Ich mache im Haushalt viel weniger als meine Freundin. Ausreden gibt es dafür keine, dafür war es aber schon immer so. Weder war ich jemals der Alleinernährer, noch bin ich je in die Rolle des Herrn des Hauses geschlüpft. Auch religiöse Motive spielen keine Rolle. Eine Mischung aus Faulheit, ja: innerer Verklebtheit, Inkompetenz und der drängenden Frage: Findest du es denn wirklich schlimm, wenn die Küche benutzt aussieht? führen zu dieser unglücklichen Konstellation.
Archiv
Frontline: Growing up online
Zum ersten Mal stieß ich vor drei Jahren auf Frontline, die Online-Ausgabe einer US-amerikanischen Doku-Serie, die seit 25 Jahren auf PBS-Kanälen ausgestrahlt wird und auch online zu sehen ist.
Herzlichen Glückwunsch, Lego!
Seit einigen Jahren darf ich es wieder verspüren, dieses etwas wunde Gefühl am Daumen nach stundenlangem Zusammendrücken der Steine, oder auch den Schmerz am Zahnfleisch nach dem mündlichen Trennen zweier flacher Elemente inklusive Abrutschen … und erst seitdem weiß ich, wie sehr ich es in den Jahren zwischen Adoleszenz und Vaterschaft vermisst hatte.
Inzwischen ist der sprunghafte Reflex eines noch halb schlafenden Körpers hinzugekommen, dessen Fuß völlig unerwartet auf einen Einer vor der Badezimmertür trifft und tritt … aber auch den mag ich mittlerweile.
Der Lego-Stein wird heute 50 Jahre alt, und während Gizmodo eine liebevoll getextete Timeline präsentiert, gratulieren wir diesem unersetzbaren Stück Popkultur einfach nur.
Lebensweisheiten
„An apple a day keeps the doctor away“, sagt der Volksmund. Nun weiß man spätestens seit der letzten Gesundheitsreform, dass der Volksmund Mundstuhl hat wie zu Max Frisch’ Zeiten griechische Hochseefischer, aber dass er ebenso daneben liegen kann wie die Zähne in den Mündern besagter grieschischer Hochseefischer (zu Max Frisch’ Zeiten, wohlgemerkt), wer hätte das geahnt.
It’s just porn, mum
Vom Sinn antiautoritärer Erziehungsmaßnahmen, heute: das Sitzpullern. Read on, my dear…
Mauser
Wo ist eigentlich dieses geschwungene, knallgrüne Kunststoff-Mini-Besteck geblieben? Wo sind die bunten Becher mit den riesigen Henkeln hin? Hat jemand den kleinen Stoffhasen gesehen? Wieso sind plötzlich alle Lego-Steine so klein? Verdammt, dein Fahrrad passt nicht mehr in den Kofferraum!
Ich bin dein Vater, ich darf dich doch wohl küssen, wenn ich dich vor der Schule absetze, also ich kann da nichts Peinliches dran finden.
Nein, du brauchst noch keinen eigenen Computer, du bist doch noch ein … also … du bist doch gerade erst … seit wann schließt du denn die Tür ab, wenn du im Bad bist?
Und mit wem telefonierst du da schon wieder?
Spreeblick kocht eine Volksseele
Selbst in Bad Mergentheim kann man heute tibetanisch speisen. Aber was ist mit den guten Rezepten aus Großvaters Kochbuch? Die kennen nur noch wenige! Und deshalb nimmt sich Spreeblick, Deutschlands brodelndstes Weblog, der Hausmannskost an.
Heute brutzeln Max und Malte eine Volksseele.
Video nach dem Klick.
Gravis, Gravis
Anruf bei Gravis.
„Es geht um einen Airport Extreme. Nachdem ich jetzt einige Wochen zwischen meinem Internetprovider und dem Apple-Support hin- und hergereicht wurde, ist jetzt klar: es liegt am Airport.“
„Mhm.“
„Nun verhält es sich folgendermaßen: ich habe in letzter Zeit einen iMac, ein MacBook und eben diesen Router bei ihnen gekauft. Das MacBook war sofort kaputt, das wurde allerdings nicht umgetauscht, sondern repariert, so dass ich über eine Woche darauf verzichten musste. Ich kann jetzt nicht so lange auf den Internetzugang verzichten, also muss ich den Airport umgetauscht bekommen.“
„Ja, das verstehe ich, in Ordnung, dann machen wir das.“
Aufrichtige Freude auf meiner Seite der Leitung.
„Ah, gut. Sehr schön.“
Fehlleistungen
Heute wieder einer dieser bedauerlicherweise häufiger vorkommenden Momente völliger geistiger Umnachtung, die mich meiner französischen Seite versichern. Weil, wenn man zweisprachig aufgezogen wird, dann hat man nicht nur einen herben Hang zu latinischen Fremdwörtern, sondern ertappt sich auch noch häufiger mal bei semantischen Fehlleistungen der gröberen Sorte.
Was 2008 noch nicht verboten ist
Man darf übergewichtig sein, sogar in deutlichem Umfang, erste Bestrebungen sind allerdings zu erkennen, dieses der Volksgesundheit Schaden zufügende Körperverhalten mit empfindlichen Geldbußen zu ahnden.
Fernsehen ist weiterhin unbedenklich. Die Zuschauer können sich an Minderjährigen in Castingshows delektieren, da Pr0n7 im Rahmen der Kunstfreiheit operiert, auch RTL wird es weiterhin erlaubt sein, über Teenmodels zu berichten und aus dokumentarischen Gründen gleich auch in Ausübung ihres Berufs zu zeigen, denn die Abscheu und damit die Absolution senden die Bertelsmänner gleich mit.
What’s so funny about peace, love and understanding?
Wir gehen es in den kommenden Tagen etwas ruhiger an und bedanken uns an dieser Stelle bei euch für die Unterstützung, Hilfe, Kritik und Diskussionen sowie für die Möglichkeit, das zu tun, was wir lieben. Habt schöne und entspannte Feiertage – Frohe Weihnachten!
Aviophobiker
Weisheit. Es ist, ganz allgemein gesprochen, eine schlechte Idee, sich am Tag vor einem Flug die erste Lost-Staffel anzusehen. Insbesondere, wenn man sich anschickt, statt des Pazifiks die Alpen zu überqueren. Und insbesondere, wenn man - wie ich - unter herber Flugangst leidet, aber kein Geld hat, anderweitig nach Lyon zu kommen.
Kate Moss nackt am Strand
Wenn meine Lieblingslektorin mit hängenden Lidern und zu den Knien heruntergezogenen Mundwinkeln unter die Bettdecke schlüpft, ist es Teil meiner ehelichen Pflichten, zu fragen, was denn passiert sei.
„Ich habe zwei Kilo zugenommen.“ Wenn ich in diesem Moment die Ziffer Zwei gewesen wäre, ich hätte mir Sorgen gemacht. Da ich aber nicht die Ziffer Zwei bin, sondern ihr Autor, hielt ich eine Rede über die nackte Kate Moss am Strand.
Read on, my dear…
Silvesterpläne- Austauschbörse
Spreeblick, Deutschlands konfettistes Weblog, braucht Ideen für den Jahreswechsel. Nein, Spreeblick plant keine Firmenfeier, die Autoren möchten Silvester gern mit sich verbringen (was ja selten genug vorkommt. Das Bei-sich-Sein). Gesucht werden Vorschläge allgemeiner, spezieller und sehr spezieller Natur. Spontanität ist des Teufels. Also: Versuchen, möglichst viele Freunde und Bekannte unter einen Hut zu bekommen oder harte Entscheidungen treffen? Private Parties mit viel Stehen und Kartoffelsalat oder öffentliche mit viel Tanz und Fremdeln? Dinner for two oder Kokainorgien im Swingerclub? Wo ist konkret der beste Ort und was macht man dort?Partyspieleanregungen aus Island nach dem Klick. Read on, my dear…
Die Welt ist eine Scheibe
Der Tempel wurde eingerissen, mir bleiben aber keine drei Tage, um ihn wieder aufzurichten. Morgen muss ich wieder hin, heute kann ich mir nicht einmal die Haare kämmen, weil ich die Arme nicht über Schulterhöhe hinaus gehoben bekomme.
Fitnessstudios und die Welt da draußen trennt mehr als Richard Dawkins und Bischof Mixa, Füße aus Malta und Bart aus Leverkusen, Benzinpreis und Bildzeitung.
Read on, my dear…
Tala
Ich stand ihr im Weg. „Setz dich doch mal hin“, sie schob mir einen Stuhl zu. „Ich kann gar nichts sehen.“ Ich setzte mich. Es war der Tanztee der Tanzschule Heyden-Schnitzler. „Schwanzschule Scheiden-Kitzler“ nannte Martin Knecht, unser Scherz-Experte, sie und hatte recht. Um die riesige Tanzfläche herum standen Tische und an einem dieser Tische saß ich nun. Mit ihr. Sie war das Wesen, das man zuletzt hier erwartet hätte. Ich kenne mich in den Untiefen des Herr-der-Ringe-Universums nicht aus, aber wenn es das gibt, dann war sie eine dunkle Elfe. Sie war ein Gothic-Mädchen mit dunkler Haut und apricot-pinkem Haar, zerbrechlich wie ein Spielzeug, ich sah keine Details, ich war geblendet. Natürlich war sie unerreichbar für mich. Ich versuchte nicht einmal, ins Gespräch mit ihr zu kommen.
Read on, my dear…
Gelegenheitslegastheniker
Auszüge aus Chatprotokollen von mir:
brauche eienn sportkameraden
wurde während eien sarbeitskampfes in den 90ern angeschafft
abgeschafft
wtf? keien ahnung, irgendein blog
ichat angemacht, aber es gab keien videovorschau
aber ich kann hier keien screenshots machen
oh fuck, du bost doch nicht luther
glaubst du, ich schreieb mir deine worte auf
Das ist doch nun offensichtlich nicht mehr ein Verschreiber oder ein Tippfehler; das ist ein Hirnschaden. Warum gelingt es mir nicht, nach dem „ei“ einen Konsonanten zu setzen? Sagt mir bitte, dass eure Chats ähnlich aussehen, ich chatte nämlich nur mit Buchstabennazis, die nie Fehler machen.
Wir Mädchen

Bild: mirtyllareflexreflux
Vor ein paar Tagen habe ich mit einer alten Bekannten telefoniert, mit der ich gemeinsam zur Grundschule gegangen bin. Im Laufe des Gesprächs stellten wir fest, dass die Mehrheit der Leute, die wir beide kennen, in Therapie war oder ist. Depressionen, Borderline, psychophysische Erschöpfungszustände, CFS, alles dabei. „Was ist nur mit uns los? Warum sind wir alle so gestört?“, fragte sie. Ihre Erklärung für die psychische Konstitution unserer Generation war die drogensatte Ravezeit. Ich glaube, man sollte das Ganze nicht so hoch hängen. Heute geht man zur Therapie, früher überfiel man fremde Länder. Aber eine Theorie zu unserem Zustand habe ich schon. Geistig Gesunde ab hier bitte nicht weiterlesen.
Read on, my dear…
Betreffzeilenlyrik
Meine beste Freundin erlebte ein Wochenende, in dessen Verlauf sie einen Zahn und ein halbes Herz einbüßte. Die meiste Zeit starb in Staus und stehenden Zügen (spielende Kinder blockierten Gleise, vielleicht hatten die Kinder aber auch nur gespielt und lagen jetzt weit verstreut herum, das lässt sich aus diesen Bahndurchsagen ja immer recht schlecht heraushören), Handyverträge erwiesen sich als zu komplex, Handwerker traten kurz auf und hatten ihre Werkzeuge nicht dabei, es wurde geweint, aber eigentlich nur aus Wut. Die Mail, die sie mir über dieses Wochenende geschrieben hat, ist ein vielzeiliger Schmerzensschrei der urbanen Seele*. In der Betreffzeile steht:
Endlich Woche!
*Ich habe ernsthaft zwei Minuten lang überlegt, ob ich urbahne Seele schreiben soll. Eine Restselbstachtung hielt mich zurück.
Gibt es nicht
An den Kokainisten, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag vor den Toiletten des Golden Gate mit zwei Fingern in der Nase versucht hat, durch mich durch zu gehen: Die Droge, die das physikalische Prinzip, dass zwei Körper nicht denselben Raum einnehmen können, aufhebt, die gibt es nicht. Dein Nasenbluten bestätigt also Grundregeln des Universums. Ist doch auch was.
Leckmichamarschrohre

Was ist das: a) Eine obszöne Zeichnung aus einer handschriftlichen Kopie des Kamasutras, die im Taschkent des 14. Jahrhundets angefertigt wurde. b) Ein dadaistisch inspiriertes, performatives Kunstwerk unter dem Eindruck der weltberühmten Käse-Sahne-Soße von Bocuse. c) Meine hilflosen Skizzen beim Versuch, dem Hausmeister die Abwasserrohrlage in meinem Badezimmer zu erklären. d) Atlantis.
Wie kann man nur auf die bescheuerte Idee kommen, eine Waschmaschine im Bad anschließen zu wollen? Macht ja kein normaler Mensch, sowas. In der Küche, von mir aus. Im Schlafzimmer: na klar. Aber im Bad? Wos noch nicht mal nen Anschluss gibt? Nene, also sowas…
Drei Stunden und vierunddreißig Adapter später.
Read on, my dear…
Fließbandfreundlichkeit
Ich mag höfliche Menschen. Gerade, wenn sie mir was verkaufen wollen. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Wie sagte schon Thomas der Amariter 412 nach Christi Geburt zu seiner reichen Kinderschar, als er sich zu Tisch setzte: „Seid nett zueinander, sonst gibts Dresche, aber ordentlich.“ Read on, my dear…
Karneval
Heute fängt die Karnevalszeit an. Man merkt davon auch in den rheinischen Hochburgen des Karnevals nicht viel. Es finden Veranstaltungen statt, die eine sehr ernste Angelegenheit sind und bei denen furchtbare Witze erzählt werden. Aber das ist nicht Karneval.
Read on, my dear…
The Wunder of Nahrologie
Einer meiner Teilzeitschwager sagte einmal, es sei nur logisch, dass Nivea die beste aller Cremes ist, weil Beiersdorf schließlich mehr in die Entwicklung ihrer herrlich blau umfassten Hautschmeichler stecken könne als die kleinen Luxusmarken. Ich weiß ganz ehrlich nicht mehr, wie wir auf das Thema kamen, wahrscheinlich war das Wetter an jenem Tag zu neutral, um ein ausgiebiges Gespräch darauf fußen zu lassen. Mit meinen Schwagern ist es immer ein bisschen schwierig, sie sind entweder schüchtern oder verhalten sich wie Stefan Raab auf Kokain, manche können die Zustände sogar innerhalb von Minuten durchlaufen, deshalb rede ich mit ihnen stets nur über Themen, über die ein Konsens zu erzielen ist. Einmal machte ich den Fehler, über die Toilettengewohnheiten einer Freundin zu sprechen, woraufhin ich erfuhr, dass Schwager und Schwester noch nie gleichzeitig im Badezimmer waren. Ich will so etwas nicht wissen.
Read on, my dear…
Energiespartiere
Da liegt sie also, die Schande unserer Wohnung. Freunde werden uns verspotten und dann nicht mehr unsere Freunde sein, Trickbetrüger werden uns als leichte Beute identifizieren, Omas, die es nicht mehr halten können, werden vor unserer Tür ihre benutzten Windeln ablegen.
Read on, my dear…
Über den Umgang mit Weblog-Kommentatoren
Den Lesern, die sich auch die Kommentare bei uns anschauen, dürfte es aufgefallen sein: Uns wurde in den letzten Tagen mal wieder erklärt, wie die Welt nun wirklich funktioniert. Soweit ich es verstanden habe, waren es diesmal die Jesuiten, die die Welt im Griff haben. Im Verbund mit den Maltesern haben sie AIDS entwickelt und die Zwillingstürme zum Einsturz gebracht und Hitler und Stalin hatten natürlich auch ihren Auftritt. Es hat zugegebenermaßen ein gewisses Frustrationspotential, wenn man einen Beitrag verfasst, sich dann die Kommentare anschaut und feststellt, dass dort jemand gerade klingt, als würde er einen Anfall erleiden. Noch enttäuschender wird es, wenn die anderen Kommentatoren anfangen, auf den Tobenden einzugehen.
Read on, my dear…
Evangelisch ohne Taufe

Bild: ibjorn
Im Gegensatz zu mir ist meine Lieblingslektorin eine echte Heidin. Während ich - angeblich, um meinen kommunistischen (!) Großvater zufriedenzustellen, in Wirklichkeit aber, weil in meiner Mutter sich immer mal wieder ein dunkler Hang zum Aberglauben durchsetzte - getauft wurde, blieb sie vom segnenden Wasser verschont. Auch bei der Konfirmation war sie nicht.
Trotzdem muss sie jetzt aus der Kirche austreten. Aber der Reihe nach.
Read on, my dear…
Stinketaxi
Zu behaupten, das Taxi, in dem ich eben transportiert worden bin, hätte nach Katzenpisse gestunken, wäre eine Beleidigung für Katzen. Und doch war ich sicher, der infernalische Gestank müsse tierischen Ursprungs gewesen sein. Im Gegensatz zu meiner Lieblingslektorin, die bei Bedarf auf Mundatmung umstellen kann und dementsprechend nichts riechen muss, was sie nicht will, war ich dem olfaktorischen Gulag völlig ausgeliefert.
Read on, my dear…



