Mir fiel bis vor einem halben Jahr nichts ein, was mich an ostdeutscher Kultur hätte begeistern können. Das ist keine Wertung, sondern die simple, subjektive Feststellung eines Westberliners. Ich hasse ostdeutsche Rockmusik (Rammstein natürlich eingeschlossen) und ihre Lyrik noch viel mehr, ich finde nicht einmal das Design der alten ostdeutschen Produkte cool und ich kann auch nicht über Worte wie „Broiler“ lachen. Having said that finde ich es dennoch sehr verständlich, wenn Menschen versuchen, diese ihre Kultur zu verteidigen, zu retten oder wenigstens zu konservieren, denn nichts ist ekliger, als das absichtliche Verdrängen einer Kultur durch z.B. profane Umbenennungen. Karl May statt Karl Marx: Fies. Ich muss ostdeutsche Kultur nicht verstehen oder mögen und ich tue es auch nicht. Und nun verneige ich mich vor Gerhard Schöne.
Ostler werden mich auslachen, denn der Mann ist seit langem Kult. Platten gab es damals im Osten wohl nur sehr wenige, seine Diskografie heutzutage dürfte also als eine der besseren Auswirkungen der Wiedervereinigung zu bezeichnen sein.
Warum ich Gerhard Schöne mag: Weil er gute Kinderlieder schreibt und spielt und singt. Wer als Elternteil jemals ein und denselben Song 42353467mal hintereinander hören musste, sich auf dem Weg zur Arbeit dabei ertappte, selbigen zu summen und sich dafür zu hassen, der weiß, wie wichtig die gute Auswahl von Kindermusik ist. Kaufen Sie bitte Gerhard Schöne, sie werden es nicht bereuen.
Im Gegensatz zu den unerträglichen Schlagerproduktionen von Zukowski und Konsorten (ganz zu schweigen von den unzähligen billigen Varianten bekannter Kinderklassiker in Synthesizer-Version) schafft es nämlich Herr Schöne, das scheinbar Einfachste und dabei Wichtigste im Umgang mit Kindern zu tun: Er nimmt sie ernst.
Es resultieren daraus Texte, die spannend, witzig, traurig und vor allem „gut“ sind. Kinder lieben diese Texte, denn sie erzählen Geschichten und fordern ihren Intellekt. Erwachsene können mitschmunzeln, -singen, -denken, ohne sich dabei auf das Niveau eines debilen Goldhamsters begeben zu müssen. Wer es wie Schöne schafft, in Kinderliedern (auch!) über den Tod, über Verluste, über Trauer zu singen, ohne dabei auch nur für eine Sekunde moralisch zu klingen, der verdient meinen Respekt.
Achja: Ebensolchen Respekt an die Band, mit der Herr Schöne live spielt. Natürlich sitzt der Schlagzeuger seitlich auf der Bühne, damit die Kinder sehen können, was er da macht. Ich hatte auch in diesem Bereich nichts anderes als Qualität erwartet. :)
Ich weiß, das wussten wieder alle außer mir schon lange…

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“..und die Jule wäscht sich nie!” singe ich noch heute vor mir her, wenn ich eine Judith oder Jule spontan ärgern möchte ;-)
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