vielleicht mißverstehe ich, was Du meinst. Natürlich ist Gewalt menschlich. Zivilisation kämpft dagegen an, ist ein Ersatz fürs Faustrecht. Ganz gewinnen wird die Zivilisation nicht, denn das Gewalttätige ist zu tief in uns drin.
Schockierend ist dann allerdings, wenn schon ganz junge Schüler Gewalt als etwas ganz normales sehen; einen Lifestyle sozusagen. Das ist, überspitzt gesagt, Barbarei, ein Rückfall in den Zustand vor den Errungenschaften der Zivilisation. Denn es ist einen großer Unterschied, wie man mit seiner natürlichen Aggression umgeht: ob man sie irgendwie kanalisiert, sublimiert, oder ob man Gewalt tatsächlich in seinem Leben einsetzt, um Ziele zu erreichen. Schlimm ist es, wenn man nicht lernt, mit Gewalt umzugehen, sondern sie benutzt.
Wer nicht gewalttätig ist, ist gegen körperliche Gewalt wirklich total hilflos, weil sie einfach nicht mehr Teil der Alltagserfahrung ist, und damit wohl tatsächlich “Opfer”. Aber in Wirklichkeit ist der Gewalttäter der Verlierer, denn die ganze Aggression steckt kristallisiert in einem schützenden Berg aus Institutionen, Vorschriften, eben Gesellschaft, Zivilisation. Zivilisation gründet genauso auf Machtstrukturen, das ist im Kern auch Gewalt - “power”. Aber diese Art von Gewalt ist unendlich viel raffinierter, klüger, besser - auch im moralischen Sinn. (Oder ist das jetzt zu verstiegen? ich müsste das noch ausformulieren. Ist aber spät jetzt).
toller Artikel. Aber: mehr Geld für Bildung kann keinesfalls schaden, aber ich glaube nicht, dass Geldmangel das Hauptproblem ist. Ganz schlecht ist sicher dieses dreigliedrige System, bei dem ein Aufstieg fast unmöglich ist, wenn man einmal in eine der Schubladen einsortiert wurde. Gesamtschulen scheinen aber auch keine Lösung zu sein, vielleicht werden da auch nur intern diese Stufen abgebildet? ich weiss es nicht.
Ein großes Problem ist mE auch die Lehrerausbildung: in Deutschland lernt man auf hohem Niveau die Wissenschaft der Pädagogik, und dann muss man “bloß” lehren und teilw. jahrelang den gleichen Stoff abspulen. Diesen Lehrefrust, wie er hier: http://www.spiegel.de/unispiegel/schule/0,1518,407815,00.html beschrieben wird, habe ich selbst erlebt: an meinem Gymnasium wurden bei der Gründung ca. 1973 alle Lehrer frisch von der Uni eingestellt. Seitdem sind so gut wie keine neuen hinzugekommen, alle altern sie gemeinsam vor sich hin. Das würde mir auch keinen Spaß machen.
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René,
vielleicht mißverstehe ich, was Du meinst. Natürlich ist Gewalt menschlich. Zivilisation kämpft dagegen an, ist ein Ersatz fürs Faustrecht. Ganz gewinnen wird die Zivilisation nicht, denn das Gewalttätige ist zu tief in uns drin.
Schockierend ist dann allerdings, wenn schon ganz junge Schüler Gewalt als etwas ganz normales sehen; einen Lifestyle sozusagen. Das ist, überspitzt gesagt, Barbarei, ein Rückfall in den Zustand vor den Errungenschaften der Zivilisation. Denn es ist einen großer Unterschied, wie man mit seiner natürlichen Aggression umgeht: ob man sie irgendwie kanalisiert, sublimiert, oder ob man Gewalt tatsächlich in seinem Leben einsetzt, um Ziele zu erreichen. Schlimm ist es, wenn man nicht lernt, mit Gewalt umzugehen, sondern sie benutzt.
Wer nicht gewalttätig ist, ist gegen körperliche Gewalt wirklich total hilflos, weil sie einfach nicht mehr Teil der Alltagserfahrung ist, und damit wohl tatsächlich “Opfer”. Aber in Wirklichkeit ist der Gewalttäter der Verlierer, denn die ganze Aggression steckt kristallisiert in einem schützenden Berg aus Institutionen, Vorschriften, eben Gesellschaft, Zivilisation. Zivilisation gründet genauso auf Machtstrukturen, das ist im Kern auch Gewalt - “power”. Aber diese Art von Gewalt ist unendlich viel raffinierter, klüger, besser - auch im moralischen Sinn. (Oder ist das jetzt zu verstiegen? ich müsste das noch ausformulieren. Ist aber spät jetzt).
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toller Artikel. Aber: mehr Geld für Bildung kann keinesfalls schaden, aber ich glaube nicht, dass Geldmangel das Hauptproblem ist. Ganz schlecht ist sicher dieses dreigliedrige System, bei dem ein Aufstieg fast unmöglich ist, wenn man einmal in eine der Schubladen einsortiert wurde. Gesamtschulen scheinen aber auch keine Lösung zu sein, vielleicht werden da auch nur intern diese Stufen abgebildet? ich weiss es nicht.
Ein großes Problem ist mE auch die Lehrerausbildung: in Deutschland lernt man auf hohem Niveau die Wissenschaft der Pädagogik, und dann muss man “bloß” lehren und teilw. jahrelang den gleichen Stoff abspulen. Diesen Lehrefrust, wie er hier: http://www.spiegel.de/unispiegel/schule/0,1518,407815,00.html beschrieben wird, habe ich selbst erlebt: an meinem Gymnasium wurden bei der Gründung ca. 1973 alle Lehrer frisch von der Uni eingestellt. Seitdem sind so gut wie keine neuen hinzugekommen, alle altern sie gemeinsam vor sich hin. Das würde mir auch keinen Spaß machen.