Mein rechter rechter Platz ist frei
Fallada
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Detlef:05.05.2008 um 18:04Hallo Frédéric,
Vielen Dank für Deine Geschichte, sie hat mich erfreut und zum nachdenken angeregt. Du hast Dich hier stark verbessert im Vergleich zu der Geschichte aus dem Prenzlauer Berg. Zwei Dinge möchte ich Dir als konstruktive Kritik mit auf den Weg geben:
- Laß die Belehrungen fort. Sätze, die Procks Feigheit für den Leser feststellen, sind unnötig. Wenn sich Procks Feigheit nicht aus der Geschichte selbst erschließt, muß man diese gar nicht erst schreiben. Denn ich glaube, man sollte niemals Überflüssiges schreiben.
- Du scheinst Metaphern sehr zu mögen. Sie sind meiner Meinung nach ein scheinbar recht einfaches und mächtiges Werkzeug. Bedenke doch aber bitte, daß ihre Wirkung in ihrer unmittelbaren bildhaften Suggestion und nicht in der scheinbaren Ausgefallenheit besteht. Viele Deiner Metaphern wirken auf mich nicht.
Du schaffst es, Charaktere in einem Spannungsverhältnis darzustellen. Siehe das Paar Wilhelm-Prock. Das macht Deine Geschichte so reizvoll. Du selbst scheinst mir ein dramatischer Typ zu sein. Das gefällt mir.
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Lieber Fred,
mich dünkt, Du sprichst ein Problem an, welches in der Sprachwissenschaft schon des längeren beobachtet wird: Das Verschwinden der Schreibsprache.
Ich frage Dich: Wann hast Du den letzten längeren Brief geschrieben? Einen privaten Brief in dem Du Dir Mühe gegeben hast. Das interessiert heutzutage kaum noch; man schreibt Emails, Kommentare oder telefoniert. Alles geht immer schneller, man trifft sich schneller, liebt sich schneller, geht schneller auseinander. Und man kommt schneller zur Sache. Für Umgangsformen und gute Manieren ist einfach keine Zeit. Ein alter Mann wie der Herr Pflüger kommt da verständlicherweise nicht hinterher. Deshalb ist es auch reichlich überflüssig, ihn kennenlernen zu wollen. Der Friedbert ist doch nen Netter, da bin ich mir sicher; er quält bestimmt keine Mitmenschen, hält sich ans die StVO und schlägt keine Kinder.
Aber es ist schon pikant, wie jemand, der aktuelle Entwicklungen nicht versteht, Reformator sein möchte.
Die Konservativen - wie Du sie nennst - das ist eine aussterbende Art, die sitzen auf dem absteigenden Ast; sie wollen es nur noch nicht wahr haben.
Viele Grüße, Detlef