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><channel><title>Spreeblick &#187; Essays</title> <atom:link href="http://www.spreeblick.com/category/kategorien/positionen/essays/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.spreeblick.com</link> <description>I live by the river!</description> <lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 21:57:54 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator> <item><title>Ich war dann doch noch auf der IFA</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/08/ich-war-dann-doch-noch-auf-der-ifa/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/08/ich-war-dann-doch-noch-auf-der-ifa/#comments</comments> <pubDate>Thu, 08 Sep 2011 14:04:20 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50252</guid> <description><![CDATA[<p><a
href="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/3d.jpg"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/3d.jpg" alt="3d" title="3d" class="alignnone size-full wp-image-50273" /></a><br
/> <small>3D: Flachschichtenfernsehen.</small></p><p>Für uns Westberliner Steppkes war die &#8222;Internationale Funkausstellung&#8220; früher™ Pflicht, mindestens an einem Tag nach der Schule musste man die Fahrt zum Messegelände antreten, um in erster Linie teure Technik anzugrapschen, tütenweise Kataloge und Aufkleber mit nach Hause zu schleppen und mit etwas Glück einen Halbprominenten aus nur zehn Metern Entfernung zu sehen. Was eine Messe außerhalb einer Kirche zu suchen hat und warum man etwas ausstellt, das man nicht sehen kann, war uns zwar unklar, aber Hey! Kataloge! Aufkleber!</p><p>Als Erwachsener legte sich die Lust auf noch mehr Papiermüll dann merklich, doch nun, nach jahrelanger IFA-Abstinenz, habe ich einen Heranwachsenden zuhause, der mich plötzlich fragte: &#8222;Gehst du mit mir zur IFA?&#8220; Und natürlich antwortete ich: &#8222;Au ja! Lass uns tütenweise Kataloge und Aufkleber holen und teure Technik angrapschen! Und vielleicht sehen wir jemanden, den ich nicht kenne, weil ich nicht mehr fernsehe!&#8220; So macht man sich als Vater beliebt.</p><p>Die Kurzversion für die Generation <a
href="http://ohinternet.com/images/4/42/Tldr3.JPG">tl;dr</a> vorweg: Es war gar nicht so schlimm, wie ich zuvor befürchtet hatte; der Fernseher der Zukunft sieht aus wie der aktuelle, nur größer; 3D-TV ist Unfug; es gab kaum Obst, weil <a
href="http://www.maclife.de/iphone-ipod/ipad/ifa-2011-samsung-muss-galaxy-tab-77-vom-messestand-verbannen">Apple dagegen geklagt hat</a> und auf allen Tablet-Computern, die es in jeder Größe gibt, ist Android drauf, weshalb sich die Promoterinnen bei den Windows-Mobile-Geräten sehr freuten, wenn überhaupt mal jemand kurz stehen blieb.</p><p>Für IFA-Promoterinnen gilt insgesamt natürlich immer noch: Je hässlicher die zu bewerbenden Produkte, desto kürzer die Röcke der Studentinnen. Auf einer Messe zu arbeiten ist sowieso kein Job, um den ich jemanden beneide, wenn ich mir dann aber noch vorstelle, wie ein Schmierlappen vom Vorstand den angeheuerten Promoterinnen Messe-Kostüme präsentiert, die Gina Wild schon 1984 als zu billig aussortiert hätte, dann wird mir ein bisschen schlecht.</p><p>Fairerweise muss man sagen, dass die meisten größeren Marken sich, ihre Produkte und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch relativ stilvoll auf der IFA präsentierten, und dass sich Panasonic anscheinend in der Messe vertan hat und versehentlich dachte, man sei zur VENUS angereist, sei verziehen. Schließlich drängten sich genügend männliche Handy-Fotografen um die beiden Beach-Volleyball-Spielerinnen, die sich äußerst sparsam bekleidet immer wieder in den Sand werfen mussten. Wir Männer sind so unglaublich simpel.</p><p>Weshalb Panasonic dann wohl aber auch als eines der wenigen Unternehmen verstanden hat, wie man 3D-Fernseher und -Videokameras an den Mann bringt: Indem man &#8222;Amateurvideos&#8220; von Strandausflügen zeigt, in denen junge Frauen in knappen Bikinis immer wieder lachend in Richtung Objektiv rennen. Wozu sie natürlich erst einmal vom Strandhandtuch aufstehen müssen, was sie natürlich mit dem Hintern voran tun, was natürlich der Kameramann… well, you get the picture.</p><p>Das dreidimensionale Interesse meines Sohns richtete sich zwar auf andere Bilder, sein Fazit hätte jedoch kaum treffender sein können: &#8222;Das sieht nicht cool aus&#8220;, fand er, &#8222;sondern wie mehrere flache Schichten hintereinander&#8220;. Und da hat er Recht. Trotzdem gab es auch Verkäufer von Designer-3D-Brillen, denen ich an dieser Stelle ein wohl gemeintes &#8222;Don&#8217;t quit your other job!&#8220; zurufen möchte.</p><p>Mich interessieren aber 3D-Fernseher schon seit 1974 sowieso nicht, iKram-Zubehör und anderes mobiles Gadget-Zeugs hingegen sehr, weshalb ich ganz froh war, bei unserem eher vom Sohn gesteuerten Lauf durch die Hallen einiges nach meinem Geschmack zu finden. An einem Mini-Stand japanischer Hersteller fielen mir zum Beispiel gleich drei Dinge auf:</p><p>Erstens die äußerst freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht wie ihre deutschen Kollegen an vielen kleineren Ständen den Blick nur von ihrer Kaffeetasse erhoben, um zu beobachten, ob man auch nichts klaut; zweitens mit dem nicht so super glücklich benannten <a
href="http://www.evenno.com/jp/fingerist/index.html">&#8222;Fingerist&#8220;</a> eines der wohl albernsten iPhone-Gadgets überhaupt; und drittens ein paar <a
href="http://www.simplism.jp/products/ipad/leather_smart_shell_1/index.html">wirklich schöne iPad-Hüllen von der schon etwas klüger benannten Firma simplism</a>.</p><p>Und kurz vor dem Absprung in Richtung Android noch etwas für iPad-Besitzer: Ziemlich cool fand ich die von Sanho vertriebenen <a
href="http://www.hypershop.com/HyperDrive-Hard-Drive-for-iPad-casing-only-p/hdip-000.htm">Festplatten (-Gehäuse) mit zwei USB-Anschlüssen</a>, einem &#8222;normalen&#8220; nämlich, und einem zweiten, der mittels Apples Camera Connection Kit auch am iPad als Massenspeicher funktioniert. Der gewitzte Verkäufer wollte mir dann auch gleich einen Messe-Restposten für einen super Preis andrehen, aber ich war noch gewitzter und lehnte dankend ab.</p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/dell.jpg" alt="dell" title="dell" class="alignnone size-full wp-image-50275" /><br
/> <small>Karneval in Berlin: Jetzt schon vier Unterstützer!</small></p><p>Während sich mein Sohn durch seine Fähigkeiten in Sachen DJ Hero und Autorennen um Umhängetaschen und anderen Tinnef bereicherte, lungerte ich in der Samsung-Halle herum und versuchte herauszufinden, nach welchem System die Firma ihre Galaxy-Modelle benennt und warum eines davon Wave heißt und welche Android-Version auf welchem Modell läuft und ob ich nun gerade ein großes Handy, ein kleines Tablet oder gar ein Mobile Internet Device in der Hand halte. Das wusste aber niemand wirklich und so landete ich wieder in meiner Jugend und begrapschte einfach alles.</p><p>Ich finde dabei die verschiedenen Display-Größen und Modellversionen der Geräte gar nicht schlecht, wüsste aber nicht, welches davon ich mir nun zulegen sollte. Und so befürchte ich bei Samsung immer ein wenig den Weg von Asus, die noch vor wenigen Jahren den Netbook-Hype gestartet hatten, um sich nun unter einem Modell- und Namenswirrwarr zwischen &#8222;Asus Automobili Lamborghini Eee PC VX6&#8243;, &#8222;EeeBox PCEB1501&#8243; und &#8222;Eee Pad Slider Transformer&#8220; zu begraben. Mich macht das ein bisschen betroffen, fast so sehr wie die Hallen, in denen langweilig aussehende Menschen langweilig aussehende PC-Lüfter betrachten.</p><p>Doch zurück zu Android, das wird nämlich endlich &#8222;snappy&#8220;. Auf einem Motorola Xoom (in der vergleichsweise überraschend zurückgehaltenen und ruhigen Telekom-Halle) lief die neueste Android-Version &#8222;Honeycomb&#8220; (<a
href="http://www.guardian.co.uk/technology/2011/sep/07/android-favoured-motorola-revealed">logisch</a>) und diese fühlt sich um Längen besser an als die vorhergehenden Generationen, nämlich genauso flüssig und reaktionsschnell wie ein iOS. Zudem mag ich die bei einigen Android-Tablets verfügbaren &#8222;mittelgroßen&#8220; Screens, die Geräte sind kleiner, leichter und noch besser zu verstauen als ein iPad, aber größer als ein iPhone. Das reizt mein Gadget-Herz.</p><p>&#8222;Mit Android und ihrem Google-Account haben sie immer und überall Zugriff auf ihre Daten&#8220;, warb irgendein Stand und <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/09/05/pseudonymitat-ein-offener-brief-an-google/">da hat er wohl Recht</a>.</p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/faust.jpg" alt="faust" title="faust" class="alignnone size-full wp-image-50294" /><br
/> <small>Sohn gewinnt. Im Hintergund: LSD-Werbung.</small></p><p>Zum Abschluss: Es war nicht besonders voll, die Besucher daher recht entspannt und nicht so eklig, wie man es sonst gerne mal auf Messen erlebt, vor allem aber fiel mir die Kompetenz derjenigen Stand-Betreuerinnen und -Betreuer auf, mit denen ich geredet habe. Ich war ja nicht als Blogger oder im Presse-Auftrag vor Ort, sondern als regulärer Besucher und finde es schon bemerkenswert, dass sich einige Leute unaufgeregte Zeit nahmen, um über den ganzen Mobilkrams, die verschiedensten Android-Versionen und die Vor- und Nachteilen zu Apples Hard- und Software zu plaudern. Besonders bei den größeren Unternehmen war das mehrfach der Fall und da ich mir vorgenommen habe, nicht immer nur zu meckern, soll es hier erwähnt sein. Die Würstchen-Verkäuferin und der Mann am Kaffee-Stand waren auch sehr nett. Und die Ticketverkäuferin auch. Und der Busfahrer.</p><p>Als krönender Abschluss war <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Eden">Rolf Eden</a> dann auch noch da und vervollständigte mein IFA-Erlebnis, denn zur Belohnung, dass ich ihn erkannt habe, habe ich ein PC-Spiel bekommen. Wert laut Aufkleber: € 6,99. Da fühlt man sich doch gleich wieder ein Stückchen jünger.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/08/ich-war-dann-doch-noch-auf-der-ifa/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>23</slash:comments> </item> <item><title>Thank you, Steve.</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/08/25/thank-you-steve/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/08/25/thank-you-steve/#comments</comments> <pubDate>Thu, 25 Aug 2011 14:40:27 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50007</guid> <description><![CDATA[<p><strong>Steve Jobs tritt, und ich schaue zurück.</strong></p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/smilingmac.jpg" alt="smiling mac" title="smiling mac" class="alignnone size-full wp-image-50008" /></p><p>&#8222;Macintosh Emulator&#8220; stand auf einer der handbeschrifteten Disketten in der Kiste, die mir Marc als eine Art Starter-Set für meinen <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Atari_ST">ATARI ST</a> mitgegeben hatte, den ich wegen seiner eingebauten Midi-Schnittstelle hauptsächlich zum Musikmachen nutzte.</p><p><small>Ich war nie der C64-Typ, das Ding war mir zu klobig und unsexy, ich stand auf den ATARI. Und bin heute noch davon überzeugt, dass C64-sozialisierte Computernutzer später zu Windows oder Linux tendierten, während wohl nicht wenige ATARI-Freaks beim Mac landeten, denn ob des von Apple abgekupferten <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Graphical_Environment_Manager">GUI</a> des ATARI fiel der Umstieg leicht.</small></p><p>Ich war Anfang 20 und wusste weder, was &#8222;Macintosh&#8220; ist, noch konnte ich mit dem Begriff &#8222;Emulator&#8220; etwas anfangen. Ich schob die Diskette ins Laufwerk und startete den Rechner neu. Ein lächelnder kleiner Computer empfing mich auf dem monochromen Bildschirm, danach eine Oberfläche, die nicht so weit von der mir bekannten entfernt schien. Es gab ein Menü am oberen Bildschirmrand, es gab Fenster und Datei-Symbole, und es gab einen kleinen Mülleimer zum Löschen von Dateien. Das kannte ich in etwas anderer Form alles schon.</p><p>Ein paar Klicks, ein paar Versuche mit der integrierten Software &#8230; hm. Bringt mir nichts. Verstehe ich nicht. Ich hatte keine Ahnung, dass ich gerade ein komplett anderes Betriebssystem benutzte (ich hatte nämlich nicht einmal eine Ahnung, was ein Betriebssystem ist) und es war mir auch egal. Ich drückte den kleinen Knopf unter dem Schlitz für die Diskette, um sie auszuwerfen.</p><p>PIEP! PIEP! PIEP! schrie mein ATARI (denn viel mehr konnte er an Sound nicht von sich geben) und ein Hinweis auf dem Screen riet mir dringend, die Diskette sofort wieder ins Laufwerk zu schieben, sonst könne für meine Sicherheit nicht garantiert werden.</p><p>Diskette wieder rein: Stille. Diskette wieder raus: Rabatz. Statt den Rechner einfach auszuschalten (hätte ja sein können, dass er danach nicht mehr funktioniert) rief ich Marc an, zu dessen herausragenden Charaktereigenschaften gehörte, dass er mich nie auslachte, wenn ich als kompletter Newbie dämliche Fragen stellte.</p><p>&#8222;Ein Emulator macht deinem Computer vor, ein anderer zu sein. Mit dem Mac-Emulator kannst du einen Apple Macintosh nutzen, zumindest kann man sich mal ansehen, wie sowas aussieht. Ein Apple Macintosh ist das, was man eigentlich haben will, sich aber nicht leisten kann. Kosten Tausende, die Dinger. Um die Diskette aufzuwerfen, musst du ihr Symbol einfach mit der Maus auf den Mülleimer ziehen.&#8220;</p><p>Mein erster Kontakt mit einem Mac fand also auf einem ATARI ST statt und zeigte mir gleich den gröbsten Designfehler des Systems, einen Fauxpas im Nutzerinterface, der erst viele Jahre später korrigiert werden sollte. Ein sündhaft teurer Computer, bei dem man eine Diskette nicht über einen Knopf auswerfen konnte, sondern indem man sie auf das &#8222;Löschen&#8220;-Symbol zog? Na danke. Danke, nein.</p><p>Wenige Jahre später saß ich in einer Werbeagentur, die ein Cover für meine Band entwerfen sollte, und wartete auf den Chef. Dieser entschuldigte sich, er bräuchte leider noch eine halbe Stunde für ein Kundengespräch, ich könne aber gerne an einen der freien Rechner gehen, während ich wartete. Ob ich mich mit einem Macintosh auskenne, fragte er. &#8222;Na klar&#8220;, log ich.</p><p>Aus der halben Stunde wurden zwei, denn immer wieder sagte ich dem Agentur-Chef, dass er ruhig erst noch etwas Anderes erledigen könne. Fasziniert spielte ich nämlich mit dem Mac, dem Computer, der mich mit einem <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_PageMaker">Layout-Programm</a> tatsächlich alles machen ließ, was ich machen wollte. Ich konnte aus einer unglaublichen Menge von Schriftarten wählen um den Namen meiner Band immer anders aussehen zu lassen, ich konnte das Geschriebene frei auf meinem Arbeitsblatt positionieren, ich konnte frei zeichnen und das Gezeichnete wieder verändern und es dem Geschriebenen hinzufügen, ich konnte: gestalten.</p><p>Das klingt albern heutzutage, doch es war zu dieser Zeit noch äußerst selten, dass das, was man am Rechner formte, auf dem Monitor genau so aussah wie im späteren Ausdruck. Modernere Textverarbeitungsprogramme boten zwar eine annähernd korrekte Voransicht eines Dokuments, doch von echtem Layout konnte kaum die Rede sein. <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/WYSIWYG">WYSIWYG (What You See Is What You Get)</a> und <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Desktop-Publishing">DTP</a> lauteten die Begriffe, die in den folgenden Jahren immer mehr Designer, Grafiker und andere Kreative zu Apple-Enthusiasten machten und den Computer jenseits von Finanzen und Kalkulationen für Agenturen und Freiberufler sinnvoll erscheinen ließen. Denn so musste ein Computer für Kreative funktionieren: als beinahe selbsterklärendes Werkzeug, das zur Umsetzung von Ideen hilfreich zur Seite und nicht im Weg stand.</p><p>Ich beschloss, die Plattencover für unsere Band von nun an selbst zu machen. Dafür brauchte ich keine Werbeagentur, sondern einen Mac.</p><p>Marc schickte mich zu Pandasoft, dem damals größten Apple-Händler in Berlin. Von Technik war wenig zu sehen in dem Laden, es lagen keine Platinen, Kabel und Lötkolben rum, wie bei anderen Computerhändlern üblich, und die Angestellten rochen weder nach Schweiß noch nach feuchter Kleidung. Der auffälligste Effekt davon: Es waren auch Frauen anwesend.</p><p>Auch Franz, der Apple-Verkäufer, der zwar keine Frau war, mich aber danach noch viele Jahre als Ratgeber und Problemlöser begleiten sollte, lachte mich nicht aus, als ich blöde Fragen stellte. Geduldig und begeistert erklärte er mir über eine Stunde lang, dass ich mich als Apple-Nutzer damit abfinden müsse, zu einer belächelten Minderheit zu gehören, dass ich kein einziges PC-Programm nutzen könne, dass ich mich zwischen dem Kauf eines Apple-kompatiblen Druckers und einem Mittelklassewagen entscheiden müsse, und dass es ziemlich kompliziert wäre, einen Mac in ein bestehendes PC-Netzwerk einzubinden.</p><p>Ich fühlte mich sowieso schon als Teil einer Minderheit und außerdem äußerst wohl dabei; mein alter, klappriger Renault tat&#8217;s noch; ich wusste nicht, wofür ein Netzwerk gut sein sollte… und ich wollte auch keine PC-Programme. Ich wollte einen Mac.</p><p>&#8222;Kein Problem&#8220;, fand Franz und tippte auf seiner Tastatur rum, während er mir ein Paket dessen zusammenstellte, was man am Anfang so braucht. Rechner, Monitor, kleiner Drucker. Lächelnd überreichte er mir den Zettel mit der Kalkulation und ich war meinem Ziel, das Band-Design fortan selbst in die Hand zu nehmen, einen gehörigen Schritt näher gekommen.</p><p>Nun brauchte ich nur noch 9.000 Deutsche Mark.</p><p>Bei dem Versuch, einen Bankkredit zu bekommen, half damals kein Rating-Ergebnis, sondern Überzeugungskraft. Ich verkaufte meiner Betreuerin bei der Sparkasse das benötigte Geld als Investition in meine berufliche Zukunft, was nicht einmal gelogen war, und unterschrieb den Vertrag mit zitternder Hand, um erst später meine Eltern davon in Kenntnis zu setzen, dass ich neben der bis dahin nicht gerade einträglichen Tätigkeit als Rockmusiker auch noch einen Kredit in gefühlter Milliardenhöhe aufgenommen hatte.</p><p>Mein erster Mac stand auf meinem Schreibtisch, doch viele weitere sollten folgen (nicht gleichzeitig, versteht sich). Nicht nur Desktop-Rechner, sondern auch <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_PowerBook">PowerBooks</a> fanden ihren Weg zu mir, deren interne Modems ich Anfang der Neunziger, als man mit Compuserve oder AOL online gehen konnte, auf den Tourneen meiner Kapelle mit zwei dünnen Drähten und Krokodilklemmen an beinahe jede aufgeschraubte Hotel-Telefondose bekam.</p><p>Es ist dabei nicht so, dass ich nicht zwischendurch von Apple auch gelangweilt gewesen wäre. Ich ließ mich von Sonys VAIOs verführen und bildete mir die Weltrettung durch Linux ein, ich beneidete sogar einmal Windowsnutzer um die simple Tatsache, dass sie nicht jedes Mal erklären mussten, warum sie einen bestimmten Computer benutzten. Doch für einen wirklichen Wechsel hat es nie gereicht. Apple-Produkte standen mir bei meiner Arbeit, die in erster Linie aus dem Musizieren und Kommunizieren bestand, auf ihre unnachahmlich elegante Art beiseite, und nur wenige andere Unternehmen konnten mich durch ihre Produkte davon überzeugen, dass ich mit meiner Lebens- und Arbeitsart zu ihrer Zielgruppe gehörte.</p><p>Und dann kam ja auch noch der <a
href="http://en.wikipedia.org/wiki/Newton_(platform)">Newton</a> und damit das erste Gerät, das als PDA, als &#8222;Personal Digital Assistent&#8220;, bezeichnet wurde. Immer auf der Suche nach James-Bond-Utensilien hatte ich bis dahin den (ziemlich großartigen) <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Atari_Portfolio">ATARI Portfolio</a> besessen sowie diverse (ud ebenfalls ziemlich großartige) <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Psion">Psion-Handhelds</a>, doch der Newton spielte in einer anderen Liga. Es war leicht, sich über die nur mittelmäßig funktionierende Handschrifterkennung <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=xc3JzS0K3ys">lustig zu machen</a>, doch Newton MessagePads vermittelten als erste Geräte ihrer Art eine Art &#8222;digitale Haptik&#8220; und waren in ihrem innovativen Ansatz der Zeit und vor allem der Konkurrenz weit voraus. Allein der Screen mit seiner leicht angerauhten Oberfläche, die das Schreiben auf Papier vortrefflich simulierte, war fantastisch, das System eine reine Freude.</p><p>Mit <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Steve_Jobs">Steve Jobs</a>, dem Apple-Gründer, hatte ich mich bis dahin nur am Rande befasst, schließlich war er einige Jahre lang auch nicht mehr im Unternehmen tätig. Auch, dass er es war, der den Newton einstellte, der <a
href="http://en.wikipedia.org/wiki/John_Sculley">John Sculley</a> zugeschrieben werden darf, bekam ich erst später mit – das Personal Apples interessierte mich weniger als die Produkte. Diese jedoch begannen nach Jobs&#8217; Rückkehr ins Unternehmen im Jahr 1996 erst ihren eigentlichen Siegeszug, der mit dem bis dahin harmlosen Buchstaben &#8222;i&#8220; anfing: iMac, iTunes, iPod, iLife, iPhone, iPad – iGentlich äußerst alberne Namensgebungen, doch in einer von absurden Produktbezeichnungen wie <a
href="http://www.inside-handy.de/handys/philips_99-e/828_allgemein.html">&#8222;9@9 e&#8220;</a> dominierten Technikwelt ein Geniestreich.</p><p>Und wegweisend für ganze Branchen. Wenn wir heute beschließen können, dass die Unterschiede zwischen den größeren Systemen nicht mehr so riesig sind, wenn wir feststellen, dass sich die Benutzbarkeit von Computersystemen aller Art in den vergangenen Jahren stark verbessert hat, dann ist diese Entwicklung nicht zuletzt Steve Jobs zuzuschreiben, der sich nie mit Marktforschungsergebnissen oder dem Status Quo zufrieden gegeben hat. Und lässt man die rigorose Content-Politik der letzten Jahre von Apple einmal außen vor und konzentriert sich für einen Moment allein auf die erfolgreiche Etablierung völlig neuer Interfaces, Bedienkonzepte und (das hat vor einigen Jahren niemand für möglich gehalten) eines komplett neuen Betriebssystems und Konzepts für mobile Geräte, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass wir heute immer noch mit <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Text_on_9_keys">T9</a> herumhantieren würden, hätten nicht iPhone und iPad dafür gesorgt, dass ihnen alle anderen hinterher rennen müssen.</p><p>Uns so bin ich noch heute relativ zufriedener Käufer von Apple-Produkten. Mit Abstrichen: Die letzten Geräte-Generationen sind mir zu klinisch, die Metall-Haptik allenorts zu kalt, und trotz eines gewissen Verständnisses für Teile der AppStore-Politik kann ich sie nicht gutheißen. Dennoch integrieren sich iGeräte nach wie vor besser in meinen Alltag als ihre Konkurrenten (und ja, das teste ich immer wieder gerne), weshalb ich mit ihnen zufriedener bin.</p><p>Der Mann, über den heute wegen seines Rücktritts von der operativen Apple-Spitze <a
href="http://www.google.de/search?&#038;q=steve+jobs+r%C3%BCcktritt">so viel geschrieben</a> wird, als wäre er tot, ist dabei unbestritten eine der interessantesten Geschäftspersonen unserer Zeit. Zwar ist Steve Jobs ob seines diktatorischen Führungsstils alles andere als frei von Kritik, niemand wird ihm jedoch die <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=QRH8eimU_20">visionäre</a> Kraft absprechen, mit der er die Technikbranche immer wieder nach vorne getrieben hat. Die Produkte tatsächlich herzustellen, die wir uns bis dahin immer nur in <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=JQ8pQVDyaLo">Science-Fiction-Filmen</a> ansehen konnten, dies scheint eine Herausforderung für den Mann zu sein, und dafür kann man ihn gleichermaßen bewundern und für verrückt erklären – wie man es so oft macht bei herausragenden Persönlichkeiten.</p><p>Und natürlich frage auch ich mich, was wohl aus einer Firma wird, wenn ihr führender Kopf, der offenbar so immens wichtig für das gesamte Unternehmen war, zurücktritt. Darüber zu spekulieren liegt mir jedoch fern – wir werden es schließlich in den kommenden Jahren erleben. Stattdessen nahm ich die Meldung lieber zum Anlass, ein paar meiner persönlichen Apple-Anekdoten aufzuschreiben und Steve Jobs, den ich nie kennengelernt und nur einmal bei der Einführung des iPhones in Deutschland live erlebt habe, ein bisschen Ruhe und gute Besserung zu wünschen.</p><p>Und mich zu bedanken für einige ziemlich coole Produkte, die mir bei meiner Arbeit immer wieder geholfen haben und es bis heute tun, und dafür, dass nicht alle Tech-Firmen die wichtige Ästhetik der Alltagsgegenstände missachtet und für unwichtig erklärt haben. Hätte es nur Windows-PCs gegeben, diese damals unglaublich hässlichen Kisten mit diesem Modelleisenbahner-Bastelbetriebssystem und Software-Krankheiten wie PowerPoint… niemals wäre ich bei der Arbeit mit Computern hängengeblieben. Ich kann und will mich so selten wie möglich mit Hässlichkeit und umständlichem Technikkram umgeben, und Apple und Steve Jobs haben dafür gesorgt, dass ich das im Arbeitsalltag bisher auch selten musste.</p><p>Thank you, Steve.</p><p><small><a
href="http://thankusteve.com/">Nice</a>.</small></p><p><strong>UPDATE</strong> <a
href="http://holyfruitsalad.blogspot.com/2011/08/ich-und-steve-jobs.html">Claudia hat auch ihre ganz eigenen Geschichten</a>.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/08/25/thank-you-steve/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>90</slash:comments> </item> <item><title>kino.to t</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/06/08/kino-to-t/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/06/08/kino-to-t/#comments</comments> <pubDate>Wed, 08 Jun 2011 16:28:53 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=46544</guid> <description><![CDATA[<p><small><strong>UPDATE</strong> Okay. <a
href="http://www.der-postillon.com/2011/06/razzia-bei-kinoto-zwingt-millionen-user.html">Der ist gut</a>.</small></p><p>Mit kino.to wurde eines der hierzulande wohl bekanntesten Video-Stream-Portale geschlossen, mehrere mutmaßliche Betreiber des Portals <a
href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/kino-to-Polizeiaktion-gegen-Filmpiraten-1257486.html">wurden festgenommen.</a> Verfolgt man die Tweets rund um dieses Ereignis, bekommt man einen gewissen Eindruck davon, wie beliebt die Site offenbar war – obwohl sich <a
href="http://search.twitter.com/search?q=kino.to">die meisten Twitter-Nutzer</a> auf die reine Verbreitung der Meldung beschränken, gibt es auch viele, die das Verschwinden der als illegal eingestuften Seite <a
href="http://twitter.com/#!/coldmirror/status/78440678278971392">bedauern</a>, die Schließung für <a
href="http://twitter.com/#!/iHibbel/status/78456433707991040">ungerechtfertigt</a> halten oder sich gar <a
href="http://twitter.com/#!/C_Holler/status/78437150043013120">politisch</a> für ein Fortbestehen der Site <a
href="http://twitter.com/#!/xaftershowx/status/78456428892917760">einsetzen</a> wollen. Und damit ein zumindest fragwürdiges Gerechtigkeitsempfinden an den Tag legen.</p><p>Falls es jemand wissen will: Ich habe – wie vermutlich fast jeder Internet-Nutzer – in den letzten Jahren eine gewisse Anzahl von Filmen oder TV-Serien angesehen, die jemand illegal aus dem Netz geladen hatte. Besonders TV-Serien, die mich nach einigen &#8222;Test-Folgen&#8220; gefesselt haben, habe ich jedoch in der Folge (wenn verfügbar) als DVD gekauft oder als legalen Download weitergeschaut – es kann eigentlich nicht mehr lange dauern, bis ich bei iTunes als &#8222;Kunde des Monats&#8220; geführt werde. Und ich habe einmal selbst ein uraltes Musikalbum illegal heruntergeladen wegen eines Songs, den ich weder als CD noch als Download bekommen konnte – ich hatte das Stück aber früher mal auf Vinyl und redete mir mein Vorgehen damit schön.</p><p>Viel wichtiger aber: Ich habe noch nie Filme oder Musik Dritter im Netz als Download oder Stream angeboten, es sei denn, ich konnte davon ausgehen, legal zu handeln.</p><p>Ich handle nicht etwa aus Furcht vor der Unterhaltungsindustrie wie eben beschrieben, oder weil ich jene Industrie oder geltende Gesetze gar so dufte finde, und erst recht nicht, weil ich zuviel Geld habe. Ich handle allein aus Respekt vor denjenigen, welche die Inhalte produzieren, die ich schätze und die mein Leben in kunstvoller oder unterhaltsamer Weise bereichern, denn ich möchte ihnen und ihren Vertretern die Wahl lassen, wie mit ihrer Arbeit umgegangen wird. Selbst, wenn mir das nicht gefällt.</p><p>Die Frage, ob mein Handeln diesen Urhebern auch tatsächlich zugute kommt, bleibt dabei jedoch eine berechtigte, und die aktuellen Branchen-Strukturen und die Gesetzeslage lassen mich dies so sehr bezweifeln, dass ich mir in diesem Blog schon oft <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/02/12/musik-20-%E2%80%93-eine-replik/">Gedanken</a> <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/06/02/wir-werden-niemals-fur-musik-bezahlen/">zum</a> <a
href="http://www.spreeblick.com/2007/11/28/wie-es-die-musikindustrie-doch-noch-ins-21-jahrhundert-schaffen-kann/">Thema</a> gemacht habe. Nach wie vor bin ich sicher, dass sowohl neue Geschäftsmodelle der Industrie als auch die Novellierung geltender Urheberrechtsgesetze zwingend vorangetrieben werden müssen, denn im digitalen Zeitalter macht sich ein Verschleppen dieser Prozesse mitschuldig an jeder noch so stark verfolgten &#8222;Raubkopie&#8220; – ein Begriff, den man im Fall von nichtmateriellen Gütern in Anführungszeichen setzen muss (was wiederum nicht bedeutet, dass ich Urheberrechte für überflüssig halte).</p><p>Ich habe also, wie viele andere Netz-Benutzer auch, meine argen Probleme mit einer Gesetzeslage und einer Industrie, die sich gegen schon lange nicht mehr &#8222;neue&#8220; mediale und technische Gegebenheiten so oft nur zu wehren scheint, statt ihnen mit Innovation, Ideen, Kreativität und Anpassung zu begegnen.</p><p>Das bedeutet aber nicht, dass ich deswegen andere Geschäftspraktiken unterstütze, die um keinen Deut besser sind.</p><p>kino.to und alle ähnlichen Streaming-Portale und/oder File-Hosting-Services, die mir bekannt sind, haben einen einzigen Vorteil, nämlich den, dass sie den Konsumenten Inhalte bereitstellen, für die er an anderen, legalen Stellen bezahlen müsste – solange der Nutzer dafür grottenschlechtes Design, bewusst in die Irre führende Links, zweifelhafte Skripte, Werbegeballer ohne Ende, endlose Klicks, konstant aufpoppende Browser-Fenster und oft mäßige bis schlechte Qualität der Streams in Kauf nimmt. Natürlich kann der Nutzer sein Erlebnis auch bei illegalen oder nur bedingt legalen Anbietern ein bisschen verbessern: Wenn er zahlt. Und wenn er dann zahlt, dann darf er sicher sein, dass die Urheber der Inhalte, wegen denen das Portal schließlich überhaupt nur existieren kann, keinen einzigen Cent sehen. Sie bekommen nicht einmal das &#8222;Zuwenig&#8220; der legalen Industrie. Sondern gar nichts.</p><p>Wer glaubt, sich mit der Nutzung und damit Unterstützung von kino.to oder ähnlichen Anbietern gegen eine Unterhaltungsindustrie zu wehren, die je nach Argumentationsweise zu hohe Preise verlangt, zu langsam agiert oder gemein und unfair ist, sollte sich die Frage stellen, welche Industrie er stattdessen unterstützt. Denn dass solche Portale von gutherzigen Samaritern in ihrer kargen Freizeit betrieben werden, kann sicher niemand ernsthaft glauben. Hinter Plattformen, die täglich mehrere Millionen Nutzer bedienen, steckt in den wohl meisten Fällen ein ausgefeiltes und nach geltenden Gesetzen illegales Geschäftssystem. Eines, das auf die Rechte von Urhebern pfeift, aber gerne Geld mit ihren Werken verdient.</p><p>Mir geht die ewige, alte und rückwärts denkende Argumentationsleier der Unterhaltungslobby auch furchtbar auf den Geist und ich wünschte, auf politischer Seite würde sich endlich jemand mal einen Internet-Anschluss ausborgen und auf den Tisch hauen. Ich bin sicher, dass es viele mögliche Maßnahmen gibt, die wirtschaftlich sinnvoll wären, für Innovationsschübe sorgen und den Konsumenten nutzen würden. Doch auch <a
href="http://www.techdirt.com/articles/20110421/00493313981/whos-funding-more-terrorism-downloaders-hollywood.shtml">viele</a> <a
href="http://www.techdirt.com/articles/20110308/02354213395/massive-research-report-piracy-emerging-economies-released-debunks-entire-foundation-us-foreign-ip-policy.shtml">Argumente</a> der Gegenseite erinnern mittlerweile stark an Lobbyistentum, das auf Gegenfragen nicht selten allein mit Polemik reagiert.</p><p>Ich bleibe Optimist und gehe davon aus, dass sich in den nächsten Jahren noch enorm viel bewegen wird, denn am Ende gibt es gar keinen Weg vorbei an Novellierungen an allen Ecken und Enden und nur innovative, legale Angebote, die auf einen veränderten Markt reagieren, können das bestehende Dilemma ansatzweise lösen. Ich glaube jedoch nicht, dass die romantische Vorstellung der selbstlosen Piraterie als Retter der ungerecht Behandelten eine positive Rolle dabei spielen kann, ganz im Gegenteil. Jedes weitere kino.to, mit dem auf illegale Weise Millionen verdient werden, verstärkt den Ruf nach härteren Gesetzen und nach stärkeren Anbieter- und Nutzer-Kontrollen.</p><p>Dass man sich also mit der Nutzung solcher Angebote wirklich aktiv für positive Veränderungen in den Bereichen der Unterhaltungsindustrie und Urheberrechtsgesetze einsetzt, bezweifle ich stark. Denn das eine Falsch macht das andere nicht richtiger.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/06/08/kino-to-t/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>101</slash:comments> </item> <item><title>Die Fliege ist doof</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/06/01/die-fliege-ist-doof/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/06/01/die-fliege-ist-doof/#comments</comments> <pubDate>Wed, 01 Jun 2011 09:58:11 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=46344</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/06/fliege.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/66176388@N00/224506118/"><span
class="text">Mark Robinson</span></a></p></div><br
/> <small>Hübsche Kühe und doofe Fliegen.</small></p><p>Die Fliege, dachte ich neulich Abend, als ich eine ebensolche umherfliegen sah, muss das dämlichste Tier der Welt sein. Anscheinend ziellos surrt sie umher, wechselt im Millisekundentakt die Richtung und stoppt nur, wenn sie irgendwo gegen knallt. Und das tut sie oft. Eigentlich ständig. Der Esel macht IA, die Kuh macht Muh und die Fliege macht Bwwwwwwwwplopp.</p><p>Das Sehwerk der Fliege taugt ganz gut für die makrofotografische Betrachtungen in Tierdokumentationen, weil Boah!, die hat ja so Netze auf den Augen, nein, das sind eigentlich Millionen von Augen!, und würden wir Menschen solche Augen haben, dann würde das SO aussehen! Irre! Aber zur Vermeidung der Kollision mit der einzigen Hauswand im Umkreis von zwölf Kilometern genügt das Wunderwerk der Natur dann offensichtlich doch nicht.</p><p>Tatsächlich ist die Fliege natürlich gar nicht so ziellos, wie es erscheint, denn sie kennt ihre Bestimmung genau: Scheiße und Zucker. Was für ein Leben! Da, ein Kadaver, super, da lege ich doch gleich mal die Kleinen zum Kuscheln ab! Jetzt noch was Süßes und dann aber ab ins Kackabett, und ja alles schön auffressen!</p><p>Wie doof kann man denn bitte sein?</p><p>Vielleicht bin ich aber auch unfair. Vielleicht donnert die Fliege ja gar nicht gegen Wände, Lampenschirme, Fenster und wahrscheinlich sogar andere Fliegen, vielleicht ruht sie sich zwischendurch einfach nur mal aus und landet dabei ein wenig ungeschickt. Soundsoviel hundert Mal pro Sekunde schlägt die Fliege mit ihren Flügeln, dazu die dauernden Richtungswechsel – das schlaucht. Links, links, links, scharf rechts, gleich nochmal rechts, dann wieder links, geradeaus, Mist, immer noch keine Scheiße gefunden, Puh, anstrengend, erstmal ausruhen, jetzt nochmal einen anderen Weg versuchen, diesmal fliege ich zuerst zweieinhalb Zentimeter nach rechts. Mist, wieder nix. Erstmal ausruhen.</p><p>Könnte so sein. Glaube ich aber nicht. Ich glaube, Fliegen sind tatsächlich total bescheuert und ich kann das hier ungestraft hinschreiben ohne das Risiko von Rache einzugehen, denn die können ja nicht mal stechen, die Dumpfpiloten. Ihre einzige Waffe ist die Krankheitsübertragung, auch nicht gerade die transparenteste Form der Selbstverteidigung, würde sich Genf darum kümmern, hätten Fliegen eine Menge unangenehmer Fragen zu beantworten. Die Idioten.</p><p>Wirklich: Die fliegen ja nicht mal wirklich ins Licht! Sie flugtorkeln zwar stundenlang um eine Deckenlampe herum – natürlich nicht, ohne zwischendurch auch immer mal wieder dagegen zu knallen –, aber für das dem Insekt würdige Auffinden der grell leuchtenden Quelle und das dortige Verharren ist die Fliege zu blöd. Und sollte nun jemand dieses Verhalten als Argument für die Klugheit des Tieres vorbringen, da die Fliege ja so schlau sei, die Hitze der Quelle zu vermeiden um dort nicht zu verrecken, dann frage ich ihn: Wieso fliegt sie dann überhaupt nur in die Nähe des Lichts? Weil Kacke neuerdings leuchtet?</p><p>Tut mir leid. Mir fehlt jede Empathie für Fliegen, ein bisschen kann man das ja hier schon zwischen den Zeilen lesen. Mag wohl sein, dass Fliegen für irgendwas nützlich sind, das kann aber eigentlich nichts sein, was nicht auch ein bisschen Trockenfutter und ein paar tüchtige Bienen und Ameisen oder das Internet übernehmen könnten.</p><p>Täglich neu sind hübsche, wunderbare, nützliche, süße, tolle Tiere vom Aussterben bedroht, aber wer denkt nicht daran, abzutreten? Genau: Die blöde, mit Kot und Zucker vollgestopfte Fliege. Survival of the fattest oder so.</p><p>Ich stelle jetzt überall Venusfliegenfallen auf, der Tierschutzbund kann mich mal.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/06/01/die-fliege-ist-doof/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>56</slash:comments> </item> <item><title>Who&#8217;s to blame?</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/03/10/whos-to-blame/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/03/10/whos-to-blame/#comments</comments> <pubDate>Thu, 10 Mar 2011 17:06:57 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=44225</guid> <description><![CDATA[<p>Als Nutzer von Unterhaltungselektronik sitzt man in einer moralischen Klemme, aus der es kein Entrinnen gibt. Allein totale Entsagung wäre ein Weg, denn egal, für welche Hersteller man sich entscheidet und welche Geräte man nutzt: Irgendwo auf der Welt sitzt mit ziemlicher Sicherheit jemand, der eben dieses Gerät für viel zu wenig Lohn und in heftigen Überstunden zusammengeschraubt hat, damit wir es noch ein wenig günstiger kaufen können und die beteiligten Hersteller noch ein wenig mehr daran verdienen.</p><p>Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser jemand ein Mitarbeiter von <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Foxconn">Foxconn</a> ist (dem taiwanischen Unternehmen, das mit rund einer Million Beschäftigter für etwa 40 Prozent der jährlichen Elektronik-Umsätze in Höhe von 150 Milliarden Dollar zuständig ist), ist hoch, denn nicht nur <a
href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,749847,00.html">Apple</a> lässt bei Foxconn produzieren, sondern so gut wie jeder in der Branche.</p><p>Nachdem in den vergangenen Jahren die Selbstmordrate unter Foxconn-Mitarbeitern anstieg und die <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Foxconn#Kritik">Kritik</a> nicht bei Foxconn stoppte, sondern sich auch an die beauftragenden Unternehmen richtete, schickte das WIRED-Magazin für seine aktuelle Ausgabe den Gizmodo-Redakteur Joel Johnson nach China, um sich des Themas anzunehmen.</p><p>Herausgekommen sind dabei zwar keine wirklich investigative Recherche (die bei einem solchen Konzern offiziell wahrscheinlich auch nicht möglich wäre), keine Lösungen, keine beruhigenden Antworten, wohl aber ein äußerst lesenswerter Artikel. Johnson gelingt es, die zu Beginn dieses Lese-Tipps beschriebene Misere, in der wir alle stecken, als Leitthema zu nutzen und um seine Suche nach einer Antwort  zu beschreiben auf die Frage, ob er mit seinem Faible für Elektronik für das Leid anderer Menschen (mit)verantwortlich ist.</p><p><a
href="http://www.wired.com/magazine/2011/02/ff_joelinchina/all/1">1 Million Workers. 90 Million iPhones. 17 Suicides. Who’s to Blame?</a></p><p><small>Wer noch mehr Zeit hat, sollte auch die Kommentare lesen.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/03/10/whos-to-blame/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>22</slash:comments> </item> <item><title>KLICK.</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/02/15/klick/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/02/15/klick/#comments</comments> <pubDate>Tue, 15 Feb 2011 16:01:48 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=43355</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/02/faust.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/jalex_photo/935667352/"><span
class="text">Joel Bedford</span></a></p></div></p><p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p>Ich habe auf Empfehlung eines alten Freundes mit der Lektüre von <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Slavoj_%C5%BDi%C5%BEek">Slavoj Žižek</a>s &#8222;Violence&#8220; begonnen (soweit ich weiß nicht auf deutsch erhältlich, in einer älteren <a
href="http://www.lettre.de/archiv/71_Zizek.html">Lettre-Ausgabe</a> gab es aber mal Auszüge, hier der <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/1846680271?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=1846680271">Amazon-Partnerlink</a>).</p><p>Und während ich wegen dieser Lektüre Gedanken über verschiedene Formen der Gewalt mit mir herum trug, habe ich mich gefragt, wann ich selbst einmal direkte, physische Gewalt gegen Menschen angewandt habe. Und habe mich an einen bestimmten Moment erinnert.</p><p>Ich war Anfang 20, als ich mit meiner damaligen Freundin auf irgendeinem Konzert in irgendeiner Fabrikhalle war. Der Raum war viel zu groß für die Band oder die Band war viel zu klein, jedenfalls stand man recht dicht an der Bühne und hatte dennoch genügend Raum um sich herum. Wie auf jedem Konzert (vertraut mir: wie auf <em>jedem</em> Konzert, wenn es leer ist direkt vor der Bühne, wenn es voll ist irgendwo anders) nutzte ein Mann um die 30, den ich zurückhaltend als &#8222;blöden Hippie&#8220; charakterisieren möchte, den bestehenden Freiraum für ein wissenschaftliches Experiment: Er versuchte zu beweisen, dass ein Mensch fähig ist, seine Arme, seine Beine und seinen Kopf komplett unabhängig vom Rest seines Körpers und vor allem ohne sichtbare Koordination zwischen den einzelnen Körperteilen wild hin und her zu werfen und dabei extrem bescheuert auszusehen. Und er war dabei enorm erfolgreich.</p><p>Der Mann hätte sein Verhalten damals auf Rückfrage sicherlich als &#8222;Tanz&#8220; bezeichnet, da es jedoch keinen sichtbaren Zusammenhang zwischen der spielenden Musik und den zwar gleichzeitig, dennoch sehr unterschiedlich ablaufenden Bewegungen seines Körpers gab, würde ich dieser Beschreibung noch heute widersprechen.</p><p>Aus Mangel an Einzelkabinen für solche Experimente führten die Bewegungswege des Mannes ihn quasi durch die gesamte Halle, den Vorraum, die Toiletten aller Geschlechter und sicher auch den Backstage-Bereich, zu unserem Unglück jedoch leider auch viel zu oft in unsere Nähe.</p><p>Nun nimmt man den ein oder anderen Rempler auf einem Konzert ja ohne weiteren Kommentar in Kauf, ja teilweise begibt man sich sogar in vollem Bewusstsein in die Menge, sofern vorhanden, um sich gegenseitig herumzuschubsen und das dann &#8222;Tanz&#8220; zu nennen, obwohl… na lassen wir das. Irgendwann aber nahmen die Rempler sehr unangenehm zu und wir begannen, den Mann etwas bestimmter und ohne Aggression wegzuschieben, es war schließlich AUSREICHEND PLATZ VORHANDEN, VERDAMMT NOCHMAL! Eine Weile lang hielt uns diese freundliche Schubsbarrikade den Mann vom Hals, schnell ging es aber wieder los. Und irgendwann, nach einem weiteren Rempler, drehte sich meine Begleiterin ungewohnt aggressiv zu ihm und brüllte den Mann an, er solle sie endlich in Ruhe lassen.</p><p>Ich beruhigte sie. Kein Grund, durchzudrehen, der Typ ist halt etwas breit. Wir würden einfach woanders hingehen, beschwichtigte ich meine Freundin, die mir dann jedoch den Grund für ihre heftige Reaktion erzählte: Der Typ hatte ihr beim &#8222;Tanzen&#8220; mehrfach von hinten zwischen ihre Beine gefasst.</p><p>&#8222;WTF?&#8220; konnte ich damals noch nicht denken, denn es gab ja noch kein Internet, aber dass nun Schluss mit Lustig war, wusste ich auch so.</p><p>Ich hielt ihn bei nächster Gelegenheit am Arm fest, wir sprachen äußerst deutlich mit ihm und rieten ihm, sich fernzuhalten. Woraufhin er mit einem breiten Lächeln an die Brust meiner Begleiterin griff.</p><p>Dann passierte es.</p><p>Es machte KLICK.</p><p>Es machte KLICK. und ich war nicht mehr die Person, die ich zuvor mein ganzes Leben lang gewesen war.</p><p>Es gab keine Vernunft mehr, keine Gelassenheit, keine Abwägung und vor allem keinerlei Furcht. Noch bevor der Typ sein Lächeln beenden konnte, prügelte ich dürrer, im Kampf unerfahrener Jüngling den zumindest erwachseneren Mann mit aller mir zur Verfügung stehenden Wut quer durch die Halle, meine Fäuste (ich hatte plötzlich viel mehr als zwei) donnerten auf sein Gesicht, gegen seinen Kopf, seinen Körper, meine Füße versuchten, ihn mit Tritten zu treffen. Er flüchtete rückwärts und vorwärts, doch ich war schneller, egal wie schnell er gewesen wäre, wäre ich schneller gewesen, ich war so schnell, dass niemand auch nur versuchen konnte, mich zu stoppen. Mein Herz raste, mein Nebennierenmark pumpte Adrenalin in die hintersten Ecken meiner Blutbahn und wahrscheinlich war ich auch <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hulk_(Comic)">grün</a>. Ich sah gewiss noch lächerlicher und ungelenker aus, als der Mann bei seinen Tanzversuchen zuvor, doch das war völlig egal, alles war egal, außer immer mehr Schläge auf den Mann zu richten.</p><p>Dieser stolperte rückwärts, strauchelte und fiel in einen Haufen Schrott, der vielleicht ein in der Halle ausgestelltes Kunstwerk war, krachte rückwärts in den Berg von Metall.</p><p>Und blieb dort regungslos liegen.</p><p>Ich atmete schwer und spürte nichts. Kein Mitleid, immer noch keine Furcht. Meine Muskeln vibrierten, als stünden sie unter Strom, meine Hände taten weh, doch gleichzeitig wollten sie immer noch mehr von diesem Schmerz.</p><p>Meine Freundin packte mich an der Hand und wir rannten aus der Halle heraus als würde uns jemand jagen. Draußen angelangt zog nur langsam die Person wieder in meinen Körper zurück, die ich eigentlich war. Das Vibrieren meiner Muskeln wurde erst zu einem Zittern, dann zu einem Nachgeben, ich konnte kaum stehen, setzte mich auf den Boden und die letzten Sekunden ließen von mir ab. Ich begann, lauthals zu weinen.</p><p>Doch die Tränen, die aus mir herausschossen, galten nicht dem Mann, den ich soeben unter Umständen schwer verletzt hatte. Ich weinte, weil ich unter Schock stand. Die Verwandlung, die ich gerade erlebt hatte und die man wirklich nur als &#8222;Persönlichkeitsveränderung&#8220; bezeichnen kann, hatte plötzlich begonnen, mir ungeheure Angst zu machen. Noch nie zuvor hatte ich erlebt, wie etwas anders als mein eigener Wille Besitz von mir ergriffen hatte und mich Dinge hatte tun lassen, zu denen ich mich zuvor nicht fähig gehalten hätte.</p><p>Wieder im Besitz meiner Vernunft, doch mit immer noch zitternden Beinen und Armen kehrte ich in die Halle zurück, denn ich hatte tatsächlich Sorge, den Mann verletzt oder unter Umständen durch den Sturz in den Schrotthaufen sogar getötet zu haben. Ich war darauf vorbereitet, die Konsequenzen meines Handelns tragen zu müssen. (Hatte ich damals wirklich &#8222;Sorge&#8220;? Natürlich wollte ich bei aller Wut niemanden umbringen, aber wollte ich ihm denn nicht wehtun?)</p><p>Ganz so schlimm konnte es jedoch nicht gewesen sein, denn er war bereits wieder dabei, wirbelnd die Halle zu durchqueren. Darüber erleichtert, aber immer noch inmitten eines außerordentlichen Gefühlschaos&#8217;, verließen wir den Ort des Geschehens.</p><p>Die Beschreibung dieser Begebenheit klingt so aufgeschrieben irgendwie krass (schließlich bemühe ich mich ja auch, euch nicht zu langweilen und stattdessen Entertainment und Thrill zu liefern!), einige Leserinnen und Leser können mein Handeln sicher auch nachvollziehen. In Wahrheit war die ganze Geschichte aber enorm uncool, unsouverän, peinlich und gefährlich und ich bin nicht stolz auf diese Episode meines Lebens. Sich von einem Volldeppen derart provozieren zu lassen, ist nichts anderes als falsch und dumm. Doch ich hätte in der beschriebenen Situation kaum etwas anders machen können, ich war, das klingt wie ein Klischee, ist aber sehr wahr, nicht mehr Herr meiner Sinne. Der berüchtigte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, war in diesem Fall ein ganzer Wasserschwall gewesen. Das ist keine Entschuldigung, nur eine Feststellung.</p><p>KLICK.</p><p>Bis heute erinnere mich an die Verwandlung, die durch dieses KLICK. bei mir eingeläutet wurde und seitdem ich weiß, was mit einem Menschen passiert, bei dem es KLICK. gemacht hat, bin ich in brenzligen Situationen noch vorsichtiger als zuvor. Seitdem ich weiß, wie rücksichtslos und frei von Furcht und Vernunft jemand agiert, bei dem es KLICK. gemacht hat, seitdem ich vermute, dass es Leute gibt, die diesen KLICK. selbst triggern können oder bei denen der KLICK. schon beim längeren Ansehen ihres Bieres entsteht, habe ich berechtigten Respekt vor gewissen Menschen, die nach dem KLICK. nur durch pure physische Überlegenheit oder geschulte Kampftechniken gestoppt werden können. Denn auch dieser Aspekt darf nicht missachtet werden: Mich hat die ganze Sache verunsichert, vor mir selbst verängstigt, schockiert. Und doch weiß ein kleiner, dunkler Teil von mir seitdem sehr genau, dass der Zustand, in dem man sich befindet, wenn Adrenalin Rationalität auslöscht und das Handeln steuert, auf eine Art eben auch erschreckend großartig ist (dies zählt nicht für das Opfer). Gewisse Drogen können vielleicht ähnliche Zustände hervorrufen, auch der Hunger nach Extremsportarten mag in der Einzigartigkeit dieses Zustandes begründet sein. Und natürlich: Fight Club. Adrenalin als Droge. Aus KLICK. wird KICK. Nichts, nach dem man streben muss. Aber gut zu wissen.</p><p>Bei mir hat es seit damals nie wieder KLICK. gemacht, ich wünsche mir den Moment glücklicherweise nicht zurück und ich hoffe, dass ich ihn nie wieder erleben werde. Einmal war völlig genug, danke sehr. Aber was ist mit denen, denen das eine Mal nicht genügt?</p><p>Natürlich gibt es viele Studien zu dem Thema, Arbeiten, Untersuchungen. Die will ich  hier nicht liefern, ich wollte nur berichten. Und vielleicht auch etwas von euch hören dazu. Zu euren Erfahrungen mit physischer Gewalt – nicht an euch, sondern durch euch.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/02/15/klick/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>56</slash:comments> </item> <item><title>&#8216;Ich&#8217; ist ein anderer</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/08/24/ich-ist-ein-anderer/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/08/24/ich-ist-ein-anderer/#comments</comments> <pubDate>Tue, 24 Aug 2010 12:00:23 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=35764</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage alignleft"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2010/08/fake.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/aussiegall/2104652119/"><span
class="text">aussiegall</span></a></p></div><br
/> Neulich kursierte <a
href="http://thechive.com/2010/08/10/girl-quits-her-job-on-dry-erase-board-emails-entire-office-33-photos/">folgende kleine Geschichte</a>: Eine Angestellte hört zufällig, wie ihr Vorgesetzter sie sexistisch herabwürdigt. Am nächsten Arbeitstag erscheint sie nicht im Büro, sondern schickt eine Mail an alle Arbeitskollegen. Im Anhang finden sich drei Dutzend Bilder, sie hat ihre Botschaft auf Kartons gemalt und in die Kamera gehalten. Sie sagt, dass und warum sie mit sofortiger Wirkung kündigt und dass sie ihre Arbeitskollegen vermissen werde.</p><p>Außer ihren Chef. Der hat kürzlich ein Tool installiert, dass ihm erlaubt, auszuspionieren, auf welchen Seiten sich seine Mitarbeiter während der Arbeitszeit rumtreiben. Da sie den Sicherheitscode hat, macht sie jetzt öffentlich, was der Chef im Netz so macht: vier Stunden die Woche berufliche Recherche, fast sechs Stunden Techcrunch und &#8211; Trommelwirbel &#8211; 20 Stunden Farmville.</p><p>Eine schöne Geschichte. <a
href="http://thechive.com/2010/08/11/a-word-from-jenny-16-photos/">Die so nie passiert ist</a>. Aber ist sie deswegen weniger wahr?</p><p>&#8222;Leider ist die Geschichte erfunden und zahlreiche Medien auf der ganzen Welt fielen darauf hinein&#8220;, <a
href="http://www.heute.at/freizeit/multimedia/Geniale-Kuendigung-als-PR-Stunt-entlarvt;art760,391357">schreibt zum Beispiel heute.at</a>. Warum denn leider? Und warum darauf hineinfallen? Wäre die Geschichte schöner, moralischer, lustiger, wenn sie tatsächlich passiert wäre? Wenn thechive nie aufgedeckt hätte, dass es sich um eine ausgedachte Geschichte handelt, was wäre der Unterschied gewesen?</p><p>Als ich begann, für Blogs zu schreiben, stellte sich schnell das Gefühl ein, in einer Selbsthilfegruppe für Selbstwahrnehmungsgestörte der Hospitant zu sein. Fortwährend wurde diskutiert, was Blogs sind und was nicht, wie gute Blogs funktionieren und wie nicht, in hunderten Variationen wurden Selbstverständnis und Erwartungshaltung durchgekaut, das Selbstreferenzialitätskarussel drehte sich und drehte sich, und wenn jemandem darüber schlecht wurde, kotzte er das natürlich ins Netz, um auch sein Bröckchen dazu beizutragen. Cem Basman wurde dann &#8211; unter allgemeinem Applaus &#8211; grundsätzlich und schrieb: <a
href="http://sprechblase.wordpress.com/2007/09/10/gute-blogs-sind-authentisch/">Gute Blogs müssen authentisch sein</a>.</p><blockquote><p>Was sind gute Blogs? Die Antwort ist ganz einfach: Gute Blogs sind authentisch. Nichts weiter. Sie sind von echten Menschen geschrieben, haben einen glaubwürdigen Inhalt und erscheinen in einer zuverlässigen Regelmässigkeit. Ihr Inhalt ist originär. Sie reflektieren und kommentieren die Welt aus einer persönlichen und ehrlichen Sicht. Autor und Inhalt stimmen überein und geben nicht vor, etwas anderes zu sein als sie sind. Die Präsentation ihrer Inhalte ist oft schlicht und ungekünstelt. Sie sind eben authentisch. So einfach ist das.</p></blockquote><p>Das gilt nicht nur für Blogs. In Variationen haben die Feuilletons <a
href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-02/helene-hegemann-geburtstag?commentstart=9#comments">exakt diese Authentizität</a> an Hegemanns Axolotl Roadkill gelobt, in den Frauenzeitschriften drucken sie <a
href="http://www.amica.de/liebe-psychologie/psychotests/ich-bin-ich-check-wie-authentisch-wirken-sie_aid_7901.html">Psychotests zum Thema</a>, Managerseminare werden zum Thema abgehalten, Merkel wird <a
href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fussball-und-politik-merkel-ist-authentisch-625403.html">für ihre Mausefäustchen</a> gelobt, weil die so real sind. Schröder will auf natürliche Weise die Haare schön haben, Sharon Stone verklagt einen Schönheitschirurgen, der behauptet, sein Messer habe Gottes Werk verbessert. Die Privatsender kippen ihren ehemaligen Talkshowtrash inzwischen auch in <a
href="http://www.zeit.de/2010/32/Dokusoaps">vermeintlich authentische Dokusoaps</a>, ganz nach dem Motto: nach einer wahren Begebenheit. (So ähnlich hat früher X-Factor funktioniert, wobei &#8222;nach einer wahren Begebenheit&#8220; immer meinte: hat sich ein Lokaljournalist östlich von Philadelphia von einem Psychotiker auf Pilzen erzählen lassen und dann ausschmückend aufgeschrieben.) Überall finden wir das, was Diederichsen <a
href="http://diepresse.com/home/leben/kreativ/577000/index.do">Authentizitätsporno</a> nennt.</p><p>Authentizität meinte ursprünglich gleichzeitig Wahrheit und Unverwechselbarkeit, gleichzeitig Echtheit und Glaubwürdigkeit. Worum es bei Geschichten, bei Blogs, bei Personen geht, ist aber weder Wahrheit noch Echtheit: es geht nur um Unverwechselbarkeit und Glaubwürdigkeit. Die erreicht man durch Authentizität nicht. Eher durch Charme, einen guten Stil, geschickte Täuschungsmanöver.</p><blockquote><p>Wir meiden den Taktierer, der sein Taktieren nicht zu verbergen vermag, den Lügner, der das Lügen nicht beherrscht. Einen Zauberer, dessen doppelte Böden wir erspähen, belächeln wir mitleidig. (Adam Soboczynski)</p></blockquote><p>Authentisch kann man nicht sein, authentisch kann man nur wirken. Authentisch wirkt man, indem man kleine Schwächen zugibt, denn Perfektion war das Werbemittel der 90er und gilt heute als Selbstüberschätzung. Wenn etwas perfekt ist, kann es nicht wahr sein, das ist die Konsequenz aus Photoshop.</p><p>Nichts hat so sehr unter der Moderne gelitten wie die unmittelbare &#8222;Wahrheit&#8220;: Romanfiguren wurden zerstückelt und zerfielen in dutzende Perspektiven, Bilder zerfielen so lange in ihre Farben, bis sie nur noch aus Farbe, und nicht mehr aus Form bestanden, nichts war mehr so, wie es schien. Die Digitalisierung der Gesellschaft vervielfachte die Möglichkeiten der Fälschungen, unter den Blogs wurden solche erstaunlich erfolgreich, die Medienkritik betrieben und (gewollte oder ungewollte) Fälschungen der Medien aufdeckten. Deswegen hat es das Ideal der Authentizität so weit gebracht: es ist die Sehnsucht nach unmittelbaren, einzigartigen Erlebnissen, die es in der digitalen Welt so nicht mehr gibt, die es in der gesamten Moderne nicht mehr gibt.</p><p>Die Geschichte der Angestellten ist nicht weniger wahr, weil sie nicht passiert ist. Sie ist wahr, wenn man daran glaubt, dass Sexismus scheiße ist, dass es möglich ist, dem Ausgeliefertsein an seinen Boss zu entkommen und dass es dazu nur Haltung und eine Email braucht.</p><p>Eine schöne und beruhigende Moral, schlicht und ungekünstelt. Mehr braucht eine Foto-Lovestory 2.0 nicht, sie braucht eine charmante, leicht mit dem Autor oder der Autorin zu verwechselnden Hauptfigur, Haltung und eine Aussage, die man gut oder schlecht finden kann. Das gilt für jede authentische Geschichte, nicht nur für diese hier.</p><p>Selbstverständlich sind <a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/06/moskau-moskau-teil-1/">alle</a> <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/06/03/punk-dead/">diese</a> <a
href="http://www.spreeblick.com/2006/01/20/irgendwie-sandig/">Geschichten</a> gelogen. Es ist die Lüge, die sie glaubhaft macht.</p><p>Vertrau keinem, der Ich sagt.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/08/24/ich-ist-ein-anderer/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>36</slash:comments> </item> <item><title>Eigenangst</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/06/18/eigenangst/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/06/18/eigenangst/#comments</comments> <pubDate>Fri, 18 Jun 2010 15:37:58 +0000</pubDate> <dc:creator>Gastautorin/ Gastautor</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=33261</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2010/06/strange.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/bixentro/319724127/"><span
class="text">bixentro</span></a></p></div></p><p><small>Felix hatte vor einigen Wochen bereits einen <a
href="http://www.spreeblick.com/2010/05/28/das-rollfeld-wird-flugge-tempelhofer-park/">Gastbeitrag über das Tempelhofer Feld</a> für uns verfasst, hier kommt ein weiterer Text von ihm.</small></p><p><a
href="http://www.youtube.com/watch?v=awi14wDTxNw">1967 singen The Doors &#8222;People are strange when you&#8217;re a stranger“</a>. Als ich das Lied das erste Mal hörte, empfand ich ein mir damals noch recht emotional begründetes Gefühl der Zustimmung. Ich bin als Kind von &#8222;Zugezogenen&#8220; auf einem kleinen Dorf aufgewachsen. Neben vielen guten Freunden und guten Menschen, die mir geholfen haben, das Leben zu lieben und die Menschen zu achten, habe ich auch unendliche Abneigung erfahren.<br
/> Jahrelang lebte ich mit einem unaussprechlichen Hass im Herzen. Hass gegenüber jenen Menschen, die mich ablehnten, weil ich das Kind von Zugezogenen war. Hass gegenüber jenen Personen, die mich auslachten, für meinen, für ein kleines Dorf in der BRD doch recht untypischen, Familiennamen. Hass gegenüber jenen, die mich als Zielscheibe für ihre verlachenden Witze benutzten. Witze, die stets nur den Zweck erfüllten, Niveauunterschiede zu erzeugen, Hierarchien zu etablieren und zu erhalten. Am meisten habe ich manchmal die Menschen gehasst, die meine Frustration, meine Wut, meine Angst, meine Trauer und mein Leid einfach abtaten. &#8222;Das bildest du dir doch nur ein.&#8220;</p><p>Ich habe früh gelernt, was es heißt, einsam zu sein.</p><p>Manche Menschen haben großes Glück. Ich hatte riesenhaftes Glück. Neben meinen besten Freunden, die wie Felsen immer zu mir standen, hatte ich eine Familie, die redete. Ich genoß eine offene Erziehung mit vielerlei Anstößen. Als ich Kind war, lasen mir meine Eltern Geschichten vor. Ich litt nie unter finanzieller Not. Schulbrote aus Vollkorn und naturtrüber Bioapfelsaft (beides habe ich selbstverständlich ebenfalls gehasst, ich wollte Milchschnitte haben, wie jedes normale Kind) waren die Regel, nicht die Ausnahme. Als junger Erwachsener suchte ich die Freiheit. Niemand sollte mich noch kennen. Ich sehnte mich nach Unabhängigkeit. Ich bin nach Berlin gezogen.</p><p>Ich wohne in Neukölln. Ich habe in Moabit gewohnt, in Charlottenburg, in Friedrichshain, in Kreuzberg. In Charlottenburg hatte ich den sympathischsten Hausmeister. Ein Hausbewohner sagte meinem Bekannten mit koreanischem Migrationshintergrund, er solle zurückgehen, wo er herkommt (mmh, nach Stuttgart?). In Moabit musste ich einst mein Fahrrad auf der Polizweiwache verkehrstüchtig vorführen, weil ein Streifenpolizist mit dem linken Bein zuerst aufgestanden war. In Friedrichshain waren englischsprachige Touristen so laut unter meinem Fenster, dass ich fluchend die ganze Nacht über wach lag. In Kreuzberg kostet ein Döner 3,50€ und die Marheinekehalle ist zum Erlebnispark geworden.</p><p>Einige Menschen in Neukölln verhalten sich bisweilen wie echte … naja. Andere sind freundlich und grüßen, plaudern gerne eine Weile. Manchmal wollen wir alle unsere Ruhe haben. Wenn nebenan herumgeschrien wird, will ich mich gelegentlich auf den Balkon stellen und &#8222;Halt&#8217;s Maul!&#8220; brüllen. Was die Galeristen im Erdgeschoß für Ausstellungen planen und durchführen, verstehe ich nicht, und wenn ich ehrlich bin, gebe ich zu, dass es mich nicht interessiert. In der &#8222;Langen Nacht&#8220; gibt’s Gestalten, mit denen ich nichts zu tun haben möchte. Im &#8222;Zirkus Lemke&#8220; ist das nicht anders. Wenn ich an Shisha­Bars in der Sonnenallee vorbeigehe, empfinde ich häufig ein Gefühl der Abneigung: Dreißig Männer hocken rauchend zusammen, Frauen nicht anwesend, und reden über, ja worüber? Alle Menschen sind gut und schlecht und häßlich und schön.</p><p>&#8222;Salem Aleikum, wenn ich vorbeikum, hau&#8217; ich dir dein Ei krumm.&#8220;</p><p>Diesen Spruch kenne ich nicht aus Neukölln. Ich habe ihn nicht in Moabit gehört, nicht in Charlottenburg, nicht in Friedrichshain, auch nicht in Kreuzberg. Ich kenne diesen Spruch aus meinem Heimatdorf. Ich wusste damals als ich ihn hörte, nicht, was &#8222;Salem Aleikum&#8220; bedeutet. Wir kennen uns nicht. Wir wissen nicht, was wir denken. Selten müssen wir zusammenarbeiten, praktisch nie sind wir darauf angewiesen, mit „den Anderen“ überhaupt zu reden. Wenn wir Döner kaufen oder Schawarma, dann beschränkt sich die Konversation auf das Notwendigste:</p><p>&#8222;Mit Soße?&#8220;<br
/> &#8222;Kräuter und bisschen scharf.&#8220;<br
/> &#8222;Salat, komplett?&#8220;<br
/> &#8222;Ohne Zwiebeln.&#8220;<br
/> &#8222;Gleich essen?&#8220;<br
/> &#8222;Ja. Danke. Tschüss.&#8220;</p><p>Wie denken wir über unsere Mitmenschen nach? Was sagt es über unsere gemeinsame Geschichte, über unsere Kultur aus, wenn es als witzig empfunden wird, dass der Gedanke an &#8222;den Araber&#8220; einhergeht mit der Vorstellung von &#8222;Ei krumm hauen&#8220;? In Max Frischs &#8222;Andorra&#8220; haben die &#8222;Weißen&#8220; Angst vor den &#8222;Schwarzen&#8220;. Die Angst vor &#8222;den Anderen&#8220;, ist sie nicht eine Angst vor dem Andersgearteten? Wenn wir anfangen zu überlegen, was es neben dem, was wir bereits kennen, noch gibt, so müssen wir eventuell gar anfangen, unsere eigenen Überzeugungen infrage zu stellen. Vielleicht stellen wir sogar fest, dass wir keine Überzeugungen haben, sondern nur einem Glauben an ewige Vorurteile verhaftet sind. Wir müssen über uns nachdenken, wenn wir über das Andere nachdenken. Es kann passieren, dass wir immer verwirrter werden, dass wir zweifeln.</p><p>Viele Menschen in meinem Heimatort haben mich abgelehnt, weil ich neu für sie war. Ich wirkte fremd. Schnell äußert sich Angst vor etwas, das man nicht versteht. Die Angst vor dem, was wir nicht verstehen, lässt uns darüber lachen, denn das Lachen lindert unsere Angst. Das Lachen verschwört sich in der lachenden Gemeinschaft, die nur existiert, weil sie sich von Etwas abgrenzt. Es ist ein gefährliches Lachen, weil es Aggression mit sich bringt. Schnell wird es zu einer <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=oWLByMshYIU">&#8222;Mordsgaudi&#8220;</a>.</p><p>Ich sage, dass ich riesenhaftes Glück hatte. Ich hatte die Freiheit nachzudenken, ich durfte denken und ich hatte Anleitung. Meine Eltern haben mich nicht mit Verboten und Indoktrinationen abgespeist. Viele Menschen haben dieses Glück nicht. Wir können uns dafür entscheiden, anderen Menschen zu helfen. Wir können uns dafür entscheiden, den Hass zu beenden. Dafür müssen wir bereit sein, nachzudenken und Überzeugungen eventuell zu verwerfen. Wir müssen uns selber lieben, um andere Menschen lieben zu können.</p><p>Es ist, so pathetisch man dies auch finden mag, für mich das größte Zitat der Filmgeschichte, gesprochen von Charlie Chaplin in &#8222;The Great Dictator&#8220;:</p><p><a
href="http://www.youtube.com/watch?v=34JIGAMFY1E">&#8222;We all want to help one another. Human beings are like that.&#8220;</a></p><p>Ist es ein Zufall, dass das Wort <a
href="http://www.etymonline.com/index.php?term=strange">&#8222;strange&#8220;</a> sowohl „fremd“ als auch „merkwürdig“ bedeutet?</p><p>Für alle, die es noch nicht wissen: &#8222;Salem Aleikum&#8220; heißt &#8222;Friede sei mit Dir&#8220;.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/06/18/eigenangst/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>14</slash:comments> </item> <item><title>Von Gähnern und Gammlern</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/05/20/von-gahnern-und-gammlern/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/05/20/von-gahnern-und-gammlern/#comments</comments> <pubDate>Thu, 20 May 2010 09:09:29 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=31901</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage alignleft"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2010/05/358634247_007cb33a6d.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/fdecomite/358634247/"><span
class="text">fdcomite</span></a></p></div><br
/> <em>Gestern <a
href="http://www.spreeblick.com/2010/05/18/mek-wito-erasmus-von-meppen-und-frederic-valin-bei-read-on-my-dear-der-lesebuhne-mit-spreeblick/">auf der Bühne</a> las ich folgenden Text über Flugangst:</em></p><p>Ich brauche keine großen Abenteuer. Abenteuer machen mich immer sehr müde. Andere Kinder haben Indiana Jones gekuckt, ich immer die Flodders. Barfuß den Dschungel zu durchqueren interessiert mich nicht. Mir reicht die Herausforderung, meine Balkonblumen nicht eingehen zu lassen. Wer will schon mit dem Muli durch Afghanistan? Ich schaffs noch nicht einmal täglich bis zum Briefkasten. Oder aus dem Bett.</p><p>Das muss biologisch bedingt sein. Ich glaube, Abenteuer liegen mir nicht in den Genen. Als der erste Fisch an Land gekraucht kam vor Abermillionen Jahren, dümpelten meine Vorfahren in ihren Tümpeln, bis die Sonne den letzten Tropfen Wasser verdampfen ließ, und warteten, dass sie Arme und Beine entwickelten. Wenn sie es sich hätten aussuchen können, wären sie bestimmt gerne Eidechsen geworden. Als dann der erste Mensch sich aufrichtete, um zu Fuß die ostafrikanischen Steppen zu druchqueren, haben meine Ahnen bloß gestöhnt, sich auf den nächsten Ast gelegt und noch ein Nickerchen gemacht. Man sagt immer, die Urmenschen seien Jäger und Sammler gewesen: ich stamme bestimmt von Gähnern und Gammlern ab.</p><p>Trotzdem muss ich hin und wieder meine Wohnung oder sogar Berlin verlassen, zum Beispiel wegen der Familie. Leider habe ich auch Familie im Ausland. Genauer gesagt, in Lyon. Hin und wieder muss ich da hinfahren, denn die haben Geld. Viel Geld. Wenn ich da nicht regelmäßig hinfahre, werde ich enterbt. Entweder, ich fahre einmal im Jahr nach Lyon, oder ich muss bis an mein Lebensende arbeiten. Wenn ich denn dann erbe, führe ich mich meiner genetischen Bestimmung zu und werde zur Eidechse: den ganzen Tag in der Sonne liegen und darauf warten, dass das Hirn schrumpft.</p><p>Von Berlin nach Lyon sind es ungefähr 1300 Kilometer. Das ist viel zu weit für mich und mein Dreirad. Einen Führerschein habe ich nicht, und das Zugticket kostet (pffff) 200 Euro. One way.</p><p>Und dann ist man auch noch 16 Stunden unterwegs. Mindestens. 16 Stunden ist eigentlich gar nicht so viel, ich hab schon häufig 16 Stunden am Stück geschlafen. Das Problem sind die vier Stunden Aufenthalt in Bern. Mir reicht schon eine Postkarte aus Bern, und ich habe Lust, mich aufzuhängen. Was macht man bitte von nachts um halb zwei bis morgens halb sechs in Bern? Als ich das letzte Mal von nachts um halb zwei bis morgens halb sechs in Bern war, war das einzige, was noch offen hatte, eine Hotelbar in Zürich. Mit dem Taxi nach Zürich und zurück plus die vier große Bier am Tresen macht, Moment&#8230;, 1300 Euro. Die Fahrt macht man zweimal, dann ist von dem Erbe auch nicht mehr viel übrig.</p><p>Es gibt Alternativen zur Bahn, es gibt ja immer Alternativen. Das ist ja das beschissene. Man kann zum Beispiel auch mit dem Linienbus fahren, das ist eine nette kleine Strecke, und man sieht ganz schön was von der Welt, was man nie hat sehen wollen. Die Strecke geht über Magdeburg, dann Braunschweig, dann Hannover, dann Göttingen, dann Kassel, dann Marburg, dann Gießen, dann Frankfurt (Main, zum Glück), dann Mannheim, dann Karlsruhe, dann Straßburg (oder Strasbourg, wie das neuerdings heißt), dann Metz, dann Nancy, dann Dijon bis nach Lyon. Die Fahrt dauert 22 Stunden, wenn kein Stau ist. Wenn Stau ist, vielleicht drei Tage. Der Komfort der Schalensitze ließe sich nur dann noch verschlechtern, wenn man auf der Sitzfläche Nägel anbrächte. Beinfreiheit hat man da auch wie in spanischen Stiefeln. Selten ist man einem Menschen näher als seinem Nachbarn in einem Eurolines-Bus, außer beim Geschlechtsverkehr.</p><p>Deswegen ist so ein Linienbus die erste funktionierende Zeitmaschine: Man steigt relativ intakt ein, fährt 22 Stunden und wenn man wieder aussteigt, ist man fünfzehn Jahre älter und hat Arthritis. Das sieht man zum Beispiel in Altötting, wenn da irgendwo ein Bus hält, sind alle, die aussteigen, mit einem Bein schon im Grab. Nur die Lady Gaga-Handyklingeltöne weisen darauf hin, dass es sich ursprünglich um eine Schulklasse aus Oldenburg handelte.</p><p>Ich aber will so schnell nicht ins Alterheim. Für mich bleibt deswegen nur das Flugzeug. Das Problem ist: Ich habe Flugangst. Nicht diese „Angst vor Kontrollverlust“-Flugangst, sondern echte. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass dieser Blechkasten in der Luft bleibt. Wissen Sie, wie viele Nieten in einem Flugzeug verwendet werden? Bei der neuen Boeing 787 sind das ungefähr 350.000. 350.000! Man soll zwar nicht von sich auf andere schließen, aber allein schon die Tatsache, dass 90 Prozent der Leute, die ich kenne, schon überfordert sind, wenn einem Ikea-Regal mehr als acht Schrauben beiliegen, macht mich schaudern. Natürlich sitzt irgendeine Schraube locker, es sitzt immer irgendwo eine Schraube locker. Und dann ist man über den Alpen, und zack, verabschiedet sich das Cockpitfenster oder ein Triebwerk. So ist das nämlich.</p><p>Ich habe übrigens noch mehr Flugangst, seit ich regelmäßig Lost kucke. Früher hatte ich nämlich nur Angst, dass das Flugzeug abstürzt und ich bin tot. Ende. Himmel, Posaunen, Engel, Harfe spielen lernen. Seit ich regelmäßig Lost kucke, habe ich viel mehr Angst davor, was passieren könnte, wenn ich abstürze und überlebe.</p><p>„Dunkelheit. Schmerz. Dann sengende Sonne. Ein Bambus-Wald. Rauch und Schreie. Langsam kommt er wieder zu Bewusstsein – und damit die grausame Erkenntnis: Das Flugzeug, in dem er saß, ist im Dschungel abgestürzt. Gleichzeitig wird ihm klar: Die anderen brauchen seine Hilfe … „</p><p>Dann muss ich ständig von links nach rechts über eine Insel wandern, bloß weil ich irgendwo meinen Rucksack hab liegen lassen oder mich eine Rauchsäule jagd. Na, vielen Dank.</p><p>Jedenfalls, damit die Angst nachlässt, gehe ich vor jedem Flug einen trinken. „Einen trinken gehen“, das ist auch so ein Euphemismus. Einen trinken gehen ist die Holocaustleugnung unter den Abendplanungsansagen: Denn wer „einen trinken gehen“ sagt, meint tatsächlich: sich wegbrettern, bis der IQ auf den Promillewert fällt.</p><p>Und genau das will ich auch. Solcherlei Aktivitäten helfen enorm bei der Eidechsenwerdung. Ich bin deswegen immer schon drei Stunden vor Abflug auf dem Flughafen. An der Flughafenbar treffen sich meine Freunde. Am Tresen gelehnt, trinken die Flugängstigen, als hätten sie nie was anderes gelernt. Die Flughafenbar ist nicht ganz billig, der Wodka Lemon kostet sieben Euro oder so, aber hey, was solls. In Züricher Hotelbars kostet er mindestens das doppelte. Da ist eine Flughafenbarrechnung von 54 Euro plus Trinkgeld beinah geschenkt.</p><p>Jetzt sitzen wir zusammen an der Bar und erzählen uns die besten Absturz-Geschichten. Manni links neben mir ist Geschäftsmann, der fliegt vier Mal die Woche. „Vier Mal die Woche“, krakeelt er und wird dabei jedesmal weiß um die Nase. Der weiß von jeder Fluglinie die Absturz-Statistiken. Der unterhält eine Datenbank im Internet, mit ganz vielen Bildern von einem verstreut herumliegenden Schuh. Bei Flugzeugabstürzen wird immer ein herumliegender Schuh fotografiert, meistens von Kindern, ich weiß auch nicht, wieso. Das hat Tradition. Wahrscheinlich will uns der Fotograf damit etwas sagen, wärste besser mal gelaufen zum Beispiel.<br
/> Ich erzähle ihm meine Lost-Geschichte und das ich Angst hätte, so einen Absturz zu überleben. Wie häufig das wohl vorkäme, dass man einen Absturz überlebe.</p><p>Da würd ich mir keine Sorgen machen, sagt Manni. „Mach Dir mal keine Sorgen!“ Ich seufze erleichtert. Er und die vier Wodka Lemon, die ich schon in der Birne haben, sagen, dass es soweit gar nicht kommt. Dass es soweit gar nicht kommt, dass man einen Absturz überlebt. Anscheinend, meinte Manni, sollen nämlich bei so einem Absturz aus erklecklicher Höhe die inneren Organe platzen, „puff!“, schreit er, und zählt dann wie bei einem Kinderreim an seinen Fingern ab. „Also, da wären die Leber, die Lunge, die Milz, ähhhhh der Zwölffingerdarm, und so weiter.“ Ich frage mich, wozu eine Milz gut ist. Oder der Zwölffingerdarm.  Aber ich weiß, dass innere Organe nicht platzen sollten, wenn man in ein paar Jahren nochmal erben will.</p><p>„Also“, lalle ich, „wie is das denn jetzt mit den inneren Organen. Wie läuft sowas denn.“</p><p>„Das ist doch alles Quatsch“, sagt rechts neben mir Paul, der ist Arzt und muss zu einer Operation fliegen. Der muss es wissen. „Das ist totaler Quatsch. Die Organe“, sagt er, „die platzen nämlich gar nicht, da kannste völlig beruhigt sein.“ Er schaut mich vielsagend an und nippt an seinem Pastis. „Was platzt, sind eh bloß die Blutgefäße. Also, erst sind das die Kappilaren, das sind die feinen Äderchen, die sind nicht sehr widerstandsfähig. Dann die Arterien, die haben ziemlich dünne Wände. Die sind quasi die Plattenbauten im Körper. Und dann kommen die Venen, das ist der Altbau. Aber das kriegt man eh nicht mehr mit, da schießt einem schon das Blut aus den Ohren. Da hat sich die Metamorphose zur Blutwurst schon längst vollzogen!“, schreit er und schlägt mit der flachen Hand auf den Tresen. „Außerdem ist bis dahin sowieso Deine Lunge gerissen, das soll ein schönes Geräusch im eigenen Kopf machen, als ob ein Luftballon platzt. Puff“, schreit Paul, und klatscht in die Hände. Ich habe den Eindruck, zum ersten Mal, seit wir uns kennen, lächelt er.</p><p>Man kann, erklärte er, aber auch Glück haben und aus geringerer Höhe abstürzen, in der Nähe des Flughafens zum Beispiel. Die meisten Abstürze geschehen ja in unmittelbarer Flughafennähe, beim Start oder bei der Landung. Deswegen kann man ja auch nie völlig beruhigt im Sessel versinken, wenn, sagen wir, 4/5 des Fluges schon rum sind, es kommt ja immer noch die Landung. Meistens rollen Flugzeuge über die Landebahn hinaus, fangen Feuer und man verbrennt. Oder man stürzt aus geringerer Höhe ab, das gibt es auch. Dann jedenfalls, meint Manni, also wenn man gesund gelebt hat und täglich Sport gemacht hat, wenig geraucht und auch sonst alles in Ordnung &#8211; hat man vielleicht sogar das Glück, bis zum Ende bei Bewußtsein zu sein. „Bis ganz zum Ende“, schreit er und hebt bedeutsam den Zeigefinger. Dann, sagt er, kann man live miterleben, wie beim Aufprall sich die Wirbelsäule durchs Hirn schiebt. Oder man kriegt noch mit, wie bei der abrupten Bremsung Arme und Beine durch die Gegend fliegen, wegen der Fliehkraft. Hinterherwinken kann man dann leider nicht mehr, denn in aller Regel sind es die eigenen. Die reißen dann einfach ab, zack! schreit Paul und klatscht in die Hände.</p><p>Manni nickt. „Heute“, lallt er neben mir nach seinem achten Whiskey, „hab ich nicht viel Angst mehr, nenene. Keine Angst“. Heute geht’s für ihn nämlich nach Shanghai, in den Urlaub. Er hat sich extra eine Linie ausgesucht, die noch nie abgestürtzt ist, aber gut, das will ja auch nicht viel heißen. Wahrscheinlichkeitsrechnung und so. Wenn Du hundert Mal würfelst, und nie kommt die drei, ist die Chance, dass sie beim 101. Wurf kommt, immer noch 1:6. „Scheißegal, was war!“, brüllt Manni durch die Bar, und fängt an, Lieder von BAP vor sich herzusummen. „Und Du?“ ruft er plötzlich. „Wo fliegst Du denn hin?“ Dann knallt er mit dem Kopf auf den Tresen und schläft ein. Saubere Landung, alle applaudieren.</p><p>Ich fliege nach Lyon, fällt mir da ein. Der Lyoner Flughafen heißt auch noch so. Der Lyoner Flughafen heißt Saint-Exupéry. Nach Antoine de Saint-Exupéry, den viele aus ihren Büchern kennen: das ist derjenige, der genug Opium geraucht hat, um sich den kleinen Prinzen auszudenken. Ja, und gestorben ist er irgendwo im Mittelmeer, bei einem Flugzeugabsturz. Da haben sich die Verantwortlichen des Lyoner Flughafens gedacht: Klasse, das passt, das nehmen wir. Einen Flughafen nach einem Flugzeugabsturzopfer benennen. Jaha! Ich meine, klar, ich würde meine Reederei auch Titanic nennen. Oder meinen Fallschirm Möllemann.</p><p>Mannis Name wird ausgerufen, aber der schläft und sabbert dabei den Tresen voll. Er hat vorab zwei Flughafenmitarbeiter bezahlt, die ihn abholen kommen sollen, wenn er ausgerufen wird, und die kommen jetzt und holen ihn ab. Die kennen den Manni schon, der eine hat eine Getränkekarre dabei, da schnallen sie den Manni jetzt drauf. Sie fahren ein paar Meter, dann muss Manni kotzen. Ich schaue den Flughafenangestellten hinterher, die Manni gerade in einen Blumenkübel reihern lassen und grüße ihn. Es gibt einen speziellen Gruß unter unter Flugangst Leidenden, so wie Kegler „Gut Holz“ sagen oder Jäger „Waidmanns Heil“. Wir, die eingeschworene Clique der Fluggeängstigten, grüßen uns vor dem Flug traditionell etwas komplizierter, wir sagen immer: „Keine Deutschen unter den Opfern.“ Außer bei Österreichern, da heißt es dann: „Österreicher unter den Opfern, aber zum Glück bloß aus dem Burgenland.“<br
/> Inzwischen hab ich den achten Wodka Lemon in der Birne, es wird Zeit, aufzubrechen. Irgendwo hab ich noch&#8230; ah, verdammt, hat mein Unterbewusstsein schon wieder die Tickets verschlampt. Nein, doch nicht, da sind sie ja.</p><p>Kann also losgehen. Ich hab vor dem Fliegen ein Ritual. Noch vor dem Start sperr ich mich kurz auf Toilette ein, nehme meinen Edding und male einen kleinen Hangman auf die Tür. Darunter schreibe ich einen Satz, einen kleinen Aphorismus. Das mache ich, damit die Unfallhelfer, wenn sie die Tür finden, etwas tröstliches finden. Als Unfallhelfer hat man ja traditionell recht wenig tröstliches zu finden. Da tut es gut, wenn man mal zwischen all den Leichenteilen und den vereinsamten Schuhen auch mal einen netten kleinen Satz zu lesen bekommt, sonst verliert man schnell die Lust an der Arbeit. Anfangs hab ich immer meinen Namen drunter geschrieben, damit die Leute wissen, wer da an sie gedacht hat, und damit sie mir Blumen ans Grab legen. Wer weiß, dachte ich, vielleicht findet ja auch ein Katastrophenfotograf die ganzen vereinsamten Schuhe so langsam ein bisschen öde und will mal was anderes fotografieren, zum Beispiel beschriebene Klotüren, und zack – schon wär ich in den Medien. Aber dann musste ich immer für die Reinigungskosten aufkommen, das war auch nicht in meinem Sinn, das ist nämlich nicht billig, da könnte ich auch Bahn fahren.<br
/> Jedenfalls, der kleine Satz, den ich immer hinterlasse, der geht so:</p><p>Und wenn ich dann gestorben bin,<br
/> dann wird mich Petrus fragen:<br
/> Willst du jetzt Branntwein oder Bier?<br
/> Und ich werd Branntwein sagen.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/05/20/von-gahnern-und-gammlern/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>46</slash:comments> </item> <item><title>Kirsten Fuchs, Männerversteherin</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/01/20/kirsten-fuchs-mannerversteherin/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/01/20/kirsten-fuchs-mannerversteherin/#comments</comments> <pubDate>Wed, 20 Jan 2010 10:09:55 +0000</pubDate> <dc:creator>Tanja Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=27168</guid> <description><![CDATA[<p>Das werde ich nie mehr los und freue mich schon jetzt auf kommende verpfuschte Abendrot-Emomente!</p><blockquote><p>Als letztes Jahr ein Schnee in dicken Flocken vom Himmel stob, da lehnten wir aneinander Arm in Arm am Fenster zur Südseite — ich wohne ganz oben über der lärmenden Stadt- über mir wohnt nur Herr Himmel. Dunkelstblö spannte der Abend seine Schwingen über uns um zum Nachtflug anzuheben — wir hatten den Tag über einen Stammstreit in mehrere Nebenstreits verästelt und bis in jedes kleien Zweiglein hineingestritten. Nun standen wir, des Uneins-seins übertrüssig beisammen, ich unter seinem Armdach — gereckt nach einem Kusse von seinen herrlich bartumstoppelten Lippen — schön wars und als es gerade schön war, sagte er &#8222;žZieh mal!&#8220; und hielt mir seinen Finger hin.</p></blockquote><p>Danke, <a
href="http://kirstenfuchs.blogspot.com/2010/01/mannerversteherin-klischees-auf-dem.html">Kirsten Fuchs!</a></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/01/20/kirsten-fuchs-mannerversteherin/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>23</slash:comments> </item> <item><title>Lost in the supermarket</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/12/11/lost-in-the-supermarket/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/12/11/lost-in-the-supermarket/#comments</comments> <pubDate>Fri, 11 Dec 2009 13:06:32 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=25734</guid> <description><![CDATA[<p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p>Der Supermarkt in der Nähe ist ein ganz normaler, einer von dieser mittelguten Sorte. Aufgeräumt und sauber, die Gänge lassen schonmal eine Handbreit mehr Platz, als für den Einkaufswagen nötig wäre, und dass hier nicht Frau Vonundzu einkauft, merkt man hauptsächlich daran, dass es nur Linie 0,5-Liter-Bierflaschen gibt. Da ist, wenn man&#8220;™s mal ausrechnet, und wer tut das nicht, gerade in diesen Zeiten, einfach mehr drin.</p><p>Dabei sind 0,5-Liter-Bierflaschen nicht schön und sie sollten nicht gekauft werden. Die klassische Bierflasche enthält 0,33 Liter Flüssigkeit und bildet gemeinsam mit der sie geübt umschlingenden Hand, deren kleiner Finger sich schützend unter den Flaschenboden klemmt um den alten Bauarbeiterscherz zu vereiteln, bei dem ein Biertrinker den Boden seiner Flasche kurz und nicht zu heftig von oben auf den Flaschenhals des anderen, der das mit dem kleinen Finger nicht beherzigt hat, stupst, woraufhin die hoffentlich durch Kühlung etwas nasse, daher aber nur bedingt festhaltbare angestupste Flasche auf den Boden kracht, was dem Geschädigten die Lebenslehre erteilt, das mit dem kleinen Finger nie wieder zu vergessen, eine ästhetische Einheit.</p><p>Ganz anders die 0,5-Liter-Flasche. Sie wirkt in jeder Hand fehlplatziert, angeberisch, geradezu obszön; ein Fremdkörper, der Gier und Geiz, aber auch Hoffnungslosigkeit symbolisiert. Die 0,5-Liter-Bierflasche ist der Bastardsohn der 0,33er, sie ist finanzberatender Gauner, aber niemals Freund. Und außerdem ist sie auch noch unpraktisch, denn sie beinhaltet für jeden, der sein Bier in langsamen Zügen genießt, nach einer Weile entweder durch zu langes Festhalten angewärmtes oder durch zu langes Stehenlassen schal gewordenes Bier. Die 0,33er hingegen rockt, denn ihr Inhalt bleibt exakt so lange kühl und frisch, bis man ihn ausgetrunken hat und Nachschub braucht.</p><p>Kein Wunder: Die 0,33-Liter-Bierflasche ist das Ergebnis längjähriger Studien und Marktforschungen und sie hat Generationen zufriedengestellt. Doch wir können ja nie genug bekommen und Hauptsache mehr. Am Ende einer jeder Party räumen daher Gastgeber in ganz Deutschland geöffnete 0,5-Liter-Bierflaschen zusammen, in denen sich jeweils 0,17 Liter Restplörre befinden. Welch Spiegelbild der modernen Gesellschaft: Was übrigbleibt, wird weggekippt. Aber nach Außen immer schön dicke Hose. Und mit drei Bier pro Tag ist man heute de fakto Alkoholiker: Anderthalb Liter, Baby!</p><p>Ein weiteres Spiegelbild der Gesellschaft sind die Einkaufswagen eines Supermarktes. Früher, als sich alle Menschen noch lieb hatten, gegenseitig vertrauten und aufeinander aufpassten, da standen Einkaufwagen für jeden frei verfügbar vor den Supermärkten. Keine Kette beschränkte ihren Abstellbereich, was toll war, besonders für die Einkaufswagen. Die Gefahr des Einkaufswagendiebstahls schien ein zu vernachlässigendes Problem gewesen zu sein, denn wer war schon so blöd, sich einen Einkaufswagen ins Zimmer zu stellen? Oder in die Garage? Oder vor die Tür? Und ging dann doch mal einer verloren: Kann passieren. Wird halt das Bier teurer.</p><p>Irgendwann jedoch muss irgendjemand irgendeinen Verwendungszweck für Einkaufswagen neben dem eigentlichen gefunden haben oder aber die Einkaufswagenkriminalitätsrate war aus anderen Gründen massiv in die Höhe geschnellt. Der Einkaufswagenmangel jedenfalls hatte anscheinend so eklatante Ausmaße angenommen, dass die Vereinigung der Einkaufswagenbesteller beschloss, diese an die Kette zu legen. Erst eine Münze oder ein Plastik-Equivalent befreien nun den angeschlossenen Einkaufswagen von einem anderen, die Länge der Kette forciert das korrekte Ineinanderschieben der Wagen. So herrscht wieder Ordnung, alle Wagen stehen in Reihe, die Diebstahlsfrequenz ging spürbar zurück. Klar: Wer opfert schon ein Plastikplättchen im Wert von fünf Cent für einen mickrigen Einkaufswagen?</p><p>Doch jüngst haben sich neue Herausforderungen ergeben. Wie in dreireihigen Einkaufswagenparkplätzen zu beobachten ist, scheitert die Gesellschaft bei der Rückführung der Wagen an der korrekt gewichteten Verteilung der Ankettungen. Links eine Anschlussmöglichkeit, in der Mitte eine, rechts ebenso. Welche der Reihen am meisten Wagen beherrbergt, scheint keinem bestimmbaren Muster zu folgen, doch es ist immer eine einzige, die voller verketteter Wagen ist, während die anderen Parkreihen moderne Tristesse anklagen. Die für eine gerechte Verteilung der Einkaufswagen zusätzlich nötige Wegstrecke von durchschnittlich anderthalb Metern wird vom Gros der Bevölkerung gemieden, denn Zeit ist Plastikequivalent und das Anketten eines Wagens mit zwei Händen voller Einkaufstaschen gestaltet sich ohnehin schon zu einem Zirkusakt der mittleren Schwierigkeistsstufe. Wer je wie ich versucht hat, seinen Euro mit den Zähnen aus dem Einkaufswagen zu ziehen, weiß, wovon ich rede. Und es sieht auch scheiße aus.</p><p>Doch Rettung naht, denn die Entwicklungsabteilungen der Einkaufswagensicherungshersteller haben mal wieder ganze Arbeit geleistet und präsentieren, derzeit nur vor wenigen ausgewählten Test-Supermärkten, mit berechtigtem Stolz ihre neueste Erfindung: Die auf dem Schiebeholm horizontal an unterschiedlichen Stellen befestigte Kettenarretierung. Es gibt nunmehr Einkaufswagen, an denen diese Arretierung links, mittig oder rechts angebracht ist, was eine selbstgewählte und höchstwahrscheinlich ungewichtete Ankettungsposition für den unmündigen Käufer vereitelt. Strike!</p><p>Die Entwicklung in der Einkaufswagenindustrie lehrt uns: Wir sind zu blöd zu allem. Wir sind unfähig, im Gleichgewicht miteinander zu leben, wir sind zu egoistisch, unser tägliches Handeln unter minimaler Berücksichtigung der Grundbedürfnisse unserer Mitmenschen, die sich letztendlich von unseren eigenen kaum unterscheiden, auszuüben. Wir sind sogar zu dämlich, Einkaufswagen nach der Benutzung einfach halbwegs geordnet wieder zurückzustellen.</p><p>Oder aber alles ist ganz anders.</p><p>Vielleicht ist der Verlust einiger Einkaufswagen für die Supermarktkette ein zu verschmerzender winziger Faktor im Budget. Vielleicht geht es in Wahrheit nur darum, auch noch den letzten Job einzusparen, den jungen Einkaufswagensortierer wegzurationalisieren. Gut platzierte Arretierungen sparen nicht nur Löhne, sondern sie werden auch seltener Gewerkschaftsmitglieder. Vielleicht steuert man also auf den komplett angestelltenfreien Supermarkt hin.</p><p>Eine weitere Beobachtung deutet auf dieses Ziel hin. Es geht um die Musik in Supermärkten.</p><p>Im zu Beginn dieses immer länger werdenden Artikels erwähnten mittelguten Supermarkt in der Nähe läuft zur Berieselung und subtil versteckten Kaufanregung der Kunden eine Art Inhouse-Radiostation, deren Musikauswahl einen bemerkenswerten Spagat zwischen Indierockmainstreamkopien und Samstagzwanziguhrfünfzehn-im-ZDF hinlegt. Was durchaus einen gewissen Unterhaltungswert hat. Fatalerweise wird der Muzak-Stream jedoch im Schnitt alle 70 Sekunden von einem Song unterbrochen, der eigens für die Supermarktkette komponiert, getextet, aufgenommen und produziert wurde. Selbst, wenn man den Supermarkt nur versehentlich betreten und nach wenigen Sekunden wieder verlassen hat: Der Song tut es nie wieder. Meine Kinder singen das Lied unbewusst, ich muss sie jedesmal zu einer halben Stunde &#8222;Rockband&#8220; zwingen, damit das weggeht.</p><p>Es gibt den Song in den Varianten &#8222;Vielleicht vollständiges Lied, schwer zu sagen, da nach 70 Sekunden ohnehin wieder unterbrochen&#8220; und &#8222;Musik dient nur als Unterlage für mit heuchlerischer Begeisterung eingesprochene Sonderangebotshinweise (männliche Stimme)&#8220;. Ich empfinde diese Klänge mittlerweile als Belastung, ich meide wegen ihnen den mittelguten Supermarkt in der Nähe und ich erwäge, dies der Konzernzentrale mitzuteilen.</p><p>Und ich frage mich was mit Menschen passiert, den wenigen gebliebenen Angestellten des Supermarktes nämlich, welche die immer gleiche Melodie acht Stunden am Tag ertragen müssen. Sie nehmen sie nicht mehr bewusst wahr, das weiß ich, doch ihr Gehirn nimmt sie auf, diese Audio-Folter, gegen deren Verursacher man eigentlich Strafantrag stellen müsste. Ich bin überzeugt davon, dass es bleibende Schäden an der Psyche eines Menschen verursacht, der den ganzen Arbeitstag lang immer wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder die gleiche Melodie hören muss und ich habe diese Worte absichtlich alle einzeln getippt und nicht einfach mehrfach kopiert und eingesetzt, als Zeichen meiner Solidarität mit den Angestellten des mittelguten Supermarktes in der Nähe.</p><p>Man darf Menschen so nicht arbeiten lassen.</p><p>Was die da oben wahrscheinlich auch wissen, und das enttarnt den wahren Zweck der Melodie: Die Konzernchefs warten nur darauf, dass ihre Leute kündigen, weil sie es nicht mehr ertragen können. Lieber werden sie zu 0,5-Liter-Bierflaschen-abhängigen Arbeitslosen, als dass sie noch ein einziges Mal in ihrem Leben diese Melodie hören müssen.</p><p>Der angestelltenfreie Supermarkt wird langsam Realität, es braucht nur gut durchdachte Einkaufswagen und genügend schlechte Musik.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/12/11/lost-in-the-supermarket/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>82</slash:comments> </item> <item><title>Peinlich, der Fitz, aber sowas von&#8221;¦</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/12/04/peinlich-der-fitz-aber-sowas-von%e2%80%a6/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/12/04/peinlich-der-fitz-aber-sowas-von%e2%80%a6/#comments</comments> <pubDate>Fri, 04 Dec 2009 09:34:41 +0000</pubDate> <dc:creator>Tanja Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=25579</guid> <description><![CDATA[<blockquote><p>99 Prozent meines Verhaltens sind peinlich. Jahrelang dachte ich, es seien nur 93 Prozent, doch dann fand ich hinter meinem Bett etwas, dass mich zwang, neu zu rechnen.</p></blockquote><p>Ihr wollt nicht wirklich wissen, <a
href="http://www.benefitz.de/?p=1968">wie&#8217;s weiter geht</a>!</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/12/04/peinlich-der-fitz-aber-sowas-von%e2%80%a6/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>6</slash:comments> </item> <item><title>Ein Jahrzehnt zog an mir vorbei — die 00er-Jahre</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/12/02/ein-jahrzehnt-zog-an-mir-vorbei-%e2%80%93-die-00er-jahre/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/12/02/ein-jahrzehnt-zog-an-mir-vorbei-%e2%80%93-die-00er-jahre/#comments</comments> <pubDate>Wed, 02 Dec 2009 11:58:02 +0000</pubDate> <dc:creator>Björn Grau</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=25446</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/12/88639499_c4867a8d48_b.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/decade_null/88639499/"><span
class="text">decade_null</span></a></p></div></p><p>1999 war ein beliebter wie blöder Abi-Spruch &#8222;žNach uns die Nullen.&#8220; Arrogant gegenüber jüngeren Mitschülern, aber irgendwie passend für die dann folgenden zehn Jahre. Denn mal ehrlich: War was? Also im Sinne eines erhebenden kulturellen Mythos. Goldene Zwanziger und so?</p><p>Die Jahrzehnte zuvor haben so etwas wie eine kollektive Wohlfühl-Erzählung.</p><p>In den 1980ern boten Tschernobyl, Waldsterben und Nena einen heimeligen Flokatiteppich, auf dem ich laufen lernte. Das war so apokalyptisch gemütlich, dass es schon irgendwie passte, sich als Generation über ein langweiliges Allerweltsauto definieren zu lassen.</p><p>Die 90er waren ein großes gelbes Smiley. Ätzend auf eine Art, aber witzig. Selbst wenn zu den wichtigsten Filmen der Zeit für Dich &#8222;žSingles&#8220; gehört und Kurt Cobains Tod Dir den Schmerz dieser Welt nahe brachte: Irgendwie war alles auch Loveparade. Und Ironie. Aber ohne Biss. War Brokdorf noch Kampf gegen das System, die Lichterketten gegen Nazis und die Demos gegen den Golfkrieg von Bush senior fühlten sich hibbelig an wie Happenings. Die 90er waren eine lässige Party.</p><p>Und dann?</p><p>Der Milleniumswechsel war nicht erhebend, der war frustrierend. Kein weltweiter Computercrash, aber die Menschenmassen in deutschen Innenstädten begrüßten die Nullerjahre, in dem sie sich gegenseitig Böller in die Fresse warfen.</p><p>Der elfte September 2001 schockierte, allerdings nicht so endzeitig wie die Katastrophen vor der Wende. Dafür läutete er die praktische Umsetzung des Clash of Cultures ein und gab paranoiden alten Männern die Deutungshoheit über die kommenden Jahre bis heute. Wie uncool.</p><p>So sehr der Krieg gegen den Terrorismus unser aller Leben und den politischen Diskurs in den letzten zehn Jahren deutlich geprägt hat, ein Jahrzehntsempfinden erwächst mir daraus nicht. Ich weiß um die Veränderungen in der Sicherheitspolitik und von Minarettverboten, aber das fühlt sich dumm an und nicht wie ein Lebensgefühl, das sich erzählen lässt.</p><p>Wir zahlen seit 2002 mit Euro. Das ist eine Währung und kein Wirtschaftswundermythos. Auch aus dem Geldwechsel vor acht Jahren lässt sich kein Märchen stricken.</p><p>Apropos: das Sommermärchen 2006? Ja, der Krimi gegen Argentinien, der Lehmannsche Zettel, das Wir-Gefühl vom Jürgen. Aber eben auch Sportfreunde Stiller und die Ahnung, dass der Jürgen nicht der weltbeste Fußballlehrer ist. Siehe seine vergangene Zukunft in München. Eine nette, aber keine Supererzählung.</p><p>Am Ende der Dekade steht wieder eine schwarz-gelbe Bundesregierung. Wie damals in den verklärten 80ern und 90ern. Das lässt hoffen für die Geschichten der 10er.</p><p>Vielleicht fehlt die Distanz, aber die großen Legenden scheinen mir irgendwie rar für die vergangenen zehn Jahre. Wer sind die Nenas und Nirvanas für diese Zeit? Die White Stripes, weil sie (freiwillig?) die Stadionhymne des Jahrzehnts eingespielt haben? Was ist der Film der ersten Dekade im 21. Jahrhundert? Harry Potter? Und wenn, welcher? Definiert es die Nullerjahre, dass Erwachsene Kinderbücher lesen, die in einer Zauberschule spielen?</p><p>Vielleicht liegt&#8217;s an mir, dass meine (pop-)kulturellen Nuller so unpathetisch und undefiniert sind. Ich habe mich im Großen auch wenig um sie gekümmert. Familienumbau, Generationswechsel und so. In zehn Jahren vom Kind zum Vater, da kann mann das Jahrzehnt auch mal vernachlässigen. Mir sagt auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/12/02/popgun-64-deichkind-auf-finaler-tour/">Deichkind</a> nichts.</p><p>Einzig das Produkt des Jahrzehnts kann ich klar benennen: Der iPod. Wie dieses Gerät allgegenwärtig wurde, das ist eine bewundernswerte Story. Und das ist irgendwie auch bitter. Die Mythentrilogie der vergangenen Jahrzehnte: Tschernobyl — Loveparade — iPod. Oder: Wir müssen alle sterben — Wir gehen alle feiern — Ich stöpsel mich mal weg von der Welt.</p><p>Andererseits gab&#8217;s in den 1980ern den Walkman. Und heute die Klimakatastrophe. Aber ein Song wie <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=euWqCKR5eGo">&#8222;žKarl der Käfer&#8220;</a> fehlt definitiv.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/12/02/ein-jahrzehnt-zog-an-mir-vorbei-%e2%80%93-die-00er-jahre/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>62</slash:comments> </item> <item><title>Frank Schirrmacher: Now panic and freak out</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/11/26/frank-schirrmacher-now-panic-and-freak-out/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/11/26/frank-schirrmacher-now-panic-and-freak-out/#comments</comments> <pubDate>Thu, 26 Nov 2009 12:19:05 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=25237</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/11/panic.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/dbarefoot/2652496017/"><span
class="text">dbarefoot</span></a></p></div></p><p>Wenn der <a
href="http://www.sueddeutsche.de/computer/218/495543/text/">Psychologe Peter Kruse im SZ-Interview</a> meint, &#8222;Herr Schirrmacher begeht in seinem Buch einen erstaunlichen Denkfehler durch die Einseitigkeit der von ihm gewählten Perspektive&#8220;, dann könnte das vermutlich auf jedes Buch von Frank Schirrmacher zutreffen. Gemeint ist in diesem Fall aber das aktuellste Werk des FAZ-Mitherausgebers, ein Buch darüber, dass Herrn Schirrmacher das mit dem Internet alles zu viel ist. Massenweise Einladungen zu den Talkshows des <a
href="http://www.spreeblick.com/2008/05/20/im-test-tv-kurzer-hype-oder-dienst-mit-mehrwert/">Mediums</a> derer, denen das mit dem Internet alles zu viel ist, werden folgen und wir müssen ein weiteres Mal die unsägliche Debatte über uns ergehen lassen, die seit mindestens 1995 geführt wird: Dass das mit dem Internet alles zu viel ist. Wir werden alle sterben.</p><p>Natürlich macht es sich Frank Schirrmacher nicht ganz so leicht und hat sicher kein Buch für BILD-, sondern eben für FAZ-Leser geschrieben (auch wenn er sein neues Werk dennoch gerne per BILD-Interview bewirbt), seine Zeilen bei <a
href="http://edge.org/3rd_culture/schirrmacher09/schirrmacher09_index.html">Edge</a> (in seiner &#8222;zweiten Sprache&#8220;, Englisch, das dazugehörige Video ist selbstverständlich nicht einbettbar) machen deutlich, in wessen Gesellschaft sich Schirrmacher gerne sieht, und so konnte Edge einen ganzen Haufen Intellektueller gewinnen, die seine Gedanken kommentieren. Glücklicherweise schaffen es einige, ihm zu widersprechen.</p><blockquote><p>I am utterly perplexed by intelligent and innovative thinkers who believe a connected world is a negative one. How can we lambast new technology, transition and innovation? It&#8217;s completely beyond my comprehension.</p></blockquote><p>So schreibt bspw. Nick Bilton von der NYT in seiner auch weiter lesenwerten Replik, die Schirrmachers Hauptargumente angeht. Ach was, Argumente. Schirrmachers Sätze sind gespickt mit Sorgen und Ängsten, u.a. vor der wiederholt dargestellten Gefahr für die klassischen Verlage durch Google, vor der Gefahr für das menschliche Hirn durch Informations- und Kommunikationsflut, vor der Gefahr für den freien Willen der Menschen durch Computer.</p><p>Sicher verändert sich unsere Gesellschaft (mal wieder) und über Veränderungen nachzudenken kann niemals schaden, aber man muss doch aus der eigenen arroganten und eingeschränkten, geradezu phobischen Weltsicht nicht immer gleich ein Buch machen, ein Blog würde doch genügen! Aber Frank Schirrmacher ist der König des Kultur- und Gesellschaftspessimismus&#8217;, und nach Literatur, den Familien und der Gesellschaft überhaupt sorgt er sich nun anscheinend um die ganze Menschheit. Was dem Buch seinen Erfolg jetzt schon garantiert.</p><p>Denn darin ist Schirrmacher wirklich gut: Er weiß, was der deutsche Nachdenker in seinem Bücherregal stehen haben will und er liefert es ihm, wobei es offenbar völlig egal ist, dass keiner der bisher von Schirrmacher angedachten Weltuntergänge jemals stattgefunden hat oder stattfinden wird. Deutsche sorgen sich einfach gerne, und obwohl Frank Schirrmacher reichlich spät auf den digitalen Zug aufgesprungen ist, kann er sich nun gerade noch rechtzeitig auch hier zum Chefwarner aufspielen.</p><p>Sobald Frank Schirrmachers neues Buch zur Genüge abverkauft ist, dürfen wir uns sicher auf neue Werke freuen. Wer weiß schon, wo das Unheil noch lauert und mit welchen Thesen uns Herr Schirrmacher in Zukunft erhellen wird? Hier sind ein paar lockere Vorschläge:</p><p><strong>Weniger Pixel</strong><br
/> Moderne Computerspielgrafik überfordert das menschliche Gehirn.</p><p><strong>Wider den Schaltwagen</strong><br
/> Kuppeln, schalten und Radfahrerblick: Wie uns Multitasking überfordert.</p><p><strong>Ist meine Frau wirklich die richtige?</strong><br
/> Studien haben ergeben, dass 2,5 Millionen andere auch passen könnten!</p><p><strong>Ich weiß nicht, was ich lesen soll!</strong><br
/> Ein Plädoyer für die Einschränkung von Buchveröffentlichungen.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/11/26/frank-schirrmacher-now-panic-and-freak-out/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>33</slash:comments> </item> <item><title>Ein letztes Wort zu Winnenden</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/03/25/ein-letztes-wort-zu-winnenden/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/03/25/ein-letztes-wort-zu-winnenden/#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Mar 2009 10:03:32 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=16514</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/03/1445422823_b7f4a2859e.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/williac/1445422823/"><span
class="text">williac</span></a></p></div><br
/> Der sogenannte Amoklauf in Winnenden hat eine ganze Flut an erklärbärigen Artikeln mit sich gebracht, da will ich nicht nachstehen. Die einen haben versucht zu erklären, warum &#8222;so etwas&#8220; überhaupt passieren konnte und sind dabei nicht sehr weit gekommen: wegen eventueller Depressionen des Täters, weil er vielleicht gemobbt worden war, es könnte aber auch mit irgendwelchen Killerspielen zu tun haben, oder aber das Internet war Schuld, unter Umständen. Der bessere Teil der Artikel hat sich damit befasst, wie schamlos verschiedene Formate versucht haben, ihre Kaffeesatzpsychologie zu stützen. Es ist so ziemlich alles abgegrast und wiedergekäut worden, was an schnell verdaulichem vorhanden war. Nur eine Frage hat sich dabei hinter den Halmen dünne gemacht: Was, wenn der sogenannte Amoklauf gar nicht so krank und unerklärlich war?</p><p>Kleines Gedankenexperiment: Hätte der sogenannte Amoklauf in Neukölln stattgefunden, an der Rütlischule, was wär wohl dann gewesen? Sagen wir, der Täter hätte Ismael geheißen, wäre statt ins Internet hin und wieder in eine Moschee gegangen und hätte, statt Computerspiele zu spielen, im Koran geblättert. Noch bevor Claudia Roth Integrationsdebatte fertig ausgesprochen hätte, wären wir mir mitten drin in diesem Splattermovie, das clash of cultures oder Kampf der Religionen heißt. Die links fühlenden Zeitungen hätten Reportagen über verwahrloste Familien gebracht, über die mangelnden Aufstiegschancen von Kindern mit Migrationshintergrund, über die Bildungsmisere. Broder hätte im Cicero dazu einen Verriss gedruckt und, Kopf gegen Glocke, das Ende der Kuschelgesellschaft eingeläutet. In rechts fühlenden Medien wäre diese unsägliche Islam-Debatte wieder losgegangen, und man hätte keinen Kommentarstream unter welchem Artikel auch immer lesen können, ohne das blanke Kotzen zu kriegen.</p><p>Es wäre dann ja auch kein Amoklauf mehr, sondern ein Attentat, und wir hätten neben einer Ideologiedebatte gleich noch eine Begriffsdebatte über Terror und Terrorismus. Ein islamischer oder islamistischer Hintergrund würde klar darauf verweisen, dass sich die Tat aus einem Wertesystem speist, das wir nicht verstehen und von dem wir nichts wissen: das uns im konkreten Fall bedroht.</p><p>Aber der sogenannte Amokläufer war auf den ersten Blick ein normaler junger Mann: gut situiertes Elternhaus, er war ein bisschen im Internet, hat ein bisschen gezockt, war fünf Mal wegen Depressionen in Behandlung. Wenn man daraus ein Täterprofil zusammenstellt, kann man die komplette männliche Jugend der Bundesrepublik in Sippenhaft nehmen; da ist jeder verdächtig. Es mangelt also an Erklärungen, das ist unbefriedigend; zu sagen, der sogenannte Amokläufer sei einfach durchgedreht, ist es auch. Das ist kein Motiv, das ist eine Kapitulation all derjenigen, die nach Motiven suchen.</p><p>Wenn der sogenannte Amoktäter auf den ersten Blick normal war, müssen sich die Antworten auf die Motivfrage in der gesellschaftlichen Normalität finden. Der Westen ist keine ideologiefreie Zone.Und es muss die Frag erlaubt sein, ob Amokläufe an Schulen nicht auf die Spitze getriebene westliche Normalität sind.</p><p>Wir leben in einer Aufstiegsgesellschaft: seit der Nachkriegsgeneration ist das Ziel der Kinder, finanziell und lebensqualitativ besser oder mindestens genauso gut dazustehen wie die Eltern. Klar, jetzt, mit der Krise ist Essig mit noch teurerem Wein zu Weihnachten; aber das ist noch nicht so recht angekommen. Von der Krise hört man in erster Linie in den Zeitungen, der Sonntagsbraten ist für einen Großteil der Bevölkerung kein aussterbendes Lebewesen.</p><p>Es gibt in der Aufstiegsgesellschaft für den Jugendlichen drei Wege, erfolgreich zu sein*: Erstens, Erfolg in der Schule, harte Arbeit, glorreiche Zukunft als Arztpilotbahnführer oder so. Zweitens, Talent, das heißt: überdurchschnittliches Aussehen, eine gute Singstimme, sowas. Was einem in die Wiege gelegt wurde. Das sind die Erfolgsmärchen, die uns das deutsche Privatfernsehen mehrmals die Woche erzählt, in Germanys next Topmodel, in DSDS, Dieter Bohlen ist ein guter Märchenonkel. Und drittens, schiere Gewalt. Die Parabel von der schieren Gewalt erzählt uns das Kino, die Filme, die Computerspiele, die internationale Politik: das man was wird, wenn man sich durchschlägt. Zumindest für kurze Zeit, für einen Moment.</p><p>Oder aber für die Ewigkeit. Kürzlich kam Joachim Gaertners dokumentarischer Roman &#8222;Ich bin voller Hass, und das liebe ich&#8220; heraus, der sich aus dem Nachlass der Columbine-Attentäter zusammensetzt, <a
href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E17274BAE00AE44988B52172FDB5FACA9~ATpl~Ecommon~Scontent.html">in der FAS erschien eine Besprechung</a>. In der Printversion illustrieren einige Dialoge und Zeichnungen von Eric Harris und Dylan Klebold den Artikel. Da unterhalten sie sich unter anderem darüber, ob Tarantino oder Spielberg ihre Geschichte verfilmen soll. Sie ergehen sich in Allmachtsfantasien und nehmen die Reaktion der Öffentlichkeit voraus, um abschließend zu sagen: Es gibt nichts, was ihr hättet tun können. Columbine war unausweichlich.</p><p>Das ist ein Schlag ins Gesicht jeder Gesellschaft: den sogenannten Terrorakt selbst produziert zu haben. Und das nicht nur, weil man &#8211; wie der Spiegel das mit seiner Titelgeschichte par excellence vorgeführt hat &#8211; nach dem sogenannten Amoklauf den Tätern, dem Täter ein publizistisches Denkmal setzt. Sondern das es kein Fehler im System war, der solche sogenannte Amokläufe produziert hat. Sondern sie gehören dazu.</p><p>Davon aber hört man nichts in den Artikeln, Gesellschaftskritik ist nicht en vogue gerade. Obwohl nur ein gesellschaftliches Modell klar machen könnte, warum mehr und mehr Jugendliche aus der demokratischen Mitte, aus der Bürgerlichkeit und &#8211; <a
href="http://npd-blog.info/2009/03/20/lesetipps-pfeiffer-studie-ungleiche-bruder-kommunalwahl-nrw/">wie es Pfeiffer behauptet &#8211; auch nach Rechts abdriften</a>.</p><p><small>*Ich weiß, die Übergänge sind fließend. Wer eine tolle Stimme hat, muss trotzdem viel arbeiten und auf Konzerte gehen und Kram, und ob Intelligenz und Auffassungsgabe nicht auch Talente sind, darüber lässt sich streiten. Trotzdem glaube ich sind diese drei Wege diejenigen, die zu gehen man Jugendlichen nahe legt, um erfolgreich zu sein.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/03/25/ein-letztes-wort-zu-winnenden/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>61</slash:comments> </item> <item><title>Bundesprüfstelle indiziert Blog</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/01/22/bundesprufstelle-indiziert-blog/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/01/22/bundesprufstelle-indiziert-blog/#comments</comments> <pubDate>Thu, 22 Jan 2009 14:52:45 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=14934</guid> <description><![CDATA[<p><small><em>(Hinweis: Ich habe nach langer Überlegung beschlossen, an dieser Stelle kein Bild eines &#8222;Pro-Ana&#8220;-Mitglieds zu posten)</em></small></p><p>Erstmals hat die <a
href="http://www.bundespruefstelle.de/">Bundesprüfstelle</a> für jugendgefährdende Medien (BPjM) ein Weblog indiziert. Und für einige Blogs und Kommentatoren steht fest: Hier findet willkürliche Zensur statt, gegen die man sich zur Wehr setzen muss!</p><p>Überraschenderweise sehe ich das anders. Sehr.</p><p>Aus der Pressemitteilung der BPjM (<a
href="http://www.blog.beck.de/2009/01/22/verherrlichung-von-magersucht-im-internet-bundesprufstelle-indiziert-blog/">die Seite, welche die Meldung offenbar zuerst veröffentlichte</a>, ist derzeit nicht erreichbar):</p><blockquote><p>Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat erstmals einen Blog im Internet indiziert, der Anorexie und Magersucht (Anorexia nervosa) in Gedichten, so genannten &#8222;žGlaubensbekenntnissen&#8220;, Handlungsanweisungen und &#8222;žMotivationsverträgen&#8220; extrem positiv darstellt und glorifiziert.</p><p>Medieninhalte, die suggestiv fordernd auf Kinder und Jugendliche einwirken, um sie zu Lebensweisen zu drängen, welche dem Erziehungsauftrag, der auch die Sorge um das körperliche Wohl umfasst, widersprechen, erfüllen nach Auffassung der BPjM den Tatbestand der Jugendgefährdung. (&#8230;)</p><p>In einem Grundsatzbeschluss hatte das 12er-Gremium bereits im vergangenen Jahr festgestellt, dass Medien als jugendgefährdend einzustufen sind, die dazu auffordern, sich oder anderen Menschen (schwere) körperliche Schäden zuzufügen (z.B. Aufforderung zum Selbstmord, Aufforderung zur Nahrungsverweigerung, die zu extremen Mangelerscheinungen bis zum Tode führen können [Proanorexie]). (&#8230;)</p></blockquote><p>Soweit die Information, die bisher vorliegt. Kaum jemand scheint die 16-seitige Begründung angefragt zu haben (wir haben sie von der BPjM bekommen und ich kann die Lektüre nur empfehlen, denn danach sollte etwas klarer sein, für welche Art von Meinungsfreiheit man sich in diesem Fall stark macht, wenn man von Zensur spricht — <a
href="http://spreeblick.com/BPjM-Entsch-Nr 5601.pdf">hier als PDF</a>) oder das indizierte Blog zu kennen, nur wenige scheinen sich mit den gesetzlichen Hintergründen der BPjM oder der Thematik der Verherrlichung von Anorexie beschäftigt zu haben. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso die Meldung absurdeste Reaktionen hervorruft, die ich hier aus Platzgründen nicht zitiere. Wer sich die Mühe macht und bspw. den Artikel von Stefan Meiners (immerhin Mitglied der Stadtratsfraktion der Grünen/ Bündnis 90) in seinem Blog <a
href="http://unkreativ.net/wordpress/?p=3771">unkreativ.net</a> liest, wer sich durch die zahlreichen Kommentare beim <a
href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/01/22/erstes-blog-auf-dem-index/">Lawblog</a> kämpft, entkommt dem inzwischen geradezu pawlowschen Reflex nicht:</p><p>Staatliche Einmischung = Zensur<br
/> Umsetzung bestehender Mediengesetze im Netz = Zensur<br
/> Die Tatsache, dass Meinungsfreiheit nicht Rechtsfreiheit bedeutet = Zensur</p><p>Ich finde das mittlerweile unerträglich. Mir ist dabei nicht entgangen, dass es in den Lawblog-Kommentaren auch gemäßigtere Stimmen gibt (die es allerdings reichlich schwer haben) und auch nicht, dass bei <a
href="http://breaking-news.de/blog/2009/01/22/erstes-blog-auf-dem-index-entfacht-neue-diskussion-um-zensur/">NEWS HQ</a> immerhin nachdenkliche Fragen gestellt werden:</p><blockquote><p>Die neue informationstechnologisch gebrachte Freiheit, ohne die das Bloggen noch vor wenigen Jahren gar nicht in der Form möglich gewesen wäre, ist bereits so vereinnahmt, dass jede staatliche Regelung als ungerechtfertigter Eingriff empfunden wird. Wo liegt für Blogs die Grenze zwischen nötiger Reglementierung und willkürlicher Zensur?</p></blockquote><p>Doch wie immer sind die Lauten lauter und am Ende scheint große Aufregung zu herrschen. Die aus verschiedenen Gründen unnötig und auch fehlinformiert ist:</p><p>1. Der BPjM, mit deren Entscheidungen ich auch nicht immer konform bin, Willkür vorzuwerfen, ist schlicht Unfug. Die BPjM entscheidet auf Antrag und begründet ausführlich, die Entscheidungsbasis bilden geltende Gesetze. Über Sinn und Unsinn selbiger kann man unterschiedlicher Meinung sein, natürlich.</p><p>2. Die Verherrlichung von Magersucht, von Anorexie, ist ein wachsendes Problem bei einigen Jugendlichen, die unter der u.U. lebensbedrohenden Krankheit leiden. Pro-Anorexie-Seiten nennen die Krankheit &#8222;Ana&#8220; und huldigen der &#8222;Göttin Ana&#8220;. Es geht bei der Indizierung einer solchen Site nicht darum, ein Anorexie-Forum zu sperren, vielmehr hat sich im Netz (u.a. bei MySpace, wo entsprechende Seiten regelmäßig gelöscht werden) ein Kult entwickelt, der Magersucht zu einer Religion erhebt und dessen Mitglieder beinahe sportliche Tipps austauschen, wie sie unbemerkt von Freunden oder Familie ihre Nahrungsaufnahme gegen Null reduzieren können — möglicherweise bis zum Tod. Wer aus diesem Kult &#8222;aussteigt&#8220;, gar an Gewicht zunimmt, wird gemobbt und auch verfolgt (siehe auch <a
href="http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/kidsonline/interviews/pascoe.html">Frontline-Interview mit der Soziologin Pascoe</a>).</p><p>3. Das Internet ermöglicht Dinge, die vorher in dieser Form schlicht nicht möglich waren — das ist das grandiose am Netz, stellt eine Gesellschaft aber auch vor neue Herausforderungen. Wie es ein &#8222;H.&#8220; in Kommentar #46 beim <a
href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/01/22/erstes-blog-auf-dem-index/">Lawblog</a> vortrefflich formuliert:</p><blockquote><p>(&#8230;) Das Problem von Magersucht-Verherrlichung im Internet ist, dass es kein gesellschaftliches Korrektiv mehr gibt. (&#8230;) Eine solche <em>(Pro-Anorexie-)</em> Community konnte sich vor dem Internet sehr viel schwerer bilden. Man konnte keine Magersucht-Fanzeitung veröffentlichen, weil kein Verlag mitgemacht hätte. Man konnte im örtlichen Jugendzentrum keinen Magersucht-Fantreff einrichten und selbst wenn, hätte man ihn nicht in der Lokalzeitung ankündigen können. Ein solche Magersucht-Community (ebenso wie eine Selbstmord-Community &#8211; gibt&#8220;™s!) zu verbieten, ist einerseits zu kurz gegriffen. Aber nichts zu tun und einen Eingriff als Zensur zu bezeichnen, ebenfalls. Wir müssen einen Weg finden, wie die Gesellschaft mit Communities umgehen soll, die selbstschädigendes Verhalten propagieren.</p></blockquote><p>4. Man fordert an vielen Stellen, dass der Staat Verantwortung übernimmt, bspw. bei der Reglementierung der Wirtschaft oder des Gesundheitssystems, aber auch in privaten Bereichen. Man erwartet ebenso die Umsetzung von Gesetzen, möchte Nazi-Aufmärsche verboten sehen und Mörder im Gefängnis. Erwartet jemand also wirklich, dass der Staat komplett die Augen schließt, sobald es ums Netz geht? Wenn ja: Warum?</p><p>5. Indizierung ist keine Zensur. Indizierung bedeutet in diesem Fall, dass der Zugang zu den Inhalten nur für Erwachsene möglich sein soll. Wie schwierig und kostenintensiv ein Altersnachweis für den Betreiber einer Site ist und dass gleiche oder ähnliche Inhalte auf einem Server im Ausland liegen können, dass man fast alles technisch umgehen kann, das weiß ich und das weiß auch die BPjM ganz sicher — nur sollte sie deshalb ihre Arbeit komplett einstellen? Die BPjM wird keine Lösungen für die technischen und juristischen Fragen finden können, die das Netz stellt und die wahrscheinlich nur international beantwortet werden können, das ist klar, aber dies ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.</p><p>Wird ein Nachbarskind misshandelt oder getötet aufgefunden, werden nicht selten auch staatliche Stellen zur Verantwortung gezogen und nicht geleistete Pflichterfüllung überprüft. Kinder und auch Jugendliche brauchen so wenig Bevormundung wie möglich und so viel Schutz wie nötig, in erster Linie natürlich von den Eltern, deren Aufgaben mit dem Internet nicht gerade leichter geworden sind, in einigen Fällen aber eben auch vom Staat.</p><p>Ich glaube nicht, dass die BPjM immer richtig entscheidet, ich weiß nicht einmal, ob die Arbeitsweise einer solchen Behörde das digitale Zeitalter überstehen kann, wie alle möglichen Institutionen benötigt sie sicher auch eine enorme Reformierung. Ich bin aber sicher, dass man sich den vorhandenen digitalen Herausforderungen anders stellen muss als durch reflexhafte &#8222;Zensur!&#8220;-Statements.</p><p>Gerade diejenigen, die sich besser auskennen, die täglich im Netz unterwegs sind, die technisch versiert sind, die ihre Meinung im Netz veröffentlichen — sie sind m.E. gefragt, eine gesellschaftliche Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen und ihren möglichen Wissenvorsprung nicht allein als Mantel zur Schau zu tragen, den man schnell als Arroganz einer Elite missverstehen kann. Im Fall der Vorratsdatenspeicherung hat das wunderbar funktioniert, es hat Aufklärung, Kommunikation stattgefunden und das hat gesellschaftliche Ergebnisse gebracht, doch solche Verantwortung muss sich nicht auf Netz-Themen beschränken, sondern kann sich auf viele weitere gesellschaftliche Felder ausbreiten.</p><p>Je weniger Verantwortung eine digitale Gemeinschaft für andere Gesellschaftsbereiche übernimmt, je weniger sie sich für Gesamtzusammenhänge über den eigenen Tellerrand hinaus interessiert, desto mehr isoliert sie sich und erhebt sich über den Rest der Gesellschaft. Was früher oder später garantiert zu einer Bevormundung und Zensur führen würde, die wir uns bisher nicht einmal vorstellen können. Um eine ungewollte und übertriebene staatliche Einmischung in die uns allen zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel zu verhindern, braucht es mehr als die wiederholte Unmutsäußerung. Es braucht den aktiv und immer wieder geführten Beweis, dass diese Mittel unsere Gesellschaft bereichern. Und das sollte doch zu schaffen sein.</p><p><strong>Update:</strong> <a
href="http://www.bundespruefstelle.de/bmfsfj/generator/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/bpjm-aktuell-pro-anorexie-angebote-aus-2-08,property=pdf,bereich=bpjm,sprache=de,rwb=true.pdf">Hier ist die Grundsatzentscheidung auf dem Server der BPjM</a>.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/01/22/bundesprufstelle-indiziert-blog/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>320</slash:comments> </item> <item><title>Cashpoint Charlie &#8211; Das Mauermuseum Berlin</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/01/12/cashpoint-charlie-das-mauermuseum-berlin/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/01/12/cashpoint-charlie-das-mauermuseum-berlin/#comments</comments> <pubDate>Mon, 12 Jan 2009 10:27:40 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=14540</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/01/cimg0302.jpg" filter="full" /></p><p>Der älteste Sohn soll einen Schulvortrag über den <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Checkpoint_Charlie">Checkpoint Charlie</a> halten. Was also liegt näher, als den historischen Ort mit ihm zu besuchen und sich im <a
href="http://www.mauermuseum.de/">Mauermuseum</a> Geschichte näherbringen zu lassen? Gedacht, getan. Und bitter bereut.</p><p>Man muss sich gar nicht besonders für die vergangenen <a
href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2002/0211/berlin/0099/index.html">Querelen</a> rund um den 2004 verstorbenen Gründer Dr. Rainer Hildebrandt, seine Frau Alexandra Hildebrandt, den Trägerverein Arbeitsgemeinschaft 13. August e.V. oder die <a
href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article371304/Wem_gehoert_der_Checkpoint_Charlie.html">Kommerzialisierung</a> rund um den Ort interessieren, um sich über das Mauermuseum zu ärgern. Es genügt ein unvoreingenommener Besuch.</p><p>Erwachsene zahlen dafür 12,50 Euro, Schüler unter 10 Jahren sind mit der Hälfte dabei. Das Fotografieren, so klärt uns die Studentin an der Kasse mit immerhin osteuropäischem Akzent auf, ist verboten. Man könne stattdessen am Ende der Ausstellung Postkarten kaufen.</p><p>Geboten bekommt man für sein Eintrittsgeld ein paar Exponate, immer wieder gleiche Fotos und viele, viele um Frieden bittende Kinderzeichnungen, hauptsächlich jedoch zahllose Wandtafeln, die ohne erkennbare Chronologie versuchen, die Geschichte des ehemaligen Grenzübergangs in vier Sprachen zu erzählen. Und die daran scheitern, denn Geschichte(n) erzählen will gelernt sein.</p><p>Für den Sohn stellt sich junge deutsche Historie somit dar, wie sich auch für mich als Kind Geschichte immer dargestellt hat: Als pure Langeweile, durch die man sich durchquälen muss.</p><p>Es ist erwiesen, logisch und sogar sinnvoll, dass sich junge Menschen mehr für die Zukunft als für die Vergangenheit interessieren und es bedarf eine Menge Geschick, dies für eine Stunde umzukehren. Doch es ist möglich, wie wir später noch feststellen werden.</p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/01/cimg0301.jpg" filter="full" /></p><p>Zunächst jedoch geht es zum Rundgang durch den angeschlossenen Shop des Mauermuseums, dessen Ausstattung dem Besucher erfolgreich vorgaukelt, dass die deutsche Teilung noch Realität ist und man sich auf der Ostseite des Landes befindet. Das Angebot &#8222;begrenzt&#8220; zu nennen ist mir dabei ein persönliches Fest, denn wer hier auf ein auch nur halbwegs sorgsam ausgewähltes Repertoire von Informations-, Literatur- und Fotomaterial hofft, wird mit Teddybären und Kerzen, mit VHS-Kassetten, mit schlechten Postkarten und mit einer Handvoll lieblos hergestellter Bücher der Hildebrandts bestraft. Knapp handtellergroße &#8222;Mauerstücke&#8220; kosten 25 Euro und außerdem gibt es noch hellbraune Oberhemden, vermutlich, um zum nächsten Karneval als Grenzsoldat gehen zu können.</p><p>Ich vergaß: Fotoverbot, natürlich.</p><p>Das Angebot des Shops des Mauermuseums besteht scheinbar ausschließlich aus schlecht selbst produziertem Plunder der Betreiber. Keine Literatur, keine Fotobände, keine DVD, die von anderen Herausgebern zu stammen scheinen. An den Wänden: Fotos der Hildebrandts mit mehr oder weniger bekannten Besucher/innen. Auch David Hasselhoff war mal hier und guckte betroffen. Wir wissen jetzt auch, warum.</p><p>Zuhause angekommen, schmeißen wir YouTube an.</p><p>TV-Nachrichten vom 9. November 1989 und den Tagen danach. Bewegende Bilder von Menschen, die sich weinend in die Arme fallen. Fassungslose Grenzsoldaten, die ob des Andrangs und der fehlenden klaren Anweisungen handlungsunfähig sind. Wir erzählen dabei von unseren eigenen Erlebnissen zu Mauerzeiten.</p><p>Nichts ist beeindruckender als die Realität, und zum ersten Mal seit zwei Stunden scheint der Sohn im Ansatz zu verstehen, worum es ging und wie wichtig diese Momente waren. Er zeigt Interesse, denn was er sieht und hört, ist so spannend, wie es wirklich war.</p><p>Nichts davon vermittelt das Mauermuseum, und dennoch erinnert es: An viel zu hohe <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestumtausch">Eintrittspreise</a> und Verbote.</p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/01/cimg0303.jpg" filter="full" /></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/01/12/cashpoint-charlie-das-mauermuseum-berlin/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>21</slash:comments> </item> <item><title>Was sich verändert hat, seitdem Christian Klar ins Gefängnis gekommen ist</title><link>http://www.spreeblick.com/2008/12/22/was-sich-verandert-hat-seitdem-christian-klar-ins-gefangnis-gekommen-ist/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2008/12/22/was-sich-verandert-hat-seitdem-christian-klar-ins-gefangnis-gekommen-ist/#comments</comments> <pubDate>Sun, 21 Dec 2008 23:56:20 +0000</pubDate> <dc:creator>Malte Welding</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=14022</guid> <description><![CDATA[<p><strong>Politik</strong><br
/> Wenn man Christian Klar vor 25 Jahren gesagt hätte, dass im Jahr 2008 bei Politologen, Wirtschaftswissenschaftlern und auch Politikern die Idee großen Zuspruch findet, Banken zu verstaatlichen, dass der Staat die Wirtschaft lenkt und Politiker der Autoindustrie vorschreiben, welche Autos sie auf den Markt zu bringen hat &#8211; er wäre in Triumphgeheul ausgebrochen.</p><p>Auch dass an der Spitze des Staates eine ostdeutsche Ex-FDJlerin steht, dürfte sein Herz höher schlagen lassen.<br
/> Dass aber die DDR hinterlassen in Ruinen in Einigkeit und Recht und Freiheit dem Westteil der Bundesrepublik zugeschlagen wurde und dass die ostdeutsche Bevölkerung sich schnell einig darüber war, dass es recht egal ist, wen man wählt, solange nur die Autobahnen frei sind, das dürfte ihn in Versuchung bringen, zum Islam zu konvertieren.</p><p><strong>Alltag</strong><br
/> Mag es Christian Klar auch so vorkommen, als würden Selbsterfahrungsseminare auf offener Straße abgehalten werden &#8211; die Leute, die &#8211; in Selbstgespräche vertieft &#8211; sagen, wo sie sich befinden, telefonieren in Wirklichkeit.</p><p>1982 konnte man in den Supermarkt gehen, seinen Einkauf erledigen und dann mit dem Einkaufswagen, der einem im tiefen Vertrauen des Ladenbesitzers, man werde ihn schon wieder zurückstellen, für die Dauer des Einkaufs zur Verfügung gestellt worden war, allerlei Schabernack veranstalten. Man konnte den Einkauf bis vor die eigene Haustür rollen, man konnte Einkaufswagenrennen veranstalten oder gleich &#8211; wie in den USA üblich &#8211; seinen Wohnsitz in den Einkaufswagen verlegen.</p><p>Heute würde man in einem solchen Fall der Eigentumsanmaßung einen vorher in den Schlitz hinten rechts zu werfenden Euro (siehe unten) verlieren, weshalb das Schabernacktreiben mit Einkaufswagen zu den längst vergessenen Tätigkeiten gehört, genauso wie Prilblumen an Kühlschränke kleben und Ho-Ho-Ho-Chi-Minh rufend über Straßen zu paradieren. Stattdessen ruft man heute den Namen des Landes, in dem man wohnt (aber nur an großen Fußballfeiertagen) und klebt an seinen Kühlschrank ein Foto der Klimakatastrophe.</p><p>Wenn Christian Klar in einem japanischen Restaurant den Fisch kalt serviert bekommt, muss ihn jemand daran hindern, sich mit dem Besitzer in ein mit einem robusten Mandat (siehe unten) ausgestattetes Gespräch zu begeben. Fisch will heute kalt und roh gegessen werden und wir müssen uns nach dem Fisch richten, denn er ist selten geworden.<br
/> Denn auch das wird Christian Klar wundern &#8211; die Ökospinner hatten Recht. Zwar nicht mit dem deutschen Wald und Atomkraftwerke bohren sich viel seltener bis nach China durch, als die Spinner angenommen hatten, aber doch setzt sich die alte Kinderweisheit durch, dass man mit einem Fußtritt ein Insekt töten, aber mit allen Wissenschaftlern der Erde nicht ein Insekt herstellen kann. Wobei Erkenntnis heißt: Wir sehen ein, dass wir zu viel Fleisch essen und zu viel Fisch, dass der Regenwald sich als Möbelstück weniger gut macht als als Lunge, aber natürlich handeln wir nicht danach.</p><p>Christian Klar wird sich erinnern: Die dritte Welt (die das erste Opfer von Nahrungsmittel- und Umweltkrisen ist) lag uns immer schon am Herzen, aber unsere Herzen haben keine Taschen und sind eher mit Pumpen beschäftigt als mit Denken.</p><p>Aber ich schweife ab, eine Reminiszenz an die Zeit, in der Christian Klar noch der meistgesuchte Deutsche war. Heute ist der meistgesuchte Deutsche ein Mann, der Mundharmonika spielen kann, ein junges Mädchen, das unfallfrei geradeaus zu gehen im Stande ist oder gleich ein Rudel von Jungen und Mädchen, die durch gemeinsames Singen einen toten Biber erwecken könnten, wüssten sie, was ein Biber ist. Wir leben im Zeitalter der Castingshows. Ruhm erlangt man nicht mehr dadurch, dass man ein Volksgericht er- und Arbeitgeberpräsidenten hinrichtet, sondern dadurch, vor den Augen von Dieter Bohlen (den könnte Christian Klar noch kennen aus der ZDF-Hitparade) oder Heidi Klum (das ist ein sogenanntes Model, früher Mannequin, ein Beruf, dessen Ziel früher darin bestand, beim Kleidervorführen einen reichen Gönner kennenzulernen und dessen Ziel heute es ist, zusammen mit einem ehemaligen Popstar in die Bunte zu gelangen) zu bestehen.</p><p>Man raucht nicht mehr in Kneipen und braucht, will man sich dort Zigaretten ziehen, einen Altersnachweis. Für Zigaretten wird nicht geworben und auf Packungen findet man Todesdrohungen. Ansonsten darf aber schon geworben werden. Auf Bussen und Taxis: Werbung. In der Bahn: Werbung. Auf Konzertkarten: Werbung. Auf Fußballtrainern: Werbung. Es zeichnet sich ab, dass auf Werbetafeln zusätzlich Werbung für andere Produkte gemacht wird. Am Checkpoint Charly stehen uniformierte Studenten, mit denen man sich fotografieren lassen soll und an der Uni stehen uniformierte Studenten, die mal Richter werden wollen.</p><p>Es gibt Strandbars, wo einst der Todesstreifen war und da, wo die Kommunisten lebten, sind jetzt Nazis. Der Tränenpalast nimmt Eintritt, der Palast der Republik wurde entsorgt und wird ein Stadtschloss. In den Supermärkten ist alles Bio, sogar Obst und an der Kasse bekommt man Herzen. Das Leergut nimmt ein Automat an, der etwas langsamer ist als der Typ, der das vorher gemacht hat, der füllt jetzt sein auf den Straßen eingesammeltes Leergut in den Automaten, weil er mit seinem Hartz-IV (siehe unten)-Scheck nicht hinkommt.</p><p>Wenn Christian Klar sich über die ganzen Kameras wundert, muss man ihn beruhigen: Die überwachen uns nicht, Orwell war ein Trottel. Die passen auf uns auf. Das heißt: In den Räumen mit den Monitoren, in denen die Aufnahmen all der Kameras zusammenlaufen, sitzen hochmotivierte Teilzeit-Zeitarbeiter, die äußerst konzentriert notieren, um wieviel Uhr man die Kehle von einem ebenfalls hochmotivierten Vollzeit-Drogensüchtigen durchgeschlitzt bekommen hat.<br
/> Wenn man nur lang genug überwacht, wird sich rumsprechen, dass die Polizei einen schnappen wird und daher werden die Vollzeit-Drogensüchtigen aufhören, Verbrechen zu begehen und stattdessen einen Hedge-Fond aufziehen.</p><p><strong>Medien</strong><br
/> Wenn Christian Klar diesen Text hier liest, dann befindet er sich im Internet.<br
/> Das Internet. Unendliche Weiten. Kulturpessimisten glauben, das Internet werde auf die öffentliche Moral ähnliche Auswirkungen haben wie die Erfindung des weiblichen Orgasmus und gesamtgesellschaftliche Konsequenzen haben wie ein Teestündchen von Adolf Hitler und Stalin. Optimisten glauben, das Internet werde wirken wie die Erfindung des Buchdrucks und eine nie gekannte Wissensexplosion mit sich bringen. Realisten glauben, dass Optimisten wie Pessimisten Recht haben.</p><h3>Kurzes Glossar der Gegenwart:</h3><p><strong>Euro</strong><br
/> Der Euro ist die aktuelle Währung der Bundesrepublik Deutschland, die uns ermöglicht, in Griechenland mit demselben Geld Gyros zu essen wie bei uns. Darüber hinaus ermöglicht es der Bundesregierung, ihre Währungspolitik mit der griechischen Regierung abzustimmen, was beinahe ein so großes Vergnügen ist, wie mit den Folgen einer Gyrosvergiftung in einem Krankenhaus in Piräus zu liegen.</p><p><strong>Robustes Mandat</strong><br
/> Ein robustes Mandat bedeutet: Man darf jemanden erschießen, wenn er sich gegen seine Befreiung wehrt.<br
/> Dass jemand sich gegen seine Befreiung wehrt, mag Christian Klar, der ja nun recht lange unfrei war, verwundern, aber der Grundzusammenhang zwischen &#8222;Leute Befreien&#8220; und &#8222;Leute Erschießen&#8220; dürfte ihm vertraut vorkommen.<br
/> Deutschland führt wieder Kriege, auch solche, an denen es sich ausdrücklich nicht beteiligt. Selbstverständlich führt Deutschland nur gerechte Kriege in Ländern, die es wirklich verdient haben, bombardiert zu werden, wir sind ja keine Barbaren. Sagt jemand etwas gegen diese Kriege, wird ihm &#8222;typisch deutsche Wegsehmentalität&#8220; vorgeworfen und er muss sich schämen, Freiheit und Demokratie nicht herbeibomben zu wollen.</p><p>Das ist unfair und zynisch formuliert, denn die, die den Militäreinsätzen das Wort reden, sind nicht wie zu Klars Zeiten alte Nazis. Die kannten den Krieg und waren eher zögerlich. Heute wollen die Hippies von gestern Taliban und Republikanische Garden, serbische Freischärler und somalische Piraten pulverisieren. Die meinen es wirklich nur gut und das muss jeder verstehen, es sei denn, man ist zufällig gerade erst Taliban geworden und wollte sich das Ganze erst einmal ansehen und läuft jetzt mit nur einem Bein herum. Oder man ist gar kein Taliban und findet sich plötzlich in Guantanamo wieder und der SPD-Kanzlerkandidat weiß von nichts.</p><p>Aber das führt jetzt zu weit, Christian Klar würde das sowieso nicht verstehen, er würde etwas von &#8222;Militärisch-industriellem Komplex&#8220; brummeln und das wäre ja nun wirklich absurd.</p><p><strong>Hartz IV</strong><br
/> Ende der Neunziger gab es in der Bundesrepublik Deutschland ein Heer von Arbeitslosen. Deshalb musste der Sozialstaat umgebaut werden. Man hätte auch Autobahnen bauen können oder Pyramiden oder jeder hätte sich ein Loch ins Knie schießen können, denn dann hätten ganz viele arbeitslose Ärzte etwas zu tun gehabt, aber man hat sich eben entschieden, den Sozialstaat zu reformieren. Bald darauf zeigten sich die ersten Erfolge. Menschen nahmen Jobs an, für die sie nicht qualifiziert waren und die sie nie ergreifen wollten und verdienten dort fast so viel wie sie vorher an Arbeitslosengeld bekamen. Festanstellungen bekam man nur noch in Gefängnisschreinereien und am Ende war der Arbeitsmarkt so flexibel, dass man gar nicht mehr merkte, ob man arbeitet oder schon tot ist, jedenfalls nicht auf seinem Konto.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2008/12/22/was-sich-verandert-hat-seitdem-christian-klar-ins-gefangnis-gekommen-ist/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>61</slash:comments> </item> <item><title>Spreeblick-Drogenführer Teil III: Legal erhältliche Naturdrogen</title><link>http://www.spreeblick.com/2008/12/15/spreeblick-drogenfuhrer-teil-iii-legal-erhaltliche-naturdrogen/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2008/12/15/spreeblick-drogenfuhrer-teil-iii-legal-erhaltliche-naturdrogen/#comments</comments> <pubDate>Mon, 15 Dec 2008 09:05:00 +0000</pubDate> <dc:creator>Malte Welding</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=13742</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2008/12/stechapfel.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/17548490@N00/460065062/sizes/l/"><span
class="text">The County Clerk</span></a></p></div></p><p><small><a
href="http://www.spreeblick.com/2008/12/07/der-spreeblick-drogenfuhrer-teil-i/">Teil I</a><br
/> <a
href="http://www.spreeblick.com/2008/12/10/der-spreeblick-drogenfuhrer-teil-ii-alkohol/">Teil II</a></small><br
/> Alle legal erhältlichen Naturdrogen (deren Zahl recht unüberschaubar ist, weshalb ich mich hier auf einige Beispiele beschränke) haben gemeinsam, dass ihre Wirkung nicht abzusehen ist. <a
href="http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=3523">Obwohl sie legal sind, werden sie nicht häufiger konsumiert als die illegale Droge Ecstasy</a>:</p><blockquote><p>2004 kam die Drogenaffinitätsstudie der BZgA zum Ergebnis, dass etwa gleich viele Zwölf- bis 25-Jährige Erfahrungen mit psychoaktiven Pilzen und Pflanzen gemacht hätten wie mit Ecstasy: jeweils rund 4 Prozent.</p></blockquote><p><strong>Stechapfel</strong></p><p>Die Rauschwirkung des Stechapfels wird durch <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Scopolamin">Scopolamin</a> ausgelöst. Sie soll dem Vernehmen nach ungefähr so angenehm sein wie eine Chemotherapie in einer Dunkelkammer und vermutlich gibt es nur Erstkonsumenten. Es heißt ja, man müsse alles einmal ausprobiert haben, aber bevor man Stechapfel konsumiert, sollte man zunächst einmal an einem Stierkampf teilgenommen haben, möglichst als Stier.</p><p>Ein ehemaliger Kommilitone von mir, der durch den berühmten Stechapfel-Fall (NStZ 1985, 25 f.) auf die Droge aufmerksam wurde, schreibt:</p><blockquote><p>Also wie sich das für einen Drogen-Experten gehört, muss ich mit dem Setting anfangen. Freitag- oder Samstagabend vorm Weggehen war ich allein zu Hause und hab mir so einen Tee gebraut. Erwähnenswert ist vielleicht, dass ich von der NJW dazu angestiftet wurde und auch das Rezept daraus hatte. (NJW wird aber wohl trotzdem nicht verboten.)</p><p>Ich also so nen Tee getrunken und wie immer nix gemerkt. Mir war nach ner Weile n bisschen mulmig und vielleicht auch schwindelig, aber nur ganz leicht und nicht so auf die breite Art. War mir der Sache nicht ganz sicher. Ich bin dann auf zum H., wo alleine Freunde schon fleißig gesoffen haben. Ich bin langsam und behutsam gegangen, irgendwie fühlte ich mich nicht breit, aber mir war die Sache nicht so ganz geheuer. Mein Mund war wahnsinnig trocken, aber Bier konnt ich keins trinken. Ich hab mich dann eher schüchtern zu den anderen gesetzt und als ich dann so was sagen wollte wie &#8222;Ich habe gerade einen Stechapfeltee getrunken&#8220;, kam das nicht raus. Hab nur leise was angesetzt zu sagen. S. guckt mich an und rallt, dass irgendwas nicht stimmt und platzt raus &#8222;Ey Junge, du bist ja total breit&#8220; und ich sitz nur da und reagiere mit einem etwas verlegenen Lächeln. Da merkte ich, dass ich irgendwie gelähmt war. Also deutlich unter Einfluss, aber nicht enthemmt wie beim Saufen oder abgespact wir beim Kiffen oder irre wie beim Acid oder aufgedreht wie beim Extasy. Sondern gelähmt.</p><p>Dann machte auch der NJW-Drogenratgeber wieder Sinn. Die standen doch auch einfach nur neben ihrem Kumpel, der im wadenhohen Wasser ertrunken ist. Gelähmt.</p><p>Hab das nicht nochmal gemacht und wüsste auch nicht warum, es sei denn, ich müsste 6 Wochen auf nem Sklavenschiff unter Deck verbringen. Aber wer gern Valium nimmt, dem gefällt vielleicht auch Stechapfel.</p></blockquote><p>Eine andere Bekannte hat einfach mehrere Stunden mit jemandem geredet. Klingt undramatisch, wird aber durch die Tatsache interessanter, dass niemand im Raum war.</p><p>Dem jungen Mann in dem Video geht es ebenfalls nicht so gut.</p><p><object
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src="http://www.youtube.com/v/r_xwFDQep5c&#038;hl=en&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p><p><strong>Muskatnuss</strong></p><p>Ich hielt es immer für eine Legende, dass Muskatnuss eine Wirkung haben soll. Wenn man es schafft, genug zu sich zu nehmen (der Geschmack soll außerordentlich ekelerregend sein), entfaltet das in der Muskatnuss enthaltene <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Myristicin">Myristicin</a> seine Wirkung.</p><p>En Spreeblick-Leser schreibt:</p><blockquote><p>Es passierte ungefähr eine halbe Stunde nichts, so dass ich auch nicht mehr mit irgendeiner Wirkung rechnete. Der Fernseher war zufällig an und es war alles wie immer.<br
/> Irgendwann hatte ich dann das merkwürdige Gefühl, dass der Sprecher mich direkt anspräche. Ab da bemerkte ich, oha, jetzt gehts doch los. Der widerliche Geschmack der Nüsse kam auch wieder und ich fühlte mich generell nicht wohl.<br
/> Es hatte was von der leicht paranoiden Verstimmung auf Cannabis, wenn ihr wisst was ich meine&#8230; Negative Gedanken, depressive Grundstimmung, Grübeln. Es war alles in allem gut, dass ich allein war in dem Moment. Ich löste mir ein bisschen Ascorbinsäure in nem Wasserglas auf, daraufhin wurde der &#8222;Trip&#8220; angenehmer.<br
/> Insgesamt nicht zu empfehlen.</p></blockquote><p>Es gibt einige Videos auf YouTube, die die extreme Länge und Willkürlichkeit der Wirkung bezeugen. Das Video, das ich rausgesucht hatte, ist leider schon wieder gelöscht worden. Auch der dort gezeigte Trip war eher unangenehm und vor allem: Er dauerte, wenn ich mich recht erinnere, zwei Tage.</p><p><strong>Spice</strong></p><p>Um Spice wird momentan reichlich Wirbel gemacht, was dazu führen dürfte, dass die Besitzer der Läden, die diese Mischung verschiedener exotischer Naturdrogen anbieten, von der allgemeinen Krisenstimmung noch eine Weile verschont bleiben.<br
/> Der <a
href="http://www.spiceladen.de/shop/?gclid=COLv_qzjqpcCFQtJtAodIDG6jg">Spiceladen</a> schreibt:</p><blockquote><p> Alle hier aufgeführte Produkte sind zum Verräuchern bestimmt, und nicht zum inhalieren oder zur oralen Aufnahme. Falls Sie dennoch beabsichtigen diese Produkte andersweitig zu verwenden, bitten wir Sie hiermit Ihren Einkauf abzubrechen.</p></blockquote><p>Ein Spreeblick-Leser hat die Produkte anderweitig verwendet:</p><blockquote><p>Spice gibt es in drei Varianten &#8211; oder besser: Güteklassen. Silver mutet mehr als Abfallprodukt der Gewürzmischung an und enthält sogar noch kleine Ästchen. Gold ist annehmbar und für den weniger Betuchten die Wahl, während Diamond qualitativ am besten die schnellere sowie größere Wirkung erzielt. Die Wirkung kann sich sehr unterschiedlich auswirken, fängt aber meist mit einem Lachflash (Auslöser oft Banales) an und geht weiter bis zu Dingen die man zu sehen glaubt, die aber nicht exisitieren (zB. Vögel die einen angreifen &#8211; nicht selbst erlebt). Die Dosis dazu muss aber recht hoch sein. Um eine angenehme und unterhaltsame Phase zu haben, ohne sich abstürzen zu lassen, reichen 3 g. Am besten Pipe oder Joint. Ich bevorzuge Pipe.</p></blockquote><p>Ein weiterer Leser schrieb mir:</p><blockquote><p>Meine Erfahrung beziehen sich auf etwa vier Gramm Spice Gold, geraucht jeweils im dicht gestopften Blunt als ca. 1:3 Spice/Knaster Mische. Ab etwa 1 Gramm für mich alleine gibt es definitiv einen leichten Flash, sehr angenehm übrigens. Unterscheidet sich etwas vom THC-Flash, aber nicht grundlegend. Problem: Gras ist viel billiger (weil man weniger braucht), wirkt besser und ist gut erforscht. Bei Spice weiß man nicht, was man raucht und wie es wirkt. Gruselig, aber allemal eine Alternative, wenn es legal sein muss oder man grad kein Gras da hat.</p></blockquote><p>Psylocibin ist seit 2005 verboten und wird daher unter illegalen Halluzinogenen behandelt.</p><p>Man sieht: Nicht alles, was legal ist, sollte man brauen, essen, schnupfen oder rauchen. Aber Skeptiker der Drogen-Legalisierung sollten sich vor Augen führen: Die meisten Menschen sind von Natur aus nicht wahnsinnig genug, mit Drogen zu experimentieren. Oder hat sich Eure Mutter schon eimal verschämt Muskatnuss aus dem Mundwinkel gekratzt, wenn Ihr sie in der Küche überrascht habt?</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2008/12/15/spreeblick-drogenfuhrer-teil-iii-legal-erhaltliche-naturdrogen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>33</slash:comments> </item> <item><title>Der Spreeblick-Drogenführer Teil II: Alkohol</title><link>http://www.spreeblick.com/2008/12/10/der-spreeblick-drogenfuhrer-teil-ii-alkohol/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2008/12/10/der-spreeblick-drogenfuhrer-teil-ii-alkohol/#comments</comments> <pubDate>Wed, 10 Dec 2008 00:57:39 +0000</pubDate> <dc:creator>Malte Welding</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=13543</guid> <description><![CDATA[<p><small><a
href="http://www.spreeblick.com/2008/12/07/der-spreeblick-drogenfuhrer-teil-i/">Teil I</a></small></p><p>Alkohol macht <a
href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/34525/">dick</a>, <a
href="http://www.bist-du-staerker-als-alkohol.de/index.php?id=20">dumm</a> und fleißig. Oder anders gesagt: Es gibt Tätigkeiten, die man ganz offensichtlich nur unter Alkoholeinfluss ausüben kann. Unter ungelernten Arbeitern, Freiberuflern, Selbständigen und Unternehmern ist älteren Untersuchungen <a
href="http://books.google.de/books?id=hPmP0L_SjncC&#038;printsec=frontcover&#038;source=gbs_summary_r&#038;cad=0#PPA43,M1">zufolge der Anteil der Alkoholiker am höchsten</a>. Für Frauen kamen die Studien zu einem besonders überraschenden Ergebnis: Dort gab es die meisten Alkoholikerinnen in den höchsten sozialen Schichten. <a
href="http://www.ausbildungberufchancen.de/webcom/abc_show_glossar.php/_c-2499/_nr-240/i.html">Sowohl Unter- als auch Überforderung scheinen also zum Alkoholismus beizutragen</a>.</p><p>Letzteres ist mir bei Juristen häufig begegnet: &#8222;Work hard, party hard&#8220;. Viele gestresste Menschen neigen zu diesem Fehler: Anstatt sich nach einem anstrengenden Tag zu schonen, wird gesoffen. Was ja eben &#8211; anders als es subjektiv wirkt &#8211; nicht neue Energien freisetzt, sondern nur noch mehr ermüdet.<br
/> Wenn nun auf den zunehmenden Alkohol-Konsum von Jugendlichen mit immer wieder neuen Verboten reagiert werden soll &#8211; vom <a
href="http://blog.rbb-online.de/roller/abendschaublog/entry/nach_rauchverbot_auch_trinkverbot">Trinkverbot in Innenstädten</a> bis zum Verbot bestimmter Getränke, die angeblich besonders auf Jugendliche abzielen &#8211; dann wäre es unter Umständen klüger, sich zu fragen, warum gerade jetzt so viel getrunken wird.</p><p>Könnte es sein, dass die Umstellung auf das <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Abitur_nach_zw%C3%B6lf_Jahren#Umsetzung_und_Kontroversen"><em>Abitur nach 12 Jahren</em></a> und die schiere Angst, den Anforderungen nicht mehr zu genügen, mehr mit Alkoholismus unter Jugendlichen zu tun haben als Alkopops?</p><p>Trotz all der Gefahren ist Alkohol fester Bestandteil unserer Gesellschaft und somit die einzige Rausch-Droge, die nicht allein wegen ihrer Rauschwirkung konsumiert wird.<br
/> Es wundert mich zwar, weil mir Bier ungefähr so gut schmeckt wie gegorene Katzenpisse, aber doch werden viele ihr Feierabendbier nicht in erster Linie trinken, um betrunken zu werden.</p><p>Gerade weil der Alkohol als Genussmittel anerkannt ist, klafft das Konsumverhalten hier so weit auseinander wie bei keiner anderen Droge. Den Weinkenner und den Fuselsäufer verbindet nichts und sie suchen im Alkohol auch etwas vollkommen Verschiedenes.</p><p>Der süchtigste Alkoholiker, den ich je kennengelernt habe (er hatte sich blind gesoffen &#8211; nicht bildlich blind: richtig richtig blind), lebte in einer Klinik für Untherapierbare, in der er Bier trinken konnte. In seinem Stadium war es nicht mehr möglich, einen Total-Entzug durchzuziehen, das Risiko war zu groß. Überhaupt sterben gar nicht so wenige Menschen während des Alkohol-Entzugs. Läuft ein Entzug gut, ist die Entgiftung nach 3 bis 14 Tagen überstanden. Danach beginnt eine therapiegestützte Entwöhnungszeit. Und schließlich muss man damit fertig werden, jedes Mal &#8222;nein&#8220; zu sagen, wenn auf etwas angestoßen werden soll. Ein Leben lang (noch schwören die meisten Selbsthilfegruppen auf vollkommene Abstinenz, seit einigen Jahren gibt es auch Versuche mit dem sogenannten &#8222;kontrollierten Trinken&#8220;).</p><p>Alkohol ist eine Gesellschafts- und Geselligkeitsdroge, die allein in Deutschland einige Millionen Menschen schnurstracks rauswirft aus der Gesellschaft (und ebenso aus der Geselligkeit). Die Wirkung dieser Droge ist massiv persönlichkeitsverändernd, sie schränkt die Denkleistung ein und lässt Menschenmassen DJ-Ötzi-CDs kaufen.</p><p>Erstaunlich schnell kann man sich totsaufen. Ich weiß nicht, wie exakt die verschiedenen Online-Promille-Rechner sind, aber <a
href="http://www.onmeda.de/ratgeber/rauchen_alkohol_drogen/tests/promille_rechner.html">diesem hier</a> zufolge, hat man mit zwei Litern Wein und drei Litern Bier schon über vier Promille im Blut (als Mann mit 180 cm Körpergröße und einem Gewicht von 80 Kilo). Das ist ungefähr der Bereich der tödlichen Dosis. Es sind also durchaus nicht nur Gewohnheitstrinker gefährdet, sondern auch Erstkonsumenten (wenn sie es denn schaffen, so viel zu trinken).</p><p>Dennoch wird ein Alkohol-Verbot nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Zu deutlich sind bis heute die Folgen der <a
href="http://www.cato.org/pub_display.php?pub_id=1017">Alkohol-Prohibition</a> in den USA präsent. Der Konsum stieg entgegen den Erwartungen an, Menschen, die zuvor Wein oder Bier getrunken hatten, tranken nun schwarzgebrannte Schnäpse von niedrigster Qualität, die Gefängnisse waren überfüllt, die Gerichte überfordert, die organisierte Kriminalität machte Gewinne wie nie zuvor, der Staat verlor die Steuereinnahmen, die Menschen wandten sich darüber hinaus Ersatz-Drogen wie Cannabis, Kokain, Opium oder verschreibungspflichtigen Medikamenten zu. Einen messbaren gesundheitspolitischen Erfolg, eine Erhöhung der Zahl der Abstinenzler, gab es nicht.</p><p>Es drängt mich, auch einmal etwas Positives zu sagen:  Alkohol hat vermutlich mehr Menschen zusammengebracht als die katholische Kirche. Man kann den Anteil der Paare, die sich betrunken kennengelernt haben, nur schätzen, aber ich lehne mich nicht zuweit aus dem Fenster, wenn ich sage: Ohne Alkohol wären viele ländliche Gebiete Deutschlands menschenleer.</p><p>Und so lässt sich am gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol festmachen, wie auch mit anderen Drogen umzugehen ist (trotz all der Risiken, die eine Droge eben in sich birgt): Hilfe für die, die nicht mir ihr zurecht kommen, nachvollziehbare Regeln für den Umgang im Straßenverkehr und in der Arbeitswelt und vor allem: Ungeschriebene Regeln, die sich im Lauf der Zeit für den Umgang entwickelt haben.<br
/> Nicht morgens trinken.<br
/> Nicht jeden Tag trinken.<br
/> Nicht alleine betrinken.<br
/> Nicht heimlich trinken (Wer seinen Konsum verheimlicht: sofort zum Arzt!).<br
/> Nicht trinken, um etwas zu verdrängen (Diese Regel hat sich nicht etabliert, im Gegenteil wird regelmäßig dazu geraten, genau das zu tun, aber die Regel Nummer 1 für Drogenkonsum sollte lauten: Mach es in einer Lebenssituation, in der es dir gut geht. Saufen, wenn du dein Examen bestanden hast: Super. Saufen, weil das Hartz-IV-Geld schon am 20. verbraucht ist/weil du dich langweilst/weil du überfordert bist: Lass es sein).<br
/> Nicht trinken, wenn man noch nicht in der Lage ist, Verantwortung für sich selbst zu tragen. Wenn deine Eltern dich noch zur Schule fahren: Trink Milch, das macht groß (und <a
href="http://www.milchlos.de/milos_0312.htm">vielleicht Krebs</a>, aber das ist eine andere Geschichte).</p><p>Diese Regeln sind (bis auf die letzten beiden) gut etabliert und haben dazu geführt, dass eine harte Droge wie Alkohol eine tief in der Gesellschaft verwurzelte Industrie hervorgebracht hat anstelle von Mafia-Kartellen. Dass sie (für die Mehrheit der Konsumenten) handhabbar geworden ist und wir ihre Vorzüge genießen können. Alkohol ist ein soziales Schmiermittel, ohne das Parties nur bedrohliche Ansammlungen von Menschen wären, die sich ernsthaft mit einem unterhalten wollen.</p><p>Angesichts der vielen Unglücklichen, die an den Folgen ihres Alkoholismus leiden, muss man sich natürlich fragen: Wäre eine Welt ohne Alkohol nicht besser? Nun: Wie will man 1000 Menschen, die Spaß an etwas haben, aufrechnen gegen einen, der daran krepiert? Es bleibt mir nur, diese Frage Philosophen zu überlassen, ich kann nur darauf verweisen, dass wir nun einmal keine Welt ohne Alkohol haben.</p><p>Abschließend <a
href="http://www.wdr.de/unternehmen/presselounge/programmhinweise/fernsehen/2007/10/071027_trocken_oder_tot_hier_und_heute.phtml">dieser WDR-Film</a>, der den Alltag eines Trinkers zeigt (auf YouTube liegen die weiteren Teile).</p><p><object
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/> Wir haben eine Tradition des Umgangs entwickelt und wir wissen, dass den Problemen, die er verursacht, durch Strafverfolgung nicht beizukommen ist. Es wäre nur folgerichtig, mit anderen Stoffen ebenso umzugehen. Was nicht bedeutet, dass die Nationalmannschaft in 10 Jahren für Kokain werben wird oder soll (sie sollte es auch nicht für Alkohol tun). Und auch nicht (wie ein Kommentator meinte), dass man sich Heroin im Supermarkt besorgt.</p><p>Nur eben, dass man all das, was die Sucht noch unerträglicher macht, die Beschaffungskriminalität, den Verfolgungsdruck und den Konsum minderwertigen Drecks beendet und der organisierten Kriminalität das Wasser abgräbt.<br
/> Der Horror der Sucht bleibt ja sowieso.</p><p><small>Da vermutlich jeder Spreeblick-Leser schon einmal Alkohol konsumiert hat, habe ich mir hier Erfahrungsberichte erspart.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2008/12/10/der-spreeblick-drogenfuhrer-teil-ii-alkohol/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>48</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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