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Blogwerbung

Nach Google will sich nun auch Yahoo um die Vermittlung von Werbung für kleinere Websites und Blogs kümmern (Danke an Alexander für den Hinweis). Und auch der in den USA recht erfolgreiche Anbieter Blogads plant sicher die Expansion in andere Länder.

Auch wenn viele Blogger, die Google Adsense nutzen, über die geringen Einnahmen mosern, ist und bleibt das System auf eine Art genial. Speziell für Blogs bietet es sich an, da der Inhalt der einzelnen Seiten nach Stichworten durchsucht wird und entsprechend thematisch passende Werbung automatisch platziert wird. Nach der einmaligen Einrichtung muss der Blog-Betreiber so gut wie nichts mehr tun außer vielleicht ab und an völlig unerwünschte Werbung im Backend von Adsense auszufiltern (so habe ich für die Spreeblick-Blogs z.B. Nike gefiltert, da es absurd gewesen wäre, wenn bei unseren Artikeln zum Thema Nike/Dischord entsprechende Nike-Werbung aufgetaucht wäre).

Aber: Ein paar Euro Unterstützung ohne große Beschäftigung mit Marketing. Find‘ ich okay. Über die Zahlen bei Spreeblick kann ich sowieso nicht meckern, die Hostingkosten sind damit dicke abgedeckt. Immerhin.

Natürlich sind solche Systeme trotzdem nicht perfekt. Immer wieder kommt es zu ziemlich lustigen Fehlplatzierungen, wenn bspw. bei meiner Handytest-Persiflage immer wieder Werbung für Türstopper eingeblendet wird. Das ist zwar witzig, nützt aber weder mir noch den Türstopper-Vetreibern. Aber Computer sind eben nicht perfekt und ich bin daher immer wieder überrascht, wie gut die Platzierungen im Großen und Ganzen doch funktionieren.

Ein weiteres generelles Problem jedoch ist, dass sich im Gegensatz zur klassischen Online-Vermarktung die Einnahmen durch Werbung im Fall von Adsense-ähnlichen Systemen nicht durch reine Aufrufe generieren. Während Sites wie Spiegel Online ihren Werbekunden sogenannte TKPs berechnen („Tausender Kontaktpreise“), also Summe X pro tausend Page Impressions einer Site mit Banner o.ä. kassieren, egal, ob die Nutzer auf das Banner geklickt haben oder nicht, fließt bei Adsense nur Geld wenn die LeserInnen der Site tatsächlich die Werbenden besucht haben, also auf die Werbung geklickt haben.

Da GoogleAds im Gegensatz zu klassischer Bannerwerbung kaum Raum für Werbetreibende bieten, ihre Marke oder ihr Logo kreativ zu transportieren um damit auch durch bloße Präsenz einen Effekt zu erreichen („Brand Awareness“), mag das fair sein und wird sicher für die Millionen kleiner, privater Sites weiter funktionieren. Kleinvieh macht eben auch Mist, speziell für Google oder Yahoo oder wen auch immer. Sitebetreiber jedoch bezahlen den Automatismus mit finanzieller Planungsunsicherheit und der Anwesenheit von recht wahlloser und unkreativer Werbung auf ihrer Site.

Das letzte Wort in Sachen automatischer Kleinst- oder Textanzeigen ist aber auch aus einem anderen Grund noch nicht gesprochen. Immer mehr Markenanbieter beschweren sich darüber, dass mitunter sogar branchenfremde Unternehmen mit ihren Marken GoogleAds betreiben, hierbei geht es auch um Lizenz- und Markenrechte. Denn wer eine Google-Anzeige schaltet, muss Keywords angeben, in deren Umfeld er auf Websites auftauchen möchte. Schreibe ich zum Beispiel einen Artikel über Adidas, liefert Google dazu passend Anzeigen für Adidas-Turnschuhe. Diese kommen jedoch meist nicht von Adidas selbst, sondern bspw. von einem Online-Shop, der Turnschuhe vertreibt. Das müssen nicht einmal welche von Adidas sein, das Keyword des Werbetreibenden war einfach klug gewählt. Somit werben Firmen über die Markenbekanntheit anderer, was man nicht schlimm finden mag, einigen Herstellern jedoch nicht gefällt. Spitzenreiter dieser Form von Text-Ads dürfte übrigens Ebay sein, bei denen es ja nunmal alles gibt, die daher auch mit jeder denkbaren Marke werben und die neulich mit der Anzeige „Gott jetzt günstig bei Ebay“ den Vogel abgeschossen haben.

Trotz meiner Kritik bin ich konzeptionell sehr beeindruckt von Text-basierten Ad-Systemen wie dem von Google, die einfach sehr netz-like sind. Transparent für alle Seiten (jeder kann sich informieren und teilnehmen), flexibel (Werbende können festlegen, wieviel sie pro Klick oder im Monat ausgeben möchten, somit auch für Kleinstunternehmen interessant) und alles ist weitestgehend automatisiert. Sehr klug durchdacht, wenn auch noch nicht fehlerfrei.

Als ginge es um ein Roulette-Spiel, zieht jedes technische System natürlich auch jene Gattung Menschen an, die ihr Leben mit dem andauernden Versuch verbringen, dieses oder jenes System „zu knacken“ und ohne Arbeit reich zu werden. Einigen scheint das tatsächlich zu gelingen, glaubt man den Hundertschaften von Websites, die sich mit GoogleAd-Tricks und -Tipps beschäftigen. Und wer sich mal die Blogs in der Topliste bei Blogcounter ansieht, der wird erschrocken feststellen, dass ein immer größer werdender Teil der Blogs keine Blogs sind, sondern reine GoogleAd-Transporter. Da werden Pseudo-Artikel gepostet, deren inhaltliche Ausrichtung nur der „richtigen“ Platzierung von gut bezahlten Ads dient, da werden Fotos von meist halbnackten weiblichen Stars gezeigt, unter denen der GoogleAd-Link wie der Link zur eigenen Galerie wirkt. Und daher geklickt wird. PLING! Wieder 10 Cent verdient! Billige und eklige Tricks, aber legal. Damit genug Besucher auf die Pseudo-Site kommen, werden meist selbst noch billigere GoogleAds geschaltet; der Trick ist, billigen Traffic zu kaufen und ihn teuer weiterzuleiten. Glücklicherweise ist Google sehr aufmerksam, was den Missbrauch ihres Systems angeht, doch ist es relativ unmöglich, bei Site-Betreibern zwischen „echten“ und „Pseudos“ zu unterscheiden und so muss auf die Klugheit der Nutzer gehofft werden.

Tatsächlich sind einige der Tipps auf den o.a. Sites aber manchmal auch effizient, wenn auch inhaltlich frustrierend. Wenn z.B. die meisten Blogs ihre Ads am Seitenrand positionieren, um das Layout und die LeserInnen nicht zu stören, kommt das einem Weglassen der Ads gleich. Denn erwiesenermaßen steigert eine Platzierung der Ads im Fließtext die Umsätze; am Rand beachtet sie einfach niemand. Und als wir die Ads in den Spreeblick-Blogs kleiner gemacht haben, da uns die großen zu aufdringlich erschienen, gingen die Klick-Zahlen spürbar zurück.

Marketing-Füchse werden über diese Erkenntnis laut lachen, da sie uralt ist, aber unsere Erfahrung beweist leider erneut: Je lauter und größer die Werbung ist, desto erfolgreicher ist sie. Als Betreiber einer Site gilt es also, das individuelle Maß zwischen persönlichem ästhetischen Anspruch und kommerziellem Interesse zu finden.

Ich bin davon überzeugt, dass zu viel und vor allem zu aufdringliche Werbung auf einer Website nicht nur die LeserInnen nervt und abschreckt, sondern auch den Werbekunden nichts bringt. Für mich sagen die bekannten großen Banner am Seitenanfang einer Site nichts anderes als „Hier bitte sofort weggucken!“ und so wird das vielen NutzerInnen gehen. Bietet mir eine Online-Werbung jedoch einen Mehrwert (z.B. eine sofort sichtbare, klare Information oder auch nur eine kreative und witzige Produktdarstellung), ist sie thematisch nicht allzu weit entfernt von den Inhalten der Site und behindert sie nicht durch Dauerblinken oder plötzliches Aufpoppen meinen Blick auf das, was ich eigentlich suche, dann soll das mit mir okay sein. Solange Werbung mich nicht zu etwas zwingen will oder für völlig bescheuert hält, akzeptiere ich ihre Notwendigkeit und ihren Nutzen für alle Seiten.

Denn Nutzen hat sie natürlich. Für die Unternehmen, die ihre Produkte bekannt machen wollen, für Konsumenten, die über diese Produkte informiert werden und für die Betreiber der Sites, die durch die Einnahmen bei dem unterstützt werden, was sie tun wollen. Nämlich die Site betreiben.

Wenn mir also immer wieder Leute schreiben, wie gerne sie Spreeblick lesen solange es umsonst ist und wie klasse sie es finden, dass wir soviel Arbeit in die Seite und das Drumherum stecken und dass sie die Werbung gar nicht stört, weil sie sowieso Ad-Blocker benutzen…

…dann ist das ein bisschen so als ob mir jemand sagt, dass er nicht nur nicht bereit wäre, für unsere Arbeit etwas zu zahlen sondern dass er darüber hinaus auch noch gerne aktiv verhindert, dass dies andere tun.

Werbung oder Sponsoring wird, ob man das toll findet oder nicht, immer einen Teil der Refinanzierung einer Website ausmachen, wenn diese täglich und mit sehr viel Einsatz geführt werden will. Das gilt natürlich keineswegs für alle Sites. Vor allem nicht für die Mehrheit der Blogs, denn es gibt hervorragende Blogs, die mit täglichen Schnipseln, Links, Gedanken, Fotos und alle paar Tage mal einem etwas längeren Text als Hobby sehr gut funktionieren und eine absolute Bereicherung des Netzes sind. Diese Blogs sind enorm wichtig, sie sind das Herz der Blogosphäre.

Wer jedoch für Artikel auch mal etwas länger recherchieren möchte oder einfach regelmäßig längere Essays schreibt, wer die Perlen im Netz sucht die die anderen noch nicht gefunden haben, wer hohen Traffic hat, wer eigenes Design und eigene Technik integriert, der muss entweder Schüler, Rentner oder Student mit wenig Seminaren und Kursen sein, um das alles ohne zusätzliche Einnahmen leisten zu können. Oder extrem gut verdienen in einem ihn zeitlich nicht auslastenden Job (soll’s ja geben).

Als Abschluss dieser unstrukturierten Online-Werbegedanken (ich weiß gar nicht, wie ich darauf gekommen bin, wollte eigentlich nur die Yahoo-Meldung weitergeben und Schwupps! bin ich mittendrin….) muss ich nochmal auf die immer wieder auftauchende Paranoia eingehen, dass wir uns bei den Spreeblick-Blogs nach der angekündigten Kommerzialisierung für Artikel bezahlen lassen könnten.

Man würde das dann Schleichwerbung nennen. Wie beliebt und legal diese ist, sieht man an den aktuellen Diskussionen um TV-Schleichwerbung. Und auch wenn die meisten Blogger meinen, das Presserecht würde sie nichts angehen: Mich geht es etwas an, ich bin (auch) Journalist. Zu den minimalen Regeln die wir mit allen unseren Autoren aufgestellt haben gehört die, dass eine heimliche Vermischung von redaktionellem Inhalt und Werbung nicht stattfinden wird. Klar werden wir euch Sponsoren auch in einem Text vorstellen, aber eben als Sponsoren, die danach visuell abgegrenzt und als Werbung gekennzeichnet ihre Produkte bewerben können. Es geht um die eindeutige Kennzeichnung von Werbung als solche, die immer gegeben sein muss. Bei uns zumindest, denn wir sind nicht SpOn und wir halten unsere LeserInnen für ziemlich clever.

Ungekennzeichnete Werbung in Artikeln oder anderswo auf den Blogs: Bei uns nicht. Bei einigen anderen Blogs hingegen sehr wohl. Schon lange. Merkt nur keiner. Oder?

28 Kommentare

  1. 01
  2. 02

    Oh, was habe ich angerichtet? Ich hab Dir doch nur einen Link geschickt :-))

  3. 03

    Ich bin gestern über diese ganzen Fake-Blogs bei blogcounter gestolpert und war echt platt. Was für ein Mist, darf man nicht verlinken. Und naja, die Yahoo-Meldung passte halt und plötzlich war ich am Tippen. :)

  4. 04

    Dann bin ich ja beruhigt. Ist mir aber auch schon massiv aufgefallen bei blogger.com, bei denen ich auch mein Blog habe. Wenn mann da durch die anderen Blogs surft ist mindestens jedes dritte ein Fake. Ist leider so ärgerlich, daß ich z.B. bei Metroblogging in den Kommentaren meine Blogspot-URL nicht angeben kann, sonst wird der Kommentar nicht übernommen. Weiß jemand was ähnliches von anderen Blog-Providern, ob es da eine ähnliche Problematik gibt?

  5. 05

    Guter Artikel. Wahrscheinlich bekommst Du es jetzt wieder lang und schmutzig von den selbsternannten Puristen (waaaa, Werbung ist Scheisse), aber ich stimme Dir zu. „Meine“ Google ads decken die Kosten fuer den Bloganbieter, und mehr will ich auch gar nicht. Und wenn jemand die ads nicht leiden, einfach nicht hinschauen. Sind auch nur pixels, am Ende des Tages.

  6. 06

    > GoogleAd-Tricks

    Ich kenne nur einen: In der Firefox-Erweiterung AdBlock ein „ad*.google.*“ eintragen. Hart, aber entlich Werbefrei.

  7. 07

    Werbefrei? Du träumst. Bitte oben nochmal lesen, speziell die unteren Zeilen.

  8. 08

    Ich würde Spreeblick, zoomo und lautgeben auch gegen Geld lesen. Ich weiß aber nicht, wie viele das sonst noch tun würden und ob sich ein solches Modell für Euch lohnen würde.

    Auf der anderen Seite finde ich es nicht sinnvoll, sich über adblock aufzuregen. Du hast als Webautor einfach keinen Einfluß darauf, wie der Client die Seiten anzeigt. Mit Lynx zum Beispiel, taucht die Google-Werbung gar nicht auf und auch der ALT-Text für das Sponsorenbanner müßte etwas anders aussehen, damit man mit einem Textbrowser drauf…, nee nicht klickt, aber dem Link folgt.

    Ich verstehe, daß Du Dich über eine solche Kostenlos-Mentalität aufregst, zumindest, wenn gar nicht beachtet wird, wieviel Arbeit Ihr reinsteckt.

    Aber vermutlich würden die Adblocker sowieso nicht auf die Banner klicken. Und genausowenig wie ein Plakatwerber verlangen kann, daß man sich seine Plakate ansieht, kannst du verlangen, daß man sich die Werbung ansieht.

  9. 09

    Im übrigen, so ist zumindest meine Erfahrung, ist Werbung außerhalb des inhaltlichen Bereiches von seinen Klickraten nicht zu unterschätzen. Es ist doch erstaunlich, was ich dort teilweise für Klickraten erhalte.

  10. 10

    Vor allem nicht für die Mehrheit der Blogs, denn es gibt hervorragende Blogs, die mit täglichen Schnipseln, Links, Gedanken, Fotos und alle paar Tage mal einem etwas längeren Text als Hobby sehr gut funktionieren und eine absolute Bereicherung des Netzes sind. Diese Blogs sind enorm wichtig, sie sind das Herz der Blogosphäre.

    Johnny spricht mir aus dem Herz, wenn man dass so sagen kann. Obwohl gerade viele kleine Blogs auch üblen ‚bullshit‘ posten (mein gruß geht an myblog.de), gibt es manche, die wirklich interessant sind und in nischen stoßen.

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    Mein eigenes blog bildet ja ebenfalls eine nische, den so viele bloggende Feuerwehrler gibts nicht.
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    Bloggende Musiker schon eher ;) Ich wünsche mir mehr solcher nischenblogs.

  11. 11

    Hostingkosten können meines Erachtens nach (bei deutschsprachigen Blogs) kein Argument sein um Werbung zu schalten, denn dafür sind sie einfach viel zu niedrig. Auch ich setze AdBlocker ein, um die Werbung erst gar nicht zu sehen, da ich Google Adsense optisch nervig finde und eh noch nie draufgeklickt habe.
    Was „Ungekennzeichnete Werbung in Artikeln oder anderswo auf den Blogs“ angeht, könntest Du da mal konkret werden?

  12. 12

    bei der die Anzeige von einem Google-Robeoter nach dem Inhalt der Seite ausgewählt wird

  13. 13

    hmmm, interessanter gedanke. vielleicht eine chance, für die blogkultur. chapeau!

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