompromiss. Wir leben in einem hoch individualisierten Land, in Bezug auf die Digitalisierung in einer hoch individualisierten Welt, und letztendlich gibt es wohl für die meisten Bundesbürger_innen keine Partei, die zu 100 Prozent die eigenen Meinungen oder Wünsche widerspiegelt. Auf jedes Bekenntnis zur Wahl einer Partei kann mit „Ja, aber!“ geantwortet werden, es gibt keine perfekte oder fehlerfreie Partei. Denn Parteien sind ja auch nur Ansammlungen von Menschen. Hoffentlich.

Ähnlich wie bei der deutschen Medienlandschaft bin ich aber sehr froh darüber, dass es hierzulande eine vergleichsweise heterogene Parteienlandschaft gibt. Den oft gehörten Vorwurf, alle Parteien seien mehr oder weniger gleich, halte ich für Unsinn. Und wem die absolut richtige Partei fehlt, die seiner Meinung nach auch viele andere Menschen ansprechen würde, der kann sie sogar selbst gründen. Wem das zu viel ist, der kann Vereine oder Initiativen gründen oder sich ehrenamtlich engagieren oder anders und vielleicht sehr lokal politisch aktiv werden, ohne Parteimitglied sein zu müssen. Bei allem Gemecker, bei dem ich ja manchmal selbst gerne dabei bin: Das ist im Prinzip alles schon ziemlich okay. Und besser geht natürlich trotzdem immer.

Ich hatte diesen Artikel zuerst als „Wahlempfehlung“ betitelt, aber ihr seid ja alle erwachsen. Hier ist meine Entscheidung, macht ihr doch, was ihr wollt! ;)

tl;dr (too long, didn’t read)

Die Spreeblick-Wahl 2017 fällt auf Bündnis 90/Die Grünen.
Runner up: Die Partei.

ts;du (too short, didn’t understand)

CDU
Ich habe noch immer Kopfschmerzen von der Kohl-Ära, und obwohl ich in den letzten Jahren durchaus auch Respekt vor Angela Merkel gelernt habe, bin ich davon überzeugt, dass mit der CDU kein modernisiertes Land, kein Umdenken in eine Richtung passieren wird, die mir gefallen könnte. Die CDU ist und bleibt die Partei der Analogen, Alten und Sehrgutverdiener, und obwohl ich selbst nicht mehr der Jüngste bin und auch nicht schlecht verdiene, möchte ich Politik, die sich um die Schwachen kümmert und die Entsolidarisierung der Gesellschaft nicht noch weiter vorantreibt. Mir geht die Finanzpolitik von Schäuble gegen den Strich und ich halte Thomas de Maizière für gefährlich. Gesundheits-, Bildungs-, Internet-, Steuer-, Sicherheits- und Sozialpolitik möchte ich nicht weiter von der CDU bestimmt sehen.

SPD
Die SPD gibt sich mit Martin Schulz augenscheinlich Mühe, den Weg zurück zu alten Tugenden zu finden und dabei den Blick nach vorn zu behalten. Ich glaube, sie können in der Opposition sehr gut unter Beweis stellen, ob sie das auch durchziehen, denn innerhalb der Großen Koalition hat es ja nicht geklappt. Ich weiß, dass viele Leute in der SPD gute Arbeit machen und machen wollen, ich wünsche ihnen daher ernsthaft viele Stimmen. Meine wird diesmal nicht dabei sein.

Die Linke
Ich kann verstehen, warum manche Leute, die ich kenne, Die Linke wählen wollen – ich kann aber, wenn ich die Sozialisierung und Lebenssituation einzelner Menschen kennenlerne, beinahe (!) jede Partei-Entscheidung nachvollziehen. Doch für mich ist Die Linke nicht die richtige Partei. Ich unterstütze einige Positionen, fühle mich aber immer wieder abgeschreckt von einzelnen anderen Positionen oder Personen.

FDP
Die FDP steht für mich noch immer für „Der Markt wird das schon richten“ und da er das nicht tun wird und ich auch gar nicht möchte, dass er das tut, werde ich auch nie FDP wählen. Es kommen noch einige Punkte der letzten Wochen hinzu, die mich die FDP nicht wählen lassen, aber mir ist selbst die Zeit zu kostbar, dazu noch mehr zu tippen. Obwohl ihr Programm in Sachen Digitalisierung im Vergleich mit den meisten anderen Parteien zu den umfangreicheren gehört.

Piratenpartei
Ich glaube, es gibt bei den Piraten einige Menschen, mit denen ich mich inhaltlich bestimmt gut verstehen kann, bei einigen Punkten im Wahlprogramm sieht das aber schon anders aus. Zudem habe ich nur von einer anderen Partei ähnlich viel Unsinn, verbale Entgleisungen und sexistischen Dreck von einzelnen Mitgliedern oder Anhängern gelesen wie von den Piraten, und damit will ich nichts zu tun haben.

Bündnis 90/Die Grünen
Bleiben also für mich Die Grünen. Die Partei, die sich lange vor allen anderen mit Umweltschutz, Klima, Energie und Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat, mit den Themen also, ohne die keine Partei auf dem aktuellen Parkett auftreten darf. Und auch die Partei, die – wie alle anderen Parteien auch – in ihrer Vergangenheit schwerwiegende Fehler begangen hat. Die Grünen sind für mich in diesem Jahr dennoch die Partei meiner Wahl, da ich ihnen den Wunsch nach Aufarbeitung solcher Fehler abnehme und den Eindruck habe, dass sie ihre eigene Modernisierung ernsthaft vorantreiben. Ich hoffe daher, dass ihnen das auch beim Land tatsächlich wichtig ist. Zudem habe ich in den letzten Jahren einige aktive Grüne kennengelernt, die ich für sehr fähig halte und deren Standpunkte ich weitgehend teile.

Ich möchte mit dafür sorgen, dass die Grünen im Bundestag vertreten bleiben. Die Gefahr einer Koalition mit der CDU ist mir bewusst, und ob es wirklich bei einem kategorischen Ausschluss einer Koalition (auch) mit der FDP bleibt, das wird wohl nur die nahe Zukunft zeigen … in beiden Fällen wäre ich aber eher froh, wenn die Grünen wenigstens auch mit am Tisch säßen. Oder eben in der Opposition, auch okay.

Die Partei
In Betracht ziehen kann man aber auch die Wahl von Die Partei, in erster Linie, wenn man sich nicht so sehr auf Kompromisse einlassen kann oder will wie ich, aber trotzdem kein_e Nichtwähler_innen sein will. Die neuerliche Schelte an der PARTEI finde ich unsäglich, denn ich halte die PARTEI keineswegs für ein zynisches Spaßprojekt. Auch hier habe ich Gespräche führen können, welche die einzelnen Leute alles andere als an Politik desinteressiert erscheinen lassen. Kaum eine andere Partei hat so dermaßen klare Haltung gegen Rechts gezeigt wie die PARTEI, kaum eine andere Partei führt den Politikbetrieb so vor, wie es Die PARTEI tut, und kaum eine andere hat sich so intensiv mit den politischen Online-Mechanismen und -Strategien Dritter beschäftigt und dagegengehalten.

Ja, die PARTEI arbeitet mit Humor und Satire, aber auch das ist ein politischer Akt. Man kann die PARTEI als Kunstprojekt verstehen. Und Kunst kann, darf, soll, muss eben auch politisch sein. Wer das innerhalb einer Demokratie verwerflich findet, dem empfehle ich ein paar Minuten Schlingensief. Und danach noch ein paar mehr.

Zur Person

Da ich gelernt habe, dass man die Hintergründe eines Menschen ein wenig kennen sollte, um ihn verstehen zu können (wenn man das will), und da ich nicht davon ausgehe, dass mich alle kennen, die dies hier lesen, ein paar kurze Sätze zu mir:

Jahrgang 1964, geboren im Westberliner Wedding, seitdem wohnhaft in Berlin. Ich arbeite in Kreuzberg und wohne in Tempelhof. Ich bin einer von zwei Söhnen, mein verstorbener Vater war Handwerker, meine Mutter war sowohl Hausfrau als auch Allround-Talent mit diversen angestellten und selbstständigen Jobs, sie ist inzwischen Rentnerin. Ich bin verheiratet, wir haben zwei Söhne, der ältere ist in der Ausbildung, der jüngere lernt an einem staatlichen Gymnasium. Ich selbst habe Abitur, bin aber ohne abgeschlossene Ausbildung oder Studium. Ich war während und nach der Schule zuerst Musiker und Radiomensch, habe später eine Firma mit rund 20 Angestellten geleitet und eine Insolvenz erlebt, inzwischen bin ich Veranstalter, Autor, manchmal Musiker und auch wieder Radiomensch, also mein Leben lang selbstständig tätig. Entferntester Auslandsaufenthalt im Westen: Kalifornien. Entferntester Auslandsaufenthalt im Osten: Moskau. Längste Zeit am Stück im Ausland: Ein knappes halbes Jahr in New York. Ich lebe weder von Finanzerträgen noch von Erbschaften, würde aber beides nicht ablehnen. Selbst, wenn es höher zu versteuern wäre.

Hinweis

Es ist in Deutschland eher unpopulär, die eigene Wahlentscheidung öffentlich zu machen, da man sich angreifbar macht. Ich halte es aber im Rahmen von sinnvollen Diskursen in einer Demokratie für hilfreich, zu persönlichen Entscheidungen zu stehen, sie ansatzweise zu erklären und dann andere Position anzuhören.

Ich bin daher dankbar für eben jene andere Positionen/Gedanken in den Kommentaren, bitte aber darum, die eigene Wahlentscheidung (die natürlich auch eine Nichtwahl sein kann) mit anzugeben und mit ein paar Worten zu begründen. Dankeschön.

32 Kommentare

  1. 01

    Passt jetzt nur am Rande dazu, aber immerhin das.
    Btw. bei Deiner Begründung lese ich große Sympathien für die PARTEI heraus – ohne das irgendwann ein Argument dafür kommt, sie nicht zu wählen. Also: warum trotzdem die Grünen, statt der PARTEI?
    _______________________

    Warum ich (wahrscheinlich) eine Kleinpartei (aka Die PARTEI) wähle und warum dies keine verschenkte Stimme ist.

    Momentan überschlagen sich ja alle mit der Aufforderung wählen zu gehen. Da bin ich dabei, kein Frage. Aber die fast eben so oft gehörte Aufforderung, keine Kleinstparteien zu wählen, da dies ja nur die AfD stärken würde, kann ich nicht mehr hören. Das Argument, dass jede Stimme für eine Partei, die unter der 5%-Hürde bleibt, rein rechnerisch eine Stimme für die AfD sei, ist zwar halbwegs nachvollziehbar, das Prinzip dahinter jedoch ist alt und hat mit dafür gesorgt, dass das Land seit Ewigkeiten von zwei überheblichen Großparteien, die sich ähnlicher nicht sein könnten, regiert … naja, eher lethargisch verwaltet wird. In der Vergangenheit waren es mal die Grünen, die man nicht wählen solle, weil „jede Stimme für die Grünen (statt der SPD) dafür sorge, dass die CDU stärkste Kraft bleibe“, mal waren es die Linken, die in Westdeutschland ja auch lange mit der 5%-Hürde zu kämpfen hatten: Auch wenn es der eigenen Überzeugung widerspräche: mal solle lieber FDP, oder gleich SPD wählen, weil sonst die CDU die stärkste Kraft etc.
    Nach dieser Argumentation dürfte es heute weder die Grünen, noch die Piraten, oder die Linke geben. Man könnte neue Parteien genau so gut verbieten, denn wer soll garantieren, dass eine beliebige hypothetische Neupartei vom Start weg und auf jeden Fall die 5%-Hürde schafft?
    Im Gegenzug sorgt das Argument dafür, dass Grossparteien sich nicht mehr aufmerksam um den Willen ihrer Wählerschaft bemühen müssen: sie müssen keine Ideen, keine Visionen, keine eigene Überzeugung haben; einen Hauch weniger Scheisse zu sein, als der historische Gegner reicht schon. Ich kenne einen Haufen Leute, deren einziger Grund, SPD zu wählen nicht irgendwas ist, *wofür* diese Partei stünde, sondern einzig und allein, „weil die CDU ja noch schlimmer ist“. Dass jenen Leuten das Parteiprogramm anderer Parteien vielleicht deutlich mehr zusagt, als jenes der SPD? Geschenkt, so lange man verhindern kann der Erzfeind gewinnt. Dafür wird dann auch gern in Kauf genommen, dass sich SPD und CDU nur noch marginal unterscheiden.
    All das ist Grund dafür, dass die Politik so ist, wie sie sich heute darstellt: Stagnation, Konservatismus, Angst vor Veränderung und das „sich irgendwie durchwurschteln“, möglichst ohne anzuecken. All das ist auch der Grund dafür, dass die Schmeissfliegen der AfD überhaupt so groß werden konnten. Die haben nicht ohne Grund das Wort „Alternative“ in ihrem Namen, sondern weil sie erkannt haben, was hier vielen fehlt. Nicht falsch verstehen: die Antworten die sie bieten sind falsch wie nur was und die ganze Partei ein Sammelbecken für die ganz, ganz Dummen und die ganz, ganz großen Arschlöcher. Aber: sie befriedigen scheinbar den Wunsch nach Veränderung.
    Es wäre schön, wenn es noch andere Alternativen für Deutschland gäbe. Menschlichere, sozialere, intelligentere und mutigere Alternativen. Aber eben Alternativen zum großen neoliberalen Gesummse. Diese wird es nur über das Erstarken neuer Parteien geben. Andernfalls müssen wir uns darauf einstellen, dass bei der Wahl in vier Jahren die AfD stärkste Kraft wird, weil noch mehr Leute die Nase voll von der lethargischen Wurschtelei haben.
    Also: geht wählen. Nach eurer Überzeugung, nicht nach taktischem Kalkül. Lest euch Parteiprogramme durch. Kuckt euch an, in wie weit Parteien in der Vergangenheit zu ihren Wahlkampfversprechen gestanden haben, wie sie gearbeitet haben. Und wenn dabei eine Kleinstpartei herauskommt: wählt diese.
    Aber: wählt nicht die AfD, sie ist sehr schlecht.

  2. 02

    Ich bin 10 Jahre jünger und wohne in Bayern. Und kann _jedes_ Argument sehr gut teilen. Super, Johnny!
    P.S. Ok das macht die Welt jetzt nicht bunter / bringt die Diskussion ungefähr gar nicht weiter…

  3. 03

    @Mart: Wähl DIB Demokratie in Bewegung. Die wollen Politik machen, ohne den satirischen / ironischen Ansatz, der mich schmunzeln lässt, aber möglicherweise nicht überall verstanden wird, und einer „ernsthaften“ AFD nicht gerecht wird.
    Wenn ich die DIB im Wahl-o-mat oder Wahlswiper dazuschalte, komme ich auch über 80% Gemeinsamkeit. Aber halt spassbefreit…

  4. 04
    Karsten W

    Hey Johnny, danke für den Artikel.

    Mit deinen Positionen (Ansichten) gehe ich soweit konform..dennoch kann ich mich mit den Grünen nicht anfreunden. Und das noch nichtmal wegen deren Vergangenheit (wie auch Du, so nehme ich ihnen durchaus ab, dass sie diese ernsthaft aufarbeiten wollen)…, sondern weil sie Spenden von Firmen annehmen. Sicher, eine streitbare Ansicht.., war es doch, wenn ich mich recht entsinne..nur eine (2015 vom Südwestmetall-Verband).., welche mir jetzt so spontan einfällt…, dennoch für mich pers. eine Prinzipsache.

    Ich selber schwanke noch ob beide Stimmen an die Linke gehen (ja, auch mich schrecken einzelne dort sehr ab.., insgesamt aber fühle ich mich dort gut vertreten) oder eine an das Bündnis Grundeinkommen (ich halte das BGE für eine sehr, sehr wichtige Sache) oder beide an die Partei (eine wirklich tolle Partei..mit die einzige/eine der wenigen, wo ich gerne Mitglied wäre) und Kuno hier aus Leipzig ist einfach ne coole Sau.

    Kurz zu meiner Person: 31…seit knapp 5 Monaten den ersten richtigen Job überhaupt (bei manchen machts eben erst relativ spät klick..was das in der Luft treiben angeht), ledig..sehe mich in erster Linie als Mensch und erst irgendwo weiter hinten als Deutscher. Ich sehe mich als politisch interessiert, gebe aber durchaus zu, dass ich vom politischen Betrieb etc. nicht soo die Ahnung habe. ..aber um braun scheiße und absolut destruktiv zu finden gehört da wohl nicht viel Ahnung zu.. ^^ (es sei denn natürlich man sieht die Welt gerne brennen…)

    Gruß aus Leipzig! :)

  5. 05
    Katja

    Ich habe mich ebenfalls in den letzten Wochen so viel und so lange mit ebendieser Frage auseinandergesetzt wie noch nie zuvor. Habe mir so viele Parteiprogramme und Kandidaten angeschaut wie noch nie. Und bin zu demselben Ergebnis gekommen wie Du, Johnny.

    CDU und FDP standen noch nie zur Diskussion, sowieso, die FDP hat es zwar scheinbar halbwegs erfolgreich geschafft, sich das von allen anderen schmählich vernachlässigte Thema Digitalisierung zu schnappen, besetzt aber selbst das auf eine Art und Weise, die mir gewaltig gegen den Strich geht.

    Als die Schulz-Kandidatur angekündigt wurde, dachte ich für einen kurzen Moment lang, ich könnte mal wieder SPD wählen, weil ich Schulz im Europaparlament ein paar Mal sehr überzeugend fand. Das hat aber nicht lange angehalten.

    Würde ich meinen Wahl-o-Mat-Ergebnissen und diversen anderen Wahl-Tests folgen, müsste ich DIE LINKE wählen. Die ist mir aber personell zum Teil schlicht zu unsympathisch und in einigen politischen Haltungen (beispielsweise, aber lange nicht nur, außenpolitisch) einfach suspekt. Ich kann sie nicht greifen und habe ständig das Gefühl, hinter ihren zustimmenswerten Äußerungen steckt noch eine Ebene, mit der ich ganz und gar nicht einverstanden bin.

    Ich würde mir DIE PARTEI etwas genauer überlegen, wäre da nicht das AfD-Problem. Ich schaffe es bei dieser Wahl schlicht nicht, meine Stimme einer Partei zu geben, die es nicht in den Bundestag schaffen wird. Eine Stimme für eine Splitterpartei rechnet zwar immer noch den AfD-Prozentsatz runter, ist aber keine Stimme für eine hoffentlich sehr breite und entschlossene Front im Bundestag gegen die AfD.

    Aus diesen – und einigen anderen – Gründen sind auch die Piraten leider raus. Mich hat es erschreckt, wie wenig ich von denen in den vergangenen Jahren noch mitbekommen habe. Und frage mich gleichzeitig, wie stark meine Wahrnehmung medienbeeinflusst ist und wieviel Manipulation da wiederum drinsteckt. Aber das wenige, was ich mitbekommen habe, war zu häufig auch Mist (was Johnny oben sagt), deshalb ist die Piraten-Euphorie, die hier durchaus mal da war, inzwischen wieder Geschichte.

    Bleiben also die Grünen. An denen schon immer mein Herz hing und irgendwie dann doch noch immer hängt, auch wenn sie mich in letzter Zeit massiv enttäuscht haben. Es bleibt eben immer noch die Hoffnung, dass sie irgendwie zur klaren Kante und zum wirklich „grünen“ Profil zurückkehren. Dass das möglicherweise eine naive Hoffnung ist, ist mir durchaus klar. Aber eine Hoffnung eben immerhin. Mehr als das kann mir derzeit keine andere Partei bieten.

  6. 06

    Habe gewählt. Zweitstimme Die Linken, Erststimme Die Partei.

    Die Linke ist schwierig, halte ich aber momentan für die einzige Partei die zumindest dem Anschein hat, noch so etwas wie den sozialen Habitus in diesem Land wenigstens stabil zu halten. Die SPD hat m. E. versäumt, diesen Eindruck zu erwecken. Und sie hat versäumt sich für das Leiden, das sie mit der Agenda 2010 über sehr viele Menschen in diesem Land gebracht hat, zu entschuldigen.

    CDU/CSU, FDP geht gar nicht aus Gründen. Die Grünen – haben über die Jahre es leider auch nicht geschafft sich inhaltlich zu etablieren. Und: Agenda 2010-Mittäter gänzlich ohne Schuldbewusstsein. Und tschüss!

    Was die Personalie bei den Linken anbelangt, ich gehöre eh nicht zu den Personen, die den Parteivorstand als Person wählt. Die Person, die mir bei den Linken z. B. am wenigsten sympathisch ankommt, ist die Person, vor deren volkswirtschaftlicher und globalökonomischen Fachkenntnis ich den Hut ziehe. Und ihrem Spaß daran, die Dinge beim Namen zu nennen. Ich muss jemanden nicht leiden können, um ihm absolute Fachkompetenz zuzugestehen.

    Auf so jemanden komme ich nach all den Jahren, (*1965) die ich nun Politik erlebe, noch am ehesten klar. Vor allen anderen Wahlprogrammen der Parteien stehe ich und kann eigentlich nicht glauben, wie uninteressiert die sich hinsichtlich der deutschen Zukunft in fast allen Bereichen zeigen. Und wie sehr sie einen immer noch dreist in die Fresse lügen. Womit ich im übrigen das größte Problem habe. dieses ständig für blöd gehalten zu werden. Ist nicht mein politischer Zeitgeist.

    Die Partei ist es, weil ich wenigstens ein bisschen Spaß haben möchte in diesem Trauerspiel. Weil ich sie für sehr intelligent in ihrer Kommunikation und Argumentation halte (hat Sonnenborn ja gerade heute wieder in seiner Abschiedsrede vor dem EU-Parlament bewiesen.) Die Partei tut weh – aber wenigstens mal den Politikern.

    Außerdem mag ich, wie die in der Adalbertstraße vor ihrem Büro auf der Straße stehen und fröhlich Bier trinken.

  7. 07

    Ich bin beim selben Ergebnis angelangt, auf etwas anderem Weg. Die Grünen sind das geringste Übel in diesem Jahr und haben wenigstens ein paar kluge Köpfe (die ich bei der Linken wahrlich nicht entdecken kann). Ja, sie sind Mittäter der Agenda 2010 und somit Mitverursacher der Spaltung der Gesellschaft zusammen mit Gazprom-Gerds ehemaliger Arbeiterpartei. Aber bei denen habe ich noch einen Funken Resthoffnung.

    Schulz ist ein Opportunist ohne jeden Funken Haltung oder Ausstrahlung und der Rest der SPD ist ohnehin völlig indiskutabel. Die müssen ganz, ganz dringend in die Opposition und jeder Prozentpunkt über 20% wäre eine Schande. Wenn’s nach mir ginge, flögen sie achtkantig aus dem Bundestag in die verdiente Bedeutungslosigkeit. Wer 15 von 19 Jahren in der Regierungsverantwortung steht und regelmäßig so tut, als sei er Opposition, der ist für mich keinen Pfifferling wert. Man kann nicht immer rumjammern, dass [hier beliebiges Problemthema] leider, leider mit der pöhsen CDU nicht zu machen war und sich dann freudig an der Macht festhalten um die eigenen Pfründe zu sichern. Nein, die SPD muß sich komplett erneuern und mit dem aktuellen Personal wird das nicht passieren.

    Ebenso indiskutabel sind für mich die Linken; die Wagenknecht ist rechts von Attila dem Hunnen und klar in der falschen Partei, der Rest ist mehr oder weniger unsichtbar bis indiskutabel, das Programm mag tw. okay sein, aber ich traue denen schlicht null zu. Sicher auch, weil sie sich so offensichtlich als Krawallos wohlfühlen, so lange sie keine Verantwortung übernehmen müssen, was sie wohl auch nicht wollen.

    Die FDP schließe ich aus denselben Gründen aus wie Du; das soziale Klima im Land ist bereits eiskalt dank GroKo, da braucht es keine FDP um noch ein paar Grad weiter runterzukühlen.

    „Die Partei“ ist für mich „Nichtwählen für Feiglinge“, sorry für die harschen Worte. Ich kann da weder künstlerische Ansätze noch irgend welche politischen Positionen erkennen und ich finde diese (wie eigentlich jede) Wahl viel zu wichtig, um eine Stimme für ein chancenloses Spaßprojekt zu verschwenden, die bitterst im Bundestag benötigt wird, um den Nazis, die vermutlich Oppositionsführer sein werden, Paroli zu bieten.

    Merkel wird Kanzlerin bleiben, was ich innenpolitisch enttäuschend finde, frischer Wind wäre schön, andererseits finde ich sie super im Hinblick auf Stabilität in Europa und auf der Weltbühne. Es reicht ja wohl, wenn wir in der EU die chaotische Gurkentruppe in Grossbritannien, die rechten Irren in Polen und Ungarn oder den Clown im Weißen Haus haben. Wenigstens Deutschland sollte kühlen Kopf bewahren; noch so einen Westentaschenmacho wie in Frankreich oder „ich hab‘ die Haare schön“-Typen wie in Kanada braucht’s echt nicht. Oder, wie ein britischer Freund seufzte, mit Hinblick auf Merkel: „It must be nice to have a grownup at the helm.“

    Zu mir: Ich bin Bj. 67, freiberuflich tätig, wähle seit jeher taktisch und „das kleinste Übel“. Für mich, wie gesagt, ist das in diesem Jahr die Grünen/Bündnis 90.

  8. 08
    Xanu

    Hey Jonny, gute Analyse, einfach nachzuvollziehen. Trotzdem werde ich keine Partei wählen. Das sind doch alles Nebenschauspielplätze, die da in den Medien und auch von dir als Kriterien hochgehalten werden. Echte Politik wird schon lange woanders gemacht, Stichwort EZB und da gibt es keinen demokratischen Zugriff mehr.

  9. 09

    Ja, das kann ich so unterschreiben. Mir fehlt noch die oft gescholtene „moralische Komponente“ bei den Grünen. Ich finde das aber gar nicht so verwerflich, politische Ziele auch moralisch zu hinterfragen :-)

    Interessant ist übrigens auch, dass ich fast ebenso alt bin und eine sehr ähnliche „Karriere“ hinter mir habe, nur dass ich statt Musik bildende Kunst gemacht habe (mache). Erfreulich finde ich auch, dass die Grünen bei der aktuellen „Schüler-Vorwahl“ (oder so ähnlich) mit ca. 16% auf dem 3. Platz liegen. Offenbar ist das Programm und die Ziele der Grünen doch noch nicht so alt wie wir. :-)
    Gruß, Martin

    PS: eigentlich fehlt nur noch, dass Du geschrieben hättest, dass Du Dich eigentlich schon seit Jahren bei den Grünen engagieren wolltest – das aber irgendwie nicht mit Deinen kulturellen Lebensschwerpunkten vereinbart kriegst :-)

  10. 10
    ber

    Wie glaubwürdig und umsetzbar sind grüne Wahlforderungen in den Bereichen Steuern und Soziales (oft deckungsgleich mit den Linken), wenn sie eine Koalition mit der CDU anstreben?

    Und was sagt es über die grüne Wählerschicht aus, wenn sie bereit sind eine Koalition zu unterstützen, wo diese (sinnvollen) Forderungen mit großer Sicherheit kassiert werden?

    Ja, ja ich weiß – Kompromisse und so …

  11. 11

    Gute Wahl, ich habe mein Kreuz auch bereits bei „den Grünen“ gemacht :)

    Jahrgang ’79, Abi, selbständig seit 3 Jahren in der Creative Branche.

  12. 12

    Sehr gute Wahl, freut mich. Bin ja seit 2002 sogar Grünen-Mitglied.

    Jahrgang 1981, Dipl.-Kfm. techn., seit gut vier Jahren selbstständiger Unternehmer im Digitalbereich

  13. 13

    Danke für die Kommentare und Ansichten, es kann eben doch Spaß machen und lehrreich sein, mal andere sachlich begründete Meinungen zu lesen!

    Was eigenes politisches Engagement in einer Partei angeht, @Mißfeldt: Ja, ich winde mich da mit nicht vorhandener Zeit raus und rede mir ein, dass ja auch eine re:publica oder eine TINCON wenigstens ein bisschen politische Arbeit wären. Ist natürlich trotzdem nicht das Gleiche. In Wirklichkeit habe ich sowohl Respekt als auch etwas Angst vor echter Partei-Arbeit. Viele, viele Kompromisse, viel Strategie, langes Warten, immer wieder überzeugen müssen und dabei immer sachlich bleiben … reden, reden, schreiben, schreiben, reden … und ich hasse Meetings. :) Das würde mich zermürben, fürchte ich. Ist wohl leider eine Mischung aus tatsächlich fehlender Zeit, aber auch Faulheit und fehlendem Mumm.

  14. 14

    Ich bin wie immer größtenteils mit Dir, Johnny. Auch wenns bei mir die links / grüne Kombi ist – wir Ossis teilen ja nicht ganz eure alten westdeutschen Ängste vor der bösen Altkommunistenbrut obwohl da sicher was dran ist, das könnte ich sogar aus dem Bekanntenkreis belegen ;)

    Bei einem muss ich aber wie diverse Vorredner vehement widersprechen und das ist wieder mal -oder immer noch- Deine Flirterei mit den Sozen. Ganz ehrlich und aus Sicht eines Meeresaktivisten und Umweltschützers an die Adresse eines Grünen-Wählers: Ich halte es verantwortungslos, als Mensch, dem die Lebensqualität auf diesem Planeten am Herzen liegt, diesen wirtschaftshörigen Nichtsnutzen noch irgendeine Relevanz zuzusprechen. Picken wir nur mal 2 Themen, bei denen die SPD Fraktion verantwortungsvoll und nachhaltig hätte handeln können:

    Fracking und Glyphosat.

    Bei ersterem haben Sie dreist mitgeholfen, die Tür für Experimente aufzuhalten. Und auch bezüglich des Einschreiten des Staates beim Thema Glyphosat auf Antrag von Grünen und Linken haben Sie sich zu Merkels und Monsantos Erfüllungsgehilfen gemacht. Und wenn Du schreibst, daß Du weißt das viele in der SPD Fraktion einen guten Job machen und ihnen ernsthaft viele Stimmen wünschst dann würde ich gerne anhand dieses Abstimmungsergebnisses hier sehen wo Du denn da genau das Potential vermutest – man sieht hier nämlich nur hörigen Fraktionszwang unter der Flagge von Bayer in Form einer einzigen Stimme die sich dagegen stellt und ganzen vier Enthaltungen:
    http://bit.ly/2wDviRF

    Und ich für meinen Teil wünsche der SPD nicht viele Stimmen sondern prophezeie und wünsche mir genau das Gegenteil: Daß Sie mit dem lächerlichsten Kasperkandidaten den sie jemals ausgegraben haben endlich unter die 20% rutschen, danach noch weiter abstürzen, um dann als kleiner Partner in einer großen Koalition der Vernünftigen endlich die teigige Matrone vom Thron zu stoßen.

    Nur so wird im diesen Land wieder nachhaltige Politik möglich sein.

  15. 15

    @Johnny Haeusler: ja, genau so. Insofern sollte man allen dankbar sein, die sich die Zeit nehmen und genug Kraft und Mumm haben. Und das wiederum gilt dann auch für alle anderen (Parteien und Politiker). Auf dieser Grundlage kann man dann auch wieder gut und sachlich über Inhalte und Ziele reden.

  16. 16

    @Mö: Ich gebe zu: Das war mir so bisher nicht bekannt. Daher danke für die Links!

    @Mißfeldt: Yup. :)

  17. 17
    nikö

    Ich möchte stark dem ersten Kommentar beipflichten; das taktische Wählen, bei dem nur die großen Parteien in Betracht kommen, ist eine Pest. Ein Gesinnungswandel ist schwer vorstellbar, weil jene wenigen, die Wählen gehen, die Stimme nicht verschenken wollen, was sie in meinen Augen damit paradoxerweise tun, zumal es ja häufig damit anfängt, dass sie z.B. SPD wählen, statt der eigentlichen Präferenz grün… (Hatte mal einen Artikel gelesen, dass ein Wahlsystem, das mit Punkten, statt einziger Stimme arbeitet, die Präferenzen der Wählerschaft viel besser abbilden kann. Was jetzt nicht sehr verwunderlich ist… Bin ergo für eine Änderung des Wahlrechts, die Auszählung wäre halt aufwändiger.)
    Und nun bin ich dieses Jahr entgegen meiner Überzeugung noch unentschieden, drauf und dran aufgrund der AfD und dem möglichen Supergau einer erneuten groko, selbst taktisch links oder grün zu wählen (letztere scheinen mir effektiv in der Sozial- und Wirtschaftspolitik, böse gesagt, zu FDPig) – und das, obwohl ich zu dieser Wahl vom passiven Wahlrecht Gebrauch mache, auf der Landesliste einer (sehr guten) Kleinstpartei.
    Bin Freiberufler, was mit Internet, 38, Wedding (im hiesigen Gentrifizierungsepizentrum, aber Mietglück mit Kohleheizung), wenig Einkommen, viel Musik.

  18. 18
    Tim

    Und die Tegel Stimme?

  19. 19
    Boris

    Also bei mir werden es auch die Grünen.
    In erster Linie weil ich im Ausschlussverfahren vorgegangen bin.
    Ich sehe starke Defizite in der Entwicklung in Deutschland, gerade in den Bereichen Modernisierung, Bildung, Umweltschutz und soziales.
    Desweiteren fehlt mir eine Partei, die auch mal unbequeme Wahrheiten anspricht ohne damit Menschen aufhetzen zu wollen.
    Beispiel Arbeitsmarkt, klar zu sagen das wir in naher Zukunft durch technischen Fortschritt viele Arbeitsplätze verlieren werden gehört dazu.
    Und das es schon seit je her falsch ist, erfolgreiche gute Politik an der Anzahl der Arbeitslosen zu messen. Ansich ist der Fortschritt doch gut. Wenn man weniger menschliche Arbeit braucht, aber dann müssten die Menschen nicht länger arbeiten, sondern wir bräuchten die 20 std Woche und Rente mit 55.
    Auf jeden Fall bin ich ursprünglich auf die Partei der Humanisten gestoßen, auch wenn ich mit der Partei nicht immer einer Meinung bin, kann ich deren Standpunkte immer gut nachvollziehen.
    Leider wird die Partei an der 5% Hürde scheitern.
    Ich fände das System der Ersatzstimme hier sehr hilfreich, aber das System wollen die etablierten Parteien aus guten Grund nicht.
    Da ich den großen Parteien in einer Koalition mehr schuld an Regierungsfehlern gebe, kommen SPD und CDU schon mal nicht in frage, einseitig gewandte Politik wie links oder rechts aussen (teilweise radikal) lehne ich grundsätzlich ab. Damit sind die Linken und AFD auch raus.
    Eine der Markt reguliert sich selbst Haltung, hat in Zeiten von Amazon, ikea und Google schon etwas satirisches. Aber insofern scheidet auch die FDP aus.
    Auch wenn die Grünen einiges falsch gemacht haben, ist es die Partei deren Grundphilosophie ich zu 100% teile. Und bei den Problemen die im Bereich Umwelt auf uns zukommen, die einzige Partei (die über 5% kommt), der ich etwas zutraue.

  20. 20

    @Jan: Die finde ich inhaltlich auch sehr gut, aber die werden noch viel deutlicher an der 5%-Hürde scheitern, als die PARTEI.

    Ich vermisse den alten Spreeblick. Da wären die Kommentare inzwischen im dreistelligen Bereich – und Johnny aktiver beim Diskutieren dabei.

  21. 21
    (muss nicht sein)

    Ich sehe jeden Punkt fast genauso, bin jedoch zu einer anderen Entscheidung gelangt: Die Linke

    Ausschlaggebend für mich war, dass die Grünen in der Vergangenheit selbst in einer Koalition mit der SPD ihre Kernwerte verkauft haben und in den Krieg gezogen sind und ich nicht wirklich erleben möchte wie sie in einem Jamaika-Bündnis agieren.

    SPD wähle ich aus den im Text genannten Gründen nicht direkt, also bleibt nur noch Kleinstpartei oder die Linke. Da die Hoffnung zuletzt stirbt, dass Schulz evtl. Kanzler wird, wähle ich somit den potentiellen Koalitionspartner mit dem die SPD im Falle eines Falles beweisen kann wie viel wert ihr neuerliches Gerede von Gerechtigkeit ist. Als netter Nebeneffekt (aber eben nicht ausschlaggebend) schwäche ich die AfD.

    Ich bin Jahrgang 80 und in Westdeutschland aufgewachsen.

  22. 22
    (muss nicht sein)

    Nachtrag: Ich habe studiert und ein gehobenes Einkommen. „Die Linke“ ist also eine recht uneigennützige, bewusste Entscheidung.

  23. 23

    @Mart: Ja, war mal mehr los hier. Aber damals hab ich halt auch kaum etwas anderes gemacht/machen können. Zeiten ändern sich, ein Großteil der Kommentare findet heute auf Twitter und FB statt.

    Aber dafür sind andere Sachen ja auch toll. :) Und schön, dass du gerne daran zurückdenkst. Tu ich auch!

  24. 24

    Wo ist der „like“-Button, wenn man ihn mal braucht?

  25. 25

    nachdem ich mich durch etliche tests gewühlt hatte, kristallisiert sich allmählich verblüffenderweise eine entscheidung für die linken heraus, was seltsamerweise die partei bibeltreuer christen, die tierrechtsparteien und die feministische partei etwas außen vor läßt. seit kriegsbeteiligung und anderen kompromissen sind die grünen nur mit gemischten gefühlen wählbar, die linken aufgrund pds-sed nicht, also bliebe die partei als einzig wählbare oder eine starke demenz als grundvoraussetzung für die wahlkabine? wer vergeben und vergessen kann, dennoch unklar ist und sich die schwierige auswahl computergestützt erleichtern lassen will: in https://sensiblochamaeleon.wordpress.com/2017/09/12/bundestagswahl-2017/ sind die meisten derzeitigen wahlentscheidungshilfen von musikomat über scienceomat, wahlomat, steueromat, deinwal, mahlowat, wahlnavi, digitalomat, paritätomat, agraromat bis sozialomat aufgelistet.

  26. 26
    Björn

    Toller Artikel. Ich kann die einzelnen Positionen gut nachvollziehen.

    Für mich ist es derzeit ein Ausschlußverfahren. Ich fühle mich von kaum einer Partei vertreten.

    Ich würde die CDU wählen, wenn es Merkels Partei wäre. Leider ist sie das nicht. Solange die CSU weiter gegen eine vernünftige Integrationspolitik, grüne Energie und dem Ausbau der technischen Infrastruktur ist, kann ich sie nicht wählen.

    Die SPD ist mir zu richtungslos. Schulz spricht populistische Antithesen und verzweifelte Angriffe auf die CDU, aber hat kaum ein eigenes Programm oder eine Idee wie dieses Umzusetzen ist.

    Die Grünen haben damals als Regierungspartei bewiesen wie unfähig sie sind, auch nur irgendwas umzusetzen. Stattdessen gab es Ölpipelines nach Russland.

    Die Piraten sind eine Partei deren Wahlprogramm ich großartig finde, in fast allen Hinsichten. Leider kenne ich viele Mitglieder der Piraten, und halte sie nicht für Arbeitsfähig. Dies ist eine Spaßpartei ohne den Humor. Sie hatten ihre Chance in Berlin, und haben es nicht nur nicht genutzt, sondern auch deutlich bewiesen dass es keine funktionierende Partei ist.

    Ich sympathisiere auch mit den idealen der Linken, aber nicht mit den vorgeschlagenen abstrusen Umsetzungen. Die Wagenknecht hat für mich ein bisschen was von den Yogi Fliegern – wenn man nur ganz stark an das Gute im Menschen glaubt, wird das schon alles wieder gut.

    Die FDP hat eine ähnliche Auffassung dazu, nur andersrum. Wenn wir alle an das Gute in der freien Marktwirtschaft glauben, wird das schon irgendwie klappen. Das glaube ich nicht.

    Für mich bleibt Die Partei dieses Jahr die einzige Alternative. Zumal ich ihre Aufklärungsarbeit gegen Rechts und die AfD auch offiziell mit meiner Stimme unterstützen möchte. Martin Sonneborn ist zudem einer der wenigen EU Politker, die sich auch wirklich für die EU interessieren. Das ist traurig, aber wahr.

  27. 27

    …die #DiB Demokratie in Bewegung hattest du dir nicht angeschaut? Mach mal den Wahl-O-mat ;)
    Herzliche Grüße
    Torsten

  28. 28
    karl

    Ich gebe beide meiner Stimmen der AfD.

    Ich halte eine abweichende Meinung im Parlament für eine gute Sache. Das Wirtschaftsprogramm der AfD hat für mich Hand und Fuss und ich finde das Problem der ungeregelten Messeinwanderung gleichermassen für dringend und wichtig. Ausserdem finde ich den undemokratischen Umgang mit dieser Partei für unwürdig und absolut beschämend. Alleine das würde fast schon ausreichen.

  29. 29

    Alle 4 Jahre wieder der leidige Vorwurf, „geh wählen oder du stärkst die Extremisten!“
    Allein, die Arithmetik stimmt nicht.
    Weniger Wähler bewirken weniger.
    Nichtwähler bewirken mehr!
    Lass den Anteil der Wahlverweigerer auf 40% steigen & das politische Establishment kann vor Scham im Boden versinken.
    Wahlverweigerung ist eine Folge falscher Politik, maroder Ego-Tripper & das Volk verhöhnender Interessenwirtschaft.
    Nichtwähler haben u.a. Trump & diesen Verbrecheridioten auf den Philippinen möglich gemacht.
    Das löst – selbst unter den eigenen Anhängern – so viel Bestürzung aus, dass im nächsten Gang das Wahlvolk wieder genauer hinguckt & nicht auf die erst besten Populisten reinfällt. Und das Votum nach dem Desaster zeitigt einen Fortschritt, den es ohne nicht gegeben hätte.
    Den Nichtwählern sei Dank!

    Im Übrigen halte ich es mit Rosa Luxemburg:
    „Wenn Wahlen etwas bewirken würden, wären sie längst verboten!“

  30. 30
  31. 31
    Kain

    „Eine Regierung ist nicht der Ausdruck des Volkswillens, sondern der Ausdruck dessen, was ein Volk erträgt.“ (Tucholsky)

  32. 32

    @Tim: Sorry, habe ich überlesen. Bisschen spät jetzt, aber ich hatte mit „Nein“ gestimmt, also gegen das Offenhalten.

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