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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Lasst den Prenzlberg in Ruhe!

Es ist irgendwie schick geworden, auf dem Prenzlauer Berg rumzuhacken. Latte Macchiato, Eigentumswohnungen, Bugaboo-Kinderwagen – bäh, is ja ekelhaft. Neulich sah ich eine Reportage, in der behauptet wurde, hier wären alle zwischen 20 und 40 und man sähe keine Grauhaarigen mehr im Prenzlauer Berg. Bullshit. Allein in meinem Haus wohnen drei ältere Pärchen. Aber so läuft es. Einfach mal drauf rumhauen, das lässt einen selber so heldenhaft aussehen: Seht her, ich bin total happy in meiner Ein-Zimmer-Wohnung im Wedding mit der eingetretenen Tür. Dabei würdet Ihr doch alle selber gern hier wohnen – natürlich zu Weddingpreisen, haha. Liebe Neuberliner, habt Ihr eigentlich gecheckt, wofür Berlin steht? Der Markenkern? Na? Jeder soll nach seiner Fasson selig werden, hat schon der Alte Fritz gesagt.
Also, lasst endlich die Prenzlberger in Ruhe!

Am schrägsten finde ich, dass ich mich neuerdings auf Partys dafür rechtfertigen muss, im Prenzlauer Berg zu wohnen. Ich stehe damit automatisch unter Yuppieverdacht. For the record: I was born here! OK, ich wurde in Mitte geboren, in der Charité. Aber abgesehen von einigen Abstechern ins Ausland (dazu zähle ich auch München und Hamburg) habe ich immer in Berlin gelebt und die meiste Zeit im Prenzlauer Berg. Ich bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Die letzten Diskussionen darüber, dass „wir“ von den fiesen Eigentumswohnungsyuppies verdrängt werden, führte ich mit einer Leipzigerin (Tempelhof), einem Dresdner (Friedrichshain) und einem Sauerländer (Neukölln). Also: Wenn hier jemand verdrängt wird, dann sind es wir Ur-Prenzlberger. Wobei man sagen muss, dass man als halbwegs gebildeter und friedlicher Prenzlberger ganz froh sein kann, dass ein großer Teil der Ureinwohner weggezogen ist. Denn vor dem Mauerfall – kleiner fact check für die  Zugezogenen – war der jetzige Hip-Bezirk bekannt für seine Assi-Familien: Familien mit fünf, sechs und mehr vernachlässigten Kindern, die in heruntergekommenen Bruchbuden wohnten. Heute würde man sagen: Prekariat. Ich bin zwischen diesem Prekariat aufgewachsen und gelegentlich von ihm verprügelt worden. Und, liebe Leute, ich weine ihm keine Träne nach. Übrigens: Als die Neubauten in Marzahn und Hellersdorf fertig waren, zogen viele dieser Familien dorthin. In großzügige, helle 4- bis 6-Zimmer-Neubauwohnungen mit Zentralheizung und fließend Warmwasser – damals der Inbegriff des Fortschritts bzw. der sozialistischen Errungenschaften. Dies mag einige Probleme erklären, die diese Bezirke heute haben.
Reste der Prenzlberger Ureinwohnerschaft lassen sich noch heute vor den Spätis in der Greifswalder Straße besichtigen, wo sie sich regelmäßig das Resthirn wegsaufen. (Womit ich natürlich auf gar keinen Fall sagen will, dass alle Ur-Prenzlberger Assis blablabla.)

Gaaanz übel ist ja laut der Niedersachsen (ich finde nicht, dass es hier so viele Schwaben gibt wie oft behauptet – die sind doch alle in Kreuzberg *wegduck*), dass hier alles ganz pöse gentrifiziert wird. Oh, wie schön, dass es in der Rykestraße noch ein abgefucktes Haus gibt. So authentisch. Und so romantisch. So real!!! Sorry, aber so kann nur jemand reden, der nie in einem solchen Haus gewohnt hat. Der nie erlebt hat, wie es ist, wenn es durchs Dach regnet und die halbe Wohnung voller Eimer und Wannen steht, um den Regen aufzufangen (unsere erste Wohnung, Driesener Straße). Wenn die Wände schimmeln (Wohnung meiner Schulfreundin, Knaack-/Ecke Kollwitzstraße). Wenn das Klo eine Treppe tiefer ist und man sich in einer Plastikschüssel in der Küche waschen muss (andere Schulfreundin, Kopenhagener). Ja, Ofenheizung macht eine total wohlige Wärme, ist aber unpraktisch, wenn man niemanden hat, der zu Hause ist und Kohle nachlegt. So kommt man nach der Arbeit in eine eiskalte Wohnung, zündet die Kohle an, und wacht mitten in der Nacht schweißüberströmt auf, weil der Ofen dann zu Höchstleistungen aufgelaufen ist. Müßig zu erwähnen, dass man beim Aufstehen von einer Eiseskälte begrüßt wird (meine erste WG, Bötzowstraße). Also, Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, dass ich ganz dankbar dafür bin, dass mein Kiez liebevoll und fachgerecht saniert wurde.
Ich bin stolz, dass der Kollwitzplatz jetzt in jedem Berlin-Reiseführer erwähnt wird. In fact, ich war vor ein paar Tagen mit französischen und spanischen Freunden hier im Kiez unterwegs und sie waren hellauf begeistert. So schön, so ruhig, was für eine angenehme Atmosphäre. Toll! Und hier wohnst Du?! (Nebenbei gaben sie auch noch mehrere hundert Euro aus, liebe Touristenhasser.)

Nicht falsch verstehen: Auch mich beunruhigen steigende Mieten und amerikanische Pärchen, die den Preis von 800.000 Euro für eine Eigentumswohnung lächelnd abnicken. Aber ich kann die Schwarzseher einfach nicht verstehen. Ich sehe den Fortschritt, ich sehe, wie es seit Jahren immer besser und schöner wird. Plötzlich liebt alle Welt Berlin. Ich bin stolz, Prenzlbergerin zu sein. So. Jetzt ist es raus. Und wenn ich die Kohle hätte, würde ich mir sofort eine Eigentumswohnung hier kaufen.

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

LucyLu

41 Kommentare

  1. 01
    Steve Johnson

    Wunderschön und ausgiebig fabuliert!

    Kleine Anmerkungen eines Sandkorns unter Sandkörnern:

    1. Der Heimvorteil zählt. Nicht.

    2. Aber, zu recht: Städte verändern sich und das ist so, ob man es mag oder nicht. Und wir Berliner können froh sein, dass unsere arme Stadt jetzt wenigstens Touristen hat. Das es schön ist und beschaulich modern angesagt überlaufen. Ich nicke inzwischen anerkennend, wenn Horden von Teenagern meinen Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen beschwerlich machen. Danke, dass ihr da seid, danke, dass ihr zu uns kommt.

    3. Einzig abscheulich und gruselig ist für mich, dass all die Menschen, vor denen ich vor 25 Jahren geflohen bin, die mir mein Leben in meiner Heimat unmöglich gemacht haben, die mich ausgelacht und belächelt haben für meine Entscheidung in die kaputte Mauerstadt zu ziehen, die inzwischen alle aus München und Hamburg hier angekrochen sind, dass diese Menschen ihre Engstirnigkeit verbreiten dürfen. Ungescholten.

    4. Ich beschwere mich nicht wirklich. Wer bin ich denn. Ich freue mich für unseren Schuldenberg. Und ziehe fort. Nach zwanzig Jahren PBerg und 10 Jahren Bionade Biedermaier mit Kinder-Yoga bin ich ans Ostkreuz geflohen. Nur, um nach einem Jahr morgens vor die Tür zu treten und ein Prospekt an der Baustelle bewundern zu dürfen: „Aus Touris werden Nachbarn“.

    5. Oh Graus.

    Danke für den schönen Artikel!

  2. 02
    Michael

    Und genau weil es dort immer schöner wird ziehen wir dorthin. Nach einer Zeit in einem der letzten unsanierten Häuser in Mitte freue ich mich auf die neue sanierte Altbauwohnung. Auf Menschen die einen nicht schräg anschauen, weil man wegen nem Kundentermin mal mit Anzug ins Büro muss, wie zB in F’hain. Auf einen guten Mix aller Altersklassen. Auf eine Assi-Quote nahe Null. Auf eine schöne Umgebung für Kinder, die auch irgendwann kommen. Einfach auf eine schöne Gegend zum Leben.

  3. 03
    Dein verdrängter Assi

    Menschen als „Assi“ zu bezeichnen ist arrogant und beleidigend! Wie war das noch? Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden? Achja, ALLE, nur die nicht, die DU nicht leiden kannst. Die haben sich zu verpissen, damit DU deine Ruhe hast, damit DU nur das Schöne siehst und alles, was real ist, aber nicht so schön und fortschrittlich ist, verdrängen kannst. Was aus den Menschen wird, wenn sie verdrängt werden, was sie dabei empfinden, da fehlt dir jede Empathie, jedes Mitfühlen und Mitdenken und jede soziale Verantwortung. Und warum sie sich so verhalten, wie sie sich verhalten, z.B. weil sie gestresst sind und keine Hilfe bekommen, z.B. nicht mehr von ihren Nachbarn, daran denkst du nicht! Es geht nur um dich und DEINEN schönen Bezirk! Du in der Mitte der Welt! Es geht darum, dass DU dich gut fühlst! Das ist die Ellbogengesellschaft, das ist die Arroganz, die Egozentrik, die den Prenzelbergern vorgeworfen wird! Das ist das Denken naiver unreifer Kinder, die den Prenzlauer Berg übervölkern! Und natürlich sind nicht alle so, aber diese Leute prägen das Image des Bezirks!

    Dein Text ist ein Beweis dafür, mit welch einer Arroganz man rechnen muss, wenn man auf Prenzelberger stößt! Wegsehen, wegdenken und verdrängen, was einem nicht passt! Kein Mitleid! Kein Mitgefühl! Kein Nachdenken über soziale Zusammenhänge! Die pure Arroganz! Wäre der Prenzlauer Berg eine Jahreszeit, er wäre der Winter, kalt, herzlos und alles vernichtend, was sich gegen die Kälte nicht wehren kann!

    Manchmal wünsche ich euch hippen Prenzlebergern, denen es wichtig ist, alles zu verdrängen, was NICHT SCHÖN ist, die Arbeitslosigkeit und die Armut, nur damit ihr mal checkt, was es heißt „Assi“ zu sein, wie man sich fühlt, wenn 20-30jährige Studentinnen, die alles von ihren Eltern in den Arsch geschoben bekommen, auf einen arrogant und zickig herabblicken, als wäre man kein Mensch, der auch sowas wie Würde oder soziale Hilfe verdient hat!

    Mauert euch doch am Besten ein, ihr arroganten Prenzelberger! Dann habt ihr eure Ruhe vor dem blöden Prekeriat!

    Hier ein Literaturtipp für dich:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_neue_Welt

  4. 04

    Liebe Lucy,

    es ist schön, dass Du Dich auf dem Prenzlberg wohl fühlst. Ich glaube Dir auch, dass es nicht schön ist/war in ziemlich abgefuckten Wohnungen zu leben, aber Du hast das Problem an Gentrifizierung schlicht nicht begriffen.

    Selbstverständlich ist es toll, dass die Häuser saniert werden, das Problem ist nur, dass die Leute, die dort früher gewohnt haben, nicht mehr dort leben können, wo sie leben wollen; durch die von Dir durchaus erkannten Mietpreiserhöhungen. Und dann ist es eben durchaus schön, dass hier und da noch ein altes, unsaniertes Haus steht – die Mietpreise sind hier schlicht niedriger und es kann sich längst nicht jeder eine Neubauwohnung leisten. Das mag daran liegen, dass manche Leute nicht arbeiten können oder wollen, aber wie Du so schön sagst: jeder nach seiner Fasson.
    Gentrifizierung sorgt dafür, dass alternativen Lebensform aus den betroffenen Gebieten verdrängt werden. Dafür magst Du vielleicht nichts können, aber sich hinzustellen und zu sagen, „hier wird doch gar nicht gentrifiziert, und selbst wenn, dann seid ihr doch alle neidisch, weil ihr eigentlich auch hier wohnen wollt“ ist einfach Unfug.
    Es ist eben Fakt, dass billige Lebensräume zugunsten teurer verdrängt werden. Und wo, stellst Du Dir vor, sollen die Leute wohnen, die dann vorher dort gelebt haben?
    Du kannst ja gern auf dem Prenzlberg wohnen und stolz darauf sein, wo Du wohnst (allein das…naja). Aber vielleicht solltest Du auch mal einen Gedanken an Menschen verschwenden, die nicht mehr dort wohnen können, weil Leute wie Du das „ganz in Ordnung“ finden, was dort so passiert.
    Andererseits sind die meisten „Ur-Prenzlberger“ ja eh entbehrlich. Jeder nach seiner Fasson, nicht wahr? Nur nicht in „Deinem“ Viertel.

  5. 05
    LucyLu

    Haha, dachte ich mir, dass ich damit in ein Wespennest stoße…

    @Dein verdrängter Assi: Ich denke nicht, dass Du meinen Mitgefühlslevel einschätzen kannst. Das Mitgefühl der Assis, sorry, Prekariatsangehörigen, die mich verrügelt haben, hielt sich jedenfalls stark in Grenzen. Mir geht es in dem Artikel darum, die Selbstgerechtigkeit derer anzuprangen, die den Prenzlbergern ständig Selbstgerechtigkeit vorwerfen. Im Übrigen verdränge ICH niemanden, sondern lebe schon immer hier. Mir wurde auch nichts in den Arsch geschoben, sondern ich habe mir immer alles selbst erarbeitet. Tut mir leid, aber Deine Verdrängung/selektive Wahrnehmung funktioniert auch ganz gut.

    @Sören: Gähntrifizierung: Dass Angebot und Nachfrage auch den Wohnungsmarkt regeln, ist ja nichts Neues. Wer das nicht will, muss konstruktive Lösungen suchen, z.B. eine Mietpreisbindung o.ä. In Kreuzberg gibt es auch Straßenzüge, die komplett gentrifiziert sind. Ich sage nur: Chamissoplatz. Dafür gibt es auch am Pberg Wohnungen, die nur mit WBS zu haben sind. Ganz so schwarz-weiß ist die Welt eben nicht.

  6. 06
    Steve Johnson

    Wie genial. Die PBerg-Bashing Session läuft im Kleinen erneut, nach der großen Welle 2009. Repetita non placent, Ihr kleinen Shmocks!

    http://www.zeit.de/2007/46/D18-PrenzlauerBerg-46

    Aber mal ernsthaft: Haben wir wirklich keine anderen Aufgaben, als dieses kleinliche Gebaren um Stadtviertel?

  7. 07
    Michael

    @Lucy: Ich nehme mal an Du hast Dich beim Bezug auf mich vertan. Falls nicht, dann lies noch einmal was ich geschrieben hab. :-)

  8. 08
    LucyLu

    @Michael: Ja, sorry, Namen verwechselt.

  9. 09

    Natürlich gibt es auch am Prenzlauer Berg Wohnungen, die noch nicht aufgewertet wurden, und ja, auch in anderen Viertel gibt es Gentrifizierung, aber was ändert das daran, dass Du das Problem verkennst?

    Dein Artikel ist einfach kurzsichtig und „assi“. Dabei spielt es meiner Meinung auch keiner Rolle, ob Du selbst jemanden verdrängst, denn darum geht es nicht. Es geht darum, dass Du ein handfestes Problem zugunsten Deiner „Selbstgerechtigkeit“ ausblendest.

  10. 10
    lana

    natural born spießerette.

  11. 11
    Johannes

    Ich als Schwabe (akzentfrei) im Prenzlauer Berg, mit Kind, tätig im tertären Sektor, kann den Artikel nur unterstützen. Danke, LucyLu! Ich hab auch kein schlechtes Gewissen, weil ich in einer Gegend wohne, wo ich mich wohl fühle. Von mir aus muss nicht jedes Haus glattsaniert werden und es sollten durchaus mehr Sozialwohnungen statt ständig neuer Eigentumswohnungen gebaut werden. Aber hier ständig die Gentrifizierungskeule rauszuholen? Ich halte es für normal, dass Stadtviertel Veränderungen durchmachen, so ist das eben in einer Großstadt.

  12. 12

    „So ist das eben in einer Großstadt.“ – achso, ok. Dann stecke ich meine große Gentrifizierungskeule jetzt wieder weg und halte meine Klappe. Denn so macht man das schließlich, wenn etwas „eben so ist“.

  13. 13
    Johannes

    Danke für’s Keule wegstecken. Aber mal ehrlich: hat der Stadtteil das Flair, was ihn heute für viele so begehrenswert macht, zum großen Teil nicht genau den Zugezogenen zu verdanken, die hier an allem Schuld sein sollen? Klar gibt’s auch die, die nichts zurückgeben und alles nur konsumieren wollen. Aber warum nicht mal die positiven Seiten sehen?

  14. 14

    Ich sehe die positive Seite durchaus, aber man sollte Fragen, wo diese Errungenschaften herkommen. Schließlich waren es der alternative Charme, die kreative Umgebung etc. die die Zugezogenen angelockt haben. Dementsprechend profitiert das heutige Flair nur vom alten Flair, das – wenn man es so nennen möchte – annektiert wurde und für die meisten, die es einst geprägt haben, nicht mehr zugänglich ist. Die Künstler_innen, die mal dort (muss ja nicht immer der Prenzlauer Berg sein) gelebt haben, die Angehörigen verschiedener Subkulturen, waren es, die die verschiedenen Viertel attraktiv gemacht haben. Und eben die sind es jetzt auch, die sich die Mieten nicht mehr leisten können, weil die Mieten in breiten Bereichen ins unermessliche steigen.
    Natürlich hat die Sanierung auch ihre Vorteile, schöne Spielplätze und Parks sind schön, aber nicht auf Kosten einer Exklusion sozial Schwächerer.

  15. 15
    eva

    ihr (ob nun ur- oder neu- oder whatever-)berliner wichtigtuer solltet einfach allesamt mal die klappe halten. oder eure dämlichen stadtinternen anfeindungen bitte wenigstens auch stadtintern ausfechten. nerv.

  16. 16
    Johannes

    @Eva, das hier ist ein Berliner Blog, in dem Artikel wird ein Berliner Thema besprochen, demnach ist es „stadtintern“. Außerdem sind es keine „Anfeindungen“ sondern Meinungsaustausch.

    @Sören, also sind die, die zu allererst da waren (naja, nicht zu aller-aller-erst, aber halt vor denen die nach ihnen kamen) diejenigen, denen das alles ja eigentlich gehört, weil sie dem Bezirk das Leben eingehaucht haben. Und die anderen hätten dann merken sollen: oh, Vorsicht, zartes Pflänzchen, schützenswerte Subkultur, hier lieber nicht hinziehen, könnte sonst kaputt gehen? Weltkulturerbe Prenzlauer Berg, bitte nichts anfassen? Also mir ist eine Stadt lieber, die lebt und sich verändert. Teils zum Guten, teils zum Schlechten, aber hoffentlich mehr zu Guten als zu Schlechten … ;-)

  17. 17

    Nein es geht nicht darum, dass irgendwem die Stadt gehört. Also im weitesten Sinne sollte man auch darüber reden, aber oben meinte ich etwas anderes:

    Diejenigen, „die dem Bezirk Leben eingehaucht haben“, machen ihn attraktiv für andere – das ist doch was schönes, denn erst dann kann sich so richtig etwas entwickeln. Schließlich sage ich ja nicht, dass Stadtentwicklung schlecht ist. Es geht vielleicht nichtmal vorrangig um die, die aufgrund dieser Attraktivität in diese Bezirke ziehen. Mir geht es darum, dass durch diese erhöhte Nachfrage Menschen ihren Wohnsitz verlassen müssen, weil sie ihn nicht mehr bezahlen können. Diese Bezirke werden nach und nach „High-class“ und auch wenn das immer etwas nach Klassenkampf klingt, ich finde, dass auch das sog. Prekariat das Recht haben sollte, dort zu leben, wo es möchte – erst Recht, wenn es schon vorher dort gelebt hat.
    Mir ist es auch relativ egal, ob da nun ganz viele Schwaben hinziehen oder nicht, Ihr wollt ja auch nur schön wohnen, mir ist es aber nicht egal, wenn dafür andere weichen müssen. Und diese Konsequenz wird eben oft ausgeblendet: Die Leute ziehen auf den Prenzlauer Berg, ohne sich bewusst zu machen, welche Folgen das hat/haben kann. Es ist ja auch nicht so, dass beides möglich wäre – Zuzug von Schwaben (und anderen Fremden ;) ) und Platz für alle anderen, die dort gelebt haben und leben wollen. Aber eben nicht nach aktuellem Verständnis, das viele haben. Das klingt dann nämlich so wie der ursprüngliche Artikel: „Is‘ mir doch egal, ob die Assis weg müssen, Hauptsache ich habe meine schöne sanierte Wohnung.“ Und dann sind wir eben da, wo ich sagen würde, dass die Stadt allen gehören sollte und nicht nur den Gutbetuchten. Aber so deutet es sich an in Bezirken wie dem Prenzlauer Berg. Und das hat nicht nur etwas mit schützenswerter Subkultur zu tun. Das sollte nur die „Anfänge“ verdeutlichen.

  18. 18
    Jan

    OpenSpreeblick ist ja prinzipiell ne schöne Idee.. aber sie scheint irgendwie magisch die SchönerWohnen Heimchen anzuziehen. Während dieser Artikel inhaltlich immerhin noch eine Diskussion wert sein mag, wäre an anderer Stelle („Hamburger Sommer!“) ein schwerere redaktionelle Hand (aka: don’t publish Uta Danella writealikes) angebracht.
    Konkret zum Artikel: Sören hat den Nagel schon erwischt.. die vom Eigenheim im pBerg träumende Assis-Raus Lucy hat das Problem Gentrifizierung tatsächlich nicht verstanden. Es scheint aber auch nicht so, also hätte sie Interesse es nochmal zu versuchen.. Weltbilder ankratzen macht so fiese Geräusche.

  19. 19

    „Weltbilder ankratzen macht so fiese Geräusche“ – eine schöne Formulierung!

  20. 20
    borninmitte

    liebe lucy,

    JA JA JA und nochmals ja !

    werde seit jahren gedisst, weil ich in der kastanienalle wohne.

    ich wurde dort geboren

    danke für den beitrag !!!!

  21. 21

    @Dein verdrängter Assi: haha, WORD! Mir geht diese alberne Dorfmentalität auch total auf den Sack (obwohl ich nicht mal in Berlin wohne). Ständig wird nur über DIE BÖSEN NEUBERLINER gemeckert, das könnte in Rosenheim nicht schlimmer sein.

  22. 22
    René

    Aber damit, dass die Straßenzüge besser aussehen, wenn sie ordentlich saniert worden sind und nicht aus stümperhaften Tags auf abbröckelnden Fassaden bestehen, sind wir uns doch einig, oder sieht das jemand anders?

    Und wenn wir soweit sind muss ja auch klar sein, dass diese Sanierung irgendwie finanziert werden muss, was dann durch höhere Mieten passiert.

    Was wäre denn dann die Lösung für Gentrifizierung? Dass ein paar wenige Häuser pro Stadtteil nicht saniert werden, damit dort die Mieten günstig bleiben? Dass der Staat/die Stadt die Sanierungen so subventioniert, dass die Mieten nicht angehoben werden müssen? Weiß nicht ob sowas finanzierbar ist. Klingt außerdem ein bisschen nach Sozialismus-Romantik, wie in der DDR, als die Wohnungen noch 40 Mark Miete gekostet haben.

    Also wenn ihr ne schöne Lösung dafür habt, würde ich mich freuen, sie hier zu lesen.

  23. 23

    wo ist nochmal dieses berlin?

    *gähn*

  24. 24
    Stevie

    Der Artikel bringt es auf dem Punkt, jeder solle nach seiner „Facon“ leben, das sagte schon der „Alte Fritz“!

    Jedoch gab es mal eine Zeit und z.T. gibt es diese Einstellung immer noch (vllt. nicht mehr im „PBerg), dass nach seiner „Facon“ leben auch in Verbindung mit Sozialität und Toleranz möglich ist. Am Ende ist dein Text ein Manifest eines spätkapitalistischen, postmodernen, vereinzelten u. egoistischen Individium!

    Ich träume/träumte von einen Berlin ohne eben diese Intoleranz, ohne diesen Sozialchauvinismus (nach Bedarf führt die Aufzählungen mit euren innigsten Wünschen weiter)…

  25. 25
    Embece

    Berlin möchte sooo gerne eine mondäne Metropole sein, ist aber doch nur ein Millionen-Einwohner-Provinznest voller geistiger Rednecks, die ernsthaft in kleinen Stadtviertelgrenzen denken und sich gegenseitig ankeifen.
    Großartig! Für den externen Betrachter beste Unterhaltung.
    Berlin war tatsächlich mal eine Metropole auf Augenhöhe mit Paris und London: in den 20er Jahren. Leider hat damals die Stadt ihre Besten, Fortschrittlichsten, Kreativsten (zumeist Juden) gewaltsam zur Emigration gezwungen. Davon hat sich Berlin nie erholt, kleingeistige Provinzaffen und Neidhammel sind die klägliche Realität.
    Da lobe ich mir meine wahrlich weltoffene, hochgradig internationale und dazu noch überaus produktive und wohlhabende Stadt, die sich nicht größer gibt, als sie ist: Frankfurt am Main.

    PS: Für einen touristischen Dreitage-Aufenthalt ist Berlin dennoch zu gebrauchen. :-)

  26. 26

    gut gebrüllt, embece.

  27. 27
    eva

    @Johannes: auch wenn es keine anfeindungen, sondern meinungsverschiedenheiten sein sollten, wirken selbige auf genervte kölner (die dieses urberlinerische blog wohl gar nicht lesen dürften) nicht minder dämlich oder wichtigtuerisch, eher noch weitaus ermüdender.

  28. 28
    Michael

    @Embece: Diese Auseinandersetzungen, Rivalitäten, Meinungsverschiedenheiten, Frotzeleien (nenn es wie Du magst) zwischen Stadtteilen, Städten und Vororten oder dem umgebenden Land findest Du überall. Auch in Frankfurt, London oder Paris. Der jeweilige Stadtteil ist in manchen Fragen nichts weiter als ein Ausdruck für „wir“ und „die“, eine soziale Gruppe mit ähnlichen Einstellungen zu manchen Lebensfragen oder einfach nur für den gleichen Wohnort. Wenn Du einmal mit offenem Auge durch Berlin läufst, dann wirst Du definitiv einen Unterschied in der Erscheinung der Menschen in Mitte, Wedding, Charlottenburg oder Friedrichshain ausmachen können. Daran hängen oft auch unterschiedliche Lebensentwürfe, Hintergründe und Sichtweisen, um die es bei den Auseinandersetzungen eigentlich geht. Auch Metropolen haben lokale Wehwehchen. Kein denkender Mensch wird sich jedoch davon abhalten lassen, mit jemandem aus einem anderen Stadtteil zu sprechen oder ein Bier zu trinken, in Deinem Fall mit jemandem aus Mainz, Wiesbaden oder Offenbach (auch da gibt es Rivalitäten).
    Wenn man seine Berlin-Erfahrungen allerdings aus touristischen Kurzaufenthalten bezieht, dann sollte man mit Kritik am „Provinznest“ Berlin vielleicht sparsamer umgehen.

    @Eva: Auch in Köln gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen oder Rivalitäten mit umliegenden Städten (Leverkusen, Bergheim, Düsseldorf, etc.). Und dank der kommunikativen Art der Rheinländer im Allgemeinen und der Kölner im Speziellen, lassen die alle anderen auch gerne daran teilhaben. :-) Empfehlung daher: Wenn Dich der Artikel nicht interessiert und Du Dich darin nicht wiederfinden kannst, dann lies ihn entweder nicht oder vergiss ihn gleich wieder. Beim Namen „Spreeblick“ sollte eigentlich klar sein, dass es hier öfter mal um typisch Berliner Themen geht. Würde ich umgekehrt bei Rheinblick oder Kölsch-Blog so erwarten.

  29. 29
    eva

    @Michael: ja, klar gibt es die, das ist ja aber alles irgendwie lieb gemeint, und nach einem mehr oder weniger (meistens weniger) lustigen spruch über düsseldorf ist das thema dann auch wieder vorbei.
    die berliner, die in köln/bonn wohnen (zugezogen –> studium) quatschen aber ständig von berlin und von den schwaben, die dort alles übernähmen (derentwegen sie auch keinen studienplatz in ihrer geburts(!)stadt bekommen hätten und nun hier in der provinz versauern müssten) und von ihrem sterni, das ja viel besser und auch billiger sei als kölsch (das wasserbier). und das tun sie wirklich ohne punkt und komma.
    gleichzeitig habe ich einen beziehungsbedingten zweitwohnsitz in berlin (prenzlauer berg (keine weiteren kommentare hierzu)) und weiß daher, dass die berliner IN berlin auch alle immer über berlin quatschen.
    ob man mag oder nicht, man bekommt das gesülze um die ohren gehauen, und zwar in endlosschleife (vielleicht geht es natürlich aber auch nur mir so). dabei gibt es so schöne überregionale themen, die zerquatscht werden könnten.
    dass es hier mal um berliner angelegenheiten geht, das ist ja fein und auch keineswegs uninteressant. aber dieses stadtteil- und zugezogenenbashing garniert von gejammere. das machen kölner irgendwie nicht. ;)
    aber du hast schon recht. ich hätte den artikel gar nicht lesen brauchen.

  30. 30
    zwiesel

    erstmal zur assi-debatte:
    wer schonmal nachts mit der tram m4 richtung jwd (janz weit draussen) gefahren ist, der weiss, dass evolution keine einbahnstrasse ist. das hat nichts mit arroganz zu tun, das ist einfach so.

    jetzt zum artikel an und für sich:
    es steht viel richtiges drin, aber in einem entscheidenden punkt sehe ich da einen denkfehler: es bringt nicht viel prenzl’berg vor der wende mit heute zu vergleichen, um den unmut zu verstehen, den man mit diesem bezirk verbindet. zu ddr-zeiten war prenzl’berg ein pissloch mit charme, aber eben ein pissloch. kurz danach aber gab es dort (und in mitte) inseln, in denen plötzlich alles möglich war. praktisch jeder, der eine verrückte idee hatte, konnte sie dort irgendwie verwirklichen. leerstehende häuser wurden „instandbesetzt“, halbverfallene keller zu clubs und galerien erklärt.

    das traurige ende dieser geschichte war, dass halb stuttgart und neckarsulm gezielt in diese gegend gezogen ist, weil es dort so spannend war, und letzendlich neu-stuttgart und neu-neckarsulm daraus gemacht haben. ich gebe zu, zu zwecken der polemik müssen jetzt einfach mal die schwaben allein herhalten. ganz so ist es natürlich nicht, aber ich finde die können’s verkraften.

    ein besonders exemplarisches beispiel für diese entwicklung ist die schliessung des knaack-clubs. den gab es sage und schreibe 58 jahre. dann wurde hinter dem gelände ein neues haus gebaut, und die neuen bewohner haben gegen den krach geklagt. erfolgreich.

  31. 31
    Jochen

    Nu‘ ja … über Berlin wird von außen gerne geschimpft, über Bezirke intern. Es ist ja grundsätzlich sehr schön, wenn sich in Bezirken oder auch in Teilen der Bezirke Menschen zusammenfinden, die gut miteinander können und sich wohl unter ihresgleichen fühlen.

    Was in Bezirken wie gerade dem Prenzl’berg (wollen wir mal das Reizwort Gentrifizierung beseite lassen) allerdings durchaus auffällt, ist die extreme Entwicklung hin zu absoluter Homogenität.

    Daher fühlen sich diejenigen, die in dieser Homogenität vollkommen aufgehen, dort so wohl. Anderen ist das unangenehm und die ziehen dann weg.

    Was tatsächlich in den letzten Jahren zu beobachten ist, dass der Prenzl’berg zwischen Bornholmer Straße und Kastanienallee, Wedding Grenze und Schönhauser Allee entsetzlich voll geworden ist – dass sich das Gleimviertel, aber auch das nordische Viertel extrem gewandelt hat, bspw. die Kopenhagener Straße (für mein Empfinden) viel ihres alten Charmes verloren hat, die Mieten ober- und unterhalb der S-Bahngleise ganz schön angezogen sind (was einige der alten Institutionen fortgespült hat) und man sich Sorgen machen kann, wann die Sanierungswelle bis zur Schwedter Straße durchgedrungen ist.

    Der Prenzl’berg ist in jedem Fall enger geworden und die Mehrzahl der Einwohner, die ihn mittlerweile bevölkern ist – wie oben bereits gesagt – ziemlich homogen strukturiert. Dabei lässt sich womöglich feststellen, dass die Entwicklung sich Richtung LSD-Viertel und Kollwitz-Viertel schon früher etwas gefestigt hat und die Entwicklung auf der anderen Seite der Schönhauser in den letzten sagen wir fünf, sechs Jahren etwas rasanter war. Aber das kann auch sehr subjektiv geprägt sein.

    In jedem Fall sieht man natürlich auch, dass bereits dieser eine Teilbezirk Pankows viel differenzierter betrachtet werden kann, als einfach nur Prenzlauer Berg und die anderen.

    Und da sieht man auch, warum man sich so viel über die Lebensart der Bezirke in Berlin unterhalten kann. Da gibt es sehr viele Unterschiede. Macht ja auch Spaß. Auch zu streiten.

    Aber es wirkt immer wieder sehr seltsam, wenn einer erzählt, wann denn Berlin mal eine Metropole gewesen sei, und dass Berlin so gerne Metropole sei und überhaupt.

    Es gibt nur wenige – und sicherlich niemand, der sich im Internet bewegt – der das Berlin der 1920er kennt, geschweige denn weiß, wie dort Straßenzüge und Bezirke bevorzugt, verschrien und als besonders schick angesagt waren. Differenziert wurde damals sicher schon auch.

    Und provinziell – ich mag es provinziell. Denn gerade weil Berlin so vielgestaltig ist, erhält sich dieses Provinzielle sehr gut.

    Ich erlebe nur Leute von außen, die vorschreiben wollen, dass Berlin eine Skyline brauche, das Hochhäuser den Fernsehturm umrahmen sollen, dass Berlin sich schämen soll, wenn es keine Metropole sei, dass Berlin nichts sei im Vergleich zu Paris, London und Konsorten, kein Stadtzentrum, nicht diese Noblesse, kein dies, kein das, kein jenes – Kunststück, is‘ ja nu‘ ma‘ Berlin.

    Aber wenn da auch genug drüber geschimpft werden kann, wieso soll man sich da nun nicht auch darüber streiten dürfen, ob der Prenzl’berg doof sei oder nicht? Schließlich war die 6a ja auch schon immer doof und Liebling der Lehrer.

    Der Prenzl’berg ist wunderschön. Nur viele der Leute, die da wohnen – die kann ich nicht leiden :-)

  32. 32
    Kommentator

    Gedankliche Zeitreise, nur mal so:
    In 20, 30 Jahren kann sich ihren/seinen Stadtteil nicht mehr leisten, die dann noch bezahlbaren Wohnungsangebote liegen in „Asi*“-Stadtteilen – können wir den „Rant“ dann bitte nochmal aktuell haben?

    *Nach meiner Kenntnis kommt dieses „Prädikat“ nicht von „Assistent“, sondern von „Asozialer“ – Sprachblog, irgendwer?

  33. 33
    Kommentator

    (In der zweiten Zeile sollte nach „sich“ und vor „ihren/seinen“ soll stehen: „aktuelle/r-Bewohner/in-des-tollen-Viertels-egal-wo“ – vielleicht mag das jemand einfügen? Ich meinte das nicht abwertend, habe aber eventuell die Tags mißhandelt. Danke.)

  34. 34
    hauptstaedter

    Frankfurt am Main…Ojemine. Wer in Berlin nur „touristische Dreitage-Aufenthalte“ verbringt, kann weder die (einzige) deutsche Metropole noch ihre Bewohner wirklich gut kennen. Platte Polemik. Neidhammel!?

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    Tim

    @Michael:
    Z.B. Köln-Deutz hat 15.000 Einwohner. Ich denke, selbst wenn die den ganzen Tag auf die Yuppies in der Südstadt schimpfen – es merkt keiner. Und wenn es doch die Südstädter merken würden, wären das auch nur 27.000, die es ärgern würde. Im Prenzlauer Berg sind es dagegen fast 150.000 Einwohner, die über ihr städtisches Disneyland beklatschen und gegen die Asis in den Stadtteilen östlich von ihnen jammern.

    Berlin ist nun mal soviel größer als alles andere in Deutschland. Das entschuldigt nichts, aber sollte doch ein wenig Mitleid mit den Bewohnern erzeugen, die in dem Drecks-Molloch ihren kleinen virtuellen Dorfanger brauchen, um nicht vor die Hunde zu gehen.

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    zwiesel

    mitleid? mit uns berlinern? naja, wenn’s dir dann besser geht… ich lebe hier mein ganzes leben und hatte noch nie vor, hier wegzuziehen. ausser hier und in hamburg ist doch in deutschland nicht viel los.

    um die verbundenheit der berliner mit ihren jeweiligen bezirken zu verstehen, hilft es vielleicht zu wissen, dass anders, als in den meisten anderen deutschen städten, es keine trennung zwischen wohn- und gewerbegebieten gibt. soll heissen: sofern man nicht in irgend’ner komischen gegend wohnt ist üblicherweise alles, was man zum täglichen leben brauch, gleich um die ecke erreichbar. daher kommt es auch, dass viele berliner kaum aus ihren kiezen rauskommen – nicht wenige kennen bezirke, die weiter weg von ihrem eigenen wohnort liegen nur theoretisch, sind dort aber nie oder fast nie gewesen.

  38. 38

    kommt bei der diskussion eigentlich noch irgendwas außer schwanzvergleich raus?

    http://3.bp.blogspot.com/-m-jk8x8ux6c/Ti5xAssIhgI/AAAAAAAAGx4/B00R9tH-ro0/s1600/the%2Binternet.jpg

  39. 39
    Tim

    @zwiesel:
    Dafür, dass sie kaum aus ihren Kiezen rauskommen, ist auf der Stadtautobahn ne Menge los. Und der wie sonst in keiner anderen deutschen Stadt dichte ÖPNV fährt auch nur, um den Anschein einer Metropole zu erwecken?

    Ehrlich, dein Posting spricht sehr für den eingebildeten Dorfanger.

    Ich habe in der Drecksstadt 15 Jahre gewohnt. Das Problem ist, dass Berlin einen komplett vereinnahmt, physisch wie psychisch. Es ist eine kleine eigene Welt. Wenn man die Berliner so hört, dann dreht sich alles nur um ihre Stadt. Ausserhalb ist uninteressant, bis hin dass die Relationen verschwimmen, München, Mannheim, Tübingen – egal, alles irgendwo da im Süden wo sie bayrisch sorechen, oder…. Um es mal hart und überzeichnet auszudrücken. Eine Sektengemeinschaft.

    Auf den Ursprungsbeitrag zurückzukommen. Wer sich Gedanken macht um die Käufer in den „Spätis“ in der Greifwalder Str. zeigt eigentlich nur sein Glaubensbekenntnis: „be berlin“. Rational zu diskutieren gibt es da nichts mehr.

  40. 40
    zwiesel

    @Tim: „dorfanger“ kann ich nicht nachvollziehen. kann nicht feststellen, dass das leiden unter dem eigenen kiez irgendwie charakteristisch für berlin sein soll. seit mind. 10 jahren ziehen auf jeden fall mehr leute hierher als von hier wegziehen. in den 90ern, nach der wende war’s mal umgekehrt.

    und was die stadtautobahn usw. betrifft: das nennt man hier berufsverkehr. darunter übrigens auch nicht wenige aus dem umland, auch solche, die extra da hingezogen sind, um sich jeden morgen wieder an der selben stelle im stau zu treffen.

    aber ohne jeden sarkasmus: bin oftmals überrascht, wie berlin von zugezogenen gesehen wird, wie einige sogar regelrecht daran verzweifeln. ich bin hier geboren. ich sehe die dinge meistens nichteinmal, die so viel beklagt werden.

  41. 41
    jadzia

    Don Quijote…

    Gentrifizierung ist sicher eine Sache, die man vielleicht etwas abdämpfen kann; aber eindämmen oder umgehen lässt sie sich nicht. Der Wandel der Stadt ist ein Teil des Kreislaufs; durchaus treibt er unschöne Blüten – die aber in Berlin noch gar nicht blühen, während Zürich, Paris und London an diesem schwefelsüßen Duft zu ersticken scheinen. Natürlich wäre es schön, wenn hier politisch auch etwas zur Vorbeugng getan wird – aber da passiert mEn schon einiges mehr als in o. g. Städten.

    Mich würde interessieren, ob die Schaffung von Arbeitsplätzen von den extzremen Kämpfern gegen die Verdrängung auch als teil der Gentrification gesehen wird. Ich meine: gäbe es hier keine Arbeit, keine Firmen, keine Geschäftspartner und keinen Tourismus, was wäre Berlin dann? Dann könnten die UrPBergerFhainerXberger was auch immer …. und auch die zugezogenene Gentries die den Absprung nicht schaffen, gemeinsam im Müll der herunter kommenden Altbauten spielen mit ihren Kindern und die Attraktivität von Marzahn wäre wie früher zurück.

    Die Diskussion geht mir (zugezogen, Ossi, wohnhaft im Wedding jahaa) gehörig auf den Nerv; denn alles meckert – wer macht aktiv was? Wie viele von euch meckern auf ihrem hohen Niveau und kämpfen nur für ihre eigenen Interessen (der PBerger bricht die Lanze für den PBerger, der Schwabe für den Schwaben, der Assi für den Assi).

    Hört endlich auf mit dem Gejammer! Wenn euch was nicht gefällt, dann macht was: gründet Vereine die Miethilfen für sozial Schwache organisieren! Gründet Timurtrupps die alten Leuten helfen im Viertel! Stellt auch nachts auf dei ruhigsten Straßen um die Ex-Schwaben an ihr selbstgewähltes Leben in der Großestadt erinnern! Organisiert Pubcrawls durch Hellersdorf! Oder fahrt mit eurmm Besuch doch mal in die alten West-Bezirke um auch deren Schönheit zu zeigen.

    Mir ist egal, was ihr verdient oder ob ihr Hartz 4 bezieht, aber diese geistige Armut ist unglaublich. Ich bleib von der Gentrifizierung auch im wedding auf Dauer sicher nicht verschont, aber ich sehe das gelassen. Denn sollte es mir zu viel werden, dann ziehe ich einfach weg! Es wird immer so getan, als sei so eine Verdrängung gleichbedeutend mit einem Risenunglück; wieso eigentlich?! Für die alten Leutchen, die ihr ganzes Leben hier verbracht haben – da kann ich das verstehen. Aber was ist denn eigentlich das Problem, wenn man mal umzieht?

    Wenn die Junkies bei mir im Hausflur liegen mit der Nadel im Arm – soll ich dann da wohnen bleiben oder gleich noch nen Fünfer dnaben legen, als Dankeschön für die Antigentrifizierung?! Wenn ich einen tollen Job in einer anderen Stadt angeboten bekomme, soll ich dann lieber hier bleiben und klagen, dass es hier sowas nicht gibt? Seid ihr Jammerer alle schon so alt, dass ihr 50 Jahre hier gewohnt habt und einfach nitcht mehr klar kommt woanders? Seid ihr so engstrinig, dass es euch nie wieder irgendwo gefallen kann?

    Die Welt ändert sich. Meine Eltern konnten sich nicht vorstellen, dass man heute als junger Mensch all paar Jahre den Arbeitgeber wechselt – aber hey, für die meisten von uns ist das so Realität – wenn wir überhaupt Arbeit haben! Und das hat auch alles seine Vorteile.

    Ich wünschte ich würde weniger Gejammer hören und mehr Aktivitäten sehen. Damit würde sich mein Bild von der Stadt ändern; Berlin wäre weniger Deutschland und mehr Welt. Aber das ist wohl etwas zu viel verlangt.

    Naja, vielleicht kommt ja irgendwann mal ne Naturkatastrophe oder ein Krieg, dann haben wir wirklich etwas worüber man klagen kann. Endlich!

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