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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Warum ich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen bin

In 2009 und 2010 sind meine beiden Eltern gestorben. Abgesehen von dem enormen Verlust bedeutet das auch, dass ich “mich jetzt alleine durchschlagen muss”. Zugegeben ich bin 25 und das ist kein großes Problem. Vor allem bedeutet es, dass ich mich nun selbst um ein Einkommen kümmern muss. Mein Studium bietet mir zwar kaum eine Möglichkeit außerhalb der Semesterferien zu arbeiten, aber aus solchen Grunden sichern wir uns in unserer Gesellschaft ja gegenseitig ab.

Ich bin zum Beispiel noch Kindergeld berechtigt. Dazu stelle ich einfach einen Antrag auf Kindergeld bei der für Waisen vorgesehenen Kindergeldstelle der Arbeitsagentur und reiche die Bescheide auf Halb- und Vollwaisenrente der Deutschen Rentenversicherung Bund (DtschRntVersB) ein.

Außerdem kann ich bei allen Stellen, von denen meine Eltern ihre Pension bzw. ihre Rente bekommen haben auch Anträge auf Waisenrente stellen. Außer der DtschRntVersB sind da noch die Bundesfinanzdirektion Mitte und die VBL. Bei der VBL werden die Anträge allerdings erst bearbeitet, wenn auch die jeweilige Rentenbescheide der DtschRntVersB eingegangen sind. Bei der stellt man je einen Antrag auf Halbwaisen-Rente mit der Versicherungsnummer des zuerst Verstorbenen und einen Antrag auf Vollwaisen-Rente mit der Versicherungsnummer des zuletzt Verstorbenen. Diese brauchen dann zur Berechnung der Höhe der Zahlungen allerdings auch die Eingabe der Bundesfinanzdirektion Mitte. Die BndsFinDM wartet im Moment auf die Ergebnisse der VBL für ihre Berechnungen. Bei der VBL werden die Anträge allerdings erst bearbeitet, wenn auch die jeweilige Rentenbescheide der DtschRntVersB eingegangen sind. Bei der stellt man je einen Antrag auf Halbwaisen-Rente mit der Versicherungsnummer des zuerst Verstorbenen und einen Antrag auf Vollwaisen-Rente mit der Versicherungsnummer des zuletzt Verstorbenen. Diese brauchen dann zur Berechnung der Höhe der Zahlungen die Eingabe der BndsFinDM, die im Moment auf die Ergebnisse der VBL für ihre Berechnungen wartet. Bei der VBL werden die A. allerdings erst bearbeitet, wenn auch die jeweilige Renbsch der DtschRntVersB eingegangen sind. Bei der stellt man je einen A. auf HW-Ren mit der VersNr des zuerst Verst. und einen A. auf VW-Ren mit der VersNr des zuletzt V. Diese brauchen dann zur B. der H. der Z. die E. der BndsFinDM, die im Moment auf die eees der VBL für ihre Berechnungen wartet….

Wer sich jetzt noch nicht an den Gag aus “Asterix erobert Rom” erinnert fühlt, den wird es freuen zu hören, dass die Kindergeldstelle mich inzwischen immer wieder anmahnt (dro*HUST*ht), dass mein Anrecht auf Kindergelt verfallen könnte, wenn ich nicht bald die Bescheide der Deutschen Rentenversicherung rumkomme.

Zugegeben Bürokratie gibt es nicht ohne Grund, aber selbst wenn das ein Außnahmefall ist: das Maß ist voll. Lasst uns etwas neues probieren.

Disclaimer: Ich habe diesen Post vor 2 Tagen schon in meinem eigenen Blog veröffentlicht, aber ich habe heute nun den ersehnten Bescheid bekommen und da dachte ich mir das passt schon.

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

BrutusD (Website) (Twitter)

9 Kommentare

  1. 01

    Hach ja…Wer liebt die deutsche Bürokratie nicht?

    Zugegeben: Ausnahmefälle sind immer schwierig. Aber dafür sind das in den Ämtern Menschen, die eben nicht wie Maschinen sich an die Vorschriften halten sollten, sondern im Einzelfall auch mal davon abweichen können sollten. Dazu bräuchte man, um das zu legitimieren, vielleicht wieder sekundäre Regeln, aber die eine oder andere mehr macht dann auch nix mehr aus. ODER man lockert die Regeln einfach und lässt ein Ermessen des Bearbeiters zu.

    Auf jeden Fall ein schöner Text, danke! :)

  2. 02

    @Addliss: natürlich waren das in den meisten Fällen Menschen die mir Briefe und Aufforderungen schrieben, und jedes Telefonat mit den verschiedenen Stellen zeigte mir aufs Neue, dass ich es mit emphatischen Individuen zu tuen hatte, aber gerade deshalb verwunderte es mich, dass wir uns diesen ganzen Aufwand auftürmen.

    Ich denke wirklich wir haben das jetzige System bis aufs Äußerste ausgetüftelt und so weit entwickelt, dass es Sinn macht alte Zöpfe abzuschneiden und mit den gewonnen Erfahrungen von Grund auf neu zu beginnen.

  3. 03
    Chrisfried

    und was hat das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun?

  4. 04

    Schon allein ein Bafög-Antrag (auch mit noch lebenden Eltern) kann ein ziemlich lustiges Unterfangen werden. Es sagt einem auch keiner, wovon man in den 4 Monaten leben soll, in denen der die Bürokraten über das Anliegen befinden. Der Antrag muss jedes Jahr neu gestellt werden. Seit zwei Jahren bin ich nicht mehr Student und alle paar Monate muss ich mich mit einer der zahllosen Stellen herumschlagen, denen ich noch irgendwann oder laufend Geld zahle oder zahlen sollte. Kurzum: Man sollte am besten einfach Geld haben zum studieren. Alles andere macht einem während oder nach dem Studium nur das Leben schwer.

    Auch ich bin für das Grundeinkommen, bedingungslos.

  5. 05

    @Chrisfried: Ich wünsche mir ein Grundeinkommen, dass dir sobald du Bürger eines Landes bist ermöglicht, auf einem Kulturellen-Minimum in diesem Land zu leben. Ganz egal, ob du studiertst, oder eine Ausbildung machst, ob du in Schicht, oder im Kaufhaus arbeitest, ob du Koch oder Pianist oder Leitender Angestellter bist. Ob du aus einer großen Familie kommst oder keinen hast, der für dich sorgt.
    Es gibt dann keine staatliche Rente, kein Waisengel, kein Bafög. Nur das Grundeinkommen, solange du eben Bürger bist.
    Das scheint mir mit wenig Bürokratie verbunden zu sein.

  6. 06
  7. 07
    Moon

    Die Bürokratie in Deutschland erfüllt nur den einen Zweck: den Beamten und Bürokraten eine Daseinsberechtigung zu geben. Niemals wird irgendeine Regierung der amtierenden Politikergeneration auf die Idee kommen, ihren Beamten einen Verzicht auf regelmässiges Einkommen und üppige Pension zu zumuten. Schon garnicht zugunsten der Allgemeinheit. Ob ein bedingungsloses Grundeinkommen vernünftig wäre oder mehrere Probleme gleichzeitig lösen oder Bürokratie und Kosten abbauen würde, interessiert nicht. Schade.

  8. 08
    Floda Nashir

    Ist das Kulturellen-Minimum höher oder niedriger als das – sagen wir mal – Intellektuellen-Minimum?

  9. 09

    Leute träumt weiter! Wie hoch soll denn das „Grundeinkommen“ sein? Miete, Strom, Gas, Kinobesuch, Alk, Fluppen, Klopapier, Kartoffelchips!?
    Alles soll davon bezahlt werden?
    Also sagen wir mal so 1.200 €…lieber 1.500 €
    Und wo kommen die dann her?
    Halte es da eher wie Kennedy: Don’t ask what your country can do for you, ask what you can do for your country!

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