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E3: Microsoft Pressekonferenz

Neues Dashboard

So, Microsofts E3-Pressekonferenz ist vorbei.

Was hat mir am besten gefallen? Der Trailer zu Fallout 3 und die Aussicht auf ein überarbeitetes Dashboard.

Was ging mir auf die Nerven? Das ölpreismäßig inflationär benutzte Wort »Innovation«. Und das übliche PR-Angetease von alten Kamellen. ;)

Das ging schon los, als es losging. Don Mattrick, Xbox-Chef bei Microsoft, kam auf die Bühne und erzählte den Anwesenden und uns Mitguckern, dass das vergangene Jahr ganz großartig gewesen sei, und dass man ganz tolle Spiele für alle und jeden veröffentlich hätte. Alles super und so und ganz toll und großartig. Aber jetzt würde es richtig losgehen, und zwar mit einer »ganz neuen Erfahrung«.

Na denn.

Gezeigt wurden erstmal ein paar nette Demos von Titeln, an denen die USK ihre wahre Freude haben wird: Gears 2, Fallout 3, Resi4… 5.

Gestartet wurde mit Fallout 3. Ein witziger Trailer, danach In-Game. Beides sorgte für erstklassige Atmo, da gibt’s gar nix, auch wenn ich die Befürchtung habe, dass das Setting lediglich herhalten muss für einen mittelmäßig spaßigen Shooter in der Ödnis.

Angeblich stecken in dem Ding »100 Stunden Spiel«. Hoffentlich sind nicht 90 Stunden davon rumlaufen und den Yankee Doodle hören.

Oder Zombies killen. Wie in Resi5. Das wirkte durchweg wie eine reine Fortsetzung und nichts als eine Fortsetzung. Resi4 in aufgepimpt mit Online-Coop und extralahmen, schwebenden Gegnern. Dazu jede Menge RealTime-Events, die eigentlich der Vergangenheit angehören, aber vielleicht macht das im Team ja doppelt… gähn… Spaß.

Dann kam Peter Molyneux auf die Bühne und hatte einen schlechten Tag. Er machte den Eindruck, als hätte er ein 30-minütiges Skript vorbereitet und erst kurz vor knapp erfahren, dass ihm nur 90 Sekunden Redezeit zustehen würden. Er zeigte einen pfiffigen Trailer zu Fable II, und dann musste PM innerhalb von nullkommanix der versammelten Presseschar beibringen, dass seine neueste Kreation voller Innovationen steckt. Coop-Dings und Eigene-Welt-Dings und Innovation-Dings. Er sagte ca. 30 Mal »Innovation«, ganz ehrlich.

Einen Hund gäbe es auch, der sei ganz dufte, aber keine Zeit. Immerhin ist das Spiel fertig.

Nach Peter M. hatte Cliffy B. einen kurzen Auftritt. Der Mann, der eigentlich Cliffy B. heißt, hehe, zeigte seine neueste Kreation und ließ es dabei kräftig krachen. Ein Spiel für echte Kinder — ich hatte mal so eine Actionfigur, bei der man den Bizeps aufpumpen konnte, und Epic macht Games für exakt diese Zielgruppe. Muss man nicht mögen, tun aber viele.

Dann waren die Demos vorbei, und es ging zurück ans Eingemachte.

Zahlen. Massig Zahlen. Beeindruckende Zahlen, die man so hinnehmen musste, weil man ja weder Ahnung noch Vergleichsmöglichkeiten hat.

»Games indutry is biggest form of entertainment« habe ich mir notiert. Weltweit gaben die Leute rund 48 Mrd. Dollar für Spiele und so aus. Das ist doppelt so viel wie 24 Mrd., und es ist offenbar deutlich mehr, als die Leute für Kino, DVDs und illegale Songdownloads ausgeben.

48 Mrd. — wow. Und natürlich läuft das alles auch deshalb so toll, weil die Xbox 360 so toll läuft und die gesamte Industrie mitgerissen hat, mitreißt und mitreißen wird.

Hinreißen lies sich Don Mattrick dann zu der Vorhersage, dass die eigene Konsole »in dieser Generation« häufiger verkauft werden würde als Sonys Konkurrenzprodukt.

Irgendwo zwischendrin fiel auch der Begriff »Rockstar Grandmas«, kein WItz.

Zurück zu den Zahlen: 12 Millionen Xbox Live-User. Angeblich alle 5 Sekunden ein neues Mitglied. (Kann das jemand ausrechnen?) Bislang wurden 1 Mrd. Dollar (!) über XBL umgesetzt, verteilt auf 500 Millionen verfügbare Titel. Gamerpictures, Themen und so, und natürlich Downloadable Content und Filme, Filme, Filme.

Der Service stellt 10.000 Filme und TV-Shows bereit und ist damit der angeblich »größte On-Demand-Provider für HD-Content« weltweit. Applaus, Applaus.

Nun trat endlich der Xbox Live-Chef ans Mikro und zeigte, was alle schon vorher wussten — das Dashboard bekommt ein enormes Facelifting. Und weil es noch nicht häufig genug erwähnt wurde, nahm der gute Mann das Wort »Innovation« noch einmal in den Mund und lies es echoartig wieder frei.

Dann zeigte er der wenig verdutzten Öffentlichkeit Microsofts Interpretation der Mii-Figuren (Avatare), und wie sie in das neue alte Gesamtkunstwerk namens Xbox Live passen werden.

Das ganze ging leider etwas zügig, sodass nicht allzu viel zu sehen war oder gar hängen blieb. Ganz und gar nicht erklärt wurde, wie sich MS den Übergang vom aktuellen zum zukünftigen Dashboard vorstellt, und ob man z.B. für die Klamotten seiner Miis Avatare wird zahlen müssen. Oder ob die Sachen an Spielerfolge gekoppelt sind. Oder. Oder.

Fest scheint nur zu stehen, dass sie auch ziemlich heftig an der Freundesliste gedreht haben. So wird es einen neuen »Community Channel« geben, über den man andere Spieler zu einer »Party« (also Gruppe) einladen kann, um dann gemeinsam zu chatten oder… hui… zu spielen.

Offenbar wählt man während einer Sitzung mehrere Kumpels aus und verbingt mit denen dann virtuell den Abend (oder Tag, je nach Job). Was immer man tut — die anderen können direkt einsteigen, so sah es zumindest aus.

Gezeigt wurde das am Beispiel von (hüstel) UNO und einer Online-Variante von »1 vs. 100«, einem Ratespiel, das als »Massive Multiplayer Online Game Show« vorgestellt wurde, und an dem alle verbunden Xbox Live User gleichzeitig teilnehmen können. Oder so. Auch Filme wird man in Zukunft gemeinsam gucken können — also der eine hier, der andere da. Bestimmt ganz nett für Kids, die lieber bei Freunden fernsehen als zu Hause. ;)

Wie gesagt wurde sich nicht lange genug mit den neuen Dashboard-Features aufgehalten, weswegen alles sehr schemenhaft und absolut unbeurteilbar blieb. Dass die neue Variante eine Verbesserung gegenüber der aktuellen darstellt, dürfte allerdings unstrittig sein. Die neue wirkt nicht nur frischer, sondern auch aufgeräumter und leichter zugänglich. Weniger Buttons und Beschreibungen, dafür mehr eindeutige Bilder (Spiele-Cover, yay) und bessere Organisation von Inhalten.

Naja, abwarten und bis zum Herbst ne Menge Tee trinken.

Und Spiele spielen. Z.B. neue Portal-Level oder das original Banjo-Kazooie über Xbox Live Arcade. Oder ein relativ bescheuert wirkendes Kamera-Game namens »In the Movies«, bei dem man möglichst albern herumhampeln muss, um dann in einen noch viel alberneren Kurzfilm hinengeschnitten zu werden.

Wenn ich’s nicht besser wüsste, hätte ich gesagt, dass es sich dabei um ein japanisches Produkt handeln müsste, aber das war Microsoft, und die hatten alle ihren Spaß.

Nerds.

Den Vorab-Abschluss der Konferenz bildete dann ein Massive Music Gaming Block. Zuerst wurde uns mitgeteilt, dass jeden Monat 3,5 Millionen Songs über die XBL-Ladentheke gehen.

3,5 Millionen Songs. Für Spiele wie Lumines und so, oder halt Guitar Hero und Rock Band. Ist das der Wahnsinn oder was? Wenn ich eine Band hätte… oder ein Label… ich… egal.

Jedenfalls kommen dieses Jahr noch ein paar zusätzliche Kaufanreize in Form zusätzlicher Musikspiele. Guitar Hero 4 protzt dabei mit einem »Music Studio« genannten Aufnahmemodus und einem innovativen (Tatsache) Drum Kit. Microsoft schickt dagegen »Lips« ins Rennen — eine Art SingStar mit iPod-Unterstützung. Wie das jeweils funktionieren soll, also wie man beim einen mit Plastikgitarren Musik machen und beim anderen Songtexte für die vom Freund gerippten MP3s erhalten soll, blieb ungeklärt.

Ebenso übrigens wie die Frage, wieso ich mir in Zukunft für teuer Geld 3,5 Millionen Songs pro Monat vom Marketplace herunterladen soll, wenn ich doch eigene Musik machen oder Gratisversionen verwenden kann.

Da schien die Ankündigung von Rock Band 2 um einiges durchdachter. Mehr Songs, alles Originale, eine Menge Exklusive, dazu ein paar alte Hasen reanimieren. AC/DC, Metallica, Guns’n’Roses. Sogar Bob Dylan hat einen Song gespendet.

Angeblich soll man auch seine sämtlichen RB1-Tracks weiterverwenden können (»Forward Compatibility«), was eine stattliche Bibliothek von 500 Songs bis zum Jahresende zur Folge hätte.

Tusch!

Dann war eigentlich schon Schluss. Der Präsident von Square Enix erzählte noch ein paar Anekdoten über Spiele, die niemand im Westen je spielen, geschweige denn verstehen wird, dann wurde er verabschiedet, es wurde ein super tolles Resümee gezogen (»alles super toll«) — und dann kam Steve Jobs auf die Bühne, sprach mit japanischem Akzent und meinte:

»One more thing.«

Und dann zoomte die Kamera in die Totale, man sah den ganzen Raum, alle Sitze, alle Pressevertreter und windigen Reinschmuggler, und eine winzig kleine Leinwand ganz hinten am allerletzten Pixel des Mediaplayers.

Da lief dann ein briefmarkengroßer Trailer zu Final Fantasy XIII.

Und das war’s.

Keine Wiimote.

Kein Halo 4.

Keine neu designte Xbox.

Insgesamt der Auftritt eines von der Konkurrenz zwar durchaus beeindruckten, jedoch nicht bedroht fühlenden Mitspielers. Ein bisschen viel Multimedia-Casual-Gedöns für meinen Geschmack, und viel zu wenig echte Innovation im Sinne der Normalo- bis Hardcore-Gamer.

Morgen sind die anderen beiden dran.

Groß nachlegen müssen sie nicht.

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