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Wir brauchen neue Häfen

Wir brauchen neue Häfen.

Selbst sonst so ruhige Menschen sorgen sich, aber ganz anders als die Besorgten.

Denn wenn sie wieder vor den Türen stehen, stehen sie auch vor unserer.

Ohnmacht, Unsicherheit und Sprachlosigkeit erdrücken wichtige Stimmen, weil Grautöne und Farben in den Debatten eine Einladung für Schwarzweißmaler aller Couleur sind, die alles überstreichen. Sie sind ein offenes Einfallstor für die, die Herausforderungen nicht lösen wollen, die vor der Komplexität der Geschichte aufgegeben haben und die daher den Scharlatanen der einfachsten Erzählung folgen. Und die im öffentlichen Diskurs-Bereich dabei sind, die Oberhand zu gewinnen. Kein vernünftiger Artikel bleibt ohne Mistgabeln schwingende Meute, die ihn niederschreit.

Im Gegensatz zu uns haben sie eine Partei. Sie haben Treffpunkte und regelmäßige Öffentlichkeit. Sie sind dezentral vernetzt und organisiert durch die Werkzeuge, die wir viel besser kennen und die wir viel besser nutzen können sollten. Sie sind sich ihrer Sache sicher, denn sie erhalten zehntausende LIKEs für Mordaufrufe. Sie bewaffnen sich und sie scheuen keine Gewalt.

Sie haben eine gemeinsame Basis. Während wir uns kaputtstreiten über das dritte Wort im vorletzten Satz des fünften Abschnitts, schreiben sie nur die Headline. Und sind sich einig.

Immerhin: Was sie nicht haben, sind Kunst und Musik.
Wollen wir wirklich warten, bis sie sie wieder verbieten?

Wenn wir aber keine Partei haben, die sich bedingungslos gegen sie stellt. Wenn es niemanden gibt, der in unserem Sinne die Stimme erhebt. Wenn wir keine Treffpunkte, keine Vertreterinnen und Vertreter haben. Dann geben wir die Straße, die Kommentarfelder, die öffentlichen Debatten, die Demokratie und die Menschlichkeit auf.

Und wenn wir unsere Kritik, unsere Wut, unsere Gegenwehr weiterhin ausschließlich auf die Fehler der bestehenden demokratischen Instanzen, Menschen, Medien richten, statt auf die Hassenden … dann unterstützen wir die Abschaffung dieser Instanzen und spielen damit denen in die Hände, die sie sich hämisch reiben.

Immerhin: Noch bleiben uns die Kunst und die Musik.
Doch sie schützen nur unsere Seelen.
Nicht vor denen, die vor unseren Türen stehen.

Ein Bekannter war sich in einem Gespräch neulich sicher. Zurecht, fürchte ich. Der Staat wird mit härterer Gangart antworten. Mehr Polizei. Mehr Überwachung. Mehr Kontrolle. Mehr Staat. Und zu unserer Beruhigung wird es gleichgeschlechtliche Ehe und Marihuana geben. Das, was wir wollen, gegen das, was wir nicht wollen. Gegen das uns aber die Argumente ausgehen, weil sie niemand mehr ausspricht und niemand mehr hört.

Wir brauchen neue Häfen.

28 Kommentare

  1. 01

    Ich teile deine Sorge. Und deine Sehnsucht. Und ich stimme dir fast zu. Wenn, ja wenn ich nicht im Alltag in der Kohlenstoffwelt, drei Häfen erlebte, von denen einer mir auch insofern Mut macht, als er groß genug für uns alle ist.
    Zum einen, ich weiß, dass gilt nicht für alle, ist da meine Kirche (in meinem Fall: die ev.-luth. Nordkirche). Die klar ist, die nicht-hysterisch ist, die, wie es in einem Hafen sein muss, die Türen öffnet und Schutz bietet. Tatsächlich und auch ganz praktisch, als in meiner Familie jemand mit Mistgabeln attackiert wurde.
    Zum anderen (weil du Partei ansprichst) die Grünen. Wo nicht alles schön ist und wo nicht alle zustimmen können. Aber in der wir die Reihen schließen und die schützen, die ganz brutal und persönlich angegriffen werden, online und in der Kohlenstoffwelt. Und in der wir in einem Raum aus fast so was wie Zivilisation streiten und diskutieren.
    Und dann – und das ist der mir wichtigste Hafen geworden – das, was ich „neue Zivilgesellschaft“ nenne. Wie wir es mit http://meiendorf-hilft.de und anderen tun. Wo Platz ist für alle, die sich nicht vom Terror beeindrucken lassen. Wo wir aus alter Zivilgesellschaft (Vereine, Kirchen, auch Parteien, in unserem Fall bis hin zur örtlichen CDU, so verrückt das klingt) und Onlineaktivistinnen gemeinsam etwas neues bauen, eine Mole als erstes, dann einen Leuchtturm. Noch hält dieser Hafen nicht jeden Strum und jede Welle ab, muss er vielleicht auch nicht. Aber aus diesem Hafen segeln viele von uns jeden Tag los. Und ziehen sich zurück in ihn, wenn die Nacht kommt.

  2. 02

    @Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach: Das ist eine schöne, weil hoffnungsvolle Antwort.

    Ich selbst habe meinen Hafen im Familien- und Freundeskreis (allen religiösen Häfen steht bei mir im Wege, dass ich einfach nicht an einen oder mehrere Götter glaube, ich finde, das ist bei allem Respekt vor der wichtigen Arbeit vieler Kirchengemeinden ein Ausschlusskriterium bei der engeren Teilnahme). Ich kann mich zurückziehen. Aber das genügt ja nicht (und du tust ja auch mehr). Ich hatte das neulich schon einmal kommentiert: Ich versuche mit anderen, mit der re:publica und der TINCON und auch mit Radiosendungen oder Musik wenigstens Räume zu schaffen und finde das auch wichtig. Aber das überzeugt nicht einen einzigen Rechten davon, vlt mal anders nachzudenken oder zu handeln. Und es stoppt keinen einzigen Brandanschlag und auch keinen einzigen Selbstmordattentäter. Es bleibt leider „preaching to the converted“.

    Aber ich bin trotz allem nicht wirklich besorgt, dass es keine demokratische, humanistische Mehrheit gäbe (ich denke, die gibt es), sondern eher, wie man dafür sorgen kann, dass diese Mehrheit die stärkste Stimme behält und die Gesellschaft mehr prägt als der Hass. Wir ziehen uns doch alle eher zurück und sehen fassungslos zu, wie sich die Gesellschaft durch Attentate und Terror verschiedenster Form und Tragweite und durch skrupellose Wirtschaft und wahlweise Zeitlupen- oder Vorschnell-Politik zum Schlechten verändert. Es ist nur noch totaler Irrsinn und niemand der von dir erwähnten Zivil-Initiativen sitzt derart an der Macht und übernimmt gleichzeitig so viel Verantwortung, wie nötig wäre, um diesen Irrsinn langfristig zu stoppen. Wo ist die Politik, die Waffenlieferungen aus Deutschland einfach beendet, weil es ganz schlicht und ergreifend falsch ist? Wo ist die Person, die Integration plant und leitet, weil das in den nächsten Jahrzehnten eine der wichtigsten Aufgaben sein wird? (Es ist kein Zufall und vlt sogar gut, dass sich in Berlin jetzt erstmal ein ehemaliger McKinsey-Berater kümmert, der interessiert sich hoffentlich wenigstens nicht für krakeelende Wählerstimmen.)

    Was die Grünen angeht: Wieso gelingt es ihnen/euch nicht, das, was du beschreibst, auch nach außen zu tragen und damit mehr als einen kleinen Bruchteil der mittlerweile sicher auch in die Jahre gekommenen Wählerinnen und Wähler zu gewinnen? Das ist bei dir sicher anders, aber die Handvoll aktiver Politikerinnen und Politiker, die ich kenne, sind auch so in ihrer eigenen Blase gefangen, dass sie das System als gegeben hinnehmen und nichts mehr bewegen oder gar verändern, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Wir reden und reden und schreiben und lesen und ziehen uns zurück. Und währenddessen zünden Menschen Asylbewerberunterkünfte an.

  3. 03
    Gondor

    Brauchen wir wirklich neue Häfen oder nicht eher eine neue(re)/andere oder besser ganz alte Art der Herangehensweise?
    Die sog. zivilisierte Menschheitsgeschichte zeigt empirisch eine Erfolgsgeschichte der Herrschaft der Gewalt. Wer die Kontrolle über
    die Gewalt (militärisch, kulturell, medial…) hat bestimmt“/schreibt“ den weiteren Ablauf der Geschichte. Um eben genau das, nämlich die Kontrolle, bis hin zu jedem intimsten Bereich jedes/r Einzelnen, geht es gerade – überall. Die weltweite Vernetzung ist einerseits positiv, schafft sie doch eine Möglichkeit der Bildung und globaler (statt nationaler) Communities. Andererseits ermöglicht sie eine immer stärkere Kontrolle/Einflussnahme bis hin zum I.o.T.

    Die Radikalisierungen in jeder Hinsicht und nicht nur hierzulande sind politisch gewollt bzw. gefördert, da sie so vielen (politischen/wirtschaftlichen) Agenden zupass kommt und sich fabelhaft intrumentalisieren lassen.
    Und unsere Ohnmacht (sic) kommt von unserer Unfähigkeit (einfache) kurzfristige „Lösungen“ anzubieten, in einer Welt die eben nicht mehr nur schwarzweiss ist (bzw. sich so darstellt) sondern differenzierte, längerfristige Bemühungen aller Beteiligten braucht.

    Es scheint, wir können einerseits mit den Hassenden nicht (mehr) reden und verlieren andererseits peu a peu die letzten Möglichkeiten der gesellschaftlichen Einflussnahme. Jemanden oder ganze Gesellschaftsgruppen verbal, medial, kulturell oder physisch „niederzuknüppeln“ ist eben leider weniger kräftezehrend/aufwändig als inhaltliche Überzeugungsarbeit.

    Häfen (um bei diesem Bild zu bleiben) sind aber wie Burgen. Auch sie können „erobert/eingenommen“ werden. Letztendlich sind sie auch bei
    Nichteroberung Orte die sich (von aussen) leicht(er) kontrollieren lassen.

    Ich wäre eher für eine dezentrale, eher nomadenartige „Communities/Bewegung“ statt neue Häfen, es sei denn man betrachtet z.B. webbasierte Communities auch als (metaphorischen) Hafen. Ja, es scheint mir fast als wäre es (wieder) soweit ;-( fast so etwas wie eine „Resistance“ zu überlegen. Eine basierend auf Menschlichkeit, Vernunft, Empathie und der/einer demokratischen Idee. Persönlich einen Hafen im Familien-/Freindeskreis zu finden ist ein (erster) kleiner Schritt. Allerdings brauchen wir alle dringendst grössere Schritte.

    Habe ich das gerade wirklich geschrieben? Bin ich ein Spinner so zu denken? Eigentlich war/bin ich persönlich gerade auf dem „Rückzug“ in’s Private, frei nach George Carlin:
    https://www.youtube.com/watch?v=ls8RXqyZDsk
    Wort.Für.Wort…

  4. 04
    kleiner Denkanstoss

    Wir brauchen ganz dringend eins:

    Alte Parolen von gestern überdenken, welche die Probleme von heute nicht ansatzweise lösen können und Brandbeschleuniger weit aus schlimmerer Dinge von Morgen sind.

    Neue Lösungsansätze und Gedanken müssen hier.

    Die alten Ideologien, von den Linken, Rechten und von seltsamen bizarren fremden Kulturkreisen haben seit Jahrzehnten nicht einmal ansatzweise die Probleme gelöst. Beispiele gibts täglich in den Nachrichten. Über Jahrzehnte lang gibt es empirische Beweise das gut gemeintes leider nicht funktioniert wie es sich diverse Gruppierungen in Ihren Ideologieblasen so vorstellen.

    Zeit wirds endlich mit der Realitätsverweigerung und Eskapismus auf zu hören das alles gut wird wenn wir alle nur ganz fest an eine Sache glauben. Aus den Fehlern und Erfahrungen unserer Nachbarländer muss endlich gelernt werden das sich Menschen leider nie so verhalten wie es in der Theorie geplant wird.

    Wohin ich aber schaue sehe ich aber ein beispiellose Phantasielosigkeit in der Problemlösung.

    Lösen sollen diejenigen die Probleme welche schon überfordert sind uns ein gutes Leben zu ermöglichen. Menschen die uns nicht mal ein gerechtes Steuersystem geben, uns ein Halbes Jahr hackeln lassen für die Umverteilung von Angestellen zu priviligierten Systemassimilanten die den Hals nimmer voll bekommen. Berufspolitiker von Links und Rechts welche seit der Abwahl von Helmut Kohl Ihre Ideale auf mieseste Art verkauft haben werden es nicht lösen können.

    Ich sehe da schwarz wenn es noch so weiter geht.
    Vor allem in Hinblick auf das selber erlebte welches dimetral auseinander geht zum allgemeinen Konsens des Mainstreams.

    Austatt hier in Deutschland sich in etwas hinein zu steigern was nachweislich nicht klappen wird muss jetzt endlich überdacht werden was geht und was zum Scheitern verurteilt ist.

    Wer wirklich helfen will und einen Beitrag für eine bessere Welt leisten will soll dort helfen wo die grösste Not ist und es ein gigantisches heiliges „Wachtum” gibt.
    Unser Wachtum hier ist längst vorbei. Verwaltung anstatt Gestaltung domiert jetzt.
    Zuzüglich politischer Dilettantismus. Es gibt auch nichts mehr zu verteilen. Arbeit und bezahlbarer Lebensraum sind hier leider endlich.

    Zeit wirds mit Spaten und Elan vor Ort in Ländern zu helfen.
    Mit ganz geringem Aufwand kann schon viel erreicht werden.
    Zeit wirds Nationbuildung mit dem Spaten zu machen und nicht
    das was diverse grössenwahnsinnigen Länder praktizieren.
    Crowdfunding in echte Entwicklungshilfe, Hilfe zur Selbsthilfe etc.

    Anstatt aber an zu packen vertiefen sich alle in Ihre primitiven Grabenkämpfe
    wo sich gegenseitig eingeredet wird man sei ja eh auf der guten Seite.
    So verschwendet die Menschheit Jahrtausende an Zeit um sich gegenseitig
    nieder zu machen bei so primitiven Themen wie
    Links – Rechts
    CDU – SPD
    Christ – Moslem
    MAC – PC
    Heavy Metall – HipHop
    Veganer – Fleischesser
    u.s.w.

    Welche eine Zeitverschwendung.

    Lasst uns alle Anpacken und Ursachen bekämpfen, denn jeder auch so gut gemeinter sozialromantische Aktionismus den Ihr grade mit Refugee Welcome betreibt ist leider Brandbeschleuniger mit vorhersehbaren negativen Folgen für uns alle.

  5. 05
    JanM

    Danke für den Text. Ich glaube auch nicht, dass die größte Bedrohung von der Möglichkeit ausgeht, die hasserfüllten Brandstifter könnten rein zahlenmäßig die Oberhand gewinnen; wenn uns irgendwann etwas endgültig das Genick brechen wird, dann das Gefühl der Überforderung und die daraus entstehende Lethargie der Masse, deren politische Einstellung sich zwar auf Nachfrage hin zweifellos im demokratischen und humanistischen Teil des Spektrums verorten lässt, sich aber ansonsten nur selten in Worten und so gut wie nie in Taten äußert.

    Ich bin leider Teil dieses Problems. Ich würde mich selbst als politisch überdurchschnittlich interessiert einstufen, aber in viel zu vielen Fällen sind die einzigen Reaktionen, die mein Gehirn auf meine Auseinandersetzung mit den entsprechenden Themen zustandebringt: Verzagtheit, Zynismus, Rückzug. Und ich kann es nicht leiden. Diese Spirale der fortlaufenden defätistischen Selbstbestätigung, dass heute wieder alles noch ein bisschen hoffnungsloser ist als gestern, hat schon meine Eltern in die Depression getrieben und mir wird schlecht beim Gedanken daran, dass ich mich auf demselben Weg befinden könnte. Und natürlich wird die Spirale durch diese Art von Selbstreflektion und -kasteiung erst komplett, denn zu einem konstruktiveren Wirken gelange ich wohl kaum, indem ich mich dafür hasse, so beschissen unkonstruktiv zu sein.

    Aber letzten Endes ist es teuflisch einfach – auf das „man müsste“ folgt bei mir immer wieder das alles erstickende Gefühl, dass meine Kräfte schon vollständig dafür draufgehen, mein eigenes kleines Leben einigermaßen auf der Schiene zu halten. „Ich hab schon genug Scheiß um die Ohren, ich kann mich nicht auch noch mit wütenden Nazimobs und einer menschenverachtenden Politik anlegen“. Vielleicht projiziere ich hier ein bisschen, aber ich habe das Gefühl, so oder ähnlich geht es vielen. Ja, das Interesse ist da, aber wenn es einem jedes Mal, wenn man ihm nachgeht, hinterher schlechter geht als vorher, sucht man nach Selbstschutz. Bei manchen ist das Zynismus oder bitterer Spott, bei anderen angestrengtes Weggucken oder Kleinreden. Die Menschen, die diesen Schutz im Verbünden, im Mundaufmachen und in der gemeinsamen Suche nach Lösungen finden, haben meine allergrößte Hochachtung. Ich hoffe, mich irgenwann zu ihnen gesellen zu können.

  6. 06

    @JanM: Und irgendwann fragt man sich dann bei aller Anti-Verschwörungshaltung doch, ob es System hat, dass man zu sehr mit dem ganzen anderen Kram zu tun hat.

  7. 07
    JanM

    Zumindest halte ich es für unbestreitbar, dass unsere Regierung damit im Grunde genommen ganz zufrieden ist.

  8. 08
    _asoftwaredeveloper_

    Ich habe mir dazu auch schon meine Gedanken gemacht, und auch wenn es die Partnerin noch nicht so sieht, mir für einen Einzug der AFD in den Bundestag oder mehr als 50% für die CDSU oder/und einen weiteren Rechtsruck der SPD einfach das Auswandern vorgenommen.
    Ich will dem einfach den Rücken kehren, denn ich fühle mich grade überrollt und auch abgestraft, für eine Haltung die ich als humanistisch und auch modern empfinde. Deutschland hat hart den Rückwärtsgang eingelegt und vielleicht war mir das nicht klar. Da wird einer sagen: Woanders sind sie auch rassistisch. Ja, das mag so sein, aber dann ist es nicht mein Heimatland, dem ich jeden Tag beim Niedergang zusehen muss.

    Ich empfinde auch wie JanM, und das mag schon verschwörungstheoretisch daherkommen, aber ich glaube, der Pro-Asylflügel der CDSU ist eine Ablenkung, ich glaube es nicht was Merkel mit „wir schaffen es sagt“. Am Ende hat das keinen Bestand.

    Ich hatte schon lange kein so klares Gefühl wie rassistisch es in Deutschland ist, was verwunderlich ist, ich hatte aufgrund meiner beruflichen Laufbahn mehr als genug mit Migranten und geschäftlich mit vielen Menschen aus dem Ausland zu tun und (nach meinem Urteil) immer ein offenes Auge für die Bedürfnisse der Menschen denen man da begegnet.

    Ich habe mir nur einen Punkt gesetzt bei dem es vorbei ist. Ich mache das nicht mit, ich werde nicht weiter zusehen wie auf Gegendemos eingeprügelt wird, und die Nazis zum Brandstiften geleitet werden, wie an jedem Familienfest in 2015 das Wort N**** am Tisch fällt (einfach irgendwann ganz casual – wenn nur die Gruppe groß genug ist), Racial Profiling betrieben wird, die Lage am LageSo einfach eskaliert weil Behörden kein Geld bereitstellen – für einen Zustand von dem sie schon Jahre wissen, immer gesagt wird „es geht nicht“ aber meint „wir wollen nicht“. Ach die Liste ist soooo lang. Und dann ist da auch noch die Beteiligung des Staatsapparates am NSU.

    Ich wechsle grade in das Lager der Antideutschen, die das Kotzen bekommen, wenn Hitler bei n24 (aus Gewinnstreben) in Dauerschleife gesendet wird, und daneben die Ex-Lucke Partei auch noch keinen Fortschritt zur Generation Turn und Taxis erkennen lässt (die olle Schnackseln Nummer), wir wohl lurzzeitig die Schwimmbadappartheit einführen und und und.

    Versteht mich nicht falsch: Deutschland, sein Land, seine Menschen, seine Kulturgüter, seine Kunst und alles was dazugehört liegt mir am Herzen, nur die Lage erscheint mir Rettungslos und daran ist für mich auch ein Saatapparat beteiligt, der im Zweifel wohl immer nach Rechts kippt. Vielleicht war es auch nur eine romantische Vorstellung, eines Kindes das in dem Mittsiebzigern geboren ist, dass so etwas nicht zum Zusammenleben gehören darf.

    Ich habe durch meinen Beruf im Bereich Software mit der entsprechenden Berufserfahrung die Möglichkeit mich dem zu entziehen und aus der Ferne wohl den gleichen Nicht-Einfluss wie grade hier gefühlt auch. Es macht keinen Unterschied, nur will ich nicht irgendwann zu den Opfern dieser Bewegung gehören. Denn so weit geht mein Altruismus hier nicht, dass ich mich der selbsternannten rechten Mehrheit (und wenn es nur die Wahrnehmung ist), so lange in den Weg stelle, bis meine oder die Gesundheit meiner Lieben gefährdet ist.

    Wer jetzt lacht und das überzogen findet, der kann sich gerne nochmal die Timeline des Nationalsozialismus durchlesen. Der Haffner liegt bei mir grade auf dem Klo und ich lese ihn wieder. Bei der Nachlese hat seine Biografie da auch Ähnlichkeiten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_Haffner

    Es wäre schön, wenn es momentan einen solchen Hafen gäbe: Ich sehe ihn aber nicht und darum werde ich wohl irgendwann in See stechen und dem Mob den Rücken kehren!

  9. 09
    Gondor

    Ein Vergleich mit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hinkt natürlich stark. Aber so wie _asoftwaredeveloper_ sind schon viele emigriert, zumindest innerlich und die die es für sich schaffen. Wenn ich mich mal bewusst in meinem (beruflichen) Umfeld (Musikbiz) umsehe; es wächst sich zu einer regelrechten Bewegung aus. Man kommt noch nach z.B. Europa um Geld zu verdienen aber ansonsten sucht sich jede/r (der/die kann) einen eigenen, fernen Hafen.
    Und nein, Johnny, auch Kunst und Musik helfen nur bis zu einem gewissen Punkt.
    Obwohl, während ich diesen Text schreibe wird mir zwar „vorgeführt“ wie gut sie einem tun kann; jemand der schön auf dem Klavier live improvisiert(?) mit einem Cello dabei (wahrlich kein Klaviermusikfan, eigentlich..)
    Wie die Historie zeigt ist die (innere) Emigration und der Rückzug in vermeintliche sichere/private Häfen eine Illusion. Besonders in so einer global bis in’s I.o.T. vernetzten Welt wie heute werden sie irgendwann eben doch „vor unserer Tür stehen“. Das hiesse wir müssten uns nicht nur neue(?) Häfen(?) schaffen sondern von reaktiven Humanisten zu aktiven werden. Ja, das ist alles so unendlich ermüdend, wie der Kampf gegen mehrere Windmühlenflügel auf einmal. Am wichtigsten finde ich ist es sich andere zu suchen. Projekte wie die re:publica sind da ein super Anfang(!). Allerdings scheint es generell fast schon viel zu spät wenn man sich die globalen, politischen Zustände in den einzelnen Ländern ansieht. Überall! radikalisiert sich der „politische“ Diskurs hin zu Gewalt. :-(

  10. 10
    ber

    Möönsch, wasn hier los? Winterblues oder wie? Ein paar Anmerkungen, da ich die Situation nicht so düster sehe:

    „Im Gegensatz zu uns haben sie eine Partei. Sie haben Treffpunkte und regelmäßige Öffentlichkeit.“

    Ich glaube der Bundestag ist voll mit Leuten/Parteien, die mehr oder weniger deine politischen Einstellungen abdecken. Oder besser: abdecken könnten. Die berühmten Sachzwänge und die oft vorhandene Komplexität der Materie führen leider oft zu fragwürdigen oder gar keinen Entscheidungen.

    Ja, evl. ist die AFD im Aufschwung. Vielleicht erweckt aber auch nur die jetzige mediale Präsenz den Eindruck. Mich erinnert das eher an die Entwicklung der Piratenpartei. Und über die verliert heute niemand mehr ein Wort.

    „Sie sind dezentral vernetzt und organisiert durch die Werkzeuge, die wir viel besser kennen und die wir viel besser nutzen können sollten.“

    Als letztes Jahr Rechte eine Google Maps mit Standorten von Asylbewerberheimen ins Netzt stellten, waren Leser/innen bei Netzpolitik verblüfft, das Rechte mit Computern umgehen können. Und dein Satz ließt sich ähnlich. Die politischen Gegner werden offenbar sehr unterschätzt. Schau dir die Bios der AFD Politiker an. Das sind Unternehmer, Wissenschaftler, Akademiker – also gut gebildete Mittelschicht. „Die“ sind sehr oft auch „wir“.

    „Immerhin: Was sie nicht haben, sind Kunst und Musik.“

    Ich glaube die Behörden, die sich mit rechten Medienerzeugnissen herumschlagen müssen, sehen das anders. Auch ist der unterschwellige Vorwurf Rechte seien unkultivierte Deppen etwas zu pauschal. Erinnerst Du dich an den lettischen Regisseur, der ein Gastspiel am Thalia Theater absagte? Begründung: er will damit gegen das Engagement des Hauses für Flüchtlinge protestieren. Auch unter Vertretern der sog. Hochkultur ist die scharfe Trennung von „wir“ und „die“ offenbar nicht möglich. Künstlerische Arbeiten haben auch nicht unbedingt etwas mit der politischen Haltung der Macher/innen zu tun.

    „Wenn wir keine Treffpunkte, keine Vertreterinnen und Vertreter haben. Dann geben wir die Straße, die Kommentarfelder, die öffentlichen Debatten, die Demokratie und die Menschlichkeit auf.“

    Warum so pessimistisch? Letztes Jahr waren massiv viele Leute bei Demos (TTIP, Anti-Pegida etc.), wurde in Berlin besserer Mieterschutz erkämpft, wurden Sachen für Geflüchtete gesammelt, Asyleinrichtungen und Behörden unterstützt, Blogartikel zu pol. Themen geschrieben, Podcasts aufgenommen, Vorträge gehalten … Ich kann mich nicht erinnern so viel ziviles Engagement schonmal erlebt zu haben. Die Republica ist übrigens auch solch ein Treffpunkt – danke dafür.

    „Und wenn wir unsere Kritik, unsere Wut, unsere Gegenwehr weiterhin ausschließlich auf die Fehler der bestehenden demokratischen Instanzen, Menschen, Medien richten, statt auf die Hassenden …“

    Das ist sicher kein Aufruf linke Bürgerwehren zu bilden. Daher die Frage: welche legalen und gewaltfreien (das sollte der Konsens sein, finde ich) Aktionsformen außer Demos und medialer Aufmerksamkeit stellst du dir vor?

  11. 11

    @ber: so kurz wie möglich ein paar Anmerkungen zu Deinem Post:
    – offensichtlich sieht Johnny eben keine Partei (auch nicht im Bundestag) die sich (öffentlich)wirksam gegen besagte Meute stellt, sonst hätte er den Artikel nicht so formuliert bzw. publiziert. Und offensichtlich sieht er das nicht als Einziger so.
    – die AfD ist nur EIN parteipolitischer „Ausdruck“ der/einer niederschreienden Meute
    – niemand ist verblüfft dass Rechte mit PCs umgehen können. Johnny beklagt nur den Umstand dass die Gegner von Hetzern und rechtem Mob ihre Agenden nicht mindestens ebenso effektiv (relativ zu ihren Erfahrungen mit Vernetzung etc.) umsetzen/hinbekommen.
    – angesprochene Behörden (wie z.B. auch der Presserat) sind simpel wirkungslose Papiertiger
    – die Causa es lettischen Regisseurs wurde (warum wohl) verzerrt und unvollständig wiedergegeben. Seine Entscheidung beruhte hauptsächlich auf persönlichen Erfahrungen aus dem Umfeld seines Pariser! Wohnortes (nach den letzten Anschlägen)
    – die 250.000 TTIP Gegner Demo war der Öffentlichkeit wenig mehr als eine Randnotiz wert. Jede PEGIDA wurde/wird mehr diskutiert.

    Da Johnny persönlich auch keine Lösungsansätze aus dem Ärmel schütteln kann, weil die Welt eben viel zu komplex geworden ist für „einfache“ Lösungen ist die Frage ausgerechnet an ihn, einer der Hauptinitiatoren/-akteure einer „Plattform“ wie die re:publica, auch obsolet. Die re:publica ist (nur) EIN Hafen, wie auch die TINCON einer werden kann. „Wir“ brauchen aber eben dringendst kurzfristiger wirksames gegen all den Hass, die Hetze und die drohende zunehmende Unfreiheit Neue Häfen überhaupt aufzubauen.

  12. 12

    @ber: Nicht nur, aber speziell dein letzter Absatz beschreibt das Dilemma sehr gut. „Wir“ (ich meine damit – natürlich – generell Menschen, die humanistische, ganzheitliche, demokratische Lösungen anstreben) bewegen uns im Großen und Ganzen auf legalem, gewaltfreien Boden. Und am Ende steht wie immer die große Frage, wie man mit diesen Mitteln auf Gewalt reagieren kann. Da hilft nur der Rechtsstaat, aber fühle ich mich von dem zur Zeit (und nach den Erkenntnissen zu den Themen NSU und NSA) gut geschützt? Eher nicht.

    @Gondor: Ähnlich hätte ich die Punkte auch erläutert, danke. :) Das mit den Parteien ist echt schwer … ich ärgere mich irre über die Grünen, die es nicht imho schaffen, sich sichtbar zu positionieren, über die SPD, die ihre Chance auf eine moderne Mitte-Links-Partei jahrelang vorüberziehen lässt, über Die Linke, die Wagenknecht von „Gastrechten“ faseln lässt … es ist nur noch armselig. Keiner scheint Eier, Pläne, Ziele über Wahlergebnisse hinaus zu haben.

  13. 13
    ber

    @Johnny: Danke für deine Anmerkungen. Ich verstehe den Alarmismus des Artikels trotzdem nicht. Rechte Parteien haben keine signifikante Anzahl an Sitzen in den Landtagen oder üben Einfluss auf die Massenmedien aus. Kein Grundrecht wurde gestrichen, keine Medien verboten oder Demos pauschal verhindert. Daher … ?

    @Gondor: Damit wir uns nicht „kaputtstreiten über das dritte Wort im vorletzten Satz des fünften Abschnitts“ schreib ich zu deinem Kommentar nichts weiter ;)

  14. 14

    @ber: So richtig fehl am Platz scheint mir Alarmismus nicht zu sein, ist ja nicht so, dass gewalttätige Übergriffe oder Brandstiftungen in den letzten Monaten abgenommen hätten.

  15. 15

    @Johnny Haeusler: Das Problem ist mit der „Headline“ ganz gut benannt Johnny. Ausdifferenzierung und die Komplexivität eigenständigen Denkens ist für die Hassmenschen nicht vorstellbar.
    Eine politische Chance sehe ich nicht in dem oben angesprochenem Mehr an Staat und Kontrolle, sondern eher darin, dass wir das feige Verhalten und Nichthinsehen staatlicher Organe öffentlich machen. Die drei unabhängigen Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative in Deutschland haben den Verbrechen der Hassmenschen nur selten etwas entgegen zu setzen. Warum brennen immer wieder Häuser, die als Quartier für Flüchtlinge vorgesehen sind. Warum fehlt hier die Kamera, die in jedem Bus mitfährt? Diese und viele andere Ungereimtheiten mehr sollten wir an den Netz-Pranger zu stellen, dafür sollten wir unsere Netzwerke nutzen. Dazu braucht es nicht eines einzigen Nebensatzes.

  16. 16
    ber

    @ÄNDY: Du siehst keine Lösung in einem „Mehr an Staat und Kontrolle“, um später genau das zu fordern. Was denn nun?

  17. 17

    @ber: Vielleicht solltest richtig lesen, bevor du rhetorische Fragen stellst. Ich fordere nicht mehr Staat und Kontrolle, sondern lediglich, dass die Fehlallokation von Überwachung durch Kameras im Öffentlichen Raum beendet wird. Die Brandstifter von Flüchtlingsunterkünften zu filmen und aus dem Verkehr zu ziehen. Darum geht es.

  18. 18
    ber

    @ÄNDY: Flüchtlingsheime sind ebenfalls öffentlicher Raum, Kameras dienen der Überwachung. Und wer außer staatliche Einrichtungen sollte die Bilder auswerten und Täter festnehmen? =Kontrolle+Staat

  19. 19
    Michael

    Ich glaube, dass zu häufig Absicht bei Dingen unterstellt wird, die sich auch durch Inkompetenz erklären lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Merkel oder andere in der CDU (die CSU nehme ich hier mal aus) in irgendeiner Form ein Interesse an einem Rechtsruck haben. Damit schießen sie sich nur selbst ins Knie. Bis vor kurzem saßen sie gut im Sattel und jetzt wird es auch für sie gefährlich und sie sind in der Defensive.

    Andererseits fehlen immer noch die Konzepte, die liberal denkenden auch mal ein paar Argumente an die Hand geben, dass irgendjemand weiß was er tut. Wenn unsere Regierung endlich mal mit sinnvollen Konzepten um die Ecke kommen würde, wie sie die Situation und Integration in den Griff bekommen wollen, würde es uns allen vermutlich auch fernab der Häfen im offenen Wasser einfacher fallen abseits von „wir schaffen das“ zielführend zu argumentieren, dass der aktuelle Weg der richtige ist und es ein Ziel gibt, auf das wir zusteuern.

  20. 20
    Daniel

    Interessant, wenn man nach rechts schaut, kann man ganz ähnliche Winterblues-Einlassungen lesen:

    [Anmerkung von Johnny: Den im Original-Kommentar folgenden Link und die Zitate aus dem Artikel habe ich entfernt, weil es mitnichten ähnliche Gedanken sind, nicht einmal ansatzweise, und weil ich hier das Bewerben von Rechtsaußen-Artikeln nicht zulasse.]

  21. 21
    Daniel

    Na gut, dann versuche ich ohne Link und Zitat zu beschreiben, welche Elemente des „Rechtsaußen“-Artikels zumindest nach meinem Eindruck ganz erstaunliche Gleichklänge zu dem von Johnny aufwiesen:

    Zunächst eine Grundstimmung der Ohnmacht. Die Dinge nehmen ihren Lauf, und man ist zum Zusehen verdammt.

    Die Sprachlosigkeit und der Mangel an Dialogbereitschaft.

    Das Gefühl, der Feind sei besser organisiert und repräsentiert.

    Die Kulturlosigkeit der Anderen.

    Die am Zaun lauernde Gefahr.

    Der Rückzug ins Eigene.

    Etc.

  22. 22
    Mister T

    @Michael: In der Tat, das „wir schaffen das“ Mantra ist bereits abgenutzt, bevor die Diskussion auch nur so weit gekommen ist, zu definieren, was „das“ überhaupt ist. Was sich mit der gegenwärtigen politischen Kultur in allen Bereichen quer durch die Bank deckt. Alle klammern sich an ihre schwindenden Prozente, weil ihr politischer Marktanteil so viel wichtiger geworden ist als ihre Ausrichtung.

  23. 23
    m

    Schwer zu beschreiben wie sehr ich die nächsten Wahlen herbeisehne, mein lieber linker, ach so guter Mensch Johnny, schwer zu beschreiben. Das wird ganz hervorragend. Und es beginnt gerade erst. :)

  24. 24

    @m: Ich bin sehr entspannt, was die Wahlen angeht. Zehn Prozent hatten auch schon andere, von denen man nichts mehr hört. Am Ende wird es nach der dann doch nicht so toll ausgefallenen Wahl das Übliche „Wahlbetrug!“-Geheule geben und danach zerlegen sich alle selbst.

    Anmerkung: Bitte nenn‘ mich nicht „mein lieber …“, wir kennen uns nicht. „Links“ und „gut“ kannst du aber gerne stehenlassen, denn mit den gegenteiligen Begriffen möchte ich garantiert nichts zu tun haben.

  25. 25
    Daniel

    Lieber Johnny,

    ich weiß, Links von Rechts magst Du nicht veröffentlichen. Aber wenn Linke über Rechte rechten und Rechte ihrerseits diese Linken verlinken, wenn also im Gespräch übereinander so etwas wie ein Wille zum Dialog aufscheint, machst Du vielleicht eine Ausnahme, der Horizonterweiterung wegen…

    Ein Linker über die Neuen Rechten:
    https://le-bohemien.net/2016/02/03/lasst-uns-ueber-die-neue-rechte-reden/

    Ein Rechter über die Vorstellungen von Linken über Rechte:
    http://www.sezession.de/52994/le-bohemien-ueber-neue-rechte-i.html

    Und wenn Du keine Lust hast, meinen Kommentar durchzulassen, ist es auch nicht schlimm. Dann nimm ihn als persönliche Leseempfehlung.

    Miteinander reden – alles andere reitet unsere Gesellschaft in die Scheiße!

  26. 26

    @Daniel: Wer hier viel liest in den letzten Jahren, weiß, dass mir und uns Dialog wichtig ist. Mit „Rechten“ ist das oft noch schwieriger als mit „Linken“, ich sehe mich selbst aber sowieso eher links von der Mitte. Extreme Positionen sind nämlich immer nervend, weil sie selten zuhören. Insofern scheinen die beiden verlinkten Artikel zumindest spannend zu sein.

    Ich habe aber beide bisher nicht komplett gelesen, weil sie auf mich auch wie viel Gesülze wirken, ich mache oft dicht, wenn sich die eigene Position dauernd über mindestens drei Bücher oder Zitate daraus definiert, um ihr eine irgendwie geschaffene Legitimation zu verschaffen. Natürlich ist die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Fragen der Zeit wichtig, aber wenn ich dann in den Kommentaren vom „Eintreten für ein Übeleben der deutschen Kultur im angestammten Lebensraum“ lese, dann weiß ich nicht, worüber ich da dialogisieren soll.

  27. 27
    Daniel

    @Johnny Haeusler: „Extreme Positionen sind nämlich immer nervend“

    Sehe ich auch so. Nur leider werden Vertreter randständiger Positionen für gewöhnlich in dem Maße extremer, in dem ihnen vermeintliches oder tatsächliches Unverständnis entgegenschlägt. Mir wird bange, wenn ich die momentan an Fahrt aufnehmende Radikalisierung an den Rändern unserer Gesellschaft wahrnehme. Ein Grund für diese Radikalisierung ist in der systematischen Ausgrenzung von Positionen zu finden, die nicht dem vergleichsweise engen Meinungskorridor der polit-medialen Öffentlichkeit entsprechen. Wenn beispielsweise ein hochrangiger Regierungspolitiker davon spricht, dass „wir“ gegen die Umtriebe der AfD kämpfen müssten, hat er bereits einen Teil der Bevölkerung aus diesem Wir ausgeschlossen. Die zu erwartende Reaktion ist dann folgerichtig Trotz, Radikalisierung und Hass.

    Ich persönlich hege eine tiefe Abneigung gegen jede Form von Gesellschaftsklempnerei, ganz gleich, ob sie auf rechten oder linken Ideologien basiert. Im Bemühen, Verständnis zwischen den Lagern zu stiften, sehe ich selbst lediglich den Versuch, die überhitzten Gemüter abzukühlen und ihnen einen Weg zurück in Richtung Mitte zu zeigen. Wenn ich mich mit Positionen auseinandersetze, die Du für pfui hältst, und wenn ich dabei ein Mindestmaß an Verständnisbereitschaft mitbringe, das Dir vielleicht schon zu weit geht, dann tue ich das nur in der Hoffnung, irgendwann wieder meine Ruhe in der gesunden Mitte zu finden.

  28. 28

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