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Ich bin noch wach

Die Geschichte meiner persönlichen Zeitverschiebung fing mit einem juristischen Winkelzug an.
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Die Ausweitung der Krampfzone

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Carl Friedrich war mein Nachbar in der Bonner Südstadt, ein hochrangiger Beamter. Carl war weitgereist, sprach unüberschaubar viele Sprachen, darunter auch Kleinode, die nur in vier kasachischen Schluchten gesprochen werden. Wenn ich ihn besuchte, kochte er nicht nur italienisch, er zauberte einen italienischen Abend, vermutlich besorgte er sogar italienischen Sonnenschein, der seine erlesen eingerichtete Wohnung in venezianisches Licht tauchte. Konversationen mit ihm waren ein intellektueller Gang Bang, er zitierte Kirchenväter und den Bürgermeister von Ulaanbaatar, setzte das Bruttoinlandsprodukt von Schweden ohne Verrenkungen in Bezug zu Cargo-Kulten und präkolumbischen Tanzriten. Zudem war Carl Friedrich von erlösendem Geschlechtsverkehr weiter entfernt als Cher von natürlicher Schönheit.
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98

Acht Vorurteile über Berlin

1. In Berlin leben Berliner.
Das ist im Grunde kein echtes Vorurteil mehr, weil jeder, der schon einmal in Berlin war, weiß, dass es zwar Kinder gibt, die in Berlin die Schattigkeit der Welt erblickten, diese aber niemals von Eltern stammen, die ebenfalls in Berlin geboren wurden. Wird man als Berliner geboren, will man irgendwann in eine richtig große Stadt, also nach New York, Paris oder Karlsruhe. Oder man stirbt aus.
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19

Dirk

Dirk Pforzner sah bereits als Sechsjähriger aus wie ein IVECO-Vertragshändler. Dies wurde noch dadurch unterstrichen, dass er ein T-Shirt trug, auf dem IVECO draufstand. Das wiederum lag daran, dass IVECO der Trikotsponsor von Bayern München war. Bei allen guten Gründen, die dafür sprechen, Bayern München nicht zu mögen: Ich mag Bayern München nicht wegen Dirk Pforzner.
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73

Micaela

Das war kein Schlussmachen, das war eine Hinrichtung. Micaela bleckte die Giftzähne und zischte in ihr Handy: „Und im Bett warst du sowieso scheiße!“ Ich saß im Auto neben ihr, bereit für das Freibad. Kurz bevor wir abfahren konnten, hatte ihr Freund Marcus angerufen. Sie waren seit sechs Jahren zusammen und sie hielt diesen mittagsheißen Tropentag für den richtigen Zeitpunkt, dieses glühende Auto für den richtigen Ort, ihre Beziehung zu beenden. Das Gespräch zog sich hin, ich schwitzte wie ein Schwein in Mekka, deshalb war ich – obgleich peinlich berührt – doch auch ein wenig froh über diesen dramatischen Höhepunkt. Außerdem hatte Micaela Recht; Marcus war wirklich scheiße im Bett.
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Ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll

Es verhält sich jedenfalls folgendermaßen:
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LSD

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Platon hätte seine helle Freude an uns gehabt. Wir hatten einander verloren und als wir uns nun wiedersahen, über ein Meer von zuckenden Körpern hinweg, da war mir, als sei ich Eidotter und hätte meine Schale wieder gefunden. Und auf dem Gesicht meiner Schale sah ich dieselbe Freude. Ich wusste nicht, dass mir die längsten 22 Stunden meines Lebens noch bevor standen.

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51

Star Wars

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Es war einmal in ferner Zukunft auf einem Spielplatz in Aachen-Laurensberg. Ich war zehn Jahre alt und spielte mit meinen Freunden das EM-Finale von 1984 zwischen Portugal und Frankreich nach. Recht unvermittelt fing mein Freund Markus Hahnemann, genannt Hähnchen, in einer Verschnaufpause an, von Han Solo und seinem Rasenden Falken zu erzählen. Ich verstand zunächst nicht einmal Bahnhof, aber Darth Vader, Obi Wan-Kenobi, Jabba, Boba Fett, diese raunenden Namen klangen dunkel und geheimnisvoll.
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Schneewittchen – Der deutscheste Seufzer

Kürzlich las ich von irgendeiner Bundesbeauftragten für höheren Blödsinn, deren Lebenswerk es ist, für einen möglichst rauchfreien Bildschirm zu kämpfen. Da musste ich an Schneewittchen denken.
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14

Klüger Clubben

Einen Kompromiss über die europäische Verfassung zu finden zwischen durch Gräben getrennten Staaten, wobei die Gräben mit Millionen von Toten aufgehäuft sind, ist von kindlicher Einfachheit im Vergleich dazu, sich mit sechs Menschen, von denen fünf zu früh mit Mixgetränken angefangen haben, über ein Ausgehziel zu verständigen. In Berlin. Wo doch so viel geht, dass man – egal, wohin man geht – immer etwas verpasst.

Zur Wahl stehen das Weekend, das Watergate, das Golden Gate. Das in der Spreeblick-Mailingliste bewährte Verfahren (jeder zwei Stimmern, ein Vetorecht) wird klar als Albernheit erkannt. Zum Schnick-Schnack-Schnuck kommt es nicht, weil eine Einigung über den Modus nicht erzielt werden kann. Also einfache Abstimmung, zunächst aber noch die wichtigsten Argumente.

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Der Celebrity-Sextape-Führer

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„Hast du etwa die Kamera an?“ – „Ich möchte eine Erinnerung an dich haben.“ – „Aber ich bin doch da.“ – „Wenn wir alt sind, können wir sehen, wie schön wir mal waren.“ – „Und wenn wir uns trennen?“ – „Dann bekommst du das Video. Versprochen.“

Rob Lowe war einer der strahlendsten Jungsterne am Hollywood-Firmament, bis ein Sextape, das ihn beim Verkehr mit einer Minderjährigen zeigte, sein Licht dimmte. Der Teil des Tapes, in dem man ihn mit einem weiteren Mann und einem Model sehen konnte, kam in den Handel. Heute gehören Sextapes zu jeder gut gepflegten Zelebritäten-Biographie dazu. Durch das Dickicht der Superstar-, Supererben-, Eurovison-Song-Contest-Teilnehmer-, R´n´B-Schluchzer- und Supermodelsextapes blickt der Konsument nur noch schwerlich durch. Da helfe ich doch gern.

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15

Der Cary-Grant-Winkel ist weg

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Bis vor kurzem konnte ich wie jeder Mann dem Spiegel (dem glatten Reflektor, nicht der Zeitschrift) einen Winkel abtrotzen, in dem ich wie Cary Grant aussah.

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