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Goldman Sachs rules the world

Ich war so sicher, dass dieser Clip, der seit Montag die Runde macht, ein Hoax ist. Weit gefehlt, zumindest haben die verdächtigten Yes Men nichts mit dem Investor zu tun, der den etwas verstört wirkenden BBC-Moderatoren reinen Wein einschenkte:

Governments don’t rule the world. Goldman Sachs rules the world.

Die Wall Street bleibt unterdessen weiter besetzt und Michael Moore macht auch mit.

UPDATE Immer noch kein Hoax, aber eher Talker als Trader: Der Telegraph berichtet, dass der Mann im Video keineswegs ein Börsen-Profi sei, er beschreibt sich selbst als „Attention Seeker“, also jemanden, der Aufmerksamkeit sucht. Auf welcher Grundlage er von der BBC zum Interview eingeladen wurde, bleibt unklar.

Dank an Andreas in den Kommentaren!

UPDATE 2 Dies ist angeblich das Facebook-Profil von Alessio Rastani, dem alten Attention Seeker (gefunden in den Kommentaren bei Nerdcore).

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Auf dem Weg zur Data DNA

Im Forum von Spiegel Online und auch anderswo bewegt sich die Debatte um die kommende Timeline-Darstellung von Facebook, welche die Aktivitäten der Nutzer nicht nur innerhalb von Facebook, sondern auch über externe Applikationen als Lebenszeitleiste, also als ständigen Life-Stream darstellen kann, geradezu religiös im Kreis. Facebook-Fans finden vieles nicht so schlimm, da ja (angeblich) schließlich niemand zur Nutzung des Dienstes gezwungen wird, und Facebook-Gegner erklären jeden für komplett meschugge, der es dennoch tut.

Gruselig erscheint eine Zukunft, in der es nicht mehr zu genügen scheint, sich bei Facebook auszuloggen – das Netzwerk will wissen, was wir tun, selbst wenn wir gerade nicht mit ihm verbunden sind. Weshalb Datenschützer bereits alarmiert sind und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner das alles „nicht in Ordnung“ findet.

Nur eines ist dabei sicher: Die digitale Abbildung unseres Lebens findet schon lange statt, in öffentlichen Varianten wie einem Facebook-Lifestream wird sie uns jedoch mit neuer Wucht bewusst. Und dieses Bewusstsein wird das Netz und damit unser Leben ein weiteres Mal drastisch verändern. Denn wir befinden uns auf dem Weg zur Data DNA, und die Frage ist nicht mehr, ob wir das gut oder schlecht finden, sondern wie wir damit umgehen.
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Update: Primacall vs. Spreeblick

UPDATE Ich habe den Artikel auf Anraten unseres Anwalts gekürzt.

Ältere Spreeblick-Leserinnen und -Leser erinnern sich: Vor über vier Jahren hatten wir hier ein Interview mit einem ehemaligen Mitarbeiter der Firma Primacall veröffentlicht, das binnen kurzer Zeit nicht nur bei denjenigen Aufmerksamkeit erregt hatte, die mit dem Unternehmen Kontakt hatten, sondern auch bei Primacall selbst.

Es kam zu einem jahrelangen Rechtsstreit, der am vergangenen Dienstag mit einem Vergleich vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht endete. Über den konkreten Inhalt des Vergleichs darf ich nichts schreiben.
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Pseudonymität: Ein offener Brief an Google

Irgend jemand muss schließlich anfangen, und diesmal ist es Christoph Kappes, der mit einem offenen Brief an Google die Pseudonymitätsdebatte weiter ankurbelt. In dieser geht es um Googles Anforderung an Nutzerinnen und Nutzer des Social Networks Google+, ihren „echten“ Namen zu benutzen, Pseudonyme oder Fantasienamen sind nach Googles Willen unzulässig.

Christophs Brief hat einige zumindest in diesen Breitengraden des Internet bekannte Namen und ein paar MdB als Erstunterzeichner, sie alle fordern Google in dem Brief auf, die Namenspolitik bei G+ zu überdenken und zu ändern.

Ich halte Googles Vorschrift, G+ nur mit „echtem“ Namen nutzen zu können, albern, blöd, bedenklich und falsch. Und ich habe den Brief trotzdem nicht mitunterzeichnet. Die Gründe schwanken zwischen sachlich und unsachlich sowie zwischen persönlich und inhaltlich.
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Thank you, Steve.

Steve Jobs tritt, und ich schaue zurück.

smiling mac

„Macintosh Emulator“ stand auf einer der handbeschrifteten Disketten in der Kiste, die mir Marc als eine Art Starter-Set für meinen ATARI ST mitgegeben hatte, den ich wegen seiner eingebauten Midi-Schnittstelle hauptsächlich zum Musikmachen nutzte.

Ich war nie der C64-Typ, das Ding war mir zu klobig und unsexy, ich stand auf den ATARI. Und bin heute noch davon überzeugt, dass C64-sozialisierte Computernutzer später zu Windows oder Linux tendierten, während wohl nicht wenige ATARI-Freaks beim Mac landeten, denn ob des von Apple abgekupferten GUI des ATARI fiel der Umstieg leicht.

Ich war Anfang 20 und wusste weder, was „Macintosh“ ist, noch konnte ich mit dem Begriff „Emulator“ etwas anfangen. Ich schob die Diskette ins Laufwerk und startete den Rechner neu. Ein lächelnder kleiner Computer empfing mich auf dem monochromen Bildschirm, danach eine Oberfläche, die nicht so weit von der mir bekannten entfernt schien. Es gab ein Menü am oberen Bildschirmrand, es gab Fenster und Datei-Symbole, und es gab einen kleinen Mülleimer zum Löschen von Dateien. Das kannte ich in etwas anderer Form alles schon.

Ein paar Klicks, ein paar Versuche mit der integrierten Software … hm. Bringt mir nichts. Verstehe ich nicht. Ich hatte keine Ahnung, dass ich gerade ein komplett anderes Betriebssystem benutzte (ich hatte nämlich nicht einmal eine Ahnung, was ein Betriebssystem ist) und es war mir auch egal. Ich drückte den kleinen Knopf unter dem Schlitz für die Diskette, um sie auszuwerfen.
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iPhone vs. Android

Allzu ernst nehmen sollte man diese Infografik, welche iPhone- und Android-Nutzer vergleicht und die von Hunch bei Column Five Media in Auftrag gegeben wurde, bitte nicht. Gerade wenn man es nicht tut, macht sie nämlich viel Spaß. Obwohl alle Daten natürlich bald, wenn die Karten durch den Motorola-Mobility-Kauf durch Google neu gemischt sind (und Google die Usability-Abteilung von Motorola gefeuert hat), veraltet sein werden.

Gefunden in den Google+-Postings von kosmar, äh, Entschuldigung, Google, von Markus Angermeier natürlich. (Habe gerade einen Nerd-Witz erfunden: Wie nennt man jemanden, der wegen der Google-Namenspolitik von Google+ ausgeschlossen wurde? Persona non data! Kracher, oder?

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GEMA vs. YouTube: Gerüchte, Zahlen, Forderungen

Das Erstaunliche am oben gezeigten Anonymous-Video, mit dem sich die Gruppierung in den Streit zwischen der GEMA und Google/YouTube einmischt, bei dem es um die Vergütung der musikalischen Urheber von Musikvideos geht: Offenbar wissen Anonymous weit mehr als andere Beobachter des Kampfes, unter dem so gut wie jeder Internet-Nutzer hierzulande leidet. Oder sehr viel weniger. Aus dem Statement des Videos:

(…) Wir beobachten mit Sorge eure überhöhten Forderungen bezüglich urheberrechtlich geschützem Material auf Youtube und anderen Plattformen dieser Art. (…) Ihren überzogenen Forderungen kann und wird das Unternehmen Google nicht zustimmen können, da es nicht die benötigten Werbeeinnahmen generieren kann. (…)

Das ist bei aller Sympathie für Anonymous beinahe so putzig wie die aktuelle Rebellion der Plattenbosse.
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Verdrahtet: Eine deutsche WIRED

wired

Eine deutsche WIRED kommt. Erstmal nur eine. Denn die deutschsprachige Print-Ausgabe der US-WIRED soll als „Testausgabe“ zunächst zeigen, ob sie auch wirklich jemand lesen will. Kurioserweise erscheint sie dafür Anfang September 2011 als Beilage der GQ – ein Vorgehen, das wahrscheinlich bisher nur der Verlag und Thomas Knüwer versteht, der die Chefredaktion für die deutsche WIRED übernommen hat.

Eine Website zum Heft wie bei europäischen Ausgaben aus UK und Italien, aus denen auch die Inhalte der deutschen WIRED teilweise stammen werden, ist bisher nicht geplant, stattdessen gibt es ein Blog unter wired.de.

Ich hätte mich über eine „echte“, regelmäßige deutsche Ausgabe der WIRED gefreut, das geplante Vorgehen finde ich jedoch ziemlich lahm. Ich wünsche Thomas Knüwer, den ich kenne und der u.a. auf der letzten re:publica moderiert hat, natürlich alles Gute – ich weiß nur nicht so recht, wofür. Eine Testausgabe, keine weiteren geplant (außer, die GQ verkauft plötzlich mehr?) … hm. Mal sehen. Vielleicht wir(e)d es ein hübsches Sammlerstück.

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Automatische Gesichtserkennung bei Facebook

gesichtserkennung

Gestern im Netz, heute in den Papiermedien: Alle mussten sich äußern über die neue Facebook-Funktion, die beim Upload von Fotos automatisch Gesichter von Freunden erkennen können soll. Hier ein paar Sätze der offiziellen Statements von Facebook, dort ein paar Datenschützer-Zitate und dann noch etwas „aus dem Internet“: Fertig scheint der Artikel.

Angesehen hat sich den ganzen Kram aber anscheinend niemand.

Außer Sven Dietrich, der sich die Mühe gemacht hat.

UPDATE Stadt-Bremerhaven erklärt, dass man die tatsächliche Deaktivierung der Funktion bzw. der gesammelten Fotoinformationen der eigenen Person per Mail beantragen muss.

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Lawrence Lessig beim eG8-Gipfel: „Schützt die Outsider“

Erst jetzt habe ich es geschafft, die Rede von Lawrence Lessig während des eG8-Gipfels anzusehen und kann nur allen halbwegs interessierten Leserinnen und Lesern empfehlen, es mir gleich zu tun (die Rede dauert nur zehn Minuten und startet bei 2:10). Denn Lessigs Anwesenheit war wichtig:

Inhaltlich gewohnt fundiert und erzählerisch herausragend führt Lessig die Anwesenden mit dem Vergleich von Regierungen mit Alkoholikern an sein Thema heran, das da heißt: „Schützt die Outsider“. Er warnt Regierungen davor, sich vor den Karren der Unternehmen spannen zu lassen („Their job is profit for them. Your job is the public good.“) und spannt einen geschickten Bogen von den oft von Jugendlichen und „Outsidern“ gegründeten und allen bekannten Internet-Giganten zur wirtschaftlichen Innovationskraft, die durch Angriffe auf die Netzneutralität gefährdet wäre. Und er schließt mit den Worten:

The future of the internet is not Twitter, it is not Facebook, it is not Google, it is not even Rupert Murdoch. The future of the internet is not here. It wasn’t invited. It doesn’t even know how to be invited, because it doesn’t yet focus on policies and fora like this. The least we can do is to preserve the architecture of this network that protects this future that is not here.

Übersetzung: Die Zukunft des Internet ist nicht Twitter, nicht Facebook, nicht Google und nicht einmal Rupert Murdoch. Die Zukunft des Internet ist nicht hier. Sie war nicht eingeladen. Sie weiß nicht einmal, wie man eingeladen wird, denn sie kümmert sich noch nicht um Richtlinien und Foren wie dieses. Das Mindeste, das wir tun können, ist die Architektur des Netzwerks zu erhalten, die diese Zukunft beschützt.

Für diese klaren Worte flog Lawrence Lessig dann auch gleich aus dem Empfehlungskatalog des eG8-Forums. Nach dem Klick gibt es noch ein ebenfalls sehenswertes Interview mit ihm vom eG8-Forum und ein weiteres Video von der alternativen eG8-Pressekonferenz mit Jérémie Zimmermann (La Quadrature du Net), Jeff Jarvis, Lawrence Lessig, Susan P. Crawford (ehemals ICANN), Jean-François Julliard (Reporter ohne Grenzen) und Yochai Benkler (Co-Direktor am Harvard’s Berkman Center for the Internet).
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The Onion: Facebook und die CIA

The Onion berichtet über das erfolgreiche CIA-Projekt „Facebook“ und enthüllt, dass die Social-Networking-Site der primäre Grund für die CIA gewesen sei, das Internet zu gründen.

[cia]

Hinweis: The Onion ist ein Satire-Magazin.

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Sony Playstation Network: Die Zukunft ist Vergangenheit

Kazuo Hirai

Wochenlang war Sony mit der Analyse des Einbruchs in das Sony Playstation Network (PSN), dem Internet-basierten Netzwerk, das sowohl vernetztes Spielen als auch den Kauf digitaler Produkte über Sonys Videogame-Konsole Playstation 3 ermöglicht, und seiner Wiederherstellung beschäftigt. Über 100 Millionen Kundendaten sollen bei der Attacke abhanden gekommen sein, schlampige Kommunikationspolitik und ein offenbar ebensolches System ernteten weltweite Kritik. Als der Dienst vor wenigen Tagen in Teilen wieder startete, gab es kurzfristig erneut schwerwiegende Probleme, die es dieses Mal anscheinend an der Mainstream-Presse vorbei schafften.
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