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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Familienurlaub, wie er früher einmal war

Eine Autorin meiner Website goodnewstoday.de veröffentlichte heute folgende Geschichte:

 

 

Wenn man mit einem anderen Blog befreundet ist, die Menschen, die diese betreiben virtuell mag, dann ist man bereit sehr viel schneller über das Thema des Monats dort nachzudenken und einen Beitrag darüber zu schreiben. Bei Raoul steht diesen Monat das Thema „Mein schönster Urlaub“ an, Grund genug für mich um in die Vergangenheit zu reisen.
Ich bin 50+ und habe viele Urlaube erlebt. Aber zu sagen dieser oder jener war der Knaller und der nicht, das fällt mir sehr schwer, jeder Urlaub war schön, da war keiner dabei, der komplett misslungen war. Meinen ersten Urlaub verbrachte ich mit meinen Eltern und Geschwistern an der Côte d’Azur, da war ich 2 ½ Jahre alt und habe kaum noch Erinnerung daran. Aber aus Erzählungen weiß ich eine Menge.
Meine Eltern haben die Jahre zuvor meist uns drei Kinder bei Freunden und Verwandten verteilt und sind ein paar Tage dem Alltag entflogen. Sie waren „Geschäftsleute“, wie man das damals nannte, arbeiteten gemeinsam mit den Eltern meines Vaters in einem Unternehmen. Meine Eltern verreisten meist für ein paar Tage, verteilten uns Kinder auf Freunde und Verwandte, meine Mutter fragte täglich mehrfach wie es wohl ihren Kindern gehen würde. Telefon hatten noch lange nicht alle Haushalte. Meinem Vater wurde das zu bunt und er versprach ihr, dass sie im folgenden Jahr all ihre Kinder mitnehmen könne.
Tja, da stand er dann da, mein Vater mit seinem Versprechen. Zelten war nicht die Option, Hotel zu teuer. Was machte er daraus? Er baute aus einem Metzgeranhänger, fragt mich nicht wie dieser im Ursprung aussah, einen kleinen aber schnuckeligen Wohnwagen, der im Laufe seinen Lebens, bis er einem größeren Platz machen musste, noch einige Male umgebaut werden sollte. Rechts neben der Tür schliefen meine Geschwister übereinander in Liegen, die am Tage draußen standen. Meine Eltern schliefen links hinten, dort, wo der Tisch war, der versenkbar war und ich auf einer Luftmatratze auf dem Boden. Geht doch, ging auch, war auch in den nachfolgenden Jahren Klasse. Ein Zeltdach draußen aus dem im Laufe der Zeit ein richtiges Vorzelt wurde.
So verbrachten wir unsere Urlaube in Spanien, Dänemark, Italien, was zu der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, nicht unbedingt selbstverständlich war. In der „Volksschule“, wie die Grundschule damals noch hieß, war niemand so weit gefahren wie wir. Meine Mitschüler konnten allenfalls in die Stadtranderholung gehen. Mir war das in diesem Alter wirklich nicht bewusst, erst viel später kam mir das mal in den Sinn. Sozialer Brennpunkt, Familien mit sieben Kindern und mehr. Meinen Eltern war das auch nicht leicht gefallen und jeden Abend essen gehen? Njet, das war nicht drin, das war damals ohnehin nicht die Frage.
Um möglichst viel Geld schon im Vorfeld einzusparen wurde der kleine Wohnwagen mit allerhand Vorräten bestückt, zum Beispiel mit allen Grundnahrungsmitteln, die Mensch so braucht und die eine Menge Geld verschlingen, wenn man sie am Urlaubsort kaufen muss: Zucker, Salz, Kaffee, Kaba, Essig, Öl, Filterpapier, Dosenmilch und weiß ich noch was meine Mutter da alles eingepackt hat. Der befreundete Metzger, augenscheinlich der, der den Wagen abgestoßen hat oder zumindest wusste wo mein Vater einen herbekommen konnte, doste für seinen eigenen Urlaub ein: Rinderrouladen, Eisbein und keine Ahnung was nicht noch alles. Er doste fortan für uns mit ein.
Drei Wochen Vorräte, Grundnahrungsmittel. Vor Ort haben wir dennoch zugekauft, trieben uns auf den heimischen Märkten herum, probierten alles, was Einheimische auch gegessen haben. Fisch, Schalentiere, Salami, Fischkonserven, Baguette und einiges mehr.
Zwischen unserem Wohnort und unserem Reiseziel lagen dann so um die 1000 bis 1500 km, die mal erst mal fahren muss. Ohne Autobahn. Früh um vier Uhr fuhren wir los, um am Abend so weit wie möglich in Frankreich drin zu übernachten. Eigenartigerweise gab es die Übernachtungsplätze schon. Wir fuhren also einen an: meine Mutter, Schwester und ich sorgten für das leibliche Wohl, während mein Vater und mein Bruder den Wagen in Position brachten, frisches Wasser holten und auch sonst alle Außenarbeiten erledigten. Nach relativ kurzer Zeit saßen wir am Abendbrottisch und schauten den anderen zu, die Zelte aufbauen mussten, sich oftmals stritten, weil die Aufgaben nicht im Vorfeld schon verteilt waren.
Genauso schnell wie wir am Abend da waren, waren wir am nächsten Tag auch schon wieder auf der Piste in Richtung Pyrenäen: Serpentinen hoch und wieder runter, hoch hinter einem Lastwagen her, irgendwann mühsam überholt, dann wieder runter, den Lastwagen nun im Genick. Aber wir sind immer angekommen, heil ohne Probleme. Wie auf dem Übernachtungsplatz nun gleiches Procedere, jeder wusste, was er zu tun hatte. Selbst ich, die ich mit Abstand das Nesthäkchen war. Der Urlaub konnte nun beginnen.
Unser Tag sag dann in etwa so aus: Morgens, relativ früh Brot holen und frühstücken, dann an den Strand mit Handtuch, Luftmatratze, Ball, Eimerchen, Schaufel und so weiter. So ungefähr um 12 Uhr eher etwas später zurück zum Wohnwagen und Mittagessen: Baguette/Weißbrot, einheimische Fischkonserven, Muschelkonserven, Salami am Stück, manchmal Schinken, Salat und Obst. Essen war heilig, mit sehr viel Zeit und Genuss, nur keine Eile. Danach sind wir wieder zum Strand gewackelt.
Am späten Nachmittag oder am frühen Abend sind wir wieder nach oben. Alle Mann zum Duschen, an der Sammeldusche anstehen. Abendbrot, warm. Nun kamen die Konserven zum Einsatz oder frisch das, was auf dem Markt an Fisch gekauft worden war. Danach waren wir entweder zusammen gesessen oder sind in den nächsten Ort gefahren, um dort zu bummeln, oder die Markthalle unsicher zu machen, zu sehen, was es dort zu gucken gab. Ein Mal pro Woche Essen gehen. Ich lernte früh den Umgang mit Schalentieren, wusste was eine Paella ist, wie es ist im Süden auszugehen.
Übrigens gab es auch keinen Kühlschrank, aber jeden Tag kam Pedro mit seinem Eselskarren vorbei und brachte Stangeneis, 7 x die Woche. So bekam man wenigstens ein wenig Kühlung für Butter, Milch und all das, was gekühlt werden musste.
Wir tobten mit unseren Eltern, spielten Federball und Boule, hatten Kontakt zu anderen Kindern, die eine andere Sprache sprachen als wir, aber das war egal, weil man sich immer irgendwie versteht, wenn man Kind ist. Zur Not gab es da ja auch noch meinen Vater, der perfekt Französisch und nicht weniger gut Englisch gesprochen hat. Man darf nicht vergessen, dass wir uns auf in den Urlaub machten in einer Zeit, da Deutsche im Ausland nicht so gerne gesehen wurde. Da waren diese Sprachkenntnisse Gold wert. Es waren auch nur wenige deutsche Kinder auf den Campingplätzen zu finden, was sich dann Mitte der 60iger zu verändern begann, aber bis weit in die 70iger zu spüren war.
Ich hatte das unglaubliche Glücke Eltern zu haben, denen es fremd war ihre Kinder zu schlagen, die immer sagten, dass egal was passiert ist, wir erst nach Hause kommen sollten, dass eine „6“ kein Weltuntergang war, dass es keinen Grund gäbe nicht nach Hause zu kommen. Ich hatte genug Klassenkameraden, die wegen jedem Mist eine Backpfeife und schlimmer bekamen, die sich nicht trauten nach Hause zu gehen, wenn anstatt der erhofften „2“ eine „3“ und schlechter unter der Arbeit stand. So waren unsere Familienurlaube schlichtweg die Höhepunkte unseres Familienlebens, unvergessliche Moment einer unvergleichlich schönen Kindheit.

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

Raoul (Website) (Twitter)

1 Kommentar

  1. 01
    Silke

    Der Artikel ist ja wirklich putzig, aber es hätte ihn mal jemand vorher Korrektur lesen können…

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