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gamesTM und »schwule Namen«

Ich lese bei Zeitschriften ja immer zuerst die Leserbriefe; am liebsten kommentierte, also von der Redaktion beantwortete. Das ist ein super Blick hinter die Kulissen und unter die Schädeldecken — wie ticken die, wenn überhaupt? Antworten auf Leserbriefe sind im besten Falle eine Offenbarung, im schlimmsten eine beeidete.

Die noch recht junge gamesTM, deutscher Ableger des englischsprachigen Originals, macht da keine Ausnahme. Derzeit ist sie mit dem zweiten Heft (#5) an den Kiosken vertreten und landet mit Ansage, Anlauf und Redakteurin Ann-Kristin Witter einen absoluten Volltreffer.

Auf Seite 102 findet sich der Abdruck einer Email, in der sich ein Leser mit einem Text der vorherigen Ausgabe auseinandersetzt:

Ein Mensch ohne Namen stellt da die Frage: »Ob’s am schwulen Namen des Helden liegt, dass Lost Planet auf der 360 nie richtig abgegangen ist?« Also doch keine Chance für eine virtuelle Welt, in der man nicht für seine Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung blöd angemacht wird? Dummheit und Engstirnigkeit werden wohl auch in Games nie aussterben.

Darauf Ann-Kristin:

Ich sehe das eigentlich ziemlich unverkrampft. Wegen mir könnte das Thema Sexualität in Videospielen ruhig stärker vertreten sein. Außerdem ist »Wayne« doch wirklich ein schwuler Name für einen Kerl, der auf einem Eisplaneten gegen baumgroße Alien-Ungetüme kämpft.

Das muss man sacken lassen, wenn auch nicht zu tief. Entweder sitzen in der Redaktion der gamesTM nur SPAM-Mail-Abonnenten, oder es handelt sich um eine Einzelmeinung, die durch die Endabnahme gerutscht ist.

Wie auch immer: Ich glaub, es hackt. Jugendsprache hin oder her, wer trotz Geschlechtsreife und Schulabschluss den Begriff »schwul« als Schimpfwort benutzt, hat ganz offenbar ein Problem, und zwar nicht ausschließlich im Sprach- und Schamzentrum. Wer zudem derart unsensibel auf die berechtigte Kritik an der Ausdrucksweise innerhalb des eigenen Magazins eingeht, ja, sogar durch Nachlegen jegliches Problembewusstsein diesbezüglich vermissen lässt, gehört kräftig abgewatscht, und zwar ebenfalls mit Ansage und Anlauf.

Viel Anlauf. Langer Anlauf.

Homosexualität ist in Spielen praktisch tabu. Gleichzeitig tummeln sich in einschlägigen Gamer-Foren die homophobsten (ha!) Parolen-Drescher diesseits von G Hot. Wir haben als Gamer-Gemeinde schon mit genügend Vorurteilen zu kämpfen, da muss man nicht auch noch andere bedienen. Ans Ausräumen wagt sich eh keiner.

Oben rechts auf Seite 102 der aktuellen Ausgabe steht: »Gleichgesinnte treffen — games-tm.de«

Uuuhm… ne, danke.

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