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Re: Ausschreibung Merkel-Podcast

Einige Tage lang haben wir jetzt darüber nachgedacht, ob wir uns an der Ausschreibung zur Produktion des Video-Podcasts der Bundeskanzlerin beteiligen sollten.

Denn völlig albern ist die Idee ja nicht und ich schätze, dass die Fragen in den Kommentaren, ob wir „mitmachen“ würden, durchaus ernst gemeint waren. Wir (damit ist nicht nur das kleine aktuelle Spreeblick-Team gemeint) hätten die technische Kompetenz, Erfahrung und nicht zuletzt auch das Equipment für die Umsetzung. Die Einnahmen hätten den Laden hier viele Monate lang finanzieren können und vielleicht hätten wir sogar eine echte Chance gehabt – Grimme sei Dank.

Außerdem hatten wir eine (wie wir finden) passende Idee: Wir wollten die geforderten Intro- und Outro-Sequenzen mittels Wiki gemeinsam mit versierten Leser/-innen konzipieren und erstellen, denn Animations-Fachleute sind wir nicht, wohl aber einige von euch. Wir hätten die Kosten für diese Sequenzen einzeln im Angebot aufgelistet und hätten das Honorar bei Auftrag an die tatsächlichen Produzenten weitergeleitet oder, je nach gemeinsam getroffener Entscheidung, in einen Fond für Blogger-Anwaltskosten eingezahlt. Um die eigentliche Bewerbung hätte sich Spreeblick gekümmert, ebenso um die Gesamt-Kalkulation. Sowas kann ich ganz gut.

Das Ganze wäre ein sicher spannendes, spaßiges und herausforderndes Projekt gewesen, Blog- und auch Spreeblick-like. Kollaboratives, vernetztes Arbeiten eben auch als Beweis für die angebotene Kompetenz. Ich hatte mich sogar schon ein bisschen darauf gefreut.

Wir hätten zusammen eine kleine echte Chance gehabt, glaube ich. Wir hätten natürlich bei Auftragsvergabe keinen inhaltlichen Einfluss nehmen können, dieser ist weder gefragt noch erwünscht, vielleicht hätten wir aber stilistisch etwas beratend zur Seite stehen können, das grundsätzlich ja begrüßenswerte Projekt eventuell ein bisschen „authentischer“ oder einfach nur netz-typischer machen können.

Tagelang haben wir geredet, gelacht, geplant, überlegt. Und uns dann gefragt:

Spinnen wir eigentlich?

Wir denken ernsthaft darüber nach für eine Regierung zu arbeiten, die wir nicht gewählt haben? Deren politische Pläne und Umsetzungen wir größtenteils ablehnen? Wir wollen tatsächlich dabei helfen das Image einer Politikerin und ihrer Partei aufzubessern, die für alles Mögliche steht, nur nicht für soziale Gerechtigkeit und deren Auffassung von Modernität unserer eigenen widerspricht? Wir wollen eine Bundeskanzlerin unterstützen, deren abgelesene und steife Vortragsweise nicht einmal für die zweite Casting-Runde einer drittklassige RTL2-Soap genügen würde?

Was für ein Blödsinn!

Wir sind Opposition. Und das bleiben wir, so wie es aussieht, noch eine ganze Weile.

77 Kommentare

  1. 01

    Wir müssen also nicht erst mit Abokündigung drohen ;-)

  2. 02
    Stefan_K

    Es hätte aber schöne Schlagzeilen in der Bild gegeben, wenn die WM dann mal vorbei ist.

  3. 03
    martin

    DANKE!
    Ich kann teil 1 des post’s voll und ganz nachvollziehen… wäre genauso draufreingefallen.
    Dankbar, bin ich für teil 2. Du hast recht. Wir sind opposition, da kann Angela noch so sympatisch beim 1:0 gegen Polen die arme hochreißen, was da im hintergrund in den regierungsstuben gerade ausgekungelt wird ist große scheiße!

  4. 04

    …und ich hatte schon befürchtet, ihr würdet ernst machen;-) Obwohl, vielleicht wäre es ja gelungen die Merkel umzupolen? – nagut wahrscheinlich eher nicht. Aber ein BK-PodCast im Spreeblick-Stil wäre schon interessant gewesen.

  5. 05

    gut so. ich wäre ungern in opposition zu euch gegangen.

  6. 06

    respekt!

    üblerweise gibt es eine menge leute hierzulande,
    denen die fähigkeit, »Spinnen wir eigentlich?« zu fragen,
    abhanden gekommen zu sein scheint.

    um so besser, wenn diese frage mal öffentlich gestellt wird.

    recht so!

  7. 07

    Nun, wenn ich die Wahl habe zwischen einer steifen vorgetragenen Rede der Bundeskanzlerin und gar nichts wähle ich ersteres. Aus dem schlichten und einfachen Grund, daß sie damit etwas startet, was danach nicht wieder ‚abgeschaltet‘ werden kann.

    Ich finde es sinnvoll, wenn Bundeskanzler/-in sich daran gewöhnen, Informationen nicht nur an die Presse zu geben, sondern sich damit auseinanderzusetzen, jedem den Zugang zu ermöglichen.

    Macht das die Politik besser, oder wird die Welt dadurch besser? Sicherlich nicht. Aber es ist ein Schritt.

  8. 08

    Opposition – ist sowas heutzutage denn noch möglich? Also, wenn es Spreeblick (und natürlich Bildblog bzw. noch eine Handvoll anderer Aufrichtiger) nicht gäbe, hätte ich die Hoffnung ja schon aufgegeben…

  9. 09
    Trent

    Ging es denn bei der Ausschreibung (habe die Details jetzt nicht weiter verfolgt) ausschließlich um den technischen Aspekt der Podcasts? Oder hättet ihr in gewisser Weise auch inhaltlich ein Mitspracherecht gehabt?

    Habe diese Leute auch nicht gewählt, und ich werde sie auch weiterhin nicht wählen, aber ich finde es schon mal einen guten Ansatz, dass es jetzt auch Podcasts von der Regierung geben soll. Vielleicht fördert das ja im Hinblick auf Wissenschaft und Forschung ja mal bestimmte Einsichten.

    Es kann jedenfalls nicht schaden, dass Podcasts oder generell „die neuen technischen Möglichkeiten“, wie’s Angie formuliert hat (ich ja schon froh, dass die berühmt-berüchtigten „Datenautobahnen“ zu Kohlschen Zeiten überwunden sind), auch auf oberster Ebene Verwendung finden. Wir müssen mal langsam von der Technologieskepsis in diesem Land wegkommen und da wäre das zumindest mal ein Anfang.

  10. 10

    Nicole, wie oben schon erwähnt: Grundsätzlich gutes Projekt. Aber wo genau siehst du den Unterschied zu Erklärungen gegenüber der Presse oder einer TV-Ansprache? Und „jedem Zugang ermöglichen“? Hallo? Wieviele Podcast-Hörer gibt es? Und wieviele TV- und Radio-Hörer? Ein paar Milliönchen mehr, würde ich sagen.

    Es geht doch nur um eine Image-Geschichte, an den Inhalten, der Ansprache und der Vortragsweise hat sich überhaupt nichts geändert. Hier und da ein Stichwort („E-Mails“, „Podcast“) – die digitale Kultur scheint ein wichtiger Faktor zu werden – und ansonsten kein Unterschied zu dem, was die Presse bekommt. Oder habe ich etwas verpasst?

  11. 11

    Trend, ich glaube, inhaltliches Mitspracherecht ist in diesem Fall völlig utopisch, ist auch nicht angefragt in der Ausschreibung. Das war aber auch nicht zu erwarten.

  12. 12

    Also ick finde, Angela braucht jede Hilfe.
    Det schafft die alleene mit ihren religiösen Fanatikern nich. So’n de Maziere kann fleisch mit seinem kalten Blick Ausländer erschrecken, aber nich vertreim, wa. So mit Pottcasting und so könnte man da bestimmt mehr Feuer rinnsetzen, wa.
    Machtma ruhig mit, Geld stinkt nich, und man kannet immer gebrochn. ;)

  13. 13

    Respekt vor dieser Entscheidung! Mehr sag ich jetzt nicht dazu…

  14. 14

    Gut so. Ich hätte es auch befremdlich gefunden, dass ihr Werbung für die CDU (Merkel ist Mitglied der CDU, nur mal so zur Info, scheint bei manchen ja noch nicht angekommen zu sein) macht. Auch wenn es dafür Geld gibt.

  15. 15

    Wat, die is echt mit Glied der CDU ???
    Seit wann? :o

    Ick seh schon, ick muss mal wieder öfter die BILD lesen … völlich uninformiert …

  16. 16

    Ich frage mich, wann Ihr endlich so richtig kommerziell, evil und korrupt werdet. Wollt Ihr nicht den anderen Beispielen folgen? So ein Grimme-Preis kann man dafür doch bestimmt gut einsetzen.

    Wollt Ihr nicht? Na gut, dann muss ich Euch weiterlesen. Aber dann will ich den Holgi auch wieder im Podcast hören. ;-)

  17. 17

    DANKE! (Puh, das war knapp…)

  18. 18
  19. 19
    tj

    1A-Entscheidung!

  20. 20

    Du must mit den Wölfen heulen, nur lauter…

  21. 21
    flx

    Eigentlich spinnen wir Alle ziehmlich, denn sonst würden wir nicht die Politiker haben, die wir haben.

    Cheers

  22. 22
    Jens

    Schade nur, dass es momentan in der politischen Opposition auf Bundesebene, d.h. im Bundestag vertretene Opposition, niemanden gibt, an den man mit dem Team und allem drum und dran herantreten könnte, um ein Gegenprojekt zu starten. Oder fällt euch da einer ein? Mir leider nicht. Aber beim Horst könntet ihr ja mal nachfragen, ob Bedarf besteht.

  23. 23

    Hmm auch wenn ich mich jetzt nicht in die Reihe der „Juchu ihr habt abgelehnt“ Schreiber stelle, aber ich finde den 2. Teil des Postings oben recht schade.

    Ok. ihr steht nicht hinter der Politik dieser Regierung das verstehe ich und kann ich durchaus nachvollziehen. Allerdings finde ich die „Gemeinschaftsprojektidee“ recht nett. Ich hätte mich auch diebisch gefreut, wenn der Auftrag tatsächlich an euch, anstatt an irgendeine Hochglanz-Werbeagentur gegangen wäre, die nach der Hälfte der Videos feststellt, das das Geld alle ist und noch einmal nachverhandelt.
    Denn ich glaube Agentur macht sich noch viel weniger Gedanken darüber, ob sie mit dem Inhalt konform gehen oder nicht.

    Aber hey, ich kann es verstehen, wenn ihr ablehnt weil euch beim Gedanken darüber schon die Nackenhaare zu Berge stehen …

  24. 24

    Immerhin könnt Ihr ja einen Gegenpodcast machen, analpg zu Du bist Deutschland. Wenn man gegen die diktierende Wachspuppe was Lebendiges, kollaboratives setzt, wird es sicher lustig.

  25. 25

    That’s why I read spreeblick!

  26. 26
    TimTester

    Man kann es aber auch so sehen, die Agentur (Spreeblick) hat mit dem Inhalt nix zu tun und kann doch das eingespielte Geld für seine Opposition für alle nachvollziehbar einsetzen. Andere werden das nicht tun bzw. den finanziert sich der Gegner damit selbest. Das durch das Design gewonnene Image ist eher klein und Leute, die ihre Meinung von der „flashness“ abhängig machen sind für die Opposition eh verloren. Nur mal so…

    Tim

  27. 27

    Thomas, wir haben ja schon drüber nachgedacht… aber es hätte, glaube ich, überhaupt keinen Unterschied gemacht ob wir oder jemand anderes das machen, es geht ja um eine rein technische Dienstleistung.

    Würde man uns als Berater hinsichtlich der Online-Medien für die Kanzlerin anfragen, würde ich wieder neu nachdenken. Aber darum ging es nicht in der Ausschreibung.

  28. 28

    Schön, dass es noch Menschen gibt die für Geld nicht alles machen.
    Schön, dass ihr auch daran gedacht habt, das Geld in einen Blogger-Fond zu stecken. (Ich glaube ihr seid einfach zu gut für diese Welt ^^)
    Schön, dass ihr eure eigene Meinung habt und dafür immer wieder eintretet!

    @Thomas stunden.de: Toni braucht dazu nen Kaffee, Zigaretten und ab und zu ein Bierchen. Das sind dann ca. 10€ für 4 folgen. Das nenn ich mal Wirtschaftlichkeit!

  29. 29

    Hallo Johnny,

    ich habe die Ausschreibung auch mal überflogen. Und wie ich das sehe, geht es dort um eine rein technische Dienstleistung. Keiner verlangt das der Dienstleister das Fähnchen des Auftraggeber stolz durch die Strassen trägt.

    Wie gesagt ich kann euch verstehen, wenn ihr die Ausschreibung ignoriert, weil ihr einfach nicht für diese Regierung arbeiten möchtet, keine Frage. Wie gesagt der Anfang des Beitrags oben klang recht nett.

  30. 30

    Tim, so haben wir ja auch nachgedacht und du kannst uns glauben, dass wir den Etat gut hätten gebrauchen können. Aber… es geht schon manchmal um klare Positionen. Wenn’s auch nur für uns selbst ist und für diejenigen unter den Lesern, die die Entscheidung ebenfalls für richtig halten.

    Ich fühle mich wohler so. Das Geld wird schon irgendwo anders herkommen.

  31. 31

    ein coup wäre es dann gewesen wenn ihr es gemacht hättet – die auschreibung gewonnen hättet und das ganze geld abzüglich eurer kosten in so einen ‚ungerechtfertigt aber rechtsgültige‘ abmahnunterstützungstopf gegeben hättet…
    denn fliessen tut dieses geld ob mit oder ohne euch – und produziert wird dieser videocast mit seinen inhalten auch ob mit oder ohne euch – aber es wäre doch eine gute möglichkeit gewesen eine echte robin hood spreeblick company zu werden… schade eigentlich.

  32. 32

    Alles auch völlig berechtigte Überlegungen und Herangehensweisen. Wie man’s macht: Man macht’s falsch. Oder eben richtig. :)

    Und so ’ne Robin-Hood-Strumpfhose zwickt auch mal schnell…

  33. 33
    TimTester

    Mein erster Gedanke war auch „Bravo, nicht kaufen lassen!“.
    Andererseits wird das ja aus Steuern finanziert (auch meine) und da fänd ich das Geld eben bei Manchen besser angelegt als bei Anderen.
    Sicher ist Eure Position eindeutiger und läßt sich besser transportieren.
    Und der Wohlfühleffekt ist auch sehr wichtig, ich würd auch nix mit Bauchschmerzen machen! Aber gerade das ist ja das schöne hier, man kann die Alternativen mal durchgehen.

    Tim

  34. 34

    Ufftz.

    (nicht sehr eloquent, aber die passende reaktion)

  35. 35
  36. 36

    Als ich den ersten Beitrag über die Kosten der 4 Merkelfolgen gelesen hatte, dachte ich mir hey 26k, da hat sich irgendeine Agentur, ein paar goldene Türklinken verdient und wir alle haben dafür bezahlt. Kurzzeitige miese Laune bei mir …

    Dann habe ich Johnnys Beitrag angelesen und fand, hey klasse Idee es zumindest zu versuchen. Ein paar kleine Leute zeigen den Hochglanzagenturen das sie es auch drauf haben. Der Robbin-Hood Gedanke ließt sich natürlich prima. Das Geld aus dem Podcast für „unschuldig in Not geratene“ Blogger zu verwenden, die durch das System abgezockt werden. Hat Charme die Sache …

    Es ist natürlich schön, wenn man sich herraussuchen kann für wen und was man arbeitet, und damit jegliche Aufgabe mit einem wohligen Gefühl im Bauch erledigen kann.

    hmm egal .. ihr habt eure Gründe und fertig ….

  37. 37

    Johnny, träumen darf man schon mal!

    Und wehrte Spreeblicker, ich habe von euch auch nichts anderes erwartet :)

  38. 38
    martin_

    „Es ist natürlich schön, wenn man sich herraussuchen….“
    den superluxus könnt ihr euch gönnen, viele andere abhängig beschäftigte nicht. ich kann auch nicht jedesmal fragen ob ich mit der geschäfts-, umwelt- und sonstiger politik der konzerne konform gehe für die ich arbeiten muss weil ich mein Leben sonst nicht bezahlen könnte.
    als techniker. und das ist ein rein ein technischer auftrag.
    insofern hätte ich mich gefreut wenn ich durch den technischen job den ihr dort gemacht hättet einen spreeblick-like´n einblick bekommen hätte in die regierungs-propaganda-maschinerie. Ich hätte mich auf lustige und
    interessante beiträge gefreut, in denen von hinter den Kanzlerkulissen
    berichtet wird, ihr hättet spass gehabt, interessante einblicke (ich wiederhol mich) und letztlich gute kohle um noch mehr mehrwert für uns
    zu generieren.
    Das ist mir irgendwie auch eine arg zu „politisch korrekte“ Entscheidung, Johnny, stand da nicht neulich irgendwo hier „p.c. will ich nich“…. alter punk? doch nur ein rückzieher wegen zuviel streß?

    letzteres könnte ich alleine gelten lassen ;)

    greetz2myriver

  39. 39

    da bin ich ja froh…

  40. 40
    Markus

    Komische leser hast du,
    zuerst wollen Die alle, dass Ihr da mitmacht, das wäre ja doch sooo toll und nun, wo Ihr euch dagegen entschieden habt, finden es alle noch besser.
    Johnny mach was Du willst, deine Leser werden Dir zustimmen :)

  41. 41

    Hey, in der aktuellen Bloggerprüfung „Glaubwürdigkeit“ mit Sternchen bestanden, würde ich sagen :)

  42. 42

    Mensch, Johnny, ihr muesst das so sehen. Zuerst der Podcast von Merkel und danach die ganze Welt. Das waere DIE Chance gewesen, Spreeblick nach ganz oben zu bringen, um schliesslich die Weltherrschaft an Euch reizen zu koennen.

  43. 43

    Markus, ich vermute, dass nicht alle Leser gleich sind. :) Die, die unsere Absage gut finden sind nicht die, die lieber eine Bewerbung gesehen hätten. Und auch selektives Lesen will gelernt sein, sind doch genug unterschiedliche Meinungen da oben?!

    Martin, Superluxus ist gut… den können eigentlich gerade wir uns nicht leisten…

    Aber die ganzen Ideen von „Robin Hood“ (Warum immer wir? :)) und „Einblicken“… glaubt ihr da wirklich dran? Wenn du als Dienstleister für die Regierung arbeitest, unterschreibst du einen Haufen Papier, und der verbietet dir unter Garantie den lustigen Spreeblick-Artikel über die Tapeten im Kanzlerin-Amt. Und spätestens wenn du ihn dennoch geschrieben hast, bist du den Job los.

    Aber wie gesagt: Wir mussten eine Entscheidung treffen, denn viel Zeit ist ja nicht mehr für Trailer und die ganzen Unterlagen (Bilanzen, Bankauskunft, etc.). Und wir haben uns halt dagegen entschieden (die Argumente es doch zu tun hatten wir natürlich auch aufm Tisch, dann würde die Diskussion aber ebenfalls hin und her gehen).

    Wir haben aber ’ne andere Idee. Mal sehen, ob die klappt. :)

  44. 44
    Stephan

    Dazu faellt mir nur das Zitat von Michael Ehrenreich aus Sonnenalle ein:

    „Rinn in die Organisation und von innen aufmischen !“

  45. 45

    Hmm. Da träumt doch irgendwer noch den Traum vom „Das System von Innen heraus zu untergraben“.
    Opposition 1.0
    Oder einfach abzukassieren a la Pistols: „I use the NME“
    Opposition 2.0
    Bollocks. Deides läuft nicht. Die Medienmaschine vereinnahmt sofort und unwideruflich. Das solltest Du eigentlich wissen, Johnny.
    Wo bleibt was neues ?
    Opposition 3.0 z.B ?

  46. 46
    Georg

    Sorry Johnny, zu Deinem Kommentar fällt mir nur eins ein:
    Feiglinge!

  47. 47
    Peter the man without hair

    Ich hab sie nicht gewählt! Und ich würde sie auch nicht wählen wenn ihr euch für die Produktion des Podcast´s verantwortlich zeichnen würdet. Also wo ist das Problem, ihr würdet sogar dafür sorgen das Steuergelder gespart werden, da ihr ja günstiger sein würdet (vermute ich jetzt mal so)! Aber grundsätzlich bin ich natürlich auch der Meinung, daß man sich nicht der Blamage für die Regierung zu arbeiten hingeben muß. (Ist der Ruf erst ruiniert usw.)

  48. 48
    Georg

    noch was: Johnny: Hast Du eigentlich auch Skrupel die Kohle von der GEMA für Deine alten PlanB Mucke zu nehmen? Da steckt doch auch die „Böse-MI“ hinter, von denen man eigentlich nix will, oder? Ist mein Vergleich zu weit hergeholt?

  49. 49

    Die Diskussionen sind immer wieder faszinierend. :) Würde man sich bewerben, hieße es „Sell-Out“, tut man es nicht, ist man ein „Feigling“. Wer „das System untergraben“ möchte, dem rate ich: Bewerbt euch doch! Eine Videokamera lässt sich immer auftreiben und der Job ist doch ganz simpel!

    Georg, ich habe jahrelang von der Musikindustrie gelebt, das u.a. berechtigt mich auch, ihr Verhalten zu kritisieren, da ich eben weiß, wovon ich spreche. Heute machen meine GEMA-Einnahmen noch wenige Euro pro Jahr aus, die ich nicht ausschlage, nein. Warum sollte ich? Habe ich jemals behauptet, Musiker dürften kein Geld von der GEMA annehmen? Es ist immer spannend zu sehen, wie Artikel offenbar überflogen werden und dann das Fazit gezogen wird „Aha, der ist auch ‚gegen die Industrie'“. Ich bin nie gegen eine Vergütung von Musikern gewesen, ich bin doch nicht bescheuert. Ich kritisiere die Bewegungslosigkeit und Vorgehensweisen derer, die Musiker vertreten sollen. Und das tue ich nicht erst seit heute.

  50. 50

    Die Tatsache, dass ein/e Bundeskanzler/in überhaupt regelmäßig per podcast Informationen quasi direkt an die Bevölkerung gibt, finde ich ja erst mal prima; auch wenn sie nicht ganz so locker rüberkommt wie etwa ein Stefan Keuchel oder „wie heißt nochmal der Manager der Deutschen Nationalmannschaft?“. Der Medienprofi Gerd „Brioni“ Schröder war da von der Performanz her natürlich wesentlich besser unterwegs. Schade, dass der nicht mehr Kanzler ist… oder?

    Claudia Roth, Rizzo Schlauch, Kuhn, Künast, Ströbele, Joschka „heutzutage werde ich selbst beworfen“ Fischer, höre ich gerade… nee nee nee, lasst Angela mal machen.

    Bleibt festzuhalten: „Spreeblick ist ein Oppositionsmedium“.

    Und bitte immer Performanz und Kompetenz schön trennen.

  51. 51
  52. 52

    Warum lese ich immer wieder gerne Spreeblick? Und das schon lange vor „Grimme“. Weil das hier authentisch ist. Weil Johnny eben nicht der gecastete Blog-Superstar ist, sondern eher Pionier, auf jeden Fall echt.
    Und dazu gehört auch Ehrlichkeit. Und die hat er hiermit bewiesen. Ein Grund, warum auch weiterhin viele – einschließlich meiner – weiterhin regelmäßig Spreeblick lesen werden. Die Entscheidung mag umstritten sein, aber sie war nicht von Kalkül geprägt, sondern von echtem Gefühl. So solls bleiben. Der Joschka ist doch ein gutes Beispiel dafür, wie schnell so eine Maschine jemanden korrumpieren kann. Und – ich wiederhole mich – Johnny ist auch nur ein Mensch. Und dafür mag ich ihn und seine Arbeit.
    Also nochmal danke für diese Entscheidung.

  53. 53
    Stella

    entschuldigung, aber einen populistischeren artikel habe ich selten gelesen. ich dachte „was sind wir doch für gute menschen“ artikel würde man hier eher nicht lesen.
    und wenn ich im lotto gewinnen würde, dann würde ich jedem deutschen blogger 1000 euro überweisen und mit dem rest die armut beseitigen. mir wird schon fast ein wenig übel. blogging for compliments scheint hier in fashion zu sein.

  54. 54

    Langsam wird’s absurd. Macht mal ohne mich weiter.

  55. 55

    Man muss wissen, wo man steht. Ihr Nasen, ihr!!! Das Spreeblick-Team weiß es und ich bin froh, dieses Blog (noch hoffentlich lange) lesen zu dürfen.

    Anscheinend lesen hier auch Teile der Jungen Union mit, weil Bloglesen gerade „in“ ist. Nasen, ihr!

    Das Wort „Performanz“ gibt es nicht, habe es aber in meine Liste der peinlichsten Lehnwörter aus dem Englischen ins Deutsche (u.a. Handy) übernommen. Schön, welchen Sprachschrott man hier so entdeckt.

  56. 56

    @Johnny (10)

    Der wesentliche Unterschied ist für mich, dass ich die Infos direkt von der Quelle kriege und kein/e Journalist/Redaktion/Medienkonzern auswählt, was gesendet wird und was nicht.
    Gut, das gab’s als Pressemitteilung, Newsletter und so auch schon vorher, aber nun eben auch als Video und Pressemitteilungen habe ich ja auch welche abonniert. Allerdings nicht die von Merkel.

  57. 57

    Hmm ich weiss nicht. Frau Bundesmerkel disqualifiziert sich ja selbst mit dem Gesabbel, das sie vom Stapel lässt. Wer nimmt diese Frau schon im Podcast ernst? Das ist wie Gut-schlechte Werbung, von der man zum Schluss nicht mehr weiss, was eigentlich beworben wird, aber man erzählt sich noch lange von diesem super Spot. Ich würde vorschlagen, euch das nochmal zu überlegen. Holt euch das Geld zurück, was der Staat sowieso nicht richtig sortieren kann. Jeder wird dann noch sagen: Könnt ihr euch noch an diesen einen Podcast erinnern? Na, wer da gesprochen hat, weiss ich nicht mehr, aber der war wirklich gut gemacht .. ich glaube die hiessen Spreeblick aus Berlin. Ja genau, die haben echt was Nettes gemacht. Hat mir gut gefallen.
    Und als subversiver Rebell würde ich sowieso noch geheime Botschaften in den Stream stricken ;)

    Es stellt sich jetzt die Frage: oppositioneller Fundamentalismus oder intelligenter Widerstand?

  58. 58
    Tim

    @Johnny
    Geile Infos. Geradezu aus dem Hinterzimmer der Macht. Mit dem Argument könnte man die Presse abschaffen und nur noch per Verlautbarung den Bürger informieren. Ist übrigens ein erfolgreiches Modell: Beispielseise in Belarus. Kannst du dir vorstellen, dass die Journalisten in Berlin doch ab und zu mit den Angeordneten, der Regierung oder anderen sprechen und Sachen rauskriegen, die nicht als podcast laufen würden?

  59. 59

    Hallo
    Ob die/der nächste Bundeskanzler/in auch einen Podcast macht?

    PS: Hoffentlich gibts beim nächsten Wahlkampf keine Parteiwerbevideocasts. :-/

  60. 60

    @The One (Nomen est omen?)

    Wie borniert muss man sein, 2006 sowas zu sagen wie „man muss wissen wo man steht“? Betonnase, du!

    Wie naiv muss man sein, 2006 sowas zu schreiben wie „Teile der Jungen Union lesen mit“? Glaubst du etwa, die Blogger sind eine homogene Gruppe, die alle der selben Couleur angehören?

    Wie ich sehe, bloggst du seit 02/06. Da bist du ja ein alter Hase und Insider, wa?

    Es gibt mehr als schwarz und weiß! Gerade weil Johnny und Co reflektieren und differenzieren und nicht „wissen wo sie stehen“, ist Spreeblick ein tolles Blog und hat eine heterogene Leserschaft.

  61. 61

    @The One

    P.S. Handy ist kein Lehnwort aus dem Englischen. Und wenn du Kompetenz und Performanz nicht kennst, dann schau mal da, Pappnase, du ;-)

  62. 62
    Dagger

    Recht so!

  63. 63

    sehr schön, mit konsequentem denken und handeln kommt man weiter. das lob ich mir! richtige entscheidung!

    http://www.pixelisten.de

  64. 64

    Oh. Ich wollte jetzt die gefühlten 64 Kommentare gar nicht lesen, denn die enthalten eh die gleichen zustimmenden Bravo-Schreie, die gleichen ihr-hättet-es-aber-verdient-rufe und was weiß ich. Gut. Mancher mag sagen, dass die (nicht nur, aber auch gefühlten) acht Bier ne Nummer zu groß für mich waren. Das ich nicht mehr in irgendwelchen Weblogs kommentieren sollte.

    Aber nee. Opposition und so. Da fielen mir jetzt grade vor zehn Minuten noch zwanzig großartige Floskeln ein, die jetzt schon wieder vergessen warden. Von daher — klar, super, dass ihr da nicht mitmacht. Aber es hätte ein paar gute Sachen gegeben. Hier ein paar:

    – Kapitelüberschriften a là „Ich wollt das so auch nicht“ in der MP4 datei.

    – Tyler Durdonsdche Peniseinblendung bei Minute 1,34.

    – Unschärfe.

    – Intro von Natalie sprechen lassen.

    (Und den Unschärfegag lasse ich mir noch nicht einmal mehr von ix klauen)

    So. Prost.

  65. 65

    Uuuh, getroffene Hunde bellen. Und beissen.

  66. 66

    Tja, hast ja drum gebettelt.

  67. 67

    @ Gunnar: Wenn der nächste Kanzler keinen Podcast macht, der übernächste weiss schon wie’s geht und macht sicher einen…

  68. 68
    Touri

    Hut ab!
    Die Begründung für eure entscheidung finde ich nur konsequent und richtig.

    Danke!

    Touri

  69. 69

    Johnny, es gab früher mal die Diskussion, ob wir für Merceds-Benz/DaimlerChrysler arbeiten wollen (oder müssen).
    Ich denke, man kann Auftragsarbeiten und eigene Projekte sehr wohl auseinander halten. Und anders argumentiert: durch die Nutzung von Steuergeldern über den Umweg eines Auftrages der Regierung kann der vom Steuerzahler gewollte Betrieb Spreeblicks aufrecht erhalten werden ;)
    Und wenn mit einem Teil des Geldes via Fonds noch dazu Versäumnisse der Regierung(en) abgemildert werden – warum nicht?

  70. 70

    Bush ist das einzige Problem von Angela Merkel.
    Sie will von uns Patridioten machen wie die Amis geworden sind.

  71. 71

    Ich besprach es mit meinen Schwestern,
    die Opposition, die war gestern.
    Etablissment: Das gilt schon morgen.
    Mit gutem Geld – und ohne Sorgen.

  72. 72

    Eine freiwillige Option (Merkel-PodCast) auszuschlagen ist leicht. Eine mit Zaster honorierte Werbung für Yahoo wohl nicht. Bah!!!

  73. 73
    nico

    hi johnny, ik bins nico (och alter defcomer), tach hagk auch,
    ich hatte die anfrage mein ich letztes jahr auch aufm tisch. motiongraphics fuer den kanzlerin potcast, quasi opener und abspann zu machen. hab auch erst ueberlegt, dann aber abgelehnt.
    erst jedacht – uh kann man doch was schickes machen geld ist auch nicht ohne. ist ja monentan einfach richtig schlecht gemacht.
    hatte durch die anfrage ne menge interessanter discussionen im freundeskreis. u.a.:
    nach dem motto es gibt ja den franz. werbephotograf der all seine auto jobs in umweltprojekte steckt. seine logik: die geschaeftswelt ist zu komplex, da kann man sie wer will mit den eigenen waffen schlagen.
    aber ich bin kein robin hood. die leute die in e-goverment webagenturen sitzen koennen auch nicht bei jedem regierungswechsel ihr komplettes team politsch neu besetzen. die bundesregierungsseite wird ja seit vielen jahren von der gleichen agentur betreut. wo man dann seine pers. grenze in der jobwelt zieht musste ich dadurch auch erstmal fuer mich rausfinden. lg
    nico

  74. 74

    > Mein erster Gedanke war auch „Bravo, nicht kaufen lassen!“.
    > Andererseits wird das ja aus Steuern finanziert (auch meine) und da fänd ich das Geld
    > eben bei Manchen besser angelegt als bei Anderen.

    Angesichts der Tatsache, dass die üppige 6500 Euro je Podcast-Ausgabe seit jetzt 10 Jahren von der Fa von Stoibers Schwiegersohn kassiert werden, gehe ich davon aus, dass andere Mitbewerber – auch spreeblick – bei der Ausschreibung wenig bis gar keine Schancen hätten. Im Kontext der aktuellen Transparenz-Offensive der Bundesregierung wäre es allerdings wünschenswert, dass die personelle Verwicklungen rundum Bundeskanzlerin-Podcast mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen.

    So sitzt im Aufsichtsrat der EVISCO AG ein Dr. Christian Rockstroh, der als Partner im Unternehmen „swisspartners Gruppe“ eine Geschäftsstelle auf Kaiman-Inseln unterhält und auf xing „Kreative rechtlich und steuerlich abgesicherte … Vermögensstrukturierung“ anbietet. In diesem Kontext interessant „Am 28. Januar 2016 legte die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Steuerflucht vor, bei dem unter anderem die Kaiman-Inseln auf der schwarzen Liste der Steueroasen auftauchen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Cayman_Islands#Wirtschaft . In der IMBECK Rechtsanwaltsgesellschaft eines anderes Aufsichtsratsmitglieds sind zwei Töchter von Edmund Stoiber tätig. Habe meine Rechercheergebnisse zu dem Beziehungsgeflecht rundum die EVISCO AG hier http://neue-medienordnung-plus.sprechrun.de/index.php?id=3978#c3730 etwas ausführlicher dargestellt.

    Abgesehen von der familiär anmutender Podcast-Auftragsvergabe sehe ich persönliche die Präsenz bzw. die Verschwendung der Steuergelder seitens der Bundesregierung und anderer staatlichen Akteure in Projekten wie Bundeskanzlerin Podcast oder für die Facebook/Youtobe-Accounts als ein klarer Verstoß gegen das _Staatsfernegebot_ im Bereich Medien. Diese mediale Präsenz des Staates ist umso unzulässiger angesichts der zunehmender Konvergenz von Rundfunk und Onlinemedien. Wobei zur Zeit der Staat, die Medienkonzerne und die Funktionäre des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zur Zeit dabei sind unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Spielregeln für diese konvergierte Medienwelt im Rahmen der „Bund-Länder-Kommission für eine konvergente Medienordnung“ festzuklopfen – s. neue Medienordnung – ein Schnelleinstieg, 06.02.2015 – http://luesi.sprechrun.de/index.php?id=2362 . Von wegen Staatferne – dafür wird die Meinung der Zivilgesellschaft – bspw. der Journalistenverbände, der Bloggergemeinde – bei der Entwicklung der neuen Medienordnung konsequent ignoriert.

  75. 75

    Nachtrag:
    > Im Kontext der aktuellen Transparenz-Offensive der Bundesregierung …

    Gemeint ist die Transparenz-Offensive der Bundesregierung in Sachen Steuerbetrug – s. bspw.
    „Panama-Enthüllungen: G20 sagen Steueroasen den Kampf an“, 16.04.2016 – https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/04/2016-04-16-g20-zu-pananma.html

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