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gettin old

Kennen Sie diesen Mann?

Es gibt so Momente, da hasse ich das Internet. Nichtsahnend promenierte man durch Katzencontent und Schäublebashing, und plötzlich trifft man auf das Blog der Exfreundin, die inzwischen balesisch geheiratet hat und mit dem Ehemann eine Plastikblumenproduktionsfirma leitet. Oder bei McKinseys arbeitet. Ein Flashback, nur ohne Rausch drumrum. Vom Brot nur die harte Rinde.

Gestern abend war so ein Moment. Man kommt nach Hause, entspannt, leicht angeheitert, fröhlich, und beschließt, sich vor dem Schlafengehen noch durch ein paar Blogs zu lesen. Man sitzt da und denkt sich: Da hab ich schon länger nicht mehr vorbeigeschaut, und lass uns doch hier noch kurz kucken, und schwupps, sitzt man bei Frau B aufm Sofa und erfährt, dass Peter Schmeichel einen Sohn hat. Peter Schmeichel.

Dazu muss ich sagen, dass ich ganz früher mal, am Anfang meiner sehr kurzen Fußballerlaufbahn, im Tor stand für eine Saison. Der Trainer meinte: wegen der Reflexe. Tatsächlich hatte ich mal seine Bierflasche aufgefangen, die er versehentlich vom Tisch gestoßen hatte. Eine volle. Das muss sich in sein Alkoholikerhirn eingebrannt haben, weswegen er immer große Stücke auf meine Reflexe hielt. „Die Reflexe“, sagte er immer wieder, „die sind das wichtigste.“ Seine vom vielen Mariacron ohnehin stark getrübte Wahrnehmung kam auch relativ schadlos um die Tatsache herum, dass ich im Höhenvergleich zu den Mitspielern wirkte wie etwa der Kreuzberg neben dem Matterhorn. Hoffnung auf Besserung bestand nicht, denn ich wuchs so spärlich wie das Haupthaar Collinas.

Als Stöpsel braucht man dann halt ein Idol und nimmt das nächstverfügbare. Und das war Peter Schmeichel. Warum, keine Ahnung. Idolfindungswege sind häufiger mal seltsam verschlungen. Jedenfalls war ich glühender Schmeichelanhänger. Für ein halbes Jahr oder so. Dann wurde ich wieder ins rechte Mittelfeld beordert, aber bis dahin hatte ich Zeit, SEINEN Namen 37 Mal aufs Federmäppchen zu schmieren und in drei verschiedene Toilettentüren zu ritzen. Sowas prägt.

Und jetzt erfahre ich also, dass Peter der Große einen Sohn hat, einen erfolgreichen obendrein. Im Umkehrschluss: Peter Schmeichel ist auch nur ein Mensch, der isst, fickt und Kinder hat. Und irgendwann stirbt. Banale Erkenntnis, klar. Man weiß das zwar, rein theoretisch, und trotzdem. Trotzdem ein Scheißgefühl, das: älter werden. Wird Zeit, dass ich die Playmobil-Figuren im Speicher dem Neffen schenke. Und das Djorkaeff-Trikot verbrenne.

Keine Kommentare

  1. 01
    Mahqz

    Wohl kein Freund des britischen Fußballs? ;-) Kaspar Schmeichel wurde in den letzten Wochen in den dortigen Gazetten gefeiert u.a als er für City das 1:0 im Derby gegen Manu festhielt. Aber er hat auch schon eine Saison in Falkirk hinter sich. Aber das wichtigste ist: Da er in England geboren ist, könnte er auch für die englische Nationalmannschaft spielen, aber er hat klipp und klar gesagt: NEIN!

  2. 02

    Am schönsten finde ich in dem Filmchen ein Bild ungefähr in der Mitte: Da sieht es aus, als sei „Thomas Cock“ Schmeichels Trikotsponsor.

  3. 03

    Also wir müssen da mal festhalten, dass Herr Schmeichel nicht älter, sondern besser wird! Das Phrasenschwein habe ich versteckt…Einer der besten und wer was anderes behauptet, war nicht dabei. So.

  4. 04

    Papi Schmeichel ist ja auch nicht ganz von der Bildflaeche verschwunden, der macht jetzt ja ab und zu in „punditry“, bei Five Live ist er ab und zu mal am Gange oder auch ins Fernsehen. Und gar nicht mal so schlecht, weil er hat Ahnung hat.

    Und ein bisschen Akzent hat er behalten waehrend sein Sohn vollkommen akzentfrei Englisch spricht.

  5. 05

    Jaja, Fußballer sind auch nur Menschen. Hab ich erst dieses Wochenende erfahren als ich mich beim Pinkeln neben Leon Andreasen wiederfand. Schon komisch klein dieses Bremen.

  6. 06

    Fußballer fressen und ficken?

  7. 07

    @ Jimmy: Zum Beispiel Gras. Oder Kilometer. Fressen jetzt.

  8. 08

    In Bremen trifft man die Spieler ja häufiger mal in der Kneipe. Ist halt sympathisch unaufgeregt in diesem Dorf mit Straßenbahn.

  9. 09
    grenzgaenger

    Was hat man denn mit den Arctic Monkeys als Hintergrundmusik angestellt? Da rollen einem die Fussnägel auf pi/2.

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