Pro Reli Update
Bushido
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Iris:31.10.2008 um 19:33@christoph krastistos (#16):
Den Kommentar, den Du hier abgelassen hast, finde ich offen gesagt genauso ‘rückständig und doof’ wie das, was Bushido da mal wieder ausgeschieden hat.
Wenn das ein Musterbeispiel für konservatives Denken ist, dann ist das imo gleichbedeutend mit ‘rückständig und doof’.
Bitte lachen Sie Ihren Nazi-Nachbarn nicht aus, er könnte in ein paar Jahren Ihr Aufseher sein
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Iris:27.10.2008 um 18:59@thomas maier (#30):
wenn man thomas manns zitat aus Iris’ beitrag ernst nimmt können wir gleich Dachau etc. wieder anwerfen und nazis vergasen (und wolfgang schäuble - wenn wir grad schon dabei sind).
HÄH?! Wie kommste denn vom Thomas-Mann-Zitat auf das Gleis? Gibt’s für Dich nur entweder Tolerieren oder Umbringen? Nach meinem Verständnis hat Thomas Mann das so ganz bestimmt nicht gemeint. Und auch verurteilte Verbrecher werden in unserem derzeitigen System meines Wissens nicht vergast. Oder hab’ ich da was verpasst?
Erschreckend finde ich persönlich allerdings eher die aus Deiner Interpretation erkennbare Tendenz zu Extrempositionen.
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Iris:27.10.2008 um 18:09Zitat Udo Vetter:
Engstirnig, indem man eine politische Einstellung zu einer Krankheit erklärt (”Prävention statt Therapie”). Intolerant, indem man Andersdenkende ausgrenzt, statt die sachliche und, wenn notwendig, rechtliche Auseinandersetzung mit ihnen zu suchen. Menschenverachtend, indem man Rechte für minderwertig erklärt, sie zu Unpersonen macht.
Als Erwiderung darauf möchte ich hier zunächst zwei Zitate zu Bedenken geben:
“Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt.”
- Thomas Mann, Der Zauberberg“Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus. Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi.”
- Gerhard Bronner, Rede zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ GunskirchenErgänzend zu Letzterem möchte ich nur noch eins anmerken:
Mag sich jeder selbst die Frage stellen, ob er es für sinnvoll erachtet, sich argumentativ mit Leuten über rechtsradikale Positionen auseinanderzusetzen, die nicht über ein Mindestmaß an Anstand und Intelligenz verfügen. Was mich betrifft, ich halte das für vergebliche Liebesmüh.
Rechte Links
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Iris:30.09.2008 um 18:01@Euphemist (#77):
Die Diskussion zum Thema Islam/Integration/Einwanderung bewegt sich leider zwischen den Extremen “heile Welt” und “Ausländer raus”. Beides ist realitätsferner Unsinn, der niemandem hilft.
Nö, das ist keine objektive Beschreibung der Diskussionsgegensätze. Das ist nur Ihre persönliche Sichtweise der Fronten. Und die unterscheidet sich z.B. von meiner ganz erheblich:
Erstens sehen die Gegner von PI, Pro-Köln und deren Sympathisanten nicht alle nur ‘heile Welt’; zweitens würde ich den offen oder verdeckt vertretenen Standpunkt ‘Ausländer raus’ nicht als ‘realitätsfernen Unsinn’ verharmlosen, sondern ich verurteile ihn als menschenfeindliche Volksverhetzung, die ich als Bedrohung für viele meiner Mitmenschen ansehe. Und von jemandem, dem es um gerechte Lösungen für Integrationsprobleme geht (die ich entgegen ständiger gegenteiliger Unterstellungen sehr wohl wahrnehme), erwarte ich zunächst mal größtmögliche Distanz zu Ausländerfeinden. Ansonsten glaube ich ihm nämlich schon mal gar nicht, dass es ihm wirklich darum geht. Und über ‘Ausländer raus!’ - egal in welcher Verkleidung - lasse ich mir keine Diskussion aufzwingen, das bekämpfe ich - und zwar kompromisslos!
Contra pro Köln
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Iris:26.09.2008 um 23:20@Peter (#102):
Hätten Sie oder irgendjemand sonst bei pro-köln volksverhetzendes (gott, was für ein grässliches wort) feststellen können, wäre das verbot einfach gewesen, der linken wäre der lakmus-test, durch den sie gefallen ist, erspart geblieben und uns diese diskussion..
Netter Versuch, kausale Zusammenhänge herzustellen, die meiner Ansicht nach nicht gegeben sind. Ich schrieb bereits viiieel weiter oben (#28), dass das Ausbleiben eines Kundgebungsverbots vorab in meinen Augen weder Pro-Köln, noch deren geladene ‘Gäste’ vom Vorwurf der bereits erfolgten und/oder beabsichtigten Volksverhetzung entlastet. Um sowas jedoch offiziell feststellen zu lassen, bedarf es in vielen Fällen eines langen Rittes durch die juristischen Instanzen - was man ja auch von den Versuchen kennt, der NPD die Volksverhetzung nachzuweisen. Meiner Ansicht und meiner Rechtsauffassung nach ist es aber dennoch nichts anderes als Volksverhetzung, was Pro-Köln und Gesinnungsgenossen betreiben. Und das sahen offenbar sehr viele andere Menschen in Köln am letzten Wochenende auch so. DARUM platzte dieser ‘Kongress’ und nicht etwa, weil ein paar Staatsvertreter sich im Nachhinein noch durch ein spätes und unnötiges Verbot an die erfolgreiche Widerstandsbewegung ‘gegen Rechts’ dranhängten. Und daran können weder Verdrehungen der Tatsachen, wie das künstliche Aufbauschen von Ausschreitungen einer kleinen Randgruppe von Linksextremisten, noch nachträgliches ‘Mit-den-Füßen-Aufstampfen’ und nach Meinungsfreiheit kreischen von Seiten der Rechtsextremisten etwas ändern.
>>‘das Recht des Stärkeren’
war es nicht gerade das, was in köln galt?Nein, war es nicht. In meinen Augen haben sich in Köln am letzten Wochende viele Tausend Menschen für eine Minderheit (also für die Schwächeren) stark gemacht. Und darüber freue ich mich immer noch sehr. Doch ich fürchte, ich bin nicht in der Lage, ihnen diesen kleinen aber feinen Unterschied verständlich zu machen.
Und das soll’s dann auch zu dem Thema von mir an dieser Stelle gewesen sein.
Gute Nacht und ein schönes Wochenende Allerseits.
Rechte Links
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Iris:26.09.2008 um 20:42Schönes Blogposting. Es hat Spaß gemacht, es zu lesen. Mir persönlich ist es schon immer schwer gefallen, mich politisch irgendwo einzuordnen. Irgendwie hat irgendwas nie so 100%ig zu mir gepasst. Den Grund dafür hast Du sehr treffend auf den Punkt gebracht:
Die Welt ist nämlich rund.*
Leichter fiel es mir schon seit jeher zu sagen, was ich nicht bin oder will.*) Dazu passt einer meiner Lieblings-Aphorismen von Francis Picabia:
Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.
Contra pro Köln
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Iris:26.09.2008 um 19:46@Viva Hammonia (#100):
Mich haben Sie ja auch bereits im Verdacht, ein, überspitzt gesagt, “nazistischer Volksschädling” zu sein, so schnell geht das.
Ach was, nehmen Sie sich nicht so wichtig. Ihre Drama-Queen-Attitüde, mit der Sie sich hier als armes, verfolgtes Opfer der bösen, bösen Linksfaschisten gerieren, geht mir gelegentlich bloß furchtbar auf die Nerven. Ansonsten sind Sie und Ihre Gesinnung mir wirklich herzlich egal.
Ende der Durchsage.
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Iris:26.09.2008 um 18:37@Peter (#99):
Erkennen Sie nicht, dass unsere Freiheitsrechte mit der Bedingung verknüpft sein müssen, sie nicht dazu zu missbrauchen, die Rechte anderer zu verletzen (deshalb auch der Hinweis auf den Volksverhetzungsparagraphen, den Sie jedoch bei Ihrem Versuch einer Gegenargumentation einfach unter den Tisch fallen ließen)?
Andernfalls gilt nämlich irgendwann nur noch ‘das Recht des Stärkeren’.
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Iris:26.09.2008 um 16:30@Peter (#95):
ach so, na dann. bringt das problem, dass Sie, wenn Sie könnten, manchen leuten das recht, ihre meinung zu veröffentlichen, entziehen würden, mithin nicht mehr allen leuten die selben rechte zugestehen würden und somit forderten, ihnen das recht, ihre meinung zu veröffentlichen, zu entziehen. mhh. um solche gedanken weiterzudenken ist es mir noch zu früh.
Wen versuchen Sie hier eigentlich zu verarschen? Glauben Sie etwa, dass Ihre Taktik, sinnentstellend zu zitieren und dann Ihre Unterstellungen dazu zu dichten, hier nicht auffällt?
Es spricht für sich, dass Sie sowas nötig haben. Machen Sie ruhig so weiter, aber erwarten Sie von mir keine Erwiderungen mehr darauf. Auf die Art von geistiger Auseinandersetzung hab’ ich nämlich jetzt keine Lust mehr. Das ist mir zu stupide und zu langweilig.
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Iris:26.09.2008 um 15:50@Peter (#84):
es gibt mit sicherheit immer noch etliche nationale sozialisten (der sozialismus ist ja eh wieder in mode), nur nicht mal annähernd so viele als dass es irgendwo staatsbedrohend würde - zumal ja bekannterweise ein gutteil von den aktiven dort eh vom verfassungsschutz geführt wird.
Das ist Ihre Einschätzung … die aber nicht jeder teilen muss. Im übrigen werden auch islamistische Gruppierungen vom Verfassungsschutz beobachtet. Um die bräuchten sich die Bürger ja dann, Ihrer Logik folgend, auch keine Sorgen mehr machen.
sollen die grundrechte nur politisch motivierten rechte-entziehern entzogen werden, nicht aber kriminellen oder triebtätern?
Erstens hab’ ich ja gar nicht gefordert, ‘politisch motivierten rechte-entziehern’ die Grundrechte zu entziehen (wieder so ‘ne typische Unterstellung). Meine Forderung, dass politische Parteien und Populisten zunächst mal unser Grundgesetz zumindest soweit anerkennen müssten, dass sie allen in Deutschland lebenden Menschen die gleichen Rechte zugestehen, bezog sich lediglich auf das Recht zur öffentlichen Verbreitung ihrer Ansichten und das Versammlungsrecht. Zweitens macht diesbzgl. auch der Gesetzgeber Einschränkungen - nämlich in Gestalt des Volksverhetzungsverbots.
ein blick in die weit welt reicht da doch aus.
Hier geht’s aber um die Situation in Deutschland. Wieso muss ich denn da in die Welt blicken? Finden Sie hierzulande nicht genügend drastische Beispiele für die von Ihnen suggerierte Bedrohung unseres Rechtsstaats durch den Islam? Ich hätte mit der Nennung von zahlreichen Beispielen aus der rechtsextremen Szene, die weit über ein paar fliegende Steine oder verbale Drohungen hinaus gehen, jedenfalls keine Probleme - leider.
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Iris:26.09.2008 um 13:57@Peter (#81):
die m_e_nge der lehrerkinder und ähnliche sind die schwätzer, das sind die, die mehr als ein halbes jahrhundert nach hitler den widerstand gegen ihn und die seinen verstärken.
Die ‘Lehrerkinder’ müssten nicht mehr als ein halbes Jahrhundert nach Hitler den Widerstand gegen ihn und die seinen verstärken, wenn es nicht immer noch und immer wieder Hitler-Nachäffer gäbe.
dass von den rechtsextremen aktuelle eine ernstzunehmende gefahr für den rechtsstaat ausgeht, glauben Sie doch nicht ernsthaft, oder?
Mich haben Sie zwar nicht gefragt, aber ich glaube das. Immerhin werden seit geraumer Zeit wieder rechtsextreme Politiker in deutsche Landtage gewählt. Und auch rechtsextreme Gewalttaten ihres Fußvolks nahmen in den letzten Jahren stetig zu und werden immer brutaler. Haben Sie davon etwa bislang nichts mitbekommen?
Tja, und dann tauchten da ja vor einiger Zeit noch die Scheinislamkritiker aus dem bürgerlichen Lager auf, die mittlerweile nicht nur in Köln mit den herkömmlichen Rechtsaußenvertretern eine immer größer werdende Schnittmenge bilden, worauf Frédéric (#79) mit seinem Link hinwies.
Und dass Broder in diesem Artikel keinen Bezug zum Islam herstellt, das wollen Sie uns doch wohl nicht ernsthaft weismachen, oder?
(…) mit einem relevanten Teil der Bevölkerung, von dem man weiß, dass er eine gewisse Affinität zu unkontrollierbarem Verhalten hat. Was wir ja dann zu Zeiten des Karikaturenstreites oder nach den Äußerungen des Papstes in Regensburg erlebt haben.”
Ach ja, was haben wir denn mit den einheimischen Muslimen erlebt beim Karikaturenstreit und nach den kalkulierten Provokationen durch den Papst in Regenburg, hm? Viele deutsche Muslime haben dagegen protestiert. Friedlich. Steht ihnen das denn Ihrer Ansicht nach nicht zu nach Art. 5 GG? Was genau ist denn dieses ‘unkontrollierte Verhalten’, von dem Broder da faselt? Meiner Ansicht nach arbeitet Broder da mal wieder mit diffusen Unterstellungen. Und ich denke, das macht er ganz bewusst, um Angst zu schüren.
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Iris:26.09.2008 um 12:00@Martin (#72):
Weil ich auf eine Rede von Gregor Gysi verweise und empfehle, sich die mal anzuhören, bin ich für Sie gleich ein Gysi-Fan und linksextrem? Sie überschätzen meine politische Begeisterungsfähigkeit.
Und Sie ‘entlarven’ mich? Toll, wie Sie das gemacht haben. Es ist ja auch nicht so, dass ich eine Website unter meinem Namen führe, die ich auch in meinen Kommentaren hier verlinke, so dass jeder x-beliebige Leser nachsehen könnte, mit wem er es hier zu tun hat. Nein, Sie cleverer Martin, ohne Gesicht und Website, mussten mich hier erst ‘entlarven’, damit den anderen ein Licht aufgeht. Wissen Sie was, ich find’ Sie irgendwie drollig.Übrigens bei mir läuft die politische Einordnung nicht so schlicht ab wie offensichtlich bei Ihnen - nach dem Motto: Wenn er/sie nicht rechts ist, ist er/sie links und umgekehrt. Ich beobachte erst eine Weile, was eine(r) selbst von sich preisgibt und bilde mir danach meine Meinung - bei manchen geht das schneller, bei anderen dauert’s etwas länger. Und mit Viva Hammonia hab’ ich’s hier nicht zum ersten Mal zu tun.
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Iris:26.09.2008 um 01:47@Viva Hammonia (70):
So so, Sie empfinden es also als ‘naiv-kindischen Kommentar’, wenn ich Nazis ’strunzdoofes Pack’ nenne. Damit kann ich leben, ich weiß ja, wer’s schreibt ;o). Offen gesagt spricht es Bände über Ihre eigene Gesinnung, für wen und gegen wen Sie sich hier regelmäßig ins Zeug legen - und das obwohl Sie sich gern darum drücken, Ihre Ressentiments und Parteinahmen offen und ehrlich auszusprechen. Es stinkt zum Himmel, auch wenn Sie gern so tun, als ob sie weit ab vom Sumpf in einem intellektuellen Elfenbeinturm säßen.
Woher haben Sie eigentlich Ihr eigenes, Ihren abfälligen Kommentaren nach, scheinbar über alles und jeden hier erhabenes Politikverständnis? Darf ich mal raten: BILD? So liest es sich jedenfalls für mich.
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Iris:25.09.2008 um 19:44@Viva Hammonia (#60):
Ach so, und welche Populisten von der Mehrheit ignoriert werden sollen und welche nicht, das bestimmen Sie? Wer ist hier ein selbstgerechter Heuchler?
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Iris:25.09.2008 um 19:13@Paolo Pinkel (#58):
Du kannst aber niemandem ernsthaft weismachen wollen, dass ein demokratischer Rechtsstaat berechtigt oder verpflichtet ist, eine rechtsextreme Kundgebung mit Gewalt gegen eine Mehrheit friedlicher Gegendemonstranten durchzusetzen. Da steht nämlich ein Schutzrecht gegen ein anderes. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gegen das Recht auf Versammlungsfreiheit. Davon abgesehen, schrieb ich Dir ja bereits (#23), dass ich das nachträgliche Verbot der Kundgebung für überflüssig hielt, weil es nach Lage der Dinge für die Pro-Köln-Anhänger eh unmöglich gewesen wäre, ihr Programm wie angekündigt auf dem Heumarkt abzuhalten.
Und nein, ich finde etwas nicht OK, nur weil es Mehrheitswille ist. Ich würde mich auch gegen Pro-Köln und ihre Gesinnungsgenossen stellen, wenn sie die Mehrheit hinter sich hätten. Es gibt für mich Dinge, die schwerer wiegen als der Wille der Mehrheit. Und mein Gewissen hat im Zweifel auch mehr Einfluss auf meine Entscheidungen als Gesetze. Doch ich würde dann auch nicht erwarten, dass die Mehrheit (die Allgemeinheit, der Staat) mich auf meinem Weg unterstützt. Denn der Staat vertritt in einer Demokratie nun mal den mehrheitlichen Willen des Volkes.
Nun zu Deiner letzten Frage: Wenn es auf dem Spielplatz so ausgegangen wäre, würde ich mir wünschen, dass Vater Staat einschreitet - auch wenn keiner nach ihm ruft. Ich fürchte nur, er würde es nicht mit der nötigen Entschlossenheit tun, weil er kein Interesse (mehr) daran hat, seine schwarzhaarigen Kinder genauso zu schützen wie die blonden. Umso wichtiger ist das Gerechtigkeitsempfinden, die Solidariät und Zivilcourage der blonden Mehrheit. Nun müssen wir beweisen, ob wir wirklich etwas dazugelernt haben…
Nachtrag: Ich habe nicht gemeint, dass Du behauptest, im Namen des Volkes zu sprechen. Aber die Vertreter rechtsextremer Vereinigungen behaupten von sich immer wieder gern, ‘die Stimme der schweigenden Mehrheit’ zu sein.
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Iris:25.09.2008 um 18:21Stellt Euch einen kleinen Rotzlöffel mit großer Klappe vor, der sich auf den Spielplatz in seinem Viertel stellt und brüllt:
“Macht mich zu Eurem Anführer. Dann jagen wir blonden Kinder zuerst alle Kinder aus dem Sandkasten, die schwarze Haare haben. Und danach alle, die einen roten oder einen grünen Pullover anhaben.”Doch die anderen Kinder antworten:
“Hau ab Du Giftzwerg, so einen Stänkerer wie Dich brauchen wir hier nicht.”Daraufhin rennt der kleine Rotzlöffel los und plärrt lauthals:
“BUÄH! Papa Staat mach was, die anderen wollen mich nicht mitspielen lassen.”
Soll Papa Staat jetzt die anderen Kinder vom Spielplatz jagen?
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Iris:25.09.2008 um 18:01@Paolo Pinkel (#51):
Ach ja, zuerst wird behauptet, im Namen des Volkes zu sprechen. Aber wenn das Volk dem dann widerspricht, dann ist es ein Mob.
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Iris:25.09.2008 um 17:35@BK (#48):
Meinungen wurden aber nicht verboten, sondern lediglich eine Versammlung auf einem öffentlichen Platz - ein Platz, der der Allgemeinheit gehört und nicht Pro Köln. Und die Allgemeinheit war eben mehrheitlich gegen die von Pro Köln beabsichtigte Nutzung ihres Platzes.
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Iris:25.09.2008 um 16:52@Martin (42):
Nö, Sie haben sich imo gerade selbst entlarvt - als einer, der anderen ständig Aussagen unterstellt, die sie gar nicht gemacht haben und sich hinter Broders jüdischer Identität versteckt. Glauben Sie etwa, die entlastet Broder? Oder spricht für ihn oder für Sie? Mitnichten!
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Iris:25.09.2008 um 15:34@splunzi (#29):
Wenn Sie Bauchschmerzen haben, gehen Sie zum Arzt. Sie nennen es plumpe Parolen, ich nenne es Klartext. Das ist imo die einzige Sprache, die gewissen Kreisen Gehör findet. Und wie ich sehe, haben Sie sich ja auch gleich das passende aus meinen Aussagen rausgesucht ;o).
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Iris:25.09.2008 um 15:29Schon wieder Martin (#23):
Alles was sich rechts von der SPD bewegt wird direkt totschlagenderweise als Nazi tituliert.
Von wem? Von mir nicht. Das hier Zitierte ist ein Totschlagargument.
Wenn es Sie interessiert, was für mich einen Nazi kennzeichnet, lesen Sie meine Aussagen dazu und dichten Sie mir nix an, was ich nicht geschrieben habe.
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Iris:25.09.2008 um 15:20@Martin (#22):
Nö, ich halte viele der von Pro-Köln vertretenen Positionen und Ziele für grundgesetzwidrig. Dass bislang keine davon zu einer gerichtlichen Verurteilung oder einem Vereinigungsverbot führte, heißt aber nicht, dass sie nicht verboten sind. Es heißt lediglich, dass der Staat bisher daraus keine rechtlichen Konsequenzen gezogen hat - wie im übrigen auch im Fall der NPD.
Allerdings:
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Iris:25.09.2008 um 15:10@Paolo Pinkel:
Der Rechtsstaat hat aber nicht die Taxis nicht gefahren, sondern das waren mündige Bürger, die eigenverantwortlich ihrer Personenbeförderungspflicht nicht nachgekommen sind, um auf diese Weise gegen die Nazis zu demonstrieren ;o). Und darauf hatte ich Dir geantwortet.
Auf Deinen anderen Einwand: Meiner Ansicht nach war das nachträglich verhängte Versammlungsverbot gegen die Pro-Köln-Kundgebung unnötig. Die Blockaden rund um den Heumarkt hätten eh verhindert, dass da noch großartig was passiert. Tausende Demonstranten haben diesen unsäglichen Kongress (auf vielfältige Weise) verhindert, nicht der Staat.
Ach ja, der alte Voltaire-Spruch, wird immer wieder gern zitiert. Allerdings bezweifle ich, dass Voltaire sein Leben für Nazis eingesetzt hätte. Denn welcher auch nur halbwegs intelligente Mensch verschwendet schon sein Leben für so ein strunzdoofes Pack?
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Iris:25.09.2008 um 14:47@Heiko (#12):
Grundrechte sind Minderheitenrechte, denn die Mehrheit braucht keinen Schutz durch den Staat. Und dazu gehören auch von der Mehrheit unerwünschte Minderheiten. Selbst Menschen mit rechtsextremen Ansichten.
Darauf kann man imo Ihren empörten Kommentar zusammenstreichen. Den ersten beiden zitierten Sätzen kann ich uneingeschränkt zustimmen. Dass Sie den staatlichen Schutz dieser Minderheitenrechte aber auch für Rechtsxtreme fordern, dem stimme ich nicht zu. Wieso ich das nicht kann, hab’ ich in meinem Kommentar #11 erklärt. Wer grundgesetzwidrige Ansichten vertritt, kann sich nicht auf den Schutz derselben durch das Grundgesetz berufen. Das ist widersinnig.
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Iris:25.09.2008 um 14:31@Paolo Pinkel (#10):
Es gibt auch sowas wie zivilen Ungehorsam. Und den muss man imo manchmal ausüben, wenn man sein Demonstrationsrecht in Anspruch nehmen will. Demontranten, die öffentliche Straßen und Plätze blockieren, verstoßen sicher auch oft gegen Gesetze (z.B. gegen die Straßenverkehrsordnung). Als mündiger Bürger muss man manchmal selbst abwägen, welches Recht schwerer wiegt …und auch bereit sein, dafür eine Strafe für gesetzwidriges Verhalten in Kauf zu nehmen.
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Iris:25.09.2008 um 14:10(Kultur)Rassismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit lasse ich ebensowenig als ‘Meinungen’ gelten wie Antisemitismus, Frauen- oder Schwulenfeindlichkeit. Sowas ist keine Meinung, es geistige Cholera, die bekämpft gehört, ehe sie zu einer Epidemie werden kann, die den gesellschaftlichen Frieden bedroht.
Und wenn sich die rechtsextremen Menschenhasser die Lungen aus den Hälsen kreischen nach der Meinungsfreiheit, es gibt Grundrechte, die vorrangig sind in unserem demokratischen Rechtsstaat. Vor Art. 5 GG stehen 4 andere Artikel. Wer die Grundrechte für sich einfordert, muss sie auch seinen Mitmenschen zugestehen. Und solange die sie das nicht begriffen haben, haben sie nach meinem Gerechtigkeitsempfinden nur ein Recht - das Recht, die Fresse zu halten.
Pro Köln bedeutet Frieden
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Iris:21.09.2008 um 20:13@Viva Hammonia (#46):
Ob Sie meine Meinung zu den Vorfällen vom Wochenende in Köln lustig finden oder nicht, ist mir egal. Ich hab’ keine Lust, schon wieder mit Ihnen über den Unterschied zwischen seriöser Islamkritik und Islamophobie bzw. Xenophobie zu diskutieren. Was ich von den von Ihnen verteidigten ‘anderen’ halte, hab’ ich Ihnen ja schon mal in einem anderen Thread ausführlich dargelegt. Das muss reichen.
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Iris:21.09.2008 um 15:15Zu sagen “Wir wollen und dulden hier keinen fremdenfeindlichen und/oder muslimfeindlichen Fanatismus” und öffentlich gegen Menschenfeindlichkeit und für Mitmenschlichkeit zu demonstrieren, fällt nicht nur ebenfalls unter das Recht zur freien Meinungsäußerung, sondern ist darüber hinaus auch die solidarische Verteidigung der grundgesetzlich garantierten Rechte unserer muslimischen und zugewanderten Mitmenschen - mit einem Wort: Zivilcourage.
An alle, die dieser Tage in Köln friedlich gegen die geplanten Zusammenrottungen von Menschenfeinden aus ganz Europa demonstrierten und so für ihre Mitmenschen eintraten: Euch gilt mein Respekt. Und ich danke Euch von ganzem Herzen!
Und hey, Ihr Menschenfeinde: Ihr habt da in Köln gegen die Mehrheitsmeinung verloren. Das war Demokratie in Rheinkultur. Und wenn Ihr das nicht akzeptieren wollt, seid Ihr die Antidemokraten.
Jonathan Haidt: Konservative und liberale Psyche
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Iris:18.09.2008 um 21:19@Malte (#07):
Das kann frau auch mit weniger Worten sagen und braucht noch nicht mal wissenschaftliche Studien dazu, weil’s offensichtlich ist:
Die Geschichte des Patriarchats ist eine Geschichte der Schwanzvergleiche. ;o)
Wir alle sind ein bisschen Hitler
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Iris:16.09.2008 um 10:59@Martin2 (#38):
Aber umgekehrt muss ein charismatischer Redner auch nicht unbedingt ein schlechter Politiker sein, oder? Warum werfen Lafontaines Gegner ihm ständig nur vor, WIE er redet, statt sich an dem, WAS er sagt, abzuarbeiten? Haben sie dem nichts entgegenzusetzen?
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Iris:15.09.2008 um 14:42Ach so, Lafontaine geht nicht, weil er populistisch redet? Und die anderen nicht, oder was? Nenn’ mir doch mal einen aktiven (oder nicht mehr aktiven wie Schmidt da gerade …wie traurig), in den Medien präsenten Politiker, der noch ohne Populismus auskommt. Die halten doch alle das Gros des Wählervolks für ausschließlich triebgesteuert.
Die SPD-Politiker sind doch bloß so brastig auf ihren ehemaligen Genossen, weil der mit seinem Populismus Wähler einfängt, die früher SPD-Populisten (genauer neoliberalen Schröderianern, die die ehemalige Arbeiterpartei gekapert haben) auf den Leim gegangen sind.
Ich würde mir aufgrund der aktuellen politischen Lage wünschen, dass zur nächsten Bundestagswahl überhaupt keiner mehr ‘ne gültige Stimme abgibt. Nicht eine! Und dann will ich mal sehen, wie die in Berlin dann noch eine Regierung bilden wollen, die sie als demokratisch legitimiert ausgeben (obwohl keiner dieser Volksverarscherparteien die Mehrheit des Volkes hinter sich hat).
Sich wichtig machen bei Vanity Fair
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Wenn HipHop böse wird. Richtig böse.
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Iris:19.06.2008 um 14:39@wolle (#73):
Hmm, ein Anliegen ist aber m.E. eine konkrete Absicht. Du hast hier ein klares Anliegen formuliert. Du willst gegen das Urteil protestieren und andere zum Mitprotestieren motivieren. In welcher Form dieser Protest stattfinden soll, hast Du allerdings bisher noch nicht konkretisiert.
Doch was macht Dich so sicher, dass das auch Maltes Absicht war? Ich lese aus seinen letzten beiden Absätzen nur heraus, dass er Verbote und Strafrecht für unangemessene Reaktionen hält und welche staatlichen Maßnahmen er für sinnvoller erachtet. Dass er oder wir hier irgendwas tun sollen, davon lese ich da nichts.
Unterraschung
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Iris:19.06.2008 um 14:00Nun, das kommt m.E. auf das Vertrauensverhältnis zwischen Deiner Lieblingslektorin und ihrem Nonno an. Und auf den vermuteten Betrag. Und auf die Art der Zustellung (man kann ja u.U. auch Diebstahl nicht ausschließen).
Wenn HipHop böse wird. Richtig böse.
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Iris:19.06.2008 um 13:35@Malte & Wolle:
Malte, Dein Text ist lang. Das eröffnet einen großen Interpretationsspielraum. Das Thema hat viele Teilaspekte. Und jeder Diskutant erachtet u.U. andere für mehr oder weniger wichtig. Um nur mal einige Diskussionsansätze zu nennen:
- Hat ‘die Freiheit der Kunst’ Grenzen?
- Ist Gangsta-Rap überhaupt Kunst?
- Wie weit darf Provokation gehen?
- Was ist Volksverhetzung?
- Was sind die Ursachen dafür und
- Wie reagiert man adäquat darauf?
- Können Richter Rap beurteilen?Wenn Du die Richtung der Diskussion bestimmen willst, musst Du mitdiskutieren. Und zwar so, dass die Mitdiskutanten darauf anspringen.
@wolle (#70):
ich persönlich fände da ein wenig moderation sinnvoll. denn dein anliegen ist eigentlich viel zu wichtig, als es in einer nerd-diskussion untergehen zu lassen.
Nur mal aus Neugier: Was interpretierst Du denn als Maltes Anliegen?
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Iris:19.06.2008 um 12:27@Malte (#66)
Kurze Überlegung zu Ursache->Wirkung:Die HipHop-Fans honorieren Hass, indem sie ihn kaufen (Beleg: €rfolgsmodell AGGRO). Ergo: Rapper, die in erster Linie Geld verdienen wollen, produzieren das, was der Markt abnimmt. Und dieses Urteil und/oder eine Protestwelle dagegen ist Werbung. Gerichtsurteile und Medienskandale sind Werbetrommeln, die im Musikgeschäft Hass-Produzenten und Konsumenten zusammenbringen. Je mehr öffentliche Empörung, desto größer der Profit. Das war auch vor den Zeiten von Gangsta-Rap schon so.
Damit erübrigt sich für mich die Frage, ob Gerichtsurteile ein adäquates Mittel gegen Hass-Raps sind, weil: falsche Baustelle. So einfach ist das nicht, gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu korrigieren. Das Musikgeschäft ist Teil der Marktwirtschaft. Und da gilt immer noch: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Also müssen wir (die Gesellschaft, der Staat) die Nachfrage(r) ändern, wenn sich das Angebot ändern soll.
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Iris:19.06.2008 um 03:05@effzehn (#60)
Man kann Rap lieben und muss trotzdem nicht alles in Ordnung finden, was unter dem Begriff Rap auf den Markt geworfen wird. Man kann imo sogar Battle-Rap mögen und trotzdem noch ein Gespür dafür haben, wie weit Dissen gehen kann, ohne menschenverachtend zu sein. Und seine Grenzen oberhalb der Gürtellinie braucht speziell dieses Genre … andernfalls kann’s nämlich auch tödlich enden, wie man seit dem East Coast vs. West Coast-Krieg weiß.
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Iris:18.06.2008 um 19:02@Jo (#47)
[...] war schon lange vor 50 pfennig und sido gewaltverherrlichend und frauenfeindlich.
Setz’ mal nacheinander ein: der Mann, das Musikgeschäft, das Fernsehen, MTV, VIVA, die Welt. Na, fällt Dir was auf?
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Iris:18.06.2008 um 17:39@nilz (#42):
nun empfindest du die frühen sido-sachen genauso, ich mache da einen grossen unterschied. den es für mich offensichtlich gibt, für dich nicht.
Ich kann zwar mit Deinem Patt gut leben, möchte aber trotzdem noch mal versuchen, Dir zu erklären, wieso ich da tatsächlich keinen großen Unterschied mache:
Die Themen, die mich regelmäßig auf die Palme bringen und zum Widerspruch herausfordern, heißen gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewaltverherrlichung. Und ob sich diese Menschenfeindlichkeit z.B. gegen Frauen, Schwarze, Migranten oder Homosexuelle richtet, spielt für mich tatsächlich eine untergeordnete Rolle. Sie rappen gegen Menschen und vermarkten ihren Hass als Stärke und Coolness. DAS ist es, was ich verachte.Was ist denn für Dich faschistisch und kriminell? Frag’ Dich doch mal (ganz in Ruhe und im Geheimen), ob Du auch so nachsichtig gegenüber Sido wärst, wenn er z.B. in einem Video-Clip einen schwarzen Menschen an einer Kette geführt und mit abfälligen, entwürdigenden Schimpfworten über Schwarze gerappt hätte? Und Bushidos rassistische, homophobe und frauenfeindliche Botschaften werden für mich auch nicht harmloser, nur weil er selbst einen neudeutsch sogenannten Migrationshintergrund hat und darauf angesprochen in Interviews behauptet, das wär’ ja alles gar nicht so gemeint. So kommt’s aber rüber. Und dafür ist er verantwortlich.
Und die Hirntoten: Tja, die haben eben aus meiner Sicht nur noch ‘ne Schüppe oben drauf gelegt - frei nach dem Motto: Noch härter, noch krasser, noch skrupelloser muss es sein, um die alten Helden zu übertrumpfen und sich von der Masse der Nacheiferer abzusetzen.
btw: wenn du es nicht nötig hast mir deine kompetenzen zu beweisen, dann lass doch auch so alberne sprüche wie: ich kenn mich schon länger aus als du. stimmt nämlich nicht…;-)
Sorry, konnt’ ich mir nicht verkneifen, Dir das reinzudrücken. Ich bin kein kleines Mädchen, das verschüchtert den Kopf einzieht, wenn man versucht, mich ungerechtfertigt des Platzes zu verweisen … so von wegen: “Du hast Dich bloß nicht genug damit beschäftigt”. Ich reagier’ da tendenziell eher nach dem Motto: “Na warte Kleiner, sooo nicht.” ;o)
Ach ja, und noch mal eben was von wegen Differenzierung: Wenn ich heute Leuten, die ich neu kennenlerne, sage, ich steh’ u.a. auf Rap, dann kommt oft: “Ach das ist doch das Zeug von 50 Cent und Sido, oder? Aber das ist doch so frauenfeindlich und gewaltverherrlichend.” Da möcht’ ich manchmal echt kotzen … und zwar 50 Cent und Sido direkt vor die Füße.
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Iris:18.06.2008 um 15:12@nilz (#40):
Nein, die Differenzierung zwischen Sido und Bushido, auf die Du hier so vehement bestehst, ist mir schlicht und ergreifend egal - 1. weil ich persönlich beide zu schlecht finde, um ihren Werdegang en détail vergleichen zu wollen, 2. weil sie für die von mir beschriebene Entwicklung einer Richtung des deutschsprachigen Hip-Hop und die persönliche Verantwortung von AGGRO-Rappern dafür m.E. keine Rolle spielt. Ob und wohin sich Sido zwischenzeitlich entwickelt hat, befreit ihn imo nicht von seiner Verantwortung für den anfänglichen Treibstoff seiner ‘Karriere’ (mit dem es, seinem Beispiel folgend, jetzt auch andere nach oben schaffen wollen) und das Label nicht von dem Trend, den sie setzten.
Nach meiner Auffassung ist es nicht Differenzierung, was Du hier machst, sondern Relativierung. Das Ergebnis Deiner Ausführungen sieht nämlich knackig auf den Punkt gebracht so aus:
Sido-Rap ist in Relation zu seinen Anfängen heute weniger asozial. Und AGGRO ist in Relation zu Hirntot weniger extrem.
Das stimmt ja vielleicht, aber es ist im Bezug Trendsetter-Status, den ich AGGRO-Rappern hier vorwarf, nicht Differenzierung sondern Relativierung. Es entlastet sie nicht von ihrer Verwantwortung dafür, was sie angestoßen haben. Hugh, die ‘Differenzierungsgöttin’ hat gesprochen ;o).Davon abgesehen hab’ ich’s nicht nötig, Dir gegenüber meine Hip-Hop-Kompetenzen zu beweisen und deswegen will ich jetzt hier auch nicht noch mehr Namen in den Raum werfen, nur damit Du dann wieder behaupten kannst, ich würfe sie alle in einen Topf. Und alle angemessen zu würdigen, die ich kenne, würde eh den Rahmen sprengen.
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Iris:18.06.2008 um 13:56@nilz (#37):
klar, du unterscheidest zwischen fanta 4 und sido, aber alles andere wirfst du in einen topf.
Wo? Dass hast Du vielleicht gelesen. Aber ich hab’s ganz sicher nicht geschrieben - weder hier noch woanders. Ich weiß nicht, wieso Du mir das unterschieben willst - weil ich Aggro Berlin und was daraus gewachsen ist ziemlich exakt für das Ätzendste halte, was die deutsche Rap-Szene hervorgebracht hat, werfe ich noch lange nicht alles in einen Topf.
Wenn Du hier schon eine Gutejungs/Bösejungs-Gegenüberstellung haben willst, dann nimm’ von mir aus Samy Deluxe und Jan Delay vs. Sido und Bushido (nur mal so als spontane Beispiele). Das erste Team hat imo Klasse, das zweite nur große Fresse.
es gibt schon deutliche unterschiede zwischen der (gewachsenen) ironie eines sido und der unbedingten ernsthaftigkeit eines bushido, um mal die zwei grossen namen zu nennen.
Tschuldige, aber ist das Dein Ernst?
Ein maskierter Macho, der mit Fuffies im Club um sich schmeißt und Frauen an der Kette spazieren führt - gewachsene Ironie? Die einzige Ironie an seiner Präsentation hat der Typ höchtswahrscheinlich selbst gar nicht geblickt: Die goldene Maske, ohne die er sich zuerst nicht mal ins Licht der Öffentlichkeit getraut hat, hat mich an den gierig-dummen König Midas erinnert.
“Die Leute wollen hören, wie ich den Typen eine aufs Maul haue. Sie wollen wissen, wie ich meine Drogen verkaufe”-Bushido - unbedingte Ernsthaftigkeit?
die zwei Großen … was? Prolls? Absahner?
Diese zwei Großen haben Frauenverachtung, Gewalt- und Verbrechensverherrlichung in der Hip-Hop-Szene populär gemacht und wurden damit (sogar nach eigener Aussage) zu schlechten Vorbildern. Damit haben sie in meinen Augen - aus purer Geldgier und Geltungssucht - den deutschen Hip-Hop besudelt.
Bushido könnte ich mit ganz viel gutem Willen an meinen nachsichtigen Tagen noch zugute halten, dass er scheinbar langsam dahinter kommt, dass bei ihm irgendwas falsch läuft, dass Geld scheffeln wohl doch nicht alles sein kann:Der Rapper hadert bereits seit längerem mit seinem Schicksal. Zuletzt klagte er der Süddeutschen Zeitung sein Leid: “Irgendwie bin ich einfach nicht glücklich. Manchmal fühle ich mich wie König Midas, dem alles zu Gold wurde, was er anfasste, und der am Ende verhungerte. (…) Ich denke mir oft: Das soll mein Leben sein? Dann bin ich immer total depressiv”.
Versteh’ mich nicht falsch: Aber ich hab’ mich schon mit Hip-Hop und Rap-Musik beschäftigt, als Du vermutlich nicht mal wusstest, was das ist. Also tu’ bitte nicht so, als ob Du mich darüber belehren könntest, wie ich welchen Rap-Stil zu interpretieren hätte. Die von Dir offenbar verehrten AGGRO-Rapper haben übrigens imo überhaupt keinen Stil. Da gibt’s für mich nichts zu interpretieren. Das ist nun mal meine Meinung. So einfach ist das.
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Iris:18.06.2008 um 11:01@nilz (#31):
zwischen dem rumgehoole eines hirntotlabels und dem business eines agro berlin liegen nicht nur geschäftlich welten, auch inhaltlich.
Nö, seh’ ich nicht so. Dazwischen liegt in meinen Augen nur Zeit und Geld. Es sind imo nur verschiedene Stufen einer Entwicklungsrichtung des deutschen Hip-Hip. Aggro und die nachfolgenden ‘Hirntodlabels’ liegen in meinem Koordinatensystem auf einer Linie. Sie gaben den Stoff vor, mit dem sich richtig Asche machen lässt.
Und weil ich differenziere und es für mich durchaus auch noch anderen Hip-Hop gab und gibt - auch deutschsprachigen, nenne ich hier den Dreck (in meinen Ohren) beim Namen.
ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, das aggro eines der wenigen noch wirklich funktionierenden labels in d ist.
Ah ja, dann erklär’ mir doch mal differenziert, was da Deiner Ansicht nach so doll funktioniert - außer Geld machen.
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Iris:18.06.2008 um 10:39Guten Morgen Salz (#29).
Schon viel besser. Da ist ordentlich Stoff drin, über den man reden kann.Ich wette, Sido und Bushido sind für viele eine Art Ersatzvater oder -bruder. Es ist eben sonst niemand da. Mit den glattgebügelten Fernsehclones mögen sich einige identifizieren können, viele suchen sich aber Idole, die zumindest “ihre Sprache” sprechen.
Die Sido- und Bushido-Papis sind schlimm genug. Ich würde aber auch nicht wollen, dass sie sich die ‘glattgebügelten Fernsehclones’ zum Vorbild nehmen. Die halten nämlich imo auch nicht gerade hehre Werte hoch, sondern vermitteln eher den Eindruck, dass sie für ein bisschen Prominenz ALLES machen würden (Man erinnere sich nur mal kurz an Heidis Top-Model-Dressur). Es muss doch noch was anderes geben, an das sie glauben könnten, als Ghetto-Gangsta oder Medienzirkus-Gladiator, oder?
Wir leben in einer sehr spannenden Übergangszeit. So langsam wird alles knapp. Rohstoffe, Energie, Arbeitsplätze - und hie & da sogar schon Nahrungsmittel. Wir haben andere Probleme als ein paar Halbwüchsige, die ihre Pubertät ausleben.
Bis auf den letzten Satz gebe ich Dir recht. Ich bin nicht bereit, sie aufzugeben. Wenn wir aufgeben, uns um die Zukunft unserer Kinder zu sorgen, können wir ihnen und uns auch gleich die Kugel geben. Das wäre wenigstens kurz und schmerzlos.
Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass wir es den Kindern schuldig sind, ihnen die Freiheit zu lassen, ihre kleinen Macken auszuleben, Denn viel mehr bleibt ihnen vermutlich nicht.
Nein, wir sind es ihnen imo schuldig, zumindest zu versuchen, ihnen aus diesem Scheißhaufen wieder rauszuhelfen, den wir vor ihnen aufgetürmt haben. Und dazu ist es imo zuallererst nötig, ihnen Zukunftsvisionen von einer wertvollen Welt zu vermitteln, für die es sich zu kämpfen lohnt.
Apropos Monsanto: Die stehen auf meiner persönlichen Liste der schlimmsten Raubtierkapitalisten und Konzernimperialisten schon lange ganz oben. Wenn ich an die denke, entwickle sogar ich Terrorismus-Fantasien. Monsanto ist für mich der Feind, das Böse. Und alle Medienmacher und Politiker, die mit denen kooperieren, stehen in meinen Augen auf der dunklen Seite der Macht. DAS sind Gegner, an denen sich intelligente Künstler abarbeiten könnten.
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Iris:18.06.2008 um 03:56Tja Salz (#27), dumm gelaufen. Du hast entweder nicht richtig gelesen, was ich schrieb oder Du hast’s nicht verstanden.
Ich liebe Hip-Hop, mit AC/DC konnt’ ich noch nie was anfangen. Und ich schrieb in meiner Antwort auf die Frage der Abhilfe nicht, dass soziale Menschen in der Realität erfolgreich sind, sondern dass ich wünschte, es wäre so. Und wo hab’ ich hier was von verbieten geschrieben? Dass AGGRO & Co. ein Spiegel deutscher Realität sind, darin sind wir uns einig. Davon abgesehen hatte ich Englisch-LK ;o). Bleibt für mich nur die Frage: Was hat Dein Kommentar mit meinem zu tun?
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Iris:18.06.2008 um 02:10Spontane Eingebung: Hier sollte vielleicht noch jemand mitdiskutieren, für den es auch noch ein Leben nach der Pubertät gibt: eine Frau ;o).
Jetzt noch kurz was Ernsthaftes: Es ist imo eine Schande für das Land, in dem wir leben, dass AGGROS die Idole unserer Kinder sind. Was könnte deutlicher das Versagen der ‘Erwachsenen’ dieses Systems vor Augen führen? Das Label und alle, die sich damit die Ärsche vergoldet haben, sind in meinen Augen ein Symbol für die ekligste und verkommenste Seite des deutschen Hip-Hop. Damit will ich nicht sagen, dass es heute hierzulande nicht noch viel Schlimmeres gibt als das, was sich Hip-Hop oder Rap nennt (und sich damit die Verwandtschaft zu einer Kultur anmaßt, der es m.E. nicht im Entferntesten das Wasser reichen kann). Aber dieses Label war in meinen Augen der Anfang vom Abstieg des deutschsprachigen Hip-Hop. Sie waren die ersten - die €rfolgshungrigen Leitwölfe, die Scheiße zu Gold reimten. Und jetzt gibt’s ‘ne ganze Meute von gierigen, gewaltverherrlichenden, frauenverachtenden Straßenkötern, die ihnen nacheifern und versuchen, ihren €rfolg noch zu ‘toppen’. Ich würde Sido ja gern mal fragen, ob er stolz ist auf seine ‘Kinder’. Sich den Dreck abklopfen, wenn man von der Straße runter ist und sich im Ruhm reinzuwaschen, ist leicht. Zu leicht imo …
Doch so traurig es für eine wie mich ist, die Hip-Hop seit 20 Jahren liebt, diese Entwicklung eines Großteils der Szene in Deutschland zu sehen - dass die AGGRO-Reime Kassenschlager sind, sagt auch, dass diese Typen die Helden der Hip-Hop-Kids von heute sind. Sie treffen mit ihrem narzisstischen, asozialen Macho-Shit voll ins Schwarze. Und DAS ist imo die wahre Tragödie.
Abhilfe?
Jugendzentren, mehr Geld für Schulen, Integration. Das sind die Schlüssel, nicht Strafrecht.
Dem möchte ich noch was hinzufügen: Das von oben verordnete Motto Leistung soll sich wieder lohnen sollte imo dringend abgelöst werden von Erfolgreiche Menschen sind soziale Wesen oder sowas in der Art. Wir brauchen keine Generationen von skrupellosen Ellenbogentaktikern, deren Werte sich nur in Währungen beschreiben lassen, sondern dieses Land braucht Kinder, die soziale Kompetenzen wieder angemessen schätzen lernen. Erst dann werden sich auch ihre Idole ändern.
Nasr Hamid Abu Zaid: “Mohammed und die Zeichen Gottes”
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Iris:03.06.2008 um 23:54@Viva Hammonia (#7)
Wer suchet, der findet…
z.B. Prof. Dr. Muhammad Kalisch
Mein rechter rechter Platz ist frei
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Iris:03.06.2008 um 22:34@Lothar Eckstein (#143):
Die Linke beschränkt sich darauf, für kleine Leute mehr Hartz4 zu fordern und verdammt diese Menschen de facto über Generationen hinweg ins gesellschaftliche Abseits. In Reformländern haben diese Leute eine Job. Ein wenig mehr Chance. Ein wenig mehr Selbstrespekt. Ein wenig mehr Zukunft.
Tja sehen Sie, ich würde weder das eine, noch das andere fordern, denn Hartz IV ist m.E. nicht mehr als ein Almosen, dass weder den Empfängern langfristig wirklich hilft, noch der Gesellschaft nützt. Doch mir ist auch bewusst, dass man im Zeitalter galoppierender Rationalisierung nicht mehr allen, die arbeiten können und wollen, einen Arbeitsplatz in der Industrie (in der nun mal noch im letzten Jahrhundert die meisten Lohnarbeiter beschäftigt waren) beschaffen kann. Industrielle Vollbeschäftigung in Europa ist eine Wunschvorstellung, die nicht mehr realisierbar ist. Womit ich erst mal anfangen würde, ist die Förderung von gesellschaftlich anerkannten, gerecht entlohnten sozialen Aufgaben. Und davon gibt es m.E. derzeit mehr als genug. Aber keiner will dafür bezahlen. Natürlich würde das auch nicht reichen, um alle in Lohn und Brot zu bringen. Aber es wäre immerhin ein Anfang. Und dass ich die Lösung für alle Probleme parat habe, hab’ ich nie behauptet.
Im Endeffekt bestehe ich ja noch nicht mal darauf, den Kapitalismus gänzlich abzuschaffen. Aber wenn’s partout nicht ohne geht, müsste er nach meiner Auffassung wesentlich gerechter werden, damit mehr Menschen als bisher davon profitieren können. Nur dazu bräuchte man mehrheitlich Kapitalisten mit einem sozialen Gewissen…
Was die USA angeht: Sie stellen die Tatsache auf den Kopf. Die USA leben nicht von Kriegswirtschaft.
Nehmen Sie’s mir bitte nicht übel, aber so allmählich finde ich, dass ich meine Meinung über Kapitalismus an dieser Stelle nun genügend ausgeführt habe, um meine politische Tendenz zu verdeutlichen. Darum abschließend dazu nur noch zwei Links auf Artikel, die ausführlich und plausibel beschreiben, warum ich diese Tatsache keineswegs auf den Kopf stelle:
Kapitalismus ist Krieg
Wirtschaftliche Triebkräfte von Rüstung und KriegIch bedanke mich für den Gedankenaustausch und wünsche eine gute Nacht allerseits.
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Iris:03.06.2008 um 15:40@Lothar Eckstein (#137):
ja, dann schauen Sie doch auf die europäischen Arbeitslosenstatistiken - und sie wären enttäuscht.
Ja, ich bin angesichts solcher Zahlen enttäuscht. Allerdings aus anderen Gründen, als Sie sich das vermutlich denken. Ich bin enttäuscht, dass sich der konjunkturelle Aufschwung der letzten Jahre in Europa (der übrigens m.E. weniger mit politischen Reformen als mit dem Euro-Kurs und der dadurch stimulierten Exportwirtschaft zu tun hat) nur relativ schwach positiv auf die europäischen Arbeitslosenquoten ausgewirkt hat. Davon abgesehen haben Sie sich m.E. einfach willkürlich ein paar Länder mit der günstigsten Arbeitslosenquote heraus gesucht, behaupten diese hätten sich im Gegensatz zu den schwächeren irgendwie modernisiert und verwenden sie als Kronzeugen für den Kapitalismus. Das überzeugt mich nicht. Was Europa betrifft, kann ich jedenfalls nicht erkennen, welche Fakten da so massiv gegen meine Analyse sprechen würden.
Und was den US-Amerikanischen Kapitalismus angeht - dessen Motor ist der Krieg. Und das finden Sie gut?
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Iris:03.06.2008 um 13:46@Lothar Eckstein (#135):
Wie kann man auf die Idee kommen, dass dem Kapitalimus die Nachfrage ausgeht?
z.B. indem man mal einen Blick auf die europäischen Arbeitslosenstatistiken wirft oder auf die Lohnentwicklung in der EU, sich die leeren Renten- und Arbeitslosenkassen vergegenwärtigt? Oder indem man sich schlicht bewusst macht: Menschen, die kein Einkommen haben, können auch nichts in den Wirtschaftskreislauf zurückgeben. Und diese Menschen werden in Europa in beängstigendem Tempo mehr - und zwar nicht vielleicht irgendwann in ferner Zukunft sondern JETZT. Das können Sie ja wohl nicht bestreiten. Wie wollen Sie bzw. wie wird der Kapitalismus das ändern? Und wie wollen Sie diese vielen Menschen ruhig stellen, bis der Kapitalismus diese ‘Krise’ überwunden hat.
Aus meiner Sicht liefern Sie für Ihre Verteidigung des Kapitalismus reichlich wenig Fakten. Doch mit abwertenden Sprüchen wie “entstammt der stammtsich-sozialistischen Mottenkiste eines Lafontaine” oder durch Herbeizitieren irgendelcher Weltuntergangsprognosen angeblich Linker kann man die in meinen Augen nicht ersetzen. Da könnte ich ja genauso behaupten, die Rechten prognostizier(t)en den Weltuntergang durch ‘die rote Gefahr aus dem Osten’, durch den Islam oder die Gefügelpest und hätten sich somit als weltfremde Spinner disqualifiziert.
Und ein festes Glauben an ‘der Kapitalismus wird’s schon richten’ reicht mir nicht. Ich hätte schon gern allmählich mal ein paar konkrete Vorschläge wie. Wo sind denn die angeblich so intelligenten konservativen Denker, die sie liefern? Ich hoffe, denen fällt was ein, bevor auch hierzulande wieder die ersten vor Hunger auf den Straßen verrecken.
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Iris:03.06.2008 um 11:42@Frédéric (#126):
Wieso ’selbst wenn die Wirtschaft wächst’? Das tat sie doch in den vergangenen Jahren (in der Legislaturperiode der großen Koalition). Nur sickert nicht mehr viel von den Gewinnen bis nach unten durch. Inzwischen bleibt nicht mal mehr im Mittelstand genug hängen, um Reserven für schlechtere Zeiten anzulegen (die im Zuge der Dollarkrise garantiert demnächst kommen), weil ganz einfach oben schon zu viel abgeschöpft wurde und wird. Und wer das nicht glaubt, erkläre oder widerlege mir doch bitte erst mal das hier. Oder zeige mir, wie viel z.B. von den DAX-Rekord-Dividenden der letzten Jahre in Bildung, wissenschaftliche Forschung und soziale Einrichtungen gewandert ist.
Aus meiner Sicht gräbt sich der Raubtierkapitalismus, der sich seit dem Zerfall des Ostblocks weltweit noch ungehemmter und rücksichtsloser breit macht (weil der ideologische Gegenpol wegfiel), seit geraumer Zeit selbst das Wasser ab. Denn indem sie die Lohnarbeiter auspressen (Kombination von globalem Lohn-Dumping, Abbau der Arbeitnehmerschutzgesetze und Sozialabbau mit Hilfe von Lobby-Politik) bis zum Gehtnichtmehr, schwächen sie mittelfristig die Kaufkraft der Absatzmärkte - ihre Quelle. Und das finde ich persönlich nicht nur unsozial sondern auch extrem kurzsichtig.
Aus meiner Sicht sägt sich die sogenannte ‘freie Marktwirtschaft’ derzeit den Ast ab, auf dem (auch) ihre Profiteure sitzen. Darum ist es dringend nötig, dass die Politik regulierend eingreift (was sie nur kann, wenn sie vom Lobby-Filz befreit wird) - und zwar nicht nur auf nationaler sondern auch und vor allem auf internationaler Ebene, denn der Kapitalismus (in Form von Konzernimperialismus) macht im Zeitalter der Globalisierung ja auch nicht an Staatsgrenzen halt.
Gerechte und vor allem vernünftige (heißt zukunftsorientierte, konstruktive) Verteilung der global erwirtschafteten Profite (heißt auch Investion in die Entwicklung und Erhaltung von Märkten) ist auch eine Leistung - und keine geringe. Es ist in meinen Augen die schwerste, politische Aufgabe unserer Zeit, die m.E. keine Nation allein bewältigen kann.
So viel in aller Kürze zu meiner derzeitigen Einschätzung von Leistung und Verteilung im kapitalistischen System. Und Frédéric, war das jetzt näher am Thema ;o)?
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Iris:02.06.2008 um 01:08@Viva Hammonia (#113):
Eigentlich sind wir garnicht soooo verschieden ;)
Ich weiß nicht, woraus Sie das schließen. Sie kennen mich doch gar nicht. Auch auf die Gefahr hin, Ihr Gefühl des Einvernehmens zwischen uns enttäuschen zu müssen, glaube ich, dass Sie meinen letzten Kommentar schon wieder (zumindest in Teilen) missverstanden haben. Ich schrieb zwar, dass ich Günter Wallraff seine Absicht zur konstruktiven Islamkritik abnehme. Das heißt aber nicht, dass ich seine Ansichten über den Islam zu 100 Prozent teile. Zumindest teile ich seine Meinung aber soweit, dass eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam prinzipiell ebenso möglich sein muss, wie mit anderen Religionen und weder aus falsch verstandener Toleranz, noch aus seitens Politik und Medien geschürter Angst vermieden werden sollte. Was ich mir für unsere Gesellschaft wünsche, ist eine Gleichbehandlung aller Religionen - d.h. gleiche Toleranz gegenüber dem religiösen Bekenntnis, gleiches Recht, aber auch gleiche Kritikfähigkeit.
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Iris:31.05.2008 um 12:45@Viva Hammonia (#30) - ein abschließender Rat meinerseits (den Sie natürlich nicht annehmen müssen):
Wenn Sie möchten, dass auf breiter gesellschaftlicher Ebene (auch) kritisch über den Islam diskutiert wird, dann verteidigen Sie nicht xenophobe Scheinkritiker wie den PI-Mob. Damit machen Sie sich mit denen gemein, und die Absicht von seriöser, konstruktiver Islamkritik glaubt Ihnen keiner mehr, der eine demokratische und humanistische Grundhaltung hat. Fanatismus ist immer gefährlich - egal aus welcher Ecke er kommt. Und man kann den Fanatismus der einen Gruppe nicht mit dem einer anderen im Zaum halten, denn Fanatiker pushen sich gegenseitig.
Kurz und knapp auf den Punkt gebracht:
Eine Solidarisierung mit derartigen Gruppen vom rechten Rand diskreditiert die ernsthaften Islamkritiker*.*) …wie bspw. Günter Wallraff, dem ich persönlich seine islamkritische, aber nicht muslim(=menschen)feindliche Haltung und seine Bereitschaft zur fairen Auseinandersetzung wirklich abnehme.
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Iris:30.05.2008 um 11:40Siehste Frédéric, das haste jetzt von Deinem Ruf nach rechts: Verweise auf BL*D und Achse des Gruselns.
@Christoph Krastitos (#105):
Es gibt welche rechts hinter der rötlich grünen Internetwiese, ihr ignoriert sie nur einfach.
Tja, und wenn ich mir die hier vorgeführten Beispiele für (angeblich) konservatives ‘Denken’ angucke, glaube ich, das ist auch besser so.
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Iris:29.05.2008 um 20:29@Viva Hammonia (#101)
Die Ausladung des (im übrigen grünen) Rolf Stolz ist eine ziemliche Schande für die Meinungsfreiheit.
Mit Verlaub, das ist imo Quatsch. Wer hat denn Rolf Stolz seine Meinung verboten? Oder sie zu äußern? Aber wenn ich z.B. so eine Veranstaltung planen würde, könnte ich mir auch meine Gespächspartner selbst aussuchen. Was das mit einem ‘bolschewistischen Ministerium für Wahrheit’ zu tun hat, das müssen Sie mir mal erklären. Da könnte ich ja auch Maischberger, Kerner, Plasberg & Co. bezichtigen, meine Meinungsfreiheit zu beschränken, weil die mich nie zu ihren Tings einladen. Und wenn ich mich da selbst einladen würde - wie glauben Sie, würde die Reaktion ausfallen?
Wenn Rolf Stolz seine Meinung äußern will - was er ja ohnehin schon mehr als einmal getan hat (und er läuft immer noch frei rum und keiner hat ihm ein Pflaster auf den Mund geklebt, oder?) - soll er doch seine eigene islamkritische Debatte veranstalten. Wer hindert ihn denn daran? Dann fragt sich nur noch, ob seine Wunschgesprächspartner seiner Einladung folgen würden…
‘Schande für die Meinungsfreiheit’ …tze, ich kann’s echt nicht mehr hören bzw. lesen. Wenn einer m.E. Blödsinn labert und ich keinen Bock drauf hab’, mich damit auseinanderzusetzen, hat das mit Meinungs- bzw. Redefreiheit NULL zu tun.
Übrigens frage ich mich auch, wieso Sie in Ihrem Beitrag so betonen, dass Rolf Stolz ein Grüner ist. Das erinnert mich doch sehr an die ‘Linksrotgrüne-Multikulti-Gutmensch-Schublade’ von PI.
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Iris:29.05.2008 um 15:19@Viva Hammonia (#97):
Dass Islamkritiker “nicht unbedingt immer ultrarechte Mega-Fascho-Hyper-Nazis sein müssen” wusste ich schon. Und ich vermute, den meisten anderen, die hier regelmäßig diskutieren, ist das auch klar.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Leuten wie Günter Wallraff und den Islamophoben ist imo, dass er zwischen Glauben und Fanatismus differenzieren kann und will, ein weiterer, dass er den Islam gemeinsam mit hier lebenden Muslimen reformieren will (ihn also offenbar prinzipiell für integrationsfähig hält), statt sie pauschal als Feinde unserer Gesellschaftsordnung zu diskriminieren. Das wird z.B. in Aussagen wie dieser deutlich:
Ich finde es notwendig, dass sich Muslime, die hier leben, kritisch mit ihrem Glauben auseinandersetzen. Denn vieles spielt sich in einem falschen Toleranzrahmen ab, vieles wird beschönigt. Trotzdem teile ich nicht die Meinung aller Diskussionsteilnehmer, die sich am Wochenende treffen werden.
Zum Beispiel?
Ralph Giordano ist gegen den Moscheebau in Köln. Dass sehe ich anders, denn wir haben ein Grundrecht auf Religionsfreiheit. Außerdem treffen sich die Muslime momentan in einem maroden Bau. Ich wünsche mir keine Pappmoschee, sondern eine touristische Attraktion.
Und Möchtegern-Islamkritiker, die eben genau das nicht können oder wollen, sind ja scheinbar auf dieser ‘Kritischen Islamkonferenz’ auch nicht erwünscht, wie ich aus der Ausladung von Rolf Stolz schließe.
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82
@christoph (#65):
Das ist genau die Zwickmühle, in der unsere Gesellschaft steckt. Und wenn die Kinder nicht in der Schule lernen, wie sie trotz der Unterschiede und Widersprüche zwischen ihren Weltbildern miteinander ein funktionierendes und gerechtes System gestalten können, wo denn dann?
Davon abgesehen: Ist ein Christ wirklich kein Christ mehr, wenn er andere Weltanschauungen toleriert? Wenn das wirklich so absolut gelten würde, wäre die christliche Lehre m.E. unvereinbar mit unserem Grundgesetz. Und diesbzgl. wäre dann der Staat erst mal gefordert, sich mit den Verantwortlichen für die Ausbildung christlicher Religionslehrer über dieses Missionsgebot auseinanderzusetzen.
81
@the_stephan (#67):
1. In beinahe allen Ländern Europas gibt es Religionsunterricht an staatlichen Schulen.
2. Auch das von Dir als Musterbeispiel angeführte Frankreich hat das Thema noch längst nicht endgültig hinter sich.
3. Ich werde hier nicht weiter mit Dir diskutieren, solange Du Dich nicht mit den hier vorgetragenen Vorschlägen und Argumenten der Mitdiskutanten sachlich auseinander setzt, sondern stattdessen gegen eine Dominanz der christlichen Kirche in unserem Staat anschimpfst, die hier gar keiner befürwortet und die hier auch gar nicht Thema ist. Das nervt mich nämlich.
80
@christoph (#62):
In meiner Vorstellung von Religionsunterricht würden die Dogmen miteinander konkurrieren. Das dürfte gläubige Lehrer zumindest zu qualitativ hochwertiger Argumentation motivieren, meinst Du nicht?
Klar ist die offene Diskussion über die eigenen Glaubensinhalte keine leichte Aufgabe, aber das ist das Vermitteln der Relativitätstheorie oder Wahrscheinlichkeitsrechnung auch nicht ;o).
Im übrigen halte ich auch Unreligiösität und Wissensgläubigkeit für teilweise dogmatisch. Aber das schrieb ich ja schon mehrfach.
79
@christoph (#61):
Ich möchte, vereinfacht gesagt, einen Religionsunterricht, in dem christliche, muslimische und jüdische Lehrer ihren Schülern (aller Glaubensrichtungen) erklären, woran sie glauben und wieso. Warum das Beschreiben des eigenen Glaubens an Un- oder Andersgläubige religiöse Werte und Grundsätze brechen soll, erschließt sich mir nicht.
Es ist mir offen gesagt wurscht, ob man die Aufklärung über Glaubensinhalte nun Religionskunde oder Religionsunterricht nennt.
Wenn Du genügend Religionsgelehrte aller großen Religionen finden würdest, die zwar kundig genug sind, die wesentlichen Glaubensinhalte erklären zu können, selbst aber an keine Religion glauben, dann wäre Deine Vorstellung von Religionskunde realisierbar. Ich halte allerdings Deinen Glauben an genügend fachkompetente, aber vollkommen neutrale Religionsgelehrte für unrealistisch.
78
@the_stephan (#57):
Weil scheinbar viele hier mittlerweile zu aufgeklärt und friedliebend sind, wieder ins ‘durchfighten’ von Machtansprüchen zurückzufallen. Und ich erkenne das als tendenziell positive geistige Weiterentwicklung der Menschheit. Kannst Du mal erklären, wieso Dich das nervt?
Das geht nicht, denn religiöse Menschen sind auch Teil des Staates.
———————–
@christoph (#58):
Ich habe hier nicht für (den bisher an öffentlichen Schulen praktizierten) christlichen Religionsunterricht plädiert. Bitte noch mal nachlesen (Kommentar #28). Darum seh’ ich auch nicht ein, wieso ich gegen Deine Vorbehalte gegen den konservativ-christlichen Religionsunterricht argumentieren sollte.
Was Dein Physiklehrer gesagt hat, hilft hier m.E. nicht weiter. Das Schulfach Physik ist in diesem Fall ein schlechter Vergleich. Stell’ dem Religionsunterricht besser Philosophie, Sozialwissenschaft oder Ethik gegenüber.
77
@Chajm (#54):
Okay, ich versuch’ noch mal, Dir mein Problem mit den allgemeinen Begriffsdefinitionen von Religion und Glauben in Abgrenzung zum Wissen zu erklären.
Dazu zitiere ich zunächst Deinen früheren Kommentar (#39).
Warum sollte jemand, der sich keiner Religion zugehörig fühlt, überhaupt in Erwägung ziehen, dass Religionsunterricht an öffentlichen Schulen gelehrt wird? Das würde er doch nur tun, wenn er annähme, dass auch er daraus etwas lernen kann, oder?
Meine Hoffnung ist nun: Wenn dieser jemand erkennt, dass nicht nur die Weltbilder seiner religiösen Mitmenschen teilweise auf Glauben basieren, sondern auch sein eigenes, ist er vielleicht eher geneigt, auch den Religionen ihren Beitrag zur Allgemeinbildung zuzugestehen - so wie z.B. auch den Fächern Sozialwissenschaft, Philosophie oder Ethik - und sich auf Augenhöhe mit ihnen darüber auseinanderzusetzen.
Mein Eindruck: Unreligiöse sind, was die Verteidigung ihres Unglaubens gegenüber Religiösen betrifft, oftmals kein bisschen weniger stur und dogmatisch als Christen gegenüber Juden oder Muslimen (Reihenfolge austauschbar). Das scheint ja auch hier immer wieder durch.
Das, was wir Europäer unter dem Begriff ‘Wissen’ summieren, speist sich nicht nur aus beweisbaren Fakten, sondern eben auch zu einem nicht unerheblichen Teil aus Annahmen, die zwar innerhalb unseres Kulturraums allgemein als richtig anerkannt, aber nicht zweifelsfrei bewiesen sind -> Glauben.
Und in der Schule auch darüber aufgeklärt zu werden, was religiöse Mitmenschen glauben, kann m.E. nicht schaden, sondern hilft im besten Fall, Respekt vor dem Glauben (dem eigenen und dem der anderen) und gleichzeitig Zweifeln am eigenen Weltbild zu lernen.
76
@Der Postillon (#48):
Okay letzter Versuch: In Deinem ursprünglichen Satz zum Glauben (den ich kommentierte) kommt Gott ebenso wenig vor wie in dem Zitat aus Florians Kommentar, zu dem Du damit Stellung genommen hast. Wenn Du wirklich so ein Korinthenkacker bist, wie Du behauptest, wird Dir dieser kleine aber feine Unterschied nicht entgangen sein ;o).
Glauben beschränkt sich nicht auf die Existenz eines Gottes.
Desweiteren habe ich hier nichts von Wissenschaft geschrieben, sondern von Wissen und Wissensgläubigkeit (geht auch an christoph #47). Religionswissenschaften zählen nämlich auch zu den Wissenschaften - genauer zu den Kulturwissenschaften wie z.B. auch Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Quelle: Wikipedia ;o).
Was ich hier die ganze Zeit zu beschreiben versuche ist, dass das, was viele für Wissen halten, bei Licht besehen auch nichts anderes als Glauben ist.
Wenn der eine sagt, er glaubt an einen Gott und der andere sagt, er glaubt nicht an einen Gott, dann haben die beiden was gemeinsam - nämlich eine durch Glauben begründete Meinung über die Existenz eines Gottes, die sie einander nicht zweifelsfrei beweisen können. Ich persönlich kann übrigens bis dato weder das eine noch das andere mit absoluter Überzeugung behaupten. Ich könnte höchstens sagen, dass ich die Möglichkeit nicht ausschließen kann.
75
@Der Postillon (#43):
Ach ja. Du glaubst also nicht. Und da bist Du Dir ganz sicher? Auch nicht an sowas wie Aufklärung, Humanismus, Gerechtigkeit, die große Liebe, Menschenrechte, das Grundgesetz, die Macht des Geldes oder dass Schönheit oder Ruhm glücklich machen?
Das macht nix. Ich hab’ auch keine Lust mehr, jemandem was zu erzählen, der glaubt, sein ‘Wissen’ wäre der Weisheit letzter Schluss, den eigenen Glauben nicht mal erkennt, wenn er ihn in die Nase beißt und die Ansichten anderer für Quatsch hält, nur weil er sie nicht versteht. So jemand hätte nämlich vermutlich auch Galilei für einen Spinner gehalten, wenn er sein Zeitgenosse gewesen wäre.
74
@Chajm (#39):
Das Problem fängt imo schon vorher an - nämlich bei der Definition von Religion. Aus meiner Sicht ist z.B. Wissensgläubigkeit auch eine. Und zwar eine, die einige hier offenbar für die einzig wahre und an Schulen lehrbare halten.
73
@Der Postillion (#38):
Stimmt, widerlegen kann ich Dir das nicht … weil Du m.E. Deinen (Nicht)Glauben mit Wissen verwechselst. Und dass Du nicht weißt, was das mit Sokrates zu tun hat, passt dazu wie die Faust aufs Auge ;o).
72
@Christian (#33):
Mann Mann Mann. Schade, dass Dein Kommentar nicht die Qualität der meisten anderen Kommentare zu diesem Artikel hat. Die haben nämlich im Gegensatz zu Deinem wenigstens Inhalt.
71
@Der Postillion (#34):
Nun, ich finde es Quatsch anzunehmen, dass nur das wahr sein kann, was wir Menschen mit unserem heutigen Wissensstand beweisen können.
Ausschließlich wissensgläubige Menschen hatten in der Vergangenheit unrecht, also halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass sie mit ihrer selbstbeschränkten Weltsicht auch in der Gegenwart immer noch falsch liegen. Wir wissen noch längst nicht alles. Und alles, was wir nicht wissen, können wir vorläufig nur mit Glauben begründen - sei das nun der Glaube an die Existenz Gottes, Außerirdischer, Geister, übersinnliche Fähigkeiten, ein Leben nach dem Tod … oder eben der Glaube an die Nichtexistenz von allem, was (noch) nicht zweifelsfrei bewiesen ist.
Oder anders formuliert: Deinen Spruch “also ich weiß, dass ich nicht glaube…” finde ich nicht annähernd so überzeugend wie Sokrates’ “Ich glaube nicht zu wissen, was ich nicht weiß” (geläufiger: “Ich weiß, dass ich nichts weiß.”)
70
(…)
(…)
Diese von Julia Sebastian vorgetragenen Argumente für Religionsunterricht an Schulen finde ich überzeugend. Darüber hinaus halte ich die Vermittlung von Grundkenntnissen über die Glaubensinhalte der meist verbreiteten Religionen für wichtig, um Misstrauen und Vorurteile zwischen Angehörigen verschiedener Glaubensgemeinschaften abzubauen und das Gefühl des gleichberechtigten gesellschaftlichen Miteinanders hervorzuheben und zu stärken. Deshalb befürworte auch ich Religionsunterricht an Schulen. Allerdings fände ich es - im Sinne der Entwicklung einer gemeinsamen Wertebasis für unser gesellschaftliches Zusammenleben - sinnvoller, ein Pflichtfach Religion für die Angehörigen aller Glaubensgemeinschaften einzuführen. Natürlich könnte dagegen eingewendet werden, dass nur ein Angehöriger einer Glaubensgemeinschaft die Inhalte seines Glaubens überzeugend erklären kann. Dem könnte man Rechnung tragen, indem man das Fach Religion von regelmäßig wechselnden Lehrkräften unterrichten lässt.
Das Fach Ethik sollte m.E. zusätzlich angeboten werden.
Zwar verstehe ich den Wunsch einiger hier, Religion und Staat zu trennen. Ich denke jedoch, dass das praktisch unmöglich ist. Glauben und Gläubige verschiedener Religionen sind nun mal Teil unserer Gesellschaft. Und wir als Gesellschaft können uns nur entscheiden, ob wir diesen für viele Angehörige unseres Systems wichtigen Lebensinhalt ignorieren wollen oder ob wir versuchen sollten, ihn ernstzunehmen und bei der Weiterentwicklung unseres sozialen Gefüges zu berücksichtigen. Ich bin für Letzteres.