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	<title>Spreeblick &#187; Positionen</title>
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	<description>I live by the river!</description>
	<pubDate>Fri, 09 May 2008 13:00:29 +0000</pubDate>
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		<title>Podcast vom 9.5.08</title>
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		<pubDate>Fri, 09 May 2008 12:54:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F05%2F09%2Fpodcast-vom-9508%2F&amp;seed_title=Podcast+vom+9.5.08"><img width="499" height="303" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/2e1c9d8ce48138f0147036529c105956.jpg" class="imgfull" /></a></p>
<p>Knallharte News und Infos über die morgendliche Berliner Verkehrslage, weibliche und männliche Schüler-Computer-Unterrichtspräferenzen, Polizisten im populistischen Einsatz und Anzeichen für die Parallelwelt, in der wir uns möglicherweise befinden. MP3 nach dem Klick. </p>
<p><a href="http://spreeblick.com/podcast/spreeblick080509.mp3">MP3, 27:25, 30,6 MB</a><br />
<small>(Diesmal: 128kbps VBR und Gerätewechsel zum Schluss)</small></p>
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		<title>Nachbarn</title>
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		<pubDate>Thu, 08 May 2008 08:19:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malte Welding</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Schlimmer als Chartsmusik ist für die Charts konzipierte Musik, die keiner kaufen wollte. Außer meinen Nachbarn.</p>
<p>Das Prinzip Nachbarschaft ist den Älteren ja vielleicht noch in Erinnerung aus der Lindenstraße: Man kennt sich, man zieht beieinander ein, man hat mit allen Geschlechtsverkehr und am Ende gibt es gar kein Ende, denn es geht immer weiter.</p>
<p>Realexistierende Nachbarn sind dagegen zuallererst Geräuschkulisse. </p>
<p>Manchmal manifestieren sie sich als verhuschtes Gothicmädchen, das keine Milch mehr hat, manchmal als verhaschtes Ökotophologenmännchen, das einen größeren Kochtopf braucht. Aber meistens bleiben sie Geräusch. Das Paar über uns, das nur brüllend miteinander kommuniziert oder gar nicht. Manchmal versteht man, um was es geht (&#8220;Meine Mutter ist krank und dich interessiert das gar nicht&#8220;), aber generell geht gar nichts, alle zwei Monate hört man einen weiblichen Orgasmus und dann wütendes Getrampel, wahrscheinlich ist sie dann wieder zu früh gekommen.</p>
<p>Vor kurzem ist gegenüber ein Mann gestorben. Tag für Tag, Abend für Abend saß er vor einem Schachcomputer, immer war er allein, auch Weihnachten. Gerade Weihnachten. Dann standen eines Tages Leute in seiner Wohnung und machten Notizen und dann wurde alles, was er angesammelt hatte, in großen blauen Tüten raustransportiert.<br />
Er war keiner von denen, die wochenlang verfaulten, irgendjemand musste an irgendetwas gemerkt haben, dass er gestorben war. Ich stelle mir gern vor, dass sein Leben so aufregend war, dass er in jedem Hafen so viele Kinder gezeugt und so vielen Welträtsel nachgespürt hatte, dass er die letzten Jahre damit verbringen wollte, Schachprobleme zu lösen. Mal Zeit zu haben für sich.</p>
<p>Der hat nie Geräusche gemacht.</p>
<p>Rentner sind überhaupt die besten Nachbarn. Die beobachten einen heimlich, also benimmt man sich automatisch besser, streben keine Gesangskarriere an und selbst Bratsche spielen sie selten. Tatsächlich ist die Kombination Bratsche/Gesang tödlich. Ich wohnte einmal unter einer Wohngemeinschaft aus einem Bratschisten, der nebenbei Ethnologie studierte und einem Kampfkünstler, der sich jeden Tag an &#8222;I believe I can fly&#8220; probierte. Die beiden waren verfeindet, so dass immer die Bratsche ausgepackt wurde, wenn der Kampfkünstler ins Falsett ging.</p>
<p>Mein Nervenkostüm riss meistens um acht Uhr morgens, was zu recht würdelosen Szenen führte. Drei Männer in Pantoffeln, die sich anschreien, einer von ihnen außer mit den Pantoffeln nur mit einer Bratsche bekleidet, das mag in ZDF-Komödien mit Christine Neubauer außerordentlich komisch sein, im echten Leben macht es Augenringe.</p>
<p>Jetzt lege ich eine Wagner-Oper ein, drehe auf &#8222;startender Jumbo&#8220; und gehe einkaufen. Im Supermarkt ist es so schön ruhig.</p>
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		<title>Diskussion: Internet total - Wie prägt das Netz die Jugend?</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 17:25:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Schepers</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F05%2F05%2Fdiskussion-internet-total-wie-pragt-das-netz-die-jugend%2F&amp;seed_title=Diskussion%3A+Internet+total+-+Wie+pr%C3%A4gt+das+Netz+die+Jugend%3F"><img width="450" height="337" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/97294ffd5a83756eda13bc2d52a03e78.jpg" class="imgfull" /></a></p>
<p>Am Mittwoch habe ich das große Vergnügen, die Podiumsdiskussion <a href="http://www.treffpunkt-mediennachwuchs.de/programm.html#09">Internet total - Wie prägt das Netz die Jugend?</a> zu moderieren.</p>
<p>Beate Frees (ZDF), Matthias Harbort (BKM), Dr. Wolfgang Gaiser (DJI) Prof. Dr. Friedrich Krotz (Universität Erfurt) und Tim Pritlove (Chaos Computer Club) werden sich unter anderem über Fragen wie diese unterhalten: </p>
<p><em><br />
I) Sozialisation gestern und heute – Welchen Einfluss hat das Netz?<br />
- Kann das Netz (WWW, MMORGs) Sozialisationsprozesse in der Offline-Welt begünstigen oder stellen sie eine Gefahr dar?</p>
<p>II) Medienkompetenz<br />
- Lass die Kinder mal machen – oder Kontrolle total? Wer vermittelt Medienkompetenz? Das Elternhaus oder die Schule?<br />
- Lesen verlernt? Brauchen wir die <a href="http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragterfuerKulturundMedien/Medienpolitik/InitiativePrintmedien/nationale-initiative-printmedien.html">&#8222;Nationale Initiative Printmedien&#8220;</a> tatsächlich?</p>
<p>III) Web 2.0<br />
- Konsum oder Partizipation? Wo bleiben die Blogs, Podcasts und Wikipedia-Einträge der Jugendlichen?<br />
</em></p>
<p>Um der Gefahr zu entgehen, dass einmal mehr nur <a href="http://tim.geekheim.de/2008/05/05/berufsjugendtum/">Berufsjugendliche</a> sich über echte Jugendliche unterhalten - was fällt denn den jüngeren Spreeblick-Lesern zu diesen Themen ein? Welche Fragen müssen unbedingt gestellt werden?</p>
<p>Anregungen und Bemerkungen bitte in die Kommentare! Danke! </p>
<p>Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 7.5.08 um 16:30h in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs im Rahmen des <a href="http://www.treffpunkt-mediennachwuchs.de">Treffpunkt Mediennachwuchs</a> statt. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.</p>
<p><small><i>Disclaimer: Die Idee, Spreeblick-Leser zu befragen kam mir erst, nachdem ich <a href="http://tim.geekheim.de/2008/05/05/berufsjugendtum/">Tims Posting</a> gelesen hatte.</i></small></p>
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		<title>Podcast vom 5.5.08</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 09:35:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Haeusler, Tanja Haeusler</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wir waren bei Superpunk und Fettes Brot, das Bier war schlecht, wir wollen mehr Bombast und Glamour, erzählen nicht von einer Schlägerei und fragen uns, ob Laufräder als Sportgeräte für halbwegs Erwachsene funktionieren könnten.</p>
<p><a href="http://spreeblick.com/podcast/spreeblick080505.mp3">MP3, 24:49, 22,7 MB</a><br />
(Diesmal in 128kbps, reicht euch das?)</p>
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		<title>Volks-Freud: Du bist Österreich</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 08:55:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malte Welding</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Essays]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F05%2F05%2Fvolks-freud-du-bist-osterreich%2F&amp;seed_title=Volks-Freud%3A+Du+bist+%C3%96sterreich"><img width="420" height="220" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/97cdbda008447e35bfa9841c3fe11def.jpg" class="imgfull" /></a></p>
<p><a href="http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3941&#038;Alias=wzo&#038;cob=342888">Allerorten ergehen sich die Schreiber über den Volkscharaker der Österreicher</a>. Volk ist ja überall. Mal schauen, was in anderen Ländern so los ist.</p>
<p>In <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Armin_Meiwes">Deutschland wurde das Abtrennen und Verspeisen von männlichen Geschlechtsorganen bedingt durch den jahrzehntelangen Vulva-Kult zur Sitte</a>. Eliminatorischer Männerhass seitens der herrschenden Kaste der Sozialkundelehrerinnen resultierte in dem dringenden Wunsch der penistragenden Bevölkerung, ihres Organs verlustig zu gehen. Auf der anderen Seite ergab sich aus den schrecklichen Hungerjahren der Nachkriegszeit ein ins Maßlose gesteigerter Appetit auf Wurst.<br />
Wer durch eine deutsche Fußgängerzone geht, muss bis heute das Gefühl bekommen, dass der Deutsche nichts so sehr fürchtet wie eine kurze Phase der Wurstlosigkeit. Der unstillbare Hunger ließ erst die Sehnsucht erwachen, durch eine ritualisierte Schlachtung eine ewige Stillung des Hungers zu erreichen, eine symbolische Dauerwurst in sich aufzunehmen.</p>
<p>Das Verschwindenlassen von Kindern konnte nur in Portugal zur Blüte gelangen, einem Land, in dem der Depressivität gehuldigt wird, ein Land, in dem ein Kinderlachen Auslöser für eine Familienfehde sein kann. Ein Land der Tränen und des Wegschauens, das durch den Raubbau an der Natur über zahlreiche staubige Schluchten verfügt. Nichts gesehen - dieses Prinzip geht in Portugal von versteckten Fouls im Fußball bis zum Verdrängen der Jahre der Diktatur.</p>
<p>Belgien. Muss man über Belgien noch viele Worte verlieren? Dort schoss man noch in den 80er Jahren auf Straßenschilder, die den Ortsnamen in der jeweils anderen Landessprache anzeigten. Der abrupte, durch keinerlei bauliche Maßnahmen abgemilderte Übergang von ländlichen Gebieten in industrielle Wüsteneien und frierendmachende Großstädte brachte mit sich, dass ländliche Sitten wie Sodomie und Inzest auch in den dunklen Gassen der Städte fortgeführt wurden. Der erste Internetanschluss, der in Belgien installiert wurde, speicherte bereits Kinderpornos und Pferdesexbilder aus aller Welt.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/1999/06/199906.alles_beginnt_mi.xml">Nur in Italien ist es denkbar</a>, dass der Wahn der Verschwiegenheit, der alles dominierende Hang zur zynischen, heimlichen Vorteilsnahme, zu einem derart feigen Anschlag führen. Männlichkeit ist hier Gockelei, Fußball das Errichten einer Mauer, Demokratie das Senden von 24-Stunden-Tutti-Frutti.<br />
Hier gilt der clevere Verbrecher mehr als der ehrliche Müllmann, nur hier fasst man sich an den in Armani gehüllten Hodensack und schießt aus einem Fenster auf eine junge Frau.</p>
<p><a href="http://www.stern.de/politik/panorama/:Mord-Liverpool-Der-Rhys-Fu%DFballfan/596062.html">In England ist die Kultur des Rohen</a> kaum noch zu bändigen. Unter der Fassade des tausendjährigen Königreiches hat der Plebs die Herrschaft übernommen. Die Brüste eines der unzähligen Busensternchen verdecken Tag für Tag den Blick auf soziale Schieflagen, Hass gegen alles Fremdartige, vom Fan einer anderen Mannschaft über den muslimisch aussehenden Brasilianer bis hin zum Euro ist allgegenwärtig und führt zwangsläufig zu Gewalteruptionen wie dieser ruchlosen Hinmetzelung eines Kindes.</p>
<p>Und nun das österreichischste, alpenlandtypischste, das ich kenne:</p>
<p>Total Chaos <em>Energie</em></p>
<p><object width="425" height="355"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/cIKpYHnU7qc&#038;hl=en"></param><param name="wmode" value="transparent"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/cIKpYHnU7qc&#038;hl=en" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" width="425" height="355"></embed></object><br />
<small><a href="http://www.youtube.com/watch?v=cIKpYHnU7qc">Direkt</a></small></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Fallada</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 07:51:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Feature]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

		<category><![CDATA[Stories]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="coverimage"><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F05%2F05%2Ffallada%2F&amp;seed_title=Fallada"><img width="762" height="222" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/68963e4b0b254abecaffef001a902661.jpg" class="imgfloater" /></a></div><p>Sie sah verkniffen aus wie ein zerdrückter Kronkorken. Wie sie da saß auf dem WG-Sofa, schwieg sie. Sie hielt nicht einfach nur den Mund: ihr ganzer Körper schwieg, und selbst ihr Blick hatte sich zusammengeklappt. Prock hatte den festen Eindruck, sie wünsche sich, in die Polster hinein zu sinken und schattenhafte Rückstände zu hinterlassen. Wie eine Leiche, die erst nach zwei oder drei Tagen entdeckt wird, und deren Wasser sich noch Jahre später in den Polstern abzeichnet.</p>
<p>Sie war nicht besonders hübsch. Ihr zierlicher, zerbrechlicher Körper hatte die unnatürliche Haltung von Klosterschülerinnen im Unterricht angenommen und steifte sich die Rückenlehne entlang. Drumherum flatterte ein Wollpullover. Ihre Beine stützten sich geschlossen auf dem Dielenboden, und Prock konnte ahnen, dass sie die Knie aneinanderpresste. Sehen konnte er sie nicht, weil sie ihre Hände darauf drapierte, als müsste sie sich dekorieren, dachte er. Ihre Hände waren kleine, feste Pranken mit unnatürlich nach außen gebogenen Daumen. &#8222;In einem anderen Jahrhundert wäre sie wohl Wäscherin geworden&#8220;, dachte Prock, während er sich ein Bier aus dem Kühlschrank holte.</p>
<p>Er wusste nicht genau, wer sie war und was sie in der WG-Küche zu suchen hatte. Vielleicht hatte sie Wilhelm von einer seiner Feiertouren mitgebracht, abgestellt und vergessen. Oder vielleicht war sie eine seiner, wie er sagte, &#8222;liebsten Freunde&#8220;, denen immer mal wieder die Wohnung gekündigt wurde und die dann in der WG strandeten, bis sie was Neues gefunden hatten. Zu der Zeit ging es in der WG zu wie in einer Bahnhofshalle: Wilhelm schleppte alle paar Stunden eine neue Studentin der Ernährungswissenschaften direkt von der Tanzfläche mit auf sein Zimmer. Normalerweise blieben sie exakt so lang, bis die Drogen nicht mehr wirkten, und gingen dann, ein wenig beschämt, aber auch abenteuergesättigt, zurück zu ihren Freunden, zurück in ihren Alltag, zurück zu einem Leben, für das Wilhelm sie insgeheim verachtete. Und außerdem hatte er mit der Hälfte der Stadt Blutsbrüderschaft geschlossen. &#8222;Ich bin Künstler&#8220;, sagte er immer. &#8222;Ich brauche Freunde.&#8220; Diese Art der Argumentation bewog Prock, die ganzen Menschen, denen er im Gang, im Bad, in der Küche, im Wohnzimmer oder in den Zimmern seines Mitbewohners begegnete, schlicht zu ignorieren. </p>
<p>&#8222;Ich hab ihr gar nicht in die Augen gesehen&#8220;, dachte Prock, zuckte kurz die Schultern und ging duschen. Das Bad sah schon wieder aus wie bei anderen Leuten der Biomüll, und nicht nur das Bad, im Grunde die ganze Wohnung. Wilhelm hatte ihn von seiner waghalsigen Theorie überzeugen können, dass ab einem bestimmten Verschmutzungsgrad jegliches Putzen unökonomisch sei, weil die straßenverdreckten Schuhe immer mehr Schmutz mit nach draußen nehmen würden, als sie reinbrächten. Voraussetzung sei, dass der Boden schmutziger sei als das Treppenhaus. &#8222;Das ist statistisch erwiesen!&#8220;, hatte er lauthals geschrieen. &#8222;Nieder mit den Putzplänen! Und nieder mit der Diktatur der Sauberkeit!&#8220; Immerhin setzte er sich inzwischen beim Pissen, aber auch nur, weil er die von Prock zu diesem Zweck neben der Toilette platzierten Pornozeitschrift durchblättern wollte, was, wenn er stehend pisste, leider nicht machbar war. &#8222;Verbote bringen halt nix&#8220;, dachte Prock. &#8222;Man muss Anreize schaffen.&#8220;</p>
<p>Als er in die Küche zurückkehrte, saß die Schweigende noch immer unbewegt auf dem Sofa. &#8222;Fallada&#8220;, dachte Prock. &#8222;Ich werde sie Fallada nennen.&#8220; Laut sagte er, was er in solchen Situationen immer zu sagen pflegte: &#8222;Hallo, ich bin Prock und ich wohne hier.&#8220;</p>
<p>Stille. Prock glaubte, ein Ächzen zu hören, und vermutete, es stamme von den eingerosteten Nackenwirbeln Falladas. Aber sie hatte noch nicht einmal den Kopf bewegt.</p>
<p>Prock räusperte sich. &#8222;Wenn ich Pech habe&#8220;, dachte er, &#8222;ist sie tot und ich muss die Bullen rufen.&#8220; Aber – das konnte man deutlich sehen – sie atmete noch. &#8222;Vielleicht hirntot&#8220;, dachte Prock, und hatte wieder den Eindruck, sich für seine Gedanken ohrfeigen zu müssen.</p>
<p>&#8222;Und Du? Was machst Du hier so?&#8220;</p>
<p>Er erwartete keine Antwort. Er hatte jahrelange Erfahrung mit rein vegetativen Gesprächspartnern, seit er sich eine Zimmerpalme hielt, die er Erwin getauft hatte. Er gestand sich ohne zu zögern ein, dass ihm Gespräche sehr viel angenehmer waren, wenn er monologisieren konnte. Zwischenrufe nervten, Nachfragen brachten ihn aus dem Konzept, und Kommunikation war sowieso total überbewertet. Und plötzlich war ihm Fallada sehr sympathisch. Er stellte sich vor, sie sei eine angekrüppelte Fichte und drehte sich um, ihr Gesicht zu sehen.</p>
<p>Nur hatte sie die Augen geschlossen. Ihr Fuß wippte leicht, und erschütterte ihren Arm, die Schulter und die linke Wange. Als hätte man einen kleinen Stein in einen riesigen, unbewegten See geworfen, dachte Prock. Und sagte:</p>
<p>&#8222;Ich denke schon wieder romantisch. Kennst Du das? Man macht die Augen zu, und schon hat man irgendein Bild im Kopf, das nichts, aber auch rein gar nichts mit dem zu tun hat, was man gerade gesehen hat. Es schmeckt anders, es riecht anders, es fühlt sich anders an. Nein, nicht besser: bloß anders. Und trotzdem passt es dazu.&#8220;</p>
<p>Er trank und sah versonnen aus dem Fenster. Den Blick hatte er vor dem Spiegel geübt: leicht verträumt, beinah schon glasig dreinzuschaun, als sähe er (und nur er) in der Ferne einen Turm, aus dem Licht strömte. Dann sich langsam, bedächtig die Stirn glattreiben, kurz über ein Auge fahren und sich wegdrehen. Ausatmen nicht vergessen.</p>
<p>Fallada hielt die Augenlider noch immer fest verschlossen, wippte aber nicht mehr. Als Prock sich später auszog, um schlafen zu gehen, erinnerte er sich, dass ihre Nasenflügel gebebt hatten. Geflattert, dachte er. </p>
<p>Prock war Sexualopportunist. Sein gesamtes, unterdurchschnittlich ereignisreiches Liebesleben war bestimmt von der Tatsache, dass ihm Frauen zugestoßen waren. Die Frauen, die ihn umgaben, bewertete er nicht nach der Frage, ob er sich für sie interessierte, sondern ob es wahrscheinlich war, dass sie sich für ihn interessierten. Sahen sie ihn beispielsweise häufiger an, versuchte er, sich in ihrer Nähe aufzuhalten. Dann trank er ein bisschen mehr als gewöhnlich und wartete, was geschah. Er hatte es sich angewöhnt, unaufdringlich und interessiert in Gesichter zu sehen, von denen er glaubte, sie würden sich Desinteresse angesichts seiner selbst nicht leisten wollen. Er konnte dann auf eine charmante Art zurückhaltend sein: Prock schwieg sehr angemessen in solchen Situationen, und so kam es hin und wieder vor, dass er für sensibel interessant befunden und angefasst wurde. Da er offensichtlich nicht primär sexuelle Ziele verfolgte, ging ihm bald der Ruf voraus, verständnisvoll und feinfühlig zu sein. Dabei war er vor allem eines: feige. </p>
<p>In den zwei oder drei Stunden, die solche Gespräche normalerweise dauerten, ent- und verwarf Prock wieder und wieder Verführungsszenarios, bis ihn der Mut verließ. &#8222;Vielleicht sollte ich&#8220;, dachte er, &#8222;zufällig ihre Hand berühren. Nicht aufdringlich, eher ganz leicht. Wenn sie sie liegen lässt, dann gibt es Möglichkeiten. Wenn sie sie wegzieht, dann auch noch, aber weniger. Vielleicht sollte ich ihre Hand aber auch nicht berühren – mich stört das ja, diese kleinen, aufdringlichen Berührungen. Dieses Gestreife den Handrücken entlang.&#8220; Und dann ließ er es. Als Eroberer ähnelte er mehr Napoleon dem Dritten als Dschingis <a href="http://www.spreeblick.com/2008/05/05/fallada/#comment-675371">Khan</a>. Er selbst hatte sich früher gerne mit Newton verglichen, dem der Apfel aufs Haupt gefallen war. Bis er einmal im Gespräch den Satz hatte fallen lassen, der Apfel sei Newton &#8222;zugestoßen&#8220;, um daraufhin bis an die Haarspitzen zu erröten ob der ungewollten Anspielung. Denn Prock war, entgegen seines Selbstbildes, nicht schamhaft, sondern durch und durch prüde. Von da an verbot er sich die Gedanken an Newton und stützte sich auf unverfängliche Methoden, die Körperbarriere zu überwinden. Er studierte populärwissenschaftliche Chirologie-Bücher und brüstete sich damit, die Zukunft aus Handtellern lesen zu können. Kaum jemand widerstand der Versuchung, sich von Prock die Schicksalslinie entlangfahren zu lassen. Und wenn er dann flüsternd anhob, den Venusberg in Relation mit dem Saturnring zu deuten, von Rascetten faselte und das Marsfeld inspizierte, wagten es nicht viele, ihm rundheraus ins Gesicht zu lachen. Denn Prock konnte sehr angenehm flüstern. &#8222;Vielleicht sollte ich ihr aus der Hand lesen&#8220;, dachte Prock, und sah glasig zum Fenster hin. Dann erinnerte er sich, dass er ja alleine sei und schloss flugs die Augen. Denn verschwenden wollte er sich nicht.</p>
<p>Normalerweise träumte Prock nicht eben viel; gerade genug, um davon zu erzählen. Da er nicht sehr phantasiebegabt war, fiel es ihm schwer, seine Träume derart mit absurden Elementen anzureichern, dass sie zumindest interessant klangen: Prock langweilte sich im Schlaf. Deswegen reicherte er seine Träume mit Motiven aus dadaistischen Gedichtbänden an, was ihn häufiger zu dem Gedanken verführte, er sei André Breton, und seine Zuhörer zu der Annahme, er sei originell. Vielleicht gar begabt. Jedenfalls unterhaltsam.</p>
<p>Dieses Mal konnte Prock sich überhaupt nicht mehr an seinen Traum erinnern: er war verunsichert. Denn davon hätte er gerne erzählt, in den Raum hinein, was mit ihm geschehen war in dieser Nacht. Dem Raum konnte sich Fallada nicht entziehen, und Prock empfand es als sein Hausrecht, eben jenen Raum zu füllen. Mit sich. Nur wollte ihm partout nichts einfallen.</p>
<p>Wenn Prock nichts einfiel, benahm er sich, als wäre jemand anwesend. Er stellte sich dann ans Fenster und rauchte, wie er es nannte, &#8222;plakativ&#8220;. Manchmal fiel ihm auch ein passenderes Wort ein, beispielsweise &#8222;bewusst&#8220;. &#8222;Theatralisch&#8220; allerdings vermied er, stattdessen sah er auf den Asphalt, die Straßenbahnschienen entlang. &#8222;Verkehrsmittel&#8220;, murmelte er durch die zusammengebissenen Zähne, &#8222;vielleicht ein Auto. Ein altes Auto, mit schwarzer, aufgeworfener Haube, ein Straßenkreuzer, wie es heißt, oder aber…&#8220; Er hielt einen Moment inne. Nein, das war es nicht, es musste tragischer sein, älter, subtextreicher. Vielleicht ein Schiff. Nur waren Schiffe langweilig, sie fuhren ein, sie fuhren aus, das hatte er schon einmal gesehen, am Hafen von Rotterdam. Dabei war er eingeschlafen, und am nächsten Tag war er zurückgefahren. Schiffe fielen also aus, die waren unspektakulär. Außer… außer, sie sanken. Moby Dick kam ihm in den Sinn, aber er hatte nur den Film gesehen. Und dann, er hätte sich für den Einfall gerne selbst geküsst, dann dachte er an Lautréamont, Die Gesänge des Maldoror. Gab es da nicht diese Szene, als einer, am Ufer stehend, einen Schiffbruch beobachtet, weit draußen? So weit draußen, dass nur einer, ein starker Schwimmer, in der Lage gewesen wäre, sich ans Ufer zu retten? Und zog Maldoror dann nicht die Armbrust, ihm die Schulter zu durchschießen, um dem Schwimmer dann beim jämmerlichen Ersaufen zuzusehen? Doch, so musste das gewesen sein. Nach kurzer Überlegung beschloss Prock, sich als Schwimmer darzustellen, und nicht als Schützen, denn brutal wollte er nicht erscheinen, nicht einmal als Traumgestalt.</p>
<p>Sie saß noch da, wie gestern, ein wenig zerknittert, aber sie hatte die Haltung bewahrt. Während er Kaffee kochte, legte sich Prock seine ersten Sätze zurecht, bis er sich, die dampfende Tasse in der einen, die Gauloise in der anderen Hand, vor ihr niedersetzte. &#8222;Ich habe seltsam geträumt&#8220;, sagte er, und genoss den kurzen Moment des Schweigens. Im Erzählen betrachtete er sie aufmerksam, um sich ihre Gesichtslinien einzuprägen, die, obwohl doch scharf, seltsam undeutlich verliefen. &#8222;Im Profil muss sie vorteilhafter aussehen&#8220;, dachte er, und tatsächlich schienen die beiden Hälften ihres Gesichtes nicht recht zueinander passen zu wollen. Ihm war so, als hinge die linke Hälfte ihres Gesichtes ein wenig tiefer, als seien die Muskeln dieser Hälfte schneller erschlafft. Ihre blauen, von grünen und gelben Punkten durchsprenkelten Augen ruhten auf seinen Lippen, und Prock war sich für einen Moment ungewiss, ob sie nicht vielleicht taubstumm sei. &#8222;Ich hätte sie <a href="http://www.cdrnet.net/kb/data/DE_Hoffmann.asp">Olimpia</a> nennen sollen&#8220;, dachte er, aber es war zu spät, sie hatte schon einen Namen. Noch beim Duschen dachte er daran, sie unter Umständen umzutaufen. Denn Prock war gerne gründlich in seinen Gedanken, obwohl er es sich nicht nehmen ließ, sich hin und wieder als Phantast zu bezeichnen.</p>
<p>Den Tag über gefiel er sich darin, hin und wieder an ihr Gesicht zu denken in Situationen, die er für unvermittelt hielt. Obwohl er sich ihr Gesicht höchstens verschwommen vor Augen rufen konnte und ihre Züge im Laufe der Zeit immer mehr einer Art Mash-Up vorheriger Liebschaften zu gleichen begann, berührte ihn der Gedanke, dass er sie wohl in einer Art gerne mochte. Der Gedanke, dass er sich in seinen Willen, verliebt zu sein, zu verlieben begann, kam ihm nicht, und nach und nach überzeugte er sich davon, das alles, was zwischen ihnen beiden geschehen könnte, einzig von seinen Handlungen abhing, von den Schritten, die er jetzt zu gehen hatte. Tatsächlich war es ihm schon immer schwer gefallen, sich nicht überzeugend zu finden. Nur war Prock kein Stratege: eine Konkretisierung dessen, was geschehen solle, blieb aus.</p>
<p>Dennoch war er enttäuscht, als er abends auf dem Sofa eine aufgeräumte, beinah lebhafte Fallada vorfand, die zwar zittrig, aber doch mit Appetit verspeiste, was Wilhelm ihr reichte. Ihre Stimme klang, obwohl matt und erschöpft, ein wenig schrill in seinen Ohren, und als sie sich am Kopf kratzte, hatte er den unangenehmen Eindruck von Banalität. Hi, sagte er, und sie sah halb interessiert zwischen ihm und Wilhelm hin und her. &#8222;Hi, ich bin Prock und ich wohne hier.&#8220;, seufzte Prock und schlenderte zum Kühlschrank. Zwar war das Bier alle, aber immerhin fand er noch ein wenig Soave im Seitenfach.<br />
Er war dann schnell in sein Zimmer verschwunden und für kurze Zeit tatsächlich traurig. Es schien ihm die richtige Maßnahme, das Licht zu löschen und in der Dunkelheit, im Sessel sitzend, zu rauchen: er hatte in Büchern gelesen, dass man dann in den Himmel zu blicken hatte. Er redete sich in solchen Situationen gerne ein, dass er ganz und gar in die Enttäuschung hinein sinken könne, und rief sich krampfhaft alle Situationen ins Gedächtnis zurück, die ihn jetzt in diese Lage gebracht hatten. Nach einer halben Stunde befand er, dass es nun genug sei, und legte sich ins Bett, wo er ohne lange zu zögern einschlief.</p>
<p>Am nächsten Morgen war die Küche leer. Prock dachte einen Moment daran, dass Fallada vielleicht noch in der Wohnung sei, vielleicht gar in Wilhelms Zimmer, und überraschenderweise versetzte ihm diese Vorstellung einen kleinen Stich. Er wartete ungeduldig darauf, dass Wilhelm aufstand, und trank viel Kaffee. Aber Wilhelm, das war auch Prock klar, würde noch einige Stunden schlafen: so lange wollte er nicht warten. Also ging er in seinen Tag hinaus, und als er am Abend heimkehrte, kochten Wilhelm und er seit langer Zeit einmal wieder zusammen Abendessen. Über Fallada verloren sie kein Wort.</p>
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		<title>Podcast vom 1. Mai 2008</title>
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		<pubDate>Thu, 01 May 2008 22:20:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Haeusler, Tanja Haeusler</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F05%2F02%2Fpodcast-vom-1-mai-2008%2F&amp;seed_title=Podcast+vom+1.+Mai+2008"><img width="499" height="665" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/5cfbbc3c54bb1ffe973c81fdaeee4d13.jpg" class="imgfull" /></a></p>
<p>Tanja und Johnny retten beinahe die Welt, scheitern aber an imperialistischer Kapitalistentechnik. Nach dem Klick. </p>
<p><a href="http://spreeblick.com/podcast/spreeblick080501.mp3">MP3, 50:43, 69,7 MB</a></p>
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		<title>Podcast vom 27.4.08</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Apr 2008 08:46:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F28%2Fpodcast-vom-27408%2F&amp;seed_title=Podcast+vom+27.4.08"><img width="499" height="328" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/126ddf5aef642f7fcea910b70cb6c3f3.jpg" class="imgfull" /></a></p>
<p>Die Aufnahme vom Vorabend der Veröffentlichung. Inhalt und MP3 nach dem Klick. </p>
<p>Offizielle Eröffnung der Balkonsaison, Rollschuhräder aus Kanonenrohren, nochmal kurz Tempelhof, neongrün (oder neongelb) markierte Hundekothaufen, <a href="http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Ben-Becker-Hitlergruss;art1117,2520953">Anzeige gegen Ben Becker</a> (wegen Tegel, nicht Tempelhof), dürfte Helge Schneider den Hiltergruß zeigen?, wie bei Spreeblick in Wirklichkeit die Postings entstehen, Hundeschnarchen, nochmal kurz Tempelhof.</p>
<p><a href="http://spreeblick.com/podcast/spreeblick080427.mp3">MP3, 20:03, 27,6 MB</a></p>
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		<title>An der Alten Försterei</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Apr 2008 07:32:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Feature]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

		<category><![CDATA[Stories]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="coverimage"><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F28%2Fan-der-alten-forsterei%2F&amp;seed_title=An+der+Alten+F%C3%B6rsterei"><img width="762" height="220" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/6a3ca35f76fb08f02384ab2cdd59c375.jpg" class="imgfloater" /></a></div><p>&#8222;Dit is dit Wohnzimmer&#8220;, sagt Anneliese und grinst. &#8222;Weeste, dit is hier so zusammenjewachsen, aber dit stimmt ja nich. Eher so zusammenjefriemelt.&#8220; Es fänden sich wohl noch ein paar mehr Adjektive für das Stadion an der Alten Försterei, Heimspielstätte des 1. FC Union Berlin. Ein bisschen provisorisch sieht es hier aus, auf der Stehtribüne am Zuckertor haben sich große Wasserpfützen gebildet. Unten, am Zaun, stehen Kinder bei ihren Eltern, weiter hinten auf der windschiefen Tribüne stehen die Ultras, mit ein paar Fahnen. Ostclub, denke ich, Ultras, denke ich, Gewalt, Hooliganismus und Rechtsradikale.</p>
<p>&#8222;Nee, dit is hier anders&#8220;, sagt Jörg, der sich an seiner Bratwurst festhält. &#8222;Als wir zweete Liga jespielt ham, da ham die janzen Arschlöcher Stadionverbot bekommen, und dit hat jut jewirkt. Jetz isses immer friedlich hier.&#8220; Außer, Dresden kommt. Oder Erfurt. &#8222;Aber dit warn ja nie Unioner, die da Stress jemacht ham.&#8220; </p>
<p>Das muss man nicht glauben, vielleicht ist es auch jetzt gerade so still, weil Union viel zu gewinnen hat, oder viel zu verlieren. Je nachdem. Es geht darum, ob man nächstes Jahr zweite, dritte oder ungünstigstenfalls vierte Liga spielt, alles ist drin: für Spannung ist also reichlich gesorgt. Tatsächlich hat Union kein ausuferndes Hooligan-Problem, und trotzdem merkt man Jörg an, das er der Frage gerne schnell und umgehend ausweichen würde: Das Klischee vom gewaltbereiten Ostfan, von der Anarchie in den Stadien, das nervt hier sichtlich.</p>
<p>Heute jedenfalls wird es ruhig bleiben, heute kommt Wuppertal. Eine Handvoll Fans haben sich in den Gästeblock verirrt, insgesamt haben knapp über 7500 Zuschauer den engen Waldweg zum Stadion hin gefunden. Tatsächlich: gefunden, denn eigentlich ähnelt der Weg mehr einem fünfhundert Meter langem Tümpel, Wassertiefe bis zu zehn Zentimetern. Andere Stadien bieten gesonderte Eingänge für VIPs und solche, die genug Geld haben, sich einzubilden, sie wären welche: wer hier einen privilegierten Zugang zum Stadion haben will, braucht Gummistiefel.</p>
<p>Wie das Spiel wird, frage ich Jörg, aber das weiß er nicht. &#8222;Dit is auch nicht so wichtig, Hauptsache, wir haun se wech.&#8220; Und bekommt man hier anständigen Fußball zu sehen? &#8222;Ach, weeste, ick geh nicht zum Fußball, ich geh zu Union. Wir ham hier schon seit Jahren keenen anständigen Fußball mehr jesehn. Dit Union keen Spielmacher hat, und dit schon seit Jahren, dit is keen Zufall, weeste.&#8220; Na, das sind doch mal Aussichten.</p>
<p>Tatsächlich beginnt das Spiel fahrig, Union ist nervös. Zusammengefriemelt, provisorisch: Das passt nicht nur zur Alten Försterei, das passt auch ganz gut zum Unioner Spielaufbau. Hin und wieder, und meistens über links, geht’s dann doch mal schnell. Gefährlich wird’s aber erst nach Standards: zuerst holt der Wuppertaler Torwart einen Freistoß von Gebhart aus dem Eck, den anschließenden Eckball setzt Daniel Schulz dann ins Tor. Wuppertal wird bis zur Pause nicht mehr viel einfallen, und Union versucht es mit den guten, alten diagonalen Bällen. An der Seitenlinie keucht Patsche Patschinski den Abprallern hinterher, und vorne drin lauert Shergo Biran auf – ja, worauf eigentlich? Vielleicht spekuliert er auf einen vergurkten Rückpass der Wuppertaler.</p>
<p>&#8222;Dit hier is unser Wohnzimmer, weeste&#8220;, sagt Anneliese, und es klingt ein bisschen erleichtert. Tatsächlich war bis vor kurzem nicht klar, ob Union weiter an der Alten Försterei spielen würde, und zwar unabhängig davon, ob es jetzt zweite Liga wäre oder die nächstjährig neu gegründete dritte Liga. Der DfB hat die Auflagen verschärft, und lange Zeit konnten sich die Verantwortlichen nicht einigen, wer für die Kosten des Umbaus aufkommen sollte. Also hat man einige Ausweichszenarien entworfen, der vielgehasste Jahnsportpark im Prenzlauer Berg sollte Unions neues Stadion werden, und Dieter Hoeneß hatte eine Mitnutzung des Olympiastadions angeboten. &#8222;Da hättenwa jerne drüber jelacht, aber ich fürchte, der hat dit Ernst jemeint.&#8220;</p>
<p>Denn die Alte Försterei ist mehr als bloß ein bißchen Kult. Das größte reine Fußballstadion in Berlin: das wäre das eine. Aber auch dieser altmodische Charme. Ob man das als &#8222;ostig&#8220; bezeichnen könnte, frag ich Anneliese, da ziehen Gewitterwolken über ihre Stirn. Einerseits andererseits, sagt sie, auf Hochdeutsch. Einerseits, klar. Aber die Alte Försterei ist kein DDR-Museum. Die Fans gibt es hier auch: die sich &#8222;&#8220;Wir aus dem Osten&#8220; und &#8222;Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen&#8220; in Großbuchstaben auf die Oberarme tätowieren und Union unter Naturschutz stellen wollen.&#8220; Aber Osten ist erstmal eine Himmelsrichtung, sagt sie. Und nichts, womit man blöde kokettieren sollte.</p>
<p>Da es außer Frage stand, aus Köpenick wegzuziehen, starteten einige Fans die Aktionsreihe ProAF, für die Alte Försterei. Was mit Trikotversteigerungen, Aufkleberkomandos und &#8222;Lottospielen für Union&#8220; begann, zog bald die Aufmerksamkeit und Sympathie anderer Kreise auf sich: Die Spieler <a href="http://textilvergehen.de/__oneclick_uploads/2008/03/sla_0016.jpg">liefen vor Anpfiff mit ProAF-Bannern ein</a>, der Sponsor überließ seinen Werbeplatz auf den Trikots dem zugehörigen Logo, und auch die gegnerischen Fans solidarisierten sich mit den Unionern: <a href="http://www.fc-union-berlin.de/forum/index.php?page=Thread&#038;postID=479202">Unter anderem</a> <a href="http://www.webloewen.de/sonstiges/dokus/AF.pdf">Braunschweiger</a>, <a href="http://unveu.de/2007-2008/vserfurt2/220308vserfurt16.jpg">Erfurter</a>, <a href="http://unveu.de/2007-2008/herthavsschalke/230308herthavsschalke57.jpg">Herthaner</a>, <a href="http://www.unveu.de/2007-2008/vsbabelsberg2/160308vsbabelsberg117.jpg">Babelsberger</a> und Charlottenburger starteten ProAF-Aktionen, die lokale Presse äußerte sich, der unvermeidliche Friedbert Pflüger sprach seine Unterstützung aus, sogar die Sportschau berichtete. Anfang April beschloss der Bezirk Treptow/Köpenick, den Spielbetrieb für die kommende Saison sicherzustellen, und seither lacht wieder die Sonne über der Alten Försterei.</p>
<p>Zumindest fast. Zwar gefallen die <a href="http://www.stadion-adaf.de/">Umbaupläne</a>, aber trotzdem. Die legendäre Anzeigetafel würde wegfallen, und auch sonst noch so einiges. Union startet stark nach der Pause, Wuppertal fällt nicht mehr viel ein. Zur 53. kommt Benyamina für Biran, der eine viertel Stunde später prompt den Ball gegen den Pfosten setzt. Zehn Minuten später gleicht Saglik nach einigem Gestocher im Strafraum aus: und obwohl Union sich immer wieder in den gegnerischen Strafraum, nunja: spielt kann man nicht sagen, eher kämpft. Oder würgt. Jedenfalls passiert nicht mehr viel. &#8222;Naja, auch okay. Früher hättenwa dit noch verlorn&#8220;, sagt Jörg, und die Zornesader pocht an seiner Stirn. &#8222;In Bremen brauchma jetzt nen Punkt, wenn dit noch was wern soll mit zweiter Liga.&#8220;</p>
<p>Aus dem Punkt ist nichts geworden, letzte Woche setzte es eine 1:0-Niederlage, die Woche drauf nochmal, gegen Cottbus&#8217; Zweite. Ganz bitter war das: Es sind zwar immer zwei Punkte zum Aufstiegsplatz. Die heißen Spiele gegen Dresden und Magdeburg kommen erst noch, aber die hat man beide zu Hause. Mal sehen.</p>
<p>Als wir uns auf dem Rückweg an den Wasserlachen vorbeischieben, sagt Anneliese noch mal: &#8222;Dit is zuhause.&#8220;, als wollte sie sichergehen, dass der Satz auf jeden Fall im Artikel auftaucht. Und: &#8222;Dit is unser Wohnzimmer.&#8220; Mein Wohnzimmer ist das zwar nicht, aber das sage ich nicht: man ist ja nicht unhöflich. Aber für ein fremdes Wohnzimmer wars tatsächlich sehr heimelig. Und die Bratwurst ist wahrscheinlich das beste, was an deutschen Sportplätzen so angeboten wird für zwischendurch.</p>
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		<title>Twitter-Social-Mail-Network-IM? Anyone?</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Apr 2008 15:48:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<div class="coverimage"><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F25%2Ftwitter-social-mail-network-im-anyone%2F&amp;seed_title=Twitter-Social-Mail-Network-IM%3F+Anyone%3F"><img width="762" height="220" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/d26d4c9aa353cc80a6277f5dae4ccb9a.jpg" class="imgfloater" /></a></div><p>Ich bin ein Spätzünder in Sachen Web-Hypes (geworden), denn &#8222;neu&#8220; ist immer noch kein Qualitätsmerkmal. In den letzten Monaten konnte ich jedoch feststellen, dass Teilfunktionen von Social Networks und Eigenschaften von Twitter oder InstantMessaging mein Kommunikationsverhalten verändert und streckenweise sogar verbessert haben. Für wirklichen Alltags-Nutzen wünsche ich mir aber eine in einem Service vereinte und Anbieter-unabhängige Kombination verschiedener Funktionen. Es folgen ein paar Gedanken als Entwurf – Meinungen dazu sind herzlich willkommen.</p>
<p>Jeder Netzbewohner erinnert sich an das aufgeregte tägliche &#8222;Checken&#8220; seines frischen Mail-Accounts (&#8220;Sie haben keine neuen Nachrichten&#8220;), an den ersten selbstlosen Einsatz als Teil der freiwilligen Netzfeuerwehr (&#8220;Bitte leitet das sofort an alle weiter, die ihr kennt, der kleine Kevin braucht dringend eine Rückenmarkspende!&#8220;) und an die schlaflosen Nächte vor dem Erhalt des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nigeria_Connection">Millionen-Schecks</a>.</p>
<p>Doch nach wenigen Wochen bleiben vom Spaß nur die ersten drei Buchstaben, wenn Spam die Mailbox überflutet und E-Mails speziell beim beruflichen Einsatz zum Stressfaktor und Zeiträuber werden. Wirkliche Mails, also Briefe, schreiben oder erhalten wir kaum noch. Stattdessen wühlen wir uns durch Gigabytes voller PowerPoint-Attachments, in denen nicht selten genau ein Satz steht, empfangen hastig getippte Anweisungen (&#8220;FYI, mach du mal!&#8220;), und wenn das Telefon klingelt, dann fragt bestimmt nur jemand nach, ob die seit einer Stunde unbeantwortete Mail angekommen ist. E-Mail bedeutet ständige Erreichbarkeit und so schnelle wie einfache Delegierung: Ich hatte dir doch aber eine Mail geschickt! </p>
<p>Dass E-Mails zum Dateitransporter und Chat-Ersatz verkommen sind, haben schon einige Elektromenschen vor mir bemerkt, die sich daher um den verstärkten Einsatz von Instant Messaging (IM) als Kommunikationswerkzeug bemühen: Wenn wir sowieso nur noch kurze Fragen und Antworten sowie Links und Dateien hin- und hersenden, wozu dann noch die Nerverei mit Betreffzeile, Anrede und Signatur? Doch trotz des logischen Ansatzes kann IM bisher höchstens als zusätzliches Tool neben E-Mails überzeugen. Es hapert bei der Archivierung und Wiederauffindbarkeit bestimmter Informationen und auch die Sortier- und Wertbarkeit einzelner Kommunikationsverläufe lässt zu Wünschen übrig. </p>
<p>In welche Richtung eine sinnvolle E-Mail-Alternative also wirklich gehen müsste, deutet ein anderes Werkzeug weit besser an als reines Instant Messaging: Twitter.</p>
<p>Eine Paarung einzelner Eigenschaften von Twitter mit bestimmten Funktionalitäten bekannter Social Networks, allerdings mithilfe eines offenen Standards (Protokolls?), der die Erstellung diverser Clients auf allen Plattformen ermöglicht, könnte m.E. zu einem neuen Kommunikationswerkzeug für Netzarbeiter führen, das E-Mail völig ablöst. Grundlage für ein solches Tool, geben wir ihm der Einfach- und Albernheit halber mal den Arbeitstitel <em>MassAge</em>, wäre zunächst neben der durch Mails bekannten Verwaltung der Nachrichten nach Threads, Prioritäten, Themen, Daten und Absendern ein immer wichtiger werdendes, minimales Identitätsmanagement sowie eine grobe, aber ausreichende Beziehungs- und damit Rechteverwaltung. Stellt man dem Ganzen eine von der Kommunikation &#8222;getrennte&#8220;, <a href="https://www.getdropbox.com/">Dropbox</a>-ähnliche Dateiverwaltung an die Seite, könnte <em>MassAge</em> in ersten Ansätzen so aussehen:</p>
<p>Meine MassAge-ID ist eine schlichte Online-Identität in Form einer Web-Seite, ähnlich meiner jetzigen <a href="http://twitter.com/spreeblick">Twitter-Homepage</a>. Diese Seite ist Provider-unabhängig, kann also auf jedem Server mit jeder Domain oder bei einem Dienstleister erstellt werden, weist jedoch für jede Person die gleichen standardmäßigen Strukturen auf: Name, Bild, ggf. URL, Kurzinfo (plus weitere Infos für engere Kontakte). Unter MassAge-Nutzern gelten verschiedene Beziehungskategorien, z.B. &#8222;Kontakte&#8220;, &#8222;Bekannte&#8220;, &#8222;Freunde/ Kollegen&#8220; und &#8222;Familie&#8220;.</p>
<p>Über meine MassAge-ID kann mich grundsätzlich jeder kontaktieren – und ich wiederum ebenfalls jeden, der über eine MassAge-ID verfügt. Abhängig von der gegenseitigen Beziehung funktioniert das allerdings in unterschiedlicher Tiefe: &#8222;Kontakte&#8220; können Kurznachrichten ohne Links oder Dateien senden (Spam-Vermeidung), &#8222;Bekannten&#8220; (also gegenseitig bestätigten Kontakten) stehen unbegrenzte Zeichen sowie Links und Dateiverweise zum Server des Absenders zu, und für &#8222;Freunde&#8220; und &#8222;Familie&#8220; bietet MassAge neben umfangreichen Kollaborationswerkzeugen wie gemeinsame Kalender, ToDo-Listen, Dokumente usw. auch den Datei-Upload zum Server des Adressaten bzw. zum gemeinsamen Server – Dateien werden nie direkt per MassAge gesendet, sondern auf einem Server &#8222;zwischengelagert&#8220;, eine MassAge-Nachricht enthält immer nur den Link zur Datei. </p>
<p>Direktnachrichten an den Empfänger oder Empfängergruppen aufs Handy und andere Nettigkeiten wären für Freunde und Familie ebenso denkbar (die Unterscheidung zwischen den beiden letztgenannten Beziehungen dient nur der evtl. nötigen Trennung von beruflichen und privaten Kontakten – hier müsste man evtl. noch weitere Gruppierungen anlegen können).</p>
<p>Ich empfange als MassAge-Nutzer meine Nachrichten in einem Mail-ähnlichen Client, Nachrichten sind hier nicht nur nach den Mail-üblichen Kriterien, sondern auch nach dem Kontakt-Status des Absenders filter- und sortierbar, was in der täglichen Arbeit eine völlig andere Fokussierung zulässt; eine Kontakt-qualitative nämlich. So könnte der &#8222;Kanal&#8220; für Freunde und Familie konstant &#8222;offen&#8220; sein, während ich mich neuen, noch unbestätigten Kontakten nur einmal täglich widme. Ich könnte im Urlaub nur für die Familie erreichbar sein, mich auf geschäftlichen Reisen in erster Linie mit geschäftlichen Kontakten auseinandersetzen, und so weiter.</p>
<p>Einige dieser Funktionen lassen sich in herkömmlichen Mail-Clients via IMAP bzw. durch Filter und Regeln andeuten, und die grundsätzliche Idee eines &#8222;Identitätsmanagements&#8220; ist auch keine neue. Dennoch haben mir erst Twitter und ein paar Social Networks einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie sich ein Kontakt-abhängiges Kommunikationswerkzeug anfühlen könnte – für mich benötigt es nur doch die &#8222;Befreiung&#8220; aus dem Browser und ein offenes Protokoll. Max meint, <a href="http://www.xmpp.org/">XMPP</a> wäre dafür u.U. geeignet.</p>
<p>Die Verschmelzung von Mail, IM, Social Networking, Twitter und File Sharing in einer einzigen, auf offenen Standards basierenden Applikation: Von mir aus kann sie kommen.</p>
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		<title>War Jesus schwul?</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Apr 2008 13:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>René Walter</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

		<category><![CDATA[Reflektionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Der Komödiant, Autor und <a href="http://www.patcondell.net/">Atheist</a> <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Pat_Condell">Pat Condell</a> fragt sich, ob Jesus möglicherweise homosexuell war und ob die Christenheit ein Problem damit hätte. Sehr amüsant. Noch amüsanter allerdings sind die Kommentare bei Youtube, wie <a href="http://www.nochetwassalz.de/batzlog/2008/04/24/es-ist-ein-greuel/">Batz</a> ganz richtig anmerkt.</p>
<blockquote><p>God obviously exists&#8230; look at the world around you!! how stupid must you be?? its obvious that this was made by a higher lifeform!! we certainly didnt evolve from animals&#8230; because its physically impossible for e.g an alligator to be linked to a bird&#8230; they are TOTALLY DIFFERENT!!! and Jesus did exist&#8230; i beleive in anything that is in the Bible&#8230;it is my guide to living&#8230;</p></blockquote>
<p>Video nach dem Dingens. </p>
<p><object width="425" height="355"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/ReYfDlIa-Z8&#038;hl=en"></param><param name="wmode" value="transparent"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/ReYfDlIa-Z8&#038;hl=en" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" width="425" height="355"></embed></object><br />
<small><a href="http://www.youtube.com/watch?v=ReYfDlIa-Z8">Direkt</a></small></p>
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		<title>Die Sache mit Taiwan</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Apr 2008 09:05:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Schepers</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

		<category><![CDATA[Reflektionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Einige der spannendsten Blogs da draußen sind Reiseblogs. Schön, wenn man sich auf Reisen Zeit zur Reflexion nimmt. Noch schöner, wenn das auf so eloquente wie unterhaltsame Art und Weise geschieht wie bei <a href="http://mevme.com/lizblog/category/taiwan/">Liz</a> und <a href="http://www.argh.de/">Frank</a>, die gerade in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Republik_China">Republik China</a> angekommen sind.</p>
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		<title>Generation Generation</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Apr 2008 11:37:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Feature]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

		<category><![CDATA[Reflektionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="coverimage"><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F21%2Fgeneration-generation%2F&amp;seed_title=Generation+Generation"><img width="762" height="218" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/88c3e4ccede0f65df1956fd729ada60d.jpg" class="imgfloater" /></a></div><p>Was ich nicht schon alles gewesen bin. Unpolitisch. <a href="http://www.capitalista.de/product_info.php?products_id=930039672">Manipuliert</a>. Praktikant. <a href="http://www.droemer-knaur.de/buecher/Generation+Pleite.190657.html">Pleite</a>. <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/generation-keramik/">Doof</a>. Misstrauisch und faul und zufrieden am End. Und jetzt: <a href="http://www.zeit.de/2008/17/30-Jaehrige?page=all">Müde, klein, langweilig</a>. Und verunsichert wahrscheinlich auch noch.</p>
<p>Das nervt am meisten, wenn man langsam, aber sicher auf die 30 zugeht: diese Generationengenerierung. An jeder Straßenecke wird einem hinterhergerufen, wie man so ist. Und sobald hier in Neukölln eine Dame Ende zwanzig mit Minirock, Trägertop und Kampfhund auf die Straße geht, wird die nächste Generation &#8222;Miniträgerkampfrock&#8220; ausgerufen, die bestimmt auch wieder Tocotronic hört und Gin Tonic trinkt oder irgendwas mit Anis. Die Sonne gerne mag, aber nicht zu sehr. Die sich bestimmt gerne verlieben würde, ohne sich zu trauen. Und dann ziehen irgendwelche Menschen mit Kugelschreiber in der einen, Notizblock in der anderen Hand los und lassen sich von Experten erklären, was sie so sind. Früher ist man zum Wahrsager gegangen, heute zum Soziologen. Das ist, weil wir kritischer geworden sind. Wir, als Generation. Oder so.</p>
<p>Wir, als Generation. Der die einschneidenden historischen Ereignisse fehlen. Die anderen hatten Hitler, wir Kerner. Die anderen hatten Kommunen, wir Online-Demos. Die anderen hatten Wirtschaftskrisen, Wirtschaftswunder oder mindestens Wirtschafterinnen, wir irgendwas mit E vorne dran, was sowieso gleich wieder nach Drogen klingt.</p>
<p>Wir haben nichts geleistet. Als wir kamen, war das Bettchen schon gemacht, wahrscheinlich lag die Mutter noch drin, als wir reinhüpften, deswegen sind wir so neurotisch. Wir mussten weder Gott noch Kaiserreich noch ordentlich belegte Wurstbrote abschaffen, und der Mauerfall war bloß eine längst überfällige Sanierungsmaßnahme, damit Europa ein Außenklo anbauen kann. Damit haben wir nichts zu tun, wir machen nämlich immer noch ins Bett.</p>
<p>Wir, die wir nicht erwachsen werden. Wir Postadoleszenten. Wir Wir-Sager. Wir, die wir Angst haben und Bedenken. Wir, denen uns die Euphorie fehlt, denen uns die Illusionen fehlen, die Visionen. Wir, die wir nicht aufhören können, uns das ständig selbst vorzuhalten. Wir, die Generation, die zu und über sich selbst spricht, als wären wir unsere eigenen Großeltern. Um dann ruhigeren Gewissens konservativ wählen zu dürfen. Mit einer gewissen Ironie, versteht sich.</p>
<p>Verlässlich über meine Generation lässt sich wahrscheinlich nur sagen, dass es immer noch genug Menschen gibt, die ausreichend Zeit haben, darüber nachzudenken, was eine Generation so ist. Das meiste davon steht schon bei Kästner oder Brecht, bei den Existenzialisten oder bei Flaubert. Wenn es ein Buch gibt, dass diese ganzen Generationenartikel restlos vorausnimmt, dann ist das wohl Musils <em>Mann ohne Eigenschaften</em>.</p>
<p>Der jetzt auch schon gute 65 Jahre alt ist.</p>
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		<title>Wir haben einen Trendscout an Bord</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Apr 2008 12:53:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malte Welding</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

		<category><![CDATA[Pop]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Im Januar hat Andreas <a href="http://www.spreeblick.com/2008/01/28/es-liegt-was-in-der-luft-yael-naim/">Yael Naim vorgestellt und ihr eine große Zukunft prophezeit</a>. Jetzt liegt sie mit <em>New Soul</em> auf Platz 5 der deutschen Verkaufscharts. </p>
<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F18%2Fwir-haben-einen-trendscout-an-bord%2F&amp;seed_title=Wir+haben+einen+Trendscout+an+Bord"><img width="499" height="468" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/a8518e33277489315c83d4354a81669d.jpg" class="imgfull" /></a></p>
<p>Mir ist die Fähigkeit Hits zu erkennen, abhanden gekommen. Früher konnte ich das mal, <em>Holiday Rap</em>, <em>Pump up the Volume</em>, <em>Im Nin´ Alu</em>, ich konnte blind die zukünftigen Chartspositionen tippen. Verloren habe ich diese Gabe mit <em>Daylight</em> von den No Angels. </p>
<p>Der Refrain war eingängig, die Produktion aber dermaßen lieblos und billig, dass das Lied nicht viel hergab. Und das Schlimmste: Der Mythos des Popstars war verraten worden. Keine geheimnisvollen Schönheiten mit bewegter Vergangenheit als Aktmodel und Sartrekennerin waren hier am Werk, sondern heulsusige Ehrgeizlinge mit Backroundsängerinnengesichtern und Melittawerbung-Stimmen.</p>
<p>Seitdem verstehe ich Pop nicht mehr, die <em>Big-Brother</em>-Hits, <em>Ein Stern, der deinen Namen trägt</em>, <em>Schnuffel</em> - kein Gespür für diese Hit-Giganten mehr in meinen Ohren. Manche schieben das auf mein Alter, ich auf den Verfall der Sitten.</p>
<p>Wie schön also mit jemandem zu arbeiten, der noch versteht.</p>
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		<title>Medienfrei</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Apr 2008 13:02:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malte Welding</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

		<category><![CDATA[Feature]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="coverimage"><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F17%2Fmedienfrei%2F&amp;seed_title=Medienfrei"><img width="762" height="219" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/7202803049812f326d056e6dd085d51f.jpg" class="imgfloater" /></a></div><p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Meme">Meme</a> haben die hinterlistige Eigenschaft, dass es sie nicht kümmert, ob man sich gern mit ihnen beschäftigt. Man gibt sie einfach weiter wie Grippeviren und macht sich damit beispielsweise zum Überträger von Heidi Klum. Man kann nicht nicht über Heidi Klum reden und man kann auch nicht keine Meinung zu Obama haben. Steckt man im Mem-Sumpf Internet fest, klickt man dann eben doch auf Videos, die beweisen, dass Hillary eine Hexe ist, liest die Meldung, dass Lothar Matthäus die Verständigung mit Israel auf Vordermann bringt und Gott sei´s geklagt: Auch von der Brust-OP von Lothars Freundin weiß man.</p>
<p>Um den Kopf wieder frei zu bekommen und kein Mem-Mutterschiff zu sein, müsste man doch eigentlich nur auf Medien verzichten. Ich schlage das der Lieblingslektorin vor und die ist sofort ganz begeistert. </p>
<p>Aber sie hat auch leicht reden, schließlich ist sie nahezu medienfrei aufgewachsen. Was bedeutet, dass sie <em>Dinge unmittelbar erlebt hat</em>! Bis heute wirken ihre Hirnstrukturen unbeschadeter auf mich als - sagen wir: meine.<br />
Während ich noch heute die Besetzung der Backstreet Boys auswendig kann und weiß, dass Lance Bass der einzige bekennende Homosexuelle bei N´Sync war (und beinahe in den Weltraum gereist ist), beendet sie ihr Studium in Regelstudienzeit und kann mir auch aus dem Auslandssemesteraufenthaltsraum heraus sagen, wo meine verdammte dunkelblaue Jeans ist.</p>
<p>Ein Ereignis wie die Wahl in Hessen lässt sie mit buckelwalgleicher Prustigkeit an sich vorüberziehen, Franz Beckenbauer hält sie für einen österreichischen Politiker und Kennedy für ein Mixgetränk aus Cola und Bier. So möchte ich auch gerne sein.</p>
<p>Also schlage ich vor: &#8222;Lass uns ein Jahr auf Medien verzichten. Nicht für immer, schließlich sind wir keine Eremiten. Aber lass uns sehen, was es uns bringt. Wieder mehr Dinge machen. Mal in den Wald, nach Rom fahren, deinen Bruder besuchen in Florenz, Robben retten, Afghanistan erleben, was Leute so tun, die nicht dauernd bei Rivva rumhängen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aber Bücher zählen nicht als Medien, oder?&#8220;<br />
&#8222;Nein, Bücher sind in Ordnung. Lass uns sagen: Ein Jahr ohne Neuigkeiten. Keine News-Flashs mehr.&#8220;<br />
&#8222;Was ist mit Seinfeld, Larry David, der neuen Dexter-Staffel?&#8220;<br />
&#8222;Also die schaden ja eigentlich niemandem. Die also auch. Serien sind ok.&#8220;<br />
&#8222;Also ein Jahr nur mit Serien und Büchern, das können wir machen. Juchu. Dann haben wir ganz viel Zeit füreinander.&#8220;<br />
&#8222;Fußball.&#8220;<br />
&#8222;Fußball?&#8220;<br />
&#8222;Naja, ist ja bald EM und ich kann ja nicht die EM nicht sehen.&#8220;<br />
&#8222;Dann fangen wir danach an.&#8220;<br />
&#8222;Danach ist Bundesliga.&#8220;<br />
&#8222;Du kannst ja an Samstagen für eine Stunde abends den Fernseher anmachen.&#8220;<br />
&#8222;Ok. Auf Blogs müsste ich natürlich auch verzichten. Nur noch aus mir selbst heraus bloggen.&#8220;<br />
&#8222;Aber dann hast du ja auch endlich das, was die Leute da draußen `ein Leben´ nennen! Dann geht das schon.&#8220;<br />
&#8222;Ich gehe also ins Internet, gehe nicht auf Spiegel Online, schaue nicht auf die anderen Artikel bei Spreeblick, sondern blogge blind?&#8220;<br />
&#8222;Genau.&#8220;<br />
&#8222;Und wenn was passiert?&#8220;<br />
&#8222;Was soll passieren?&#8220;<br />
&#8222;Naja, Al Quaida, Krieg gegen den Iran, Bush bleibt Präsident.&#8220;<br />
&#8222;Was geht dich das an?&#8220;<br />
&#8222;Ich mache mich doch zum Gespött, wenn ich über Robbenrettung schreibe, während George Bush Obama verhaften lässt.&#8220;<br />
&#8222;Das geht schon, glaub mir.&#8220;</p>
<p>Ich glaube ihr. Nach der EM ganz bestimmt. Ein Monat fürs erste. Kein Radio, keine Zeitung, kein Fernsehen, im Internet nur die eigenen Blogs. Nicht einmal Trackbacks lesen ist erlaubt. An Kiosken mit Scheuklappe vorbei gehen, sonst weiß ich doch wieder, mit wem Dieter Bohlen schläft.</p>
<p>Mit dem Rauchen aufhören wäre dagegen ein Kinderspiel.</p>
]]></description>
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		<title>Vorgelesen: Ein Sommer in Prenzlauer Berg</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Apr 2008 13:07:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>

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		<category><![CDATA[Stories]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/author/frederic/">Frédéric</a> liest alle <a href="http://www.spreeblick.com/2008/03/25/ein-sommer-in-prenzlauer-berg-1-teil/">eins</a>, <a href="http://www.spreeblick.com/2008/04/05/ein-sommer-in-prenzlauer-berg-2-teil/">zwei</a>, <a href="http://www.spreeblick.com/2008/04/10/ein-sommer-in-prenzlauer-berg-3-teil/">drei</a> Teile seiner Kurzgeschichte. Nach dem Klick. </p>
<p><a href="http://files.fooligan.de/heimspiel2/02ein_sommer.mp3">Ein Sommer in Prenzlauer Berg</a></p>
]]></description>
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		<title>Ahoi Polloi 11: Winterspiele</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Apr 2008 19:09:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ahoi Polloi]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F14%2Fahoi-polloi-11-winterspiele%2F&amp;seed_title=Ahoi+Polloi+11%3A+Winterspiele"><img width="400" height="405" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/4396608a837c4f03b2d21b7cbc1ffa1c.jpg" class="imghoi" /></a></p>
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		<title>Bloggen in der Schule</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Apr 2008 10:29:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>René Walter</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F14%2Fbloggen-in-der-schule%2F&amp;seed_title=Bloggen+in+der+Schule"><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F14%2Fbloggen-in-der-schule%2F&amp;seed_title=Bloggen+in+der+Schule"><img width="168" height="34" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/ed5ec30546e8f64bc9a70b84d4c27bc8.jpg" class="imgfloater" /></a></a></p>
<p>Aus der Schule bin ich schon lange draußen, aber ich hätte mir schon damals™ ein Fach namens „Medienkompetenz“ gewünscht. Gibt&#8217;s das mittlerweile? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich <a href="http://www.riemer-o-rama.info/">Martin Riemers Schülerblog-Projekt</a> super finde. Bei der re:publica konnte man schon davon hören, nun stellt er es bei den <a href="http://www.blogpiloten.de/2008/04/14/ich-habe-meinen-traumberuf-gefunden-web-20-navigator-in-der-grundschule/">Blogpiloten</a> vor: </p>
<blockquote><p>Wir sind mittlerweile bei über 100 Beiträgen, die in mehr als 500 Kommentaren diskutiert werden. Das Blog wurde zu einem erfolgreichen, schulischen Begleiter der Kinder. Die 2e hat verstanden, dass ein Weblog eine dynamische, kommunikationsanregende Welt entstehen lassen kann, die mit Inhalten versehen wurde, die von den ihnen selbst erstellt wurden.</p>
<p>Medienkompetenz entstand also durch Inhalte, und nicht durch Technik. Die Kinder haben ihre Platzkarte in der Wissensgesellschaft reserviert, sie können vorbereitet und ermutigt dahin navigieren. Das unterscheidet sie von Nur-Konsumenten: kaufen kann nämlich jeder, navigieren nicht so viele.</p></blockquote>
]]></description>
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		<title>Ein Sommer in Prenzlauer Berg (3. Teil)</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 07:16:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

		<category><![CDATA[Stories]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F10%2Fein-sommer-in-prenzlauer-berg-3-teil%2F&amp;seed_title=Ein+Sommer+in+Prenzlauer+Berg+%283.+Teil%29"><a href="http://www.spreeblick.com/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28rss2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fwww.spreeblick.com%2F2008%2F04%2F10%2Fein-sommer-in-prenzlauer-berg-3-teil%2F&amp;seed_title=Ein+Sommer+in+Prenzlauer+Berg+%283.+Teil%29"><img width="168" height="224" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/imagemagic/aa703be997a59b7092aff79622eca0dd.jpg" class="imgfloater" /></a></a> </p>
<p><small><em>(Erster Teil <a href="http://www.spreeblick.com/2008/03/25/ein-sommer-in-prenzlauer-berg-1-teil/">hier</a>, zweiter Teil <a href="http://www.spreeblick.com/2008/04/05/ein-sommer-in-prenzlauer-berg-2-teil/">dort</a>)</em></small></p>
<p>Wir saßen häufig auf dem Balkon und sahen der Sonne beim Wandern zu. Unten zogen kleinere Gruppen von Erasmusstudenten in den Mauerpark, Kinderwägen erklommen die Gehsteige, Drei-Tage-Bärte wurden gekratzt und verrutschte Trägertops neckisch zurechtgezurrt. Wir tranken Bier und hielten die gluggernden Bäuche gen Himmel. Alles war glatt, sauber, schön: </p>
<p>Die wenigen hässlichen Häuser rund um den Helmholtzplatz hatten keine andere Funktion, als die topsanierten Altbauten ringsumher in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Wir nahmen sie hin wie den Schönheitsfleck in Cindy Crawfords Gesicht, achselzuckend und ein bisschen interessiert. Die Geschichten, als es hier noch Straßenschlachten gab und besetzte Häuser, glaubten wir nicht mehr: das musste eine andere Zeit gewesen sein, Jahrhunderte her. Hier fühlten sich alle so wohl, wir auch: denn uns beschützte unser Balkon.</p>
<p>Tagsüber verließen wir selten die Wohnung: Da wir uns geschworen hatten, nie in eines der Cafés zu gehen, die mehr Saft- als Biersorten führten, hätten wir auch bis in den Friedrichshain fahren müssen, um etwas passendes zu finden. Zwei- oder dreimal hatten wir den Ball genommen und waren auf den Helmholtzplatz gegangen, kicken im Käfig. Lauter Kinder standen hinterm Tor und glotzten, weil wir sie nicht mitspielen ließen, obwohl sie immer fragten. Wenn wir „Nein“ sagten, setzten sie sich kurz zusammen und beratschlagten ein Gegenplädoyer. Dann riefen sie ihre Eltern und petzten, die Eltern schimpften, wir zuckten die Achseln, die Kinder stellten sich demonstrativ neben das Tor. Beim dritten Mal traf einer von Pierres gefürchteten Außenristschlenzern punktgenau die Nase eines topfhaarschnittigen Jungen, der zu Boden stürzte wie weiland Andi Möller, mit dem Unterschied, dass er böse blutete. Da war klar: Wir würden nicht wieder kommen. </p>
<p>Unterhaltsam am Helmholtzplatz war eigentlich bloß die Tischtennisplatte auf dem Durchgang, in der Mitte des Platzes. Da fanden sie sich ein, die Verlierer, die gesellschaftlichen, das Sternburg in der zitternden einen Hand, den notdürftig zusammengefriemelten Tabakstumpen in der anderen. Dort starrten sie vor sich hin, schrieen sich an, verhöhnten sich, versöhnten sich, in dramatischen Gesten und derben Worten. Es war Marienhof mit Dreck unter den zentimeterlangen Fingernägeln und bis zur Wurzel heruntergefaulten Zähnen.</p>
<p>Und abends schleppte Pierre mich in die Bars, die uninteressant waren, weil ohne Kicker meistens. Nur die Villa Orange mochte ich gerne, da gab es Augustiner, da gab es einen Kicker, und abends strahlten sie Barbarella ohne Ton an die große Wand. Meistens aber saßen wir draußen und schauten in den Himmel, Pierre sprach von Lena, von ihren Haaren und ihren Augen. Langsam begann er, seinen Musikgeschmack zu reaktivieren, und inzwischen las er sogar wieder. Na gut, Brentano. Aber immerhin.</p>
<p>Besserung versprach einzig &#8222;die weiße Frau&#8220;, wie er sie nannte, Elena. Eigentlich hieß sie gar nicht Elena, sondern Julia, aber Pierre hatte zwei Wochen nach seinem Einzug sie völlig druff vom Feiern aus dem Dunckerclub mit nach Hause gebracht, und tatsächlich ähnelte sie frappant Lena, bloß ihr Teint war ganz weiß, wie gebleicht. Da bot sich E-Lena an, als Name. Elena, die, soweit ich das beurteilen kann, über keine nennenswerten Charaktereigenschaften verfügte, hatte sich stattdessen eine ganze Galerie an Ticks zugelegt. Wahrscheinlich hatten sie sich deswegen überraschenderweise am Frühstückstisch gut verstanden: weil sie so seelenglatt war.</p>
<p>Beispielsweise war es ihr unmöglich, links von jemandem zu laufen, das ging nicht, immer musste sie rechts laufen, weil sie als Kind schon immer rechts gelaufen war. Sagte sie. Auf die Frage: „Und warum bist Du als Kind immer rechts gelaufen?“, sagte sie üblicherweise: „Vierzig“, denn sie hatte sich angewöhnt, jeden Satz auf seine Buchstaben abzuzählen. Bei Fragen kam es häufiger vor, das sie einfach mit der Anzahl der Buchstaben, die die Frage beinhaltete, antwortete. Sechsundneunzig. Das ist anfangs ganz unterhaltsam. Neunundzwanzig. Wird aber schnell langweilig. Fünfundzwanzig. Vierzehn. Acht. Vier. Vier. Vier. Und so weiter. Elf.</p>
<p>Der perfekte Satz hatte laut Elena genau fünfzehn Zeichen. „Ich liebe Dich“ zum Beispiel war kein perfekter Satz, zu wenige Zeichen. „Ich liebe mehrere“, das war ein perfekter Satz. „Ich lieb Dich nich“, auch das: perfekt. „Noch ein Bier? Gern.“ waren zwar zwei Sätze, aber trotzdem: perfekt. Pierre störte sich nicht groß daran, er fühlte sich wohl als einer unter vielen, da stachen seine Charaktereigenschaften überhaupt erst heraus. Charaktereigenschaften hätte er gesagt, ich nannte das eher Schrullen. Elena gefiels, alles war gut. Bloß die Katze, die bereitete mir zwischenzeitlich immer mal wieder Kopfschmerzen. Und dass Pierre keine Anstalten machte, auszuziehen. „Noch ein bisschen bleiben“, sagte er dann, und wenn ich fragte: „Ja, aber wie lange?“, sagte er: „Vierzehn.“ Vielleicht meinte er Jahre.</p>
<p>Und dann schrieb mir eines Tages der Berliner Polizeipräsident. Interessant, dachte ich an den Briefkasten gelehnt, vielleicht möchte er mich zu einem Ball einladen. Oder einer meiner Bekannten ist in eine Straftat verstrickt, und ich muss eine Aussage machen. Vielleicht ist auch ein Familienmitglied ermordet worden, soll es alles geben. Zumindest hatte ich davon über Leute gehört, die noch einen Fernseher zu Hause stehen hatten.</p>
<p>Wichtige Post will zelebriert werden. Ich trug den Brief also behutsam bis in den vierten Stock, in die Küche, kochte Kaffee, goss ein wenig Sahne ein, weil die Milch ja alle war, und warf ein Stück Zucker hinein. Behutsam rührte ich dreimal links im Kreis, dreimal rechts im Kreis, ging zur Spüle, hielt den Löffel kurz unter warmes Wasser und trocknete ihn ab. Mit dem Stiel des Löffels riss ich den Umschlag auf, setzte mich bequem in den Sessel, trank einen Schluck und begann die Lektüre.</p>
<p>Drei Sekunden später hatte ich die Küche voll mit Kaffee gespuckt, der lautlos von den Wänden troff. „Schriftliche Äußerung im Strafverfahren“, stand da. Sehr geehrter Herr Prock, stand da. Gegen Sie wird ein Ermittlungsverfahren geführt, das folgende Beschuldigung zum Gegenstand hat: Hausfriedensbruch, stand da. Tatörtlichkeit: Wohnzimmer, stand da. Verdammte Scheiße, dachte ich, und dann: Und jetzt?, und dann: acht.</p>
<p>Bettina hatte uns also angezeigt. Vermutlich war es Bettina gewesen, die Anzeigeinstanz war nicht vermerkt. Ich wurde nur vorgeladen und sollte mich zum Hausfriedensbruch äußern. Pierre fand den ganzen Vorfall äußerst amüsant und meinte, ich solle den Brief wegwerfen, das erledige sich von selbst. &#8222;Ich werd Dich gleich erledigen&#8220;, sagte ich, &#8222;wenn Du nicht innerhalb der zwei Wochen hier ausziehst.&#8220; Da lachte auch Pierre nicht mehr, sondern ging in &#8222;das Wohnzimmer&#8220;, wie er sagte, Elena anrufen. &#8222;Kann ich bei Dir unterkommen?&#8220; ist zwar viel zu lang für einen perfekten Satz, aber es hat trotzdem geklappt: Eine Woche später war Pierre zu Elena gezogen und ich erwog, Glasscherben auf dem Balkon auszustreuen, falls er trunken auf seltsame Ideen kommen sollte, die die Zweckentfremdung meiner Regenrinne mit einschlossen.</p>
<p>Das Polizeipräsidium des fünfzehnten Abschnitts der dritten Dienstgruppe, das sich offensichtlich für meinen Sommer im Prenzlauer Berg interessierte, liegt in der Eberswalder Straße, vis-à-vis des Mauerparks. Vielleicht ist das so, damit die Beamten die ganzen Dealer nicht so weit schleppen müssen bei ihren wöchentlichen Razzien. Mein Bearbeiter hieß Strawinski, was mich sehr freute. Strawinski jedenfalls zog ein sorgenvolles Gesicht und sah mir auf die Nase, denn er schielte nach innen. Außerdem hatte ihm jemand Kresse über die Lippen gepflanzt, die wild wucherte: mit einer entsprechenden Brille wäre er beim Tatort für die Rolle des Zuhälters gecastet worden. </p>
<p>Nachdem ich mich versichert hatte, das Pierre der Inhalt unseres Gesprächs sein sollte, schilderte ich ihm in ausufernden Gesten den Sachverhalt: Lena. Ihre Haare. Ihre Augen. Ihre Arme. Den Klang ihrer Stimme. Pierre auf dem Balkon. Pierre, verzweifelt. Pierre, vor meiner Tür. Ich, im Schlafanzug. Ich, hadernd. Ich, menschlich. Und dafür sollte ich nun angezeigt werden? Wer würde einen guten Menschen, wie ich es bestimmt hätte werden können, hätten meine Eltern mehr Geld gehabt, für eine solche Tat anzeigen wollen?</p>
<p>Dann schilderte ich Bettina. Wie sie mich angegrient hatte, im Callcenter. Wie sie anzügliche Bemerkungen gemacht hatte. Wie sie abgewiesen worden war. Die Jeansjacken. Sollte man einem solchen Menschen vertrauen, der, hätte ihm das Schicksal besser mitgespielt, das Zeug zum Ackermann gehabt hätte?</p>
<p>Ich schlug flacherhand auf den Tisch: Nein! So haben wir nicht gewettet. Es muss, rief ich, es muss doch noch Gerechtigkeit geben! Muss es!</p>
<p>Strawinski sah mich an und fragte: &#8222;War die Wohnzimmertür abgesperrt?&#8220;, und ich: &#8222;Neunundzwanzig.&#8220;, und er: &#8222;Bitte, was?&#8220;, und ich: &#8222;Ja. Nein. Entschuldigen Sie. Nein, war sie nicht. Die Tür war nicht abgesperrt.&#8220;, und er: &#8222;Na gut. Sie hören von uns.&#8220;, und ich: &#8222;Na, herzlichen Dank.&#8220;, und er: &#8222;Auf Wiedersehen.&#8220; Das war bestimmt eine Drohung gewesen. </p>
<p>Zu Hause fiel ich entspannt an den Küchentisch. Alles war gut. Pierre hatte recht behalten. Der ausgespuckte Kaffee hatte Fäden gezogen, das müsste man jetzt aufwischen. Ich wollte, zur Feier des Tages, aber lieber einen heben gehen und rief Pierre an, der sich von mir in die Villa Orange einladen ließ.</p>
<p>Der Abend muss lang gewesen sein, aber ich habe wenig Erinnerung daran behalten. Im Traum, morgens, hörte ich die Katze maunzen, laut und deutlich, während ich als Nomade durch die Wüste Gobi zog. Die Katze störte. Das Maunzen störte. Was macht überhaupt eine Katze in der Wüste? Vielleicht hat sie Hunger, dachte ich, und schlug die Augen auf. Die Katze maunzte immer noch. Sie lag quer über der Türschwelle und sah mich vorwurfsvoll an. Als wäre ich Tierarzt.</p>
<p>Katzenfutter war ja noch da, das war gut. In der Küche. Kaffee auch. Und die Katze. Die Katze war auch da. Ich nahm das als Tatsache hin und vermied es, Fragen zu stellen, denn ich wusste sowieso keine Antworten, und zum Buchstaben zählen war ich zu müde. Außerdem wollte ich der Katze keine Gelegenheit mehr zum Maunzen geben, wegen des Katers. Vielleicht war das ja eine Art Gottesbeweis.</p>
<p>Den Kaffee in der Hand, beschloss ich, im Wohnzimmer fernzusehen. Oder zu lesen. Günstigstenfalls wieder einzuschlafen, auf dem Sofa. Ich trat zur Tür, nahm die Klinke und ruckte. Und ruckte. Und ruckte noch einmal. Sie blieb verschlossen, die Tür. Verdammt. Abgesperrt. Ich horchte: drinnen schnarchte jemand. Gut, dachte ich und legte mich zurück ins Bett. Das mach ich jetzt auch.</p>
<p>Als ich wieder aufwachte, summte es aus der Küche, nicht sehr zusammenhängend allerdings. Das klang einerseits nach Stockhausen, andererseits aber auch nach Bettina. Ich zog die Decke über den Kopf: Dafür war ich ganz und gar nicht in der Stimmung. Vielleicht könnte ich die Bettlaken zusammenknoten und mich über das Fenster abseilen. Oder einfach die Augen zumachen und warten, bis alles vorbei war. Oder Bettina - denn das musste Bettina sein - die Katze ins Gesicht schleudern und zur Haustür rausrennen. All das ging bestimmt, aber zuerst brauchte ich Kaffee. Kaffee war in der Küche. In der Küche war Bettina. Die Situation war ausweglos.</p>
<p>Gut, dachte ich, hab Mut. Aufstehn, zur Tür gehen, Klinke runterdrücken, innehalten, zurück ins Zimmer, sich was anziehen, zur Tür gehen, in die Küche gehen. &#8222;Guten Morgen&#8220; sagen. &#8222;Guten Morgen&#8220; hören. Kaffee machen, nach der Katze spähen. &#8222;Wie geht’s&#8220;, sagen, &#8222;Gut. Und Dir?&#8220; hören. &#8222;Geht so&#8220; sagen, &#8222;bin angezeigt worden.&#8220;<br />
&#8222;Ja, das weiß ich&#8220;, sagte Bettina, &#8222;das war ich.&#8220; Sie grinste. War mir schlecht auf einmal.<br />
&#8222;Ja. Das dachte ich mir. Was ist denn aus Griechenland geworden?&#8220;<br />
&#8222;Ich bin zurück&#8220;, sagte Bettina und zog sich eine Kippe aus meiner Schachtel. Schnapp, machte das Feuerzeug, ein Zippo. &#8222;Seit einer Woche.&#8220;<br />
&#8222;Dann hast Du die Katze hier rausgeholt?&#8220;<br />
&#8222;Stümmt.&#8220;<br />
&#8222;Wolltest Du nicht sechs Monate in Griechenland bleiben? Statt eines Monats?&#8220;, fragte ich, während der Kaffee in der Kanne zu brodeln begann.<br />
&#8222;Jetzt reicht’s&#8220;, schrie sie plötzlich, &#8222;willst Du mich etwa aushorchen?&#8220; Sie knallte das Zippo auf den Tisch. &#8222;Du kannst auf der Stelle ausziehen, hörst Du?&#8220;<br />
&#8222;Ja&#8220;, sagte ich. &#8222;Aber nicht jetzt. Jetzt trink ich Kaffee.&#8220;</p>
<p>Zum Glück besaß ich damals nicht viel Zeug, bloß ein paar Klamotten und einige existenzialistische Bücher, in denen stand, dass es von Vorteil sei, nicht viel Zeug zu besitzen: Das packen nahm also keine viertel Stunde in Anspruch. Wohin, wusste ich nicht genau, also ging ich zuerst auf den Helmholtzplatz und kaufte Bier beim Kiosk ums Eck. Sternburg schien mir angebracht, aber Augustiner schmeckte besser. Ich setzte mich an die Tischtennisplatte, da saßen sie wieder, die ganzen Herrschaften, denen eine Abrissbirne durch den Lebenssinn gependelt war, und die die entstandenen Löcher notdürftig mit Alkohol zu flicken versuchten, und sahen mich traurig an. Ich sah zurück. &#8222;Ich bin aus meiner Wohnung geflogen&#8220;, sagte ich, &#8222;gerade eben.&#8220; Sie nickten. Das kannten sie. Hallo, sagten sie, ich bin der, und dann einen Namen, männlich. Ich bin die, und dann einen Namen, weiblich. Hallo, sagte ich. Und Prost. Prost. So saßen wir schweigend, bis sich eine der Gestalten erbot, mir Asyl zu gewähren, und ich habe tatsächlich einen Moment nachgedacht. Dann aber drehte der Wind und blies aus ihrer Richtung zu mir her, woraufhin ich dankend ablehnte. </p>
<p>Pierre rief an, und nachdem er mir etwas zugehört hatte, erbot er sich, mir für ein paar Tage einen Schlafplatz zu organisieren. Ich zog die Jugendherberge vor. Irgendeine WG würde sich schon finden, das war nicht das Ding. </p>
<p>Bloß der Sommer, der war mir jetzt ein bisschen kurz geraten. Und Geld hatte ich auch keines mehr: Monatlich legte ich 150 Euro zurück, um gegebenenfalls gegen die bevorstehende Anklage zum Hausfriedensbruch gewappnet zu sein. Als dann bis Oktober keine Post von Herrn Stravinski gekommen war, beschloss ich, das Geld zu meinem reinen Vergnügen auszugeben: obwohl es vielleicht sadistisch sein könnte. Der Privatdetektiv hat jedenfalls nicht schlecht geschaut, als ich ihm Bettinas Adresse inklusive Jeansjacke in die Hand drückte mit dem Auftrag, sie zwei Mal die Woche für einige Stunden so zu beschatten, dass sie es mitbekommen musste.</p>
<p>Sein Abschlussbericht jedenfalls ist äußerst unterhaltsam. Das aber ist – mal wieder – eine andere Geschichte.</p>
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		<title>Podcast vom 7.4.2008</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 12:44:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johnny Haeusler, Tanja Haeusler</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>

		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Muss sein und ging schneller als Tippen: Unser persönlicher, kurzer re-publica-Rückblick plus etwas längere Spontan-Überlegungen fürs nächste Jahr. Außerdem: Was wir verpasst haben, z.B. <a href="http://www.engadget.com/2008/03/31/deutsche-telekom-t-mobile-demands-engadget-mobile-discontinue/">T-Mobile vs. Engadget</a> und <a href="http://www.techcrunch.com/2008/03/22/these-crazy-musicians-still-think-they-should-get-paid-for-recorded-music/">TechCrunch</a> vs. <a href="http://www.nytimes.com/2008/03/22/opinion/22bragg.html">Billy Bragg</a>. Und die <a href="http://www.spreeblick.com/2008/04/07/bauanleitung-ein-t-mobile/">Bauanleitung für das T-Mobile gibt es hier</a>.</p>
<p><a href="http://spreeblick.com/podcast/spreeblick080407.mp3">MP3, 37:27, 51,4 MB</a></p>
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