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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

An die Verteidiger des freien Internets

Es reicht. Wir haben es probiert. Wir haben gekuschelt. Wir haben es mit Diskussionen versucht. Wir haben argumentiert. Wir waren freundlich.

Bekommen haben wir? Nichts. Ja, man führt Dialoge mit der Netzgemeinsschaft (wer auch immer das ist). Ja, es gibt die Enquete-Komission. Aber nein, es bringt uns nicht vorwärts. Kein Stück. Ja, das Bewusstsein wurde geschärft. Doch was hat es uns gebracht?

Ich sage: Radikalisiert euch! Sie sperren das Netz, wir machen es auf! Netzneutralität? Machen wir unser eigenes Netz. In jedem Fenster ein Router, auf jedem Dach ein Antenne. Funkstrecken von Turm zu Turm. Warum sollen wir weiter warten? Videos werden gesperrt? Dann bauen wir halt Proxies. Wir haben doch die Technologie, warum verwenden wir sie nicht? Ja, ein Einzelner lebt in der Gefahr, die Macht des Staates zu spüren. Doch wir sind viele und wir haben die kritische Masse lange erreicht. Niemand kann uns aufhalten, wenn wir endlich gemeinsam arbeiten und nicht alles im Detail zerreden.

Ja, die großen Firmen werden sagen: „Ihr könnt kein Netzwerk ohne uns bauen“ – zeigen wir ihnen, dass sie unrecht haben. Zeigen wir der gesamten Welt, dass wir uns nicht aufhalten lassen.

Wir haben gekuschelt. Wir haben es mit Diskussionen versucht. Wir haben argumentiert. Jetzt sind wir einfach nicht mehr freundlich.

Dieser Post wurde mit reichhaltig Wut im Bauch und einem gebrickten Router auf dem Tisch geschrieben. Verdammt bin ich sauer. Das Bild ist von mir und hat keine Lizenz. So.

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

Stephan Urbach (Website) (Twitter)

25 Kommentare

  1. 01
  2. 02
    jam

    Beim Thema Internet hat jeder eine Meinung, der auch nur irgendwie „tiefergehend“ damit zu tun hat. Kritische Masse? Ja! Ein eigenes Netz? Nein! Da sind sie dann nämlich alle wieder ganz leise. Und aus der klaren Meinung, die man zuvor mit allen Mitteln im Netz hinterlassen hat, ist dann ganz fix ein „ist mir doch egal“ geworden.

    „Machen statt Meckern“ gibt es in Deutschland wohl nicht. Hier wird gemeckert, über das was andere machen!

  3. 03
    Jonathan

    Ich mein, ich wär ja dabei. Es gibt ja Standards, Geräte und das nötige Wissen.
    Ich habe es eben nicht. Aber wenn mir jemand sagt: Kaufe das, tue das damit und stelle es so und so ein, dann bin ich dabei. Wenn es nicht zu teuer ist.

  4. 04

    Na endlich mal ein Leserartikel, der wirklich was taugt. FULL ACK!

  5. 05

    Ich war schon skeptisch ob das Experiment Open Spreeblick thematische Qualität erreichen kann oder ob es nur mit vielen seltsamen Posts vor sich hindümpelt, was ja bis jetzt auch irgendwie der Fall war.

    Aber nun, mit Stephan Urbachs Beitrag, ist er da, der Zauber der Begeisterung schafft. Kurz, knackig, emotional und aufklärend setzt er mir einen Floh ins Ohr und ich bin ihm dafür dankbar.

    Die Skepsis an Open Spreeblick weicht der Hoffnung, dass noch mehr Blogger mitmachen, die *wirklich* was zu sagen haben und die kompetent über ihre Themen sprechen können. Nichtssagende Postings von erfolglosen „Ich-will-gerne-Schriftsteller-sein-Autoren“ gibt es ja nun wahrlich genug.

    Jetzt bin ich gespannt, ob die Qualität von Stephans Posting von anderen Schreibern fortgesetzt wird oder ob der Aus- bzw. Einblick in die Gedankenwelt der Blogger bis Ende Juli ein düsterers Bild der intellektuellen Netzgemeinde zeichnet.

    Das allerdings wäre dann nicht Spreeblick anzulasten.

  6. 06

    Ich war schon skeptisch ob das Experiment Open Spreeblick thematische Qualität erreichen kann oder ob es nur mit vielen seltsamen Posts vor sich hindümpelt, was ja bis jetzt auch irgendwie der Fall war.

    Aber nun, mit Stephan Urbachs Beitrag, ist er da, der Zauber der Begeisterung schafft. Kurz, knackig, emotional und aufklärend setzt er mir einen Floh ins Ohr und ich bin ihm dafür dankbar.

    Die Skepsis an Open Spreeblick weicht der Hoffnung, dass noch mehr Blogger mitmachen, die *wirklich* was zu sagen haben und die kompetent über ihre Themen sprechen können. Nichtssagende Postings von erfolglosen „Ich-will-gerne-Schriftsteller-sein-Autoren“ gibt es ja nun wahrlich genug.

    Jetzt bin ich gespannt, ob die Qualität von Stephans Posting von anderen Schreibern fortgesetzt wird oder ob der Aus- bzw. Einblick in die Gedankenwelt der Blogger bis Ende Juli ein düsterers Bild der intellektuellen Netzgemeinde zeichnet.

    Das allerdings wäre dann nicht Spreeblick anzulasten.

  7. 07
    f.

    Klar, wenn uns Nicht-Nerds jemand erklärt, wie das funktioniert, bin ich dabei. Bisher überwiegt aber noch die Notwendigkeit, dass es funktioniert, den Ärger über die Unverschämtheiten und das Unverständnis derer, in deren Hände man sich mit Computern, Internet und all dem Kram begibt.

    Deshalb hab ich immer noch nen Mac und kein Linux laufen. Deshalb bin ich bei der Telekom. Deshalb nutze ich Chrome. Nicht, weil die Vertreten, was ich gut finde, sondern weil es funktioniert. Und weil mir das aus unerklärlichen Gründen gerade wichtiger ist als frei zu sein, nicht überwacht zu werden oder die ganze GEMA-Scheiße.

  8. 08
    c0r3nn

    @f.: Naja, Linux ist seit Distributionen wie Ubuntu eigentlich kein wirkliches Problem mehr.
    Bei Ubuntu ziehst du Dir das Ding von ubuntu.com, installierst es und wenn der Rechner am Internet hängt zieht sich Ubuntu danach alle Patches und Updates automatisch. Anwendungen installierst du über das Software-Center, in dem du massenweise Anwendungen findest.

    Wenn man es nur mal ausprobieren will, kann man Ubuntu zum Testen auch auf einem USB-Stick installieren.

    Und eine Anmerkung am Rande: Ich habe vor vielen Jahren schon einmal mit Linux experimentiert, es war verdammt sperrig und ich hab damals entnervt aufgegeben, weil ich nicht die Zeit hatte, mich da reinzuarbeiten.
    Insoweit war ich am Anfang meines 2. Anlaufs mit Ubuntu echt skeptisch. Aber die Skepsis ist mittlerweile einer gewissen Begeisterung gewichen.

    Wenn meine Games auf Linux laufen würden, hätte ich Windows schon längst den Rücken gekehrt. So ist Ubuntu nur auf meinem Netbook drauf.

  9. 09
    Grumpy

    Schön. Sehr schön. Mir fehlte in letzter Zeit ein klitzekleinwenig die aktuelle Gesellschaftskritik, die ich die vergangenen Jahre gewohnt war – Herr Urbach hat im Rahmen Eurer OpenSpreeblick-Initiative nicht nur die Gesamtproblematik des „Internetz“, sondern der Kommunikation im Allgemeinen mittels eines Ziegelsteins in die Tastatur geprügelt, dargereicht und wird noch lange nicht ausreichend gewürdigt.

    Kommentar #1 zeigt … Abhängigkeit. Abhängig vom Kabel eines Oligopols, bei dem eine Firma oder ein Staat schlußendlich nur einen Knopf braucht, um ‚den Stecker zu ziehen‘. Ein Oligopol, das dafür sorgt, dass alle ausgelieferten Router mit Closed-Source und/oder Lizenzverletzungen laufen (Huhu, AVM anyone?) einfach mal *plopp* machen – und wenn die Politik, die Gesellschaftsverwurster und die Firmen bemerken, dass wir einfach Tunnel aus dem Ausland nutzen, um weiterhin online zu sein und uns Informationen besorgen können, die ihnen unliebsam erscheinen, weil wir verschlüsselt von Punkt zu Punkt hüpfen, wird ihnen ein anderer Irrsinn einfallen, um uns aufzuhalten.

    Deutschlands Firmen exportieren Sperr- & Filtertechniken, die wir selber nicht in unserem Land haben wollen – warum fühle ich mich gerade an Waffen erinnert … egal, ich schweife ab.

    Ein Netz gab es nie – es waren immer ganz viele, die zufällig an Knoten zusammentrafen – aber ein freies Netz kann und muß auch in Deutschland ohne Firmen und Kabel möglich sein.

    Jede Werberdauerwelle, die hier halbwegs Hirn ins Rennen wirft, sollte bei Netzpolitik was von FabFi gelesen haben oder von OpenWRT oder wenigstens von Freifunk … und die ganz Irren helfen dem 12milesahead-Projekt (Freifunk zur See) weiter – (jetzt fehlen nur noch die Nörgler, die sich beschweren, dass ich nix verlinkt habe).

    Max. 20 EUR pro Fensterbank/Router finde ich nicht so viel, wenn ich mir die Chart-Alben-Preise anschaue.

    Zur Entschuldigung für Tomate oben, muß ich sagen, wer einmal einen Router in einen Ziegelstein verwandelt hat, der darf auch so schreiben.

    <3 hälsningar på telecomix – the data must flow – grmpyoldman

  10. 10
    jawohl

    Hallo,

    mir gefällt die Idee vom „eigenen“ Internet ohne auf große Firmen zurück greifen zu müssen sehr gut. Aber wie soll das realisiert werden?
    Ich habe schon von den Open-WRT-Routern gehört, auf die man eine eigene Firmewar aufspielen kann. Aber welche und wie? Dazu bräuchte es eine Anleitung für Windows/Linux/Mac und zwar auf deutsch und Schritt für Schritt…. mit Erklärung was man da gerade macht und was es bringt….
    Ein Schritt vorher sollte auch noch Grundsätzlich erklärt sein, wie es funktionieren soll. Reict jeder einfach seine Internetverbindung an andere weiter oder wollen wir so ein „neues Internet“ bauen, daspraktisch nicht mit dem bisherigen in Kontakt steht. Wäre dann praktisch ein Intranet, wenn aber alle mitmachen würde es das jetzige Internet ersetzen…..
    Wie funktionieren eigentlich diese Mesh-Netze……

    OK, interessanter und richtiger Ansatzaber, aber es braucht mehr Input um daraus etwas machen zu können.So was auf dem 28C3 als Vortrag auf deutsch, mit Lösungsansätzen fänd ich geil. Könnte man weiterverbreiten und dann könnte da auch was gehen….

  11. 11
    ell

    Ja, alles sehr richtig und notwendig. Nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt. Hat man z. B. im Frühjahr in Ägypten gesehen.

    Ich würde auch gerne mitmachen.

    Problem ist nur: Wo ich wohne, reicht ein WLAN nicht einmal bis zum nächsten Nachbarn. Richtfunk wäre also nötig. Aber wer stellt die Gegenseite? Und ist das dann überhaupt noch bezahlbar?

    Proxy, VPN, Tor würde ich auch gerne nutzen und auch meine Ressourcen zur Verfügung stellen. Aber bei meiner Dorf Subscriber Line (DSL) bin ich schon froh, wenn die Geschwindigkeit zwischen 1 und 2 Megabit liegt. Da sind Verzögerungen durch solche Dienste nicht mehr mit drin.

  12. 12
    markus

    In Städten würde http://www.villagetelco.org/ sicherlich funktionieren. Die Leute auf dem Land müssten sich gegebenenfalls selbst mal via Mobilfunk versorgen. da gibt es ja entsprechend Forschung in Richtung gsm, (openBTS). Jetzt müsste man sich nochmal mit LTE auseinandersetzen.

  13. 13

    So, ich schaffe es endlich, mich zu äußern. erst einmal: Danke für die Komentare.

    @jam: Ich mache. Den ganzen tag. Ich kämpfe für freie Netze in der arabischen wie europäischen Welt. Über meine Bemühungen kannst Du Dich auf meinem blog unter http://stephanurbach.de informieren oder aber z.B. in diesem Telecomix Interfax von Telecomix: http://interfax.werebuild.eu/2011/02/02/low-tech-and-the-revolution-or-how-a-video-of-an-egyptian-girl-forced-us-into-technology-of-the-90s/

    @Jonatahn: Ja, das Problem kenne ich – ich empfehle einen Besuch auf freifunk.net und das Aufsuchen einer Community in Deiner Nähe. Es gibt viele fähige Freifunker, die dir sagen, wie man das macht :)

    @f.: Das ist eine kritik die ich an der Opensource Community schon lange habe: Die Dinge sind nicht benutzbar. Leider kostet das Entwickeln der Technologie, so dass sie jeder nutzen kann, unglaublich viel zeit und die Leute müssen meist noch arbeiten. Wie dieses Dilemma schnell gelöst werden kann, weiß ich leider nicht. Und: Ich benutze auch einen Mac ;)

    @jawohl: Du bist schon in der Konzeptphase – aber ich glaube, wir müssen erstmal die Vision fertig visionieren ;)

    @ell: Richtfunk ist auch nicht wirklich teuer. Nanostations sind günstig beim Internethändler Deines Vertrauens zu haben.

    Ich stelle fest, dass wohl noch ein bisschen die Vision fehlt und die Leute wieder in die direkten technischen Details gehen – ich werde also wohl noch einen weiteren Artikel schreiben :)

  14. 14
    Grumpy

    @Stephan Urbach Schön, dass Du Dir (wie so oft) die Zeit nimmst – wenn ich Dir helfen kann und darf, bitte, „Bescheid“ – die Folien des ursprünglichen Berliner Freifunk-Vortrags als auf 15 Minuten gekürzte Fassung, den ich auf der Jelly-Week im Coworking-Space Wuppertal hielt (in fast menschlich verständlicher Version), findest Du unter: http://freifunk-duesseldorf.de/sites/default/files/ff-dd-Jelly.odp.zip

    @jawohl und die anderen … das Technische steht und findet man bereits alles im Netz (wenn man weiß, wo man suchen muß ;-) & noch schneller wenn man schaut, wo in der näheren Umgebung eine kleinere Schar Freifunker zu finden ist …

    Viel schwieriger, wie herrurbach anmerkt, ist die Vision, eine Art ‚Walternativ‘ (ein Kollegenscherz) überhaupt anzusetzen – im 1. Schritt geht es genau darum, ein eigenständiges Netz aufzubauen, welches ganz zufällig über ‚Leitungsspender‘ sogar eine Brücke in das ‚große, böse Internet‘ schlagen kann (aber nicht muß) – die ALGII-Empfänger in Empfangsreichweite bedanken sich auch, dass sie endlich mal das Arbeitsamt virtuell besuchen können.

    Technisch Mutigeren sei die Geräteliste von openWRT empfohlen: http://wiki.openwrt.org/toh/start

    Am besten mit der Firmware der Leute vom PrenzelBerg :-) – die töpfern seit über 1,5 Jahren an einem Installationsassistenten (der FFWizard), der ebenfalls langsam und beständig ‚menschlich‘ spricht und auch schon viele andere Communities anderer Städte unterstützt – Schritt für Schritt: http://wiki.freifunk.net/Freifunk_Berlin_Pberg:Firmware

  15. 15

    Ich hab mich vor ein paar Jahren schon mal für das Freifunknetz in meinem Kiez interessiert, mir deren Webseiten und Anleitungen durchlesen wollen, ABER: das war alles dermaßen „Fachchinesisch“ bzw. extrem technoid, dass mir schon gleich die Lust vergangen ist, mich damit weiter zu befassen. Vielleicht ist es ja heute besser, aber „kritische Masse“ erreicht man so jedenfalls nicht.

    Und ein anderer Aspekt: es sind ja jetzt alle ’ne gewisse Leistungsfähigkeit bzgl. Netzversorgung gewohnt. Ob man da mit was Selbstgestricktem tatsächlich mithalten kann, bezweifle ich…. und nur als „Notversorgung“ für evtl. Netzausfall macht ja keiner den Aufwand.

  16. 16
  17. 17
    Grumpy

    @Claudia Stimmt, ich gebe Dir eindeutig recht, wenn Du sagst, dass es zu ‚technisch‘ gewesen war – meine Betonung liegt auf ‚gewesen‘. Allerdings finde ich z.B. den Weg den „Landnetz e.V.“ (ich sage aus Versehen meistens Landfunk – Verzeihung) geht, auch nicht mehr so prickelnd – auch wenn sie die Tage bundesweit positive Erwähnung fanden: http://www.landnetz.de

    Der eigentliche Netzaufbau ist zwar (nach außen) hervorragend organisiert, auch alles nach deutschem Vereinsrecht … aber genau da hört’s dann damit auch auf, denn transparent geht anders. Da ist auch nichts mit selberaufsetzen, oder ähnlichem – zumindest nicht nach der Denke des Vereins – man kann sich nichtmal vorab über die verwendete Hard-/Software informieren. Das wirkt eher wie die üblichen ‚Verkaufsportale‘ bestehender TK-Anbieter – um überhaupt mitspielen zu dürfen, gelten alleine die ‚Verkehrsregeln‘ des Vereins, mit Pflichtbeiträgen, etc …

    Und daher bevorzuge ich persönlich den „Freifunk“-Ansatz, der auch anderen es von außen ermöglicht, selber das Netz zu erweitern – und wer alleine nicht weiterkommt, dem kann (das kann man glaube ich fast gar nicht oft genug betonen) bestimmt eine Freifunk-Gruppe aus der näheren Umgebung helfen.

    Und je mehr Leute sich einbringen, so kann es nur besser werden – auch bei der Kommunikation nach außen … also nicht funktechnisch (ach mist, Du weißt, was ich meine).

    @triplesmart Danke :-)

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