Frischer Spreeblick
- Gespräch mit einer Hure, 2. Teil
- Gespräch mit einer Hure, 2. Teil
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- Gespräch mit einer Hure, 2. Teil
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- Gespräch mit einer Hure, 2. Teil
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03
Offensichtlich kann man nicht nur in die Hure alles hineinkippen, sondern auch ins Internet… Ja, ich stehe gern im Mittelpunkt, auch hier. Wer das als Ego-Polierung bezeichnen möchte, möge es tun. Wer sich dadurch verunsichert fühlt, möge sich melden. Ich werde ihm tröstend zuzwinkern. Bis dahin setze ich mich weiterhin in meiner Art mit mir und den Feedbacks auseinander. Man wird zugeben, dass ich nicht eben viele Vorbilder finden kann, wie man die eigene Prostitution und ihr teilweises Coming-Out geistig “verwursten” kann. Bin also notwendig auf meinen Stil angewiesen. Wer ihn bekrittelt, möge dieselbe Situation besser meistern. - Und natürlich “mäandere” ich mich durch “fraktale” Selbsterkenntnisprozesse und natürlich katalysiert die Prostitution einen solchen Weg. Was soll ich machen? Vollständig und gradlinig zur Erleuchtung marschieren zu können, wäre mir auch lieber. Leider funktioniert Selbsterkenntnis so nicht. Und bis dahin: mäandernd, fraktal und mit herzlichen Grüßen - Nora
02
Ja, nicht wahr, Nora ist ein passendes, literarisches Pseudonym… hätte ich schon damals der Karo vom Küchenradio vorziehen sollen. Zu der Frage, was ich sonst noch mache: Ich fröne meiner Begabung zur Verzettelung… Als intensives Hobby tanze ich, an Ausbildungen mache ich nach einem Universuch über zwei Semester nun ein Fernstudium zur Journalistin und eine Ausbildung in einer Form der Körpersychotherapie. Es werden also mehrere Standbeine, Kopf und Körper - in der Hoffnung, dass sich diese traditionell getrennten Bereiche irgendwann fruchtbar vereinigen werden… Da bin ich keine Ausnahme. Die meisten meiner Kolleginnen basteln auf diese Weise an einer anderen als der Puffzukunft. Sitzen z.B. mit ihrer Architekturmappe da und fauchen uns an, ja nicht an den Tisch zu stoßen… - Zu der Frage, wo ich denn die Grenze meiner Mitteilung ziehe: Das habe ich theoretisch noch nicht abgesteckt. Ich fühlte mich von dem Wust der so unterschiedlichen Kommentare unreflektiert mit den erstbesten Impulsen beschossen und wollte zurückgeben, was diese Geste an sich schon über Klischees aussagt. Ich habe die Frage nach meiner privaten Sexualität aber auch deshalb nicht beantwortet, weil ich es kaum kann. Sie ist weder abnorm noch krank oder besonders spannend. Kein Problemfall, nichts, dass auf meinen Job schließen ließe (abgesehen von einigen Kondomkniffen…). Nur - auch wenn ich behaupte, dass sich da nichts vermische, kann ich da gut einem Selbstbetrug aufsitzen. Anfällig für die rosarote Brille, wie wir alle in allen Bereichen. Aus der körpertherapeutischen Erfahrung denke ich, dass der Körper immer viel mehr speichert und weiß, als dem Bewusstsein zugänglich ist. Also was hättet ihr von meiner Einschätzung, das sei alles normal? Wenn das Normale schon neurotisch ist, die Hure nur die verkörperlichte Diagnose einer neurotischen Gesellschaft? Wenn ihr mir danach auf der nächsten Ebene misstrauen könnt, wie gut ich über mich Bescheid wüsste… Dank an dieser Stelle an Malte, der sich tapfer an die Aufgabe gesetzt hat, unser Gespräch so weit zu kürzen. Dieser Antwortversuch illustriert wohl, wie sehr ich selbst unfähig bin, das Riesenthema Prostitution einzugrenzen…
01
Natürlich, wenn sich eine Hure nicht an der Diskussion beteiligt, liegt es daran, dass sie keine Kohle dafür kriegt… Wahnsinn, wie ihr mir das Etikett auf die Stirn klebt! Tatsache ist, dass ich mich an das irrsinnige Tempo der Blogger erst noch gewöhnen muss. Ja, ich bin Karo vom Küchenradio. Häme unverstanden. Es reden halt nicht viele Frauen über diesen Job. - Ob mir Sex privat noch Spaß mache? Nun ja, wirke ich vielleicht wie eine Person, der es egal wäre, wenn sie sich “die schönste Nebensache der Welt” für ein paar Euros versauen würde? usw. - das heißt, viele Fragen beantworten sich wohl von selbst. Andere Fragen sind mir schlicht zu intim. Hättet ihr euch bei einer Kellnerin nach ihrer vaginalen Erregbarkeit erkundigt? Eine Privatsphäre der Hure scheint es nicht zu geben… ein in jeder Hinsicht und Beziehung öffentlich zugänglicher Körper, so wird er gehandelt, auch von denen, die seinen konkreten Gebrauch weit von sich weisen… Also: keinen Kommentar. Jedenfalls verschweige ich keine sexuellen Traumata, habe keinen Zuhälter, kann nicht mit anderen Katastrophen aufwarten. Viele Fragen wiederholen nur die ewige Problematisierung der Prostitution - und gehen damit an dem Zugang zur Realität, oder besser: zu den z.T. gegensätzlichen Realitäten, vorbei.