Primacall

Primacall ist ein in Berlin ansässiger Telekommunikationsdienstleister. Am 10. April 2007 unterschrieb Primacall auf Klage der Verbraucherzentrale Berlin eine Unterlassungserklärung. In dieser Unterlassungserklärung verpflichtete sich Primacall, „Privatpersonen ohne deren vorherige Einwilligung nicht mehr zu Werbezwecken anzurufen“. In der vergangenen Woche meldete sich bei uns ein Call Center Agent (CCA) von Primacall. Er behauptete, dass Primacall an der Praxis der Kaltakquise festhalte, also weiterhin Menschen durch sogenannte „Cold Calls“ belästige. Johnny und ich trafen uns mit ihm zum Gespräch.

Spreeblick: Wie bist du zu Primacall gekommen?
CCA: Nachdem ich von jemandem, der da selbst gearbeitet hat, auf der Straße angesprochen worden bin, ob ich nicht einen gut bezahlten, einfachen Job machen möchte, hatte ich dann einige Tage später mein Vorstellungsgepräch zusammen mit 5 anderen Leuten und habe erstmal in der Präsentation ein wenig über die Firma erzählt bekommen, die übrigens ausdrücklich über sich sagt, dass sie kein Callcenter ist, sondern ein Telefonunternehmen.

Spreeblick: Die Firma ist ein Telefonunternehmen, aber du arbeitest innerhalb dessen in der Telefon-Abteilung?
CCA: Ja, sozusagen. Laut Firmenjargon wird meine Abteilung „Aktivierungsbereich“ genannt. Dort werden die Angerufenen „aktiviert“ für einen Rückruf, bei dem dann ein konkreter Vertrag zustande kommen soll.

Spreeblick: Und wie funktioniert diese Aktivierung?
CCA: Telefoniert wird anhand eines vorformulierten Skripts. Wir sollen das Gespräch führen und nicht etwa der Angerufene. Wir sollen möglichst streng nach diesem Skript wörtlich vorgehen, die Vorteile dieses Telefontarifs anpreisen, den wir ihnen verkaufen wollen.

Spreeblick: Darum geht es also – ihr wollt den Leuten einen Telefontarif verkaufen.
CCA: Ja, genau. Wir verkaufen den Leuten einen Tarif für 18,90 € monatlich, mit dem sie kostenlos ins Festnetz und vergünstigt in mobile Netze anrufen können. Dieser Tarif kommt jedoch zu den normalen Anschlussgebühren des Kunden hinzu.

Ziel eines jeden Telefonats ist die so genannte „Aktivierung“, die erreicht man im Schnitt nach 1 ½ bis 2 Minuten Telefonat. Die Aktivierung selbst ist der Mitschnitt, den ich per Knopfdruck am Ende des Telefonats starte.

Ich frage den Kunden nochmals nach seinem vollständigen Vor- und Zunamen, ob er damit einverstanden ist, dass wir ihn noch mal zurückrufen und schließlich, ob er damit einverstanden ist, dass unser Tarif vor jedem seiner Gespräche vorgewählt wird, damit er für 0 Cent pro Minute telefonieren kann. Das Ziel ist, dass der Mitschnitt lediglich aus diesen 3 Fragen und den dazugehörigen Antworten „Vollständiger Name, Ja, Ja“ besteht.

Dabei soll insgesamt der Eindruck vermieden werden, dass diese Vereinbarung unverbindlich ist, was es juristisch auf jeden Fall ist. Vielmehr soll bei den Angerufenen der Eindruck entstehen, dass der Vertrag in dem Moment schon geschlossen ist, obwohl das tatsächlich erst beim Rückruf der Fall ist.

In § 7 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb heißt es:

(1) Unlauter im Sinne von § 3 handelt, wer einen Marktteilnehmer in unzumutbarer Weise belästigt.

(2) Eine unzumutbare Belästigung ist insbesondere anzunehmen

1. bei einer Werbung, obwohl erkennbar ist, dass der Empfänger diese Werbung nicht wünscht;
2. bei einer Werbung mit Telefonanrufen gegenüber Verbrauchern ohne deren Einwilligung oder gegenüber sonstigen Marktteilnehmern ohne deren zumindest mutmaßliche Einwilligung;
3. bei einer Werbung unter Verwendung von automatischen Anrufmaschinen, Faxgeräten oder elektronischer Post, ohne dass eine Einwilligung der Adressaten vorliegt;

Spreeblick: In jedem Fall ruft Ihr an? Also Ihr werdet nicht angerufen, zum Beispiel auf Werbung hin?
CCA: Ja, das ist richtig. In der Tat ist es jedoch nicht so, dass der einzelne Telefonist anruft, sondern man sitzt an einem Arbeitsplatz, an dem man sich einloggt und an den dann ein Telefonat nach dem anderen weitergeleitet wird. Tatsächlich befindet sich dahinter eine Telefoniermaschine, die mithilfe eines Programms Nummern aus einem Datensatz, in dem sicher hunderte - vermute ich - Leute drinstehen, anruft und sobald am anderen Ende jemand abhebt, wird derjenige dann an einen freien Telefonisten vermittelt. Das heißt ich sehe erst, mit wem ich spreche, wenn derjenige schon abgehoben hat.

Spreeblick: Und wo kommen diese Daten her?
CCA: Woher Primacall diese Daten konkret hat, weiß ich nicht. Ich habe nur einmal mitbekommen, dass ein Kollege einen Teamleiter, der an sich kompetent genug sein müsste, diese Frage zu beantworten, gefragt hat, woher diese Daten eigentlich kommen und dieser hat geantwortet, sie kämen von einem Adressbroker und die Daten kämen von Leuten, die ein Abo haben oder mal bei einem Gewinnspiel mitgemacht und sich dort damit einverstanden gegeben haben, dass diese Daten weitergegeben werden. Was für Abos, Gewinnspiele und Adressbroker das sind, ist überhaupt nicht klar. Wir haben also nur diese Aussage des Teamleiters.

Was man vielleicht dazu sagen muss: Zu diesen Daten gehören nicht nur Name, Adresse und Telefonnummer, sondern in der Maske erscheint auch häufig das korrekte Geburtsdatum, das sind also Angaben, die tatsächlich jemand selber gemacht hat. Inwieweit er mit der Weitergabe seiner Daten einverstanden ist, kann ich nicht beurteilen.

Der Pressestelle der Verbraucherzentrale Berlin zufolge ist es für Teilnehmer an Gewinnspielen in der Regel unmöglich zu erkennen, dass sie der Weitergabe ihrer Daten zustimmen. Noch viel weniger sei es für sie abzusehen, in wessen Hände diese Daten geraten

Spreeblick: Gut, das kann schließlich immer sein, dass man an einer Stelle vergisst ein Kreuzchen zu machen oder ein Häkchen wegzuklicken.
CCA: Ich bin zwar kein Rechtsexperte, halte es aber prinzipiell für heikel, jemanden anzurufen, der nicht ausdrücklich gesagt hat, dass er von der und der Firma angerufen werden möchte. Die Menschen, mit denen ich spreche, müssten dann ja eine sehr weitgehende Erklärung abgegeben haben.

Spreeblick: Wird das denn intern mal thematisiert, dass es sich möglicherweise um Kaltakquise handelt?
CCA: Es wird halt als „Aktivierung“ bezeichnet. Das ist der gängige Begriff.
Was interessant daran ist: Bei einer Einverständniserklärung handelt es sich ja üblicherweise um ein Einverständnis, das eine einzelne Person einer bestimmten Firma oder Person gegenüber gibt. Was wir jedoch ausdrücklich als mündliche Anweisung bekommen, ist, dass wir auch in dem Fall, dass wir mit dem Ehepartner des Telefonanschlussinhabers sprechen, eine Aktivierung durchführen sollen, auch dann, wenn die Einverständniserklärung von einem Kind oder einem Elternteil des Anschlussinhabers stammt. Und für den Anschlussinhaber gilt nach meinem Verständnis eine solche Einverständniserklärung nicht.

„Gerade bei diesem Cold Calling kommt es eben darauf an, ob in der Einwilligungserklärung die entsprechenden Unternehmen genannt sind, oder nicht. Wenn sie nicht genannt sind, gehe ich davon aus, dass diese Einwilligungserklärung ungültig ist.“
Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz gegenüber Report München

Spreeblick: Wie ist die Firma hierarchisch aufgebaut? Kennst du den Chef, gibt es so etwas wie einen Betriebsrat?
CCA: Einen Betriebsrat gibt es nicht. Chef oder Vorstand kenne ich nicht, die in der Hierarchie höchststehenden, mit denen ich Kontakt habe, sind die Teamleiter, eine Hierarchiestufe über mir als Telefonisten. Was außerdem interessant ist: Ich habe meinen Arbeitsvertrag nicht mit Primacall abgeschlossen, sondern mit einer anderen Firma, der New Way Telecom GmbH. Die sind irgendwie etwas unsichtbar, stehen zwar im Handelsregister, aber mehr Informationen erhalten wir darüber nicht. Über Primacall hingegen findet man Blogbeiträge und Fernsehberichte.

Spreeblick: Wie habe ich mir denn insgesamt die Arbeitsbedingungen vorzustellen?
CCA: Dieser Aktivierungsbereich, in dem ich arbeite, erstreckt sich über eine ganze Etage, auf der an jedem Arbeitsplatz versucht wird, einen solchen Telefontarif zu verkaufen. Innerhalb des Aktivierungsbereichs gibt es einen größeren Raum mit zwei Arbeitskreisen und zwei kleinere mit jeweils einem Arbeitskreis, von denen jeder über 10 Arbeitsplätze verfügt, so dass man immer hören kann, was links und rechts gesprochen wird. Wenn man da während der Schicht reinkommt, ist das schon ein ziemliches Stimmengewirr.

Die Kollegen lernt man nur sehr langsam kennen. Es herrscht zwar eine ziemlich lockere Atmosphäre unter den Telefonisten, aber von den Teamleitern aus ist schon ein deutlicher Druck zu spüren. Die gehen im 30-Minuten-Takt rum und beobachten uns, machen sich Notizen, und wenn sie dann auf deiner Aktivierungsliste, auf der wir immer eintragen müssen, wenn wir einen weiteren Kunden aktiviert haben, die Zahl deiner bisher getätigten Aktivierungen sehen, dann schreiben sie dir eine Uhrzeit hin und eine Zahl.

Das soll besagen, dass du beispielsweise innerhalb der nächsten Stunde 3 Aktivierungen mehr getätigt haben sollst. Das sind meistens komplett unerreichbare Zahlen. Einmal habe ich es fast geschafft – da hatte ich bei Ablauf der Zeit nur eine Aktivierung zu wenig. Manchmal schreiben dir die Teamleiter auch so einen Spruch wie „Sie können das besser“ oder „Jetzt aber los“ auf deinen Zettel. Es gibt also schon Druck.

Außerdem gibt es in den Pausen regelmäßig Ansprachen. Während dieser Ansprachen wird dann beispielsweise gefragt: „Wer von ihnen hat denn heute schon über 15 Aktivierungen erreicht?“. Dann wird den zwei oder drei besten einzeln applaudiert, manchmal wird dann auch darauf eingegangen, wer denn erst eine oder zwei bis zur Pause geschafft hat. Denen wird dann gesagt, dass sie sich ranhalten sollen.
Eine Teamleiterin meinte wörtlich: „Bevor wir hier nicht einen Durchschnitt von 10 Aktivierungen haben, geht mir heute keiner nach Hause.“ Dieser Durchschnitt wurde nicht erreicht, es gab allerdings keine Konsequenzen.

Mir ist es auch mal passiert, dass ich nach 2 Stunden erst 2 Leute aktiviert hatte. Ich musste mich dann neben einen „erfolgreicheren“ Kollegen setzen, der mir Tipps geben sollte. Und einmal habe ich mitbekommen wie zwei Teamleiter zusammen mit einem Telefonisten gesprochen haben und gefragt haben „Ja, warum sind Sie denn so schlecht? Woran liegt das bei Ihnen? Sie sind ja hier das schwächste Glied in der Kette!“

„[...] das globale Wirtschaftssystem [...] basiert auf der strukturellen Überforderung.
Es scheint, als gebe es keine Räume jenseits des Geldverdienens. Die Anforderungen sind nie abgeschlossen, der Wettkampf ist nie zu Ende. Was bleibt vom Subjekt? Der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit.“
Ernst-Wilhelm Händler in der SZ

Spreeblick: Kennen die Angerufenen eigentlich Primacall?
CCA: Zumindest die Leute, die ich bisher angerufen habe, haben noch nie etwas von Primacall gehört. Es sind viele dabei, die aufgrund der ersten paar Sätze denken, wir seien von der Telekom.

Spreeblick: Das ist auch nachvollziehbar. Denn am Anfang des Gesprächsleitfadens heißt es: „Sind Sie Telekomkunde?“ - „Wunderbar, dann berate ich Sie jetzt kurz über unseren Spartarif.“ Das legt nahe, du riefest als Angestellter der Telekom an. Du sagst zwar im allerersten Satz: „Ich rufe im Auftrag der Primacall an“, aber dieser Abschnitt allein suggeriert etwas anderes.
CCA: Genau. Das ist zwar nicht das einzige Mal, dass der Firmenname auftaucht, allerdings kann der Name Primacall durchaus als Bezeichnung für einen Spartarif gehalten werden. Nur in der Gesprächseröffnung ist Primacall im Zusammenhang als Firmenname erkennbar. Psychologisch ist das ein Moment, zu dem der Angerufene noch gar nicht aufmerksam zuhört.

Aber auch wenn ich den Eindruck habe, dass der Angerufene annimmt, ich sei von der Telekom, jedoch nicht explizit nachfragt, dann bin ich angehalten, dieses Missverständnis nicht aufzuklären. Wenn der Angerufene aber so etwas sagt wie: „Aber ich bin mit der Telekom ja überhaupt nicht zufrieden“, dann sollen wir natürlich sofort einschreiten und uns als unabhängiges Unternehmen identifizieren.

Spreeblick: Wie sind denn normalerweise die Reaktionen von den Angerufenen?
CCA: Innerhalb einer Schicht von 5 Stunden rufe ich ungefähr 200-250 Menschen an und bringe es auf ungefähr 4-6 Aktivierungen. Es gibt jedoch auch Mitarbeiter, die bis zu 10 Aktivierungen schaffen, ein paar wenige sogar bis zu 20. Diejenigen, die schon länger dabei sind, bekommen jedoch auch mehr Telefonate zugestellt als ich.

Ich habe zwischen den Telefonaten noch ein wenig Zeit, mich zu sammeln. Die Profis kriegen wirklich ohne Unterbrechung ein Gespräch nach dem anderen rein. Die meisten Angerufenen aber haben Bedenken, Einwände, mit denen diskutiere ich dann eine Weile rum, die legen dann auf. Es sind jedoch ganz wenige, ganz grob geschätzt vielleicht 50/60 von den insgesamt 200-250 Angerufenen im Rahmen einer fünfstündigen Schicht, die sofort, nachdem sie erfahren haben, worum es geht, deutlich sagen, dass sie nicht interessiert sind und auflegen. Die meisten lassen sich auf eine Diskussion ein, die auf einem deutlich ungleichen Informationsverhältnis basiert.

Neben dem Gesprächsleitfaden haben die CCAs auch noch einen Merkzettel, auf dem die „Einwandbehandlung“ festgehalten ist. Dort sind die statistisch gesehen häufigsten Einwände vermerkt samt entkräftenden Argumenten, die angebracht werden sollen.

Spreeblick: Es sind also tatsächlich so wenige dabei, die von vornherein sagen „Lassen Sie mich in Ruhe“. Das hätte ich nicht gedacht.
CCA: Ja. Dabei spielt aber auch eine Rolle, dass unter den Angerufenen selten junge Leute sind. Es werden zwar nicht gezielt Rentner angerufen, aber angesichts des Bevölkerungsdurchschnitts, der nun mal alt ist, spreche ich öfter mit älteren Menschen. Es sind noch weniger Menschen, die auf meinen Anruf hin sagen „Das, was Sie machen, ist doch illegal“ oder „Ich habe Ihnen doch gar kein Einverständnis gegeben, dass Sie mich anrufen“, also Menschen, die ahnen, dass es sich um Cold Calls handeln könnte.

Spreeblick: Aber das kommt schon vor?
CCA: Verdammt selten. Ich habe bisher erst mit ungefähr 8, 9 Leuten gesprochen, die dieses Bewusstsein an mich herangetragen haben. Schade ist, dass die meistens unheimlich hysterisch werden oder sagen „Das, was Sie machen, ist doch illegal!“ und einfach auflegen. Nur bei 2 oder 3 Leuten habe ich den Eindruck gehabt, dass sie auch weitere Schritte einlegen, um dagegen vorzugehen. Die haben meinen Namen notiert und den der Firma.

Spreeblick: Warum hast du dich eigentlich konkret an uns gewendet?
CCA: Das kam so: Ich hab vorher gedacht, dass es sich um einen sauberen Job handelt, dass ich mit Leuten spreche, die in einem Kundencenter anrufen und war dann nach meinem ersten Arbeitstag schon ziemlich desillusioniert, wie durchindustrialisiert die Arbeit ist. Wie am Fließband. Und andererseits ist mir mehr aufgefallen, wie falsch die Leute mit solchen Anrufen umgehen, denn der einzige richtige Umgang wäre zu sagen „Ich bin nicht interessiert, rufen Sie mich nie wieder an“ und aufzulegen. Das begegnet mir aber so unglaublich selten, dass ich mir gedacht hab, dass man die Leute darüber informieren muss. Deshalb bin ich an Spreeblick herangetreten.

Spreeblick: Und doch sicher auch, um die Leute darüber zu informieren, dass man darauf aufpassen sollte, ob und unter welchen Bedingungen, man seine Daten freigibt.
CCA: Ja, genau. Damit vielleicht die Spreeblickleser, die ja selbst sicher gut informiert sind, diese Problematik vielleicht auch mal in ihrem Umkreis thematisieren.
Ich wollte noch zusammenfassen: Es gibt prinzipiell 3 mögliche Ausgänge eines Telefonats: „aktiviert“, „nicht erreicht“, in dem Fall, wenn man beispielsweise das Kind am Apparat hatte.

Diese Nummer wird dann in der nächsten Schicht noch mal angerufen, oder „storniert“, für die Fälle, in denen der Angerufene sagt, er sei nicht interessiert und auflegt. Wir haben den Eindruck vermittelt bekommen, dass diese „stornierten“ Daten komplett aus dem Datensatz gelöscht und nicht mehr angerufen werden. Eine direkte Möglichkeit, jemanden aus der Datenbank zu entfernen, wozu ich von Angerufenen auch schon aufgefordert wurde, habe ich über dieses „Storniert-Knopf“ hinaus nicht. Ob die wirklich gelöscht werden, kann ich nicht genau sagen. Ich habe nur einmal gehört, dass ein Teamleiter auf mehrmaliges Nachfragen eines Kollegen geantwortet hat, dass einige dieser „stornierten“ Nummern nach ein paar Monaten erst noch mal angerufen werden.

Das klingt dann schon nach Cold Call, meiner Ansicht nach. Und erst recht die Anweisung, die wir auch ausdrücklich mündlich bekommen, sei es von anderen Telefonisten oder auch Teamleitern: Wenn wir jemanden am Apparat haben, der nicht der Inhaber des Anschlusses ist, von dem die Daten stammen, zum Beispiel der Nachmieter, der den Anschluss übernommen hat oder einfach jemand, der sagt, dass wir uns verwählt hätten, dann sollen wir sagen „Nein, verwählt gibt´s nicht, wer sind Sie denn?“ oder „Wessen Anschluss ist das denn hier? Ich habe nämlich ein gutes Angebot für Sie.“ Dieser Angerufene hat ganz eindeutig nie ein Einverständnis darüber abgegeben, dass er angerufen werden möchte.


115 Kommentare

  1. 01

    Raucherblog:

    Anstatt solche Firmen auszurotten sollte man lieber die Rentner aufklären. Ich dachte zwar das sei schon geschehen, aber die Rentner freuen sich immer noch über Telefonate jeglicher Art. Warum begreifen sie nicht das es keine Anrufe in dieser Form von seriösen Firmen gibt??

  2. 02

    longtemps:

    Unglaublich.

    Es sollte mal jemand darüber berichten, was mit all den Konsumentendaten passiert, die mit “Edecards” oder anderen Kundenkarten gesammelt werden.

    So etwas derartig Dreistes.

    Vielen Dank für den Artikel.

    Eine Bitte an alle aktiven Blogger : Tragt es weiter.

  3. 03

    Sonnenscheinguru:

    Das ist also die “große Sache” von der ihr vor einigen Tagen die Rede war?

    Sehr toller Beitrag. Danke für die Aufklärung.

    Ich hoffe mal, die Firma Primacall wird nicht in den nächsten Tagen ´ne Abmahnung schicken.

  4. 04

    MC BASTARD:

    das war also der geheime informant…

    naja nicht viel neus für mich, doch die welt besteht nicht nur aus mir (glaube ich zumindest zu wissen) und ich finde es gut, dass das thema mal näher beleuchtet wird, grad bei dem medium internet muss man heute höllisch aufpassen welche daten man wo preis gibt…

  5. 05

    Malte:

    @ sonnenscheinguru
    es war nicht als “große sache” angekündigt ;)

    Es handelt sich dabei um keine Sensation, im Prinzip weiß man, dass es solche Firmen gibt und wie sie agieren.

    Danke für die guten Wünsche!

  6. 06

    dussel:

    ihr habt mit günter wallraff geredet, gelle?

  7. 07

    Stephan:

    Kann alles bestätigen, was der Gute gesagt hat. Ein Freund von mir war auch bei diesem Unternehmen beschäftigt. Er hat aber ein schlechtes Gewissen bekommen und aufgehört, weil ihm die Machenschaften der Firma ebenfalls aufgefallen waren.

  8. 08

    florian:

    aufgrund eigener erfahrung (mit alten menschen, nicht so sehr mit cold calls) denke ich, dass ein großes problem in einem fehlenden misstrauen gegenüber solcher vermatkungsaktivitäten bzw. der technischen möglichkeiten liegen kann. meine großmutter wird mit täglich durchschnittlich(!) 20 direkt an sie adressierten werbebriefen und gewinnspielaufforderungen (”die aktivierung der garantierten gewinnchance kostet nur 40 €”) bombardiert. leider ist sie immernoch der meinung, dass grundätzlich jemand, der sich an sie wendet, zunächst nichts nachteiliges im schilde führen wird und außerdem sei der brief ja direkt an sie adressiert. eine sehr edle haltung, aber da sie auch antwortet und geld verschickt, eine verdammt teure!

  9. 09

    Nico:

    Habt ihr Primacall um Stellungnahme gebeten?

  10. 10

    Petra:

    Schön, dass Ihr Euch doch getraut habt!

    Mich wundert, dass die Verantwortlichen solcher Firmen (damit meine ich auch einen ehemaligen Arbeitgeber von mir) § 201 Abs. 1 Nr. 1 Strafgesetzbuch nicht kennen. Er lautet:

    “Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt”

  11. 11

    Demona:

    Adressen kann man mieten, zum Beispiel hier:

    http://www.adressfit,de/datenkarten.php

    Schon erstaunlich, nach was da die Adressen alles selktiert werden können. Wenn das Geburtsdatum bei den Adressen beisteht, lässt sich das bestimmt machen, gezielt nur Adressen älterer Mitbürger zu mieten.

    Zur New Way Telecom GmbH findet sich im Handelsregister folgendes:

    Neueintragung vom 12.06.2003
    HRB 89121:
    New Way Telecom GmbH
    Neue Schönhauser Str. 19
    10178 Berlin
    Gegenstand des Unternehmens: Der Verkauf von Kommunikationsanlagen. Stammkapital 25.000 EUR. Geschäftsführer:[edit Malte: lieber nicht] . Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 23. April 2003 abgeschlossen. Ist ein Geschäftsführer bestellt, so vertritt er die Gesellschaft allein. Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, wird die Gesellschaft gemeinschaftlich durch zwei Geschäftsführer oder durch einen Geschäftsführer in Gemeinschaft mit einem Prokuristen vertreten. Einzelvertretungsbefugnis kann erteilt werden. Der Geschäftsführer[edit Malte] hat Einzelvertretungsbefugnis und darf Rechtsgeschäfte mit sich selbst oder mit sich als Vertreter Dritter abschließen. Als nicht eingetragen wird veröffentlicht: Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen im Bundesanzeiger.

  12. 12

    mucknich:

    Auch ich kenne aus eigener Erfahrung und aus den Berichten von Freunden einige solche Unternehmen von innen. Ich war seinerzeit bei dem großen Echo auf den Wallraff-Bericht schon überrascht und bin es nun wieder. Ich ging davon aus, dass die Methoden inzwischen allen bekannt seinen. Offenbar nicht… sonst würde dieses Geschäftskonzept ja auch nicht mehr funktionieren. Also tut weitere Aufklärung offenbar not… (Dank an Spreeblick!)

  13. 13

    PS:

    Die Primacoms des Planeten könnten wir evtl. für Verbrecher halten..
    Aus Sicht der Oma von Nebenan sind sie das wohl auch.

    Na - dann bin ich mal froh, dass ich weder im Telefonbuch stehe, noch bei Preisausschreiben mitmache…

    CU

  14. 14

    Matthias L.:

    Was werdet ihr machen, wenn ihr nun ne Abmahnung bekämt? Zurück klagen?
    Nur mal gesetzt den Fall, ich hoffe natürlich nicht, dass es passiert…

  15. 15

    Stephan:

    Da ist Euer Gesprächspartner (nehme ich jetzt einfach mal so an) ja glatt bei Kerner gewesen. Soll wohl ein großes Ding werden.

  16. 16

    Lipska:

    Um den Datenkraken Futter zu geben muß man keine Edecard haben oder an Gewinnspielen teilnehmen. Ich habe mir mal die Mühe gemacht nachzuforschen woher die Grünen, von denen ich auf einmal nette Posteinladungen zu Veranstaltungen bekam, denn meine Adresse hatten. Nach langem Schweigen und offenbar allseitigem Nicht-Zuständig-Fühlen bekam ich von der Bundesgeschäftsstelle der Grünen die Auskunft, sie hätten die Daten von Foodwatch, bei denen ich mal eine Online-Petition unterzeichnet hatte. Foodwatch hat sich auf meine Nachfragen per Mail nie geäußert.
    Soviel nur zum Thema “die Guten” und “die Bösen”.

  17. 17

    Malte:

    @ Nico:
    Haben wir aus folgendem Grund nicht: Sie haben gerade erst eine Unterlassungserklärung abgegeben, haben vorher diese Praktiken immer geleugnet und werden es immer noch tun.
    Stattdessen habe ich die Verbraucherzentrale informiert. Erschien mir sinnvoller.
    @ Stephan
    ?
    @ Lipska
    Verkaufen nicht sogar Ämter Daten?

  18. 18

    sebastian:

    ein einfaches und hoch(!)wirksames mittel ist folgender satz an anfang des gesprächs: “einen moment, sie haben doch sicher nichts dagegen, dass ich unser gespräch aufzeichne…”. “klick” da legen die primacalls der welt auf. oder auch - wenn du zeit hast - in stundenlage diskussionen verwickeln. dann schafft keiner seinen schnitt. aber das erste funktioniert und derzeit ruft niemand mehr an.

  19. 19

    corax:

    @ Malte

    “Verkaufen nicht sogar Ämter Daten?”

    Jau, zum Beispiel Einwohnermelde an die GEZ.

    Und die schreiben dann Drohbriefe an Hunde und Neugeborene. ;-)

    Pax

  20. 20

    DrNI:

    Ein Artikel, der die Verhältnisse gut schildert. Aber was kann der konkrete “Telefondienstleistungsverbraucher” machen? Auf so ein krummes Geschäft einzugehen ist das eine, die öfter auftretende Belästigung das andere. Ich sage meist freundlich aber bestimmt, daß ich nicht mehr angerufen werden möchte. Aber der nächste Anruf kommt bestimmt, wenn auch vielleicht von einer anderen Firma. Dann kann ich wieder sagen, daß ich nicht mehr angerufen werden möchte. Und so weiter und so fort. Besonders nett wird es, wenn man gar keinen Festnetzanschluß mehr hat, aber über O2 Genion o.ä. unter einer Festnetznummer zu erreichen ist - dann hat man womöglich den Telefonterroristen immer in der Hosentasche.
    Ich habe mir auch schon überlegt, zumindest für das Festnetz die entsprechenden Nummern automatisch abwimmeln zu lassen - technische Ausstattung wäre vorhanden. Aber möchte ich alle Gespräche mit nicht übermittelter Rufnummer nicht annehmen? Und der nächste Anruf kommt bestimmt… mit einer anderen Nummer.

  21. 21

    Foxxi:

    Bei so einem Artikel bekomme ich einen Hals bis Meppen, eben weil mich solche Typen fast täglich terrorisieren und alles Bitten und Drohen nichts hilft. Was da abläuft ist eindeutig illegal nur passieren wird nichts, denn jedes Politikeraas weiß, dass die Callcenterdrücker eine nicht unerhebliche Rolle bei den geschönten Arbeitslosenzahlen einnehmen. Das Mieseste dabei ist aber dass man bei der aufklärenden Berichterstattung wie hier auf Spreeblick auch noch Angst vor Abmahnern und blinden Justizsachverstandsdarstellern haben muss. Ich werde diesen Artikel dennoch verlinken und solltet Ihr wirklich Ärger bekommen, so seid Euch meiner Hilfe gewiss.

    [Edit: ist vielleicht besser so..ich will ja nicht zur Gewalt aufrufen]

  22. 22

    diaet:

    Interessanterweise ist bei mir momentan jegliches Gespräch sofort vorbei, wenn ich meinem Gegenüber sage, dass er/sie da gerade einen gewerblichen Anschluss dran hat.

    Gibt’s da im Moment mehr Ärger, weil mehr Gewerbetreibende tatsächlich solche “Telefonunternehmen” melden? Habt ihr dazu was erfahren?

  23. 23

    Matt Gambler:

    Bin über Foxxis Blog hierauf gestoßen, will nur soviel sagen: Ich bin selbst Telephonist und es läuft nicht überall so. Ich arbeite für die erfolgreichste Regionalzeitung Österreichs und ich habe kein Problem damit wenn jemand meine Gespräche aufzeichnen möchte. Nicht alle sind so, und die mit denen ihr jeden Tag sprecht, machen auch nur ihren Job. Kein Witz.
    Natürlich ärgern die ständigen Anrufe, aber ich lebe davon, kann mir jemand böse sein? Allerdings ist es auch bei unserem Unternehmen nicht ganz klar, woher die Daten kommen, auf jeden Fall werden sie bei anderen Firmen “eingekauft” und nicht einfach aus dem Telephonbuch geholt. bleibt kritisch aber denkt über Lösungen nach anstatt euch nur über den aktuellen Zustand zu ärgern.
    lg Matt Gambler (mattgambler.blog.de)

  24. 24

    UltraBorst:

    @Matt

    wir sollen uns also Geschäftsmodelle für Firmen überlegen, die uns täglich mit Anrufen bombadieren bis wir nachgeben und deren produkte ordern?
    GEHT’S NOCH?

    und ja wir können dir bösen sein, wenn du davon lebst; genauso wie einem Hütchenspieler, Taschendieb oderüber subventionierten Manager…
    hey die verdienen auch nur ihren Lebensunterhalt, is ja nüx schlimmes bei!

    zu Thema:
    das Problem bei solchen Berichten ist ja mitlerweile, das man für Kritik abgemahnt werden kann…
    selbst wenn alles der Wahrheit entspräche (was es hier wohl tut, ich vertrau euch Jungens ;) ) schädigt das ja dem Rufe des Unternehmens…
    kommt hoffentlich nicht soweit wie in den USA wo jetzt mitlerweile auch Restaurantkritiker wegen Verrissen verklagt wurden…

  25. 25

    Matthias:

    Kann mich meinem Vorpster nur anschließen. Nur weil jemand seine Brötchen mit einem rechtlich zweifelhaften Job verdient, macht das den ungewollten Telefonterror noch lange nicht legitim.

    Im übrigen wollte ich noch etwas zur New Way Telecom loswerden: Die Geschäftsform und die Einlage (GmbH und minimale Einlage von 25000 €) hören sich für mich nach maximaler Risikoabsicherung bei minimalem Einsatz an … .

  26. 26

    andruschka:

    hohoho - bei “seriösen firmen” siehts also anders aus? so’n quatsch. läuft doch bei allen gleich: die damen und herren in magenta tun nichts anderes, können aber behaupten, dass bereits eine “geschäftsbeziehung” mit dem kunden besteht und haben - wie praktisch - noch detailliertere datensätze.

  27. 27

    jan:

    @29
    falsch, dann müssten sie eine ltd mit einem euro gründen.

  28. 28

    Frank 72:

    @Matt: Mal angenommen, jemand würde Dir Geld dafür bezahlen, dass Du jeden Morgen ein Häufchen vor meine Haustür setzt, dann fände ich das auch nicht gut. Auch wenn Du das Geld brauchst.

    Frank

  29. 29

    Uwe:

    So mag ich den Spreeblick, tolles Interview. Schade nur, dass es sowas nicht mehr als Podcast gibt.

  30. 30

    micke:

    prima, das ist “journalismus” von einem der größten und bekanntesten blogs in deutschland:

    - ein einseitiges interview, ohne den beschuldigten um stellungnahme zu bitten

    - daten aus dem handelsregister werden zensiert (”nee, lieber nicht”)

    meint ihr ernsthaft, dass irgendjemand außerhalb eurer seltsamen szene zeit hat, sich mit so nem halbgaren kram zu befassen? da schlage ich doch lieber, bei aller kritik an derselben, die zeitung auf und weiß, dass wenigstens in den meisten fällen alle beteiligten namen genannt, die hintergründe recherchiert und der journalistischen ausgewogenheit genüge getan wurde.

  31. 31

    Informer:

    @Stephan (7) (Stephan)

    Gut, dass dein Freund da aufgehört hat - offenbar ist das nicht mal eine Seltenheit. Praktisch täglich fangen da mehrere Telefonisten neu an. Und irgendwie müssen deren Arbeitsplätze ja vorher freigeworden sein…

    @Demona (11) (Petra)

    Juristisch sind die, die solche Anrufe organisieren, offenbar sehr, sehr bewandert. Grundsätzlich ist, bei aller Vagheit, gut abgesichert, dass der Angerufene dem Unternehmen nichts kann (siehe dazu diesen interessanten heise-Beitrag über Tele2).

    Was §201 angeht, wird das mit einem kurzen “Ich mache jetzt von Ihrem Einverständnis kurz einen Mitschnitt” o.Ä. geregelt, wobei eine wissentliche Teilnahme an diesem Mitschnitt dann wohl als “Befugnis” gewertet wird.

    @Lipska (16) (PS)

    Achte gut darauf, dass das auch für die, mit denen du einen Telefonanschluss teilst, gilt. Wie mucknich weiter oben richtig sagt: Aufklärung tut not.

  32. 32

    klubbing:

    Noch ein Tipp:
    Wenn ihr meint ihr müsst ins Telefonbuch…
    Nie mit Angabe der Straße. Schober & andere nutzen diese zur Adressgewinnung ob vom Herausgeber verboten oder nicht. Man kann solche Datensätze bestimmt ja auch erwerben bei DeTeMedien und Töchter.

    Neulich beim Einwohnermeldeamt…
    bei Eheschließung, Geburt, etc. kann man dies hier kostenlos im Amtsblatt (mit Angabe der Straße) veröffentlichen.
    Die Stadt hier hat sich dann gleich was unterschrieben lassen dass die Angaben durch dritte zur Werbung genutzt werden können.
    Na dann doch lieber ne Anzeige ohne Angabe der Straße ;-)

  33. 33

    tim:

    hehe, gestern abend hab ich noch günther wallraff bei kerner gesehen…
    meine meinung zu diesen callcentern ist: arbeitsplätze schaffen kann man auch anders. ist ja schön, wenn 32% der callcenterbetreiber diesen dubiosen “ehrenkodex” unterschreiben, aber alle anderen bleiben schlicht und einfach ausbeuter.

  34. 34

  35. 35

    Sebastian Sachse:

    @Informer (36): Witzig, grade als ich den verlinkten Heise-Artikel gelesen habe, kam tatsächlich ein Anruf von Tele2 :-) Das Gespräch kam aber nicht soweit, als dass ich den Inhalt hätte verifizieren können.

  36. 36

    G:

    Irgendwie ist das wieder typisch für unseren Staat. Trojaner werden gegen den Bürger eingesetzt, aber wenn es darum geht den Bürger vor solchen Cold Calls zu schützen passiert gar nix.

    Meiner Meinung nach gibt es zwei Möglichkeiten:
    - Telefongeschäfte insgesamt verbieten (Ich glaube das fordert der Wallraff auch).
    - Anrufe von Gewerblichen mit unterdrückter Nummer verbieten.

    Am meisten ärgert mich an der Sache, dass man normal keine Möglichkeit hat den Callcentern mal zu zeigen wo der Frosch die Locken hat, da man ja eben nicht weiß mit wem man es zu tun hat.

  37. 37

    Informer:

    @andruschka (26) (diaet)

    Liegt wohl eher daran, dass sich Gewerbetreibende als Kunden oftmals nicht lohnen. Bei der Primacall z.B. wird Telefonisten explizit gesagt, dass Geschäftsanschlüsse nicht “ativiert” werden dürfen, weil die mehr telefonieren, als sie durch den Preis einer Flatrate bezahlen. Oder kurz: Das lohnt sich nicht.

    Ich rate aber davon ab, nur um Anrufer abzuwimmeln jetzt jedesmal zu sagen: “Das hier ist ein Geschäftsanschluss.” Sonst kriegt man womöglich bald Anrufe mit Angeboten speziell für das Geschäft.

    @jan (27) (Matt Gambler)

    Auch wenn das schon von anderen angebracht wurde: Sicher macht ein Telefonist, der die Leute mit unerwarteten Anrufen nervt, nur seinen Job. Aber jung sein und das Geld zu brauchen sollte IMHO kein Grund sein, seine Moral zu Hause zu lassen und notfalls für den Teufel zu arbeiten.

    @Sebastian Sachse (35) (micke)

    Naja: Macht es für dich einen so großen Unterschied, was das Problem betrifft, ob dieser Artikel einseitig ist oder nicht?

    Fühl dich doch auf die Thematik aufmerksam gemacht und sprich es mal unter Freunden und vielleicht bei nächster Gelegenheit in der Verwandtschaft an. Das (und nicht etwa “Beschuldigungen”) ist es, worum es hier geht.

  38. 38

    Marcus:

    Auch lustig als “Gegenwehr” ist dieses Skript. Ich hatte aber noch nicht die Nerven, es auszuprobieren und bevorzuge die Methode “sofort auflegen” bzw. gehe bei Anrufen ohne Nummernübermittlung nicht dran:

    http://www.xs4all.nl/~egbg/duits.pdf

  39. 39

    klubbing:

    @Marcus
    Danke … das ist ja mal eine nette Argumentationshilfe.

  40. 40

    BLOOD:

    tja, Kaltaquise ist halt das Klappern in diesem Handwerk und keinen interessierts wirklich, ob das legal ist….

    und was Rentner so alles machen sieht man ja in den wöchentlichen Reportagen über die Kaffeefahrten……

  41. 41

    Ben:

    Was steht denn in diesen Daten drin? “Nur” die Adresse und so, oder haben die Primacall - Agenten auch meine Kontodaten vorliegen wenn sie mich anrufen?

  42. 42

    Informer:

    @47 (Ben)

    In aller Regel stehen das Geschlecht, der volle Name, die volle Adresse und das Geburtsdatum drin. Letzteres ist am häufigsten unzutreffend, aber immer noch sehr oft korrekt.

    Das ist alles. Kontodaten werden auch erst dann abgefragt, wenn ein Rückruf die “Aktivierung” bestätigt und den juristisch verbindlichen Vertrag schließen soll.

  43. 43

    Petra:

    @44
    Danke, das ist echt klasse!

    @G (36)
    Oh, das war mir nicht klar, dass der Mitschnitt angekündigt wird.
    Meine eigene Erfahrung bezog sich auf das Mitschneiden/Mithören “zu Schulungszwecken”. Wenn Primacall diese Form von Überwachung nicht praktiziert, war mein Hinweis natürlich fehl am Platz. In dem von Dir verlinkten Heise-Artikel wird eine solche Praxis beschrieben: “Die Gespräche werden ständig überwacht und abgehört.”

  44. 44

    Ivo:

    Phu also, sehr weitreichendes Thema.
    Grundlage dieser Diskussion sollte eigentlich das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) sein und ich finde es ein bisschen Schade das Spreeblick da nicht auch ein bisschen auf die rechtliche Seite guckt.

    Zum Thema “wo haben die eigentlich meine Daten her”:
    Das BDSG regelt ganz klar die Weitergabe/Vermietung/Verkauf von Adressen. Es ist jedem adressverarbeitendem Unternehmen erlaubt diese Adressen in Form von Listen weiterzugeben.
    Dabei gilt es allerdings einige Kriterien zu beachten.

    1. Der Adressat muss aktiv in die Weiterverarbeitung seiner Daten eingewilligt haben. D.h. er muss ein entsprechendes Häckchen sowohl im Web oder z.B. auf einer Postkarte selbstständig setzen. Eine bereits aktivierte Checkbox oder ein Text nach dem Motto “Ich bin damit einverstanden das ….” ist nicht rechtsgültig.

    2. Diese Adresslisten dürfen nur in einem bestimmten Format weitergeben werden. Man darf zum Beispiel Adressen aus einer Datenbank immer nur nach EINEM Kriterium selektieren. z.B. Einkommen oder Altersdurchschnitt oder Interesse an einem bestimmten Thema, etc. pp.

    Einer der größten Adresshändler in Deutschland ist z.B. die Deutsche Post … hier kann man z.B. Verschickungen an alle Haushalte aus einem bestimmten PLZ Gebiet durchführen.
    Es gibt noch viele weitere Unternehmen, z.B. Anbieter von Mailaccounts, Bonuskartens, Creditreform, Schufa etc. pp.
    Das Einwohnermeldeamt darf Adressen, nach meiner Kenntnis, ohne Anfrage nur an Organisationen des öffentlichen Rechts herausgeben. Gegenüber Privatunternehmen darf nur dann Auskunft gegeben werden, wenn das anfragende Unternehmen bereits eine Adresse der Person nennen kann die überprüft werden soll. (z.B. bei Umzug, Ummeldung, Heirat)

    Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es?

    Das BDSG sieht ganz klare Maßnahmen zur Sicherung der eigenen persönlichen Daten vor. Jedes Unternehmen das personenbezogene Daten verarbeitet muss einen sog. Datenschutzbeauftragten berufen. Egal wie groß das Unternehmen ist. So ein Telefonist müsste in jedem Fall die ausführende Firme und die Anschrift des Datenschutzbeauftragten nennen können. Dieser Datenschutzbeauftragte muss ein sog. Verfahrensverzeichnis an jede Person aushändigen können, in dem detailliert aufgeschlüsselt ist wie und wo die eigenen Daten verarbeitet werden und von wem die Daten gekauft/gemietet wurden. Man kann diese Kette meist über verschiedene Adressbroker zurückverfolgen und bei jedem einzelnen die Löschung seiner Daten verlangen.

    Gibt es keinen Datenschutzbeauftragten oder wird niemand benannt hat jeder das Recht eine Eingabe beim Datenschutzbeauftragten des jeweiligen Bundeslandes abzugeben. Diese sind Verpflichtet dieses Unternehmen auf datenschutzrechtliche Verstösse zu überprüfen. Grobe Vergehen können mit relativ hohen Geldstrafen oder sogar Gefängnis bestraft werden.

    Da das BDSG aber noch ein recht junges Gesetz ist, herrscht in der Allgemeinheit viel Unwissen darüber. Weiterhin sind die Landesdatenschützer personel sehr schlecht aufgestellt und haben kaum Chancen jeden Wirtschaftsbereich der Adressbestände verkauft in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

    Solchen CallCentern möchte ich unterstellen, dass sie genau wissen das sie gegen Gesetze verstoßen, die mangelnde Kontrolle aber klar für sich ausnutzen. Ich weiß aus anderen Bereichen wo ebenfalls sehr viele Daten verarbeitet werden das einfach blankes Unwissen über die rechtlichen Grundlagen herrscht.

    Ich habe z.B. den Datenschutzbeauftragten eines Unternehmens in dem ich beschäftigt war nach dem Verfahrensverzeichnis gefragt und er Antwortete - Zitat: “Davon habe ich noch nichts gehört das klingt ja interessant - darüber müssen wir uns später noch mal unterhalten” Zu einem weiteren Gespräch ist es nie gekommen da er als Leiter der ITl egtl. keine Zeit für seine Aufgaben als Datenschutzbeauftragter hatte.

    weitere Informationen zum Thema gibt es z.B. unter
    http://www.datenschutz.de/
    http://www.datenschutz-berlin.de/

  45. 45

    Norman:

    Hallo! Es ist schon erschreckend, wie oft es in letzter Zeit vorkommt, dass man unaufgefordert angerufen wird. Wenn ich zum Beispiel den Namen “Tele 2″ hoere, lege ich -ohne ein Wort zu sagen- sofort wieder auf.
    Andere Organisationen lasse ich eventuell die ersten Saetze beenden, meistens endet aber auch das mit einer deutlichen und eindeutigen Absage.
    Es gibt aber auch Leute, die einem nichts verkaufen wollen, sondern die beispielsweise mit serioeseren Umfragen ihre Broetchen verdienen. Institute dieser Art sind zum Beispiel die “Emnid” oder “Icon”. Diese werden oftmals in den Koepfen der Angerufenen mit den Telefonspammern in einen Topf geworfen und “leiden” natuerlich darunter…
    Mit einem Mitarbeiter der “icon” aus Nuernberg habe ich im April 2007 ein Gespraech gefuehrt und es als Podcast veroeffentlicht.
    Das ist der “NormCast” Nr.78. Bei Interesse findet man den z.B. hier:
    http://www.normcast.de/normcast_podcast/normcast-78/
    oder bei Podster.de
    Gruss Norman

  46. 46

    kornecke:

    Was man dagegen mach kann?

    http://www.vz-bln.de/vz/umfrage/telefon/index.htm

    Auf der Seite der Verbraucherzentrale Berlin gibt’s zu der Aktion noch mehr Informationen und Flyer. (Der Spamfilter hier mag nicht soo viele Links.) Den Flyer kann man prima ausdrucken und weiterverteilen - auch an Leute, die nicht so richtig web2.0 sind…

  47. 47

    akagisan:

    Na endlich ist das Geheimnis gelüftet, wer der mysteriöse “Informer” war ;-)

    Hier ein ähnlich gelagerter Fall aus eigener Erfahrung. Unglaublich wie dreist und kriminell mittlerweile einige Firmen vorgehen:

    Meiner Bekannten (Rentnerin) wurde Ende April ein Bestätigungsschreiben von Freenet zur Umstellung auf einen Preselection-Vertrag zugeschickt, obwohl sie nie mit der Firma irgendeinen Kontakt aufgenommen oder einen Vertrag unterschrieben hat. Gegen die Umstellung hat sie einen Widerruf bei Freenet selbst und bei der Telekom per Einschreiben eingereicht. Daraufhin kam ein Brief von Freenet mit einer Kopie von dem angeblichen Vertrag mit ihrer Unterschrift. Meine Bekannte ist sich sicher, daß die Unterschrift von dem Widerrufsschreiben stammt, d.h. hier wurde Urkundenfälschung betrieben. Daraufhin bin ich mit ihr zur Polizei gegangen und habe Anzeige wegen Betrugsversuch erstattet. Auf der Polizeiwache hat man mir auch mitgeteilt, daß gegen Freenet bereits eine Sammelklage in Kiel wegen dieser Sache läuft.

    Hoffentlich wird solchen Firmen der Prozeß gemacht.

  48. 48

    Robin S. a.k.a. MakeAMillYen:

    Ich finde die Geschaeftspraktiken auch nicht gut, aber!

    Die Verbraucher sind mitverantwortlich und auch zu kritisieren.

    Wenn nur “50/60 von 200-250″ auflegen, geht’s eben weiter. Die meisten aber sagen sich: “Wenn die das machen, ist das schon in Ordnung so” und denken nicht darueber nach, was mit ihnen gemacht wird.

    Schutz und Kontrolle durch den Staat fuehrt zu einem Mangel an Selbstverantwortung und kritischem Denken.

    Gegen Gesetzesverstoesse aber natuerlich trotzdem vorgehen!

  49. 49

    Work and Travel Blog:

    Da leiten wir doch mal die url an den BR weiter: Unsinnige Verwaltungsvorschriften und rätselhafte “Konzernpolitik”, windige Geschäftemacher und kommunikationsgestörte Call Center: Der Wahnsinn lauert immer und überall. Und unser WAHNSINN!steam ist ihm auf der Spur.
    http://kaltaquise.blogspot.com/2007/04/primacall-und-kabel-deutschland-geben.html

  50. 50

    paolo pinkel:

    @Norman:
    Danke für den Hinweis, dass es auch seriöse Call-Center gibt, die lediglich Meinungs- und Marktforschung betreiben und deren Nummern nicht aus dubiosen Quellen stammen sondern schlicht nach einem Zufallsverfahren generiert werden.
    Ich arbeite nebenbei in einem solchen Institut (dessen Namen jeder kennt, der z.B. SPIEGEL liest) im Call-Center und der Job wird durch Firmen wie Prima Call nicht einfacher. Die Werber von Prima Call sprachen mich vor einigen Wochen am Alex an und versprachen da einen Job mit (für Call-Center-Verhältnisse) sehr guter Bezahlung aber nachdem ich begriffen habe, dass es um Verkaufsanrufe geht habe ich dankend abgelehnt. Ehrlich gesagt kotzt es mich schon genug an Leute zur Teilnahme an Umfragen zu bewegen (aber das Jobangebot ist ja leider nicht so berauschend in Berlin) aber wenn ich Leute am Telefon übern Tisch ziehen würde könnte ich mich nicht mehr im Spiegel ansehen bzw. sind die hier berichteten Methoden des Ausübens von Druck und des Bejubelns von Verkaufszahlen einfach nur unerträglich.

  51. 51

    mac:

    Leider werden so ausgerechnet die Schwachen in der Gesellschaft abgezockt: Rentner, Prekariat und Menschen mit wenig Medienkompetenz. Die Macher bei 9Live, Primacall und Konsorten häufen so viel schlechtes Karma an, dass sie mit Ihre Kohle hoffentlich nicht glücklich werden!

  52. 52

    Knut But:

    !HOL DIR DEINE DATEN!
    Jeder hat das Recht auskunft über seine Daten zu erhalten uneingeschränkt! dafür gibts im netz auch Musterbriefe!

    Hatte letztens den gleichen Mist, die telekom muss da so einen Laden beauftragt haben.
    Die wollten uns einen neuen Telekom Tarif verkaufen bzw. aufdrängen.
    Die Telefonistin log oder hatte keine Anung vom Produckt, wir wollten das Produckt nicht haben.
    Trotzdem hatten wir später einen Brief bzw. Auftragsbestätigung im Briefkasten.

    Unverschämt ist das auch das die telekom da mitmacht.

  53. 53

    king balance:

    Die Verbraucherzentrale Berlin bittet alle Verbraucher, ihre Werbeanrufe von oder im Auftrag der Firma Primacall nach dem 10. April per E-Mail an telefonwerbung@vz-bln.de, per Post oder per Fax mitzuteilen.
    http://kingbalance.blogspot.com/2007/06/neue-wege-prima-primacall.html

  54. 54

    Lottoqueen:

    Wenn man das Wort Lüge hört assoziiert man automatisch einen Politiker. Teilweise hat man auch gleich Gruppenfotos vor Augen, wie Heiligendamm hintern Zaun. Das belastet zu dem 10-12 Stunden Arbeitstag im CallCenter doch erheblich, Burn Out Syndrom kündigt sich an.
    http://kingbalance.blogspot.com/2007/06/bloggeflster-burn-out-syndrom-lgen.html

  55. 55

    pixelroiber:

    hab dort auch mal gearbeitet und kann alles bestätigen. schöne sch**ße. bin zum glück nach einem monat rausgeflogen weil ich es nicht drauf hatte.

  56. 56

    Stefan:

    Sobald ein Anruf (egal ob gewollt oder ungewollt) in die falsche Richtung läuft, hilft dieser ‘Trick’: ‘Oh, ja, ich bin sehr interessiert, aber warten Sie bitte kurz einen Moment, ich hab was auf dem Herd’

    Höhrer hinlegen und erst mal Zeit für Kaffee

  57. 57

    Knut But:

    “Widerruf der Genehmigung zur Speicherung meiner Daten für werbliche Zwecke”
    zitat von schnappmatik.de
    hier noch der Link zum Musterbrief:
    http://www.schnappmatik.de/TFFFFF/
    so kann man schon einiges erreichen obs was bringt?
    wiegesagt deine daten gehören dir,
    schick das mal an deine Bank!

  58. 58

    jo:

    Knut: Mit deiner Bank hast du einen Vertrag, bzw. hast deren AGB akzeptiert. Das ist eine komplett andere Baustelle.

    Gegenüber Profispammern/zwielichtigen Telemarketern ist ein T5F leider wirkungslos. Firmen, deren Geschäftsmodell auf der Umgehung oder möglichst kreativen Auslegung von Datenschutzbestimmungen basiert, lassen sich von einer laienhaften Rechtsbelehrung nunmal nicht beeindrucken.

    Es sei denn, du ziehst es durch und bringst deine Beschwerde anschließend auch mit entsprechendem Nachdruck beim zuständigen Datenschutzbeauftragten an. Das kann was bringen, muss aber nicht.

    Gegen Windmühlen anzurennen ist aber wohl die eindeutig sinnvollere Freizeitbeschäftigung. Sorry.

  59. 59

    Patrick:

    @Stefan (56)
    Die Verbraucher sind mitverantwortlich und auch zu kritisieren.

    Ehhh.. hallo? Wofür? Vielleicht wissen sie nicht, dass es unzulässig ist, sie zu belästigen ohne ihre Einverständnis im Vorfeld einzuholen. Vielleicht glauben sie, dass diese Form der Werbung legitim wäre. Vielleicht stört es sie garnicht, oder vielleicht sogar doch. Aber muss man wegen jedem Furz zum Anwalt rennen oder einen riesen Terz am Telefon machen (was ja überhaupt nichts bringt), obwohl man garnicht weiß was drin ist und was nicht? Und wieso müssen alte Leute das alles überhaupt wissen??

    Wenn nur “50/60 von 200-250″ auflegen, geht’s eben weiter. Die meisten aber sagen sich: “Wenn die das machen, ist das schon in Ordnung so” und denken nicht darueber nach, was mit ihnen gemacht wird.

    Ja, natürlich! Ich denke auch nicht bei allem und jedem drüber nach, ob das was der da jetzt macht rechtens ist. Ob der Jehova an der Straßenecke mich anquatschen darf, oder der Punk in der Unterführung Musik machen darf. Es ist weder meine Pflicht, noch kann man das von mir erwarten. Schuld sind immer nur die Verursacher!

    Schutz und Kontrolle durch den Staat fuehrt zu einem Mangel an Selbstverantwortung und kritischem Denken.

    Selbstverantwortung? Das die Cold Caller etwas nicht-legitimes machen (weil sie es eben ohne Einverständnis machen) ist die eine Sache. Aber mit Selbstverantwortung hat es nichts aber auch rein garnichts zu tun, wenn ich mir das was sie zu sagen habe anhöre. Vielleicht ist es ja wirklich ein interessantes Angebot, dass mir sonst entgehen könnte? Nicht jeder hat Zeit, Lust und die Kenntnisse um sich so intensiv wie notwendig mit den Themen zu beschäftigen.

  60. 60

    Robin S. a.k.a. MakeAMillYen:

    Patrick, wenn man meint, einen Nutzen aus dem Werbeanruf zu ziehen - kann ja wirklich sein - , braucht man natuerlich nicht aufzulegen. Aber was ist dann das Problem?

    Ist ne interessante Frage, die du ansprichst. Ist das, was Primacall anbietet eigentlich eine gute, guenstige Leistung? Weiss ich gar nicht, ist auch gar nicht angesprochen worden.

  61. 61

    das_sascha:

    CCA: [...] Die meisten Angerufenen aber haben Bedenken, Einwände, mit denen diskutiere ich dann eine Weile rum, die legen dann auf. Es sind jedoch ganz wenige, ganz grob geschätzt vielleicht 50/60 von den insgesamt 200-250 Angerufenen im Rahmen einer fünfstündigen Schicht, die sofort, nachdem sie erfahren haben, worum es geht, deutlich sagen, dass sie nicht interessiert sind und auflegen. [...]

    die daten, die da genutzt werden, sind ja anscheinend von gewinnspielen, und nur eher “seelisch arme” (um es mit jesus’ worten zu sagen) machen bei gewinnspielen mit bzw. stimmen der nutzung der daten zu. sie sind sich der dinge nicht bewusst, welche mit den daten gemacht werden. und so ist es ihnen auch nicht bewusst, dass sich dieses angerufe wohl “in einer gesetzlichen grauzone befindet”.

  62. 62

    darkrond:

    ich hab sieben jahre in den verschiedensten call centern gearbeitet. davon fünf jahre bei der forschungsgruppe wahlen in mannheim. die waren korrekt, haben ihre nummern per zufallsverfahren ermittelt und nie verkäufe getätigt. deshalb hab ich mir angewöhnt, wenn ich nicht gerade im stress bin, erstmal zuzuhören, wer da mein telefon zum klingeln gebracht hat. da ich ein recht altmodisches telefon habe, sehe ich eh nicht, wer bei mir auf dem festnetz anruft, und die forschungsgruppe wahlen unterdrückt die nummer auch, da es ein mulitplex-anschluss ist, und bei rückfragen u.ä. die person im büro anrufen soll und nicht beim interviewer, der bis dahin vermutlich eh im nächsten gespräch ist. kurz: auch unterdrückte rufnummern müssen nicht zwangsläufig von dubiosen firmen kommen. seriöse firmen geben einem auch anstandslos die nummer vom büro, wenn man diese verlangt um sich zu vergewissern, und das ist üblicherweise auch eine ganz normale festnetz- und keine sondernummer.

    aber es waren während meiner cca-”karriere” halt auch ein paar andere call center dabei, und auch da gibt es die verschiedensten arten davon. aus meiner persönlichen sicht als ex-cca finde ich es am besten, sich freundlich namen, auftraggeber und eine kontaktmöglichkeit nennen zu lassen und sich das aufzuschreiben. wenn der cca diese angaben verweigert, kann man relativ sicher davon ausgehen, dass es sich um unsaubere machenschaften handelt.

    (vielleicht sollte ich demnächst in meinem blog auch mal einen artikel über das thema schreiben?)

  63. 63

    darkrond:

    addendum: ach ja, hätte ich jetzt beinahe vergessen: firmen, die call center betreiben, stellen ihre interviewer gern als scheinselbständige ein, die dann bei problemen ihren kopf hinhalten müssen. mieses ding das. aber wie schon im interview erwähnt: das kommt echt selten vor. eher legen die leute einfach genervt auf, und so bleibt derlei geschäftsgebaren ohne konsequenzen.

  64. 64

    Yvonne:

    Hallo,

    mein Opa hat auch einen solchen Vertrag. Leider habe ich erst jetzt, nach einem halben Jahr davon erfahren. Wie kann ich meinem Opa helfen, aus diesem Vertrag zu kommen? Ich habe diesen Vertrag ab sofort gekündigt, denen die Einzugsermächtigung entzogen. Da mein Opa sagt, er habe keine Unterschrift gegeben, habe ich bei Primacall angerufen und den unterschriebenen Vertrag angefordert, welchen ich bis heute nicht erhalten habe. Was kann ich machen um meinem Opa zu helfen?

    Liebe Grüße und rechtherzlichen Dank

    Yvonne

  65. 65

    Informer:

    @diaet (22) (sebastian)

    Beides löst das Problem nur scheinbar: Wenn du den Anrufer - wie auch immer - zum Auflegen nötigst, kann es sein, dass irgendwann später sein Kollege dich einfach wieder anruft (und u.U. nicht dich, sondern einen Mitbewohner dranbekommt); wenn er sich durch deinen Trick nicht zum Auflegen genötigt fühlt (ich zB. würde das nicht), hast du ihn immer noch an der Backe.

    Verwickelst du ihn in eine Diskussion, passiert es möglicherweise, dass er dir ohne dass es dir bewusst wird mit rhetorischen Tricks eine Einverständniserklärung zu irgendwas abringt.

    Abgesehen davon: Zeit IST für Telefonisten wertvoll. Aber ist sie das für dich nicht? Viele Telefonisten (bei der Primacall alle) werden auch für erfolglose Anrufe bezahlt, die Unternehmen gewinnen oft zumindest Erkenntnisse (statistischer Art) - du aber kriegst für deine aufgewendete Freizeit gar nichts.

    Auch die immer wieder gern verlinkten “Gegenskripte” (siehe etwa #44) wirken allenfalls gegen Telefonisten, die auf Provisionsbasis arbeiten.

    IMHO ist die wohl beste Reaktion auf einen Anruf von einer Firma bei der man nicht ohnehin schon Kunde ist ein deutliches “Rufen Sie mich nie wieder an!” und sofortiges Auflegen. Diskussionen können eigentlich nicht zum Nachteil des Anrufers ausgehen (weil der besser vorbereitet ist - immer), nur Auflegen alleine kann auch als technisches Problem gewertet werden (”Da rufen wir halt später nochmal an.”).

    @UltraBorst (24) (DrNI)

    In der Tat, wenn die eigenen Daten erstmal in der großen Verwertungsindustrie rumgehen, kann man nicht mehr viel tun. Eventuell hilft ein Eintrag in die Robinsonliste weiter, aber damit hab ich keine Erfahrungen.

    Vielleicht bringst du mal die Geduld auf, dir denjenigen nennen zu lassen, von dem der Anrufer seine Daten hat (oder dir, wenn er das nicht sagen kann, seinen Vorgesetzten geben zu lassen) - rechtlich ist er IIRC auf Anfrage dazu verpflichtet. Mein Vater hat einen so herausbekommene Adressenhändler mal schriftlich aufgefordert, alle Daten über ihn zu löschen und zugesichert bekommen, dass dem nachgekommen wurde.

    Aber zugestanden, letzteres ist etwas mühsam. Besser ist es wohl, unter gar keinen Umständen zuzulassen, dass irgendwer überhaupt erst an die eigenen Kontaktdaten kommt.

    @Ivo (44) (Marcus)

    Ist wahrscheinlich wirklich kurze Zeit lustig, bringt darüberhinaus aber wohl gar nichts. Auflegen ist da schon besser (wenn auch nicht das beste). Siehe oben.

    @akagisan (47) (Ben)

    Ich muss mich korrigieren: Häufig (!) hat die Primacall auch schon von vornherein BLZ und Kontonummer. Oft aber auch nicht.

    @Work and Travel Blog (49) (Petra)

    Das ist in der Tat ein Problem: So wie ich die Teamleiter der Primacall verstehe, werden dort die Probetelefonate von Bewerbern ohne deren Wissen mitgeschnitten, um zu entscheiden, wer im Unternehmen anfangen kann. Außerdem werden laufend einzelne Telefonate im Arbeitsalltag stichprobenhaft mitgehört (aber scheinbar nicht mitgeschnitten), um auf häufige Fehler einzugehen.

    Was mit den Mitschnitten mittelfristig passiert, ist mir völlig unklar.

  66. 66

    Informer:

    @77 (Robin S. a.k.a. MakeAMillYen)

    Einerseits: Als Angerufener einen Nutzen aus einem Cold Call ziehen? Es kann sicher sein, dass jemand der Meinung ist, dass das geht. Aber IMHO wird er dabei fast sicher falsch liegen. Wenn man sich die Möglichkeit zum Vergleichen nimmt und nutzt, wird man praktisch immer ein besseres Angebot finden können; wirklich in eine bessere Situation kommen wird man dadurch, dass man sich am Telefon bequatschen lässt, so gut wie nie.

    Andererseits: Ist das, was Primacall anbietet eigentlich eine gute, günstige Leistung? Die Frage ist etwa so wie “Ist der T2 von VW ein gutes Auto?” Für einige wenige wird dieses Produkt ganz sicher das beste sein, das sie haben könnten. Für die meisten aber wird es einige schlechtere, aber ganz sicher viele bessere Produkte dieser Art geben.

    Und selbst wenn es sowas wie eine “gute, günstige Leistung” gäbe und die Primacall eine solche mit unangemessenen Mitteln vertrieben würde, dann würde die Primacall immer noch unangemessene Mittel verwenden.

    Das Produkt heiligt nicht den Vertriebsweg.

    @81 (Yvonne)

    Leider stehen nach meinem Verständnis die Chancen nicht sonderlich gut. Bitte wende dich doch an die Verbraucherzentrale und beschreib ihnen, wie die Primacall diesen Vertrag via (vermutlichen) Cold Call an deinen Opa gebracht hat. Hoffentlich werden die dir helfen können.

  67. 67

    Malte:

    @ Yvonne
    Wende dich mal an die Verbraucherzentrale Berlin unter der Mailadresse telefonwerbung@vz-bln.de
    Schildere denen die Umstände möglichst genau (bitte mit vollem Namen und der Anschrift deines Großvaters).

  68. 68

    Habidererste:

    @G (36)
    Was §201 angeht, wird das mit einem kurzen “Ich mache jetzt von Ihrem Einverständnis kurz einen Mitschnitt” o.Ä. geregelt, wobei eine wissentliche Teilnahme an diesem Mitschnitt dann wohl als “Befugnis” gewertet wird.

    Naja,wie will denn aber Primacall beweisen das sie “Ich mache jetzt von Ihrem Einverständnis kurz einen Mitschnitt” oder ähnliches gesagt haben ,es Sei denn Sie würden den Satz auch schon aufzeichnen,aber das wäre ja dann eben ohne die Einverständnisserklärung des Angerufenen passiert.

  69. 69

    Leopold:

    Guten Tag,

    ich hab habe bei primacall 3 Tage als teamleiter gearbeitet und feststellen müssen, dass diese firma über kaltaquise privaleute ohne aufklärung am telefon abzockt.
    sie nutzen die sogenannte überfallstechnik, sie verwickeln den kunden in das gespräch so, dass der kunde das gefühl bekommt, dass er als telekom-kunde ein privileg geniesst und nun durch das angebot von pc günstiger zu telefonieren.
    über die2 jährige bindungsfrist wird nicht gesprochen und hier werden die mitarbeiter auch unter vorgehaltener hand gebeten, die nicht im gespräch zu erwähnen.
    Am 3. Tag habe ich selber den vertrag gelöst.