Ich bin schuld
Spreeblick-Termine
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Lars Cords:13.03.2006 um 10:12Hallo Johnny Haeusler,
war doch ein flotter Steamtalk gestern und ich finde, das “Körpersprache-Foto” kann höchstens als Momentaufnahme durchgehen ;-)
Wie versprochen hier meine Thesen 2006 zum Thema Weblogs - wie wir sie ja gestern ĂĽberwiegend auch schon diskutiert haben (Sprache und Erläuterungen eher fĂĽr die Kommunikationsfachpresse…):
Klowände des Internets – neun Thesen zu Weblogs und Meinungsbildung
THESE 1:
Die Deutsche Blogging-Szene wird erwachsen.
Auch wenn 99% der Blogs immer noch das Ergebnis egozentrischer Selbstreflektierer sind und die Qualität in Stil und Inhalt der von Teenager-Tagebüchern entspricht: das restliche eine Prozent sind gut vernetzte Anlaufstellen für die Meinungsbildung in Deutschland. Diese Vorreiter der deutschen Blogosphäre finden zu einer neuen Identität: Sie haben mittlerweile eine kritische Masse erreicht und sind in der Lage, Themen auf die internationale Blog-Agenda zu setzen. Die deutsche Blogosphäre ist sich ihrer Macht bewusster geworden, hat international auf sich aufmerksam gemacht, an Relevanz gewonnen und wird damit in gewisser Weise Stück für Stück erwachsen.THESE 2:
Einige wenige, aber höchst relevante „A-Blogs“ etablieren sich als Knotenpunkte der Blogosphäre. Einige Blog-Netzwerke und so genannte „A-Blogs“ etablieren sich als besonders stark frequentierte Kommunikationsplattform neben den „alten“ Massenmedien. Der Rest der Blogs bewegt sich auf privater Ebene oder bedient Nischenthemen mit eher kleinerem Leserkreis und bildet einen „Blog-Sumpf“. Vor allem die A-Blogger und Knotenpunkte sind es, die in der Lage sind, Themen auf die öffentliche Agenda zu bringen, Meinungen zu beeinflussen und auch außerhalb der Blogs für Aufmerksamkeit zu sorgen.
Jedes Unternehmen muss kĂĽnftig diese A-Blogs in sein Medien-Monitoring aufnehmen, um Meinungen und Themen zu erkennen, bevor sie in die traditionellen Medien und in die breite Masse getragen werdenTHESE 3:
Die deutsche Blogosphäre ist kampagnenfähig geworden. Aus den früheren Eitelkeitsdebatten in den Weblogs sind heute teilweise echte Kampagnen geworden. Die Blogsphäre organisiert sich weitestgehend autonom und schaffte so beispielsweise eine Gegenkampagne nebst Website zu „Du bist Deutschland“. Damit entsteht auf kurz oder lang aber auch eine neue
– journalistische – Verantwortung , die die Blogosphäre zu tragen hat . Gleichwohl wird nicht jedes Thema automatisch zu einem kampagnenähnlichen Selbstläufer in der Blogosphäre. Hier müssen viele Faktoren zusammentreffen: Das Thema muss für eine kritische Masse an Bloggern und breiterer Öffentlichkeit relevant und interessant sein.THESE 4:
Themen und Diskussionen aus Blogs geraten immer häufiger auf die Agenda der
traditionellen Medien.
Getreu dem Motto „dem Volke aufs Maul geschaut“ greifen Journalisten immer öfter Themen aus Blogs auf oder zitieren aus Blogs. O-Töne werden nicht mehr nur in der Fußgängerzone, sondern auch im Netz gesammelt. Die Orientierung
der Themen am Nachrichtenwert bleibt jedoch bestehen. Denn Themen werden vor allem dann auch relevant für Journalisten, wenn sie in der Blogosphäre einen breiten Raum erhalten. Folglich werden Netzwerkjournalisten, also Journalisten, die sich auch in der Blogosphäre bewegen, besonders wichtig für die Unternehmenskommunikation.THESE 5:
Deutschland ist noch Entwicklungsland fĂĽr Corporate Weblogs.
Weblogs von Unternehmen, so genannte Corporate Weblogs, sind in Deutschland noch selten und oftmals nicht öffentlich für jedermann zugänglich. Vorsicht und Misstrauen regieren in Unternehmen gegenüber der Offenheit,
Dialogfunktion und Subjektivität von Blogs – nicht ganz zu Unrecht, denn vor allem Corporate Blogs sollten Inhalte bieten, die für die anzusprechende Zielgruppe interessant, relevant, teilweise provokant und vor allem aktuell sind.THESE 6:
Die Blogosphäre wirkt wie ein Katalysator für Krisen.
Die schnelle Verbreitung von Informationen innerhalb der Blogosphäre wirkt wie ein Katalysator – es entstehen so genannte „Buzz“. So können kritische Themen schnell nationale, oder sogar globale Aufmerksamkeit erreichen. Blogbeobachtung und eigene Stellungnahmen in den Knotenpunkten der Weblogszene sollten damit inzwischen zum Standardrepertoire von Krisenkommunikation in Unternehmen und Agenturen gehören.THESE 7:
So genannte Feeds bieten durch Blogs neue Chancen der Informationsvermittlung – das Internet wird zum automatisierten
Informationslieferanten.
Die automatische Belieferung mit den neuesten Nachrichten aus dem Internet (RSS) etabliert sich sowohl bei Blogs als auch bei den Online-Newssites der klassischen Massenmedien wie beispielsweise Spiegel-Online oder Handelsblatt.com. Jeder Nutzer kann sich sein Informationsbouquet aus der Fülle der Themenangebote zusammenstellen und sich automatisch beliefern lassen. Dadurch werden aber auch „Zielgruppen“ immer schwerer mit den klassischen Formen der Unternehmenskommunikation erreichbar. Diese neue Art der Schwarmkommunikation von Communities bedarf neuer individualisierterer Anspracheformen.THESE 8:
Das Format „Rich Media“ bringt Töne und Bewegung ins Netz. Das Internet wird
zum echten Multimedium.
So genannte Rich-Media-Technologien ermöglichen neue Formen der Kommunikation. Rich Media (Text, Foto, Illustrationen, Video, Audio) anzubieten wird einfacher und ist für die breite Masse der Medienkonsumenten problemlos und unkompliziert zu nutzen. Daher werden Podcasts und Videostreaming in Zukunft zu Standardelementen der Meinungsbildung gehören.THESE 9:
Von Blog-Punk zu Blog-Kommerz: Die Blogosphäre hat ihre Unschuld verloren.
A-Blogs werden „normale“ Kommunikationsplattformen und sind kein Punk mehr: es regiert nicht mehr die Anarchie sondern – zumindest teilweise – der Kommerz. Selbst Werbung in Blogs ist dank Google-Ads keine Seltenheit mehr und Blog-Netzwerke wie Spreeblick und Gawker Media zeigen, wie mit Blogs auch Geld verdient werden kann.
Richtigstellung
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Lars Cords, Leiter des KampagnenbĂĽros "Du bist Deutschland":20.12.2005 um 23:211. hat es zu diesem Thema keinerlei Pressemeldung von Seiten des KampagnenbĂĽros gegeben
2. haben wir bis zum Eintreffen des Bekennerscheibens explizit (siehe Artikel in der Hamburger Morgenpost von Samstag) einen Zusammenhang des Anschlags mit unserer Kampagne “Du bist Deutschland” in Frage gestellt (siehe http://archiv.mopo.de/archiv/2005/20051217/hamburg/panorama/anschlag_wegen_kampagne.html)
3. zu diesem Zeitpunkt kam jegliche Mutmaßung (ob in der Mopo oder der Welt) In Bezug auf mögliche Täter und deren Motivation ausschließlich von Seiten der Journalisten selbst. Und das trotz eindeutiger Aussagen der ermittelnden Behörden als auch von Seiten des Kampagnenbüros, das jegliche Zuordnung und Vermutungen reine Spekulation seinen und ohne jede Grundlage aus Sicht der Ermittlungen.
4. erst zum Zeitpunkt des Eintreffens des Bekennerschreibens (welches unter anderem Bezug nimmt zur Kampagne “Du bist Deutschland”) beim Hamburger Abendblatt haben wir von Seiten des KampagnenbĂĽros eine Stellungnahme dazu abgestimmt, die allerdings ausschlieĂźlich reaktiv bei Nachfragen von Medienseiten eingesetzt wird.
Wir haben keinerlei Interesse daran, der Tat oder den Tätern in irgendeiner Weise zu weiterer medialer Aufmerksamkeit zu verhelfen. Jegliche Unterstellung in diese Richtung ist so absurd, dass ich sie kaum kommentieren mag.
Dass wir von Seiten der “Kampagnenmacher” den Anschlag und den damit gewählten Weg der “Argumentation” auf das schärfste ablehnen brauche ich denke ich nicht zu betonen. Aber auch inhaltlich: die Kampagne dreht sich um den Begriff der Verantwortung. Um die Verantwortung, die jeder Einzelne von uns hat fĂĽr sein eigenes Schicksal und fĂĽr die Geschicke seines persönlichen Umfelds und in der Summe fĂĽr das ganze Land. Diese Thematik ist vom Grundsatz her ganz eindeutig “LagerĂĽbergreifend” und parteipolitisch unabhängig.
Natürlich lässt sie sich positiv wie negativ von links wie von rechts interpretieren. Das ist ja gerade die Stärke der Kampagne und löst eine entsprechend intensive Debatte aus. Ob über Patriotismus und Nation oder über soziale Verantwortung und Gemeinschaft. Das ist genau auch so gewollt und wir stellen uns dieser Diskussion gerne. Die Diskussion muss aber auf der Grundlage der Freiheitlich demokratischen Grundordnung erfolgen, damit wir uns mit den Argumenten auseinandersetzen.
P.S.: alle Pressemitteilungen und Statements der Kampagne “Du bist Deutschland” sind im Web unter http://www.du-bist-deutschland.de/opencms/opencms/PresseMeinungen/Pressemitteilungen.html zu finden
One more time: Du bist Deutschland
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Lars Cords, Leiter des Kampagnenbüros "Du bist Deutschland":26.11.2005 um 23:41Mir ist es lieber, dass 50% den Grundansatz der Kampagne super finden und 50% ihn total ablehnen, als dass er 100% der Bevölkerung egal ist.
Was die Kampagne mit Sicherheit erreicht hat ist, dass wir alle miteinander wesentlich intensiver und persönlich engagierter über die Frage diskutieren, welches Verhältnis wir individuell und kollektiv zu unserem Land und zu unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern haben.
Allein, dass “Du bist Deutschland” das erreicht hat sehe ich als enormen Erfolg an! Dass es darĂĽber hinaus gelungen ist, hunderte zum Mitmanchen zu motivieren – sei es Unternehmen oder Privatpersonen – und ganz konkrete Aktivität zu entfalten in vielfältigsten Projekten nährt darĂĽber hinaus die Hoffnung, dass ĂĽber die reine Diskussion hinaus vielleicht tatsächlich ein kleiner Funken Aufbruch entstehen wird.
Und darum geht es mir! - die teilweise etwas sehr intellektuelle Debatte ĂĽber die gesellschaftspolitischen HintergrĂĽnde und Zusammenhänge in allen Ehren: am Ende ist fĂĽr mich das Feedback des einen oder anderen neu inspirierten Menschen und die eine neu ausgelöste Aktivität und Zuversicht entscheidend, um am Ende den Sinn oder Unsinn der Kampagne zu beurteilen.Lieber Jhonny: sorry, dass ich fĂĽr meinen Eintrag 103 das frisch fertiggestellte “Standard-Statement” verwendet und nicht frei formuliert habe. Das ändert aber in meinen Augen nichts an dessen Richtigkeit. Ich gelobe Besserung ;-)
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Lars Cords, Leiter des KampagnenbĂĽros "Du bist Deutschland":23.11.2005 um 12:24Eintreten fĂĽr demokratische Werte und ein positives Selbstbewusstsein
„Du bist Deutschland“ heißt für uns: Jeder einzelne trägt Verantwortung für das Wohlergehen und die Zukunft des Landes, in dem wir alle leben. Wir sind nicht Opfer irgendwelcher Umstände, die wir nicht beeinflussen können.
Die Kampagne fordert jeden einzelnen Menschen in unserem Land dazu auf, aus einer positiven Grundhaltung heraus nach seinen Kräften und Fähigkeiten einen Beitrag zum Aufschwung und zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu leisten.
So besetzen wir den Begriff „Deutschland“ neu und positiv. Der Begriff „Deutschland“ darf nicht für die Vergangenheit reserviert sein. Die Kampagne verurteilt aufs Schärfste Nationalsozialismus, Rassismus und neonazistisches Gedankengut. Wir begrüßen und unterstützen die Aufarbeitung der deutschen Geschichte und verstehen die Kampagne als antifaschistisch, weil wir auf die Leistung und Persönlichkeit jedes Einzelnen und die Zivilgesellschaft setzen.
Im TV-Spot belegen wir mit Bildern wie dem am Holocaust-Denkmal oder der Geschwister-Scholl-Szene, dass wir für Werte wie Menschenwürde, Demokratie, Respekt vor der Persönlichkeit und Pluralismus eintreten und uns der
deutschen Vergangenheit stellen – ohne uns der Zukunft zu verschließen.Deutschland ist nur mit aufrichtigem Geschichtsbewusstsein und Weltoffenheit zukunftsfähig.
Uns ist von Beginn an bewusst gewesen, dass es entsprechende Kritik an der Kampagne geben kann, weil Selbstbewusstsein und nationale Identität in
Deutschland noch immer schwierige Themen sind. Das war fĂĽr uns kein Grund, aus Angst vor einer Diskussion auf eine Kampagne zu verzichten, die wir in der aktuellen Situation fĂĽr sehr wichtig halten.
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Na ja, wenn ich Web 2.0 auf Weblogs reduziere, dann haben Sie wahrscheinlich recht. FĂĽr mich ist Web 2.0 aber wesentlich umfassender und betrifft auch die neuen technischen Entwicklungen in Richtung Breitband und die daraus erwachsenden Möglichkeiten wie Podcasts oder Videocasts als Träger von Unternehmenskommunikation und Marketing zu nutzen. Und da ist es eben doch eine sportliche Herausforderung, auĂźerhalb der eigenen Homepage eines Unternehmens eine Botschaft in den (Meinungs-)Markt zu tragen…
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Nun stellen Sie Ihr Licht aber bitte nicht unter den Scheffel… Inzwischen ist die Anzahl der Blogs eben doch schon so stark gewachsen, dass sich ähnlich wie in der klassischen Medienwelt Autoritäten entwickelt haben, die eher in der Lage sind, Themenwellen auszulösen als andere.
Diese Knotenpunkte gilt es in der Unternehmenskommunikation zu kennen und genauer im Blick zu behalten als 99,99 % des restlichen www (Nicht von ungefähr versuchen ja die Print-Titel nun wie verrĂĽckt, sich den Status der “Spitze der Contentpyramide” auch im Web wieder zurĂĽckzuerobern…).
Aber in Bezug auf die mangelnde Steuerbarkeit und Vorhersehbarkeit stimme ich Ihnen natĂĽrlich zu. In der Tat liegt darin der Reiz und die eigentliche Herausforderung im Umgang mit Web 2.0 in der PR.
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Ich darf noch einmal in Erinnerung rufen, welchen Titel die gestrige Veranstaltung hatte und worĂĽber wir diskutiert haben: “Web 2.0 – wie verändern sich klassische Medien und PR”…
Keine Frage, dass Weblogs weltweit und inzwischen auch endlich in Deutschland “Teil einer Kultur” sind. Und dieser Hinsicht will auch niemand ihre Relevanz in Frage stellen. Aber um diesen soziologischen oder gesellschaftspolitischen Ansatz ging es gestern nicht – sondern um ihre Relevanz in Hinsicht auf die Kommunikation von Unternehmen.
Und aus diesem Blickwinkel ist nun einmal der derzeitige Content im Web 2.0 zum allergrößten Teil komplett irrelevant. Da das aber ja auch erklärtermaĂźen gar nicht das Ziel der “Szene” ist, in erster Linie Meinungsbildung in Fragen von Produkten oder Unternehmensimage zu betreiben, verstehe ich die Aufregung nicht ganz.
Es ist ja gerade meine These, dass sich die Blogosphäre nicht dazu eignet, aktive Unternehmenskommunikation zu betreiben in dem Sinne, dass man Blogger wie Journalisten behandelt. Und auch ein eigenes Unternehmensblog macht eben nur Sinn, wenn ich entsprechend attraktive, aktuelle und authentische Inhalte zu bieten haben und vor allem die Transparenz und Offenheit für Kritik mitbringe, die dieses Format der Kommunikation nun einmal erfordert. Und da habe ich so meine Zweifel, dass schon sehr viele Unternehmen in Deutschland soweit sind, ihr doch immer noch eher hierarschisch geprägtes System der Kommunikation umzuschmeißen.