Der sogenannte Amoklauf in Winnenden hat eine ganze Flut an erklärbärigen Artikeln mit sich gebracht, da will ich nicht nachstehen. Die einen haben versucht zu erklären, warum „so etwas“ überhaupt passieren konnte und sind dabei nicht sehr weit gekommen: wegen eventueller Depressionen des Täters, weil er vielleicht gemobbt worden war, es könnte aber auch mit irgendwelchen Killerspielen zu tun haben, oder aber das Internet war Schuld, unter Umständen. Der bessere Teil der Artikel hat sich damit befasst, wie schamlos verschiedene Formate versucht haben, ihre Kaffeesatzpsychologie zu stützen. Es ist so ziemlich alles abgegrast und wiedergekäut worden, was an schnell verdaulichem vorhanden war. Nur eine Frage hat sich dabei hinter den Halmen dünne gemacht: Was, wenn der sogenannte Amoklauf gar nicht so krank und unerklärlich war?
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Ein letztes Wort zu Winnenden
Bundesprüfstelle indiziert Blog
(Hinweis: Ich habe nach langer Überlegung beschlossen, an dieser Stelle kein Bild eines „Pro-Ana“-Mitglieds zu posten)
Erstmals hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) ein Weblog indiziert. Und für einige Blogs und Kommentatoren steht fest: Hier findet willkürliche Zensur statt, gegen die man sich zur Wehr setzen muss!
Überraschenderweise sehe ich das anders. Sehr.
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Cashpoint Charlie - Das Mauermuseum Berlin
Der älteste Sohn soll einen Schulvortrag über den Checkpoint Charlie halten. Was also liegt näher, als den historischen Ort mit ihm zu besuchen und sich im Mauermuseum Geschichte näherbringen zu lassen? Gedacht, getan. Und bitter bereut.
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Was sich verändert hat, seitdem Christian Klar ins Gefängnis gekommen ist
Politik
Wenn man Christian Klar vor 25 Jahren gesagt hätte, dass im Jahr 2008 bei Politologen, Wirtschaftswissenschaftlern und auch Politikern die Idee großen Zuspruch findet, Banken zu verstaatlichen, dass der Staat die Wirtschaft lenkt und Politiker der Autoindustrie vorschreiben, welche Autos sie auf den Markt zu bringen hat - er wäre in Triumphgeheul ausgebrochen.
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Spreeblick-Drogenführer Teil III: Legal erhältliche Naturdrogen
Teil I
Teil II
Alle legal erhältlichen Naturdrogen (deren Zahl recht unüberschaubar ist, weshalb ich mich hier auf einige Beispiele beschränke) haben gemeinsam, dass ihre Wirkung nicht abzusehen ist. Obwohl sie legal sind, werden sie nicht häufiger konsumiert als die illegale Droge Ecstasy:
2004 kam die Drogenaffinitätsstudie der BZgA zum Ergebnis, dass etwa gleich viele Zwölf- bis 25-Jährige Erfahrungen mit psychoaktiven Pilzen und Pflanzen gemacht hätten wie mit Ecstasy: jeweils rund 4 Prozent.
Der Spreeblick-Drogenführer Teil II: Alkohol
Alkohol macht dick, dumm und fleißig. Oder anders gesagt: Es gibt Tätigkeiten, die man ganz offensichtlich nur unter Alkoholeinfluss ausüben kann. Unter ungelernten Arbeitern, Freiberuflern, Selbständigen und Unternehmern ist älteren Untersuchungen zufolge der Anteil der Alkoholiker am höchsten. Für Frauen kamen die Studien zu einem besonders überraschenden Ergebnis: Dort gab es die meisten Alkoholikerinnen in den höchsten sozialen Schichten. Sowohl Unter- als auch Überforderung scheinen also zum Alkoholismus beizutragen. Read on, my dear…
Der Spreeblick-Drogenführer Teil I
Ein Drogenführer sieht sich zunächst einer ganzen Reihe von Fragen gegenüber. Zunächst: Hat die jeweilige Droge tatsächlich eine erwartbare spezifische Wirkung? Gerade auf staatlichen Aufklärungsseiten scheint daran kein Zweifel zu bestehen. Kokain wirkt aufputschend, Alkohol belebend, Cannabis sedierend. Read on, my dear…
Warum eigentlich bringen wir Mörder nicht um?
Bei Anne Will sprach gestern der ehemalige Kopilot der Landshut Jürgen Vietor darüber, warum er sein Bundesverdienstkreuz anlässlich der Freilassung von Christian Klar zurückgegeben hat. Peter Scholl-Latour äußerte sein Verständnis und sagte, würden unsere Gesetze es erlauben, hätte er auch gegen die Todesstrafe für Klar nichts einzuwenden, worauf Vietor sagte, die Todesstrafe sei ja noch human, er müsse schließlich auch bis zum Ende seines Lebens unter den Taten der Terroristen leiden, ebenso die Opfer Klars, also solle auch dieser nichts als Gitterstäbe sehen bis zu seinem Tod. Sowohl Scholl-Latour als auch Vietor erhielten lauten Applaus vom Publikum.* Read on, my dear…
Meine RAF
Wann immer es in den vergangenen Jahren um die RAF ging (und jetzt wieder zur Entlassung von Christian Klar, habe ich gemerkt, dass ich eigentlich Stellung beziehen müsste. Dass die Sache ja eigentlich ganz klar ist, aber etwas in mir etwas ganz anderes sagt. Weil die Wirklichkeit zu akzeptieren bedeutet, den zu verraten, der ich mit 15 war.
Der erste RAF-Anschlag, an den ich mich erinnere, war der auf Alfred Herrhausen. Ich muss davon wohl morgens im Radio erfahren haben, denn ich habe es noch recht klar vor Augen, dass ich auf dem Weg zur Schule äußerst beschwingt war.
Die Denk-Krise
Als der Psychologe Norbert Bischof Assistent von Konrad Lorenz wurde, war seine einzige Aufgabe, ein paar Jungvögel großzuziehen. Ein Jahr lang wurde ihm ein volles Assistentengehalt dafür gezahlt, mit zwei jungen Blässgänsen durch die oberbayerische Hochmoorlandschaft zu spazieren. Niemand hatte erwartet, dass er mit einer Hypothese seine Arbeit beginnt, nicht einmal mit einer Fragestellung im Hinterkopf sollte er die jungen Gänse beobachten. Und doch erschütterten die Folgen dieses Jahres mit den beiden Gänsen die Fundamente der Psychologie. Read on, my dear…
Jonathan Haidt: Konservative und liberale Psyche
Jonathan Haidt, Psychologieprofessor mit dem Schwerpunkt ‘Moralforschung’, hat einen bemerkenswerten TED-Vortrag gehalten. Er destilliert aus der Gewichtung der fünf moralischen Werten (Care, Fairness/Justice, Loyalty, Respect, Purity) die politische Einstellung. Ob rechts, ob links, ob Mitte, das alles erklärt sich aus der Moral. Vortrag und einige sehr kritische Anmerkungen nach dem Klick.
Myspace-Mädchen
Wenn die Wirklichkeit ein Schnappschuss ist, ist die Utopie ein Myspace-Mädchen.
Natürlich habe ich schon vom Myspace-Angle gehört, ich kenne Photoshop und im Allgemeinen bin ich auch kein Optimist und habe darüber hinaus genug Vorstellungskraft, um mir denken zu können, was sich in Wahrheit dahinter verbirgt. Aber wenn ich für einen Moment meine übliche Rolle als in geschlechtergerechter Sprache schreibendes Blog-Neutrum verlasse, dann drängt es sich auf festzuhalten, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle Menschen aussähen wie Myspace-Mädchen.
Zwei Kirchen in Nordneukölln
Die letzten Jahre waren keine guten für die traditionelle Kirche. Selbstherrliche Kirchenfürsten, der Erfolg der freikirchlichen Bewegung, Mitgliederschwund und zunehmende Bedeutungslosigkeit: so sieht sie aus, die Moderne. Und immer wieder die Frage, welche Bedeutung das Wort christlich heute noch hat: ein Besuch in zwei Kirchen in Nordneukölln.
(Alle Fotos (CC) Stefanie Lamm)
Roger Kusch an der Grenze
In dem Kindergarten, in den ich gegangen bin, gab es extra-große Windeln, damit die Erzieherinnen nicht mit uns aufs Klo mussten. Es gab starke Beruhigungsmittel für die Unruhigen und wenn trotzdem jemand tobte, wurde er an einen Stuhl gebunden. Wenn wir nicht aßen, wurde uns der Löffel gewaltsam in den Mund geschoben, alles musste immer schnell gehen, geredet hat nie jemand mit uns.
Elite
Dass der Begriff Elite umstritten ist, liegt in der Natur der Dinge. Denn wenn die einen die Auslese einer Gesellschaft sind, was sind dann die anderen? Überflüssig? Masse? Plebs? Elitenbefürworter bespötteln die typisch deutsche Elitenangst, während die Ängstlichen lieber nicht ins Kröpfchen wandern würden. Was ist nun mit der Elite? Brauchen wir Exzellenz im Bildungswesen?
Wo ist das Leben?
Beim Spiel Frankreich gegen Italien saß ich mit einer Reihe von Leuten zusammen, die davon leben, online zu publizieren. Das Gespräch kam irgendwann darauf, dass alle es schon einmal erlebt hatten, dass ihre Arbeit ernster genommen wird, wenn sie gedruckt vorliegt - ich selbst bin kürzlich erst wieder gefragt worden, ob es von mir etwas gebe, das man anfassen kann*. Hinter dieser Verachtung des auf dem Bildschirm erscheinenden Wortes verbirgt sich eine Frage, die auch in Blogs immer wieder diskutiert wird - ist online verbrachte Zeit vergeudete Lebenszeit?
Ärzte und das Internet
Ärzte schütteln immer den Kopf UND verdrehen die Augen UND sagen dabei mit Nachäff-Stimme „Im Internet“, wenn ich erzähle, was ich im Netz zu meiner jeweiligen Krankheit gelesen habe. Als hätte man vor, zu belegen, dass die Attentäter des 11. September allesamt Ärzte waren. Das ist sehr schade, denn gerade die Artikel in der Wikipedia sind oft hervorragend. Außerdem hat das Netz mir am Wochenende die Gesundheit bewahrt.
Volks-Freud: Du bist Österreich
Allerorten ergehen sich die Schreiber über den Volkscharaker der Österreicher. Volk ist ja überall. Mal schauen, was in anderen Ländern so los ist.
Shut up and sing
Man is least himself when he talks in his own person
Give him a mask and he will tell the truth
(Oscar Wilde)
Von irrwitzigen Kulturscheuklapplern und Biznessquacksalbern schon lange fehlprognostiziert, taucht es in ZeitenVZ erneut und verstärkt auf, das Märchen vom planbaren Künstler (2.0, natürlich), dessen Erfolg von Transparenz, Zugänglichkeit und dem direkten Dialog mit seinen Fans abhängig sei. Ohne diese Faktoren könne kein Musiker mehr einen Fuß auf die Monitorbox bringen, meint beispielsweise und nicht zuerst Thomas Euler beim PR-Blog und konstruiert auf dieser Basis Thesen, die vielleicht aus internetter PRetriebsblindheit heraus entstanden und daher an den Haaren herbeigezogen sind. Zeit zur Widerrede.
Allgemeine Sozialbedingungen
„Dieser Service ist kostenlos.“ – „Die Anmeldung bei unserem Dienst ist mit keinerlei Kosten verbunden.“ – „Dieses Portal bleibt kostenfrei.“
Die verschiedensten Dienste im Netz buhlen um die Gunst der Nutzer und versprechen dabei keinerlei Kosten zu verursachen. Was nicht stimmt. Denn selbstverständlich bezahlen wir jeden kommerziellen Service in wertvollen Währungen, nämlich mit unserer Aufmerksamkeit und unseren Daten. Nicht nur bei StudiVZ.
Sie haben das Recht zu schweigen
Wenn jemand eine Wand hochzieht und ein anderer Jemand des nächtens auf dieser Wand ein Hakenkreuz hinterlässt, dann ist es offensichtlich: Der Wanderbauer hat seine Sorgfaltspflichten verletzt. Ganz besonders, wenn er die Wand in einer Farbe errichtet hat, die seit jeher für Kontroversen sorgt, zum Beispiel: Grün. Oder in einer Gegend, in der es schon häufiger zu politischen Graffiti gekommen ist, zum Beispiel: Dortmund.
Das schon legendäre Landgericht Hamburg hat entschieden, dass es Stefan Niggemeier vorzuwerfen ist, dass ein die Callactive GmbH beleidigender Kommentar in der Nacht von Samstag auf Sonntag für mehrere Stunden online war. Zwar habe Niggemeier aufopferungsvoll seinen Garten gehegt und gepflegt, es sei aber bei Themen von einer derartigen Brisanz zu erwarten, dass rechtswidrige Kommentare erfolgen würden, daher sei eine vorherige Moderation vonnöten.
An diesem Urteil ist so vieles interessant, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. In aller dem Urteil angemessenen Willkür daher einfach ein paar lose Gedanken.
Hart. Frontal. Bullshit.
Es gibt viele Günde, eine schöne Lüge in die Welt zu setzen. Man kann aus Angst lügen. Man kann aus Höflichkeit lügen. Man kann aus Fanatismus lügen, Fakten dehnen, biegen und umdeuten. Ängstlich, höflich oder fanatisch sind die Redaktionen von Hart aber Fair, Kontraste, Frontal 21 und Panorama jedoch mit Sicherheit nicht, wenn es um das beliebte Thema Killerspiele geht. Hier ist es eher Denkfaulheit, die zur Lüge hinführt. Ob es sich dann überhaupt noch um eine Lüge handelt oder um die sanftere Variante, das fahrlässige Absondern von Bullshit, ist jedenfalls dann zweitrangig, wenn sich auch auf Vorhaltungen hin nichts ändert.
Matthias Dittmayer hat dem Bullshit Fakten gegenüber gestellt.
Für Fakten scheint man allerdings in den Redaktionen nicht mehr empfänglich zu sein. Denn da man ja für eine gute Sache kämpft, glaubt man, guten Gewissens ein bisschen an den Tatsachen schrauben zu dürfen. Wer jetzt sagt: „Genau das ist doch die Art und Weise, in der Fanatiker argumentieren“, dem ist nicht zu helfen. Im Fernsehen, da sitzen die Guten. Die lügen nicht. Die sind im Besitz einer höheren Wahrheit.
Sehr aufschlussreiches Video nach dem Klick.
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Wie es die Musikindustrie doch noch ins 21. Jahrhundert schaffen kann

Anekdote zum Bild am Artikelende
Der Bundesverband Musikindustrie e.V., deutscher Ableger der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry), hat die eigene Website überarbeiten, also mit Farbverläufen und Stock-Fotos von Mädchen mit Kopfhörern ausstatten lassen. Der vom Notizblog entdeckte und dort auch noch dokumentierte Stinkefinger in einer Flash-Datei ist verschwunden und so kann man nur vermuten, ob es sich bei dem Scherz entweder um einen durchaus wirkungsvollen PR-Gag (denn wer hätte sich sonst für den Relaunch interessiert?) oder um das Werk eines aufmüpfigen und nun vielleicht arbeitslosen Programmierers gehandelt hat. Meine Anfrage bei der zuständigen Agentur (Achtung, „witzige“ Startseite!) blieb bis heute unbeantwortet.
Egal: musikindustrie.de ist neu und präsentiert sich in „moderner Optik“. Schade nur, dass die Inhalte immer noch die alten sind.
Wir Mädchen

Bild: mirtyllareflexreflux
Vor ein paar Tagen habe ich mit einer alten Bekannten telefoniert, mit der ich gemeinsam zur Grundschule gegangen bin. Im Laufe des Gesprächs stellten wir fest, dass die Mehrheit der Leute, die wir beide kennen, in Therapie war oder ist. Depressionen, Borderline, psychophysische Erschöpfungszustände, CFS, alles dabei. „Was ist nur mit uns los? Warum sind wir alle so gestört?“, fragte sie. Ihre Erklärung für die psychische Konstitution unserer Generation war die drogensatte Ravezeit. Ich glaube, man sollte das Ganze nicht so hoch hängen. Heute geht man zur Therapie, früher überfiel man fremde Länder. Aber eine Theorie zu unserem Zustand habe ich schon. Geistig Gesunde ab hier bitte nicht weiterlesen.
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Friede den Drogen
Bild via
Jeder erfahrene Drogenkonsument wird zustimmen: Es gibt niemals zu viele Drogen. Immer nur zu wenige. Das mag zynisch klingen, wenn man an ein Land wie Afghanistan denkt, wo Drogen vermutlich das Einzige sind, was im Überfluss vorhanden ist. Eine Bekannte, die einige Wochen in einem afghanischen Dorf verbrachte, erzählte, dass alle Männer des Ortes opiumsüchtig waren. Früher war es in Afghanistan üblich, dass alte Männer Opium rauchten. Durch die jahrzehntelangen Kriegswirren ist jedoch der kulturell erlernte Umgang mit der Droge entartet. Das ist ein Effekt, den man aus vielen zerstörten Kulturen kennt. Dasselbe Bild wie in Afghanistan hat man auch bei Amazonas-Indianern, wo ganze Stämme sich mit den Drogen zudröhnen, die früher nur die Medizinmänner zu sich nahmen.
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Selig sind die Reichen
Die Tatsache, dass es absurde Verschwörungstheorien gibt (Barschel wurde von Geheimdiensten ermordet, der 11. September von George Bush angeordnet, die Amerikaner waren nicht auf dem Mond), sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Interessenlagen gibt, aus denen heraus einflussreiche Menschen verhindern, dass die Öffentlichkeit die ganze Wahrheit erfährt.
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Nächste Ausfahrt - links einordnen
Das scheint sich ja zur Pandemie auszuweiten: Jetzt hat das Pinup-Girl der französischen Philosophie, der André Rieux des Bedeutungsvollen, Bernard-Henri Lévy, ein Buch geschrieben. Ce grand cadavre à la renverse. Toller Titel: Der wäre was für Godard gewesen, wenn er mit John Wayne hätte drehen wollen. Aber genug des Spottes, es wird ernst: Lévy nämlich, die Stirn in Falten und den Finger auf dieselben legend, verhandelt die Frage, was links sein heute noch bedeuten kann. Read on, my dear…
Eva Herman
Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit ähm mit dem äh Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er [!] wurde damals praktisch alles das - alles - was wir an Werten hatten, es war ne grausame Zeit, es war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der äh das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, äh, aber es ist damals alles, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.
Das Zitat oben gibt das wieder, was Eva Herman tatsächlich zur Vorstellung ihres Buches gesagt hat. Den mittlerweile in den Volksmund eingegangenen Satz: „Vieles war schlecht, zum Beispiel Hitler“ mitsamt dem Zusatz: „Aber einiges auch sehr gut, zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter“, hat sie also so nicht gesagt.
Weil sie sich von diesem, dem tatsächlich ausgesprochenen Satz, nicht distanziert hat, ist sie gestern bei Johannes B. Kerner aus der Sendung geflogen*. Die 68er haben Kinder abgeschafft. Was für ein Blödsinn. Wäre es jedoch verboten, bei Kerner Blödsinn zu reden, müsste man Abend für Abend eine leere Kulisse filmen. Blödsinn ist bei Kerner willkommen, die Sendung ist eine Oase des Blödsinns. Was war also los?
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Das Kreuz mit Mohammed
Die Satire darf alles. Darf alles. Alles. Dieses Credo summe ich morgens schon beim Zähneputzen. Eher als Selbstbeschwörung denn als Glaubensformel. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob man alles groß oder klein schreibt (die, die wollen, können das metaphorisch verstehen). Der schwedische Künstler Lars Vilks hat Mohammed als Hund gemalt (hier auf seinem Blog zu sehen). Verlinken wird übrigens vom Koran ausdrücklich erlaubt, nur falls jemand Bedenken hat. Es passiert das, woran man sich gewöhnt hat: Fahnen kleiner, aber wohlhabender, europäischer Länder brennen, angezündet von Menschen, die grad nichts besseres zu tun haben, als sich über Bilder zu erregen, die sie noch nie zu Gesicht bekommen haben, das Feuilleton spitzt die Federn und Berliner Blogger setzen sich ungekämmt an ihre auch nicht jünger werdenden PCs und versuchen sich an Grundsätzlichkeiten.
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Linker Neoliberalismus - mal was anderes
Man liest das und wundert sich. Dann schreibt mans hin und wundert sich noch mehr. Dann liest man ein paar andere Positionen, und irgendwann stellt man fest: Neoliberale Gedanken, ja, davon hat man jetzt ein paar aufgefangen. Bloß: Was ist an der Debatte eigentlich links? Was heißt das überhaupt noch: Links sein? Heißt das nett sein? „Kapital“ sagen? Marx lesen und ihn manchmal sogar verstehen, oder Bakunin, oder doch eher Gramsci? Sartre vielleicht? Kropotkin? Wer hat denn noch Antworten heute? Und worauf? Read on, my dear…









