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Make Sense No More!

Ich liebe die deutsche Sprache, auch wenn man es meiner Orthographie nicht unbedingt anmerkt. Aber es ist meine Muttersprache, ich spreche sie so lange ich denken kann (Freunde behaupten sogar schon viel länger). Ich lernte die Kleinigkeiten, die Absurditäten zu schätzen. Einige Worte haben einen merkwürdigen Klang, wie zum Beispiel das Wort „sogar“. Irgendwie fehlt diesem Wort die Mitte, es ist so merkwürdig konsonantenlos, obwohl doch so viele darin vorkommen.

Und deshalb tun mir einige Formulierungen aus Fremdsprachen, meistens aus dem Englischen irgendwie weh. Ich meine nicht Anglizismen, diese sind oft durchaus eine Bereicherung für die Sprache wenn sie Dinge beschreiben die es so vorher nicht gab – es wird ein neues Wort geschaffen, indem man sich ein Wort aus einen anderen Sprache klaut. „Plugins“ zum Beispiel. Klar könnte man die auch „Reinsteck“ nennen, aber jedes Gespräch über Erweiterungen von Softwaresystemen würde sofort ein schüchternes Kichern unter den Zuhörern auslösen.

Mich stören mehr diese kleinen Grammatikfehler wie in „in zweitausendfünf haben wir…“. Da sträuben sich mir mir jedes mal die Nackenhaare. Ist die Zeit denn wirklich schon so knapp, dass wir nicht einfach „Im Jahr 2005“ sagen können? Man kann das „in“ auch einfach weg lassen und schon stimmt alles wieder. Darum, und weil ich hier noch für etwas mehr als 24 Stunden die Hand am Ruder habe, habe ich ein kleines WordPress Plugin gebastelt, das in allen Artikeln einige dieser kleinen Fehler rot durchstreicht und eine deutsche Form grün dahinter schreibt.

Das Plugin gibt es hier als Download.

Es ist unglaublich, wie viele Artikel dadurch plötzlich viel mehr Sinn machen!

40 Kommentare

  1. 01

    Max, ick liebe Dir.

    Das ist nämlich wirklich das Hauptproblem: das Überstülpen ausländischer Grammatik. Bitte auch noch „etwas erinnern“ aufnehmen.

  2. 02

    Wobei mir gerade auffällt, daß das schwierig wird: damit das wirklich Sinn macht (kleiner Test :), müßte ja tatsächlich die Grammatik eines Satzes vom Plugin verstanden werden — ein Problem, mit dem sich Linguisten seit über 50 Jahren rumschlagen.

  3. 03

    Das muss ich jetzt gleich mal ausprobieren. Obwohl: Ganz viel sinnvoll sein dein Beispiel ja nicht gerade…

  4. 04
    andre

    Ich dachte „Sinn machen“ müßte in „Sinn ergeben“ übersetzt werden?

  5. 05

    Alles Fake: Bevor ich das Plugin einstöpsele, sehe ich mir erst mal den Code an. Der macht ja nun wirklich nur in einen Fall sinnvoll sein. Arbeitest du noch an Erweiterungen?

  6. 06

    @ andre: Wir könnten auch ein wenig Sinn stiften…

  7. 07

    max:
    sehr schön. johnny schreibt recht häufig mal „das macht sinn“, wenn ich das jetzt richtig in erinnerung habe.
    aber vielleicht haben wir (also du und ich und andere, die das stört) keine chance mehr, es sei denn, wir verschenken hunderttrausende von freiexemplaren von bastian-sick-büchern oder so.

    stralau:
    „etwas erinnern“ geht übrigens im deutschen, es hört sich nur für meinen geschmack komisch an, aber das hat in dem fall nichts mit anglizistischer grammatikübernahme zu tun, der ausdruck ist korrekt.

    genauso wie „das hab ich eben erst realisiert“…

  8. 08
  9. 09
    Sabine

    Hach, ist das schön. Jemand macht sich Gedanken um diese unsere so schöne und reiche (!) Sprache, mit der man vieles so hübsch subtil ausdrücken kann… *freu*

  10. 10

    Hmmm. Funktioniert nicht oder mein Deutsch ist zu gut.
    Gibts nen Button fürs Plugin?
    ;)

  11. 11

    @ Hanno – Auch mit noch so vielen Freiexemplare nehme ich an (um mit Sick zu sprechen): Da’s hilft alle’s nicht’s

  12. 12

    Hanno: „Etwas erinnern“ geht genauso wie „Sinn machen“.

    Sinnvoll hingegen ist „an etwas erinnern“, „sich erinnern“, „jemanden erinnern“, „sich an etwas erinnern“ oder „jemanden an letzten etwas erinnern“ sowie „sich erinnern + Gen.“ (Ich erinnere mich des Frühlings).

    Und mMn ist das durchaus aus dem Englischen übernommen („to remember sth“).

  13. 13

    ist es nicht so, dass „cool“ ein in der deutschen sprache gebrauchtes englisches wort ist, während „in 2006“ ein anglizismus ist?
    danke übrigens für: „ich spreche sie so lange ich denken kann (Freunde behaupten sogar schon viel länger)“
    werde ich mir einverleiben

  14. 14

    Dein „Sinn machen“-Reinsteck installier ich in meiner kleinen Bloghütte besser nicht. Dafür rockt der „I’m NOT JOHNNY“ Knopf große Zeit, ist er nicht?

  15. 15

    das Reinsteck installiere ich nur, wenn mir garantiert wird, dass es auch „wie“ und „als“ korrigiert — und „žals wie“ sowieso. Denn es gibt kaum einen Fehler, über denn ich mich mehr aufrege, wie über diesen. NEIN. …als wie über diesen. NEIN. … als über diesen. Schon eher.

  16. 16

    So toll ich die Idee finde, Max, so sehr fürchte ich, dass gerade das „Sinn machen“, welches bei mir auch immer noch ein Schaudern auslöst, kaum noch aus der Sprache zu entfernen ist.

    Politiker verwenden es, die Tagesthemen verwenden es, mein Gesprächspartner am Telefon hat es gerade viermal verwendet. Ich konnte noch so sehr mit meinem „Sinn ergeben“ dagegenhalten: da änderste nix mehr.

    Es geht aber eh noch schlimmer, als wie wennste wie beispielsweise die „vitale Rolle“, die Deutschland bei gewissen US-amerikanischen Aktivitäten gespielt haben soll. Grausig.

  17. 17

    Huch, durchstreichen in den Kommentaren mit „strike“? „als wie wennste“ sollte selbstverständlich gestrichen werden. Nur aus Spaß.

  18. 18

    @Boogie: würde aber Sinn machen, wenn du würdest zu aktivieren das Reinsteck, denn schon das dritte Wort, dass ich bei dir las, hieß „lies“, gemeint war aber „ließ“.

  19. 19

    diaet: Bis zu den Kommentaren schlägt das nicht durch. Wobei ich mich gerade Frage warum nicht. :)

  20. 20
    Thomas

    Das ist doch nur Rechthaberei. Sprache ist nunmal lebendig, wo ist denn das Problem? Sollen wir jetzt wirklich anfangen, den Kulturimperialismus an ausgerechnet *dieser* Stelle zu bekämpfen?

  21. 21
    CNN-Man

    Ich find deine Rechtschreibung ganz ok Johnny, und die deutsche Sprache mag ich auch aber sachen wie „Reinsteck“ als „Plugin“ würde wirklich mist sein.

  22. 22

    Ich will ja nicht kleinlich sein, aber bei deinem letzten Satz geht doch die Grammatik durch das Plugin völlig flöten:

    „Es ist unglaublich, wie viele Artikel dadurch plötzlich viel mehr … sinnvoll sein!“

    Aber ich muss gestehen, dass ich auch ein kleiner Verbalakrobatiker bin. Als gebürtiger Potsdamer in Bayern bluten einem hier schon manchmal die Ohren, nicht wegen der Wörter, viel mehr wegen der Grammatik. Gerade, wie einige hier schon anmerkten, das ALS und WIE in Vergleichen zu vertauschen, ist hier ganz groß.
    Na wie auch immer: Mein Deutsch mich fetzing ;)

  23. 23

    Also „etwas erinnern“ geht auf keinen Fall in der deutschen Sprache! Nur weil die Engländer can remember everything sagen, heißt das noch lange nicht, dass „ich erinnere das“ in Deutschland richtig ist. Das ist kompletter Käse – da kriegt der Journalist echt einen Hals like a Kecksdos…

  24. 24

    @john gimignano
    mein zivilrechtsprof hat das ständig verwendet
    kann nich mal jemand im duden nachschlagen?
    ich „denke“ (das is übrigens auch ein anglizismus), dass beides geht, sowohl reflexif „sich erinnern“ als auch nicht-reflexif „ich erinner das“ auch wenn es scheiße klingt.

  25. 25
    Brötchen

    anstatt „in 2005 haben wir…“ und „im Jahr 2005 haben wir…“ kann man doch auch sagen „2005 haben wir…“. Da ist die deutsche Sprache mal kürzer als die Englische.
    Ansonsten freue ich mich, dass manche Anglizismen irgendwann aussterben (wer erinnert sich noch an den „sky Marshall“?) andere integriert werden können (z.B. Browser) und wieder andere finden irgendwann eine deutsche Entsprechung, die nicht so krude ist, wie das „Reinsteck“-Beispiel. So ist es ja auch durchaus ok zu sagen, dass man sich einen Flachbildschirm kauft (das Wort gab es vor ein paar Jahren noch nicht) und das Handy wird auch langsam vom Mobiltelefon abgelöst. Solange die deutsche Sprache das noch kann, muss man nicht allzu besorgt sein. Ein bisschen Kreativität, und man findet immer was passendes auf deutsch.

  26. 26

    „Es ist unglaublich, wie viele Artikel dadurch plötzlich viel mehr […] sinnvoll sein!“

    Ob das jetzt wirklich besser ist? ;)

  27. 27

    Das ist sicherlich ein sehr sinnvolles Plugin, weil doch viele der deutschen Sprache nicht wirklich Herr sind (ich schließe mich da mal ein). Kann man das Plugin nur bei WordPress benutzen?

  28. 28
    Thomas

    @Brötchen: Dass man immer was passendes auf deutsch finden kann steht ja außer Frage. Aber für welche Worte/Wendungen muss man das denn tun? Absolut lässt sich da sicher keine Lösung finden, soll also jeder eine Liste mit für ihn erlaubten Wendungen führen, für deren Verwenung er sich nicht korrigieren lassen möchte? Mit der Wendung „ok sein“ hast du dich ja arrangiert, aber meine Oma sieht das sicher anders.

  29. 29
    foobar

    @ Brötchen: Handy ist selbst schon eine deutsche Sprachschöpfung, gibt es im englischen Sprachraum gar nicht…

  30. 30
    friz

    und ich bin der wo dem Deutsch am mächtigsten ist.

  31. 31

    So ein Plugin wünsche ich der Redaktion von $beliebige_zeitung :)

  32. 32
    Katharina

    Hm. Bei mir lösen diese Diskussionen über Anglizismen und den übermäßigen Gebrauch von Lehnwörtern (so heißen Wörter wie Plugin glaub ich technisch korrekt) eher Unbehagen aus. Denn dahinter steckt – meines Erachtens nach – ein ziemlich rigides Verständnis von richtig und falsch. Sprache ist aber immer in Bewegung, heute vielleicht schneller denn je, aber es war schon immer so. Man kann sich durchaus nach der Bedeutung und dem Hintergrund fragen, warum alles, was aus dem amerikanischen Sprachraum kommt, sofort hier aufgeschnappt und in die Alltagssprache mit eingebaut wird. Aber Sprache dauerhaft konservieren und planen zu wollen, halte ich für ein ganz schwieriges und auch fragwürdiges Unterfangen.
    Damit meine ich nicht, dass nicht ganz viele Leute eine bessere Rechtschreibung und Grammatik nötig hätten – steht völlig außer Frage. Dennoch hat Sprache die Funktion, dass man sich miteinander verständigt, Sachen eindeutig (oder zweideutig, wenn man das wünscht) ausdrücken kann und das Anliegen rüberbringt (to get accross, hehe).
    Formulierungen wie „Sinn machen“ machen – weiterhin meiner ganz persönlichen Meinung! – haben ihre Berechtigung, weil sie verstanden werden, nicht mehr und nicht weniger. Alles andere macht da sozusagen überhaupt keinen Sinn! ;-)

    Der nächste Schritt wäre für mich zu überlegen, was die englische/ amerikanische Sprache an sich hat, dass Elemente immer wieder übernommen werden. Rein positive Assoziationen weckt sie ja ganz offenbar nicht, die meisten Leute wollen weniger Englisch in ihrer Muttersprache. Liegts am Aufbau, ist Englisch einfach eine „praktische“ Sprache? Liegts an der Musik, die es überwiegend auf Englisch gibt? Politisch-soziale Gründe? Das fände ich sehr spannend.

  33. 33
    artur

    „Da steh ich nun, ich armer Tohr, Und binn so klug als wie zuvor.“ (Goethe, Urfaust) Also das muss gutes, nein bestes Deutsch sein. Ja, ja wirklich „als wie“. Das muss also mal ganz OK gewesen sein, nein – in Ordnung.
    Ich glaube, jeder von uns empfindet das als normales (nicht gutes) Deutsch, was er in seiner Kindheit gelernt hat. Später, in seiner Jugend, fügt er noch das hinzu, was er irgenwo gehört und zum ersten mal verstanden hat. Und wenn er’s halt auf englisch verstanden hat …
    Eindeutschungen kommen oft Jahre später und oft verschwinden sie auch wieder allmählich (Fernsprecher, Rundfunkempfänger, Lichtbild, Filmtheater, …).
    Noch etwas älter geworden, verwirrt den durchschnittlich belesenen Deutschen alles, was er nicht versteht oder gar neu lernen muss. Siehe die aktuelle Rechtschreib-Diskussion.
    Sprache lebt – lassen wir sie leben. Aber hören wir hin, wie’s klingt. „In 2006“ – brr…

  34. 34

    Plugin bitte für „der Blog“ und „das Blog“ erweitern!

    Der Artikel oder das Plugin hätte, aber das ist für den Autor selbst schwer machbar, da u.U. nicht ganz selbstverherrlichungsfrei, schöner „Max sense no more“ heißen können. Aber es ist auch schon spät.

  35. 35

    stralau/Hanno: „etwas erinnern“ ist Deutsch, allerdings kein Hochdeutsch. „Etwas erinnern“ ist norddeutscher Dialekt, so ab Lünebuerch bis Flensbuerch ;-)

  36. 36

    Gut, laß ich gelten ;). Wie sieht’s denn mit „etwas kommunizieren“ aus, auch norddeutsch?

  37. 37
    troll

    Solch „Reinsteck“ kann man verbessern, erweitern oder (achtung:) sinnvoller machen (das eine macht sinn, das andere macht mehr sinn????): Wichtiger wäre ja eher der direkte „Fisch ins Ohr Reinsteck“ für zum Beispiel Fußballmoderatoren oder Gäste bei Fernsehshows/sendungen in der Mittagszeit.., denn die gesprochene Sprache entspringt immer der gehörten….

    Macht das jetzt Sinn????

  38. 38

    oh nein, nicht schon wieder! seit mich vor ein paar monaten jemand auf unserem blog auf das fehlerhafte „sinn machen“-thema angesprochen hat (lustig: mein post strotzte nur so vor üblen www-anglizismen wie „gebookmarkt“, aber das störte meinen kommentator offenbar weniger), will ich mir alle 5 minuten nachträglich den mund zuhalten, weil ich diese formulierung einfach _dauernd_ verwende. und fast alle anderen menschen auch. so blöd es sein mag: „Sinn machen“ ist einfach eine längst 100% eingedeutschte formulierung. da kann man sich genauso sinnlos [!] darüber aufregen wie damals, als es hieß, dass das neue millenium bitteschön korrekterweise 2001 zu beginnen hat. oder das wort „handy“. oder …

  39. 39

    Programmiermeisterleistungen, die keinen Sinn machen.

  40. 40

    es gibt doch mittlerweile sehr viele „parallelsprachen“ in D.
    mit meiner oma rede ich z.b. anders als mit einem befreundeten computerfreak.
    eine sprache ist lebendig. das finde ich auch gut.
    aber oft stelle ich mir vor, wie das wohl für meine oma sein muss, wenn sie im tv irgendeine sendung sieht, wo ständig solche „neuen“ begriffe fallen… ich glaub, sie schaltet dann einfach um… *g*
    die neue rechtschreibung finde ich teilweise jedenfalls blöder als irgendein neues, eingedeutschtes wort…

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