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I live by the river!
26.07.08
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von | 2

 

neuere Kommentare

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  1. 28

    Patrick:

    @ studi

    Es ist immer einfach von Aufwand und Nutzen zu faseln. Klingt dann ziemlich arrogant, aber mitnichten glaubwürdig. Die Missverständnisse entstehen auch nicht durch den Umfang, sondern durch Diskussionsgegner, die sich nicht die Mühe machen, dass was der Andere schreibt zu lesen und nicht nur zu überfliegen. Der Vorteil von schriftlichen Diskussionen ist dagegen, dass man die Möglichkeit hat, nachzulesen bevor man antwortet, aber das scheint in vielen Fällen einfach zu viel verlangt zu sein.

    Aber: Danke für deine Empfehlung. Vielleicht oder vielleicht auch nicht, werde ich mich damit mal beschäftigen. Es ist und bleibt für mich halt ein Thema, dass wie oben bereits angesprochen, nicht rechtlich geregelt werden kann. Entweder räumt man das Recht zum Widerstand ein und schränkt es so weit es eben geht ein, lebt dann aber auch mit den Auswüchsen, die ein Widerstand, der zweifellos aus einer Situation geboren wird, hat oder man gibt nicht explizit das Recht zum Widerstand.

    09.04.2007 um 10:51
  2. 27

    Patrick:

    “Bei SDS und APO darf man nicht außer acht lassen, dass es sich hier um eine Minderheit handelte. Sicherlich eine lautstarke, aber trotzdem keine, die grössere Teile der Bevölkerung repräsentierte. Was an den Universitäten entstanden ist und aus eigenem Verständnis heraus eine ganze Bevölkerungsschicht anging, ist bei ebenjener nicht angekommen.”

    Wobei das nicht viel zu bedeuten hat. Schau dich doch mal heute in der breiten Bevölkerung um. Was glaubst du wie viele der Leute, die wie Lemminge immer schwarz oder immer rot oder immer gelb wählen überhaupt wissen warum sie das tun? “Weil sie es immer getan haben” - ein Spruch, den man da nicht all zu selten hört. Es ist heute, wie damals, also gar nicht verwunderlich, wenn die Gruppe derer, die sich engagieren und etwas ändern wollen immer nur eine Minderheit ist.

    “Das GG organisiert System A, nun versucht jemand, System B zu erzwingen, woraufhin sich Widerstand bildet und auf das GG gestützt System C schafft? Das ergibt keinen Sinn. Alles, was auf dem Boden des GG passiert, muss sich an ihm messen lassen. Wer sich auf 20 IV beruft, muss sein Ziel also im Kontext des GG haben. (Und das Fass, inwieweit es sich bei der RAF um Freiheitskämpfer gehandelt hat, mag ich jetzt nicht öffnen.)”

    Naja, wenn System C ein verbessertes System A ist, ist das IMHO durchaus denkbar.
    Denn meiner Auffassung nach ist das Problem, dass ein Widerstand als solcher nicht rechtlich geregelt werden kann. Viel mehr ist er Reaktion auf etwas, auf schwere Missstände, und da kann man nur entsprechend der Situation reagieren. Nicht vorher seh- oder gar planbar.

    “ch glaube das nicht. “Widerstand” ist ein richtig dickes Ding; das ist mehr als einfach nur “dagegen zu sein”. Ich kann als Nicht-Zeitzeuge nur schwer abschätzen, wie der “normale Bürger” die BRD vor dreissig Jahren wahrgenommen hat, aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass jemand rational der Meinung sein konnte, der Staat sei derart hoffnungslos hinüber, dass eine Rettung ohne bewaffneten Kampf nicht möglich wäre (hier mitlesende Zeitzeugen mögen mich gerne eines besseren belehren).”

    Natürlich ist Widerstand mehr als nur “dagegen zu sein”. Darum geht es ja gerade. “Dagegen zu sein” ist eine Grundeinstellung, nicht subjektiv aber schon gar nicht objektiv. Einfach nur so, weil es zur Szene oder zum Typen dazu gehört (Punks). Widerstand ist aktive Gegenwehr. Dazu gehört eine Menge mehr an Voraussetzung.
    Und die Voraussetzungen waren da. So wird es mir zumindest von Leuten berichtet die passiv oder aber auch aktiv (nicht RAF!) dabei waren. War ja selbst, wie bereits erwähnt, auch nicht dabei (bin noch jünger als du).

    “Ich kenne Bilder von Demos, bei denen Polizisten, äh, von ihrem Schlagstock Gebrauch machen, und habe das auch schon live miterlebt. Soweit ich es selbst mitbekommen habe bzw. aufgrund von Berichten aus zweiter Hand einschätzen kann, passiert sowas aber nicht aus heiterem Himmel, sondern hat mit entsprechenden Handlungen seitens der Demonstranten zu tun. Auch Benno Ohnesorg, um mal noch weiter in die Geschichte zu gehen, taugt nicht dazu, das Bild eines mordbereiten Staatsapparates zu malen.”

    Da hab ich leider schon anderes erlebt, war aber Gott sei Dank nicht selbst betroffen. Stell dir folgende Situation vor: Angemeldete Nazi-Demo, ebenfalls angemeldete Links-Demo. Es kommt natürlich, wie immer, ganz schnell zu Ausschreitungen. Allerdings geht die Gewalt zunächst von Rechts aus. Dann kommt die Polizei um zu “de-eskalieren”. Aber statt die zwei prügelnden Gruppen voneinander zu trenen (wobei zwangsläufig beide Seiten was hätten abbekommen müssen) schlägt ein Polizist vor meinen Augen mit dem Schlagstock auf einen Punk ein, bis der in Abwehrhaltung am Boden liegt. Der involvierte Nazi lässt unterdessen von dem Punk ab und nimmt sich den nächsten vor. Gebe zu, dass das das einzige Erlebnis war, dass ich direkt mitbekommen habe. Habe aber ähnliches schon von Leuten gehört, die an und für sich keinen Grund hätten, das zu erfinden.

    “Auch Benno Ohnesorg, um mal noch weiter in die Geschichte zu gehen, taugt nicht dazu, das Bild eines mordbereiten Staatsapparates zu malen.”

    Das seh ich im geschichtlichen Kontext aber ein bisschen anders. An diesem Tag an dem Benno Ohnesorg ums Leben kam ging eine riesen Menge Gewalt NICHT von den linken Demonstranten, sondern von den Persern und der Polizei aus. Es gibt einige Bilder von blutüberströmten Demonstranten, die erst von Jubelpersern und später von Polizisten niedergeschlagen wurden. Und Benno Ohnesorg stellte mitnichten eine Gefahr dar. Es gab also wirklich keinen Grund ihn in den Hinterkopf zu schießen. Und das es sich um einen versehentlich gelösten Schuss handeln soll, wie der schießende Polizist später behauptete, halte ich ehrlich gesagt für erstunken und erlogen. Denn es ist mir - schon rein technisch - absolut schleierhaft, wie sich ein Schuß, in den Hinterkopf eines Flüchtenden, also noch nicht mal in einer Rangelei, versehentlich lösen kann. Ich will mir garnicht ausmalen, welch Sicht dieses Ereignis in den Köpfen von den Linken erzeugt haben *muss*. Denn ganz ehrlich: Wenn in der Zeit, wo ich mich stark an Demos und dergleichen beteiligt habe, einer der wirklich friedlichen Demonstranten erschossen worden wäre, hätte ich es in meiner Wut auf das System (die ich als Demonstrant mit Sicherheit habe) als Kriegserklärung gewertet. Und Benno Ohnesorg war nicht der einzige Tote, der auf das Konto der Polizei ging, noch bevor die RAF irgendwen ermordet hatte. Das sollte man bei allen Erwägungen auch nicht vergessen.

    “Das macht es schwierig, die damalige Stimmung zu rekonstruieren; aber wie gesagt, selbst wenn ich mir hier einen worst case bastle, ist der Schritt zur Gewalt, den die RAF gegangen ist, immer noch ein durch nichts relativierbarer Wahnsinn, den ich schlicht in keinen positiven Kontext bekomme.”

    Es ist ja auch ein Wahnsinn. Seh ich doch ganz genauso. Aber ich versuche es halt nachzuvollziehen (wie auch Carsten schon sagte), was keineswegs heißt, dass ich es toleriere, gut heiße oder sonst irgendwas Positives. Und ich sehe es halt schon so, dass der erste Schritt in Richtung Gewalt NICHT von der RAF, sondern von der Polizei und der Springer Presse gemacht wurde. Wobei Letzterer mit ihrer Hetzkampagne wirklich ein Anteil am Dutschke-Attentat nachgesagt werden kann.

    08.04.2007 um 19:56
  3. 26

    Patrick:

    @ Aleksander

    Ich weiß garnicht, ob ich jetzt lachen oder weinen soll. Lachen, in der Freude, dass mal jemand sich die Mühe macht nachzudenken und zu argumentieren, oder Weinen darüber, dass es nicht der/die ist, mit der ich diskutiert habe. Ist aber auch egal.

    Zunächst einmal stimme ich dir zu, dass diese zwei Voraussetzungen wichtig sind und evtl. nicht gegeben waren. Was du über Ulrike Meinhof schreibst, ist richtig. Sie ist aber (damals) nur Teil größerer Initiativen/Bewegungen gewesen. Es gab Demonstrationen (die auch ein probates Mittel darstellen), in der eher poltisch orientierten Schiene den SDS, APO, etc. Die Forderungen an die Politik wurden also ziemlich deutlich und mit vielen Mitteln vertreten, nicht nur mit Artikeln von Frau Meinhof. Und der von dir beschrieben Wandel muss seinen Grund gehabt haben. Ulrike Meinhof schien an und für sich eine ganz intelligente Frau gewesen zu sein (was wohl auch Leute dazu trieb ihr Gehirn nach ihrem Tod noch zu untersuchen), mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Sie forderte anfangs Menschlichkeit, nicht mehr und nicht weniger. Propagierte anfangs nicht einmal Gewalt. Das alles spricht dafür, dass eben jener Weg “anderer Abhilfe” alles andere als erfolgreich war. Auch die blutigen Angriffe auf Demonstranten sind Beispiele dafür.

    “Viel wichtiger aber ist b) “diese Ordnung”, im Zusammenhang des Art. 20 also der demokratischen Rechtsstaat bzw. das, was man allgemein mit dem Begriff “freiheitlich-demokratische Grundordnung” bezeichnet. Und hier wäre es mir jetzt echt neu, dass das Ziel der RAF die Verteidigung der FDGO gewesen wäre; das kann mir keiner erzählen, ohne ausgelacht zu werden.”

    Das ist tatsächlich der ausschlaggebende Grund, weshalb es womöglich nicht aufgeht. Sie wollten nicht die Demokratie verteidigen, sondern die Freiheit. Ihr Ziel war nicht, zurück in eine funktionierende Demokratie, weil sie die in den herrschenden Zuständen als gescheitert ansahen. Allerdings beziehen sich deine Hervorhebungen nicht auf das Ziel, sondern auf den Ausgangszustand. Der Widerstand kann und darf sich erheben gegen *den* der es unternimmt diese Ordnung zu beseitigen. Mit keinem Wort steht in dem Gesetz, dass der Widerstand darauf hinaus läuft die selbe Ordnung wiederherzustellen. Wobei es natürlich Sinn macht, klar.

    Ich denke schon - wie du - das die RAF nicht im Sinne eines Widerstandes im Sinne unserer Verfassung handelte. Das einzige was ich wirklich glaube, ist das es Grund zum Widerstand gab. Auf einem anderen Blatt steht ob ein solcher Widerstand hätte unbewaffnet erfolgen sollen. Natürlich halte ich unbewaffnet für adequat aber andererseits halte ich einen Kampf/Widerstand gegen ein System mit mehreren Zehntausend bewaffneten Polizisten ohne Waffen für eine illusorische Wunschvorstellung. Das wäre, wie eine Befreiung des Irak mit Plüschpanzern.

    “Ganz abgesehen davon: Dass Politiker “nicht das machen, wofür sie gewählt wurden” oder Gesetzesänderungen “nicht im Sinne des Volkes” sind, wie du in #51 beklagst, ist ansichtssache und begründet zunächst mal kein Recht auf Wiederstand.”

    Es ist wirklich zu viel verlangt die Zusammenhänge aus den Texten zu lesen und dann zu kommentieren oder? Nirgends hab ich gesagt, dass dies allein das Recht auf Widerstand begründet. Wie du oben schon erläutert hast, wird dieses erst durch die Ausschöpfung der verfügbaren Mittel begründet. Die Aussage bezog sich mehr oder weniger auf eine Randdiskussion ob Demokratie hier nun funktioniert oder nicht.

    “Dein Szenario von Polizisten, die auf friedliche Demonstranten (warum betonst du eigentlich extra, dass diese “deutsche Bürger” sind?) einprügeln, ist so pauschal schlicht Blödsinn.”

    Inwiefern ist die Aussage pauschal? Meine Sätze beinhalteten das Wort ‘oft’, was bedeutet, dass es häufig aber nicht immer vorkommt. Ich würde dir jetzt gerne Beispiele nennen, aber ich bezweifel stark, dass dir das helfen würde. Denn nicht jede Demonstration schafft es in die Presse. Und schon garnicht wirst du in der Presse die Bilder von blutigen Demonstranten sehen, die ich schon gesehen habe.

    “Da musst du schon mit ‘nem konkreten Fall ankommen und den erläutern; dein Bild vom Polizeistaat, der seine Bürger an Versammlungen und Meinungsäusserungen hindert, ist bezogen auf die BRD aus meiner Sicht lachhaft.”

    Da hast du Recht. Ein Bild von einem Polizeistaat, wie du ihn aus meinen Aussagen heraus lesen willst, der seine Bürger an Versammlungen und Meinungsäusserungen hindert ist lachhaft. Problem an der Sache ist nur, dass ich dieses Bild nicht gemalt habe.

    “Auch der neueste Quatsch von Schäuble ist zwar weder sinnvoll noch erstrebenswert, aber immer noch weit davon entfernt, aus der BRD ein Unrechtsregime zu machen, gegen das gewaltsamer Widerstand das probateste Mittel wäre.”

    Auch da stimme ich dir zu. Wobei ich dich aber gleichzeitig frage, was du als probates Mittel ansiehst. Demonstrationen? Gründung einer Anti-Grundgesetze-Aufweich-Partei, der Blitzversuch in der Kürze der Zeit genug % zu erreichen um in den Bundestag zu kommen um den Mist den die da verzapfen zu kippen? Oder soll ich meine Abgeordneten anschreiben? Was darauf hinaus läuft (denn ich habs oft genug gemacht, in verschiedensten Fällen), dass man von Sekretären unterschriebene Briefe zurück bekommt, in der die eigenen Bedenken, durch standardisierte Floskeln (wie sie vermutlich jedem geschickt werden) versucht werden zu beschwichtigen. Und wie schafft man es eigentlich die mehr als 50% des Wählervolkes, die Partei X wählen “weil sie sie immer gewählt haben”, davon zu überzeugen, dass es nicht nur ihr Recht ist die Rechte unserer Verfassung in Anspruch zu nehmen, sondern auch ihre verdammte Pflicht mir und allen anderen Staatsbürgern gegenüber ist, sie zu verteidigen? Und sei es nur indem sie sich beim Kreuzchen-Machen vorher mal über die Konseqenzen informieren?

    “Abhilfe sein kann, als kleine Gruppierung auf die Idee zu kommen, es a) besser zu wissen und b) das Recht zu haben, die eigene Ansicht durchzumorden und”

    Mensch, es stellt doch niemand in Frage, dass das nicht erfolgreich sein konnte. Das es falsch war, auch nicht. Wieso muss ich das eigentlich immer und immer wieder runter beten? Ist es eigentlich so schwer, einfach mal zu lesen, was die Anderen schreiben, statt immer wieder den selben Unsinn zu antworten?

    “Und noch was: Ist hier schon gefragt worden (ich glaube von studi), aber soweit ich sehen kann nicht wirklich beantwortet worden: Wieso sollte das skandalös niedrige Strafmass für einige Nazi-Verbrecher Auswirkungen auf die RAF haben? Die Nazis sind viel zu lasch für ihre Morde bestraft worden, also muss man bei der RAF gefälligst auch die Samthandschuhe anziehen? Wenn jemand mit 1000 Morden nur einmal lebenslänglich kriegt, darf jemand mit 10 Morden auf jeden Fall nur kürzer im Knast sitzen?”

    Das sagt doch gar keiner. Aber bevor ich mir hier die Finger wund schreibe um zu sagen, was schon milliarden Male gesagt worden ist verweise ich auf die Antwort von Maltefan. Die sagt im Großen und Ganzen das aus, was ich denke.

    “Und nochwas: Du hast geschrieben, dass die RAF ja nicht angefangen hat mit dem Töten und dass die Bürger von ihr sowieso nix zu befürchten hatten, weil sie sich gegen den Staat richtete. Da stellt sich mir die simple Frage: Na und?”

    Wieder fehlt dir der Kontext. Der Grund für die Aussage ergibt sich aus dem Kontext. Er widerlegt nur, was gesagt wurde, dass die RAF die Demokratie erschüttert hätten, weil sie eine Gefahr für die Bevölkerung darstellten.

    “Ist ein Mord jetzt weniger schlimm, wenn’s einen Polizeibeamter oder einen Generalbundesanwalt trifft? Sind die weniger wert? Sind die irgendwie vogelfrei?”

    Gegenfrage: Ist ein Mord jetzt weniger schlimm, wenns einen Linken trifft oder einen harmlosen Demonstranten, der das erste Mal in seinem Leben demonstriert? Oder wenn es einen Brandleger trifft? Sind die weniger wert, obwohl sie nach unserem Gesetz trotzdem noch die Rechte unserer Verfassung genießen? Oder wenn es einen Studentenführer trifft, der sich an und für sich nur politisch für eine bessere Gesellschaft für alle engagiert hat?

    08.04.2007 um 14:49
  4. 25

    Patrick:

    @ studi und apfelbaum

    Übrigens geht es dem Gesetzgeber keineswegs um Sühne oder Abschreckung, sondern natürlich um Schutz für die Gesellschaft, aber vorallem Resozialisierung.

    Hierzu ein interessanter Text, was da die aktuelle Rechtsauffassung ist:
    http://www.der-jugendrichter.de/html/resozialisierung.html

    “Dass über die Person Christian Klar die RAF verhandelt wird, und gleichzeitig die RAF-Täter schweigen sollen, das (und jetzt schlag ich mal die Brücke nach oben) zeugt schon von ideologischer Verblendung. Darum gings ursprünglich, glaub ich.”

    Nun, ich finds nicht gut, dass sie schweigen, weil es unabhängig von Strafverfolgung ein berechtigtes Interesse am Aufklären der “Geschichte” gibt. Allerdings darf man annehmen, dass RAF-Mitglieder beteiligt waren, die noch frei sind. Die derzeitig inhaftierten sehen es wohl als wichtigen Bestandteil ihrer ehemaligen kollektiven Bindung an, dass sie lieber eine höhere Strafe auf sich nehmen, als Ihre Genossen zu verraten. Ob das was mit Ideologie zu tun hat, wage ich zu bezweifeln. Viel mehr hat das was mit Loyalität zu tun.
    Und wären es keine Terroristen, würden die meisten dieses Verhalten wohl ehrenhaft nennen.

    Wobei es andererseits natürlich wenig ehrenhaft ist, dass Mörder draußen rum rennen, die unbestraft sind. Aber, dass es davon wesentlich mehr aus dem rechten Lager geht, ist ja hier ebenfalls zu genüge diskutiert worden.

    08.04.2007 um 11:25
  5. 24

    Patrick:

    Warum begründest du deine Meinung nicht einfach, statt dich hinter dem lächerlichen Versuch meinen Geisteszustand zu diskreditieren, zu verstecken?

    Meiner Erfahrung nach, verhalten sich so Menschen, denen die Argumente ausgehen.

    08.04.2007 um 09:26
  6. 23

    Patrick:

    “Ok, also sie funktioniert nicht deiner Meinung nach nicht und deshalb kann dann ein pol. Mord auch kein Angriff auf sie sein?! Da unterscheiden wir uns dann schon in unseren Grundannahmen.”

    Quatsch. Das sie nicht funktioniert, hat damit wenig zutun.
    Und natürlich KANN ein politisch motivierter Mord durchaus ein Angriff auf die Demokratie sein. Aber ein politisch motivierter Mord ist es nicht zwangsläufig nur deshalb weil er politisch ist. Logischer und konsequenter wäre die Argumentation schon, wenn man sagen würde, dass JEDER Mord ein Angriff auf unsere Demokratie ist. Aber das führt in der Diskussion schon wieder zu weit, womit ich mich drauf beschränken möchte, dass ein Mord, politisch motiviert, durchaus im Sinne unserer Verfassung sein kann, wenn es den letzten Ausweg darstellt um die Verfassung noch zu schützen und wahren. (Beispiel: Ein zweites Mal Hitler - nicht das man behaupten könnte, dass man mit ihm und seiner Gesippschaft hätte diskutieren können)

    “Diese Widerstandsrechts-im-RAF-Kontext-Diskussion ist für mich so abwegig wie so manche Verschwörungstheorien über die USA und ich halte eine Diskussion deshalb für nutzlos. Ist nicht pers. gemeint.”

    Och mensch, aber genau darum geht es doch. Um den richtigen Kontext.
    Diese “ist für mich so abwegig”-Haltung ist es doch gerade, die solche Kontext-Diskussionen überhaupt erst notwendig macht. Weil sich niemand ernsthaft damit auseinander setzt. Natürlich sind die Morde scheiße gewesen. Sie sind auch ein Angriff auf unsere Verfassung, na klar. Sie sind nicht zu entschuldigen und nicht zu beschönigen. Darum geht es auch garnicht. Aber ein Widerstand, durch eine Widerstandsgruppe wie der RAF, hätte auch anders aussehen können und hat es anfangs ja auch. Klar, radikal waren sie trotzdem, mit Kaufhausbränden und so. Aber dabei tunlichst darauf achten, dass niemand verletzt wird. Erst später radikalisierte sich die RAF. Nachdem die Polizei die ersten RAF-Mitglieder getötet hatte, obwohl es zuvor noch KEIN RAF-Opfer gab.

    Aber macht wirklich keinen Sinn, aber nicht weil die Diskussion so abwegig ist. Sondern weil meine Darstellung, die ich durchaus mit Argumenten zu untermauern vermag, nicht in deine Welt passt. Weil du deine Stammtisch- oder Bild-Zeitungs-Meinung nicht nehmen lassen willst. Weil Du mauerst. Und nicht weil du es besser weißt. Schade.

    07.04.2007 um 22:44

Drück mich!

  1. 22

    Patrick:

    Hmm.. Der erste [DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT] Kunde ist also “aus dem internationalen IT-Bereich”? Ich spekuliere jetzt einfach mal und tippe auf Microsoft ;-)))

    07.04.2007 um 18:44

Fünf Jahre Spreeblick

  1. 21

    Patrick:

    Vor lauter hitzigen Debatten über ein anderes, derzeit sehr präsentes Thema und unserer Unterhaltung per E-Mail, hätte ich das hier beinahe übersehen. Und, obwohl ich ja sagen muss, dass ich mit deinem Biergeschmack nicht überein stimme, genauso wie ich nicht mit jedem Artikel hier von dir oder den anderen überein stimme, muss ich sagen, dass die Artikel hier insgesamt lesenswert sind. Ist halt die richtige Mischung zwischen “Amusement” (von einer Französin daher gehaucht ;-), Aufregern, Nachdenklichem und guten Diskussionsgrundlagen. Grund genug, lange und darüber zu diskutieren und dabei leider auch die ein oder andere Meinung zu verpassen. Und erfreulicherweise muss man sich dabei nicht immer einig sein. Aber trotzdem wäre es ganz schön, mal das ein oder andere “Da hast du Recht” zu lesen, wie du in unserer E-Mail Unterhaltung angemerkt hast. Vielleicht kommt das ja noch ;-)

    Okay, genug schwadroniert. Was ich (eigentlich in aller Kürze) sagen wollte:
    Herzlichen Glückwunsch, auf die nächsten 5 (oder 50) und macht weiter so!

    Gruß
    Patrick

    07.04.2007 um 17:48

Im Kontext betrachten

  1. 20

    Patrick:

    “Ich habe nicht gesagt wie gut oder schlecht die Demokratie funktioniert sondern wie.”

    Ich sprach auch nicht von gut oder schlecht. Denn: Ich bin zwar prinzipiell ein Vertreter von Kontrasten, statt Schubladen, aber als Regelung für das Zusammenleben vieler unterschiedlicher Menschen in einer Gemeinschaft, halte ich nur das für funktionierend, was ohne größere Misstände funktioniert. Ein klein wenig in die eigenen Taschen wirtschaften hier, ein Poltiker mit einer Spielsucht dort, oder auch mit einem Alkoholproblem wäre mir lieber, als eklatante Verletzungen unserer Verfassung. Doch gerade weil die Demokratie bei uns momentan nicht funktioniert kann und will ich in diesem Punkt in Schubladen denken.
    Da bin ich ehrlich. Es gibt für mich hier kein gut oder schlecht, sondern nur funktioniert oder funktioniert nicht.

    Im Übrigen bin ich der Meinung und auch das gebe ich gerne offen zu, dass so Presseorgane, wie sie dem Springer Verlag entspringen, da einen entschiedenen Beitrag zu leisten. Denn statt den Bürger aufzuklären, füttern sie dessen niedersten Instinkte und haben es immer getan. Sie hetzen und intrigieren, spekulieren und bauschen Kleinigkeiten auf, statt auf die wirklichen Probleme und auf die Pflicht eines jeden Bürgers, sich damit auseinander zu setzen, so sie denn in einer Demokratie leben wollen, hinzuweisen.
    Aber es ist halt wichtiger, ob Jan Ulrich Drogen genommen hat, als eine massive Einschränkung der Menschenrechte zur Stillung der Neugier unserer von uns beauftragten Gesetzesorgane und Stillung der Paranoia die unsere Politiker
    von den USA übernommen haben.
    Auch wichtiger als das, ist es natürlich, wenn man denn einen vermeintlichen Feind der Zivilbevölkerung entlarvt hat, diesen ohne Prüfung als solchen zu diffamieren und gegen ihn zu hetzen, bis wirklich jeder von etwas überzeugt ist, was keineswegs bewiesen ist.

    “Den Rest spar ich mir, habe echt besseres zu tun als über das Widerstandsrecht iVm der RAF zu reden.”

    Schade, denn das zeugt von geringer Auseinandersetzung mit der Thematik.

    07.04.2007 um 17:29
  2. 19

    Patrick:

    Gehen dir die Argumente aus, oder warum sagst du nicht was dich konkret an meinen Äußerungen stört?

    07.04.2007 um 16:37
  3. 18

    Patrick:

    “Die Demokratie funktioniert aber durch die friedliche Diskussion, Meinungsbildung und Wahl.”

    Ach, tut sie das? Wenn unsere Demokratie so gut funktioniert, stellt sich die Frage warum es immer mehr zur Sitte wird, dass Politiker NICHT das machen, wofür sie gewählt wurden. Es stellt sich die Frage, warum Grundgesetzänderungen verabschiedet werden, die NICHT im Sinne des Volkes sein können. Weiterhin stellt sich die Frage warum friedliche (!) Demonstranten (deutsche Bürger!) mit Schlagstöcken noch heute oft und gerne von Polizisten (also Menschen die in UNSEREM Auftrag handeln) niedergeschlagen werden, obwohl das Recht auf Versammelung und Meinungsäußerung und Demonstration dadurch beeinträchtigt wird.

    Wenn Demokratie funktionieren würde, wären das Missstände, die es nicht gäbe.

    “Dass du das Widerstandsrecht nach Artikel 20 im Zusammenhang der RAF Diskussion erwähnst, ist lächerlich.”

    Ach, ist es das? Und wie begründest du das? Warst du in der damaligen Zeit dabei? Warst du alt genug um die Umstände, die Situation und die wirkliche Gefahr der RAF für die Bevölkerung bewerten zu können? Wenn nicht, hast du dir dann wenigstens mal die Mühe gemacht dich *richtig* zu informieren? Hast du dich mal drüber informiert wer mit der Gewalt angefangen hat? Weißt du eigentlich, dass es NICHT die RAF war, auf deren Konto die ersten Toten gingen?

    “Dass dir dieser Gedanke kommt, bestätigt aber meine Wahrnehmung zu entschuldigenden Tendenzen in den Aussagen bzgl. der RAF.”

    Das du mir diesen Vorwurf machst, bestätigt viel mehr, wie stark deine Sicht eingeschränkt ist. Du denkst zu sehr in Schubladen, a la “Für” und “Wider”.
    Dazwischen scheint es für dich nichts zu geben. Nur, dass deine Diskussionsgegner vielleicht auch einfach eine rationale Sicht auf die Dinge haben *könnten*, dass scheint dir nicht in den Sinn zu kommen.

    Schade eigentlich. Solange mehr Menschen, so wie du, in Schubladen denken, statt Zusammenhänge in einem Kontext zu betrachten und entsprechend zu bewerten, wird es immer Hetzkampagnen gäben. Und es wird immer eine Demokratie mit Misständen geben.

    07.04.2007 um 16:03
  4. 17

    Patrick:

    “Ich werde den Eindruck nicht los das Christian Klar ein Opfer der Medien geworden ist, wenn diese nicht die ganze Zeit so rumbrüllen würden, würde es doch niemanden interessieren, das ein alter Mann nach 24 Jahren Haft begnadigt wird.”

    Na ja, ob er wirklich ein Opfer der Medien ist, ist noch offen. Wir werden sehen, wie sich Herr Köhler entscheidet, und ob Christian Klar wirklich zum Opfer wird.

    07.04.2007 um 11:47
  5. 16

    Patrick:

    “@Patrick
    Kein Unsinn. Es ist ein Angriff, weil die innerdeutsche Demokratie auf der freien Diskussion und Wahl basiert. Ein Mord schüchtert das Volk und seine Organe ein und trifft die Demokratie im Kern.”

    Vorallem stützt sich unsere Demokratie (was du in diesem Zusammenhang unter innerdeutsch verstehst, ist mir nicht klar) auf die Verfassung, auf das Grundgesetz. Dieses sieht noch ein bisschen mehr vor, als nur Diskussion und Wahl. So enthielt dieses zum Beispiel den bereit oben in meinem Text erwähnten Artikel 20. Dieser sieht ein Widerstandsrecht vor, welches entgegen anders lautender Vermutungen die Mittel dazu nicht einschränkt. Somit ist ein Tyrannenmord beispielsweise mit unseren Grundrechten durchaus vereinbar, sofern er die verfassungsmäßige Ordnung wieder herstellt.

    Das bezieht sich jetzt weniger auf die RAF, wobei auch das zu diskutieren wäre (siehe meinen Text weiter vorne), aber erklärt, warum deine Aussage, so wie du sie darstellst, undifferenziert und damit Unsinn ist.

    07.04.2007 um 10:52
  6. 15

    Patrick:

    “Außerdem denke ich, dass politisch motivierte Morde (rechts oder links) ein besonders schwerer Fall sind, da sie auch ein Angriff auf die Demokratie als solche sind. Und Klar soll büßen für das was er getan hat, seine volle Strafe, denn für Gnade gibt es keinen Grund.”

    Was ist das denn für ein undifferenzierter Unsinn? Warum ist ein Mord, nur weil er politisch motiviert ist, ein Angriff auf die Demokratie?
    Vielleicht wird er ja gerade begangen, um die Demokratie zu schützen?

    Und was Gnade für Klar angeht: Mein Gott, wir sprechen davon ihn zwei Jahre früher raus zu lassen. Und einen Grund gäbe es der dafür spricht: Nämlich Stärke zeigen. Als Staat.

    06.04.2007 um 18:59
  7. 14

    Patrick:

    @ Maltefan

    Insgesamt kann ich dir da gut und im Großen und Ganzen zustimmen.

    Insbesondere hast du meine Aufmerksamkeit wieder auf das Thema Krieg gelenkt. Wie so oft in der anhaltenden Diskussion (in der ich meist auf verlorenem Posten eine gänzlich gegensätzliche Meinung vertrete, als das was man gemeinhin als Mainstream bezeichnet), denke ich über Kriege nach. Damals war da zum Beispiel der Vietnam Krieg. Der schmutzigste Krieg (sofern man den üblichen Schmutz eines Krieges überhaupt überbieten kann), in dem sich einer unserer Verbündeter assozialer, unmenschlicher und bestialischer verhalten hat, als man es sich denken kann, ist nur ein Krieg von vielen, den ein Großteil derer, die hier und anderswo, scheinbar für richtig halten. Denn niemand hat, so weit ich das beurteilen kann, je gefordert die damaligen Machtträger der USA, oder die Soldaten die sie nach Vietnam geschickt haben, für Ihre Strafen, für Ihre Morde an Unschuldigen Zivilisten, für Ihre Barbarei an einem Feind, zu verantworten.

    Dieser Krieg war einer der Gründe, warum sich viele damals in Deutschland radikalisierten. Und andere zusahen, klamm heimlich bejubelten, aber sich eben nicht trauten, dass auch öffentlich zu machen. Damals nicht, aber heute erst recht nicht. Ebenso war es aber auch Grund für die damalige Radikalisierung, dass der Staat Deutschland, NICHT auf der Seite seiner Bürger stand. Sondern den Anhängern eines Verbrechers noch half, als Sie mit brutaler Gewalt auf Deutsche Landsmänner einschlugen. Man muss keinen besonderen Intellekt haben, um zu sehen, dass in einem solchen Land etwas schief läuft. Und wenn sich die Exekutive des Staats dann auch noch über die Gesetze des Landes stellt, illegale Methoden gegen die eigenen Staatsbürger anwendet und in letzter Instanz sogar einen eigenen Staatsbürger tötet, dann muss man sich vielleicht sogar fragen, ob nicht ein berechtigter Anlass dazu besteht sich auf den Artikel 20, Absatz 4, GG zu berufen.

    Und dieser Widerstand, aus dem die RAF heran wuchs, war im Übrigen zunächst nicht so tödlich. Wenn über die ganzen 30 Jahre für das normale Volk, den kleinen Bürger keine Gefahr bestand: In der ersten Zeit starb nicht einmal ein Nazi. Und die ersten Toten lieferte dann der Staat. Aber nicht nur das: Der Staat lieferte durch den V-Mann Urbach auch die Waffen an die linke Szene. Böswillig könnte man sagen, sorgte er für die Kriminalisierung der ohnehin schon Gewaltbereiten.

    Das rechtfertigt nichts. Aber dennoch: Wenn man heute so manche Zeilen liest, dann stellt man sich die Frage wer diese Menschen sind, die sich über die ehemaligen RAF-Mitglieder stellen wollen, moralisch natürlich, aber dennoch so eine boshafte Hetze betreiben - einige Jahre, nachdem alles vorbei ist. Man stellt sich außerdem die Frage, was die RAF-Mitglieder die heute noch ein sitzen, so viel schlechter macht, als die Polizisten, die die ersten und die Folgenden Toten auf dem Gewissen hatten. Man könnte die Opfer der Polizisten (und das waren nicht nur RAF-Mitglieder) zahlenmäßig mit denen der RAF aufrechnen. Nur führt das zu nichts. Aber trotzdem darf man sich fragen: Was ist die Legitimation dafür, dass diese Menschen nie bestraft wurden?

    Wenn man von der fehlenden Verhältnismäßigkeit der Strafen spricht, dann ist nicht nur die Rede von den Nazis. Es ist auch die Rede von den Polizisten, die durch Kopfschüsse töteten, statt wie es das Gesetz vorschreibt nur die Bewegungsunfähigkeit sicherzustellen. Es ist die Rede von den Amerikanern, die mit Agent Orange und Napalm schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begingen.

    Und waren die Strafen nun verhältnismäßig?

    06.04.2007 um 14:41

Peter Alexa - Ein ehemaliger Unterstützer der RAF

  1. 13

    Patrick:

    Hmmm. Mal völlig unabhängig von der ganzen Diskussion, kam mir irgendwie der Gedanke, dass der Staat mit all den Maßnahmen und Gesetzen, die sie bei der RAF-Fahndung eingeführt haben, mit der ganzen Brutalität mit der sie vorgegangen sind, garnicht erfolgreich war. Ja, es gab irgendwann die Zeit, wo keine neuen Anschläge mehr passierten. Oder nur noch selten. Es gab auch die Verhaftung von Birgit Hogefeld und anderen. Und klar, da war die Auflösungserklärung. Aber nach wie vor sind viele Straftaten nicht restlos aufgeklärt (was sehr gegen die Qualität der Ermittlungsarbeit spricht), nach wie vor gibt es RAF-Terroristen, die nicht bekannt und nie festgenommen worden sind und nach wie vor gibt es zu vielen Sachverhalten Zweifel, die von den ermittelnden Behörden nicht ausgeräumt werden konnen (Bad Kleinen, etc.). In Anbetracht dessen scheint es mir, als hätte der Staat die RAF nicht erfolgreich bekämpft, sondern die RAF ihr “Experiment” tatsächlich selbst beendet. Und der Staat scheint damit zufrieden gewesen zu sein. Jedenfalls scheint nach dem Verfahren Hogefeld nicht mehr wirklich ermittelt worden zu sein bzgl. o.g. Punkte.

    Wie seht ihr das?

    30.03.2007 um 13:24
  2. 12

    Patrick:

    @ Philipp von Wallenberg

    >> Ein aufgesetzter Kopfschuss gehört zu den Dingen, die ich von einem
    >> Terroristen erwarte, nicht von einem Bundespolizisten.
    > Quellenangabe bitte …

    Sagt dir Bad Kleinen etwas?

    http://www.rafinfo.de/hist/kap15.php
    http://www.nadir.org/nadir/archiv/Repression/bad_kleinen/

    Sicherlich gibt es keine endgültigen Beweise für das was wirklich stattgefunden hat. Es kann weder richtig bewiesen werden, dass Wolfgang Grams Selbstmord begangen hat oder getötet wurde. Ich gebe also zu, meine Aussage war etwas reißerisch. Dennoch: Wenn man sich einmal bemüht sich eingehend über den damaligen GSG9 Einsatz zu informieren und die nachfolgend durchgeführten Gutachten, kommen ernste Zweifel an der offiziellen Variante der Geschichte auf.

    20.03.2007 um 10:50
  3. 11

    Patrick:

    Interessante Diskussion und ich finde es wirklich gut und richtig, dass Malte diese Darstellung der Dinge von Peter Alexa veröffentlicht hat. Schade finde ich aber, wie unreflektiert manch einer hier mit dem Thema umgeht. Wie sich die Leute hier auf das hohe Ross stellen und sagen “Buuuhh böse Terroristen, hätte man doch vorher wissen müssen.”
    Sich aber teils nicht einmal die Mühe machen, sich richtig zu informieren. Opferzahlen erwähnen, die es so nicht gibt, weil Opfer mit eingerechnet werden, die von den damaligen Exekutiv-Organgen verursacht wurden. Oder Opfer mit eingerechnet werden, die keine Opfer sind, weil sie z.B. RAF-Mitglieder waren an den Folgen des eigenen Handels starben. Aber am Schlimmsten finde ich immer noch die Aussage oder Andeutung a la “Gebt Ihnen keinen Raum um Ihre Ergüsse zu äußern”. Denn das heißt in letzter Konsequenz: “Zensiert sie!”
    Aber sind das nicht womöglich die selben Menschen, die immer laut schreien, wenn sie befürchten, dass sie zensiert werden könnten? Oder wenn sie glauben, dass ihre Grundrechte im Allgemeinen durch Gesetze “zum Schutz vor Terror” beschnitten werden.

    Zur RAF selbst. Ihre Methoden waren die von Terroristen. Es gibt nichts womit man das entschuldigen kann. Es gibt auch nichts womit man das erklären kann oder begründen. Ich glaub auch nicht, dass es Herrn Alexa darum geht. Vielmehr geht es darum, dass der Blickwinkel nicht verloren geht. Nämlich der Blickwinkel, der sich aus den demaligen historischen Umständen ergibt, der dazu führte, dass es Menschen gab, die schier verzweifelt waren und garkeine Alternative mehr kannten, als mit Gewalt auf die bereits ausgeübte Gewalt zu reagieren. Es tun nämlich viele immer so, als wäre es damals das reinste Paradies gewesen und die RAF wäre der einzige Störenfried in einer wunderbaren Zeit gewesen. Ich kanns nicht beurteilen, war nicht dabei. Kann es nur aus der Geschichte ablesen. Aber das Bild, dass mir dann vermittelt wird, ist eines in dem eine Revolte irgendwie naheliegend war. Und dann muss man auch noch die andere Seite sehen. Nämlich, dass sich unser Staat damals nicht besser verhielt als es die RAF tat. Im Gegenteil. Informiert man sich mal ausführlich über die Geschichte der RAF, so waren die Argumente der Staatsmacht ebenso tötlich wie die der RAF. Und mal ehrlich: Ein aufgesetzter Kopfschuss gehört zu den Dingen, die ich von einem Terroristen erwarte, nicht von einem Bundespolizisten.

    19.03.2007 um 17:47

Ich komme übrigens vom Planeten Sirius

  1. 10

    Patrick:

    Hmm.. Malte. Also insgesamt find ich die Schilderung hier ja sehr interessant zu lesen. Aber irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass der Artikel seine Wirkung sehr stark durch das Motto “Schaut, wozu man Leute bewegen kann obwohl sie bei besser geistiger Gesundheit sind” herstellt.
    Das finde ich traurig, weil man von einem gesunden geistigen Zustand ja nicht sprechen kann, wie bereits erwähnt wurde. Zwar magst du Recht haben, dass man nicht von ‘geisteskrank’ sprechen kann. Das mag anders sein. Aber in den Schilderungen die ich sonst so finde (und im Kommentara) heißt es, dass jene Frau nicht nur komplexbeladen war sondern auch unselbstständig. Nun mal folgende Überlegung: Ich kenne aus meinem privaten Umfeld einige komplexbeladene Frauen. Ich bin kein Psychologe, kann also nur aus meiner Erfahrung oder meiner Beobachtung sprechen. Aber von diesem Standpunkt aus kann ich sagen, dass man Menschen die Komplexe haben und noch dazu unselbstständig agieren, sehr sehr leicht dazu bringt Dinge zutun die normalerweise “normale” Menschen ablehnen würden. Ich schätze das hat viel damit zu tun, dass komplexbeladene Menschen viel Selbstreflexion betreiben, bei allem was sie tun und denken und meist in falscher Form, nämlich ständig negativ.

    Was wäre nun also, wenn jene Frau Zweifel bekam an den Thesen. In Ihrer Selbstreflexion aber redete sie sich ein, dass sie viel zu dumm ist um solch größeren Zusammenhänge zu verstehen. Dann tat ihre Unselbstständigkeit sicherlich ihr Übriges. Nämlich indem sie Ihr Denken abgab. Ihre Zweifel ausblendete und den Betrüger, der ohne Frage an ihr Geld wollte, für sie denken ließ. Viele Menschen lassen sich manipulieren. Aber: Es dürfte bei niemandem leichter sein, als bei jemandem der sich für zu dumm, zu hässlich oder wie auch immer hält.

    08.09.2006 um 18:03

Grasswurzel-Journalismus

  1. 09

    Patrick:

    Och mensch. Den jenauen Tach rauszufinden ist doch wirklich leicht, bei einem Menschen, der nen eigenen Wikipedia Eintrag hat *G*

    Ich sach jetzt einfach mal, dass er am 20. August 1960 Geburtstag hat.

    Wer beweist mir das Gegenteil??

    .oO( pfft. Alternate Reality Gaming.. )

    15.08.2006 um 14:11

Einfach nur mal angenommen

  1. 08

    Patrick:

    Ich denke, dass das ganze nur dann erfolgreich sein kann, wenn man endlich wieder anfängt den Kunden als Kunden zu begreifen und ihn ehrlich zu behandeln. Das fängt damit an, dass man begreift das rechtliche Auseinandersetzung mit Kunden eher zu Umsatzrückgang als Zuwachs führen und geht damit weiter, dass der Kunde von Zeit zu Zeit einen Leckerbissen braucht um ihn zu locken. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die man klar kennzeichnen sollte und wovon man _jede_ ausschöpfen sollte:

    - Pay per use:
    Musik online anhören - Bezahlung erfolgt nach Zeit oder pauschal
    je “Session”

    - Pay per download:
    Musik zum kostenlosen Download. Ohne Zwangsrestriktionen wie DRM, denn das ist nur eine Art dem Kunden zu zeigen wie wenig man von ihm hält. Ehrlich, aber nicht loyal. Darf teurer sein als Pay per use, denn man hat ja dann etwas, was man brennen, archivieren, besitzen kann. Aber es sollte sich im Rahmen halten. Downloadpreise sind nicht fair, wenn sie je Lied mehr kosten als ein Track auf einer normalen Audio-CD

    - Pay per Music-Flatrate
    Ein Abo, mit mehr monatiger Verpflichtung. Je nachdem wie lang man einen Vertrag eingeht wird man dann auch belohnt mit günstigeren Preisen. Pauschalpreise. Zusätzliche Kosten dürfen _dann_ nicht mehr entstehen.

    Allen Angeboten gemeinsam: Auswahl zwischen verschiedenen Qualitätsstufen ermöglichen. Mehr kostet mehr, weniger kostet weniger.

    Ab und an mal kostenlose Downloads oder Sonderaktionen wie Demo CDs die man hier und da an den Mann bringt. Wenn das Geld dafür da ist natürlich.

    Und zu guter letzt: Richtige CDs habe Artwork, sind anfassbar, archivierbar, sammelbar. Toll, also. Sie dürfen mehr kosten, als wenn ich 10 Tracks runterlade und auf CD brenne. Aber 30 EUR für eine CD ist zu viel. Dafür gehen viele Konsumenten 2-5 Stunden arbeiten. Das _will_ keiner ausgeben.

    just my 2 cents

    10.08.2006 um 09:43

Lehsehnlehrnehn

  1. 07

    PatrickU:

    “Sprache unterliegt ständigem Wandel, obwohl ich die ganzen ROTFLMAOs dieser Welt auch nicht wirklich mag, sind sie halt auch die Abgrenzung eines Kulturkreises - das soll ja auch kein anderer verstehen!”

    Dem ständigen Wandel kann ich voll und ganz zustimmen und das find ich auch gut. Dieser natürliche Prozess ist einfach notwendig, damit wir Dinge, Umstände, wie auch immer, die sich in unser Leben einschleichen auch so vermitteln können, dass wir nicht mißverstanden werden. Dazu bedarf es manchmal der Erfindung neuer Wörter, dem Einführen neuer sprachlicher “Sitten”. Das es nicht immer nur um den Zweck geht Sachen verständlicher zu machen, die neu sind, ist klar. Aber das ist eben die Sache mit der Persönlichkeit, Gesellschaft, Kultur - ändert sich daran etwas muss sich natürlich auch die Sprache anpassen.

    Gegen die Verwendungen von Abkürzungen wie ROTFLMAO *im Internet* habe ich nichts. Erleichtern sie eben die Kommunikation, im Sinne von Zeitersparnis, etwas verständlich zu machen ohne sich großer Worte zu bedienen, sofern der andere mit den (mittlerweile sehr üblichen) Abkürzungen was anfangen kann. Wo ich allerdings nur den Kopf schütteln kann ist, wenn Leute diese Abkürzungen aufs reale Leben übertragen, weil hier verschiedene Aussprachen, Dialekte, Sprachfehler etc. so schon erschweren andere Menschen zu verstehen und ich im realen Leben vom Verständnis dieser Begrifflichkeiten zudem nicht ausgehen kann.

    06.12.2005 um 16:01
  2. 06

    PatrickU:

    Tja es sind die kleinen Dinge, die wir übersehen und die Kinder einem dann (in meinem Fall später mal) wieder nahe legen. Ich finde es gut, dass die Entwicklung von Kindern die Möglichkeit bietet, selbst Dinge mit anderen Augen zu sehen, sich manchen Dingen bewusster zu machen. Das ist ein Aspekt des Elternseins auf den ich mich freue, wenn es in ein paar Jahren dann mal so weit sein sollte (momentan ist rein aus finanzieller Sicht und wegen fehlender “Grundfestigkeit” - bin ja selbst erst seit kurzem aus den Kinderschuhen - garnicht dran zu denken)

    Gruß
    Patrick

    06.12.2005 um 11:56

Blogs: Völlig überschätzt

  1. 05

    PatrickU:

    Findest du wirklich, dass die “Szene” hermetisch abgeriegelt ist? Ich kann dem nur sehr bedingt zustimmen, scheint es mir doch ein wenig den Eindruck zu machen, dass von der kleinen “Blog-Welt” immer mehr nach außen dringt, während immer mehr Leute Blogs in ihre Informationsgewinnung mit einbeziehen ob nun bewusst oder unbewusst. So gesehen finde ich nicht, dass da irgendetwas als verschlossen bezeichnet werden kann.

    Gruß
    Patrick

    06.12.2005 um 11:46
  2. 04

    PatrickU:

    Huch, ich dachte schon hier wäre es verschlafen worden ;-)

    Krass lustig die Studie, wenn ich mich an die Sache mit DbD zurück erinner :-))))

    05.12.2005 um 18:05

Blosi

  1. 03

    PatrickU:

    *grins* Aber Johnny, …, man könnte es doch als Zensur intepretieren, wenn man die Kommentare sperrt! Überleg mal was für eine Auswirkung das auf das Image des Burda Verlages hätte. Und überhaupt: Abheben kann man sich nur, wenn man alles viel besser macht, als die anderen, auch wenn sich die Software die zur Auswahl steht um zu bloggen tausendfach bewährt hat.

    Naja, erheiternd ist die PR-Meldung auf jeden Fall. Interessant find ich daran übrigens diese “um die Qualität” zu wahren “muss man sich registrieren” Passage. Klingt vom Schreibstil her fasst als wäre das was Besonderes ;-)

    Grutzi
    Patrick

    02.12.2005 um 15:46

Versuch einer Zusammenfassung

  1. 02

    PatrickU:

    Hi,

    ich schätze das Spreeblick die ganze Publicity auf sich zog hängt damit zusammen, dass dieses Blog scheinbar wirklich sehr beliebt ist - zu Recht, denn die Artikel die hier gebracht werden (insbesondere auch der DbD Artikel) haben eine hohe Qualität, die man zu würdigen wissen sollte. Ich bin zwar zufällig (durch jenen Artikel) auf Spreeblick gestoßen, lese neue Artikel allerdings seitdem auch gerne mit und zitiere dich, dort wo es mir wichtig erscheint.

    Gruß
    Patrick

    02.12.2005 um 12:14

Die imaginäre Manufaktur

  1. 01

    PatrickU:

    Hey,

    lustig sind die Produkte ja schon. Hätte ich das Geld für solche Späschen würde ich mir wohl wenigstens den “Nine-Inch-Nail” besorgen *grins*

    Gruß
    Patrick

    25.11.2005 um 13:07
neuere Kommentare

24.11.2005 um 17:35

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