@ malte: ich denke du weißt wie das mit dem offizielen Erklärungsmodell gemeint war. Im Übrigen hat der Präsident der Vereinigten Staaten keinen Unfehlbarkeitsanspruch wie der Papst, auch wenn er selbst sich vielleicht gerne so sieht.
@ AC: natürlich gibt es kein offizielles Erklärungsmodell, und schon garkeines das mit zwei oder drei leicht überschaubaren Variablen alles erklären kann. Wenn manchmal der Austausch ins Absurde abdriftet zeigt das doch umsomehr, wie schwierig es ist mit diesem Thema richtig umzugehen. Wenn es schon eine Universallösung gäbe hätten wir das Problem doch längst aus der Welt geschafft. Ich sehe unterschiedliche Meinungen und Erklärungsansätze eher als Mosaiksteine, die erst alle zusammen der Wahrheit wohl am nächsten kommen.
@limitless_light: stimme zu! aber ich denke wir sollten auf jeden fall zwischen dem “globalen Terror” gegen den Westen in Form von Anschlägen auf Flugzeuge, U-Bahnen, Nahverkehrszüge und Touristenbars und dem “regionalen Terror” wie den Anschlagswellen im Irak unterscheiden. Bei letzterem geht es (inzwischen) nicht mehr primär darum, die westlichen Besatzer zu vertreiben sondern er wurde in die jahrhunderte alten Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten integriert. Meiner Meinung nach ist das aber ein anderes Thema.
nochmal @Malte: selbst wenn man den inzwischen schon zwei Jahre alten Spruch Osama bin Ladens als Verhandlungsangebot sieht, hilft das recht wenig weiter. Der islamische Terror funktioniert nicht nach einem hierarchischen System in dem bin Laden im Hintergrund die Fäden zieht. Der Terror organisiert sich über Zellen, die zwar möglicherweise in ideologischem Austausch untereinander stehen, aber letztendlich doch autonom agieren.
@ Malte: Ich denke das “kollektive Ehrgefühl” ist sicherlich eine Motivation, aber nicht die einzige. So lange junge Muslime in Europa, bei allen Integrationsversuchen, den Vormittag in staatlichen Schulen verbringen, in denen ihnen was von westlichen Werten wie “Freiheit, Gelichheit, Brüderlichkeit” und anderen Slogans erzählt wird und den Nachmittag in Koranschulen verbringen, in denen Koranlehrer - jeglicher staatlicher Kontrolle entzogen - ihnen die verschiedensten Auslegungen des Korans predigen, sind diese Menschen einem inneren Widerspruch ausgesetzt. Wenn dann noch gleichzeitig Muslime in der Gesellschaft mehr oder wenig geächtet werden bzw. sich einer kollektiven Verdächtigung ausgesetzt sehen, kann dies meiner Meinung nach schon zu radikalen Entscheidungen führen.
Im übrigen sollte man nicht vergessen, wie nützlich das kollektive Angstgefühl in der westlichen Gesellschaft für das herrschende Establishment ist. Nachdem nun der “Iwan” nicht mehr als Bedrohung für den Westen herhalten kann, braucht man eben ein neues Feindbild um die Massen im Zaum zu halten. Der Islam als Bedrohung der westlichen Welt fördert die Legitimation konservativer Hardliner in Regierungskreisen. Und die würden ihren Einfluss sicherlich gerne behalten. (Vgl. das CDU-Geschrei nach “mehr Sicherheit” durch die “Bundeswehr im Inneren.” Als ob mit Leopard 2-Panzern Rucksackbomber abgewehrt werden könnten…)
Eine sehr schöne Analyse, der ich im großen und ganzen auch zustimmte. Aber ich möchte noch etwas ergänzen:
Die Attentäter der Londoner U-Bahn-Anschläge ebenso wie die Verdächtigen im jüngsten Fall stammen aus der britischen Middleclass, in der “(e)in Leben nach ihren Vorstellungen, möglichst frei von staatlichen Repressalien, ein wenig Wohlstand und Wohlleben, ein wenig Sinnstiftung durch Spiritualität” durchaus möglich ist. Ebenso die Attentäter des 11. September, auch sie kamen aus wohlhabenden oder zumindest bessergestellten saudi-arabischen Familien. Die Anschläge können also nicht als Hilfeschrei einer vom Westen unterdrückten und verelendeten muslimischen Masse gesehen werden, denn wer mit dem täglichen Überleben zu kämpfen hat, hat Besseres zu tun als Bomben zu basteln.
Trotzdem ist eine radikalisierung muslimischer Mittelschichten in Europa und anderswo sicher kein Zufall, wenn man sieht mit welchem hegemonialen Anspruch die USA und Europa auf der Weltbühne auftreten. Vergleiche hierzu die aktuellen Entwicklungen im Libanonkonflikt und die Schwierigkeiten der internationalen Gemeinschaft, eine angemessene UN-Resolution zu erlassen oder zumindest einfach nur einen Waffenstillstand zu fordern…
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@ malte: ich denke du weißt wie das mit dem offizielen Erklärungsmodell gemeint war. Im Übrigen hat der Präsident der Vereinigten Staaten keinen Unfehlbarkeitsanspruch wie der Papst, auch wenn er selbst sich vielleicht gerne so sieht.
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@ AC: natürlich gibt es kein offizielles Erklärungsmodell, und schon garkeines das mit zwei oder drei leicht überschaubaren Variablen alles erklären kann. Wenn manchmal der Austausch ins Absurde abdriftet zeigt das doch umsomehr, wie schwierig es ist mit diesem Thema richtig umzugehen. Wenn es schon eine Universallösung gäbe hätten wir das Problem doch längst aus der Welt geschafft. Ich sehe unterschiedliche Meinungen und Erklärungsansätze eher als Mosaiksteine, die erst alle zusammen der Wahrheit wohl am nächsten kommen.
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@limitless_light: stimme zu! aber ich denke wir sollten auf jeden fall zwischen dem “globalen Terror” gegen den Westen in Form von Anschlägen auf Flugzeuge, U-Bahnen, Nahverkehrszüge und Touristenbars und dem “regionalen Terror” wie den Anschlagswellen im Irak unterscheiden. Bei letzterem geht es (inzwischen) nicht mehr primär darum, die westlichen Besatzer zu vertreiben sondern er wurde in die jahrhunderte alten Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten integriert. Meiner Meinung nach ist das aber ein anderes Thema.
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nochmal @Malte: selbst wenn man den inzwischen schon zwei Jahre alten Spruch Osama bin Ladens als Verhandlungsangebot sieht, hilft das recht wenig weiter. Der islamische Terror funktioniert nicht nach einem hierarchischen System in dem bin Laden im Hintergrund die Fäden zieht. Der Terror organisiert sich über Zellen, die zwar möglicherweise in ideologischem Austausch untereinander stehen, aber letztendlich doch autonom agieren.
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@ Malte: Ich denke das “kollektive Ehrgefühl” ist sicherlich eine Motivation, aber nicht die einzige. So lange junge Muslime in Europa, bei allen Integrationsversuchen, den Vormittag in staatlichen Schulen verbringen, in denen ihnen was von westlichen Werten wie “Freiheit, Gelichheit, Brüderlichkeit” und anderen Slogans erzählt wird und den Nachmittag in Koranschulen verbringen, in denen Koranlehrer - jeglicher staatlicher Kontrolle entzogen - ihnen die verschiedensten Auslegungen des Korans predigen, sind diese Menschen einem inneren Widerspruch ausgesetzt. Wenn dann noch gleichzeitig Muslime in der Gesellschaft mehr oder wenig geächtet werden bzw. sich einer kollektiven Verdächtigung ausgesetzt sehen, kann dies meiner Meinung nach schon zu radikalen Entscheidungen führen.
Im übrigen sollte man nicht vergessen, wie nützlich das kollektive Angstgefühl in der westlichen Gesellschaft für das herrschende Establishment ist. Nachdem nun der “Iwan” nicht mehr als Bedrohung für den Westen herhalten kann, braucht man eben ein neues Feindbild um die Massen im Zaum zu halten. Der Islam als Bedrohung der westlichen Welt fördert die Legitimation konservativer Hardliner in Regierungskreisen. Und die würden ihren Einfluss sicherlich gerne behalten. (Vgl. das CDU-Geschrei nach “mehr Sicherheit” durch die “Bundeswehr im Inneren.” Als ob mit Leopard 2-Panzern Rucksackbomber abgewehrt werden könnten…)
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Eine sehr schöne Analyse, der ich im großen und ganzen auch zustimmte. Aber ich möchte noch etwas ergänzen:
Die Attentäter der Londoner U-Bahn-Anschläge ebenso wie die Verdächtigen im jüngsten Fall stammen aus der britischen Middleclass, in der “(e)in Leben nach ihren Vorstellungen, möglichst frei von staatlichen Repressalien, ein wenig Wohlstand und Wohlleben, ein wenig Sinnstiftung durch Spiritualität” durchaus möglich ist. Ebenso die Attentäter des 11. September, auch sie kamen aus wohlhabenden oder zumindest bessergestellten saudi-arabischen Familien. Die Anschläge können also nicht als Hilfeschrei einer vom Westen unterdrückten und verelendeten muslimischen Masse gesehen werden, denn wer mit dem täglichen Überleben zu kämpfen hat, hat Besseres zu tun als Bomben zu basteln.
Trotzdem ist eine radikalisierung muslimischer Mittelschichten in Europa und anderswo sicher kein Zufall, wenn man sieht mit welchem hegemonialen Anspruch die USA und Europa auf der Weltbühne auftreten. Vergleiche hierzu die aktuellen Entwicklungen im Libanonkonflikt und die Schwierigkeiten der internationalen Gemeinschaft, eine angemessene UN-Resolution zu erlassen oder zumindest einfach nur einen Waffenstillstand zu fordern…