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Spreeblick

I live by the river!
07.07.08
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von | 2

 

Wahlen? Was für Wahlen?

  1. 12

    LeV:

    Es kommt mir fast wie ein Ableckungsmanöver für Pseudo-Politinteressierte vor. Jede Zeitung schreibt von der amerikanischen Wahl und wer etwas auf sich hält, hat sich längst seine(n) amerikanische(n) Traumpräsident(in) auserwählt. Zustände wie bei Obama und Co kriegen wir hier doch auch bald, trotzdem schaut man lieber über den Teich als nach Lissabon und das mediale Weichspühlkonzept nach dem Stars and Stripes Vorbild geht prima auf.

    13.01.2008 um 15:27

Eva Herman aus linguistischer Perspektive

  1. 11

    LeV:

    Die linguistische Analyse ist spannend, ohne Frage. Sie kommt aber m.E., vielleicht weil ich selbst Linguistik studiere und sowieso dazu neige, Sprache auseinanderzunehmen, zu demselben Schluß, zum dem auch ich (bereits vor der Lektüre dieses Artikels) gekommen war: Hermanns lobt die Wertschätzung der Mutter und der Familie während des oder durch den Nationalsozialismus, ohne dabei eine kritische Reflexion der dahinterstehenden Ideologie erkennen zu lassen. Sie lobt eine Wertschetzung der Mutter, die als Gebährmaschine betrachtet wurde und den arischen Soldatennachwuchs zu garantieren hatte. Und das ist der eigentliche Fauxpas Frau Hermanns, ihre fehlende Reflexion, die sie als eindimensionale, naive Göre auszeichnet. Man wünscht dieser Frau das Leben, das sie propagiert: Ab hinter den Herd mit ihr!

    12.10.2007 um 13:54

Eine Frau wie Krebs

  1. 10

    LeV:

    @malte + mspro: Stärke und Schwäche sind hier wohl deutlich von der Perspektive des Betrachters geprägt. Ich finde nämlich nicht, dass es ein Zeichen von Schwäche ist, einen Schlüssel zu verlieren, Probleme beim Strafrecht zu haben, einen Freund um Hilfe zu bitten oder sich im tiefsten inneren evtl. doch nach einer konventionellen Familienstruktur zu sehnen (na ja, letzteres vielleicht schon, aber aus anderen Gründen). Aber sei dies mal dahingestellt. Was ich in diesem Falle mit “starke Frau” meine, zielt hauptsächlich auf den Umstand ab, das Maria durchaus alternativ und überdurchschnittlich ist. Maria lebt ihre Sexualität selbstbestimmt und dies ist etwas, vor dem sich viele Menschen (Männer wie Frauen) fürchten, weil sie es nicht verstehen, weil es unüblich und gesellschaftlich wenig etabliert ist. Dahingehend ist Maria gegenüber Sven stark, weil sie sich traut, anders zu sein, Sven gegenüber Maria schwach, weil er das andersartige nicht akzeptieren kann (nicht verstehen will?) - sie mögen auf anderen Gebieten andere Stärken und Schwächen haben, das ist für diese Geschichte und meine Kritik irrelevant.

    Nun geht es mir, wie mspro schrieb, tatsächlich nicht um den erzählten Inhalt an sich oder eine eventuelle wahre Begebenheit, sondern um die Assoziationen, die bei mir aufgrund der sprachlichen, perspektivischen und inhaltlichen Entscheidungen des Autors entstanden sind. Was ein Autor in einer Geschichte wie schreibt, das ist ja Ergebnis einer Wahl. Dem Autor steht das gesamte Spektum der Fiktion und eine der gewählten Perspektive entsprechende sprachliche Konnotation zur Verfügung. Aber du hast bei deiner Wahl nicht einberechnet und also den Text nicht darauf ausgelegt, dass es Leser geben könnte, die sich eher mit Maria, der Außenseiterin, identifizieren. Jenen Lesern, die das tun, bietest du keinen erkenntnisfördernden Ansatz, weil du mit Sven und Svens “Gefühlen” eine stereotype Rolle beschreibst, und das macht deinen Text in meinen Augen eindimensional. In ihrer Eindimensionalität bleibt die Geschichte die bloße Nacherzählung eines alltäglichen Vorfalls, ohne dabei literarisch-inhaltlich neuartige Anreize zu bieten. Dein Text ist, böse ausgedrück, nur die Reproduktion einer Reproduktion einer Reproduktion…, und das macht ihn in meinen Augen unoriginell. All das sage ich nicht, um dich zu ärgern, Malte (liegt mir voll total fern), sondern einfach, weil es das ist, was mir ad hoc eingefallen ist, als ich den Text las und ich dachte, dass es dich als Autor (nicht so sehr als potentieller Protagonist einer evtl. dahinterstehenden wahren Begebenheit) interessieren könnte.

    Übrigens habe ich heute eine Arbeit veröffentlicht, in der ich über die Paare intentio auctoris - intentio operis und Interpretation - Überinterpretation anhand zweier Bücher von Umberto Eco spreche. Weil ich mit Ecos Thesen zu dem Thema symapthisiere, setze ich hier mal den Link: http://abgedichtet.org/?page_id=153

    04.10.2007 um 04:04
  2. 09

    LeV:

    @sunny: Ich lebe seit jeher in einer offenen Beziehung, könnte mir das auch nicht anders vorstellen und habe ergo überhaupt kein Problem damit, wenn mein Mann mit einer anderen oder einem anderen schläft, solange sie/er es wert ist. Im Gegenteil, ich unterstütze das sogar, weil es die Beziehung belebt. Ich bin mir meiner selbst und unserer Liebe sicher genug, um nicht eifersüchtig zu sein. Treue bedeutet nicht Monogamie, sondern Ehrlichkeit und ehrlich kann man auch in einer offenen Beziehung sein.

    @DrNI: Hierfür ist irrelevant, mit wem du am liebsten schläfst. Fakt ist, in Maltes Text wird eine Frau wegen ihrer sexuellen Aktivitäten als Schlampe, Hure und Krebsgeschwür bezeichnet. Der Umstand, dass du mich als Kampfemanze beschimpfst, weil ich dies kritisiere, zeigt deutlich, dass eine Kritik an solchen Klischees noch immer dringend notwendig ist, weil es einem Großteil der Menschheit (auch vielen Frauen) einfach an Perspektive mangelt. Über unerfüllte Sexualität, Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen kann man doch auch einen anderen, weniger konservativen als den hier präsentierten Diskurs fahren. Unaufgeschlossenheit und geistige Verankerung in althergebrachten Beziehungs- und Rollenklischees sind der Grund, warum das hier nicht passiert ist.

    @Malte: Was ich aus diesem Text für mich heraushole, Malte, gibt er tatsächlich her und es ist nicht so an den Haaren herbeigezogen, wie es scheinen mag. Für die Frau in deiner Geschichte geht es natürlich um das Ausleben ihrer Sexualität. Sie wird als starke, intelligente und gutaussehende Frau beschrieben, die aktiv für die Erfüllung ihrer Wünsche eintritt. Dein Protagonist aber ignoriert die Wünsche seiner Freundin und erwartet wohl eher, sie müsse seiner Vorstellung von Beziehung dienen und dürfe dahingehend keine eigenen Wünsche haben. Es wäre verständlich, wenn er einfach nur traurig wäre, weil er nicht (nach seiner Definition) ausreichend widergeliebt wird. Aber er versucht nicht einmal, einen Kompromiss mit ihr auszuhandeln, sondern macht sie für das Scheitern seiner Liebe allein verantwortlich, ohne in irgendeiner Form auf sie einzugehen. Stattdessen wird sie zum emotionslosen, unsensiblen Monster stilisiert, damit er sein Selbstmitleid rechtfertigen und sich entsprechend in seiner Opferrolle zelebrieren kann. Dein Protagonist ist ein konservativer Antiheld, ein beziehungsunfähiger Schwächling und Chauvinist und das wäre in Ordnung für mich, wenn dieses althergebrachte Motiv der famme fatale selbstkritisch reflektiert würde. Aber das wird es nicht. Der Text bleibt oberflächlich und eindimensional und widerkäut das Althergebrachte. Es wurde schlicht und ergreifend nicht an diese Möglichkeit gedacht!

    Auch wenn es dir bei deiner Geschichte nicht um diese Aspekte ging, Malte, so schwingen sie doch so offensichtlich mit, dass es mich große Mühe gekostet hätte, sie zu übersehen. Was ein Text sagt und was ein Autor meint - das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Lies mal Ecos “Lector in Fabula”.

    02.10.2007 um 16:53
  3. 08

    LeV:

    Oh je, die armen Männer werden von bösen Frauen Schlampen fies betrogen und müssen dann weinen. Diese widerwärtigen Frauen Huren, die nur an Sex denken und einen nach dem anderen vögeln. Das ist wirklich skandallös und zeigt wieder einmal deutlich die böse, die unreine, die hinterhältige Natur der Frauen Monster vom anderen Geschlecht. Zwei enthusiastisch erhobene Daumen für diese grandiose Schilderung eines bemitleidenswerten armen Trottels, der von seiner Opferrolle so geblendet ist, dass er der Frau keine eigene, aktive Sexualität zugestehen kann, sondern sie zum Krebsgeschwür stilisieren muß, um sich besser zu fühlen. Willkommen zurück im 18. Jahrhundert. Bravo. Ganz großes Kino, Malte!

    02.10.2007 um 00:15

Klaus Wowereit

  1. 07

    LeV:

    Ich war Klaus Wowereit gegenüber immer neutral eingestellt. Natürlich, wer nicht durch Aktion auffält, zu dem kann man sich schlecht eine Meinung bilden, ob positiv oder negativ. Aber was ich neulich in der U-Bahn-Fernsehen-Ausgabe der BZ las, ließ mir erst einmal die Kinnlade in den Schoß fallen. Klaus Wowereit will das ALG II nicht erhöhen, weil es keinen Sinn habe, Leuten Geld zu geben, die damit sowieso nicht umgehen könnten? Auch die Berliner Zeitung berichtete darüber: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/berlin/689587.html

    So jemand ist also unser Bürgermeister! Na schönen Schrank auf!

    27.09.2007 um 23:29

Yawn

  1. 06

    LeV:

    Ja, ich verstehe das auch überhaupt nicht. Studien haben erwiesen, dass ein Großteil der Bevölkerung eigentlich biologischer Spätaufsteher ist, das heißt, dass die Leute vor frühestens um 9:00 sowieso noch keine Hirnaktivität zeigen können. Eine schwedische Elternlobby hat daraufhin durchgedrückt, dass die Schule dort erst um 9:00 beginnt. Ich mußte ja damals noch zur nullten Stunde um 7:15 zum Sportunterricht antanzen, aber meinem Kind würde ich da jederzeit einen Entschuldigungszettel, wegen chronischer Übermüdung schreiben. Schon heute ist es schwer, den Frühaufsteher Schulaltag in unseren Rhythmus einzubringen. Mein Mann arbeitet von zu hause aus in den USA und ist, wenn er um 12:00 seinen Rechner anschaltet trotzdem der erste “im Büro”. Dafür sind wir eben auch bis um 4:00 morgens wach. Die Deutschen sind aber wohl zu hörig, um da mal auf den Trichter zu kommen, dass es für die meisten einfach viel entspannter wäre, sich nicht um 6:00 aus dem Bett zu quälen…

    25.09.2007 um 23:14

Old Clash Fan Fight Song Club Gig Review

  1. 05

    LeV:

    Tja, wir standen hinten auf der Treppe, da kam vom Sound nicht mehr viel Gutes an. Aber man merkt schon deinen Mitschnitten an (!), dass es vorne besser war. Schade, aber da vorne wollten wir uns einfach nicht mehr hindrängeln.

    21.09.2007 um 01:43
  2. 04

    LeV:

    Als ich noch ein Teenager war, hatte ich eine Kasse mit Liedern von Billy Bragg. Die fand ich klasse; da wurde nämlich über freie Sexualität gesungen oder über politische Indifferenz und zu allem Überfluß war das Ganze auch noch gut musiziert. Inzwischen habe ich kein Kassettendeck und keine Kassetten mehr, aber Billy Bragg hören wollte ich trotzdem, deshalb war auch ich gestern im Kesselhaus. Warum sie nun aber einen Songwriter ins Kesselhaus stellen, wo der Sound bekanntermaßen beschissen ist, das verstehe, wer will. Die Gitarre klang metallisch und vom Gesang war nur etwas zu erahnen, wenn man mal ein Lied kannte, vom Verstehen der Texte ganz zu schweigen. Das fand ich sehr schade. Obendrein war es knackend voll. Deshalb entschieden wir uns, nach nebenan zu gucken, wo eine Band namens Sioen (oder so ähnlich) spielte. Die haben richtig losgelegt - mit Klavier, Geige und ordentlich Wums dahinter. Der Sound war viel besser, aber wenigstens weiß ich jetzt, wie Billy Bragg aussieht, dass der Mann musizieren kann, steht ja sowieso außer Frage.

    20.09.2007 um 13:13

Müssen Blogs authentisch sein?

  1. 03

    LeV:

    Ich höre dieses Authentizitätsgefasel in letzter Zeit auch viel zu oft. Zuerst stieß es mir im Zusammenhang mit Literatur, speziell Poesie auf. Gedichte müßten authentisch sein, hieß es. So’n quatsch. “Gestern saß ich am Telephon, da hörte ich das Klingeln schon. Klausi schrie im Überfluß, da machte ich schnell mit ihm Schluß.” Dieser ganze Seelenstrip, das ist nicht nur stilistisch meisten total daneben, sondern auch inhaltlich höchst unspektakulär. Kein wunder, dass das niemand lesen will. Und was soll diese Marktüberschwemmung mit Autobiographien oder autobiographisch angehauchten Romanen? Haben die Leute alle nichts zu tun, dass sie sich auch noch mit den langweiligen, entschuldigung authentischen Biographien irgendwelcher Dahergelaufener Schnösel befassen müssen. Ich finde das überflüssig. Ich finde es auch überflüssig, dass Blog-Artikel authentisch sein müssen. Man kann über gut recherchiert, kritisch oder nah am Leben diskutieren, wobei das immer noch von der Ausrichtung des Blogs abhängt. Wenn sie nicht journalistisch oder wissenschaftlich sind, sondern einfach nur tagebuchartig, wozu müssen sie dann gut recherchiert sein? Entweder sind sie gut geschrieben, dann les ich sie oder sie sind schlecht geschrieben und langweilen mich zu tode, dann les ich sie nicht. So einfach ist das. Zur Hölle mit der Authentizität! Seit wann sind Fiktion und Künstlichkeit Dinge, für die man sich schämen müßte?

    12.09.2007 um 17:21

Darf ich das bloggen?

  1. 02

    LeV:

    Vielen Dank für diesen hilfreichen Leitfaden. Ich habe ihn auf meiner Web-Site unter meinem eigenen Leitfaden zum Urheberrecht für Online-Poeten als weiterführende Quelle angehängt.

    06.10.2006 um 15:45

Kill Biller

  1. 01

    LeV:

    Kunst muß frei sein; eine Zensur von oben ist ein kulturelles Armutszeugnis. Ich halte es, wie Kurt Tucholsky in seinem Pamphlet “Kunst und Zensur” concludiert: Eine Zensur darf allenfalls durch das Rezeptionsverhalten des Publikums stattfinden, nicht aber durch den Staat. Ich akzeptiere, wenn ein Autor in der Gunst seiner Leser fällt, weil diese annehmen, er hätte mit seinem Roman irgendwelche Rachegelüste befriedigen wollen und deshalb davon Abstand nehmen, seine Bücher weiterhin zu kaufen. Ich akzeptiere nicht, dass der Staat dies für mich und alle Mitbürger entscheidet. Ich fühle mich durch Zensur, ob Vor- oder Nachzensur, als Künstler beraubt und als Bürger entmüdigt.

    06.09.2006 um 18:14

27.07.2006 um 14:33

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