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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Das mit der Netzneutralität ist doch ganz einfach.

Ok dann versuch ich mal meine wirschen Gedanken etwas zu sammeln. Vielleicht klappt es ja und es gibt durchaus Menschen, die mir folgen können. Aber es wird nicht einfach, weil das ganze Ding mit der Netzneutralität für mich besonders mit Urheberecht und dem Datenschutz zusammen hängt.

Wir müssen uns mit dem Gedanken verabschieden, dass man in Zukunft Content noch unmittelbar monetarisieren kann. Bevor mir alle unterstellen „ich will sämtliche Geldverdienmöglichkeiten abschaffen“ nein dem ist nicht so. Wir wissen – wenn wir eine CD kaufen, ein Konzert besuchen oder einen Film im Kino schauen – dann entscheiden wir uns auf Inhalte bezogen. Unsere Konsumentscheidung geht danach ob wir eine Band oder bestimmten Schauspieler mögen. Was aber wenn wir den Default-zustand nehmen alle Medien stehen mindestens unter der einfachsten CC-Lizens – sie dürfen unter Namensnennung des Urhebers nichtkommerziell weiterverteilt werden? Dann gibt es keinen wirklichen Grund mehr für einen bestimmten Titel Geld ausgeben zu müssen. Das Prinzip der Mangelwirtschaft währe aufgehoben. Ja aber womit soll man dann noch Geld verdienen? Ganz einfach mit Usability. Das Netz zeigt es bereits schon. Der zich-tausendste Tetrisklon wird als iPhone-app neu aufgelegt und Menschen sind bereit dafür zu bezahlen.

Das selbe Spiel mit Daten. Soweit es nur geht müssen Rohdaten prinzipiell maschinenlesbar für jeden Menschen kostenlos zur Verfügung stehen. Das erwirtschaften von Geld erfolgt über Visualisierung. Visualisierung, Filterung und Usability sind der Schlüssel für Dienste welche sich finanziell tragen werden. Sie können von den Erschaffern des Contents selbst kommen oder von Drittanbietern.

So nun versuche ich mal meinen Bogen zur Netzneutralität zu stricken. Wenn wir alle eine Internetverbindung mit mindestens 10 mbit Down- und Upstream haben und es zur Normalität wird, dass sich Gruppen ihre Lokale Netzwerkinfrastruktur schaffen so verteilen sich die Lasten automatisch (ich weiß ich male mir die Welt etwas schön) Eine WG könnte sich seinen eigenen Proxy-server einrichten und Teile seines Netzes via Freifunk eventuell sharen. Wichtig ist, dass alle Daten ohne DRM auf dem Rechner vorliegen um nicht unnötige Serveranfragen zu veranlassen. Es gäbe die Möglichkeit auch offline größere Mediendateien zu kopieren.

Der Mumpitz ist, dass wir momentan in einem Internet leben welches sehr wohl immer noch auf dem Prinzip der Mangelwirtschaft baut. Um einen möglichst hohen Upstream zu bekommen muss man viel Geld bezahlen und Server mit großen Kapazitäten sind auch nach wie vor teuer. Was aber wenn ein zehntel des Rechenzentrums, welches Apple für seine iCloud aufgebaut hat, auf einmal für jeden von uns zu Hause zur Verfügung steht? Unser Netzwerk ist noch weit davon entfernt wirklich dezentral zu sein.

Es wird noch eine Menge Umdenken brauchen – es gibt keinen Verkauf oder Verleih – es gibt in Zukunft nur noch die Veröffentlichung. Erst wenn das verstanden wurde und weitere technische Innovationen drauf rechtssicher aufbauen können – werden wir zumindest einen Großteil Netzneutralität quasi automatisch mit dazu bekommen.

Durch veraltetes Urheberecht bzw. Datenschutz werden die Bottlenecks erst geschaffen. Wir alle wissen der Computer ist eine immense Kopiermaschine – ihn daran zu hindern ist wie einem Hund einen Maulkorb zu geben.

 

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

Dirk Basquiat (Website) (Twitter)

4 Kommentare

  1. 01
    xconroy

    Mein Reden… und trotz aller Versuche seitens Regierungen und Profiteuren der Mangelwirtschaft: früher oder später wird es so kommen, da bin ich mir sicher. Auf Umwegen und mit Rückschlägen, aber aufhalten läßt sich dieser Prozeß nicht… irgendwann kommt der Breitband-Freifunk für jeden. Das Unterlaufen von Besitzstandswahrern und Lobbys dürfte in diesem Bereich einfacher sein als, sagen wir mal, bei Elektroautos oder so (obwohl da ja auch inzwischen…).

    Man stelle sich vor: keine ISPs mehr, die Personendaten „verlieren“, die Vorratsdatenspeicherung abnicken, Verbindungen nur mit der Hardware der eigenen Firma gewährleisten und auf Zuruf der Staatsbüttel das Netz abdrehen können. Natürlich auch kein „Not-Aus-Knopf“ (nicht unbedingt auf hierzulande bezogen, sondern auf weltweit (Ägypten? Turkmenistan, anyone?)). Keine Gema-Zensur… usw.

    Im Grunde existieren solche Strukturen ja schon mit p2p-Netzen wie freenet oder I2P oder TOR… nur sind die a) langsam und unsexy (ja, ich mag Klickibunti) und b) lösen sie nur einen Teil des Problems… der andere wird dadurch gelöst, daß jeder ohne großen Aufwand seinen eigenen Server betreiben kann.

    Berufsaufgeregte und Viagra-im-Zeigefinger-Mahner werden – wenn die Uhrheberrechtsdebatte erstmal verloren ist – immer noch viel über Terroristen, Cybermobbing und natürlich Kinderpornos dozieren können, und mspr0 wird genug Stoff zum Philosophieren finden ;-). Könnten interessante Zeiten werden, und das ist durchaus positiv gemeint.

  2. 02
    Ronny Haeusler

    Wir alle wissen der Computer ist eine immense Kopiermaschine – ihn daran zu hindern ist wie einem Hund einen Maulkorb zu geben.

    Wie KANNST du nur mit einemsolchen Satz enden?
    Rhetorischer Schuss ins Knie, und Steilvorlage für den Gegner.

  3. 03

    hmmm. Naja Metaphern wahren noch nie meine Stärke. Außerdem werden sie eh nie der Komplexität des Themas gerecht.

    Ein anderer Schluss währe in die Richtung: „Wir alle wissen der Computer ist eine immense Kopiermaschine und das müssen wir akzeptieren.“

  4. 04
    Ste

    und Wahrheit und war, wahr und waren und Waren ist auch nicht so einfach was?

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