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24.07.08
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Positionen mark von Johnny Haeusler | 46

Der Unterschied zwischen Terror


Terror-Level © billypalooza

Bald ist Terroristen-Hochzeit. Den Schleyer haben sie schon, fehlt noch der Strauß.

So lautete ein Witz in den 70ern, der zwar nicht gerade pietätsvolles Feingefühl, sehr wohl aber einen Funken Sympathie des Volksmundes für die RAF bezeugte.

Selbige kann höchstens für die RAF der ersten Generation attestiert werden, denn spätestens bei vorsätzlichem Mord hörte die Sympathie auf. Nicht für Mörder zeigten einige „ganz normale“ Menschen in den 70ern heimliche Sympathie oder Verständnis, sondern für einige Kernaussagen der frühen RAF (solange man diese noch verstehen konnte).

Auszüge aus der Kurzgeschichte:

11. April 1968 Der SDS-Führer Rudi Dutschke wird nach einer Hetzkampagne der Medien niedergeschossen. Daraufhin liefern sich Studenten um das Springergebäude herrum eine Straßenschlacht mit der Polizei.
1. September 1971 Horst Herold wird BKA-Präsident und revolutioniert die Fahndungsmethoden durch den Einsatz moderster Technik.
3. Dezember 1971 Großfahndung in Berlin, Georg von Rauch wird erschossen.
2. März 1972 Thomas Weisbecker wird erschossen.
11. Mai 1972 Bombenanschlag auf das V. US-Korp in Frankfurt/Main - 13 Verletzte 1 Toter.
12. Mai 1972 Bombenanschlag auf die Polizeidirektion Augsburg - 5 Verletzte.
15. Mai 1972 Anschlag auf den Wagen eines Bundesrichters - seine Frau wird schwer verletzt.
19. Mai 1972 Bombenanschlag auf das Axel-Springer-Gebäude - 17 Verletzte.
24. Mai 1972 Autobomben vor dem Europahauptquartier der US-Armee - 3 Tote 5 Verletzte.
31. Mai 1972 Größte Fahndung in der Geschichte der BRD.

Zu den Verletzten beim Anschlag auf Axel-Springer-Gebäude in Hamburg schrieb die RAF am 20. Mai 1972:

Gestern, am Freitag, den 19. Mai um 15 Uhr 55 sind zwei Bomben im Springerhochhaus in Hamburg explodiert. Weil trotz rechtzeitiger und eindringlicher Warnungen das Haus nicht geräumt worden ist, sind dabei 17 Menschen verletzt worden. Um 15 Uhr 29 ist unter der Nummer 3471 die erste Warnung durchgegeben worden mit der Aufforderung, das Haus wegen Bombenalarm binnen 15 Minuten zu räumen. Die Antwort war: Hören Sie auf mit dem Blödsinn. Es wurde aufgelegt. Zweiter Anruf um 15 Uhr 31: Wenn Sie nicht sofort räumen, passiert etwas Fürchterliches. Aber die Telefonistinnen hatten offenbar Anweisung, solche Anrufe nicht zu beachten. Der dritte Anruf um 15 Uhr 36 ging an die Bullen: Sorgen Sie, verdammt nochmal, dafür, daß endlich geräumt wird.

Der Axel-Springer-Verlag berichtete von einem einzigen Anruf, der zu spät erfolgt sei.

Überhaupt:
Die Macht der Medien.
Staatsmächte, deren Handeln als willkürlich oder ungerecht empfunden wird.
Nazis, die noch immer in hohen Ämtern sitzen.

Man kann nicht behaupten, dass diese Themen uns heutzutage nicht mehr beschäftigen würden und egal, wann Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar freigelassen werden, man möchte ihnen den aktuellen Zustand nicht erklären müssen.

Würde die stattfindende Debatte um die Freilassung der Ex-RAF-Mitglieder eine um den damals herrschenden Krieg zwischen Staat und Staatsfeinden, um die Reaktionen und Verhaltensweisen auf beiden Seiten sein, eine Diskussion um den Ist-Zustand der bundesrepublikanischen Gesellschaft, wir hätten spannende TV-Wochen vor uns. Stattdessen wird nur der Anschein erweckt als gäbe es etwas zu diskutieren, nämlich den Zeitpunkt der Freilassung (der bei allen Mördern, auch bei Ex-RAF-Mitgliedern, allein nach juristischen Regeln entschieden wird und nicht per Telefon-Voting).

Der Terror der RAF richtete sich gegen Mächte und Machtinhaber und wählte diese als primäres und direktes Ziel. Der Terror, den wir unter dem Stichwort 9/11 kennengelernt haben, mag sich ebenfalls gegen Mächte und Mächtige richten, wählt als Ziel jedoch die Zivilbevölkerung. Keine Motivation oder Vorgehensweise rechtfertigt Morde, doch die Beschäftigung mit diesem Unterschied vermisse ich in der aktuellen Berichterstattung über Terrorismus.

Aufräumen mit der Nazi-Vergangenheit und -gegenwart.
Die öffentliche Diskussion über die Wiedervereinigung.
Unscheinheilige Aufarbeitung der RAF-Zeit.

Es gibt noch viel zu tun, hier und jetzt.

Links mit Lesestoff für einige Tage:
extremismus.com
RAF-Info

Bitte gerne ergänzen, danke sehr!

Johnny Haeusler 29.01.2007 um 17:33

Positionen

Du kannst kommentieren, oder einen Trackback von deinem Blog aus setzen.


46 Kommentare

  1. 01

    stralau:

    Kleine Ergänzung:

    Der Terror der RAF richtete sich gegen Mächte und Machtinhaber und wählte diese als primäres und direktes Ziel.

    … was allerdings die gezielte Tötung Unbeteiligter einschloß.

    29.01.2007 um 17:53 | Antworten
    Alle Kommentare von stralau
  2. 02

    Johnny:

    Daher “primär”.

    29.01.2007 um 18:06 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  3. 03

    stralau:

    Stimmt schon – ich hatte das anders verstanden.

    29.01.2007 um 18:09 | Antworten
    Alle Kommentare von stralau
  4. 04

    Johnny:

    Ich bin ja froh über Reaktionen… schweres Thema.

    29.01.2007 um 18:12 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  5. 05

    stralau:

    Ja, birgt auch die Tendenz zu Grabenkämpfen.

    29.01.2007 um 18:20 | Antworten
    Alle Kommentare von stralau
  6. 06

    sunny3d:

    … nein, so schwer ist das nicht. um johnny als nicht - theater gänger zu informieren ;) - natürlich reiben sich an der innerdeutschen geschichte seit jahren die gemüter. mal hier, mal dort. aber natürlich sind so kurze internethäppchen, wie sie die “welt” präsentiert zu wenig, deswegen unglaubwürdig und zum teil desinformierend. es gibt über die raf inzwischen sehr viel literatur - jenseits der plasmabildschirme - die bereits schon sehr viel geleistet hat - also lesen, lesen, lesen (buchläden oder auch bestellen per internet - muss ja nicht immer amazon sein)

    29.01.2007 um 18:20 | Antworten
    Alle Kommentare von sunny3d
  7. 07

    verwirrter:

    Eigentlich war mir zunächst nur wieder nach ruhiger Zustimmung.

    Aber der Terror der RAF ist letzendlich dem Terror von 9/11 gar nicht so unähnlich. Beiden ging es darum den Feind ins Mark zu treffen, beide sind auch nur gegen “den Feind” vorgegangen. Für die Taliban waren der Feind “die Ungläubigen”, für die RAF “die da oben”, “Springer” und co (bitte hängt mich jetzt nicht an diesen Gruppen auf, dass es sowohl der Taliban als auch der RAF um mehr ging, ist mir klar.)

    Letztlich findet man wohl immer den Terror “besser”, dessen Ideale man verstehen kann. Und je nach Sichtweise ist das, was man Terror nennt, vielleicht auch Revolution.

    29.01.2007 um 18:25 | Antworten
    Alle Kommentare von verwirrter
  8. 08

    Ulli:

    @ sunny3d: ja, es gibt einiges an literatur dazu - allein, ich hab den eindruck das ist doch ein kleiner kreis der die liest, und was wir bräuchten wäre eine breitere differenzierte auseinadnersetzung

    @ johnny: danke für den artikel und die zusammenfassung, die besser als meine ist, kompliment.

    29.01.2007 um 18:31 | Antworten
    Alle Kommentare von Ulli
  9. 09

    Der Berliner:

    Was ist bei dir eine “unscheinheilige Aufarbeitung der RAF-Zeit” ?

    Für mich klingt das alles ziemlich nach Verharmlosung, nach dem Motto “guter Terror - böser Terror”…auch wenn du deine “Keine Motivation oder Vorgehensweise rechtfertigt Morde”-Klausel einbaust.

    Egal welche Motivation man hat, wenn man tote Zivilisten in Kauf nimmt, dann ist Terror einfach nur Terror und hat KEINE Legitimation.
    Alles auf einer Stufe.
    Hinter ETA, IRA, RAF, Al Kaida, Hamas usw. stehen zum Teil nachvollziehbare Gründe…aber die Legitimation ihrer Existenz geht zum Teufel, wenn der erste Unschuldige stribt.
    Dann brauche ich auch keine Diskussion darüber, ob diese Organisationen ein “nettes” Echo in der Presse finden.

    29.01.2007 um 18:44 | Antworten
    Alle Kommentare von Der Berliner
  10. 10

    Henning:

    @Der Berliner
    Ist es eigentlich auch Terror, wenn ein Staat Unschuldige tötet?
    Klang so als wäre die Tötung Unschuldiger für dich das wesentliche Element von Terror.

    29.01.2007 um 19:11 | Antworten
    Alle Kommentare von Henning
  11. 11

    Der Berliner:

    Wenn du mir ein Beispiel nennst, dann kann ich dir Antworten…so ist die Frage etwas zu allgemein.

    29.01.2007 um 19:21 | Antworten
    Alle Kommentare von Der Berliner
  12. 12

    Henning:

    Naja, zum Beispiel bei der Todesstrafe. Wenn man sich näher mit Geheimdiensten befasst, gibt es da sicher auch einige Beispiele.

    29.01.2007 um 19:30 | Antworten
    Alle Kommentare von Henning
  13. 13

    Der Berliner:

    In beiden Fällen lässt sich natürlich darüber streiten, ob es sich um Unschuldige handelt.
    Das hängt dann wohl vom politischen Standpunkt ab.

    Die Todesstrafe lehne ich unter normalen Umständen ab, da es genügend Fälle gab, wo die Opfer in der Tat unschuldig waren. Prinzipiell habe ich aber kein Problem damit, dass man Leute, wie Saddam Hussein, deren Taten ja nicht abzustreiten sind, aufknüpft. Dabei sollten aber gewisse “Standards” eingehalten werden…Stichworte: Video und Schikanierungen…

    Was die Geheimdienste anbelangt…
    hier muss ich sagen, dass das ziemlich kniffelig ist.
    Wenn die Israelis zum Beispiel einen Hamasführer eliminieren, dann ist das solange legitim, wie kein Zivilist dabei stirbt.
    Wenn man aber sein Auto in einem Wohngebiet mit einer Hellfire beschiesst, dann fehlt auch da die Legitimation für diese Tat.
    Der Mossad kann das auch unspektakulärer und “sauberer” machen.

    29.01.2007 um 19:51 | Antworten
    Alle Kommentare von Der Berliner
  14. 14

    winfried aus chemnitz:

    Adenauer, Barschel, Mölleman?

    Was ist daran sauber? Bestärkt Jeden der von einer Weltverschwörung redet!

    29.01.2007 um 20:05 | Antworten
    Alle Kommentare von winfried aus chemnitz
  15. 15

    Talky:

    #14
    Und wenn die Hamas einen hochrangigen Israeli ‘eliminiert’, ist das dann auch legitim wenn kein Zivilist zu schaden kommt, oder gilt das nur andersrum?
    Benno Ohnesorg, http://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Ohnesorg, als ein Beispiel, war auch nur ein Versehen oder Überarbeitung.
    Vielleicht ja Kurnaz, ach ne, ist ja gar nicht tot…
    Aber wenn es sauber gemacht wird…

    29.01.2007 um 20:13 | Antworten
    Alle Kommentare von Talky
  16. 16

    Der Berliner:

    @Talky

    Der Punkt ist ja, dass die Basis der Hamas das Existenzrecht von Israel in Frage stellt…zudem ist die Hamas ja keine wirkliche Partei, sondern eine Terrororganisation. Zumindest stufe ich eine Organisation so ein, wenn man Selbstmordattentäter in die Schlangen vor Discos oder in Cafés platziert.
    Insofern ist das nur “andersrum” legitim.

    mfG

    PS: Ein Kommentar zum Kurnaz verkneife ich mir jetzt…

    29.01.2007 um 20:21 | Antworten
    Alle Kommentare von Der Berliner
  17. 17

    seb:

    @Israel und Hamas

    Für die einen sind es Freiheitskämpfer die die anderen umbringen für die anderen Terroristen.
    Fakt ist das beide Seiten Menschen ermorden ob schuldig oder unschuldig ist dabei egal, da Mord in beiden Fällen nur zu noch mehr Hass führt.

    29.01.2007 um 20:31 | Antworten
    Alle Kommentare von seb
  18. 18

    mo:

    @seb (17) ich denke man kann davon ausgehen das die “basis” des mossads auch das existenzrecht des palästinenserstaats in frage stellt, so das auf der ebene also ein patt herrscht.

    um zurück zum artikel zu kommen, ich finde es erschreckend wie sich offenbar in der breiten öffentlichkeit die meinung manifestiert hat, das wären keine ‘normalen’ verbrecher (etwas also, wofür die inhaftierten in den prozessen ja immer gekämpft haben, und was ihnen imo zu recht verweigert wurde) und man müsste sie dementsprechend am besten nie wieder freilassen, oder, fast noch schlimmer, das die öffentlichkeit der meinung ist, lebenslänglich sei wörtlich zu nehmen. bezeichnend dafür die sabine christiansen sendung gestern, bei der ich mit grossem unwohlsein meine prinzipien von einem alternden fdp-mann und einem benediktinermönch vertreten sah. gruselig.

    29.01.2007 um 20:36 | Antworten
    Alle Kommentare von mo
  19. 19

    Johnny:

    Ich lehne die Todesstrafe unter allen, nicht nur “normalen” Umständen ab. Denn es geht nicht darum, ob der Verurteilte sozusagen “schuldig genug” ist (Hussein) oder ob das “sauber” gemacht wird. Sondern darum, dass ich es generell für falsch halte, jemanden, der getötet hat, zu töten.

    29.01.2007 um 20:36 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  20. 20

    leo:

    Full ACK. Leute töten ist ungut. Egal aus welchem Grund. Ich halte die Todesstrafe für eine äusserst mittelalterliche Methode, die in modernen Kulturen nichts zu suchen hat. Gefängnis reicht im Zweifelsfall, allein schon, weil man die Leute wieder frei lassen kann, wenn man sich doch mal geirrt hat…

    29.01.2007 um 20:46 | Antworten
    Alle Kommentare von leo
  21. 21

    Der Berliner:

    Lebenslänglich sollte wörtlich genommen werden, denn Terroristen/Mörder sind keine normalen Verbrecher.
    Es geht nicht in mein Hirn, wie locker das vielerorts in Deutschland gesehen wird.

    Ich finde, dass es eine Zumutung für die Hinterbliebenden ist, dass Mörder/Terroristen ihnen nach einigen Jahren über den Weg laufen könnten.
    Ich würde Amok laufen.

    29.01.2007 um 20:55 | Antworten
    Alle Kommentare von Der Berliner
  22. 22

    mo:

    @22 dann kann man sie aber auch gleich umbringen und allen beteiligten ‘ne menge stress ersparen. ganz abgeshen von den kosten. sorry fuer den zynismus.
    ich denke das man davon ausgehen kann das nach 15 oder mehr jahren haft nicht mehr derselbe mensch vorhanden ist und es durchaus gerechtfertigt ist zu pruefen ob man diesen “neuen” menschen wieder auf die gesellschaft loslassen kann.

    29.01.2007 um 21:02 | Antworten
    Alle Kommentare von mo
  23. 23

    Der Berliner:

    Jetzt bin ich mal zynisch…
    Ich geh’ los und töte deine Familie und/oder deine Freunde….nach deinem Kommentar ist es egal, ob ich das aus politischen Gründen oder aus Spass mache…ich lasse mich verhaften und komme nach 15-20 Jahren wieder frei.
    Wie es der Zufall will, kannst du dich an mein Gesicht noch gut erinnern, da es in jeder Zeitung war und du beim Prozess dabei warst.
    Nun noch ein Zufall…wir laufen uns auf der Strasse über den Weg…

    Was würdest du denken? Bestimmt nicht, dass ich jetzt ein neuer Mensch bin und es in Ordnung geht, dass ich auf freiem Fuss bin.

    29.01.2007 um 21:12 | Antworten
    Alle Kommentare von Der Berliner
  24. 24

    Peter:

    RAF. Terror. Todesstrafe.

    Da muss man schon mal nachdenken, bevor man kommentiert, deswegen kommentiere ich erst nach Stunden.

    Leute zu töten ist immer ungut, das sehe ich auch so. Egal für welches Motiv auch immer? Fraglich - angenommen durch den Tod einer [sehr mächtigen] Person (oder meinetwegen auch einer kleinen, sagen wir dreiköpfigen Personengruppe (mehr auf keinen Fall)) würde man eine ganzen Masse von Menschen helfen können, das Leben zwangarmer gestalten können und es bestände kein Risiko das durch diesen Mord es noch schlimmer wird - reichlich unrealistisch und konstruiert, annähernd unmöglich, ich weiß - dann bin ich mir da nicht mehr so sicher, ob das Töten da nicht schon fast gerechtfertigt wäre.

    Aber zu Terror: Ich bin (in einem langen Prozess) zu der Ansicht gelangt, das wenn die Verzweiflung so groß ist, dass die Motivation, der Drang zu Gewalttaten und Terrorakten (die immer auch unschuldige treffen) überhand nimmt, diese Leute später auf keinen Fall irgendwelchen Einfluss haben sollten, denn sie sind (ob bemerkbar oder nicht, psychisch wahrscheinlich ‘angeknackst’ - es kann sein, dass sie die Schwelle der Brutalität, die sie überwunden haben, auch später übertreten (was aber nicht heißen soll, das übergroße Macht nicht auch dazu verleiten mag (-> Stalin ?!)).

    Eine Frage ist auch: Worauf war der Terror der RAF gerichtet? Auf ein stalinistisches System? Auf einen “freien” [nicht schlagen: 'hippieesken'] Kommunismus (dessen Verwirklichungsmöglichkeiten zu dieser Zeit ich aber für reichlich unrealistisch halte)?
    Auf eine Demokratie mit reduziertem Kapitaleinfluss und ohne ‘Nazi-Arschlöscher’?

    Aber genug damit, zurück zur Gegenwart:

    Überhaupt:
    Die Macht der Medien.
    Staatsmächte, deren Handeln als willkürlich oder ungerecht empfunden wird.
    Nazis, die noch immer in hohen Ämtern sitzen.

    Man kann nicht behaupten, dass diese Themen uns heutzutage nicht mehr beschäftigen würden und egal, wann Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar freigelassen werden, man möchte ihnen den aktuellen Zustand nicht erklären müssen.

    Denen erklären, wie es heute ist, das möchte ich auch nicht. Man ist da - so scheint mir - in einigen v.a. rechtlichen Dingen auf einem sehr falschen Weg - der wie ich finde, gewisse, zutiefst beunruhigende autoritär-faschistoide Züge hat - die Studenten von 1968 hatten unter anderem Angst vor ‘1984′. Diese magische Grenze haben wir m.E. nicht nur zeitlich überschritten.

    (hoffe das jemand was mit meinem Kommentar anfangen kann, ist vom Prinzip her zu lang)

    29.01.2007 um 21:13 | Antworten
    Alle Kommentare von Peter
  25. 25

    ZeroG:

    “um den damals herrschenden Krieg zwischen Staat und Staatsfeinden” …
    FALSCH, die RAFs waren simple Mörder.
    Dass sie sich irgendwie befugt und berufen fühlten, einen “Krieg gegen die Macht” auszurufen -im Namen eines Volksinteresses, das es nicht gab- ändert nix daran, ausser dass es sie als Wiederholungstäter besonders gefährlich machte.
    Baader et al waren selbstherrliche Arschlöcher, die Unschuldige ermordeten. Der Rechtstaat behandelte sie fair und gerecht, wie andere Gangster - und dezidiert NICHT als Kriegsgefangene, was sie selbst nach zu viel Che Poster gucken gerne gewesen wären.
    Von mir aus können sie nach Mindestrafe rauskommen, sofern Wiederholungstaten ausgeschlossen werden kann, was Einsicht in Fehler und Reue voraussetzt. Aber für die selbstherrlichen Idioten braucht sich das land nicht zum Affen zu machen und das zu diskutieren bis zum Erbrechen, macht ja auch niemand wenn ich ein Ticket kriege, wegen lausiger 2 Minuten im Halteverbot die niemanden stören, dabei war es doch SOOO wichtig …

    29.01.2007 um 21:15 | Antworten
    Alle Kommentare von ZeroG
  26. 26

    mo:

    @Peter (24) ehrlich gesagt tut es nichts zur sache was ich denken wuerde, da recht eine sache ist die sich auserhalb jeglichen gefuehls abspielen muss, sonst kann man das ganze eh vergessen. es kann nicht darum gehen die angehoerigen in irgendeiner weise zufrieden zu stellen, allein schon weil das eine voellig irrwitzige banalisierung ihrer gefuehle vorraussetzt.
    natuerlich kann ich nicht davon ausgehen das ich in irgendeiner weise mit dir klarkommen wuerde, das kann ich von keinen angehoerigen erwarten. ich kann aber auch nicht gesellschaftliche werte an einzelschicksalen bewerten, und ich finde die gesellschaft sollte davon ausgehen das menschen sich aendern koennen und eben nicht “von natur aus boese” sind (und dementsprechend fuer immer aus der gesellschaft zu entfernen sind).
    desweiteren waere es meinen auch gefuehlen ziemlich egal ob du das aus politischen gruenden, spass oder weil es dein job ist (z. b. soldat) machst, verstaendnis kannst du in keinem fall erwarten.

    29.01.2007 um 21:42 | Antworten
    Alle Kommentare von mo
  27. 27

    Jan(TM):

    Warum redet ihr euch eigentlich alle mit Nummer statt Namen an?

    29.01.2007 um 21:51 | Antworten
    Alle Kommentare von Jan(TM)
  28. 28

    Johnny:

    @29: Was meinst du?

    29.01.2007 um 22:12 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  29. 29

    mo:

    @30: ich glaub 29 meint 28, 23, 19 und ausserdem 16

    29.01.2007 um 22:16 | Antworten
    Alle Kommentare von mo
  30. 30

    Schreibvieh:

    Wo soll denn da ein Unterschied sein? Die Terroristen der RAF richteten sich mitnichten “gegen Mächte und Machtinhaber”, sondern sie sahen in ihren Opfern austauschbare “Charaktermasken”. Sie interessierte nicht der Mensch, den sie da töteten, oder seine Funktion oder Stellung im “System”, sondern der Umstand, dass sie es eben konnten. Ein paar Jahre vorher kritisierte die Linke diesen Ansatz völlig zu Recht als Voluntarismus - die RAF überführte dies in eine Strategie, die einfach nur zeigen sollte: Wir können es tun und ihr könnt nichts dagegen tun. Ziel dieses Terrorismus (und, meiner Meinung nach: jeden Terrorismus) ist die Demonstration von Macht auf der einen und Verletzlichkeit auf der anderen Seite.
    Und so auch 9/11: Die Menschen, die dort aus den Fenstern des World Trade Centers sprangen in einem letzten voluntaristischen Akt (”ich bestimme selbst, wann und wie ich sterbe, nicht Sie, Herr Atta”) - sie waren Herrn Atta & Co. sowas von egal. Ob nun 3765 oder 2975 sterben - who cares, sagt sich der Terrorist. Ich kann es - und ihr könnt nichts dagegen tun. “Habt Angst!” wollen sie uns sagen. Damals. Heute. Morgen.

    29.01.2007 um 22:25 | Antworten
    Alle Kommentare von Schreibvieh
  31. 31

    keiner:

    Wenn die RAF die Machtposition nicht interresierte, warum suchte
    sie sich Opfer in Machtpositionen?
    Zum WTC: Es war vielleicht ein letzter voluntaristischer Akt,
    dann aber wohl dem Feuer und nicht Terroristen gegenüber. Die
    Leute wussten noch nicht was passiert war, sie wollten einfach
    nicht verbrennen.

    29.01.2007 um 23:51 | Antworten
    Alle Kommentare von keiner
  32. 32

    ber:

    Geb ich Dir im großen und ganzen recht, aber die 17 Verletzten im Springer Gebäude waren bestimmt keine hohen Politiker. Und war da nicht auch mal was mit nem brennenden Kaufhaus?

    30.01.2007 um 00:21 | Antworten
    Alle Kommentare von ber
  33. 33

    keiner:

    Nicht nur Politiker sind mächtig, Medien- und Wirtschaftsorganisationen
    größeren Ausmaßes sind es auch. In beiden Fällen waren die Ziele
    Gebäude. Wie oben nachzulesen sollte das Springer-Gebäude geräumt
    werden, und das Kaufhaus wurde nachts in Brand gesteckt, weswegen
    es nur Sachschaden gab.

    30.01.2007 um 00:44 | Antworten
    Alle Kommentare von keiner
  34. 34

    Iris:

    @Henning
    “Ist es eigentlich auch Terror, wenn ein Staat Unschuldige tötet?”

    Nee, das heißt auf Neusprech, glaub’ ich, Kollateralschaden.

    @Schreibvieh (30) und 31: Spielt Ihr Karstadt-Verschwörung?

    30.01.2007 um 02:10 | Antworten
    Alle Kommentare von Iris
  35. 35

    stralau:

    ber + keiner: Bevor Legenden entstehen: die RAF hat auch einfache Polizisten erschossen und 1985 den US-Soldaten im Wacheinsatz Edward Pimental umgebracht, um an seine ID-Card zu kommen. Mehr zu den Opfern steht hier.

    30.01.2007 um 09:17 | Antworten
    Alle Kommentare von stralau
  36. 36

    überflieger:

    Zum Thema Terror, den wir selber machen: Keine Spionageflieger über den Afghanistan, lieber Strassen und Krankenhäuser bauen.

    30.01.2007 um 09:31 | Antworten
    Alle Kommentare von überflieger
  37. 37

    schroeder:

    „Die Position Null ist die einzig wahre Position – und am schwersten zu erreichen.“

    30.01.2007 um 10:24 | Antworten
    Alle Kommentare von schroeder
  38. 38

    Andreas Binger:

    Soldat, Terrorist wo ist den da der Unterschied?
    Ob nun jemand ne mit einer hightech Bombe tötet oder mit einfachsten Mitteln?
    Der Terrorist ist der Soldat der Armen?

    30.01.2007 um 11:58 | Antworten
    Alle Kommentare von Andreas Binger
  39. 39

    Harm:

    Ich empfehle wirklich mal die, dem Artikel angefügten Links zu lesen.
    “Terrorist”. Was ist denn das für ein Wort?
    Sich selber sehen solcherlei Leuts ja als Freiheitskämpfer. Also, wenn einem die gesellschaftliche Freiheit von einem übermächtigen, perfiden Schweinesystem dermassen eingeschränkt wird, dass einem die Luft weg bleibt. Z.B. von Stauffenberg und Georg Elser ging es so.

    Die RAF wollte eigentlich auch nicht bis ans Ende aller Tage spektakuläre Anschläge ausführen, sondern die Volksmassen hinter sích bringen, ermutigen aufzustehen gegen die Unterdrücker und das Unrecht.
    Dass man sich mit verschwurbelten Statements und dem Abschlachten von Wirtschaftskapitänen keine Fanclubs aufbaut, haben sie dann zu spät bemerkt.
    Einerseits sind es Mörder. Andererseits für den Staat angeblich so bedrohlich, dass man Mohnhaupt/Klar mit Strafen à la “sieben mal lebenslänglich, plus 15 Jahre” bedachte. (plus anschliessendem Verbrennen, dann hängen, tss, tss)

    Wenn wir aufhören zu glauben, dass RAF/Qaida/RZ/FLMPD böse Teufel sind, die irgendeine Relevanz für unser tägliches Leben haben, können wir uns auch mal über die perfiden Schweinesysteme unterhalten, denen wir leider immer noch ausgesetzt sind.

    30.01.2007 um 13:42 | Antworten
    Alle Kommentare von Harm
  40. 40

    Moe:

    Vielleicht passt das nicht wirklich hierher, aber ich habe eigentlich den Eindruck, dass jeden Tag Menschen für unseren Wohlstand sterben müssen. Nur sind die allermeisten von ihnen eben ziemlich weit weg.

    Den mit Schleyer und Strauß kannte ich übrigens noch gar nicht.

    30.01.2007 um 15:48 | Antworten
    Alle Kommentare von Moe
  41. 41

    winfried aus chemnitz:

    @Moe

    Stimmt und passt!

    Und nun?

    30.01.2007 um 19:05 | Antworten
    Alle Kommentare von winfried aus chemnitz
  42. 42

    winfried aus chemnitz:

    @seb (17)

    “”"Der Punkt ist ja, dass die Basis der Hamas das Existenzrecht von Israel in Frage stellt…zudem ist die Hamas ja keine wirkliche Partei, sondern eine Terrororganisation.”"”

    ###Nicht wirklich … aber Israel stellt das Existenzrecht der Hamas in Frage. Die Hamas ist viel mehr als eine Partei!

    Du stellst ja schon in Frage das die Hamas eine Partei ist und eine Gewählte noch dazu.

    Diese “in Frage stellen der Existenz ist auf beiden Seiten das Generalproblem. Wenn man sagt ” … dann töte ich einfach deinen Anführer … Außerdem gibt es ein Existenzrecht erst
    dann für einen Staat wenn die Inhalte und Grenzen endgültig definiert sind. Wenn es um das Existenzrecht in den Grenzen geht die von der UNO definiert worden sind dann gäbe es wohl heute keinen Streit mehr darüber? Im Streit von zwei Kräften muss die stärkere Kraft die stärkere Verantwortung tragen und genau dies geschieht nicht!
    Nach dem Libanonmassaker glaubt eben denen keiner mehr! ###

    30.01.2007 um 19:17 | Antworten
    Alle Kommentare von winfried aus chemnitz
  43. 43

    apfelbaum:

    @ Harm: Stimmt genau: Freiheitskämpfer, Terrorist - Ansichtssache. Es ist übrigens bezeichnend, dass ausgerechnet eines der beiden Länder, die um die Verfügungsgewalt um den Begriff der Freiheit fünfzig Jahre einen Krieg geführt haben, in dessen Verlauf die Freiheit schockgefroren wurde, des Staatsterrorismus’ für schuldig befunden wurde. Und das andere Land hätte ein ähnliches Urteil durchaus auch verdient…
    Entscheidend sind dann doch die Methoden. Dumm ist nur: ausgerechnet die Bewegung, die Gewaltfreiheit propagiert, dermaßen zusammengeschossen wurde, das sie sich bis heute nicht davon erholt hat - geschweige denn überhaupt ernstgenommen wird.
    Von beiden Seiten übrigens.

    [Edit]: Also das zusammengeschossen bezieht sich auf beide Seiten. Dass sie nicht ernstgenommen wird, bezieht sich auf jedermann.

    30.01.2007 um 19:20 | Antworten
    Alle Kommentare von apfelbaum
  44. 44

    Harm:

    @46, äh apfelbaum: Ja, natürlich gelingt es “der Linken” sich, seit wasweisich, wie in “Life of Brian” schön dargestellt zu präsentieren: “judäische Befreiungsfront”, “Befreiungsfront von Judäa”, “populäre Front”? Spalter!
    Wie die das immer schaffen ist mir ein Rätsel. Die Gegenseite schafft es immerhin, dass sich hier die Kommentatoren die Köpfe einhauen über die Verwerflichkeit von Kollateralschäden, Akzeptanz von Gewalt, Todesstrafe, etc.
    Nennen wir es doch einfach “Zeitgeist”, oder “analoge, revolutionäre Bohême 2.0″, also die jungen, bewaffneten Leuts damals. Irgendwas muss schon dransein. Und tatsächlich: die USA führten Kriege mit unverhältnismässiger Gewalt, junge Leuts stellten verlogene Medienmacht in Frage und der MIK bläst über die öffentliche Meinung.
    Hupps, also genau so wie heute.
    Und nach diesem wirren Gefasel wünsche ich mir einen Kommentar von “winfried aus chemnitz” herbei. Das könnte es noch retten.

    31.01.2007 um 03:03 | Antworten
    Alle Kommentare von Harm
  45. 45

    Niels:

    @winfried aus chemnitz:
    Deine Aussage:
    “Außerdem gibt es ein Existenzrecht erst dann für einen Staat wenn die Inhalte und Grenzen endgültig definiert sind.” halte ich für gefährlich. Das Existenzrecht Israels ergibt sich gerade nicht aus einer juristisch/abstrakten Diskussion über “Inhalte und Grenzen” sondern aus der spätestens nach Hitler sehr nachvollziehbaren Erkenntnis, dass das “jüdische Volk” sich trotz Integration und Assimliation im Rest der Welt nicht mehr sicher fühlen konnte, demzufolge einen Zufluchtsort braucht. So traurig diese Erkenntnis ist: Einen besseren Grund für die Existenz eines Staates kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die Diskussion über “Inhalte und Grenzen” schliesst sich allenfalls an diese grundsätzliche Rechtfertigung an, ist aber nicht geeignet diese wiederum grundsätzlich in Frage zu stellen.

    31.01.2007 um 12:10 | Antworten
    Alle Kommentare von Niels
  46. 46

    Mucke:

    Unbedingt heute abend ansehen: Günter Gaus im Gespräch mit Christian Klar, RBB, 22.45 Uhr

    01.02.2007 um 14:52 | Antworten
    Alle Kommentare von Mucke

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