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I live by the river!
01.12.08
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von | 2

 

Unverkrampfter Patriotismus

  1. 07

    Chr:

    @#680351: Vorab: Ich wäge keine Opferzahlen ab. Ich rechtfertige keine Verbrechen! Auch wenn dich das überhaupt nichts angeht: ich bin weder Kommunist noch Sozialist; vor allem schon deshalb, weil ich die einseitige “Vergesellschaftung der Produktionsmittel” und die totale Abschaffung des Kapitalismus nicht per se für geeignet halte, eine dauerhafte, friedliche und sozial gerechte Gesellschaftsordnung herbeizuführen; die Geschichte lehrt den Rest! Du erdichtest meine Person und meine Ansichten - dabei bist du zugegebenermaßen recht phantasievoll, aber uferlos!

    Dass du einen gewissen leidenschaftlichen Druck bei dem Thema entwickelst, ist ja offensichtlich - geht mir ja nicht anders. Aber vielleicht solltest du einfach beim Thema bleiben. Das haben wir inzwischen endgültig verlassen, auch wenn ich diesbezüglich meine Mitschuld nicht bestreiten will.

    Trotzdem, eins sollte ich an dieser Stelle allerdings betonen: Du verrennst dich mE in deinen Faschismus vs. Kommunismus-Überlegungen total! Ein Vergleich der Verbrechen verbietet sich.

    Nochmals, wieder und again: Der real existierende Sozialismus - egal welcher Prägung - hat auf der ganzen Welt Elend und blinde Vernichtung menschlichen Lebens mit sich gebracht. Ich wüsste nicht, wo diesbezüglich Diskussionsbedarf bestünde. Dass ändert aber schlichtweg nichts daran, dass die Vernichtung der europäischen Juden in ihrer Art, Durchführung und Motivation ein historisch unvergleichlicher Vorgang ist, der die gesamte Menschheit noch heute beschämen muss!!!! Damit will ich aber eben gerade nicht - völlig abwegig - die Verbrechen in den kommunistischen Gulags, die willkürlichen Säuberungen eines völlig wahnsinnig gewordenen/immer gewesenen Stalins oder das Systemunrecht als solches relativieren. Müsste man gar nicht - die/das stehen für sich!!!!

    Ferner ist die Ideologie des Sozialismus - man müsste sich zwar erst einmal einigen, welche (theoretische) Ausprägung man konkret meint - nur schwerlich mit dem Nationalsozialismus zu vergleichen. Wenn du den Vergleich anstrebt, dann bitte mit den anderen beiden großen europäischen Ideologien des Konservatismus und des Liberalismus.

    Die Ideologie der Nazis hat demgegenüber zuerst einmal - anders als der Konservatismus, Liberalismus und der Sozialismus - nichts mit einem Fortschrittsdenken zu tun, der den Menschen als solche zugute kommen sollte.

    Zentrale Zielvoraussetzung des Sozialismus ist gewesen, eine nach ihrer Ansicht unterdrückte Arbeiterklasse aus der (Lohn-) Abhängigkeit zu befreien und auf Grundlage einer moralischen Neubewertung der bestehenden Wirtschaftsordnung diese hierfür zu überwerfen. Demgegenüber legitimiert der Nationalsozialismus - lassen wir der Einfachheit halber mal solche Leute wie die Gebrüder Strasser da raus - auf Grundlage der Vorstellung einer Herrenmenschenrasse, die zweckgerichtete Vernichtung unwerten Lebens, die militärische Ausdehnung des sog. “Lebensraums” zur Verbreitung dieser Herrenrasse sowie die totale Unterwerfung der gesamten Menschheit zu ihrem Nutzen.

    Daher ist der reale Sozialismus/Kommunismus der menschenverachtende und zu bekämpfende Exzess seiner Ideologischen Wurzeln, dem nun seine Geschichte anhaftet und die man nicht vergessen darf, wenn man sich mit ihr auseinandersetzt, wohingegen der (real existierende) Nationalsozialismus die konsequente Umsetzung seiner menschenverachtenden Ideologie selbst darstellt, die zugleich das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte mitverwirklicht hat!

    Aus diesen Gründen bin ich der Ansicht, dass man die beiderseitigen Verbrechen niemals nicht einfach gegenüber stellen darf. Zugleich sollen damit NICHT die Verbrechen kommunistischer Regime herunter gespielt werden. Deine Unterstellungen entspringen deiner überschießenden Phantasie!

    @#680340: Der Ausspruch von Schopenhauer ist zunächst einmal ein Zitat. Zitierung soll regelmäßig Denkanstösse liefern und heißt zudem nicht zwangsläufig, dass man sich als Zitierender das Zitat vollumfänglich und uneingeschränkt zu eigen macht. Man darf als Verfasser schon erwarten, dass dem Leser das klar ist!

    Für die Frage, wo nationaler Stolz herrührt und ob dieser kritisch zu bewerten sei, eignet sich - wenigstens meines Erachtens - diese Zitat hervorragend. Vielleicht musst du dir selbst die Frage stellen, warum es dich aufregt?

    “Fahnenmuffel sind nicht zwangsläufig ohne Gemeinschaftssinn.”

    Da bin ich froh, dass du das auch so siehst.

    “Ich würde sogar behaupten, dass die F.-Muffel-Fraktion viel stärker für ihre Glaubensangehörige einsteht als die Schwarz-Rot-Geil-Fraktion.”

    Das ist nicht unbedingt mein Eindruck. Aber da kann ich mich natürlich täuschen. Sicherlich richtig ist, dass die Fahnenmuffel sich eher bedrängt fühlen müssen, da sie dem Fahnenmeer nur schwer ausweichen können - man kann sich natürlich im Keller einsperren…

    Beispieltext

    23.06.2008 um 14:26
  2. 06

    Chr:

    @#680183:

    ***Patriotismus in D

    Nein, ich verbiete niemandem seinen Patriotismus. Wie oben bereits schon mal gesagt, selbst wenn ich könnte - abwegige Überlegung -, ich käme nicht im Traum darauf, jemanden die Fahne zu verbieten. Und ich gehe noch weiter: ich sage sogar, dass alle Deutschen gern Fahnen schwenken dürfen, allein, ich mag’s weder selber machen, noch anderen dabei zusehen!

    Es wäre schon aus historischen Gründen absurd, sich gegen jede Nationenbildung auszusprechen, bspw. liefert die Genozidforschung auch heute noch gewichtige Argumente. Andererseits hat die Geschichte der Menschheit immer wieder gezeigt, wohin ein aggressiver Nationalismus führt, wenn man ihn nicht rechtzeitig beseitigt! Und das ja nun nicht nur in Deutschland, wenngleich Deutsche unter der Fahne des Nationalsozialismus das zweifelsohne größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen haben!

    Die aktuelle Beflaggung und Schwenkerei spiegelt für mich allerdings keinen brutalen Nationalismus wieder. Mir persönlich bleibt die Deutschtümelei, die viele, beileibe nicht alle Schwenker/Beflagger, aus den Tiefen ihrer Seele aufsteigen lassen, dennoch ein Graus. Diesen auch offen auszusprechen, möchte und werde ich mir nicht verbieten lassen!

    Was ich dagegen wirklich hasse, ist diese verbohrte Attitüde, Rhetorik und Aggressivität, in der man so häufig angegangen wird, sollte man so unverschämt sein, vorangestelltes dreist zu äußern. Das ist der Augenblick, in dem einem meist nur Polemik bleibt. Diesen versteht dann idR keiner… Typisch ist zumeist, dass irgendwelche Analklemmis in geradezu neurotischen Rechtfertigungszwang geraten, ihre komplexäre Vaterlandsliebe gegen all die vaterlandslosen Gesellen zu verteidigen.

    Fakt ist: Überall auf der Welt gibt es über Nationalismen Auseinandersetzungen dieser Art, nicht nur in Deutschland. Du schaust halt erstens nicht über deinen deutschen Tellerrand und reagierst zweitens in einem erlernten Abwehrmodus, der deine Wahrnehmung beeinträchtigt - das nennst du deinen “persönlichen Film”.

    Typisch deutsch wird’s aber erst dann, wenn irgendeiner die “Schuldfrage” auf den Markt wirft. Das ist ja ein deutsches Problem. Der Nationalstolze instrumentalisiert dann mit beachtenswerten Entlastungsdruck gern die Schatten seiner eigenen Geschichte, um den Vaterlandslosen - oder mit Blick ins Ausland gern dem Staate Israel - eine solche Instrumentalisierung vorzuwerfen. Gern wird den Vaterlandslosen ihrerseits ein Komplex unterstellt (”Mit freundlichen Grüßen, herzlichst, ihre Projektion”)! Denn schließlich müsse man ja irgendwann endlich wieder stolz sein dürfen - auch in Deutschland - und sich endlich, endlich von seiner Vergangenheit emanzipieren! Heutzutage eine lächerliche Schein-Debatte: meine Eltern waren zur Tatzeit noch nicht einmal geboren und plötzlich will mir da jemand erklären, ich dürfe ruhig stolz sein, mich träfe ja keine persönliche Schuld! Na sowas… Verantwortung trifft die ganze Welt, die Erfahrung des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraden zu lassen und ihn für Zukunft unmöglich zu machen! Ein deutscher Skandal, der die Schuldfrage berührt, bleibt, wenn sich die Bundesrepublik mal wieder weigert, ehem. Nazi-Offiziere auszuliefern, die woanders als Kriegsverbrecher verurteilt werden würden - zum Brechen!

    Bevor allerdings jemand ein deutschspezifisches Nazigen entdeckt, gerate ich jedenfalls nicht in Panik, weil ich zufällig in Deutschland geboren bin!

    Woher hingegen in Deutschland der neurotische, komplexäre Druck herrührt, immer in entlastender Art und Weise Rückbezug auf die Shoa zu nehmen, ist mir ein völliges Rätsel - das werden nur Sozialpsychologen plausibel machen können!

    ***Nationalismus war als Kind schon scheiße

    Es gibt gute Gründe, Nationalismus (und gleichfalls seine kleine Schwester Patriotismus) zum Kotzen zu finden. Nationalismen gehören meiner Ansicht nach vehement bekämpft. Die Bundesrepublik Deutschland ist diesbezüglich mein politischer Zuständigkeitsbereich, denn hier ich bin ich sozialisiert und aufgewachsen. Daher fühle ich mich in diesem Lande mehr verantwortlich als bspw. in Frankreich, dessen Sprache ich nicht fließend beherrsche, dessen Kultur ich immer nur als Beobachter erlebe und die ich mir, Sprache und (politische) Kultur, zu aller erst einmal übersetzen muss. Das ist schon nicht immer leicht, Einfluss zu nehmen, meist unmöglich. Würde ich in Frankreich leben, würde ich mich ebenso einmischen. Ich müsste kein französischer Staatsbürger sein, um mich berechtigterweise über französische politische Positionen zu streiten!!

    Unzweifelhaft verachtenswürdig - da muss man keinen Augenblick nachgrübeln - sind die türkischen oder migrierten “Grauen Wölfe”, die ich nicht nur als ultra-nationalistisch bezeichnen wollen würde, sondern als faschistisch! Und sicher, wenn ich auf solche Leute treffe, kotz ich im Strahl und in Regenbogenfarben! Was ist denn das nur für eine sinnentleerte und vulgäre Unterstellung von dir?

    Warum ich es nicht für meine Aufgabe halte, mich maßlos über nicht-deutsche Fahnen in europäischen Nachbarnationen zu ärgern? Ich bin halt nicht dort! Ich erkläre mich aber hiermit gern bereit, morgen Abend mal in … hmmm … den Niederlanden (?) jemanden anzurufen, um ihm/ihr mitzuteilen, dass ich Fahnenschwenkerei auch in Holland mit höllandischen Fahnen kacke fände. Vielleicht bist du dann ja beruhigt?

    Dass Leute, deren Wurzel nicht in Deutschland allein liegen, hier gern diese Fahne schwenken, finde ich tatsächlich nicht unsympathisch, da sie mich in der Menge nicht so erdrücken und es netter Support über Landesgrenzen hinaus ist. Ich hab zB auch nichts dagegen, wenn mein kleiner Nachbarsjunge immer im Italientrikot die Spiele gucken geht, auch wenn ich bei der italienischen Regierungspolitik und den Zuständen in dem Land derzeit keine größere Begeisterung empfinde. Drängen mir Nicht-Schwarz-Rot-Gelbe-Fahnenschwenker ihre Nationalismen auf, geht mir natürlich auch auf den Sack, was sonst?

    Daher besteht diese deinerseits behauptete Ambivalenz meines Erachtens nicht. Übersteigerter Nationalstolz ist Dänemark, Schweden, Norwegen, Italien, Spanien, Portugal, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Venezuela und überall scheiße. Und Deutschland ist da mit Sicherheit überhaupt gar keine Ausnahme!

    Hingegen ist in Deutschland aber mein politischer Zuständigkeitsbereich eröffnet! Den lasse ich mir von dir nicht nehmen!

    20.06.2008 um 16:40
  3. 05

    Chr:

    @#679519: So ist es!!!

    18.06.2008 um 16:38
  4. 04

    Chr:

    Die Bild im Jahre der WM:

    “Die Sonne geht auf. Die Schatten sind weg. (…)
    Ja zu Deutschland-Fahnen am Auto!
    Ja zu deutschem Bier!
    Ja zur deutschen Hymne! (…)
    Ja zur deutschen Frau, die lächelnd zuschaut!”

    http://www.bild.de/BTO/news/aktuell/2006/06/08/kommentar/kommentar.html

    Ich kann nicht verstehen, wie jemand so eine Stimmung gut finden kann …
    Trotzdem habe ich nicht vor - auch nicht mit dem vorangegangenen Kommentar -, jemandem meine Sicht aufzudrängen. Ich könnte kaum, habe vor allem aber gar kein Interesse daran.

    18.06.2008 um 16:33
  5. 03

    Chr:

    “Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. [...] Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er geradeangehört, stolz zu sein …”

    Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Kap.II
    “Von dem, was einer vorstellt”

    18.06.2008 um 16:17

Sollte George W. Bush als Mörder verurteilt werden?

  1. 02

    Chr:

    @BootieBadAzz (4) - “Es ist nicht wahrscheinlich, da ein Mord ja als eine aktive Tat definiert ist, selbst in den USA. (Höchstens Beihilfe o.ä. wäre da wohl möglich.)”

    Das ist natürlich Quatsch! Es ist nicht erforderlich, dass ein Mörder als sog. unmittelbarer Täter höchstpersönlich Hand anlegt. Ebenfalls gibt es die Figur der in Deutschland sog. “mittelbaren Täterschaft”. Hier benutzt der (mittelbare) Täter ein (menschliches) Werkzeug zur Tötung eines anderen Menschen; unter den entsprechenden Voraussetzungen wird dem mittelbaren Täter das Verhalten des Werkzeuges strafrechtlich voll zugerechnet.

    Wenn die Tötung zudem noch mit Mordmerkmalen herbeigeführt wurde, voilà, haben wir einen Mörder in mittelbarer Täterschaft! Das System der Zurechnung fremden Verhaltens gibt es natürlich im US Strafrecht ebenso, s.u..

    Tatsächlich sind die Regeln zur Immunität erst einmal auszuhebeln. Darüber hinaus kann ich mir schon nicht vorstellen, dass man nach allgemeinen Zurechnungsregeln Bush heranziehen könnte….

    Zum US Strafrecht:
    http://wings.buffalo.edu/law/bclc/web/cover.htm
    http://wings.buffalo.edu/law/bclc/web/structure.htm

    Zur Zurechnung im US Strafrecht:
    - Dan-Cohen, Meir, Decision Rules and Conduct Rules: On Acoustic Separation in Criminal Law, 97 Harv. L. Rev. 625 (1984)
    - Robinson, Paul H., Rules of Conduct and Principles of Adjudication, 57 U. Chi. L Rev. 729 (1990)

    09.06.2008 um 14:06

Warum liest du eigentlich Spreeblick?

  1. 01

    Chr:

    Ich lese Spreeblick nicht regelmäßig. Der Blog ist schlicht sehr bekannt und vielfach gelobt. Letztlich bin ich über Toni hier gelandet und schaue halt hin und wieder mal rein und finde einen Beitrag, der mich sogar interessiert.

    Mein Eindruck ist, das der Bekanntheitsgrad eines Blog das wesentliche Element ist, dass die Leserschaft gerade den einen und nicht die anderen lesen lässt. Ebenfalls gute werden dementsprechend häufig übersehen, es sei denn, man stolpert in einem gefälligen Blog über nen Link zu einem anderen, den man dann regelmäßiger liest. Technokratie hab ich persönlich jedenfalls noch nie benutzt.

    26.05.2008 um 13:28

23.05.2008 um 20:59

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