Was das nördliche Afrika anbelangt, sind die noch Anfang der Neunziger vorherrschenden humanitären Diskurse abgelöst worden zugunsten sicherheitspolitischer Erwägungen: Während autokratische Regimes wie etwa Algerien fester eingebunden werden in die internationale „Allianz gegen den Terror“, könnte ein Stück weiter südlich eine Alternative zur bisher praktizierten repressiven Bekämpfung aufgezeigt werden: Nach dem Militärputsch gegen den pro-westlichen Autokraten Ould Taya öffnet sich Mauretanien politisch und findet (hoffentlich) den Weg in die Demokratie.
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Privater Monolog um Öffentlich-Rechtliches
Ich: Hast du Quoten, Klicks & Kohle gesehen?
Das andere Ich: Wir beide werden von demselben Sehapparat versorgt.
Ich: Ach ja. Vergesse ich immer. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dem Focus einmal recht geben würde - aber diese Sendung war wirklich peinlich.
Das andere Ich: Ich hätte nicht gedacht, dass ich dir einmal recht geben würde. Peinlich war die. Zumindest bis ich eingeschlafen bin. Kannst du nochmal zusammenfassen, um was es ging?
Ich: Du bist so ein Penner. Ok: Ein ARD-Reporter hat einen Beitrag zusammen gestrickt, der belegen soll, dass die Verleger-Lobby die legitime Ausweitung des Sendeauftrags der Öffentlich-Rechtlichen ins Internet verhindert und damit aus dem Netz eine einzige Castingshow macht.
Das andere Ich: Dann war die Sendung zwar peinlich - eine Dauerwerbesendung halt: Aber in der Aussage hatte sie recht.
Fallada
Sie sah verkniffen aus wie ein zerdrückter Kronkorken. Wie sie da saß auf dem WG-Sofa, schwieg sie. Sie hielt nicht einfach nur den Mund: ihr ganzer Körper schwieg, und selbst ihr Blick hatte sich zusammengeklappt. Prock hatte den festen Eindruck, sie wünsche sich, in die Polster hinein zu sinken und schattenhafte Rückstände zu hinterlassen. Wie eine Leiche, die erst nach zwei oder drei Tagen entdeckt wird, und deren Wasser sich noch Jahre später in den Polstern abzeichnet.
Wehrdienstverweigerer im Generationenkrieg
Als Günther Jauch noch nicht omnipräsent war, sondern nur an einem Tag der Woche ein Drittel der Kanäle besetzte, da moderierte er eine Sendung mit dem Titel „So ein Zoff“.
Während „So ein Zoff“ fiel mir zum ersten Mal etwas auf, das später zum Prinzip aller Sendungen werden sollte, die dem Genre „Talkshow mit dem Anstrich gesellschaftlicher Relevanz“ zugerechnet werden: Menschen werden in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich dann möglichst sinnbefreit befehden müssen. Das Jauch-Prinzip. Read on, my dear…
Gustav: Verlass die Stadt
Als die Wiener Künstlerin Eva Jantschitsch vor einigen Jahren unter dem Namen GUSTAV im Sinatra-esken, von Violinen bestimmten Song „Rettet die Wale“ bei Lebensmüdigkeit den Freitod empfahl und Eltern riet, ihren Kindern entweder deren Meinung zu lassen oder sie beim nächsten Mal früher abzutreiben, da ging ein Raunen durch die deutschsprachige Popwelt. Soviel zuckersüße – darf ich es wagen? – Ehrlichkeit hatte man lange vermisst. Mit „Verlass die Stadt“ legt GUSTAV nun das zweite Album vor und vorweg lautet die Antwort auf die Frage, ob es die Versprechungen des Erstlings halten kann: Ja. Aber voll. Read on, my dear…
An der Alten Försterei
„Dit is dit Wohnzimmer“, sagt Anneliese und grinst. „Weeste, dit is hier so zusammenjewachsen, aber dit stimmt ja nich. Eher so zusammenjefriemelt.“ Es fänden sich wohl noch ein paar mehr Adjektive für das Stadion an der Alten Försterei, Heimspielstätte des 1. FC Union Berlin. Ein bisschen provisorisch sieht es hier aus, auf der Stehtribüne am Zuckertor haben sich große Wasserpfützen gebildet. Unten, am Zaun, stehen Kinder bei ihren Eltern, weiter hinten auf der windschiefen Tribüne stehen die Ultras, mit ein paar Fahnen. Ostclub, denke ich, Ultras, denke ich, Gewalt, Hooliganismus und Rechtsradikale.
Twitter-Social-Mail-Network-IM? Anyone?
Ich bin ein Spätzünder in Sachen Web-Hypes (geworden), denn „neu“ ist immer noch kein Qualitätsmerkmal. In den letzten Monaten konnte ich jedoch feststellen, dass Teilfunktionen von Social Networks und Eigenschaften von Twitter oder InstantMessaging mein Kommunikationsverhalten verändert und streckenweise sogar verbessert haben. Für wirklichen Alltags-Nutzen wünsche ich mir aber eine in einem Service vereinte und Anbieter-unabhängige Kombination verschiedener Funktionen. Es folgen ein paar Gedanken als Entwurf – Meinungen dazu sind herzlich willkommen.
Tempelhof retten
Update: Die Sache ist gelaufen. Die genauen Ergebnisse gibt es hier.
Am kommenden Sonntag geht es in Berlin um die Currywurst, wenn es heißt: Heraus zum Volksbegehren zum Flughafen Tempelhof!
Denn trotz hübscher Planungsmöglichkeiten für die Trillionen Hektar große Fläche inmitten der Hauptstadt der Tief-Pflüger (danke, TAZ!) besteht die CDU mit Unterstützung der Axel-Springer-Medien und der ICAT auf den Erhalt des Flughafens. Read on, my dear…
Generation Generation
Was ich nicht schon alles gewesen bin. Unpolitisch. Manipuliert. Praktikant. Pleite. Doof. Misstrauisch und faul und zufrieden am End. Und jetzt: Müde, klein, langweilig. Und verunsichert wahrscheinlich auch noch.
Medienfrei
Meme haben die hinterlistige Eigenschaft, dass es sie nicht kümmert, ob man sich gern mit ihnen beschäftigt. Man gibt sie einfach weiter wie Grippeviren und macht sich damit beispielsweise zum Überträger von Heidi Klum. Man kann nicht nicht über Heidi Klum reden und man kann auch nicht keine Meinung zu Obama haben. Steckt man im Mem-Sumpf Internet fest, klickt man dann eben doch auf Videos, die beweisen, dass Hillary eine Hexe ist, liest die Meldung, dass Lothar Matthäus die Verständigung mit Israel auf Vordermann bringt und Gott sei´s geklagt: Auch von der Brust-OP von Lothars Freundin weiß man.
Um den Kopf wieder frei zu bekommen und kein Mem-Mutterschiff zu sein, müsste man doch eigentlich nur auf Medien verzichten. Ich schlage das der Lieblingslektorin vor und die ist sofort ganz begeistert.
Netzaktivismus - Interview Simon Columbus
Ich fremdel ein wenig mit dem Netzaktivismus; ich fürchte, ich bin da altmodisch. Der „Free Burma“-Kampagne stand ich abwartend bis ablehnend gegenüber: umso spannender war es für mich zu beobachten, wie Simon Columbus quasi im Fahrtwind der Aktion sich in mehr und mehr Projekte verstrickt hat. Zeit für einen kleinen Rückblick.
Web Side Story: Das Musical
Fünf Tage vor der re:publica ‘08 entstand eine Idee beim abendlichen Kaltgetränk, die man am nächsten Morgen normalerweise als „undurchführbar“ abgehakt hätte. Was Grund genug für uns war, sie umzusetzen. Nach dem Klick in ganzer Trashigkeit: Web Side Story – Das Musical.
Olympia 2008: Vielleicht in Peking.
Da haben die Protestler ja ganz schön was angerichtet: Hat das IOC doch tatsächlich überlegt, den Fackellauf abzusetzen. Inzwischen hat Jacques Rogge davon Abstand genommen, aber das Kind ist im Brunnen, und zwar schon länger. Das wird jetzt in erster Linie ein Spießrutenlauf werden. Zurecht.
Wenn Geld zittert
Wenn der Kapitalismus auf dieselben Methoden zurückgreift [wie der Staatssozialismus], kann es mit seiner Überlegenheit nicht weit her sein. Man kann darin aber auch eine Rehabilitierung des Individuums sehen. Bisher dachten wir, dass die Systemlogik moderner Gesellschaften so mächtig ist, dass das Innenleben ihrer Individuen dagegen nichts vermag und also vernachlässigt werden kann. Lidl sieht das anders.
Hunger mag der beste Koch sein, aber ob Angst der beste Ratgeber ist? Da müsste man mal Erich Honecker fragen. Read on, my dear…
Ein Sommer in Prenzlauer Berg (2. Teil)
Hier klicken für den ersten Teil. [Update: Hier klicken für den dritten Teil]
Und dann hat Lena Pierre rausgeschmissen. Das war abzusehen gewesen, denn Pierre war schwierig, ein melanchodramatischer Postrock-Bohemien mit Hang zur kryptischen Romantik. Und genau so sah er auch aus: Ausgewählt nachlässig gekleidet, mit dunklem, leicht ins ungesund-fahle spielendem Teint, langen, häufig zitternden Fingern und wuscheligen braunen Haaren, wozu Gottes Frau die passende Augenfarbe ausgesucht hatte.
Fitna
Malte: Geert Wilders ist der frisurigste Mann seit Rudolph Mooshammer, der wiederum von einem Iraker gemeuchelt wurde. Rührt daher die Aufregung?
Frédéric: Vielleicht sollte er Kopftuch tragen. Hätte ja ähnliches Empörungspotential wie sein Film jetzt. Im Grunde genommen gar keines.
Klickfest 01
Neu auf Spreeblick: die irre Wochen-Linkrückschau zum Blödklicken mit dem wahnsinnigsten Kram da draußen, zusammengefasst by yours truly, René. Read on, my dear…
Popgun! 14 interviewt Bernd Begemann
Bernd Begemann ist so etwas wie die Schatteneminenz der neueren deutschen Popmusik. Wenn er gut gelaunt ist, behauptet er das gerne auch selbst. Und er muss sich damit auch nicht sonderlich aus dem Fenster lehnen, eine kurze Referenzkette über die Hamburger Schule führt uns ins Ostwestfalen der frühen 80er Jahre. Unter dem Kassettenlabel Fast Weltweit versammelten sich unter anderem spätere Mitglieder von Blumfeld, die Sterne und eben Bernd Begemann. Grund genug ihn nochmal über Fast Weltweit zu befragen.
Ein Sommer in Prenzlauer Berg (1. Teil)
Kleinanzeigen sind total überschätzt. Gute Nebenjobs, gute Wohnungen und gute Intimkontakte kriegt man anders einfacher. Durch Glück zum Beispiel. Oder wie man das nennt. Read on, my dear…
Review: Portishead am 19.3. live in Berlin
Es ist ja nicht nur die Band, es ist auch der Ort. Der alte Aufnahmesaal des Rundfunks der DDR gehört zu den besten Orten, an denen man in Berlin ein Konzert veranstalten kann. Irgendwie verströmt dieser Saal den Charme eines kleinen Landes mit großen Hoffnungen und zu wenig Geld. Und angeblich gehört die Akustik zu dem besseren, was man auf diesem Planeten so vorfinden kann. Auf einem Konzert von Bobby Baby vor knapp zwei Jahren habe ich mich in diesen Saal verliebt: egal wer da spielt, es lohnt sich auf jeden Fall hinzugehen.
Interview mit Alban Nikolai Herbst
Alban Nikolai Herbst kann unter die Avantgarde der bloggenden Literaten gerechnet werden: Seit 2004 führt er sein Blog Die Dschungel. Anderswelt. Anders als beispielsweise Goetz in seinem Abfall für alle spielt er bewußt mit der Kommentarfunktion und schreibt, wie er sagt, daraus einen Roman, aber eben: in einer neuen Form. Parallel dazu reflektiert er die Entwicklung Der Dschungel in poetologischen Betrachtungen: Interview nach dem Klick. Read on, my dear…
Minderheitenpolitik in China: Die Uiguren
Die Ansicht, China werde sich durch eine festere Einbindung in das ökonomische Weltgefüge auch politisch öffnen, hält sich hartnäckig. Der Umgang Pekings mit Minderheiten innerhalb der Staatsgrenzen spricht da eine andere Sprache: Das gilt nicht nur (und nicht nur jetzt) für das annektierte Tibet. Sondern auch für medial weniger durchleuchtete Gebiete. Wie die Region Sinkiang. Read on, my dear…
re:publica ‘08 – Endspurt
Wir zweckentfremden unseren Feature-Bereich übers Wochenende noch einmal für schamlose re:publica-PR. Man möge uns dies nachsehen, schließlich sind wir Mitveranstalter der ganzen Chose und unsere Herzen hängen daran, dass es gelungene drei Tage für alle werden.
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Sei B-Berlin!
Warum muss es immer so leicht sein, PR-Kampagnen blöd zu finden? Warum kann nicht mal irgendjemand von den ganzen beteiligten Profis etwas fabrizieren, auf das man wenigstens mit einem „Nun ja, nicht so mein Ding, aber ganz gut gemacht!“ reagieren kann? Warum wird man als Adressat immer für völlig meschugge erklärt und wie ein Kleinkind behandelt?
Maltag
Wieder Frühling. Sonne schön, Luft schön, Blumen schön, Bäume schön, und die Hunde sind auch ne Spur ralliger als sonst. So war das früher: Frühling gleich Natur. Wiedererwachen. Vögelgezwitscher. Und so. Das hat sich, seit der Mensch sich mit Häusern und Pflastersteinen statt mit Bäumen und Wiesen umgibt, grundlegend geändert, und seither erkennt man den Frühling an anderen Dingen: aufgeregte Familienväter rennen, hysterisch die Arme schwenkend, in den Baumarkt, um literweise Farbe auf ihre winterweißen Schultern zu laden und liedchenpfeifenderweise nach Hause zu schlendern; Span- und Rigipsplatten finden reißenden Absatz; und die ansonsten doch recht lärmempfindlichen Nachbarn haben sich die dickste Schleifmaschine zugelegt (Modell Scooter) und versuchen, qua Schallwellen den vier Kilometer entfernten Fernsehturm zum Einsturz zu bringen. Read on, my dear…
Kommentare kommentieren
Fabian Mohr erwartet ein Mindestmaß an Identität von seinen kommentierenden Leserinnen und Lesern, Stefan Niggemeier, der sich bereits für einen Kommentar Dritter vor Gericht verantworten musste, bietet das Ausblenden der Kommentare auf seinem Blog an und bei anderen Blogs wie z.B. Bildblog oder Anke Gröner sind Kommentare gar nicht erst möglich. Und für die Mainstream-Presse steht eh fest, dass das so alles nicht mehr gehen darf. Eines der wichtigen Alleinstellungsmerkmale der Blog-Kultur, die offene Kommentarfunktion, die Einladung zur Diskussion, ist sicher nicht vom Tode bedroht, doch es riecht etwas komisch.
Shut up and sing
Man is least himself when he talks in his own person
Give him a mask and he will tell the truth
(Oscar Wilde)
Von irrwitzigen Kulturscheuklapplern und Biznessquacksalbern schon lange fehlprognostiziert, taucht es in ZeitenVZ erneut und verstärkt auf, das Märchen vom planbaren Künstler (2.0, natürlich), dessen Erfolg von Transparenz, Zugänglichkeit und dem direkten Dialog mit seinen Fans abhängig sei. Ohne diese Faktoren könne kein Musiker mehr einen Fuß auf die Monitorbox bringen, meint beispielsweise und nicht zuerst Thomas Euler beim PR-Blog und konstruiert auf dieser Basis Thesen, die vielleicht aus internetter PRetriebsblindheit heraus entstanden und daher an den Haaren herbeigezogen sind. Zeit zur Widerrede.
Oberschwäbischer Oberbürgermeisterwahlkampf - eine Provinzposse
„Immer wieder schön, in die Geburtsstadt zurückzukommen,“ sagte Prock und biss entschlossen ein großes Stück Leberkäswecken vom Leberkäswecken. „Wie gefällt’s Dir denn hier?“
„Gut gefällt’s mir.“ sagte Hannah und strich sich die Haare aus der Stirn. „So schön ruhig hier. So erholsam.“
- Ja, das haben Kleinstädte am Bodensee so an sich: Ruhe, Stille, Stillstand. Mit Erholung hat das aber nichts zu tun.
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Alltagsrassismus - ein Interview
Ich hab mich schon länger gefragt, wie man über Rassismus schreiben kann, ohne gleich die Brechstange rauszuholen. Interessanter fand ich es, eine Art Alltag nachzuzeichnen, ohne sofort was Fiktionales zu machen. Dabei geht es eben nicht um die spektakuläre Enthüllungsgeschichte oder den großen (gesellschaftlichen) Skandal, sondern um die kleinen, störenden Details: quasi um eine Konstruktion der Gewöhnlichkeit, der Normalität. Read on, my dear…
Kreuzzug in Neukölln
Eine Problembezirksbegehung. Mit Postkartenfotos. Und Croissants.
Jede Stadt hat ihr Neukölln, ihren Bezirk, vor dem Mütter ihre Töchter warnen. (Kurt Krömer)
9:45, Sonnenallee
Als ich vor die Tür trete, kotzt ein dickes Kind auf die Straße. Dabei röchelt es. Vielleicht ist ihm ja was in die Lunge geraten, denke ich. Es hat Croissant gegessen und nicht ordentlich gekaut. „Du hast nicht ordentlich gekaut“, sagt die Mutter. Da röchelt das Kind nochmal ein bißchen, und die Mutter reicht ihm einen Kaugummi. Read on, my dear…