Selten habe ich mich von so vielen Online-Kontakten getrennt wie am gestrigen Tag. Als mir wieder einmal bewusst wurde, wie kurz unser aller Zeit ist, und als ich erneut beschloss, meine eigene so selten wie möglich damit zu verbringen, Missgunst, Hass und purer Dummheit Aufmerksamkeit zu schenken. Ich will lernen, besser zu filtern. Less noise.
Leicht wird das nicht, schließlich verbirgt sich hinter vielen Meinungen oder Standpunkten Dritter, die unter Umständen zunächst abschreckend wirken, fundiertes Denken oder Wissen, welches ich vielleicht im Moment der Lektüre nicht sofort nachvollziehen kann, das aber dennoch anregend oder horizonterweiternd wirken kann. Nichts wäre schließlich schlimmer, als ein Umfeld voller gleicher Meinungen.
Doch um Meinungen geht es nicht, sondern – mal wieder – um Haltungen. Ich habe gestern einige Zeit damit verbracht, die Timelines digitaler Bekannter (die ich in Wahrheit überhaupt nicht kenne) etwas intensiver zu lesen, um einen Eindruck der generellen Sichtweise derjenigen Menschen zu bekommen, mit denen ich mehr oder weniger aktiv kommuniziere. Und ich war oft genug erschrocken, wie viel Energie man darauf verwenden kann, das Leben oder Schaffen Dritter mit einer gewissen Dauerhaftigkeit zu bemängeln, es einem Perfektionstest zu unterziehen und es am Ende öffentlich zu missbilligen. Und ich habe mich gefragt, ob ich selbst so oder ähnlich agieren will, ob ich die Qualität meines eigenen Daseins an den Verfehlungen Anderer messen will, ob ich also meine eigene Haltung über die von Dritten definieren möchte. Und meine klare Antwort war: Nein.
Ich kann nicht ausschließen, dass diejenigen, die so viel Zeit mit der Bemängelung Dritter verbringen, nicht selbst wahrhaft perfekte Menschen sind, die sich diese Kritik einfach leisten können. Doch ich bezweifle, dass es so ist.
Und so werde ich die Konsolidierung meiner virtuellen Umgebung weiter vorantrieben, aus ganz egoistischen Gründen. Das wird mich zwar wochenlang beschäftigen, und ich werde dabei Fehler machen und Kompromisse eingehen. Doch das generelle Ziel will ich im Auge behalten:
Ich möchte mein Leben nicht damit verbringen, Das Falsche im Tun Anderer zu finden, sondern ich will versuchen, mich auf das Richtige zu konzentrieren. Das erscheint mir schwer genug, aber sinnvoller.
Und das Irrste ist, dass ich schon mit diesen Zeilen an der selbst gestellten Aufgabe scheitere, da ich damit nämlich genau das Gegenteil gemacht habe. Life’s a bitch. And then you die.