Am heutigen Sonntag wird in Berlin gewählt, und da Berlinerinnen und Berliner gerne trinken, gibt es jede Menge Wahlparties – netzpolitik hat eine Übersicht.
Bei wahlrecht.de kann man bis 14 Uhr außerdem an einem Tippspiel teilnehmen und wer denkt, er könne nicht zur Wahl gehen, weil die Benachrichtigung verloren gegangen ist, der hat sich geschnitten: Einfach hier das zuständige Wahllokal ermitteln und dann mit Personalausweis wählen gehen.
Am kommenden Sonntag steht die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus an. Seit Wochen schon tobt der Straßenkampf der Plakate und Plattitüden, ich konnte mich aber trotzdem für eine Partei entscheiden, die meine Stimme bekommen wird. Read on my dear…
Vorwort der Redaktion: Der folgende Text stammt von Stephan Urbach, der bereits im Rahmen der Aktion „Open Spreeblick“ unser Gast war. Im Folgenden gibt Stephan einen Einblick in seine Aktivitäten bei Telecomix. Links folgen unten im Text, hier gibt es noch ein Interview mit Stephan und hier einen Chaosradio-Podcast zum Thema .
Irgendwann um 8:30 wache ich das erste Mal auf. Will eigentlich noch schlafen. Eine viertel Stunde später höre ich meinen Mitbewohner in der Küche. Der erste Kaffeeduft landet in meiner Nase. Irgendwann später schaffe ich es aus dem Bett. An meinem Platz in der Küche steht frischer Kaffee und ich schalte meinen Laptop ein. Email, Jabber, diverse SSH-Verbindungen. Die Nachrichten der letzten Nacht flackern über meinen Bildschirm. Eigentlich will ich duschen. Die ersten Anrufe trudeln ein. Die Handwerker müssen das Bad noch fertig machen, ich gebe ihnen einen Termin. Das Arbeitsamt will mich sehen. Ich vertröste sie auf die folgende Woche. Zu spannend, was da grade in meinem IRC Fenster passiert. Einer unserer syrischen Kontakte hat von der letzten Demo ein Video gemacht, um 11 Uhr ist es hochgeladen und verbreitet sich im Netz. Der Kaffee ist kalt. Egal, austrinken und eine Mate hinterherschütten. Read on my dear…
Vielleicht liest ja jemand mit, der sich mit den Hintergründen zum Berliner Wahlkampf auskennt: Können Parteien bestimmen, in welcher Höhe ihre Plakate (die kleine Version) z.B. an Laternen befestigt werden?
Mir fiel auf, dass die NPD-Plakate immer ganz oben hängen, wo man sie schwer übermalen oder abreißen kann, wohingegen die CDU-Plakate meist ganz unten angebracht sind, wo man sie selbst dann noch sieht, wenn man schon etwas gebückter läuft.
Weiß dazu jemand genaueres? Und wenn ja: Ist es oben teurer oder unten? Ich frage aus reiner Neugier. Schon jetzt: Dankeschön!
Es war in den 70er Jahren, glaube ich, als sich in Deutschland leidenschaftliche Autofahrer zusammentaten und unter dem Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ gegen staatliche Beschränkungen des Individualverkehrs wehrten. Diese Autofahrer waren davon überzeugt, dass Tempolimits und (damals stattfindende) autofreie Sonntage ein Eingriff in ihre persönliche Freiheit wären, und dass nur sie selbst entscheiden sollten, wann und wie schnell sie fahren dürften.
Die Auto-Lobby hatte eine sehr laute Stimme, die von diversen Automobilklubs und von den Boulevard-Medien, die dem Volk so gerne „aufs Maul schauen“, verstärkt wurde. Irgendein Axel-Springer-Blatt brachte den Slogan als Aufkleber-Beilage und selbiger prangte danach auf vielen PKW.
Geändert hat der Autofahrer-Protest an der Verkehrspolitik der darauf folgenden Jahre und Jahrzehnte nur wenig, und wenn wir heute in Großstädten immer mehr begrüßenswerte Tempo-30-Zonen haben, dann verdanken wir das ganz sicher nicht jenen Teilen der autofahrenden Bevölkerung, die ihre individuellen Bedürfnisse über die ihrer Umwelt stellen.
Manchmal, in stillen Sekunden, wenn die Katzen auf Twitter schlafen, bei Facebook alle außer den Codern Mittagspause machen und sogar Robert Scoble Google+ abgeschaltet hat … dann frage ich mich, ob Teile der netzpolitischen Gemeinde mittlerweile ähnlich funktionieren wie die oben beschriebenen Autofahrer. Freies Netz für freie Bürger. Read on my dear…
… seit Jahrzehnten nörgle und sorge ich mich durch die Welt, auf der es ja auch immer wieder etwas festzustellen gibt. Aber manchmal, jetzt zum Beispiel, wenn mir bewusst wird, dass es mir viel zu viel Kraft raubt, wenn ich mich zu sehr auf das Negative konzentriere, Kraft, die an anderer Stelle viel sinnvoller eingesetzt werden kann, und wenn mir außerdem noch für den Moment mal egal ist, dass ich dadurch einen Funken zu esoterisch klinge, dann muss ich dir einfach mal sagen, dass dieses Leben schon ein starkes Stück ist. Und zwar auch und ganz besonders im positiven Sinne, also in genau dem, den ich viel zu oft aus den Augen verliere.
Das Erstaunliche am oben gezeigten Anonymous-Video, mit dem sich die Gruppierung in den Streit zwischen der GEMA und Google/YouTube einmischt, bei dem es um die Vergütung der musikalischen Urheber von Musikvideos geht: Offenbar wissen Anonymous weit mehr als andere Beobachter des Kampfes, unter dem so gut wie jeder Internet-Nutzer hierzulande leidet. Oder sehr viel weniger. Aus dem Statement des Videos:
(…) Wir beobachten mit Sorge eure überhöhten Forderungen bezüglich urheberrechtlich geschützem Material auf Youtube und anderen Plattformen dieser Art. (…) Ihren überzogenen Forderungen kann und wird das Unternehmen Google nicht zustimmen können, da es nicht die benötigten Werbeeinnahmen generieren kann. (…)
Die Idee von crowdvoice.org: Möglichst viele Web-Quellen zu bestimmten Protestthemen sollen gesammelt und durchsuchbar werden, sowohl das Zusammentragen der Links selbst als auch die Bewertung derselben passiert durch die Nutzer.
So richtig rund läuft das Ganze offenbar noch nicht, vor allem mangelt es nach meinem ersten Eindruck an thematischen Inhalten. Die Suche nach „Libya“ oder „Qaddafi“ funktioniert, wer jedoch etwas zu den Themen „Nato“, „Africa“ oder „Arabia“ sucht, scheitert.
Das muss aber noch nichts heißen, denn wie man aus Erfahrung weiß, können nutzerbasierte Portale ganz plötzlichen Zulauf erlangen, etwas, worauf crowdvoice.org noch zu warten scheint. Also: Post some links!
Der Vollständigkeit halber auch hier: Caro Korneli und Jakob Lundt waren für Extra3 bei der CDU-Medianight in Berlin und haben sich von Kulturstaatsminister Bernd Neumann erläutern lassen, dass Google und andere Unternehmen sicher schon ein Konzept für dem Moment haben, in dem das Internet voll ist.
Es wäre so lustig. Wenn es nicht so furchtbar wäre.
Erst jetzt habe ich es geschafft, die Rede von Lawrence Lessig während des eG8-Gipfels anzusehen und kann nur allen halbwegs interessierten Leserinnen und Lesern empfehlen, es mir gleich zu tun (die Rede dauert nur zehn Minuten und startet bei 2:10). Denn Lessigs Anwesenheit war wichtig:
Inhaltlich gewohnt fundiert und erzählerisch herausragend führt Lessig die Anwesenden mit dem Vergleich von Regierungen mit Alkoholikern an sein Thema heran, das da heißt: „Schützt die Outsider“. Er warnt Regierungen davor, sich vor den Karren der Unternehmen spannen zu lassen („Their job is profit for them. Your job is the public good.“) und spannt einen geschickten Bogen von den oft von Jugendlichen und „Outsidern“ gegründeten und allen bekannten Internet-Giganten zur wirtschaftlichen Innovationskraft, die durch Angriffe auf die Netzneutralität gefährdet wäre. Und er schließt mit den Worten:
The future of the internet is not Twitter, it is not Facebook, it is not Google, it is not even Rupert Murdoch. The future of the internet is not here. It wasn’t invited. It doesn’t even know how to be invited, because it doesn’t yet focus on policies and fora like this. The least we can do is to preserve the architecture of this network that protects this future that is not here.
Übersetzung: Die Zukunft des Internet ist nicht Twitter, nicht Facebook, nicht Google und nicht einmal Rupert Murdoch. Die Zukunft des Internet ist nicht hier. Sie war nicht eingeladen. Sie weiß nicht einmal, wie man eingeladen wird, denn sie kümmert sich noch nicht um Richtlinien und Foren wie dieses. Das Mindeste, das wir tun können, ist die Architektur des Netzwerks zu erhalten, die diese Zukunft beschützt.
Für diese klaren Worte flog Lawrence Lessig dann auch gleich aus dem Empfehlungskatalog des eG8-Forums. Nach dem Klick gibt es noch ein ebenfalls sehenswertes Interview mit ihm vom eG8-Forum und ein weiteres Video von der alternativen eG8-Pressekonferenz mit Jérémie Zimmermann (La Quadrature du Net), Jeff Jarvis, Lawrence Lessig, Susan P. Crawford (ehemals ICANN), Jean-François Julliard (Reporter ohne Grenzen) und Yochai Benkler (Co-Direktor am Harvard’s Berkman Center for the Internet). Read on my dear…
Ein „zivilisiertes Internet“ fordert Nicolas Sarkozy mit dem eG8-Forum und meint damit das Ende der Netzneutralität. Und zunächst war ich begeistert von der Meldung, dass Cory Doctorow die Einladung zu diesem Gipfeltreffen abgesagt hatte. Die Gefahr einer Instrumentalisierung seiner Person ist schließlich durchaus gegeben, die Wahrscheinlichkeit, dass man ihm zuhören oder ihn ernst nehmen würde, gering, und obwohl ich Gespräche zwischen verschiedenen Netz-Vertretern für prinzipiell richtig halte, würde ich Sarkozy auf der Liste der vertrauenswürdigen Leitfiguren solcher Gespräche höchstens auf Platz 983 einstufen, direkt hinter Homer Simpson.
Doch nach weiterem Nachdenken (das passiert mir manchmal) fand ich es äußerst schade, dass Doctorow nicht dabei war. Denn es ist einfach viel leichter, in der Opposition zu verharren, immer wieder darauf zu bestehen, dass man Dinge besser wisse und könne (wovon ich in diesem Fall zwar ebenfalls überzeugt bin, in anderen aber vielleicht nicht) und nicht einmal als eingeladener Beobachter dabei zu sein, wenn sich die „Gegenseite“ trifft. Read on my dear…