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Corona in the house: Quarantäne mit der Familie

(Das Bild ist nicht aktuell, nur eine Momentaufnahme)

Letztes Update: 19.10.2020, 16:00 Uhr (Updates am Ende des Artikels)

tl;dr

Unser Sohn wurde am 8.10.2020 positiv auf Covid-19 getestet, das Ergebnis lag am 10.10.2020 vor. Seit dem 8.10.2020 sind wir als vierköpfige Familie in Quarantäne. Seither erreichen wir niemanden unter den üblichen Nummern und beim Gesundheitsamt, keine Behörde hat mit uns Kontakt aufgenommen. Und wir haben deshalb ein paar Fragen. (Update zur Klarheit: Ab dem 17.10. hatten wir dann Kontakt, ab da lief dann alles auch sehr flott. Details im Tagebuch unten.)


Unsere aktuellen FAQ (Tagebuch folgt unten)

Ab welchem Zeitpunkt gilt der Quarantänezeitraum von zwei Wochen?     

Laut Corona Warn-App hatte unser Sohn am Montag vor einer Woche eine Risiko-Begegnung, bei der er sich vermutlich infiziert hat. Zwei Tage später, am Mittwoch, schlug die App Alarm, drei weitere Tage später, am Samstag, erhielt er sein positives Testergebnis. Da wäre er also eigentlich schon seit fünf Tagen infiziert gewesen. Ab wann also zählen die 14 Tage Isolation? (Natürlich hatten wir alle uns seit Donnerstag in Isolation begeben.)

(UPDATE nach netten Hinweisen am 16.10., 15:40 Uhr): Die Quarantäne einer infizierten Person zählt bei einem positiven Ergebnis wohl ab Test – nach 10 Tagen soll dann ein weiterer Test gemacht werden. Alle anderen direkten Kontaktpersonen sollen 14 Tage in Quarantäne.)

(Noch ein Update: Aktuell – Oktober 2020) wird nur medizinisches Personal ein weiteres Mal getestet. Ist ein positiv getesteter Mensch nach Ablauf der Quarantäne symptomfrei, gilt die Erkrankung als überstanden.)

Wird der Rest der Familie auch getestet?     

Während der Quarantänezeit, in der wir alle die Wohnung nicht verlassen können, ist es vermutlich wenig sinnvoll, uns testen zu lassen, das Ansteckungsrisiko ist schlicht zu hoch und ein Testergebnis folglich immer nur eine Momentaufnahme. Nach Ablauf der Quarantäne wüssten wir allerdings schon gern, ob wir das Virus hatten oder haben, denn:

Kann es eine Folgequarantäne geben?

Kann ein Test Aufschluss darüber geben, in welchem Stadium der Infektion man sich befindet? Gesetzt dem Fall ein Familienmitglied befindet sich z. B. am Tag drei der Infektion, müssten dann wiederum alle Familienmitglieder in Quarantäne?

(Update: Den zeitlichen Stand der Infektion kann man wohl nicht überprüfen, speziell ohne Symptome ist das schwierig. In komplexen Fällen kann es unter Familienmitgliedern daher durchaus zu mehrfachen oder wiederholten Quarantänezeiten kommen.)

Die App hat unseren Sohn informiert, dass die Quarantäne erst aufgehoben ist, wenn zwei Nachtests negativ waren. Wann und wie werden diese Tests gemacht, wenn wir das Haus nicht verlassen dürfen?

(Update: Das mit den zwei Nachtests konnte uns niemand bestätigen. Stattdessen gibt es für ehemals positiv Getestete, die symptomfrei sind, nach der Quarantäne gar keinen neuen Test, siehe oben.)

Fließen Familienmitglieder oder Mitwohnende in die Statistik ein, wenn sie erst im Anschluss an die Quarantänephase getestet werden und die Infektion in dieser Zeit bereits überstanden haben?

(Update: Hier kann ich nur mutmaßen, dass das nicht der Fall sein wird. Da die Tests der bis dahin nicht Getesteten erst am Ende der Quarantäne stattfinden und man zu diesem Zeitpunkt bei einem negativen Ergebnis nicht rückwirkend nachweisen kann, ob die Personen evtl. vorher positiv waren, kann auch nichts in die Statistiken gehen. Sollten Tests natürlich positiv sein, sieht das anders aus.)


Tagebuch 

Wir sind vier Familienmitglieder unter einem Dach: Zwei Söhne, K. (18) und L. (21) plus zwei noch Erwachsenere, nämlich Tanja und ich, beide Mitte 50. Und ein Hund (6).

Überflüssig zu sagen, dass wir uns in Sachen Corona seit Beginn der Pandemie an alle Empfehlungen und Hinweise halten. Ich sag’s trotzdem.

Mittwoch, 7.10.2020 – Tag 1

Am frühen Abend erhält K. zwei Warnungen zu Risiko-Begegnungen vor einigen Tagen in der Corona-App. L. hat eine Warnung zu zwei Begegnungen mit niedrigem Risiko in der App, die Eltern haben keine Warnung. 

Familiensitzung. Wir beschließen, den „Risikosohn“ am nächsten Tag testen zu lassen, uns gegenseitig so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen (glücklicherweise lässt die Wohnung dies zu) und uns als Familie vorerst selbst zu isolieren, also in echte Quarantäne zu gehen. Wir sind alle nur mittelmäßig begeistert. Also gar nicht.

Donnerstag, 8.10.2020 – Tag 2

Anrufe beim Gesundheitsamt und der 116117 bleiben erfolglos, kein Durchkommen zu einer Person. Zwei Arztpraxen in direkter Nähe führen laut telefonischer Anfrage keine Tests durch. K. beschließt, mit dem Auto zu einem Arzt zu fahren, bei dem er bereits vor einigen Monaten sicherheitshalber wegen Husten einen Test hat machen lassen (dieser war damals negativ).

Vor Ort wissen die Sprechstundenhilfen nichts mit den Warnungen der App anzufangen und wollen K. abweisen, da er keine Symptome hat. Der hinzugezogene Arzt führt den Test jedoch durch. K. bekommt auch den QR-Code für die App und registriert den Test. Das Ergebnis soll in 24-36 Stunden in der App vorliegen.

Im Laufe des Tages setzten stärkerer Husten und Schnupfen bei Tanja ein, aber kaum erhöhte Temperatur. Kann eine ganz normale Erkältung sein. Oder Corona.

Freitag, 9.10.2020 – Tag 3

Die allgemeine Nervosität steigt etwas. Wir gehen uns aus dem Weg, jeder kann in einem eigenen Zimmer sein, aber alle warten eigentlich nur auf das Testergebnis, das aber den ganzen Tag über nicht kommt. 

Tanjas Zustand bleibt erkältet, abends wilde Diskussion mit allen, was jetzt die korrekte Vorgehensweise wäre, wir sitzen mit größtmöglichem Abstand um den Esstisch herum, aber im Grunde müssten wir uns alle komplett voneinander isolieren. Das klappt nur im Prinzip, denn Bad und Küche müssen trotzdem genutzt werden, und wir können ja nicht dauernd die ganze Wohnung desinfizieren. Wir haben ja diese großen Sprühanlagen gar nicht. 

Wir beschließen weitere Vorsicht, tragen Masken, waschen andauernd unsere Hände, desinfizieren alles, was geht, und hoffen auf ein negatives Ergebnis. Der Abend besteht aus Kommunikation in der Familien-Chatgruppe, begleitet von immer weiterer Online-Recherche.

Samstag, 10.10.2020 – Tag 4

Alles fühlt sich irreal an, wir chatten und planen. Mittendrin am Nachmittag im Chat die Nachricht von K.: 

„Ich bin positiv“.

So panikfrei und gelassen diese Familie im Grunde auch immer ist, so viele Krisensituationen wir auch schon gemeinsam gemeistert haben: Das fühlt sich plötzlich richtig scheiße an. 

Tanja geht es noch nicht besser, aber es bleibt bei dem Eindruck einer normalen Erkältung. Allen anderen geht es gut, abgesehen von meinem Husten ohne Atemnot, den ich als Raucher kenne, keine Symptome. Kein Fieber, keine Atemprobleme, kein Verlust der Geschmackssinne.

Weitere Anrufe bei den üblichen Telefonnummern bleiben wieder erfolglos. Müssen wir uns jetzt alle testen lassen? Dürfen wir zu einer Ärztin? 

Wir bestellen schon mal Lebensmittel für die kommende Woche, informieren alle möglichen Kontakte, telefonieren mit Familie, Freundeskreis und Mitarbeitenden. Wir recherchieren, beraten uns.

Klar ist: Wir werden die kommenden zwei Wochen gemeinsam in Quarantäne bleiben und auch die internen Kontakte vermeiden müssen. Größtmöglicher Abstand bei Gesprächen, Maske, dauernd alles mögliche desinfizieren. Die Personen, denen es gut geht und die noch kein positives Ergebnis haben, kümmern sich ums Essen und gehen mit dem Hund eingeschränkte Runden – das ist hier gut machbar, ohne groß jemandem nah zu begegnen. Auch das ist ein Glücksfall, ich habe keine Ahnung, was z. B. eine positiv getestete Person mit Hund und ohne näheren Freundeskreis in einem solchen Fall machen soll. 

Nach Telefonat mit einem befreundeten Kinderarzt: Wir dürfen eigentlich überhaupt nicht vor die Tür, auch nicht einfach zu einer Arztpraxis gehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir alle infiziert sind, ist sehr hoch. Allerdings kann man bei leichten Symptomen sowieso nichts tun, als die Sache auszusitzen. Falls Tanja also auch nur eine etwas schwerere Erkältung hätte, könnte sie trotzdem nicht zu einer Ärztin gehen, um z. B. eine Lungenentzündung auszuschließen. Hm. 

Eigentlich wäre es auch albern, wenn wir uns alle testen lassen. Denn erstens müssen wir ja sowieso in Quarantäne bleiben, und zweitens müssten wir ein negatives Ergebnis alle paar Tage neu testen lassen, weil wir ja in einem Risikohaushalt leben. Tests sind aber natürlich für die Statistik und die App sinnvoll. Ich finde sie außerdem sinnvoll für die eigene Sicherheit. Wenn z. B. der zweite Sohn Glück hatte und bisher nicht infiziert ist, sollten wir ihn woanders unterbringen. Was aber auch wieder falsch wäre. Oder?

Weitere Telefonate mit allen engeren Bekannten. Glücklicherweise gab es seit dem vermuteten Infektionszeitpunkt des Sohnes so gut wie keine Treffen mit Dritten, die sehr wenigen Begegnungen hatten genug Abstand und/oder Masken bei allen Beteiligten. Dennoch informieren wir lieber zu viele als zu wenige Leute. Viele davon sind besorgter als wir, habe ich den Eindruck, und das macht es irgendwie nicht leichter.

Die Nacht ist doof, weil ich alle trotz der eigentlichen räumlichen Nähe vermisse und die gesamte Situation scheiße ist. Ich hoffe und gehe davon aus, dass alles relativ harmlos verläuft. Aber natürlich setzen jetzt auch Unsicherheiten ein. Huste ich mehr als sonst? Bin ich müde/matt, weil ich sowieso immer müde/matt bin und die Monate generell anstrengend waren und sind? Oder sind das jetzt alles schon Anzeichen? Gibt es überhaupt eine Chance, dass sich jemand von uns nicht angesteckt hat?

Sonntag, 11.10.2020 – Tag 5

K. geht es immer noch super, keinerlei Symptome. Tanja geht es noch nicht viel besser, sie schläft viel und stellt nun auch Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns fest. Ich möchte, dass wir uns morgen alle testen lassen. Aber wie?

Die App zeigt beim nicht getesteten Sohn L. nur noch eine Begegnung mit leichtem Risiko an, bei Tanja und mir immer noch kein Risiko. 

Ich versuche, positive Seiten zu sehen: Wenn wir das hier hinter uns haben, besteht die Chance, dass wir – wenn auch vielleicht nur für eine gewisse Zeit – Antikörper entwickelt haben. Ich habe keine Angst. Aber es fühlt sich trotzdem alles nicht so super an. 

Plötzlich ist das alles nicht mehr nur eine statistische Meldung in den Nachrichten. Plötzlich ist das mitten in deiner Familie. Fuck.

Montag, 12.10.2020 – Tag 6

Gestern Abend hat L. das Gesundheitsamt erreicht. K. bekommt wohl spätestens heute ein Formular zur Meldung aller Kontakte, die Familie könne sich dann von einem mobilen Einsatzkommando testen lassen. Mal abwarten. Um 12 war noch nichts da. Das Gesundheitsamt teilte in dem Telefonat auch mit: Wir dürfen erst wieder vor die Tür, wenn das positiv getestete Familienmitglied zweimal negativ getestet wurde. Aha. Er darf ja aber nicht raus. Wie und wann wird er denn wieder getestet?

Nach dem anfänglichen Schock „WIR HABEN CORONA!!“ haben wir uns nach kurzer Zeit an die unumstößliche Tatsache gewöhnt. Wir haben Corona. Hatten andere auch schon, werden noch viele bekommen. Ist zwar Kacke, aber hoffentlich, mit etwas Glück und rein statistisch gesehen, wahrscheinlich auch kein Weltuntergang. 

Aber ab wann zählen denn die zwei Wochen eigentlich? Ab dem Tag der vermuteten Infektion vor über einer Woche? Ab dem Tag des Tests, also vor vier Tagen? Oder ab dem Tag des Ergebnisses, also vor zwei Tagen?

Irre, wie viele Unsicherheiten sich plötzlich auftun. Hinzu kommen die nötigen anderen Maßnahmen: Ein Sohn muss der Uni fernbleiben, der andere kann erstmal seine Ausbildungsstätte nicht besuchen. Wie ist das jetzt mit den Krankenkassen? Bei den Söhnen und bei den beiden selbstständigen Erwachsenen? Mal anrufen.

Wir haben in Sachen Arbeit Glück, wir können gut von zuhause arbeiten. (Tanja natürlich erstmal nicht, erst muss es ihr besser gehen.)  

Es ist jetzt 19 Uhr, die Lebensmittel wurden geliefert, wir haben gegessen. Ich habe drei Stunden Zoom-Meetings hinter mir. Nur das Gesundheitsamt hat sich noch nicht bei uns gemeldet, und wir erreichen auch niemanden. 

Dafür sind nun alle anderen Apps auch auf Rot gesprungen. Da wir seit Tagen das Haus nicht verlassen haben, sind die 13 Begegnungen alle auf K. zurückzuführen. 

Den Söhnen geht es beiden prima. Tanja hustet und ist matt. Ich bin okay, etwas müde, aber kein Fieber, und mein Husten ist nicht schlimmer geworden, ansonsten keinerlei Beschwerden. 

Ich sage einige Online-Meetings ab, weil ich mich auf die Situation hier konzentrieren will.

Dienstag, 13.10.2020 – Tag 7

Immer noch kein Kontakt zum Gesundheitsamt. Mehrere Anrufe unsererseits den ganzen Tag über. Es klingelt, dann kommt das Besetztzeichen. Aber der Hausarzt des infizierten Sohns hat sich gemeldet und gefragt, ob sich das Gesundheitsamt schon gemeldet hat. Nein, hat es nicht. 

Tanja geht es etwas besser, aber wir beide haben Sorge, dass die eigentlichen Symptome erst noch kommen könnten. Mir geht es im Grunde gut, aber tagsüber hat es mich heute vor lauter Müdigkeit für zwei Stunden aufs Sofa verschlagen, und ich habe tief geschlafen. Danach ging es mir besser. 

Tests bei den bisher nicht getesteten drei Personen im Haushalt fänd ich schon gut, obwohl ich weiß, dass sie mehr oder weniger sinnlos sind. In Quarantäne sind und bleiben wir sowieso, wir halten Abstand voneinander, tragen Masken … und wir müssten den Test ja alle paar Tage wiederholen, denn wir können uns ja dauernd anstecken. Wenn wir das nicht schon getan haben. 

Aber wüssten z. B. Tanja und ich, dass wir beide positiv sind, könnten wir wieder in einem Raum sein. Oder? Wie ist denn das? Steigt das Risiko eines schweren Verlaufs nach einer Infektion durch mehr oder weiteren Viren-Kontakt? 

Um das mal klar festzuhalten: Gäbe es die App nicht, hätten wir alle weitergemacht wie vor dem Testergebnis. Denn der getestete Sohn hat ja immer noch keinerlei Symptome. Hätte er also vor einer Woche nicht erfahren, dass er Risikokontakte hatte, hätte er sich nicht testen lassen. Denn da er keine Symptome hatte und hat, wäre er gar nicht auf die Idee gekommen, vielleicht erkrankt zu sein. Er wäre also unwissend positiv gewesen und hätte das Virus bei aller Vorsicht weiter verbreitet. Und wir dann auch. 

Ich habe wirklich jede Menge Verständnis für die Überlastung der Ämter, aber gleichzeitig denke ich auch: 

Ey. Ihr hattet ein halbes Jahr Zeit, euch nach den Vorwarnungen vorzubereiten auf diesen Herbst. Und jetzt habe ich hier einen Sohn, dessen Erkrankung seit mittlerweile vier Tagen aktenkundig ist, dessen Telefonnummer und Mailadresse vorliegen und der genau gar keine Infos erhält. Und wir als Familie auch nicht. Und das ist ganz schön krass, denn viele Fragen werden in unserer Situation, die ja nicht einzigartig ist, nicht beantwortet. Wie ist das mit dem Kochen, mit der Wäsche (alles auf 60 Grad?)? Badezimmer-Hygiene als Corona-Familie, gibt es da ein paar Tipps? Wann und wie wird wieder getestet, wie lange ist K. ansteckend?

Wir sind ziemlich fit in Sachen Recherche, unsere Söhne sind erwachsen, klug und verständnisvoll, wir wohnen so, dass wir uns aus dem Weg gehen können, wir hatten noch genug Desinfektionsmittel und wir haben einen Freundeskreis, der uns Lebensmittel bringen oder andere Erledigungen machen kann, wir können sogar von zuhause arbeiten. 

Aber wie zum Teufel geht es jetzt einer Familie, die weniger privilegiert ist? Die mit zwei kleineren Kindern in einer kleineren Wohnung kaum Abstand halten kann, die nicht von zuhause arbeiten kann, sich die Lebensmittellieferung nicht leisten kann, auf die Schnelle niemanden für den Hund findet und die einfach keinerlei Infos bekommt? Oder gar einer einzelnen, vielleicht älteren Person?

Es ist 2 Uhr nachts, ich kann nicht schlafen und tippe daher diese Zeilen. Dabei sind viel Ruhe und Schlaf wichtiger. 

Mittwoch, 14.10.2020 – Tag 8

Morgens habe ich eine E-Mail ans Gesundheitsamt geschrieben mit dringender Bitte um Anruf oder irgendeinen Kontakt. Ich habe alle Details aufgeschrieben, damit die Bescheid wissen.

Bis 17:30 Uhr keine Reaktion.

Langsam lässt mein Verständnis für überlastete Behörden etwas nach und verwandelt sich in Unmut.

Dem Hund geht’s gut, er freut sich ja immer, wenn alle zuhause sind.

Donnerstag, 15.10.2020 – Tag 9

Der Hausarzt von K. hat sich bei ihm gemeldet und ist besorgt und verwundert, dass sich das Gesundheitsamt noch immer nicht mit K. in Verbindung gesetzt hat. Der Arzt hakt jetzt per Fax beim Amt nach und hat zugesagt, dass er sich ansonsten um K., weitere Tests und so kümmern wird.

K. meint, er habe leichtes Kratzen im Hals, ich bilde mir das jetzt auch ein. Tanja geht es besser, auch wenn sie noch immer hustet. 

Es ist jetzt fast Mitternacht. Wir sind seit über einer Woche in Quarantäne und bekommen keinen Kontakt zum Gesundheitsamt.

Freitag, 16.10.2020 – Tag 10

Ich veröffentliche jetzt dieses Tagebuch. Wird mit Updates versehen, bis wir das hier endlich hinter uns haben.

(UPDATE 16.10., 15:42 Uhr): Ihr seid echt so nett alle. Danke für die Besserungswünsche und den Support und die Hinweise auf Twitter, Facebook und hier im Blog!

(Update 16.10., 16:18 Uhr): K. hat gerade eben einen Anruf vom Amt erhalten, in erster Linie zur Abfrage von Symptomen und damit er seine Kontakte der letzten zwei Wochen aufschreibt und übermittelt. Das kommt ein kleines bisschen spät, finde ich, und natürlich sind alle bekannten Kontakte längst informiert, aber nun gut. K. soll bis Montag in Quarantäne bleiben. Wie es dann weitergeht und was mit dem Rest der Familie passiert, klären wir wohl in einem morgigen Telefonat, denn da war sich die Dame am Telefon nicht ganz sicher.

Ich bekomme derzeit sehr, sehr viele nette Nachrichten und auch andere Erfahrungsberichte (die sich leider oft mit unserem decken), danke dafür!

Es gibt übrigens auch positive Berichte übers Amt (aus anderen Gegenden). Und was mir auch wichtig ist: Keiner meiner Sätze soll den überlasteten Mitarbeiter:innen bei den Ämtern etwas vorwerfen. Meine Kritik gilt allein dem Management in dieser Situation.

Samstag, 17.10.2020 – Tag 11

Nachdem K. gestern den kurzen Anruf vom Gesundheitsamt hatte, erfolgte heute tatsächlich der angekündigte längere. Die sehr nette (und hörbar etwas überlastete) Mitarbeiterin ging erst nochmal alle Daten mit uns durch und fragte Symptome ab, dann rechnete sie aus, dass die Quarantäne für K. am 19.10. vorbei sein müsste. Also am Montag. Gleichzeitig avisierte sie den Besuch eines mobilen Testteams am Montag, wir werden dann alle getestet und bekommen am Dienstag das Ergebnis. Montag früh würde man uns anrufen zur Terminabsprache. (Naja, kommt einfach rum, wir sind ja zuhause …)

Nun bleiben wir also noch hübsch getrennt und hoffen, dass am Dienstag alle ein negatives Testergebnis bekommen. Denn wenn eine Person positiv wäre, würde das Spiel ja von vorne losgehen. Ich werde hier natürlich Bescheid geben.

Ach ja, noch was: Am 10.10. hatte K. sein positives Ergebnis vorliegen. Dieses wurde am 12.10. dem Gesundheitsamt mitgeteilt (also direkt am Montag nach dem Wochenende). Und so lange, also bis zum 17.10. dauere es im Moment leider, bis das Amt die Anrufe schafft. So die Mitarbeiterin, die nur berichten konnte, dass das Team kaum noch hinterherkommt …

Noch einmal an dieser Stelle an euch: Danke. Ich weiß ja, dass das Internet voller Liebe ist, aber eure netten Reaktionen haben uns trotzdem echt umgehauen.

Am Dienstag wissen wir mehr. Passt auf euch auf. Hände waschen. Masken tragen. Zu enge Kontakte vermeiden.

Und sagt das ggf. auch eurem Teenager-Nachwuchs bitte immer wieder, lasst ihnen von unseren beiden Jungs gesagt sein: Auch ohne schweren Verlauf macht das alles echt keinen Spaß. Die Nerven lagen hier schon das ein oder andere Mal ziemlich blank. Man braucht das alles wirklich nicht.

Stay safe.

Sonntag, 18.10.2020 – Tag 12

Eines müssen wir mal der Fairness halber festhalten: Es hat zwar einige Tage gedauert bis zum Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Aber seitdem läuft es ganz gut. Heute schon kam der Anruf zur Terminabsprache für die Tests. Und die Erklärung der Nutzung.

Die Tests werden uns nämlich vor die Tür gelegt, wir müssen sie selbst durchführen. Danach legen wir sie wieder vor die Tür und das Team nimmt sie mit. Nach ein bis drei Tagen kommt das Ergebnis per Telefon.

Hoffen wir mal, dass wir die Abstriche alleine so gut hinbekommen, dass die Ergebnisse auch verlässlich sind.

K. wird nicht noch einmal getestet. Da er keine Symptome hat, gilt seine Quarantäne am Montag als beendet.

Selbstverständlich wartet er aber trotzdem unser aller Ergebnisse ab und wir isolieren uns bis dahin weiter voneinander.

Montag, 19.10.2020

Die Bundeswehr war heute am Vormittag da. Natürlich in einem ganz normalen Wagen. Drei Tests wurden uns nebst Anleitung vor die Tür gelegt, wir haben uns die einzeln genommen und dann selbst durchgeführt. Das ist nicht halb so schlimm, wie es sich anhört: Man stellt sich vor einen Spiegel, nimmt das Teststäbchen aus der Rolle (berührt es dabei nur am oberen „Griff“), öffnet den Mund weit, sagt Aaaaaaah! für die bessere Erreichbarkeit des Rachens und streicht dann hinten an den Mandeln ab. Nicht die Zunge oder Wangen berühren, sondern nur den Rachen bitte. Es gibt dabei einen kurzen Würgereflex, aber der ist nicht so schlimm. Dann schiebt man sich das gleiche Stäbchen noch möglichst tief in die Nase, dreht da auch ein paar Mal für einen weiteren Abstrich – fertig. Stäbchen zurück in die Aufbewahrungsrolle, alles zusammen in die Tüte, wieder vor die Tür legen. (Auf den Tests stehen unsere Namen.) Tut nicht weh, geht recht einfach und schnell.

Bis zu 48 Stunden kann es dauern, sagte man uns. Die positiv ausgewerteten Tests werden zuerst benachrichtigt, was ja sinnvoll ist. Stay tuned.

50 Kommentare

  1. 01
    Frank

    Gute Besserung dir und deiner Family, Johnny! Viele Grüße, Frank

  2. 02
    Matthias

    Ich wünsche Gute Besserung (und viel Erfolg mit den Behördenkontakten!)

  3. 03

    Danke euch sehr! ❤️

  4. 04
    Martin

    Oh, Shit. Ich wünsche Euch alles Gute und drücke die Daumen. Danke für’s Aufschreiben.

  5. 05
    Tilla

    Mensch…
    ich drücke Euch alle Daumen, dass das ein gutes Ende nimmt.

  6. 06

    wahnsinn eh, da mag man kaum glauben, dass dieses Covid-19 wirklich so richtig ernst genommen wird. Nunja. Schön, dass du uns teilhaben lässt und es dokumentierst, ich hatte ähnliche erfahrungen. Und dir und deiner Familie alles gute!

  7. 07
    Jörg

    Gute Besserung für dich und die Familie, und danke für den aufrüttelnden Bericht.

  8. 08
    T

    Um das mal positiv zu sehen: So ein Chaos und doch bisher relativ glimpflich davon gekommen. Wenn die Behörden also einfach ihre Arbeit gut machen würden würde das womöglich sogar genügen?!

    Wenn ihr Details zu euren Risiko-Begegnungen sehen wollt (wann, wie lang, Signalstaerke etc) – auch von denen mit angeblich niedrigem Risiko, was die offizielle App nicht zeigt:
    https://github.com/mh-/corona-warn-companion-android/issues

    Ich habe so – leider erst an Tag 13, durch Zufall – erfahren können, dass ich 10 Stunden mit einer infizierten Person im Bus gesessen hatte. War aber ca. 5-8m entfernt, daher hat die App das als niedriges Risiko eingestuft und keine Warnung gezeigt (also nur die Info in grün, wenn man die App selbst öffnet). Aergert mich heute noch, ist zwar zum Glueck nix passiert, aber ich haette mich definitiv anders verhalten, haette ich das gewusst (Test war 5 Tage nach Begegnung im System)

    Bleibt bzw. werdet schnell gesund!

  9. 09
  10. 10
    Franziska

    Ihr macht das super und ja, es sind die richtigen Fragen. Und wenn die Gesundheitsämter jetzt schon so überfordert sind, dann sorgt mich das sehr.

  11. 11
    Robert Franken

    Vielen Dank, dass Du das teilst. Ich habe nun viel weniger Bedenken wegen des Virus an sich, sondern wegen der Untätigkeit und der offensichtlichen Unfähigkeit der Behörden. Ich wünsche Euch, dass Ihr da gut durchkommt. Alle Daumen sind gedrückt 🙌🏼

  12. 12

    Danke für die netten Worte (und den Link)! Bisher ist ja alles recht harmlos bei uns, ich hoffe, das bleibt so. Aber ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es uns jetzt ginge, wenn jemand starke Symptome hätte …

  13. 13

    Ach du dickes Ei! Alles Gute für Euch, ich hoffe, Tanja kommt schnell wieder auf die Beine und der Rest von Euch wird gar nicht erst richtig krank. <3

  14. 14
    Tim

    Alles Gute. Danke für den Bericht. Am Ende werdet ihr sicher einige Erkenntnisse haben, die anderen helfen können. Und alles wird gut. Das wünsche ich.

  15. 15

    Hey, ich wünsche euch alles Gute und dass es nicht blöd verläuft.
    Dass das chaotisch ist (Ämter, Ärzte, vorschriften, Essen kaufen, …) war mir schon klar, ich hätte allerdings nicht mit diesem Ausmaß gerechnet.
    Wenn dazu noch stärker ausgeprägte Symptome und Risikogruppen-Mitglieder kommen, muss das ja die Hölle sein.

    Drück euch die Daumen, und Grüße an den Hund.

  16. 16
    Ingo

    fuck. alles gute für euch! ich drück die daumen.

  17. 17
    Stefan Arnold

    Tut mir Leid für euch, trotzdem gute Besserung und das es keinen von euch richtig schlimm erwischt. Ich möchte auf keinen Fall auf deinen /euren Newsletter verzichten müssen ;-)

  18. 18
    Sui

    Erstmal unbekannterweise euch allen (bzw den kranken) eine gute und baldige Besserung!
    Ich drücke euch die Daumen, dass das Gesundheitsamt sich endlich mal meldet – das ist ja echt unfassbar :(
    Alles Liebe euch, bleibt stark und danke für die Veröffentlichung des „Corona-Tagebuchs“!

  19. 19
    Peter

    Alles Gute und viel Kraft. Danke für die wertvollen Hinweise.

  20. 20
    Gondor

    Erstmal gute Besserung!

    Und dann:
    DAS.MACHT.SO.WÜTEND!
    So allein gelassen zu werden.

    Bei mir war’s nur Vorsichtsmaßnahme und negativ. (Puh)
    Da ist ja schon WIEDER mal offensichtlich behördliche Inkompetenz und egal-Haltung im Spiel. :(
    Dabei fiel mir ein dass die Infiziertenfälle generell ja auch nur per Fax(!) gemeldet werden – und auch nicht am Wochenende. :(

    Es ist zum….

    Hoffe das solche RL-Berichte etwas mehr Verbreitung/Beachtung finden und entsprechend politisch Druck aufbauen. Keep going…

    Alles Beste Euch.

  21. 21
    Steffi

    Alles Gute für euch und hoffentlich habt ihr bald Klarheit!

  22. 22
    Martin Riemer

    Euch alles, alles, alles, alles, alles Gute

    Herzliche Grüße

  23. 23
    Sascha

    Wow!
    Zunächst mal gute Besserung!!

  24. 24
    achim fehlau

    hey johnny, in meiner WG lag auch der verdacht auf ansteckung wg. eines direkten und langen konakts zu jemandem infizierten vor (hat sich nicht bestätigt dann), aber die situation zu klären war haarsträubend, wer in welchem bezirk zuständig ist, wenn ja, warum oder eben nicht, etc. und deckt sich mit deinen erfahrungen. auf der anderen seite weiss ich von einer freundin aus HH, die einen 2ten test machen musste, dass da am gleichen tag noch per sms das ergebnis kam. das scheint auch zu gehen.
    stay healthy, cheers achim

  25. 25
    Carsten Stricker

    Danke für diesen Erfahrungsbericht, lieber Johnny. Der hilft uns allen. Euch noch viel Stärke, dicke Nerven, Gute Besserung – und fühle Euch gedrückt. Bis bald.

  26. 26

    Der Post macht mir echt Angst. Bin Single, wohne alleine und hab niemanden, den ich für Einkäufe fragen könnte. Hatte jetzt meine erste Begegnung mit geringem Risiko. Als würde ich in der Isolierung nicht eh schon durchdrehen.

    Hoffe ihr kommt alle gesund aus der Quarantäne und wir alle aus diesem Irrsinn.

  27. 27

    Alles Gute euch. Schlimm, aber spannend zu lesen.

  28. 28
    Henrik

    Gute Besserung Euch allen!

    Die Behördensituation ist natürlich das Eine, belastend eben, aber eben auch überlastet.

    Das Andere ist, dass hoffentlich die Kliniken nicht auch an solche Kapazitätsgrenzen geraten…

  29. 29
    Astrid Schulz

    Hab es gerade auf Facebook gelesen und dann hier. Tut mir ehrlich leid. Wünsche Euch alles Gute, besonders dass es glimpflich für alle ausgeht. Es sieht ja laut deinen Berichten so aus – und dann natürlich gute Nerven. Grüße aus dem Odenwald, Astrid 🍀

  30. 30
    Jens

    Alles Gute für die ganze Familie und vielen, vielen Dank fürs Teilen. Im besten Fall hilft das, etwas zum Besseren zu verändern – für Euch und alle anderen.

  31. 31
    Ines

    Was für ein krasses Ding! Wahrlich ein Glück, daß ihr so reagieren konntet und könnt wie ihr es tut. Und katastrophale Vorstellung dieses Szenario ohne Corona-App-Warnung durchzuspielen… erschütternd dies alles zwar mit Appwarnung aber ohne Internet, ohne Unterstützung und in zu engen Wohnverhältnissen durchmachen zu müssen…zudem das „überschaubare“ Agieren vonseiten des Amtes… Sende euch herzlichste Genesungswünsche von der Elbe an die Spree und beste Grüße 🙂

  32. 32

    Oha. Gute Besserung und starke Nerven für euch.

  33. 33
    ber

    Oh, bereits 18 und 21? Ist es schon so lange her, als du ein Handyvideo gepostet hast, wo „der Kleine“ mutig von einer Treppenstufe hopst? Oder bring ich das gerade voll durcheinander?

  34. 34

    Moin – ich habe ähnliches erlebt. Alles bereits im Juli. Wurde am 01. Juli positiv getestet. Auf Facebook habe ich damals meinen Frust beschrieben, siehe unten.

    Glücklicherweise habe ich eine tolle Hausärztin, die sich jeden Tag telefonisch gemeldet hat.

    Alles, alles Gute. Und dass alle gut ohne Folgen durch die Zeit kommen. Schreibt mir gerne, wenn ihr Fragen habt. Wiebke

    „07. Juli. Bergfest. Nein, der Kasten Bier, den mir ein lieber Mensch letzte Woche vor die Wohnungstür stellte, ist noch nicht leer getrunken. 😍

    Zur Feier des Tages erhielt ich heute einen Brief vom Gesundheitsamt Pankow, den ich euch nicht vorenthalten möchte.

    Merke: Mein Ergebnis samt Telefonnummer liegt seit letzten Mittwoch, 01. Juli, dort vor. Mehrere Anrufe meinerseits waren vergeblich, da die Leitung ständig besetzt ist.

    Frau Gesundheitsaufseherin habe ich eben eine E-Mail geschrieben, denn telefonisch erreicht habe ich auch sie bisher nicht.“

    Dann am 08. Juli:

    „Das hoffentlich letzte Kapitel

    Tag 8 nach Diagnose

    Ich wähle im Laufe des Vormittags noch zweimal die Nummer der Gesundheitsaufseherin. Keine Antwort. Ich schreibe ihr noch eine E-Mail und setze die Gesundheitssenatorin in Kopie.

    Keine Minute später klingelt das Telefon. Die Gesundheitsaufseherin ist dran. Ihr habe meine Telefonnummer nicht vorgelegen. Nun ja, seit Empfang meiner ersten E-Mail stand ihr zumindest ein weiterer Kontaktweg offen. Den sie auch nicht genutzt hat.

    Sie hakt ein paar Fragen anhand einer Liste ab: Berufliche Tätigkeit, ob ich alleine wohne, was meine Symptome waren, ob ich Kontakte gehabt hätte. “Bitte definieren Sie Kontakte”, sage ich. Laut ihrer Antwort, dass es um mehr als 15 Minuten direktes Gespräch ohne Maske gehe, hatte ich keine Kontakte.

    Ich erwähne, dass ich mich für Montag zum nächsten Test angemeldet habe. So ginge das aber nicht, sie würde jemanden vorbei schicken. Ich bestehe auf meinen Termin, den ich in Absprache mit meiner Hausärztin selbst vereinbart habe. Sie sagt, dass sie ihre Chefin fragen muss, ob das in Ordnung sei. Ich bitte sie darum, mein Vorgehen zu akzeptieren. Schließlich habe ich seit einer guten Woche selbst, bzw. gemeinsam mit meiner Hausärztin, Entscheidungen getroffen und bin mit der Situation verantwortungsvoll umgegangen.

    Tag 9 nach Diagnose:
    Die Gesundheitsaufseherin ruft an, um mir mitzuteilen, dass heute ein Brief in die Post geht. Ich solle mich melden, falls ich ihn nicht erhalte. Spannend. Ich frage, was denn in dem Brief steht. Sie sagt: Die Absonderungsaufforderung. Meine Antwort: Aber die gilt doch eh nur noch bis Sonntag. Ja, trotzdem, sie müsse mir ja auch schriftlich zugehen.

    Heute ist Donnerstag. Der letzte Brief, den das Gesundheitsamt an mich verschickte, brauchte vier Werktage, um bei mir einzutreffen. Also werde ich diesen voraussichtlich am Montag erhalten.

    Ich wage noch einmal zu fragen, warum der telefonische Kontakt nicht möglich war. Sie antwortet, dass sie manchmal Telefonnummern erhalten, manchmal nicht. Meine Nachfrage, warum dann nicht bei der Kassenärztlichen Vereinigung, die den Test durchgeführt, die meine Telefonnummer erhalten hat und die das Testergebnis an sie übermittelt hat, diese Information eingeholt wird, kann sie nicht beantworten.
    Erst nach erneuter Nachfrage lässt sie mich den Namen und die Telefonnummer ihrer Vorgesetzten wissen. Als ich diese wähle, geht – Überraschung! – niemand an den Apparat.

    Mit diesem Kapitel schließe ich mein Corona-Tagebuch. Hoffentlich fällt der Test am Montag negativ aus, das Ergebnis werde ich spätestens Mittwoch haben. Ich kann es nicht erwarten, mich wieder draußen zu bewegen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit Luft, Regen, Licht und wonach auch immer mir gerade ist, zu tanken. Danke an alle, die mich so toll unterstützt haben. Mit Nachrichten, Nachfragen, Anrufen, Hilfsangeboten, Lebensmittel- und Trostpflasterlieferungen, der Abholung eines Päckchens bei der Post – danke! 🥰“

  35. 35
    Stefan

    Hallo Johnny und Familie,

    Danke für den Bericht, der wirft Fragen auf, die weit über die aktuellen Themen des täglichen Informationsmaterials rausgehen. Da streiten sich eher Barbesitzer um eine Stunde mehr Umsatz (ohne Alk) oder Reisewillige, die nicht nach MV dürfen und daher lieber nach Ö oder I fahren… Aber was im KONKRETEN Fall einer Infektion innerhalb einer Familie so passiert (und wie schlecht das Management darauf reagiert) liest man nirgendwo. Dabei ist das grade viel wichtiger bei knapp 8000 neu infizierten Menschen täglich (und sicher bald noch weit mehr). Was macht man dann? Wer hilft mit Infos (wenn man das Glück hat, symptomfrei zu bleiben), wie geht es weiter, was muss man tun? Euer Biog hilft hier sehr!
    Hätte der Checkpoint übrigens nicht darauf aufmerksam gemacht, hätte ich das auch nie gelesen. Danke nochmal.
    Gute Besserung (sic) – bzw. weiteres gutes Gelingen beim Überstehen dieser Situation. Grüße aus X-berg!

  36. 36

    was ist denn eigentlich so gut an unserer Demokratie und dem so herrlich funktionierenden Rechtsstaat? Die „Politik“ beschließt und in Berlin klagt Meier dagagen und darf weiterhin das Gegenteil tun. Müller in Brandenburg klagt und alle dürfen ab sofort das Gegenteil tun. Und nun klagen die „Politiker“ wieder dagegen und bekommen eventuell Recht; vielleicht aber auch nicht. Inzwischen sterben vielleicht nicht nur Menschen, aber auf jeden Fall das Vertrauen in einen funktionierenden Staat.

  37. 37

    Nochmals ein Dank an alle, auch für die Berichte aus eigener Erfahrung!

    Und ben: Ja, die sind inzwischen erwachsen. Und filmen jetzt mich, wie ich stolz eine Treppenstufe runterspringe. ;)

  38. 38
    Anne

    Hi,
    Das könnte auch unsere Geschichte sein, allerdings schläft mein Mann im Wohnzimmer auf dem Sofa. Wir sind 5 und 2 positiv getestet, wie deine Frau bin ich krank und liege im Bett, unser erwachsener Sohn ist topfit und hat keine Symptome, außer dem Verlust seiner Geschmacks- und Geruchsnerven.
    Unsere Töchter machen das bisher ganz gut, die größere hatte zwar einen kleinen Nervenzusammenbruch als ihr klar wurde, dass sie mit uns jetzt „eingesperrt“ ist, aber auch das ging vorbei. Das Amt hat sich noch nicht gemeldet, wir wissen gar nichts, haben aber Freunde und Nachbarn die einkaufen und unser Hund versteht nicht, warum er nicht mehr zu mir darf (ins Bett und so, ja ich weiß, schlimme Erziehung).
    Wir halten die Ohren steif und ich wünsche Euch alles Gute und gute Besserung.
    Herzliche Grüße

  39. 39
    Sabine

    Oh Mann, das ist ja ein Mist. Alles Gute Euch allen! (Und wie können die beiden erwachsen sein, wenn Ihr doch gerade vorgestern Euer #a_wie-Spiel auf Instagram gestartet habt? Ist mir ein Rätsel.)

  40. 40

    Anne, ich bin auch im Wohnzimmer auf dem Sofa. :) Aber der Hund findet es da auch prima. Beste Grüße, haltet durch! Auch, wenn die Nerven zwischendurch blank liegen. Das Amt meinte zu uns, es dauere einfach mehrere Tage nach der Meldung, bevor sie die Anrufe schaffen …

    Gute Besserung dir und euch!

  41. 41

    Danke für diesen differenzierten und ausführlichen Einblick. Wir hoffen, daß es uns als Wohngemeinschaft nicht trifft. Wenn ja, dann schreiben wir einen Bericht aus der wenig priviligierten Perspektive. Alles Gute Ihnen und der Familie – hoffentlich haben Sie es bald überstanden.

  42. 42

    Erstmal gute Besserung Euch allen!

    Den Spaß mit der Quarantäne hatten wir im März schon, allerdings nur mit der Teenagertochter als Kontaktperson ersten Grades. Vom Gesundheitsamt haben wir damals nichts gehört — außer einer Mail mit dem PDF der Quarantäneanordnung.

  43. 43
    Christof

    Alles Gute und ganz dollen Dank für den Bericht. Werdet schnell gesund!

  44. 44

    Hey Johnny, weiterhin alles Gute für euch. – Bei meinem 16-jährigen Sohn im Schuljahrgang gab es vorletzte Woche ca. 15 Infektionen, auch wir waren daher einige Tage in Quarantäne, bis das negative Testergebnis für unseren Sohn eintraf. Hier in Zehlendorf hatten wir allerdings regelmäßig Kontakt mit dem Gesundheitsamt, dass sich – vielleicht wegen der „schulischen Herkunft“ der Infektion – direkt bei uns meldete und mit uns in Kontakt blieb. Wir hatten genau die gleichen Fragen und Unsicherheiten, von denen du schreibst. Auch wenn es bei uns letztendlich glimpflich ausging, werden wir uns wohl wieder auf anstrengende Monate einstellen müssen. Viele Grüße, Thomas

  45. 45
    M

    Hey, kommt mir sehr bekannt vor. Meine Frau und ich hatten IM MAI !(1ELF) die gleiche Situation. Frau hat sich auf Arbeit im KH angesteckt, Gesundheitsamt überfordert, mobiles test kommando kommt erst nach tagen, Ergebnis lässt auf sich warten, offiziell komme ich nie in Quarantäne bleibe aber natürlich trotzdem zu hause (meine frau hat mich ausdrücklich als Kontaktperson angegeben aber ich bekomme nicht mal ne warnung vom Gesundheitsamt), kein test für mich, nach 14 tagen soll meine frau mit den öffies zum nachsten KH fahren um sich erneut testen zu lassen… Is klar, ne… Nach ein paar Tagen erreichen wir das Gesundheitsamt und können veranlassen, dass das test kommando erneut vorbei kommt. Test negativ, weiterer negativer test ca. ne woche später, Quarantäne aufgehoben.
    Meine Frau und ich waren stets räumlich getrennt, essen hab ich ihr nur mit maske und offenem fenster ins zimmer gebracht, bad nach jeder Benutzung mit chlor gereinigt. Obs geholfen hat… Wer weiß… Ich hab während der zeit keine Symptome entwickelt, weiß aber aufgrund fehlender tests nicht ob ich infiziert war.
    6 monate später, ist meine frau immer noch arbeitsunfähig. Longcovid, chronische fatigue und POTS. Das schlimmste ist das allein gelassen werden, es gibt keine infos oder Leitlinien oder Unterstützung durch Behörden, Ärzte oder medien. Meine frau ist selber ärztin und kann glücklicherweise papers zum thema lesen und verstehen… Wie das familien ohne medizinische Kenntnisse durchmachen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft komplett.

    Gute Besserung euch allen, haltet durch.

  46. 46
    KonProg

    @M

    Mein Mitgefühl! Gute Besserung an deine Frau!!

    Ich finde das fies, wie das bei euch gelaufen ist. Ihr habt so Vieles richtig gemacht – und werdet so hart vom Schicksal bestraft. Auch, wenn mein Glaube nicht so doll ausgeprägt ist, ich werde heute Abend für deine Frau beten, damit sie in den nächsten Monaten eine bessere Lebensqualität hat!

    Damit es wieder Stück für Stück aufwärts geht!

  47. 47
    Anne

    Danke!
    Und der Hund liegt jetzt auf dem Sofa bei meinem Mann und schnarcht ohn on den Schlaf. :-))
    Ich drück Euch die Daumen.

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