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Spreeblick

I live by the river!
23.11.08
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von | 2

 

Employ a vandal - get a vandal

  1. 02

    Nplhse:

    Wer Kunst bestellt, bekommt Kunst geliefert. Nur lässt sich die halt nicht einfach so instrumentalisieren wie sich die PR-ler das wohl gedacht haben.

    Sehr schöne Aktion!

    27.05.2008 um 19:25

Aller Anfang ist leicht

  1. 01

    Christoph:

    Die Idee find ich echt mal gut, darum hab ich ganz tief in der Geschichtenkiste gegraben um für Spreeblick was ganz tolles zu finden, auf gehts!

    Die Luft ist erfüllt von Schweiß- und Deo-Geruch, nicht zum aushalten - bloß raus hier !
    Meine Finger schnellen dem Türgriff entgegen, endlich raus.
    Raus aus der stickigen Luft.
    Meine Finger berühren den Türgriff und stoßen sie schwungvoll davon. Die Tür fliegt auf und stößt leicht gegen ihren Rahmen. Die Kühle der Umgebung schnellt mir entgegen. Die Luft riecht frisch und es regnet, zum Glück ist vor der Turnhalle ein Vordach. Das wird sicher ein lustiger Weg nach Hause.
    Die Tür kracht hinter mir in ihre Ausgangstellung zurück.
    Zum abkühlen stelle ich mich an die Kante der kleinen, dreistufigen, Treppe zum Innenhof der Schule und schaue in den Himmel. Alles Grau in Grau. Der Regen entpuppt sich doch nur als leichter Nieselregen, also doch schnell nach Hause.
    Ich fasse an meinen Rucksack, in der rechten Tasche ist noch eine Flasche ACE - Drink. Ich nehme sie umständlich heraus, drehe den Deckel auf und trinke den kleinen Rest schnell aus. Dann drehe ich den Deckel wieder drauf und lasse die Flasche an meiner Hand heruntergleiten und fasse sie am Deckel an.
    Ich schwinge die Flasche langsam hin und her.
    Doch alleine will ich nicht gehen, also warte ich ab wer da wohl so als nächstes rauskommt. Und so lange betrachte ich die Regentropfen beim einschlagen in die kleine Pfütze zu meinen Füßen, wie schön sich der Himmel in dem Wasser spiegelt.

    Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, die Tür öffnet sich erneut und mehrere Personen kommen wortlos heraus.
    Wer da wohl gekommen ist, soll ich mich umdrehen und nachsehen ?
    Nein, die Pfütze ist grad so interessant.
    Doch, die Personen gehen los und an mir vorbei zum Eingang des Schulgebäudes - unter dem Dach - hin.
    Ich sehe auf, es sind Anna und Daniel.
    Okay, doch schon gehen. Tschüss Pfütze, schönes Leben noch.
    Ich muss ein kleines Stück schnell laufen.
    Weil ich grade am trostlosen Mülleimer vorbeikomme, werfe ich die Flasche kunstvoll davon. Sie fliegt im leichten Bogen, überschlägt sich und Prallt dann mit dem Boden gegen die Innenseite und fällt zu Boden.
    Strike !
    Ich folge Anna und Daniel die Kurze Treppe zum Eingang des Gebäudes herab.
    “Kann ich ne Kippe haben ?” Annas Frage zerstört die fast schon andächtige Stille.
    Bei dem schönen Klang ihrer Stimme wird mir innerlich wärmer.
    “Hast keine eigenen ?”
    “Würd ich dann Fragen, nein hab ich nicht ? Also gib mir schon eine ab” Anna ist hartnäckig wie immer.
    Daniel kramt in der Tasche seines Pullovers, und holt eine Weiße Packung Zigaretten hervor. Er streckt sie Anna entgegen.
    Sieht aus wie West oder wie auch immer die heißen.
    “Danke” sagt sie während sie die Packung in die Hand nimmt und sich eine Zigarette raus nimmt. Sie reicht sie zurück.
    “Die kannste behalten, ich will die nicht.” sagt Daniel und kramt weiter in seiner Pullovertasche.
    “Warum ?” Anna klingt sehr verwundert.
    “Probier Die” eine kurze Pause, während wir die Tür zur Straße hin passieren “Die schmecken Scheiße ! Ich will die nicht.”
    “Warum hast du die dann ?” frage ich ebenfalls verwundert
    “Weil ich die umsonst bekommen hab, darum.” lautet die Knappe Antwort.
    Stimmt ja, Daniel arbeitet abends bei der Spedition Knecht. Da organisiert der Chef immer wieder große Mengen billiger Ost-Zigaretten. Daher hat er die also.
    Wir gehen den Fußweg weiter, vorbei an parkenden Autos.
    Mein Blick fällt auf Anna. Wie schön ihr Haar doch offen nach hinten wegfällt.
    Mein Blick wandert weiter, ich betrachte die immer-gleiche Wand des Rathauses zu unserer Rechten. Nur um festzustellen das sich wieder nichts getan hat.
    Als wir an den ersten Stufen der großen Treppe, hinauf zu den drei massiven Türen des Rathauses vorbeikommen zerbricht die Stille wieder.
    “Ich will die aber nicht” Anna scheint kein Interesse an der Verpackung mit X Zigaretten drin zu haben.
    “Ich auch nicht, dann schmeiß die in den Busch.” lautet die Knappe antwort während Daniel sich seine Zigarette ansteckt. “Na super, jetzt ist mein Bus weg” sagt er ohne auf eine Uhr zu schauen. Vielleicht hat er ja drinnen noch auf eine Uhr gesehen.
    “Ich WILL die aber nicht” Anna kann sich aber auch manchmal anstellen.
    “Dann werf sie doch da vorne in den Busch” schlage ich vor.
    Keine Antwort, nichts.
    Wir gehen wortlos am Busch und dem Eingang des Mpeyers vorbei.
    “Und was soll ich damit jetzt machen ?” Anna lässt nicht locker
    “Da vorne kommt ne Ecke, oder gibt die irgendeinem Penner” schlage ich noch mal vor.
    “Ja, gib die nem Penner. Der freut sich sicher” Daniel bekräftigt meinen Vorschlag, Anna regiert nicht.
    Sie geht die schmale Passage zwischen Straße und Rathaus voran. Ich gehe mit Daniel auf einer Höhe dadurch.
    Wieder herrscht Stille.
    Es regnet noch immer, und mir ist immer noch ein wenig warm. Innen und Außen.
    Die Ampel wechselt ihre Farbe von Grün auf Rot.
    Passanten laufen los, ich muss mich beeilen um die Phase zu erwischen.
    Anna läuft schnellen Schrittes vorran.
    Wir erhöhen alle unser Tempo.
    Bei der speziellen Rechtsabbieger Spur an der Ampel trenne ich mich von Daniel mit dem kurzen Satz “Bis Morgen.” “Jo, bis Morgen. Komm trocken nach Hause”
    Ich laufe ausnahmsweise vor dem Schild lang und nicht auf dem normalen Fußgängerstreifen. Ich bin etwa 3 Meter hinter Anna. Sie sieht nach links.
    Ich gehe ein paar Schritte und sehe auch nach links. Keine Bahn kommt, danke !
    Als ich wieder zur Straße blicke sehe ich das die zweite Ampel bereits wieder Rot zeigt. Anna stoppt einen Meter rechts von der kleinen Ampel direkt an der Bordsteinkante.
    Ich stelle mich links an die Ampel und lehne mich an.
    Ich sehe zu Boden, eine kleine Pfütze.
    Hallo Pfütze.
    Ich sehe auf, die Autos auf der Straße fahren an und kommen auf uns zu. Anna steht gefährlich nahe am Rand. Wenn jetzt ein Auto zu weit links fahren würde.
    Weg mit dem dummen Gedanken fauche ich mich an. Ich betrachte die Schlange Autos die sich an uns vorbei bewegt. Kein Auto macht auch nur Anstalten zu weit links zu fahren.
    Anna geht trotzdem einen Schritt nach hinten zurück.
    Ich sehe auf, meine innere Uhr sagt mir das es gleich grün werden müsste.
    Ich starre ungeduldig das rote Männchen der Ampel an. Da verschwindet es.
    Ich gehe los, Anna hat den Start wohl verpennt. Sie folgt erst in ein wenig Abstand.
    Gegenverkehr, ich muss weiter rechts gehen und kürze die Strecke über die Straße ein wenig ab. Da hat Anna wieder aufgeholt.
    Es nieselt immer noch.
    Wir gehen ein paar Schritte, mir wird auf einmal ganz kühl. Ist es hier windiger als vorhin ?
    “Na toll, ich sehe hier keinen Penner” sagt Anna mit leicht hilfesuchender Stimme.
    “Die sind wohl nur auf der Hochstraße, aber bei dem Wetter”
    “Ja”
    “Aber da ist eine Mülltonne an der Haltestelle” ich deute in die Richtung in die wir gehen “Die freut sich sicher über die Schachtel Zigaretten. Und da es gibt extra jemand, der die Tonne entleert”
    “Ach ne” Besserwisser fauche ich mich wieder innerlich an.
    Wir gehen Wortlos weiter.
    Das Kopfsteinpflaster der Straßenbahnschienen glänzt so schön.
    “Die Straßenbahnschienen freuen sich sicher auch, über so ein tolles Geschenk” schlage ich wieder vor.
    “Meinste ?”
    “Und es gibt wieder jemand der es wegmachen wird.” Hör doch auf damit !
    Wir sind auf der anderen Seite der Schienen angekommen und gehen an dem Haltestellenhäuschen vorbei.
    Alle Plätze sind besetzt und überall stehen Leute. Jeder sucht Unterschlupf vor dem Regen.
    Mein Haar ist mittlerweile ganz nass geworden. Nasser als durch den Sport, danke Petrus !
    Nun bleibt Anna stehen “Du läufst sicher - oder ?”
    Jetzt mal bitte ohne dummen Anhang “Ja, wie immer”
    “Wie immer” wiederholt sie den letzten Teil meines Satzes. “Und was mach ich jetzt hiermit ?” fragt sie mich und hält mir die Zigarettenschachtel entgegen.
    “Keine Ahnung, schmeiß sie einfach auf den Boden” schlage ich vor.
    Anna guckt mich ungläubig an.
    “Gib du sie doch nem Penner” und hält mir die Schachtel entgegen.
    Ich nehme die Schachtel entgegen “Oder einem freundlichen Mülleimer” setze ich Annas Satz fort.
    Die Schachtel ist unerwartet schwerer und gleitet mir aus den Fingern.
    Platsch, da ist sie auf dem Boden gelandet.
    Anna und ich greifen gleichzeitig nach der Schachtel, wir packen nehmen sie gemeinsam und heben sie wieder auf.

    Wir sehen uns an, irgendwas blitzt in Annas Augen auf. Was war das ?
    Es nieselt auf einmal nicht mehr, wie lange wohl schon nicht mehr. Die Zeit scheint zu stehen.
    Anna nimmt die Schachtel, öffnet sie. Nimmt ein Bündel Zigaretten heraus. Wie viele da noch drin waren, bestimmt mehr als 10. Sie knickt die Zigaretten und wirft einige auf den Boden.
    Ihre gerauchte Zigarette landet auch auf dem Boden. Jetzt tritt sie auf alle Zigaretten und verteilt den Tabak gleichmäßig über den dreckigen Boden.
    “So ist´s besser”
    Irgendwas ist anders,
    anders als früher.
    Anna ist anders, irgendwie.
    Ich sehe sie an “Na, dann kannste die Schachtel ja dazu legen.”
    “Nee” sagt Annas leere Stimme
    Ich schaue an ihr vorbei, ich kann ihren Blick nicht ertragen.
    Die Baustelle hinter der Haltestelle ist aber schon ganz schön weit gekommen. Das die schon 4 Stockwerke fertig haben. Wahnsinn.
    Ich betrachte die grüne Plane die um das neue Haus gewickelt ist.
    Ich muss gehen, es nieselt wieder stärker.
    “Na, wie dem auch sei. Wirf sie doch hinter dich auf die Baustelle.” Ich sehe sie wieder an, sie sieht auf den Boden und betrachtet ihr Werk. “So weit kannste die ja sicher werfen.”
    “Ja, dann raucht die son dummer Bauarbeiter - gute Idee.” sie stockt “Wie immer” fügt sie ganz leise hinzu.
    Ich überhöre den letzten Teil ihres Satzes
    “Mach was du willst, ich muss jetzt gehen. Ich will am besten so trocken wie möglich nach Hause kommen” sage ich schnell, und sehe wieder zur Baustelle.
    “Fahr doch mit mir und der Bahn” schlägt Anna vor.
    “Ne, ich hab doch keine Fahrkarte.” schiebe ich als Grund vor.
    Ich will einfach nicht.
    “Okay, machs gut” wieder eine Pause “Tschüssi. Bis morgen !” Annas Stimme klingt wie früher.
    Ich könnte doch eigendlich auch mit der Bahn.
    Nein !
    Jetzt nicht mehr. Jetzt nicht mehr. Sage ich mir innerlich.
    “Tschüss” sage ich knapp.
    Ich blicke ihr nicht mehr ins Gesicht und wende mich ab.
    Jetzt gehe ich davon.
    Oh, noch eine Pfütze.
    Eine schmutzige Pfütze, ganz verseucht vom Öl.
    Bloß schnell weg von diesem Ort, ab nach Hause.
    Ich gehe schnell weiter.
    Der Nieselregen geht in einen richtigen Regen über.
    Und die trockene Bahn, samt Anna fährt an mir vorbei. Und entfernt sich zum Horizont
    Ich halte kurz inne.
    Es ist mit einem mal sehr frisch. Ich gehe schnell weiter.
    Nein, es war besser nicht zu fahren. Schwarzfahren macht man nicht.
    Wirklich ?

    14.10.2006 um 16:29

11.10.2006 um 20:53

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