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><channel><title>Spreeblick &#187; Feature</title> <atom:link href="http://www.spreeblick.com/category/feature/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.spreeblick.com</link> <description>I live by the river!</description> <lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 21:57:54 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator> <item><title>I live by the river! &#8211; 15 Geschichten</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten/#comments</comments> <pubDate>Fri, 16 Dec 2011 14:16:48 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51543</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_500.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignright size-full wp-image-51544" /></p><p><big><strong><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Mein erstes eBook ist da, kostet € 0,99 und ich möchte, dass ihr es alle kauft!</a></strong></big></p><p>Dabei geht es nicht allein um Ruhm und Moneten, sondern auch um ein Experiment. Aber der Reihe nach:</p><p>&#8222;I live by the river! &#8211; 15 Geschichten&#8220; ist eine Sammlung von – natürlich – 15 Texten, die bereits bei Spreeblick erschienen sind und die mir besonders am Herzen liegen. Wir haben die Texte hier und da leicht angepasst, hoffentlich alle Tippfehler gefunden und ein schönes Cover gebastelt, <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">und nun kann man das eBuch für € 0,99 bei Amazon kaufen</a>. UPDATE Und inzwischen auch in <a
href="http://bit.ly/rVD0gX">Apples iBook-Store (via iTunes)</a>.</p><p><small>(Einen Kindle benötigt man dafür übrigens nicht, Amazon bietet <a
href="http://www.amazon.de/gp/feature.html/ref=kcp_ipad_mkt_lnd?docId=1000482783">kostenfreie Software zum Lesen der eBooks für jede Menge Geräte und Betriebssysteme an</a>.)</small></p><p>Neben dem offensichtlichen Grund, dass nämlich und natürlich jeder Autor sein Buch gerne erfolgreich verkaufen möchte, um sich endlich eine Yacht leisten zu können, lade ich euch mit meiner schamlosen Kauf-Aufforderung jedoch auch ein, Teil eines Experiments zu sein.</p><p>Denn wer sich in diesen Tagen mit klassischen Print-Verlagen unterhält, hört diese darüber klagen, dass sich eBooks nicht verkaufen würden. Nur im zweistelligen Bereich würde man Print-Bestseller in ihrer elektronischen Version an den Mann oder die Frau bringen, zu verdienen wäre sowieso nichts damit.</p><p>Dem gegenüber stehen die Aussagen in den PR-Mitteilungen diverser Vertriebsplattformen, die vom jetzt auch in Deutschland einsetzenden Erfolg des eBooks sprechen. Genaue Zahlen gibt es natürlich von keiner Seite.</p><p>Bei uns wird das anders sein. Ich werde regelmäßig die aktuellen Verkaufszahlen hier veröffentlichen und ich möchte mit eurer Hilfe ausprobieren, ob ich es in die Verkaufscharts schaffe – und wie viele verkaufte Bücher dafür nötig waren. Sollten die Print-Verlage Recht haben, müsste das mit 50 Exemplaren zu machen sein. Gibt es jedoch den von digitalen Händlern beteuerten eBook-Boom, werde ich selbst mit 100 verkauften Büchern keinerlei Chance haben.</p><p>Der Gedanke &#8222;Dann probieren wir das doch einfach mal selbst!&#8220; war der Anstoß für die Veröffentlichung für &#8222;I live by the river!&#8220;, und vielleicht erhalten wir alle einen Erkenntnisgewinn aus den Zahlen. Denn sollte es das Buch in irgendwelche Listen schaffen, wird natürlich auch die danach einsetzende Dynamik noch einmal spannend: Erreicht die Publikation dadurch eine spürbar höhere Aufmerksamkeit, kommen also Leserinnen und Leser hinzu, die von Spreeblick oder meinem Namen noch nie gehört haben?</p><p>Nicht zuletzt ist diese eBook aber auch ein Social-Media-Experiment. Ich werde euch auf allen Kanälen damit auf den Wecker gehen und bin gespannt, ob das für den Verkauf wirklich etwas bringt, oder ob ihr mich einfach nur überall aus euren Freundeslisten schmeißt.</p><p>Wenn ihr Lust habt, bei dieser Aktion mitzumachen, freue ich mich sehr darüber und bedanke mich schon jetzt dafür und für Bewertungen und Rezensionen – am allermeisten hoffe ich aber, dass ihr die Texte gerne lest und euch gut unterhalten fühlt, denn das ist es eigentlich, weshalb ich diesen ganzen Kram hier mache.</p><p><small>Als kleine Marketing-Schweinerei gibt es übrigens den dritten und letzten Teil der <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/">&#8222;Beim Arzt&#8220;</a>-Geschichte bereits jetzt im <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">eBook</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" />, aber erst ab der nächsten Woche auf Spreeblick.</small></p><p><strong>UPDATE 16.12., 16:06 Uhr</strong> Dankeschön an die schnellentschlossenen Käuferinnen und Käufer! Derzeit ist das Buch auf Platz 27 in einer Unterkategorie von <a
href="http://www.amazon.de/gp/bestsellers/digital-text/567111031/">&#8222;Belletristik&#8220;</a>, Platz 55 in <a
href="http://www.amazon.de/gp/bestsellers/digital-text/610656031/">&#8222;Humor&#8220;</a> (hehe) und auf Platz 3.268 aller <a
href="http://www.amazon.de/gp/bestsellers/digital-text/530886031/">nicht kostenloser eBooks</a> bei Amazon.</p><p><strong>UPDATE 16.12., 21:30 Uhr</strong> Ihr seid sehr, sehr cool, vielen Dank! Nach rund sechs Stunden ist das Buch auf Platz 9 der <a
href="http://www.amazon.de/gp/bestsellers/digital-text/">Kindle-Verkaufscharts</a> angelangt! Jetzt wird es spannend – mal sehen, wie lange es sich da oben halten kann. Bisher zeigt meine Verkaufsübersicht übrigens 92 Exemplare – doch diese Übersicht hinkt hinterher, ich muss noch herausfinden, wie oft dort die Zahlen ein Update erhalten und ich denke, morgen können wir mehr über diesen ersten Tag sagen.</p><p><strong>UPDATE 22:30 Uhr</strong> Weil&#8217;s so schön ist:</p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/nummereins_03.jpg" alt="nummereins" title="nummereins" class="alignnone size-full wp-image-51617" /></p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/nummereins_01.jpg" alt="nummereins" title="nummereins" class="alignnone size-full wp-image-51618" /></p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/nummereins_02.jpg" alt="nummereins" title="nummereins" class="alignnone size-full wp-image-51619" /><br
/> <small>Noch vor &#8222;Die 219 besten Witze aller Zeiten&#8220;!</small></p><p><strong>23:05 Uhr</strong> Platz 8 der Kindle-Charts, das System zeigt 184 verkaufte Exemplare, das ist eine Verdoppelung innerhalb der letzten Stunde.</p><p><strong>17.12., 14:50 Uhr</strong> Zwischenstand nach etwa einem Tag: Höchste Platzierung bisher war Platz 6 in den Kindle-Charts, derzeit ist das Buch auf Platz 7. Das System zeigt zur Zeit 356 verkaufte Exemplare in Deutschland an, 15 im US-Store und 3 auf .co.uk.</p><p>Bemerkenswert in Sachen Kommunikation: Viele Leute auf Twitter und Facebook gehen trotz dieses Artikels davon aus, dass man einen Kindle braucht, um das Buch lesen zu müssen. Dem ist <em>nicht</em> so. Man kann das Buch entweder mithilfe einer der kostenfreien Apps lesen, <a
href="http://www.amazon.de/gp/feature.html/ref=kcp_ipad_mkt_lnd?docId=1000482783">die Amazon hier anbietet</a>, man kann es nach dem Kauf aber auch in ein anderes Format konvertieren, um es auf anderen Readern zu lesen (z.B. ePub), das geht ganz gut mit <a
href="http://calibre-ebook.com/">Calibre</a>.</p><p>Zu den Fragen, warum das Buch nicht auch als iBook im Apple-Store angeboten wird: Ich arbeite daran, doch man braucht eine &#8222;US tax payer ID&#8220;, um Bücher via iTunes anbieten zu können, die muss ich erst beantragen. Die Steuern in den USA sind auch der Grund, warum das Buch bei amazon.com teurer ist als in Deutschland. Alles nicht ganz einfach.</p><p>Ich werde in den kommenden Tagen noch einen längeren Bericht zu den Erfahrungen und zur Erstellung des Buchs tippen.</p><p><strong>18.12., 15:30 Uhr</strong> Die angezeigten Verkaufszahlen nähern sich den 600 Stück, das Buch schwankt in den Verkaufscharts seit gestern zwischen Platz 6 und Platz 8. Morgen werde ich mich darum kümmern, das eBook auch bei möglichst vielen anderen Händlern und in allen möglichen anderen Formaten anbieten zu können. Die wenigsten dieser anderen Händler machen es einem übrigens so leicht wie Amazon.</p><p><strong>19.12., 10:45 Uhr</strong> Immer noch Platz 1 in en Kindle-Listen &#8222;Kurzgeschichten &#038; Anthologien&#8220; sowie &#8222;Humor&#8220;, ebenso Platz 1 in den Gesamtcharts &#8222;Kurzgeschichten &#038; Anthologien&#8220;. Platz 7 bei den bezahlten Kindle-Downloads. Im System angezeigte verkaufte Stückzahl: 703.</p><p><strong>20.12., 9:00</strong> Platz 5 bei den Kindle-Bestsellern! Bisher verkaufte Exemplare lt. System: 978 Stück. Nach Aussage eines Branchenkenners sei mit dieser Stückzahl in den ersten Tagen die Chart-Position auch völlig berechtigt. Zehntausende Bücher bringt man also in wenigen Tagen als unbekannter eBook-Autor nicht an den Mann und die Frau, doch von nur zweistelligen Stückzahlen kann auch nicht die Rede sein.</p><p>Es macht weiterhin viel Spaß, denn auch die Rezensionen kommen sind wichtig. Bisher gibt es acht davon, sieben haben die Höchstzahl von 5 Sternen vergeben, eine vier Sterne. Insgesamt zeigt sich, dass das Buch Bestand hat unter den anderen Angeboten, und das ist wichtig, denn Schrott kauft man ja auch für € 0,99 nicht.</p><p><strong>20.12., 18:00 Uhr:</strong> Amazon zeigt Platz 5 und 1.100 verkaufte Exemplare. <a
href="http://bit.ly/rVD0gX">Und in Apples iBooks-Store gibt es &#8222;I Live By The River – 15 Geschichten&#8220; jetzt auch, dort ist es derzeit auf Platz 2</a>!</p><p><strong>22:40 Uhr</strong> <a
href="http://orf.at/stories/2095812/2095810/">orf.at mit einem längeren Artikel zum Thema</a>.</p><p><strong>21.12., 9:00 Uhr</strong> Aktuelle Anzeige der verkauften Exemplare: 1.187 Stück. Listenplatz: 6.</p><p><strong>21.12., 20:00 Uhr</strong> Das Buch ist jetzt auch als <a
href="http://www.beam-ebooks.de/ebook/23858">ePub bei Beam</a> erhältlich (ebenfalls ohne DRM, ebenfalls für 99 Cent). Aktuelle Zahlen: Als iBook wurden gestern via Apple 215 Stück verkauft, neue Zahlen gibt es von Apple erst im Januar wieder. Bei den gekauften iBooks ist &#8222;I Live By The River seit dem ersten Tag auf Platz 1 im iTunes-Store. Bei Amazon ist es zur Zeit auf Platz 7 mit 1271 verkauften Exemplaren.</p><p><strong>23.12., 13:00 Uhr</strong> Amazon Stückzahlen: 1382, aktueller Platz in den Kindle-Charts: 16. Bei iBooks: Platz 3.</p><p><strong>30.12. Zwischenstand</strong> Aktuell 1715 Stück via Amazon verkauft, derzeit Verkaufsrang 175.</p><p><strong>6.1.2012</strong> 1903 verkaufte bei Amazon, aktueller Verkaufsrang bei Amazon 95, bei Apple Nummer 30 (Zahlen von Apple sollen heute kommen).</p><p><strong>UPDATE</strong> Die ersten Apple-Zahlen sind da. Bisher hat das Buch via iBookStore 968 Einheiten verkauft, die Gesamtmenge Amazon plus Apple beträgt also 2871. Alle anderen eBook-Plattformen liefern Zahlen erst im März, da dort quartalsweise abgerechnet wird.</p><p><strong>10.1.2012</strong> Verkaufte Stückzahlen (Amazon und Apple): 3147. In der Amazon-Kindle-Liste ist das Buch derzeit auf Platz 258, bei iTunes/ iBooks auf Platz 34.</p><p><strong>12.1.2012</strong> Amazon plus Apple: 3188. Charts: Amazon (205), Apple (186).</p><p><strong>13.1.2012</strong> Huch? iTunes Platz 14, Amazon heute morgen Platz 88, mittags Platz 106. Es ist ein Auf und Ab. 3224 Stück verkauft, also keine wahnsinnige Veränderung zu gestern, die solche Auf- und Abstiege erklären könnte. Unter Umständen werden aber Zahlen und Platzierungen nicht zeitgleich abgeglichen.</p><p><strong>24.1.2012</strong> Gesamtstückzahl iBooks plus Amazon: 3770. Aktuelle Platzierungen: Amazon #236, Apple #23.</p><p>Oha: Apple featured &#8222;I live by the river!&#8220; unter &#8222;Neu und beachtenswert&#8220; im iBook Store in der Kategorie &#8222;Belletristik und Literatur&#8220;:</p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ibooks.png" alt="ibooks" title="ibooks" class="alignnone size-full wp-image-51897" /></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>206</slash:comments> </item> <item><title>YouTube &amp; GEMA: Ein Appell mit Bitte um Unterstützung</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/25/youtube-gema-ein-appell-mit-bitte-um-unterstutzung/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/25/youtube-gema-ein-appell-mit-bitte-um-unterstutzung/#comments</comments> <pubDate>Fri, 25 Nov 2011 10:40:06 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51220</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/11/gema_youtube.png" alt="gema youtube" title="gema youtube" class="alignnone size-full wp-image-51221" /></p><p>Noch immer schauen Internet-Nutzer in Deutschland häufig in die Röhre, wenn sie auf YouTube bestimmte Musikvideos sehen wollen. Über die Hintergründe hatten wir u.a. <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/06/21/gema-vs-youtube-geruchte-zahlen-forderungen/">hier berichtet</a>.</p><p>Bewegen tut sich hinsichtlich des Streits zwischen Google und der GEMA jedoch auch nach vielen, vielen Monaten anscheinend gar nichts. Ich bilde mir aber inzwischen durch viele Gespräche ein wenig mehr Durchblick in der Sache ein und glaube, dass es eine Lösung gibt, wenn sich beide Parteien einen Ruck geben. Um diesen Ruck etwas zu forcieren, skizziere ich einen Lösungsansatz in den nächsten Absätzen und bitte durch Verlinkungen dieses Artikels und durch kurze Kommentare um Eure Unterstützung. Ich werde sowohl die GEMA als auch Google um Stellungnahmen zu diesem Artikel bitten, denn vielleicht können wir als Musik- und Netznutzer für ein wenig Druck sorgen.</p><p><small>Vorweg: Meine Äußerungen basieren auf Aussagen diverser Menschen aus der Netz- und/oder Musik-Branche, ich garantiere weder für die inhaltliche noch für die juristische Korrektheit aller Sätze, denn nach wie vor unterliegen die (derzeit abgebrochenen) Verhandlungen zwischen der GEMA und Google der Geheimhaltung und ich bin auch kein Jurist. Ich bin dennoch ziemlich sicher, dass meine Ausführungen sehr nahe an den aktuellen Tatsachen sind. Unrichtigkeiten werde ich nach Hinweis gerne korrigieren.</small></p><p>Die offensichtliche Frage ist ja: Wieso kann YouTube bestimmte Videos aufgrund der GEMA nicht zeigen, während an anderen Orten Einigungen mit der GEMA offensichtlich kein Problem waren und sind? Amazon, iTunes, Vodafone, Musicload… sie alle konnten sich scheinbar mit der GEMA einigen, nur Google scheint dies nicht zu gelingen. Es ist ja wahrscheinlich nicht so, dass andere Unternehmen sofort jede GEMA-Forderung akzeptiert haben, sicher gab es auch an anderen Stellen unterschiedliche Meinungen – es geht schließlich um viel Geld.</p><p>Eines der Geheimnisse in diesen Prozessen heißt <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlichtung#Schlichtungsverfahren_in_anderen_Bereichen_des_Rechts">&#8222;Schlichtungsverfahren&#8220;</a>. Nach deutschem Recht kommt dieses Verfahren zum Einsatz, wenn &#8222;sich zwei Parteien nicht auf eine vertragliche Regelung einigen können, dies aber wollen oder sogar müssen&#8220; (Zitat Wikipedia). Die Praxis im Fall YouTube würde dabei so aussehen:</p><p>Die GEMA schlägt einen Tarif vor. Dieser wäre Google zu hoch, weshalb Google einen niedrigeren Gegenvorschlag machen würde. Dann beginnt das Schlichtungsverfahren. Und das Beste und Wichtigste hierbei wäre:</p><p><strong>In dem Moment, in dem das Schlichtungsverfahren eingeleitet wäre, könnten alle Internet-Nutzer in Deutschland alle Videos sehen, obwohl es noch keinen Tarif gäbe, auf den sich die Parteien geeinigt haben.</strong></p><p>Viele Einigungen zwischen der GEMA und Anbietern wie den oben genannten sind in der nahen Vergangenheit anscheinend über ein solches Schlichtungsverfahren zustande gekommen oder dauern evtl. noch an. Der Anbieter (im Fall von YouTube: Google) zahlt nach Eröffnung des Verfahrens die von ihm als &#8222;okay&#8220; angebotene Summe an die GEMA. Die Differenz zwischen dem Google-Angebot und der GEMA-Forderung geht bis zur erfolgten Schlichtung auf ein verzinstes Treuhandkonto, die Gelder werden also eingefroren.</p><p>Der zuständige Schlichter hat nun ein Jahr Zeit, gemeinsam mit den beiden Parteien eine Einigung zu erreichen – gelingt dies nicht, kann der Schlichter den Tarif irgendwo zwischen Angebot und Forderung nach seinem Ermessen selbst festsetzen. In diesem Fall würden die eingefrorenen Summen – je nach dem vom Schlichter festgelegtem Tarif – anteilig an die GEMA bzw. zurück an Google gehen. Beiden Parteien steht nach der durch den Schlichter festgelegten Einigung noch der Rechtsweg offen, doch für die Nutzer wäre zunächst ein Weg gefunden, der Streit könnte &#8222;im Hintergrund&#8220; weiterlaufen, alle Videos wären von Beginn des Schlichtungsverfahrens an verfügbar.</p><p>Warum also befinden sich Google und die GEMA noch nicht in einem solchen Schlichtungsverfahren?</p><p>Die Antwort lautet, vermute ich: Weil Google sich nicht darauf einlassen will. Denn der zuletzt offiziell von der GEMA angebotene Tarif liegt offenbar zu weit über dem, was Google bereit wäre zu zahlen. Selbst eine Einigung &#8222;in der Mitte&#8220; wäre Google wahrscheinlich noch zu hoch.</p><p>Beide Parteien müssen daher aufeinander zu gehen:</p><p><strong>1) Die GEMA muss offiziell einen wesentlich realistischeren Tarif für Google/YouTube anbieten als bisher. Wie hoch dieser sein müsste, um wirklich in Verhandlungen gehen zu können, wird die GEMA sicher besser wissen als ich.</p><p>2) Google/YouTube muss sich daraufhin auf das Schlichtungsverfahren einlassen, genau so, wie es andere Unternehmen auch getan haben oder tun.<br
/> </strong></p><p>Solange diese beiden Schritte nicht passieren, bleiben Musikvideos in Deutschland gesperrt und kein Cent geht an die Urheber, die von der GEMA vertreten werden. Der einzige Gewinner bleibt Google, denn jeder Tag ohne Zahlungen an Urheber ist ein Tag mit Einnahmen, die bei Google verbleiben.</p><p>Ich bitte daher mit diesem Artikel beide Parteien um Bewegung und um Einleitung und Umsetzung der beiden oben genannten Schritte. Denn ich glaube, dass sowohl Urheber als auch Konsumenten ein Recht auf eine schnelle Lösung haben.</p><p>Ich freue mich bei diesem Anliegen über Eure Unterstützung. Je mehr Stimmen wir sammeln können, desto mehr öffentlichen Druck können wir vielleicht auf die GEMA und auf Google ausüben.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/25/youtube-gema-ein-appell-mit-bitte-um-unterstutzung/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>247</slash:comments> </item> <item><title>1992: Angela Merkel und ich im TV</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/1992-angela-merkel-und-ich-im-tv/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/1992-angela-merkel-und-ich-im-tv/#comments</comments> <pubDate>Thu, 17 Nov 2011 22:03:10 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51155</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/11/jugendtreff.png" alt="n3 jugendtreff" title="n3 jugendtreff" class="alignnone size-full wp-image-51156" /></p><p>1992 befand sich meine Band <a
href="http://fb.com/planb.berlin">Plan B</a> auf einem kleinen Höhenflug, denn fast alles lief ziemlich super. Auch die Promotion: Während einer Deutschland-Tournee machten wir als musikalische Gäste Zwischenstopp bei der N3-Show &#8222;Jugendtreff&#8220; mit dem Titel &#8222;… denn sie wissen nicht, was sie tun&#8220;.</p><p>Während der Sendung wurde mit dem jungen Publikum zu den Themen &#8222;S-Bahn-Surfen&#8220; und &#8222;Jugend und Politik&#8220; im Allgemeinen diskutiert, zu dieser Gesprächsrunde wurde ich ebenfalls hinzu geholt. Stellvertretend für die politische Seite war die damalige Ministerin für Frauen und Jugend anwesend: Angela Merkel.</p><p>Es folgen die Videobeweise, die mir von Florian M. aus Braunschweig zugespielt wurden.</p><p><strong>ACHTUNG!</strong> Die Videos sind leider etwas asynchron. Florian hat das vor Ewigkeiten von einer alten VHS-Kassette digitalisiert und dabei ging leider irgendwas daneben, das Tape gibt es aber nicht mehr. Da muss man durch. Wenn man will.</p><p><strong>Teil 1: Eröffnungssong</strong></p><p>Zum Vollplayback tauschten unser Gitarrist Hans und unser Bassist Fritz die Instrumente und ich legte meine Gitarre ganz ab. Und mein Hemd auch. Wer den Song oder mich nicht ertragen kann, der kann bis zum Ende vorspulen, wenn unsere heutige Kanzlerin sagt, dass sie unsere Musik &#8222;nicht so schlimm fand, wie sie eigentlich erwartet hätte&#8220;. Ich weiß nach 20 Jahren immer noch nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/cEF4XXw96Dc" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p><strong>Teil 2: Die Debatte</strong></p><p>Nun ja. Man muss bedenken, dass ich a) sehr nervös war, mich b) gerade auf der Playback-Bühne verausgabt hatte und c) außerdem an einigen Stellen einfach vor Aufregung nicht wusste, was ich tolles sagen könnte, was ich mir d) aber nicht anmerken lassen wollte, was man dann e) leider sehr merkt. Ich komme um einiges arroganter rüber als Frau Merkel, weswegen sie ja heute auch Kanzlerin ist und ich nicht. Dafür hab&#8217; ich aber mehr Sex.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/B8nJV08eFq0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Wer sich nur über mich lustig machen will, der braucht sich nur die ersten und die letzten Minuten des Videos anzusehen, ich empfehle aber die Gesamtlänge, denn der Clip hat ob der Diskussion mit den Jugendlichen vor 20 Jahren einen gewissen historischen Charme und es ist spannend zu sehen, was sich verändert hat – und was nicht.</p><p><small>Wenn man auch noch den Abspann der Show sehen will, dann <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=sY-sLO8CX9o">kann man das hier tun</a>, es gibt noch einen halben Song zu hören.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/1992-angela-merkel-und-ich-im-tv/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>96</slash:comments> </item> <item><title>Urheberrechtsdebatte: Offener Brief von Mark Chung an Berthold Seliger</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/10/urheberrechtsdebatte-offener-brief-von-mark-chung-an-berthold-seliger/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/10/urheberrechtsdebatte-offener-brief-von-mark-chung-an-berthold-seliger/#comments</comments> <pubDate>Thu, 10 Nov 2011 10:29:25 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51021</guid> <description><![CDATA[<p>Jetzt wird&#8217;s etwas schwierig. Mein Tipp: Wer sich als schnelle Leserin oder schneller Leser nicht mindestens eine halbe Stunde mit den folgenden Inhalten auseinandersetzen kann oder will, wird an diesem Eintrag vermutlich scheitern. Zum Hintergrund:</p><p>Für die November-Ausgabe der Zeitschrift KONKRET verfasste der Berliner Konzertveranstalter und Autor <a
href="http://www.bseliger.de/">Berthold Seliger</a> einen Text mit dem Titel <a
href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=dieleistungsschutzgelderpresser&#038;jahr=2011&#038;mon=11">&#8222;Die Leistungsschutzgelderpresser &#8211; Wie die Kulturindustrie am altbackenen Urheberrecht festhält, um es zu ihren Gunsten auszuschlachten&#8220;</a>. Die Kenntnis dieses Textes ist zwingend notwendig, um die weiteren Zeilen verstehen zu können.</p><p>Seliger schreibt des Öfteren und durchaus lesenwert über Musik und den Kulturbetrieb in Deutschland (<a
href="http://www.bseliger.de/texte.html">hier eine Auswahl seiner weiteren Texte</a>), im Konkret-Text vertritt er eine Position, die man so oder ähnlich häufiger im Netz lesen kann.</p><p>Auf Seligers Text reagierte der Vorsitzende des <a
href="http://www.vut-online.de/">&#8222;Verbands unabhängiger Musikunternehmen e.V.&#8220;</a> (VUT), Mark Chung, mit einem äußerst detaillierten offenen Brief, der zunächst über einen Newsletter-Verteiler die Runde machte und den wir nachfolgend mit Genehmigung auch hier veröffentlichen.</p><p>Vorweg sei der Transparenz halber noch angemerkt: Ich kenne Mark Chung seit Jahrzehnten persönlich und habe schon oft mit ihm über die angesprochenen Fragen <strike>gestritten</strike> diskutiert, in seinem Verlag &#8222;Freibank&#8220; sind außerdem Songs des früheren Spreeblick-Videocasters <a
href="http://spreeblick.com/author/toni">Toni</a> <a
href="http://www.tonimahoni.com/">Mahoni</a> verlegt. Die Veröffentlichung von Chungs Brief findet jedoch nicht statt, weil ich ihn kenne und auch nicht, weil ich seinem Brief komplett zustimmen würde – Mark kritisiert in seinem Brief auch einige mir bekannte andere Personen und zwischen den Zeilen auch Blogger wie mich, wenn auch mit versöhnlichem Ton. Ich halte die Lektüre des Briefes nach dem Lesen von Seligers Artikel aber wirklich hilfreich für alle, die sich mit der Debatte ernsthaft auseinandersetzen möchten und die wissen: Es ist alles leider nicht ganz so einfach, wie man es gerne hätte. Viele von Mark Chung angesprochene Punkte sind mindestens weiteres Nachdenken wert und liefern so einen wichtigen Beitrag zur Diskussion.</p><p><strong><span
style="text-decoration: underline;">OFFENER BRIEF</span></strong></p><p>An: Berthold Seliger</p><p><strong><span
style="text-decoration: underline;">Betr.:</span></strong> KONKRET 11/2011 Berthold Seliger</p><p>Lieber Berthold Seliger,</p><p>Anmerkungen und Korrekturen zu Deinem Artikel in der KONKRET.</p><p>Es besteht in der Tat Diskussionsbedarf &#8211; über die Auswirkungen aktueller  technologischer Entwicklungen, nicht nur auf die Produktion kultureller Güter und die Situation insbesondere junger Künstler, sondern auf uns alle, über das Urheberrecht, über Interessenkonflikte zwischen Teilen der Technologiebranche einerseits, Künstlern und Produzenten von Inhalten andererseits.</p><p>Dein Artikel ist in diesem Zusammenhang ärgerlich, weil</p><p>- Du die politischen und ökonomischen Zusammenhänge der derzeitigen Urheberrechtsdiskussion entweder nicht verstanden hast oder verschweigst;</p><p>- Du schlecht recherchierst und der Artikel deshalb zahlreiche schlicht falsche Informationen ungeprüft weiterverbreitet;</p><p>- Der Artikel nicht einen einzigen erkennbaren Lösungsansatz enthält, sondern sich vollständig auf Polemik beschränkt.</p><p>KONKRET ist die einzige linke Publikumszeitschrift Deutschlands. KONKRET Autoren sollten in der Lage sein, ökonomische Hintergründe gesellschaftlicher Konflikte zu erkennen.</p><p>Neben vielen sachlich falschen Darstellungen auf die ich später eingehe, gibst Du auch meine persönliche Meinung falsch wieder. Ich stelle deshalb richtig:</p><p><strong><span
style="text-decoration: underline;">1. Worin besteht der zentrale Interessenkonflikt hinter der Urheberrechtsdebatte?</span></strong></p><p><strong>Der grundlegende und offensichtliche Interessenkonflikt besteht seit einigen Jahren zwischen Technologiekonzernen, die von der Verbreitung von Inhalten profitieren OHNE in Künstler oder die Produktion neuer Inhalte zu investieren einerseits und Medienunternehmen und Künstlern, die diese Inhalte produzieren, andererseits. </strong></p><p>Es liegt im einfach nachzuvollziehenden <strong>Profitinteresse von Konzernen</strong> wie</p><p>- Google, die substantielle Werbeeinahmen aus der Verwertung von Inhalten generieren,</p><p>- Telekommunikationskonzernen, Accessprovidern etc., deren Breitbandverkäufe seit vielen Jahren von der leichten Zugänglichkeit zu unvergüteten Inhalten profitieren <a
href="#_ftn1">[1]</a>,</p><p>- Online Plattformen wie Megaupload, Rapidshare, kino.to etc., deren Geschäftsmodelle ganz oder fast ausschließlich  auf der technischen Ermöglichung massenhafter Urheberrechtsverletzungen beruhen u.a.,</p><p><strong>nichts oder möglichst wenig für Inhalte zu vergüten</strong> und<strong> möglichst geringen Aufwand </strong>mit dem Einholen von Freigaben etc. zu haben.</p><p>Dem gegenüber stehen logischerweise die Interessen der Produzenten von Inhalten – also der Medienunternehmen und der Künstler, die hieraus ihren Lebensunterhalt bestreiten, in die Produktion und Vermarktung von Inhalten investieren und ebenfalls versuchen – zumindest im Erfolgsfall &#8211; Profite zu erwirtschaften.</p><p>Man muss diesen Konflikt nicht ideologisieren, aber ein paar Fakten sind festzuhalten:</p><p>I. Es ist völlig legitim zu diskutieren, ob Medienunternehmen Künstler angemessen vergüten &#8211; diese Interessenkonflikte sind so alt wie die Produktion kultureller Güter. Neu ist hingegen, dass die oben genannten „neuen Verwerter“ vom Vertrieb von Inhalten profitieren OHNE in Künstler und die Entwicklung neuer Inhalte zu investieren.</p><p>II. Die Produktion kultureller Güter ist schon immer ein hochriskantes Geschäft gewesen und erfordert selbstverständlich Investitionen. Auch wenn technologischer Fortschritt erfreulicherweise einige der Produktions- und vor allem Vertriebskosten gesenkt hat, müssen, beispielsweise, Künstler ihren Lebensunterhalt bestreiten (was offensichtlich nicht günstiger geworden ist) und die Kosten, eine Band von Berlin auf eine Bühne in Hannover zu bringen, sind auch nicht wesentlich gesunken.</p><p>Wir sollten alle mit plumpen Analogien vorsichtig sein, aber um das derzeitige Problem der Produzenten von Inhalten am Beispiel des altbekannten Geschäftsmodells von TV Sendern zu erläutern: Wenn die Unternehmen, die Vertrieb und Verbreitung von TV Inhalten leisten – bei uns also beispielsweise Kabel Deutschland und die Betreiber des Astra Satelliten – die Werbeeinnahmen erheben und größtenteils behalten würden, hätten rtl, Sat 1, der WDR etc. innerhalb kurzer Zeit Probleme, das Programm zu produzieren und würden sich weigern, es weiter einzuspeisen. (Mit Dir kann man wahrschlich lange diskutieren ob das ein Verlust wäre, aber das ist hier nicht der Punkt.)</p><p><strong><span
style="text-decoration: underline;">2. Warum müssen wir Lösungen finden?</span></strong></p><p>Das Kernproblem besteht darin, dass die Produktion interessanter <span
style="text-decoration: underline;">neuer</span> Inhalte ohne eine Lösung des oben genannten Interessenkonflikts zunehmend gefährdet ist.</p><p>Beispiel Musik: Die Situation von &#8211; auf Grund früherer Millioneninvestitionen – bekannten Künstlern ist nicht problematisch: Die Rolling Stones werden Konzertkarten verkaufen solange sie auf Tour gehen, Bob Dylan und Mark Knopfler auch weiterhin die Konzertumsätze insgesamt stabilisieren. Für bereits etablierte Künstlern wie Radiohead und NIN stellt der technologische Fortschritt vor allem fantastische neue Werkzeuge zur Verfügung.</p><p>Als Veranstalter von Konzerten könnte Dir allerdings aufgefallen sein, dass das Durchschnittsalter der 50 erfolgreichsten Live-Künstler 2010 mittlerweile 46 Jahre beträgt, mit mehr Künstlern in ihren 60ern als in ihren 20ern <a
href="#_ftn2">[2]</a>. Und dass nur 2 der 10 erfolgreichsten Livekünstler 2010 in den letzten 20 Jahren populär geworden sind (Lady Gaga und Michael Buble) <a
href="#_ftn3">[3]</a>.</p><p>Die DSDS Produkte von Dieter Bohlen werden weiterhin auf den Markt kommen – das sind wegen monatelanger TV Präsenz vergleichsweise sichere, wenn auch kurzlebige  Wetten. Solange Johnny Depp mitmacht, werden auch „Pirates of the Caribean“ 7, 8 und 9 in die Kinos kommen. Und Millionen von Menschen werden weiterhin Werke unterschiedlichster Qualität auf ihren Laptops erzeugen und ins Internet stellen (wo es allerdings in den meisten Fällen kaum noch von jemandem wahrgenommen wird, aber auch das ist ein anderes Thema.)</p><p>Aber jeder, der heutzutage erwägt in junge Musiker zu investieren, jeder der darüber nachdenkt, den Job aufzugeben um sich der Musik mit aller Kraft und Energie zu widmen &#8211; in meiner Welt fast immer eine Voraussetzung für Weiterentwicklung und herausragende Ergebnisse &#8211; jeder, der  versucht die Finanzierung für einen etwas ungewöhnlichen oder bahnbrechenden Film zusammenzubekommen und Augen, Ohren und ein Hirn dazwischen hat, weiß, dass hier massive Probleme entstanden sind, die wir lösen müssen.</p><p>Und nein, das hat nichts mit Mangel an neuen Geschäftsmodellen zu tun (von denen es bereits mehr gibt als Du weißt, aber die wir natürlich auch weiterhin entwickeln müssen), es liegt ökonomisch vor allem daran, dass immer mehr der Einnahmen aus der Verwertung von Inhalten an Konzerne fließen, die Künstlern bestenfalls Almosen anbieten und selbst kreative Inhalte weder produzieren wollen noch können.</p><p><strong><span
style="text-decoration: underline;">3. Propaganda und Wirklichkeit</span></strong></p><p>Es braucht nicht viel Recherche um festzustellen, dass über diesen &#8211; eigentlich offensichtlichen und leicht nachvollziehbaren &#8211; zentralen Interessenkonflikt im Netz erstaunlich wenig gesprochen wird.</p><p>Die Darstellung der Situation in zahllosen Blogs, Foren und auch traditionellen Medien verschleiert die ökonomischen Hintergründe: Hier werden die Interessen hochprofitabler, monopolistischer Internetkonzerne, deren Profitmaximierung das Urheberrecht häufig im Weg steht, komplett ausgeblendet. Diskutiert werden sollen stattdessen ausschließlich:</p><p>a) Ein Konflikt zwischen einer „Rechteverwerterindustrie“ und „Nutzern“ bzw. „der Gesellschaft“.</p><p>b) Die Schwächen des Urheberrechts.</p><p>Die PR Strategie der Technologiekonzerne ist einfach:</p><p>a) <strong>Stelle Deine Interessen als öffentliche Interessen dar</strong>.</p><p>Der von Dir mit „Die Demokratie und das menschliche Recht auf Kommunikationsfreiheit und auf Teilhabe am kulturellen Leben sind in Gefahr“ zitierte Joost Smiers liefert ein typisches Beispiel.</p><p>Diese PR Strategie ist nicht neu: “„You always want to say what you are doing is in the public interest and not your own mercenary interests. So (the fair use ideologues) were very helpful for the technology companies.” Later, technology companies would return the favor with significant funding” <a
href="#_ftn4">[4]</a></p><p>Google spielt in diesem Zusammenhang eine prominente Rolle. Der Konzern nutzt einen Teil seiner riesigen Profite um Organisationen und Instituten, die in seinem Interesse argumentieren und arbeiten, Finanzierung zur Verfügung zu stellen. Manche Spenden sind frei verwendbar, andere zweckgebunden. Manche Organisationen kontrolliert Google, andere finanziert es nur indirekt und tritt kaum in Erscheinung.</p><p>Die Liste der Empfänger ist lang und selten publiziert. Dazu gehören beispielsweise Lobbyorganisationen wie die New America Foundation (Spende 2008: $1.000.000, von Google Executive Chairman und ex-CEO Eric Schmidt – er wurde im selben Jahr Chairman of the Board) PublicKnowledge.org, das Berliner Internet und Gesellschaft Co:llaboratory; Creative Commons (2008: $1.500.000, 2009: $ 500.000, letztere privat von Google Co-Gründer Sergey Brin, Brins Schwiegermutter Esther Wojcicki war bis September 2010 Chairman of the Board, jetzt Vice Chair); Institute wie das Stanford Center for Internet and Society (2006: $2.000.000), das Berkman Center for Internet and Society ($280.000, $500.000) und, aktuell in Deutschland, das neugegründete Berliner Institut für Internet und Gesellschaft (2011: EUR 4.500.000); zukünftige online Aktivisten werden mittels des „Google Policy Fellowship“ Programms, das mehr als einem Duzend Studenten $7,500 gibt um einen Sommer lang bei solchen Organisationen zu arbeiten, entwickelt. In Deutschland recherchieren unabhängige Journalisten bisher nicht einmal, woher beispielsweise die Finanzierung von irights.info und netzpolitik.org kommt.</p><p>Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Viele dieser Organisationen machen auch sinnvolle und nützliche Arbeit, aber man müsste schon sehr naiv sein um zu glauben, solche Geldsummen würden interessen- und einflussfrei fließen. Zu kritisieren ist die weitgehende Intransparenz wessen Interessen von diesen Organisationen vertreten werden. Denn die Interessen von NutzerInnen werden hier häufig vorgeschoben.</p><p>Google hat andere Interessen. Der Konzern wird wissen, warum es sein ursprüngliches Credo „don’t be evil“ hierzulande kaum noch benutzt, das aktuelle Mantra „Der Nutzer steht für uns immer im Vordergrund“ ist zutreffender – allerdings nicht so wie es die meisten verstehen. Denn <strong>Nutzer sind nicht die Kunden von Google – sie sind das Produkt</strong> das Google seinen Werbekunden verkauft. Deshalb haben Internetkonzerne kein Interesse an Privatsphäre, Datenschutz, informationeller Selbstbestimmung und derartigen Bürgerrechten. Unternehmen wie BlueKai und Acxiom haben Daten über 96% aller US BürgerInnen &#8211; durchschnittlich 1.500 Daten pro Person, die unkontrolliert ge- und verkauft werden. <strong>Das ist die Ware.</strong></p><p>Die objektiven Interessen der Künstler und Produzenten sind ebenfalls offensichtlich: Für die Nutzung der von Ihnen hergestellten Inhalte eine angemessene Vergütung zu erhalten und – im Erfolgsfall – Profite zu erzielen. Künstler und Medienunternehmen sind Nutzer und Lieferanten von Inhalten des Internets wie alle anderen inklusive derjenigen, die hieraus eine Weltanschauung machen. <strong>Aus objektiver Sicht gibt es kein spezifisches Interesse von Künstlern oder Musikunternehmen, bürgerliche Freiheiten einzuschränken. </strong>Ihr Interesse besteht darin, für die Nutzung ihrer Werke Vergütungen zu erhalten.<strong> </strong>Hier gilt es Lösungen zu finden.</p><p><strong>b) </strong><strong>Vermeide die Diskussion um die Durchsetzung von Urheberrechten  – sprich stattdessen von den Schwächen des Urheberrechts.</strong></p><p>Selbstverständlich muss das Urheberrecht einfacher verständlich und nutzerfreundlicher werden. Aber in einer Zeit, in der es offensichtliche Probleme mit der Um- und Durchsetzung gibt, ist es zynisch die Probleme zu ignorieren und stattdessen ausschließlich darüber zu sprechen, was einem am UrHR nicht gefällt. Benötigt wird eine Diskussion über BEIDES –Anpassungen <span
style="text-decoration: underline;">und</span> demokratisch akzeptable Formen, geltendes Recht auch durchzusetzen. Dies ist der Kompromiss der aus gesellschaftlicher Sicht erarbeitet werden muss.</p><p>Diskussionsbeiträge, die ausschließlich die PR Strategie der Technologiekonzerne so  kenntnisfrei und unreflektiert umsetzen wie Dein Artikel sind mittlerweile glücklicherweise eher selten.</p><p><strong><span
style="text-decoration: underline;">4. Desinformation</span></strong></p><p>Wir beobachten täglich wie massenhaft teils absurde und abwegige Fehlinformationen gestreut und weiterverbreitet werden – vor allem online, in Blogs und Foren (wobei sich dort mittlerweile zunehmend qualifiziertere Stimmen zu Wort melden die sich, im Gegensatz zu den früheren Jahren, nicht mehr von anonymen Lynchmobs unsachlich niederbrüllen lassen) und vor allem von selbsternannten „Internet-Evangelisten“ von Beckedahl bis Kreuzer, aber auch in traditionellen Medien.</p><p>Das Prinzip von Propaganda hat sich nicht verändert &#8211; man muss Dinge vor allem oft genug wiederholen, dann glaubt die Mehrheit der Bevölkerung sie irgendwann &#8211; unabhängig vom Wahrheitsgehalt.</p><p>Auch hier fügt sich Dein Artikel nahtlos ein. Eine Handvoll von zahllosen Beispielen:</p><p>(1) <em>„Das sogenannte Urheberrecht dient nämlich keineswegs (…) den Kreativen, sondern es dient als Schutzrecht der Entertainment- und Verlagswirtschaft <strong>fast ausschließlich den Interessen der Kulturindustrie</strong>.“</em></p><p>Fakten:</p><p><span
style="text-decoration: underline;">a) Urheberrechte von Musikautoren</span></p><p>Die GEMA nimmt in Deutschland bekanntermaßen die allermeisten musikalischen Urheberrechte wahr.  Niemand muss ihr beitreten und sie damit beauftragen. Sie ist ein Verein, dessen oberstes Organ die Versammlung ihrer Mitglieder &#8211; Komponisten, Textautoren und Verleger – ist. (Autoren haben in dieser übrigens die Mehrheit gegenüber den Verlegern.)</p><p>Man kann und sollte viele Dinge an der Arbeit der GEMA kritisieren,  m.E. konstruktiv, d.h. dann auch mit umsetzbaren Verbesserungsvorschlägen, denn es gibt weder für Nutzer von Musik noch für Urheber und insbes. kleine, unabhängige Musikunternehmen eine bessere und realistische Alternative zu kollektiver Wahrnehmung. Deshalb sollten die Mitglieder der GEMA dafür sorgen, dass sie auch in der digitalen Welt funktioniert – und wir sind uns wahrscheinlich sogar darüber einig, dass dies noch nicht der Fall ist.</p><p>Der sog. „Verteilungsplan“, der die Verteilung der Einnahmen aus urheberrechtlichen Vergütungen regelt, mag Dir zu kompliziert erscheinen (vielen Mitgliedern einschließlich mir übrigens auch) ABER die wichtigsten Fakten sind dann doch einfach:</p><p><strong>Urheber erhalten <span
style="text-decoration: underline;">60%</span> aller Einnahmen aus „Vervielfältigungen“ (=Tonträgerverkäufen, Downloads etc.) und <span
style="text-decoration: underline;">66,66%</span> aller Einnahmen aus Sendung und Aufführung (TV, Radio, streaming etc.). </strong>(Ja, nach Abzug der Kosten der GEMA (lagen 2010 bei 14,2%<a
href="#_ftn5">[5]</a>)<strong>. Diese 60% bzw. 66,66% sind <span
style="text-decoration: underline;">Mindestbeteiligungen</span>. </strong>Erfolgreiche Autoren verhandeln häufig höhere Beteiligungen, gründen ihre eigenen Verlage etc..</p><p><span
style="text-decoration: underline;">b) Rechte an Musikaufnahmen </span></p><p>Auch die GvL, die Verwertungsgesellschaft für Leistungsschutzrechte verteilt Einnahmen in etwa zu gleichen Teilen zwischen Künstlern und Labels.</p><p>Du hast es wahrscheinlich noch nicht bemerkt: Die Musikwirtschaft ist schon seit Jahren überwiegend „independent“ geprägt. Der Forschungsbericht des BMWi hat bereits 2009 <a
href="#_ftn6">[6]</a> bei der Analyse der 2006er Zahlen festgestellt, dass</p><p>- weit mehr als 60% aller Unternehmensumsätze der Musikwirtschaft von kleinen, mittleren und Kleinstunternehmen erzielt werden;</p><p>- 95% der 3.884 damals tätigen Musikunternehmen weniger als 2 Mio. Euro Umsatz erzielten;</p><p>- es nur 9 Unternehmen gab die mehr als 50 Mio. Euro Umsatz erzielten – darunter die vier (bald wohl nur noch 3) Majors – die in Deutschland nun auch eher mittelständische Größenordnungen haben.</p><p>Die von Dir pauschal als „Verwerterindustrie“ verunglimpfte Branche besteht im Musikbereich aus Menschen, die überwiegend in kleinen, mittelständischen, Tausenden von Kleinstunternehmen oder selbstständig ihren Lebensunterhalt versuchen zu verdienen. Viele davon sind Künstler, die sich selbst vermarkten – teils bereits bekannte, die kleine Unternehmen betreiben in denen die Arbeit getan wird, die traditionell von Labels übernommen wurde, teils die wachsende Anzahl junger Künstler, die einfach niemanden mehr finden, der in ihre Karrieren investieren könnte oder wollte. Die von Dir versuchte Spaltung von Künstlern und „Verwerterindustrie“ ist &#8211; vor allem im independent Bereich &#8211; ein längst überholtes Klischee aus den 80er Jahren.</p><p>Und der häufigste Deal zwischen Künstlern und independents ist? Der sog. „klassische Indiedeal“: <strong>Alle Einnahmen werden nach Abzug der Kosten 50/50 geteilt.</strong></p><p>Das ist heutzutage alles Basiswissen jedes Berufsanfängers in der Musikwirtschaft. Dass Du 2011 einen Artikel veröffentlichst und trotz dieser leicht recherchierbaren Fakten behauptest, Urheberrechte dienten „<em>fast ausschließlich den Interessen der Kulturindustrie“</em> belegt vor allem Deine frappierende Unkenntnis.</p><p><span
style="text-decoration: underline;">c) Beispiel: Film</span></p><p>Wenn Du Dich für qualifiziert genug hältst, Vorschläge zur Ausgestaltung des Urheberrechts zu machen, solltest Du bedenken, dass Deine Aussagen die Lebensumstände aller betreffen, die kreative Güter produzieren. In Deutschland sind das mehr als 1 Mio. Menschen <a
href="#_ftn7">[7]</a>.</p><p>Auch als Konzertveranstalter könntest Du am Abspann bemerkt haben, dass hunderte von Mitwirkenden an der Entstehung von Filmen arbeiten. Filme werden hochgradig arbeitsteilig erstellt, benötigen umfangreiche Vorfinanzierung, Planung, und nach Fertigstellung leistungsfähige Vermarktung wenn sie erfolgreich werden sollen.  Sie sind nicht das Produkt einzelner, selbstfinanzierter Urheber. Der urheberrechtliche Schutz des fertigen Films sichert nicht nur den Lebensunterhalt der Drehbuchautoren und anderen beteiligten Urheber, sondern auch den der Kameraleute, Beleuchter, Schauspieler, Maskenbildner, Cutter, Cateringunternehmen, Regisseure, Produzenten und aller anderen Mitwirkenden.</p><p>Wie eingangs erwähnt, sind in Deinem Artikel nicht einmal im Ansatz Lösungsvorschläge erkennbar. Willst Du ernsthaft behaupten, die Bezahlung aller Mitwirkenden wäre auf Dauer ohne urheberrechtlichen Schutz des Films finanzierbar? Mit oder trotz zunehmender Kino.to und torrent Nutzungen?</p><p><strong>(2) </strong><em>„Das Urheberrecht soll eigentlich die Leistungen von Kreativschaffenden schützen. (…)sie sollen an jeder wirtschaftlich relevanten Nutzung ihrer Werke finanziell beteiligt werden.“ </em>Absolut richtig. Aber dann: <em>„In der Praxis lassen sich Verwerter wie Plattenfirmen oder Verlage jedoch meist sehr weitgehende oder ausschließliche Nutzungsrechte übertragen. <strong>Oft darf der Urheber danach sein eigenes Werk nicht mehr nutzen.“ </strong></em></p><p>Wie bitte? „Oft“ darf der Urheber sein Werk nicht mehr nutzen wenn er einem Verlag eine Beteiligung an Nutzungsrechten verkauft oder übertragen hat (was der Kern deutscher Verlagsverträge ist)?  Wofür nutzt ein Urheber sein Werk denn „meist“? Wenn er auch Interpret ist, zumeist doch wohl für</p><p>- Konzerte &#8211; willst Du jemandem weismachen Urheber dürften ihre Werke dann „oft“ nicht mehr spielen? Unsinn.</p><p>- Musikaufnahmen &#8211; soll das heißen er kann die Werke dann nicht mehr aufnehmen? Sie nicht auf Tonträgern, bei itunes, simfy, emusic, etc. selbst oder von einem (selbst gewählten) Labelpartner veröffentlichen lassen? Ebenfalls Unsinn.</p><p>- Sendungen &#8211; dürfen Urheber ihre Werke nach Veräußerung einer Beteiligung an Nutzungsrechten „oft“ nicht mehr beim rbb oder auf byte.fm spielen lassen? Kompletter Unsinn.</p><p>Wovon sprichst Du? Ich kann nur raten welche seltenen Situationen Du hier versuchst zu verallgemeinern. Wenn Urheber sich – selbstverständlich freiwillig &#8211; entscheiden, Beteiligungen an Nutzungsrechten zu veräußern, müssen sich die Geschäftspartner natürlich in der Folge bei einigen (aus Sicht der meisten Autoren viel zu selten stattfindenden) Nutzungen abstimmen. Will man die Musik für die nächste Coca Cola Kampagne sein und wenn ja, was soll man dafür verlangen etc.. Auch dabei entscheidet &#8211; zumindest bei uns und den Verlagen mit denen wir arbeiten &#8211; letztlich immer der Urheber.</p><p>Und natürlich gibt es aus offensichtlichen Gründen für Interpreten zeitlich begrenzte sog. „re-recording restrictions“ – für Urheber, wie Du zu behaupten scheinst, ist das abwegig.</p><p>Schließlich bedeutet – auch wenn sich „Plattenfirmen oder Verlage jedoch meist sehr weitgehende oder ausschließliche Nutzungsrechte übertragen“ lassen, dies keinesfalls, dass Kreative nicht „an der wirtschaftlich Nutzung ihrer Werke finanziell beteiligt werden“. Wie jeder der auch Künstler vertritt, streite ich mit Labels gern für höhere Beteiligung der Künstler – das liegt in der Natur der Geschäftsbeziehung. Aber es gibt Gesetze, Verträge und notfalls Gerichte um solche Konflikte zu lösen. Und diese Konflikte sind bisher alle gelöst worden, ohne dass das Urheberrecht dem im Wege gestanden hätte – im Gegenteil.</p><p><strong>Dagegen ist 100% sichergestellt, dass Künstler ÜBERHAUPT KEINE Beteiligung erhalten, wenn Unternehmen wie Rapidshare, Megaupload (aber auch Google <a
href="#_ftn8"><strong>[8]</strong></a>) unlizensiert substantielle Beträge mit ihren Werken verdienen. </strong></p><p>(3) <em> „Ist es richtig(…) daß ein Künstler bei jeder Kopie den Urheber um Einverständnis bitten muß, wie es in Europa gang und gäbe ist?“ </em></p><p>Nein, es ist nicht richtig und deshalb auch nicht „gang und gäbe“ bei jeder „Kopie“ (Du musst „Coverversion“ meinen, sonst macht der Satz überhaupt keinen Sinn) den Urheber um Einverständnis zu bitten.</p><p>Für Coverversionen müssen Künstler keine Genehmigungen einholen. Nur bei substantieller Veränderung und auch nur wenn man das substantiell veränderte Werk kommerziell veröffentlichen will, ist die Einwilligung des Urhebers zur Werkveränderung nötig. Darüber was eine substantielle Veränderung darstellt kann man in der Tat streiten und der VUT spricht sich für eine Überarbeitung des Zitat- und Bearbeitungsrechts aus um der Realität zu entsprechen, dass viel mehr Nutzer als früher Werke zu ihrem Vergnügen oder auch kommerziellen Zwecken verändern.</p><p>Ob deshalb jeder Nationalsozialist ohne zu fragen Dein Werk mit neuem Text versehen können sollte ist die zu Recht häufig gestellte, weiterhin zu beantwortende Frage.</p><p>(4) <em>„Ein Ammenmärchen der Kulturindustrie besagt, illegale Downloads seien schuld daran, daß Künstler nicht mehr von ihrer Kunst leben können.“</em></p><p>Die Auswirkungen unvergüteter Musiknutzungen wurden seit Jahren in unabhängigen wissenschaftlichen Studien untersucht und dokumentiert. Alle nachstehend genannten Untersuchungen sind nach wissenschaftlichen Richtlinien entstanden und von anerkannten Fachzeitschriften mit peer review publiziert worden.</p><p>Die negativen Auswirkungen von unvergüteten Musiknutzungen auf Musikverkäufe wurden in folgenden Studien nachgewiesen und veröffentlicht:</p><p>Liebowitz „Creative Destruction or just Plain Destruction“ (2004a, 2006a, Theorie), Liebowitz „Testing File-Sharing’s Impact on Music Sales in Cities“ (2008a, Pure Survey Based Approach, Secondary Data), Zentner „Measuring the Effect of File Sharing on Music Purchases“ (2006, Pure Survey Based Approach, Secondary Data), Rob und Waldfogel “Music Downloading, Sales Displacement and Social Welfare” (2006, Pure Survey Based Approach, Primary Data), Lee “The Effect of File Sharing on Consumers Purchasing Patterns” (2006, Pure Survey Based Approach, Primary Data), Leung “Should the Music Industry Sue Its Own Customers?” (2008, Pure Survey Based Approach, Primary Data), Huygen et al. “Ups And Downs. Economic And Cultural Effects Of File Sharing On Music, Film And Games“ (2009, Pure Survey Based Approach, Primary Data), Michel “The Impact of File Sharing On The Music Industry” (2005, Theory and Survey Based Approach), Hong “Measuring the Effect of Napster on Recorded Music Sales” (2009, Theory and Survey Based Approach), Peitz und Walbroeck “The Effect of Internet Piracy on Music Sales” (2003,2004, Theory and Survey Based Approach).</p><p>Spezifische Schäden durch File Sharing, etwa in Bezug auf ihre Verursachung durch bestimmte Konsumentengruppen oder in Bezug auf den Bekanntheitsgrad der betroffenen Künstler oder auch in Bezug auf zu definierende (theoretische) Umstände unter denen die (von keinem der u.g. Autoren  geleugneten Schäden) theoretisch ausgeglichen werden könnten  wurden durch die folgenden Untersuchungen dokumentiert:</p><p>Curien und Moreau „The Music Industry in the Digital Era“ (2005, Theorie), Bayaan „Technology and the Music Industry” (2004, Theorie), Peitz und Walbroeck “Why the Music Industry may gain from free Downloading” (2006, Theorie), Boorstin “Music Sales in the Age of File Sharing” (2004, Pure Survey Based Approach, Secondary Data), Mortimer und Sorensen “Supply Responses to Digital Distribution: Recorded Music and Live Performances” (2005, Pure Survey Based Approach, Secondary Data), Bounie et al. (2005, Pure Survey Based Approach), Gopal et al. “Do Artists Benefit from Online Music Sharing” (2006, Theorie und Survey Based Approach), Bhattacharjee et al. “The Effect of Digital Sharing Technologies on Music Markets. A Survival Analysis of Albums on Ranking Charts” (2007, Approach Based on Empirical Data from P2P File Sharing Usage), Blackburn “On-line Piracy and Recorded Music Sales” (2004, Approach Based on Empirical Data from P2P File Sharing Usage).</p><p>Im Februar 2011 wurde der BASCAP-Report „Estimating the global economic and social impacts of counterfeiting and piracy” der Internationalen Handelskammer veröffentlicht. Die Befunde dieses Reports dokumentieren ebenfalls das Ausmaß der Schäden die durch unlizensierte Musiknutzungen entstanden sind. Da die Autoren Befunde aus der wissenschaftlich anerkannten Literatur nutzen um die aus Marktdaten gewonnenen Ergebnisse nach unten zu korrigieren, Schäden durch Streaming noch nicht mit einbezogen wurden und jeder Download als Single (nicht als Album) gewertet wurde können ihre Daten als relativ zuverlässige Einschätzung der unteren Grenze betrachtet werden; auch wurde durch die Auswertung der Daten von weltweit 19 verschiedenen Instituten in 16 Ländern sichergestellt, dass eine manipulative oder tendenzöse Befragung oder Auswertung sehr schwierig durchführbar gewesen wäre. Eine weitere Stärke des Reports besteht in einer klaren Abgrenzung des „commercial value“ von digitaler Musik-Piraterie von den tatsächlich aufgetretenen „business losses“, d.h. der BASCAP-Report schließt Überschätzungen der Verluste durch fälschliche Interpretationen der Downloads als 1:1 Kaufverluste konsequent aus.</p><p>Bislang liegen nur zwei Veröffentlichungen vor, die zu dem Ergebnis kamen File Sharing würde die Musikverkäufe positiv beeinflussen: Chi (2008) kam zu diesem Befund in dem Kirchenbesuche und Strafzettel als proxy für File Sharing genutzt wurden, ihr lagen keine (!) Daten zum tatsächlichen File Sharing Verhalten der Befragten vor. Andersen und Frenz (2007) kamen zu ihrem Befund durch eine methodische Vorgehensweise die es ausschloss, dass der Zusammenhang zwischen File Sharing und Musikverkäufen durch eine dritte Variable hätte beeinflusst werden können, daher wurden die Autorinnen bereits frühzeitig in Bezug auf ihre Methodik kritisiert. Eine Re-Evaluation ihres Datensatzes durch Barker (2011) ergab aber sogar darüber hinaus schwerwiegende neue Erkenntnisse: <strong>Andersen und Frenz hatten bereits herausgefunden, dass bei Abwesenheit von P2P Netzwerken 75% der umsonst konsumierten Musik gekauft worden wäre. Diese Information lag den Autorinnen also bereits 2007 vor, sie zogen es jedoch vor, diese Befunde nicht zu veröffentlichen.</strong></p><p>Weitere zwei Studien kamen zu dem Schluss, dass File Sharing und Musikverkäufe voneinander unabhängig sind. Tanaka (2004) erzeugt diesen Befund durch den Einsatz einer dummy Variable nach der vorherige Albenverkäufe eines Künstlers nicht vorliegen; das hierdurch gewonnene Ergebnis ist natürlich nicht haltbar – entsprach aber vermutlich den Wünschen des japanischen Mobile-Konzerns der das Institut finanziert. Oberholzer-Gee und Strumpf (2007) kamen zu ihrem Ergebnis auf bisher nicht nachvollziehbare Weise da die Autoren sich bis heute mit verschiedenen Begründungen weigern ihre Rohdaten einer erneuten Analyse zur Verfügung zu stellen. Liebowitz (2010) wies jedoch ausführlich auf die gravierenden Unstimmigkeiten der statistischen Auswertungen hin: So müsste nach den Befunden von Oberholzer-Gee nämlich ein Erliegen des amerikanischen Download-Verhaltens außerhalb der deutschen Schulferien (!) eintreten bzw. sogar ein Abrutschen des Download Verhaltens in einen Minusbereich: Der von Oberholzer-Gee präsentierte Regressionskoeffizient  betrug das Dreifache der Standardabweichung. Da inhaltlich eine Download-Tätigkeit im Minusbereich keinen Sinn ergibt, wurde eine Überprüfung der Rohdaten angestrebt um die Fehler in der Datenerhebung bzw. Datenauswertung nachzuweisen – dies ist durch die Weigerung Oberholzer-Gees bis heute nicht möglich.</p><p>Zusammenfassung:</p><p>Obwohl an vier dieser Studien Kritik geäußert werden muss, sollten sie doch abgegrenzt werden von selbsterstellten Tabellen auf Blogs, Diplomarbeiten ohne korrespondierende peer review Veröffentlichungen, emotional gefärbten Ansichten auf eigenen Homepages oder auch gezielt als PR eingeschleusten Werken.</p><p>Man kann davon ausgehen, dass es wie immer multiple Ursachen für Umsatzrückgänge gibt, nur wurden andere Faktoren bisher nicht zuverlässig identifiziert und nachgewiesen. Der gegenwärtige Stand der Forschung spricht dafür, dass unlizensierte Musiknutzungen den größten bisher bekannten Anteil an den Schäden und Einkommensminderungen verursacht haben.</p><p><strong>Du hältst Dich als Konzertveranstalter für qualifiziert die vorliegenden Forschungsergebnisse als „Ammenmärchen“ abzutun und ohne eigene methodische Kenntnisse die einzige Dir wohl vorgelegene  Studie mit der geborgten Meinung zweier Journalisten zu beurteilen? </strong></p><p><strong>Dein Mangel an Kompetenz wird nur von Deiner Überheblichkeit übertroffen. Das ist so ärgerlich, dass hier ein paar klare Worte nötig sind: Minimalvoraussetzung für eine qualifizierte Auseinandersetzung mit den vorliegenden Befunden ist Methodikwissen und Sicherheit im Umgang mit statistischen Methoden.  Du bist nicht in der Lage festzustellen ob die in der FAZ genannten Befunde aus einer wissenschaftlichen Untersuchung stammen oder der Feder eines Lobbyisten. Du bist nicht kompetent genug um einzuschätzen wie die  Ergebnisse entstanden sind und wie sie interpretiert werden sollten. Unstimmigkeiten in der Analyse wie auch Interpretation der Befunde würden Dir entgehen und Du wärest deshalb auch nicht qualifiziert die Arbeit der SPIEGEL- oder FAZ-Journalisten zu beurteilen. Du würdest nicht einmal bemerken, wenn der FAZ-Autor oder der SPIEGEL-Autor die zugrundeliegenden Daten verändert oder falsch dargestellt hätten. </strong></p><p>Ich erzähle Dir mal ein echtes Ammenmärchen:</p><p>„Die Norwegische Studie“</p><p>Im Frühjahr 2009 kam Rabea Weiser in der ZEIT in ihrer Darstellung einer „norwegischen Studie“ zu dem Schluss, diese Studie hätte herausgefunden „Musikpiraten…sind die größte Kundengruppe der legalen Download-Plattformen“. Sie formulierte ihren Artikel auf der Grundlage einer Pressemitteilung, dabei übernahm sie nicht nur unkritisch die darin enthaltenen Zahlen, sondern fügte (unglücklich) noch eigenständig weitere Fehlinformationen hinzu. So bezogen sich die Autoren der Pressemitteilung z.B. noch auf einen kleinen Ausschnitt ihrer gesamten Stichprobe, nämlich die Gruppe der 15-20 Jährigen. Rabea Weiser formulierte diesen Befund jedoch schon in der Überschrift als generellen Befund bezüglich aller „Musikpiraten“. Sie sprach von 2000 befragten Nutzern, tatsächlich bezogen sich die Ergebnisse nur auf die Aussagen von 323 Personen etc. Eine genauere Betrachtung der „Studie“ ergab, dass die Zahlen der Pressemitteilung derart erhebliche Lücken aufwiesen dass eine Einordnung der Befunde unmöglich war. Stattdessen ergab die triviale Methodik (soweit erkennbar) auch nur triviale Befunde: So waren etwa Personen die sich gar nicht für Musik interessierten auch (erwartungsgemäß) kaum Nutzer illegaler Tauschbörsen.</p><p>Nachfragen bei den Autoren der angeblichen „norwegischen Studie“  um diese und andere Probleme der Untersuchung anzusprechen ergab dann überraschenderweise Folgendes: Nach Auskunft des Ko-Autoren Molde an der BI Norwegian School of Management  am 22. 06.2009 handelte es sich bei den Darstellungen auf der institutseigenen Homepage nur um eine „Pressemitteilung“ und eine veröffentlichte Studie gäbe es noch gar nicht. Die einer Telefonbefragung entnommenen Befunde hatten also bisher weder einer unabhängigen Prüfung standgehalten noch war die Studie abgeschlossen. Es hatte keine methodische Überprüfung der Untersuchung gegeben. Es lagen keine Signifikanzprüfungen vor, Angaben zur Literatur fehlten ebenso wie eine Einordnung der Befunde in Bezug auf andere Studien.</p><p>Die Hintergründe der an dieser Untersuchung beteiligten Institutionen ließen allerdings einen Blick „hinter die Kulissen“ zu. Es stellte sich ja die Frage, wie es dazu kommen konnte einige so zweifelhafte und wenig aussagefähige Unterbefunde einer noch nicht abgeschlossenen Telefonbefragung  als Ergebnisse einer „wissenschaftlichen  Studie“ zu präsentieren.</p><p>Die verantwortliche Prof. Gran war neben ihrer Tätigkeit an der BI Norwegian School of Management auch Partner und Senior Advisor der PR-Firma Perduco Kultur, eine Tochterfirma der PR- und Lobbyfirma Perduco AS, die, wie sich herausstellte, auch mit der eigentlichen Durchführung und Auswertung der Untersuchung beauftragt war. Perduco AS ist nach eigenen Aussagen spezialisiert auf „strategic communication“ durch Forschungsprojekte die von ihren Kunden in Auftrag gegeben wurden. Für die anspruchsvollen Kunden („demanding clients“) im privaten und öffentlichen Sektor werden Forschungsprojekte gezielt entworfen, durchgeführt und ausgewertet. Perduco führt jährlich ca. 20.000 Interviews durch. Zu den Spezialgebieten der Perduco AS zählen laut ihrer Eigendarstellung u.a. „Meinungsbildung“ und „reputation building“. Perduco verspricht, zu diesem Zweck die geeigneten „Kommunikationsstrategien“, Texte und Pressemitteilungen zu entwerfen. Auf der Firmen Webpage wird nicht ohne Stolz auf mehr als 1600 „media stories“ hingewiesen die allein im Jahr 2008 aufgrund der von Perduco erstellten Studien und Berichte in 185 verschiedenen Medien erschienen seien. Die Auftraggeber werden auf Perducos Webseite übrigens in keinem Fall genannt.</p><p>Die von Perduco erzeugten Ergebnisse der angeblichen „norwegischen Studie“ konnten erfolgreich in folgenden Medien lanciert werden: Guardian (UK), El Pais (Spanien), AFP, der Freitag, London Daily News, Music Week, Le Monde (Frankreich), Hip Hop Law (USA), Politiken (Dänemark), Die Zeit (Deutschland). Die Pressemitteilung zur „norwegischen Studie“ wurde am 22.04.2009 lanciert – das Urteil im vielbeachteten Verfahren gegen die Pirate Bay Betreiber erging am 17.04.2009.</p><p>Lobbyfirmen wie die o.g Perduco AS versuchen meist nach dem gleichen Prinzip passende „wissenschaftliche Befunde“ zu lancieren. Das Strickmuster für die Erzeugung dieses „Befundes“  ist denkbar einfach  – meist handelt es sich um einen Vergleich der Gruppe A (mögen keine Musik/Filme/Bücher) und der Gruppe B (mögen Musik/Filme/Bücher). Dann wird verglichen in welcher der beiden Gruppen mehr Käufer sind (Oh, Überraschung, Gruppe B) und in welcher Gruppe mehr Nutzer illegaler Downloads oder Streaming Seiten sind (Oh, Überraschung, Gruppe B). Voila &#8211; Piraten sind die besten Kunden. Dich hat das offensichtlich überzeugt.</p><p>Es gibt Variationen dieses Grundmusters und meist wird ausgiebig mit zusätzlichen Auswertungen die alles etwas kompliziert machen und das Grundmuster etwas verstecken sollen garniert. Wissenschaftlich ist dieses Konstrukt natürlich leicht angreifbar, wird aber vom interessierten  Laienpublikum, zu dem auch die Journalisten gehören, selten in Frage gestellt.</p><p>Gut möglich, dass auch in der Kreativwirtschaft jemand glaubt es sei sinnvoll Gefälligkeitsstudien in Auftrag zu geben. Ernstzunehmender Journalismus setzt jedoch fachlich qualifizierte Auseinandersetzung mit der Originalliteratur voraus. Mit dem ungeprüften Abschreiben von anderen Journalisten ist es nicht getan.</p><p><strong><span
style="text-decoration: underline;">5. Zum VUT</span></strong></p><p>Schließlich Deine Äußerungen zum VUT und mir persönlich. Sie haben dasselbe Muster wie der Rest Deines Artikels – schlecht recherchiert, unreflektiert und ausschließlich polemisch.</p><p>Meine persönliche Sichtweise zu den angesprochenen Themen habe ich oben dargelegt. Wenn Du glaubst sie mit „eisernem  Verfechten knallharter Law-and-Order Positionen“ treffend zusammengefasst zu haben, habe ich dem nichts hinzuzufügen <a
href="#_ftn9">[9]</a>. Meine persönliche Meinung ist für die Arbeit des VUT ohnehin nicht relevanter als die der anderen Vorstände und Mitarbeiter.</p><p>Wir sprechen und ringen im VUT um die richtigen Antworten und gehören nicht zu denjenigen, die behaupten alle zu kennen. Wir haben zu vielen Themen sehr unterschiedliche Meinungen und das ist, wie man in Berlin gern sagt, gut so. Wir arbeiten transparent, wenn wir uns auf etwas verständigen können, veröffentlichen wir es. Wenn nicht, dann nicht. Alles was wir beschließen ist öffentlich zugänglich.</p><p>Zu den Mindestanforderungen an jemanden, der sich qualifiziert zu Positionen des Verbandes äußern will, gehört die öffentlich zugänglichen Dokumente zum Thema zu lesen. Wir wissen nicht, worauf Du Dich mit „komischen Vorlagen“ beziehst, aber falls Du etwas Strukturiertes sagen möchtest solltest Du Dich mit den veröffentlichten Texten auseinandersetzen.</p><p>Wir haben wenig zum Urheberrrecht veröffentlicht, die Stellungnahme zu den Fragen der Enquete Kommission Internet und digitale Gesellschaft zum Urheberrecht, die mittlerweile seit fast einem Jahr online steht <a
href="#_ftn10">[10]</a>, ist eines der wenigen ausführlicheren Dokumente.  Weil die Dinge sich in diesem Bereich schnell entwickeln ist sie aus unserer Sicht teilweise schon wieder überholt, aber falls Du an einer ernsthaften Auseinandersetzung statt selbstgefälliger Polemik interessiert gewesen wärest, wäre das ein Ausgangspunkt gewesen.</p><p>Wenn Du Dich weitergehend informiert hättest, wüsstest Du, dass der VUT sich FÜR eine Anpassung des Urheberrechts an die digitale Welt ausspricht – beispielsweise für eine Reform des Bearbeitungs- und Zitatrechts und grundsätzlich für Vereinfachungen des Urheberrechts und des Umgangs damit &#8211; weil es auch aus unserer Sicht zutrifft, dass jetzt mehr nicht-professionelle Nutzer damit zu tun haben. Wir unterstützen non-invasive Vorschläge zur Überarbeitung der Haftungsprivilegierung bei gewerblich betriebenen Urheberrechtsverletzungen. Und ja, auch aus unserer Sicht gibt es kontraproduktive Auslegungen des Urheberrechts, die auf den Prüfstand gehören.</p><p>Es ist nicht nachvollziehbar, warum es problematisch sein sollte wenn Dich ein VUT Vorstandsmitglied nach Deiner Meinung fragt. Alle Vorstände tauschen Gedanken mit anderen zu diesen Themen aus &#8211; auch und gerade mit Menschen, die abweichende Meinungen haben. Es gibt schon genug die glauben, das algorithmisierte Ergebnis Ihrer Google Suche gäbe tatsächlich das Wissen der Menschheit objektiv wieder <a
href="#_ftn11">[11]</a>.  In Anbetracht Deiner oben aufgezeigten Informationslücken bezüglich des Urheberrechts stellt sich allerdings die Frage ob eine Unterhaltung gerade mit Dir zu diesem Thema sinnvoll ist.</p><p>Die Behauptung, der VUT würde „hierzulande“ Forderungen „durchwinken“, soll offensichtlich suggerieren, dass independents in anderen Ländern andere Positionen vertreten. Auch hier muss ich Dich auffordern, Deine Hausaufgaben zu machen wenn Du ernst genommen werden willst. Die Stellungnahmen unserer internationalen Schwesterorganisationen sind online zugänglich, Positionen  der englischen AIM <a
href="#_ftn12">[12]</a>, wie die der amerikanischen independents A2IM <a
href="#_ftn13">[13]</a> (auch zur freiwilligen Vereinbarung zwischen ISPs und Inhalteproduzenten &#8211; einem Konzept für das wir uns in der Tat auch hierzulande ausgesprochen haben) und zum Protect IP Act der Obama Administration, der über das hinausgeht, was wir gefordert haben. Ditto die diversen Stellungnahmen unserer europäischen IMPALA Organisation.</p><p>Du zitierst Don Henley, den Mitbegründer der Recording Artists Coalition mit <em>»Die Musikindustrie hat Unmengen von Geld mit diesen Masterbändern verdient, viel mehr als die Künstler«. </em><strong>Dann unterschlage doch nicht was er noch zum Thema Deines Artikels sagt: „Today, I would say that I find the huge internet companies to be more of a threat. I am still not a fan of the large record companies, but on this issue of copyright and protection of creative works, I find myself on the same side of the table with them”. </strong></p><p>Du solltest Dich fragen warum Künstler, die sich, wie unabhängige Musikunternehmen auch, über alle möglichen Dinge mit Majors streiten, im zentralen Interessenkonflikt gemeinsam mit allen anderen, die kulturelle Güter produzieren und intelligent genug sind Propaganda zu erkennen  und Zusammenhänge zu verstehen, gegen die einseitige Durchsetzung der Interessen von Technologieunternehmen aussprechen.</p><p>Und Vorsicht mit der unreflektierten Verwendung von „reaktionär“. Nicht alles was den Interessen von Technologiefirmen dient ist automatisch progressiv. Wir wissen spätestens seit den 70er Jahren, dass Technologie nicht in sich emanzipatorisch ist, sondern ein Werkzeug &#8211; wie ein Schraubenschlüssel, mit dem man Sinnvolles, Progressives und auch Reaktionäres tun kann. Frag den iranischen Geheimdienst – oder die Tor-Entwickler beim amerikanischen.</p><p>Wenn Du intelligentere Lösungsvorschläge als eine Kulturflatrate hast, kannst Du Dich gern zurückmelden. Ansonsten kann die Welt m.E. auf Deine Stammtisch Beiträge verzichten.</p><p>Mit besten Grüßen,<br
/> Mark Chung</p><p><strong><span
style="text-decoration: underline;">An die KONKRET Redaktion:</span></strong></p><p><strong>Als ehemaliger Leser der KONKRET, die zu Recht stolz ist, Vertreter der politischen und literarischen Intelligenz zu ihren Autoren zu zählen, sei mir eine Anmerkung erlaubt.</strong></p><p><strong>Von KONKRET wäre eine intelligente Analyse politischer und ökonomischer Zusammenhänge der aktuellen Debatte zum Urheberrecht von einer linken Perspektive begrüßenswert gewesen.</strong></p><p><strong>Ein so schlecht recherchierter, ausschließlich polemischer Artikel, der unreflektiert, einseitig und fehlerhaft die PR Strategie monopolistischer Großkonzerne wiederkäut hätte einer redaktionellen Überprüfung des Inhalts von Beiträgen m.E. nicht standhalten sollen. </strong></p><p><strong>Ich kann nur hoffen, dass KONKRET &#8211; trotz der kostenlosen online Verfügbarkeit der Inhalte – über ausreichende Mittel verfügt, um Beiträge redaktionell zu bearbeiten. </strong></p><hr
size="1" /> <br
/> <small><strong
id="_ftn1">[1]</strong> “P2P system applications (…) are one of the major reasons cited by Internet users for upgrading their Internet access to broadband”  (T. Mennecke “DSL Broadband Providers perform Balancing Act” zitiert nach Vinay Aggarval, Anja Feldmann, Christian Scheideler: “Enabling Co-Operation between ISPs and P2P systems” Technical Report  No.2, Deutsche Telekom Laboratories (3/2007))</p><p><strong
id="_ftn2">[2]</strong> <a
href="http://digitalmusicnews.com/stories/112910averageage">http://digitalmusicnews.com/stories/112910averageage</a></p><p><strong
id="_ftn3">[3]</strong> <a
href="http://www.pollstar.com/blogs/news/archive/2010/12/29/751701.aspx">http://www.pollstar.com/blogs/news/archive/2010/12/29/751701.aspx</a></p><p><strong
id="_ftn4">[4]</strong> Lobbyist J. Band, zit. n. Levine, Levine “Free Ride” S.27 Random House London 2011</p><p><strong
id="_ftn5">[5]</strong> GEMA Geschäftsbericht 2010 , S.6</p><p><strong
id="_ftn6">[6]</strong> Forschungsbericht Gesamtwirtschaftliche Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland,  Anhang, Statistische Daten, 9. Umsatzgrößenklassen der Kultur- und Kreativwirtschaft 2006,  S.24  BMWi (2/2009)</p><p><strong
id="_ftn7">[7]</strong> ebd.</p><p><strong
id="_ftn8">[8]</strong><a
href="http://www.digitalmusicnews.com/stories/102411adwords?utm_source=twitterfeed&amp;utm_medium=facebook">http://www.digitalmusicnews.com/stories/102411adwords?utm_source=twitterfeed&amp;utm_medium=facebook</a></p><p><strong
id="_ftn9">[9]</strong> Deine Implikation, ich könne 1.300 VUT Mitglieder durch Androhen von Prügel auf Kurs halten ist so abstrus, dass sie zumindest für Heiterkeit und Scherze im VUT sorgt, vielen Dank. Träfe sie zu, müsstest Du ja geradezu darauf aus sein.</p><p><strong
id="_ftn10">[10]</strong> <a
href="http://vut-online.de/cms/index.php?s=stellungnahme+zu+Fragen+Enquete">http://vut-online.de/cms/index.php?s=stellungnahme+zu+Fragen+Enquete</a></p><p><strong
id="_ftn11">[11]</strong> Google hat seit Dezember 2009 die Algorithmen seiner Suchmaschine verändert. Suchanfragen werden entsprechend sozioökonomischem Status des Nutzers, Wohnort, Freunden, Geodaten / Streetview, vorherigen Suchanfragen etc. beantwortet. Kognitive Dissonanzen, etwa durch abweichende Meinungen werden zugunsten effizienterer Werbung ausgeblendet,  d.h. es gibt keine gemeinsamen Suchergebnisse für dieselben Fragen mehr. Stattdessen werden zunehmend bereits bestehende Ansichten und Vorurteile verstärkt. Der Vorgang ist für Nutzer komplett intransparent – sie bemerken den Unterschied in aller Regel gar nicht. Veränderung / Differenzierung / opt-out sind unmöglich.</p><p><strong
id="_ftn12">[12]</strong> Beispiel:  zu DEA und Hargreaves Report:<a
href="http://www.musicindie.com/search?keywords=DEA&amp;x=21&amp;y=11">http://www.musicindie.com/search?keywords=DEA&amp;x=21&amp;y=11</a></p><p><strong
id="_ftn13">[13]</strong> Beispiel Press release zu stop online piracy act <a
href="http://a2im.org/2011/10/27/a2im-press-release-a2im-applauds-the-u-s-house-of-representatives-house-proposed-stop-online-piracy-act-legislation/">http://a2im.org/2011/10/27/a2im-press-release-a2im-applauds-the-u-s-house-of-representatives-house-proposed-stop-online-piracy-act-legislation/</a></small></p><p><strong>UPDATE</strong> Der Brief ist als <a
href="http://www.vut-online.de/cms/wp-content/uploads/Zu-Berthold-Seeliger-KONKRET.pdf">PDF</a> auch auf dem Server des VUT zu finden.</p><p><strong>UPDATE</strong> <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/11/literaturliste-musik-online/">Hier gibt es eine Literaturliste zu den angesprochenen Themen</a>.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/10/urheberrechtsdebatte-offener-brief-von-mark-chung-an-berthold-seliger/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>191</slash:comments> </item> <item><title>Beim Arzt (Teil 1)</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/#comments</comments> <pubDate>Fri, 04 Nov 2011 15:56:28 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50934</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/11/arzt.png" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/jreed/322057793/in/photostream/"><span
class="text">Jay Reed</span></a></p></div></p><p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p><small>Eine zweiteilige und etwas längere Kurzgeschichte mit nur wenigen Unwahrheiten.</small></p><p>&#8222;Tja …&#8220;</p><p>Ich weiß genau, was jetzt kommt.</p><p>&#8222;Naja …&#8220;</p><p>Etwas Anderes findet er ja auch nicht. Wo sollte er sonst ansetzen? Die Kreuze auf dem Fragebogen, den man bei jedem Arzt neu ausfüllen muss, habe ich fast alle bei &#8222;Nein&#8220; gesetzt. Keine bekannten Herz- oder Nierenkrankheiten, keine Medikamente, keine Operationen, schwanger bin ich auch nicht – nur eben dieser leichte Heuschnupfen, der von Jahr zu Jahr schwächer wird, lässt  ein Kreuzchen bei &#8222;Ja&#8220; hinter &#8222;Allergien&#8220; zu.</p><p>Und dann ist da noch der Raum für persönliche Notizen. Die Frage nach schweren Erkrankungen in der Familie. Wahrheitsgemäß trage ich ein, dass mein Vater im Alter von 50 Jahren an Krebs gestorben ist.</p><p>Ich bin jetzt 47.</p><p>&#8222;Naja …&#8220;, beginnt der Arzt, der mir empfohlen wurde und den ich heute zum ersten Mal aufsuche, erneut. Seine Augen wandern über meinen Fragebogen. &#8222;Das mit dem Rauchen sollten sie vielleicht besser sein lassen.&#8220;</p><p>&#8222;Wieso?&#8220;, frage ich. &#8222;Ist das schädlich?&#8220;</p><p>Der Humortest steht bei mir zu Beginn eines jeden noch aufzubauenden Vertrauensverhältnisses, besonders, wenn es im Verlauf desselben zu einseitiger Nacktheit kommen kann. Ein wenig Humor kann da die ein oder andere emotional eher komplexe Situation durchaus auflockern.</p><p>Mein neuer Arzt zuckt nach meiner Bemerkung zwar nur mit dem linken Mundwinkel, beweist aber andere Doktorenkompetenzen, indem er in einem perfekt performten &#8222;Classic Medic Move&#8220; die Nahsichtbrille abnimmt, seine Ellenbogen auf den Schreibtisch setzt und mich ansieht, als würde er seinen nächsten Satz mit den Worten &#8222;Spaß beseite&#8220; beginnen wollen.</p><p>&#8222;Spaß beseite&#8220;, beginnt er seinen nächsten Satz, &#8222;versuchen Sie, damit aufzuhören.&#8220;</p><p>Wir tauschen ernste Blicke (er) und schuldbewusstes Kopfnicken (ich) aus, dann kommen wir zum Grund meines Praxisbesuchs:</p><p>Ich will die Hauptinspektion. Ich habe es tatsächlich geschafft, ein Telefon in die Hand zu nehmen und mir Termine geben zu lassen für das, was man beim abendlichen Gespräch mit Freunden gern mit den Worten &#8222;Stimmt, muss ich unbedingt mal machen&#8220; auf das nächste Jahrtausend vertagt.</p><p>Komplettuntersuchung, EKG, Röntgenbild der Lunge, alles mal ordentlich ultrabeschallen, Krebsvorsorge, Finger in den Po, Blutbild (nicht zwingend in dieser Reihenfolge), das ganze Programm eben, genau so, wie es die Werbebroschüre des Bundesgesundheitsministeriums empfiehlt. Achtung: Die Werbebroschüre des Bundesgesundheitsministeriums empfiehlt nicht explizit den Finger in den Po, denn so für sich bringt der ja erstmal nicht viel an gesundheitlicher Vorsorge, in den Info-Flyern steht daher irgendwas mit Prostata, aber wer halbwegs weiß, wo sich selbige befindet, der versteht: Finger in den Po.</p><p>Was man halt so alles macht, wenn man nicht mehr bei seinen Eltern wohnt.</p><p>Mir geht es grundsätzlich super, ich fühle mich so fit, wie man sich als Raucher fühlen kann. Ich trinke regelmäßig, aber selten viel, mit dem Sport verhält es sich genauso. Okay: Nicht ganz genauso. Nicht regelmäßig. Und auch nicht viel. Eigentich so gut wie gar nicht, wenn man von wenigen Fahrradkilometern absieht. Zählt Treppensteigen nicht auch als Sport? Und so ganz normales Laufen? Sex?</p><p>Gut: Ich habe Schiss. Ich bin zwar froh, den Anruf endlich getätigt zu haben und dann auch noch beim Arzt erschienen zu sein, obwohl es wie immer an dem Tag eigentlich ganz schlecht passte. Und ich möchte die Gewissheit haben, dass es meinem Körper gut geht.</p><p>Was aber, wenn es ihm nicht gut geht? Wenn ich voller unbekannter Krankheiten bin, in Forschungslabore eingewiesen werden muss, meine Familie mich nur alle drei Wochen mit einem Zelt über dem Körper besuchen darf und der Arzt meinen Besuch mit den Worten abschließt: &#8222;Gönnen Sie sich mal einen richtig tollen Urlaub mit Ihrer Frau, ganz egal, was es kostet&#8220;?</p><p>Na, dann hätte ich aber ganz schön was zu bloggen, denke ich mit der Stimme von Steve Martin in &#8222;The Jerk&#8220;. Und fange vor Angst ein bisschen an zu weinen, während ich auf einem Heimtrainer-Fahrrad sitze und von der Heimtrainer-Fachfrau der Praxis, die sich gleichzeitig auch noch ein bisschen mit Herzen auskennt, an vielen Stellen meines nackten Oberkörpers mit Aufklebern bepflastert werde, die mittels Kabeln an irgendwas mit einem Betriebssystem angeschlossen sind. Ich kenne solche Apparaturen. Aus &#8222;24&#8243;.</p><p>Das Radfahren ist lächerlich leicht. Trotz der Warnung der Medizinischen Fachangestellten, mich lieber &#8222;noch nicht&#8220; zu verausgaben, lege ich gefühlte 35 Stundenkilometer hin, die sich nach Blick auf den Tacho als 17 herausstellen, und frage mich dabei, wie alt meine Herz-Dame wohl sein mag. Höchstens 22, schätze ich, denn durch meinen Bauchansatz, den ich beim Verdrahten natürlich geschickt unter dem Sattel versteckt hatte, fühle ich mich rund 25 Jahre älter. Ähnliche Ansätze von zu viel Fett sind bei ihr schließlich nirgends zu erkennen (okay – sie ist im Gegensatz zu mir auch bekleidet). Sie sieht wesentlich fitter aus als ich.</p><p>&#8222;Neununddreißig&#8220;, antwortet sie auf meine Nachfrage lächelnd. Na gut, knapp daneben, denke ich und nicke ihr strampelnd zu, als würde ich sagen: Ja, das habe ich auch ungefähr geschätzt. Vermutlich schummelt sie einfach ganz unfair, indem sie täglich Sport treibt, nicht raucht und sich makrobiotisch ernährt. Nur um mich in Selbstzweifel zu stürzen. Die blöde Kuh.</p><p>Sie ist aber gar nicht blöd, sondern sogar äußerst nett. Außerdem lacht sie ab und zu über meine schlechten Witze, die Lockerheit vortäuschen sollen und an diesem Vorhaben so kläglich scheitern wie Yvonne Catterfeld an einem zweiten Gesichtsausdruck.</p><p>&#8222;So, jetzt wird&#8217;s schwerer, jetzt geht&#8217;s mal ein bisschen bergauf&#8220;, nettet meine Betreuerin und schaltet irgend etwas um. Die Pedale scheinen sich plötzlich verklemmt zu haben, denn das Treten wird viel, viel schwerer. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich verlange mein Geld zurück.</p><p>&#8222;Wir messen in verschiedenen Stufen, mal sehen, wie weit sie kommen. Ich schalte jetzt noch mal hoch.&#8220;</p><p>Meine Witzchen werden etwas seltener und knapper. Aber auch auch pointierter! &#8222;Nicht, dass Sie denken, das wäre Schweiß!&#8220;, röchle ich, während sie mir mit einem Handtuch den Oberkörper trocknet, damit die Klebedinger nicht abfallen, die vermutlich Stromstöße durch meine Brust jagen werden, wenn ich nicht schnell genug fahre. Das Wedeln mit dem Handtuch kann ich ihr im letzten Moment untersagen, meinen gehechelten Wunsch nach isotonischen Getränken ignoriert sie deshalb. Die ersten Hustenreize machen sich bemerkbar, doch ich kann sie unterdrücken, denn meine gesamte Konzentration gilt den Beinen, meine Augen suchen sie nach den Stahlummantelungen ab, die ich eindeutig spüren kann.</p><p>&#8222;In Ordnung, ich sage Ihnen, wo das Gold ist, aber hören Sie endlich auf&#8220;, will ich gerade brüllen, als Sie die Qual endlich beendet.</p><p>Erschöpft steige ich vom Heimtrainer ab und bin sicher, komplett versagt zu haben. Die letzten Minuten kamen mir vor wie die Tortour de France und ich habe geschwitzt wie zuletzt in der Grundschule, als Matthias aus der Sechsten mir androhte, mich mit dem Kopf voran der Berliner Kanalisation zuzuführen.</p><p>&#8222;War ganz schön schwer, hm?&#8220;, lächelt die Fachfrau. &#8222;Ach&#8220;, winke ich ab, als ich zwölf Minuten später wieder einsilbige Worte formulieren kann, und tue so, als wäre der nachfolgende Husten eine Reihe weiterer &#8222;Achs&#8220;.</p><p>Ich streife mein Hulk-T-Shirt wieder über und schaue sie erwartungsvoll an, um meine Punktzahl zu erfahren. Aber nix da: &#8222;Der Doktor schaut sich das dann alles an und erläutert es im Abschlussgespräch&#8220;, sagt sie und schickt mich zur Blutabnahme.</p><p>Selbige macht mir nichts aus. Seitdem mir vor vielen Jahrzehnten mal eine schlaue Zahnärztin erklärt hat, wie man Schmerz beim Erhalt von Spritzen verringern kann (&#8222;Du musst versuchen, deine Muskeln zu entspannen, auch wenn das schwierig scheint: je angespannter du bist, desto schmerzvoller wird es), tun mir Spritzen tatsächlich nicht weh. Außer vielleicht, wenn direkt in offene Wunden gespritzt wird, aber das habe ich noch nie erlebt und möchte es auch gar nicht so dringend erleben. Und wenn ich es doch erleben müsste, wäre die Spritze vermutlich noch der angenehmste Teil.</p><p>Nächster Fall: Ultraschall. Diesmal legt der Chef selbst Hand an und so liege ich erneut spärlich bekleidet vor ihm auf einer dieser Arztpraxis-Liegen, die immer zu kalt sind und deren Papierauflagen schon beim Drauflegen verrutschen. Meine inneren Organe werden von außen gescannt und einmal mehr danke ich den Errungenschaften der modernen Medizin, denn wenn man das von innen machen müsste, wäre es sicher ganz schön anstrengend für alle Beteiligten.</p><p>Mein Doktor reibt mir den halben Oberkörper mit einer (natürlich eiskalten) Salbe ein, bewegt danach seine Computermaus, die gar keine ist, über meinen rutschigen Torso und zeigt mit der freien Hand auf einen Monitor, auf dem das Testbild des DDR-Fernsehens von 1967 zu sehen ist. &#8222;Mädchen oder Junge?&#8220;, frage ich und das einstudierte Lachen des Arztes verrät mir, dass ich nicht der Erste bin, der diesen Kracher gebracht hat.</p><p>&#8222;Gucken Sie mal! Das hier ist ihre Leber!&#8220;</p><p>&#8222;Irre&#8220;, lautet meine begeisterte Antwort, &#8222;ich hätte auf Tansania getippt!&#8220; Tatsächlich erkenne ich auf dem Screen nichts, was an meine Leber erinnert, wobei ich jetzt gerade unsicher bin, ob ich meine Leber besser erkennen würde, wenn sie direkt vor mir läge.</p><p>Ehrlich gesagt erkenne ich aber nichts, was an <em>irgend</em> etwas erinnert, was vielleicht auch daran liegt, dass der Monitor neben meinem Kopf steht und in die Richtung des Arztes zeigt, ich mich aber nicht bewegen soll. Hätte ich einen Hals mit der Flexibilität und Länge einer Kobra, dann hätte ich vielleicht eine Chance, so jedoch kann ich die Messereignisse aus meiner Liegehaltung heraus nur von der Seite erahnen. Ich tue trotzdem beeindruckt, denn Arbeit soll ja auch Spaß machen, auch die eines Arztes. Ich hoffe außerdem auf mildernde Umstände in der späteren Beurteilung, wenn ich meine Milz mit der gleichen Begeisterung verfolge wie der Doktor.</p><p>&#8222;Gut&#8220;, schließt selbiger diesen Teil der Untersuchung ab. &#8222;Dann lassen Sie sich mal einen weiteren Termin geben, zu dem wir uns dann zur Abschlussuntersuchung – Haut, Prostasta und so weiter – treffen, und nach der wir die Ergebnisse besprechen. Vorher gehen Sie aber bitte noch zum Röntgen der Lunge, auch die Röntgenbilder werden wir uns dann gemeinsam ansehen.&#8220;</p><p>Okay.<br
/> Heute also noch kein Finger in den Po.</p><p><small>Kommentare dann unter dem zweiten Teil, okay?</small></p><p><strong><a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/11/beim-arzt-teil-2/">Hier klicken, um Teil 2 zu lesen!</a></strong></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>4</slash:comments> </item> <item><title>Interview: The King Blues</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/10/31/interview-the-king-blues/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/10/31/interview-the-king-blues/#comments</comments> <pubDate>Mon, 31 Oct 2011 13:25:58 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50892</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/10/kingblues_live.png" /><p><a
class="license-c" href="http://thekingblues.co.uk/"><span
class="text">Rusty Gray</span></a></p></div></p><p>Am vergangenen Samstag ließen die <a
href="http://www.broilers.de/">Broilers</a> das ausverkaufte Berliner Huxley&#8217;s kochen, und noch während die Düsseldorfer ihr Album <em>Santa Muerte</em> feierten, schlichen wir uns hinter die Bühne und klopften vorsichtig an die Backstage-Tür der Support-Band, die als Gäste der Broilers zum ersten Mal durch Deutschland tourt: <a
href="http://thekingblues.co.uk/">The King Blues</a> haben es uns mit ihrem dritten Album <em>Punk &#038; Poetry</em>, das in feinster englischer Tradition Politik mit Reggae-, Punk- und Pop-Klängen mischt, nämlich sehr angetan.</p><p>King-Blues-Sänger Jonny &#8222;Itch&#8220; Fox zeigte sich trotz unseres spontanen Interview-Überfalls erfreut über das Interesse an seiner Band und entpuppte sich im Gespräch als nicht nur äußerst engagiert, sondern auch sehr freundlich und charmant. Und so entwickelte sich zwischen Bierflaschen, Catering-Resten und übervollen Aschenbechern ein anregendes Gespräch, von dem wir etwa 20 Minuten auf einem iPhone mitschneiden konnten.</p><p>Die Nähe von The King Blues zu Größen wie The Clash, den Specials oder auch Jamie T manifestierte sich dabei auf einer weiteren Ebene in der Person von Itch. Ähnlich wie Joe Strummer oder auch Billy Bragg ist der Redefluss des Mannes, einmal angestoßen, kaum zu stoppen, und aus jedem seiner Sätze spricht die pure Leidenschaft für seine Musik und seine Generation sowie die sie umgebende Politik. Und so verließen wir den Raum beseelt von so viel Energie, Herzblut und Hingabe und mit dem ziemlich großartigen Gefühl, soeben mit einem jungen Mann gesprochen zu haben, der noch einiges vor hat.</p><p>Im Mitschnitt geht es um die Herkunft der Band und politischen Pop, um eine Generation ohne Stimme (&#8222;Right now we have a generation that has no voice and no future…&#8220;), um Zynismus und die Frage, ob Musik wirklich etwas ändern kann (&#8222;Music is the messenger but it&#8217;s the people that can create change – we want to go beyond this band just being about the music&#8220;), aber natürlich haben wir auch über die Unruhen in England gesprochen (&#8222;It might just happen again&#8220;), über das Problem der Gangs in London und über Itchs Kritik an den Massenmedien, besonders in Bezug auf Musik: &#8222;These are the wrong role models. I&#8217;m surrounded by so many bands that mean nothing. It does anger me but it also drives me.&#8220;</p><p>Mein besonderes Interesse galt außerdem dem Song <em>Sex Education</em> (in dem es um Teenager geht, für die Hardcore im Netz der erste Kontakt mit Sexualität ist) und am Ende kamen wir noch auf die von Billy Bragg initiierte <em><a
href="http://www.billybragg.co.uk/leftfield_in_motion.php">Left Field In Motion Tour</a></em> zu sprechen, bei der neben Bragg und The King Blues auch <a
href="http://www.akalamusic.com/">Akala</a> und <a
href="http://soundofrum.com/">Sound Of Rum</a> dabei sind.</p> <object
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style="margin-top:20px"><strong>Bonustrack: Fanfoto!</strong></p><p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/10/kingblues.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">T. Haeusler</span></a></p></div><br
/> <small>Links: Jonny. Rechts: Johnny.</small></p><p>Amazon-Partnerlink:<br
/> <a
href="http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&#038;x=0&#038;ref_=nb_sb_ss_c_1_14&#038;y=0&#038;field-keywords=the%20king%20blues&#038;url=search-alias%3Dpopular&#038;sprefix=the%20king%20blues&#038;_encoding=UTF8&#038;site-redirect=de&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=19454">The King Blues</a><img
src="https://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=ur2&#038;o=3" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/10/31/interview-the-king-blues/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>13</slash:comments> </item> <item><title>Social Buttons bei Spreeblick (mit Umfrage)</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/10/27/social-buttons-bei-spreeblick/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/10/27/social-buttons-bei-spreeblick/#comments</comments> <pubDate>Thu, 27 Oct 2011 07:21:36 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50873</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/10/sharing.jpg" alt="sharing" title="sharing" class="alignleft size-full wp-image-50875" /></p><p>Wie ihr sehen könnt, basteln und probieren wir im Zusammenhang mit <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/10/26/ich-weiss-wo-dein-browser-sich-rumtreibt/">dieser Debatte</a> auf Spreeblick gerade etwas herum, was die Integration der verschiedenen Social-Network-Buttons angeht. Selbige befinden sich zur Zeit nicht mehr auf der Homepage, sondern nur noch unter der Einzelansicht eines Artikels, also nachdem ihr auf der Homepage den Titel eines Posts oder auf &#8222;Read on, my dear&#8220; geklickt habt. Dort müssen sie dann auch zuerst noch aktiviert werden: Erst, wenn ihr auf &#8222;Sharing-Funktion aktivieren&#8220; klickt, erscheinen die Buttons für Facebook, Twitter und Google+. Vorher wird demnach von diesen Buttons auch nichts getrackt.</p><p>Ob dies eine bleibende Lösung ist (die ja schließlich auch noch nicht alle Trackings ausschließt), weiß ich noch nicht, denn das hängt ehrlich gesagt auch ein wenig davon ab, ob wir durch diese Systematik signifikante Verschlechterungen bei den Leserzahlen erleben werden. Wir werden also sicher noch weiter rumspielen, aber das Schöne ist ja, dass wir uns solche Experimente leisten können.</p><p>Nach wie vor denke ich, dass individuelle Lösungen nur temporär sein können, auf Dauer brauchen wir verbindliche Transparenz bei der Datenverwendung durch die Anbieter und einfach zu handhabende Kontrollmöglichkeiten für alle Nutzer. Das Teilen von Inhalten ist wichtiger Teil des Web-Fundaments – wenn in diesem Bereich Quasi-Monopole entstehen, die über die üblichen Funktionen hinaus noch andere Interessen verfolgen, welche für Nutzer nicht nachvollziehbar und unter Umständen nicht gewollt sind, kann die Verantwortung nicht auf diese Nutzer abgeschoben werden.</p><p><strong>UPDATE</strong> Wir können ja auch einfach mal die Leserinnen und Leser fragen:</p> Note: There is a poll embedded within this post, please visit the site to participate in this post's poll.
]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/10/27/social-buttons-bei-spreeblick/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>59</slash:comments> </item> <item><title>Die digitale Kluft ist gar keine</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/29/die-digitale-kluft-ist-gar-keine/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/29/die-digitale-kluft-ist-gar-keine/#comments</comments> <pubDate>Thu, 29 Sep 2011 14:23:13 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50623</guid> <description><![CDATA[<p>Ich verfolge gerade die Posse um <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Kauder">Siegfried Kauder</a>, MdB, der Internet-Nutzern bei Verstößen gegen das Urheberrecht mit einem so genannten &#8222;Two Strikes&#8220;-Modell <a
href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,788361,00.html">das Internet wegnehmen</a> möchte und <a
href="http://netzpolitik.org/2011/doppelmoral-siegfried-kauder-und-das-urheberrecht/">der nach diesem Modell selbst eine Weile offline sein müsste</a> … denn <a
href="http://www.siegfriedkauder.de/">auf seiner Website</a> wurden einige Fotos gefunden, <a
href="http://piratig.de/2011/09/28/sehr-geehrter-herr-kauder/">die anscheinend ohne Genehmigung veröffentlicht wurden</a>.</p><p>Die Bilder sind zwar inzwischen entfernt worden (von der Site, nicht aber vom Server), dennoch <a
href="http://www.abgeordnetenwatch.de/siegfried_kauder-575-37692--f312709.html#q312709">warten bei Abgeordenetenwatch mittlerweile 225 Interessierte</a> auf eine Stellungnahme von Herrn Kauder und eine Antwort auf die Frage, ob er nun mit gutem Beispiel voran gehen und sich ein temporäres Internet-Verbot auferlegen möchte.</p><p><small>(<strong>UPDATE</strong> Ich wollte gerade noch ein paar weitere Worte zum aktuellen Stand im Kauder-Fall tippen, aber <a
href="http://saschalobo.com/2011/09/30/siegfried-kauder-und-der-grose-bar/">Sascha war schneller</a>.)</small></p><p>Man könnte nun wieder über Internet-Versteher und -Nichtversteher fabulieren, oder aber auch über einen <em>Generation Gap</em>, über die <em><a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Kluft">Digitale Kluft</a></em> und über <em>Digital Natives</em> versus <em>Digital Immigrants</em>. Aber ich glaube, das ist fast alles Quatsch.</p><p>Da ich mich nämlich außerdem seit einigen Wochen intensiver mit Erziehungsfragen, Lehrmethoden und anderen Dingen rund um Kinder, Jugendliche und Bildung im Zusammenhang mit digitalen Medien beschäftige (<a
href="http://www.spreeblick.com/2011/09/27/auf-dem-weg-zur-data-dna/">und auch die Debatte hier aufmerksam verfolge</a>), denke ich inzwischen, dass die Sache viel simpler ist, und vor allem viel älter. Ich glaube, dass wir es bei den so unterschiedlichen Heran- und Umgangsweisen mit den Herausforderungen und Möglichkeiten der digitalen Welt (neben verschiedenen, auch beruflichen und wirtschaftlichen Interessen) ganz einfach mit völlig verschiedenen Weltbildern zu tun haben, die aufeinander prallen, mit verschiedenen Lebensentwürfen, noch einfacher gesagt: mit verschiedenen menschlichen Charakteren.</p><p>Die Differenzen in Sachen Netzpolitik und -kultur, die wir beinahe täglich beobachten können, haben, glaube ich, nur wenig mit dem Alter einer Person zu tun und nicht genug mit ihrem Wissensstand in Bezug auf das Internet oder Technologien, um daraus eine Allgemeingültigkeit ableiten zu können.</p><p>Ich kenne ältere Menschen, die vom Internet und seinen Möglichkeiten fasziniert sind und auch ohne größeren Durchblick neugierig über diese Möglichkeiten nachdenken, und ich kenne ebenso jüngere Menschen, die sich recht gut auskennen, aber trotzdem oder deshalb in eine beinahe paranoid anmutende Starre verfallen, sobald sie darüber grübeln, wie man mit Herausforderungen umgehen könnte.</p><p>Die Unterschiede, Missverständnisse und Lösungsdivergenzen beruhen daher vielleicht gar nicht auf den Differenzen zwischen Alt und Jung, zwischen Netizens und Newbies, zwischen &#8222;digital Geborenen&#8220; und &#8222;digitalen Immigranten&#8220;.</p><p>Sondern vielmehr auf den Differenzen zwischen denen, die das Chaos des Lebens hoffnungsvoll umarmen und denen, die es eher ängstlich zu kontrollieren suchen. Zwischen denen, die sich grundsätzlich lieber auf Chancen konzentrieren und denen, die an jeder Ecke Gefahren wittern. Zwischen denen, die auf Menschen vertrauen und denen, die sich vor ihnen fürchten.</p><p>Diese Differenzen sind so alt wie die Menschheit selbst und haben somit äußerst wenig mit dem Internet selbst zu tun. Sie sind auch gar nicht immer leicht zu bewerten, denn das richtige gesellschaftliche Maß liegt vermutlich mal wieder irgendwo dazwischen, schließlich gehören alle unsere verschiedenen Charaktere zur einer demokratischen Gesellschaft dazu und formen sie.</p><p>Sollten meine hier mal schnell hingetippten Gedanken also annähernd Bestand haben, dann gibt es, auch wenn es langweilig und nicht so aufregend wie ein zu gewinnender Wissens- oder gar Glaubenskrieg klingt, keine andere Lösung als den möglichst vernünftigen, vorsichtigen und korrigierbar bleibenden Kompromiss. Und auch das war schon immer so.</p><p><small><strong>Edit/ Anmerkung</strong> In letzter Zeit nutze ich Spreeblick wieder häufiger für das, was ich gerne &#8222;lautes Nachdenken&#8220; nenne – in diese Kategorie gehört auch dieser Artikel, der auch auf Überlegungen von <a
href="http://re-publica.de/11/blog/2011/01/27/republica-reloaded-peter-kruse/">Peter Kruse</a>, <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=woA4R3KrACg">Gunter Dueck</a> und vielen anderen zurückgreift. Meiner Erfahrung nach ergeben sich aus solchen Lautdenk-Artikeln die spannendsten Diskussionen und die inspirierendsten Kommentare. Old School Blogging, auf eine Art.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/29/die-digitale-kluft-ist-gar-keine/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>46</slash:comments> </item> <item><title>Auf dem Weg zur Data DNA</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/27/auf-dem-weg-zur-data-dna/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/27/auf-dem-weg-zur-data-dna/#comments</comments> <pubDate>Tue, 27 Sep 2011 14:06:41 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50584</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/data_dna.png" /><p><a
class="license-cc" href="http://personas.media.mit.edu/personasWeb.html"><span
class="text">Aaron Zinman</span></a></p></div></p><p>Im <a
href="http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=44512">Forum von Spiegel Online</a> und auch anderswo bewegt sich die Debatte um die kommende <a
href="http://www.facebook.com/about/timeline">Timeline-Darstellung von Facebook</a>, welche die Aktivitäten der Nutzer nicht nur innerhalb von Facebook, sondern auch über externe Applikationen als Lebenszeitleiste, also als ständigen Life-Stream darstellen kann, geradezu religiös im Kreis. Facebook-Fans finden vieles nicht so schlimm, da ja (<a
href="http://netzwertig.com/2011/09/26/enge-partnerschaft-spotify-macht-sich-ganz-von-facebook-abhangig/">angeblich</a>) schließlich niemand zur Nutzung des Dienstes gezwungen wird, und Facebook-Gegner erklären jeden für komplett meschugge, der es dennoch tut.</p><p><a
href="http://futurezone.at/meinung/5101-grusel-mark-will-unser-leben.php">Gruselig</a> erscheint eine Zukunft, in der es <a
href="http://nikcub-static.appspot.com/logging-out-of-facebook-is-not-enough">nicht mehr zu genügen scheint</a>, sich bei Facebook auszuloggen – das Netzwerk will wissen, was wir tun, selbst wenn wir gerade nicht mit ihm verbunden sind. Weshalb <a
href="http://www.n-tv.de/politik/Datenschuetzer-sind-alarmiert-article4382386.html">Datenschützer bereits alarmiert sind</a> und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner das alles <a
href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1562459/">&#8222;nicht in Ordnung&#8220; findet</a>.</p><p>Nur eines ist dabei sicher: Die digitale Abbildung unseres Lebens findet schon lange statt, in öffentlichen Varianten wie einem Facebook-Lifestream wird sie uns jedoch mit neuer Wucht bewusst. Und dieses Bewusstsein wird das Netz und damit unser Leben ein weiteres Mal drastisch verändern. Denn wir befinden uns auf dem Weg zur <em>Data DNA</em>, und die Frage ist nicht mehr, ob wir das gut oder schlecht finden, sondern wie wir damit umgehen.</p><p>Seit Jahrzehnten hinterlassen wir Datenspuren, mal mehr, mal weniger detailliert. Vom OTTO-Katalog unserer (Groß-) Eltern über das harmlose Gewinnspiel bis hin zur Kredit- oder Kundenkarte: Schon immer wollen Dritte viel über uns wissen und finden es auch heraus. Wo wir wohnen, wie viel wir verdienen, was wir uns leisten, was wir mögen und was nicht – alles hochinteressant. Und wer sich schon einmal darüber gewundert hat, warum er wenige Zeit nach dem ärztlichen Feststellen einer Schwangerschaft plötzlich Windel-Werbung im Briefkasten hat, der ahnt, dass nicht nur Unternehmen an diesem Datensammlungsprozess beteiligt sind.</p><p>Mit der Nutzung des Internet generell und der von Sozialen Netzwerken insbesondere wird Datensammlung nicht nur leichter zu bewerkstelligen für die Sammler, sondern auch komplexer nachzuvollziehen für die Gesammelten. Welche Web-Anwendung mit welcher anderen kommuniziert, wer mit wem kooperiert oder wer von wem gekauft werden könnte (und wohin unsere Daten dann wandern) – dies alles ist für digital Beheimatete derzeit vielleicht noch halbwegs zu managen, für gelegentliche Internet-Nutzer aber schon jetzt nicht mehr zu durchschauen. Und selbst sichere und selbstsichere Kenner überkommt <a
href="https://plus.google.com/112716356719620674952/posts/28mXw9Co4XP">ein Moment des Netzschauders</a> bei dem Gedanken an das, was ein zufälliger, unachtsamer oder unbeabsichtigter und unbemerkter Klick im schlechtesten Fall und mit etwas Pech auslösen könnte.</p><p>Wir produzieren eine Daten-DNA unserer Person, ein einzigartiges Abbild unseres individuellen Selbst. Wie Fingerabdrücke gleicht keine Data DNA der anderen: Zeig mir, wen oder was du kennst, kaufst, hörst und siehst, und ich sage dir, wer du bist. Unsere Data DNA bestimmt jetzt schon unsere Google-Suchergebnisse, sie beeinflusst die Werbung, die wir sehen, sie empfiehlt die &#8222;Artikel, die sie ebenfalls lesen sollten&#8220;. Sie verändert unsere Sicht auf die Welt. Und damit auch uns selbst.</p><p>So düster dies alles auch klingt: Es ist Teil eines Prozesses, der kaum zu stoppen, sehr wohl aber zu beeinflussen ist. Die Welt bewegt sich, die Dampfmaschine hat uns ebenso verändert wie die Erfindung der Glühbirne, und die Apokalypse wird auch durch das Internet und unsere Data DNA nicht eingeleitet. Am Ende liegt alles – wie so oft – in unseren Händen.</p><p>Wie schließlich Medien, Öffentlichkeit, Politik, Rechtsgebung und Unternehmen – also wir alle – in den kommenden Jahren mit der Data DNA umgehen werden, ist an vielen Stellen noch völlig offen. Fest steht nur: Je bewusster uns ihre Existenz ist, desto umsichtiger können und müssen wir alle mit ihr umgehen.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/27/auf-dem-weg-zur-data-dna/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>63</slash:comments> </item> <item><title>Die Berliner Wahlergebnisse für Digital Natives [Update]</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/19/die-berliner-wahlergebnisse-fur-digital-natives/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/19/die-berliner-wahlergebnisse-fur-digital-natives/#comments</comments> <pubDate>Mon, 19 Sep 2011 09:03:50 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50449</guid> <description><![CDATA[<p><small>UPDATE: Auf vielfachen Wunsch jetzt mit der FDP.</small></p><p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/social_wahlen_neu.png" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">J. Haeusler</span></a></p></div></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/19/die-berliner-wahlergebnisse-fur-digital-natives/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>31</slash:comments> </item> <item><title>Vreitagsvers, der siebenunddreißigste</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/02/vreitagsvers-der-siebenunddreisigste/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/02/vreitagsvers-der-siebenunddreisigste/#comments</comments> <pubDate>Fri, 02 Sep 2011 08:28:44 +0000</pubDate> <dc:creator>Ingo Neumayer</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50217</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/ramones.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/vaivenarp/5210413197/"><span
class="text">Andrea Rodriguez Pabon</span></a></p></div></p><p><strong>das wort zum vreitag</strong></p><p>ich glaube an den rock&#8217;n'roll<br
/> an drums und e-gitarren<br
/> mit elvis, iggy, interpol<br
/> will ich im jetzt verharren</p><p>bei herkömmlicher religion<br
/> wird nur die stimmung mieser<br
/> statt sünde, jenseits, judaslohn<br
/> halt ichs mit clash und weezer</p><p>kein mann mit bart, der flossen klopft<br
/> gebote? geht auch ohne!<br
/> mein herz für einen gott nur hopft<br
/> sein name: joey ramone</p><p
style="margin-top:60px"><small>Zuhause, auf <a
href="http://www.zwoelfzeilen.com/">Zwölf Zeilen zur Zeit</a>, zockt Ingo Neumayer tagtäglich so lange mit der deutschen Sprache, bis sie ihm einen sinnigen Reim spendiert.<br
/> <a
href="http://www.spreeblick.com/category/vreitagsverse/">Vreitags gibt er auf Spreeblick einen aus.</a> </small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/02/vreitagsvers-der-siebenunddreisigste/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>13</slash:comments> </item> <item><title>Don&#8217;t mention the war</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/08/23/dont-mention-the-war/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/08/23/dont-mention-the-war/#comments</comments> <pubDate>Tue, 23 Aug 2011 14:54:20 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=49973</guid> <description><![CDATA[<p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p><strong>Eine kurze Geschichte, die fast genau so passiert ist.</strong></p><p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/muster.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">T. Haeusler</span></a></p></div></p><p>&#8222;There&#8217;s a nice and cosy italian restaurant close by, not too expensive, very good food. Been eating there for 13 years now – never had a bad meal.&#8220;</p><p>Die Empfehlung des Nachportiers soll uns genügen. Es ist unser erster Abend in England, es sind die ersten Schritte unserer beiden Söhne auf der Insel und das soll gefeiert werden.</p><p>Unser Hotel, gebucht für einen Zwischenstopp zur Verkürzung der Autofahrt, könnte englischer kaum sein und empfängt uns mit vielleicht irgendwie viktorianischen Mustern unterschiedlichster Art auf bestimmt ganz schön altem Mobiliar. Lovely. Und da es nicht <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=7xnNhzgcWTk">John Cleese</a> ist, der uns den Schlüssel für das Familienzimmer ausgehändigt hat, bleiben wir auch von Kriegserwähnungen verschont.</p><p>Vorerst.</p><p>Denn ich bin mir sicher: Irgendwann im Verlauf dieser Reise wird es uns erwischen, das Gespräch über den Krieg, Deutschland, England, Hitler. Das war oft so, wenn ich in England war, entweder, weil sich jemand nach den ersten Pints erfolglos in Lustigkeit versuchte, oder weil die ältere Generation zu viel Schreckliches erlebt hat, um darüber in Angesicht eines Deutschen schweigen zu können.</p><p>Doch das soll jetzt nicht unsere Sorge sein.  Auf ins Restaurant! Im strömenden Regen machen wir uns auf den Weg zum Italiener, ein paar Häuserblocks sind es nur. Wir sind müde von der Fahrt, vor allem aber hungrig, und wenn die Kinder nicht bald etwas zu Essen bekommen, steht äußerst schlechte Laune ins Unterhaus.</p><p>Das kleine, tatsächlich sehr nett aussehende italienische Restaurant empfängt die triefende deutsche Familie – wer nimmt schon einen Schirm mit, wenn er nach England reist? – mit einem Lächeln, netten Worten und einem Tisch im Zentrum des Raums. Zwei, drei englische Familien sind ebenfalls anwesend, ein Tisch ist besetzt mit spanischen Jugendlichen, der ein oder andere Bekannte des Gastwirts lehnt an der kleinen Bar, hinter der leckere Back-Gerüche aus dem Steinofen strömen.</p><p>Erleichtert und entspannt lehnen wir uns zurück, studieren die Speisekarte und genießen gut gelaunt unsere Ankunft. Während wir auf die Pizza warten – der Trip soll halt typisch britisch losgehen –, bringen wir, verständnisvoll von den anderen Gästen belächelt, das noch recht magere Schulenglisch der Jungs auf Trab. Spoon. Knife. Fork. Table. Waiter. Ze Germans are anwesend, außer Freundlichkeit und dem ein oder anderen netten Nicken in unsere Richtung verändert das die gute Atmosphäre im Lokal jedoch kein Stück.</p><p>Mit einer Wissbegierde und einem Spaß, den wir im Hausaufgabenalltag eher vermissen, radebrechen sich die beiden Heranwachsenden durch die Karte, erweitern ihren englischen Sprachschatz um so überlebenswichtige Wörter wie &#8222;sparkling&#8220;, und erst mit dem Eintreffen der Pizza wird es etwas stiller an unserem aufgeregten Tisch.</p><p>Nach den ersten Bissen ist es der jüngere Sohn, der mit seiner zwar äußerst süßen, aber doch sehr hohen und durchdringenden Stimme als Erster wieder das Wort ergreift.</p><p>&#8222;Eigentlich…&#8220; – er überlegt noch mal und säbelt nachdenklich an seiner Pizza herum, während wir ihn erwartungsvoll ansehen.</p><p>&#8222;Eigentlich hat Hitler nur <em>eine</em> gute Sache gemacht, oder?&#8220;</p><p>Ich gebe vor, dass ein viel zu groß geratenes Stück Quattro Staggioni in meine Luftröhre geraten ist, starte eine schwere Hustenattacke und hoffe, diese könne rückwirkend den Satz unseres Jüngsten ungehört machen. Das Restaurant, so kommt es mir vor, verfällt in eine kollektive Schweigeminute zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs.</p><p>&#8222;Was… wieso… werhatdirdenn…&#8220;, stammle ich und füge mit Blick in Richtung meiner Frau hinzu: &#8222;Nun sag&#8217; <em>du</em> doch mal was!&#8220;</p><p>Meine Frau sitzt unter dem Tisch, schlägt rhythmisch mit beiden Handflächen auf ihre Ohren und summt etwas Mantraartiges.</p><p>In Erwartung einer Antwort schaut mich mein Sohn an, während sein älterer Bruder auf die zweite Hälfte der Pizza spekuliert, falls es zu längeren Diskussionen und die erfahrungsgemäß darauf folgende Verweigerung der Nahrungsaufnahme seines kleinen Bruders kommen sollte.</p><p>Ich senke die Stimme: &#8222;Lasst uns mal etwas leiser reden, es sind ja auch noch andere Leute hier, die wollen in Ruhe essen und außerdem…&#8220;</p><p>&#8222;Hitler hat die Autobahn erfunden, das ist aber auch das einzig Gute, dass man über ihn sagen kann!&#8220;, weiß der Jüngste und nun auch das ganze Restaurant und ich versuche, dem Ober mit Bitte um die Rechnung zu winken, bevor er uns hinauswerfen kann.</p><p>&#8222;Also…&#8220; – es hilft ja nichts, ich muss da jetzt durch. &#8222;H… ich meine… der… also vielleicht nennen wir den Namen nicht so laut, denn den verstehen die ganzen anderen Gäste auch, sie können aber ansonsten nicht wissen, worüber wir reden, weil sie ja kein Deutsch verstehen, und das könnte dann komisch klingen, &#8216;Autobahn&#8217; verstehen sie übrigens auch, aber sonst verstehen sie nichts, obwohl, naja, &#8216;Kindergarten&#8217; verstehen sie auch, aber es wäre nicht gut, dieses Wort in dem Zusammenhang jetzt auch noch…&#8220;</p><p>Der Kleinste interveniert in der seiner Empörung entsprechenden Lautstärke: &#8222;WAS? Die verstehen &#8216;Hitler&#8217; und &#8216;Autobahn&#8217; und &#8216;Kindergarten&#8217;, aber &#8216;erfunden&#8217; verstehen sie nicht?&#8220;</p><p>&#8222;Psssst!&#8220;, ruft meine Frau unter dem Tisch hervor.</p><p>&#8222;Nein, &#8216;erfunden&#8217; verstehen sie nicht&#8220;, bestätige ich, &#8222;aber egal, jedenfalls hat H… also, der, dessen Namen wir nicht…&#8220;</p><p>&#8222;Voldemort!&#8220;, schlägt der ältere Sohn vor.</p><p>&#8222;HAHAHA! HIT-LER IST VOL-DE-MORT!&#8220;, singt der Jüngere derart melodisch, dass ich für einen Moment meine Frau verdächtige, unter dem Tisch die zweite Stimme mitzusingen, &#8222;HIT-LER IST VOL-DE-MORT!&#8220;</p><p>Ich rücke mit meinem Stuhl ein wenig vom Tisch ab, greife nach einer herumliegenden vorgestrigen Ausgabe der &#8222;Daily Mail&#8220;, studiere den Sport-Teil und tue so, als würde ich nur zufällig mit am Tisch dieser dreiköpfigen Familie sitzen, denn die seit 30 Sekunden allein erziehende Mutter hat inzwischen wieder Platz genommen.</p><p>&#8222;Hitler hat die Autobahn nicht erfunden, die gab es schon vorher&#8220;, erklärt sie mit leichter Hektik, kaum hörbar und dicht am Ohr des Kleinsten, während sie sich die Tischdecke vom Kopf nimmt. &#8222;Er hat zwar neue gebaut aber die wollte er in Wirklichkeit für den Transport seiner Soldaten und Kriegsmaschinen außerdem wollte er so tun als würde er den Menschen durch den Autobahnbau Arbeit besorgen denn es gab sehr sehr viele Arbeitslose damals in Wirklichkeit bekamen aber viel weniger Leute Arbeit als versprochen wurde und die mussten dann auch noch unter härtesten Bedingungen bis um Umfallen arbeiten. Und jetzt iss deine Pizza.&#8220;</p><p>&#8222;Wo hast du das überhaupt her?&#8220;, frage ich, erleichtert und reintegriert. &#8222;Weiß nicht mehr&#8220;, lügt der jüngere Sohn und kümmert sich zur Enttäuschung seines Bruders wieder um sein Essen, als hätte er keinen Schimmer, wovon überhaupt die Rede ist. &#8222;Hat irgendjemand gesagt.&#8220;</p><p>Meine Frau und ich lächeln in die Restaurant-Runde, faseln etwas von &#8222;History lessons&#8220; und versprechen den Kindern ein Eis als Nachtisch, wenn sie es schaffen, den Namen von Ihr-wisst-schon-wem für den Rest des Abends zu ignorieren.</p><p>Im Stillen beschließe ich, nach unserer Rückkehr ein ernstes Wort mit allen Verwandten, Großeltern, deren Bekannten, den Mitschülern, deren Eltern, den Lehrern meines jüngsten Sohns sowie allen Bus und Bahn fahrenden Berlinerinnen und Berlinern zu sprechen.</p><p>Und noch einmal alle Harry-Potter-Filme zu gucken.</p><p><small>Zwei Wochen später stand übrigens fest: Niemand in England zeigte auch nur einen Ansatz von Ressentiments gegen uns, niemand, ob alt oder jung, erwähnte irgendwelche Kriege, uns wurde auf der gesamten Tour durch England nichts anderes als Freundlichkeit, Herzlichkeit und Interesse entgegengebracht. Das einzige Gespräch über Hitler führten wir in einem kleinen italienischen Restaurant in Brighton. Mit unserem jüngsten Sohn.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/08/23/dont-mention-the-war/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>46</slash:comments> </item> <item><title>Freifahrt [Update]</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/08/19/freifahrt/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/08/19/freifahrt/#comments</comments> <pubDate>Fri, 19 Aug 2011 16:02:58 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=49921</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/mamba.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">T. Haeusler</span></a></p></div></p><p>Es war in den 70er Jahren, glaube ich, als sich in Deutschland leidenschaftliche Autofahrer zusammentaten und unter dem Slogan &#8222;Freie Fahrt für freie Bürger&#8220; gegen staatliche Beschränkungen des Individualverkehrs wehrten. Diese Autofahrer waren davon überzeugt, dass Tempolimits und (damals stattfindende) autofreie Sonntage ein Eingriff in ihre persönliche Freiheit wären, und dass nur sie selbst entscheiden sollten, wann und wie schnell sie fahren dürften.</p><p>Die Auto-Lobby hatte eine sehr laute Stimme, die von diversen Automobilklubs und von den Boulevard-Medien, die dem Volk so gerne &#8222;aufs Maul schauen&#8220;, verstärkt wurde. Irgendein Axel-Springer-Blatt brachte den Slogan als Aufkleber-Beilage und selbiger prangte danach auf vielen PKW.</p><p>Geändert hat der Autofahrer-Protest an der Verkehrspolitik der darauf folgenden Jahre und Jahrzehnte nur wenig, und wenn wir heute in Großstädten immer mehr begrüßenswerte Tempo-30-Zonen haben, dann verdanken wir das ganz sicher nicht jenen Teilen der autofahrenden Bevölkerung, die ihre individuellen Bedürfnisse über die ihrer Umwelt stellen.</p><p>Manchmal, in stillen Sekunden, wenn die Katzen auf Twitter schlafen, bei Facebook alle außer den Codern Mittagspause machen und sogar Robert Scoble Google+ abgeschaltet hat … dann frage ich mich, ob Teile der netzpolitischen Gemeinde mittlerweile ähnlich funktionieren wie die oben beschriebenen Autofahrer. Freies Netz für freie Bürger.</p><p>Und dann lese ich von Cameron und <a
href="http://www.tagesschau.de/ausland/facebook230.html">diesem</a> und anderem Irrsinn und fasse es nicht. Und weiß: Es ist richtig, sich gegen Zensur und Vorratsdatenspeicherung zu wehren, es ist richtig, zu beweisen, dass Stoppschilder vor Straftaten nichts anderes als politische Nebelkerzen sind. Und es ist ebenso richtig, Gesetzentwürfe und andere politische Maßnahmen immer wieder auf ihre Tauglichkeit und ihre Verhältnismäßigkeit zu überprüfen.</p><p>Und trotzdem nervt es mich, wenn in meinen Netz-Streams jede mögliche Einschränkung als Zensur bezeichnet wird; wenn vielleicht anstehende Veränderungen des Status Quo als Angriff auf die Menschenrechte interpretiert werden; wenn Lösungsvorschläge allein an ihrer unwahrscheinlichsten Fehlbarkeit gemessen werden; wenn als Antworten auf gesellschaftliche und politische Fragen allein die Behauptung einer Selbstregulierungskraft des Netzes sowie die zwar wichtigen, aber immer noch viel zu wenig ausformulierten Forderungen nach mehr Medienkompetenz kommen. Für meine Vorstellung vom gemeinsamen Weiterkommen, konstruktiven Gesprächen und gegenseitigem Wissensaustausch sieht es dann schlecht aus, und Versuche, Experimente und daraus resultierende Erkenntnisse werden so gut wie unmöglich. Das, was man aus dem Meer der Netzstimmen manchmal zu lesen bekommt, unterscheidet sich dann an Eindimensionalität nicht mehr von dem, was man kritisiert.</p><p>Das mag mich nerven, überraschen darf es mich aber eigentlich nicht. Die aktuelle Politik nicht nur hierzulande macht es einem nicht leicht, sie ernst zu nehmen und sie zu respektieren, sie als Partner statt als Feind, als Diener statt als Herrscher zu betrachten, da man den Eindruck hat, dass nur aus Angst und Unsicherheit, auf wirtschaftlichen Druck hin und sowieso nur bis zur nächsten Wahl gehandelt wird. Kontroll- und Regulierungswahn hier, sagenhafte Inkompetenz dort, Ignoranz und Arroganz an allen Enden … dabei ruhig zu bleiben, fällt schwer, keineswegs nur in netzpolitischen Bereichen.</p><p>Und trotzdem darf dies alles kein Grund sein, Augen und Ohren davor zu schließen, dass Veränderungen auch vor dem Netz nicht Halt machen werden.</p><p>Die wohl kaum umkehrbare Kommerzialisierung des Netzes, seine Verbreitung, seine Ortsunabhängigkeit, seine Allgegenwärtigkeit, sein Einsatz für viele unterschiedliche Zwecke und die gleichzeitige Nutzung als Infrastruktur für unternehmerische, militärische, private und politische Zwecke, vor allem aber seine &#8222;Normalität&#8220; für fast alle Menschen in einigen Regionen der Welt (und ihre Abhängigkeit davon) bringen Herausforderungen mit sich, die weder allein technisch, noch allein politisch, noch allein kulturell zu beantworten sind, sondern nur von einer Mischung aus vielen Disziplinen.</p><p>Ich bin davon überzeugt, dass es im Netz neben den glitzernden Hauptstraßen auch immer die dunkleren Seitengassen, die nur halb legalen Rotlicht-Viertel, die Indie-Läden und die Drogendealer geben wird – wie in jeder Stadt auch. Man wird immer finden, was man will, wenn man weiß, wo man suchen muss. Ich mache mir keinerlei Sorgen darum, dass das Netz zu einem klinisch sauberen Ort werden könnte, der keinen Platz mehr für Spinner und Absurditäten lässt, für Abgedrehtes und Absonderliches und für das, was nun wirklich nur drei echt ziemlich schräge Leute interessiert. Das Netz besteht schließlich aus Menschen. Die machen das schon.</p><p>Ich bin aber auch ziemlich sicher: Das anarchistische Internet ist tot. Und es wurde nicht allein von regulierungswütigen Politikern oder Wirtschaftbossen getötet, sondern vielleicht auch von der Realität seiner verschiedenen Entwicklungen, von der Tatsache, dass es schon lange kein elitärer Klub mehr ist, sondern ganz einfach eine Erweiterung des öffentlichen Raums. Und für einen solchen kann das Hoffen auf Selbstregulierung kaum genügen.</p><p>Das anarchistische System, ein System, das trotz unterschiedlichster Ansprüche wirklich (wirklich!) selbstständig funktioniert, kenne ich nicht. Jedes Forum hat Regeln, die es einzuhalten gilt, jede Programmiersprache bestraft die Missachtung seiner Regeln und jede Demokratie auch.</p><p>Eine überschaubare Gruppe von Menschen mit einer guten Ausbildung, einem dazu passenden Selbstbewusstsein und einer unerschütterlichen Psyche, die nicht einmal im Traum daran denken, jemandem anderen Schaden zuzuführen, könnte vielleicht ein anarchistisches Internet erfolgreich bevölkern. Vielleicht.</p><p>Doch es wird nicht von einer solchen Gruppe bevölkert. Das Netz, morgen noch mehr als heute, ist für alle da, es <em>muss</em> für alle da sein. Für die Armen und Reichen, die Starken und Schwachen, die Klugen und Dummen, die Jungen und Alten. Weshalb es von keiner Elite beherrscht werden darf. Nicht von einer politischen oder wirtschaftlichen, aber auch nicht von einer technischen.</p><p>Ich habe mich lange gegen die Akzeptanz dieser Entwicklung gewehrt, denn ich liebe die Utopien über alles, die mir das Netz verspricht. Doch egal, wie ich das finde: Es werden Ampeln aufgestellt werden (deren Signale man missachten kann). Es werden Regeln gelten (die man brechen kann) und Maßnahmen beschlossen werden gegen die, die sie nicht einhalten.</p><p>Nur ohne jede Hoffnung und ohne jedes Vertrauen in die Menschheit und ihre demokratischen Errungenschaften klingt dies nach einer Diktatur, denn es ist ebenso die Grundlage einer jeden Gesellschaft, die sich mit besten Absichten sowohl um den Konsens der Vielen als auch um den Schutz der Wenigen und vor allem der Schwachen bemühen will.</p><p>Genau diese Absichten sind es natürlich, die den Kern des Misstrauens vieler (Netz-) Bürger gegenüber der Politik ausmachen, und die ob der jüngsten Forderungen von westlichen, demokratischen Politikern wie Cameron, das Internet bei Bedarf jederzeit abschalten zu können, nicht gerade als &#8222;beste&#8220; bezeichnet werden können. Doch glücklicherweise arbeiten Politiker immer seltener im Verborgenen, der Gegenwind gegen solch abstruse Forderungen ist groß und die Wahrscheinlichkeit ihrer Durchsetzung klein.</p><p>Ob nun aber auch mal wirklich gute Absichten bei einzelnen Beteiligten vorhanden sind, bleibt dabei immer wieder individuell zu beurteilen, und eine solche Beurteilung funktioniert meiner Erfahrung nach nur selten nach dem Gut-/Böse-Muster. Es gibt internet-affine Politiker, die sich von den Chancen durch das Netz begeistern lassen ebenso wie Netzaktivisten, die ihre ganz eigene Agenda haben und in ihrem Engagement zunächst eine Chance für ihre Karriere sehen. Das Leben ist keine 1-bit-Grafik.</p><p>Vermutlich fehlt mir einfach manchmal das Maß auf allen Seiten und oft auch das Verständnis für mehr Interessen als die eigenen. Vielleicht kenne ich zu viele völlig verunsicherte und überforderte Eltern, die sich alle Mühe geben, neben dem täglichen Alltagswahn noch korrekte Medienerziehung zu leisten und die technische, aber durchaus auch staatliche Unterstützung wollen, vielleicht kenne ich andererseits auch zu viele Nerds, die zwar vorgeben zu glauben, dass Netz per se würde gesellschaftliche Fragen beantworten, im Grunde aber nur ihr Desinteresse an einigen dieser Fragen nicht zugeben wollen.</p><p>Vielleicht verwirrt mich das alles manchmal nur, weil ich es nicht lösen kann, weil mir zu viele Antworten fehlen oder ich mich mit den gegebenen nicht zufrieden geben mag. Ich weiß es nicht.</p><p>Ich weiß nur, dass ich auf keinen Fall Teil einer Autofahrerlobby sein will.</p><p><strong>UPDATE</strong> Da es einige Kritik an den Auto-/Verkehrvergleichen gibt: Bitte löst euch doch mal davon. Natürlich kann man das Internet mit nichts richtig vergleichen, aber speziell bei der Autometapher geht es doch hier um etwas anderes. Ampeln und Regeln gibt es nicht nur auf der Straße. &#8222;Ampeln&#8220; werden z.B. auch zur Kennzeichnung von Lebensmitteln oder Videospielen genutzt, der Vergleich sollte also hier bitte nur als &#8222;Hinweis-System&#8220; verstanden werden. Und bei der Einleitung geht es auch nicht wirklich um Autos, sondern um die Frage, ob man manchmal den Blick fürs Ganze verliert.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/08/19/freifahrt/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>43</slash:comments> </item> <item><title>Offen für alle: Open Spreeblick</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/07/14/offen-fur-alle-open-spreeblick/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/07/14/offen-fur-alle-open-spreeblick/#comments</comments> <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 09:50:33 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=47442</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/07/openspreeblick_banner.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">J. Haeusler</span></a></p></div></p><p><strong>UPDATE</strong> Die Aktion ist vorerst <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/08/05/open-spreeblick-das-wars-vorerst/">beendet</a>!</p><p>Lange keine Aktion mehr gemacht, dachten wir neulich, und gleich danach uns eine aus. Mit &#8222;Open Spreeblick&#8220; starten wir ein Experiment: Zunächst bis Ende Juli kann ab jetzt jeder auf Spreeblick bloggen, der es gerne möchte. Einfach <a
href="http://www.spreeblick.com/open-spreeblick-faq/">hier</a> klicken, um die FAQ und Nutzungsbedingungen zu lesen, dann <a
href="http://www.spreeblick.com/wp-login.php?action=register">hier registrieren</a> und loslegen!</p><p>Die komplette Anarchie ist das natürlich nicht, wir werden eine möglichst leichte redaktionelle Aufsicht ausüben und behalten uns somit vor, Artikel ohne Angabe von Gründen und ohne weitere Erklärungen nicht zu veröffentlichen. Doch ich bin ziemlich sicher (okay: ich hoffe), dass wir von dieser Kontrolle kaum Gebrauch machen müssen und so ziemlich alles veröffentlichen können, was ihr in unser Backend packt.</p><p>Also los. Erzählt uns was!</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/07/14/offen-fur-alle-open-spreeblick/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>78</slash:comments> </item> <item><title>Erste Eindrücke und Tipps: Google+</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/06/30/erste-eindrucke-und-tipps-google/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/06/30/erste-eindrucke-und-tipps-google/#comments</comments> <pubDate>Thu, 30 Jun 2011 14:06:25 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=47168</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/06/googleplus.png" alt="google+" title="google+" class="alignnone size-full wp-image-47183" /></p><p><small><strong>UPDATE</strong> Anscheinend ist Google+ mittlerweile offen für alle.</small></p><p>Natürlich muss man Googles neuestes Baby, <a
href="https://plus.google.com/">Google+</a> nämlich, mit Facebook vergleichen, denn im Kern geht es um die gleichen soziale Funktionen im digitalen Raum: Das Teilen von Nachrichten, Fotos, Videos, Links und Gedanken mit Bekanntschaften und Freunden.</p><p>Ob Google+ sich durchsetzen und zu einem Quasi-Standard neben oder gar statt Facebook werden kann, das will zu diesem Zeitpunkt, an dem der Service zunächst in einer Testphase läuft, wohl niemand vorhersagen. Es ist zwar davon auszugehen, dass Google+ für Google enorm wichtig ist und entsprechend beworben wird, denn diesen Marktanteil des Data-Mining und der personalisierten Werbung möchte man ungern weiterhin Facebook überlassen, doch trotz vieler vorhandener Nutzer von anderen Google-Produkten (Gmail etc.), die man leicht auf Google+ hinweisen kann, wird es schwierig werden, genau jene Masse zu einem Wechsel zu bewegen, die Facebook zu einem so unglaublichen Erfolg gemacht hat. Am Ende entscheiden die Nutzer, wem sie ihre Verhaltensdaten anvertrauen.</p><p>Keine Orakelversuche also an dieser Stelle, stattdessen erste Eindrücke nach einigen Stunden mit Google+. Und ein paar nützliche Tipps.</p><p><big>Einladungen</big></p><p>Aktuell sind weitere Einladungen zu Google+ anscheinend nicht möglich. Eine Zeitlang konnten Google+-Nutzer (an dieser Schreibweise sieht man, dass der Name des Dienstes nur mäßig klug gewählt wurde) innerhalb von Google+ eine Nachricht verfassen und sie an die Mailadresse eines Nutzers adressieren, der noch kein Google+-Konto hatte – dieser Nutzer erhielt dann eine Mail mit Einladungslink.</p><p>Dieser &#8222;Trick&#8220; (über den ich meinen Account heute morgen bekommen habe) scheint zur Zeit nicht mehr zu funktionieren, doch das kann sich minütlich ändern. Und überhaupt: Geduld. Google will Google+ erfolgreich machen, es wird also nicht lange dauern, bis der Service für alle verfügbar ist.</p><p><big>Circles</big></p><p>Google+ hat den Vorteil der späten Geburt und konnte gute Ideen von Facebook ebenso wie Kritik am aktuellen Platzhirsch berücksichtigen. Google+ orientiert sich am Facebook-Layout, wirkt jedoch eleganter und durchdachter (ganz anders als bei <a
href="http://wave.google.com/">Wave</a> oder <a
href="http://www.google.com/buzz">Buzz</a>, den zwei Google-Diensten, die mit ziemlicher Sicherheit in Google+ aufgehen werden).</p><p>Am Anfang von Google+ stehen die &#8222;Circles&#8220;, also die Freundes- oder Bekanntschaftskreise. Ohne diese läuft nichts, und das ist gut so, denn auch wenn es äußerst nerdig scheint, ist die gut durchdachte Verwaltung der Kontakte die Basis dafür, ob einem ein soziales Netzwerk in dieser Form tatsächlich nützt. Google+ zwingt seine Nutzer dazu.</p><p>Und so teilt man jene Menschen, mit denen man überhaupt Kontakt haben möchte, in Circles ein, die man selbst verwaltet. &#8222;Freunde&#8220;, &#8222;Bekannte&#8220;, &#8222;Geschäftspartner&#8220;, &#8222;Nie getroffen, aber nett&#8220; – bei späteren Mitteilungen kann der Google+-Nutzer wählen, welcher Kreis diese Nachricht, das Foto oder den Link empfangen soll. Solange ich eine Person nicht zu einem Circle hinzugefügt habe, &#8222;folge&#8220; ich dieser Person auch nicht. Circles sind den Gruppen bei Facebook zwar sehr ähnlich, doch sie stehen im Gegensatz zu Facebook  bei Google+ im Vordergrund, sind notwendig, nicht zu übersehen und äußerst smart gestaltet (<a
href="http://www.youtube.com/watch?v=ocPeAdpe_A8">hier gibt es ein YouTube-Video über Circles</a>).</p><p>Zwar gibt es in der Testphase noch ein paar offene Fragen – so habe ich zum Beispiel noch nicht herausgefunden, wie man mehrere Namen auswählen und in einen anderen Circle verschieben kann – doch im Großen und Ganzen scheint mir die Verwaltung von Circles leichter zu sein als die von Facebook-Gruppen.</p><p><big>Status-Meldungen/ Updates/ +1</big></p><p>Die Übermittlung von Updates, also Nachrichten, Fotos oder Links, erfolgt wie bei Facebook über ein Status-Fenster in der oberen Browser-Mitte oder alternativ über ein kleines Eingabefeld in der neuen, schwarzen Google-Leiste ganz oben rechts. Vor dem Senden einer Nachricht entscheidet der Nutzer noch, welchen Circle er ansprechen möchte und dann wird gesendet. Auch das öffentliche Senden ist dabei möglich, und hierbei bedarf es einer Erläuterung:</p><p>Sobald mich eine Person zu einem Circle hinzufügt, erhalte ich darüber eine Nachricht. Ich kann nun entscheiden, ob ich den Nutzer blockieren möchte (wenn ich also nicht möchte, dass er überhaupt etwas von meinen Aktivitäten mitbekommt), ihn ebenfalls zu einem meiner Circles hinzufügen will oder einfach gar nichts weiter unternehme. Füge ich den Nutzer nicht zu einem meiner Circles hinzu, wird er von mir nur diejenigen Updates sehen, die ich öffentlich sende, an &#8222;Public&#8220; nämlich. Updates, die ich an bestimmte Circles sende, bleiben dem entsprechenden Nutzer verborgen. Habe ich den Nutzer blockiert, sieht er gar nichts von meinen Status-Meldungen.</p><p>Bei diesen Status-Meldungen kann ich außerdem entscheiden, ob sie von meinen Adressaten weiter verbreitet werden dürfen, eine nützliche Funktion, die jedoch bei durchgeführten Tests noch nicht funktionierte. Status-Meldungen sind weiterhin kommentierbar, können geteilt, also an andere Nutzer verbreitet werden (Ausnahme: siehe vorhergehender Satz) und mit dem neuen &#8222;+1&#8243; von Google mit einer Art &#8222;Like&#8220; versehen werden.</p><p>Genau dieses braucht dann wohl auch die schnellsten Anpassungen von Google, denn so richtig läuft das noch nicht. Obwohl mir mein Profil eine Liste der Updates anzeigen soll, die ich &#8222;geplust&#8220; habe (allein an der dieser Semantik kann der Kram scheitern), ist dieser Bereich leer und niemand meiner Kontakte kann bisher sehen, ob und wann ich den &#8222;+1&#8243;-Button geklickt habe. Aber gut: Testphase.</p><p><big>Sparks</big></p><p>Sparks sind Interessensgebiete, in denen Links und Hinweise zu bestimmten Themen gesammelt werden – mit dieser Funktion von Google+ habe ich mich bisher noch nicht weiter beschäftigt, auch hier der <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=0DoAl4JXhQo">Verweis auf das offizielle Werbevideo</a>.</p><p><big>Weitere Funktionen</big></p><p>Neben den Statusmeldungen bietet Google+ die Möglichkeit von Videokonferenzen (&#8222;Hangouts&#8220;) mit mehreren Personen, die in ersten Tests prima funktioniert hat. Diejenige Person, die gerade spricht, erscheint als großes Bewegtbild, alle anderen sind kleiner darunter dargestellt (<a
href="http://www.youtube.com/watch?v=QN38vHZjWXw">hier ein Google-Video über Hangouts</a>). Reine Text-Chats sind natürlich auch möglich, die Integration von Googles Bilderdienst Picasa versteht sich ebenso von selbst wie YouTube-Videos, die natürlich im Stream eingebettet werden (das geht aber auch mit Vimeo-Clips und sicher auch mit anderen Videodiensten).</p><p><big>Google+ mobile</big></p><p>Für Android-Geräte gibt es im Market bereits eine gut gemachte App, die zusätzlich &#8222;Huddle&#8220; anbietet, eine Art Gruppen-SMS-Funktion (die mit dem gleichnamigen <a
href="http://www.huddle.com/">Projektmanagement-Tool</a> nichts zu tun hat). iPhone- oder anderen Smartphone-Nutzern bietet Google bisher ein Web-Interface an, das unter <a
href="http://m.google.com/plus">http://m.google.com/plus</a> erreichbar ist, eine native App soll folgen.</p><p><big>Nützliche Tipps</big></p><p>- Man kann durch den Google+-Stream wie durch Googlemail-Mails navigieren: Mit der &#8222;j&#8220;-Taste nach unten, mit &#8222;k&#8220; nach oben.</p><p>- Der Klick auf &#8222;Stream&#8220; zeigt die Meldungen aller Nutzer, die man in irgendeinem Circle hat. Der Klick auf &#8222;Incoming&#8220; zeigt auch die Meldungen derjenigen Personen, die einem durch Zuordnung zu einem ihrer Circle &#8222;folgen&#8220;, die man selbst jedoch keinem Circle zugeordnet hat.</p><p>- Mit der &#8222;@&#8220;- oder der &#8222;+&#8220;-Taste gefolgt von einem Kontakt-Namen lassen sich Nutzer adressieren (so wie man es bei Twitter auch macht), Google+ vervollständigt die Namen automatisch.</p><p>- Lässt man den Mauszeiger eine kurze Zeit lang über einem Nutzernamen ruhen, kann man diesen zu einem Circle hinzufügen, ohne zuerst sein Profil aufrufen zu müssen.</p><p>- Einfache Textformatierung: *fett*, _kursiv_, -durchgestrichen-.</p><p>- Eine Meldung an &#8222;Your extended circles&#8220; geht an alle eigenen Circles und zusätzlich an alle Circles dieser Kontakte.</p><p>- Wer seine Facebook-Kontakte zu Google+ migrieren möchte, kann dafür die <a
href="https://chrome.google.com/webstore/detail/ficlccidpkaiepnnboobcmafnnfoomga">Chrome-Erweiterung &#8222;Facebook Friend Exporter&#8220;</a> nutzen, solange Facebook nichts dagegen unternimmt. Google selbst lässt den Export der eigenen Daten aus Google+ heraus via <a
href="www.google.com/takeout/">Google Takeout</a> zu.</p><p><big>Was toll ist</big></p><p>Ziemlich beeindruckend ist der Einsatz von HTML5 bei Google+. Kleine Animationen, weiche Übergänge und reduzierte Seitenwechsel zeigen, was alles möglich ist bei modernen Web-Applikationen – ganz ohne Flash.</p><p><big>Was nervt</big></p><p>Werden Beiträge oder Links von mehreren Kontakten geteilt, erscheinen sie mehrfach in meinem Stream, das ist unnötig und bei Facebook besser gelöst, das kann man zusammenfassen. Und die Funktion, die neu kommentierte Meldungen immer wieder nach oben bringt, sorgt dafür, dass sich Eingabefelder, die man gerade benutzt, beim Tippen verschieben. Wird beides hoffentlich nachgebessert.</p><p><strong>UPDATE</strong> Wie man mehrere Kontakte selektiert, weiß <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/06/30/erste-eindrucke-und-tipps-google/comment-page-1/#comment-789793">Micha</a> und bei <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/06/30/erste-eindrucke-und-tipps-google/#comment-789789">Adliss</a> werden mehrfache &#8222;Shares&#8220; bereits zusammengefasst.</p><p><big>Was bleibt</big></p><p>Die Entscheidung. <a
href="http://yuccatree.de/2011/06/google-schoner-aber-derzeit-uberflussiger-facebook-klon/">Es geht mir ähnlich wie Enno</a>: Ich war bisher ganz froh (soweit man das in diesen Zusammenhängen so bezeichnen kann), dass Google zwar meine Suchen und meine direkten Mail-Kontakte analysiert, aber nicht alle meiner Kontakte, und dass Facebook zwar viele meiner Kontakte kennt, aber nicht meine Web-Suchen und andere Mailkontakte. Ein Wechsel zu Google+ mit Abkehr von Facebook würde bedeuten, dass Google mich fast besser kennt als ich selbst.</p><p>Die statistische Durchschaubarkeit bleibt der Preis, den wir für kostenfreie Dienste wie Facebook und Google+ bezahlen, und so richtig schmeckt mir das alles immer noch nicht, wirklich offene Kommunikation auf diesen Portalen verkneife ich mir deshalb, es bleibt halt doch an der Oberfläche. Noch immer wäre mir daher ein ähnlich umfangreicher und gut gemachter Dienst lieber, für den ich ein paar Euro bezahle, der dafür aber seine Finger komplett von meinen Daten lässt und mir nicht noch auf der fünftnächst besuchten Website angeblich passende Werbung liefern will.</p><p>Ich weiß, es gibt <a
href="http://joindiaspora.com/">Diaspora</a> als Alternative, und ich kann nicht erklären, warum der Dienst nicht &#8222;abhebt&#8220; (abgesehen vom meiner Meinung nach äußerst kontraproduktiven Namen) und warum mich die Nutzung einfach überhaupt nicht reizt. Noch fehlende Nutzerzahlen sind nur einer der möglichen Gründe, denn das könnte man ja im eigenen Bekanntenkreis ändern.</p><p><big>Fazit</big></p><p>Für Menschen wie mich, die sowieso viel im Netz arbeiten und die auf Informationsströme angewiesen sind, kann Google+ sehr spannend werden, schon in der Testphase wirkt der Dienst viel ausgereifter und stimmiger als Wave oder Buzz. Es gibt kaum etwas, das ich im Vergleich zu Facebook vermisse und kleinere Bugs werden sicher noch behoben.</p><p>Ob die Euphorie einiger erster Nutzer jedoch so lange anhalten wird, bis &#8222;alle&#8220; da sind – oder ob diese Euphorie nicht genau daher rührt, dass sie es eben noch nicht sind –, und ob diejenigen Nutzer, die das Internet mit Facebook nur gelegentlich nutzen, einen Wechsel wagen werden … das hängt von so vielen Faktoren ab, dass ich mir jeden Versuch der Vorhersage lieber verkneife.</p><p><small>Andere über Google+:<br
/> <a
href="http://netzwertig.com/2011/06/30/google-technisch-beeindruckend-aber-komplex/">netzwertig</a><br
/> <a
href="http://yuccatree.de/2011/06/google-schoner-aber-derzeit-uberflussiger-facebook-klon/">YuccaTreePost</a><br
/> <a
href="http://stadt-bremerhaven.de/inside-google">Stadt-Bremerhaven</a></small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/06/30/erste-eindrucke-und-tipps-google/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>78</slash:comments> </item> <item><title>Passen</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/06/28/passen/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/06/28/passen/#comments</comments> <pubDate>Tue, 28 Jun 2011 15:23:16 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=47132</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/06/boys.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/24441843@N00/2345797477/"><span
class="text">Daz Smith</span></a></p></div></p><p>Sommerferien. Sechs Wochen, die mir als Kind wie ein ganzes Jahr vorkamen. Manchmal verreisten wir, fast immer nach Dänemark und dort immer an den gleichen Ort, manchmal verbrachten wir die Ferien aber auch in unserem winzigen und doch so großen Schrebergarten, für dessen Hütte mein Vater das Fundament selbst gegossen und den Rest selbst gezimmert hatte.</p><p>Sechs Wochen Sommerferien bedeuten für Kinder den Himmel auf Erden, schier endlose Freizeit, Spiel ohne Pause und Ende, Sonnenbrand, Wasserschlachten und späteres Zubettgehen. In erster Linie aber: Keine Schule.</p><p>Und selten zuvor – nicht einmal in meiner eigenen Kindheit – habe ich diese schullosen Wochen mindestens so sehr ersehnt wie meine Söhne in diesem Jahr, in dem einer von ihnen die Grundschule verlässt.</p><p>Als kinderloser Erwachsener hatte ich keine Ahnung, wie schwer es sein würde, Kinder und Jugendliche zu erziehen, oft genug die richtige oder wenigstens zufriedenstellende Antwort parat zu haben, gerecht zu sein. Es ist unmöglich und unnötig, perfekt zu sein, doch wer strebt als Vater oder Mutter nicht ein Mindestmaß an Fairness und Klugheit an, wenn es darum geht, Kinder auf das Erwachsensein vorzubereiten? Und scheitert dabei nicht regelmäßig an den eigenen Vorsätzen?</p><p>Dabei ist der familiäre Mikrokosmos das Eine und meistens noch Machbare. Das Andere und mindestens ebenso Schwerwiegende ist das Paralleluniversum Schule und damit der Ort, an dem außenstehende Instanzen und Fremde ins bis dato relativ selbstbestimmte Leben eingreifen, Urteile abgeben, Weichen für die Zukunft stellen, erziehen. Es ist der Ort, an dem auch Eltern Kompromisse gegen den eigenen Willen und gegen die eigene Überzeugung eingehen müssen, der Ort, an dem sich zusätzlich zum Elternhaus entscheidet, welche Lebenshaltung sich ein Heranwachsender angewöhnt, welche Erfahrungen er im Umgang mit außerfamiliären Autoritäten sammelt und welche Schlüsse er daraus für sein eigenes Leben zieht. Und es ist der Ort, an dem er trotz der hoffentlich vorhandenen Rückendeckung durch Eltern und Geschwister völlig allein ist.</p><p>Das ist soweit in Ordnung, denn allein sind wir am Ende alle mehr oder weniger und so ist Alleinsein ein Zustand, den man kennenlernen sollte. Allein zu sein ist nichts Schlimmes.</p><p>Allein gelassen zu werden hingegen schon.</p><p>Das Grundschulsystem, das ich als Kind kannte und nun als Vater erlebe, hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert und bietet noch immer wenig Platz für den Einzelnen, es erzieht noch immer – notgedrungen, wahrscheinlich – nach den Regeln der Industriegesellschaft. Birth, School, Work, Death.</p><p>Das Leben als konstanter Lern- und Erfahrungsprozess, das Selbst als flexible Veränderung, die Welt als gigantischer Abenteuerspielplatz … so wünsche ich mir die Ausbildung meiner Kinder an den Stellen, an denen ich es nicht mehr selbst leisten kann. Doch das ist nicht das, was ich erlebe.</p><p>Während Lehrerinnen und Lehrer in viel zu großen Klassen ausgebrannt an einer Highspeed-Welt und ihren Kindern verzweifeln, scheitert die Politik an dem, woran sie immer scheitert: Ihrer Kurzsichtigkeit, ihrem Mangel an Mut zur Radikalität. So schwer und applauslos ist es, für eine Zukunft über vier Jahre hinaus zu planen, so aussichtslos scheint es, Unterstützung für weitreichende Projekte zu erlangen, dass man es eben bei kurzfristigen Lösungsversuchen und Experimenten belässt, die in Bürokratie ersticken.</p><p>Ist man ehrlich, sind es aber die einzelnen Politiker genauso wenig wie die einzelnen und teilweise sehr engagierten Lehrer, die einzelnen Eltern nicht und erst recht nicht die einzelnen Kinder. Ein Klischee, ich weiß, doch es ist wahr: Es ist das System, das nicht funktioniert und im Grunde unserer Herzen wissen wir das alle. Das System, das Lernen nicht als Prozess, sondern als Abfrage einzelner Fakten versteht, das System, das nicht das individuelle Talent, nicht die individuellen Interessen zu entdecken sucht und dafür auch gar nicht ausgelegt ist.</p><p>Der wilde Haufen, den meine Söhne ihre Freunde nennen, könnte und wird in wenigen Jahren Bands, Organisationen und Unternehmen gründen, die Welt auf den Kopf stellen und sie vielleicht sogar verbessern. Jeder Einzelne von ihnen ist schon jetzt ein solch ausgeprägter Charakter, dass man bei ihrem Zusammenspiel von einer einzigartigen Chemie sprechen kann, von Ergänzungen und Kooperationen. Jeder Einzelne von ihnen ist ein Juwel, ein Kopf, ein Typ, und ich habe die ganze Bande in den letzten Jahren sehr in mein Herz geschlossen.</p><p>Doch jeder Einzelne von ihnen hört sich in der Schule seit Jahren an, was an ihm nicht stimmt. Der Eine ist zu laut. Der Andere zu aggressiv. Der Dritte ist zu unruhig und der Vierte hört nicht zu. Der Fünfte wird es nie kapieren und beim Sechsten muss man sich nicht wundern. Bei <em>den</em> Eltern.</p><p>Sie alle verbindet mehr als Freundschaft, sie alle verbindet eine Erfahrung: Sie passen nicht. Das hat man ihnen in der Schule sehr deutlich klar gemacht und ich frage mich, was das für einen Einfluss auf ihr weiteres Leben hat. Und ahne nichts Gutes.</p><p>Ich kenne Kinder, die das Malen und Zeichnen nach anfänglicher Begeisterung aufgebeben haben, nachdem ihnen in der Schule mehrfach gesagt wurde, dass sie das &#8222;falsch&#8220; machen. Ich kenne Kinder, die vor empfundenen Ungerechtigkeiten resigniert haben, weil ihr Wort oder ihre Sichtweise nichts galt. Und ich kenne Jungs, die sich selbst schon als Neunjähriger als &#8222;zu dumm&#8220; bezeichnet haben.</p><p>Viele von diesen Jungs werde ich wahrscheinlich nie wieder sehen, denn die meisten Wege trennen sich nun. Sechs Wochen Sommerferien sind eine lange Zeit, danach kommen die neue Schule, neue Herausforderungen und auch neue Freunde. Unwahrscheinlich, dass die alten Banden diese Veränderungen überdauern.</p><p>Und so bleibt mir nur, diesen Jungs alles Gute zu wünschen und ihnen zu sagen: Lasst euch nicht passend machen. Das tun schon zu viele.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/06/28/passen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>46</slash:comments> </item> <item><title>Fast alles über Frauenfußball</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/06/23/fast-alles-uber-frauenfusball/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/06/23/fast-alles-uber-frauenfusball/#comments</comments> <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 15:38:14 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=46930</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/06/frauenfussball.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/kah0n/4823512119/"><span
class="text">akosihub</span></a></p></div></p><p>Frauenfußball-WM! Juchee! Aber erst ab Sonntag. Bleibt noch ein bisschen Zeit, die drängendsten Fragen zu beantworten.</p><p><strong>Ist Frauenfußball der schönere Fußball?</strong><br
/> Auf keinen Fall. Nicht in Deutschland. Die deutsche Nationalmannschaft spielt einen Lothar-Matthäus-Gedächtnisfußball. Da heißen die Grundtugenden Laufbereitschaft, Zweikampfstärke, Einsatz. Silvia Neid betont immer gerne, dass man sich die Erfolge von früher &#8222;hart erarbeitet&#8220; hat. Das ist ein grunddeutsches Missverständnis mit dem Fußball: überall anderswo spielt man den Ball, hier wird er getreten. Überall anderswo (außer Italien und Uruguay) zählt die Leichtigkeit, hier ist Fußball Maloche. Diese Fehlinterpretation, dass Fußball ein Kampfsport sei, hat Jogi Löw im Männerfußball zum Glück korrigiert: deswegen hat Deutschland 2010 den schönsten, ansehnlichsten, hinreißendsten Fußball gespielt. Das gabs seit der EM 72 nicht mehr. Anders in der Frauenfußballnationalmannschaft: da wird der Gegner totgerannt und am Schluß kommen Bajramaj und Mbabi, um noch das ein oder andere Kaninchen aus dem Hut zu holen. Enge Spiele gewinnt man oft in der letzten Viertelstunde, dann aber deutlich, weil der Gegner sich nur noch kraft seiner Schneidezähne über den Rasen zieht. Das ist effizient, macht dem Zuschauer aber eine Gesichtsfarbe wie die von Ottmar Hitzfeld.</p><p><strong>Darf man Frauenfußball überhaupt mit Männerfußball vergleichen?</strong><br
/> Warum nicht? Es ist das gleiche Spiel mit den gleichen Regeln, und es ist obendrein die gleiche Fernsehverpackung.</p><p>Aber: Man muss schon richtig vergleichen. Die Voraussetzungen sind ganz andere. Von weltweit 265 Millionen Fußballspielern sind 10 Prozent Frauen. Der 1.FFC Frankfurt, finanzstärkster Club der Frauenfußballbundesliga, verfügt über einen Etat von ungefähr einer Million Euro, Bayern München über 80 Millionen. Es gibt eine nur rudimentäre Infrastruktur, wenig Scouting, wenig Betreuung, fast alle Frauen sind Amateure und gehen nebenher noch arbeiten. Wers genau wissen will, <a
href="http://www.textilvergehen.de/2011/02/12/leben-auf-einem-fremden-planeten-frauenfusball/">kann sich dieses Interview durchlesen, da wird einiges klar</a>. Das heißt, man vergleicht einen Amateursport mit einem bis ins Detail durchorganisierten Profibetrieb.</p><p>Es ist ein Dilemma: Einerseits kann sich der Frauenfußball wegen dieser strukturellen Nachteile kaum ernsthaft mit dem Männerfußball vergleichen. Andererseits braucht er jetzt maximale mediale Aufmerksamkeit, um sich vielleicht irgendwann mit dem Männerfußball vergleichen zu können. Diese Differenz füllen die meisten Berichterstatter mit Wohlwollen und Nachsicht. Es bleibt aber trotzdem der gleiche Sport.</p><p><strong>Und was ist mit den körperlichen Unterschieden?</strong><br
/> Ja, naja. Es heißt immer: Die Leistungen der Sportlerinnen bleiben in allen Sportarten hinter denen der Männer zurück. Es bestünden eben anatomische Unterschiede, was die Beinlänge anbelangt, die Muskeln der Frauen seien auf Grund von Testosteronmangel weniger leistungsbereit, Männer seien generell größer und dank ihrer breiteren <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Muskelfaser#FT-Fasern">FT-Fasern</a> explosiver und schneller.</p><p>Das kann sein, aber ob das entscheidend ist, kann man nicht so einfach sagen. Es gibt den perfekt gebauten Fußballspieler nicht, der Fußball kennt keine Modellathleten. Mir fällt keine andere Sportart ein, die einen verkrüppelten Alkoholiker wie <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Garrincha">Garrincha</a> unter ihre Besten zählt. Gerade hat eine Ansammlung von Zwergwüchsigen die Championsleague gewonnen, mit Messi (169 cm, 67 kg), Iniesta (170/67) und Xavi (169/66). Lothar Matthäus, der gern und viel davon erzählt, dass Frauen gegen Männer &#8222;körperlich keine Schangse&#8220; hätten, lag vor Beginn seiner Karriere seiner Mutter weinend in den Armen, weil man ihm gesagt hatte, dass er zu klein und zu schmächtig sei für den Profifußball. War dann doch nicht so. Mit solchen Voraussagen sollte man vorsichtig sein.</p><p><strong>Und sonst? Gibts sonst noch Unterschiede?</strong><br
/> Taktisch, ja. Im Frauenfußball wird kaum Pressing gespielt. Pressing heißt: vorne wird geschlossen draufgegangen, um den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Das ist ungeheuer laufintensiv und erfordert viel Koordinationsarbeit. Pressing kann man über einen längeren Zeitraum nur als Profimannschaft spielen, deswegen ist diese taktische Variante auch im Männerfußball erst in den 70er Jahren entstanden. Das ist ein Unterschied zwischen Profi- und Amateursport, nicht zwischen Männer- und Frauenfußball.</p><p><strong>Sind diese Unterschiede denn irgendwie wichtig?</strong><br
/> Scheint so, sonst würden sie nicht fortwährend debattiert. Richtig wichtig wären sie erst, wenn Frauen gegen Männer spielen würden. Is aber nicht so oder sehr selten. Oliver Fritsch sagt, <a
href="http://www.zeit.de/sport/2011-06/abseits-frauen-fussball-wm/">dass die Frauenfußballnationalmannschaft sich momentan auf dem Niveau einer Bundesliga-U16 bewegt</a>: das ist aber kaum zu überprüfen.</p><p>Allerdings sind die horrenden Leistungsunterschiede zwischen den unterschiedlichen Nationalmannschaften bemerkenswert: 2007 hat die deutsche Mannschaft beim Titelgewinn nicht ein Gegentor bekommen. Das war dann leider so spannend wie Zähneputzen. Und wird dieses Jahr bestimmt anders.</p><p><strong>Wer wird Weltmeister?</strong><br
/> Die USA. Noch Fragen?</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/06/23/fast-alles-uber-frauenfusball/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>69</slash:comments> </item> <item><title>GEMA vs. YouTube: Gerüchte, Zahlen, Forderungen</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/06/21/gema-vs-youtube-geruchte-zahlen-forderungen/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/06/21/gema-vs-youtube-geruchte-zahlen-forderungen/#comments</comments> <pubDate>Tue, 21 Jun 2011 14:20:43 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=46820</guid> <description><![CDATA[<p><iframe
width="500" height="314" src="http://www.youtube.com/embed/g-qFLX26-O8?rel=0&amp;hd=1" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Das Erstaunliche am oben gezeigten <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anonymous_(Kollektiv)">Anonymous</a>-Video, mit dem sich die Gruppierung in den Streit zwischen der GEMA und Google/YouTube einmischt, bei dem es um die Vergütung der musikalischen Urheber von Musikvideos geht: Offenbar wissen Anonymous weit mehr als andere Beobachter des Kampfes, unter dem so gut wie jeder Internet-Nutzer hierzulande leidet. Oder sehr viel weniger. Aus dem Statement des Videos:</p><blockquote><p>(…) Wir beobachten mit Sorge eure überhöhten Forderungen bezüglich urheberrechtlich geschützem Material auf Youtube und anderen Plattformen dieser Art. (…) Ihren überzogenen Forderungen kann und wird das Unternehmen Google nicht zustimmen können, da es nicht die benötigten Werbeeinnahmen generieren kann. (…)</p></blockquote><p>Das ist bei aller Sympathie für Anonymous beinahe so putzig wie die aktuelle <a
href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,768816,00.html">Rebellion der Plattenbosse</a>.</p><p>Denn: Die Verhandlungen zwischen GEMA und Google sind geheim, sie unterliegen einem strengen, meines Wissens auf Wunsch von Google unterzeichneten NDA („Non Disclosure Agreement“), also einem Stillschweigeabkommen. Keine Spur von Transparenz ist zu entdecken bei diesen Verhandlungen, und so wissen nur wenige Menschen, wie hoch die aktuellen Forderungen der GEMA tatsächlich sind, vermutlich noch weniger haben eine Ahnung, was sich Google im Gegenzug vorstellt, und so gut wie niemand außerhalb der Google-Leitung dürfte einen Überblick haben über die YouTube-Einnahmen durch Musikvideos in Deutschland.</p><p>Unter diesen Voraussetzungen also von &#8222;überhöhten Forderungen&#8220; zu reden, sich stattdessen für ein Unternehmen einzusetzen und so zu tun, als könne dieses Unternehmen aus Not seine Miete nicht bezahlen; gleichzeitig gegen einen zwar seit Jahren furchtbar agierenden und gemeinsam mit dem geltenden Urheberrechtsgesetz dringend erneuerungsbedürftigen, im Kern aber einer freiwilligen Solidargemeinschaft zuträglichen Verein zu wettern, der 2010 von den eingenommenen 863 Millionen Euro immerhin 736 Millionen an seine rund 65.000 Mitglieder ausgezahlt hat … das kann man mindestens als &#8222;interessante Sichtweise&#8220; bezeichnen. Zum Vergleich: Das YouTube-Mutterschiff Google hat im ersten Quartal 2011 einen Gewinn von 2,3 Milliarden Dollar erwirtschaftet.</p><p>Doch das ist und bleibt wahrscheinlich das Fantastische an Google: Dass der Konzern es immer wieder schafft, als eine Art kultureller Robin Hood dazustehen und nicht als das, was er ganz einfach ist: Ein profitorientiertes Mega-Unternehmen, das 97% seiner Umsätze mit Online-Werbung macht und nebenbei noch die Art und Weise, wie der Großteil der Nutzer das Internet erlebt, maßgeblich bestimmt. Ich nutze Google-Produkte und halte einige davon für qualitativ absolut hochwertig – bei aller Anerkennung braucht man aber nicht zu vergessen, dass Google kein gemeinnütziger Verein ist.</p><p>Wenn wir von der GEMA und YouTube reden, dann reden wir von Vereinbarungen zwischen den Urhebern, also den Komponisten und Textern eines Songs (besser: deren Vertretern), und der Plattform, die mit diesen Songs Umsätze generiert, also YouTube. Das ist wichtig, denn nicht nur diese Urheber haben ein Interesse daran, an den Gewinnen von YouTube beteiligt zu werden, sondern auch die Inhaber der &#8222;Masterrechte&#8220; eines Musikclips, also diejenigen, welche die Aufnahme des Songs und die Produktion des Videos finanziert haben. Diese jedoch haben mit der GEMA erstmal nichts am Hut und haben sich daher mit YouTube in einigen Fällen bereits vor Jahren geeinigt. Die durch einen Musikclip entstandenen Werbeeinnahmen werden dabei – so eine Vermutung – in etwa halbiert: Die eine Hälfte geht an den Inhaber der Masterrechte, der daran je nach Vertrag den Künstler beteiligt, die andere Hälfte bleibt bei YouTube. Das klingt fair und ist vor allem kein Pappenstiel, denn etwa fünf bis zehn Euro pro tausend Videoabrufe können so an den Master-Inhaber gehen. Bei einem Superhit, der auf 100 Millionen Videoabrufe kommen kann, können also schon mal mindestens eine halbe Million Euro hängenbleiben. Eine kleinere Band jedoch braucht 200.000 Video-Views, um auf einen Tausender zu kommen.</p><p>Das alles aber natürlich nur (und das ist ebenso wichtig, um Googles Strategie in den Verhandlungen zu verstehen), wenn Werbung innerhalb der Videos geschaltet wird. Wenn ein Künstler und/oder der Master-Inhaber dies nicht möchte (und ja, das gibt es), geht er leer aus.</p><p>Genau deshalb möchte sich die GEMA in ihrem Bereich vermutlich nicht auf einen werbe-abhängigen Deal einlassen, sondern fordert eine generelle Vergütung ihrer Mitglieder, die zunächst unabhängig davon ist, ob Werbung in den Videos stattfindet. Diese GEMA-Forderung soll genau das verhindern, was Google wahrscheinlich erreichen möchte: Die Urheber wären über einen solchen werbe-abhängigen Deal mehr oder weniger dazu gezwungen, ihre Musik mit GoogleAds zu verknüpfen.</p><p>Nun ist es nicht so, dass Google eine generelle Abgabe an die GEMA ablehnt, doch über die Höhe wird gestritten, denn natürlich möchte die GEMA diese Summe so hoch, Google hingegen aus den gerade genannten Gründen so niedrig wie möglich ansetzen. Wer verdienen will, muss eben Google-Werbung zulassen, so sieht Google das vermutlich und lud daher gestern die Musikindustrie zu einem speziellen &#8222;YouTube-Event&#8220; ein, pikanterweise zu genau dem gleichen Zeitpunkt, an dem die <a
href="https://www.gema.de/musikurheber/mitgliederbereich/mitgliederversammlung.html">GEMA-Mitgliederversammlung</a> in genau der gleichen Stadt (München) begann. Aus der Google-Einladung:</p><blockquote><p> Liebe Musikschaffende,</p><p>Wenn Sie “YouTube” hören, woran denken Sie dann?  Die weltgrößte Video &#8211; Webseite? &#8211;  Klar. Eine globale Marketing &#8211; Plattform? &#8211; Auch.  Eine Umsatzquelle? Rechtemanagement? Ein globales Marktforschungs-Tool? Hmm, interessant&#8230;.</p><p>YouTube hat in kurzer Zeit die Musikindustrie weltweit geprägt. Für viele Interpreten, Labels, Komponisten, Autoren und Verlage ist YouTube zum festen Bestandteil ihrer Digitalstrategie geworden. Unzählige Künstler sind über YouTube entdeckt worden und haben über unsere Plattform nationale und internationale Bekanntheit erlangt. YouTube fehlt in kaum einer Marketingstrategie von Musikmanagern. YouTube hat sich in vielen Ländern als signifikante Umsatzquelle für Musikschaffende etabliert. ‘We make our music videos for YouTube’, bekannte Troy Carter, weltweiter Manager von Popstar Lady Gaga.</p><p>Wir laden Sie herzlich ein, die Welt von YouTube mit uns zu entdecken! Wir möchten Ihnen einen Blick &#8216;hinter die Kulissen&#8217; geben und Ihnen zeigen, wie Sie YouTube für sich nutzen können.</p><p>Snacks und Getränke stehen für Sie bereit.</p></blockquote><p>Ich übersetze das in etwas so: &#8222;Wir bieten euch kostenfreie Rechtekontroll- und Analyse-Tools und wenn ihr eure Clips für GoogleAds freigebt, auch noch Möglichkeiten zur Monetarisierung eurer Künstler.&#8220; Fair enough. Soweit.</p><p>Wäre da nicht die doofe GEMA, die mit den Master-Inhabern nur gelegentlich zu tun hat, für die Werbeeinahmen ein zweites Paar Schuhe sind und die daher ordentlich bockt.</p><p>Will man aber nun zu den realen Zahlen kommen, um die es überhaupt geht in den derzeit stillstehenden Verhandlungen, muss man sich zunächst leider in den Gerüchte-Keller begeben. 12 Cent soll die GEMA irgendwann einmal pro Video-View verlangt haben, eine tatsächlich unrealistische Forderung. Irgendwann soll man dann angeblich einen Preis von 0,2 Cent, also 0,002 Euro pro View vorgeschlagen haben und dabei – dies wäre wichtig, wenn es denn stimmt – einen Unterschied zwischen „echten“, also offiziellen Videoclips eines Künstlers, und einer „Zweitverwertung“ durch Amateur-Nutzer berücksichtigt haben. Die Views zu einem offiziellen U2-Video wären in diesem Fall also nach der angeblichen Idee der GEMA mit 0,2 Cent an die Urheber vergütet worden, ein Amateur-YouTube-Clip, in dem ein Stück von U2 im Hintergrund läuft, jedoch mit weitaus weniger. Das Ganze hätte dann noch in Abhängigkeit der tatsächlich mit einem Video durch YouTube erzielten Werbeeinnahmen gebracht werden sollen.</p><p>Um nun als Außenstehender halbwegs entscheiden zu können, ob diese angeblichen 0,2 Cent viel oder wenig wären, müsste man wissen, welche Summen Google im Gegenzug anbietet. Dies ist in Deutschland wegen des bestehenden NDA kaum zu ermitteln, es geht jedoch auch anders: Man nimmt sich Zahlen aus den Ländern vor, deren Urhebervertretungen sich bereits mit Google haben einigen können. Großbritannien zum Beispiel.</p><p><small>Falls sich jemand fragt, wieso sich die Urheberrechtsgesellschaften in Großbritannien und anderswo bereits mit Google/YouTube einigen konnten: Beim britischen GEMA-Pendant <a
href="http://www.prsformusic.com">PRS</a> beispielsweise haben die Major-Labels das Sagen und drängten auf eine schnelle Lösung – in Deutschland ist der Einfluss der Majors auf die GEMA wesentlich eingeschränkter, was erstmal eher gut ist.</small></p><p>Ein deutscher Musikverlag, der international tätige Urheber vertritt, hat uns Einblick in seine YouTube-Abrechnungen aus Großbritannien gewährt. Nach diesen Abrechnungen erhält der Verlag zwischen 0,000077 Euro und 0,00016 Euro pro Video-Stream (und gibt davon 12% für die Abrechnung an die PRS ab), diese Zahlen mit einem Durchschnitt von <strike>0,00019</strike> 0,0001185 Euro kann man sicher als Google-Richtwert auch für Deutschland annehmen.</p><p><small>Hinweis: Ich habe die Durchschnittszahl nachträglich korrigiert, da ich sie ursprünglich falsch gerundet hatte. Ich bitte um Entschuldigung!</small></p><p><a
href="http://www.horizont.net/aktuell/digital/pages/protected/Web-TV-Werbeumsaetze-werden-sich-bis-2015-vervierfachen_95650.html">Laut Horizont</a> liegt der TKP, also der Preis für tausend Werbeeinblendungen im Web-TV-Markt, derzeit bei rund 20 Euro, Tendenz steigend. Geht man davon aus, dass nur die Hälfte aller Künstler Werbebuchungen via Google in ihren Videos zulässt und geht man weiterhin davon aus, dass die Hälfte dieser 20 Euro an die Master-Inhaber geht, verbleibt ein durchschnittlicher TKP von 5 Euro für alle Musikvideos zusammen bei Google, von dem die GEMA-Abgaben für ebenfalls alle Musikvideos bezahlt werden müssten – weitere Google-Einnahmen durch Werbung auf der Plattform, die nicht direkt im jeweiligen Video angezeigt wird und an denen daher weder Urheber noch Künstler beteiligt sind, lassen wir hier außen vor.</p><p>Eine Tabelle der Einnahmemöglichkeiten für Urheber mit diesen auf GEMA-Seite leider wackligen, aber nicht ganz undenkbaren Zahlen sähe demnach so aus:</p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/06/gematube.png" alt="gema youtube" title="gema youtube" class="alignnone size-full wp-image-46871" /></p><p>Man sieht: Selbst nach angeblicher GEMA-Forderung bräuchte ein Komponist 1 Million Abrufe des Videos des von ihm verfassten Songs, um einmalig 2.000 Euro zu verdienen. Dennoch kann man über einen vermutlich geforderten Anteil von 40% der Google-Einnahmen natürlich streiten – genauso wie über die Google-Auszahlung von 3,8% dieser Einnahmen. Würden die Parteien weiter verhandeln (was derzeit nicht passiert, weil sich Google ob einer Klage der GEMA weigert), würde man vermutlich irgendwo dazwischen landen oder eben erst einmal temporäre Vereinbarungen treffen, die man in den kommenden Jahren dem Werbemarkt und anderen Entwicklungen anpasst.</p><p>Man sieht aber auch, dass man kein Mitleid mit Google zu haben braucht, da es keineswegs so ist, dass Google am Hungertuch nagt. Wer die bisherigen Beteiligungen von Künstlern und Urhebern an den Einnahmen der klassischen Musikindustrie kritisiert hat, der müsste bei den Google-Zahlen eigentlich sehr hellhörig werden.</p><p>Und selbst, wenn man die Forderungen der GEMA für zu hoch hält, profitieren von diesen Versuchen der Gewinnoptimierung immerhin diejenigen, welche die Musik komponieren. Die eingangs gezeigten Forderungen von Anonymous greifen daher meiner Meinung nach etwas zu kurz und vor allem zu einseitig. Es geht hier nicht allein um die GEMA, sondern auch um Google.</p><p>Wenn also von Konsumentenseite zurecht etwas gefordert wird, dann sehe ich hier eher folgende Ansätze:</p><p>1) Die Verhandlungen sollten sofort wieder aufgenommen werden. Für Google ist es als US-Unternehmen sicher nichts Ungewöhnliches, dass Verhandlungen von gleichzeitigen Klagen begleitet werden (so albern das auch sein mag), dieses Argument für die Einstellung der Verhandlungen dient meiner Vermutung nach daher allein der Image-Pflege von Google vor den deutschen Konsumenten und Medien und soll den Druck auf die GEMA erhöhen.</p><p>2) Die GEMA muss sich trotz allem bewegen und muss akzeptieren, dass die Regeln derzeit nicht von ihr bestimmt werden – dieser Zug ist leider abgefahren. Jeder Tag ohne Einnahmen für die Urheber schwächt deren Position und damit die der GEMA. Statt auf bestimmten Forderungen hängen zu bleiben, sollte die GEMA temporäre und flexible Abkommen mit Google anstreben, beide Seiten könnten so Erfahrungen sammeln. Und diese sind wichtig, denn die GEMA muss sich nicht allein um YouTube kümmern, sondern auch um Spotify, Soundcloud undundund …</p><p>3) Die Verhandlungen, die man als Tarifverhandlungen ansehen kann, brauchen Transparenz, denn die Öffentlichkeit hat ein starkes und berechtigtes Interesse an einer Einigung. Es geht hier bei allen zu verdienenden Milliarden um Kultur und nicht um einen Unternehmenskauf, der Stillschweigeabkommen der vorliegenden Art rechtfertigen könnte.</p><p>Solange Außenstehende, zu denen auch die Urheber und Künstler und die Medien gehören, kaum konkrete Vorstellung von den Verhandlungsgrundlagen haben, bleibt jeder öffentliche Diskurs allein der PR der Beteiligten ausgesetzt.</p><p>Und wer darin besser ist, wissen wir.</p><p><small>Anmerkung: Durch das ganze Wirrwarr durchzublicken, ist nicht ganz einfach. Ich bin für jede Korrektur und Ergänzung dankbar und werde mich bemühen, diese im Artikel zu vermerken. Ebenso bin ich offen für weitere Zahlen von Rechteinhabern oder GEMA-Mitgliedern mit mehr Einblick, um ein wenig Transparenz voran zu treiben. Mails, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden: johnny at spreeblick dot com.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/06/21/gema-vs-youtube-geruchte-zahlen-forderungen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>117</slash:comments> </item> <item><title>kino.to t</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/06/08/kino-to-t/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/06/08/kino-to-t/#comments</comments> <pubDate>Wed, 08 Jun 2011 16:28:53 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=46544</guid> <description><![CDATA[<p><small><strong>UPDATE</strong> Okay. <a
href="http://www.der-postillon.com/2011/06/razzia-bei-kinoto-zwingt-millionen-user.html">Der ist gut</a>.</small></p><p>Mit kino.to wurde eines der hierzulande wohl bekanntesten Video-Stream-Portale geschlossen, mehrere mutmaßliche Betreiber des Portals <a
href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/kino-to-Polizeiaktion-gegen-Filmpiraten-1257486.html">wurden festgenommen.</a> Verfolgt man die Tweets rund um dieses Ereignis, bekommt man einen gewissen Eindruck davon, wie beliebt die Site offenbar war – obwohl sich <a
href="http://search.twitter.com/search?q=kino.to">die meisten Twitter-Nutzer</a> auf die reine Verbreitung der Meldung beschränken, gibt es auch viele, die das Verschwinden der als illegal eingestuften Seite <a
href="http://twitter.com/#!/coldmirror/status/78440678278971392">bedauern</a>, die Schließung für <a
href="http://twitter.com/#!/iHibbel/status/78456433707991040">ungerechtfertigt</a> halten oder sich gar <a
href="http://twitter.com/#!/C_Holler/status/78437150043013120">politisch</a> für ein Fortbestehen der Site <a
href="http://twitter.com/#!/xaftershowx/status/78456428892917760">einsetzen</a> wollen. Und damit ein zumindest fragwürdiges Gerechtigkeitsempfinden an den Tag legen.</p><p>Falls es jemand wissen will: Ich habe – wie vermutlich fast jeder Internet-Nutzer – in den letzten Jahren eine gewisse Anzahl von Filmen oder TV-Serien angesehen, die jemand illegal aus dem Netz geladen hatte. Besonders TV-Serien, die mich nach einigen &#8222;Test-Folgen&#8220; gefesselt haben, habe ich jedoch in der Folge (wenn verfügbar) als DVD gekauft oder als legalen Download weitergeschaut – es kann eigentlich nicht mehr lange dauern, bis ich bei iTunes als &#8222;Kunde des Monats&#8220; geführt werde. Und ich habe einmal selbst ein uraltes Musikalbum illegal heruntergeladen wegen eines Songs, den ich weder als CD noch als Download bekommen konnte – ich hatte das Stück aber früher mal auf Vinyl und redete mir mein Vorgehen damit schön.</p><p>Viel wichtiger aber: Ich habe noch nie Filme oder Musik Dritter im Netz als Download oder Stream angeboten, es sei denn, ich konnte davon ausgehen, legal zu handeln.</p><p>Ich handle nicht etwa aus Furcht vor der Unterhaltungsindustrie wie eben beschrieben, oder weil ich jene Industrie oder geltende Gesetze gar so dufte finde, und erst recht nicht, weil ich zuviel Geld habe. Ich handle allein aus Respekt vor denjenigen, welche die Inhalte produzieren, die ich schätze und die mein Leben in kunstvoller oder unterhaltsamer Weise bereichern, denn ich möchte ihnen und ihren Vertretern die Wahl lassen, wie mit ihrer Arbeit umgegangen wird. Selbst, wenn mir das nicht gefällt.</p><p>Die Frage, ob mein Handeln diesen Urhebern auch tatsächlich zugute kommt, bleibt dabei jedoch eine berechtigte, und die aktuellen Branchen-Strukturen und die Gesetzeslage lassen mich dies so sehr bezweifeln, dass ich mir in diesem Blog schon oft <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/02/12/musik-20-%E2%80%93-eine-replik/">Gedanken</a> <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/06/02/wir-werden-niemals-fur-musik-bezahlen/">zum</a> <a
href="http://www.spreeblick.com/2007/11/28/wie-es-die-musikindustrie-doch-noch-ins-21-jahrhundert-schaffen-kann/">Thema</a> gemacht habe. Nach wie vor bin ich sicher, dass sowohl neue Geschäftsmodelle der Industrie als auch die Novellierung geltender Urheberrechtsgesetze zwingend vorangetrieben werden müssen, denn im digitalen Zeitalter macht sich ein Verschleppen dieser Prozesse mitschuldig an jeder noch so stark verfolgten &#8222;Raubkopie&#8220; – ein Begriff, den man im Fall von nichtmateriellen Gütern in Anführungszeichen setzen muss (was wiederum nicht bedeutet, dass ich Urheberrechte für überflüssig halte).</p><p>Ich habe also, wie viele andere Netz-Benutzer auch, meine argen Probleme mit einer Gesetzeslage und einer Industrie, die sich gegen schon lange nicht mehr &#8222;neue&#8220; mediale und technische Gegebenheiten so oft nur zu wehren scheint, statt ihnen mit Innovation, Ideen, Kreativität und Anpassung zu begegnen.</p><p>Das bedeutet aber nicht, dass ich deswegen andere Geschäftspraktiken unterstütze, die um keinen Deut besser sind.</p><p>kino.to und alle ähnlichen Streaming-Portale und/oder File-Hosting-Services, die mir bekannt sind, haben einen einzigen Vorteil, nämlich den, dass sie den Konsumenten Inhalte bereitstellen, für die er an anderen, legalen Stellen bezahlen müsste – solange der Nutzer dafür grottenschlechtes Design, bewusst in die Irre führende Links, zweifelhafte Skripte, Werbegeballer ohne Ende, endlose Klicks, konstant aufpoppende Browser-Fenster und oft mäßige bis schlechte Qualität der Streams in Kauf nimmt. Natürlich kann der Nutzer sein Erlebnis auch bei illegalen oder nur bedingt legalen Anbietern ein bisschen verbessern: Wenn er zahlt. Und wenn er dann zahlt, dann darf er sicher sein, dass die Urheber der Inhalte, wegen denen das Portal schließlich überhaupt nur existieren kann, keinen einzigen Cent sehen. Sie bekommen nicht einmal das &#8222;Zuwenig&#8220; der legalen Industrie. Sondern gar nichts.</p><p>Wer glaubt, sich mit der Nutzung und damit Unterstützung von kino.to oder ähnlichen Anbietern gegen eine Unterhaltungsindustrie zu wehren, die je nach Argumentationsweise zu hohe Preise verlangt, zu langsam agiert oder gemein und unfair ist, sollte sich die Frage stellen, welche Industrie er stattdessen unterstützt. Denn dass solche Portale von gutherzigen Samaritern in ihrer kargen Freizeit betrieben werden, kann sicher niemand ernsthaft glauben. Hinter Plattformen, die täglich mehrere Millionen Nutzer bedienen, steckt in den wohl meisten Fällen ein ausgefeiltes und nach geltenden Gesetzen illegales Geschäftssystem. Eines, das auf die Rechte von Urhebern pfeift, aber gerne Geld mit ihren Werken verdient.</p><p>Mir geht die ewige, alte und rückwärts denkende Argumentationsleier der Unterhaltungslobby auch furchtbar auf den Geist und ich wünschte, auf politischer Seite würde sich endlich jemand mal einen Internet-Anschluss ausborgen und auf den Tisch hauen. Ich bin sicher, dass es viele mögliche Maßnahmen gibt, die wirtschaftlich sinnvoll wären, für Innovationsschübe sorgen und den Konsumenten nutzen würden. Doch auch <a
href="http://www.techdirt.com/articles/20110421/00493313981/whos-funding-more-terrorism-downloaders-hollywood.shtml">viele</a> <a
href="http://www.techdirt.com/articles/20110308/02354213395/massive-research-report-piracy-emerging-economies-released-debunks-entire-foundation-us-foreign-ip-policy.shtml">Argumente</a> der Gegenseite erinnern mittlerweile stark an Lobbyistentum, das auf Gegenfragen nicht selten allein mit Polemik reagiert.</p><p>Ich bleibe Optimist und gehe davon aus, dass sich in den nächsten Jahren noch enorm viel bewegen wird, denn am Ende gibt es gar keinen Weg vorbei an Novellierungen an allen Ecken und Enden und nur innovative, legale Angebote, die auf einen veränderten Markt reagieren, können das bestehende Dilemma ansatzweise lösen. Ich glaube jedoch nicht, dass die romantische Vorstellung der selbstlosen Piraterie als Retter der ungerecht Behandelten eine positive Rolle dabei spielen kann, ganz im Gegenteil. Jedes weitere kino.to, mit dem auf illegale Weise Millionen verdient werden, verstärkt den Ruf nach härteren Gesetzen und nach stärkeren Anbieter- und Nutzer-Kontrollen.</p><p>Dass man sich also mit der Nutzung solcher Angebote wirklich aktiv für positive Veränderungen in den Bereichen der Unterhaltungsindustrie und Urheberrechtsgesetze einsetzt, bezweifle ich stark. Denn das eine Falsch macht das andere nicht richtiger.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/06/08/kino-to-t/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>101</slash:comments> </item> <item><title>Die Fliege ist doof</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/06/01/die-fliege-ist-doof/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/06/01/die-fliege-ist-doof/#comments</comments> <pubDate>Wed, 01 Jun 2011 09:58:11 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=46344</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/06/fliege.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/66176388@N00/224506118/"><span
class="text">Mark Robinson</span></a></p></div><br
/> <small>Hübsche Kühe und doofe Fliegen.</small></p><p>Die Fliege, dachte ich neulich Abend, als ich eine ebensolche umherfliegen sah, muss das dämlichste Tier der Welt sein. Anscheinend ziellos surrt sie umher, wechselt im Millisekundentakt die Richtung und stoppt nur, wenn sie irgendwo gegen knallt. Und das tut sie oft. Eigentlich ständig. Der Esel macht IA, die Kuh macht Muh und die Fliege macht Bwwwwwwwwplopp.</p><p>Das Sehwerk der Fliege taugt ganz gut für die makrofotografische Betrachtungen in Tierdokumentationen, weil Boah!, die hat ja so Netze auf den Augen, nein, das sind eigentlich Millionen von Augen!, und würden wir Menschen solche Augen haben, dann würde das SO aussehen! Irre! Aber zur Vermeidung der Kollision mit der einzigen Hauswand im Umkreis von zwölf Kilometern genügt das Wunderwerk der Natur dann offensichtlich doch nicht.</p><p>Tatsächlich ist die Fliege natürlich gar nicht so ziellos, wie es erscheint, denn sie kennt ihre Bestimmung genau: Scheiße und Zucker. Was für ein Leben! Da, ein Kadaver, super, da lege ich doch gleich mal die Kleinen zum Kuscheln ab! Jetzt noch was Süßes und dann aber ab ins Kackabett, und ja alles schön auffressen!</p><p>Wie doof kann man denn bitte sein?</p><p>Vielleicht bin ich aber auch unfair. Vielleicht donnert die Fliege ja gar nicht gegen Wände, Lampenschirme, Fenster und wahrscheinlich sogar andere Fliegen, vielleicht ruht sie sich zwischendurch einfach nur mal aus und landet dabei ein wenig ungeschickt. Soundsoviel hundert Mal pro Sekunde schlägt die Fliege mit ihren Flügeln, dazu die dauernden Richtungswechsel – das schlaucht. Links, links, links, scharf rechts, gleich nochmal rechts, dann wieder links, geradeaus, Mist, immer noch keine Scheiße gefunden, Puh, anstrengend, erstmal ausruhen, jetzt nochmal einen anderen Weg versuchen, diesmal fliege ich zuerst zweieinhalb Zentimeter nach rechts. Mist, wieder nix. Erstmal ausruhen.</p><p>Könnte so sein. Glaube ich aber nicht. Ich glaube, Fliegen sind tatsächlich total bescheuert und ich kann das hier ungestraft hinschreiben ohne das Risiko von Rache einzugehen, denn die können ja nicht mal stechen, die Dumpfpiloten. Ihre einzige Waffe ist die Krankheitsübertragung, auch nicht gerade die transparenteste Form der Selbstverteidigung, würde sich Genf darum kümmern, hätten Fliegen eine Menge unangenehmer Fragen zu beantworten. Die Idioten.</p><p>Wirklich: Die fliegen ja nicht mal wirklich ins Licht! Sie flugtorkeln zwar stundenlang um eine Deckenlampe herum – natürlich nicht, ohne zwischendurch auch immer mal wieder dagegen zu knallen –, aber für das dem Insekt würdige Auffinden der grell leuchtenden Quelle und das dortige Verharren ist die Fliege zu blöd. Und sollte nun jemand dieses Verhalten als Argument für die Klugheit des Tieres vorbringen, da die Fliege ja so schlau sei, die Hitze der Quelle zu vermeiden um dort nicht zu verrecken, dann frage ich ihn: Wieso fliegt sie dann überhaupt nur in die Nähe des Lichts? Weil Kacke neuerdings leuchtet?</p><p>Tut mir leid. Mir fehlt jede Empathie für Fliegen, ein bisschen kann man das ja hier schon zwischen den Zeilen lesen. Mag wohl sein, dass Fliegen für irgendwas nützlich sind, das kann aber eigentlich nichts sein, was nicht auch ein bisschen Trockenfutter und ein paar tüchtige Bienen und Ameisen oder das Internet übernehmen könnten.</p><p>Täglich neu sind hübsche, wunderbare, nützliche, süße, tolle Tiere vom Aussterben bedroht, aber wer denkt nicht daran, abzutreten? Genau: Die blöde, mit Kot und Zucker vollgestopfte Fliege. Survival of the fattest oder so.</p><p>Ich stelle jetzt überall Venusfliegenfallen auf, der Tierschutzbund kann mich mal.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/06/01/die-fliege-ist-doof/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>56</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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