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><channel><title>Spreeblick &#187; This Is Not A Movie</title> <atom:link href="http://www.spreeblick.com/category/this-is-not-a-movie/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.spreeblick.com</link> <description>I live by the river!</description> <lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 21:57:54 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator> <item><title>Popsplits: Plan B</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/07/23/popsplits-plan-b/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/07/23/popsplits-plan-b/#comments</comments> <pubDate>Thu, 23 Jul 2009 15:36:40 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=20232</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/07/Bild-331.png" filter="full" /></p><p>Ach, Nostalgie, du süßes Ding. Vor einem Jahr, als ich mein Haar noch übersichtlich trug und Makeup etwas bewirken konnte, lud mich der RBB ein, gemeinsam mit anderen Damen und Herren für die Serie <a
href="http://www.youtube.com/results?search_query=popsplits&#038;search_type=&#038;aq=f">Popsplits</a> etwas aus der Vergangenheit meiner früheren Band Plan B zu erzählen. Nach dem Klick kommt der Clip für alle, die ihn im <a
href="http://www.spreeblick.com/2008/05/20/im-test-tv-kurzer-hype-oder-dienst-mit-mehrwert/">Fernsehen</a> verpasst haben.</p><p><object
width="480" height="385"><param
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href="http://www.spreeblick.com/category/this-is-not-a-movie/">&#8222;This is not a movie&#8220;</a>.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/07/23/popsplits-plan-b/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>92</slash:comments> </item> <item><title>Interview mit Rian Hughes bei MyFonts</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/04/28/interview-mit-rian-hughes-bei-myfonts/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2009/04/28/interview-mit-rian-hughes-bei-myfonts/#comments</comments> <pubDate>Tue, 28 Apr 2009 09:29:36 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=17475</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2009/04/planb.jpeg" filter="full" /></p><p>Das Logo meiner alten <a
href="http://www.spreeblick.com/category/this-is-not-a-movie/">Kapelle</a> wurde 1987 von einem gewissen Rian Hughes gestaltet — einem britischen Comic-Künstler, Designer und Illustrator, den wir damals während der Aufnahmen zum ersten Major-Album &#8222;Greenhouse Effect&#8220; in London kennen und schätzen gelernt hatten.</p><p>Daher freut es mich sehr, zu sehen, dass Rian nach wie vor sehr erfolgeich und u.a. als Type-Designer arbeitet: <a
href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/200904.html">MyFonts hat ein spannendes Interview mit dem Mann</a>.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2009/04/28/interview-mit-rian-hughes-bei-myfonts/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>4</slash:comments> </item> <item><title>So spielt man &#8220;Beam me up, Scotty&#8221;</title><link>http://www.spreeblick.com/2007/02/27/so-spielt-man-beam-me-up-scotty/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2007/02/27/so-spielt-man-beam-me-up-scotty/#comments</comments> <pubDate>Tue, 27 Feb 2007 10:23:11 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/2007/02/27/so-spielt-man-beam-me-up-scotty/</guid> <description><![CDATA[<p><img
src='http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2007/02/scotty.jpg' alt='beam me up scotty' /></p><p>In der Serie &#8222;Blogeinträge, die nur eine einzige Person interessieren&#8220; heute ein Eintrag für <a
href="http://www.rammblog.de/">AndI</a>. Der hatte mich nämlich per Mail gefragt, wie man den alten Plan-B-Song &#8222;Beam me up, Scotty&#8220; auf der Gitarre spielt, und da ich keine Noten kann, zeig ich&#8217;s ihm einfach per Video.</p><p><object
width="425" height="350"><param
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/> <small><a
href="http://www.youtube.com/watch?v=o733F_uYPwU">Direkt</a></small></p><p>Mit etwas Glück und ganz viel Hall klingt das dann <a
href="http://spreeblick.com/sounds/mitvielhall.mp3">so</a>.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2007/02/27/so-spielt-man-beam-me-up-scotty/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>49</slash:comments> <enclosure
url="http://spreeblick.com/sounds/mitvielhall.mp3" length="5219569" type="audio/mpeg" /> </item> <item><title>Moskau, Moskau! &#8211; Teil 4</title><link>http://www.spreeblick.com/2006/12/20/moskau-moskau-teil-4/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2006/12/20/moskau-moskau-teil-4/#comments</comments> <pubDate>Wed, 20 Dec 2006 14:17:22 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/2006/12/20/moskau-moskau-teil-4/</guid> <description><![CDATA[<p><img
id="image4261" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2006/12/moscow4.jpg" alt="moscow" /><br
/> <small><a
href="http://flickr.com/photos/davidorban/328070441/">Foto</a> © <a
href="http://flickr.com/photos/davidorban/">David Orban</a></small></p><p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p><em>(Der vierte und letzte Teil. Hier sind <a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/06/moskau-moskau-teil-1/">eins</a>, <a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/12/moskau-moskau-teil-2/">zwei</a> und <a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/18/moskau-moskau-teil-3/">drei</a>.)</em></p><p>Es entbehrt einer gewissen Komik nicht, wenn man in einem Moskauer Hinterzimmer zwischen einem Haufen komplett breiter Russen steht und zwei abartig dekorierte Polizisten in Diskussion mit einem Hitler-Doppelgänger beobachtet. Und sich dabei nicht einmal am Set eines Detlev-Buck-Films befindet.</p><p>Unsere Delegation vom <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=daPov16MCpA">Safe European Home</a> sorgte sich erneut zutiefst. Vermittelnd wollten wir mittels Lichterketten und (pazifistischer) Spontan-Demos eingreifen, doch unsere Gastgeber beruhigten uns. Das Prozedere sei lange geprobt und laufe wie folgt ab:</p><p>Einer der Gäste werde sich verhaften lassen, die Nacht im Gefängnis verbringen und sich am nächsten Tag wieder auf freiem Fuß befinden. Es ginge nur noch darum, wer mitgehen müsse. Adolf war wohl schon beim letzten Mal dran, also fiel die Wahl auf jemanden anderes.</p><p>Nach Abzug der Miliz nebst auserkorenem Märtyrer konnte die Party also wie gehabt weitergehen als wäre nichts passiert. Wieder was gelernt.</p><p>Ich hatte bisher unerwähnt gelassen, dass wir eine Videokamera (eines dieser damals extrem professionell aussehenden, da sehr groß daherkommenden VHS-Geräte) dabei hatten und jede noch so unglaubliche Begebenheit unseres Trips dokumentierten. Erstaunlicherweise ließ sich die Miliz davon überhaupt nicht beeindrucken und untersagte das Filmen auch nicht. Umso besser. Dachten wir. Das nächste Plan-B-Video war also quasi im Kasten. Wir würden als Helden in die deutsche Rockgeschichte eingehen, who the fuck waren die Scorpions?</p><p>Gegen Mitternacht stellte sich langsam die Frage nach den Transportmitteln für die Heimreise, denn das Hotel lag am direkt entgegengesetzten Stadtrand. Taxis waren in Moskau vorhanden, solange man sie rechtzeitig bestellte &#8211; also ein paar Stunden vor Abfahrt. Und so trafen irgendwann zwischen zwei und drei Uhr nachts mehrere Wagen ein, die uns zurückbringen sollten. Alles problemlos.</p><p>Die Passagiere jedoch in die Wagen zu bekommen erwies sich als größere Herausforderung. Verabschiedungszeremonien wurden durch vermutete Alkoholvergiftungen nicht kürzer, und der Adressenaustausch mit neu gefundenen Freunden (merkwürdigerweise kann ich mich übrigens überhaupt nicht an anwesende Frauen erinnern, Mist!) nahm durch verschiedene Arten zu schreiben durchaus sensible Züge an. Zudem war ich, was mir erst bei der bevorstehenden Abfahrt störend auffiel, als einzige Person halbwegs nüchtern, was dazu führte, dass ich mich plötzlich in der Rolle des Reiseleiters wiederfand. Spaß machte das nicht. Personen, die ich eben noch mit viel Geduld, gutem Zureden und dem ein oder anderen Tritt auf die Rückbank eines Ladas verfrachtet hatte, standen plötzlich wieder in der Eingangstür unseres Partykellers, um sich ein siebtes Mal zu verabschieden. Ich war genervt, schlecht gelaunt, müde und, ich erwähnte es schon, nüchtern. Ganz schlechte Kombination.</p><p>Nach etwa einer Stunde war es jedoch geschafft. Alle Russen und alle Deutschen hatten einen Wagen gefunden.</p><p>Alle.</p><p>Außer ich.</p><p>Ich war die ganze Zeit der festen Überzeugung, dass sich noch mehrere Personen im Raum befanden.</p><p>Falsch.</p><p>Ich war ebenso sicher, dass in wenigen Minuten ein weiteres Taxi eintreffen würde.</p><p>Auch falsch.</p><p>Ich stand um zirka vier Uhr morgens völlig allein vor der von irgendjemandem verschlossenen Tür der Motto-Party &#8222;Zonenrandgebiet&#8220; in Moskau. Es schneite. Ich fror. Ich sah aus wie ein steinreicher Tourist und fühlte mich wie Oliver Twist, nur ohne Weihnachten. Und ich verspürte etwas. Etwas, das sich im Lauf der nächsten Stunden als &#8222;Angst&#8220; entpuppen sollte.</p><p>Kurz zog ich in Erwägung mir ein Schild mit der Aufschrift &#8222;Bitte überfallen sie mich&#8220; zu  basteln, um den bevorstehenden Prozess zu beschleunigen, entschied mich dann aber doch für einen Fußweg in Richtung&#8230; links lang.</p><p>Links lang kam irgendwann eine Art Schnellstraße. Keine Autobahn, aber eine größere Straße. Keine Autos weit und breit, aber immerhin schwache Beleuchtung durch vereinzelte Laternen. Ich bewunderte die Buchstabenkunst auf den richtungsweisenden Schildern und überlegte: Sollte ich lieber in Richtung &#8222;KZAHMABSV&#8220; oder nach &#8222;YUZGBLKB&#8220; laufen? Keine leichte Entscheidung um diese Uhrzeit!</p><p>In der Jackentasche umklammerte meine Hand meine letzte Hoffnung: Den Zettel mit der kyrillisch geschriebenen Adresse unseres Hotels. Möglichen Raubmördern würde ich diesen Zettel vorweisen mit der Bitte, die Überbleibsel meines Körper dort abzuliefern.</p><p>Keine Ahnung, wie lange ich versuchte mich an die genauen Inhalte des &#8222;Donald Ducks Pfadfinder-Tricks&#8220;-Taschenbuch aus meiner Kindheit zu erinnern, aber ich weiß, dass ich mich inzwischen wirklich, wirklich um mich sorgte. Es gab kein Handy, ich sprach kein Wort Russisch, ich konnte nicht einmal die verdammten Schilder lesen.</p><p>Hatte ich erwähnt, dass ich fror?</p><p>Zwei Scheinwerfer am anderen Ende der Straße! Ein Bus!!<br
/> Da ich mittlerweile ohnehin davon ausging, dass ich mich in einem Film befand, agierte ich entsprechend. Ich stellte mich mitten auf die Fahrbahn, tat so, als wäre ich ein Fluglotse und ging davon aus, dass selbst Russen keine frierenden Touristen überfahren.</p><p>Der Bus, der vor mir hielt, war bis auf den Fahrer völlig leer. Er öffnete die Tür und ich zeigte ihm meine Fahrkarte, die Adresse des Hotels. Wortlos wies er mir den Platz direkt hinter ihm zu und fuhr los. Die Wärme sowie die Anwesenheit einer anderen Person ließen mich etwas entspannen, selbst wenn meine Versuche, mit dem Fahrer zu sprechen, sowohl erfolglos als auch unbeantwortet blieben.</p><p>Alle paar hundert Meter hielt der Bus nun an um einen, manchmal zwei ausnahmslos männliche Fahrgäste aufzunehmen. Diese warfen mir beim Einsteigen einen kurzen, vielleicht sogar verwunderten Blick zu und setzten sich hin. Zwar füllte sich der Wagen immer weiter, doch blieb es in den Sitzreihen völlig stumm. Keine Gespräche, kein Lachen, nur selten und sehr leise eine Begrüßung. Also doch ein Film. Deutsch-russische Koproduktion vermutlich, Kategorie &#8222;Drama&#8220;, sechs Anspruchspunkte, kein einziger bei &#8222;Unterhaltung&#8220; und &#8222;Erotik&#8220;.</p><p>Inzwischen war der Bus fast voll besetzt und mir war aufgefallen, dass wir mehr oder weniger im Kreis fuhren. Nun aber änderte sich die Fahrtrichtung und wir hielten auch nicht mehr an bis wir an einem großen Fabriktor angekommen waren, das wir passierten.</p><p>Jetzt war mir alles klar: Der Bus hatte Arbeiter eingesammelt, die er nun in der Hölle der Zwangsmaloche ablieferte. Und ich war der Neue. Wieviel würde der Fahrer wohl für mich bekommen? Eine Kiste Wodka? Dreißig Glasperlen? Als sich die Arbeiter im Hof der Fabrik (Waffen, garantiert!) zum Aussteigen von ihren Sitzen erhoben, begab ich mich wie selbstverständlich ebenfalls zum Ausgang.</p><p>Ich grinse darüber heute beim Schreiben dieser Zeilen, aber ich hatte damals wirkliche Angst. Ich war sicher, dass ich mich auf dem Weg in ein Arbeitslager befand. Niemand konnte wissen, wo ich war, niemand würde mich finden und ich hatte nicht einmal eine Nagelfeile dabei. Um die Gitterstäbe nach acht Jahren mühevoller Nachtaktivitäten endlich durchbrochen zu haben.</p><p>Kurz vor dem Ausstieg hielt mich der Busfahrer am Ärmel fest. Ich sollte mich wieder hinsetzen. Klar. Erst zur Registrierung vermutlich.</p><p>Stattdessen setzte er seine Fahrt wieder fort. Weg vom Hof der Hölle, hindurch durch das Tor des Terrors, zurück auf die Straße. Und er fuhr. Und fuhr. Wortlos.</p><p>Langsam begann die Umgebung städtische Formen anzunehmen, wir bewegten uns ganz offensichtlich in Richtung Zentrum. Der Bus, besetzt mit dem Fahrer und einem völlig übermüdeten Jungen aus Deutschland (West) hielt nach einer weiteren halben Stunde vor einem großen Hotel. Die Türen öffneten sich und der Fahrer deutete an, dass ich mit ihm aussteigen solle.</p><p>Er führte mich zu einem Taxistand und begann einen Plausch mit einem der wartenden Fahrer. Kein hämisches Lachen war zu hören, nur ein sachliches Gespräch, vielleicht der ein oder andere Satz zum Wetter. Wie spät war es? Sechs Uhr? Es war noch immer dunkel, doch ich konnte den nahenden Morgen schon riechen.</p><p>In endloser Dankbarkeit und begleitet von gefühlten dreitausend &#8222;Spassiba&#8220; meinerseits schüttelte ich dem gelassen abwinkendem Mann die Hand. Die Hilfsbereitschaft dieses Busfahrers, sein unaufgeregtes und zielstrebiges Vorgehen beschämte mich. Hatte ich in meinem Leben schonmal ein, zwei Stunden meiner Zeit einem verlorenen Fremdsprachler gewidmet? Hatte ich überhaupt schonmal jemandem mit soviel Aufwand geholfen? Nee.</p><p>Erleichtert stieg ich in das Taxi, zeigte meinen Zettel vor und ließ mich in unser Hotel fahren. Mein neuer Fahrer erwies sich als sehr viel gesprächiger als der vorhergehende und er freute sich außerdem so sehr darüber, dass ich aus Deutschland kam, dass er mir auf seinem zwischen den Vordersitzen eingeklemmten Kofferradio mit Kassettenspieler in vollster Lautstärke Modern Talking vorplärrte, nicht nur seine Lieblingsband, sondern schließlich auch aus Deutschland! Lächelnd sang ich mit ihm.</p><p>Auch wenn ich nicht viel dazu beigetragen hatte: Mein pures Überleben machte mich zum Helden. Fand ich wenigstens. Man hatte mich bestimmt schon gesucht. Meinen Eltern, der Polizei, der deutschen Botschaft sowie der Bundeswehr konnte Entwarnung gegeben werden. Ich war sicher, dass mich der Rest unserer Reisegruppe unter Tränen und sichtlich erleichtert auf der komplett von uns belegten Hotel-Etage empfangen würde.</p><p>Die Tränen waren tatsächlich vorhanden, als ich die Etage erreichte, denn die Bande konnte sich vor Lachen kaum noch halten. Hatten sie doch gerade die weiß-ich-wie-vielte Runde &#8222;Hotelbowling&#8220; begonnen, bei der es darum ging, durch gezielten Wurf des schweren Hotelschlüsselbundes quer über den Flur die zuvor aufgestellten leeren Flaschen zu treffen. Das darauf folgende Geräusch war offenbar laut genug um selbst die völlig zugesoffenen Gehörgänge der deutschen Touristen zu belustigen.</p><p>Dass ich in den vergangenen Stunden nicht vor Ort gewesen war hatte niemand bemerkt. Und meine selbstmitleidige Geschichte wollte auch keiner hören. Hier war gerade Spaß angesagt. Und ob ich nicht auch mal werfen wolle.</p><p>Freunde fürs Leben. Immer gut, wenn man sich auf jemanden verlassen kann. Ich war nur etwa drei Jahre lang beleidigt, danach sprach ich auch wieder mit meinen Band-Kollegen.</p><p>Nach, wenn überhaupt, nur wenig Schlaf begannen wir ein paar Stunden später die Abreise und es war wohl niemand so froh wieder nach Hause zu fliegen wie ich.</p><p>Beim Check-In überraschte die kontrollierende Polizei mit dem zielsicheren Aussortieren aller Videokassetten, das klirrende Geräusch aus der Reisetasche unseres Bassisten kam von den zerborstenen Wodka-Flaschen, deren Inhalt sich damit über seine gesamten Klamotten ergoss und während des Rückflugs kündigte die Stewardess nach einigen vergeblichen Bemühungen, die immer noch sehr verstrahlte Reisegruppe zu etwas Anstand zu bewegen, ihren Job. Fristlos.</p><p>Ich besitze kein einziges Foto von diesem Trip, und für die einbehaltenen Videokassetten würde ich viel Geld bezahlen. Und ich würde diese Geschichte nicht glauben, hätte ich sie nicht selbst erlebt.</p><p><em>(Und wenn das hier jemand liest, der dabei war: Habt ihr Korrekturen, Ergänzungen, Bilder? Irgendwas?)</em></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2006/12/20/moskau-moskau-teil-4/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>40</slash:comments> </item> <item><title>Moskau, Moskau! &#8211; Teil 3</title><link>http://www.spreeblick.com/2006/12/18/moskau-moskau-teil-3/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2006/12/18/moskau-moskau-teil-3/#comments</comments> <pubDate>Mon, 18 Dec 2006 16:19:13 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/2006/12/18/moskau-moskau-teil-3/</guid> <description><![CDATA[<p><img
id="image4249" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2006/12/moskau3.jpg" alt="moskau" /><br
/> <small><a
href="http://flickr.com/photos/barthelomaus/98188579/">Foto</a> © <a
href="http://flickr.com/photos/barthelomaus/">borya</a></small></p><p><a
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src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
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/> <a
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src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p><em>(<a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/06/moskau-moskau-teil-1/">Teil 1</a>, <a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/12/moskau-moskau-teil-2/">Teil 2</a>)</em></p><p>Wir wussten nichts über den Auftrittsort oder das Publikum, als wir uns am späten Nachmittag zum anderen Ende der Stadt aufmachten. Wir waren also auf alles gefasst. Nur nicht darauf, dass uns Adolf Hitler empfangen würde.</p><p>Uniform, Hakenkreuz-Armbinde, Stiefel, schwarzer Seitenscheitel, Popelbremse.</p><p>&#8222;Ah, you the band from Germany! You play metal?&#8220;</p><p>Gut zu wissen, wo der Kerl sich die ganzen Jahre versteckt hatte. Ich nahm mir vor bei der nächsten Gelegenheit, falls ich eine bekomme sollte, was ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr glaubte, die internationalen Behörden zu informieren.</p><p>Der etwa 20-Jährige, der offensichtlich am &#8222;Geschmacklosestes Kostüm&#8220;-Wettbewerb teilnahm und extrem gute Chancen auf die ersten zehn Plätze hatte, führte uns in die Halle, in der es passieren sollte. In den Saal, in dem sich &#8222;Plan B in Moskau&#8220; manifestieren würde, direkt zur Geburtsstätte einer geografische und politische Grenzen sprengenden musikalischen Revolution.</p><p>Kurz, er führte uns in den Hinterraum einer sozialen Begegnungsstätte. Wer schon einmal den Clubraum eines Schützenvereins oder das Versammlungszimmer einer Jugendeinrichtung gesehen hat: So.</p><p>Ja, wir waren enttäuscht. Das war aber nicht das Schlimmste. Etwa ein Dutzend junger Menschen war trotz früher Stunde bereits versammelt, gut die Hälfte von ihnen war mit Nazi-Emblemen ausgestattet. Hakenkreuze überall, rot-weiß-schwarze Armbinden, strenge Kleidung. &#8222;Eine Falle!&#8220;, schoss es mir durch den Kopf.</p><p>Einer der Jungs muss unseren Angstschweiß gerochen haben. Alles halb so wild, versicherte er. Das sei eben Punk in Moskau. Der letzte Schrei. Das nächste große Ding. Das einzige, mit dem man die <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Miliz">Milizija</a> noch richtig schön verwirren und ärgern könne.</p><p>Na gut. Dann also im Stechschritt zur Bühne.</p><p>Auf eben jener war schon die Anlage aufgebaut. Ein selbstgebasteltes Schlagzeug, das aus allem zu bestehen schien, was man direkt vor der Tür gefunden hatte sowie zwei oder drei Radios, die als Gitarrenverstärker fungieren sollten. Der Begriff &#8222;Soundcheck&#8220; bekam eine völlig neue Dimension. Und so ersparten wir uns selbigen.</p><p>Das alles klingt hier viel undankbarer, als es gemeint ist, denn natürlich waren sowohl Technik als auch Auftrittsort in Wahrheit völlig egal und schließlich hatten wir nichts erwartet. Nur war eben alles noch einmal komplett anders, als wir es nicht erwartet hatten.</p><p>Der Abend nahm mit nettem Kennenlernen und versuchten Kommunikationsprozessen in deutscher, russischer und englischer Sprache seinen Lauf. Während sich die Punks, Metalfreaks und Hippies in der einen Ecke des Raums ausbreiteten, nahmen die gesetzteren Hochzeitsgäste &#8211; Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und ihre direkten und indirekten Angehörigen in bester Hochzeitsausstattung &#8211; in der anderen Platz. Keine der schon rein optisch doch recht unterschiedlichen Generationen schien die Anwesenheit der anderen zu stören, im Gegenteil. Schnell vermischten sich alle Gäste und die mitgebrachten Flüssigkeiten machten die Runde. Ich vermutete nach einem kleinen Schluck, dass es sich bei diesen Flüssigkeiten um reinen Alkohol handelte und dass ich lieber die Finger davon lassen sollte. Beides erwies sich im Lauf des Abends als richtig.</p><p>Vor unserem großen Auftritt spielte eine lokale &#8222;Heavy-Metal-Band&#8220; (Selbstbeschreibung), die eher harmlosen Rock der Marke BAP machten und witzigerweise auch so klangen &#8211; ihr Russisch machte in meinen Ohren kaum einen Unterschied zu Kölsch. Die Jungs waren mit Herzblut dabei und der Support aller Anwesenden inklusive der Reisegruppe aus Deutschland war ihnen sicher.</p><p>Irgendwann betraten dann auch wir endlich die Bühne, eine kleine Erhebung inmitten der Feierstätte. Da inzwischen nicht nur Flaschen, sondern auch jede Menge weißes Pulver von nicht weiter erläuterter Herkunft (ein Waschmittelhersteller ist noch heute meine Vermutung) die Runde gemacht hatten, war die Stimmung auf einer Ebene angekommen, die man zurückblickend je nach persönlicher Lebenseinstellung als Hoch- oder Tiefpunkt bezeichnen könnte.</p><p>Wir begannen (man beachte die Dramaturgie im wochenlang sorgsam vorbereiteten Set!) mit Thin Lizzys &#8222;Boys Are Back In Town&#8220; und nach etwa zweieinhalb Sekunden hatte uns der Saal im Griff. Neben mir kniete ein junger Punkrocker auf dem Boden und hörte nicht auf, an meiner Gitarre zu lecken, das &#8222;Schlagzeug&#8220; war derart im Raum verteilt worden, dass unser Drummer größte Mühe hatte etwas trommelartiges aufzutreiben und irgendjemand, der später einmal Tontechniker werden wollte, kurbelte konstant an allen Verstärkern herum.</p><p>Es war das reinste Chaos, eine freundliche Saalschlacht, Anarchie. Und es war großartig. Es dauerte ein paar Minuten, bis die unsicheren Blicke, die wir uns als Band gegenseitig zuwarfen, zu breitem und ungläubigen Grinsen wurden, doch nachdem es passiert war, tauchten wir ein in die russische Art zu feiern.</p><p>Wir schafften etwa zwei, drei Stücke und auch davon nur das jeweils erste Drittel.</p><p>Dann stand die Miliz im Raum.</p><p><em><a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/20/moskau-moskau-teil-4/">(Hier entlang zum vierten und letzten Teil&#8230;)</a></em></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2006/12/18/moskau-moskau-teil-3/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>16</slash:comments> </item> <item><title>Moskau, Moskau! &#8211; Teil 2</title><link>http://www.spreeblick.com/2006/12/12/moskau-moskau-teil-2/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2006/12/12/moskau-moskau-teil-2/#comments</comments> <pubDate>Tue, 12 Dec 2006 15:40:51 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/2006/12/12/moskau-moskau-teil-2/</guid> <description><![CDATA[<p><img
id="image4224" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2006/12/moskau2.jpg" alt="moskau" /><br
/> <small><a
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href="http://www.flickr.com/photos/barthelomaus/">Borya</a></small></p><p><a
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src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
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/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p><em><a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/06/moskau-moskau-teil-1/">(Der erste Teil befindet sich hier)</a></em></p><p>Eine Gruppe von zehn, zwölf Leuten müssen wir gewesen sein. Alle sofort als Westler zu erkennen, unterwegs in der klirrenden Kälte, auf der Suche nach einer &#8222;Kneipe oder so&#8220;. Wie blöd muss man eigentlich sein?</p><p>Verglichen mit der Gegend, durch die wir spazierten, war Shanghai ein einziges Naherholungsgebiet. Kein Mensch auf der Straße, Plattenbau-Wohnsilos. Wie spät war es? Halb elf, halb zwölf? Auffallend: Die Menge an geparkten Wagen der Marke Mercedes.</p><p>Einen davon hielt plötzlich ein mitgereister Freund der Band in den Händen. Einen Teil davon. Den Stern.</p><p>&#8222;Bist du eigentlich völlig bekloppt? Du hast nicht etwa mitten in der Moskauer Pampa einen Mercedes-Stern abgebrochen?&#8220;</p><p>&#8222;Wieso denn nicht, mach ich in Berlin doch auch!&#8220;</p><p>Kindergarten. Klassenreise. Jugendausflug. Wir waren alle komplett überdreht, aufgeregt, nervös, gespannt.</p><p>Während wir weiter durstend durch die Betonwüste zurück in Richtung Hotel schlichen, teilte sich unsere Gruppe in drei, vier kleinere Gesprächsrunden auf. Mit etwas Abstand vorne weg: Unsere beiden Vorzeige-Muskelpakete (zu denen ich, wie man sich denken kann, nicht gehörte), die im Falle der höchst unwahrscheinlichen Entdeckung einer Trinkhalle als erste den Zapfhahn erreichen wollten.</p><p>Mit einem Abstand von etwa 20 Metern konnten wir sehen, dass die beiden Gesprächspartner gefunden hatten. Drei Jungs waren aus einem Hauseingang hervorgetreten und redeten mit unseren Kumpels. Plötzlich ein kurzes, harmlos aussehendes Handgemenge, dann stoben die Russen in eine Seitenstraße davon.</p><p>Der Rest von uns war inzwischen ohne größere Aufregung bei den beiden anderen angekommen.</p><p>&#8222;Was war&#8217;n los?&#8220;</p><p>&#8222;Der eine von den Knirpsen hat ein Messer gezogen.&#8220;</p><p>&#8222;Und was habt ihr gemacht?&#8220;</p><p>&#8222;Wir haben&#8217;s ihm weggenommen.&#8220;</p><p>&#8222;Und wo sind die drei jetzt?&#8220;</p><p>&#8222;Keine Ahnung. Vielleicht holen sie Verstärkung?&#8220;</p><p>&#8222;Dann sollten wir hier vielleicht nicht weiter rumstehen, oder?&#8220;</p><p>Mit diesen Worten rannten wir alle zusammen los. Aufgestachelt durch das gerade Erlebte und die eisige Luft, voller wahnsinniger Energie und Angst lachten und brüllten wir dabei wie die Irren.</p><p>Wir haben uns benommen wie Vollidioten. Und die Geschichte mit den ehemaligen Kindersoldaten in den Kanälen erwies sich als erschütternde Wahrheit, wie uns in den kommenden Tagen immer mehr Russen bestätigen sollten.</p><p>Eben diese trafen wir während des üblichen Touristenprogramms. Stadtrundfahrt mit dem Bus (viele rote Sterne), Roter Platz. Dann auch mal alleine losziehen. Meine Erinnerungen an diese Tage sind schwach, da ich hauptsächlich mit der Frage beschäftigt war, wo und wann wir denn nun spielen würden. Denn Zeit und Ort standen noch immer nicht fest, die Organisation der Veranstaltung schien schwieriger als gedacht. Fünf Tage würden wir in der Stadt sein, der Gig sollte ursprünglich am dritten stattfinden, was jedoch am zweiten abgesagt wurde.</p><p>An was ich mich erinnere:</p><p>Endlose Schlangen vor dem <a
href="http://www.zeit.de/2005/06/mcdonalds">größten McDonald&#8217;s der Welt</a> (<em>Update:</em> <a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/12/moskau-moskau-teil-2/#comment-264653">Hier muss mich meine Erinnerung trügen</a>). Das Schweigen in der U-Bahn. Unzählige scharrende Füße, das Summen und Surren der Züge, ein merkwürdiger Geruch, aber so gut wie keine Gespräche. Außerdem: Das <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Warenhaus_GUM">GUM</a>. Auch dort eine unheimliche Heimlichkeit. Tausende von gleichen Schuhen an allen Verkaufsständen, gar nicht mal hässlich, nur der Versuch welche zu kaufen scheiterte. Es gab keine halbwegs regulären Größen.</p><p>Am dritten Tag hieß es, das Konzert würde am kommenden stattfinden. Es sei alles klar. Die Hochzeitsfeier würde stattfinden.</p><p>Da wir davon ausgingen, dass kaum jemand in Moskau unsere Songs kennen würde, hatten wir Rock-Klassiker geprobt, die Stones waren dabei, The Clash, &#8222;Boys Back In Town&#8220; von Thin Lizzy, Sex Pistols&#8230; etwa ein Dutzend Stücke plus ein paar unserer eigenen wollten wir spielen.</p><p>Es war der vierte Tag unseres Trips und ich konnte noch nicht ahnen, dass wir für unseren Auftritt in Moskau nur drei der eingeübten Stücke benötigen würden. Und dass die folgende Nacht in Moskau dennoch die längste Nacht meines Lebens werden würde&#8230;</p><p><em>(<a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/18/moskau-moskau-teil-3/">Hier entlang zum dritten Teil</a>)</em></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2006/12/12/moskau-moskau-teil-2/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>26</slash:comments> </item> <item><title>&#8220;Sprachlos&#8221;</title><link>http://www.spreeblick.com/2006/12/08/sprachlos/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2006/12/08/sprachlos/#comments</comments> <pubDate>Fri, 08 Dec 2006 15:51:47 +0000</pubDate> <dc:creator>Max Winde</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/2006/12/08/sprachlos/</guid> <description><![CDATA[<p><img
src="http://spreeblick.com/wp-content/images/iw/IW2006120815461800.jpg" width="320" height="240" /></p><p>Kennt ihr die Band &#8222;Plan B&#8220;? Jep, dachte ich mir, bin ich auch zu jung für. Bei dieser Band hat damals ein Typ gesungen, der unserem guten Johnny (den ich kumpelhaft auch &#8222;Herr und Gebieter&#8220; nennen darf) alles andere als unähnlich sieht. Ein Video gibts nach dem Klick.</p><p><object
width="425" height="350"><param
name="movie" value="http://www.youtube.com/v/kjaS_ebN014"></param><param
name="wmode" value="transparent"></param><embed
src="http://www.youtube.com/v/kjaS_ebN014" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" width="425" height="350"></embed></object></p><p>Hut ab Johnny!</p><p>(Sorry, aber wegen der Mütze kommen bestimmt noch <em>einige</em> Sprüche.)</p><p>Und wer hats gefunden? Genau, der <a
href="http://www.andreas.de/wordpress/">Andreas</a>.</p><p><strong>Update von Johnny:</strong></p><p>Die Video-Version da oben ist die Variante für den amerikanischen Markt, der Regisseur war <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Longo">Robert Longo</a>, über den wir dann <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/William_Gibson">William Gibson</a> kennengelernt haben. Bei Google gibt es noch eine zweite Version des Clips, in die unser Gitarrist Hans zusätzliche Super-8-Schnipsel unserer Portugal-Tour eingebaut hatte:</p><p><embed
style="width:400px; height:326px;" id="VideoPlayback" type="application/x-shockwave-flash" src="http://video.google.com/googleplayer.swf?docId=-355364041477816528&#038;hl=en" flashvars=""></embed></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2006/12/08/sprachlos/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>54</slash:comments> </item> <item><title>Moskau, Moskau! &#8211; Teil 1</title><link>http://www.spreeblick.com/2006/12/06/moskau-moskau-teil-1/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2006/12/06/moskau-moskau-teil-1/#comments</comments> <pubDate>Wed, 06 Dec 2006 17:03:23 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/2006/12/06/moskau-moskau-teil-1/</guid> <description><![CDATA[<p><img
id="image4187" src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2006/12/moskau.jpg" alt="moskau metro" /><br
/> <small><a
href="http://www.flickr.com/photos/barthelomaus/98188477/">Foto</a> © <a
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src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
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/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p>&#8222;Bomberjacken und Jeans.&#8220; Die Russen. Schon ein komisches Völkchen. Da versuchen wir uns seit Jahren von den Ketten des Kapitals zu befreien und dann wünschen die sich &#8222;Bomberjacken und Jeans&#8220;. Sonst nichts.</p><p>Musik? Njet. Bücher? No, thank you very much, no.</p><p>Zur Verteidigung der kommunistischen Jugend muss hinzugefügt werden: Es begab sich vor langer Zeit, nämlich im Jahr 1987, als ich diese Wünsche stellvertretend für die Ostjugend von einer befreundeten Berliner Journalistin zu Hören bekam. Und sie musste es wissen, denn erstens war sie schon oft in der damaligen Sowjetunion gewesen, zweitens stand ihre Vermählung mit einem russischen Zahnarzt bevor, der gleichzeitig Vorsitzender eines Moskauer Rocker-Klubs war, und drittens hatte sie unsere damals noch bestehende kleine Kapelle sowie einige andere Freunde zu eben dieser Hochzeit eingeladen.</p><p>&#8222;<a
href="http://www.spreeblick.com/category/this-is-not-a-movie/">Plan B</a> in Moskau!&#8220;</p><p>Was für ein Satz!</p><p>Das fand auch die SPEX und ließ einen ihrer Autoren mit uns und den anderen geladenen Gästen in den Flieger steigen, der uns zu der Stadt brachte, von der aus wir nach Moskau weiterdüsen würden. Das heißt: Wir dachten, wir würden weiterdüsen. Denn während der Zubringer noch wie ein ganz normales Flugzeug aussah (sehr groß, aus Stahl, an den Flügeln etwas, das aussah wie Turbinen), nahm die zweite Maschine etwas Farbe aus unseren Gesichtern. Denn sie war viel kleiner. Und aus weniger Stahl. Und sie hatte kleine Windmühlen an den Flügeln.</p><p>Kurz nach dem Start erschloss sich auch gleich deren Funktion: Die sich schnell drehenden Rotoren sorgten dafür, dass unser Fluggerät nicht zu geradlinig flog, sondern uns stattdessen mit einem feinen Schlingerkurs bei bester Laune und vor allem wach hielt. Auch für den Wodka-Umsatz an Bord taten sie ihr bestes.</p><p>Trotz einer Flugreise kamen wir also, ausgerüstet mit unseren Gitarren (die durfte man mitnehmen, Verstärker jedoch nicht) sowie drei Koffern voller Bomberjacken und Jeans, etwas gerädert und leicht angetrunken in unserem <a
href="http://www.moskau.ru/moskau/hotel_ueberblick/ismailowo_***_13.html">Hotel</a> am äußeren Rand Moskaus an. Bereits an der Rezeption wurde uns ans Herz gelegt, unser Westgeld keinesfalls an den dafür im Hotel vorgesehenen offiziellen Stellen, sondern besser privat zu tauschen, der Kurs sei etwa achtzehn Millionen mal günstiger. Unsere Rückfrage, wo man denn privat tauschen würde, wurde mit einem Lächeln quittiert. Das ginge mehr oder weniger überall.</p><p>Und so war unsere Zimmertür kaum zugefallen, als auch schon jemand an derselben klopfte. Der junge Mann in Bomberjacke und Jeans, der hereinspazierte, tauschte unser Geld zu einem Kurs, der auf der Anzeigetafel der offiziellen Wechselstube im Foyer keinen Platz gefunden hätte und begann danach sofort den Preis für unseren gesamten Vorrat an Bomberjacken und Jeans nach oben zu verhandeln.</p><p>Wir wären zu billig.</p><p>Wir winkten ab. Nein, nein, das wäre schon okay, wir wollten kein Geld damit verdienen sondern der russischen Jugend einen Gefallen tun. Ein Dankeschön quasi für die vielen hippen Roter-Stern- und Karl-Marx-Anstecker, die in Berlin kursierten. Nix da, er legte uns trotz unseres heftigen Widerstands das Doppelte von dem auf den Tisch, was wir ursprünglich verlangt hatten. Und erklärte uns verdutzten West-Affen nach Abschluss der Transaktion, dass er auf dem Schwarzmarkt schließlich das Zehnfache dafür bekommen würde, es wäre also alles in Ordnung.</p><p>Es war mittlerweile später Abend geworden und so gab uns der schlaue Händler noch einen guten Rat: Auf keinen Fall sollten wir uns ohne Tageslicht in die Umgebung des Hotels wagen. Das wäre gefährlich. In den unterirdischen Kanälen der Stadtränder würden die vom Afghanistan-Einsatz zurückgekehrten ehemaligen Kindersoldaten leben, die keine andere Bleibe finden würden. Sie wären durch ihre Erlebnisse wahnsinnig geworden. Und außerdem bewaffnet. Sie würden Touristen überfallen.</p><p>Mit hinter unseren Rüclen gekreuzten Fingern versicherten wir dem Mann das Hotel nachts nicht zu verlassen und verabschiedeten ihn.</p><p>Kaum war wer gegangen, klopfte es schon wieder. Unser Lichtmann (der nicht wirklich zum Licht- sondern Spaßmachen mitgekommen war), zwei Meter groß und annähernd so breit, stand voller Abenteuerlust vor uns und dem Haufen fremdländischer Geldscheine auf unserem Tisch.</p><p>&#8222;Los, auf die Piste! Mal die Gegend ansehen!&#8220;</p><p><em><a
href="http://www.spreeblick.com/2006/12/12/moskau-moskau-teil-2/">(Bitte hier entlang zum zweiten Teil)</a></em></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2006/12/06/moskau-moskau-teil-1/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>36</slash:comments> </item> <item><title>1984 &#8211; Teil 2</title><link>http://www.spreeblick.com/2006/02/12/1984-teil-2/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2006/02/12/1984-teil-2/#comments</comments> <pubDate>Sun, 12 Feb 2006 00:59:44 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/2006/02/12/1984-teil-2/</guid> <description><![CDATA[<p><a
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src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
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href="http://www.spreeblick.com/2006/02/10/1984/">(Ersten Teil noch nicht gelesen? Bitte klicken sie hier.)</a></em></p><p>Die Düsseldorfer Philipshalle fasste etwa 1 Million Menschen. Dachte ich, als ich sie am Nachmittag des 19. Februar 1984 zum ersten Mal in meinem Leben betrat. Natürlich war ich vorher schon in großen Hallen gewesen, um große Bands zu sehen, aber noch nie in einer leeren großen Halle. Und noch nie in einer leeren großen Halle, auf deren Bühne gerade The Clash standen und ihren Soundcheck machten.</p><p>Unsere Entourage bestand nicht nur aus der Band; etwa acht oder zehn Freundinnen und Freunde waren mit uns nach Düsseldorf gekommen, um der Sensation beizuwohnen. Nicht nur die Band sondern auch sie würden also auf mich eindreschen, wenn etwas schiefgehen sollte, ich fühlte mich dementsprechend wohl in meiner Haut.</p><p>Die neuen Clash-Mitglieder kannte ich von einigen wenigen Fotos, doch neben ihnen auf der Bühne standen Joe Strummer und Paul Simenon, die ich von einigen tausend Fotos kannte. Wir, die Band plus Freunde, standen inmitten der Halle, vielleicht 10 Meter vor der Bühne. Und ich hoffte.</p><p>Ich hoffte, dass mich diese Typen, deren Arbeit für mich in den vergangenen Jahren so wertvoll und wichtig geworden war und die einen Einfluss auf mein junges Leben hatten, den sich meine Schule nur erträumen konnte, nicht enttäuschen würden. Damit meinte ich nicht in erster Linie, dass sie uns spielen lassen sollten. Es ging um mehr. Es ging um die Frage ob Punk, genauer gesagt der Punk, der von The Clash propagiert wurde, echt war. Ob sie wirklich &#8222;anders&#8220; waren als die anderen Bands. Ob man mit ihnen reden konnte oder ob sie arrogante Arschlöcher waren. Ich war jung, aber nicht völlig bescheuert, ich erwartete weder den Heiland noch bessere Menschen noch das offizielle Weltrettungskommando. Aber ich erwartete coole Typen. Ich hoffte auf coole Typen.</p><p>Irgendjemand führte uns hinter die Bühne in einen Backstage-Raum (der Backstage-Raum: Mythos und Legende. Hort endloser Gelage und Orgien, Ziel aller Hardcore-Fans und Groupies. Sagt man. &#8222;Is&#8217; aber nur ganz normaler Quatsch&#8220; (© Toni Mahoni). Backstage-Räume kleiner Auftrittsorte kann man sich wie ein seit vielen Jahren nicht benutztes Klo oder eine Abstellkammer vorstellen. Und das sind dann die besseren. Backstage-Räume der großen Hallen wiederum sind nichts anderes als Sport-Umkleidekabinen, was Sinn macht, da viele große Hallen in ihrem normalen Leben Sporthallen sind. Und dann gibt es noch die Backstage-Räume von Open-Air-Festivals, das sind dann Wohnwagen&#8230;).</p><p>Nervös liefen wir in unserer Umkleidekabine auf und ab, planten die Setlist, machten nervöse Scherze. Dann die Frage, die ich gar nicht gebrauchen konnte: &#8222;Was passiert&#8217;n jetzt?&#8220;</p><p>Bevor ich mit den Achseln zucken konnte erschien jemand, der aussah als würde er bei The Clash spielen. Kosmo. Er fragte nach mir, wir begrüßten uns. Ob ich das Tape dabei hätte. Ich gab ihm unsere beschissene Übungsraumaufnahme und langsam regten sich erste Zweifel bei den anderen Jungs. Was das jetzt sollte. Ich erklärte es ihnen. Ist doch klar, dass die nochmal was von uns hören wollen, argumentierte ich. &#8222;Aber doch nicht von diesem oberschlechten Tape!&#8220;, fanden die anderen. Doch. Wir hatten kein anderes.</p><p>Wir mussten keine fünf Minuten warten, bis Kosmo wieder bei uns erschien. Er hatte sich unmöglich in dieser kurzen Zeit einen Eindruck verschaffen können und mir war klar, dass wir wieder einpacken mussten.</p><p>&#8222;You will be on stage exactly at eight. You have 30 minutes, no encores. Now relax, get a beer and enjoy yourself!&#8220;</p><p>Hätte es die Becker-Faust schon gegeben (aber es gab sie nicht, es gab übrigens auch kein Internet) hätten wir sie garantiert alle in diesem Moment praktiziert. Stattdessen freuten wir uns wie ganz normale Menschen, fielen uns um den Hals, lachten, jubelten. Wir alle waren uns der gleichzeitigen Absurdität und Grandiosität der Aktion bewusst: Eine völlig unbekannte Berliner Band spielt ihren zweiten Gig als Vorgruppe von The Clash. Und warum? Weil sie gefragt hat!</p><p>Wer es nicht weiß: So etwas gibt es eigentlich nicht. Abgesehen davon, dass der Großteil bekannterer Bands die Entscheidung über ihren Support dem Label oder dem Tourveranstalter überlässt, ist es die Regel, dass Vorgruppen für ihren Platz bei einem größeren Konzert oder gar einer ganzen Tour Geld bezahlen. Das ist nicht immer so fies, wie es jetzt klingt und hat nicht allein mit der Tatsache zu tun, dass die Vorgruppe durch ihren Auftritt einen Marketing-Effekt erwarten kann, der auf dem Bekanntheitsgrad des Haupt-Acts beruht. Eine Vorgruppe verursacht tatsächliche Mehrkosten, Techniker müssen extra arbeiten, zusätzliche Einstellungen an Ton- und Lichtpulten müssen vorgenommen werden, die Bühne ein weiteres Mal umgebaut werden. Diese Mehrkosten werden meist an die Vorgruppen weitergegeben und so passiert es schnell, dass eine Vorband bzw. deren Label für eine 20-Städte-Tournee als Support für eine größere Kapelle mal eben fünfstellige Summen auf den Tisch packen muss. Normal. Ausnahmen bestätigen die Regel.</p><p>Nachdem The Clash mit ihrem Soundcheck fertig waren durften wir unsere Amps und Drums aufbauen und ebenfalls einen kurzen Soundcheck machen (auch das für eine Vorband eher ungewöhnlich). Die Crew war nett und hilfsbereit und wir entspannten tatsächlich ein wenig.</p><p>Um Punkt acht Uhr standen wir, nervös wie Sau und mit unseren Gitarren bewaffnet, am Bühnenrand. In der Düsseldorfer Philipshalle ging das Licht aus und ohrenbetäubendes Gejohle vom Publikum setzte ein. In diesem Moment hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass ich eine extrem beschissene Idee gehabt hatte. Denn ich hatte in meiner Euphorie eine nicht unwichtige Tatsache außer Acht gelassen: Niemand im Publikum wusste, dass wir spielen würden. Noch schlimmer: Niemand im Publikum wusste, dass überhaupt eine Vorgruppe spielen würde. Die Leute erwarteten mit dem Erlöschen der Saalbeleuchtung nur eines: The Clash.</p><p>Stattdessen staksten ein paar dürre Teenager auf die Bühne. Als würde es irgendetwas bedeuten rief ich &#8222;Wir sind Plan B aus Berlin!&#8220; ins Mikro (&#8222;Hello Düsseldorf, it&#8217;s good to be back&#8220; habe ich mich nicht getraut) und wir stolperten in den ersten Song, um keine Zeit für negative Reaktionen zu lassen.</p><p>Ich weiß nicht mehr, wie wir waren. Ich schätze, wir waren eher schlecht, genossen aber eine Art Welpenschutz. Buh-Rufe hielten sich ebenso im Rahmen wie Applaus, die Stimmung war eher eine resigniert abwartende, die Zeit für einen weiteren Gang zur Theke bot (damals gab es noch echtes Bier in den großen Hallen, aber kein Internet). Auf dem einzigen mir bekannten, von einem Freund im Publikum aufgenommenen Mitschnitt unseres Gigs, den ich entsetzlicherweise nicht mehr finden kann, hört man mehr von den zahlreichen <a
href="http://www.olympia-statistik.de/Sarajevo%201984%20-%20Seite%201.htm">Sarajevo</a>-Rufen als von unseren Songs. Ich erinnere mich daran, dass ich irgendwann irgendwelche Statements gegen Helmut Kohl ins Mikro rief (Hey: Punk!) und dass das niemanden interessierte. Ich erinnere mich daran wie merkwürdig es sich anfühlte, die anderen Jungs so weit weg von mir spielen zu sehen, die Bühne kam mir unglaublich groß vor. Ich erinnere mich außerdem daran, wie schnell die Angst vor dieser großen Halle verschwunden war, denn man konnte während des Gigs von der Bühne aus sowieso nur die ersten paar Reihen sehen, danach erschien alles schwarz.</p><p>Und ich erinnere mich an meinen zufälligen Blick zum Bühnenrand nach dem zweiten oder dritten Song. Da standen sie. Joe und Paul. Guckten sich die Vorband an, zuckten ein bisschen mit den Beinen mit. Ich war stolz wie Oskar.</p><p>Der Clash-Gig selbst passierte in einer Wolke, zu beeindruckt waren wir vom ganzen Ereignis und außerdem mussten wir uns noch um Schlafplätze kümmern. Fritz, unser Basser, kam aus Dortmund und kannte sich in der Ecke aus, hatte also ein paar Kontakte und irgendwie landeten wir später in der Nacht in den Wohnungen der Fehlfarben und von <a
href="http://www.realmusic.de/index.php?inc=interview&#038;interview_id=532">Xao Seffcheque</a>.</p><p>Vorher jedoch, noch in der Halle, ging es nach dem Clash-Gig natürlich darum, die Band zu treffen. Vorher stand zu viel Nervosität im Raum, doch jetzt wollte ich es mir nicht nehmen lassen, Strummer wenigstens mal die Hand zu schütteln. Mich zu bedanken. Ihn zu fragen, wie er uns fand.</p><p>Kosmo kam in unseren Backstage-Raum, als wir gerade unsere Klamotten packten. Er bedankte sich bei uns (!), holte 300 DM aus der Tasche (damals gab es noch keinen Euro und kein Internet und man fuhr noch in von Hühnern gezogenen Kutschen über die schlammbedeckten Straßen) und drückte sie mir in die Hand. Ob das in etwa unsere Spritkosten decken würde, fragte er. Na klar, tat es, aber es sei nicht nötig und blah blah blah aber er bestand darauf. Was für ein korrekter Typ. Ich war beeindruckt. &#8222;Wanna meet the band?&#8220;.</p><p>Und so standen wir wie bestellt und nicht abgeholt im Backstage-Raum von The Clash, die sich angeregt mit Fans unterhielten, die es hierhin geschafft hatten. Die Legenden um die Fan-Nähe der Band waren also kein Blödsinn. Strummer diskutierte mit jungen Mädchen über deren Situation an ihrer Schule (kein Witz &#8211; der Mann hatte, wie ich bei späteren Treffen noch weiter feststellen konnte, ein unstillbares und ehrliches Interesse an anderen Menschen) und langsam wurden wir in die Gespräche mit einbezogen. <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Drechsler">Clara Drechsler</a> war auch da, quatschte mir ein Ohr ab (und ich ihr) wie toll das alles wäre und wie super und dass sie unbedingt etwas über uns schreiben müsse. Was sie natürlich nie tat, die blöde Kuh. Und ihr Clash-Artikel war auch scheiße.</p><p>Irgendwann verzog sich Strummer zum Einpacken und ich sah meine Chance für ein Hallo unter vier Augen gekommen. Ich bedankte mich, wir plauderten. Wie ihm die Band gefallen hat, wollte ich wissen. Seine Antwort war kurz:</p><p>&#8222;You&#8217;re a good leader. But you need to work hard.&#8220;</p><p>Du kannst das, aber du musst noch üben. Nicht die Antwort, die ich erwartet hatte. Keine Antwort, die ich erhofft hatte. Vielleicht sogar eine Antwort, die er einfach nur so dahingesagt hat, aber eine wichtige Antwort für mich und die weitere Geschichte meiner Band, die es in den folgenden Jahren zwar nie zu wirklich massiven Erfolgen oder gar Geld bringen sollte, die aber immerhin um die halbe Welt tourte und eine Menge Spaß und den ein oder anderen guten Song hatte.</p><p>Mir ist bewusst, wie albern und lächerlich dieser ganze Kram für einige klingen mag. Ich war trotz meines jungen Alters damals (wie heute) kein Mensch, der &#8222;Führer&#8220; suchte, aber ich suchte (und fand) Künstler, die nicht mit einer Tarnkappe herumliefen und deren Texten ich trauen konnte. Ich kann meine Bewunderung für eine Band und für Joe Strummer insbesondere nur deswegen ohne Furcht vor Peinlichkeit äußern, weil sie nie peinlich war.</p><p>Es gibt viele Bands und noch mehr Fans, die diese Bands verehren und lieben, die ihnen auf Schritt und Tritt folgen, die ihnen an den Lippen hängen, jedes Interview, jedes Foto von ihnen kennen. Solch ein Fan war ich nie, denn die meisten dieser Bands bestätigen bewusst oder unbewusst die soziale und gesellschaftliche Position ihrer Fans als eben genau das: Fans. Anhänger. Käufer. Konsumenten. Ich, Band: hier. Du, Fan: da. Der frühe Punkrock und somit nicht nur, aber allen voran The Clash haben bewiesen, dass es auch anders geht, dass Kunst nach wie vor Inspiration und Motivation für den Einzelnen sein kann um eben mehr als nur der ewige Rezipient zu sein. Sie haben bewiesen, dass es möglich ist selbst zum Produzenten zu werden, und das ist einer der Gründe, warum ich Bloggen für eine Fortführung der Fanzine-Tradition halte, eine Art von Punk mit anderen, moderneren Mitteln (damals gab es nämlich noch gar kein Inter&#8230;. egal). Viele Leute, die irgendwann beginnen Blogs zu lesen, fangen recht schnell selbst mit dem Schreiben an.</p><p>Das ist Punk: Das kannst du auch.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2006/02/12/1984-teil-2/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>125</slash:comments> </item> <item><title>1984 &#8211; Teil 1</title><link>http://www.spreeblick.com/2006/02/10/1984/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2006/02/10/1984/#comments</comments> <pubDate>Fri, 10 Feb 2006 17:33:03 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/2006/02/10/1984/</guid> <description><![CDATA[<p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p>&#8222;Wieso schreibst du nicht mal wieder was aus der Zeit mit der Band? Haste lange nicht gemacht!&#8220;, meinte er.</p><p>Stimmt eigentlich, dachte ich. Wieso schreibe ich nicht mal wieder was aus der Zeit mit der Band? Hab&#8217; ich lange nicht gemacht!</p><p>Gegen Ende 1983 hatte sich meine erste Band &#8222;System&#8220; aufgelöst, die neue Kombo namens &#8222;Plan B&#8220; war am Start. Die erste Halle, die sich traute uns auftreten zu lassen, war das Berliner LOFT, damals noch unter der Leitung von Monika Döring, die uns irgendwie mochte ohne uns vorher gehört zu haben.</p><p>Noch während wir die ersten Songs probten, bekam ich Anfang 1984 Wind davon, dass The Clash im Rahmen ihrer aktuellen Tour am 19. Februar 1984 ein einziges Konzert in Deutschland spielen würden, in der Düsseldorfer Philipshalle nämlich. Ausverkauft, Wochen vorher. 5.000 Leute? 6.000? Egal, ich musste nach Düsseldorf, ich musste sie zum dritten Mal sehen. Zumal es darum ging die neue Besetzung zu erleben, die, wie sich später herausstellen sollte, die letzte und unrühmlichste werden sollte.</p><p>Während ich begann mich ans Telefon zu hängen (es gab noch kein Internet&#8230; bin mir nicht einmal sicher, ob man schon Tastentelefon hatte&#8230; war es überhaupt ein Telefon? Vielleicht habe ich doch noch getrommelt&#8230;?) um Karten zu organisieren, kam mir eine grandiose Idee um Geld zu sparen: Wir würden unseren zweiten Gig überhaupt als Vorgruppe von The Clash spielen. Dann bräuchten wir auch keinen Eintritt zu zahlen.</p><p>Man muss bei dieser Geschichte zwei Dinge im Kopf behalten:</p><p>Erstens, dass The Clash trotz der Trennung von Mick Jones eine ziemlich erfolgreiche Band geworden waren, die Platin in den USA machte, mit großen Tournee-Veranstaltern arbeitete und in für Punkrock-Verhältnisse ziemlich großen Hallen spielte. Eine Band also, die Mitte der Achtziger ebenso unerreichbar schien wie die Bands der Siebziger, gegen die sie sich anfangs aufgelehnt hatte. Und zweitens, dass mir das alles schnuppe war. The Clash waren die wichtigste Band der Welt für mich und ich war 19 Jahre alt, es gab nichts, was ich nicht erreichen konnte, wenn ich es nur wollte. Und ich wollte. Ich wollte mit Plan B als Support für The Clash in Düsseldorf spielen. Mit acht halbfertigen Songs, wenn ich mich richtig erinnere.</p><p>Also nahm ich mir etwa zwei Wochen vor dem Clash-Gig in Düsseldorf die Tournee-Daten aus einer englischen Musikzeitung vor und sah nach, in welcher Stadt, in welchem Land sich die Band zur Zeit aufhielt. Das Konzept einer Tournee-Organisation war mir zu diesem Zeitpunkt nur ansatzweise bekannt, ich wusste jedoch, dass die Band immer (wirklich immer?) mit einem persönlichen Manager und Pressesprecher namens &#8222;Kosmo Vinyl&#8220; unterwegs war und ich wusste, dass es zwecklos sein würde, die Band persönlich zu erreichen. Als einzige Person also, die mir außer den Bandmitgliedern &#8222;bekannt&#8220; war, würde Kosmo Vinyl diejenige sein, die ich zu erreichen gedachte.</p><p>Aber wie? Und wo? In einem Hotel, natürlich, einem recht großen. In der Stadt, in der sie am gleichen Tag spielen würden, ist doch klar. Also am ersten Tag meiner Recherche (und auch an den folgenden) noch irgendwo in Großbritannien.</p><p>Nun ist es eine Sache, wenn sich ein kaltschnäuziger, naiver 19-Jähriger ans Telefon klemmt und davon überzeugt ist, dass sein Englisch ausreichen würde um einen Support-Gig während einer laufenden Tournee klarzumachen. Eine ganz andere Sache ist es, wenn diese Tournee durch Irland oder Schottland führt und die Telefonisten der großen Hotels dieser Städte eine ganz eigene Vorstellung von der englischen Sprache haben, die von meinem Schul- und Punkrock-Englisch nicht unerheblich abwich. Es war leicht, die fünf größten Hotels in den Städten auszumachen. Es war aber fast unmöglich, die Leute in diesen Hotels zu verstehen. Ich wusste in vielen Fällen einfach nicht, ob die Band nicht im betreffenden Hotel abgestiegen war, ob man sie verleugnete, ob mich keiner verstand oder ob ich die Sätze in der Leitung falsch interpretierte. Und ich hatte vor allem nach einigen Tagen der Recherche keine Schimmer, wie hoch meine Telefonrechnung ausfallen würde.</p><p>Meine Band lachte mich mittlerweile aus. So geht das nicht. Das klappt nie. Lass es sein.</p><p>Dann, nach vielen frustrierenden Telefonaten, zwei Tage vor dem Düsseldorfer Konzert, am 17. Februar des Jahres 1984, wähle ich die Nummer eines Hotels in Schweden, denn Stockholm steht auf dem Tourplan. Super: Das Englisch der Rezeptionistin ist genauso schlecht wie meins und ich spule den mittlerweile gut trainerten Satz mit einer Betonung ab, der bei meinem Gegenüber keinen Zweifel daran aufkommen lassen kann, dass die Band und ich dickste Freunde sind und mich der Anruf mehr Zeit kostet, als ich mir eigentlich erlauben kann:</p><p>&#8222;Hi, can I speak to Mr. Kosmo Vinyl, please? He&#8217;s with a band from England called The Clash and he&#8217;s staying in your hotel.&#8220;</p><p>&#8222;Sure, just a second.&#8220;</p><p>Leider schmilzt in diesem Moment mein Telefonhörer (mit Spiralkabel, es gab nämlich noch keine&#8230; ach, egal). Zumindest fühlt es sich so an. Tatsächlich ist es aber nur literweise Schweiß, der urplötzlich und ohne Vorwarnung an meinem gesamten Körper einschließlich meiner Hände entlangrinnt. Meine Muskeln haben zudem in einem spontanen Akt des Aufstands beschlossen, sich nie wieder dem Terror-Regime meines Hirns zu unterwerfen und verdammt nochmal, ich war schon sehr, sehr lange nicht mehr auf der Toilette!</p><p>Was soll das? Als nächstes steht &#8222;Okay, thanks anyway, have a nice day!&#8220; im Drehbuch, so, wie ich es die ganzen Tage vorher auch gesagt hatte. Auf &#8222;Sure, just a second&#8220; bin ich nicht vorbereitet!</p><p>&#8222;Hey&#8220;, tönt es grimmig aus meinem Hörer.</p><p>Er hat schlechte Laune, ich rufe lieber später nochmal an. Nein, er ist es überhaupt gar nicht. Es ist ein anderer, diesmal männlicher Telefonist, der mir sagen wird, dass Mr. Kosmo Vinyl who is with a band from England called The Clash gar nicht in our hotel abgestiegen ist. Und was macht dieser Kloß in meinem Hals?</p><p>&#8222;Am I talking to Kosmo Vinyl of The Clash?&#8220; &#8211; &#8222;Yes, you are.&#8220;</p><p>Jetzt ist es eh vorbei, er ist komplett genervt, ich höre sowas, drei Worte genügen mir und meinem Kloß und meinen hirnbefreiten Muskeln und ich habe auch schon drei Kilo abgenommen.</p><p>&#8222;Hi. Äh. Also. We are a band from Berlin we are called Plan B we like The Clash very much we wanted to ask if you have a support band for the concert in Düsseldorf or not we wanted to know if maybe it is possible to play before The Clash we could come to Düsseldorf we don&#8217;t need money we like The Clash.&#8220;</p><p>Stille.</p><p>Aber er ist noch dran. Und er hat noch nicht gelacht. Er sagt:</p><p>&#8222;How do I fucking know that you&#8217;re not a fucking heavy metal band with fucking Flying V guitars?&#8220;</p><p>Berechtigte Frage. Nicht wirklich freundlich vorgetragen, aber ich beschließe, mich nicht an Stilfragen aufzuhalten. Das Problem ist nur, dass ich mir keine Antwort auf eine solche Frage zurechtgelegt habe.</p><p>Dann macht es &#8222;klick&#8220;.</p><p>Nicht am Telefon, sondern in meinem Kopf: Der Mann ist Punkrocker! Das ist seine Art, freundlich zu sein! Ich beschließe, alles auf eine Karte zu setzen und mit gleichartiger Freundlichkeit zu antworten.</p><p>&#8222;I would hardly call you in Stockholm and ask you to let us support The Clash if we were a fucking heavy metal band with fucking Flying V guitars&#8220;, antworte ich mit zitternder Stimme und überrascht darüber, woher ich das Wort &#8222;hardly&#8220; plötzlich habe. Und füge noch schnell ein &#8222;wouldn&#8217;t I?&#8220; hinzu, noch heute ganz oben in der Liste meiner persönlichen Sprachtriumphe.</p><p>Er seufzt.</p><p>&#8222;Tell you what, we actually haven&#8217;t got a support on this tour, so here&#8217;s what we can do. You&#8217;ll be there at six with your own amps and drums. Bring a tape so I can listen to it. If I like it, you can play.&#8220;</p><p>&#8222;Good!&#8220;, sage ich, noch heute ganz oben in der Liste meiner persönlichen Sprachniederlagen.</p><p>Das war&#8217;s also. Ich hatte es geschafft. Wir würden als Vorgruppe für The Clash spielen, alle Clash-Fans würden uns lieben, wir würden goldene Schallplatten bekommen und berühmt werden. Nur, dass wir gar keine Platten oder auch nur Demo-Tapes hatten, sondern nur eine furchtbare Kassettenrekorder-Aufnahme aus dem Übungsraum. Und dass ich meiner Band unmöglich sagen konnte, dass wir auf Verdacht nach Düsseldorf fahren würden um <em>vielleicht</em> The Clash zu supporten.</p><p>Also beschloss ich zu lügen. Ich sagte der Band, dass der Gig klargeht und die Band war von den Socken. Und recht motiviert, um es mal vorsichtig auszudrücken. Einer kannte einen mit einem Kleinbus für das Equipment, Papa borgte mir seinen Wagen für weitere Mitreisende. Und so machten wir uns zwei Tage nach meinem Telefonat mit Herrn Vinyl gleich morgens auf nach Düsseldorf. Man wusste ja nie, wie lange man der Grenze warten musste. Damals gab&#8217;s nämlich noch <em>die</em> Grenze und übrigens auch kein Internet&#8230;</p><p><em><a
href="http://www.spreeblick.com/2006/02/12/1984-teil-2/">(Der zweite Teil mit Kommentaren ist hier)</a></em></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2006/02/10/1984/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>8</slash:comments> </item> <item><title>Plan B USA-Tagebuch 1990, Teil 3</title><link>http://www.spreeblick.com/2005/09/12/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-3/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2005/09/12/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-3/#comments</comments> <pubDate>Mon, 12 Sep 2005 10:56:47 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=1482</guid> <description><![CDATA[<p>Nach dem <a
href="http://www.spreeblick.com/2005/09/08/plan-b-usa-tagebuch-1990/">ersten</a> und <a
href="http://www.spreeblick.com/2005/09/09/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-2/">zweiten</a> Teil der 15 Jahre alten, wiedergefundenen Tourtagebücher folgt hier das dritte und leider letzte Fundstück&#8230;</p><p>22-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;Minneapolis&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Die Fahrt ist nicht allzu lang. Aber der Backline Van macht Probleme. Irgendwie ist die Karre zu alt, zwar billig, aber eben nicht 100% in Ordnung. Der Laden in Minneapolis ist eine Art Musikcafe, aber cool, nette kleine Bühne. Wir haben eine Vorgruppe namens 3 Car Garage, die mir merkwürdigen Kostümen und Schminke auf die Bühne gehen und sehr trashig sind. Der Laden ist ganz gut gefüllt, die Promotion lief diesmal besser, kleine Ankündigungen sind in den lokalen Blättern und im SPIN (amerikanische Zeitung, ca. Musik Express, aber besser) entdecken wir sogar eine richtige Anzeige. Immerhin! Der Gig läuft prima und wir kriegen die Leute sogar zum Stagediven, nachdem wir&#8217;s vorgemacht haben&#8230; Zum Glück fängt mich Jogi auf! Nach dem Gig hören wir noch etwas von einer Party, die ir dann aber nicht finden. Diese Käffer, wo um 1.00 h mit allem Schluß ist, nerven irgendwie. Bekloppte Gesetze, ebenso wie die Altersbeschränkung, daß man erst ab 21 Jahren in Läden darf, in denen es Alkohol gibt. Wir haben einfach keine Kids auf den Konzerten! Die Amis haben &#8216;ne Menge Probleme mit ihrer Freiheit, Abtreibungen sollen völlig verboten werden, Texte sollen zensiert werden, die Altersgrenze für Alkohol, usw. Alle haben sie die Panik vor dem bösen Kommunismus (ohne zu wissen, was das eigentlich ist), denn der nimmt ihnen ja ihre Freiheit weg, und dabei merken die meisten Leute nicht, daß ihnen ihre Freiheit von der eigenen Regierung längst abgegraben wird&#8230; Auf meine entsprechenden Ansagen reagieren nur wenige im Publikum, irgendwie stehen sie da nicht drauf (oder wir spielen vor falschem Publikum).</p><p>23-7 bis 26-7-1990&#8212;&#8212;-Fahrt nach Seattle&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p><p>Bevor ich&#8217;s vergesse: Die ganze Tour über warten wir schon auf unsere Tour T-Shirts, sie hätten schon dreissig Mal eintreffen müssen, wahrscheinlich bekommen wir sie in Dallas (Tourende)!Eigentlich wollten wir gleich morgens losfahren, denn wir haben 1600 Meilen vor uns nach Seattle (ca. 2500 km), aber der eine Wagen hat endgültig seinen Geist aufgegeben. Wir warten auf einen Mechaniker, und das gibt uns wenigstens ein paar Stunden Zeit, uns Minnepolis anzusehen. Schönes, kleines, sauberes Fleckchen Erde&#8230; nett! In einem Gitarrenladen entdecken wir &#8216;ne gebrauchte schwarze Gibson Les Paul mit Koffer für $500, die wir für dieses Geld natürlich mitnehmen (meine weiße Les Paul war auch gebraucht und hat mich das dreifache gekostet). Es gibt &#8216;ne Menge Sachen, die man hier in den Staaten billig einkaufen kann, z.B. auch den ganzen Elektronikkram.Naja, um 15.30 h geht&#8217;s dann jedenfalls los Richtung Seattle. Durch eine geschickte Schlaf-/Fahr- Strategie und durch genügend Fahrer beschliessen wir, durchzufahren und sind nach 32 Stunden in Seattle. Geile Skyline. Verrücktes Autobahnnetz. Und Zeit für uns, da wir ja erst am 26-7 spielen&#8230;Der Club (Central Tavern) sieht cool aus, &#8216;ne Menge Bands waren schon hier und wir freuen uns auf den Gig, denn die Promo lief scheinbar auch ganz gut. Heute ist die Vorgruppe Mad Mad Nomad, die eine Art Hippie/Folk/Funk/Rock Gemisch fabrizieren, das nicht so schlimm ist, wie das jetzt vielleicht klingt. Leider ist der Laden nicht gerade vollgepackt (ca. 100 Leute), aber dafür treffen wir mal wieder jemanden aus Deutschland (Hallo, Nils!) und machen &#8216;nen guten Gig. Morgen soll&#8217;s nach Kanada gehen.</p><p>Fri 27-7-90&#8212;&#8212;&#8212;-Vancouver, Canada&#8230;?&#8212;&#8212;-</p><p>Na prima! Bei dem Versuch, die Grenze nach Kanada zu passieren, machen uns die Behörden klar, daß wir spezielle Arbeitsvisa brauchen, die wir nicht haben. Abzuholen sind diese in Seattle, wo wir gerade herkommen&#8230; drei Stunden Fahrt. Da hilft kein Jammern, die wollen uns nicht reinlassen. Leider müssen wir aber nach Kanada, um noch fehlende Visa für die USA abzuholen (verstehe einer die Bürokratie). Wir bekommen eine Aufenthaltsgenehmigung für 6 Stunden, die wir im Konsulat verbringen, und müssen die Gigs in Vancouver heute und morgen absagen&#8230; Bullshit! Unsere Laune ist auf dem Nullpunkt.</p><p>Mo /Tue 30/31-7-90&#8212;&#8212;&#8212;-San Franciso&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p><p>Nach einigen nicht geplanten, erholsamen aber auch langweiligen Tagen in Seattle sind wir jetzt in den Straßen von San Francisco, die für meinen Geschmack schönste Stadt bisher. Voller Hippies macht Frisco einen sehr friedfertigen und ziemlich europäischen Eindruck. Autofahren kommt einer Achterbahn nahe und irgendwie möchte man es nicht glauben, daß diese Gegend Erdbeben erlebt hat. Aber man kann es stellenweise sehen. Die DNA Lounge, unser Auftrittsort, ist einer der coolsten Läden, die wir bisher gesehen haben. Ca. 300 Leute sind gekommen, teilweise aus Neugier, teilweise, weil sie schon von uns gehört haben. Wir treffen mindestens 10 Bekannte aus Berlin, die uns kräftig unterstützen und die Amis mitziehen. Es wird einer der besten Gigs bisher inkl. Zugaben. Schöne Stadt, erfolgreiches Konzert. Die Laune hebt sich wieder. Außerdem das beste Hotel bisher, eine Art Garten mit Pool und Vogelgezwitscher mitten in der Stadt. Als die Vögel abends anfangen, wie Frösche zu quacken, wird uns bewußt, daß Vögel als auch Frösche vom Band eingespielt werden&#8230; die spinnen, die Amis!</p><p>Thu 02-08-90&#8212;&#8212;&#8212;-Santa Cruz&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Kalifornien bringt&#8217;s irgendwie. Ich frage mich, ob das nicht das wahre Leben ist: Gutes Wetter, Skateboardfahren, Fahrradfahren (in Kalifornien sieht man im Gegensatz zur Ostküste viele Fahrräder), nette Atmosphäre, Strände etc&#8230; Getrübt wird das alles im Moment nur durch die Krise in Kuweit, keiner will glauben, daß die Iraker da einfach reinmarschieren, und wir hoffen, daß die Amis keinen Mist machen. Es wird diskutiert. Typisch- erst verkaufen alle Westmächte (USA, Deutschland, Frankreich) ihre Waffen an den Irak und machen die fette Kohle, und dann wundern sie sich, wenn diese Waffen eingesetzt werden. Tja, jetzt haben wir den Salat. Ich persönlich halte den Irak für verrückt genug, die vorhandenen Atomwaffen im Falle einer Einmischung der Westmächte anzuwenden. Es gibt Kulturen, in denen es eine Ehre ist, für sein Land zu sterben&#8230; Ein flaues Gefühl, wenn man dran denkt. Der Gig in Santa Cruz wird wider Erwarten sehr gut. Wir hatten beim Anblick des doch eher gesitteten Publikums im Catalyst einige Befürchtungen, aber man sagt ja: Don&#8217;t judge a book by its cover. Wir können uns immer noch nicht daran gewöhnen, daß in total wenigen Läden Leute unter 21 Jahren zugelassen sind. Bescheuert. Und um 2.00 h ist natürlich überall Feierabend. Bürgersteige hoch!Ach ja, ich entgehe durch viel Diskussion und durch meinen Touristenstatus einer 100 Dollar Strafe wegen unerlaubten Skateboardfahrens auf dem Bürgersteig von Santa Cruz. Die spinnen&#8230;</p><p>Fri 03-08-90&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-Chico&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Chico ist ein liebes kalifornisches Städtchen und unser Auftrittsort Burro Room ist der Treffpunkt der Kids. Man darf hier immerhin schon ab 18 rein und die Türsteher scheinen nicht ganz so streng zu sein. Ein guter Auftritt auf der kleinsten Bühne bisher. Man merkt sofort, daß diesmal zumindest auch etwas jüngere Leute anwesend sind, die Stimmung ist nicht so &#8216;erwachsen&#8217; und abwartend. Nach dem Gig gehen wir alle in einem Freibad im Wald schwimmen, was natürlich auch verboten ist. Da wir zu allem Übel auch noch Bier mithatten, dauert es nicht lange, bis wir die Polizei am Hals haben, und das Feld räumen müssen. Ein paar Kids laden uns noch auf eine Party ein. Nettes Haus (wie aus einem Spielberg Film) und nette Leute, die zum größten Teil schon etwas über den Durst getrunken haben, lassen den Abend gemütlich ausklingen. Ein Mädchen (17 Jahre) erzählt mir, daß sie in der Schule mit Acid erwischt worden ist und deshalb bei Schulbeginn (im Moment sind Ferien) für zwei Monate ins Gefängnis geht. Zwei neue Erkenntnisse gewonnen:</p><p>1. Die Gesetze hier sind hart.<br
/> 2. &#8230;.</p><p>&#8212;&#8212;&#8212;San Luis Obispo&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Wir sind schon einen Tag früher in der Stadt und sehen uns schon mal den Laden an (DK&#8217;s). S.L.O. ist &#8216;ne kleine nette Stadt in Kalifornien, und der Laden ist angeblich der einzige, in dem man überhaupt spielen kann. Kommt leider ein bißchen &#8216;rüber wie Joe am Ku&#8217;damm, aber was soll&#8217;s&#8230; Irgendetwas stimmt aber nicht, irgendwas ist anders in dem Laden. Da fällt&#8217;s mir auf: Es raucht kein Mensch! Ein Club ohne verrauchte Luft! Von dem Besitzer erfahren wir, daß vor drei Tagen ein Gesetz in SLO erlassen wurde, das jegliches Rauchen in der gesamten Stadt (mit Ausnahme von den eigenen vier Wänden und der Straße) verbietet. Die spinnen&#8230; Auf der Bühne erzählen wir später, daß wir wahre Rebellen sind und demnächst T-Shirts drucken lassen werden, auf denen stehen soll: &#8216;Wir sind in Santa Cruz Skateboard gefahren und haben in SLO Zigaretten geraucht!&#8217;. Der Gag kommt an. öberhaupt haben wir in SLO ein paar echte Fans, denn die lokale Collegestation spielt die LP hoch und runter und so kommen immerhin um die 200 Leute, von denen ca. 50 die Songs ganz gut kennen. Am Nachmittag waren wir außerdem zum Interview bei der Station, und beim Rückweg lege ich mich dermaßen mit meinem Skateboard auf die Fresse, daß mein ganzer Rücken, mein rechter Ellenbogen, mein Knie und meine Hüfte aufgehauen sind. Halb so wild, ich fühl&#8217;mich wie ein kleiner Junge (mit dem Unterschied, daß kleine Jungs besser skaten als ich). Der nächste Tag wird zum Ausruhen und durch die Stadt wandern genutzt, Patsy ersteht ein Strandball Spiel und ich kaufe mir ein neues Skateboard, da wesentlich billiger als zu Hause&#8230;außerdem lag mein Sturz natürlich definitv an dem falschen Board&#8230;</p><p>Tue 07-08-90&#8212;&#8212;&#8212;Santa Barbara&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p><p>(Hier enden die Einträge leider&#8230;)</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2005/09/12/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-3/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>16</slash:comments> </item> <item><title>Plan B USA-Tagebuch 1990, Teil 2</title><link>http://www.spreeblick.com/2005/09/09/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-2/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2005/09/09/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-2/#comments</comments> <pubDate>Fri, 09 Sep 2005 11:26:50 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=1470</guid> <description><![CDATA[<p>Weiter geht&#8217;s: 15 Jahre alte Notizen von der ersten Plan B-Tour durch &#8222;die Staaten&#8220;. <a
href="http://www.spreeblick.com/2005/09/08/plan-b-usa-tagebuch-1990/">Der erste Teil ist hier</a>.</p><p>Tuesday 17-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;NY&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p><p>Eigentlich wollte ich mir morgens ein bißchen die Stadt ansehen, weil es mich zu Tode ärgert, daß ich zwei Tage in NY bin und nichts mitkriege. So auch heute. Mittags zur RCA, dort ist ein Treffen aller der Leute, die für die RCA im Alternativbereich zuständig sind. Wir unterhalten uns und spielen einen kurzen Akustik Set (More, Movie und New England von Billy Bragg). They love it! Danach geht&#8217;s zum Palladium, vorher etwas Essen, und einiger Streß mit dem Gig wird langsam aus dem Weg geräumt. Wir spielen mit Peter Murphy und House of Love zusammen und keine der Bands will uns das Mischpult überlassen. Platz auf der Bühne ist auch keiner und Licht gibt&#8217;s genug aber nicht für uns. Immer dieselbe Scheiße, wenn man als Vorgruppe spielt. Aber egal, wir sortieren alles aus und als wir anfangen sind ca. 2000 Leute in der Halle. Das Palladium ist der Ort, an dem auch Club MTV gedreht wird, riesengroß, drei Etagen, und damit jeder sehen kann gibt es überall Videowände, auf denen das Konzert übertragen wird. Wir sind ziemlich nervös, denn das Publikum ist logischerweise auf völlig andere Musik eingestellt, ich glaube, wir sind denen zu positiv. Trotzdem werden die Songs mit &#8216;Wohlwollen&#8217; empfangen und als Patsy und ich uns beim HipHop Part von Class of &#8217;89 ins Publikum stürzen (Patsy wird sein Kopftuch geklaut, ich verliere mein Souvenir aus London- meine Dog Tags&#8230;) kommt Begeisterung auf. Unsere Tourmanagerin und der Promoter des Konzerts fallen fast in Ohnmacht, denn sie meinen, es wäre zu gefährlich gewesen, sowas in NY zu machen, zu viele Verrückte. Mir egal, wir sind ja selber nicht ganz dicht&#8230; Zumindest hat es den Gig gerettet. Ich bin trotzdem nicht ganz zufrieden, aber als ich mir abends das Konzert nochmal auf Video ansehe (wir zeichnen die großen Gigs auf), denke ich, daß wir unser Bestes gegeben haben. Bißchen zu aufgeregt gewesen&#8230; Nach dem Gig kommen tausend Leute auf uns zu (unter anderem eine völlig verrückte Frau, die mir gerne ihren Whirlpool zeigen möchte- wer&#8217;s glaubt wird seelig- und dann doch feststellt, daß sie Hans liebt&#8230; wir lassen sie stehen- ehrlich!). Hans hat die Adresse von irgendeiner ominösen Dachparty. Wir gehen hin und es ist schon fast keiner mehr da, aber egal, wir befinden uns auf dem Dach eines Gebäudes, das 22 Stockwerke hat, und sowas habe ich noch nicht gesehen: Skyline NY mitten in der Nacht! Völlig geil.</p><p>Wednesday 18-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;On the Road&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Auch heute kein Shopping oder Sightseeing. Wir müssen nach DETROIT, das sind 720 Meilen, also ca. 1100 Kilometer, und auf den Highways ist die Höchstgeschwindigkeit 80 km/h. Eigentlich wollten wir in zwei Tagen fahren, aber wir halten durch und sind nach 14 Stunden da. Die Highways sind durch die Geschwindigkeitsbegrenzung sehr angenehm, alle fahren ungefähr gleich schnell, keine Raser auf der linken Spur, kein Fernlicht und Linksblinken.</p><p>19-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;-Detroit/ Royal Oak&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Royal Oak ist ein Randbezirk von Detroit. Früher war Detroit mal die wichtigste Autohersteller Stadt der USA, aber nachdem viele Firmen geschlossen wurden oder umzogen, gab es hohe Arbeitslosigkeit. Außerdem ist Detroit auch College Stadt, also viele Studenten. Dadurch, daß wir gestern durchgefahren sind, haben wir Zeit, ein bißchen durch Royal Oak zu wandern. Ich kaufe mir eingefärbte kurze Bundeswehrhosen (made in Germany&#8230;), weil Jeans einfach zu warm sind und ich mich noch nicht an diese Hawaishorts gewöhnen kann&#8230; Außerdem lasse ich mir neue Dog Tags machen. Diesmal steht natürlich &#8216;PLAN B U.S. TOUR 1990&#8242; drauf.Der Club, in dem wir spielen werden heißt 3-D und sieht aus wie diese kleinen amerikanischen Bars, die man aus den Columbo Filmen kennt. Heute haben wir eine Vorgruppe namens The Civilians, die alle total nett sind, aber leider eine grausame Funkrock- Mucke machen, überhaupt nicht cool. Nachmittags treffen wir schon einige Leute, die davon überzeugt sind, daß es total voll wird, was leider nicht stimmt. Zum Glück ist der Laden nicht groß, wir versuchen trotzdem Spaß zu haben, und ich glaube, den Leuten hat&#8217;s gefallen. Trotzdem hoffe ich, daß der Rest der Tour besser besucht sein wird, denn es ist superanstrengend, wenn es leer ist und es zwar allen gefällt, aber keiner aus sich raus geht, weil eben keine Anonymität besteht. Naja, bei den letzten drei, vier Songs tanzen dann doch ein paar Leute.Das Unglück passiert dann beim Einladen: Lummi (unser Gitarren Techniker) hüpft leichtfüßig aus dem Van und knickt um, sein linker Fuß schwillt an wie ein Wasserballon. Scheiße. Wir überlegen, ob wir ihn sofort ins Krankenhaus bringen, entscheiden uns aber für Erste Hilfe im Hotel und werden abwarten, wie der Fuß morgen aussieht. Morgen geht&#8217;s nach Wahington, alle meinen, daß der Club genial ist und immer voll und überhaupt. Abwarten&#8230;</p><p>Friday 20-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;-Chicago&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p><p>Lummi&#8217;s Fuß sieht nicht gut aus, wir stehen um 9.00 h auf und Lisa un Hans fahren mit ihm ins Krankenhaus. Die anderen räumen den Kram zusammen und bleiben abfahrbereit, denn nach Chicago sind&#8217;s immerhin 4-5 h Fahrt. Um 10.30 kommen die drei aus dem Hospital zurück, Lummi mit Verband und Krücken- höchstwahrscheinlich Bänderriss! Armer Kerl, wir werden abwarten, ob es in den nächsten Tagen besser wird, denn ansonsten müßte er wahrscheinlich nach Hause fahren. Zum Glück haben wir für alle eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, trotzdem muss man erstmal bezahlen und bekommt das Geld in Deutschland zurück (hoffentlich). Die Behandlung (Verband und Röntgen) kostet $180, die Krücken sind mit $18 echt geschenkt und sehen aus, als wären sie von Ikea (Naturholz)&#8230;Ab geht&#8217;s nach Chicago!</p><p>20-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;Chicago&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Alle haben uns erzählt, daß Chicago &#8216;ne coole Stadt ist, und es geht uns langsam etwas auf die Nerven, daß wir einfach nichts zu sehen bekommen, weil die Zeit fehlt&#8230; Aber so ist das nun mal! Die Skyline von Chicago ist jedenfalls sehr beeindruckend, ähnlich wie die von New York. Außerdem ist Chicago wohl auch ganz gangstermäßig immer noch eine relativ gefährliche Stadt. Die Portiersfrau im Hotel rät uns, das Equipment auf keinen Fall im Wagen zu lassen, da selbst der Hotelparkplatz nicht sicher ist.Der Gig heute findet mit Urban Dance Squad statt, einer ziemlich angesagten Rap/ Crossover Band aus Holland. Die Jungs führen sich ein bißchen starmäßig auf, aber es wird schon&#8230; Die Halle (Cabaret Metro) ist genial, große Bühne, und als wir auf die Bühne gehen sind bereits ca. 800 Leute da. Am Anfang das übliche Abwarten- was machen die Jungs denn- aber schon nach 4 Songs haben wir sie und es wird der meiner Meinung nach beste Gig bisher. Ich bin zufrieden! Nach dem Set sehen wir uns UDS an und lassen uns dann nach einem Interview auf eine nette Party mitschleppen. Am nächsten Tag müssen wir weiter nach Madison, also wieder keine Chance, etwas von der Stadt zu sehen. Mist!</p><p>21-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;Madison&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Na prima, der Tag fängt damit an, daß ich extra um 8.00 h aufstehe, um ein Telefoninterview zu machen. Leider ist der Typ nicht da&#8230; ER hat verpennt! Wir fahren los, und nach einer Stunde Fahrt bricht der Backline Wagen zusammen (wir sind mit 2 Vans unterwegs). Klasse. Zum Glück ist unsere Crew und Fritz bewandert genug, um den Schaden (ein verrostetes Kabel, das durchgebrochen ist) zu finden und zu beheben. Weiter geht&#8217;s. Durch ein paar Fahrfehler kommen wir zwar knapp aber immer noch rechtzeitig in Madison an. Madison ist Studentenstadt und wir machen ein Radio Interview für eine Collegestation.</p><p>Es ist unglaublich, auf welchem teilweise tollen aber auch teilweise stümperhaften Level hier Radio gemacht wird (ist das Mikro jetzt auf? Ach so, was will ich denn eigentlich fragen&#8230; naja, jetzt fällt mir nichts ein&#8230;). Trotzdem sehr lustig und interessant. Soundcheck ist witzig, der Laden ist klein und hat eine beschissene Anlage, aber sieht nach einem guten Platz für Rock&#8217;n Roll aus (O&#8217;Cayz Corral). Vor zwei Jahren haben hier mal Living Color vor 100 Leuten gespielt. Die Vorgruppe heißt Mind over Four, die haben auch schon mal in Berlin gespielt und machen Hardcore der guten und verrückten Sorte. Das einzige Problem ist, daß heute abend ein Freikonzert stattfindet u.a. mit Mitgliedern von den Bad Brains&#8230; Tja, so spielen also MO4 und auch wir vor ca. 10 Leuten, die nicht mal Interesse zeigen. Anstrengend und nervig, zum Zeitpunkt, an dem ich das hier schreibe, bin ich total Scheiße drauf. Das schwitzt man sich dumm und dämlich und schreit sich die Seele aus dem Leib, und dann ist alles irgendwie umsonst. 1.5 h ausladen und aufbauen für die Crew, halbe Stunde Soundcheck, 3-4 h &#8216;rumhängen für alle, kurz &#8216;was essen, 1 h spielen, 1.5 h abbauen und einladen, um 3.00 morgens zu Hause, morgens wieder in den Van, auf die Autobahn, und wieder von vorne. Das kann ganz schön abturnen&#8230;</p><p>Zweifelhafter Höhepunkt des Abends war wohl die Tatsache, daß direkt neben dem Club ein deutsches Restaurant namens &#8216;Essen Haus&#8217;(!) ist. Da gehen wir natürlich hin und essen auch gut, trotzdem ist es uns doch etwas peinlich, aus Deutschland zu kommen: Bayern Einrichtung, eine Band, die mit amerikanischem Akzent deutsche Lieder singt (In München&#8230;/ eins zwei gsuffa) und alle laufen im Dirndl oder in Lederhosen &#8216;rum. So wird Deutschland im Ausland dargestellt&#8230; Naja, vielleicht stimmt&#8217;s ja auch irgendwie. Der Gig war jedenfalls Scheiße, das allererste Mal, daß ich echt schlecht draufkomme. Egal, morgen ist ein neuer Tag und wir fahren nach Minneapolis, ich hoffe, da wird&#8217;s besser&#8230;.</p><p><a
href="http://www.spreeblick.com/2005/09/12/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-3/">Hier geht&#8217;s zum dritten Teil</a></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2005/09/09/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-2/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>4</slash:comments> </item> <item><title>Plan B USA-Tagebuch 1990</title><link>http://www.spreeblick.com/2005/09/08/plan-b-usa-tagebuch-1990/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2005/09/08/plan-b-usa-tagebuch-1990/#comments</comments> <pubDate>Thu, 08 Sep 2005 11:08:42 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=1460</guid> <description><![CDATA[<p>Ich weiß, dass dieser Eintrag für nur etwa achteinhalb Leute interessant sein dürfte, aber ich habe mich gerade über ein nettes Fundstück gefreut und what the hell, wie wir Franzosen sagen.</p><p>Immer wieder schwanken ja die Spreeblick-Inhalte zwischen Vergangenheitsbewältigung, Gegenwartsbetrachtung und Zukunftsbemühung. Hier gibt es den ersten Teil eines Textes, den ich gerade auf einer alten Diskette (!) gefunden habe und den ich 1990 auf irgendeinem Kleinstgerät getippt haben muss, als wir mit meiner damaligen Band Plan B zum ersten Mal in den USA auf Tour waren. Ein echtes &#8222;Tagebuch&#8220; also, mit vielen Tipp- und Rechtschreibfehlern, 1:1 hierher kopiert. Bitte beim Lesen dran denken: Das ist 15 Jahre her.</p><p><strong>Plan B USA-Tour 1990, Teil 1</strong></p><p>Tuesday 10-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;NEW YORK&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p><p>Oh, Mann! Morgens um 5.30 h aufgestanden, um 8.00 h nach Frankfurt geflogen, dann um 11.00 h weiter nach New York. Wegen zuviel Gegenwind erstmal irgendwo in den USA Benzin nachgetankt, um dann mit fast 3 Stunden Verspätung doch nach NY zu fliegen&#8230; Durch das absolute Verkehrschaos erst um 19.00 New Yorker Zeit im Hotel gewesen, d.h. nach unserer Zeit um 1.00 h nachts. Lisa, unsere Tourmanagerin, scheint cool zu sein. Essen gegangen, um 22.00 h (für uns irgendwie doch eher 4.00 morgens) ims Bett gegangen. Keiner checkt schon so richtig, daß dies kein Film ist, sondern Realität. Wir sind in den USA. Morgen ist der erste Gig.</p><p>Wed 11-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;Asbury Park&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p><p>Heimatstadt von Bruce Springsteen&#8230; Sind ca. 2 Stunden hierher gefahren, die Highways teilweise 6-spurig, und alle paar Meilen muss man Gebühren zahlen. Autoland. Allerdings nur mit 55 mph (ca. 80 km/h). Fenster aufmachen ist nicht drin, die Luft wird nicht besser dadurch. Lieber Klimaanlage anschalten. Wir kommen an und das Hotel ist großartig, direkt an der Küste. Ich bin ja kein Architekturfreak, aber die Convention Hall gegenüber beeindruckt mich doch&#8230; Ebenso wie das Fax, das uns im Hotel erwartet: Der 1. Gig ist abgesagt. Hat jemand Spinal Tap gesehen? Der Veranstalter hatte Panik, da am selben Abend Faith No More und Circus of Power spielen, außerdem sollen wir am nächsten Tag in einem anderen Laden spielen, der nicht weit von hier ist, und dieser Laden scheint weit mehr Werbung gemacht zu haben&#8230; Ist egal, fängt unsere Tour eben mit &#8216;nem Day Off an! Außerdem treffen wir in unserem Hotel Faith No More und Circus of Power (hammertätowiert), die uns auf die Gästeliste setzen. Da die heute in dem Laden spielen, in dem wir morgen sind, freuen wir uns&#8230; Hans und ich fahren nachmittags zu einem Radio-Interview, völlig klein alles, sowas habe ich noch nie gesehen, sieht aus wie ein Piratenstation. Der Sender heißt&#8230;?</p><p>Thursday 12-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;Asbury Park&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p><p>Immer noch&#8230; Heute also unsere Feuertaufe. Der Laden war gestern bei Faith No More knackevoll, und scheinbar sind die Leute noch müde. Ca. 100 Menschen sind gekommen, die Gunbunnies sind also auch nicht so der wahre Headliner. Aber nette Jungs, collegemäßig, ihre Musik liegt irgendwo zwischen Costello und den Smithereens, gut eingespielt, man wird von ihnen hören (vielleicht auch nicht, tausende Amibands machen dasselbe&#8230;). Wir haben total Bock zu spielen, und auch wenn es nicht gerade voll ist, kann man den Gig als Erfolg bezeichnen. War lustig, und &#8216;ne Menge Leute wollen am Sonntag nach Beach Haven kommen, was auch in New Jersey liegt. &#8222;Schau&#8217;n mer mal&#8230;&#8220; (Franz Beckenbauer). Morgen geht&#8217;s nach Washington DC&#8230;</p><p>Friday 13-7-90&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;Washington DC&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p><p>Wir fahren um 9.00 morgens los&#8230; Frühstück in einem Coffee Shop (der Kaffee in Amerika ist beschissen- man gewöhnt sich an Cola zum Frühstück). Rühreier mit Bratkartoffeln und Toast und Ketchup. Um 15.00 h sind wir in Washington, zwei Stunden zu spät für unsere Verabredung mit der örtlichen RCA (unser Label in den Staaten). Egal. Die Mädels von der Firma geben sich alle Mühe, uns willkomen zu heißen, aber wir sind alle etwas genervt. Hans und ich sollen noch ein paar wichtigen (?) Leuten die Hände schütteln, naja, wird erledigt, danach lassen wir uns zum Essen einladen und lassen uns &#8216;n paar CDs von der RCA schenken. Ja, wir sind Schmarotzer, man nimmt mit, was man kriegen kann. Abends kaufen wir alle Bier (man darf in den meisten US Städten keinen Alkohol auf der Straße trinken oder zeigen (!), deswegen auch immer die Penner mit den Tüten um den Flaschen&#8230; Jaja, land of the free!) und setzen uns im Hotel vor den Fernseher um Pretty Woman zu sehen. Netter, sauberer Film, so&#8217;ne Art modernes Aschenputtel Märchen. Dann lassen wir uns per Pizza Service eine große Pizza kommen, und wenn man in Amerika groß sagt, dann bekommt man es groß. Die Pizza macht 5 Leute satt. Kein Scherz. Dafür sagt uns der Pizza Mann auf den Kopf zu, daß wir &#8216;ne Rock&#8217;n Roll Band sind. Woran der das wohl erkannt hat? Wir überlegen, ob wir noch weggehen, vertagen das aber auf den nächsten Tag. Das Hotel liegt in Chinatown, und an jeder Ecke will jemand Dein Geld. Aber solange man aussieht wie wir, läuft man erstmal nicht Gefahr, überfallen zu werden. Hoffentlich&#8230;</p><p>Saturday 14-7-1990</p><p>Immer noch Washington DC. Tagsüber sehen wir uns das Weiße Haus an, gehen nach Downtown und kaufen ein. Ein T-Shirt, drei CDs und &#8216;ne kurze Jeans für Hans. Levis 501 bekommt man (neu) schon für $25, also ca. DM 40. Prima!Abends in den 9:30 Club. Drei Bands spielen, erst wir, dann eine kanadische Mädchenband namens The Launderettas, und dann Big Dipper. Der Laden ist geil, es gehen ca. 350 Leute rein, als wir spielen sind so um die 200 da. Die Leute stehen nicht unbedingt Kopf, aber wir sind nur Vorgruppe, und immerhin bleiben alle und ein paar Songs werden ganz gut gefeiert (Scotty, Class of &#8217;89). Wir treffen Deutsche aus Hamburg, Bielefeld und Mainz. Die Welt ist klein&#8230; Meine Bemerkungen zum Thema Rassismus vor &#8216;Run for Cover&#8217; rufen keinerlei Reaktion im Publikum hervor, erst hinterher kommen einzelne Leute an und reden. Naja, die Staaten sind eben doch ein Land für sich. Der Gig war gut, die Launderettas sind ganz nett, die Trash Ausgabe der Bangles, leider ein bißchen eintönig. Big Dipper mochte ich noch nie. Für mich klingen viele Ami Alternative Bands gleich. Irgendwie ohne Songs, die wirklich hängenbleiben. Wir labern noch rum, dann gehen Hans und ich noch in eine Disco namens 5th Column- der totale Ibiza Aufreißer Schuppen, wir gehen nach einem Bier&#8230; Der nächste Club heißt Hell (straight to hell, boys!) und macht zu, als wir gerade 15 Minuten da sind. In einen weiteren Laden lässt man uns nicht rein, weil wir weiß sind. Nur für Schwarze. Egal, wir quatschen vor dem Laden mit ein paar Schwarzen, alle nett, kein Streß. Für uns ist es total ungewohnt, daß es hier soviele Schwarze gibt, eigentlich fast mehr als Weiße, und daß man sich auch absichtlich abgrenzt. Die meisten Schwarzen, mit denen wir reden, interessieren sich nicht besonders für Politik, was ich nicht verstehen kann. Dafür verstehe ich, dass schwarze Mädchen die schönsten der Welt sind, aber das nur am Rande&#8230;</p><p>Sunday 15-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;- Beach Haven&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p><p>Wir kommen an in dieser kleinen Strandstadt in New Jersey und wissen, was USA bedeutet: Dies ist die typische amerikanische Spielzeugstadt, alles in Pastellfarben, riesige Straßen, nur braungebrannte (verbrannte?) Surfer und Surferinnen. Am Strand der Laden, in dem wir spielen (The Tide- was sonst&#8230;?), direkt gegenüber eine ellenlange Wasserrutschanlage, für die wir natürlich mal wieder keine Zeit haben&#8230; Dieser Gig wieder zusammen mit den Gunbunnies. Soundcheck läuft gut, danach kommt ein Ami zu mir, der mir erzählt, daß er unser Album kennt und extra zum Soundcheck gekommen ist, weil er beim Gig nicht da sein kann und um uns zu sagen, daß wir uns von dem Laden und den Leuten nicht abturnen lassen sollen. Nachdem wir den Nachmittag mit Hotel Check In und einer Bootsfahrt verbracht haben, stellen wir bei der Rückkehr in den Laden fest, warum uns der gute Mann warnen wollte: Die Amis nennen es &#8216;Meat Market&#8217;, wir nennen es &#8216;Aufreißerschuppen&#8217;&#8230; Nur Bodybuilder und die entsprechenden Gegenstücke. Ich will nicht gemein sein, Jedem das Seine, live and let live, aber das hat einfach mit uns nichts zu tun! Eben noch tanzen einige der ca. 400 Anwesenden zu den Pet Shop Boys, und dann wir&#8230; Marcel macht extra laut, wir versuchen mit Würde unseren Set zu spielen und kriegen einige Sympathien, und als dann sogar einige Pärchen (!) anfangen, auf der Tanzfläche zu tanzen, frage ich mich, wo ich hier eigentlich bin! Definitv kein Rock&#8217;n Roll (außer auf der Bühne). Trotzdem kommen ein paar Leute nach der Show zu uns und wollen uns mal die Hand schütteln (nice to meet you- great show&#8230;). Was soll&#8217;s, wenn auch nur zehn Leute da waren, denen es gefallen hat, hat&#8217;s sich schon gelohnt. Zurück im Hotel (bzw. Motel) sitzen wir mit der Crew noch bei einem gemütlichen Bier auf der Veranda, als sich plötzlich zwei junge Ami-Pärchen aus einem anderen Zimmer zu uns gesellen und uns im Laufe eines Gespräches, daß uns alle an dem IQ einiger Amerikaner zweifeln läßt, erklären wollen, daß &#8216;PIZZA&#8217; und &#8216;SPAGHETTI&#8217; nicht nur amerikanische Wörter, sondern auch amerikanische Erfindungen sind&#8230; Mama mia! Ab in die Heia!</p><p>Monday 16-7-1990&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;New York&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p><p>Kaum Zeit, uns die Stadt anzusehen, da wir einige Meetings mit der RCA haben (it&#8217;s a dirty job&#8230;). Diese Stadt ist Wahnsinn! Alles ist streßig, hektisch, stinkend, viel zu groß und einfach großartig. Ich meine, Berlin ist verrückt und wild, aber NY schlägt alles. Geil. Abends sehen wir uns im Rahmen des New Music Seminars im Limelight Club den &#8216;German Evening&#8217; an. Es spielen Pink Cream 69, Rausch und die Toten Hosen. Es sind nicht viele Leute da, vielleicht 200, in den Laden gehen bestimmt 2000, und die meisten sind aus Deutschland. Wir treffen massig Bekannte aus Berlin und es wird ein netter Abend. Pink Cream sind ätzend, unterdurchschnitticher Hardrock mit einem Sänger, der nur zu gerne bei den Scorpions wäre (arr juu fieling olreit?). Rausch sind wild und sehr nervös, bißchen viel Kunst für meinen Geschmack. Die Hosen sind ebenfalls sehr nervös, ich bekomme den Eindruck, daß es Ihnen ein wenig peinlich ist, daß so viele Deutsche da sind, sie wollten die Aktion wahrscheinlich lieber &#8216;geheim&#8217; halten, was ich nicht verstehe. Sollen sie&#8217;s doch in den Staaten versuchen, macht doch Spaß&#8230; Sie gleichen alles durch viel Punkrock aus und ich kann endlich mal wieder die Hosen in Ruhe sehen. Ich treffe noch den Sänger von Mano Negra, die gestern gespielt haben und dann geht&#8217;s ab ins Hotel (nachdem wir dem Cabdriver den Weg erklärt haben).</p><p><a
href="http://www.spreeblick.com/2005/09/09/plan-b-usa-tagebuch-1990-teil-2/">Hier geht&#8217;s zum zweiten Teil</a></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2005/09/08/plan-b-usa-tagebuch-1990/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>22</slash:comments> </item> <item><title>Künstler unterwegs</title><link>http://www.spreeblick.com/2005/05/18/kunstler-unterwegs/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2005/05/18/kunstler-unterwegs/#comments</comments> <pubDate>Wed, 18 May 2005 13:05:10 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">/?p=894</guid> <description><![CDATA[<p>99% aller Legenden über Rockbands, die Hotelzimmer verwüsten, dürften Blödsinn sein.</p><p>Bleibt aber immerhin noch 1% übrig.</p><p>Ich kann mich nicht mehr genau an das Kaff erinnern, aber ich bin mir sicher, dass die Buchstaben f, r, u, s und t im Ortsnamen vorkamen. Die uns zugewiesene Pension &#8222;Rentnerruhe&#8220; konnte nichts dafür, dass sie uns aufnehmen musste. Und erst recht nicht dafür, dass wir als Band und Crew nach einigen Wochen täglicher Ortswechsel und mangels Abweichungen vom Alltagstrott &#8222;Busfahren &#8211; Aussteigen &#8211; Aufbauen &#8211; Soundcheck &#8211; (schlecht) Essen &#8211; Auftreten &#8211; Abbauen &#8211; Saufen &#8211; (schlecht) Schlafen&#8220; auf dem geistigen Niveau junger Hunde angelangt waren.</p><p>Es muss während der gemeinsamen Tour 1990 (1991?) mit Terry Hoax gewesen sein (das war die Tour, die ob eines harmlosen, ziemlich bescheuerten, aber dadurch umso lustigeren Kleinbus-Unfalls, der mit der Verwechslung eines Ganges zu tun hatte, gleich zu Beginn derselben &#8222;Rückwärts-in-die-Charts-Tour&#8220; getauft wurde), als an diesem Abend in dieser Pension alle etwa 20 Mitreisenden in einem Raum versammelt waren.</p><p>Es war nicht so, dass die Stimmung wegen des vorhergegangenen, nicht so richtig tollen Gigs schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil. Wir waren gut drauf. Hellwach. Experimentierfreudig.</p><p>Wir waren zum Beispiel noch kräftig genug, um herauszufinden, ob der Teppich im schmalen, langen Flur unserer Etage tatsächlich ein langer Streifen oder ob er gestückelt war (Antwort: etwa acht Meter am Stück, man konnte ihn gut zusammenrollen) und ob auch fast leere Sprühdosen noch prima knallen, wenn man sie mit viel Schwung aus dem zweiten Stock auf den Parkplatz hinter der Pension schmeißt (Antwort: ja).</p><p>Auch unsere Kreativität war ungetrübt. Nach dem Entleeren der kleinen Wodka-Flaschen aller vorhandenen Minibars füllten wir diese zwecks Tourkostenminimierung (wir wollten ja die Eintrittspreise klein halten &#8211; alles für die Fans!) mit Wasser und stellten sie zurück in den kleinen Kühlschrank (Jahre später musste ich mich in einem ganz anderen Hotel über als Wodka getarntes Wasser in meiner Minibar beschweren, wir hatten also definitiv einen Trend kreiert).</p><p>Wir sangen Lieder. Wir lachten. Wir hatten Spaß. Wir entfalteten uns als Individuen.</p><p>Doch wie heute wurden auch schon damals positive jugendliche Eigenschaften wie Forschungsdrang, Kreativität und Engagement für die Umwelt durch staatliche Oppressionen und mittels Intoleranz anderer Pensionsgäste, die sich um 2h Nachts lieber einer in unseren Augen reaktionären und daher gefährlichen Passivität namens Schlaf hingeben wollten, im Keim erstickt.</p><p>Und so tauchte der Pensionsinhaber in unserer gemütlichen Runde mit der freundlichen Bitte auf, etwas leiser zu sein und die entstandene Unordnung zu beseitigen. Obwohl er kaum bewaffnet war, willigten wir nach gescheiterten diplomatischen Verhandlungsbemühungen (&#8222;Verpiss dich!&#8220;) ein. Unter den strengen Augen des Diktators räumten wir kichernd auf, bis dieser uns nach einem zufriedenen Rundgang durch unsere Zimmer eine gute Nacht wünschte.</p><p>Dennoch triumphierten wir noch am kommenden Tag. Denn unseren größten künstlerischen Erfolg, die subversivste unserer Performances hatte der maÃ®tre de la maison übersehen.</p><p>Die Bilder an den Wänden der Zimmer, alles irgendwelche langweiligen Kunstdrucke mit Berg-, Tal- und Tierdarstellungen, hatten wir ausnahmslos aus ihren Rahmen befreit und auf der Rückseite des Drucks mit unseren eigenen künstlerisch natürlich viel hochwertigeren Anstrichen versehen. Diese malerischen Ergüsse wurden sorgsam wieder gerahmt und an die vorgesehenen Stellen zurück platziert. Was zumindest während unserer Anwesenheit und in der besagten Nacht dem Herbergsvater nicht aufgefallen war.</p><p>Merke: wahre Kunst ist nicht zu stoppen. Sie setzt sich, auch <a
href="http://www.secretwalltattoos.com/">in anderen erdenklichen Formen</a>, immer durch.</p><p><em>(Das einzige weitere Hotel, das (soweit ich mich erinnern kann) jemals unter unserer Anwesenheit leiden musste, beherbergte uns 1987 in Moskau. Aber das ist eine eigene Geschichte.)</em></p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2005/05/18/kunstler-unterwegs/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>7</slash:comments> </item> <item><title>1977</title><link>http://www.spreeblick.com/2004/11/23/1977/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2004/11/23/1977/#comments</comments> <pubDate>Tue, 23 Nov 2004 15:52:41 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">/?p=245</guid> <description><![CDATA[<p><a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S"><img
src="http://www.spreeblick.com/wp-content/uploads/2011/12/ilivebytheriver_small.jpg" alt="I live by the river!" title="I live by the river!" class="alignleft size-full wp-image-51561" /></a><small><em><p
style="margin-bottom:30px">- Werbung in eigener Sache -</em></small><br
/> <a
href="http://www.amazon.de/gp/product/B006MGTO5S/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=spreeblick-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B006MGTO5S">Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook &#8222;I live by the river!&#8220;, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll!</a><img
src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=spreeblick-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B006MGTO5S" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> Infos dazu gibt es auch <a
href="http://www.spreeblick.com/2011/12/16/i-live-by-the-river-15-geschichten">hier</a>.<br
/> <small><em>- Ende der Werbung in eigener Sache -</em></small><p>Der zweite Teil der sehr zusammenhanglos geschriebenen und veröffentlichten Plan B Historie ist fertig. Und ist wohl eher ein erster Teil. Und hat zunächst gar nichts mit Plan B zu tun.</p><p>Wir schreiben das Jahr 1977.</p><p>Ich bin ich dreizehn Jahre alt.</p><p>Die Kleinen, frisch am Gymnasium und quer über den Hof verteilt, sind mit Einkriegespielen beschäftigt.</p><p>Die Mittleren, schon eine Weile dabei, befinden sich mitten in der Stilfindungsphase. Besondere Merkmale: Sehen komplett scheiße aus und versuchen erfolglos cool zu sein.</p><p>Die Älteren. Dürfen in der Raucherecke stehen, rauchen daher auch alle und tragen alle ausnahmslos Pali-Tücher und Parkas, sehen somit wirklich cool aus. Glauben sie wenigstens.</p><p>Die Kleinen himmeln die Mittleren an, die natürlich die Älteren bewundern. Ich gehöre zu den Mittleren und jeder hat einen Spitznamen, der fast immer aus der erste Silbe des Nachnamens und einem angehängten &#8222;-ie&#8220; besteht. Meine besten Kumpels heißen &#8222;Stiffie&#8220; (Jörg Stiffel) und &#8222;Skolie&#8220; (Andreas Skolaster),  ich bin &#8222;Häussie&#8220; (das &#8222;ae&#8220; lassen wir mal weg).</p><p>Wir wissen zu dieser Zeit noch nicht, dass man seine gesamte Freizeit mit Masturbieren verbringen kann, aber wir haben eine Vorahnung und sie trägt den Namen Suzi Quatro. Ansonsten hören wir Queen (die harten Sachen), Supertramp (wegen der Mädchen), Status Quo (die engen Jeans!) und ein wenig Glitterrock. Sweet und Slade sind noch übriggblieben und Kiss schießen auf der Bühne Bravo-Berichten zufolge Feuer aus ihren Gitarren, entsprechen also Göttern. Led Zeppelin, Black Sabbath: Alles etwas zu heavy für uns kleinen Pimpfe.</p><p>Andreas Hartmann, der als Ausnahme der Regel und ob seines beneidenswerten Namens eher selten &#8222;Hartie&#8220;, sondern &#8222;Hartmann&#8220; genannt wird, sieht nicht nur aus wie Freddie Mercury. Er kennt alle Queen-Texte, hat vor allem auch die Platten dazu und ist mit seiner Performance der Hit jeder Party, bei der er zum Playback durch die Wohzimmer unserer Eltern springt, inklusive Ausfallschritt nach vorn mit lanzenartig nach vorn gerecktem Mikroständer und Oberkiefer überhängen lassen. Ein Jahr später wird Hartmann  außerdem der Erste sein, der beim Abtrocknen nach dem Schwimmen nicht dicht an den Kleiderschrank gedrängt mit dem Rücken zu den Kumpels steht, sondern mitten in der Umkleidekabine. Denn er hat jetzt Haare am Sack.</p><p>Mein Blick wandert über den Schulhof und bleibt in der Raucherecke stehen. Ich kenne alle Älteren (vom Sehen), aber den da nicht. Zwischen den langhaarigen Parkas steht ein Typ mit einer Motorradlederjacke, wie sie Rocker tragen. Seine Frisur erinnert an Filme von James Dean (Filme sind nicht &#8222;mit&#8220;, sie sind immer &#8222;von&#8220;, und zwar ihrem Hauptdarsteller), aber das Wichtigste, das Unfassbare, das, was diesen Moment zu dem macht, was er für immer sein wird:</p><p>Er trägt knallenge Jeans, die am Knie zerrissen sind.</p><p>&#8222;Der is&#8217; Punker&#8220;, attestiert ausgerechnet Christoph Rohner, dessen Musikwissen eher nicht existent ist. Die folgenden Wochen verbringe ich mit intensivem Studium sämtlicher BRAVO Ausgaben zum Thema. Die Sex Pistols spucken auf Bildern in die Kamera und tragen zerrissene Pink Floyd T-Shirts. Das imponiert mir enorm, denn ich hasse Pink Floyd und bin froh über Menschen, die älter als ich sind und mir dennoch Recht geben. The Clash sehen unglaublich aufregend aus mit ihren selbst besprühten Hemden und ihren Posen. Die Sache mit den Sicherheitsnadeln in der Wange macht mir zu schaffen, aber da ich sie immer nur bei den Fans und nicht bei den Bands sehe, gibt es Hoffnung. Die Tatsache, dass offensichtlich die gesamte bestehende Musikwelt Punk hasst und dass das den Punkern selbst komplett egal ist, trägt weiterhin dazu bei, dass ich mehr wissen will.</p><p>Es gibt nur einen Weg, der Sache näher zu kommen. Ich muss den Typ mit den zerissenen Jeans kennen lernen.</p><p>Er heißt Raymond Ebert. Man behauptet, er würde in der ersten Punkband Deutschlands spielen, deren Name allein bei mir Herzklopfen auslöst: PVC. Die drei Buchstaben als Bandname bedeuten für mich zeitgleich Revolution, Gesellschaftskritik und verbotener (und vor allem noch völlig unbekannter) Sex.</p><p>Raymond ist der Sohn des Hausmeisters der Schule, was ihn zu dem Privileg eines eigenen, mysteriösen Raums in den Kellern der Schule verholfen hat, in welchem sich von ihm authorisierte Teile der oberen Semester in den großen Pausen treffen. Der Zugang zum Punkrock, soviel steht fest, ist baugleich mit der Tür zu Raymonds Privatraum im Keller unserer Schule.</p><p>Meine Mutter ist begeistert, als ich von meiner Kurzhaar-Idee berichte und im Gegensatz zu mir ist sie vom Resultat der Umsetzung begeistert. Endlich mal was Anständiges. Ich selbst fühle mich wie der Igel aus dem Werbefiguren-Sortiment der Salamander-Schuhgeschäftkette, denn das, was ich nun auf dem Kopf trage, nennt man &#8222;Meckie-Schnitt&#8220;. Nicht sehr Punk attestiere ich mir selber, sehe es aber als ersten Schritt, dem dringen weitere folgen müssen.</p><p>Vor allem muss dieser Schritt reichen, um an die heilige Pforte klopfen zu dürfen. Was ich eines Tages tue.</p><p>Die Tür eröffnet den Blick auf einen sehr kleinen Raum, zugequarzt bis zum Ende. Hinter den Rauchwolken vermute ich etwa vier Personen und bereue meinen Mut gleich bei der ersten Musterung meiner Person durch Raymond, begleitet von dem gastfreundlichen Satz:</p><p>&#8222;Watt willstn DU hier?&#8220;</p><p>&#8222;Öhm&#8230;. ich&#8230;. also&#8230; Hast du Punkplatten?&#8220;</p><p>Schallendes Gelächter aus dem Raum, na klar. Aber auch ein wenig Respekt vor dem kleinen Hosenscheißer, der sich was traut.</p><p>&#8222;Ick hab ALLE Punkplatten, Alter.&#8220;</p><p>Die Tatsache, dass Raymond sich wieder in den Raum verzieht, ohne mir die Tür vor der Nase zuzuknallen, verstehe ich als Einladung. Schweigend sitze ich als Nochnichtraucher in dem engen Raum, während Raymond in seiner tatsächlich beachtlichen Plattensammlung blättert.</p><p>&#8222;Ditt musste haben, Alter. Und ditte hier und ditte. Ditt is Punk.&#8220;</p><p>Das knallgelbe Sex Pistols Album, das im Fotokopie-Stil gehaltene erste Clash Album sowie die erste Vibrators LP liegen vor mir und brennen sich in meine Gedächtnis ein, als ginge es darum, sich den PIN-Code für die eigene EC-Karte zu merken (wobei es zu dieser Zeit noch gar keine PIN-Codes für EC-Karten gab, schon gar nicht für Dreizehnjährige, was den Vergleich ziemlich hinken lässt).</p><p>&#8222;Sex Pistols kenn&#8217; ick schon!&#8220;, gebe ich an. Viel mehr kann ich nicht sagen, denn als nächstes legt Raymond eine der Scheiben auf und mir donnern Gitarren, Schlagzeuge und Stimmen um die Ohren, die mein gesamtes bis dahin mühsam erarbeitetes und zugebener Maßen nicht sehr umfangreiches musikalisches Weltbild zerstören.</p><p>Etwa zehn Minuten später klingelt es und ich muss zurück. &#8222;Kannst ruich wieda vorbeikomm, ick hab dauernd neuet Zeug&#8220;, ermutigt mich ein grinsender Raymond.</p><p>Als ich wenig später meine Klasse betrete, bin ich etwa fünf Jahre älter und &#8211; zumindest im Geiste &#8211; ein Punkrocker. Mit der Schere aus meinem Stifte-Etui beginne ich, an den Knien meiner Jeans entlang zu schaben und am Nachmittag des gleichen Tages werfe ich meine bisherige, etwa fünfzehn Vinylscheiben umfassende Plattensammlung in die Mülltonne auf unserem Hof.   The Sweet, Supertramp, Alan Parsons, Status Quo&#8230;. Ich will sie nicht einmal verkaufen.</p><p>Sie werden nicht mehr gebraucht.</p><p>Von niemandem.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2004/11/23/1977/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>14</slash:comments> </item> <item><title>It is our engine!</title><link>http://www.spreeblick.com/2004/11/23/it-is-our-engine/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2004/11/23/it-is-our-engine/#comments</comments> <pubDate>Tue, 23 Nov 2004 14:44:12 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">/?p=297</guid> <description><![CDATA[<p>Mehr Stoff für videohungrige Plan B Liebhaberinnen und auch Liebhaber!</p><p>Diesmal: &#8222;Discontentment&#8220; und &#8222;Mad World&#8220;, live gefilmt in Hannover (Capitol, glaube ich) am 15.4.1990. Diesmal 320&#215;240 Pixel, 25fps, ziemlich gute Qualität. Wieder 28MB. Leider ist kein Publikum zu sehen (aber zu hören) und der Clip hört auf mit dem Intro zu &#8222;Grab It&#8220;. Bricht dann aber ab, knapp 30MB müssen erstmal reichen. Bald gibt&#8217;s vom gleichen Konzert noch einen Leckerbissen, nämlich einen nie veröffentlichten Song.</p><p><a
href="http://www.spreeblick.com/videos/planb_150490_hannover01.mp4">MP4 Video hier</a>.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2004/11/23/it-is-our-engine/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>20</slash:comments> </item> <item><title>Waste some time&#8230;</title><link>http://www.spreeblick.com/2004/11/19/waste-some-time/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2004/11/19/waste-some-time/#comments</comments> <pubDate>Fri, 19 Nov 2004 13:35:24 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">/?p=293</guid> <description><![CDATA[<p>Zum Wochenende ein kleiner Leckerbissen für alte Plan B Fans mit DSL.</p><p>28 feinste Megabyte, acht Minuten sechzehn Sekunden, ein Video, zwei Songs, live aufgenommen in der ausverkauften (wir waren verdammt stolz darauf) Hamburger Großen Freiheit am 12.9.1990, sicher eines der besten Konzerte auf unserer besten Tour.</p><p>&#8222;Beam Me Up, Scotty!&#8220; und &#8222;Class Of &#8217;98&#8243;, ziemlich prima Sound und ganz gutes Bild mit ein paar feinen Posen, einem mir heute unverständlichen &#8222;Beam Me Up, Alex!&#8220; Mittelteil, einigen Amateur-Stagedivern und einem zünftigen &#8222;Vielen Dank! Tschau!&#8220; am Ende. Für euch im 400 Pixel breiten 16:9 Format (kicher), da man das komplette Schwarz am unteren Bildrand nicht wirklich braucht.</p><p><a
href="http://www.spreeblick.com/videos/planb_120490_hh.mp4">MP4 Video hier</a> (Save as&#8230; Ihr wisst schon.)</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2004/11/19/waste-some-time/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>15</slash:comments> </item> <item><title>Alphabet Soup</title><link>http://www.spreeblick.com/2004/10/05/alphabet-soup/</link> <comments>http://www.spreeblick.com/2004/10/05/alphabet-soup/#comments</comments> <pubDate>Tue, 05 Oct 2004 19:04:14 +0000</pubDate> <dc:creator>Johnny Haeusler</dc:creator> <guid
isPermaLink="false">/?p=233</guid> <description><![CDATA[<p>Es geht los und ich bin ein bisschen aufgeregt. Hier mein erstes Posting in der Plan B Historie ohne Reihen- und Rangfolge. Heute: Plan B in NYC 1994. Mit Überraschung.</p><p>Im Jahr 1993 erschien das letzte Plan B Album &#8222;Cyber Chords &#038; Sushi Stories&#8220; (das dritte für BMG) und so begeben wir uns im Frühjahr 1994 mit dem Cyber Chords Produzenten Mark Plati, der inzwischen fast zu einem Bandmitglied geworden ist, nach New York, um die Songs für den Nachfolger aufzunehmen.</p><p>6 Wochen Aufenthalt in eigenen, aber recht ranzigen und durchaus aufregenden &#8222;Appartments&#8220; knapp vor China Town und in den Looking Glass Studios am Broadway hat uns BMG genehmigt.</p><p>Diverse Umbrüche ( = Chaos) bei BMG zu dieser Zeit führen jedoch dazu, dass wir insgesamt 4 Monate lang (&#8222;Ach, macht doch ruhig noch ein bisschen weiter&#8220;) in NYC schreiben, spielen, arbeiten, leben und auch lieben konnten. Sex Content folgt später. Vielleicht.</p><p>Zwischenzeitlich besucht uns während der Aufnahmen, na klar, die Plattenfirma in Form unseres damaligen A&#038;R. Ein Bayer, wie er im Buche steht. Dick, laut und ohne Benehmen. &#8222;Saugeile Platte!&#8220; ist sein Kommentar nach dem Hören von etwa drei Stücken, denn lieber, als sich durch den Rest der Musik zu quälen, ist ihm der möglichst schnelle Konsum von Nahrungsmitteln und so wird die halbe Studiobelegschaft in ein möglichst teures Restaurant eingeladen.</p><p>Mit den im feinsten deutschen Akzent rausgebrüllten Worten &#8222;I want meat and beer!&#8220; macht der Mann uns gleich richtig doll beliebt in dem Laden und die Tatsache, dass er zwischenzeitlich in seiner Gier sein Besteck so heftig in die Mahlzeit sticht, dass die Hälfte davon über den Tisch segelt, macht das alles nicht besser.</p><p>Uns ist das schrecklich peinlich. Ihm nicht.</p><p>Glücklicherweise dauert der Besuch unserer Plattenfirma nur anderthalb Tage. Der Eindruck, den unser neues Werk hinterlassen hat, ist aber scheinbar so gut, dass uns in den folgenden Wochen immer wieder Journalisten aus Deutschland nach New York geschickt werden, um über die Produktion zu berichten.</p><p>Interviews, Fotos, Filmaufnahmen. Wir sind die Helden. Es ist klar, dass dies unsere beste und erfolgreichste Platte werden würde, noch bevor wir mit den Aufnahmen fertig sind.</p><p>Zurück in Deutschland steht der Termin zur Besprechung der Veröffentlichungsstrategie mit BMG an. Wir fahren also mit unserem neuen Manager Mark Chung nach München, um dort mit zwei A&#038;Rs (es war mal wieder einer dazu gekommen) sowie dem damaligen BMG-Chef Thomas Stein über die Platte, den Veröffentlichungstermin und das begleitende Marketing zu reden.</p><p>Mehrfache &#8222;Daumen hoch&#8220;-Handzeichen mit begleitendem Augenzwinkern und Schulterklopfen seitens der A&#038;Rs begrüßen uns.</p><p>Ein langer, ein sehr langer Tisch. An seinem Ende Thomas Stein, zu seinen beiden Seiten seine A&#038;R Manager. Danach an den Längsseiten die gesamte Band und Mark Chung. Ich freue mich, dass es jetzt endlich los geht, freue mich auf Pressetermine und Tourneen.</p><p>Herr Stein eröffnet die Runde in seiner direkten Art.</p><p>&#8222;Diese Platte&#8220;, beginnt er, &#8222;ist absolut unverkäuflich.&#8220;</p><p>Ich brauche einige Sekunden. Was meint er? Findet er sie tatsächlich so großartig, dass sie mit Geld nicht zu bezahlen ist? Ich frage ihn. In meiner direkten Art.</p><p>&#8222;Wie meinen sie das?&#8220;</p><p>&#8222;Man kann diese Platte nicht verkaufen. Und wir werden sie auch nicht verkaufen. Wir werden sie nicht veröffentlichen.&#8220;</p><p>Ich schwanke zwischen Tränen der Wut und dem Verlangen, ihn zu schlagen. In meinem Leben gab es bisher vier Situationen, die eine von mir angezettelte Schlägerei gerechtfertigt hätten. Einmal habe ich tatsächlich und völlig zu Recht zugehauen, die anderen drei Male nicht und obwohl ich froh darüber bin, da ich ein sehr gewaltfreier Mensch zu sein mag, bin ich mir sicher, dass es mir in den anderen drei Situationen sehr gut getan hätte, es doch zu tun. Naja. Peace, y&#8217;all.</p><p>&#8222;Darf ich fragen, wie oft sie das Album gehört haben, Herr Stein? Es ist sicher keine Platte, die sofort wirkt, aber&#8230;&#8220;</p><p>Er unterbricht mich: &#8222;Ich habe die Platte gar nicht gehört. Ich vertraue da voll auf meine A&#038;R Leute.&#8220;</p><p>Mir wird schwindelig. Ich schaue zu den beiden Verrätern, deren Blicke auf den Platin-Fußboden genagelt sind. Hilfe suchend geht mein Blick zu Mark Chung.</p><p>Der behält die Fassung. Erklärt Herrn Stein, dass es einen Vertrag gibt, der noch mehrere zukünftige Alben abdeckt.</p><p>Das klären alles die Anwälte, sagt Herr Stein, steht auf und geht. Seine A&#038;Rs folgen ihm so schnell sie nur können.</p><p>Mark erklärt uns die Situation. Erläutert, dass sich BMG gerade von fast allen nationalen Künstlern trennt und wir offensichtlich auch in den sauren Apfel beißen müssen. Da wir noch einen Vertrag haben, könne er vielleicht sogar noch Geld rausholen, aber die Aufnahmen seien futsch, die gehörten BMG.</p><p>Wir beschließen in den folgenden Wochen, dass wir kein Geld wollen, sondern stattdessen die Rechte an den Aufnahmen. Es folgt ein einjähriger Kampf mit Anwälten, die hauptsächlich im Urlaub und daher unerreichbar sind. Während dieser Zeit ist es der Band rechtlich nicht möglich, die Aufnahmen auf einem anderen Label heraus zu bringen oder anders besonders aktiv zu sein.</p><p>Etwa ein Jahr nach dem BMG Meeting sitze ich in meinem Auto und höre im Radio &#8222;Going Underground&#8220; von The Jam. Ich erinnere mich daran, warum ich begonnen hatte, Musik zu machen. Ich erinnere mich an die Kraft, die Emotionen, die Leidenschaft, die Liebe, die ich durch und mit und für Plan B immer hatte. Und ich erinnere mich an die dauernden Gespräche und Faxe der letzten Monate, an das Rangeln um Rechte und um Termine.</p><p>Und ich beschließe, die Band bis auf weiteres aufzulösen. Es ist meine Art &#8222;Fuck You!&#8220; zu sagen, auch wenn es die falsche ist, denn es tut wohl niemandem der Beteiligten mehr weh als uns selbst und den Fans. Aber es ist der einzige mir ersichtliche Weg, aus diesem Scheiß heraus zu kommen. Going Underground.</p><p>Das New Yorker Album, der Titel sollte &#8222;Alphabet Soup&#8220; sein, hat heute, genau zehn Jahre nach den Aufnahmen, immer noch seine Stärken und natürlich auch jede Menge Schwächen.</p><p>Um das zu beweisen, könnt ihr, die ihr bis hierher gelesen habt, die Songs als 192kps Stereo MP3s saugen. Nachfolgend eine Liste der Songs mit meinen Kommentaren.</p><p>Um zu hohen Traffic zu vermeiden und um klar zu machen, dass das alles sicher nur für ehemalige Plan B Fans spannend ist, habe ich das Verzeichnis mit einem Passwort gesichert. Der Login ist mein Vorname, das Passwort ist der Vorname des Plan B Gitarristen zweimal direkt hintereinander (wegen nötiger Passwortlänge). Alles klein geschrieben.</p><p>Enjoy your Alphabet Soup!</p><ul><li><a
href="http://spreeblick.com/sounds/bubblegum_crisis.mp3">Bubblegum Crisis</a> 4:25 6MB<p>Mein absoluter Lieblingstext des Albums, der Song, dessen Titel von der gleichnamigen Mangaserie stammt, handelt von unserer Zeit in New York, von Nächten voller merkwürdiger Begegnungen, voller zwielichter Clubs und Gestalten, aber auch von meiner eigenen Verwirrung in dieser Zeit, von meiner Bubblegum Crisis eben.</li><li><a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/get_myself_a_life.mp3">Get Myself A Life</a> 4:22 6MB<p>Ein eher schwacher Song, der es vermutlich nicht auf&#8217;s Album geschafft hätte, hier nur der Vollständigkeit halber gelistet. Unser Gitarrist Hans fand ihn schon immer scheiße und er hatte Recht.</li><li> <a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/icy.mp3">Icy</a> 3:53 5.3MB</p><p>Wortspiel. &#8222;Icy your heart&#8220; wird gesungen, eisig dein Herz, aber man versteht natürlich &#8222;I see your heart&#8220;. Naja. Wir waren jung. Zur Zeit der Aufnahmen brachte sich Kurt Cobain um (ich glaube, nicht wegen unserer Aufnahmen), was für uns alle ziemlich schockierend war. Für diesen Song habe ich daher das Gitarrenthema von Smells Like Teen Spirit abgewandelt und man hört sehr gut, dass einige Jahre später die Mock Turtles in Can You Dig It die gleiche Idee hatten. Genau dieselben Akkorde, nur dass wir keinen Weichei-Gesang drüber gepackt haben. Und keinen Hit damit hatten. Wie auch.</li><li><a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/infobahn.mp3">Infobahn</a> 3:51 5.2MB<p>Ganz furchtbar leider. Sollte ein Gimmick auf der Platte werden, eine Sample-Arie sondergleichen mit ganz viel grandiosem Input von unserem Drummer Perzi, aber irgendwie habe ich den Song nie hinbekommen. Beinhaltet aber immerhin von mir persönlich in Kanada aufgenommene Satz-Samples von niemand anderem als William Gibson, Autor von vielen guten Science Fiction Romanen und einer der Begründer der Cyberpunk-Literatur-Szene.</li><li> <a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/lets_live_forever.mp3">Let&#8217;s Live Forever</a> 3:59 5.4MB</p><p>&#8230;or die trying. Diesen Song mag ich sehr. Ich wollte unbedingt über meinen wenige Monate vorher recht jung verstorbenen Vater schreiben, aber ich wollte einen positiven, hoffnungsvollen Song zum Tanzen daraus machen, keine Ballade, kein Geheule. Ein paar hübsche Erinnerungen sind darin verarbeitet, meine Kinderstimme auf seinem Tonband, der Moment, in dem ich ihn zum ersten Mal habe weinen sehen und einiges mehr. Gegen Ende dann tolle Chöre, das sollte ein wenig an Gospels erinnern. Wäre bestimmt ein toller Livesong geworden.</li><li><a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/melt.mp3">Melt</a> 4:45 6.5MB<p>Ich wollte schon immer einen Song über Sex schreiben, über den Akt an sich mit allen Sauereien und das alles, ohne die einschlägigen Worte zu benutzen. Aber auch ohne von den Bienen zu erzählen. Textlich finde ich das gut gelungen, musikalisch ist es nicht ganz so sexy, wie ich es mir gewünscht habe, klingt ein wenig nach dem zweiten oder dritten Mal. Was ja aber auch schön war. Das Lieblingswort, das ich während der Wörterbuchrecherche zu diesem Song gelernt habe ist zweifelsohne &#8222;gyrate&#8220;.</li><li> <a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/now_with_the_volume_cranked_up_high.mp3">Now (With The Volume Cranked Up High)</a> 4:10 5.7MB</p><p>Ein weiterer Plan B Versuch, sowas wie &#8222;Cyberpunk&#8220; zu machen. Es sollte rocken und auch nach Technik klingen. Einige Bands haben das versucht, keiner ist es richtig gelungen, außer vielleicht später The Prodigy. Trotzdem ganz okay.</li><li><a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/nowhere.mp3">Nowhere</a> 3:23 4.6MB<p>Ganz klar der Hit der Platte, wäre eine Single geworden. Der Chorus basiert auf einem Sample eines alten Reggae-Songs (singt tatsächlich ein Mann). Wir alle liebten das Sample und hatten verschiedene Versionen ausprobiert, aber alles klang scheiße. Kurz vor Ende der Aufnahme-Sessions bin ich mit Mark allein ins Studio gegangen, habe die Drum-Machine angeschmissen, einen Bass und viele Gitarren aufgenommen und wir haben das Ganze irgendwo zwischen Jesus And Mary Chain und Hüsker Dü klingen lassen. Das Feedback am Ende dauert eine halbe Minute und der Song ist nach wie vor große Klasse.</li><li> <a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/too_clever.mp3">Too Clever</a> 2:33 3.4MB</p><p>So ist das eben, wenn man in New York ist, HipHop ist überall und Stile mischen sich sowieso. Uns kam es also völlig normal vor, nicht nur Rocksongs aufzunehmen. Sicher kein Superhammer, aber wichtig für uns damals, weil wir langsam und vorsichtig begannen, uns von klassischen Songstrukturen zu lösen. Lustig, finde ich.</li><li><a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/what_is_and_what_will_be.mp3">What Is (And What Will Be)</a> 5:48 7.9MB<p>Auch ein großer Song. Schöner Groove, gutes Gefühl und ein toller Bass von Mark mit einem weiteren Text, auf den ich sehr stolz bin. Alles drin: MTV, Konsumterror, Konzernmachenschaften, Sexismus, Wirtschaftsverbechen. Und das alles in einem einzigen Lied!</li><li> <a
href="http://www.spreeblick.com/sounds/telecom_communication_cripples_acoustic.mp3">Telecom Communication Cripples (Acoustic Version)</a> 5:28 7.4MB</p><p>Irgenwann saßen wir im Studio rum (wie man das so macht, wenn BMG zahlt), Hans spielte Klavier, Perzi trommelte sachte dazu und wir spielten zum Spaß eine softe Version dieses Cyber Chords Stückes. Mark nahm es auf. Alles live, inklusiv Gesang. Der Song war inhaltlich so weit vorne, dass ihn damals niemand verstanden hat. Im Kern geht es um den Anfang der 90er beginnenden Kommunikationswahn und die Frage, ob wir überhaupt fähig sind, damit umzugehen, wenn wir es nicht mal schaffen, uns an der Aldi-Kasse vernünftig auszudrücken. Oder so. Technologie-Overkill als Songthematik.</li></ul><p>Zusatz: Ich packe hier irgendwann noch &#8216;ne Creative Commons Lizenz hin, es gilt: Nehmt, aber wehe, ihr versucht damit Geld zu verdienen. Personal use only, ansonsten meldet Euch einfach bei mir.</p> ]]></description> <wfw:commentRss>http://www.spreeblick.com/2004/10/05/alphabet-soup/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>66</slash:comments> <enclosure
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