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><channel><title>Spreeblick &#187; Stories</title> <atom:link href="http://www.spreeblick.com/category/kategorien/positionen/stories/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.spreeblick.com</link> <description>I live by the river!</description> <lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 21:57:54 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator> <item><title>Beim Arzt (Teil 3)</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/12/19/beim-arzt-teil-3/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/12/19/beim-arzt-teil-3/#comments</comments> <pubDate>Mon, 19 Dec 2011 09:57:10 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
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style="margin-bottom:30px"><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em>- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p>Previously on Beim Arzt:<br
/> <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/">Teil 1</a><br
/> <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/11/beim-arzt-teil-2/">Teil 2</a></p><p>Die Lunge ist gesund, und darüber bin ich sehr froh. Dabei gibt es ja noch jede Menge anderer Krankheiten von interessant bis lebensverkürzend, die mein Arzt diagnostizieren könnte, und auf keine davon bin ich besonders scharf. Ich bin nämlich entschiedener Gegner von Krankheiten, sogar aktiv. Auf meinem Auto klebt hinten ein Aufkleber mit der durchgestrichenen Skizze von einem hässlichen Virus, darum ranken sich die Worte &#8222;Siphoviridae &#8211; Nein, Danke!&#8220;. Damit unterstütze ich die weltweite Ächtung aller Krankheiten, und wenn das mehr Leute machen würden, dann wäre bald Schluss damit! Hat ja bei Atomkraft auch geklappt.</p><p>Zurück in der Arztpraxis fiebere ich (haha) meinem Abschlusstermin entgegen, und ein klein wenig aufgeregt bin ich nun doch noch einmal.</p><p>Mein neuer Arzt, der ruhige, etwas ältere und vertrauenserweckende Mann mit der Brille, wird die letzten Tests durchführen &#8211; Hautuntersuchung, hier und mal mit einem kleinen Hammer unter die Kniescheibe klopfen –, und dann wird die ganze Wahrheit auf den Tisch gepackt. Die Ergebnisse der Blutprobenanalyse und der Belastungstests, die Auswertungen der Ausscheidungen und natürlich werden wir auch auch noch einmal über das Röntgenbild und die Ultraschallergebnisse plaudern. Und schlussendlich: Finger… na, Ihr wisst schon.</p><p>&#8222;Herr Haeusler bitte!&#8220;, ruft die Assistentin ins Wartezimmer. Ich höre ihre Stimme aus der Ferne, denn die Toilette liegt am anderen Ende des Flurs. Die Nervosität und die Wasserflasche, die ich gerade leergetrunken habe, haben mich hierhin getrieben, und obwohl die Panik vor genau der Situation, die gerade eingetroffen ist – nämlich aufgerufen zu werden, während man auf dem Klo ist – mindestens ebenso groß war, hielt ich es nicht mehr aus. Es ist wie beim Warten auf den Bus: Kippe anzünden, dann kommt er. Beim Arzt: Aufs Klo gehen, dann wird man aufgerufen.</p><p>Schnell noch die Hände waschen, dann zum Arztzimmer.</p><p>Ich klopfe, warte auf das sonore &#8222;Ja, bitte!&#8220; und trete ein. Lächelnd und selbstsicher nicke ich zuerst dem Doktor hinter seinem Schreibtisch zu, dann der jungen Frau neben ihm.</p><p>Jetzt erst stutze ich ein wenig. Was will die junge Frau hier? Ich kenne den Raum ja inzwischen. Aber die war vorher nicht da. Oder sehr gut versteckt.</p><p>&#8222;Herr Haeusler, setzen Sie sich doch bitte. Es stört Sie sicher nicht, dass meine angehende Kollegin während der Abschlussuntersuchung anwesend ist?&#8220;, fragt mein Arzt, als würde er mir sagen, dass er heute etwas früher Feierabend machen wird.</p><p>&#8222;Keineswegs!&#8220;, antworte ich. &#8222;Es war schon immer einer meiner größten Wünsche, mich mit heruntergelassener Hose über den Schreibtisch eines alten Mannes zu beugen, dabei dessen Finger im Hintern zu spüren und den beobachtenden Blicken einer 25-Jährigen ausgesetzt zu sein. Manchmal träume ich nachts von dieser Szene! Also worauf warten wir noch?&#8220;</p><p>War nur Spaß. Das sage ich natürlich nicht, denn es wäre unhöflich. Ich habe ja nichts gegen den Schreibtisch. Stattdessen antworte ich:</p><p>&#8222;Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, Herr Doktor, aber ich glaube, das ist mir etwas zu privat. Ich empfinde die Situation schon mit Ihnen allein etwas beschämend, und ich möchte sie durch die Anwesenheit einer jungen Dame nicht noch peinlicher für mich machen. Daher muss ich leider sagen, dass ich froh wäre, wenn ihre angehende Kollegin vielleicht lieber bei einem späteren Termin dabei wäre, zum Beispiel nachher, wenn die ältere Dame dran ist, die zur Zeit noch im Wartezimmer sitzt und immer so doll hustet. Sie sieht nicht mehr so gut, sagte sie mir, ihr ist das vielleicht auch alles nicht so wichtig. Aber mich stört es.&#8220;</p><p>Das Problem ist: Das sage ich auch nicht. Ich sollte es sagen, denn es entspräche ziemlich exakt dem, was ich gerade denke, doch ich bringe es nicht über die Lippen, ich bin zu irritiert von der Gesamtsituation.</p><p>&#8222;Nö, stört nicht&#8220;, lüge ich daher. Und setze mich.</p><p>Der Arzt erzählt Dinge und ich höre nicht zu, sondern rede mir ein. Dass die junge Frau schließlich noch ganz andere Dinge sehen wird, wenn sie Ärztin werden will; dass Ärzte den Körper ja sowieso ganz anders betrachten als unsereins; dass es völlig in Ordnung ist, wenn sie zwar meinen vollen Namen und meine medizinischen Details kennt, ich aber nicht einmal ihre Initialen; und dass das alles eben so ist, irgendwie muss sie den Beruf ja erlernen, auch in der Praxis.</p><p>Auf diese ganzen Fakten will ich mich konzentrieren, doch ich werde immer wieder von einem Wort in meinem Kopf abgelenkt:</p><p>Facebook.</p><p>Die Statusmeldung &#8222;Katja Baldarzt hat dich vor 12 Stunden auf einem Handy-Foto markiert&#8220; wildert noch eine Weile durch meine Fantasie, in der ich den &#8222;Beitrag löschen&#8220;-Knopf suche und nicht finde, doch dann beruhige ich mich durch das mantra-artige, stille Rezitieren des Begriffs &#8222;Ärztliche Schweigepflicht&#8220;.</p><p>Anders geht es auch nicht mehr, denn ich muss, inzwischen nur noch mit einer Unterhose bekleidet, still stehen (und gleichzeitig den Bauch einziehen), während der Arzt meinen Körper betrachtet, als suchte er auf einem Globus die sehr kleine und einsame Insel, auf der er 1976 mal Urlaub gemacht hat. Er nimmt die Sache ernst, das ist mir sympathisch. Ich mag Profis.</p><p>Nachdem er Haut, Knochenbau und Körperhaltung überprüft hat, kann ich meine Oberbekleidung wieder anziehen und mich auf den Patienten-Stuhl am Schreibtisch setzen, während der Doktor eine Schublade öffnet, um Handschuhe und einen großen Topf Vaseline zum Vorschein zu bringen und auf den Tisch zu stellen. Genau so hatte ich mir das vorgestellt! Verrückt.</p><p>Ich lache. Innerlich. Ganz leise. Doch die Klischees sind noch nicht ganz ausgeschöpft.</p><p>Ich lasse tatsächlich meine Hose runter, die angehende Ärztin wechselt tatsächlich die Position, um bessere Sicht zu haben, und mein Arzt sagt tatsächlich:</p><p>&#8222;So, dann beugen Sie sich mal bitte etwas über den Tisch.&#8220;</p><p>Über den Tisch! Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, vielleicht so eine Art Prostata-Untersuchungshocker, einen &#8222;P-Raum&#8220;, irgendein medizinisch anmutendes Etwas, das für bestimmte Zwecke aus dem Schrank geholt wird, oder wenigstens die Nutzung der Patientenliege, aber ÜBER DEN TISCH??</p><p>&#8222;Auf diesen Satz habe ich drei Wochen lang gewartet!&#8220;, scherze ich und höre immerhin ein unterdrücktes weibliches Glucksen. Frauen stehen ja angeblich auf Männer mit Humor, welchen Einfluss auf diese vermeintliche Anziehungskraft es jedoch hat, wenn der lustige Mann gerade mit heruntergelassenen Hosen über den Tisch vor ihnen gebeugt ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Kommt wahrscheinlich auf den Witz an. Und den Tisch. Und die Frau. Und den Mann. Oder dessen Hintern.</p><p>Wie auch immer: Die folgende Prostata-Untersuchung verläuft – ganz besonders in Anbetracht des schier endlosen dramaturgischen Bogens, den ich im vorliegenden Text auf diesen Moment hin gespannt habe – enttäuschend unspektakulär. Jeder, der seinen Körper ein wenig besser kennt, weiß oder ahnt natürlich, dass das Ertasten der Prostata im Normalfall weder Schmerzen verursacht noch besonders zeitintensiv ist, und so kann sich mein Arzt schon nach wenigen Sekunden die Worte &#8222;fühlt sich gut an&#8220; verkneifen und die Latex-Handschuhe wieder abstreifen.</p><p>&#8222;Alles in Ordnung&#8220;, meint er.<br
/> &#8222;Bei mir auch&#8220;, sage ich.</p><p>Besser kann es jetzt eigentlich nicht mehr werden, und so schickt mein Arzt die junge Angehende nun doch aus dem Zimmer, sie kann schließlich nichts mehr verpassen.</p><p>In Wirklichkeit geht es jedoch um die ärztliche Bewertung der Untersuchungen, die unter vier Augen besprochen wird und äußerst beruhigend ausfällt. Natürlich ist da das Rauchen, das ich einfach sein lassen muss, und außerdem sind meine Cholesterin-Werte zu hoch, tierisches Fett soll also reduziert werden. Doch alle anderen Untersuchungsergebnisse sind in Ordnung, sogar meine Kondition scheint völlig normal zu sein und mein Arzt ist darüber fast genauso glücklich wie ich. Mehr noch: Die Ultraschall-Untersuchung meiner inneren Organe scheint ihn beeindruckt zu haben.</p><p>&#8222;Da gibt es überhaupt nichts, was auch nur ansatzweise Ihrem Alter entpricht. Ich kann das wirklich so sagen: Sie haben die Organe eines Achtzehnjährigen.&#8220;</p><p>Tolle Sache, so eine Privatversicherung.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/12/19/beim-arzt-teil-3/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>18</slash:comments> </item> <item><title>1992: Angela Merkel und ich im TV</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/1992-angela-merkel-und-ich-im-tv/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/1992-angela-merkel-und-ich-im-tv/#comments</comments> <pubDate>Thu, 17 Nov 2011 22:03:10 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51155</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/11/jugendtreff.png" alt="n3 jugendtreff" title="n3 jugendtreff" class="alignnone size-full wp-image-51156" /></p><p>1992 befand sich meine Band <a
href="http://fb.com/planb.berlin">Plan B</a> auf einem kleinen Höhenflug, denn fast alles lief ziemlich super. Auch die Promotion: Während einer Deutschland-Tournee machten wir als musikalische Gäste Zwischenstopp bei der N3-Show &#8222;Jugendtreff&#8220; mit dem Titel &#8222;… denn sie wissen nicht, was sie tun&#8220;.</p><p>Während der Sendung wurde mit dem jungen Publikum zu den Themen &#8222;S-Bahn-Surfen&#8220; und &#8222;Jugend und Politik&#8220; im Allgemeinen diskutiert, zu dieser Gesprächsrunde wurde ich ebenfalls hinzu geholt. Stellvertretend für die politische Seite war die damalige Ministerin für Frauen und Jugend anwesend: Angela Merkel.</p><p>Es folgen die Videobeweise, die mir von Florian M. aus Braunschweig zugespielt wurden.</p><p><strong>ACHTUNG!</strong> Die Videos sind leider etwas asynchron. Florian hat das vor Ewigkeiten von einer alten VHS-Kassette digitalisiert und dabei ging leider irgendwas daneben, das Tape gibt es aber nicht mehr. Da muss man durch. Wenn man will.</p><p><strong>Teil 1: Eröffnungssong</strong></p><p>Zum Vollplayback tauschten unser Gitarrist Hans und unser Bassist Fritz die Instrumente und ich legte meine Gitarre ganz ab. Und mein Hemd auch. Wer den Song oder mich nicht ertragen kann, der kann bis zum Ende vorspulen, wenn unsere heutige Kanzlerin sagt, dass sie unsere Musik &#8222;nicht so schlimm fand, wie sie eigentlich erwartet hätte&#8220;. Ich weiß nach 20 Jahren immer noch nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/cEF4XXw96Dc" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p><strong>Teil 2: Die Debatte</strong></p><p>Nun ja. Man muss bedenken, dass ich a) sehr nervös war, mich b) gerade auf der Playback-Bühne verausgabt hatte und c) außerdem an einigen Stellen einfach vor Aufregung nicht wusste, was ich tolles sagen könnte, was ich mir d) aber nicht anmerken lassen wollte, was man dann e) leider sehr merkt. Ich komme um einiges arroganter rüber als Frau Merkel, weswegen sie ja heute auch Kanzlerin ist und ich nicht. Dafür hab&#8217; ich aber mehr Sex.</p><p><iframe
width="500" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/B8nJV08eFq0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p><p>Wer sich nur über mich lustig machen will, der braucht sich nur die ersten und die letzten Minuten des Videos anzusehen, ich empfehle aber die Gesamtlänge, denn der Clip hat ob der Diskussion mit den Jugendlichen vor 20 Jahren einen gewissen historischen Charme und es ist spannend zu sehen, was sich verändert hat – und was nicht.</p><p><small>Wenn man auch noch den Abspann der Show sehen will, dann <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=sY-sLO8CX9o">kann man das hier tun</a>, es gibt noch einen halben Song zu hören.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/17/1992-angela-merkel-und-ich-im-tv/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>96</slash:comments> </item> <item><title>Beim Arzt (Teil 2)</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/11/beim-arzt-teil-2/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/11/beim-arzt-teil-2/#comments</comments> <pubDate>Fri, 11 Nov 2011 14:55:46 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=51070</guid> <description><![CDATA[<p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
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src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p><small>Eine zweiteilige und etwas längere Kurzgeschichte mit nur wenigen Unwahrheiten, die noch einen dritten Teil nötig hat, weil ich mich nicht kurz fassen kann.</small></p><p><strong><a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/">Previously on &#8222;Beim Arzt&#8220;: Für Teil 1 bitte hier klicken!</a></strong></p><p>Es gibt in der deutschen Sprache wenige Wörter, die dämlicher aussehen als &#8222;geröntgt&#8220;, und es gibt wenige Tage, die langsamer vergehen als die bis zum Röntgentermin der eigenen Raucherlunge. Doch in drei Tagen wird die meinige geröntgt, da kann das Wort noch so dämlich aussehen, und ich verbringe die Wartezeit bis dahin mit entspanntem Sorgen.</p><p>Wie jeder Raucher bin ich der perfekte Selbstbetrüger, mein gesamtes Leben lang rede ich mir ein, ich sei wahlweise unsterblich oder Helmut Schmidt, und meine eigene Zigarettenmarke sei im Gegensatz zu anderen völlig ungefährlich.</p><p>Dass nichts davon wahr ist, wird mein Röntgentermin ans teilweise ultraviolette Licht bringen, dessen bin ich sicher. Und verfalle nach ersten Panikattacken in eine Depression, als ich feststelle, dass ich gar nicht besonders viel zu vererben habe.</p><p>Die Röntgenpraxis ist überfüllt. Dutzende überwiegend ältere Patienten bevölkern den Warteraum und falten gelangweilt Papierflugzeuge aus Seiten einer Gala-Ausgabe von 2002. Unter lautem Gejohle donnert ein besonders schnittiger Flieger mit einem Bild von Xavier Naidoo immer wieder gegen eine Fensterscheibe, und am Empfang hat sich eine Menschenschlange gebildet, die den Anschein vermittelt, es gäbe ein neues iPhone.</p><p>Brav stelle ich mich hinten an und lasse etwa zehn Minuten vergehen, in denen absolut nichts passiert, bevor ich die Dame vor mir frage, ob sie einen Termin hat. Hat sie nicht. Aber <em>ich</em> habe ja einen, muss mich also vielleicht gar nicht anstellen und wage mich unter Papierkugelhagel und begleitet von wüsten Beschimpfungen (&#8222;Spalter!&#8220;), an eine freie Stelle an der Rezeption.</p><p>&#8222;Hinten anstellen!&#8220; (Das ist Berlinerisch für &#8222;Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?&#8220;)</p><p>&#8222;Ähm… ich habe einen Termin und wollte fragen, ob ich mich dann auch anst…&#8220;</p><p>&#8222;Ooch hinten anstellen!&#8220;</p><p>Ich zögere. Ich habe noch ein Ass im Ärmel, eines, das ich so selten wie möglich einsetze, eines, das mir etwas peinlich ist, doch die Aussicht auf eine Wartezeit von mehreren Tagen lässt mich zu dieser Waffe greifen. Also flüstere ich, damit es niemand anderes hören kann:</p><p><small>&#8222;Ichbinprivatversichert…&#8220;</small></p><p>Diese Worte wirken Wunder. Binnen weniger Sekunden verlässt die etwa 60-jährige Praxisangestellte den Empfangstresen, an ihrer Stelle steht nun eine wesentlich jüngere Mitarbeiterin vor mir und reicht mir ein Glas Sekt und eine Auswahl von mit erlesenen Meeresfrüchten angereicherten Appetitanregern. Ihr weißer Kittel ist etwas zu weit aufgeknöpft, doch ich möchte sie nicht brüskieren und behalte das für mich.</p><p>&#8222;Folgen Sie mir doch bitte&#8220;, lächelt sie mich an und da ich eh nichts anderes vorhabe, tue ich wie geheißen.</p><p><small>Zugegeben: Das mit der Angestellten ist leicht übertrieben dargestellt. Der Sekt und die Schnittchen auch. Die Tatsache jedoch, dass ich in einer überfüllten Praxis, deren Wartezimmer voll besetzt ist und an deren Empfang sich schier endlose Wartschlangen gebildet haben, in einen <em>separaten</em> Warteraum für Privatpatienten geführt werde, in dem ich der einzige (!) und auch nur für wenige Minuten (!!) wartende Patient bin, ist die volle, bittere Wahrheit der sozialen Zweiklassengesellschaft in Deutschland. Ich bin wie viele Selbstständige aus pragmatischen, also finanziellen Überlegungen privat krankenversichert, doch für die inzwischen völlig überzogenen und absurden Unterschiede, die dieses System hervorgebracht hat, schäme ich mich in Situationen wie diesen. Während meine Frau mit ihren wesentlich höheren Beiträgen zur gesetzlichen Krankenkasse (die zudem noch gerade pleite gegangen ist, weshalb sie sich nun innerhalb weniger Wochen eine neue Versicherung suchen muss) immer häufiger schon am Telefon abwimmeln lassen muss, genieße ich eine Bevorzugung, die ich nicht verstehe, die gesellschaftliches Gift ist und die ich daher ablehne. Und bigotterweise an Tagen wie dem beschriebenen dennoch nutze.</small></p><p>Ich habe das Inhaltsverzeichnis der aktuellen &#8222;Watch Collector&#8217;s Weekly&#8220; noch nicht zuende gelesen, als ich auch schon an der Reihe bin und in den Röntgenraum geführt werde. Ein schneller Blick zum Empfangstresen beweist: Die Dame, die in der Schlange vor mir stand, ist ihrem Ziel noch keinen Schritt näher.</p><p>Röntgen ist toll. Maximale Schädlichkeit bei minimalem Schmerz. Gäbe es Röntgenstrahlen in 20er Packs am Kiosk, dann wäre das vielleicht eine ernstzunehmende Alternative zum Rauchen. Man spürt und sieht X-Strahlen einfach nicht, und was Superman aus den Augen schießt kann ja so schlimm schließlich nicht sein.</p><p>Außerdem geht es schnell: Nach wenigen Sekunden bin ich transparentisiert und darf mich wieder angezogen wieder in den privaten Warteraum begeben, denn im Gegensatz zu den pflichtversicherten Plebejern, die bis zu zwei Wochen auf ihre Röntgenbilder warten müssen, bekomme ich meine sofort auf einer vergoldeten CD mit einem kostenlosen Download-Code für das neue Ärzte-Album in die Hand gedrückt.</p><p>So war das jedenfalls besprochen. Die im Warteraum erscheinende Praxis-Mitarbeiterin hat aber gar keine CD bei sich, sondern sagt mir stattdessen: &#8222;Herr Haeusler? Die Frau Doktor möchte gerne mit Ihnen über ihr Röntgenbild sprechen, gleich im Raum nebenan.&#8220;</p><p>Das, was sich bisher nur in Form von zittrigen Knien und einem trockenen Mundraum zeigte, wird zu leichter Panik. Wieso will die Ärztin, die mich doch gar nicht behandelt, mit mir über mein Röntgenbild reden? Was könnte so dringend sein? Ist doch sicher alles in Ordnung, was gibt es denn da zu reden??</p><p>Ich habe echte Angst. Ich habe Angst davor, dass mir schlechte Nachrichten übermittelt werden, Angst vor endlosen Untersuchungen, vor langen Krankenhausaufenthalten, vor der Beschäftigung mit einer schweren Krankheit, Angst vor Internet-Foren voller hypochonderierender Paranoiker, die aber vielleicht doch Recht haben könnten, Angst davor, nicht mehr selbstbestimmt leben zu können und auch davor, sterben zu müssen, bevor ich &#8222;Brügge sehen und sterben&#8220; gesehen habe.</p><p>Als ich den Raum betrete, in dem mich die Ärztin lächelnd begrüßt (ist das ein &#8222;Alles okay&#8220;-Lächeln oder nicht doch ein &#8222;Sie müssen jetzt ganz stark sein&#8220;-Lächeln?), kann ich das hintergrundbeleuchtete Bild meiner Lunge bereits über dem Schreibtisch erkennen, was mich mangels nennenswerter Röntgenbilddeutungsfähigkeiten aber auch nicht beruhigt, ganz im Gegenteil. Das sieht alles irgendwie krank aus.</p><p>&#8222;So, dann wollen wir mal&#8220;, beginnt die Ärztin mit einem leichten Seufzen und setzt sich auf den Stuhl vor dem Foto. Ein zweiter Stuhl steht direkt neben ihr. &#8222;Setzen sie sich doch bitte!&#8220;</p><p>&#8222;ICH WILL MICH NICHT SETZEN! SAGEN SIE MIR ENDLICH, WIE LANGE ICH NOCH HABE!&#8220;</p><p>Dieser Satz geistert durch meinen Kopf, während ich mich mit einem &#8222;Dankeschön&#8220; setze.</p><p>Sie benutzt einen Kugelschreiber, um damit auf mein Röntgenbild zu zeigen (rein juristisch betrachtet ist es zu diesem Zeitpunkt noch ihres, ich habe es ja noch nicht bezahlt und ich überlege, ob ich eine Krankheit aufgrund dieser Tatsache einfach ablehnen könnte, &#8222;Annahme verweigert&#8220; oder so): &#8222;Also… hier sehen wir ihre Lunge, das hier ist der linke und das hier der rechte…&#8220;</p><p>Wenn das so weiter geht, drehe ich durch.</p><p>&#8222;… Lungenflügel. Und wie man hier ganz deutlich erkennen kann …&#8220; Sie umkreist mal dunklere und mal hellere Stellen auf dem Bild, auf dem ich ganz deutlich gar nichts erkennen kann, &#8222;… ist das alles ganz wunderbar in Ordnung. Keinerlei Anzeichen auf Schäden, keine Hinweise auf …&#8220;</p><p>Der Rest ihrer medizinischen Fachrede geht in einem nebligen Wirrwarr unter, ich kann ihr nicht mehr zuhören, ich spüre einfach nur noch unfassbare Erleichterung. Ich hatte vorher gefühlt, dass ich Angst hatte, wie groß diese Angst aber tatsächlich war, wird mir jetzt erst klar.</p><p>Tränen der Freude schießen in meine Augen. Ich falle der Ärztin um den Hals, küsse sie abwechselnd jeweils dreimal auf ihre Wangen und biete ihr kostenfreie Unterkunft sowie zwei warme Mahlzeiten täglich für den Rest ihres Lebens und ein Xing-Premium-Konto an.</p><p>Sie lacht herzlich und freut sich mit mir. Was sie denn um alles in der Welt mit einem Xing-Premium-Konto solle, fragt sie mich noch, bevor ich erleichtert und mit meiner CD in der Manteltasche die Praxis verlasse.</p><p>Meine Lunge ist gesund und ich bin so dermaßen froh über diesen Befund, dass ich mich, zurück auf der Straße, tatsächlich erst einmal ausruhen muss.</p><p>Meine Fresse, hatte ich Panik. Schade, dass ich nicht gläubig bin. Sonst könnte ich mich jetzt wenigstens bei irgendwem bedanken.</p><p>Gut. Sehr gut.</p><p>Bleibt noch die abschließende Untersuchung beim Doktor, doch jetzt macht mir nichts mehr Angst. Nicht mal Finger in den Po.</p><p><small><a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/19/beim-arzt-teil-3/">Hier geht es zum dritten und letzten Teil.</a></small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/11/beim-arzt-teil-2/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>2</slash:comments> </item> <item><title>Beim Arzt (Teil 1)</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/#comments</comments> <pubDate>Fri, 04 Nov 2011 15:56:28 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50934</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
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class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/jreed/322057793/in/photostream/"><span
class="text">Jay Reed</span></a></p></div></p><p><a
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src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p><small>Eine zweiteilige und etwas längere Kurzgeschichte mit nur wenigen Unwahrheiten.</small></p><p>&#8222;Tja …&#8220;</p><p>Ich weiß genau, was jetzt kommt.</p><p>&#8222;Naja …&#8220;</p><p>Etwas Anderes findet er ja auch nicht. Wo sollte er sonst ansetzen? Die Kreuze auf dem Fragebogen, den man bei jedem Arzt neu ausfüllen muss, habe ich fast alle bei &#8222;Nein&#8220; gesetzt. Keine bekannten Herz- oder Nierenkrankheiten, keine Medikamente, keine Operationen, schwanger bin ich auch nicht – nur eben dieser leichte Heuschnupfen, der von Jahr zu Jahr schwächer wird, lässt  ein Kreuzchen bei &#8222;Ja&#8220; hinter &#8222;Allergien&#8220; zu.</p><p>Und dann ist da noch der Raum für persönliche Notizen. Die Frage nach schweren Erkrankungen in der Familie. Wahrheitsgemäß trage ich ein, dass mein Vater im Alter von 50 Jahren an Krebs gestorben ist.</p><p>Ich bin jetzt 47.</p><p>&#8222;Naja …&#8220;, beginnt der Arzt, der mir empfohlen wurde und den ich heute zum ersten Mal aufsuche, erneut. Seine Augen wandern über meinen Fragebogen. &#8222;Das mit dem Rauchen sollten sie vielleicht besser sein lassen.&#8220;</p><p>&#8222;Wieso?&#8220;, frage ich. &#8222;Ist das schädlich?&#8220;</p><p>Der Humortest steht bei mir zu Beginn eines jeden noch aufzubauenden Vertrauensverhältnisses, besonders, wenn es im Verlauf desselben zu einseitiger Nacktheit kommen kann. Ein wenig Humor kann da die ein oder andere emotional eher komplexe Situation durchaus auflockern.</p><p>Mein neuer Arzt zuckt nach meiner Bemerkung zwar nur mit dem linken Mundwinkel, beweist aber andere Doktorenkompetenzen, indem er in einem perfekt performten &#8222;Classic Medic Move&#8220; die Nahsichtbrille abnimmt, seine Ellenbogen auf den Schreibtisch setzt und mich ansieht, als würde er seinen nächsten Satz mit den Worten &#8222;Spaß beseite&#8220; beginnen wollen.</p><p>&#8222;Spaß beseite&#8220;, beginnt er seinen nächsten Satz, &#8222;versuchen Sie, damit aufzuhören.&#8220;</p><p>Wir tauschen ernste Blicke (er) und schuldbewusstes Kopfnicken (ich) aus, dann kommen wir zum Grund meines Praxisbesuchs:</p><p>Ich will die Hauptinspektion. Ich habe es tatsächlich geschafft, ein Telefon in die Hand zu nehmen und mir Termine geben zu lassen für das, was man beim abendlichen Gespräch mit Freunden gern mit den Worten &#8222;Stimmt, muss ich unbedingt mal machen&#8220; auf das nächste Jahrtausend vertagt.</p><p>Komplettuntersuchung, EKG, Röntgenbild der Lunge, alles mal ordentlich ultrabeschallen, Krebsvorsorge, Finger in den Po, Blutbild (nicht zwingend in dieser Reihenfolge), das ganze Programm eben, genau so, wie es die Werbebroschüre des Bundesgesundheitsministeriums empfiehlt. Achtung: Die Werbebroschüre des Bundesgesundheitsministeriums empfiehlt nicht explizit den Finger in den Po, denn so für sich bringt der ja erstmal nicht viel an gesundheitlicher Vorsorge, in den Info-Flyern steht daher irgendwas mit Prostata, aber wer halbwegs weiß, wo sich selbige befindet, der versteht: Finger in den Po.</p><p>Was man halt so alles macht, wenn man nicht mehr bei seinen Eltern wohnt.</p><p>Mir geht es grundsätzlich super, ich fühle mich so fit, wie man sich als Raucher fühlen kann. Ich trinke regelmäßig, aber selten viel, mit dem Sport verhält es sich genauso. Okay: Nicht ganz genauso. Nicht regelmäßig. Und auch nicht viel. Eigentich so gut wie gar nicht, wenn man von wenigen Fahrradkilometern absieht. Zählt Treppensteigen nicht auch als Sport? Und so ganz normales Laufen? Sex?</p><p>Gut: Ich habe Schiss. Ich bin zwar froh, den Anruf endlich getätigt zu haben und dann auch noch beim Arzt erschienen zu sein, obwohl es wie immer an dem Tag eigentlich ganz schlecht passte. Und ich möchte die Gewissheit haben, dass es meinem Körper gut geht.</p><p>Was aber, wenn es ihm nicht gut geht? Wenn ich voller unbekannter Krankheiten bin, in Forschungslabore eingewiesen werden muss, meine Familie mich nur alle drei Wochen mit einem Zelt über dem Körper besuchen darf und der Arzt meinen Besuch mit den Worten abschließt: &#8222;Gönnen Sie sich mal einen richtig tollen Urlaub mit Ihrer Frau, ganz egal, was es kostet&#8220;?</p><p>Na, dann hätte ich aber ganz schön was zu bloggen, denke ich mit der Stimme von Steve Martin in &#8222;The Jerk&#8220;. Und fange vor Angst ein bisschen an zu weinen, während ich auf einem Heimtrainer-Fahrrad sitze und von der Heimtrainer-Fachfrau der Praxis, die sich gleichzeitig auch noch ein bisschen mit Herzen auskennt, an vielen Stellen meines nackten Oberkörpers mit Aufklebern bepflastert werde, die mittels Kabeln an irgendwas mit einem Betriebssystem angeschlossen sind. Ich kenne solche Apparaturen. Aus &#8222;24&#8243;.</p><p>Das Radfahren ist lächerlich leicht. Trotz der Warnung der Medizinischen Fachangestellten, mich lieber &#8222;noch nicht&#8220; zu verausgaben, lege ich gefühlte 35 Stundenkilometer hin, die sich nach Blick auf den Tacho als 17 herausstellen, und frage mich dabei, wie alt meine Herz-Dame wohl sein mag. Höchstens 22, schätze ich, denn durch meinen Bauchansatz, den ich beim Verdrahten natürlich geschickt unter dem Sattel versteckt hatte, fühle ich mich rund 25 Jahre älter. Ähnliche Ansätze von zu viel Fett sind bei ihr schließlich nirgends zu erkennen (okay – sie ist im Gegensatz zu mir auch bekleidet). Sie sieht wesentlich fitter aus als ich.</p><p>&#8222;Neununddreißig&#8220;, antwortet sie auf meine Nachfrage lächelnd. Na gut, knapp daneben, denke ich und nicke ihr strampelnd zu, als würde ich sagen: Ja, das habe ich auch ungefähr geschätzt. Vermutlich schummelt sie einfach ganz unfair, indem sie täglich Sport treibt, nicht raucht und sich makrobiotisch ernährt. Nur um mich in Selbstzweifel zu stürzen. Die blöde Kuh.</p><p>Sie ist aber gar nicht blöd, sondern sogar äußerst nett. Außerdem lacht sie ab und zu über meine schlechten Witze, die Lockerheit vortäuschen sollen und an diesem Vorhaben so kläglich scheitern wie Yvonne Catterfeld an einem zweiten Gesichtsausdruck.</p><p>&#8222;So, jetzt wird&#8217;s schwerer, jetzt geht&#8217;s mal ein bisschen bergauf&#8220;, nettet meine Betreuerin und schaltet irgend etwas um. Die Pedale scheinen sich plötzlich verklemmt zu haben, denn das Treten wird viel, viel schwerer. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich verlange mein Geld zurück.</p><p>&#8222;Wir messen in verschiedenen Stufen, mal sehen, wie weit sie kommen. Ich schalte jetzt noch mal hoch.&#8220;</p><p>Meine Witzchen werden etwas seltener und knapper. Aber auch auch pointierter! &#8222;Nicht, dass Sie denken, das wäre Schweiß!&#8220;, röchle ich, während sie mir mit einem Handtuch den Oberkörper trocknet, damit die Klebedinger nicht abfallen, die vermutlich Stromstöße durch meine Brust jagen werden, wenn ich nicht schnell genug fahre. Das Wedeln mit dem Handtuch kann ich ihr im letzten Moment untersagen, meinen gehechelten Wunsch nach isotonischen Getränken ignoriert sie deshalb. Die ersten Hustenreize machen sich bemerkbar, doch ich kann sie unterdrücken, denn meine gesamte Konzentration gilt den Beinen, meine Augen suchen sie nach den Stahlummantelungen ab, die ich eindeutig spüren kann.</p><p>&#8222;In Ordnung, ich sage Ihnen, wo das Gold ist, aber hören Sie endlich auf&#8220;, will ich gerade brüllen, als Sie die Qual endlich beendet.</p><p>Erschöpft steige ich vom Heimtrainer ab und bin sicher, komplett versagt zu haben. Die letzten Minuten kamen mir vor wie die Tortour de France und ich habe geschwitzt wie zuletzt in der Grundschule, als Matthias aus der Sechsten mir androhte, mich mit dem Kopf voran der Berliner Kanalisation zuzuführen.</p><p>&#8222;War ganz schön schwer, hm?&#8220;, lächelt die Fachfrau. &#8222;Ach&#8220;, winke ich ab, als ich zwölf Minuten später wieder einsilbige Worte formulieren kann, und tue so, als wäre der nachfolgende Husten eine Reihe weiterer &#8222;Achs&#8220;.</p><p>Ich streife mein Hulk-T-Shirt wieder über und schaue sie erwartungsvoll an, um meine Punktzahl zu erfahren. Aber nix da: &#8222;Der Doktor schaut sich das dann alles an und erläutert es im Abschlussgespräch&#8220;, sagt sie und schickt mich zur Blutabnahme.</p><p>Selbige macht mir nichts aus. Seitdem mir vor vielen Jahrzehnten mal eine schlaue Zahnärztin erklärt hat, wie man Schmerz beim Erhalt von Spritzen verringern kann (&#8222;Du musst versuchen, deine Muskeln zu entspannen, auch wenn das schwierig scheint: je angespannter du bist, desto schmerzvoller wird es), tun mir Spritzen tatsächlich nicht weh. Außer vielleicht, wenn direkt in offene Wunden gespritzt wird, aber das habe ich noch nie erlebt und möchte es auch gar nicht so dringend erleben. Und wenn ich es doch erleben müsste, wäre die Spritze vermutlich noch der angenehmste Teil.</p><p>Nächster Fall: Ultraschall. Diesmal legt der Chef selbst Hand an und so liege ich erneut spärlich bekleidet vor ihm auf einer dieser Arztpraxis-Liegen, die immer zu kalt sind und deren Papierauflagen schon beim Drauflegen verrutschen. Meine inneren Organe werden von außen gescannt und einmal mehr danke ich den Errungenschaften der modernen Medizin, denn wenn man das von innen machen müsste, wäre es sicher ganz schön anstrengend für alle Beteiligten.</p><p>Mein Doktor reibt mir den halben Oberkörper mit einer (natürlich eiskalten) Salbe ein, bewegt danach seine Computermaus, die gar keine ist, über meinen rutschigen Torso und zeigt mit der freien Hand auf einen Monitor, auf dem das Testbild des DDR-Fernsehens von 1967 zu sehen ist. &#8222;Mädchen oder Junge?&#8220;, frage ich und das einstudierte Lachen des Arztes verrät mir, dass ich nicht der Erste bin, der diesen Kracher gebracht hat.</p><p>&#8222;Gucken Sie mal! Das hier ist ihre Leber!&#8220;</p><p>&#8222;Irre&#8220;, lautet meine begeisterte Antwort, &#8222;ich hätte auf Tansania getippt!&#8220; Tatsächlich erkenne ich auf dem Screen nichts, was an meine Leber erinnert, wobei ich jetzt gerade unsicher bin, ob ich meine Leber besser erkennen würde, wenn sie direkt vor mir läge.</p><p>Ehrlich gesagt erkenne ich aber nichts, was an <em>irgend</em> etwas erinnert, was vielleicht auch daran liegt, dass der Monitor neben meinem Kopf steht und in die Richtung des Arztes zeigt, ich mich aber nicht bewegen soll. Hätte ich einen Hals mit der Flexibilität und Länge einer Kobra, dann hätte ich vielleicht eine Chance, so jedoch kann ich die Messereignisse aus meiner Liegehaltung heraus nur von der Seite erahnen. Ich tue trotzdem beeindruckt, denn Arbeit soll ja auch Spaß machen, auch die eines Arztes. Ich hoffe außerdem auf mildernde Umstände in der späteren Beurteilung, wenn ich meine Milz mit der gleichen Begeisterung verfolge wie der Doktor.</p><p>&#8222;Gut&#8220;, schließt selbiger diesen Teil der Untersuchung ab. &#8222;Dann lassen Sie sich mal einen weiteren Termin geben, zu dem wir uns dann zur Abschlussuntersuchung – Haut, Prostasta und so weiter – treffen, und nach der wir die Ergebnisse besprechen. Vorher gehen Sie aber bitte noch zum Röntgen der Lunge, auch die Röntgenbilder werden wir uns dann gemeinsam ansehen.&#8220;</p><p>Okay.<br
/> Heute also noch kein Finger in den Po.</p><p><small>Kommentare dann unter dem zweiten Teil, okay?</small></p><p><strong><a
href="http://www.spreeblick.com/2011/11/11/beim-arzt-teil-2/">Hier klicken, um Teil 2 zu lesen!</a></strong></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/11/04/beim-arzt-teil-1/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>4</slash:comments> </item> <item><title>Wie ich Berliner Bürgermeister wurde</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/09/16/wie-ich-berliner-burgermeister-wurde/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/09/16/wie-ich-berliner-burgermeister-wurde/#comments</comments> <pubDate>Fri, 16 Sep 2011 13:11:04 +0000</pubDate> <dc:creator>Björn Braune</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50430</guid> <description><![CDATA[<p><small>Eine etwas längere Kurzgeschichte von Gastautor Björn Braune.</small></p><p>Es begann alles im Frühjahr 2009. Ich lebte zu der Zeit in Berlin und es war ein recht kalter Winter, der zur Freude aller endlich zu ende ging. Wie das eben so ist, wenn das Eis schmilzt, dann tauen auch Dinge auf, die besser gefroren bleiben sollten. Dieser Winter war besonders lang und besonders kalt gewesen, deswegen hatten sich außergewöhnlich viele Exkremente angesammelt. In einer Stadt wie Berlin gibt es einfach viele Hunde, die sich überall in der Stadt erleichtern. Im Sommer ist das schon ärgerlich, aber im Winter, wenn der Regen nichts wegwaschen kann, dann sammeln sich Unmengen von Hundehaufen an. Eine Zeitbombe, die mit olfaktorischer Wucht im warmen Frühling explodiert und den Blütenduft um eine würzige Note erweitert. Doch nicht genug damit, dass es stinkt, dass man sich den Dreck unter den Schuhen mit in die Wohnung trägt, macht das Ganze noch unerfreulicher. Da fasste ich den Entschluss: So kann es nicht weiter gehen!</p><p>Der erste Schritt bestand darin, die Haufen zu markieren &#8211; nicht nur um zu vermeiden, dass man hineintritt, sondern vor allem, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Da ich damals arbeitslos war, also viel Zeit hatte, bastelte ich aus dünnem Draht und roten Plastikfetzen kleine Kotfähnchen, die ich dann nach und nach Tausendfach an den entsprechenden Gefahrenstellen anbrachte. Nach einigen Monaten war mein Erfolg nicht mehr zu übersehen, und als wäre es eine Kunstaktion vom Reichstagsverhüller Christo, tanzten die kleinen Fähnchen anmutig im Wind. Die Menschen wurden auf mich aufmerksam, man grüßte mich freundlich, ich gab Interviews für Zeitungen und sogar für das Fernsehen. Der Bürgermeister versprach mir öffentlich seine Unterstützung, woraufhin die Stadt mir ein Fahrrad samt der stattlichen Anzahl von 10.000 Fähnchen zur Verfügung stellte. Das war schon recht beeindruckend, aber ich wollte mehr. Die Stadt sollte vom Hundedreck befreit werden und ich hatte dafür auch schon die Lösung.</p><p>Meine Idee setzte an einer Stelle an, die noch niemand vorher bedacht hatte. Vor allem sollte das Ganze nicht nur die Stadt reinigen und die Menschen glücklich machen, es sollte mich auch zu einem reichen und geachteten Mann machen &#8211; beides Dinge, die mir bisher schmerzlich verwehrt geblieben waren. Es war eine revolutionäre Idee von großer Tragweite, so einfach, dass es schon wieder fast lächerlich war. Aber ich mache es kurz, es ging um das Futter. Ja, um dem Hundekot Herr zu werden, musste man einfach beim Futter ansetzen. Bei meiner Methode mit den Fähnchen war mir nämlich ein großer Haken aufgefallen, den ich nicht wirklich zufriedenstellend hatte beheben können. Tagsüber konnte man die Fähnchen zwar sehen, doch Nachts nützte dieser Schutz rein gar nichts. Ja, unter Umständen konnten die kleinen Drahtfähnchen sogar zu einer gefährlichen Stolperfalle werden. Kleine Lämpchen oder ähnliches waren ungeeignet und zudem auch noch teuer &#8211; von der Umweltbelastung mal ganz abgesehen. Nun hätte ich die Plastikfetzen mit fluoreszierende Farbe bestreichen können, doch dann kam mir im wahrsten Sinne des Wortes die Erleuchtung: Es muss strahlen! Genau das war es: fluoreszierende Hundehaufen! Wie das geschehen sollte? Nun, das war nicht ganz einfach&#8230; ich experimentierte eine Zeit lang herum &#8211; schließlich sollte das Ganze ja nicht giftig sein &#8211; und hatte mit einem Extrakt aus Glühwürmchen Erfolg. Wie sich herausstellte, ließ sich deren Leuchtfähigkeit vollkommen gefahrlos und ohne die Käfer millionenweise zu töten künstlich reproduzieren. Das Ergebnis war eine fluoreszierende Farbe, die tagsüber unsichtbar, nachts aber von extrem großer Leuchtkraft war. Jetzt denken Sie wahrscheinlich, dass ich die Haufen alle angepinselt hätte, und ich muss zugeben, am Anfang hatte ich den Gedanken, doch wie gesagt, meine Idee war viel größer!</p><p>Durch meinen mittlerweile recht großen Bekanntheitsgrad, der mir ein kleines Einkommen und die Unterstützung diverser dankbarer Bürger einbrachte, gelang es, den Kontakt zu einer großen Hundefutterfabrik in Berlin herzustellen. Es bedurfte einiger Zeit, um das Management von meiner Idee zu überzeugen, die schließlich sehr ungewöhnlich war und die Gefahr einer Schädigung der Marke nicht auszuschließen. Im Erfolgsfalle aber wäre es die einzige Hundefuttermarke, deren Abfallprodukt sogar bei Hundehassern Freude hervorrufen würde. Man einigte sich also mit mir auf eine Testreihe. An dieser Stelle wurde es etwas schwierig, weil mir diverse Tierschutzorganisationen immer wieder Tierversuche vorwarfen, aber ich bestehe bis heute darauf, dass kein Hund jemals Schaden genommen hat &#8211; weder bei diesen Versuchen, noch später irgendwann! Und der Erfolg war unglaublich!</p><p>Nicht nur, dass die Hundehaufen nun nachts hell leuchteten &#8211; sie hatten ja den ganzen Tag Zeit, sich aufzuladen &#8211; sogar die Hunde leuchteten im Dunkeln. Natürlich nur, wenn sie voll waren. Das war ein Segen für die Hunde, denn im Dunkeln fielen sie so mehr auf und die Zahl der Unfälle ging deutlich zurück. Aber auch die Hundehalter waren begeistert, denn wenn der Hund leuchtete, wussten sie, dass er raus musste, um sein Geschäft zu erledigen. Was soll ich sagen &#8211; nach einem erstem Zögern der Hundebesitzer stellte sich &#8211; auch dank einer phänomenalen &#8222;Scheiß-Werbe-Kampagne&#8220; ein unglaublicher Erfolg ein! Es war übrigens das erste mal, dass ich dieses derbe Wort verwendete, doch es war nicht zu meinem Schaden. Und ohne das ich es beabsichtigt hatte, löste ich gleich noch ein zweites Problem: Die umweltschonende Beleuchtung von Parks und Grünanlagen war erfunden! Vollkommen CO2-Neutral, biologisch produziert, in endlosen Massen vorhanden, billig und das Ganze wurde auch noch freiwillig dort verteilt, wo es hinsollte. Es war unglaublich! Ich wurde als der Retter der Menschheit gehandelt &#8211; was mir zwar schmeichelte, doch in diesem Punkt wollte ich bescheiden bleiben. Ich hatte mich und meine Mitmenschen ja vor nur dem erbärmlichen Gestank und Dreck retten wollen. Und das &#8211; so muss ich leider zugeben &#8211; war mir immer noch nicht gelungen. Ich war zwar Reich und geachtet, aber meine Erfindung drohte sich sogar gegen mich zu richten, denn schon hatte man Pläne, entlang der Straßen extra Zonen einzurichten, in denen die Hunde ihr Geschäft verrichten sollten. So wollte man auch die Straßenbeleuchtung sparen, ja sogar über die Verwendung in U-Bahnhöfen und öffentlichen Gebäuden dachte man nach. Das stank mir gewaltig und ich hielt es &#8211; wie Sie sich denken können &#8211; für eine ausgemachte Scheißidee. Damit war ich glücklicherweise nicht alleine. Doch die Vision einer gigantische Hundekackelichtarmee nahmen immer mehr Gestalt an, so dass ich Handeln musste.</p><p>Es war das Jahr 2011 mein Wort hatte mittlerweile recht großes Gewicht und auch mein Vermögen war dank der wunderbaren Erfindung auf eine stattliche Größe angewachsen. Doch um wirklich etwas zu bewegen, fehlte mir einfach das entsprechende Amt. Meine Berater, die ich mir inzwischen leisten konnte, rieten mir, als Bürgermeister zu kandidieren &#8211; schließlich wäre ich ein wirklich verdienter Bürger dieser Stadt, hätte für Berlin und alle anderen Menschen Unglaubliches geleistet, und da wäre ein politisches Amt doch naheliegend. Es stellte sich die Frage, ob ich dazu einer Partei beitreten sollte, doch so sehr mich alle als guten Menschen und aufrechten Bürger schätzten, so wenig wollten sie auch mit jemandem zu tun haben, der sein Leben dem Hundekot gewidmet hatte und ihm allen Erfolg verdankte. Ich war &#8211; dieser Wortwitz wurde überall gemacht &#8211; anrüchig. Das war doch verletzend &#8211; zumal ich wenigstens von den Grünen erwartet hätte, dass sie mich wegen meiner Verdienste für die Umwelt als Kandidaten akzeptieren würde. Doch bei Scheiße hörte der Spaß auf, bei allen. Es mag an der braunen Farbe der Exkremente gelegen haben, die in Verbindung mit einem politischen Amt alte Erinnerungen wachrief. Ich aber hielt das für weit hergeholt und eine gemeine Diffamierung. So bleib mir nichts anderes übrig, als mich parteilos als Bürgermeister zur Wahl zu stellen.</p><p>So sehr ich auch gefürchtet hatte verspottet zu werden, um so mehr wurde ich für meinen Mut belohnt: Die Menschen der Stadt feierten mich, nahmen meine Kandidatur mit Euphorie auf, und bald erreichten meine Prognosen in allen Umfragen schwindelerregende Höhen. Es schien den Menschen Freude zu bereiten, dass &#8222;Einer, der sich um Scheiße kümmert&#8220;, in die Politik geht (Meine Wahlslogans waren simpel, aber genial!). Bei aller Kritik von Seiten der Politiker wurde ich von den Bürgern immer wieder ermutigt und für meine Ehrlichkeit belohnt. Denn gemeinhin assoziierten die Menschen Politik mit Kot und das ich keinen Hehl daraus machte, kam hervorragend an. Natürlich brauchte ich auch in den anderen Bereichen, die nichts mit Exkrementen zu tun hatten, ein Wahlprogramm, aber das hatten meine Berater schnell im Griff &#8211; das war ja nichts neues und die Methoden schnell etwas derartiges zu erzeugen war ja bereits aus anderen Parteien bekannt. Da war es keine große Sache, um die ganze Scheiße ein Wahlprogramm zu stricken &#8211; ja,  selbst dieser Wortwitz kam bestens an! Endlich konnten die Menschen mit voller Überzeugung sagen: &#8222;Ich wähle Scheiße!&#8220;. Es schien wie eine Erlösung zu sein. Man erwartete nichts mehr &#8211; außer dass ich mich weiter um die Hundescheiße kümmerte &#8211; aber das verstand sich ja von selber bei meiner Geschichte.</p><p>Der Wahlkampf ging in die heiße Phase, doch immer wenn es die Zeit zuließ, arbeitete ich mit Hochdruck an der neuen Erfindung für die Lösung des Problems. Denn der nächste Schritt sollte noch größer und noch revolutionärer sein als der letzte. Mich beschäftigten immer noch zwei Dinge: Der Geruch und die Entsorgung der Haufen. Dass sie leuchteten war willkommen, doch in der Funktionalität musste das Ganze wesentlich weiter gehen. Dank meiner politischen Aktivitäten verfügte ich über eine Vielzahl von Kontakten in die Wirtschaft, zu Pharmaunternehmen und vor allem zu Unternehmen aus dem Bereich der Biotechnologie. Diese, so hatte ich beschlossen, würde ich jetzt nutzen. In einem streng geheimen und gut bewachten Labor einer dieser Firmen experimentierte ich mit hervorragend ausgebildeten Forschern an einer neuen Variante des Hundefutters, dass nicht nur leuchten, sondern sich neben diesem Nutzen auch noch selbsttätig entsorgen sollte. Nach vielen misslungenen Versuchen kam uns bei einem Arbeitstreffen die Idee Gentechnik zu nutzen. Auch wenn dieser Bereich der Wissenschaft verrufen war, so war unser Credo: Ohne Denkverbote an die Sache herangehen und eine Lösung finden! Allerdings wuchsen auch meine Belastung ins Unermessliche, ständig hetzte ich zwischen Terminen, Labor, Interviews, Hundeshows und Bürgern hin und her, so dass ich einen Großteil der Entwicklungsarbeit meinen Mitarbeitern überlassen musste.</p><p>Wie vorhergesagt und von allen Statistiken prognostiziert, wurde ich mit meiner eigens neu gegründeten Scheißpartei am Sonntag, dem 18. September 2011 mit überwältigender Mehrheit gewählt, man sprach nicht mehr vom Erdrutschsieg, sondern von der Kotlawine, die alle anderen Parteien hinweggefegt hatte! An dem Tag meines größten Triumphes sollte es noch besser kommen, denn die Forschungen waren abgeschlossen. Noch auf der Bühne, kurz nach meiner Siegesansprache demonstrierte ich die neue Errungenschaft. Ich kündigte die Vorstellung an und wartete, bis es ganz still im Saal war. Die Techniker dämmten das Licht und dann wurde ein Hund auf die Bühne geführt, der bereits leuchtete. Alle wussten: Er ist voll, gleich wird er sein Geschäft machen. Doch die große und spannende Frage war: Was dann? Leise tuschelten die Zuschauer, der Hund kratze sich nervös hinter dem Ohr, machte einen kleinen Winsler und erst nach einer liebevollen Ermunterung seines Herrchens entschied er sich &#8211; trotz der großen Zuschauermenge, die ihm offensichtlich unangenehm war &#8211; sein Geschäft auf der Bühne zu machen. Noch niemals in meinem Leben habe ich eine solche laute Stille gehört. Man konnte den Hund leise seufzen hören, als der Haufen seinen Weg auf die Bühne fand. Leise klackerten seine Krallen über den Bühnenboden, während er davontrottete und sich noch einmal verstohlen umdrehte, als wundere er sich über diese Aufmerksamkeit für seinen Haufen. Dann geschah es. Die frische Hundewurst begann sich zu bewegen, erst ganz langsam, dann deutlich sichtbar. Wie ein Räkeln beim Schlüpfen einer Schmetterlingslarve bäumte sich das eine Ende auf und dann&#8230; es war kaum zu hören&#8230; SPRACH der Haufen leise aber bestimmt: &#8222;Vorsicht!&#8220;. Mit dünner Stimme sagte dieser Haufen Scheiße tatsächlich &#8222;Vorsicht! Haufen!&#8220;. Diese zwei Worte immer wiederholend und langsam lauter werdend robbte die Hundewurst vorwärts. Weiter und weiter, bis sie nach einigen Metern vom Bühnenrand fiel. Dort krabbelte die redende Scheiße weiter, um in dem nahegelegenen und extra dafür beleuchteten Gulli mit einem letzten &#8222;Vorsicht! Haufen!&#8220; für immer zu verschwinden. Stille.</p><p>Nach einer ewigen Minute in d die Menge fast im Schockzustand über das soeben gesehene verharrte, kam tosender Applaus. Wie eine Explosion, ein ganzes Meer, das sich über einen ergießt ließen die Menschen frenetisch ihrem Jubel freien Lauf. Es war un-vor-stell-bar! Man hatte soeben eine sprechende Kackwurst von alleine in den Gulli krabbeln sehen &#8211; das war das Großartigste und Seltsamste, was die Welt jemals zu Gesicht bekommen hatte. Und ich hatte mich um das Tausendfache selbst übertroffen &#8211; niemand hatte mit einer solchen Erfindung gerechnet. Selbst ich, dessen Kopf diese Idee entstammte, war sprachlos und von der Situation tief berührt. Ich hatte sprechende Scheiße erfunden die im Dunkeln leuchtete! Das gab es noch niemals vorher auf der Welt! Es war unglaublich! Die Menschenmenge trug mich, ich wurde auf tausend Armen und Händen hochgeworfen und durch die Stadt getragen, als würde ich in einem Meer aus Menschen schwimmen. Und das alles nur wegen Scheiße, wegen einfacher Hundescheiße, die nun auch nicht mehr stank &#8211; was in dem allgemeinen Trubel vollkommen untergegangen war. Aber wer hätte das auch wahrnehmen sollen außer den Personen, die direkt neben dem sprechenden Haufen standen. Es war egal &#8211; mein Erfolg war überwältigend! Am nächsten Tag bestand meine erste Amtshandlung darin, das neue Hundefutter per Sonderverordnung allen Hundehaltern vorzuschreiben. Erstaunlicherweise rief das nahezu keinen Protest hervor, die Menschen stießen sich auch nicht daran, dass mir die Hundefutterfabrik mittlerweile gehörte. Ganz im Gegenteil &#8211; man beglückwünschte mich von allen Seiten und wünschte mir Erfolg für die Regierungszeit. Und so langsam merkte ich, auf was ich mich da eingelassen hatte.</p><p>Um an den Punkt zu gelangen an dem ich nun war, hatte ich mich ausschließlich mit Scheiße beschäftigt &#8211; vor allem um diese loszuwerden! Was ich aber nun vor mir hatte, überstieg meine wirklich große Leidensfähigkeit um ein Vielfaches. Ich hätte nie geglaubt, dass es von Scheiße eine Steigerung gibt, denn jeder Superlativ unterstreicht doch nur, dass es sich um übel riechende und unansehnliche Exkremente handelt. Egal ob Super-, Hyper- oder Mega &#8211; Scheiße bleibt immer Scheiße. Nun ja, ich will mich nicht rausreden, jedenfalls wurde ich mit der Realität des Regierens konfrontiert und da ich ja sozusagen der Mann vom Fach war, hatten mir das alle zugetraut. Nur ich selber hatte nicht geahnt, was mich da erwartete. So langsam wurde mir klar, dass der Dank dafür, dass ich mich mit Scheiße beschäftigt hatte, darin lag, dass ich mich nun mit noch mehr Scheiße beschäftigen musste. Jeden Tag. Und die Aufmerksamkeit für meine Erfindung ließ nach, sehr stark nach. Um nicht zu sagen: es war mir scheißegal was mit den ganzen Haufen passierte &#8211; das Problem war ja gelöst. Kaum kam ein Haufen auf die Welt, krabbelte er &#8211; sich die entsprechende Aufmerksamkeit verschaffend &#8211; zum nächsten Gulli und verschwand. Nachts leuchteten die Würste sogar dabei, und alle waren glücklich. Ja alle, alle außer den Haufen.</p><p>Was mir nämlich entging, war die Tatsache, dass die Haufen mitnichten einfach verschwanden. Ganz im Gegenteil &#8211; sie lebten im Untergrund weiter. Doch damit nicht genug, denn es wurden ja immer mehr, die sich da in den Eingeweiden der Stadt versammelten, dort mutierten und lernten. Ja, sie lernten dazu! Es begann damit, dass sie nachts aus dem Untergrund krochen und nicht mehr nur noch &#8222;Vorsicht! Haufen&#8220;! sagten, sondern Dinge wie &#8222;Hab mich lieb!&#8220; oder &#8222;Küss mich!&#8220;. Ich weiß &#8211; eine absurde Vorstellung. Ein Haufen der spricht,  ist schon seltsam genug, aber einer, der Liebe und Zuneigung einfordert, nimmt sich doch recht surreal aus. So wurden auch erste Berichte von den Liebeshungrigen Haufen als Halluzinationen abgetan und den Phantasien der alkoholisierten Obdachlosen zugeschrieben. Doch irgendwann trauten sich die Haufen auch tagsüber aus ihren Verstecken, sie schienen zu wachsen oder sich zu vereinigen, jedenfalls wurde die Presse aufmerksam, als sich ein besonders großes Exemplar auf einem Kinderspielplatz im Prenzlauer Berg Gehör verschaffen wollte. Es war aus der offenen Kanalisation einer nahegelegenen Baustelle gekrabbelt und hatte auf dem Weg zum Spielplatz eine hässliche Schleimspur hinterlassen. Und da passierte es&#8230; er hatte eine Mutter mit seinen Liebesforderungen belästigt, die ihm ohne hinzusehen aus Gewohnheit einfach einen Schnuller in die schmierige Sprechöffnung gedrückt hatte. Das erste Mal war die Forderung eines Haufens nach Aufmerksamkeit und Liebe erfüllt worden! Fast biblisch muss es angemutet haben: &#8222;Klopfet und euch wird aufgetan werden!&#8220; Ich persönlich glaube, dass dieses besonders große und ekelhafte Exemplar wieder zurückkroch und seinen Haufenfreunden davon berichtete. Es muss wie ein Erweckungserlebnis gewirkt und eine Art evolutionären Sprung verursacht haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Haufen plötzlich auf der Strasse erschienen &#8211; nicht einzeln, sondern in Massen!</p><p>Es gab regelrechte Haufendemonstrationen, Riesenansammlungen von Scheiße, die durch die Strassen zogen und nach Liebe, Aufmerksamkeit und der Erfüllung ihres Willens brüllten. Sie entwickelten sich rasant, wuchsen, lernten und &#8211; das war das Schlimmste von allem &#8211; begannen wieder zu stinken. Erbärmlicher und grauenerregender als jemals ein Haufen zuvor gerochen hatte. Kaum dass man einen Haufen erblickte, brannten einem die Augen, es legte sich ein grünlicher Film auf die Zunge und schnürte einem die Kehle zu. Es war unerträglich! Man konnte nur noch flüchten. Währenddessen war die intellektuelle Entwicklung der Haufen so weit vorangeschritten, dass sie nach Rechten verlangten, nach Mitbestimmung, nach Wohnungen und – ja, es klang noch absurder als die Forderung nach Liebe &#8211; nach Essen. Scheiße, die etwas leckeres Essen will&#8230; es war&#8230; einfach nur ein Alptraum, es war MEIN Alptraum, denn es war meine Erfindung. Es dauerte nicht lange, bis man mich belagerte, ich solle dieses grauenvollen Kreaturen ausrotten, die Stadt davon befreien, etwas tun, IRGENDETWAS. Doch ich konnte nicht mehr denken vor Angst und Grauen. Vor allem kam noch dazu, dass die Haufen irgendwo gehört hatten, ich wäre ihr Schöpfer. Überall lauerten sie mir auf, riefen nach mir &#8222;Vater! Hilf uns! Befreie uns aus unserem Leid! Führe uns aus dem dunklen Tal!&#8220;. Wenigstens verlangten sie nicht, dass ich sie aus der Scheiße ziehen sollte. Aber das war auch der einzige Trost. Mir blieb nichts anderes übrig als zu flüchten. Denn mittlerweile standen wieder Wahlen an, und die Haufen stellten eine der stärksten Parteien. Die anderen Parteien verhöhnten mich &#8211; die Geschichte würde sich nun wiederholen und an mir rächen, die braune Soße käme wieder zurück in die Politik und ich sei der Führer der Scheiße, der sie alle in das tausendjährige Reich der großartigen Gülle geleiten sollte. Ich versuchte aufzuwachen, aber ich schlief nicht. Leider. Es war alles tatsächlich wahr. Ich flüchtete, die Stadt wurde überrannt, dann das ganze Land.</p><p>Sie wissen ja, dann gab es diesen Scheiß Krieg und es nahm alles ein beschissenes Ende &#8211; sogar diese Geschichte endet mit platten Wortwitzen, anders kann man dieser Scheiße wohl nicht beikommen. Ich muss mir mein Scheitern wohl eingestehen, mein Lebenswerk ist verpfuscht, das Klo runtergespült und ich lebe heimlich versteckt in der Kanalisation wie meine Scheiß-Erfindung. Aber ich habe gelernt, dass man selbst Scheiße nicht unterschätzen sollte. Niemals. In ihr verbirgt sich die Kraft des Lebens, die, einmal erwacht, sich immer ihren Weg suchen wird. Wer weiß&#8230; vielleicht krieche ich auch eines Tages wieder aus meinem dunklen Versteck im Kanal hervor und dann&#8230;</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/09/16/wie-ich-berliner-burgermeister-wurde/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>16</slash:comments> </item> <item><title>Thank you, Steve.</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/08/25/thank-you-steve/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/08/25/thank-you-steve/#comments</comments> <pubDate>Thu, 25 Aug 2011 14:40:27 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=50007</guid> <description><![CDATA[<p><strong>Steve Jobs tritt, und ich schaue zurück.</strong></p><p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/smilingmac.jpg" alt="smiling mac" title="smiling mac" class="alignnone size-full wp-image-50008" /></p><p>&#8222;Macintosh Emulator&#8220; stand auf einer der handbeschrifteten Disketten in der Kiste, die mir Marc als eine Art Starter-Set für meinen <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Atari_ST">ATARI ST</a> mitgegeben hatte, den ich wegen seiner eingebauten Midi-Schnittstelle hauptsächlich zum Musikmachen nutzte.</p><p><small>Ich war nie der C64-Typ, das Ding war mir zu klobig und unsexy, ich stand auf den ATARI. Und bin heute noch davon überzeugt, dass C64-sozialisierte Computernutzer später zu Windows oder Linux tendierten, während wohl nicht wenige ATARI-Freaks beim Mac landeten, denn ob des von Apple abgekupferten <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Graphical_Environment_Manager">GUI</a> des ATARI fiel der Umstieg leicht.</small></p><p>Ich war Anfang 20 und wusste weder, was &#8222;Macintosh&#8220; ist, noch konnte ich mit dem Begriff &#8222;Emulator&#8220; etwas anfangen. Ich schob die Diskette ins Laufwerk und startete den Rechner neu. Ein lächelnder kleiner Computer empfing mich auf dem monochromen Bildschirm, danach eine Oberfläche, die nicht so weit von der mir bekannten entfernt schien. Es gab ein Menü am oberen Bildschirmrand, es gab Fenster und Datei-Symbole, und es gab einen kleinen Mülleimer zum Löschen von Dateien. Das kannte ich in etwas anderer Form alles schon.</p><p>Ein paar Klicks, ein paar Versuche mit der integrierten Software &#8230; hm. Bringt mir nichts. Verstehe ich nicht. Ich hatte keine Ahnung, dass ich gerade ein komplett anderes Betriebssystem benutzte (ich hatte nämlich nicht einmal eine Ahnung, was ein Betriebssystem ist) und es war mir auch egal. Ich drückte den kleinen Knopf unter dem Schlitz für die Diskette, um sie auszuwerfen.</p><p>PIEP! PIEP! PIEP! schrie mein ATARI (denn viel mehr konnte er an Sound nicht von sich geben) und ein Hinweis auf dem Screen riet mir dringend, die Diskette sofort wieder ins Laufwerk zu schieben, sonst könne für meine Sicherheit nicht garantiert werden.</p><p>Diskette wieder rein: Stille. Diskette wieder raus: Rabatz. Statt den Rechner einfach auszuschalten (hätte ja sein können, dass er danach nicht mehr funktioniert) rief ich Marc an, zu dessen herausragenden Charaktereigenschaften gehörte, dass er mich nie auslachte, wenn ich als kompletter Newbie dämliche Fragen stellte.</p><p>&#8222;Ein Emulator macht deinem Computer vor, ein anderer zu sein. Mit dem Mac-Emulator kannst du einen Apple Macintosh nutzen, zumindest kann man sich mal ansehen, wie sowas aussieht. Ein Apple Macintosh ist das, was man eigentlich haben will, sich aber nicht leisten kann. Kosten Tausende, die Dinger. Um die Diskette aufzuwerfen, musst du ihr Symbol einfach mit der Maus auf den Mülleimer ziehen.&#8220;</p><p>Mein erster Kontakt mit einem Mac fand also auf einem ATARI ST statt und zeigte mir gleich den gröbsten Designfehler des Systems, einen Fauxpas im Nutzerinterface, der erst viele Jahre später korrigiert werden sollte. Ein sündhaft teurer Computer, bei dem man eine Diskette nicht über einen Knopf auswerfen konnte, sondern indem man sie auf das &#8222;Löschen&#8220;-Symbol zog? Na danke. Danke, nein.</p><p>Wenige Jahre später saß ich in einer Werbeagentur, die ein Cover für meine Band entwerfen sollte, und wartete auf den Chef. Dieser entschuldigte sich, er bräuchte leider noch eine halbe Stunde für ein Kundengespräch, ich könne aber gerne an einen der freien Rechner gehen, während ich wartete. Ob ich mich mit einem Macintosh auskenne, fragte er. &#8222;Na klar&#8220;, log ich.</p><p>Aus der halben Stunde wurden zwei, denn immer wieder sagte ich dem Agentur-Chef, dass er ruhig erst noch etwas Anderes erledigen könne. Fasziniert spielte ich nämlich mit dem Mac, dem Computer, der mich mit einem <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_PageMaker">Layout-Programm</a> tatsächlich alles machen ließ, was ich machen wollte. Ich konnte aus einer unglaublichen Menge von Schriftarten wählen um den Namen meiner Band immer anders aussehen zu lassen, ich konnte das Geschriebene frei auf meinem Arbeitsblatt positionieren, ich konnte frei zeichnen und das Gezeichnete wieder verändern und es dem Geschriebenen hinzufügen, ich konnte: gestalten.</p><p>Das klingt albern heutzutage, doch es war zu dieser Zeit noch äußerst selten, dass das, was man am Rechner formte, auf dem Monitor genau so aussah wie im späteren Ausdruck. Modernere Textverarbeitungsprogramme boten zwar eine annähernd korrekte Voransicht eines Dokuments, doch von echtem Layout konnte kaum die Rede sein. <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/WYSIWYG">WYSIWYG (What You See Is What You Get)</a> und <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Desktop-Publishing">DTP</a> lauteten die Begriffe, die in den folgenden Jahren immer mehr Designer, Grafiker und andere Kreative zu Apple-Enthusiasten machten und den Computer jenseits von Finanzen und Kalkulationen für Agenturen und Freiberufler sinnvoll erscheinen ließen. Denn so musste ein Computer für Kreative funktionieren: als beinahe selbsterklärendes Werkzeug, das zur Umsetzung von Ideen hilfreich zur Seite und nicht im Weg stand.</p><p>Ich beschloss, die Plattencover für unsere Band von nun an selbst zu machen. Dafür brauchte ich keine Werbeagentur, sondern einen Mac.</p><p>Marc schickte mich zu Pandasoft, dem damals größten Apple-Händler in Berlin. Von Technik war wenig zu sehen in dem Laden, es lagen keine Platinen, Kabel und Lötkolben rum, wie bei anderen Computerhändlern üblich, und die Angestellten rochen weder nach Schweiß noch nach feuchter Kleidung. Der auffälligste Effekt davon: Es waren auch Frauen anwesend.</p><p>Auch Franz, der Apple-Verkäufer, der zwar keine Frau war, mich aber danach noch viele Jahre als Ratgeber und Problemlöser begleiten sollte, lachte mich nicht aus, als ich blöde Fragen stellte. Geduldig und begeistert erklärte er mir über eine Stunde lang, dass ich mich als Apple-Nutzer damit abfinden müsse, zu einer belächelten Minderheit zu gehören, dass ich kein einziges PC-Programm nutzen könne, dass ich mich zwischen dem Kauf eines Apple-kompatiblen Druckers und einem Mittelklassewagen entscheiden müsse, und dass es ziemlich kompliziert wäre, einen Mac in ein bestehendes PC-Netzwerk einzubinden.</p><p>Ich fühlte mich sowieso schon als Teil einer Minderheit und außerdem äußerst wohl dabei; mein alter, klappriger Renault tat&#8217;s noch; ich wusste nicht, wofür ein Netzwerk gut sein sollte… und ich wollte auch keine PC-Programme. Ich wollte einen Mac.</p><p>&#8222;Kein Problem&#8220;, fand Franz und tippte auf seiner Tastatur rum, während er mir ein Paket dessen zusammenstellte, was man am Anfang so braucht. Rechner, Monitor, kleiner Drucker. Lächelnd überreichte er mir den Zettel mit der Kalkulation und ich war meinem Ziel, das Band-Design fortan selbst in die Hand zu nehmen, einen gehörigen Schritt näher gekommen.</p><p>Nun brauchte ich nur noch 9.000 Deutsche Mark.</p><p>Bei dem Versuch, einen Bankkredit zu bekommen, half damals kein Rating-Ergebnis, sondern Überzeugungskraft. Ich verkaufte meiner Betreuerin bei der Sparkasse das benötigte Geld als Investition in meine berufliche Zukunft, was nicht einmal gelogen war, und unterschrieb den Vertrag mit zitternder Hand, um erst später meine Eltern davon in Kenntnis zu setzen, dass ich neben der bis dahin nicht gerade einträglichen Tätigkeit als Rockmusiker auch noch einen Kredit in gefühlter Milliardenhöhe aufgenommen hatte.</p><p>Mein erster Mac stand auf meinem Schreibtisch, doch viele weitere sollten folgen (nicht gleichzeitig, versteht sich). Nicht nur Desktop-Rechner, sondern auch <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_PowerBook">PowerBooks</a> fanden ihren Weg zu mir, deren interne Modems ich Anfang der Neunziger, als man mit Compuserve oder AOL online gehen konnte, auf den Tourneen meiner Kapelle mit zwei dünnen Drähten und Krokodilklemmen an beinahe jede aufgeschraubte Hotel-Telefondose bekam.</p><p>Es ist dabei nicht so, dass ich nicht zwischendurch von Apple auch gelangweilt gewesen wäre. Ich ließ mich von Sonys VAIOs verführen und bildete mir die Weltrettung durch Linux ein, ich beneidete sogar einmal Windowsnutzer um die simple Tatsache, dass sie nicht jedes Mal erklären mussten, warum sie einen bestimmten Computer benutzten. Doch für einen wirklichen Wechsel hat es nie gereicht. Apple-Produkte standen mir bei meiner Arbeit, die in erster Linie aus dem Musizieren und Kommunizieren bestand, auf ihre unnachahmlich elegante Art beiseite, und nur wenige andere Unternehmen konnten mich durch ihre Produkte davon überzeugen, dass ich mit meiner Lebens- und Arbeitsart zu ihrer Zielgruppe gehörte.</p><p>Und dann kam ja auch noch der <a
href="http://en.wikipedia.org/wiki/Newton_(platform)">Newton</a> und damit das erste Gerät, das als PDA, als &#8222;Personal Digital Assistent&#8220;, bezeichnet wurde. Immer auf der Suche nach James-Bond-Utensilien hatte ich bis dahin den (ziemlich großartigen) <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Atari_Portfolio">ATARI Portfolio</a> besessen sowie diverse (ud ebenfalls ziemlich großartige) <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Psion">Psion-Handhelds</a>, doch der Newton spielte in einer anderen Liga. Es war leicht, sich über die nur mittelmäßig funktionierende Handschrifterkennung <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=xc3JzS0K3ys">lustig zu machen</a>, doch Newton MessagePads vermittelten als erste Geräte ihrer Art eine Art &#8222;digitale Haptik&#8220; und waren in ihrem innovativen Ansatz der Zeit und vor allem der Konkurrenz weit voraus. Allein der Screen mit seiner leicht angerauhten Oberfläche, die das Schreiben auf Papier vortrefflich simulierte, war fantastisch, das System eine reine Freude.</p><p>Mit <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Steve_Jobs">Steve Jobs</a>, dem Apple-Gründer, hatte ich mich bis dahin nur am Rande befasst, schließlich war er einige Jahre lang auch nicht mehr im Unternehmen tätig. Auch, dass er es war, der den Newton einstellte, der <a
href="http://en.wikipedia.org/wiki/John_Sculley">John Sculley</a> zugeschrieben werden darf, bekam ich erst später mit – das Personal Apples interessierte mich weniger als die Produkte. Diese jedoch begannen nach Jobs&#8217; Rückkehr ins Unternehmen im Jahr 1996 erst ihren eigentlichen Siegeszug, der mit dem bis dahin harmlosen Buchstaben &#8222;i&#8220; anfing: iMac, iTunes, iPod, iLife, iPhone, iPad – iGentlich äußerst alberne Namensgebungen, doch in einer von absurden Produktbezeichnungen wie <a
href="http://www.inside-handy.de/handys/philips_99-e/828_allgemein.html">&#8222;9@9 e&#8220;</a> dominierten Technikwelt ein Geniestreich.</p><p>Und wegweisend für ganze Branchen. Wenn wir heute beschließen können, dass die Unterschiede zwischen den größeren Systemen nicht mehr so riesig sind, wenn wir feststellen, dass sich die Benutzbarkeit von Computersystemen aller Art in den vergangenen Jahren stark verbessert hat, dann ist diese Entwicklung nicht zuletzt Steve Jobs zuzuschreiben, der sich nie mit Marktforschungsergebnissen oder dem Status Quo zufrieden gegeben hat. Und lässt man die rigorose Content-Politik der letzten Jahre von Apple einmal außen vor und konzentriert sich für einen Moment allein auf die erfolgreiche Etablierung völlig neuer Interfaces, Bedienkonzepte und (das hat vor einigen Jahren niemand für möglich gehalten) eines komplett neuen Betriebssystems und Konzepts für mobile Geräte, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass wir heute immer noch mit <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Text_on_9_keys">T9</a> herumhantieren würden, hätten nicht iPhone und iPad dafür gesorgt, dass ihnen alle anderen hinterher rennen müssen.</p><p>Uns so bin ich noch heute relativ zufriedener Käufer von Apple-Produkten. Mit Abstrichen: Die letzten Geräte-Generationen sind mir zu klinisch, die Metall-Haptik allenorts zu kalt, und trotz eines gewissen Verständnisses für Teile der AppStore-Politik kann ich sie nicht gutheißen. Dennoch integrieren sich iGeräte nach wie vor besser in meinen Alltag als ihre Konkurrenten (und ja, das teste ich immer wieder gerne), weshalb ich mit ihnen zufriedener bin.</p><p>Der Mann, über den heute wegen seines Rücktritts von der operativen Apple-Spitze <a
href="http://www.google.de/search?&#038;q=steve+jobs+r%C3%BCcktritt">so viel geschrieben</a> wird, als wäre er tot, ist dabei unbestritten eine der interessantesten Geschäftspersonen unserer Zeit. Zwar ist Steve Jobs ob seines diktatorischen Führungsstils alles andere als frei von Kritik, niemand wird ihm jedoch die <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=QRH8eimU_20">visionäre</a> Kraft absprechen, mit der er die Technikbranche immer wieder nach vorne getrieben hat. Die Produkte tatsächlich herzustellen, die wir uns bis dahin immer nur in <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=JQ8pQVDyaLo">Science-Fiction-Filmen</a> ansehen konnten, dies scheint eine Herausforderung für den Mann zu sein, und dafür kann man ihn gleichermaßen bewundern und für verrückt erklären – wie man es so oft macht bei herausragenden Persönlichkeiten.</p><p>Und natürlich frage auch ich mich, was wohl aus einer Firma wird, wenn ihr führender Kopf, der offenbar so immens wichtig für das gesamte Unternehmen war, zurücktritt. Darüber zu spekulieren liegt mir jedoch fern – wir werden es schließlich in den kommenden Jahren erleben. Stattdessen nahm ich die Meldung lieber zum Anlass, ein paar meiner persönlichen Apple-Anekdoten aufzuschreiben und Steve Jobs, den ich nie kennengelernt und nur einmal bei der Einführung des iPhones in Deutschland live erlebt habe, ein bisschen Ruhe und gute Besserung zu wünschen.</p><p>Und mich zu bedanken für einige ziemlich coole Produkte, die mir bei meiner Arbeit immer wieder geholfen haben und es bis heute tun, und dafür, dass nicht alle Tech-Firmen die wichtige Ästhetik der Alltagsgegenstände missachtet und für unwichtig erklärt haben. Hätte es nur Windows-PCs gegeben, diese damals unglaublich hässlichen Kisten mit diesem Modelleisenbahner-Bastelbetriebssystem und Software-Krankheiten wie PowerPoint… niemals wäre ich bei der Arbeit mit Computern hängengeblieben. Ich kann und will mich so selten wie möglich mit Hässlichkeit und umständlichem Technikkram umgeben, und Apple und Steve Jobs haben dafür gesorgt, dass ich das im Arbeitsalltag bisher auch selten musste.</p><p>Thank you, Steve.</p><p><small><a
href="http://thankusteve.com/">Nice</a>.</small></p><p><strong>UPDATE</strong> <a
href="http://holyfruitsalad.blogspot.com/2011/08/ich-und-steve-jobs.html">Claudia hat auch ihre ganz eigenen Geschichten</a>.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/08/25/thank-you-steve/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>90</slash:comments> </item> <item><title>Don&#8217;t mention the war</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/08/23/dont-mention-the-war/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/08/23/dont-mention-the-war/#comments</comments> <pubDate>Tue, 23 Aug 2011 14:54:20 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=49973</guid> <description><![CDATA[<p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p><strong>Eine kurze Geschichte, die fast genau so passiert ist.</strong></p><p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/08/muster.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="#"><span
class="text">T. Haeusler</span></a></p></div></p><p>&#8222;There&#8217;s a nice and cosy italian restaurant close by, not too expensive, very good food. Been eating there for 13 years now – never had a bad meal.&#8220;</p><p>Die Empfehlung des Nachportiers soll uns genügen. Es ist unser erster Abend in England, es sind die ersten Schritte unserer beiden Söhne auf der Insel und das soll gefeiert werden.</p><p>Unser Hotel, gebucht für einen Zwischenstopp zur Verkürzung der Autofahrt, könnte englischer kaum sein und empfängt uns mit vielleicht irgendwie viktorianischen Mustern unterschiedlichster Art auf bestimmt ganz schön altem Mobiliar. Lovely. Und da es nicht <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=7xnNhzgcWTk">John Cleese</a> ist, der uns den Schlüssel für das Familienzimmer ausgehändigt hat, bleiben wir auch von Kriegserwähnungen verschont.</p><p>Vorerst.</p><p>Denn ich bin mir sicher: Irgendwann im Verlauf dieser Reise wird es uns erwischen, das Gespräch über den Krieg, Deutschland, England, Hitler. Das war oft so, wenn ich in England war, entweder, weil sich jemand nach den ersten Pints erfolglos in Lustigkeit versuchte, oder weil die ältere Generation zu viel Schreckliches erlebt hat, um darüber in Angesicht eines Deutschen schweigen zu können.</p><p>Doch das soll jetzt nicht unsere Sorge sein.  Auf ins Restaurant! Im strömenden Regen machen wir uns auf den Weg zum Italiener, ein paar Häuserblocks sind es nur. Wir sind müde von der Fahrt, vor allem aber hungrig, und wenn die Kinder nicht bald etwas zu Essen bekommen, steht äußerst schlechte Laune ins Unterhaus.</p><p>Das kleine, tatsächlich sehr nett aussehende italienische Restaurant empfängt die triefende deutsche Familie – wer nimmt schon einen Schirm mit, wenn er nach England reist? – mit einem Lächeln, netten Worten und einem Tisch im Zentrum des Raums. Zwei, drei englische Familien sind ebenfalls anwesend, ein Tisch ist besetzt mit spanischen Jugendlichen, der ein oder andere Bekannte des Gastwirts lehnt an der kleinen Bar, hinter der leckere Back-Gerüche aus dem Steinofen strömen.</p><p>Erleichtert und entspannt lehnen wir uns zurück, studieren die Speisekarte und genießen gut gelaunt unsere Ankunft. Während wir auf die Pizza warten – der Trip soll halt typisch britisch losgehen –, bringen wir, verständnisvoll von den anderen Gästen belächelt, das noch recht magere Schulenglisch der Jungs auf Trab. Spoon. Knife. Fork. Table. Waiter. Ze Germans are anwesend, außer Freundlichkeit und dem ein oder anderen netten Nicken in unsere Richtung verändert das die gute Atmosphäre im Lokal jedoch kein Stück.</p><p>Mit einer Wissbegierde und einem Spaß, den wir im Hausaufgabenalltag eher vermissen, radebrechen sich die beiden Heranwachsenden durch die Karte, erweitern ihren englischen Sprachschatz um so überlebenswichtige Wörter wie &#8222;sparkling&#8220;, und erst mit dem Eintreffen der Pizza wird es etwas stiller an unserem aufgeregten Tisch.</p><p>Nach den ersten Bissen ist es der jüngere Sohn, der mit seiner zwar äußerst süßen, aber doch sehr hohen und durchdringenden Stimme als Erster wieder das Wort ergreift.</p><p>&#8222;Eigentlich…&#8220; – er überlegt noch mal und säbelt nachdenklich an seiner Pizza herum, während wir ihn erwartungsvoll ansehen.</p><p>&#8222;Eigentlich hat Hitler nur <em>eine</em> gute Sache gemacht, oder?&#8220;</p><p>Ich gebe vor, dass ein viel zu groß geratenes Stück Quattro Staggioni in meine Luftröhre geraten ist, starte eine schwere Hustenattacke und hoffe, diese könne rückwirkend den Satz unseres Jüngsten ungehört machen. Das Restaurant, so kommt es mir vor, verfällt in eine kollektive Schweigeminute zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs.</p><p>&#8222;Was… wieso… werhatdirdenn…&#8220;, stammle ich und füge mit Blick in Richtung meiner Frau hinzu: &#8222;Nun sag&#8217; <em>du</em> doch mal was!&#8220;</p><p>Meine Frau sitzt unter dem Tisch, schlägt rhythmisch mit beiden Handflächen auf ihre Ohren und summt etwas Mantraartiges.</p><p>In Erwartung einer Antwort schaut mich mein Sohn an, während sein älterer Bruder auf die zweite Hälfte der Pizza spekuliert, falls es zu längeren Diskussionen und die erfahrungsgemäß darauf folgende Verweigerung der Nahrungsaufnahme seines kleinen Bruders kommen sollte.</p><p>Ich senke die Stimme: &#8222;Lasst uns mal etwas leiser reden, es sind ja auch noch andere Leute hier, die wollen in Ruhe essen und außerdem…&#8220;</p><p>&#8222;Hitler hat die Autobahn erfunden, das ist aber auch das einzig Gute, dass man über ihn sagen kann!&#8220;, weiß der Jüngste und nun auch das ganze Restaurant und ich versuche, dem Ober mit Bitte um die Rechnung zu winken, bevor er uns hinauswerfen kann.</p><p>&#8222;Also…&#8220; – es hilft ja nichts, ich muss da jetzt durch. &#8222;H… ich meine… der… also vielleicht nennen wir den Namen nicht so laut, denn den verstehen die ganzen anderen Gäste auch, sie können aber ansonsten nicht wissen, worüber wir reden, weil sie ja kein Deutsch verstehen, und das könnte dann komisch klingen, &#8216;Autobahn&#8217; verstehen sie übrigens auch, aber sonst verstehen sie nichts, obwohl, naja, &#8216;Kindergarten&#8217; verstehen sie auch, aber es wäre nicht gut, dieses Wort in dem Zusammenhang jetzt auch noch…&#8220;</p><p>Der Kleinste interveniert in der seiner Empörung entsprechenden Lautstärke: &#8222;WAS? Die verstehen &#8216;Hitler&#8217; und &#8216;Autobahn&#8217; und &#8216;Kindergarten&#8217;, aber &#8216;erfunden&#8217; verstehen sie nicht?&#8220;</p><p>&#8222;Psssst!&#8220;, ruft meine Frau unter dem Tisch hervor.</p><p>&#8222;Nein, &#8216;erfunden&#8217; verstehen sie nicht&#8220;, bestätige ich, &#8222;aber egal, jedenfalls hat H… also, der, dessen Namen wir nicht…&#8220;</p><p>&#8222;Voldemort!&#8220;, schlägt der ältere Sohn vor.</p><p>&#8222;HAHAHA! HIT-LER IST VOL-DE-MORT!&#8220;, singt der Jüngere derart melodisch, dass ich für einen Moment meine Frau verdächtige, unter dem Tisch die zweite Stimme mitzusingen, &#8222;HIT-LER IST VOL-DE-MORT!&#8220;</p><p>Ich rücke mit meinem Stuhl ein wenig vom Tisch ab, greife nach einer herumliegenden vorgestrigen Ausgabe der &#8222;Daily Mail&#8220;, studiere den Sport-Teil und tue so, als würde ich nur zufällig mit am Tisch dieser dreiköpfigen Familie sitzen, denn die seit 30 Sekunden allein erziehende Mutter hat inzwischen wieder Platz genommen.</p><p>&#8222;Hitler hat die Autobahn nicht erfunden, die gab es schon vorher&#8220;, erklärt sie mit leichter Hektik, kaum hörbar und dicht am Ohr des Kleinsten, während sie sich die Tischdecke vom Kopf nimmt. &#8222;Er hat zwar neue gebaut aber die wollte er in Wirklichkeit für den Transport seiner Soldaten und Kriegsmaschinen außerdem wollte er so tun als würde er den Menschen durch den Autobahnbau Arbeit besorgen denn es gab sehr sehr viele Arbeitslose damals in Wirklichkeit bekamen aber viel weniger Leute Arbeit als versprochen wurde und die mussten dann auch noch unter härtesten Bedingungen bis um Umfallen arbeiten. Und jetzt iss deine Pizza.&#8220;</p><p>&#8222;Wo hast du das überhaupt her?&#8220;, frage ich, erleichtert und reintegriert. &#8222;Weiß nicht mehr&#8220;, lügt der jüngere Sohn und kümmert sich zur Enttäuschung seines Bruders wieder um sein Essen, als hätte er keinen Schimmer, wovon überhaupt die Rede ist. &#8222;Hat irgendjemand gesagt.&#8220;</p><p>Meine Frau und ich lächeln in die Restaurant-Runde, faseln etwas von &#8222;History lessons&#8220; und versprechen den Kindern ein Eis als Nachtisch, wenn sie es schaffen, den Namen von Ihr-wisst-schon-wem für den Rest des Abends zu ignorieren.</p><p>Im Stillen beschließe ich, nach unserer Rückkehr ein ernstes Wort mit allen Verwandten, Großeltern, deren Bekannten, den Mitschülern, deren Eltern, den Lehrern meines jüngsten Sohns sowie allen Bus und Bahn fahrenden Berlinerinnen und Berlinern zu sprechen.</p><p>Und noch einmal alle Harry-Potter-Filme zu gucken.</p><p><small>Zwei Wochen später stand übrigens fest: Niemand in England zeigte auch nur einen Ansatz von Ressentiments gegen uns, niemand, ob alt oder jung, erwähnte irgendwelche Kriege, uns wurde auf der gesamten Tour durch England nichts anderes als Freundlichkeit, Herzlichkeit und Interesse entgegengebracht. Das einzige Gespräch über Hitler führten wir in einem kleinen italienischen Restaurant in Brighton. Mit unserem jüngsten Sohn.</small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/08/23/dont-mention-the-war/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>46</slash:comments> </item> <item><title>Sonic Jackson: Copy.Right.Now.</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/05/10/sonic-jackson-copy-right-now/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/05/10/sonic-jackson-copy-right-now/#comments</comments> <pubDate>Tue, 10 May 2011 14:39:03 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
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href="http://www.svenson-suite.de/">Sven</a> (ehemals <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Light">Big Light</a>, ehemals <a
href="http://www.cam-era.com/">cam.era</a>) in seinem damaligen Tonstudio zusammen und wir begannen, uns wieder einmal neu zu erfinden. Die Idee war damals so gut und konsequent, wie sie heutzutage abgestanden klingt: Da wir davon ausgingen, dass das Internet alles ändern würde, sollte <em>Sonic Jackson</em> eine &#8222;virtuelle&#8220; Band sein, die ihre Songs allesamt auf einer Website verschenkt und Einnahmen allein durch Spenden, T-Shirt-Verkäufe, Abos und anderen Krams generiert.</p><p>Großartige Idee, fanden wir, es fehlten also nur noch die Songs (und die Spenden; die T-Shirts hingegen hatten wir bereits, wie sich das gehört). Vier Demos haben wir damals aufgenommen, doch nur für eines der Stücke gab es (m)eine Stimme. &#8222;Copy.Right.Now.&#8220;, der Song, den ihr hier hören könnt, sollte das Programm für die sichere Weltkarriere werden und das Kopieren unserer Songs fördern, statt es zu unterbinden.</p><p>Eine Website mit kurzer Ankündigung des Konzepts gab es ebenfalls, die Kommentare darunter waren, wen wundert&#8217;s (das Internet war schon damals schließlich das Internet), allesamt vernichtend: Was der Scheiß soll; wieso man für Musik was spenden solle, wenn man sie auch umsonst bekomme; dass das niemals funktionieren würde und so weiter und so fort. Trotz dieser ermutigenden ersten Reaktionen haben wir das Ganze dann doch nicht weiter verfolgt, vermutlich kam ein äußerst gut bezahlter Job dazwischen.</p><p>Da ich nun aber gerade die CD mit dem Song im Regal gefunden habe: Copy.Right.Now. Mit zehn Jahren Verspätung.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/05/10/sonic-jackson-copy-right-now/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>22</slash:comments> </item> <item><title>Tätää</title><link>http://www.spreeblick.com/2011/03/04/tataa/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2011/03/04/tataa/#comments</comments> <pubDate>Fri, 04 Mar 2011 16:43:39 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
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class="labeledImage alignleft"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2010/11/fasnet.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/oedipusphinx/4696256742/"><span
class="text">oedipusphinx</span></a></p></div></p><p>Onkel Paul war ein Nazi. Nicht aus Überzeugung, er selbst sah sich eher als Humanist alter preussischer Prägung. Der Zucht- und Ordnungszwang seiner Generation aber stand ab &#8217;33 diesem Humanismus im Wege: Onkel Paul hätte, wenn er dazu gezwungen gewesen wäre, selbstverständlich einen Partisanen hingerichtet oder einen Juden verraten. Nicht, weil Hinrichtungen und Verrat seinen Überzeugungen entsprochen hätten, sondern weil es Recht und Gesetz gewesen wäre. Er war gesetzestreu bis zur Selbstaufgabe, ein Konservativer in der falschen Zeit. Dass er nach Ende des III. Reiches nie ganz zur Demokratie gefunden hatte, lag daran, dass er nicht undankbar sein wollte. Onkel Paul war Nazi aus Pflichbewusstsein geworden, und aus Dankbarkeit geblieben.</p><p>Für ihn war der Krieg die beste Zeit seines Lebens gewesen. Geboren in einem kleinen Kaff irgendwo in Ostpommern, hatte er seine Kindheit damit verbracht, möglichst anständig und folgsam zu sein. Als Erstgeborener und guter Schüler hatte er das Privileg genossen, aufs Gymnasium zu dürfen. Ihm stand eine Karriere als kleiner Beamter oder vielleicht als Pfarrer bevor, weswegen er fleißig Latein und Mathematik lernte: wahres Vergnügen aber fand er nur an der Literatur. Von morgens bis abends las er die alten Stücke von Schiller, von Goethe, rezitierte auf seinen langen Schulwegen Klopstock und Wieland, lernte die Balladen von Uhland auswendig und besorgte sich von seinem mühsam zusammengesparten Geld einige Shakespeare-Übersetzungen. Gefangen in einer Welt der wohlklingenden Worte, machte er mit achtzehn Jahren sein Abitur, der Krieg ging in sein zweites Jahr.</p><p>Er wurde sofort eingezogen und der Infanterie zugeteilt. Als Nachhut zog seine Truppe durch den zwangsbefriedeten Balkan bis an das südliche Ende Griechenlands. Onkel Paul hatte viel Zeit, sich Ruinen älteren und jüngeren Datums anzusehen, wobei er sich wenig für zerschossene Bauernhäuser interessierte, sondern lieber die alten Steinhaufen in Augenschein nahm, die früher mal Paläste gewesen waren. Kaum dass er siebenundzwanzig dieser Trümmerberge bewundert und bestaunt hatte, wurde seine Einheit nach Nordfrankreich abgezogen, an den Atlantikwall in der Nähe des Mont Saint Michel. Dort fuhr er mit dem Fahrrad durch grüne Wiesen und beschattete Schafherden, alle paar Wochen verbrachte er einige Tage in Paris. Er spazierte durch die Museen, schrieb auch einige Verse, lernte Französisch und Englisch und trank, wenn er übermütig wurde, schon vor dem Essen einen Pastis. Die Invasion vom 06. Juni 1944 erlebte er im Lazarett, denn er hatte sich bei einem Sturz einen komplizierten Bruch des Schien- und Wadenbeins zugezogen. Er kam in ein Gefangenenlager und wurde wegen seiner Sprachkenntnisse bald zum Vermittler zwischen seinen Kameraden und den Alliierten. Weil einer der Offiziere begeisterter Bewunderer der Weimarer Klassik war, verbrachte er viele Nachmittage in dessen Wohnzimmer, wo bei Alkohol und Zigaretten über die Unterschiede zwischen deutschem und französischem Alexandriner debattiert wurde. Kurzum, für Onkel Paul war der Weltkrieg ein langes Ferienabenteuer. Selbst fünzig Jahre nach der Kapitulation bemerkte er hin und wieder, dass er ohne &#8222;den Herrn Hitler&#8220; Griechenland nie gesehen hätte und auch niemals Gymnasiallehrer hätte werden können.</p><p>Tante Susanne verließ selten die Wohnung, denn sie verfügte über mehr Phobien als in ein Handbuch der Psychologie passen. Sie hatte sogar Angst davor, neue Phobien zu entwickeln. Als sie ihrem Arzt 1962 dieses Leiden schilderte, wurde sie zum ersten diagnostizierten Phobophobie-Fall in Deutschland. Der Arzt fragte sie, ob er ihren Fall publizieren könne, sie erbat sich drei Tage Bedenkzeit und sagte dann, sie sei damit nicht einverstanden: sie fürchte sich vor der Berühmtheit.</p><p>Ich betrat die Wohnung von Tante Susanne und Onkel Paul zum ersten Mal im Februar 1996, ich war 14 Jahre alt. Die beiden hatten keine Kinder, vielleicht war Tante Susanne phallophobisch, ganz genau konnte man das bei ihr nicht wissen. Wollte man auch nicht.</p><p>Überall im Haus lagen Teppiche aus, dicke, dunkelrote Teppiche, sie hingen selbst an jenen Wänden, die nicht mit Bücherregalen zugekleistert worden waren. Obwohl Tante Susanne drei Mal am Tag das Haus aussaugte, hatte sich der Staub zwischen alle Fasern gesetzt. Wenn man zu fest mit dem Fuss aufstapfte, stoben kleine Wölkchen durch die Luft. Das allerdings war der einzige Effekt: die Teppiche schluckten jeden Hall. Wenn man in der Küche ein Glas zerschmiss, konnte man das im Wohnzimmer schon nicht mehr hören. Das ganze Haus war eine einzige gutbürgerliche Gummizelle.</p><p>Ich war damals sehr schlecht in Latein. Das letzte Jahr war es noch gegangen, denn wir hatten vor allem alte Sagen übersetzt. Statt Vokabeln und die korrekte Anwendung des Ablativus absolutus zu lernen, hatte ich die alten Bücher rausgekramt, in denen kindgerecht all die Geschichten erzählt wurden, die wir in den Klassenarbeiten zu übersetzen gehabt hätten. Nachdem der Lehrer die Aufgaben verteilt hatte, scannte ich den Text grob auf Namen und dichtete mir ungefähr den Zusammenhang dazu. Augias, Herkules, das war das mit den Ställen. Polyneikes, Eteokles, das war sieben gegen Theben. Ich versuchte, mir ein paar Vokabeln aus dem Französischen herzuleiten und begann. Manchmal traf ich genau die Stelle, die gemeint war, manchmal lag ich daneben, manchmal schrieb ich Passagen dazu, die der Lehrer ausgelassen hatte. So schwankten meine Leistungen immer zwischen drei und fünf, was okay war, denn es machte Spaß.</p><p>Mein Plan, so bis zum Abi zu kommen, scheiterte, als wir begannen, Cicero zu übersetzen. Von der ersten Klassenarbeit hatte mein Lehrer mir nur die ersten drei Zeilen korrigiert, sagenhafte 28 Fehler bei 32 Worten. Daruter stand: Unkorrigierbar, sechs.</p><p>Meine Mutter hatte ihr Leid, das eigentlich mein Leid war, der Großmutter geklagt, und die hatte an Onkel Paul gedacht. Der sollte mir Latein einpauken, über die Faschingsferien. Deswegen war ich hier.</p><p>Die Tage verbrachte ich damit, Vokabeln zu lernen, aus dem gallischen Krieg zu übersetzen und Gerundium von Gerundivum zu unterschieden. Machte ich einen Fehler, begann Onkel Paul zu knurren. Machte ich zwei Fehler, schlug er mit der flachen Hand auf den Tisch. Machte ich drei Fehler, begann er laut zu zetern und zu schimpfen. Ich hoffte, dass er nicht irgendwo einen Rohrstock versteckt hielt, und duckte mich unter seinem Unmut. Während des Mittagsessen dozierte er mit strenger Miene über mittelhochdeutsche Literatur und aktuelle Politik, während Tante Susanne ganz fest ihren Teller umklammerte, aus Angst, er könne ihr zu Boden fallen. Es war soweit ein fürchterlicher Aufenthalt.</p><p>Dachte ich.</p><p>Es gibt immer noch ein Erdgeschoss.</p><p>Schlag siebzehn Uhr stellte Onkel Paul den Unterricht ein, eine halbe Stunde später gab es Abendessen. Schlag achtzehn Uhr wurde dann der Fernseher angestellt, den sich Onkel Paul und Tante Susanne nur zu einem Zweck angeschafft hatten: zwei Wochen lang jede Karnevalssendung anzusehen, die in ihren Zeitplan passte. Von Mainz bleibt Mainz bis Volle Kanne, alles wurde aufgesogen, Hauptsache, irgendwo stand eine Bütt.</p><p>Wenn das erste Humba Humba Tätärää über die Lautsprecher dröhnte, legte sich ein leises Lächeln über Tante Susannes Gesicht. Ich sehe Thomas Neger auf der Bühne herumhopsen und denke, dass es furchtbar gewesen sein muss, in den 50ern aufzuwachsen. Onkel Paul schaut zärtlich auf seine Susanne, ich glaube, er hat den Impuls, sie im Gesicht zu berühren, nimmt sich aber im letzten Moment zusammen. Stattdessen beginnt er, zur Auflaufmusik des Bundestagsboten zart in die Hände zu klatschen. Die Kamera zeigt als Biene Maja verkleidete Mumien, denen die Schminke aus den Falten bröckelt. Ein greiser Mann, graumeliert, in Smoking und mit Brille auf der Nase tritt ans Rednerpult, er sagt: &#8222;Wollemer uns an schönen Abend mache oder sind Sie auch inner SPD.&#8220; Der Saal tobt. &#8222;Glauben Sie mir, wenn Wahlen was verändern könnten, wären sie längst verboten&#8220;, sagt der greise Mann, Onkel Paul nickt heftig. Wahrscheinlich nickt er jedes Jahr so heftig, weil der greise Mann jedes Jahr die gleiche Rede hält und nur ein paar Namen austauscht. Das Publikum scheint sich nicht weiter dran zu stören, die meisten warten dämmernd auf den Tusch, um dann ruckartig zu applaudieren. &#8222;Danach&#8220;, sagt der greise Mann, &#8222;war der Münte leutselig und ging, da waren die Leut selig&#8220;, und ich überlege kurz, ob ich mich vor Fremdscham einmache. Der Saal lacht.</p><p>Guddi Gutenberg macht sich über seine Aryuveda-Kur lustig, da muss man viel Suppe essen, sagt er, der Saal lacht, mit Stäbchen, sagt er, die Musiker vergessen, den Tusch zu spielen. Einen Moment lang weiß keiner, was zu tun ist, man sieht ratlose Gesichter im Saal, die stumm nochmal den letzten Satz durchgehen auf der Suche nach der Pointe. Dann macht Guddi Gutenberg einfach weiter, er tut mir ein bisschen leid.</p><p>Ich sinke in meinen Sessel zurück und wünsche mir Ohrenlider. Rechts von mir gluckst Tante Susanne, ich habe sie noch nie so gelöst gesehen. Onkel Paul hebt die Hand: &#8222;Solchen Witz und Verstand&#8220;, sagt er zu mir, dann bricht er ab. Als die Band auf der Bühne &#8216;Im Schatten des Doms&#8217; anstimmt, beginnen die beiden sanft zu schunkeln.</p><p>Es ist der Moment, in dem ich beschließe, ein schlechter Schüler zu bleiben. Mein Latinum habe ich nie bekommen.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2011/03/04/tataa/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>20</slash:comments> </item> <item><title>Jetlag &#8211; Eine Weihnachtsgeschichte</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/12/23/jetlag-eine-weihnachtsgeschichte/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/12/23/jetlag-eine-weihnachtsgeschichte/#comments</comments> <pubDate>Thu, 23 Dec 2010 12:50:08 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
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class="labeledImage alignleft"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2010/12/weihnacht.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/lebemann-zu-schwabing/1016859656/"><span
class="text">Dieter Kasimir</span></a></p></div></p><p>Draußen lag Schnee. Immer lag draußen Schnee. Meine ganze Kindheit über: Schnee. Das halbe Jahr. Von Mitte Oktober bis Ende März. Vor der Turnhalle türmten sich riesige Haufen, dort schaufelten die Räumfahrzeuge den Schnee hin. Über Monate wuchs der Berg, er war drei Meter hoch und zwölf Meter breit, wir bauten Zinnen darauf, es war unsere Burg. Abends bauten wir Zinnen drauf, morgens hatten die Räumfahrzeuge wieder Schnee darauf getürmt, dann mussten wir neue Zinnen draufbauen. Wir hatten immer etwas zu tun.</p><p>Mein Weihnachten riecht nach Mandarinen und Nüssen. Das ist langweilig, aber schön. In großen, blechernen Boxen waren die Plätzchen drin. Meine Großmutter schickte immer Kissinger Brötchen, ihre Spezialität. Tonnenweise schickte sie Kissinger Brötchen, und Spritzgebäck, und Kipferl, und Butterplätzchen. Trotzdem musste meine Mutter immer mindestens eine Box im Schrank verstecken, damit für den Weihnachtsabend noch Plätzchen übrig waren.</p><p>Wenn ich an die Vorweihnachtszeit zurückdenke, verschwimmen die Jahre: ich weiß nicht mehr, aus welchem Jahr das Bild stammt, als wir die Barbarazweige ins Fenster stellten. War ich sechs? Oder neun? Oder als der Schnee so hoch lag, dass nur der Zipfel meiner Bommelmütze aus den Massen hervorlugte, wenn ich den Garten durchquerte. War das noch im Kindergarten oder schon zu Schulzeiten? Ich habe eine recht genaue Vorstellung von unserem Adventskalender – ein selbstgemachter Adventskalender aus Sackleinen, ein großer Weihnachtsmann mit Schlitten war darauf gestickt. Jedes Jahr hing er an einem anderen Platz, und wenn ich daran zurückdenke, dann kann ich mich nicht entscheiden: meine ich das Jahr, als er in der Küche hing? Im Gang? Im Wohnzimmer? Und welches Jahr war das? Ich weiß es nicht mehr. Die ganze Vorweihnachtszeit meiner Kindheit ist zu einer einzigen großen Vorweihnachtszeit zusammengeschmolzen.</p><p>Es gibt nur ein Weihnachten, an das ich mich gut erinnere: wir waren ausnahmsweise nach Frankreich gefahren, 1100 Kilometer. Wir fuhren die Strecke mindestens ein, meistens zwei Mal im Jahr, 13 Stunden Auto oder mehr in eine Richtung. Im Winter mehr, es lag Schnee auf den Straßen, und französische Autos vertragen Schnee nicht sehr gut. Wir fuhren mit dem Auto durch Freiburg, durch das Ellsaß, an Paris vorbei bis ans Meer, und überall sah es gleich aus: eine einzige weiße Wüste, manchmal lugte schüchtern irgendwo ein Haus heraus. Vorne schneiten die Flocken auf die Frontscheibe, als hätte sie eine Bildstörung. Damit wir, die Kinder, ruhig blieben, bekamen wir die restlichen Plätzchen zu essen. Wir hörten Märchenkassetten, stundenlang. Mein Vater saß hinter dem Steuer und nach zehn Stunden Fahrt sah er aus wie nach einem CIA-Verhör.</p><p>Wir waren über Nacht gefahren und kamen am frühen Nachmittag des 24. im Haus meiner Großmutter an. Sie hatte das Wohnzimmer schon hergerichtet: prächtig glänzte das gute Geschirr auf dem Tisch, überall waren Kerzen aufgestellt worden, die jetzt, als wir in der Tür standen, leise flackerten. Auf der Kommode, auf den Beistelltischchen, überall standen kleine Schälchen mit Süßigkeiten, in einer Ecke strahlte der Weihnachtsbaum. Am Kamin waren einige Strümpfe befestigt worden, unsere Namen standen darauf, für jeden ein Paar. Wozu, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, aber in der weihnachtlichen Aufregung vergaß ich nachzufragen. Das ganze Haus roch nach Kaninchen, die meine Großmutter selbst aufzog und zu besonderen Anlässen schlachtete.</p><p>(Ich habe von früher Kindheit an häufig solchen Schlachtungen beigewohnt und später auch selbst mit Hand angelegt: seither habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu Wurst und Fleisch. Tatsächlich esse ich fast nur noch Tiere, die einen Namen haben, um die sich gekümmert wurde, da wurde mir jede Sentimentalität ausgetrieben. Andererseits ist es eine große Verpflichtung dem Tier gegenüber, es geschlachtet zu haben, möglichst alles von ihm zu verwerten und vor allem: ein gutes Gericht hinzubekommen. Wenn es nicht gut wird, schämt man sich, dass man getötet hat, sagte meine Großmutter immer, die eine weise Frau ist. Und hiermit hat meine Weihnachtsgeschichte auch die notwendige unterschwellige Moral, worauf ich an dieser Stelle ohne großes Aufheben aufmerksam machen will.)</p><p>Wir aßen zu Abend, ein wenig übermüdet zwar, aber glücklich über das hervorragende Kaninchen mit grünen Bohnen. Danach würden wir zur Kirche fahren, die Abendmesse hören: darauf bestand die Großmutter. Sie selbst hätte sich als gläubig bezeichnet, obwohl der Papst das anders gesehen hätte: tatsächlich glaubte sie, wenn überhaupt, nur an die Jungfrau Maria. Der hatte sie in einer Ecke des Hauses auch einen kleinen Schrein eingerichtet. Zu Gott oder Jesus Christus betete sie nie. „Das sind Männer. Denen kann man nicht trauen.“ Wenn sie das sagte, schlürfte mein Großvater an seinem Tee und lächelte verliebt.</p><p>Wir saßen in einer dieser normannischen Kirchen, es zog. Vorne hielt der Pfarrer seine Messe auf Latein, keiner verstand ein Wort. Hin und wieder knieten alle nieder, dann kniete ich auch. Nur mein Vater stand reglos in einer Ecke und betrachtete amüsiert das Treiben. Er war atheistisch und antiklerikal, schon immer, er sagte manchmal: „Das schönste an der Religion ist die Folklore drumherum, die Messe, die Kirche, die Heiligenlegenden, die Bibel. Und die macht nicht Gott, die machen die Menschen.“ Mein Großvater schüttelte dann immer still den Kopf: er war KP-Mitglied und wäre wohl nur dann in eine Kirche gegangen, um sie anzuzünden.</p><p>Als die Messe vorüber war, konnten wir Kinder es nicht erwarten, nach Hause zu kommen:<br
/> Schließlich warteten dort alle Geschenke auf uns, so war das immer am 24. Wir wussten zwar, dass die Franzosen das anders handhabten, aber wir waren davon ja nicht betroffen. Niemals war ich deutscher als an diesem 24.12., als ich meine Geschenke haben wollte. Wir zerrten an den Händen der Erwachsenen und schnallten uns alle, ohne aufgefordert werden zu müssen, an, ungeduldig darauf wartend, was das Christkind wohl gebracht haben mochte.</p><p>Als wir ins Haus stürmten, saß in der Veranda der Großvater und rauchte Pfeife. Wir grüßten ihn kurzangebunden, er hob die Faust, dann sprangen wir strahlend ins Wohnzimmer, dem Weihnachtsbaum entgegen.</p><p>Und unter dem Baum&#8230; nichts. Kein Päckchen, kein Geschenk, keine Schachtel, keine Süßigkeiten, keine Bücher, kein Spielzeug, kein Skateboard, keine Kleidung. Immerhin: keine Kleidung.</p><p>Aber das war wenig tröstlich. Es war vielmehr ein Moment großer Entzauberung. Die ganze schnöde Weihnachtskulisse fiel vor unseren Augen in sich zusammen, der Baum war nur noch eine Tanne, kein Weihnachtsbaum mehr, die Süßigkeiten kamen aus dem Supermarkt, die Plätzchen waren alle, bald würden alle Kerzen bis auf Stumpen heruntergebrannt sein. Irgendwer begann zu heulen.</p><p>„Aber in Frankreich kommt doch Papa Noël! Das hab ich euch doch vor der Fahrt erklärt.“</p><p>Das war meine Mutter, die beim ersten Schluchzen in den Raum gestürmt gekommen war. Fassungslos ob unserer Tränen ruderte sie mit den Armen.</p><p>„Die Geschenke gibt es morgen, Kinder! Papa Noel kommt doch immer nachts, wisst ihr, damit er seine Ruhe hat!“</p><p>„Ist halt auch ein Schichtarbeiter“, murmelte mein Großvater und rieb sich die Hände.</p><p>Wir sahen sie an und verstanden kein Wort. Wir sahen ihn an und verstanden noch weniger. Aus unseren tränenverschmierten Augen konnten wir kaum mehr sehen, wie unser Großvater aufstand, um seine Pfeife anzuzünden. Natürlich hatte meine Mutter Recht. Wir hatten gewusst, dass an diesem Abend keine Geschenke geben würde. Wir hatten es nur nicht gespürt.</p><p>Und wir waren müde von der Fahrt, vom Essen, vom Kirchgang. Ich weiß nicht mehr viel von den anschließenden, offenbar denkwürdigen Szenen, die sich im Hause unserer Großeltern abspielten: jedenfalls wurden wir unter Aufbringung aller Kräfte ins Bett geschafft. Obwohl wir uns fest vorgenommen hatten, Wache zu stehen, bis Papa Noël endlich auftauchen würde, um zu&#8230; aber bevor wir wussten, was wir mit ihm anstellen würden, schliefen wir schon.</p><p>Die Bescherung am nächsten Morgen verlief unspektakulär: wir waren noch immer enttäuscht von der Ernüchterung am Abend zuvor. Wortlos nahmen wir unsere Geschenke entgegen, freuten uns ein kleines bisschen und aßen Mandarinen und Nüsse. Es dauerte einige Stunden, bis wir uns voller Stolz unser Spielzeug unter die Nase hielten. Erst am späten Nachmittag hatten wir uns von der Zeitumstellung erholt: mir aber ging das Fest noch jahrelang nach. Immer, wenn wir am 24. abends unsere Geschenke bekamen, dachte ich voller Mitleid an die französischen Kinder, die noch eine bange Nacht des Harrens vor sich hatten, eine Nacht voller hoffnungsvoller Erwartungen, während ich heimlich aufstehen konnte, um meinen neuen Besitz in Augenschein zu nehmen. Die armen Kinder, dachte ich mir immer und kam mir dabei sehr erwachsen vor.</p><p>Jahre später, wir waren zwölf, erzählte mir eine Spanierin, dass es bei ihnen Geschenke erst am 06.01. gegeben hätte. Das war der Moment, als ich das letzte Mal in meinem Leben das Bedürfnis hatte, zu Gott zu sprechen: ich wollte ihm danken, dass er mich nicht in Vigo oder Madrid zur Welt hatte kommen lassen.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/12/23/jetlag-eine-weihnachtsgeschichte/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>11</slash:comments> </item> <item><title>Pepe II</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/08/16/pepe-ii/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/08/16/pepe-ii/#comments</comments> <pubDate>Mon, 16 Aug 2010 09:23:37 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
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class="labeledImage alignleft"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2010/08/3123885863_72bcca6e9c.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/21148821@N02/3123885863/sizes/m/in/photostream/"><span
class="text">Skinned Mink</span></a></p></div></p><p><a
href="http://www.spreeblick.com/2010/08/06/pepe-i/">(Hier ist Teil I)</a></p><p>Im Juni klingelte das Telefon, unbekannte Nummer mit kryptischer Vorwahl. Zugezogene Berliner gehen in solchen Fällen im Sommer selten ans Telefon, weil die Wahrscheinlichkeit, dass wildfremde Menschen anrufen und um Hauptstadtasyl bitten, zur Unumgänglichkeit wird in Monaten ohne r. Schwippschwager dritten Grades erinnern sich plötzlich des &#8216;lieben&#8217; Verwandten im Schatten des Fernsehturms und fragen nach einem Schlafplatz, &#8216;nur für kurze Zeit&#8217; selbstverständlich, maximal drei Wochen oder so. Es reicht schon, einmal einen beinah Unbekannten in das Arbeitszimmer einquartiert zu haben, schon steht man im Ruf, eine bessere Bahnhofsmission zu sein. Ich kenne das, denn auch ich war einmal ein guter Mensch. Unverzeihlicherweise nahm ich den Hörer ab.</p><p>&#8222;Hi Fre&#8230; Fre&#8230; Ähm. Hi&#8220;, sagte das Telefon.<br
/> Die Stimme klang matt und grau.</p><p>&#8222;Moin Pepe&#8220;, sagte ich, es war drei Uhr nachmittags. (Ich sage immer &#8222;Moin&#8220;, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Das ist eine Art Charakter-Frühwarnsystem. Jeder, der mit einem dämlichen Spruch antwortet, ist mit Sicherheit ein pedantischer, gezwungen jovialer, kleingeistiger Idiot, der weiterer Unannehmlichkeiten (die eine zwischenmenschliche Beziehung ja leider immer mit sich bringt) nicht lohnt. Kann ich empfehlen, klappt immer, außer in Hamburg.)</p><p>Pepe räusperte sich.</p><p>&#8222;Kann ich vorbeikommen.&#8220;<br
/> &#8222;Wann denn?&#8220;<br
/> &#8222;Übermorgen.&#8220;<br
/> &#8222;Und für wie lange?&#8220;<br
/> &#8222;Weiß noch nicht.&#8220;</p><p>Pepe schwieg. Selbst sein Schweigen klang matt und grau. In seiner Stimme war nichts mehr von diesem verträumten, abwesenden Singsang gewesen, nur Alter und Müdigkeit und Überdruss.</p><p>&#8222;Gut&#8220;, sagte ich. &#8222;Warum nicht.&#8220;</p><p>Natürlich gab es viele Gründe, &#8216;warum nicht&#8217;. Unter anderem jenen nicht ganz unerheblichen, dass mir Zaza jenen Part meines Gehirns, das immer zu solchen unüberlegten Zusagen tendierte, mittels ihres Zeigefingers herausoperieren würde, und zwar durch die Nase. Glücklicherweise weilte sie gerade bei ihren Eltern, zwei Wochen. Oder aber der Umstand, dass ich, weil just in diesem Moment mit dem Endlektorat für mein erstes Buch beschäftigt, das Arbeitszimmer brauchen konnte. Und Zeit. Und Ruhe. Und überhaupt.</p><p>Am Abend klingelte es an der Tür. Hat Zaza schon wieder den Schlüssel verloren, dachte ich, als ich den Türöffner drückte, die Haustür anlehnte, ins Wohnzimmer ging und mich auf dem Sofa lang machte. Keine zwei Minuten hörte ich ein müdes, farbloses &#8216;Hallo&#8217; durch die Weite unserer Wohnung hallen, das klang, als käme es vom anderen Ende der Welt.</p><p>&#8222;Hallo?&#8220;</p><p>Vor mir stand ein bärtiger junger Mann in ungebügeltem weißen Hemd, der aus blutunterlaufenen Augen auf den Boden starrte. Seine Arme pendelten am Torso entlang, sein Kinn war am Brustbein festgewachsen. Unter seinem ungepflegten, wuchernden Bart schimmerte gräulich die fahle Haut durch. Ich hatte plötzlich das Bedürfnis, das Fenster aufzureißen.</p><p>&#8222;Hi Pepe&#8220;, sagte ich.</p><p>Ich wies ihm den Weg ins Wohnzimmer, nahm zwei Bier aus dem Kühlschrank, gab ihm eines und setzte mich aufs Sofa. Pepe stellte sich neben den Fernseher, ins andere Eck. Wannimmer ich ein Wort sagte, wich er einige Milimeter zurück, als würde ich ihn beschießen. Nach einer Viertelstunde stand er direkt an der Wand.</p><p>Ich sprach übers Wetter. &#8222;Ähm, ja, also, das ist hier ja wie Istanbul, dieses Viertel&#8220;, sagte er.</p><p>Ich fragte ihn, warum er in Berlin sei. &#8222;Machst Du eigentlich irgendwas, ja&#8220;, sagte er.</p><p>Ich verlor ein Wort über alte Bekannte, die auch in Berlin lebten. &#8222;Schön, ja, also, da bin ich, ja&#8220;, sagte er. Und: &#8222;Also, ja, danke fürs hiersein.&#8220;</p><p>Ich gab vor, schlecht zu riechen, und flüchtete in die Dusche. Zwanzig rituelle Waschungen später verließ ich aufgedunsen und sauber wie nie zu vor das Badezimmer und sah mich um: Pepe lag auf dem Sofa, in seinen Mantel gebettet, und schlief. Seine Sachen lagen mutwillig auf dem Boden des Wohnzimmers verstreut. Vor ihm stand aufgeklappt mein Rechner und surrte leise vor sich hin.</p><p>Es gibt wenige Dinge, die Bekannte und Freunde nicht ungefragt anfassen dürfen, es sind genau drei. Manuskriptschrank, Rechner und alles unterhalb des Bauchnabels: das sind verbotene Städte. Wer sich dort aufhält, dem wird die Zunge rausgeschnitten.</p><p>Ich nahm meinen Rechner an mich, der aufgeregt flackerte: drei Tabs waren offen. Facebook, der Mailaccount und eine flickr-Seite.</p><p>Ich erwähnte es bereits, ich war &#8211; es ist schon ein wenig her &#8211; einstmals ein guter Mensch. Ein kleiner Rest davon lebt immernoch in mir, weswegen ich ganze vier Sekunden darüber nachdachte, die Tabs einfach zu schließen, Zaza anzurufen und sie zu fragen, ob wir nicht spontan an die Ostsee fahren wollten für drei Wochen und zu warten, bis die Zeit Pepe wieder hingekriegt hätte. Stattdessen nahm ich den Rechner an mich und spazierte in meine Stammkneipe ums Eck.</p><p>&#8222;Alles wie immer?&#8220;, brüllte Dragan, der Wirt.<br
/> &#8222;Kann man so nicht sagen&#8220;, murmelte ich.<br
/> &#8222;Was?&#8220;, brüllte Dragen, der immer brüllte, weil er in Folge eines Jagdunfalls, sagte er, schwerhörig geworden war. Den meisten Schwerhörigen geht es wie allen Menschen, sie glauben, alle Welt müsse ihre Wahrnehmung teilen. Weil sie selbst zwischen pianissimo und mezzoforte keinen Ton verstehen, gehen sie davon aus, allen anderen Menschen müsse das genau so gehen.</p><p>Ich nickte und begann, mich durch Pepes Privatleben zu klicken. Der Flickr-Stream gehört einer gewissen Leila, die sich ausdauernd und in jedem erdenklichen Winkel selbst fotografiert hatte, meist mit offenem Mund und neckisch in die Kamera lächelnd. Sie war eine Art Photoshop-Schönheit, glatt und zart, mit großen Augen, immer alleine oder mit einer anderen, etwas weniger hübschen Freundin. Sie hatte die Sorte Gesicht, die man glaubt schon hundert Mal gesehen zu haben, ein Talkshow-Moderatorinnengesicht, ein B-Modell-Gesicht, aus dem man nichts lesen kann. Oder aber alles.</p><p>Pepe hatte sich für &#8222;alles&#8220; entschieden. Sein Mailordner quoll über mit Entwürfen von Liebesmails, in denen er von Stränden sprach, von Bergen, von Blumen, von Tieren, von verwunschenen Orten und all dem anderen Humbug, den sich frisch Verliebte aus dem endorphingefluteten Hirn saugen. Er hatte Gedichte geschrieben, ellenlang, und viel davon erzählt, wie er einsam durch die Straßen diverser Städte eierte und dabei Glühbirnen diverser Straßenlaternen in Augenschein nahm.</p><p>So ging das seitenlang, einige ausgesucht schwülstige Mails hatte er sogar abgeschickt. Geantwortet hatte Leila offensichtlich nie, vielleicht sprach sie kein Deutsch: auf dem Facebook-Profil, das sich im dritten Tab versteckte, stand, sie stamme aus England, sie studiere in Italien und, als erstes Update, &#8222;heading Berlin&#8220;. Aha.</p><p>Als ich nach Hause kam, war das Sofa leer, Pepes Sachen waren verschwunden. Aus dem Arbeitszimmer hörte ich es werkeln, als ich leise anklopfte, antwortete mir eine bedächtige Stille. Ich versuchte, die Tür zu öffnen, aber sie war abgesperrt.</p><p>In den nächsten zwei Tagen war von Pepe nichts zu hören, nichts zu sehen. Nur sein eigenartig schwefeliger Geruch hing zwischen den Wänden, und seine Schuhe standen im Gang. Hin und wieder klopfte ich an seine Tür, doch er antwortete nicht: vergraben in meinem Arbeitszimmer, roch er vor sich hin.</p><p>Als ich zwei Tage später nach Hause kam, war die Wohnung leer, die Tür zum Arbeitszimmer stand weit offen.</p><p>Pepe war verschwunden.</p><p>Es wunderte mich nicht. Wäre es nicht Pepe gewesen, wer weiß, vielleicht hätte ich mir Sorgen gemacht oder mich geärgert. Aber Pepe hatte sich schon immer verhalten wie eine Naturkatastrophe: entweder, man akzeptierte, dass er über das eigene Leben hereinbrach und irgendwann weiterzog und versuchte, einen Umgang zu finden. Oder man verzweifelte daran. Nachdenken brachte nichts.</p><p>Manche in früher Kindheit narzistische Charaktere tendieren dazu, sobald sie aus dem Elternhaus sind, sich in Selbstzweifeln zu ergehen und beginnen, weil sie die verlorene Liebe eines überengagierten Elternteils nicht finden können in ihrem Umfeld, zwischen Paranoia und Omnipotenz zu oszillieren. Klassischerweise durchlaufen sie dann eine Regression, das heißt, sie flüchten sich hinter angelernte, aber bereits überwundene Verhaltensweisen zurück: sie vernachlässigen die Hygiene, sie ziehen sich zurück, sie verstecken sich.</p><p>Drei Wochen nach Pepes Besuch kam der Anruf seiner kleinen Schwester. Ob wir wüssten, wo Pepe sei, nein. Ob wir ihn gesehen hätten die letzte Zeit, kann man so sagen. Ob wir wüssten, wohin er gehen wollte, nein. Was denn überhaupt mit ihm los sei.</p><p>Die Schwester seufzte. Angefangen hatte es wohl damit, dass Pepe nach Stuttgart gezogen war, um dort zu studieren, wie sein Vater immer sagte, <em>Kunst</em>. Er habe wohl Geschmack am Reisen gefunden und sich vom Nahen Osten bis nach Brasilien, von Indien bis nach San Francisco treiben lassen, ohne Absicht. Er habe wohl hin und wieder nach Hause geschrieben, von dieser oder jener Frau erzählt, Clara, Marcella, Zeruyah, die Namen haben gewechselt wie die Briefmarken. Im Laufe der Zeit habe er immer seltener geschrieben, irgendwann überhaupt nicht mehr. Er habe wohl, habe sich im Nachhinein herausgestellt, in Peru in einem sozialen Projekt einen Job gefunden. Währenddessen, sie schluckte, habe zu Hause die Mutter einen Schlaganfall erlitten. Jetzt könne sie nicht mehr sprechen und nicht mehr laufen. Das habe er aber erst sechs Monate später erfahren. Das sei jetzt zwei Monate her. Er sei bisher nicht zu Hause gewesen.</p><p>Jede Geschichte, die tragisch ist, klingt in ihrer Zusammenfassung nach einer Karrikatur. Genauso, wie mir Pepe als Karrikatur erschien, als er durch unsere Wohnung spukte, kam mir jetzt seine kleine SChwester vor. Ich stand in der Küche und rauchte, sah auf den aufgeräumten Schrank, die Gläser blitzten, wir hatten kürzlich die Spülmaschinentabs ausgetauscht. Ich sah auf die frisch gewischte Tischplatte, gestern hatte ich dort Zwiebeln geschnitten. Ich sah die Flecken an der Wand hinter dem Mülleimer und dachte: &#8222;Ein Glück, dass ich noch ein bisschen Wandfarbe dahabe, vielleicht lässt sich das überstreichen.&#8220;</p><p>Das ist jetzt drei Monate her. Pepe meldet sich hin und wieder, mit Postkarten oder kleinen Mails. Er ist wieder nach Hause gezogen, er macht jetzt eine Ausbildung, Graphik-Design. &#8222;Was reelles&#8220;, hatte er geschrieben, da habe ich ein bisschen gelacht. Aber nur leise.</p><p>Die erste seiner Mails kam drei Wochen nach dem Anruf der Schwester. Er bedankte sich für die schöne Zeit in Berlin und schrieb, es falle ihm schwer, jetzt, da er zu Hause sei, sich wieder an Deutschland zu gewöhnen. Er habe die Gewohnheit angenommen, morgens den ZDF-Fernsehgarten zu schauen, das beruhige ihn.</p><p>Und am Ende hatte er mich gefragt, wie es mir so gehe.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/08/16/pepe-ii/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>13</slash:comments> </item> <item><title>Pepe I</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/08/06/pepe-i/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/08/06/pepe-i/#comments</comments> <pubDate>Fri, 06 Aug 2010 09:06:06 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=35282</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage alignleft"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2010/08/amour.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/agharass/4767865013/sizes/o/in/photostream/"><span
class="text">agharass</span></a></p></div></p><p>&#8222;Naturbekifft&#8220; sagte Zaza immer dazu. Pepe war naturbekifft. Pepe hieß eigentlich Peter, und Peter konnte sich meistens keine Namen merken. Nur die erste Silbe. Das hing überhaupt nicht damit zusammen, wie lange Pepe die betreffende Person schon kannte; sondern, wie sehr Pepe gerade in Gedanken war. Pepe war häufig in Gedanken. Und wenn Pepe in Gedanken war, kam es vor, dass er vor seiner Klassenlehrerin stand und &#8222;Guten Tag, Frau Schöl… Frau Schöl…, ähm. Hallo.&#8220; stotterte, während sie ihn ungläubig anstarrte.</p><p>Irgendwer war dann mal auf die Idee gekommen, ihn mit &#8222;Hallo Pe… Pe…&#8220; zu begrüßen. So hieß er ab sofort. Pepe.</p><p>Pepe war eine Seele von Mensch, und als der Herrgott zu Anbeginn aller Zeiten den Humor verteilte, gab er ihm nicht nur seine Portion, sondern gleich noch die von allen Xavier Naidoo-Groupies weltweit. Die haben seither keinen. Pepe vergaß nicht nur Namen, sondern alles, was er bei sich trug. Seine Mutter war berufstätig, es kam häufig vor, dass Pepe vor der eigenen Haustür stand und sich zu erinnern versuchte, wo zur Hölle er bloß seinen Schlüssel gelassen hatte. In der Schule, beim Bäcker, auf dem Getränkeautomaten, im Bus, es gab so viele Möglichkeiten. Und weil er obendrein immer vergaß, wo seine Mutter den Ersatzschlüssel versteckt hatte (unter dem Blumenkübel auf der Terasse), ging er zu den Nachbarn, um zu fragen, wo seine Mutter den Ersatzschlüssel versteckt hatte.</p><p>&#8222;Wenn Dein Kopf nicht angewachsen wäre&#8220;, sagten die dann, weil man das in solchen Momenten immer sagt. Pepe lachte dann. Sie schüttelten die Köpfe und sagten: &#8222;Was soll aus Dir bloß werden&#8220;, weil man das in solchen Momenten immer sagt.</p><p>Wir wurden älter, wir entdeckten unsere Talente. Die einen konnten gut mit Computern, die anderen gut mit Kindern, wieder andere gut mit Tieren. Manche konnten nicht gut mit sich selbst, weswegen sie sich anschickten, Berufe zu ergreifen, in denen sie ganz viel Geld verdienten, um sich davon abzulenken, dass sie nicht gut mit sich selbst konnten. Pepe konnte sich gut verlieben. Zaza meinte, überraschend sei das nicht, da Pepe Zeit seines Lebens immer alles verloren habe, warum nicht auch sein Herz.</p><p>Es begann mit Sandra, die hatte blonde Haare und wohnte in der gleichen Straße. Es ist nicht überliefert, welche schicksalhafte Begegnung Pepe dazu brachte, sich Sandra zuzuwenden. Er stand einfach vor dem Kaffeeautomaten, hatte mal wieder kein Geld dabei und sagte mehr für sich als zu uns hin: &#8222;Oh Mann. Die Sandra.&#8220;</p><p>Er gestand ihr nicht seine Gefühle, denn dazu fehlten ihm die passenden Worte. Tagelang stand er am Fenster und schaute die Straße entlang, ob sie nicht des Weges käme. Er malte, dafür hatte er eine gewissen Begabung, Porträts von ihr, lernte Gitarre spielen und legte ihr heimlich hin und wieder eine Rose vor die Haustür. (Jene übrigens nahm in der Regel Frau Wollinger an sich, Sandras Mutter, die darin einen romantischen Akt ihres Gattens zu erkennen glaubte, der sie in helle Freude versetzte. Da es ihrer Überzeugung nach zum Spiel gehörte, diese Liebesbekundungen unter dem Mantel der Verschwiegenheit zu belassen, versteifte sie sich darauf, ihrem Herrn Gemahl, um sich zu revanchieren, nur noch seine Leibspeisen zu kochen. Da jener gern Fleisch aß, gab es seit jenem nur noch dies: Schweinebraten, Gulasch und Lammbries. Herr Wollinger, hoch erfreut über die ihm sehr genehme neue Zusammensetzung des Speiseplans, entwickelte eine außerordentliche Liebenswürdigkeit gegenüber Frau Wollinger, die zwölf Jahre anhielt. Nach Ablauf dieser Zeit starb Herr Wollinger wohlgenährt an einem Herzinfarkt, nachdem seine Blutfette die Herzkranzgefäße blockiert hatten.)</p><p>Aber: Pepe. Einen ganzen Sommer blickte er versonnener als jemals zuvor in den blauben Himmel, stolperte über Pflastersteine, zog sich unterschiedliche Schuhe an und wirkte auch sonst ganz so, als hätte er von THC auf Ketamin umgestellt. Zu Sandra sagte er nichts, auch nicht zu uns. Stellten wir ihm eine Frage, zum Beispiel, wie er sich befinde, antwortete er unzusammenhängend. Dann, als er wieder eines schönen Oktobertages versonnen die Straße entlangschaute, sah er, wie Sandra fröhlich die Straße hinunterlief, an der Hand einen jungen Mann, dem sie zum Abschied einen Kuss auf die Lippen hauchte.</p><p>Pepe war untröstlich. Er vergrub sich einige Tage in seinem Zimmer, nagelte die Rolläden ans Fensterbrett und hörte traurige Musik. Dabei vergoß er vereinzelt Tränen. Nach Zweiwochenfrist setzte er erstmals wieder einen Fuß vor die Tür und war heiter.</p><p>Von da an verliebte er sich zwei bis dreimal im Jahr. Nach und nach lernte er, seine Liebesschwüre nicht nur in irgendein Heft zu schreiben, sondern auch der Betreffenden mitzuteilen. Da er dabei immer sehr zurückhaltend und schüchtern aussah, erhörten ihn nicht wenige. Irgendwann verlor sich sein Gefühl, man trennte sich meist im Guten, und ein anderer Name brannte sich in sein Herz.</p><p>Nach sechs Jahren sah es aus wie eine versammelte SVV-Selbsthilfegruppe.</p><p><small>Fortsetzung <a
href="http://www.spreeblick.com/?p=35482&#038;preview=true">hier.</a></small></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/08/06/pepe-i/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>27</slash:comments> </item> <item><title>Knie sucks &#8211; Warum ich Fußball nicht mehr spiele</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/06/10/knie-sucks-warum-ich-fusball-nicht-mehr-spiele/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/06/10/knie-sucks-warum-ich-fusball-nicht-mehr-spiele/#comments</comments> <pubDate>Thu, 10 Jun 2010 11:19:55 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=32618</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage alignleft"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2010/06/2700660238_df7b0ca14d1.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/erix/2700660238/"><span
class="text">erix</span></a></p></div></p><p>Das letzte, woran ich mich erinnern kann, ist ein ein lauter Knall. Als würde ein Keilriemen reißen. Ich gleite sanft zur Seite, alles Blut aus meinem Hirn schiesst in mein linkes Bein. Mein Kopf dözt auf dem Betonboden auf, federt leicht ab, und dözt nochmal. Das Blut aus meinem Bein schießt zurück in meinen Kopf und sprudelt in lustigen Fontänen aus meinen Haaren hervor. Ich bin ein Springbrunnen. Dann wird alles schwarz, der Vorhang fällt. Ich höre Englein gröhlen. Sie trinken Bier und singen shalalalala.</p><p>Ich schlage die Augen auf. Über mir haben sich ein halbes dutzend besorgter Gesichter versammelt. Sie sagen meinen Namen. Alle sind kreidebleich. Dann reden sie wirres Zeug, alle durcheinander. Mein Trainer fällt in Ohmacht. Das macht er sonst nur nach dem siebten Bier mit Klarem. Irgendjemand nimmt den Flachmann aus seiner Tasche und hält ihm ein wenig Schnaps unter die Nase. Mein Trainer röchelt.</p><p>Altaaaaar, sagt er. Und dann nochmal. Altaaaaaar.</p><p>Ich versuche, mich zu konzentrieren, als es mich durchfährt. Aus dem linken Bein heraus strahlt ein ziehender Schmerz durch meinen ganzen Körper. Ich schaue nach unten: da, wo eigentlich mein Fuß sein sollte, ist der Boden. Mein Fuß liegt drei Zentimeter zu weit links, hat sich um 60° weggedreht und tut so, als hätte er nichts mit mir zu schaffen. Ich richte mich ein wenig auf, um zu sehen, was da unten eigentlich los ist. Wo vormals mein Knie war, befindet sich ein ungefähr handballgroßer Fleischknödel, der leise vor sich hinpulsiert. Mein Knie hat sich in den größten Königsberger Klops verwandelt, den es gibt.<br
/> Ich schreie kurz und falle dann sicherheitshalber nochmal in Ohnmacht.</p><p>Als ich ein zweites Mal zu mir komme, bin ich auf eine Trage geschnallt. Zwei Zivildienstleistende von den Johannitern rollen mich aus der Halle in ihren Wagen. Sie stellen das Martinshorn an, das ist toll. Ich fühle mich plötzlich ganz schön wichtig. Als kleines Kind habe ich mir immer gewünscht, mal mit Blaulicht durch die Stadt gefahren zu werden: mitunter deswegen habe ich mit sechs mal anderthalb Tollkirschen verschluckt. Meine Mutter hatte mir versprochen, dass, wenn ich von den Beeren esse, ich ganz schnell ins Krankenhaus muss. Leider hatte ich nicht darauf geachtet, dass Erwachsene in der Nähe sind. Deswegen lag ich knapp vier Stunden sabbernd und kotzend hinter unserem Gartenhaus. Vermutlich habe ich während dieses kurzen Tripps einen Gutteil meiner Intelligenz eingebüßt, weswegen ich später manischer Fußballspieler werden musste. Meine Mutter sagte mir, dass ich, weil ich den Trip überhaupt überlebt hätte, sehr großes Glück gehabt hätte, aber ich fand das nicht: als sie mich fanden, war es nämlich zu spät, um den Notarzt zu rufen, deswegen durfte ich nie mit Blaulicht durch die Stadt gefahren werden.</p><p>Jetzt schon. Auf der Fahrt ins Krankenhaus denke ich kurz, wie das gekommen war mit dem Knie. Normalerweise entscheidet sich so ein Knie ja nicht von heute auf morgen zu einem Stellungswechsel. Ich weiß noch, dass es ein Hallenturnier gewesen ist: und ich weiß, dass mein Gegenspieler drei Köpfe größer (mindestens) und doppelt so schwer war wie ich. Außerdem weiß ich, dass irgendein Arschloch einen Rückpass gespielt hatte, wie man sie sonst nur von Jerome Boateng kennt, und mir mein Gegenspieler zu entwischen drohte. Ich glaube, das mit dem Rückpass war ich. Und ich weiß, dass ich ihn von hinten sanft umgehauen habe. Ganz vorsichtig. Dabei ist er, wie beabsichtigt, ins Straucheln geraten: nicht beabsichtigt allerdings war, dass mein Knie seinen Aufprall in der Form abmilderte, als dass es genau zwischen seinem erstaunlich spitzen Hüftknochen und dem Betonboden zu liegen kam. Genauer gesagt, kam er direkt zwischen der Patella, dem seitlichen Kondylus und der Knorpelmasse auf: eine Punktlandung. Ein Terroranschlag hätte nicht besser treffen können.</p><p>Die Zivildienstleistenden unterhalten sich derweil über ihre Wocheneskapaden. Hin und wieder spritzen sie mir was.<br
/> - Ähm, sage ich. Was gebt ihr mir da eigentlich?<br
/> - Na, Schmerzmittel! Ist doch klar.<br
/> - Ja, nee, is klar. Sollte nicht ein Arzt entscheiden, was ich so kriege?<br
/> - Sag mal, bist Du Privatpatient oder was? Wir haben Ärztemangel! Lies mal ein bisschen Zeitung, damit Du weißt was Sache ist, verdammt!<br
/> - Zum Zeitunglesen hab ich wenig Zeit.<br
/> Er schaut mir kurz auf mein Knie und sagt dann:<br
/> - Naja, das wird sich ja jetzt ändern die nächsten Monate.</p><p>Er wendet sich wieder dem Fahrer zu. Während der vorne mit 120 Sachen über rote Ampeln brettert, unterhalten sie sich über ihr Wochenende. Ihren Erzählungen zufolge haben sie reichlich Erfahrungen mit allen Medikamenten, die hier so rumliegen, insbesondere in Zusammenspiel mit Alkohol. Ich erfahre, dass das Mittel, das sie mir verabreichten, stundenlange Erektionsstörungen als Nebenwirkung hatte, und außerdem, kombiniert mit Whiskey, herbe Halluzinationen hervorrufen kann, manchmal.<br
/> Ich seufze erleichtert. Die wissen, wovon sie sprechen. Ich bin in guten Händen.</p><p>Bis dahin war ich von gröberen Verletzungen immer verschont geblieben: ich spielte seit meinem sechsten Lebensjahr Fußball, eigentlich immer Rechtsaußen. Ich war ein ganz passabler Spieler, auch wen ich mich für großartig hielt, weil hin und wieder ein größerer Verein auf mich zukam um zu fragen, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könnte. Erst neulich hatte der Freiburger FC angerufen, naja. Eigentlich wars andersrum. Eigentlich hab ich angerufen. Aber das hab ich meinen Freunden nicht gesagt. Ich hab ihnen auch nicht gesagt, dass der Freiburger FC angerufen hat, sondern immer nur Freiburg. Und wenn dann einer, der meine Fußballkünste kannte und das nicht glauben wollte, laut ausrief: Der Volker Finke?, hab ich mit dem Kopf gewippt. Selber Schuld, wenn die das als Nicken interpretieren! Kann ich doch nichts machen, wenn die sich da so verrennen!</p><p>Meine Zivis karren mich ins Krankenhaus. Sie fahren mich direkt in die Radiologie. Dort werde ich in einen Computertomographen gesteckt. Ein Computertomograph ist dazu da, Leuten, die vermutlich eine schlimme Diagnose erwartet, zu vermitteln, wie es sich anfühlt, in einem Sarg zu liegen. Wer unter Platzangst leidet, der stirbt auch ganz gerne mal bei der Behandlung. Das gibt dann gute Bilder, da freut sich der Radiologe, weil man muss ganz still halten, ansonsten verschwimmen die Konturen. Nach einigen Minuten fängt der Apparat an zu rattern, zuerst leise, dann ein wenig lauter, und dann RATTERRATTERRATTERRATTER. Man kommt sich schnell vor wie in einer abstürzenden Raumkapsel. Oder eingesperrt in einem Boxenturm im Berghain.</p><p>30 Minuten später hängt der Arzt die Bilder auf. Was ich sehen kann, haben sich meine Bänder in einen Teller Tagliatelle Carbonara verwandelt. Es ist so ziemlich alles gerissen, was zu reißen geht, die Patella-Sehne, das innere Kreuzband, das Außenband, die Quadriceps-Sehne. Außerdem hatte der Knorpel was abbekommen, „nach einem Meniskus sieht das aber nicht mehr aus“, sagt er und lächelt der Schwester verschwörerisch zu. „Das da – er zeigt auf irgendeinen hellen Fleck, der verloren ganz am Rand rumgeistert &#8211;  das da ist übrigens ihr Wadenbeinköpfchen.“ Als ich ihn Frage, ob das da hingehört, lacht er hysterisch. Ausserdem hat sich die Kniescheibe in die Oberschenkelmuskulatur geschoben, mehrere Faserrisse sind die Folge. Nur das äußere Kreuzband und das Innenband haben gegen jede Wahrscheinlichkeit gehalten, weswegen ich meinen Unterschenkel nur um 60° verdrehen kann. „Aber keine Sorge, sagt der Arzt, auch mit den 60 ° Spiel, die Sie jetzt haben, nimmt Sie jeder Zirkus mit Handkuss.“ Und dann sagt er: „Dass das da überhaupt noch dranhängt, versteh ich nicht.“ Als er sich zu mir hindreht, sehe ich Begeisterung in seinen Augen. „Ich muss Sie dringend meinen Kollegen zeigen! Das glauben die mir nie.“ Und dann, mit vor Aufregung bebender Stimme: „Darf ich Sie operieren?“</p><p>Das ist jetzt zehn Jahre her. Fußballspielen kann ich nicht mehr. Treppensteigen geht noch, bloß schwer tragen darf ich nicht. Das ist insbesondere bei Freundesumzügen immer eine famose Ausrede. Ich scanne die CT-Bilder ein und schicke sie unter dem Betreff „Dies war mal ein Knie von mir“ an die entsprechende Anfrage. Häufig bekomme ich danach Blumen geschickt, oder Kuchen. Joggen geht auch nicht mehr so recht, insgesamt ist Bewegung eher schlecht. Das kommt meinem Naturell entgegen, deswegen bin ich da gar nicht so unglücklich drüber.</p><p>Dafür les ich jetzt ganz viel Zeitung. Und ich mach auch keinen Sport mehr. Außer Radlern! Prost!</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/06/10/knie-sucks-warum-ich-fusball-nicht-mehr-spiele/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>26</slash:comments> </item> <item><title>Ahne: Bär hin, Bär her</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/02/16/ahne-bar-hin-bar-her/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/02/16/ahne-bar-hin-bar-her/#comments</comments> <pubDate>Tue, 16 Feb 2010 12:50:33 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=28071</guid> <description><![CDATA[<p><small><em>Der von uns <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/11/24/25-11-ahne/">bereits empfohlene Ahne</a>, der <a
href="http://www.ahne-international.de/">hier bloggt</a> und <a
href="http://www.reformbuehne.de/">dort lesebühnt</a>, hat uns freundlicherweise seinen Berlinale-Text zur Verfügung gestellt, den wir mögen und außerdem ist ja gerade Berlinale, passt also.</em></small></p><h3>Bär hin, Bär her</h3><p>Einen Text für die Ewigkeit sollte man sicher nicht mit den Worten beginnen: &#8222;Die Berlinale 2010 interessiert mich nicht die Bohne&#8220;. Leider aber zwingen mich meine Gefühle, diesen, für die Ewigkeit bestimmten, Text, genau so zu beginnen.</p><p>Die Berlinale 2010 interessiert mich nicht die Bohne. Sie hat mich schon früher nicht interessiert, danach auch nicht und jetzt erst recht nicht. Ich finde es erheblich spannender unter mein Sofa zu gucken als den Hunderttausenden Werbetextern auf den Leim zu gehen und mich in das Heer blökender Schafe einzureihen, welche Jahr für Jahr im Februar ihre Ställe verlassen und die Kinos stürmen. Dabei habe ich gar nichts gegen die Filme. Viele sind gut, durchaus, aber würden sie einfach so laufen, ohne das Berlinale-Etikett, kein Schaf würde sie sich angucken, nur die Üblichen, die Filminteressierten.</p><p>Ich hatte ja mal eine Freundin. Ist lange her, ja ja. Kann mich auch nur noch dunkel an sie erinnern, die jedenfalls fand die Berlinale ganz spannend: &#8222;žHach, Berlinale&#8220; sagte sie immer &#8222;žso viele Internationale aus so vielen Ländern. Das ist doch ganz groß und spannend und ein Ereignis. Da muss man unbedingt hin&#8220; und &#8222;žAhne, hier habe ich dir mal alle Filme im Berlinale-Programmheft angekreuzt, die mich interessieren. Du bist doch arbeitslos, deshalb gehst du da morgen mal hin, zu dem Potsdamer Platz und stellst dich da hinten an, an die Schlange und kaufst dann so viele Karten, wie du kriegen kannst.&#8220;</p><p>Damals hatte ich die Freundin noch gern und auf dem Potsdamer Platz war ich ja auch noch nie, wo war der überhaupt? Ach, in der Mitte meiner Heimatstadt, na so was?! Also, warum nicht. Aber wie sie bloß auf die Idee kam, dass Arbeitslose Zeit hätten zum Kinokartenkaufen? Wo wir doch von früh bis abends immer Bewerbungen schreiben mussten. Egal. Würde ich das Bewerbungen-Schreiben eben mal schwänzen. Muss mein Sachbearbeiter ja nichts von erfahren, den ich an dieser Stelle übrigens grüße, hallo Herr Neubert. Bin ich also dahin mit der U-Bahn, hätte auch mit der S-Bahn, sicherlich, damals fuhr ja noch die S-Bahn, war ja noch vor dem Meteoriteneinschlag, aber ich bin lieber U-Bahn, weil Gelb ist nämlich meine Lieblingsfarbe. Früher war ja mal Blau meine Lieblingsfarbe, das ist aber eine ganz andere Geschichte. Gut. 10 Stationen waren es von mir aus, aufgerundet. In der U-Bahn nur so Leute drin wie ich. Gutherzige, willensschwache Idioten, die von, sie beherrschenden, eventgeilen Schlampen aus dem Haus geprügelt worden waren, auf die Jagd geschickt nach Trophäen, Eintrittskarten, die man sich später an die Backe tackern konnte. Man ist eben dabei gewesen.</p><p>Schweigend sahen wir uns einander an. Gebrochene Kerle, mit hängenden Schultern, vom Schicksal gebeutelt. Käme ein botswanischer Regisseur auf die Idee unsere Leidensgeschichte zu verfilmen, der Hölzerne Bär wäre ihm sicher, mindestens der Hölzerne. Ich rauchte Kette. Damals ging das ja noch, Kette rauchen, in der U-Bahn. War ja noch vor dem 11. September. Obama ging zur Schule, Twix hieß noch Raider und in der U-Bahn konnte man noch Kette rauchen. Der Potsdamer Platz, er sah damals allerdings schon genauso aus wie heute, als wäre die DDR nie untergegangen, als hätte sie sich tatsächlich weiterentwickelt. Der Potsdamer Platz, er sieht, heute wie damals, aus, wie sich senile Politbürohengste eine bessere DDR vorgestellt hätten, architektonisch zumindest.</p><p>Ich ging einfach dem Strom der trottenden Menge hinterher und stellte mich an einer der Schlangen an. Zwischen den traurigen Befehlsausführern hampelten immer wieder Wesen herum, die wie von einem anderen Stern zu kommen schienen. Sie mussten andauernd telefonieren, mit Bekannten, denen sie dann so Sachen in die Hörmuscheln schrieen, wie: &#8222;žDu kannst dir gar nicht vorstellen, wo ich gerade bin. Ich bin gerade am Potsdamer Platz und weißt du, was ich mir gerade hole? Ich hole mir gerade Eintrittskarten und weißt du für was? Genau, für die Berlinale. Weißt du eigentlich in welchem Film (es folgte irgendein englischer Name) mitspielt? Ach, is ja auch egal. Man bin ich aufgeregt!&#8220; Telefonierten sie mal gerade nicht, so sahen sie durch einen hindurch. Für sie schien es nämlich keine Realität zu geben. Es sei denn, es gab uns Andere gar nicht. Wenn man rein wissenschaftlich an etwas herangeht darf man selbstverständlich auch die Möglichkeit der eigenen Nichtexistenz nicht ausschließen. Und ich, ich gehe ja immer rein wissenschaftlich heran. An alles. Auch an die Kasse. Wenn da einer bezahlt, zum Beispiel, weiß ich, dass jetzt, laut Adam Riese, einer weniger vor mir steht. Ich gehe wenigstens davon aus, dass es nichts nützt, rücke ich meinem Vordermann Sekunde um Sekunde dichter auf den Pelz. Wahrscheinlich aber existiert schon längst eine Maßeinheit des gefühlten Vorwärtskommens, so wie manche Zeitungen ja auch gefühlte Temperaturen abdrucken, als ob wir alle genauso fühlen. Humbug! Quatsch! Schwachsinn! Dann könnte man auch gleich die gefühlte Geschwindigkeit in Fahrzeugen oder die gefühlte Anzahl von Toten bei Kriegseinsätzen einführen.</p><p>Ich weiß nicht mehr, wie lange ich da stehen musste, gefühlte 24 schriftliche Bewerbungen werden es garantiert gewesen sein, irgendwann war ich auf jeden Fall dran und zeigte der Schalterfrau das Heftchen mit den angekreuzten Filmchen. &#8222;žVon denen jeweils 2 Karten.&#8220; Sie musste lächeln. &#8222;žDie sind alle weg.&#8220; &#8222;žWeg?&#8220; &#8222;žWeg, ja, ausverkauft.&#8220; &#8222;žAch so. Na dann.&#8220; Und ich ging, nicht im Mindesten enttäuscht, zurück zur U-Bahn, die mich vom Potsdamer Platz wieder Richtung Berlin kutschierte.<br
/> Am nächsten Tag musste ich natürlich noch einmal zum Potsdamer Platz, diesmal ohne Kreuze. Ich sollte einfach nur Karten holen. Karten für irgendwas. Karten für alles was noch übrig war.</p><p>Der Film, den wir uns dann gemeinsam anguckten, war, Bär hin, Bär her, sicherlich gut. Ich erinnere mich, dass er in einer anderen Sprache gezeigt wurde und die Dialoge von einem Sprecher deutsch eingesprochen werden mussten. Spätestens ab der Hälfte des Filmes habe ich allerdings geschlafen, meine angenehmste Erinnerung übrigens, bis heute, an die Berlinale.</p><p>(Text: <a
href="http://www.ahne-international.de/">Ahne</a>)</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/02/16/ahne-bar-hin-bar-her/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>6</slash:comments> </item> <item><title>Kirsten Fuchs, Männerversteherin</title><link>http://www.spreeblick.com/2010/01/20/kirsten-fuchs-mannerversteherin/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2010/01/20/kirsten-fuchs-mannerversteherin/#comments</comments> <pubDate>Wed, 20 Jan 2010 10:09:55 +0000</pubDate> <dc:creator>Tanja Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=27168</guid> <description><![CDATA[<p>Das werde ich nie mehr los und freue mich schon jetzt auf kommende verpfuschte Abendrot-Emomente!</p><blockquote><p>Als letztes Jahr ein Schnee in dicken Flocken vom Himmel stob, da lehnten wir aneinander Arm in Arm am Fenster zur Südseite — ich wohne ganz oben über der lärmenden Stadt- über mir wohnt nur Herr Himmel. Dunkelstblö spannte der Abend seine Schwingen über uns um zum Nachtflug anzuheben — wir hatten den Tag über einen Stammstreit in mehrere Nebenstreits verästelt und bis in jedes kleien Zweiglein hineingestritten. Nun standen wir, des Uneins-seins übertrüssig beisammen, ich unter seinem Armdach — gereckt nach einem Kusse von seinen herrlich bartumstoppelten Lippen — schön wars und als es gerade schön war, sagte er &#8222;žZieh mal!&#8220; und hielt mir seinen Finger hin.</p></blockquote><p>Danke, <a
href="http://kirstenfuchs.blogspot.com/2010/01/mannerversteherin-klischees-auf-dem.html">Kirsten Fuchs!</a></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2010/01/20/kirsten-fuchs-mannerversteherin/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>23</slash:comments> </item> <item><title>Ein Weihnachtsmärchen</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/12/24/ein-weihnachtsmarchen/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/12/24/ein-weihnachtsmarchen/#comments</comments> <pubDate>Thu, 24 Dec 2009 10:18:34 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=26359</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/12/1263256439_636e2ffc21.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/laurenmanning/1263256439/"><span
class="text">laurenatclemson</span></a></p></div>Weihnachten 2001, es schneite, scheiß Natur. Es war der erste Weihnachtsfeiertag, und Pitt stand auf einer Holzterasse in der Kälte, um zu rauchen. Drinnen stand Frau Wempe und wünschte ihm einen schnellen, aber schmerzhaften Tod. Wann immer er das Wohnzimmer verließ, um draußen zu rauchen, schloss sie nonchalant die Terassentür hinter ihm ab, um ihn dann hämisch anzugrinsen, wenn er nach vollendeter Zigarette am Knauf rüttelte. Er vermied es, unter der Regenrinne zu stehen, denn Frau Wempe war es durchaus zuzutrauen, dass sie die von dort herunterhängenden Eiszapfen angesägt hatte in der Hoffnung, einer möge sich durch die Erschütterung seiner Schritte von der Rinne lösen und ihm den Schädel spalten.</p><p>Sie hatten kein sonderlich gutes Verhältnis. Denn er hatte ihr die Tochter geklaut.</p><p>Ihre Tochter hieß Sara und war das lockigste Geschöpf im Erdenrund. Ihre Jugend hatte sie damit verbracht, Tolstoi zu lesen und klassische Musik zu hören, wenn sie nicht ihre Mutter auf Vernissagen begleitete. Die Mutter war Kulturredakteurin und stammte aus der Düsseldorfer Bildungsbourgeoisie. Vermutlich fragte sie sich selbst häufig, was sie in diesem Bergkaff zu schaffen hatte, und warum sie ihre Zeit damit vertat, über Tonfiguren verrenteter Musikschullehrer und Tuschezeichnungen alternativ angehauchter Hausfrauen zu schreiben.</p><p>Ihr einziger Lichtblick war Sara, mit der sie alles teilte außer der Zahnbürste. Sie nahm sie mit auf Vernissagen, zu Theaterabenden nach München, am Wochenende gingen sie Essen oder ins Kino und danach auf ein Glas in irgendeine Bar. Hätte der Vater nicht energisch Widerspruch eingelegt, wer weiß, vielleicht hätten sie sich auch das Bett geteilt.</p><p>Und dann kam Pitt. Er platzte in die Mutter-Tochter-Idylle wie ein Tanker im Ärmelkanal.</p><p>Pitt war nicht das, was man sich unter einem Schwiegersohn einer Tochter aus gutem Haus vorzustellen hat. Dabei mühte er sich, die Klischees, die er aus den Filmen kannte, zu umschiffen. Die zerrissenen Hosen blieben im Schrank, wenn er zu Sara ging. Er hielt die Gabel nicht in der Faust, das Hähnchen aß er mit seinem Besteck, obwohl sein Teller danach aussah wie Stalingrad. Als eines Abends eine EntrecÃ´te BeÃ¡ner Art serviert wurde, die die Mutter viel Mühe gekostet hatte, verlangte er nicht nach Ketchup; er trank sogar Wein statt Bier, obwohl er davon Durchfall bekam. Manchmal, wenn er übermütig wurde, spreizte er den Finger ab, sobald er das Glas zum Munde führte.</p><p>Allein, es half nicht; er war ihr nicht gut genug. Seine Fingernägel waren ihr nicht gut genug geschnitten, und seine politischen Ansichten hielt sie für verderblich. Er las die falschen Zeitungen und mochte die falschen Länder. Da er wegen einer hartnäckigen Sinusitis ununterbrochen eine Mütze trug, nannte sie ihn bald &#8222;Häubchen&#8220;. Manchmal sagte sie Fuzzi, wenn sie glaubte, er könne es nicht hören. Wenn sie sich zur Begrüßung die Hand gaben, nahm sie ihre Wildlederhandschuhe nicht ab.</p><p>Pitt war verzweifelt; denn Sara quälte die Gesamtsituation. Bald war Weihnachten. Pitt war ein Scheidungskind, und weil er nicht zu seiner Mutter in die USA fahren wollte und Sara darauf bestand, ihn über die Feiertage zu sehen, würden sie zwei Abende und einen kompletten Tag im Haus der Eltern verbringen. Es stand zu befürchten, dass ihre Mutter ihm Gift oder wenigstens ein Abführmittel in die Plätzchen injizieren würde, da er ihr geliebtes Familienfest zerstörte.</p><p>Wir saßen den gesamten Dezember zusammen, um zu beratschlagen, wie er diese 36 Stunden schadlos überstehen könne. Einen Axtmord hatten wir frühzeitig ausgeschlossen, ebenso einen fingierten Autounfall oder einen Flugzeugabsturz, den wir eventuell islamischen Terroristen hätten unterjubeln können.</p><p>Am 16. Dezember erschien die erste Kolumne. Frau Wempe war in den Samstagsbeilagen eine Spalte freigeschaufelt worden, in der sie aus ihrem Leben als berufstätige Mutter erzählte. In der ersten Folge erzählte sie von den Freunden ihrer Tochter, vor allem von Pitt. Dass er einem Zaunpfahl glich nicht nur in seiner Statur, sondern auch in seiner Wortgewalt. Sie nannte ihn ambitioniert und wünschte sich zukünftig einen gutgebauten Medizinstudenten zum Schwiegersohn. Mordlust durchzuckte uns, als wir ihren Text lasen. Wir dachten, Pitt müsste zerschmettert in einer Ecke seines Zimmers liegen.</p><p>Weit gefehlt. Pitt hatte den Text durchaus gelesen und hatte einen teuflischen Racheplan ersonnen. Er würde &#8211; nett sein. Freundlich, zuvorkommend, und liebenswert. Die folgenden Tage bis Weihnachten verbrachte er in seiner Küche und buk Plätzchen. Er kaufte Marzipan, Nougat und Krokant und zauberte daraus die wohlschmeckendsten Pralinen, die wir je probiert hatten. Er versuchte sich an russischem Zupfkuchen und besorgte sich sogar eines jener Geräte, mit der man Worte aus Sahne schreiben kann. Am Vorabend des 24. hatte er sechs Schuhkartons voller Naschereien und zwei Torten fertiggestellt, die er liebevoll in goldenes Papier einschlug.</p><p>Am Weihnachtsabend flackerten die Kerzen, als Familie Wempe leise &#8222;Stille Nacht&#8220; sang. Pitt sang leise mit. Frau Wempe, der ein großer Berg Geschenke ins Auge stach, deren Ursprung sie nicht kannte, war nervös. Sie hatte für Pitt ein kleines Büchlein voller Gedichte gekauft, in der sicheren Erwartung, dank ihrer Kolumne von ihm nichts zurückgeschenkt zu bekommen. Tatsächlich hatte sie sich schon ausgemalt, wie sie sich über die Taktlosigkeit Pitts bei ihrer Tochter auslassen würde, und so vielleicht das Fundament dieser Beziehung nachhaltig erschüttern konnte.</p><p>Als Pitt ihr seine Leckereien entgegenhielt und Anstalten machte, ihr um den Hals zu fallen, erbleichte sie. Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich schämte, denn für ein solches Gefühl war sie zu stolz. Aber sie sah die leuchtenden, stolzen Augen ihrer Tochter, wie sie Pitt entgegenstrahlten, und wusste, dass sie im Begriff war, eine herbe Niederlage einzustecken. Ihr kümmerliches Buch kam ihr lächerlich vor, und den ganzen Abend über knirschte sie mit den Zähnen.</p><p>Für Pitt war es ein voller Triumph. An diesem Abend und in den folgenden Wochen verschonte ihn die Mutter mit allen kleinen spitzen Bemerkungen, an die er sich beinah schon gewöhnt hatte, und stellte auch keine despektierlichen Nachfragen über seine beruflichen Aussichten. Sie war still und knirschte bisweilen, sie hatte sich in einen Kirschholzschrank verwandelt.</p><p>Die Liebe zwischen Pitt und Sara schlummerte irgendwann ein, fünf Monate nach Weihnachten, glaube ich. Trotzdem bedenkt Pitt Frau Wemke noch immer jedes Weihnachten mit einem kleinen Päckchen selbstgemachter Pralinen. Und freut sich, wenn er in der ersten Januarwoche in der Kolumne erwähnt wird, meistens ironisch, immer despektierlich. Er sammelt die Kolumnen und klebt sie in ein kleines Heft, das er immer dann zur Hand nimmt, wenn es ihm sehr schlecht geht und er nichts zu lachen hat. Nach kurzer Lektüre einiger weniger wemkeschen Zeilen fühlt er sich für gewöhnlich beschwingt und fröhlich. Und ich weiß aus sicherer Quelle, dass Frau Wemke seine selbstgemachten Pralinen sogar vor ihrem Mann versteckt, um ja nichts davon abgeben zu müssen, weil sie ihr so sehr munden.</p><p>Weihnachten, Fest der Versöhnung.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/12/24/ein-weihnachtsmarchen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>12</slash:comments> </item> <item><title>Das Schönes-Wochenende-Ticket</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/11/23/das-schones-wochenende-ticket/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/11/23/das-schones-wochenende-ticket/#comments</comments> <pubDate>Mon, 23 Nov 2009 12:55:53 +0000</pubDate> <dc:creator>Björn Grau</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=25077</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/11/Keine-Sitzgelegenheit_1024.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.ipernity.com/doc/bjoerngrau/1450708"><span
class="text">bjoerngrau</span></a></p></div></p><p>Ohne das Schönes-Wochenende-Ticket der Bahn hätte ich in den 1990ern viel weniger Zeit in Berlin verbracht, hätte die Stadt nicht so und nicht so ausdauernd kennengelernt, ohne Wochenendticket der Bahn wäre ich vielleicht nie nach Berlin gezogen. Ohne Wochenendticket hätte meine Jugend rund um Stuttgart nicht einmal annähernd an die von <a
href="http://www.spreeblick.com/2009/06/03/punk-dead/">Punks im Allgäu</a> herangereicht.</p><p>Irgendwie hatten sich im Sommer 1994 ein paar Berliner in unser kleines schwäbisches Städtchen verlaufen. Nach ein paar langen Nächten entstanden Freundschaften und die wollte ich pflegen. Gar nicht so einfach über 650 Kilometer und ohne viel Geld in der Tasche.<br
/> Dann führte die Bahn im Februar 1995 diese tolle Fahrkarte ein: 15 Mark, für bis zu fünf Personen, das ganze Wochenende, quer durch Deutschland mit Nahverkehrszügen.<br
/> Mit ein wenig <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kursbuch_%28Verkehr%29">Kursbuch</a>lesen (von wegen Fahrplan im Netz abfragen) und kreativer Zusammenstellung der Reisegruppen kam man so beinahe kostenlos vom Neckar an die Spree. Am günstigsten war es, nie zu fünft zu reisen, sondern von Teilstrecke zu Teilstrecke neue Mitreisende für eine Mark oder zwei mitzunehmen. Manchmal war so schon die Reiseverpflegung mitfinanziert.</p><p>Als Ende der 1990er das Ticket schon viel teurer war, gab es Verbindungen von der schwäbischen Heimat ins schwäbische Exil im märkischen Sand, die nur zehn bis elf Stunden dauerten. Da fuhren wir dann auf den Abend in die Disco nach Berlin und am Sonntagmittag wieder zurück.<br
/> Anfangs dauerte die Fahrt Stuttgart-Berlin aber noch um die 14 Stunden und war Beginn und Abschluss von vielen Berlinurlauben. Oft waren die Züge so voll, dass ich nach Berlin im Stehen kam. Spätestens ab Würzburg waren Loks und Waggons altersschwach, hinter der noch deutlich sichtbaren ehemaligen Zonengrenze galt dies auch für Schienen und Bahnhöfe.<br
/> Wurde irgendwo in den Aufbau Ost investiert (und dazu gehörte auch das fränkische Schienennetz), wurde die Fahrt durch ungewisse Schienenersatzverkehrpassagen abenteuerlich. Abenteuerlich waren als langhaariger Hippie mit Palituch auch Aufenthalte an Provinzbahnhöfen in Sachsen-Anhalt, national befreites Gleis und so.</p><p>Andererseits, richtig Stress gab es in all den Jahren nur einmal. In Karlsruhe. Und die eigentlichen Fahrten (also im Zug und nicht am Bahnsteig) durch den Osten gestalteten sich im positiven Sinne sehr anarchisch. Die Studenten der Ostunistädte waren entweder noch sparsamer oder mittelloser als ich und kamen einfach in den Zug, wo sie versuchten, möglichst durch nette Unterhaltung kostenlos auf einem Ticket mitzufahren. Jeder gab, was er hatte.<br
/> Die Schaffner gaben das Kontrollieren schnell auf. Hatten sie mal jemanden gefunden, der keinem Ticket zuzuordnen war, riefen meist mehrere: Der kann bei mir mitfahren. Gelebte Solidarität.</p><p>Mein schönstes Schönes-Wochenende-Ticket-Erlebnis war eine Heimreise von Berlin nach Stuttgart. Ich stieg am Bahnhof Zoo ein und fand Platz neben einem bleichen, dicklichen Teenager, der Landserheftchen las. Er kam aus Marzahn und fuhr das erste Mal zu seiner Lehrstelle als Koch irgendwo hinter Heilbronn und klopfte Faschosprüche.<br
/> Ein sympathischer Kerl. Viel mehr als seine braunen Lebensweisheiten mochte ich seine Neugier an all dem, was er noch nie gesehen hatte. Und er konnte einen Mitfahrer brauchen, der Wochenendticketerfahrung hatte. Also reisten wir zusammen.<br
/> Irgendwann landeten wir in einem Fahrradwaggon zusammen mit einer älteren Dame, ihrem Rollator, ihrem Schoßhündchen und ihren zwei Stangen Zigaretten. Und: einer circa zehnköpfigen Truppe Punks mit großen Hunden und Ghettoblaster.</p><p>Mein Mitfahrer wurde bleich und leise. Sehr leise. Die Punks waren laut. Lauter waren Wizo- und Slime, die aus dem Punkerghettoblaster schrien.</p><p>Als erstes freundeten sich die Hunde an. Intensivst. Dann brach die alte Dame das Eis zwischen uns Zweibeinern und schlug einen Deal vor:<br
/> Ob die jungen Menschen mit den bunten Haaren nicht auch andere Musik dabei hätten, die ihr mehr zusagen würde. Sie würde auch gern Zigaretten ausgeben. Eins der Mädchen fand tatsächlich ein Smetana-Tape. Die Moldau, so verzerrt und gebrüllt, wie es die Batterien des Ghettoblaster zuließen.<br
/> Ich machte Kekse und Butterbrote locker, die Punks Karlskrone und auch der bleiche Junge aus Marzahn öffnete seinen Fressbeutel für die Runde.<br
/> Als wir alle getrennte Wege gingen, sagte er zum Abschied: Eigentlich ganz nett, die Zecken.</p><p>Neulich sind wir (ein anderes wir als damals) wieder Wochenendticket gefahren. Kostet jetzt umgerechnet über 70 Mark und gilt nur noch einen Tag. Die Züge sind moderner, unbequemer, nicht mehr ganz so voll, aber so langsam wie vor zehn Jahren. Es bleibt die Zeit, sich und andere kennen zu lernen. Es bleiben diese Umstiege genannten Nichtaufenthalte an Bahnhöfen von Städten, die man nie sehen wollte. Kassel zum Beispiel. Es fühlt sich immer noch nach Reisen statt nach Transfer an.<br
/> Nicht schlecht.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/11/23/das-schones-wochenende-ticket/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>24</slash:comments> </item> <item><title>Heimat</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/10/29/heimat/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/10/29/heimat/#comments</comments> <pubDate>Thu, 29 Oct 2009 10:24:49 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=24034</guid> <description><![CDATA[<p><em>Kürzlich erschien <a
href="http://www.royalkomm.de/stijlroyal/stijlregal/magazine/stijlroyal_12_mit_japan_special">das neue Stijlroyal-Magazin</a>, mit Texten von u.a. <a
href="http://twitter.com/Sibylleberg">Sibylle Berg</a>, dem <a
href="http://twitter.com/Vergraemer">Vergrämer</a>, <a
href="http://twitter.com/elsebuschheuer">Else Buschheuer</a> und vielen anderen mehr. Das Heft gibt es <a
href="http://www.royalkomm.de/stijlroyal/stijlregal/magazine/stijlroyal_12_mit_japan_special">hier</a> zu kaufen, am Samstag <a
href="http://www.royalkomm.de/stijlroyal/stijlroyal_magazin/duweisstschon12">findet in Wiesbaden die Releaseparty statt</a>. Statt vieler weiterer Worte folgt mein übellauniger Text zum Thema Heimat, der es auch ins Magazin geschafft hat. Nach dem Baumstamm.</em></p><p>Es gibt keinen Plural für Heimat. Heimat ist ein Singularetantum, das klingt zwar nach Begräbnis, heißt aber genau das: Es gibt keinen Plural für Heimat. Es gibt auch keinen Plural für Weltall oder Lärm. Auch das sind Singulariatantum, das ist der Plural von Singularetantum. Was ist das für eine Welt, die für den Begriff, dass es für manche Worte keinen Plural gibt, einen Plural kennt.</p><p>Im Französischen sagt man für Heimat pays natal. Geburtsland. Geboren bin ich in einem Kaff in Süddeutschland, das ist schon ein bisschen her. Im Allgäu, das heißt Berglandschaft. Ich hasse Berge, ich hasse Natur. Es ist schon ein bisschen her, das heißt: es war 1982. Mein Vater ist aus Frankreich zwischen all die Berge gezogen, weil er dachte, Heimat sei da, wo meine Mutter wohnt. Meine Mutter ist Deutsche. Später hat sich herausgestellt, dass sich mein Vater geirrt hat. Jetzt wohnt er in Deutschland und meine Mutter in Frankreich. So gleicht sich alles wieder aus im Leben.</p><p>Ich bin aufgewachsen in der deutschesten aller Landschaften, lauter Eichen und andere idiotische Bäume. Karpfen in den Seen, Hechte, was weiß ich. Trotzdem bin ich französisch sozialisiert. An unserem Gartenzaun hörte Deutschland auf. Jedes Abendessen dauerte vier Stunden. Die Plattensammlung bestand ausschließlich aus Edith Piaf und Georges Brassens. Schimmelten im Kühlschrank Lebensmittel, wurden sie nicht weggeworfen, sondern als Delikatesse den Nachbarn aufgetragen, wenn sie mal zu Besuch kamen. Wir bekamen wenig Besuch von den Nachbarn.</p><p>Ich bin zweisprachig aufgewachsen. In früher Kindheit äußert sich das so: Man nimmt alle Sprachen als eine war. Es gibt nicht Deutsch und Französisch, sondern nur Worte für Dinge. Manches sind gemütlichere Worte, andere sind schwerer auszusprechen. Ein pf zum Beispiel ist sehr schwer auszusprechen, das kriegt ein Kleinkind kaum über die Lippen. In meiner Sprache gab es keine pf, wenn ich einen Apfel wollte, habe ich pomme gesagt. Und wenn ich auf den Topf musste, pot. Das ging dann so: &#8222;Bitte eine pomme, merci.&#8220; Oder: &#8222;Auf pot!&#8220; Ich habe lange in diesem Mashup gesprochen, bis mich meine nicht eben fremdsprachenaffine Erzieherin nach meinem Kindergartentag zum Sozial-Psychiatrischen Dienst überstellen wollte, weil sie mich für verhaltensgestört, mindestens aber für schwachsinnig hielt.</p><p>Im Allgäu war immer viel von Heimat die Rede, da regiert die CDU. In unserem Wahlkreis hätte die CDU einen fußlahmen Ochsen aufstellen können, der wäre trotzdem in den Bundestag eingezogen. Die hätten den sogar auf einen Wagen gehoben und eigenhändig hingekarrt, wenn er es von selbst nicht gepackt hätte. In solchen Gegenden hält man noch viel von Tradition und Volksgut. Die Mutter meiner Exfreundin war Vorsitzende eines Trachtenvereins. Heimat, das war für sie einige von Kühen zugeschissene Hügel, ein bisschen Ringelreihen, ein paar Kässpätzle und der sonntägliche Kirchgang. So kriegt der Tag Struktur, zwischen Herd und Kommunion.</p><p>Ich habe sie mal gefragt, was sie an ihrer Heimat schön findet, ich frage das eigentlich nie, aber was will man sonst am Küchentisch mit einer Person reden, die die Zitter für bedeutender hält als das Klavier. Sie sah mich an und kaute. Sie hat noch nicht einmal nachgedacht, sie wusste es schlicht nicht. Später habe ich in diesem Käseblatt, das der Stern geworden ist, etwas gelesen, was sie hätte sagen können:</p><p>&#8222;žSolange Heimat da ist, spürt man sie kaum. Wie gute Luft, die man atmet und für selbstverständlich hält. Erst wenn beides fehlt, erkennt man ihren Wert. Dann schmerzt die Lunge von Kneipenqualm und die Seele von Heimatverlust.&#8220;</p><p>Ach was, die Seele schmerzt. Das hat so viel &#8211; Tiefgang. Die Mutter meiner Exfreundin war, denke ich, sehr unglücklich. Verachtet von ihren Töchtern, weil leicht aus der Fassung zu bringen, engstirnig und verbohrt, von ihrem Mann, den sie hasste, auf die gleiche Weise zurückgehasst, gab es nicht viel, woran sie sich festhalten konnte. Und dieses &#8222;nicht viel&#8220; ist ihr alles geworden. Zugeschissene Hügel, ein bisschen Ringelreihen, ein paar Kässpätzle und der sonntägliche Kirchgang.</p><p>Es gibt kein Konzept für Heimat. Was Heimat ist, hat bisher noch keiner erklären können. Vielleicht wird es deswegen immer so unansehnlich, wenn die Deutschen anfangen, Heimatliebe zu empfinden. Normalerweise passiert das ja nur, wenn eine Weltmeisterschaft im Land ist. Dann holen alle ihre schwarz-rot-goldenen Fahnen aus dem Keller und spielen Party. Unverkrampfter Patriotismus nennt das Feuilleton sowas. Besoffener Nationalismus stimmt auch.</p><p>Es hat etwas tragikomisches, dass ausgerechnet den Deutschen mit ihrer &#8222;žHeimat&#8220; alle Gründungsmythen kaputt gegangen sind. Die anderen haben Revolution, Unabhängigkeitstage, Weltkriegssiege, die Deutschen müssen einen albernen Weltmeistertitel zur Weltsensation aufblasen.</p><p>Deswegen hat Der Spiegel, früher einmal Sturmgeschütz der Demokratie, inzwischen Konfettikanone des Spaßkonservatismus, versucht, Hermann den Cherusker zum Deutschen umzuschreiben. Damit man was hat, worauf man stolz sein kann. &#8222;žDie Geburt der Deutschen&#8220; hieß der Spiegeltitel, im Artikel wurde die Enthaltsamkeit und die Ehetreue der Germanen gepriesen und die Römer verteufelt, die Germanien romanisieren und einem Rechtssystem unterwerfen wollten. Hermann trat ins Feld und rettete Deutschland.  &#8222;žOhne ihn gäbe es heute vielleicht weder Currywurst noch Saumagen,&#8220; meint der Spiegel. Gott weiß, ich will kein Deutscher sein.</p><p>Seele, Currywurst, Trachtenverein: Ein Heimatgefühl ist im Grunde eine bessere Dorfkneipe. Es ist ein dem Deutschen typisches Tresenbedürfnis. Heimatliebe, das ist etwas für Leute, die sich Alkoholismus nicht zutrauen.</p><p>Inzwischen lebe ich in Neukölln, am Richardplatz, hier gibt es viele Eckkneipen. Die Nachbarin gegenüber beschimpft ihren Mann gerade als huju, das heißt Wichser, mehr verstehe ich nicht. Der algerische Papa sitzt einen Balkon tiefer und raucht seine Tüte. Jemand schreit auf Türkisch in sein Telefon. Die lettische Oma im Untergeschoss gießt ihre Blumen auf dem Hinterhof.</p><p>Nein, Heimat ist das hier nicht. Aber es fühlt sich wie zu Hause an.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/10/29/heimat/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>47</slash:comments> </item> <item><title>Punk Dead II</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/07/21/punk-dead-ii/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/07/21/punk-dead-ii/#comments</comments> <pubDate>Tue, 21 Jul 2009 10:56:00 +0000</pubDate> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=20091</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/07/punkII.jpg" /><p><a
class="license-cc" href="http://www.flickr.com/photos/glauser/377795976/"><span
class="text">Stephen Glauser</span></a></p></div></p><p><small><a
href="http://www.spreeblick.com/2009/06/03/punk-dead/">Der 1. Teil ist hier</a></small></p><p>Wir waren damals in jener Übergangsphase, die nur Landkinder erleben: Wir luden uns nicht mehr abends gegenseitig in unsere Käffer, unsere Elternhäuser ein, um zusammen in einem der Kinderzimmer zu schlafen, nachdem wir einen Nachmittag lang gemeinsam Hausaufgaben gemacht, Fußball gespielt und die Simpsons gesehen hatten. Aber wir hatten noch nicht damit begonnen, wilde Sturmfrei-Partys zu feiern. Meistens sahen wir uns nachmittags, während der Mittagspause oder weil wir sonst &#8222;in der Stadt&#8220; blieben, saßen herum und spielten rauchen.</p><p>Anders wurde es irgendwann in der siebten Klasse. Unser aller erste Party. Bei einem Lehrerkind. Sie hieß Marie, und wir dachten alle, dass sie Jochen sehr gerne mögen musste, denn ihm hatte sie zu allererst von der Party erzählt, blutdurchströmt zwar, aber immerhin. Okay, nachdem sie ihren Freundinnen davon erzählt hatte. Und nachdem ihre Freundinnen davon die gesamte Stufe in Kenntnis gesetzt hatten. Aber immerhin.</p><p>Wir waren alle eingeladen und bereiteten uns minutiös vor auf diese Party, oder, wie manche, die man dann am liebsten wieder ausgeladen hätte, es nannten: auf dieses &#8222;Feschdle&#8220;. Wir eruierten, wer auf wen stehen könnte, wer wen nicht mochte, wie man das denn macht mit sich gegenseitig ansprechen, und allein bei der Vorstellung, irgendjemand könnte was langsames auflegen, schwitzten uns die Hände so sehr, dass wir unsere Kakao-Flaschen aus der Hand legen mussten. Wir brannten CDs, wo Ärzte auf Wighfield oder wie die noch hieß folgten, man hätte aus der ganzen Geschichte auch eine Trash-90er-Musikstrecke machen können. Cotton Eye Joe, um Himmels Willen. Wenn da nicht Jochen gewesen wäre.</p><p><object
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/> &#8222;Wieviel Uhr isn&#8220;, fragte Jochen.<br
/> &#8222;Fast acht.&#8220;<br
/> &#8222;Und wann fahrn wir?&#8220;<br
/> &#8222;Inner halben Stunde.&#8220;<br
/> &#8222;Gut. Ich zeigs euch, wenn wir losgefahren sind.&#8220;</p><p><object
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isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=19896</guid> <description><![CDATA[<p><div
class="labeledImage "><img
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class="text">CoreForce</span></a></p></div></p><p>Ohne diesen Schmerz fehlt mir etwas. Eine latente Sehnenscheidenentzündung an der rechten Hand ist Verwirklichung meines virtuellen Daseins im Körperlichen. Irgendein Mobile Device muss quasi permanent in meinen Fingern liegen, egal was ich sonst treibe. Ständige Kommunikationsbereitschaft, die Synapsen einhändig an den Funkpuls des Internets binden.</p><p>Doch kürzlich blieb der Puls aus.</p><p>Vor einigen Tagen war ich offline. Nicht, weil ich es kann. Nein, es gab schlicht kein Netz, nirgends. Noch nicht einmal Mobilfunk. In keinem der mir zu dieser Zeit theoretisch verfügbaren drei Handynetze.<br
/> Ich meine, für ein wenig WWW-Konsum nehme ich auch die quälend langen Wartezeiten einer GPRS-Verbindung auf mich, diese wunderbare Tortur einer sich minutenlang aufbauenden Seite, die kurz vor ihrer Lesbarkeit wieder zusammenbricht. Das Glück, wenn ich nach einer Viertelstunde doch irgendeine Information aus der Onlinewelt auf den rund sechs mal sechs Zentimetern Display (&#8222;žBildschirm&#8220; neigte ich in einem Moment völliger Verklärung zu schreiben) meiner tragbaren Telekommunikationseinheit erhasche, ist allemal befriedigender als die Überschüttung mit Daten durchs Breitband.<br
/> Ich leide gern für den Kick eines Tweets.</p><p>Aber Leid ohne Erlösung? Bitte nicht! Offlinezwang ist die Hölle. Kein zittriger Griff zum Handy, warum auch. Es ist keine Information mehr auf gewohntem Wege aufzusaugen. Der Laptop ist nicht mehr als eine Schreibmaschine, abgesehen davon, das er besser wärmt. Nur an Heizung mangelt es auch in diesem Sommer nicht.<br
/> Ich müsste irgendwie aktiv werden, so ohne Konsum virtueller Information. Ich bekomme Panik.</p><p>Ich treibe das Handy auf die Netzsuche, bis all das vergebliche Einklinken in eine nichtexistierende Funkzelle den Akku sterben lässt. Schnell ans Ladegerät! Das immerhin habe ich bei mir und Elektrizität gibt es in diesem Landstrich am Rande der bewohnten Welt. Aber, ach! Wieso soll ich, der ich immer drauf bin, dessen gewahr sein, dass ein wiedereinzuschaltendes Mobiltelefon die Eingabe eines PIN-Codes verlangt?</p><p>Ich habe so eine Ahnung von den benötigten vier Ziffern. Bei der ersten bin ich mir sogar sicher. Bleiben noch drei, deren Reihenfolge mir nicht in den Kopf kommen will.<br
/> Drei Versuche, die PIN einzugeben, drei Ziffern in unbekannter Reihung. Das müsste klappen.<br
/> X123. Falsch.<br
/> X132. Falsch.<br
/> X213. Over and out.<br
/> Das es mehr als drei Kombinationsmöglichkeiten bei drei Ziffern gibt, ich wollte es nicht wahrhaben. Jetzt benötige ich die PUK-Nummer und die ist 700 Kilometer weit weg in der großen Stadt. Egal, wo ich nun hinkommen werde, ganz gleich, wie viel Wellen mich ins Web tragen könnten, ich habe mich bis zur Heimkehr ausgesperrt.</p><p>Drei Tage ohne Virtualität. Still weine ich das tränenfreie Weinen des Hoffnungslosen. Ich spüre schon keinen Schmerz mehr in der Hand. Ich spüre gar nichts mehr. Ich bin raus. Mitten im Analogen. Wo Grillen zirpen, Blumen duften, echte Menschen mit mir beim Spazieren auf Feldwegen reden. Unerträglich.</p><p>Wenn ich das nächste Mal in den Schwarzwald fahre, nehme ich ein Satellitentelefon und einen Dieselaggregat mit.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/07/15/funkloch-2/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>19</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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