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Spreeblick

I live by the river!
26.07.08
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von | 2

 

Let’s ask for peace in the Middle East

  1. 21

    Birger Hartung:

    In Blogs und Foren wurde schon vor Monaten die Skizze des Israelischen Plans publik:

    Israel forciert auf wirken von Ariel Sharon die Einrichtung eines weltweit annerkannten Staates Palästina. Diese Entwicklung wird seit geraumer Zeit auch von Israel unterstützt - bei der Errichtung von Demokratie und staatlichen institutionen, dadurch dass israelische Siedlungen geräumt werden. Die Grenzen von Palästina werden anerkannt. Vielleicht hatte Israel bei diesen Bestrebungen nicht immer eine glückliche Hand, doch durch den inneren Druck blieb vielleicht keine Möglichkeit. Soweit der diplomatische Teil.

    Jetzt der aktivere Part: Israel startet einen Blitzkrieg gegen Palästina und Libanon, marschiert einige Kilometer in die beiden Länder ein.

    Schlussakt: Da es sich bei Palästina und Libanon um Staaten handelt, eröffnet Israel Verhandlungen auf dieser Ebene (also ohne “NGOs” wie z.B. die Hisbollah). Israel verzichtet auf die eingenommenen Gebiete und fordert dafür eine Sicherheitszone ähnlich der zwischen BRD und DDR. Nicht umsonst wird die Mauer gebaut. Gewünschtes Ergebnis: Palästina ist ein suveräner Staat und kommt zur Ruhe, der Staat Libanon hat einen Aufhänger um die Hosbollah zu kontrollieren, Israel hat sichere Grenzen.

    Der erste Teil ging in die Hose, da Sharon schwer erkrankte und die Hamas demokratisch gewählt wurde (was mal eben die Idee von “Demokratie = Frieden” ad absurdum führt). Sharon aus dem Amt, Abbas ohne Macht.

    Da haben sich die radikalen “NGOs” stark gefühlt und gedacht, die Räumung der israelischen Siedlungen sein ein Ergebnis von Raketen und Attentaten. Mutig geworden, entführen diese Gruppen israelische Soldaten. Olmert muss ein Zeichen setzen - und schon steht da das Mitlitär mit dem ausgearbeiteten Plan für den Angriff.

    Ende offen…

    27.07.2006 um 13:05

Hey, hey, Jan Delay!

  1. 20

    Birger Hartung:

    Was ich an diesem Album krass finde: Alle Stücke Live eingespielt und aufgenommen - und danach neue Beats und Ticks druntergemischt. Das muss harte Arbeit gewesen sein. Doch diese Titel erzeugen eine Stimmung, die sehr lebendig und jam-ig sind. Respekt vor dieser Leistung! Mehr so gut gemacht Mukke aus Kennzeichen D!

    17.07.2006 um 19:50

Kinderfilme

  1. 19

    Birger Hartung:

    LOL
    Transformers? Was soll in dem Film passieren? Eine Art “Post-Terminator”-Saga? Vielleicht ein Plot der miesen TV-Serie mit schlechten Schauspielern und grottiger Computergrafik in einer Bauruine, die vor Jahren auf RTL oder so lief? Auf jeden Fall macht 50 Cent oder Puffy den Titelsong, die haben schon mal geübt: http://www.hasbro.com/transformers/
    Mit viel Glück bekommen wir einen Abklatsch von Team Amerika mit Originalfiguren!

    Den Vergleich mit Superman finde ich unfair. Nur weil Auge und Ohr die alten Streifen kennen, müssen die nicht gut sein. Der Ausdruck “Trash” passt da schon recht gut, nach meiner Meinung. Ich gebe dem neuen Superman eine Chance. Bin gespannt, wie der wird.

    A.I., War Of The Worlds, I Robot, Hulk, Underwold uvm - nur auf Leih DVD gesehen. Dafür langt ein alter 36er Fernseher mit Monosound. Dieser Filme sind eingeschränkt, amputiert oder gepfuscht. Das dem etablierten Kino die Ideen ausgehen, ist schon lange bekannt - nicht nur in Hollywood, sondern auch Deutschland. Die Verfilmung von Elementarteilchen ist ein (schlechtes) Beispiel. Daran ändert auch meckern nix.

    10.06.2006 um 22:02

Fressen Blogs den Journalismus?

  1. 18

    Birger Hartung:

    @martin
    100% Zustimmung.

    Ich habe mir jetzt bewusst einen Tag Zeit genommen, um darüber nachzudenken. Zuerst: Ich bin davon überzeugt, dass der Begriff ‘Blog’ in Deutschland sehr unterschiedlich verstanden wird. Das war ja eine Grundaussage des Artikels. Nicht die Funktion der Technik, sondern besonders die Funktion der Inhalte und ihre Entstehung. Was Martin schreibt, definiert recht passend den inhaltlichen Teil eines Blogs. Offensichtlich erzeugt der Begriff ‘Blog’ bei etablierten Medien Ängste, da sie nicht begreifen - den Inhalt nicht greifen - können. Hier fehlt es an Kommunikation.

    Eine Ergänzung zu Martins Vergleich von Blog und Zeitung: Sicher erkennt der Blogleser, das er keine redaktionell erstellten Inhalte liest. In den klassischen Medien - wie Zeitungen - wird versucht ein möglichst breites Spektrum an Informationen mit größtmöglicher Distanz zu vermitteln. Bleiben die klassischen Medien diesem Grundsatz treu, werden sie überleben. Die (gewünschte) Distanz zum Leser ist das Kernprinzip. Da Begründet sich der Ursprung des Interesses am Blog. Alle neuen Medienformen Blogs, Podcasts, etc. nutzen und unterstützen den Trieb zur Herdenbildung, zur Fragmentierung der Information. Ein Blogleser liest ’sein’ Blog, da er sich mit den Inhalten identifizieren kann. Dieses ‘Wir’ Gefühl wird unterstützt durch die Kommentarfunktion, die gleichzeitig eine Kontrollfunktion wahrnimmt.
    Nicht zu vergessen:
    Es gibt da draußen tausende Blogs, die nur der Verfasser selbst liest. Und genau hier liegt nach meiner Meinung die ursprüngliche Angst der klassischen Medien: Ein Heer von Menschen, die ohne Kontrolle Stimmung machen können, ohne Hintergrund, ohne Namen. Berechtigt nur durch den Besitz von Information. Das ist nahezu ‘unbegreifbar’. Allein die Möglichkeit, das Gedankenspiel einer solchen Informationswelt, macht den klassischen Medien sehr viel Angst. Für die sind Blogs, was für den Einzelhandel Ebay ist: “Der Untergang aus dem Netzwerkstecker”.

    02.06.2006 um 10:32

Keep on bloggin’ (in a free world)

  1. 17

    Birger Hartung:

    @Thomas
    Was sich in Deutschland in den letzten Jahren als System des “Mundtot machens” etabliert hat, ist ein Skandal. Dabei geht es nicht um unberechtigte Abmahnungen oder das “Recht auf Persönlichkeitsschutz”, sondern um eine Lesart von Gesetzen nach Feudalherrenart!

    Beispiel 1: Der Focus hat vor Jahren eine Initiative für die Pressefreiheit unterstützt. Es ging um das “Carolinen-Urteil” bei dem Caroline von Monaco gegen die Veröffentlichung von privaten Bildern geklagt hat. Ein Sturm der Entrüstung! Spiegel, Stern, Focus und Bild in einer Kampange! Die Forderung damals: Pressefreiheit darf nicht eingeschränkt werden. Heute steht ein Focus-Journalist im Zwielicht, weil er dem BND Informationen über andere Informationen geliefert haben soll. Ein interessanter Vorwurf, doch leider nicht nachvollziehbar: Alle Passagen über den Journalisten wurden in dem Bericht geschwärzt. Er hatte gegen die Veröffentlichung geklagt, Persönlichkeitsschutz.

    Beispiel 2: Ulrich Mühe, Hauptdarsteller in “Das Leben der Anderen”, schreibt ein Buch über seine Erfahrungen mit der Stasi. Darin eine Passage, in der er seine Ex-Frau als Stasi IM bezichtigt. Seine Frau geht dagegen vor Gericht, Persönlichkeitsschutz. Die Passagen werden geschwärzt. Nicht nur das, Hr. Mühe darf sich in den Medien weder über dieses Urteil, noch die Begründung, noch die Folgen des Urteils äußern. Seine Ex-Frau hatte dagegen geklagt, Persönlichkeitsschutz. Der Leiter des Instititus für Historische Forschung über Stasi und SED stellt eindeutig fest, das es eindeutige Hinweise über die IM Tätigkeit die Ex-Frau von Hr. Mühe gibt. Die Frau klagt, diese Informationen dürfen nicht veröffentlicht werden, Persönlichkeitsschutz.

    Beispiel 3: Die Süddeutsche Zeitung stellt fest, das die Aufarbeitung der Geschichte der DDR in Sachen Stasi, SED und Informanten durch die eingesetzen Behörden in vielen Fällen kontraproduktiv ist. Die Behörden klagen gegen diese Aussagen und der Richter stellt fest, das bestimmte negative Aussagen nicht mehr veröffentlich werden dürfen.

    In diesen Fällen davon zu sprechen, dass “die Situation in D nicht sehr wild ist”, grenzt schon an SM-Praktiken. Anders herum wird ein Schuh draus: Wem nicht bekannt ist, was da abgeht, der sieht das Problem auch nicht - schließlich gibt es keine Veröffentlichung und Diskussion darüber. Was in unserer Welt nicht Öffentlich wird, exisitert nicht. Und das ganz “human”, ohne Mordkommandos und Folter. Das Ergebnis ist aber das gleiche!

    01.06.2006 um 09:44
  2. 16

    Birger Hartung:

    Tja, bei dem Thema gibt es so schnell keine Kommentare. Irgendwie unangenehm, als postmodernes Abziehbild der zukünftigen Mediengesellschaft daran erinnert zu werden, dass man nur kann, weil man darf. Sonst zieht jemand den Stecker. Oder humaner: Schickt den Anwalt. Immer schön die Fresse halten. Postet doch noch ein paar Links von Youtube, oder gibt es ein neues Gadget von Google? Alles kann so einfach sein.

    Hatte mich ja schon gefragt, wie es denn wohl wird, wenn die ganzen Entwicklungsländer jetzt ihre Informationen vernetzen dürfen. Mit dem 100 Dollar Laptop. So viele Menschen, die noch nicht satt und konditioniert sind. Und dann habe ich in der ct’ 12 gelesen, dass Transmeta für Microsoft ein “Abrechnungssystem für PC, Betriebssysteme und Anwendungen” entwickelt, “Angedacht ist dieses Flexgo genannte System zunächst für Entwicklungsländer”. Ich ahne: Wenn schwarze Muslime (evil meets terror) den Anflug auf Hochhäuser üben, bleibt der Bildschirm dunkel.

    Die Zensur beschränkt sich längst nicht nur auf das Internet. Viele Medien haben Informationen, die sie nicht veröffentlichen dürfen, da RichterInnen eine Gefahr für die “Persönlichkeitsrechte” der Kläger sehen. Diese Kläger haben sich für viel Geld Anwälte gesucht, um ihre Interessen radial einzuklagen: Verschleierung, Verbot der Veröffentlichung, Redeverbot. Man kann sich vom Täter zum Opfer erklären lassen - das nötige Geld verausgesetzt. Nach der heutigen Rechtsprechung kann in Deutschland jedes NSDAP-Mitglied verhindern, dass seine Mitgliedschaft veröffentlicht und diskutiert wird. Das haben Stasi und andere Typen der organisierten Kriminalität erreicht. Schönes Beispiel ist da Ulrich Mühe: http://www.netzeitung.de/kultur/392495.html

    01.06.2006 um 00:32

©

  1. 15

    Birger Hartung:

    @020200

    > Irgendwie ist der Innovationszyklus gestört - zumindest in manchen Teilen.

    Das muss ich mir merken. Diesen Ausdruck finde ich sehr passend.

    Nicht das Recht auf eine Idee ist Entscheidend - sondern dieses Recht durchzusetzen.
    Daher ist es Fraglich, ob man die Rechte an seiner Idee in jedem Fall behält.
    Das ist natürlich Gift für jede Innovation. Es wäre an der Zeit, das Gleichgewicht wieder herzustellen.

    #

    23.05.2006 um 19:59

Mad Main City

  1. 14

    Birger Hartung:

    Und das, wo dem Sigi 150 wird!

    Jeder dieser Menschen hat eine Nachricht, ein Erlebnis das manchmal zu zwanghaften Handlungen führt. Frag doch mal den Opa, ob das wirklich so Lustig war, was auf das Gesicht zu kriegen. Oder die schreiende Frau, ob sie ein schlimmes Erlebnis mit Männern gehabt hat. Menschen bitte nicht als störend wahrnehmen, oder gar veralbern. In ihnen brennt etwas lichterloh. Ihnen fehlt ein Zuhörer, eine Art seelischer Ascheimer. Einfach dasitzen und zuhören, selten gezielt nachfragen. Das kann für beide Seiten ein Prozess der Heilung sein. Nicht jeder Mensch hat ein Blog, in dem er Kommentare hinterlassen kann.

    05.05.2006 um 23:29

Casino Royale

  1. 13

    Birger Hartung:

    Danke, Johnny! Dank deinem Bild habe ich eine Wette gewonnen!
    (:
    Ein Charakterdarsteller vom Typ “versoffener Soprano” und ein Hersteller von Luxusautos, der sein Topmodell mit einem “MantaManta!”-Frontspoiler beklebt. Beeindruckend! Mr. Craig ist ein Geheimtip für die Rolle des Bond. So wie Hr. Ulmen als Wissenschaftler in “Elementarteilchen”. Ergo: Der Film wird ein Erfolg, keine Frage.

    05.05.2006 um 00:10

Umleitung

  1. 12

    Birger Hartung:

    @Iris
    Da bin ich dabei.

    Ergänzen möchte ich zum Thema “Glaubenskrieg” und “Gut vs. Böse”: Wer einfache, absoulte und ultimative Lösungen sucht, redet von Diktatur. Unsere Demokratie von Heute hat nur noch wenig mit der von vor 50 Jahren gemein. Wo ist das Problem? Das ist doch die Aufgabe einer Demokratie. Sie kann das aushalten, sie muss es aushalten. Ich sehe keine Krise. Wir sind auf der Suche nach neuen Werten. Gut. Die Integration der Neudeutschen ist mangelhaft. OK. Darin sehe ich einen stetigen Prozess der Erneuerung und Veränderung unserer Demokratie. Eine Krise entsteht, wenn wir die Demokratie für ein paar einfache Antworten verkaufen.

    28.04.2006 um 10:01
  2. 11

    Birger Hartung:

    @peter
    Ich bin genau so Subjektiv wie die Petition. Wenn jemand eine Tüte Buntes aus Wissenschaft und Fortschritt zusammenkocht, bleibt es eine Ideologie. In einer Petition in 10 Punkt die Abschaffung von Guantanamo zu fordern - gerne! Jedoch in 10 Punkten die Eindämmung aller Glaubensrichtungen und der übernommen karitativen Aufgaben, Abschaffung des Religionsunterrichts, Bildungsoffensive inkl. Arbeitsmarktreform, Reform der Erziehung, Abschaffung aller Ideologien, Reform alle Glaubensrichtung anhand neutraler Weltanschauung, Schadensersatz für die Opfer der christlichen und katholischen Kirche, kritische Grundhaltung für alle jungen Menschen und Erzieher und Lehrer und Eltern, progressiverer Ausbau einer freieren, solidarischeren Gesellschaft ohne eine durch Kirchen dominierte Politik, Reform und Weiterentwicklung des Projekts einer offenen Gesellschaft zu fordern - das ist Objektiv?

    @wtf
    Rückkehr zu alten Werten ? Welche Werte denn ?

    @stralau
    Ich habe nicht davon geredet. Ich will auch zu keinen alten Werten zurückkehren.

    Die einen suchen Werte, finden aber nur verbrauchte Phrasen. Die anderen sehen verbrauchte Phrasen und suchen Prinzipien. Alle suchen nach Formulierungen für einen gesellschaftlichen Konsenz.

    Deutschland hat eine dunkle Vergangenheit mit einem tiefschwarzen Kapitel. Nach dem dritten Reich hat es einen Lernprozess gegeben, der bis Heute andauert. Und das ist gut so. Für mich bildet die Erkenntnis aus unserer Geschichte - mit dem unvergessenen Leid, dem Tod unschuldiger Menschen und dem Verbrechen - die Grundlage unserer Demokratie.

    Ich kann die Welt nicht in drei Wörtern erklären. Werte wie Ehre, Stolz und Vertrauen begegnen mir jeden Tag. Doch sie sind unbequem, wir meiden die alten Werte. Wir verdächtigen sie, dass sie dazu geführt haben. Dann sollten wir wenigstens festlegen, was sie nicht sind.

    27.04.2006 um 15:41

Amen

  1. 10

    Birger Hartung:

    @diaet

    Nachtrag:
    Ich muss da nochmal drauf hinweisen: Wo sind die Interlektuellen, die Schriftsteller?

    27.04.2006 um 05:34
  2. 09

    Birger Hartung:

    @diaet

    Oder was wolltest Du sagen?
    Genau das wollte ich zum Ausdruck bringen.

    Aufklärung fänd ich cool, danke!
    “Bringt eh nix” als Ausdruck meiner Verzweiflung. Wir sind ein Einwanderungsland, hier gibt es keinen Bürgerkrieg. Man muss um die Demokratie kämpfen denn dafür ist sie da. Doch da draußen spielen Patriarchen mit den Ängsten der Menschen und konstruieren einen Krieg der Kulturen, Krieg der Glaubensrichtung. Und wir sitzen hier und beweisen jeden Tag der Welt, dass es nicht so sein muss. Aber nirgendwo findet das Beachtung. Das treibt mich zur Verzweiflung!

    27.04.2006 um 05:31

Umleitung

  1. 08

    Birger Hartung:

    Eine kurze Zusammenfassung der Petition. Das Original ist leicht verständlich formuliert. So stelle ich mir die Gute-Nacht-Geschichten in der TAZ oder Emma vor!

    Die ersten drei Absätze:
    Aufklärerische Vernunft, fundermentale Menschenrechte, Kampf für Emanzipation, Kampf gegen christliche Erziehung, Schmerzensgeld für misshandelte Zöglinge in christlichen Erziehungsanstalten Irlands, christliche pädagogische (!) Verbrechen in Deutschland, gedankliche Entgleisungen von Frau v.d. Leyhen, breite gesellschaftliche Debatte, fundermentale Werte des Zusammenlebens. Zum Auftakt ein Kessel Buntes in 23 Zeilen.

    1.
    Orientierung an den Selbstbestimmungsrechten, Orientierung an den Idealen der intellektuellen Redlichkeit, Klein-Erna und Mehmet. Pastoren, Priester und Imame erziehen unsere Kinder. Unsere Gesellschaft ist ein zartes Pflänzchen. Diese Jugend, ganz ohne lifting, Botox und Nachcremes! An meine Haut kommt nur Gerechtigkeit und Demokratie. Bei den Kindern fehlen mir Jiddisch-Ari und Fat-Budda.

    2.
    buendnis = (fuerBildung + fuerArbeit)
    menschen = (gut ≠ böse)
    kampfDerKulturen = (brisanz * (moralSysteme * (schwarzWeiss + gutUndBoese) ) )
    loesung = (denkTradition / (kritischeAufarbeitung * (fakten + umfassendesWissen) ) )

    Alles ist gesagt.

    3.
    Bildungsoffensive, entschiedene Umsetzung von Erkenntnissen, Rundumschlag gegen 60 Jahre Bldungspolitik, Forderung nach “Abenteuerspielplätzen des Wissens”: Kinder individuell Fördern, Freude, Talente, Sinnvoll, Sinnlich, Kreativität, Mut, Verstand, herausfordern. Puh. Bahnbrechende Erkenntnisse, pädagogische Konzepte, Ganzheitliche Entwicklung im Kindergarten ohne religiöse Umerziehungsprogramme und die „guten alten Werte“ machen Kinder sozial Verantwortlich und bringen unsere Gesellschaft voran, ohne archaische Mythen. Donnerwetter! Gegen die letzten Jahrzente in der Bildungspolitik kann man nichts machen. Also weiter so: Die Bildunskompetenz geht auf die Länder über! Hier zeigt sich die in die Vergangenheit gewandte, kirchenfeindliche Grundrichtung der Petition: Alles Umerziehungsprogramme der Kirchen! Das mit den Abenteuerspielplätzen des Wissens ist keine schlechte Idee, ohne Konsens für Wohlfahrt mit diesem Staat leider nicht machbar.

    4.
    Zeitgemäße pädagogische Initiative, Ethisch: Vermittlung von „Fairnesskriterien“, intellektuell: Die Vermittlung kritischer Mündigkeit, „Bündnis für Erziehung” ist Konzentration auf Stammtischniveau, autoritär erzogene türkische Jugendliche kennen “Respekt”, „Tugenden“ wie „Gehorsam“, „Ehre“ und „Respekt“ sind Gründe für „Zwangsehen“ und „Blutfehden“ und „Ehrenmorde“, „Respekt“ und „Toleranz“ sind hohle Begriffe ohne umfassende Bildung, kritisch reflektiertes Wissen, eine Beschäftigung mit den realen Tatsachen und eine konsequente Aufhebung ideologischer Denkmuster. Hört sich ja alles gut an, aber wie soll das funktionieren? Wie soll ich einem türkischen Jugendlichen mit autoritärem Elternhaus die kritische Mündigkeit vermitteln? Das Problem ist doch: Zu Hause haben sie nix zu sagen und in der Schule sagt niemand etwas. DIESES Vakuum müss gefüllt werden.

    5.
    „Weltanschaulich neutral“ nur wenn nicht gegen Menschenrechte, Grundgesetz und seriöse Bildung, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sollen ihre „Hausaufgaben“ erledigen und aus ihren Weltbildern die Elemente enfernen, die mit der humanen Ethik gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen kollidieren, nur dann staatliche Förderung. Ist ja toll. Vielleicht noch kriminalisieren, damit das Fass gleich überläuft? Für die beiden großen Kirchen in Deutschland machbar. Die anderen Glaubensrichtungen treibt man damit unter Garantie aus der Gesellschaft. Wo wir sie nicht haben wollen.

    6.
    Kirche = dokumentierte Menschenrechtsverletzungen, daher kein gleichberechtigter Partner für das “Bündnis für Erziehung” ohne ethischer Verantwortung und angemessener Entschädigung, Forderung eines Beitrages in zweifacher Milliardenhöhe, ohne Unterstützung durch den Staat, Kirchen sind staatlich Privilegiert und haben ein kapitalisierbares Vermögen von jeweils mehreren hundert Milliarden Euro zusammengerafft. Ist ja etwas Blauäugig, das nur auf die christliche und katholische Kirche zu beschränken. Sollen jetzt alle Geld zahlen, wenn sich irgendwo jemand in die Luft sprengt, oder ein Ehrenmord begangen wird? Wer legt die Grenzen fest?

    7.
    Die beiden Kirchen tragen finanziell keine der etikettierten Sozial- oder Bildungseinrichtungen, unkritische und teilweise verfassungswidrige Subvention der Kirche durch den Staat, mehr Kosten als Einnahmen, diese Praxis beenden da diese Privilegien z.B. auf Verträge aus nicht demokratischen Zeiten stammen, z. B. Nazidiktatur. Ich würde empfehlen, die Verflechtungen soweit einzugrenzen, das sich die Leistungen auf geistlichen Beistand beschränken. Egal ob Christen, Muslime oder Juden.

    8.
    Infragestellung der Denkposition als Voraussetzung für eine Teilnahme am „Bündnis für Erziehung und Bildung“, für alle Weltanschauungsgemeinschaften wie Religionen, aufklärerische Alternativen und Ersatzreligionen, Gegengift einer solchen Ideologisierung der Aufklärung ist ein konsequenter Kritizismus, Prinzip der kritischen Prüfung, kritische Grundhaltung für alle jungen Menschen, Erzieher, Lehrer, Eltern etc. sollen den eigenen Verstand auf kritische Weise gebrauchen, ein bemühtes Bündis bezieht Kinde, Jugendliche und Erwachsene als Klientel mit ein. Und wieder das Problem der Ausgrenzung. Ist gut, dass bestimme Grundwerte erfüllt sein sollten, aber manche Religionen müssen da noch einen Lernprozess durchmachen. Ohne Teilnahme werden sie ausgegenzt - so gibt es keinen Dialog und damit keine Anpassung. Das Prinzip der kritischen Prüfung muss eine Erfindung eines Deutschen sein, das macht mir die geringsten Sorgen.

    9.
    Die Konfessionslosen sind zahlenmäßig stärkste gesellschaftliche Gruppe, stabiler Trend der Entkirchlichung, Konfessionslose werden Mehrheit der deutschen Bevölkerung stellen, entkräftetes Vorurteil das diese Gruppe zu heterogen sei, die Konfessionslosen sind in allen wichtigen weltanschaulichen Items in sich homogener als die Gruppe Kirchenmitglieder, stabile Mehrheit mit humanistisch-aufklärerischem Profil bei Betrachtung Gesamtbevölkerung unabhängig nominellen Konfessionszugehörigkeiten, mit progressiverer Einstellung als die durch Kirchen dominierte Politik, Chancen zum Ausbau einer freieren, solidarischeren Gesellschaft. Schon mal daran gedacht, dass viele ohne Konfession sind, um Steuern zu sparen? Ich kenne viele Leute, die nicht in die Kirchenkasse einzahlen und trotzdem bei der Taufe unbedingt dabei sein wollen. Eine progressive Einstellung erzeugt eine solidarische Gesellschaft? Wunschdenken. Demokratie führt auch nicht zu Frieden.

    10.
    Verhinderung gesellschaftlicher Krisenphänomene, die auf ökonomischen Fehlentwicklungen beruhen und mit Hilfe religiöser Indoktrinationsversuche verborgen werden, das Projekt der Aufklärung ist nicht vollendet, kulturellen Errungenschaften sind nicht nachhaltig gesichert, Aufruf in dieser Situation Klartext zu reden, Irrtümer = Irrtümer, ethische Verfehlungen = ethische Verfehlungen, entgegen der „unschicklich“ Erscheinung in intellektuell weichgespülten, selten an die Wurzeln der Probleme vorstoßenden Debatten, wer aus Opportunitätsgründen die Werte verdreht liefert damit keine Grundlagen für Reformen oder die Weiterentwicklung des Projekts einer offenen Gesellschaft, Errungenschaften der Moderne nicht leichtfertig verspielen… Tatsachlich! Ich bekomme jede Woche Post vom Vatikan - und schmeisse sie ungelesen weg. Hier hilft das Prinzip der kritischen Prüfung ungemein! Ich lasse mir kein X für ein U vormachen, wie es die üblichen Sprüche über Klartext gerne versuchen. Irrtümer sind Irrtümer und Verfehlungen bleiben Verfehlungen. Das Problem der weichgespülten Debatten ist, das hier jeder versucht die Werte zu seinem Werk, Produkt, Patent zu machen. Dabei ist die moderne, offene Gesellschaft bereits dabei, die Errungenschaften der Demokratie leichtfertig zu verspielen!

    Wir haben den Fehler gemacht, die Glaubensrichtungem wie die Muslime nicht in die Gesellschaft zu integrieren. Wir sind so Intolerant in unserer Wahrnehmung, das wir Fundamentalisten viel Raum gegeben haben, damit sie nicht mit unseren Vorstellungen kollidieren. Wir haben diese Menschen in Subkulturen gedrängt, zu denen wir keinen Zugang haben. Hier wird mir erklärt, das wir nur den Glauben abschaffen müssen, um die Probleme zu lösen. Damit machen wir den Bock den zum Gärtner. Im übrigen ist für mich diese aufklärerische und wissensorientiere Ideologie genau so mies wie der Kreationismus.

    27.04.2006 um 05:20

Amen

  1. 07

    Birger Hartung:

    @gk
    Ich möchte die Sachdiskussion zu beleben, ohne mich daran zu befriedigen. Dass Veränderung nur durch Änderung der Verhältnisse entsteht. Das heisst: Alles ist gesagt, weg vom Tisch, aufstehen, die Hände geben, rausgehen, umsetzen. Derzeit kommen wir nicht mal bis zu “Hände reichen”. Egal ob auf der Autobahn, bei der Bildungspolitik oder der Integration von “Gastarbeitern” (sic!).

    Zudem denke ich nicht, das Deutschland ein Riesenghetto ist oder wird. Weil ein paar Bubis für 200 EUR auf Videoclip Gangsta machen? Hier tragen alle Beteiligten mindestens eine Teilschuld. Sogar die Jugendlichen, die ja freiwillig doof bleiben wollen. Ehrlich gesagt ändert es für viele nichts in der Biographie, ob sie einen Schulabschluss haben oder nicht. Das löst diese Probleme aus. Da fehlen Chancen. Egal ob ich sie Integration oder Gerechtigkeit nenne. Auch für “Deutsche” Jugendliche, denn ein Hauptschulabschluss ist in der Ausbildungssuche praktisch ohne Wirkung.

    Ich sage nicht “Tu mal Werte!” sondern “Wer etwas ändern will, muss es einfach tun”. Werte kann man nicht machen, sie entstehen durch die Umsetzung. “Tu mal Werte!” ist für mich Attac: Für 19 EUR mit dem Billigflieger nach Genua fliegen, ein bischen Nervenkitzel und am Montag Abend wieder auf dem Kuhdamm beim Espresso relaxen. Danke. Alle Bürgerbewegungen in Deutschland haben Ziele verfolgt, sind dafür aufgestanden und haben dieses Land verändert. Es gibt 1000 gute Gründe für eine neue Bewegung - wo sind die Interlektuellen, die Schriftsteller, die Ideale, die Ziele? Jenseits aller Werte, weil sie alle ausgehölt und peinlich wirken!

    Dass seit den Nazis Werte wie Ehre, Stolz und Vertrauen nur ungern verwendet werden, ist verständlich. Die 68er haben Werte wie Ideal, Selbstverwirklichung und Toleranz verbraucht. Da bleibt uns Heute nicht mehr viel Material, mit dem man Werte verlustfrei darstellen kann. Oder wir finden uns neu in unserer Vergangenheit.

    27.04.2006 um 00:22
  2. 06

    Birger Hartung:

    @ Johnny
    Hatte ich auch schon überlegt: Bspw. ist Zivilcourage ein tolles Wort, aber was tut man, wenn man allein ist und sieht, wie drei Typen einen anderen zusammentreten?

    Hmmm… gebt mir etwas Zeit. :)

    Die Frage geht am Wesen vorbei. Sie fragt nach vier Menschen, von denen drei gegen eine allgemeine Abmachung verstoßen. Dabei kann und soll diese Frage ja gar nicht zu einem Ergebnis führen.

    Wir sind Heute stark geprägt von einer Kultur der Eigenhypnose: Es gibt ein Problem und jeder sagt etwas zu dem Thema, bis sich alle ausgesprochen haben. Alle haben das Gefühl, dass ihre Meinung akzeptiert wird. Dieses Gefühl bleibt bis zum erneuten Auftreten des Problems bestehen. Wieder sprechen alle darüber und tauschen sich aus. Es entsteht ein Kreislauf, der die Teilnehmer immer mehr beansprucht. Für die Betroffenen die perfekte Illusion: Eine Handlung entsteht hier allein aus dem Gespräch darüber.

    Genau das passiert doch in diesen ganzen Gesprächsrunden, Talkschows, Räten und Plenarsälen. Erkenntnis ohne Wert: Wer etwas ändern will, muss es einfach tun.

    Daher kann die Antwort nur lauten:
    Du greifst nicht ein. Du hoffst, das die drei Typen nicht auch noch deine Rippen eintreten. Abends erzählst Du Freunden im Biergarten von der Situation und deiner Machtlosigkeit.

    26.04.2006 um 20:00
  3. 05

    Birger Hartung:

    Zum Thema Kinder mit Behinderungen wird ja wieder fleissig die Keule geschwungen. Mir fällt da Frankreich ein. Da geht das humaner zu: Eine Gruppe von Ärzten bespricht den Fall inkl. der sozialen Komponte. Die Ärzte treffen eine Mehrheitsentscheidung und übergeben diese Empfehlung den Eltern. Die Eltern haben das alleinige Stimmrecht und treffen die Entscheidung.

    Dabei haben die Eltern die Wahl zwischen Abtreibung (wenn möglich), Freigabe zur Adoption, natürlichen Tod oder Übernahme des Kindes.

    In den wenigsten Fällen wird abgetrieben. Wird das Kind zur Adoption freigegeben, übernehmen spezialisierte staatliche Pflegeeinrichtung das Kind. Der natürliche Tod ist nur in schwerwiegenden Fällen möglich, insbesondere bei Schäden die durch die Geburt entstanden sind. Die Eltern schalten die Geräte ab, die Technik wird entfernt, ein stiller Abschied. Das Kind wird wie jeder andere Mensch beerdigt (wer das Leid erfahren hat, jemanden ohne Abschied zu verliern, versteht die Tragweite).

    Die meisten Eltern behalten das Kind. Weil sie mit Ihren Ängsten und Problemen nicht alleine gelassen werden. Das unaussprechliche Begriffe bekommt und begriffen wird. Immer die Kontrolle behalten.

    26.04.2006 um 14:02
  4. 04

    Birger Hartung:

    Ja länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir der folgende Gedanke: Weg mit den Bündnissen, ein Ende des Wohlfahrtstaats. Die Wohlfahrt im Staat nur noch für die Leute, die es sich leisten können.

    Alles andere ist unehrlich, unrealistisch, unverantwortlich. Das meine ich nicht zynisch. Wie soll der Staat denn festlegen, was Erziehung ist, wer Erziehung durchführen soll, wie die Ergebnisse bewertet werden? Wer hat durch solche Regelungswut Vorteile und wem wollte damit wirklich helfen?

    Ist dieses Bündnis ein Zentrum der Bildungs- und Erziehungsrevolution? Wohl kaum. Ein dutzend hochbezahlter Säcke aus der Elite, die irgendwas von “sozialer Kompentz” und “Übernahme von Eigenverantwortung” blubbern. Bitte dabei zu beachten, das “Eigenverantwortung” in dieser Sprache “aus der eigenen Tasche bezahlen” bedeutet.

    Dann sollen sie so offen sein und ihre Standardprogrammatik in die Tonne treten.

    25.04.2006 um 16:35
  5. 03

    Birger Hartung:

    Frau v.d.L.:
    Als Niedersachse kann ich feststellen: Politik findet unter Herrn Wulff und seiner Dilletantenbande nicht statt. Was erwartet ihr von der Ministerin aus einem Bundesland, in dem der Ministerpräsident ständig irgendwelche “Grundwerte”-Konflikte auslöst? Streit über die Rechtschreibreform, Streik im öffentlichen Dienst, Frau v.d.L., und dieles mehr - alles Produkte eines mediengeilen Strumpftrupps aus der Provinz. Die gute Frau hat ja schon erkannt, das sie für 99% der Deutschen keine Vorbildfunktion hat. Der große Nachteil von Eliten (siehe: Bildungseliten).

    Blinker links, Lichthupe:
    Ist das nicht unsere Leitkultur? Drängeln, auffahren, Menschen plattfahren, die eigenen Fehler der letzten 3 Jahre an Unschuldigen abreagieren? Selbstüberschätzung mit tödlichen Folgen (nazi reloaded)?

    Christliche und Muslimische Werte:
    Es ist unfair, Frau v.d.L. dafür zu kritisieren, dass sie nur mit Vertreten der christlichen Glaubenrichtung über die Gestaltung der Zukunft debattiert. Da wird nach muslimischen Vertretern gerufen, nur: Wer? Die muslimischen Glaubensvertreter sind in Deutschland kaum organisiert - bestehende Verbände oder Räte sind untereinander zerstitten. Es wäre ein erster Schritt in Richtung Demokratie, wenn sich die Muslime in Deutschland auf eine ständige Einrichtung einigen, welche die Inhalte und Aussagen der muslimischen Gemeinde in Deutschland vertritt und kontrolliert.

    Wahrnehmung/ Begriffe/ Werte:
    Zu dem Thema kann ich ein Buch aus der Reihe KunstPortrait, Westerweide Verlag empfehlen: “Ohne Wahrnehmung keine Welt, ein Gespäch mit Kunstwissenschaftler Michael Bockemühl”. Sehr interessant, was Herr Bockemühl da über Begriffe und Ängste sagt: “Werden kognitive Fächer bei unserer existierenden Schulpflicht verweigert, kommt die Polizei und bringt das Kind oder den Jugendlichen in die Schule. Ich habe noch nie gehört, dass die Poliziei kommt, wenn einer seine Wahrnemung nicht ausbildet…”

    25.04.2006 um 10:46

Ein paar interessante Gedanken…

  1. 02

    Birger Hartung:

    @ sascha

    Du willst nach deiner Façon glücklich werden und deine Ruhe haben. Interessant finde den Umstand, dass diese Intoleranz dazu geführt hat, die islamischen Glauben in unserer Gesellschaft weitgehend zu isolieren. In diesem Zusammenhang verleitet der Begriff “Gastarbeiter” zu der Annahme, dass diese Menschen wieder gehen und sich das Problem von selbst löst.

    Ich will dich nicht persönlich ärgern, aber eine Frage muss ich stellen: Wenn (nach den Schreckensbildern der Denunzianten und Fundamentalisten!) der islamische Glauben an die Pforten Europas klopft und Ansprüche erhebt - woran Glaubst du? Ich habe in vielen Diskussionen zu dem Thema “Clash of cultures” bei dieser Frage immer wieder eine deutliche Verunsicherung wahrgenommen. Interessant ist, dass sich durch das Äußern dieser Frage plötzlich alle missioniert fühlen.

    20.04.2006 um 21:45
  2. 01

    Birger Hartung:

    Es gibt bei in der Glaubensdiskussion nach meiner Meinung zwei wichtige Punkte: Vertrauen, das wiederum aus Ehrlichkeit und Respekt entsteht. Und Toleranz, die ihrerseits aus Vertrauen und Liebe besteht.

    Die christliche Kirche ist für Jahrhunderte voller Unterdrückung und Leid verantworlich. Durch einen langwierigen Reformprozess, die Trennung von Staat und Kirche, ist dieses Leben in Mitteleuropa erst möglich geworden. Die Industriealisierung und die Demokratie befreiten die Menschen und ermöglichten die Wahl individueller Ziele und Wünsche. Für uns Deutsche gibt es die Gewissheit, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, dass man für sie kämpfen muss. In unserer Welt ist die Würde des Menschen unantastbar. Die höchste Stufe der Individualisierung. Wir glauben an die Freiheit, den Fortschritt, und die Wirtschaft.

    Der geistliche Glauben spielt kaum eine Rolle mehr. Ein gutes Beispiel sind Politiker: CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und Linkspartei - bei diesen Parteien fallen uns sofort Kritikpunkte, Programme und fundermentale Unterschiede ein. Trotzdem können Mitglieder aller dieser Parteien dem Glauben der Katholischen Kirche angehören. Ein Witz über den Papst? Eine neue Serie bei MTV? Vielleicht noch in den 60ern ein Tabu. Toleranz auf allen Kanälen.

    Oder Intoleranz. Wie tolerieren wir einen Glauben wie den Islam? Wie viel ist Abneigung gegen Menschen und Kulturen, die wir nicht verstehen? Wie wird sie begründet? Wie viel Vertrauen haben wir in die Neudeutschen (aus dem Schwedischen wo alle “Ausländer” Neuschweden heissen), das sie unsere Kultur und unsere Gesellschaft tolerieren? Wie viel Vertrauen haben wir darin, dass sich der islamische Glauben reformiert - genauso wie der christliche Glauben? Tolerieren wird Parallelgesellschaften von Neudeutschen in Deutschland? Ist die Intoleranz schuld an diesen Parallelgesellschaften?

    Von dieser Intoleranz leben Patriarchen. Sie nutzen die die Angst der Menschen. Auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland. Dabei kann der Islam in manchen Bereichen ein Vorbild sein. Für uns als Demokratie ist jedoch klar: Staaten, der nach den Zitaten aus einem alten Buch regiert werden, sind reformbedürftig. Wir wissen aus der Bibel, dass man nur lange genug suchen muss, schon findet man das richtige Leitmotiv für einen Glaubenskrieg. Dieses Wissen macht uns nicht immun gegen die Intoleranz. Und nicht zu Predigern von Freiheit und Demokratie.

    Wichtig ist nach meiner Meinung, die Diskussion über Vertrauen und Toleranz fortzuführen.

    20.04.2006 um 09:56

19.04.2006 um 21:57

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