@TheOne: Das Interesse an Privateigentum ist keine europäische Idee, sondern ein Charakteriskum jedes Staates (und er Staatsbegriff impliziert ja Gesellschaft, nicht Gemeinschaft). Deswegen waren ja im NS solche Institutionen wie das Winterhilfswerk möglich, die auf die Volksgemeinschaft rekurrierten.
Im Gegensatz dazu ist doch das Nation Buildung US-amerikanischer Facon geradezu ein Paradebeispiel für das Privateigentum als konstituierendes Element der Gesellschaft (in der Redensart “seinen Claim abstecken” besonders gut zu erkennen, und auch das Recht, eine Waffe zu tragen, um sein Eigentum beschützen zu können sollte Heiner Müller, der ja selten mit gesellschaftlichen Analysen glänzte, die Luft nehmen).
Dann ist der Begriff des imperialistischen Staates ja auf die Gegenwart nicht anzuwenden. Und “alles alleine wachsen zu lassen”, das gerade ist doch die Doktrin von Ökonomen wie Friedman (der sich übrigens auch für freie Kultur stark macht). Die Regulierung vollzieht sich nur nicht mehr von staatsseitig, sondern größtenteils ökonomisch.
Dann zu den Studiengebühren: die Gesellschaft tritt ja in den seltensten Fällen als aktiv handelnde Entität mit Interessen auf, das widerspricht in gewisser Hinsicht ja ihrem Wesen. Und selektive Bildungschancen - in der 80-20 Gesellschaft (nur 20% der Gesellschaft werden zur ökonomischen Reproduktion benötigt, der Rest ist “überflüssig”) eine rationale Angelegenheit. Die Frage ist dann nur, wie die übrigen 80% stillgehalten werden.
Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: ich bin sowohl gegen Studiengebühren als auch gegen (restriktives) Copyright, aber wer kopieren & studieren möchte, der muss mehr leisten als auch Kochtöpfe schlagen und rumzumaulen. Viel zu schnell landet diese verkürzte Kritik doch in der Sackgasse und argumentiert dann auf einmal mit Standortvorteilen, als sich auf den Eigennutz zu besinnen.
Der Verweis auf die Genforschung sollte eigentlich Gegenargument genug sein, und was marginal neben solchem enorm wichtigem Wissen ensteht ist (sample mal ein Zitat aus einem Disney Film und stell das Resultat einer breiten Öffentlichkeit vor, die Klage wird nicht allzu lange warten lassen) ist ein sehr erfreulicher Gegentrend. Kultur aber nur auf Filme, Vocals und Musik zu beschränken wäre aber fatal.
“Reicher” und “ärmer” sind hier zum einen die falschen Kategorien, zum anderen geben sie auch schon die Antwort auf das “Warum”. Der Mensch in der bürgerlichen Gesellschaft als homo oeconomicus, also mit dem Ziel, seinen persönlichen Nutzen zu vergrößern, hat sehr wohl ein Interesse an Privateigentum. Das bezieht sich auch nicht ausschließlich auf die ökonomische Dimension, sozialpsychologische Mechanismen spielen hier ebenso eine Rolle (ego-enhancement etc.).
Das Ideal der “Free Culture”, wie Lessig es am Beispiel der Wissensallmende im späten 18. Jahrhundert illustriert, gab es doch fast ausschließlich im Kontext des Humanismus. Und auch da natürlich nur in Bezug auf “Wissen”, also auch auf “Kultur”. Das diese Entwicklung spätestens mit der Transformation zur bürgerlichen Gesellschaft eine andere Richtung einnimmt liegt doch auf der Hand, denn wenn Wissen zur ökonomischen Ressource wird, ist es genauso vom Allmende-Dilemma betroffen wie natürliche Ressourcen.
In diesem Zusammenhang wirken auch die ganzen Studentendemos allzu naiv, da sie verkennen, das Bildung schon immer zu großen Teilen ökonomisch bestimmt war und das Studiengebühren keine “Sauerei”, sondern eine Selbstverständlichkeit der Gesellschaft sind.
Und dein Satz, René, dass “Geistiges Eigentum muss natürlich geschützt werden, obwohl die Frage „Warum?“ berechtigt ist (…)” ist m.E. sehr bezeichnend. Auf der einen Seite steht da die gesellschaftliche Realität, die alles ökonomisch verwertbare auch profitabel verwerten will und das - deshalb ist es ja eine Gesellschaft und keine Gemeinschaft - zum Eigennnutzen, auf der anderen Seite ist da die diffuse Vorstellung von freier Kultur. Und die ist, ohne Gemeinschaft zu denken, nicht zu haben.
Das ist das Fatale der ganzen Copyright-Diskussionen: wenn ihr eine freie Kultur haben wollt mit uneingeschränktem Zugang zur wirklichen Public Domain, dann müsst ihr auch Gesellschaftskritik üben. Ohne die landet man nämlich ganz schnell dort, wo man auf keinen Fall landen möchte.
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@TheOne: Das Interesse an Privateigentum ist keine europäische Idee, sondern ein Charakteriskum jedes Staates (und er Staatsbegriff impliziert ja Gesellschaft, nicht Gemeinschaft). Deswegen waren ja im NS solche Institutionen wie das Winterhilfswerk möglich, die auf die Volksgemeinschaft rekurrierten.
Im Gegensatz dazu ist doch das Nation Buildung US-amerikanischer Facon geradezu ein Paradebeispiel für das Privateigentum als konstituierendes Element der Gesellschaft (in der Redensart “seinen Claim abstecken” besonders gut zu erkennen, und auch das Recht, eine Waffe zu tragen, um sein Eigentum beschützen zu können sollte Heiner Müller, der ja selten mit gesellschaftlichen Analysen glänzte, die Luft nehmen).
Dann ist der Begriff des imperialistischen Staates ja auf die Gegenwart nicht anzuwenden. Und “alles alleine wachsen zu lassen”, das gerade ist doch die Doktrin von Ökonomen wie Friedman (der sich übrigens auch für freie Kultur stark macht). Die Regulierung vollzieht sich nur nicht mehr von staatsseitig, sondern größtenteils ökonomisch.
Dann zu den Studiengebühren: die Gesellschaft tritt ja in den seltensten Fällen als aktiv handelnde Entität mit Interessen auf, das widerspricht in gewisser Hinsicht ja ihrem Wesen. Und selektive Bildungschancen - in der 80-20 Gesellschaft (nur 20% der Gesellschaft werden zur ökonomischen Reproduktion benötigt, der Rest ist “überflüssig”) eine rationale Angelegenheit. Die Frage ist dann nur, wie die übrigen 80% stillgehalten werden.
Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: ich bin sowohl gegen Studiengebühren als auch gegen (restriktives) Copyright, aber wer kopieren & studieren möchte, der muss mehr leisten als auch Kochtöpfe schlagen und rumzumaulen. Viel zu schnell landet diese verkürzte Kritik doch in der Sackgasse und argumentiert dann auf einmal mit Standortvorteilen, als sich auf den Eigennutz zu besinnen.
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Der Verweis auf die Genforschung sollte eigentlich Gegenargument genug sein, und was marginal neben solchem enorm wichtigem Wissen ensteht ist (sample mal ein Zitat aus einem Disney Film und stell das Resultat einer breiten Öffentlichkeit vor, die Klage wird nicht allzu lange warten lassen) ist ein sehr erfreulicher Gegentrend. Kultur aber nur auf Filme, Vocals und Musik zu beschränken wäre aber fatal.
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“Reicher” und “ärmer” sind hier zum einen die falschen Kategorien, zum anderen geben sie auch schon die Antwort auf das “Warum”. Der Mensch in der bürgerlichen Gesellschaft als homo oeconomicus, also mit dem Ziel, seinen persönlichen Nutzen zu vergrößern, hat sehr wohl ein Interesse an Privateigentum. Das bezieht sich auch nicht ausschließlich auf die ökonomische Dimension, sozialpsychologische Mechanismen spielen hier ebenso eine Rolle (ego-enhancement etc.).
Das Ideal der “Free Culture”, wie Lessig es am Beispiel der Wissensallmende im späten 18. Jahrhundert illustriert, gab es doch fast ausschließlich im Kontext des Humanismus. Und auch da natürlich nur in Bezug auf “Wissen”, also auch auf “Kultur”. Das diese Entwicklung spätestens mit der Transformation zur bürgerlichen Gesellschaft eine andere Richtung einnimmt liegt doch auf der Hand, denn wenn Wissen zur ökonomischen Ressource wird, ist es genauso vom Allmende-Dilemma betroffen wie natürliche Ressourcen.
In diesem Zusammenhang wirken auch die ganzen Studentendemos allzu naiv, da sie verkennen, das Bildung schon immer zu großen Teilen ökonomisch bestimmt war und das Studiengebühren keine “Sauerei”, sondern eine Selbstverständlichkeit der Gesellschaft sind.
Und dein Satz, René, dass “Geistiges Eigentum muss natürlich geschützt werden, obwohl die Frage „Warum?“ berechtigt ist (…)” ist m.E. sehr bezeichnend. Auf der einen Seite steht da die gesellschaftliche Realität, die alles ökonomisch verwertbare auch profitabel verwerten will und das - deshalb ist es ja eine Gesellschaft und keine Gemeinschaft - zum Eigennnutzen, auf der anderen Seite ist da die diffuse Vorstellung von freier Kultur. Und die ist, ohne Gemeinschaft zu denken, nicht zu haben.
Das ist das Fatale der ganzen Copyright-Diskussionen: wenn ihr eine freie Kultur haben wollt mit uneingeschränktem Zugang zur wirklichen Public Domain, dann müsst ihr auch Gesellschaftskritik üben. Ohne die landet man nämlich ganz schnell dort, wo man auf keinen Fall landen möchte.