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><channel><title>Spreeblick &#187; Reflexionen</title> <atom:link href="http://www.spreeblick.com/category/kategorien/positionen/reflexionen/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.spreeblick.com</link> <description>I live by the river!</description> <lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 21:57:54 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator> <item><title>Wintersport</title><link>http://www.spreeblick.com/2012/02/05/wintersport/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2012/02/05/wintersport/#comments</comments> <pubDate>Sun, 05 Feb 2012 13:19:50 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51950</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2012/02/ski.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">J. Haeusler</span></a></p></div></p><p>Man trennt zwei Mikrowellengeräte vom Netz und legt die Geräte nebeneinander mit den Türen nach oben auf den Boden. Dann öffnet man die Türen und stellt je einen Fuß in je eines der Geräte, so dass die Türen an den Schienbeinen lehnen. Jetzt gießt man die Geräte mit Beton aus. Während der Beton durchtrocknet, bittet man eine zweite Person, einem zwei, drei Daunenschlafsäcke über den Körper zu ziehen und das Gesicht mit Klebeband zu umwickeln – die Augen bleiben dabei frei, werden jedoch mit Klarsichtfolie überdeckt. Motorradhelm und -handschuhe komplettieren das Outfit.</p><p>Als nächstes schultert man noch zwei mittelgroße Holzbalken und zwei leichtere Alu-Rohre, behauptet, man werde nun &#8222;Sport machen&#8220; und beginnt &#8222;Ski zu fahren&#8220;. Betoniert man seine Füße statt in zwei Mikrowollengeräte in einen einzigen Kühlschrank, nennt man das Ganze &#8222;Snowboarden&#8220;, Holzbalken und Alu-Rohre fallen dann weg.</p><p>Tatsächlich ist die Ausrüstung beim Wintersport das beste Argument dagegen. Denn der zeitliche und physische Aufwand und der Schmerz beim Anziehen, Tragen und wieder Ablegen des Equipments steht eigentlich in keinem vernünftigen, nachvollziehbaren Verhältnis zum Vergnügen. In Snowboard-Boots kann man sich zumindest noch halbwegs würdevoll zur Piste bewegen, in Skistiefeln ist das unmöglich und dauert etwa dreimal so lange, als würde man rückwärts auf allen Vieren zum Berg krabbeln. In einem Schlafsack natürlich.</p><p>Immerhin sehen aber alle Beteiligten beim Wintersport gleich lächerlich aus – manche sogar noch etwas lächerlicher – und sind durch Mützen, Gesichtsmasken, Schals und Helme zudem derart unerkennbar, dass man sich nicht zu sorgen braucht, zufällig jemanden zu treffen, der einen bis dahin respektiert hat.</p><p>Es müssen die gleichen Hormone sein, die Frauen dazu bringen, sich nach dem ersten Kind für weitere Nachkommen zu entscheiden. Angeblich vergessen sie nämlich die Schmerzen, unter denen sie das erste Kind geboren haben, sehr schnell, und so zwängt sich auch der Wintersportler jeden Tag erneut in seine Ausrüstung, als könne er sich an die Qualen vom Vortag nicht mehr erinnern.</p><p>Wer den Mensch für das intelligenteste Lebewesen der Erde hält, sollte die genaue Anzahl der Pinguine kennen, die sich freiwillig in Ketten legen und dann versuchen, mit Hilfe von Seilwinden Bäume zu erklimmen, um von dort oben hinab zu fliegen: Null.</p><p><div
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class="license-cc" href="#"><span
class="text">J. Haeusler</span></a></p></div></p><p>Nun ist es aber so, dass sich gerade im Winter Familienurlaube mit leichter auszuübenden Sportarten und weniger Wettausrüsten nicht allzu großer Beliebtheit erfreuen, zumindest fand mein Vorschlag &#8222;Lasst uns doch dieses Jahr mal so&#8217;n richtig irren Billard-Urlaub in Marzahn machen&#8220; wenig Zustimmung. Und so fanden wir uns bereits zum zweiten Mal in einem tschechischen Kaff wieder, um uns Mikrowellen und Kühlschränke an die Füße zu betonieren.</p><p>Der Wintersport hat nämlich hat in den vergangenen Jahrzehnten einen enormen Wandel durchgemacht. Zu meiner Schulzeit galt Skifahren nicht grundlos als Sport für Reiche, und die einzigen Mitschüler, von denen ich wusste, dass sie regelmäßig Ski fuhren, waren die, die auch Tennis spielten und morgens in Papas Mercedes zur Schule gefahren wurden. Die Kosten für einen einzelnen Skipass, also die Lizenz zum Wedeln, überstiegen in den 70ern die eines Kleinwagens, der einfachen Ausübung des Sports als reines Freizeitvergnügen stand im Vorfeld wochenlange Skigymnastik zur ernsthaften Vorbereitung im Wege, und &#8222;eben mal so auf die Piste&#8220; gab es sowieso nicht – vor der selbstständigen Abfahrt musste ein mehrtägiger und unerschwinglicher Skikurs belegt werden, während dessen man als Anfänger stundenlang und auf einem imaginären Klo sitzend den &#8222;Schneepflug&#8220; übte. So erinnere ich meine einzige Ski-Reise in der achten oder neunten Klasse.</p><p><div
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src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2012/02/Foto.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">J. Haeusler</span></a></p></div></p><p>Rund 30 Jahre später ist das alles, hier darf man diesen Vergleich ungestraft anwenden, Schnee von gestern. Heutzutage fährt man ein paar Stunden gen Süd-Osten, leiht sich für einen knappen Zehner am Tag die Ausrüstung, kauft für einen ähnlichen Betrag einen Skipass und rutscht dann, nachdem es einen etwa achtzehnmal hintereinander aus dem Skilift gehauen hat, irgendwie die Piste hinab. Am Ende der Strecke sind alle unbeweglichen Gegenstände mit Polstern umwickelt, es kann also nicht viel passieren.</p><p>Und siehe da: Abgesehen von den oben beschriebenen Qualen bereitet der Unsinn tatsächlich viel Vergnügen. Snowboarden kommt mir dabei etwas schwieriger und anstrengender vor als Skifahren, machte mir aber nach einigen Tagen der Übung auch mehr Spaß – allein das Fehlen der bescheuerten Skistiefel ist ein Punkt für ein statt zwei Bretter. Am Ende ist die Wahl der Gleitmittel aber natürlich ebenso reine Geschmackssache wie die Wahl des Skigebiets.</p><p>Wir hatten uns zum zweiten Mal auf Anraten und in Begleitung einer befreundeten Familie für <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rokytnice_nad_Jizerou">Rokytnice nad Jizerou</a> entschieden, einem <a
href="http://www.rokytnice.com/">Skigebiet mit diversen Pisten für Anfänger und Profis</a>, das man von Berlin aus mit dem Auto in etwa viereinhalb Stunden erreicht – es sei denn, man verlässt sich auf das TomTom-Navigationssystem fürs iPhone, dann endet man auf einer bei Schnee kaum befahrbaren Landstraße in den Bergen, die genau an der Stelle nicht mehr vorhanden ist, an der man fast am Ziel sein sollte, muss umkehren, hoffen, dass man es ohne Schneeketten schafft, und braucht am Ende knapp sieben Stunden.</p><p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2012/02/ski1.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">J. Haeusler</span></a></p></div></p><p>Wer es uns gleich tun will, ein besseres Navi hat und den Schneespaß in unprätentiöser und vor allem bezahlbarer Umgebung in Tschechien ausprobieren mag, der sollte keine Dienstleistungswunder erwarten und ein gewisses Faible für die osteuropäische Lebensart mitbringen. Die Glühwein-Bude schließt wie der Skilift exakt um 16 Uhr, danach muss schleunigst abgeschnallt werden, denn die nötigsten Einkäufe müssen vor 17 Uhr erledigt sein, wenn der lokale Supermarkt und somit die einzige Lebensmittelquelle dicht macht. Am früheren Abend kann man zwischen zwei Restaurants wählen und dabei vermeiden, nach Bio-Gemüse zu fragen. Oder überhaupt nach Gemüse. Und spätestens ab 22 Uhr ist das Dorf ohnehin tot, aber das ist man selbst von den sportlichen Anstrengungen des Tages ja auch. Wer trotzdem nach dem Aprés-Ski-Vergnügen sucht, kann das in Rokytnice wunderbar tun. Er wird aber keines finden.</p><p>Für eine Woche mit der ganzen Bande oder guten Freunden ist der Ort jedoch völlig in Ordnung, die in diesem Jahr wegen später Buchung leider nur mittelmäßig geräumige und komfortable Appartment-Unterkunft für vier Personen hat uns rund 450 Euro gekostet (bessere sind, wenn überhaupt, unwesentlich teurer), für Equipment-Miete und Skipass zusammen sollte man pro Person und Tag 15-20 Euro kalkulieren und auch zwei bis drei familiäre Abendessen stürzen einen nicht in den Ruin. An den übrigen Tagen gibt&#8217;s halt Nudeln. Wie zuhause.</p><p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2012/02/ski21.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">J. Haeusler</span></a></p></div></p><p>Die Menschen in Tschechien erlebten wir als äußerst freundlich und entspannt, allein die Sprachbarriere verhindert längere oder tiefer gehende Gespräche. Im Großen und Ganzen kann man das Ski-Paket im Riesengebirge also empfehlen – vielleicht nicht für Poser und Singles, sehr wohl aber für Familien, Freunde oder Paare, die einfach mal in Ruhe und mit kleinem Budget richtigen Schnee erleben wollen.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2012/02/05/wintersport/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>16</slash:comments> </item> <item><title>The state of Spreeblick</title><link>http://www.spreeblick.com/2012/01/27/the-state-of-spreeblick/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2012/01/27/the-state-of-spreeblick/#comments</comments> <pubDate>Fri, 27 Jan 2012 14:23:09 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51930</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2012/01/spreeblick.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/spreeblick/6587868521/in/photostream"><span
class="text">J. Haeusler</span></a></p></div></p><p>Keine Sorge, wir haben keinen Staat gegründet. Stattdessen schien es mir mal wieder an der Zeit, ein kleines Status-Update in eigener Sache zu tippen, eine Tradition im Hause Spreeblick.</p><p>Denn mit dem Ritt ins zehnte Spreeblick-Jahr verändert sich dieses Blog mal wieder ein wenig, was einige regelmäßige Leserinnen und Leser ja schon bemerkt haben. Nach vielen verschiedenen Formen und Formaten, mit denen hier experimentiert wurde, kehrt Spreeblick wieder dorthin zurück, wo es hergekommen ist und kann ganz definitiv wieder als mein persönliches Blog angesehen werden. Eine Tatsache, die auch visuell umgesetzt werden soll, sobald die Zeit dafür vorhanden ist.</p><p>Wir – damit meine ich neben meiner eigenen Person besonders Tanja, die sich in der Vergangenheit massiv um die Beiträge anderer Autoren gekümmert hat, und auch Christoph, der uns (auch) technisch zur Seite steht – haben in den vergangenen Jahren viel Zeit, Energie und auch jede Menge Geld in dieses Projekt investiert. Wir waren mit mehreren Autoren eine Art &#8222;Blog-Magazin&#8220;, haben uns kulturell, politisch und technisch umgeschaut und engagiert, haben einigen tollen Quatsch gemacht und gemeinsam mit den Leserinnen und Lesern viele inspirierende Diskussionen geführt und großartige Aktionen auf die Beine gestellt. Die <a
href="http://re-publica.de">re:publica</a> ist und bleibt ein wichtiger Teil dessen, was Spreeblick mit angeschoben hat, und es gibt jede Menge guter Erinnerungen an das, was wir hier mit euch erleben dürfen. Das alles macht zwar immer noch Spaß, dennoch überkam mich in den letzten Jahren eine zunächst schwer zu definierende Unzufriedenheit (&#8222;Liebes Tagebuch, eine merkwürdige Stimmung hat von mir Besitz ergriffen …&#8220;), die sich im vergangenen Sommer manifestierte und endlich zu konkreten Beschlüssen führte.</p><p>Es gab nämlich eine Zeit, in der wir sicher waren, dass Spreeblick in der deutschsprachigen Blog-Landschaft gute Chancen hätte, zu einem halbwegs relevanten Meinungsmagazin mit vielen Autoren zu werden, eine Art Huffington Post ohne Millionärsgattin und ohne den ganzen Celebrity-Gossip (der jedoch, das bleibt meine Überzeugung, die Huffington Post eigentlich erfolgreich macht, aber das ist ein anderes Thema).</p><p>Doch wir mussten erkennen, dass diese Idee ohne eine sichere Finanzierung eines Redaktionsteams über mehrere Jahre hinweg nicht umsetzbar war. Die Honorare für unsere wenigen Autoren speisten sich ja immer auch aus Querfinanzierungen, hier mal eine Website betreut, dort mal ein Konzept geschrieben. Eine echte Finanzierung, die zur Fokussierung nötig gewesen wäre, hätte von Dritten kommen müssen, die selbige verständlicherweise nicht ohne strategische und inhaltliche Einmischung geleistet hätten. Zudem hätte der Zwang zur zukünftigen, kompletten Refinanzierung brutalste Maßnahmen bedeutet. Denn wie nahezu jede existierende kommerzielle Online-Publikation wäre dann auch Spreeblick nicht mehr an &#8222;Advertorials&#8220; und &#8222;Full Splash Pop Down Over Under Scream Screens&#8220; vorbei gekommen.</p><p>Mehrfach standen Tanja und ich also vor der Frage: Wollen wir das? Wollen wir an die Weisungen Dritter gebunden sein, wollen wir regelmäßige Finanz-Meetings, wollen wir unsere Zeit überhaupt mit Meetings, Personalfragen und mehrseitigen Excel-Sheets verbringen?</p><p>Und die ehrliche Antwort lautete immer wieder: Nö. Hätten wir einen Partner getroffen, der sich &#8222;richtig&#8220; angefühlt hätte, wäre es vielleicht anders gekommen, haben wir aber nicht.</p><p>Und das ist von heute aus betrachtet auch prima so, uns geht es nämlich super dabei.</p><p>Aus meiner persönlichen Sicht erkläre ich meine aktuelle Stimmung so: Nachdem Spreeblick viele Jahre lang begleitete, was ich tue, wurde es immer mehr zu dem, was ich tue. Und das genügt mir nicht mehr. Ich habe erkannt, dass ich genau so arbeite und somit auch lebe, wie ich nie arbeiten und leben wollte – ich sitze den ganzen Tag an einem Schreibtisch vor einem Computer.</p><p>Und obwohl der Rechner bzw. das Netz natürlich ein zentraler Bestandteil, eines der wichtigsten Werkzeuge bei meiner Arbeit bleiben wird (denn ich schreibe und kommuniziere schließlich viel), muss, will und werde ich diesen Blog-Beamten-Zustand beenden.</p><p>Für Spreeblick bedeutet das nun interessanterweise gar nicht so wahnsinnig viel Veränderung, die auffallendste wird wohl sein, dass die Posting-Frequenz zurück geht bzw. schon zurück gegangen ist. Ich empfinde keinen Druck mehr, täglich etwas veröffentlichen zu müssen (es gibt derzeit 10.350 Postings auf Spreeblick – das sind, großzügig auf zehn Jahre verteilt, durchschnittlich 86 Posts pro Monat), lasse mir mit Themen mehr Zeit. Ich werde weiterhin auf einiges verweisen, was ich im Netz und drumherum liebe, werde auch in Zukunft bei bestimmten Themen meine Klappe nicht halten können, nutze nach wie vor die sozialen Kanäle wie <a
href="https://twitter.com/#!/spreeblick">Twitter</a> und <a
href="https://www.facebook.com/johnnyhaeusler">Facebook</a> und bin außerdem viel zu sehr Gadget-Freak, als dass ich auf Tests spannender Geräte verzichten könnte. Doch ich will das alles nur tun, wenn ich es tun will – und nicht, weil ich das Gefühl habe, dass ich es tun muss. Ich werde – und wir werden – noch in diesem Jahr neben Spreeblick und der re:publica neue Pläne umsetzen, mich und uns anderen Dingen zuwenden, die nur teilweise direkt mit dem Internet zu tun haben. Und auch über diese wird man an dieser Stelle lesen können.</p><p>Eigentlich glaube ich, dass Spreeblick nicht unter unseren Gedanken und Beschlüssen und Aktivitäten leiden wird – und hoffe sogar, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Change is good.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2012/01/27/the-state-of-spreeblick/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>91</slash:comments> </item> <item><title>The Wulff of Germany</title><link>http://www.spreeblick.com/2012/01/09/the-wulff-of-germany/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2012/01/09/the-wulff-of-germany/#comments</comments> <pubDate>Mon, 09 Jan 2012 17:00:36 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51741</guid> <description><![CDATA[<blockquote><p>In den vergangenen zehn Jahren bin ich mit vielen Politikern in Kontakt gekommen. Anfangs haben mich ihre Reden fasziniert. Irgendwann fand ich sie zynisch und schließlich widerlich. Mit Menschen, die auf Macht aus sind, stimmt etwas nicht. Sie sind regelrecht psychisch krank.</p></blockquote><p>Diese Sätze stammen aus einem <a
href="http://www.fr-online.de/leute/-persepolis--autorin-evolution-statt-revolution,9548600,11390404.html">FR-Interview</a> mit der iranischen Filmemacherin und <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Persepolis_(Comic)">Persepolis</a>-Autorin <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marjane_Satrapi">Marjane Satrapi</a>. Neben ihrer Abneigung gegen Machthungrige beschreibt Satrapi in dem Gespräch, wie sie ihre politischen Aktivitäten auf kulturelle verlagert hat. Das klingt hier und da etwas esoterisch, doch die grundsätzliche Frage stellt sich Frau Satrapi ja nicht als Erste oder gar Letzte: Was ist wirklich politischer? Ein Blogbeitrag gegen S21 oder ein Lied, das jemanden zum Weinen bringt?</p><p>An die letzten Wochen im deutschen Medien- und Netzland angepasst und daher etwas anders gefragt: Welche Show bewegt mehr? Die mit Wulff oder die mit ProSiebenSat1? Ich stimme für die letztgenannte.</p><p>Bei der Wulff-Show wird schließlich nur der Eindruck erweckt, als gäbe es eine Publikumsabstimmung, und gesungen wird niemals live. Ein wenig Twitter-Aufregung hier, die ein oder andere Facebook-Debatte, täglich neue Enthüllungshäpchen, wertvolle Primetime-TV-Sendezeit und immer mal wieder eine Umfrage: Wir dürfen uns so fühlen, als hätten wir etwas zu sagen und als bekämen wir Informationen.</p><p>Wirklich entscheiden tut jedoch nur die altbekannte Jury, bestehend aus Regierung, Presse und BILD. Und das ist dann auch der Grund, warum eine weitere <a
href="http://www.miriammeckel.de/2012/01/07/der-theoretische-prasident/">Berufspolitiker</a>-Pfeife am Amt festhält, obwohl es keinen einzigen Grund mehr dafür gibt, doch solange Mutter Merkel und Papa Diekmann nicht das <em>Go!</em> geben, tritt hier niemand zurück. Zu sehr lieben wir ja unsere täglichen Serien, zu gerne fragen wir uns, wie es wohl weiter geht. Und so werden wir wohl noch ein bisschen auf die Folter gespannt, obwohl die Artikel mit dem Titel &#8222;So viel Bezüge erhält Wulff nach seinem Rücktritt!&#8220; sicher schon geschrieben sind, wir uns also schon jetzt auf Fortsetzungen freuen dürfen.</p><p>Bis dahin wird weiter &#8222;Salami-Taktik&#8220; vorgeworfen, während selbige in jeder Redaktion zur Scheibchen-Berichterstattung dazu gehört (Dramaturgie!); es wird sich weiter über täglichen Alltag wie unterschiedliche Zinssätze für unterschiedliche Kunden gewundert; und es wird weiter so getan, als wären Absprachen – versuchte wie durchgesetzte – zwischen Politik und Presse ein einzigartiges Phänomen.</p><p>Die für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen müssen daran schuld sein, dass jetzt schon Sommerloch ist.</p><p>Immerhin, das bleibt festzuhalten: Keinem Bundespräsidenten zuvor ist es gelungen, das deutsche Volk so zu einen, wie es Christian Wulff derzeit tut. Bild dir deine Meinung ein.</p><p>Doch bevor ich mich der Entwicklung mitschuldig mache, dass Links zur BILD plötzlich irgendwie okay zu sein scheinen und das Blatt auch noch für irgendetwas anderes als skrupellosen Sensationsjournalismus stehen soll, konzentriere ich mich lieber auf wirklich gutes Entertainment und freue mich auf die nächste Folge von <em>The Voice of Germany</em> und damit auf Mainstream-Unterhaltung der besseren Machart. Durch und durch beinahe perfekt inszeniert, mit einer großartigen Live-Band besetzt, die sogar Radioheads &#8222;Creep&#8220; unpeinlich hinbekommt, und fast schon grenzwertig freundlich: Dass ich mich von einer Show aus dem Hause Endemol noch einmal gut unterhalten fühle, ohne mich zu schämen, das überrascht mich derzeit mehr als alles andere.</p><p>Denn wenn schon Theater, dann doch bitte richtig. Und mit festem Termin für die letzte Show.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2012/01/09/the-wulff-of-germany/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>17</slash:comments> </item> <item><title>It&#8217;s the end of the year as we know it</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/12/31/its-the-end-of-the-year-as-we-know-it/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/12/31/its-the-end-of-the-year-as-we-know-it/#comments</comments> <pubDate>Sat, 31 Dec 2011 15:00:03 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51696</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/zeitgeist.png" /><p><a
class="license-c" href="http://www.googlezeitgeist.com/de/top-lists/de/fastest-rising-searches"><span
class="text">Google</span></a></p></div></p><p>Den Rückblick auf 2011 überlasse ich denjenigen, die als Chronisten viel gewissenhafter arbeiten als ich. Sie können dabei nur auflisten, denn die schiere Menge der verfolgbaren Weltgeschehnisse im vergangenen Jahr macht eine Beurteilung zum jetzigen Zeitpunkt geradezu unmöglich. <a
href="http://www.fr-online.de/politik/2011-mehr-als-man-verkraften-kann,1472596,11372298.html">&#8222;Wie ist das alles zu fassen?&#8220;</a>, fragt die FR zurecht und weiß natürlich, dass die korrekte Antwort lautet: Gar nicht. Die Masse an Informationen und Meldungen überfordert uns, und so wird der erneute Umsatzrückgang im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt einmal nicht dem Internet zugeschrieben, sondern einer allgemeinen Abkehr vom Nachrichtenwesen. Wenn alles eh nicht mehr zu fassen ist: Why bother? Und <a
href="http://www.googlezeitgeist.com/de/top-lists/de/fastest-rising-searches">Google Zeitgeist</a> schließlich beweist: Wenn uns die Welt nicht gefällt, dann bauen wir uns eben eine neue. <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Minecraft">Minecraft</a> blieb das gesamte Jahr in der Topliste der Suchbegriffe.</p><p>Die Frage, ob tatsächlich mehr passiert ist oder sich der Informationsfluss einfach weiter verdichtet hat, wir also nur immer mehr mitbekommen, bleibt dabei weiterhin im Raum stehen. Doch gäbe es eine verlässliche Antwort auf diese Frage, würde sie uns auch nicht viel nutzen, also reagieren, analysieren, demonstrieren und occupieren wir vor uns hin in der Hoffnung, eine positive Rolle spielen zu können in diesem ganzen Lebenstheater.</p><p>Beim Weihnachtskonzert des älteren Sohns verlas der Musiklehrer das bemerkenswert politische und äußerst deutliche Gebet eines Pfarrers, in dem ein Ende des Konsumwahns und der Wirtschaftsgier sowie mehr soziale Gerechtigkeit gefordert und die Mächtigen generell angeprangert wurden. Eine neue Regierung müsse her, schloss der Pfarrer, und als der Musiklehrer nach diesem Schluss betonte, dass das Gebet aus dem 19. Jahrhundert stamme, wusste man nicht, ob man das motivierend oder ernüchternd finden sollte. So vieles ändert sich und doch so wenig.</p><p>Es bleibt das persönliche Tun und Handeln, vielleicht nicht immer weltbewegend, trotzdem immer wichtig. In Sachen Spreeblick brachte der Sommer für mich persönlich lang ersehnte Erkenntnisse, die dieses Blog wieder zu einem persönlicheren machen, weniger Tempo, weniger Druck. Mehr Raum für nicht Digitales in meinem Leben bedeutet mehr Abstand und damit der eingebildet klarere Blick auf eine Welt im Aufbau, deren Wichtigkeit niemand mehr anzweifelt. Die Frage ist dabei schließlich schon lange nicht mehr, ob das Internet unser Leben verändert, sondern wie, und so erhoffe ich mir von Spreeblick immer wieder den Blick aufs Ganze – wenn ich diesen allein nicht schaffe, dann sicher gemeinsam mit euch. Den Status Quo dauernd in Frage zu stellen, das ist schließlich nicht nur in der physischen Welt wichtig, sondern auch in der digitalen.</p><p>Während ich diese hier tippe, läuft im Hintergrund etwas melancholische Musik, die mir den Text gerade etwas wehmütig erscheinen lässt, dabei sollte er das gar nicht sein – obwohl ich gerne zugebe, dass ich Jahreswechsel sehr mag für dieses Gefühl der Zeit, deren Unaufhaltsamkeit sowohl Fortschritt als auch Verfall bedeutet. Drei Menschen aus meinem Bekanntenkreis sind in diesem Jahr gestorben, und obwohl mich jeder einzelne Tod getroffen hat, bringen mich solch traurige Nachrichten dem Leben näher. Denn sie machen mir immer wieder klar: Es gibt keinen Grund, zu warten mit dem, was man tun will.</p><p>Und so schließt dieser Text mit dem Wunsch auf ein großartiges 2012 für euch und uns alle, und als Hippies With Attitude, die wir nunmal irgendwie auch sind, wünschen wir euch das Einzige, das man wirklich braucht:</p><p>Gesundheit, Liebe und Frieden.</p><p><iframe
width="500" height="284" src="http://www.youtube.com/embed/-3ZXdvN3orA" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/12/31/its-the-end-of-the-year-as-we-know-it/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>10</slash:comments> </item> <item><title>SchülerVZ: Flop</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/12/08/schulervz-flop/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/12/08/schulervz-flop/#comments</comments> <pubDate>Thu, 08 Dec 2011 15:30:57 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51380</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/vz.png" alt="schülervz" title="schülervz" class="alignleft size-full wp-image-51381" /><small>(Hinweis: Updates finden am Ende des Artikels statt. Der &#8222;Flop&#8220;-Button wurde inzwischen von SchülerVZ gestoppt.)</small> Mit den <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/VZ_Netzwerke">VZ-Netzwerken</a> beschäftige ich mich eigentlich <a
href="http://www.spreeblick.com/?s=studivz">seit einigen Jahren</a> nicht mehr, denn irgendwann war es mir – genauso wie vielen ehemaligen Nutzerinnen und Nutzern – zu blöde, mich mit einem Projekt zu beschäftigen, das nichts als eine Facebook-Kopie war. Und glücklicherweise sind unsere beiden Kinder nie auf die Idee gekommen, sich bei SchülerVZ anzumelden, Facebook genügt mir ehrlich gesagt auch als elterliche Herausforderung lang und breit, danke sehr.</p><p>Die aktuelle Kampagne des strauchelnden Social Networks aus dem Hause <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verlagsgruppe_Georg_von_Holtzbrinck">Holtzbrinck</a>, <a
href="http://www.haltungsturnen.de/2011/12/es-wird-zeit-zu-gehen-schulervz.html">über die sich der Haltungsturner zurecht aufregt</a>, lässt mich aber mal wieder fassungslos auf die Tastatur hämmern.</p><p>Aus vielen Gesprächen mit Erwachsenen ohne eigene Kinder weiß ich, wie leicht es ist, die Verantwortung von Eltern in Sachen Internet und Social Media – oder besser gesagt: die Schwierigkeiten bei der täglichen Wahrnehmung dieser Verantwortung – zu unterschätzen. Es ist schon manchmal äußerst frustrierend, wenn die Lösung für jede Herausforderung im Bereich (Medien-) Erziehung lautet: &#8222;Ja, da müssen sich dann halt die Eltern drum kümmern&#8220;. Die meisten der mir bekannten Eltern sind sich ihrer Verantwortung nämlich sehr bewusst, und sie kümmern sich rund 87 Stunden am Tag, es wäre daher schon manchmal sehr hilfreich, wenn der Rest der Gesellschaft und somit auch die Betreiber von Plattformen, die von Kindern und/oder Jugendlichen genutzt werden, zumindest einen Teil der eigenen Verantwortung erkennen und entsprechend handeln würden.</p><p>Die Betreiber von SchülerVZ braucht man bei solchen Hoffnungen anscheinend nicht mit einzubeziehen. Denn die neue &#8222;Pausenhof&#8220;-App führt etwas ein, das jedes Social Network tunlichst vermeiden sollte: Die Möglichkeit zur negativen Beurteilung anderer Teilnehmerinnen und Teilnehmer.</p><p>Wer auch nur einen Schimmer davon hat, was an Schulen teilweise los ist, wie oft das Thema &#8222;Mobbing&#8220; – nicht nur, aber verstärkt im Netz – leider auf dem Plan der Schüler, Lehrer und Eltern steht, wer jemals gesehen hat, wie schwer psychischer Druck ein Kind treffen kann und mit welch erschütternder Schonungslosigkeit, Boshaftigkeit und technischer Raffinesse sich Kinder und Jugendliche gegenseitig gezielt fertigmachen können… der muss spätestens bei einer solchen Idee am Verantwortungsbewusstsein der SchülerVZ-Betreiber zweifeln.</p><p>Viele Erwachsene schaffen es nicht, sich einem gesellschaftlichen Druck zu entziehen, selbstbewusst über allen Dingen zu stehen, über dämliche Kommentare hinweg zu sehen und Anfeindungen oder die negative Bewertung der eigenen Person und Persönlichkeit mit gelassenem Humor zu nehmen – für Kinder in bestimmten Entwicklungsstufen ist es hingegen so gut wie unmöglich.</p><p>Kinder sind nicht nur sensibel, sondern manchmal auch grausam, daran kann kein SchülerVZ etwas ändern. Diese bekannten Tatsachen aber für neue &#8222;Features&#8220; auszunutzen, führt hoffentlich zum richtigen Ergebnis: Zu massenweise Abmeldungen.</p><p><small>Ich weiß, dass z.B. auch YouTube die negative Bewertung von Videos zulässt und ebenfalls von Kindern genutzt wird, sehe darin aber eine andere Qualität: Zunächst ist YouTube kein spezielles Angebot für Schüler und wird nicht als der spaßige Pi-Pa-Pausenhof beworben, zudem wird mit dem Klick die Arbeit, also das Video bewertet – nicht die Person. Mir ist ebenso klar, dass speziell jüngere Menschen diesen Unterschied nicht immer erkennen, trotzdem empfinde ich diese Art der Bewertung als weniger problematisch.</small></p><p><strong>UPDATE</strong> In <a
href="https://plus.google.com/u/0/114620560185021689616/posts/CzmDwhNMS1h">diesem Post</a> bei G+ berichtet Mirko Lange etwas weiter unten in den Kommentaren von einem Gespräch mit dem VZ-Marketingleiter Tobias Scheiba u.a. mit den Worten: &#8222;(…) Flops würden nicht angezeigt, nur Tops, und es gebe eine Menge Filter und Mechanismen, die das Dissen und Mobben gerade verhindern sollen. (…)&#8220;.</p><p><strong>UPDATE</strong> <a
href="http://www.sueddeutsche.de/digital/schuelervz-top-oder-flop-spiel-unter-mobbing-verdacht-1.1230072">Die Süddeutsche hat das Thema aufgegriffen</a>.</p><p><strong>UPDATE</strong> (Freitag, 9.12.2011): <a
href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&#038;atype=ksArtikel&#038;aid=1323411338294">Der &#8222;Flop&#8220;-Button ist Geschichte</a>.</p><p><strong>UPDATE</strong> <a
href="http://www.haltungsturnen.de/2011/12/der-spin-von-schulervz-rund-um-den-flop.html">Bei Wolfgang gibt es ein längeres Update</a> mit einer Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Tage.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/12/08/schulervz-flop/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>77</slash:comments> </item> <item><title>Digitale Zivilcourage</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/12/05/digitale-zivilcourage/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/12/05/digitale-zivilcourage/#comments</comments> <pubDate>Mon, 05 Dec 2011 12:04:11 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51312</guid> <description><![CDATA[<p>Wann immer eine Straftat, eine Schlägerei, ein Überfall oder gar Mord in der Öffentlichkeit bekannt wird, steht die Frage nach der <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/12/16/what-would-i-have-done/">Zivilcourage</a> der bei der Tat anwesenden Unbeteiligten im Raum.</p><p>Wer selbst schon einmal zufälliger Zeuge eines Übergriffs gegen eine andere Person war, der weiß jedoch, wie schwer es ist, einzuschreiten, der angegriffenen Person also zur Seite zu stehen. In der Theorie und besonders, wenn mehrere Menschen anwesend sind, die gemeinsam eigentlich leicht helfen könnten, ist Zivilcourage leicht – in der Praxis oftmals leider nicht, entweder, weil niemand anderes mit einschreiten mag oder die Furcht vor der Brutalität oder Bewaffnung der Angreifer dann eben auch bei einem selbst überwiegt.</p><p>Dies gilt für das physische Leben, für den Alltag in der S-Bahn, bei einem Konzert, auf der Straße. In der digitalen Welt hingegen sollte uns das Eingreifen viel leichter fallen, meist genügt ein Klick, eine kurze Nachricht oder auch ein Satz als Kommentar als Hilfestellung für jemanden, der angegriffen wird. Aber nehmen wir diese Möglichkeit zur Hilfe wahr? Wie sieht es aus bei der Verbreitung von Hass, Lügen oder öffentlicher Diffamierung im Netz, werden wir dabei aktiv oder klicken wir kopfschüttelnd einfach weiter? Übernehmen wir also bewusst aktive Verantwortung für unsere digitale Umgebung?</p><p>Ich hatte mir und euch diese Frage <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/10/12/digitale-verantwortung/">vor zwei Jahren schon einmal gestellt</a> und komme aus zwei Gründen erneut auf das Thema:</p><p>Erstens bekam einer meiner Söhne vor kurzer Zeit aktive Unterstützung, als er bei YouTube auf YouTube-Kommentar-übliche Weise beschimpft wurde. Obwohl er selbst diesen verbalen Angriff ob seiner Albernheit lachend ignorierte, standen ihm binnen kurzer Zeit zwei offenbar ebenfalls recht junge (und meinem Sohn unbekannte) Nutzer mit netten Kommentaren zur Seite. Davon war ich ziemlich beeindruckt, denn so etwas war mir bis dahin bei YouTube eher selten aufgefallen.</p><p>Und zweitens verlinkte Elblette <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/14/uberraschung-nazis-in-deutschland/#comment-796636">in diesem Kommentar</a> gerade einen Artikel des Autors JD Derry mit dem Titel <a
href="http://jfderry.wordpress.com/2011/12/02/your-part-in-their-downfall/">&#8222;Your Part In Their Downfall&#8220;</a> (<strong>UPDATE</strong> <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/08/dein-beitrag-zu-ihrem-niedergang-%e2%80%93-wie-man-diskriminierende-inhalte-bei-youtube-melden-kann/">Hier die deutsche Version</a>), in dem Derry eine Anleitung dafür schreibt, wie man gegen rassistische oder anders Hass verbreitende Videos vorgehen kann und soll. Auch ein solcher Blogbeitrag ist mir in der deutschsprachigen Bloglandschaft bisher nicht untergekommen.</p><p>Seit dem Erlebnis mit den beiden zivilcouragierten YouTube-Kommentatoren in Bezug auf meinen Sohn habe ich mir vorgenommen, im Netz selbst wieder öfters zu widersprechen, über die Maße Angegriffenen verbal zur Seite zu stehen, sowie Spam, Rassismus und Hass ggf. bei Portalbetreibern zu melden.</p><p>Dabei ist mir völlig klar, dass das Entfernen bspw. eines Nazi-Videos den Urheber nicht zum Menschenfreund machen wird und ich weiß, dass ein von YouTube entferntes Video binnen weniger Sekunden an anderer Stelle wieder verfügbar ist. Dennoch glaube ich, dass die digitale genauso wie die physische Gesellschaft aktive Verantwortung und Gestaltung braucht, denn die einfache Behauptung einer Selbstregulierung reicht meiner Meinung nach nicht aus. Und ich glaube außerdem, dass diese aktive Gestaltung durch die Nutzerinnen und Nutzer denjenigen den Wind aus den Segeln nehmen kann, die immer lauter nach stärkerer Regulierung und neuen Gesetzen rufen.</p><p>Mich interessiert, wie ihr das handhabt im täglichen Netzleben. Widersprecht ihr schwerwiegenden Unwahrheiten, wenn ihr sie erkennt; steht ihr einer euch fremden Person bei, die maßlos verbal attackiert wird; mischt ihr euch bewusst ein, wenn es um mehr als einen Schreibfehler oder ein technisches Problem geht? Oder überlasst ihr so etwas eher dem Zufall, dem Schicksal oder anderen?</p><p><strong>UPDATE</strong> Hat jemand die Zeit und Fähigkeit, den <a
href="http://jfderry.wordpress.com/2011/12/02/your-part-in-their-downfall/">Artikel von Derry</a> ins Deutsche zu übersetzen? Falls ja, freue ich mich über eine kurze Mail: johnny at spreeblick.com.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/12/05/digitale-zivilcourage/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>65</slash:comments> </item> <item><title>Spreeklicks (Soundtrack: Kalle)</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/spreeklicks-soundtrack-kalle/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/spreeklicks-soundtrack-kalle/#comments</comments> <pubDate>Thu, 17 Nov 2011 10:21:42 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51133</guid> <description><![CDATA[<p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/7IKI7EnUiUU" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Während Kalle von Erobique die BOSS RC-30 Loopstation für euch testet (UPDATE: Das Video wurde leider entfernt. UPDATE: Neue Version gefunden, läuft wieder), gibt es von mir ein paar Klicktipps. Nach dem Klick.</p><p>&#8211;<br
/> Patrick Gensing hat sich in einem tagesschau.de-Kommentar mit Familienministerin Kristina Schröder auseinandergesetzt, die auch für &#8222;Programme gegen Rechts&#8220; verantwortlich ist – wer davon nichts mitbekommen hat: Eben. Gensing behauptet, Schröder sei <a
href="http://tagesschau.de/kommentar/schroederprogrammegegenrechts100.html">&#8222;Der Verantwortung nicht gewachsen&#8220;</a> und hat es damit noch freundlich ausgedrückt.</p><p>&#8211;<br
/> Und da wir uns mit der fehlenden Unterstützung derer, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, ja <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/14/uberraschung-nazis-in-deutschland/">auch schon beschäftigt haben</a>: <a
href="http://www.freitag.de/politik/1145-im-angstraum">Der Freitag liefert ein paar Beispiele aus der Praxis</a>.</p><p>&#8211;<br
/> Nochmals bei tagesschau.de gibt es ein lesenswertes <a
href="http://tagesschau.de/inland/interviewkahane100.html">Interview mit Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung</a> zur Mordserie an Migranten. Zitat:</p><blockquote><p>Man stelle sich vor, es gibt Morde an zehn Deutschen, verübt von mutmaßlich muslimisch aussehenden Menschen. Was meinen Sie, was da los wäre in Deutschland? Da würde alles auf den Kopf gestellt werden.</p></blockquote><p>&#8211;<br
/> Die Wirtschaftswoche hat einen kleinen <a
href="http://blog.wiwo.de/ungedruckt/2011/11/13/deutschland-ist-twitter-entwicklungsland/">Artikel darüber, dass Twitter hierzulande quasi nicht existent ist</a>, und die Kommentatoren finden das auch richtig, schließlich sei es wichtiger, dass &#8222;wir&#8220; weiterhin gute Autos bauen. Toll, liest sich gut weg.</p><p>&#8211;<br
/> Im Rahmen unserer noch immer mit ordentlicher Qualität <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/14/uberraschung-nazis-in-deutschland/">andauernden Debatte</a> zu den Themen &#8222;Unterhaltungsbranche online&#8220; bzw. &#8222;Urheberrecht&#8220; bin ich auf weitere, auch ältere lesenswerte Artikel gestoßen. Das wäre zunächst die im Vergleich zu vielen anderen Netz- bzw. Piratenkreisen erfrischende <a
href="http://www.mela.de/archives/1287-Das-Geschenk-der-Piratenpartei-an-die-Verwerter.html">Sicht von Mela Eckenfels</a>. Wesentlich kopfschüttelnder habe ich mich dann noch durch die Textwüste inklusive Kommentare bei <a
href="http://blog.koehntopp.de/archives/3154-Nicht-Urheberrecht-ist-das-Kernthema.html">Isotop</a> gekämpft, was an manchen Stellen wirklich schwer fällt. Aus den Kommentaren:</p><blockquote><p>Vom Begriff &#8222;Kunst&#8220; moechte ich eigentlich gerade weg, denn das zaehlt als weasel word fuer &#8222;Ideen&#8220; und versucht den Umstand zu vertuschen, dass viele Ideen gar nicht mal so gut sind.</p></blockquote><p>Glücklicherweise stand hinter mir ein gelassener Künstler und rief mir zu: Nicht aufregen, Johnny! Möglicherweise war es sogar <a
href="http://dobschat.de/2011/02/09/piraten-dieter-bohlen-ist-der-beste-musiker-deutschlands/">der beste Musiker Deutschlands, Dieter Bohlen</a>.</p><p>&#8211;<br
/> Bleiben wir beim Entertainment: Die dritte Staffel von <a
href="http://www.e4.com/misfits/">Misfits</a> ist angelaufen (<a
href="http://www.spreeblick.com/2011/01/06/misfits/">wir berichteten von unserer Begeisterung</a>) und enttäuscht bisher leider sehr. Überspannte Stories ohne Subtilität werden den immer noch großartigen Schauspielern nicht gerecht, die Dialoge sind um Längen schwächer als in den ersten Staffeln und der Neue saugt.</p><p>Geben wir ihnen trotzdem noch eine Chance? Na klar.</p><p>&#8211;<br
/> Als Abschluss dann noch die erschütternde Meldung, dass sich einer meiner bisherigen Lieblings-Comic-Autoren, <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Miller">Frank Miller</a> nämlich, als reaktionärer Vollidiot entpuppt hat. <a
href="http://frankmillerink.com/2011/11/anarchy">Durch diesen Blogeintrag</a>, in dem er den Occupy-Teilnehmerinnen  und -Teilnehmern (die er als &#8222;einen Haufen von Flegeln, Dieben und Vergewaltigern&#8220; bezeichnet) empfiehlt, sich einen anständigen Job zu suchen oder besser gleich zur Army zu gehen, um gegen den wahren Feind zu kämpfen: Den Islam.</p><p>Nichts gegen ein gepflegtes Occupy-Bashing, auch das muss erlaubt sein. Aber Millers Sätze grenzen an Irrsinn, noch einmal mehr vor dem Hintergrund seines letzten, von vielen ehemaligen Fans als rassistisch bezeichneten Comics <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=DZg4UOB2uCk">&#8222;Holy Terror&#8220;</a>, das er zunächst als Batman-Comic machen wollte – dabei hat glücklicherweise kein Verlag mitgespielt.</p><p>Was ist nur mit dem Mann los? Sehr schade.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/spreeklicks-soundtrack-kalle/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>13</slash:comments> </item> <item><title>Überraschung: Nazis in Deutschland!</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/14/uberraschung-nazis-in-deutschland/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/14/uberraschung-nazis-in-deutschland/#comments</comments> <pubDate>Mon, 14 Nov 2011 09:45:42 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51093</guid> <description><![CDATA[<p>Jeder Zynismus verbietet sich bei der aktuellen Affäre um <a
href="http://www.sueddeutsche.de/politik/rechter-terror-in-deutschland-ein-widerlicher-film-wird-zur-staatsaffaere-1.1188067">rechtsextremen Terrorismus in Deutschland</a>, mögliche Verstrickungen mit dem <a
href="http://www.berliner-zeitung.de/politik/thueringen-der-verfassungsschutz-subventionierte-die-neonaziszene,10808018,11142588.html">Verfassungsschutz</a> und Versäumnisse anderer Behörden.</p><p>Und doch, weil wir den Fall gerade wieder hatten, als ich mit einem kurzen <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/07/500-000-kostenlose-schulerzeitungen-gegen-neonazis-und-rassismus/">Text auf eine Anti-Rechts-Aktion an Schulen</a> hinwies und schon der erste Kommentar nach dem typischen Beißreflex-Muster funktionierte, kann ich mir ein paar Anmerkungen nicht verkneifen.</p><p>Denn gerade als Berliner und besonders als langjähriger Kreuzberger kenne ich antirassistische Aktionen und Aufklärungskampagnen gegen Neonazis seit Jahrzehnten, und ebenso lange sehe ich dabei zu, wie wichtige Engagements immer wieder belächelt werden, und wie Gelder für Öffentlichkeitsarbeit gegen Rechts gestrichen werden. Als Blogger schlage ich mich, wie viele andere, seit nunmehr einem knappen Jahrzehnt mit einem nimmermüden Pack von Islamophobikern und Rassisten in unseren Kommentaren herum, die auf die immer gleich Tour versuchen, Debatten an sich zu reißen und politische Gegner mundtot zu machen – was ihnen oft genug gelingt, wenn selbige eine offenbar völlig sinnlose Diskussion einfach sein lassen (müssen).</p><p>Und seit ebenso vielen Jahren beschäftigen sich unzählige Blogs und Foren wie auch <a
href="http://www.berliner-zeitung.de/newsticker/vulgaer--enthemmt--rassistisch,10917074,10930256.html">&#8222;größere&#8220; Medien</a> mit denjenigen Websites, die man getrost als Nähr- und Erziehungsboden für ewiggestrige Kleingeister bezeichnen kann, die oft genug verbalen Hass der aggressivsten Sorte sähen und in denen regelmäßig lautstark nach handfesten Taten gerufen wird – anscheinend ohne, dass dies dem Verfassungsschutz bisher einen näheren Blick wert gewesen wäre. <a
href="http://www.berliner-zeitung.de/meinung/gastbeitrag-islamfeinde-im-straffreien-raum,10808020,10940656.html">Anzeigen</a> und Hinweise laufen ins Leere, <a
href="http://www.berliner-zeitung.de/archiv/islamfeindliche-internetplattform--politically-incorrect--geraet-unter-druck-parteien-fordern-ueberwachung-rechter-blogger,10810590,10954026.html">Rufe aus der Politik</a> bleiben hohles Gefasel.</p><p>Und nun wundert sich halb Deutschland bis zur Kanzlerin darüber, dass es in diesem Land gefährliche Neonazis gibt? Ich bin geneigt, noch weitere sensationelle Überraschungen zu veröffentlichen, möchte aber unsere Regierung nicht mit den Knaller-Nachrichten überfordern, dass die Milch teurer geworden ist und der Papst ein lustiges Mützchen trägt.</p><p>Wer heute die Reaktionen der einschlägigen Neonazi-Seiten und besonders die Kommentare dazu liest, der läuft Gefahr, sein Frühstück wieder los zu werden. Da werden Morde an Migranten verharmlost und erklärt, warum es sich dabei natürlich <em>nicht</em> um Terrorismus handelt (weil die Täter nämlich &#8222;zu diffus&#8220; handelten) und es wird – das gleiche Schema wie immer – gefragt, warum es bei den Berliner Brandanschlägen auf Einrichtungen der Bahn nicht ebenso viel Wirbel gab wie jetzt um die rechtsextremen Mörder.</p><p>Mir ist völlig egal, ob es sich bei den Morden um Terrorismus oder anderen Wahnsinn handelt, denn egal, wie man es nennt, es bleiben Morde, die nach aktuellem Kenntnisstand politisch motiviert waren. Mir ist aber nicht egal, dass in Deutschland andauernd Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie Jugendliche, die &#8222;links&#8220; aussehen, von Rechten überfallen werden, dass Informationen über die Vernetzung der rechten Szene ebenso wie ihre Gewaltbereitschaft bekannt sind und dass man dennoch immer noch dafür belächelt wird, wenn man auf diese Gefahren hinweist.</p><p>Und da wir schon dabei sind: Was wurde eigentlich aus den Untersuchungen nach der <a
href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/neonazis-gehen-in-u-bahnhof-auf-migranten-los/4172264.html">Nazi-Demo in Kreuzberg/ Tempelhof</a> im Frühjahr dieses Jahres? Mal wieder: Nicht viel?</p><p>Die nun wieder aufkeimende Debatte um ein NPD-Verbot bleibt PR, denn jeder Politiker weiß, dass dieses Verbot eine selbstverschuldete Unmöglichkeit bleiben wird, und sie deutet an, dass die nächsten Tage wahrscheinlich ähnlich verlaufen werden, wie sie es immer tun, wenn Gewalt von Rechts bekannt wird: Hier und da ein paar Rufe nach Partei- oder Gruppen-Verboten, und dann wieder schnell zurück zur Tagesordnung.</p><p>Die Unterstellung, der deutsche Staat sei <a
href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/auf-dem-rechten-auge-blind/5832324.html">auf dem rechten Auge blind</a>, ist mindestens so alt wie ich. Meine Hoffnung, dass sich dies irgendwann mal ändern wird, ist daher leider klein.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/14/uberraschung-nazis-in-deutschland/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>101</slash:comments> </item> <item><title>Music changed my life &#8211; The 70s</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/09/music-changed-my-life-the-70s/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/09/music-changed-my-life-the-70s/#comments</comments> <pubDate>Wed, 09 Nov 2011 15:05:16 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50973</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/11/recordplayer.png" alt="recordplayer" title="recordplayer" class="alignnone size-full wp-image-50987" /></p><p>&#8222;There&#8217;s so many bands around that don&#8217;t mean anything&#8220;, beschwerte sich <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/10/31/interview-the-king-blues/">Jonny Fox von The King Blues</a> neulich im Interview, und ich war ein bisschen froh über diesen Satz aus dem Mund eines Mittezwanzigjährigen. Denn ich war davon überzeugt, dass so etwas nur alte Säcke mit eingeschränkter Sicht sagen – sicher gibt es doch genügend junge Bands, die das Leben ihrer ebenso jungen Fans beeinflussen?!</p><p>Dennoch hat mich der Satz von Jonny dazu inspiriert, mal ein paar Songs rauszusuchen, die mein eigenes Leben geprägt haben. Nicht nur im Sinne von: Toller Song. Sondern im Sinne von: Ich wäre nicht, wer ich bin, wenn ich diese Songs nicht gehört und geliebt hätte.</p><p>Natürlich stellt diese erste Liste, die sich ohne besondere Reihenfolge auf die 70er konzentriert, nur eine beschränkte Auswahl dar, ich könnte sie beinahe endlos weiterführen. Und schließlich: Feel free to add your own…</p><p>Als ich ein Kind war, kam Musik übers Radio, viel mehr aber noch über den Fernseher zu uns nach Hause. Ilja Richters <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Disco_(Fernsehsendung)">&#8222;Disco&#8220;</a> und der <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Musikladen">&#8222;Musikladen&#8220;</a> waren die Sendungen, die man nicht verpassen durfte, und glücklicherweise hatten meine jungen Eltern genügend eigenes Interesse an Popmusik und somit nichts dagegen, Männern in viel zu engen Hosen dabei zuzusehen, wie sie ihre Gitarren als Penis-Ersatz in die Kameras hielten.</p><p>Ein, zwei Songs pro Sendung waren immer für mich dabei, doch meine Welt änderte sich erst mit dem Glamrock. Die seichtere Variante war meine, für David Bowie (und erst recht für Led Zeppelin) war ich trotz toller Songs zu klein, stattdessen hatten es mir Marc Bolans <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/T._Rex">T. Rex</a> angetan. Und spätestens mit Suzie Quatro im engen Leder-Overall war klar, dass ich nicht mehr im Schlafanzug vor der Glotze sitzen konnte, ohne Peinlichkeiten vor den Eltern zu riskieren. Eine wahrlich aufregende Zeit, in der ich im Alter von 12 Jahren auch mein allererstes Live-Konzert erlebte (<a
href="http://www.spreeblick.com/2008/02/21/mein-erstes-mal-the-sweet/">die Story dazu gibt es hier</a>):</p><p>The Sweet</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/LmCIe2VEOtE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Als ich ein Teenager war, genügte das Taschengeld für eine LP pro Monat, weshalb selbige wohl überlegt ausgewählt werden wollte. Dazu begab man sich in einen Plattenladen, setzte sich auf eine bequeme Couch, reichte dem meist zurecht etwas genervten Verkäufer einen Stapel von etwa 82 Alben über den Tresen, stülpte sich einen Kopfhörer über und ließ sich die Platten nacheinander vorspielen. Das alles im festen Glauben, der Verkäufer habe nichts anderes zu tun, als alle paar Minuten den nächsten Song anzuwählen bzw. die Scheibe zu wechseln.</p><p>&#8222;Mach ma&#8217; die nächste!&#8220; habe ich vermutlich auch 1978 im Alter von 14 Jahren gerufen, bevor der Plattendealer meines Vertrauens das zweite <a
href="http://www.thevibrators.com/">Vibrators</a>-Album <em>V2</em> auflegte.</p><p>Das übliche Knistern der Nadel des Tonabnehmers auf dem Vinyl setzte ein. Dann, aus der Ferne, das Geräusch eines sich nähernden Flugzeugs (nein, die Zusammenhänge mit dem Album-Titel waren mir nicht klar).</p><p>Pause. Knistern.</p><p>Eine Explosion.</p><p>Und dann, wie aus heiterem Himmel und mit mehr Lautstärke als die Geräusche zuvor: Pure Mania.</p><p><iframe
width="500" height="254" src="http://www.youtube.com/embed/4tZQbllD_HU" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>You&#8217;re the psychotic daughter of a psychotic mother<br
/> Your father was a megalomaniac<br
/> You&#8217;ve got an insane brother</p><p>Was diese recht neue Live-Version nicht vermitteln kann, ist die Wucht, mit der mich der recht schlichte Song damals traf, und auch, wenn ich mich mit dem Text über eine durch und durch psychopathische Familie nicht wirklich identifizieren konnte, war das alles der reinste Wahnsinn für mich. Gemeinsam mit allen anderen Hits des Albums ist <em>V2</em> sicher eines der von mir am meisten gehörten Punk-Alben (<a
href="http://www.spreeblick.com/2004/11/23/1977/">eifrige Spreeblick-Leserinnen und Leser wissen, wie wichtig mir diese Musik war</a>).</p><p>Dabei musste es gar nicht immer krachen, ich mochte ja Popmusik schon immer. War sie dazu noch mit etwas schrägeren Tönen vermischt und machte sie außerdem noch den Anschein, als habe sie mir etwas sagen, dann war ich im siebten Himmel. Wie bei diesem Klassiker vom grandiosen 79er Album <em>Drums And Wires</em> von <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/XTC_(Band)">XTC</a>:</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/gXNhL4J_S00" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>An <em>Making plans for Nigel</em> muss ich heutzutage, als Vater, sehr oft denken. Nicht etwa, weil ich Pläne für meine Söhne machen würde. Sondern weil sich an der Kernaussage des Songs &#8222;Karriere ungleich Glück&#8220; nichts geändert hat und wir in Bezug auf die nächsten Generationen große Fehler machen, wenn wir das Gegenteil behaupten.</p><p>Es stimmt: Diese Liste der Siebziger ist sehr britisch geprägt, obwohl es natürlich auch den USA großes zu hören gab. Und lautes. Und schnelles. Und wer nach diesen zwei Minuten nicht davon überzeugt war und ist, dass Rock&#8217;n'Roll die Welt bedeutet, der ist doof:</p><p><iframe
width="500" height="369" src="http://www.youtube.com/embed/zGgfHZ02I2k" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Doch die Amis konnten auch Pop, Blondies Album <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parallel_Lines"><em>Parallel Lines</em> zum Beispiel </a> war süß und kantig zugleich. Clem Burke an den Drums, dessen Stil ich später erst als eine Mischung aus Ringo Starr und Keith Moon verstehen konnte, die großartigen Kompositionen von Chris Stein und natürlich: Debbie Harry.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/i8O3xCpC6M8" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Doch nicht nur XTC oder Blondie haben meine Welt in Sachen Pop verändert, es gab natürlich noch viele andere, von denen einer unbedingt genannt werden muss. Elvis. Costello.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/1XYFJUP84lE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Damals, also lange vor der Aufnahme des oben gezeigten Clips, in dem er einen von seinem Kumpel Nick Lowe geschriebenen Song spielt, war Elvis der Nerd, der Intellektuelle unter den Punks oder vielleicht besser: &#8222;New Wave&#8220;-Künstlern. Schließlich trug er eine Brille, man konnte also davon ausgehen, dass er lesen konnte. Songs wie &#8222;Watching The Detectives&#8220; zeigten außerdem, dass Costellos musikalischer Horizont weiter war als der vieler Kollegen, und so war es sicher kein Zufall, dass er Ende der Siebziger ein musikalisch völlig anderes, dennoch wegweisendes und enorm wichtiges Album produzierte: Das erste der Specials.</p><p><iframe
width="500" height="254" src="http://www.youtube.com/embed/TGDQ85Dg-ss" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Gesellschaftliche Hoffnungslosigkeit und Aggression innerhalb der verschiedenen Jugendkulturen gehörten zu den Hauptthemen der Punk-, New-Wave- oder auch Ska-Bands der Endsiebziger, Musik und Texte waren Ventile für den Alltagsfrust.</p><p>Doch dann waren da auch noch vier verpickelte Jungs, die im Alter zwischen 17 und 19 Jahren einen für immer währenden Klassiker aufgenommen hatten, der textlich so gar nichts mit dem restlichen Punk zu tun hatte. <a
href="http://www.theundertones.com/">The Undertones</a> mussten nicht von Hass und Gewalt singen, um sich aus ihrem Alltag zu befreien, denn Hass und Gewalt <em>waren</em> in Nordirland Alltag. Ihre Heimatstadt Derry hatte traurige Berühmtheit durch den <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsonntag_(Nordirland_1972)">Bloody Sunday</a> erlangt und so hieß &#8222;Flucht durch Punkrock&#8220; für die Undertones etwas ganz anderes als für die oft gutbürgerlich aufgewachsenen Kunststudenten Londons. Nämlich &#8222;&#8216;Teenage Kicks&#8220;.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/wAtUw6lxcis" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Die Undertones waren super, fanden wir, in erster Linie, weil sie – <a
href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:CD_The_Undertones.jpg">ihrem Cover nach zu urteilen</a> – genauso scheiße aussahen wie wir. Wenn die es schaffen konnten, dann konnte es jeder schaffen, das war die Botschaft. Und ganz ehrlich: Es war auch mal ganz entspannend, Liebeslieder zu hören.</p><p>Trotzdem und immer wieder: Die Texte, speziell während der Anfangszeit des britischen Punkrocks. Irgendwann liefen die Sex Pistols im Radio, ich behaupte einfach mal, dass es bei <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_J%C3%BCrgens_(Moderator)">Jürgen Jürgens</a> in einer Chart-Show war (in der man auszugsweise auch die englischen Charts zu hören bekam) und ich erinnere mich, wie beeindruckt ich davon war, dass dort eine nichtdeutsche Band von der &#8222;Berlin Wall&#8220; sang. Der Rest des Textes war mir damit schnuppe. Was für ein Song!</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/R_YX7hsaJz0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Ich habe mit Absicht diese Live-Version voller Verspieler ausgewählt, denn das Credo vieler Punks damals, die simple Nachricht: &#8222;Das kannst du auch!&#8220; motivierte mich endlos. Es ging nicht um Perfektion, sondern es gab einen einzigen Grund, Dinge zu tun: Weil man sie tun wollte.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/weQ4oNk7Pqc" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Der frühe Punkrock war eine unfassbar aufregende Zeit in West-Berlin, zwei bis drei Konzerte pro Woche, alle waren sie hier und hauten uns ihren Sound um die Ohren. Dennoch stellte ich eine gewisse Eindimensionalität fest und konnte mich weder mit der Uniformität noch der Gleichgültigkeit vieler Punks anfreunden.</p><p>Zum Glück gab es The Clash, welche die Energie des Punkrocks im Verlauf ihres Schaffens mit musikalischen Einflüssen aus aller Welt vermischten und mir durch Coverversionen alter Reggae-Klassiker oder auch durch eigene durch Reggae beeinflusste Songs endlich die Ohren auch für schwarze Musik öffneten.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/X4rC3gP2hXk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Ich habe Dutzende von Bands weggelassen, die mich damals auf die Spur gebracht haben und auch dafür gesorgt haben, dass ich mit 14 Jahren selbst eine Gitarre in die Hand genommen und drei Wochen später den ersten Gig klar gemacht habe – wir hatten schließlich schon zwei Songs im Programm. Doch alle Künstler dieser Zeit kann man nicht erwähnen, und schließlich ging es in den folgenden Jahren ja noch weiter – denn über die Frisuren der 80er muss man schweigen, über die Musik nicht.</p><p><em>(to be continued…)</em></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/09/music-changed-my-life-the-70s/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>17</slash:comments> </item> <item><title>Fokussierung</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/10/07/fokussierung/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/10/07/fokussierung/#comments</comments> <pubDate>Fri, 07 Oct 2011 10:37:18 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50707</guid> <description><![CDATA[<p>Selten habe ich mich von so vielen Online-Kontakten getrennt wie am gestrigen Tag. Als mir wieder einmal bewusst wurde, wie kurz unser aller Zeit ist, und als ich erneut beschloss, meine eigene so selten wie möglich damit zu verbringen, Missgunst, Hass und purer Dummheit Aufmerksamkeit zu schenken. Ich will lernen, besser zu filtern. Less noise.</p><p>Leicht wird das nicht, schließlich verbirgt sich hinter vielen Meinungen oder Standpunkten Dritter, die unter Umständen zunächst abschreckend wirken, fundiertes Denken oder Wissen, welches ich vielleicht im Moment der Lektüre nicht sofort nachvollziehen kann, das aber dennoch anregend oder horizonterweiternd wirken kann. Nichts wäre schließlich schlimmer, als ein Umfeld voller gleicher Meinungen.</p><p>Doch um Meinungen geht es nicht, sondern – mal wieder – um Haltungen. Ich habe gestern einige Zeit damit verbracht, die Timelines digitaler Bekannter (die ich in Wahrheit überhaupt nicht kenne) etwas intensiver zu lesen, um einen Eindruck der generellen Sichtweise derjenigen Menschen zu bekommen, mit denen ich mehr oder weniger aktiv kommuniziere. Und ich war oft genug erschrocken, wie viel Energie man darauf verwenden kann, das Leben oder Schaffen Dritter mit einer gewissen Dauerhaftigkeit zu bemängeln, es einem Perfektionstest zu unterziehen und es am Ende öffentlich zu missbilligen. Und ich habe mich gefragt, ob ich selbst so oder ähnlich agieren will, ob ich die Qualität meines eigenen Daseins an den Verfehlungen Anderer messen will, ob ich also meine eigene Haltung über die von Dritten definieren möchte. Und meine klare Antwort war: Nein.</p><p>Ich kann nicht ausschließen, dass diejenigen, die so viel Zeit mit der Bemängelung Dritter verbringen, nicht selbst wahrhaft perfekte Menschen sind, die sich diese Kritik einfach leisten können. Doch ich bezweifle, dass es so ist.</p><p>Und so werde ich die Konsolidierung meiner virtuellen Umgebung weiter vorantrieben, aus ganz egoistischen Gründen. Das wird mich zwar wochenlang beschäftigen, und ich werde dabei Fehler machen und Kompromisse eingehen. Doch das generelle Ziel will ich im Auge behalten:</p><p>Ich möchte mein Leben nicht damit verbringen, Das Falsche im Tun Anderer zu finden, sondern ich will versuchen, mich auf das Richtige zu konzentrieren. Das erscheint mir schwer genug, aber sinnvoller.</p><p><small>Und das Irrste ist, dass ich schon mit diesen Zeilen an der selbst gestellten Aufgabe scheitere, da ich damit nämlich genau das Gegenteil gemacht habe. Life&#8217;s a bitch. And then you die.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/10/07/fokussierung/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>32</slash:comments> </item> <item><title>Apples Elektrobutler: Siri</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/10/04/apples-elektrobutler-siri/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/10/04/apples-elektrobutler-siri/#comments</comments> <pubDate>Tue, 04 Oct 2011 20:41:31 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50660</guid> <description><![CDATA[<p><iframe
width="500" height="254" src="http://www.youtube.com/embed/Ehr2Cb88sno" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Als wäre die Enttäuschung darüber, dass es vorerst kein iPhone 5 geben wird (sondern nur ein <a
href="http://www.apple.com/iphone/">iPhone 4S</a>, was man lieber nicht englisch aussprechen sollte), nicht groß genug: Jetzt will Apple auch noch, dass wir in unsere Telefone <em>sprechen</em>! Das muss man sich mal vorstellen!</p><p>Folgende Dinge fallen mir auf Anhieb zu Siri, dem elektronischen Butler, ein:</p><p>1) Der Werbeclip zeigt Menschen in einem Zustand, in dem ich quasi nie bin, nämlich allein (und beim Joggen, aber das meinte ich nicht). Das könnte bedeuten, dass die Gesellschaft vereinsamt oder wenigstens die iPhone-Nutzer. Oder auch nicht.</p><p>Ich glaube ja, dass eines der Erfolgsgeheimnisse des modernen Telefons seine stille Verbundenheit mit dem Nutzer ist, die Tatsache eben, dass andere nicht zwingend mitbekommen, was man gerade tut. Man sitzt im langweiligen Meeting, unter dem Tisch aber sendet man eine nette Botschaft an die Liebste am anderen Ende der Welt. Oder im Nebenraum. Mit Siri geht das nicht und das System wird daher, wenn wir uns überhaupt erst einmal daran gewöhnt haben, nur in Situationen zum Einsatz kommen, in denen wir allein sind. Und vielleicht, wenn wir das neue Gimmick unseren Freunden in der Kneipe demonstrieren wollen und es mal wieder nicht so richtig funktioniert (für die Jüngeren unter uns: Kneipen sind so was ähnliches wie ein Google+-Hangout, aber lauter und man muss seine Hosen anlassen, meistens jedenfalls).</p><p>2) Die Technik ist natürlich spannend, denn der Kram läuft übers Netz, was vermuten lässt, dass das System dazu lernt und dafür von allen Nutzerinnen und Nutzern gemeinsam trainiert wird. Je öfter viele Menschen absurde Phrasen benutzen und bei Fehlern die gewünschte Korrektur vornehmen, desto besser wird das System auf diese Absurditäten vorbereitet sein. Zumindest vermute ich, dass es so funktioniert, ich habe aber nicht recherchiert. Dieses Cloud-Teaching eines Systems führt zu:</p><p>3) Stimmen-Profile, der nächste heiße Scheiß im Datenschutzzentrum. Systeme von Apple, <a
href="http://www.heise.de/mobil/meldung/Sprachsteuerung-fuer-Android-auf-Deutsch-1345261.html">Google</a> etc. können uns an unseren Stimmen erkennen. Bin gespannt, wie Siri mit meiner Stimme nach 23 Uhr umgeht oder vor 7 Uhr früh. Da erkennt mich nicht mal meine Mutter Mutter am Telefon, wie soll das dann ein verdammter Computer schaffen?</p><p>4) Wir reden mit Maschinen, und die Antworten gehen mir nach dem Werbeclip jetzt schon auf den Zeiger.</p><p>5) Solange Siri es nicht schafft, aus den Sounddateien eines meiner Interviews mit einer englischsprachigen Band vollautomatisch ein anständiges Text-Transkript inkl. Unterscheidung der Personen und toller Übersetzung zu machen, solange bleibe ich unbeeindruckt.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/10/04/apples-elektrobutler-siri/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>38</slash:comments> </item> <item><title>Zum Tag der Deutschen Einheit</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/10/03/zum-tag-der-deutschen-einheit/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/10/03/zum-tag-der-deutschen-einheit/#comments</comments> <pubDate>Mon, 03 Oct 2011 12:41:20 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50648</guid> <description><![CDATA[<p>Das ist das Kreuz mit einem Blog, das man schon etwas länger betreibt: Zu so vielen Themen hat man schon so viel geschrieben. Statt neuer Worte zum heutigen Feiertag also passende Spreeblick-Links:</p><p><a
href="http://www.spreeblick.com/2009/09/30/wo-warst-du-vor-20-jahren/">Wo warst du vor 20 Jahren?</a> (Posting von 2009)</p><p><a
href="http://www.spreeblick.com/2005/10/03/die-mauer-fallt-noch-dieses-jahr-1/">Die Mauer fällt noch dieses Jahr</a> (Posting von 2005)</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/10/03/zum-tag-der-deutschen-einheit/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>7</slash:comments> </item> <item><title>Die digitale Kluft ist gar keine</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/29/die-digitale-kluft-ist-gar-keine/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/29/die-digitale-kluft-ist-gar-keine/#comments</comments> <pubDate>Thu, 29 Sep 2011 14:23:13 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50623</guid> <description><![CDATA[<p>Ich verfolge gerade die Posse um <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Kauder">Siegfried Kauder</a>, MdB, der Internet-Nutzern bei Verstößen gegen das Urheberrecht mit einem so genannten &#8222;Two Strikes&#8220;-Modell <a
href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,788361,00.html">das Internet wegnehmen</a> möchte und <a
href="http://netzpolitik.org/2011/doppelmoral-siegfried-kauder-und-das-urheberrecht/">der nach diesem Modell selbst eine Weile offline sein müsste</a> … denn <a
href="http://www.siegfriedkauder.de/">auf seiner Website</a> wurden einige Fotos gefunden, <a
href="http://piratig.de/2011/09/28/sehr-geehrter-herr-kauder/">die anscheinend ohne Genehmigung veröffentlicht wurden</a>.</p><p>Die Bilder sind zwar inzwischen entfernt worden (von der Site, nicht aber vom Server), dennoch <a
href="http://www.abgeordnetenwatch.de/siegfried_kauder-575-37692--f312709.html#q312709">warten bei Abgeordenetenwatch mittlerweile 225 Interessierte</a> auf eine Stellungnahme von Herrn Kauder und eine Antwort auf die Frage, ob er nun mit gutem Beispiel voran gehen und sich ein temporäres Internet-Verbot auferlegen möchte.</p><p><small>(<strong>UPDATE</strong> Ich wollte gerade noch ein paar weitere Worte zum aktuellen Stand im Kauder-Fall tippen, aber <a
href="http://saschalobo.com/2011/09/30/siegfried-kauder-und-der-grose-bar/">Sascha war schneller</a>.)</small></p><p>Man könnte nun wieder über Internet-Versteher und -Nichtversteher fabulieren, oder aber auch über einen <em>Generation Gap</em>, über die <em><a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Kluft">Digitale Kluft</a></em> und über <em>Digital Natives</em> versus <em>Digital Immigrants</em>. Aber ich glaube, das ist fast alles Quatsch.</p><p>Da ich mich nämlich außerdem seit einigen Wochen intensiver mit Erziehungsfragen, Lehrmethoden und anderen Dingen rund um Kinder, Jugendliche und Bildung im Zusammenhang mit digitalen Medien beschäftige (<a
href="http://www.spreeblick.com/2011/09/27/auf-dem-weg-zur-data-dna/">und auch die Debatte hier aufmerksam verfolge</a>), denke ich inzwischen, dass die Sache viel simpler ist, und vor allem viel älter. Ich glaube, dass wir es bei den so unterschiedlichen Heran- und Umgangsweisen mit den Herausforderungen und Möglichkeiten der digitalen Welt (neben verschiedenen, auch beruflichen und wirtschaftlichen Interessen) ganz einfach mit völlig verschiedenen Weltbildern zu tun haben, die aufeinander prallen, mit verschiedenen Lebensentwürfen, noch einfacher gesagt: mit verschiedenen menschlichen Charakteren.</p><p>Die Differenzen in Sachen Netzpolitik und -kultur, die wir beinahe täglich beobachten können, haben, glaube ich, nur wenig mit dem Alter einer Person zu tun und nicht genug mit ihrem Wissensstand in Bezug auf das Internet oder Technologien, um daraus eine Allgemeingültigkeit ableiten zu können.</p><p>Ich kenne ältere Menschen, die vom Internet und seinen Möglichkeiten fasziniert sind und auch ohne größeren Durchblick neugierig über diese Möglichkeiten nachdenken, und ich kenne ebenso jüngere Menschen, die sich recht gut auskennen, aber trotzdem oder deshalb in eine beinahe paranoid anmutende Starre verfallen, sobald sie darüber grübeln, wie man mit Herausforderungen umgehen könnte.</p><p>Die Unterschiede, Missverständnisse und Lösungsdivergenzen beruhen daher vielleicht gar nicht auf den Differenzen zwischen Alt und Jung, zwischen Netizens und Newbies, zwischen &#8222;digital Geborenen&#8220; und &#8222;digitalen Immigranten&#8220;.</p><p>Sondern vielmehr auf den Differenzen zwischen denen, die das Chaos des Lebens hoffnungsvoll umarmen und denen, die es eher ängstlich zu kontrollieren suchen. Zwischen denen, die sich grundsätzlich lieber auf Chancen konzentrieren und denen, die an jeder Ecke Gefahren wittern. Zwischen denen, die auf Menschen vertrauen und denen, die sich vor ihnen fürchten.</p><p>Diese Differenzen sind so alt wie die Menschheit selbst und haben somit äußerst wenig mit dem Internet selbst zu tun. Sie sind auch gar nicht immer leicht zu bewerten, denn das richtige gesellschaftliche Maß liegt vermutlich mal wieder irgendwo dazwischen, schließlich gehören alle unsere verschiedenen Charaktere zur einer demokratischen Gesellschaft dazu und formen sie.</p><p>Sollten meine hier mal schnell hingetippten Gedanken also annähernd Bestand haben, dann gibt es, auch wenn es langweilig und nicht so aufregend wie ein zu gewinnender Wissens- oder gar Glaubenskrieg klingt, keine andere Lösung als den möglichst vernünftigen, vorsichtigen und korrigierbar bleibenden Kompromiss. Und auch das war schon immer so.</p><p><small><strong>Edit/ Anmerkung</strong> In letzter Zeit nutze ich Spreeblick wieder häufiger für das, was ich gerne &#8222;lautes Nachdenken&#8220; nenne – in diese Kategorie gehört auch dieser Artikel, der auch auf Überlegungen von <a
href="http://re-publica.de/11/blog/2011/01/27/republica-reloaded-peter-kruse/">Peter Kruse</a>, <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=woA4R3KrACg">Gunter Dueck</a> und vielen anderen zurückgreift. Meiner Erfahrung nach ergeben sich aus solchen Lautdenk-Artikeln die spannendsten Diskussionen und die inspirierendsten Kommentare. Old School Blogging, auf eine Art.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/29/die-digitale-kluft-ist-gar-keine/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>46</slash:comments> </item> <item><title>Auf dem Weg zur Data DNA</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/27/auf-dem-weg-zur-data-dna/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/27/auf-dem-weg-zur-data-dna/#comments</comments> <pubDate>Tue, 27 Sep 2011 14:06:41 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50584</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/data_dna.png" /><p><a
class="license-cc" href="http://personas.media.mit.edu/personasWeb.html"><span
class="text">Aaron Zinman</span></a></p></div></p><p>Im <a
href="http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=44512">Forum von Spiegel Online</a> und auch anderswo bewegt sich die Debatte um die kommende <a
href="http://www.facebook.com/about/timeline">Timeline-Darstellung von Facebook</a>, welche die Aktivitäten der Nutzer nicht nur innerhalb von Facebook, sondern auch über externe Applikationen als Lebenszeitleiste, also als ständigen Life-Stream darstellen kann, geradezu religiös im Kreis. Facebook-Fans finden vieles nicht so schlimm, da ja (<a
href="http://netzwertig.com/2011/09/26/enge-partnerschaft-spotify-macht-sich-ganz-von-facebook-abhangig/">angeblich</a>) schließlich niemand zur Nutzung des Dienstes gezwungen wird, und Facebook-Gegner erklären jeden für komplett meschugge, der es dennoch tut.</p><p><a
href="http://futurezone.at/meinung/5101-grusel-mark-will-unser-leben.php">Gruselig</a> erscheint eine Zukunft, in der es <a
href="http://nikcub-static.appspot.com/logging-out-of-facebook-is-not-enough">nicht mehr zu genügen scheint</a>, sich bei Facebook auszuloggen – das Netzwerk will wissen, was wir tun, selbst wenn wir gerade nicht mit ihm verbunden sind. Weshalb <a
href="http://www.n-tv.de/politik/Datenschuetzer-sind-alarmiert-article4382386.html">Datenschützer bereits alarmiert sind</a> und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner das alles <a
href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1562459/">&#8222;nicht in Ordnung&#8220; findet</a>.</p><p>Nur eines ist dabei sicher: Die digitale Abbildung unseres Lebens findet schon lange statt, in öffentlichen Varianten wie einem Facebook-Lifestream wird sie uns jedoch mit neuer Wucht bewusst. Und dieses Bewusstsein wird das Netz und damit unser Leben ein weiteres Mal drastisch verändern. Denn wir befinden uns auf dem Weg zur <em>Data DNA</em>, und die Frage ist nicht mehr, ob wir das gut oder schlecht finden, sondern wie wir damit umgehen.</p><p>Seit Jahrzehnten hinterlassen wir Datenspuren, mal mehr, mal weniger detailliert. Vom OTTO-Katalog unserer (Groß-) Eltern über das harmlose Gewinnspiel bis hin zur Kredit- oder Kundenkarte: Schon immer wollen Dritte viel über uns wissen und finden es auch heraus. Wo wir wohnen, wie viel wir verdienen, was wir uns leisten, was wir mögen und was nicht – alles hochinteressant. Und wer sich schon einmal darüber gewundert hat, warum er wenige Zeit nach dem ärztlichen Feststellen einer Schwangerschaft plötzlich Windel-Werbung im Briefkasten hat, der ahnt, dass nicht nur Unternehmen an diesem Datensammlungsprozess beteiligt sind.</p><p>Mit der Nutzung des Internet generell und der von Sozialen Netzwerken insbesondere wird Datensammlung nicht nur leichter zu bewerkstelligen für die Sammler, sondern auch komplexer nachzuvollziehen für die Gesammelten. Welche Web-Anwendung mit welcher anderen kommuniziert, wer mit wem kooperiert oder wer von wem gekauft werden könnte (und wohin unsere Daten dann wandern) – dies alles ist für digital Beheimatete derzeit vielleicht noch halbwegs zu managen, für gelegentliche Internet-Nutzer aber schon jetzt nicht mehr zu durchschauen. Und selbst sichere und selbstsichere Kenner überkommt <a
href="https://plus.google.com/112716356719620674952/posts/28mXw9Co4XP">ein Moment des Netzschauders</a> bei dem Gedanken an das, was ein zufälliger, unachtsamer oder unbeabsichtigter und unbemerkter Klick im schlechtesten Fall und mit etwas Pech auslösen könnte.</p><p>Wir produzieren eine Daten-DNA unserer Person, ein einzigartiges Abbild unseres individuellen Selbst. Wie Fingerabdrücke gleicht keine Data DNA der anderen: Zeig mir, wen oder was du kennst, kaufst, hörst und siehst, und ich sage dir, wer du bist. Unsere Data DNA bestimmt jetzt schon unsere Google-Suchergebnisse, sie beeinflusst die Werbung, die wir sehen, sie empfiehlt die &#8222;Artikel, die sie ebenfalls lesen sollten&#8220;. Sie verändert unsere Sicht auf die Welt. Und damit auch uns selbst.</p><p>So düster dies alles auch klingt: Es ist Teil eines Prozesses, der kaum zu stoppen, sehr wohl aber zu beeinflussen ist. Die Welt bewegt sich, die Dampfmaschine hat uns ebenso verändert wie die Erfindung der Glühbirne, und die Apokalypse wird auch durch das Internet und unsere Data DNA nicht eingeleitet. Am Ende liegt alles – wie so oft – in unseren Händen.</p><p>Wie schließlich Medien, Öffentlichkeit, Politik, Rechtsgebung und Unternehmen – also wir alle – in den kommenden Jahren mit der Data DNA umgehen werden, ist an vielen Stellen noch völlig offen. Fest steht nur: Je bewusster uns ihre Existenz ist, desto umsichtiger können und müssen wir alle mit ihr umgehen.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/27/auf-dem-weg-zur-data-dna/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>63</slash:comments> </item> <item><title>Ist Indie am Ende?</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/23/ist-indie-am-ende/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/23/ist-indie-am-ende/#comments</comments> <pubDate>Fri, 23 Sep 2011 16:16:01 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50541</guid> <description><![CDATA[<p><iframe
width="500" height="284" src="http://www.youtube.com/embed/bV37CClYr-U" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Am vergangenen Mittwochabend habe ich mir TV Total angesehen. Wegen <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/08/26/thees-uhlmann/">Thees Uhlmann</a> und <a
href="http://www.spreeblick.com/2010/07/21/kraftklub-%e2%80%93-die-generationen-der-anderen/">Kraftklub</a>, die ich beide großartig finde.</p><p>Mich als Fernseh-Laien (merke: Menschen, die dauernd darauf hinweisen, dass sie kaum fernsehen, sagen damit eigentlich, dass sie dauernd <a
href="http://daserste.ndr.de/annewill/videos/annewill3141.html">Internet gucken</a>) hat während der Show zunächst die Abwesenheit von Vorbereitung bei Stefan Raab überrascht. Wäre diese Sendung der Pilot eines neuen Formats gewesen, hätte wohl selbst RTL II dankend abgewunken, fürs &#8222;Schlecht vom Zettel Ablesen&#8220; gibt es schließlich günstigere Moderatoren. Aber wer weiß, die wievielte Aufzeichnung das an dem Tag bereits gewesen ist, und ich hatte ja wegen der Gäste eingeschaltet, nicht wegen Raab.</p><p>Nun wusste ich (s.o.) bis zur Sendung gar nicht, dass Thees Uhlmann und auch Kraftklub beim <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesvision_Song_Contest">Bundesvision Song Contest (BuViSoCo)</a> antreten und war ein zweites Mal überrascht. Ich finde dieses Wettbewerbsdingens zwar okay bis unterhaltsam und muss Raab zugestehen, dass er mit meist &#8222;echten&#8220; Künstlern und nicht eigens für den Contest zusammengestellten Acts ein Stück Popkultur im deutschen Mainstream ansiedeln konnte – trotzdem fühlt es sich für mich immer noch nicht so richtig super an, wenn sich Lieblingskünstler diesem Zirkus unterwerfen. Was wiederum die Frage aufwirft, ob man es sich heutzutage als mit Recht nach Gehör und Erfolg strebende Band oder als Einzelkünstler überhaupt noch leisten kann, solch eine Chance <em>nicht</em> zu nutzen. Der Underground als Alternative genügt, fürchte ich, im musikalischen  Bereich nicht einmal mehr für die Kaffeekasse, es sei denn, man ist mit Metal oder Gothic unterwegs. Oder wie auch immer man Letzteres zur Zeit nennt.</p><p>&#8222;If you can&#8217;t beat them, join them&#8220;, hat sich also wahrscheinlich der eher ungothische und metallarme Thees Uhlmann gedacht, der eigentlich bei Medienauftritten recht souverän sein kann, bei TV Total jedoch sichtlich nervös im Sessel hin und her rutschte, womit er Raabs Banalität leider auch nicht ausweichen konnte. Macht nichts, da muss man durch. Sympathisch durchhalten ist schließlich auch eine Tugend.</p><p>Aber dann wurde Thees&#8217; &#8222;Wahlwerbespot&#8220; für Hamburg gezeigt (jeder Künstler hat für die Stadt, die er vertritt, solch einen Spot gedreht) und mir fiel das Hinsehen immer schwerer, ich bildete mir ein, zu <em>spüren</em>, wie sich der Tomte-Sänger durch diesen Dreh hat durch quälen müssen.</p><p><iframe
width="500" height="284" src="http://www.youtube.com/embed/IDoq8yjcn7E" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Und ich dachte: Nee, das geht nicht.</p><p>Von mir aus sollen Bands wie Thees&#8217; und auch Kraftklub – die schneller bei einem Major unter Vertrag waren, als man &#8222;Independent&#8220; sagen kann – und viele andere wirklich stinkend reich und vor allem als Künstler glücklich werden, es ist mir recht, wenn mir ihre Songs zu den Ohren heraus kommen, weil sie dauernd und überall zu hören sind, ich wünsche ihnen Erfolg sowie ein begeistertes Publikum, aber Scheiße, geht das alles oder auch nur ein gutes Stück davon wirklich nur noch, wenn Stefan Raab und/oder ein Megaprodukt es fördert und man sich somit auch deren Regeln unterwerfen muss? Kann sich eine junge Band wie Kraftklub eine Lernphase bei einem Indie-Label gar nicht mehr leisten, ist das Selbstmachen wirklich komplett gestorben?</p><p>Es soll doch leichter geworden sein, auch und besonders durch das Netz. Aber was ist denn mit der versprochenen Kraft der Musikblogs, dem Sog von last.fm und anderen Online-Musikdiensten, mit den Internet-Massen? Wieso ist in Sachen Pop und Rock unter dem Radar des Fernsehens hindurch offensichtlich keine größere Fan-Mobilisierung möglich, die eben nicht nur Anerkennung, sondern auch den ein oder anderen Dollar für die Kaffeekasse derjenigen übrig hat, die wir lieben und brauchen? Für Musiker, für Künstler eben?</p><p>Oder blicke ich einfach mal wieder nicht richtig durch und ihr schleudert mir jetzt einen Haufen Bands entgegen, die auf ihrem eigenen Level auch ohne TV über die Runden kommen oder wenigstens halbwegs zufrieden sind? Die ihr eigenes Ding machen und auf Promo in diesem Stil nicht nur verzichten wollen, sondern auch können?</p><p>Ich wünsche mir, das es so ist, denn schließlich ging das früher™ ja auch irgendwie. Ich habe aber mittlerweile das schlechte Gefühl, dass diejenigen Teile der Musikindustrie, die man als &#8222;relativ unabhängig&#8220; oder &#8222;alternativ&#8220; bezeichnen kann, lange vor den großen, finanziell eben noch immer besser ausgestatteten gestorben sind.</p><p>Weshalb jemandem wie Thees Uhlmann, schließlich Chef seines eigenen <a
href="http://www.ghvc.de/">Labels</a>, vielleicht keine andere Möglichkeit bleibt, als mit dem Zirkus mitzufahren. Denn dieser zieht sonst ohne ihn weiter und nimmt die Kaffeekasse auch noch mit.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/23/ist-indie-am-ende/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>52</slash:comments> </item> <item><title>Da boxt der Papst bei Facebook</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/23/da-boxt-der-papst-bei-facebook/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/23/da-boxt-der-papst-bei-facebook/#comments</comments> <pubDate>Fri, 23 Sep 2011 08:45:33 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50535</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/09/vatikan.png" /><p><a
class="license-c" href="https://twitter.com/#!/vatikan/status/116844661804503040"><span
class="text">@vatikan</span></a></p></div></p><p>Entschuldigt bitte den äußerst dämlichen Titel. I could not resist.</p><p>Zwei voneinander relativ unabhängige Themen bestimmten den gestrigen Twitter-Tag: Der Papstbesuch und die von Facebook mit viel <a
href="http://www.facebook.com/f8">f8</a> angekündigten Neuerungen des Social Networks.</p><p>Die meisten Papa-Tweets blieben – Gott sei Dank (ich hör&#8217; gleich auf damit, sorry…) – wirklich bis bemüht witzig, die Tatsache jedoch, dass sich Leute wie <a
href="http://www.ennomane.de/2011/09/23/der-papst-in-berlin-warum-ich-heute-gegen-joseph-ratzinger-demonstriert-habe/">Die Ennomane</a> auch Zeit für eine längere Begründung ihres Protestes genommen haben, darf nicht unerwähnt bleiben, auch, um <a
href="http://wdr2.de/politik/klartext/papst_kirche100.html">Vorwürfe</a> zu entkräftigen, die Demonstranten wären ignorant.</p><p>Papst-begeisterte Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer hatten es gestern dennoch schwer, oder sie haben einfach nicht den Weg in meinen Stream geschafft, der an anderen Stellen voller Lob für die &#8222;Timeline&#8220; oder &#8222;Chronik&#8220; genannte Ankündigung der <a
href="https://www.facebook.com/about/timeline">neuen Facebook-Darstellung und -Funktionen</a> war.</p><p>Bereits jetzt scheint für viele Menschen Facebook ein Synonym für &#8222;Internet&#8220; zu sein, die neue Timeline, glaube ich (haha!), wird diese Wahrnehmungsstörung noch verstärken. Ich werde mir später die Zeit nehmen, mir das alles mal in Ruhe anzusehen, erst dann kann ich mehr dazu sagen. Grundsätzlich finde ich Bewegung gut und am aktuellen Tempo wird G+ nicht ganz unbeteiligt sein, Konkurrenz belebt also mal wieder das Geschäft. Ob man dessen Kunde sein will, steht wie immer auf einem anderen Blatt.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/23/da-boxt-der-papst-bei-facebook/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>12</slash:comments> </item> <item><title>Meine Wahl für Berlin</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/14/meine-wahl-fur-berlin/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/14/meine-wahl-fur-berlin/#comments</comments> <pubDate>Wed, 14 Sep 2011 13:18:35 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50390</guid> <description><![CDATA[<p>Am kommenden Sonntag steht die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus an. Seit Wochen schon tobt der Straßenkampf der Plakate und Plattitüden, ich konnte mich aber trotzdem für eine Partei entscheiden, die meine Stimme bekommen wird.</p><p>Ein schneller Spreeblick auf die Parteiwerbung in Berlin 2011:</p><p>Die <strong>CDU</strong> ist zu ihrer Law-and-Order-Strategie zurückgekehrt und will generell &#8222;was ändern&#8220;. Die <strong>SPD</strong> setzt – und daran tut sie gut – auf die Knuffigkeit des Regierenden Wowereit, der den Prognosen zufolge auch weiter Kaiser bleiben wird. <strong>Die Grünen</strong> sind in diesem Jahr so facepalmend beraten wie noch nie und weisen mit &#8222;Da müssen wir ran&#8220;-Pfeilen auf die Brüste der Kandidatinnen. Die <strong>FDP</strong> schaufelt mit unfassbar dämlichen Q&#038;A-Postern nicht einmal mehr das eigene Grab, sondern selbiges bereits zu, <strong>Die Piratenpartei</strong> postert angenehm selbstbewusst. <strong>Die Linke</strong> fordert in letzter Minute mehr Einsatz in Sachen Berliner Wohnungsmisere und man fragt sich, warum sie das als Regierungspartner nicht bereits in den letzten Jahren in Angriff genommen hat. <strong>Die rechtsextremen Parteien</strong> pflastern mit ihrem Hass und Stumpfsinn die halbe Stadt zu, was ihnen hoffentlich nichts nützen wird.</p><p>Neben der allgegenwärtigen und wenigstens unterhaltsamen <strong>DIe Partei</strong> sei dann als erwähnenswerter Newcomer auch noch die <strong>BIG-Partei</strong> genannt, die mit multikultureller Besetzung einige vernünftig und weltoffen klingende Slogans parat hatte und dann mit ihrer <a
href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/schulfach-schwul-stimmenfang-mit-vorurteilen/4570286.html">Kampagne</a> gegen ein angeblich geplantes &#8222;Schulfach Schwul&#8220; (basierend auf Unsinn, den eine Boulevard-Zeitung verbreitet hatte) voll ins Klo griff, uns aber immerhin ein paar sehr angenehm witzige Momente bescherte, als wir uns solch ein Schulfach vorstellten. YMCA im Klassenchor und dann &#8222;Schwularbeiten raus!&#8220; – manchmal genügt uns so etwas für einen lustigen Abend, da sind wir gerne mal schlicht gestrickt.</p><p>Wer aber dieses Blog schon etwas länger verfolgt, weiß, dass mein Herz links, wenn auch nicht für Die Linke schlägt, und dass ich Rot-Grün vor vielen anderen möglichen Farbkombinationen bevorzuge. Die SPD als Partei meiner individuellen Wahl fällt dabei <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/06/16/auf-nimmerwiedersehen-spd/">immer</a> <a
href="http://www.spreeblick.com/2010/03/16/auf-ein-wiedersehen-spd/">noch</a> aus – hätte sie Sarrazin hochkant rausgeschmissen, hätte man vielleicht noch mal bei einem Bierchen miteinander reden können. Hat sie aber nicht. Die Grünen wären eine weitere Möglichkeit, denn ich halte Renate Künast für fähig und in Kombination mit Wowereit wäre das alles vielleicht spannend geworden (wird es ja vielleicht auch).</p><p>Trotzdem: Ich habe beschlossen, in diesem Jahr die Piraten zu wählen und ihnen damit hoffentlich beim Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus zu helfen.</p><p>Das &#8222;Pro&#8220; in &#8222;Protestwahl&#8220; kann man bei der Einordnung dieser Entscheidung einfach weglassen. Ich sehe meine Wahl der Piraten nicht als Protest an, sondern eher als unterstützende Ergänzung, vor allem aber als Versuch, den Piraten Raum und Zeit zu geben, denn beides brauchen sie, um dazu lernen und Erfahrungen sammeln zu können.</p><p>Es gibt noch viele Punkte bei den Piraten, die mich stören (aber bei welcher Partei wäre das generell anders?) – bei der Frage des Urheberrechts denke ich zum Beispiel konservativer; was ich in Piraten-Wikis zum Thema Jugendschutz lese, finde ich teilweise haarsträubend; nicht jede personelle Besetzung halte ich für super und in vielen gesellschaftlichen Bereichen gibt es schließlich noch gar keinen klaren Standpunkt seitens der Piratenpartei. Und die nach wie vor schwammige Haltung, man denke nicht in Rechts-/ Links-Politik, missfällt mir.</p><p>Dennoch halte ich die Piraten-Partei für eine grundsätzlich liberale Bürgerbewegung, die als Korrektiv dort mitwirken kann, wo die alten Bekannten immer mehr unter sich bleiben. In welche Richtung sich die Piraten tatsächlich bewegen werden und ob sie wirklich für positive Veränderung und frischen Wind sorgen können – das werde ich nur herausfinden, wenn ihr bisheriges Engagement auch Früchte trägt.</p><p>Deshalb ist meine Berliner Stimme in diesem Jahr orange.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/14/meine-wahl-fur-berlin/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>121</slash:comments> </item> <item><title>Wo sind die Richter?</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/08/29/wo-sind-die-richter/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/08/29/wo-sind-die-richter/#comments</comments> <pubDate>Mon, 29 Aug 2011 15:35:21 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50135</guid> <description><![CDATA[<p>Als &#8222;Identitätsdienst&#8220; (identity service) <a
href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,783042,00.html">sieht Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt</a> also <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/08/29/zwischengedanken-zu-google/">Google+</a>. &#8222;Regierungen werden das verlangen&#8220;, so wird er im verlinkten Spiegel-Online-Artikel zitiert, und: &#8222;Einige Menschen sind einfach böse und wir müssen in der Lage sein, sie zu identifizieren und herunterzustufen&#8220;.</p><p>Das allein ist die ein oder andere Debatte wert, letztendlich führt es mich jedoch immer wieder zu einer Frage, <a
href="http://www.spreeblick.com/2010/01/13/google-google-uber-alles/">die ich vor anderthalb Jahren bereits gestellt habe</a>:</p><p>Wie kommt es, dass man einem Unternehmen anscheinend oftmals mehr vertraut als einer demokratischen Regierung nebst Kontrollinstanzen? <a
href="https://plus.google.com/u/0/108610056059491923585/posts/5CJcKS2qVPz">Oke Göttlich formuliert es auf Google+ vortrefflich</a> und wird daher ebenfalls im SpOn-Artikel zitiert:</p><blockquote><p>Es sind also nicht die Regierungen, die das Netz eines Tages kontrollieren, sondern Firmen, die Menschen identifizieren und bewerten können. Aber wo sind die Richter?</p></blockquote><p>Ich weiß, warum ich unserer Regierung in vielen Punkten nicht mehr über den Weg traue, und ich gehe davon aus, dass ich damit nicht allein bin. Ich bilde mir dennoch in unserem politischen System noch etwas mehr Transparenz und kontrollierende und regulierende Instanzen ein, als dies bei Unternehmen der Fall ist.</p><p>Wenn eine der Aufgaben von Politik sein soll(te), ausgleichend und fair zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen zu wirken, was passiert dann, wenn Politik diese Aufgabe nicht mehr nur nicht genügend wahrnimmt (wie es zur Zeit der Fall ist), sondern sie ob der Entwicklungen gar nicht mehr wahrnehmen <em>kann</em>? Sondern stattdessen auf die Daten von Unternehmen zugreifen könnte/ würde/ müsste, die wiederum geringer Kontrolle unterliegen und ihre Algorithmen im Safe aufbewahren?</p><p>Google, Apple, Facebook, wer-auch-immer als neue, selbsternannte Weltregierungen, per Klick gewählt von den Netznutzern, die ihre Daten abgeben und als Belohnung dafür kostenlose Online-Dienste erhalten?</p><p>Stoff für den ein oder anderen Roman. Und ein Grund mehr, ordentlich zu grübeln.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/08/29/wo-sind-die-richter/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>30</slash:comments> </item> <item><title>London&#8217;s burning</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/08/09/londons-burning/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/08/09/londons-burning/#comments</comments> <pubDate>Tue, 09 Aug 2011 14:28:53 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=49737</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/thoughsofangel.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/anniemole/6025465362/"><span
class="text">Annie Mole</span></a></p></div></p><p>Nach einigen Stunden des Lesens scheint mir der <a
href="http://www.guardian.co.uk/uk/blog/2011/aug/09/london-riots-day-four-live-blog">Guardian</a> eine der besten Quellen für die Berichterstattung rund um die Londoner Unruhen zu sein, die mittlerweile auch auf andere englische Städte wie Birmingham, Liverpool und Bristol übergreifen und ein Todesopfer gefordert haben. Während sich die Artikel der <a
href="http://www.sueddeutsche.de/politik/cameron-verurteilt-krawalle-in-grossbritannien-ihr-werdet-die-kraft-des-gesetzes-spueren-1.1129593">SZ</a>, <a
href="http://www.faz.net/artikel/C31325/gewalt-in-grossbritannien-erster-toter-bei-krawallen-in-london-30481854.html">FAZ</a> und <a
href="http://www.tagesschau.de/ausland/london282.html">Tagesschau</a> bisher wie mehr oder weniger gleiche Versionen der Agenturmeldungen lesen, in denen explizit darauf hingewiesen wird, dass sich die Jugendlichen über das Internet (auch: über Twitter) oder sogar per Blackberry verständigen (stand es früher auch in den Berichten, dass sich Plünderer per Telefon verabredet haben?), findet man im Guardian Links, Hinweise, Reaktionen aus dem Ausland, Zitate und Berichte von Anwohnern und vor allem einen selbstverständlichen und redaktionserweiternden Umgang mit dem Netz, mit dem man beispielsweise <a
href="http://www.flickr.com/groups/uk-riots">Fotos</a> und <a
href="http://www.guardian.co.uk/uk/interactive/2011/aug/09/uk-riots-send-your-videos">Videos</a> der Leserinnen und Leser sammelt</a> (während die Londoner Polizei <a
href="http://www.flickr.com/photos/metropolitanpolice/sets/72157627267892973/">CCTV-Bilder auf flickr</a> veröffentlicht) und auf Blogs und andere Quellen verweist.</p><p><a
href="http://www.londonleben.co.uk/london_leben/2011/08/london-riots.html">Konstantin Binder fasst die bisherigen Ereignisse auf seinem Blog London Leben zusammen</a>:</p><blockquote><p>Am 4. August erschoss die Polizei den mutmasslichen 29 jaehrigen Drogenhaendler Mark Duggan in Tottenham in Nord London. Ein friedliche Demonstration zwei Tage spaeter im selben Stadtteil eskalierte mit Gewalt. Mehrere Gebaeude und ein Bus wurden angezuendet, Geschaefte gepluendert, es gab Verhaftungen und Verletzte, die High Street in Tottenham war am naechsten Morgen kaum wiederzuerkennen, es kam zu Ausschreitungen in den Nachbarstadtteilen Tottenham Hale und Wood Green.</p><p>Sonntag, 7. August: Enfield, Brixton, die Politiker sprechen von &#8222;copycat&#8220; Vorfaellen, die Ausschreitungen hoeren nicht auf, es kommt zu weiteren Pluenderungen und Uebergriffen.</p><p>Montag, 8. August: die ganze Stadt scheint betroffen zu sein, man sieht Bilder und Filmaufnahmen von brennenden Haeusern in Croydon, in Clapham wird gepluendert, in Ealing gehen Scheiben zu Bruch, die Polizei hat die Situation nicht im Griff, Autos werden angezuendet, Londoner sitzen fassungslos vor dem Fernseher, auf Twitter und Facebook rattern die Nachrichten und Statusmeldungen durch. Allmaehlich daemmert es auch dem letzten, dass Tottenham kein Einzelfall war. Es kommt zu Uebergriffen und Ausschreitungen in Birmingham, Nottingham, Bristol und Liverpool.</p><p>Der Morgen nach der dritten Nacht: Zeit fuer Analysen der selbsternannten Experten. Social media sei schuld, Blackberry vor allem, weil die Nachrichten nicht verfolgbar sind. Kids und Teenager sind es, die die Geschaefte ausraeumen, die sogenannten sozialen Brennpunkte werden schnell ausgemacht, die Einsparungen im Sozialwesen, die Armut, die Perspektivlosigkeit, die Gangs, die Frustration, die Arbeitslosigkeit, Drogen, Waffen, die Bereitschaft zur Gewalt, und man ertappt sich dabei, zu denken, na sicher, der und der Stadtteil, war klar dass dort etwas passiert. Aber es gibt auch eine andere Seite: Menschen, die zusammenhalten, ueber twitter werden ueber den hashtag #riotcleanup Aufraeumaktionen gestartet, viele wollen sich ihr Leben durch blinde Zerstoerung nicht kaputt machen lassen. Es gibt enorm viel Solidaritaet in den communities, und man verspuert Hoffnung, wenn man sieht was passiert.</p><p>Premierminister Cameron hat seinen Urlaub abgebrochen, London&#8217;s Buergermeister Johnson ist zurueckgekommen, die Regierung unterbricht die Sommerpause. Cameron verspricht diese Nacht 16000 Polizisten in London einzusetzen, mehr und mehr Londoner rufen nach dem Militaer, nach Traenengas, nach Wasserwerfern und nach Gummigeschossen, die Politiker tun das, was sie am besten koennen, sie reden viel und lange, aber letztlich ist das alles nur Bekaempfung der Symptome. Die Ursachen fuer die Ereignisse sind komplex und vielschichtig, und mit massiver Praesenz von Polizei laesst sich das, was dort brodelt sicher kurzfristig unterdruecken, aber langfristig muss umgedacht werden, muessen wir alle in dieser Stadt umdenken.</p><p>Heute abend beginnt die vierte Nacht und ich will es nicht beschwoeren, und ich hoffe ich liege mit meiner Ahnung falsch, aber ich glaube, es ist noch lange nicht vorbei.</p><p>Was machen sie nur mit meiner Stadt?</p></blockquote><p>Diese Frage stellen sich wohl gerade sehr viele Menschen. Während David Cameron die Eiserne Lady gibt und <a
href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779187,00.html">hartes Vorgehen ankündigt</a>, erklären andere, <a
href="http://www.guardian.co.uk/uk/2011/aug/07/tottenham-community-leaders?INTCMP=ILCNETTXT3487">dass sie die Polizei in Tottenham vor den Unruhen gewarnt hätten</a>, Unruhen, welche auch für Lara Oyedele, die an den sozialen Brennpunkten arbeitet, <a
href="http://www.guardian.co.uk/society/joepublic/2011/aug/09/tottenham-young-people-riot-future">nicht überraschend gekommen sind</a>:</p><blockquote><p>Die Plünderungen überraschen mich nicht: Sie sind Unterhaltung und beschäftigen die jungen Leute. Sie sind nicht richtig, aber das sind die Fakten. Einfach gesagt: Hätten (die Jugendlichen) am nächsten Tag zur Arbeit gehen müssen, hätten sie in der Nacht davor nicht randaliert.</p></blockquote><p>Mit anderen Worten: Kümmert euch um die Jugend, dann zündet sie auch nicht eure Häuser an. Eine sicher zu kurze und zu einfache Erklärung, die jedoch bei dem nicht nur in England oder Frankreich bekannten massiven Abbau von Jugendeinrichtungen und einer sehr hohen Anzahl jugendlicher Arbeitsloser nicht aus der Luft gegriffen ist.</p><p>Speziell, wenn sich tatsächlich aus sozialem Frust entstandene Unruhen mit organisierter Kriminalität mischen (wie zu vermuten ist), fällt es natürlich leicht, Ausschreitungen wie die aktuellen allein als kriminellen Zeitvertreib zu deuten. Sollte die Politik dies jedoch tun, wäre es fatal und falsch, denn es würde bedeuten, dass nach der Bekämpfung der Unruhen und der Verurteilung einiger Täter weiterhin nicht an den Ursachen gearbeitet wird.</p><p>Und sich wieder niemand kümmert.</p><p><small>Und was tun die Briten, wenn ihre Bezirke verwüstet wurden? Sie räumen sie wieder auf. Hashtag: <a
href="http://twitter.com/#!/search/%23riotcleanup">#riotcleanup</a>.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/08/09/londons-burning/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>58</slash:comments> </item> <item><title>Podcast 320 plus Bonus Features: Sommer 2011</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/08/08/podcast-320-plus-bonus-features-sommer-2011/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/08/08/podcast-320-plus-bonus-features-sommer-2011/#comments</comments> <pubDate>Mon, 08 Aug 2011 14:31:07 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=49712</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer01.jpg"></p><p>Tanja und ich resümieren bei wenigen Gläsern Wein unseren Sommer 2011 in Amsterdam, Brighton, Swanage, Bristol, Hartfield, Brüssel und Brühl. Rechnet man unseren <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/07/13/morrissey-live-13-juli-2011-operaen-kopenhagen/">vorhergehenden Trip nach Kopenhagen</a> und das Phantasialand mit ein, sind wir durch sechs europäische Länder gebraust und hatten jede Menge Spaß, vor allem aber tolle Aussichten.</p><p><a
href="http://spreeblick.com/podcast/spreeblick320.mp3">MP3, rund anderthalb Stunden.</a></p><p>Und nach dem Klick gibt es auch noch ein paar Dutzend Urlaubsfotos und ein Video, in dem man mich hysterisch lachen hören kann, wenn man auf sowas steht.</p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer29.jpg"><br
/> <small>Brighton Pier. Steht ja drauf.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer30.jpg"><br
/> <small>Das gleiche Schild, aber von weiter weg.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer31.jpg"><br
/> <small>Typisch Brighton: Indischer Tempel.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer34.jpg"><br
/> <small>Wenn man hinten auf einen Knopf drückt, kommt vorne Spucke raus. Glaube ich.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer32.jpg"><br
/> <small>Wir sind überall …</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer33.jpg"><br
/> <small>… ihr aber auch!</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer10.jpg"><br
/> <small>So sieht England aus.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer21.jpg"><br
/> <small>So sieht England auch aus, insbesondere Swanage.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer23.jpg"><br
/> <small>So sieht England aus, wenn es kaputt gegangen ist <em>(Corfe Castle)</em>.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer24.jpg"><br
/> <small>So sieht England aus, wenn es merkt, dass es fotografiert wird <em>(Corfe Castle)</em>.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer35.jpg"><br
/> <small>Da bin ich mal weiter raus geschwommen.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer28.jpg"><br
/> <small>Swanage: Blick.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer26.jpg"><br
/> <small>Tanja: Blick.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer25.jpg"><br
/> <small>Wollte ich mir nicht entgehen lassen, diese Opportunity.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer02.jpg"><br
/> <small>Mein erster Angry Bird.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer03.jpg"><br
/> <small>Durdle Door. Heißt wirklich so.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer06.jpg"><br
/> <small>Durdle Door von oben.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer04.jpg"><br
/> <small>Mein zweiter Angry Bird. Und mein dritter.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer05.jpg"><br
/> <small>Ausflug mit den Angry Birds.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer07.jpg"><br
/> <small>Tolle Steine. In echt viel größer.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer08.jpg"><br
/> <small>Ein bisschen lustig, für manche.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer09.jpg"><br
/> <small>Von hier waren es nur noch 45 Minuten Fußmarsch.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer11.jpg"><br
/> <small>Hier schaut das H aus seinem Versteck hervor, man findet es Dank des Hinweises auf dem Boden aber sonst auch.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer22.jpg"><br
/> <small>Mein vierter Angry Bird.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer12.jpg"><br
/> <small>Toller Baum.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer27.jpg"><br
/> <small>Tolle Bäume.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer13.jpg"><br
/> <small>Pooh Corner <em>(Hartfield)</em>.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer14.jpg"><br
/> <small>Brüssel: Ganz süß.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer18.jpg"><br
/> <small>Brüssel: Ganz interessant.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer15.jpg"><br
/> <small>Hat noch nie jemand vor mir gemacht.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer16.jpg"><br
/> <small>Atomium von unten.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer17.jpg"><br
/> <small>Atomium von innen.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer19.jpg"><br
/> <small>Phantasialand: Nicht so schlimm, wie man erwarten könnte.</small></p><p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/sommer20.jpg"><br
/> <small>Dritte Reihe, zweite von links: Meine Füße.</small></p><p><strong>Bonus Track: Wir kreischen auf der Brighton-Pier-Achterbahn, und ich lache auch noch sehr hysterisch.</strong><br
/> <iframe
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