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Spreeblick

I live by the river!
07.07.08
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von | 2

 

Sei B-Berlin!

  1. 36

    Frau Doktor:

    @15 Horch:
    Der Slogan ist zwar auch Mörderscheiße, aber bezieht sich nicht auf die Stadt Stuttgart, sondern auf das grandiose Bauprojekt von Bahn und Bund namens Stuttgart 21, das die Stadt rund zwanzig Jahre lang in eine Riesenbaustelle verwandeln wird. Wer schon mal in Stuttgart Auto gefahren ist, weiß was das bedeutet.

    11.03.2008 um 16:19

Evangelisch ohne Taufe

  1. 35

    Frau Doktor:

    @11 Malte: Ne, ich meinte so direkt persönlich - telefonisch oder gar face to face. Denn: Auch wenn die evangelische Kirche sich gerne sehr modernistisch gibt, sind die einzelnen Pfarrein noch nicht so richtig im Zeitalter elektronischer Kommunikation angekommen, außer es gibt eine/n Pfarrer/in, die sich dafür begeistert. Meistens sitzt am Rechner eine patente, freundliche, nicht mehr ganz junge Halbtagskraft zwischen 50 und 60, die genug damit zu tun hat, den ganzen Verwaltungskram für die Kinder- und Jugengruppen, den Frauen-Kreis, den Gemeinderat, die ganzen Ehrenamtlichen abzuwickeln. Und dann muss sie die schusselige Pfarrerin auch noch dran erinnern, dass morgen Frau X 75 wird und besucht werden sollte, in der Grundschule ein Kindergottesdienst ansteht und für den Martinsritt noch Freiwillige gesucht werden. In die Mailbox schaut die als allerletztes, wenn sie überhaupt weiß, wie sie da dran kommt. Schaut man aber bei ihr in persona vorbei, dann ist sie super nett (zumindest hier in Stuttgart)und setzt alle Hebel in Bewegung, um das Problem zu lösen. So jedenfalls meine Erfahrung - wobei unser Anliegen etwas anders gelagert war. Und keine Angst: Durch das Übeschreiten einer kirchlichen / gemeindlichen Schwelle findet keine automatische Bekehrung statt.
    Heute wär’ aber schlecht, weil wir Evangelen gerade unseren konfessionellen Geburtstag feiern. Heute vor 490 Jahren hat Martin Luther seine 95 Thesen gepostet. Vermutlich hat er nicht damit gerechnet, dass der enstehende Diskussionsthread gleich die Weltgeschichte umkrempelt.

    31.10.2007 um 11:47
  2. 34

    Frau Doktor:

    Was ich jetzt noch nicht so richtig verstanden habe: Ihr habt jetzt herausgefunden, dass die Lieblingslektorin im Einwohnermeldeamt als ev. gemeldet ist? Oder? Hat Sie es eigentlich schon mal beim Pfarramt Heilig Kreuz Passion selbst probiert? By the way: Das klingt für mich total katholisch. Ihr seid sicher, dass das kein Prank der Aktionsgemeinschaft “Atheisten - lacht doch mal!” ist?

    30.10.2007 um 15:32

Terror 2.0

  1. 33

    Frau Doktor:

    Wie weit der Artikel selbst recherchiert ist, müsste man sich auch nochmal genauer anschauen. Im Economist vom 20 Juli gibt’s einen ausführlichen Artikel zu irhabi007 und seine On- und Offline-Aktivitäten. Und außer ein paar völlig haltlosen Spekulationen darüber, warum Younis Tsouli ausschließlich wegen Aufruf zum Mord verurteilt wurde, fasst Yassin Musharbash den Economist-Artikel einfach nur zusammen. Und wie hier ein Journalist nonchalant über die basalen Regeln rechtsstaatlicher Verfahren hinweg geht, das stimmt mich ja im Angesicht von Herrn Schäubles Bemühungen auch ganz frohgemut.
    Das ist die URL vom Economist-Artikel:
    http://www.economist.com/research/articlesBySubject/displaystory.cfm?subjectid=1604388&story_id=9472498

    27.07.2007 um 12:54

Gänsehaut

  1. 32

    Frau Doktor:

    Harald Schmidt ist überbewertet.

    15.05.2007 um 14:09

Ein Lächeln würde mir auch schon helfen

  1. 31

    Frau Doktor:

    Danke für diesen Hinweis. Einfach charmant und witzig (Max und xkcd. Und das sagt eine, die das deutsche Gegenstück zu einem Liberal Arts Major ist.

    10.05.2007 um 16:28

Die scheiß Blogger!

  1. 30

    Frau Doktor:

    Habe ich das richtig bei SPON gelesen: Die Blog-Autoren der Welt ONLINE müssen sich ihre Beiträge von der Chefredaktion genehmigen lassen? Na toll. Da kann man sich ja ausrechnen, wie ernst man bei WELT das neue supidupi interaktive webzwonullige Debatten-Forum gedacht hat.

    10.05.2007 um 10:18

Die Welt wird besser

  1. 29

    Frau Doktor:

    Kein schlechter Schachzug von Holtzbrink. Mit StudiVZ an die Urbanen Penner / Digitale Boheme in spe ran und mit Frau Bunz an die, die’s schon sind. Scheint ja auch zu funktionieren. Ob ihre Aufgabe das Umkrempeln der Website sein wird oder eher der Image-Verbesserung und dem Erzeugen medialer Präsenz dient, werden wir ja dann sehen. Hoffentlich ist das Ganze auch nicht der erste Schritt, um den Tagespiegel als Print-Produkt abzuschaffen und komplett ins Netz zu verlagern. Der neue junge Mann bei Holtzbrinck scheint jedenfalls ein dringendes Profilierungsbedürfnis zu verspüren. Und lässt sich das(bzw. das Unternehmen) auch einiges kosten. Aber im vergleich zu StudiVZ ist die Anschaffung einer Mercedes ja gut angelegtes Geld und eine übersehbare Investition.

    19.02.2007 um 10:26

Videorätsel 1: France Gall

  1. 28

    Frau Doktor:

    Ironie kennt aber auch nicht jeder.

    25.01.2007 um 18:48

Deutschland sucht den Superwert

  1. 27

    Frau Doktor:

    Herrjeh, bin ich den die einzige Peson in Deutschland, die das noch nie gesehen hat?

    24.01.2007 um 17:15

Der Adler ist gelandet

  1. 26

    Frau Doktor:

    Danke Malte! Es sind hier in Stuttgart jetzt schon über 30 cm, mindestens. Und der Verkehr ist am Zusammenbrechen. Das hast du hervorragend hinbekommen, dass in dieser Autonarren-Stadt endlich mal Ruhe ist. Prima! Weiter so!

    24.01.2007 um 10:01

Innovativ

  1. 25

    Frau Doktor:

    High Potentials, so die Formulierung des Interviewers im ManMag, treiben sich also auf StudiVZ rum. Und gründen da dann eine Gruppe mit dem großartig hochpotentiellen Thema “Urlaub auf Mallorca”. Das klingt so surreal, das muss die Realität sein.
    Dass man an der Uni genauso wie als Heavy Internet User ein eher selektives Bild von der Welt hat, war mir ja klar, aber Holtzbrinck scheint sich auch in einem Reality Distortion Field zu befinden. Mir scheint, da hat man in Stuttgart ganz schön Angst, den Anschluss an die jungen Menschen zu verlieren. Und wenn sie einen schon nicht freiwillig abonnieren, dann kauft man sie halt.

    11.01.2007 um 17:12

Kleine Mädchen-Musik

  1. 24

    Frau Doktor:

    Um wieder Tabasco in den Friede-Freude-Eierkuchen zu schütten:
    Noch eine amerikanische “Mädchen”-Band, die sich mit fragilem Stimmchen zum Opfer der Umstände deklariert (systematic victim), dafür dann aber die Titten im Ditta von Teese-Style in die Kameras hängt und das offensichtlich für irgendwie emanzipatorisch hält – und ich schreie!!!! Das sollte die kleine Tigerlilly doch lieber mal Musik von Frauen hören anstatt diesen feuchten Indie-Checker-Traum. Und die billige “Kritik” an Religion und Fundamentalismus bekommt man ja langsam auch drei Pfennig für ein Dutzend.

    11.12.2006 um 18:41

Pressemitteilung: Spreeblick kauft Blocks

  1. 23

    Frau Doktor:

    Das war doch ein Insider-Geschäft, sonst hättet ihr niemals für 1,65 einen Cambridge Active Planner bekomme plus diverses anderes. Allein für den Planer muss man 2,95€ hinlegen, Mindestgebot. Und ja: Ich bin ganz schlimm abhängig von beschriftbarem Papier.

    06.11.2006 um 17:06

Wir nennen es Leben

  1. 22

    Frau Doktor:

    @Marius und Malte: Wie ist jetzt das Buch? Beim raschen Überfliegen des Waschzettels kam es mir so vor, als reden sich da Leute freiberuflerische Selbstausbeutung ein bisschen schön. Oder wird da ein neuen Modell jenseits der Lohnarbeit for Life diskutiert?
    Und was das Moleskine-Büchlein angeht: Ich kann Martin nur zustimmen. Kauf’ das von Brunnen. Ist handwerklich viel besser gearbeitet, hat auch noch die Schlaufe, der Gummi hält länger als drei mal rauf und runter UND billiger ist es auch.

    19.10.2006 um 16:54

Der kalte Blick des Gabor Steingart

  1. 21

    Dr. Lieschen Müller aka Frau Doktor:

    Spannend finde ich, wie so in den letzten zwei, drei Jahren plötzlich wieder Begriffe und Konzepte im öffentlichen Diskurs auftauchen, die vorher noch großspurig von führenden Gesellschaftsanalysten in die ewigen Jagdgründe verabschiedet worden sind: Unterschichten, Proleten, Bürgertum usw. Bloss kommen die auch nocht mal ansatzweise als analytisches Besteck daher, sondern als Schlagstock im diskursiven Klassenkampf. Und dann ist das Ganze auch noch nicht mal originell: Den Untergang des Abendlandes durch die Rückkehr der Barbaren bejammerten schon der alte Oswals Spengler und Arnold Gehlen. Nur können die beiden echten Kosnervativen so weit denken, dass sie darauf kommen, dass es zwischen totalem Kapitalismus (aka Neoliberalismus) und der “Verwahrlosung” der “Unterschichten” strukturelle Zusammenhänge gibt.

    Historisch falsch ist Steingart Proleten-Darstellung natürlich auch: Nicht die Proleten haben sich in sozialrevolutionären oder reformerischen Gruppen organisiert, sondern die Teile der Arbeiterschaft, für deren Tätigkeit schon so was wie eine minimale Ausbildung nötig war, zum Beispiel in der Metallindustrie. Da gehen dem Gabor wohl der revolutionäre Pariser Mob von 1789 und die echten Glanzzeiten der Sozialdemokratie durcheinander.

    19.09.2006 um 18:22

Nein Eleven

  1. 20

    Frau Doktor:

    Wer sich wie ich manchmal fragt, was man eigentlich so psychoökonomisch gesehen von einer Verschwörungstheorie hat, dem sei Thomas Pynchons “Gravity’s Rainbow” wärmstens zur Lektüre empfohlen. Die deutsche Übersetzung heißt “Die Enden der Parabel” und ist von Elfriede Jelinek. Ich finde sie nicht besonders gelungen, aber die Originalversion hat es auch tierisch in sich. Trotzdem sage ich, wer genug Englisch kann, um sich durch New York oder London zu schlagen, der schafft auch das Buch.

    Warnung: Das Buch ist ein echter Wälzer. Aber es ist die Mutter alles Romane mit und über und als Verschwörungstheorie. Alles, was T.C. Boyle cool macht, hat er von Pynchon. Dasselbe gilt für Neal Stephenson.

    Also, naja, das Buch ist einfach G - R- O - S - S.

    18.08.2006 um 18:10
  2. 19

    Frau Doktor:

    Ha, AP, darauf falle ich nicht herein! Mir das Buch zur Verschwörungstheorie des Mannes anzudienen, der mit seiner Illuminati-Trilogie selbst abertausende von beeindruckbaren, sexuell frustrierten jungen Männern in den VT-Wahnsinn getrieben hat. Das ist mehr als durchsichtig! Weiche von mir, Leibhaftiger!

    Mal im Ernst: Ist es denn brauchbar? Die Illuminati-Bücher sind so grottenschlecht geschrieben, da will ich nur nochmal durch, wenn es sich auch lohnt.

    17.08.2006 um 16:34
  3. 18

    Frau Doktor:

    Und vor allem wahrscheinlicher.

    Beim Rumlesen in unserem Thread und den vielen Links ist mir was amüsantes aufgefallen: Strukturell ähnelt sich unsere (und zahllose mit demselben Thema) 9/11 VT-Diskussion und die Intelligent Design-Diskussion, die auf jedem zweiten USamerikanischen Naturwissenschaftler/-innen-Blog geführt wird, total. Dasselbe gilt vermutlich für Linksliberale Medienverschwörung, Roswell, JFK-Ermordung, Holocaust-Leugnung, Da Vinci-Code, Intelligent Design und was alles noch VT-mäßig bearbeitet wird. Das ist erstmal natürlich nix neues . Was ich jetzt spannend fände, wäre so eine Art Kartierung der VTs, so dass man Überschneidungen (inhaltlich und personell), historisches Aufeinanderfolgen etc. auf einen Blick sehen würde. Ich vermute, da kämen interessante Dinge raus und ein großer Spaß wär’s eh’. Und wenn wir dann alles zusammenhätten, stricken wir the Grand Unified Conspiracy Theory of Everything and Beyond draus.

    17.08.2006 um 14:40
  4. 17

    Frau Doktor:

    @ Peter (Kommentar 58):
    Verstehe ich das richtig: Deiner Meinung nach geschah der Holocaust heimlich? Glaub’ doch nicht alles, was dir dein Opi, dein Papi und der nette Onkel Grass erzählen. Oder wie muss ich deine Anmerkung sonst verstehen?

    Hatte nicht der Chefverschwörungstheoretiker Fox Mulder ein Poster in seinem Büro hängen, auf dem Stand “I want to believe”? Das finde ich ja auch so ein spannendes Phänomen in dieser “Szene” (mir fehlt leider gerade ein besseres Wort dafür? Subkultur? Denkstil?): Meiner Erfahrung nach sind Verschwörungstheoretiker oft ganz wilde Atheisten, die sich sehr viel darauf zugute halten, dass sie den Ammenmärchen der Kirchen nicht glauben. Aber an das große teuflische Mastermind, das ganz locker mindestens 24 Schachzüge im Voraus plant und dabei alle Entscheidungsoptionen aller Beteiligten jederzeit im Griff behält – daran glauben sie. Seltsam.

    17.08.2006 um 11:54
  5. 16

    Frau Doktor:

    Meine Wenigkeit, paranoisch überbegabt seit der Pubertät, ist sich sicher, dass all diese 9/11-Verschwörungstheorien mit der Regierung/dem politiko-militärischen Komplex als Hauptverschwörer direkt aus dem Hause CIA/FBI/FDA/MI6/MI5/Mossad kommen. (Ja klar ist das alles ein riesiger Supermoloch-Geheimdienst, wie sollen die das denn sonst hinbekommen? Geleitet wird das ganze natürlich von einem alten Juden, der auch schon das Mastermind hinter den Nazis war und aussieht wie der Zwillingsbruder von Noam Chomsky. Wer denn bitte sonst?!) Und warum bombardieren die uns damit? Um uns von der bitteren Wahrheit abzulenken:
    Es reicht wirklich, dass sich eine garnicht so große Gruppe technisch begabter, kaltblütiger, intelligenter und zu allem bereiter Menschen zusammenschließt, die willens sind mit Geduld, Stehvermögen, Improvisationsfähigkeit und Kreativität den Plan zu verfolgen, die Macht herauszufordern – um genau das zu schaffen: den Westen in seinen Grundfesten zu erschüttern. Wenn sich das nämlich rumspricht, dann wird’s wirklich schwierig für DIE.

    Wenn Ihr das lest, werde ich wahrscheinlich schon im Flieger nach Guantanamo sitzzen. Oder schlimmeres. Also: Mark my words!

    16.08.2006 um 17:36

Stellvertreterjournalisten

  1. 15

    Frau Doktor:

    @ Malte:
    Sorry, dass ich meine Vorurteile quasi verkehrtherum auf dich projeziert habe. Ich denke, in Sachen Homosexualität, Verhütung, AIDS- und HIV-Prävention sind wir vermutlich überhaupt nicht unterschiedlicher Meinung, genauso wie in Sachen Emanzipation. Und mit der Lästigkeit der Dauerwerbesendung hast du natürlich dreimal recht.

    Wobei ich glaube, wenn das ganze katholische Ritual nicht den Charme von High Renaissance Drag hätte (Männer in goldweißen Kleidern! komplizierte Choreographien in total überdekorierten Räumen, die die Firma Versace heute noch für ihre Ideen ausplündert!, Singen in Fistelstimme!), würde man denen auch die Sendezeiten nicht so hinterher werfen.
    Und hatten die öffentlich-rechtlichen Sender nicht mal Kirchen-/Glaubensredaktionen? Die drei Luschis haben ja überhaupt nix gewusst. Ich weiß, das sagte ich schon, aber je öfter ich mir das anhöre, desto platter bin ich. Was uns wieder zu der Frage bringt, die wir schon in einem Thread weiter unten zum Thema Blogger- und MSM-Journalismus andiskutiert hatten: Warum ist der deutsche MSM-Journalismus doch relativ überwiegend auf bescheidenem Niveau, wenn die Themen auch nur ansatzweise so komplex werden, wie die Wirklichkeit nun mal ist? Am schlechten Redaktionsgehalt kann’s nicht liegen.

    Weiß jemand was über die Einschaltquoten? Oder was man so in der katholischen Kirchenöffentlichkeit denkt über das Interview?

    Ich glaube ja, Benedikt hat sich zu Tode gelangweilt während des Interviews. Der ist denen doch intellektuell und in Sachen Wissen zigmal überlegen, der musste sich ja zusammenreissen, nicht zu gähnen – und hat halt sein klassisches Programm abgespielt.

    16.08.2006 um 09:30

Serverwechsel

  1. 14

    Frau Doktor:

    Ich hab’ zuerst mal einen Riesenschreck bekommen, als während des Kommentar postens plötzlich die Musik kam, aber jetzt funktioniert’s bei mir alles erste Sahne. Aber ich hab’ auch nicht so WC-Sachen wir iTunes Podcast-Abo.

    15.08.2006 um 17:58

Stellvertreterjournalisten

  1. 13

    Frau Doktor:

    Ein wenig rätselhaft ist mir schon, dass offensichtlich nicht katholisch gläubige Menschen und Menschen, die atheistisch oder agnostisch sind, von der katholischen Kirche immer erwarten, dass zentrale linksliberale Glaubenssätze jetzt doch auch von ihr übernommen werden. Was erhofft Ihr Euch davon?

    Wie Spork schon bemerkte, können der Papst und die entsprechenden katholischen Gremien von ihren Dogmen und Glaubensinhalten nicht einfach so runter – die sind einer höheren Macht verpflichtet als der veröffentlichten Meinung oder Mehrheitsentscheidungen. Das ist natürlich keinerlei Entschuldigung für dieses wirklich lahme Interview. Der Papst hat das beste draus gemacht, seine garnicht so einfachen Ansichten zu Gott und der Welt unter die Fernsehzuschauer zu bringen. Aber außer Pater Eberhard waren die anderen Journalisten ja Totalausfälle: keiner hatte auch nur einen blassen Schimmer von der konkreten Position der katholischen Kirche zu allen angeschnittenen Themen. Niemand hat sich die Mühe gemacht, sich die letzten Amtshandlungen des Vatikans in Bezug auf die Neubesetzung von Bischofs- und Erzbischofssitzen anzuschauen. Die interessante Position der katholischen Kirche zur Stammzellenforschung kam nicht vor (die nämlich ein ziemlich neues Licht auf die Abtreibungsdebatte wirft – zumindest für mich persönlich). Und schon garnicht die Frage aller Fragen – obwohl Benedikt quasi dazu aufgefordert hat: Wie kann ein typischer mitteleuropäischer Mensch am Anfang des 21. Jahrhunderts überhaupt zum Glauben kommen? Dass der Mann das Oberhaupt einer Religion ist, nicht eines possierlichen Mini-Staates mit coolem Corporate Design und seltsamen Ritualen, den die Leute irgendwie knuddelig finden – das hat sich bis zu den öffentlich-rechtlichen Verwesern des medialen Normal-Nulls wohl nicht durchgesprochen.

    15.08.2006 um 17:54

Green Helmet Man

  1. 12

    Frau Doktor:

    @woweezowee: Danke für den Link zu dem spannenden Artikel.

    @ Johnny: Was meinst du denn konkret mit “politischer Ebene” deutscher Blogs. Es gibt ja eine ganze Menge, in denen politische Meinungen zu allem und jedem gepostet werden. Aber meistens bleibt es da ja bei der Meinung aka Vorurteil, die/das auch gerne ohne großen Nachdenk- und Rechercheaufwand ins Netz geworfen wird.

    @ alle:
    Bin ich selbst schon ganz medienblind und sehe solche Artikel, die die Arbeit von Journalisten reflektieren und in ihren ökonomischen und sozialen Kontext stellen, nicht in den großen Medien oder gibt’s die da einfach wirklich höchst selten und stattdessen nehmen sich Fringe-Media solcher Sachen an? Und wäre nicht genau das eine Sache, die auch deutsche Blogs machen könnten: Medien-Wachhund? Soviel Kontext wie nur irgendmöglich zu Meldungen oder Diskussionen zusammenkarren, damit man Meldungen auch mal wirklich einschätzen kann? Und nicht immer nach dem Reflex “Die haben meine Meinung, die haben recht” funktioniert? Oder gibt’s die schon und ich hab’s wieder nicht mitbekommen?

    11.08.2006 um 09:21
  2. 11

    Frau Doktor:

    Achtung, der Kommentar ist wieder unverantwortlich lang! Kurzfassung gibt’s am Schluss.
    Da ist ja nicht nur die Sache mit den Wolken. Da gibt’s auch noch das Haus, das anscheinden in mindestens drei verschiedenen libanesischen Städten steht und zerbombt wurde. Die Opferzahlen, die anscheinend genauso regelmäßig einfach so von den Hisbollah-PR-Leuten übernommen werden. Die Interviews mit christlichen Libanesen oder Syrern, die jetzt ganz enthusastische Hisbollah-Fans sind, nur erzählt einem niemand, in welcher Situation das Interview gemacht wurde. Das Mysterium des Green Helmet Mannes, das immer noch nicht wirklich geklärt ist. (Der Vorfall von 1996 war ja nicht einfach der zigste Versuch der israelischen Armee, die Hisbollah-Basen in der Gegend in den Griff zu bekommen, sondern die Super-ANti-Israel-PR: Da hat’s nämlich UN Blau-Helme erwischt, womit man die Israelis wieder ganz scheiße aussehen lassen konnte, weltweit. Dem Mann im grünen Helm ordentlich nachzurecherchieren wäre da schon eine spannende Aufgabe.)

    Im Gegensatz zu den konservativen Watch-Bloggern in Ami-Land glaube ich ja nicht an eine antisemitische Verschwörung der schleißliberalen Mainstream-Medien. Ich denke, dass ist alles viel banaler: schlechte Arbeitsbedingungen vor Ort und in den Redaktionen; der Wettlauf um die spektakulärste Nachricht / das spektakulärste Bild; die Unsitte deutscher Medien und Journalisten, die eigene Agenda und die eigenen Arbeitsbedingungen nicht transparent zu machen; selbstgefällige westliche Ignoranz, die es einem anscheinend unmöglich macht, in vollbärtigen Männern in wallenden Gewändern und 1001 Nacht-Rhetorik Masters of the Spin zu sehen, die die Möglichkeiten elektronischer Medien mindestens genauso im Griff haben wie die staatlich diplomierten Absolventen deutscher Journalisten-Schulen; mangelnde Sprachkenntnis; die Angst, schwelenden Rassismus in Deutschland zu befeuern, in dem man einfach mal 1:1 übersetzt, was Nasrallah et al. sagen und was zum guten Ton in arabischen Medien gehört; schlecht verarbeitete Freiheitskämpfer-Romantik aus den 70ern und der eigenen Pubertät; Schwierigkeiten, religiöse Hintergründe und Kontexte überhaupt ernst zu nehmen; die Weigerung, dem Anti-Semiten in mir in die Augen zu sehen …

    Kurzfassung: Keine antisemitische Verschwörung liberaler MSM, sondern einfach Scheiße-Journalismus, was uns da im Moment geboten wird.

    10.08.2006 um 19:11

So geht das

  1. 10

    Frau Doktor:

    @ Robert: Weil Sie es ja nun schon sehr übersichtlich bei Ihnen dargestellt haben, dachte ich mir: “Mach’s kompliziert! Das hast du ja schließlich gelernt.”

    10.08.2006 um 18:09

Green Helmet Man

  1. 09

    Frau Doktor:

    Ausgerechnet der Stern! Of Hitler-Tagebuch-Fame!! Und das reicht dann den supidupi-investigativen Journalisten von der alten Zeit, um den “so genannten Bloggern” (Zitat aus verlinktem ZEIT-Artikel) mal zu zeigen, dass wirklicher Journalismus nur in großen Medien und am besten natürlich gedruckt abläuft. Na prima.

    Liest man den Artikel ein bisschen bösartig, könnte man natürlich auch meinen, hier schlagen die Old-School-Mainstream-Medien in Deutschland ihr erstes großes Gefecht gegen den Grasroots- und Do-It-yourself-Journalismus aus der Blogosphere. Bis jetzt stellen in Deutschland Blogger ja keine nennenswerte Gefahr dar, ganz im Gegensatz zu den USA, wo Media-Blogs für viele MSMs echte Kontrollfunktionen übernehmen.
    Die Zeit hat jedenfalls nichts klügeres zu tun, als den Watch-Bloggern, in diesem Fall meistens strammen Konservativen, vorzuwerfen, sich die Zeit zu nehmen, Bilder und Bildfolgen genau zu untersuchen, während die großen Medienagenturen und Medien in der Hitze des Gefechts da einfach nicht so genau hinschauen könnten, was ihre schlecht bezahlten Fotografen on the ground so treiben. Bitte?! Lese ich das nur so oder meint Florian Klenk hier wirklich: Blogger sind Scheiße, wenn sie die Aufgaben machen, die eigentlich einer Zeitungsredaktion zukommen?
    Nur am Rande erwähnt sei, dass wir ohne den Eureferendum-Blog und Little Green Footballs et al. von unseren großartigen Journalisten überhaupt nicht erfahren hätten, dass sie im Libanon natürlich keineswegs frei berichten können, sondern immer brav die Hisbollah-PR fahren. Warum hat sich da eigentlich niemand ins Fernsehen oder auf die Kommentarseit gestellt, um zu sagen: Alles, was Sie aus dem Kriegsgebiet zu höhren bekommen, müssen Sie sehr, sehr kritisch beurteilen, da sich unsere Leute vor Ort nicht in der Lager sehen, handwerklich sauber zu berichten.
    Ich kann ja verstehen, dass man seinen Arsch nicht für das Gehalt eines Auslandskorrespondenten riskieren will und deswegen lieber Freie ins Feuer schickt, die so schlecht bezahlt werden, dass ihnen nix anderes übrigbleibt. Aber dann bitte keine mit heroisch-betroffener Stimme vorgetragenen Berichte über die schreckliche Situation im Süden Libanons. Und bitte keine hochnäsigen Berichte über die blöden Blogger. die bösartige israelische Propaganda und wie toll das doch wieder die klassischen medien recherchiert haben.

    10.08.2006 um 17:50

So geht das

  1. 08

    Frau Doktor:

    Haben die Eviscos den Zuschlag bekommen, weil die für 6.000 € gleich 3 podcasts hinkriegen? Oder ist das jetzt so ein klassischer Alimentierungsverschiebe-Bahnhof, wo irgendjemand für etwas Geld bekommt, das er garnicht macht oder gemacht hat, weil er für das, was er tatsächlich gemacht hat, offiziell gar kein Geld bekommen darf?

    10.08.2006 um 16:26

What if Mel was One of Us

  1. 07

    Frau Doktor:

    Mel Gibson – Armes Schwein oder professioneller Ultra-Rechter? Ich halte Ultra-Rechte generell für arme Schweine, aber das mal beiseite:
    Was seinen Glauben angeht, gehört Gibson zu einer ultra-konservativen Fraktion des Katholizismus, direkt aus den tiefsten Tiefen des 19. Jahrhunderts. Anti-Judaismus gehörte da – bis er politisch sowas von unkorrekt wurde – offiziell zum Gesamtpaket dazu. In der Karfreitagsliturgie wurde bis in die 1960er Jahre für die “treulosen, verrräterischen Juden” gebetet, dass sie Jesus als Herrn und Messias anerkennen. Drumherum gibt es eine ganz ausgebreitete Theologie der Juden als Christusmörder. Richtig hinter sich lässt die offizielle katholische Kirche das erst in den letzten 20 jahren – auch auf liturgischer Ebene. Wobei es genug Gruppen innerhalb der Kirche gibt, die die alten Formen (inkl. der schwierigen Inhalte) gerne beibehalten bzw. wieder eingesetzt haben wollen. Und viele von denen sind keine Ultra-Rechten im politischen Sinne, sondern extrem mystisch-spirituell unterwegs: Mit Visualisierung der Passion vor dem inneren Auge etc. Also genau das Programm, das Gibson in “Passion of The Christ” durchgezogen hat. Da hatte er ja auch schon den Vorwurf des Antisemitismus zu hören bekommen, vor allem von jüdischen Vereinigungen und sich explizit auf ihr Jüdisch-Sein beziehenden Hollywoodistas und Intellektuellen.
    IMHO bewegt sich Gibson in einem kulturellen Umfeld, in dem Anti-Judaismus zumindest latent gegenwärtig ist, als eine Art Unterströmung. Gleichzeitig arbeitet er in einem der wenigen Bereiche der US-amerikanischen Gesellschaft. in der einige der mächtigsten Positionen von Juden besetzt sind, von denen die meisten auch noch seinen Glauben und seinen Film ziemlich suspekt finden. Das kann mental und psychisch nicht ganz einfach sein – selbst wenn man selbst zu den mächtigsten Männern Hollywoods gehört. Da drauf Post-Production-Stress, Ärger mit Disney als Vertrieb, 5-6 Budweiser, ein Verkehrspolizist, der sich von Promitum nicht ins Boxhorn jagen lässt – und PENG: Synapsen knallen durch. Was keine Entschuldigung sein soll, sondern eine Erklärung.
    Kurz: Mel Gibson ist auch nur ein armes Schwein, eine irgendwie verborgene autoritär-rassistische Agenda hat der nicht. Das er total konservativ ist, weiß ja eh’ jeder. Sonst wären ja auch all die braven linken Anti-Kriegs-Demonstranten, die auch ohne Bier im Kopf sicher sind, dass die Juden an dem ganzen Schlamassel im Nahen Osten schuld sind, auch in Wirklichkeit wüste antisemtisch-autoritäre Ultras. Oder?

    02.08.2006 um 16:46
  2. 06

    Frau Doktor:

    Malte, da hast du ja eine prophetische Headline für den Eintrag gewählt, denn offensichtlich ist Mel Gibson wohl einer von uns. (Trollalarm!) Davon abgesehen, ist mir die Stoßrichtung deines Posts nicht klar:
    Meinst du, dass musste ja so kommen. Schaut euch nur seinen letzten Film an!? Oder fragst du dich, was den Typ eigentlich geritten hat, sein antisemitisches Geblubber ausgerechnet einem LA County-Polizisten um die Ohren zu hauen, der ihn wegen Geschwindigkeitsüberschreitung und Trunkenheit am Steuer verhaftet. Oder warum brechen bei Herrn Gibson ausgerechnet bei dieser Gelegenheit die zivilatorischen Dämme? Und warum rast der Typ besoffen über den Highway? In der Post-Production seines neuen Films?
    Das frag’ ich mich ja. Er hatte wohl 1,2 Promille. Is’ nicht nix, aber auch nicht so schlimm. Vor allem für jemand, der seit Jahren mit einem Alkoholproblem kämpft. Schlimmer ist bestimmt, dass Gibsons alter Herr ein bekennender Holocaust-Leugner und Antisemit ist. Da hat sich bestimmt eine ganze Menge Dreck im Hirn abgelagert, der jetzt einfach hochgekommen ist. Die Entschuldigungen, die er mittlerweile abgegeben hat, finde ich erstmal ganz glaubwürdig. Mal sehen, was das mit seiner Karriere als Produzent und Schauspieler anrichtet.
    Aber so ähnlich Aussetzer hat’s schon öfter gegeben. Erinnerst sich noch jemand an den Musiker der Berliner Philharmoniker, der ausgerechnet bei der ersten Tournee des Orchesters in Israel seine Barrechnung mit Adolf Hitler unterschrieben hat? Wahrscheinlich sitzen 2000 Jahre Antijudaismus und Antisemitismus so richtig tief in unseren kulturellen Genen. Da braucht’s nochmal so lang, um den Scheiß wieder rauszukriegen.
    Wer mal sehen will, wie Mel Gibson auf dem Polizeifoto aussieht, schaut hier: http://www.tmz.com/2006/07/31/bulletin-sheriffs-dept-releases-gibson-mug-shot/
    Ich weiß, das ist jetzt extrem frivol, aber ich muss ja sagen: Der Typ weiß, wie man in eine Kamera schaut.

    01.08.2006 um 17:46

Zehn Minuten bis zur Ewigkeit

  1. 05

    Frau Doktor:

    Und hier die URL zu einem wirklich schönen Text über die mögliche Bedeutung dessen, was Zinedine Zidane da zehn Minuten vor Schluß grundstürzendes im Medien- und Symbol-Universum Fußball getan hat: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=925250
    Danke an Indirekter-Freistoss.de für den Hinweis.

    11.07.2006 um 16:15

OUR!

  1. 04

    Frau Doktor:

    Wegen FC Deutschland: Ich habe mich jetzt nochmal schlau gemacht. Wie’s für mich aussieht, wurde die FC Deutschland GmbH eigens gegründet, um die Land der Ideen-Kampagne rund um die WM & Co. KG auf die Beine zu stellen.
    Es ist wieder mal eine dieser kotzenswürdigen Public-Private-Partnerschaften zwischen Bundesregierung und diversen Industrie- und Handelsriesen, bei denen ich mich regelmäßig frage, wann eigentlich genau der Staat in Privatbesitz übergegangen ist. Chef vom ganzen ist Mike de Vries, der eine ganze Menge Credits als Sportvermarkter hat. Zum Beispiel verdanken wir ihm das Bitburger Sponsoring der Herren-Nationalmannschaft. Und mit einer schnittigen PowerPoint-Präsentation hat er dann den von Minderwertigkeitskomplexen beladenen abgebrochenen SozPol-Studenten aus dem Bundespresseamt die Millionen abgeluchst, seinen Kumpels bei Scholz & Friends, Goldenem Hirschen und wie die Polit-Werber noch so alle heißen zugeschanzt. Außerdem lungert im Hintergrund auch noch Roland Berger herum. War ja klar – die haben sich ja mittlerweile auf das Schröpfen der öffentlichen Hand spezialisiert.

    Sorry, das war jetzt lang, aber es musste einfach raus.

    08.06.2006 um 16:47
  2. 03

    Frau Doktor:

    @ Arne:
    Habe ich das richtig in deinem Blog gelesen? Die Firma, die diese “Land der Idee”-Kampagne macht, heißt FC Deutschland? Na ja, in Italien wählen sie eine Partei, die übersetzt sowas heißt wie “Italien vor, noch ein Tor!” Wann war eigentlich der Zeitpunkt, als sich in der Politik die Idee breit machte, keine Politik und stattdessen lieber Werbung machen zu wollen?

    @ alle: Seit wann hat denn die FIFA WM was mit Sport zu tun?

    08.06.2006 um 10:39

Dreams of Flying

  1. 02

    Frau Doktor:

    Wenn ich sowas sehe, denke ich immer: Menschen sind doch ganz okaye Typen.

    02.06.2006 um 18:08

Schreibende Leser

  1. 01

    Frau Doktor:

    Spreeblick als Instrument viralen Guerilla-Marketings? Mensch, Joghurt, mach dich mal locker. Ein Buch im Selbstverlag veröffentlicht und du witterst den Sell Out? Oder isses, weil der Philipp so googleoman ist?

    02.06.2006 um 14:22

02.06.2006 um 00:19

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