China und das Internet

Am 3. und 4. Juni 1989 beendete das chinesische Militär die Studentenbewegung der 80er Jahre in der Volksrepublik China. Die Studenten, die seit Monaten den Platz des himmlischen Friedens in Peking besetzt hatten, um ihrem Wunsch nach mehr Demokratie Ausdruck zu verleihen, wurden an diesen Tagen durch das in Panzern angerückte Militär zum Verlassen des Platzes aufgefordert. Die darauf folgenden Unruhen auf dem Platz und in weiteren Teilen Pekings führten zu während der Flucht hinterrücks erschossenen Studenten und Passanten, zu von Protestierenden bei lebendigem Leib verbrannten oder anders hingerichteten Soldaten und zu Schüssen des Militärs auf Rettungswagen und andere Helfer. Die bis heute unklare Zahl der Opfer wird von Amnesty International auf 700 bis 3.000 Tote geschätzt.

Es ist der damaligen Anwesenheit der internationalen Presse in Peking zu verdanken (die eigentlich für die Berichterstattung vom Staatsbesuch Gorbatschows zugegen war), dass dieses Massaker der Weltöffentlichkeit bekannt wurde. Die vom Fotografen Charlie Cole festgehaltene Szene am 4. Juni 1989, in der sich ein einzelner, bis heute offenbar nicht identifizierter Mann (sämtliche Quellen, die ihn benennen wollten, gelten nach meinem Wissen als nicht bestätigt) allein und unbewaffnet den chinesischen Panzern entgegen stellt, ging in die Geschichte ein, der unbekannte Rebell wurde von den Medien Tank Man getauft.


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Die beschriebene Katastrophe kennt man unter dem Namen Tian’anmen-Massaker.

Es sei denn, man lebt in China.

Denn das Land, das in den letzten Jahren den größten wirtschaftlichen Boom der Weltgeschichte erlebt, gilt noch immer als Diktatur, und der größte Feind jeder Diktatur heißt „freie Information“. Information zu zensieren mag 1989 noch leicht gewesen sein, heute stellt diese Aufgabe mit über 150 Millionen chinesischen Internet-Nutzern ein Problem für die Regierung dar. Und so bekämpft die chinesische Regierung ihren größten Feind: Sie filtert Informationen, die sie als „ungesund“ einstuft, sie zensiert, und sie verfolgt und inhaftiert Dissidenten, die sich für mehr Demokratie im Land einsetzen.

Mehrere zehntausend chinesische „Internet-Polizisten“ kontrollieren sowohl technisch als auch manuell die Internet-Nutzer in China. Ihr Ziel ist dabei nicht nur die Zensur neuer Information, sondern auch die Verhinderung des Zugangs zu bestehender. Wer in Deutschland nach Bildern vom Platz des himmlischen Friedens googelt, erhält Dutzende, wenn nicht hunderte Fotos des Tank Man. Wer die gleiche Suche mit der gleichen Suchmaschine in China startet, sieht nur lächelnde Touristen und Postkartenmotive. Die Fotos des Mannes, der als Symbol für das Verlangen nach Freiheit zu einem Helden avancierte, stellen für die chinesische Regierung offensichtlich die konkrete Bedrohung des Widerstands dar.

Selbst wenn sich die meisten Chinesen durchaus wissentlich mit den Umständen arrangieren - die Zensur zeigt ihre Wirkung. Wie die FRONTLINE-Dokumentation Tank Man (bei ca. 37:50) zeigt, kennen viele heutige chinesische Studenten das Foto des Tank Man nicht, sie können keinerlei Verbindung zu einem geschichtlichen Ereignis herstellen. Die Studentenbewegung scheint im modernen China nicht mehr zu existieren, u.a. auch, da man als chinesischer Student zu den Gewinnern des Wirtschaftswachstums gerechnet werden kann. Ganz im Gegensatz zu den Arbeitern und Bauern: Während noch vor einigen Jahren Schulen in China kostenfrei waren, kann sich heute kaum ein Arbeiter eine Schule für seine Kindern leisten, selbiges gilt für die Gesundheitsversorgung oder andere soziale Absicherungen.

Auch wenn Optimisten die Great Firewall Of China getaufte chinesische Internet-Zensur letztlich für erfolglos halten, setzt das chinesische Regime weiterhin auf Kontrolle und Verfolgung. Und nutzt in beiden Fällen die Technologien der ausländischen Investoren, die ihr Stück vom scheinbar endlos großen Wachstumskuchen Chinas abhaben möchten.

So liefert Cisco Router und andere Hardware, die ein Filtern von Information möglich macht. Das Unternehmen streitet diese Lieferungen nicht ab, distanziert sich auf meine Anfrage hin jedoch von einer Zensur-Beteiligung und streitet die Vorwürfe ab, man würde spezielle Hardware für den chinesischen Markt entwickeln:

Cisco ist in keiner Weise an der Zensur von Information beteiligt, die ggf. von Regierungen ausgeübt wird. Darüberhinaus, werden unsere Produkte und Lösungen an keine Länder oder Regionen verkauft, auch nicht über Dritte, die von der US Regierung gesperrt sind.

In Fällen, in denen Regierungen als Teil ihrer Politik den Weg gehen, den freien Internetzugang für ihre Bürger einzuschränken, kann dies technisch gesehen über die gleiche Funktionalität von Routern ermöglicht werden, die auch von Netzwerk Administratoren genutzt wird, um zum Beispiel in Bibliotheken oder Unternehmen den Zugriff der Nutzer auf externe Webseiten einzuschränken. Diese Entscheidung liegt beim Kunden, nicht beim Hersteller.

Cisco selbst hat oder verkauft keine Produkte, die spezifisch für einen bestimmten regionalen Markt oder eine Regierung designt sind. Erst recht nicht, um freien Internetzugang einzuschränken. Alle unsere Produkte sind weltweit identisch, unabhängig davon, an welchen Kunden oder in welcher Region sie verkauft werden.

Cisco bezieht sich u.a. auf die US-amerikanische rechtliche Grundlage, die den Handel mit China nicht verbietet. Damit bewegt sich das Unternehmen jedoch auf möglicherweise dünnem Eis, denn die Tiananmen-Sanktionen aus dem Jahr 1990 untersagen US-amerikanischen Firmen den Verkauf von Waren, die der Verbrechenskontrolle oder -überwachung dienen. Zwar stehen Internet-Router nicht explizit auf der Liste der vom Export ausgeschlossenen Waren. Und doch musste sich Cisco gemeinsam mit Google (denen der Vorwurf der Suchergebnis-Zensur in China gemacht wird), Microsoft (die chinesische Blogs zensieren und spezielle Filter-Software an China liefern sollen) und Yahoo (die Personendaten an die chinesische Regierung geliefert haben) bereits im Februar 2006 vor einem US-amerikanischen Gericht verantworten. Aus dem Transkript von Tank Man (zur Abwechslung hier der Google-Video-Link):

Rep. CHRISTOPHER SMITH (R), New Jersey: Leading U.S. companies like Google, Yahoo!, Cisco and Microsoft have compromised both the integrity of their product and their duties as responsible corporate citizens.

ELLIOT SCHRAGE, V.P., Google Inc.: We have determined that we can do the most for our users and do more to expand access to information if we accept the censorship restrictions required by Chinese law. Our decision to create a presence, any presence, inside of China was a difficult one. Self-censorship like that which we are now required to perform in China is something that conflicts deeply with our core principles.

Rep. JIM LEACH (R), Iowa: If this Congress wanted to learn how to censor, we go to you, the company that should symbolize the greatest freedom of information in the history of man.

ELLIOT SCHRAGE: This was not something that we did enthusiastically, or not something that we’re proud of at all.

Besonders Yahoo steht nun erneut im Visier der Menschenrechtsorganisationen und Medien. Am 18. April dieses Jahres reichte die in Washington ansässige World Organization For Human Rights USA Klage gegen Yahoo und gegen alibaba.com, Yahoos Partnerunternehmen, das seit 2005 Yahoo China führt, ein - gemeinsam mit Wang Xiaoning, der 2002 in China verhaftet wurde, und dem Journalisten Shi Tao, der 2005 in China zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde.

Wang Xiaoning hatte einige seiner Texte 2001 von einem Yahoo-Mailaccount in eine Mailingliste geschickt. Auf Druck der chinesischen Regierung, so die Klage, sperrte Yahoo Wangs Account. Wang legte daraufhin einen neuen Account an, worauf Yahoo im Jahr 2002 aufgefordert wurde, die Nutzerdaten des Accounts an die chinesische Regierung zu liefern. Die Verhaftung Wang Xiaonings im September 2002 sei nur durch diese Informationen möglich gewesen.

Yahoo betont (wie alle Unternehmen, die sich Vorwürfen der Komplizenschaft mit der chinesischen Diktatur ausgesetzt sehen), dass sich jedes Unternehmen den Gesetzen und Vorschriften des jeweiligen Landes, in dem es agiert, zu beugen habe. Eine Aussage, die sicher richtig ist: Die Klage gegen Yahoo (PDF der Klageschrift) erwähnt das von in China operierenden Internet-Unternehmen zu unterzeichnende Dokument „Public Pledge on Self-Discipline for the Chinese Internet Industry“, welches auch Yahoo unterzeichnet hat.

Machen diese Gesetze und Vorschriften jedoch Verhaftungen, möglicherweise Folter oder gar Hinrichtung von Menschen, die ihre Meinung äußern, möglich, muss sich jedes global agierende Unternehmen dem Vorwurf stellen, es würde die eigene Gewinnmaximierung vor die Menschenrechte stellen.

Und so setzen Menschenrechtsorganisationen (wenn schon die Politik dem Handel mit China keinen Riegel vorsetzt, bis dort die Menschrechte verlässlich eingehalten werden) auf Resolutionen oder Klagen wie die oben beschriebene. In der Hoffnung, dass der Druck sowohl auf die Unternehmen als auch auf die chinesische Regierung immer größer wird. Und die Verletzungen von Menschenrechten in der Volksrepublik China sobald wie möglich ein Ende haben.

Ende des Artikels.

Fast.

Ich sehe es als Teil der Möglichkeiten eines, dieses, unseres Weblogs an, Informationen und Meinungen zu liefern und zu diskutieren, und so werden als weitere Beiträge zu diesem Thema u.a. ein Interview mit dem europäischen Online-Experten von Reporters sans frontières erscheinen sowie ein Artikel über ein Berliner Modelabel, das sich sehr detailliert mit den wirtschaftlichen Zwängen der Textil-Produktion im In- und Ausland beschäftigt.

Die Arbeit an unseren Artikeln finanzieren wir seit einiger Zeit u.a. über Werbe-Banner. Werbe-Banner, die teilweise auch von den oben genannten Unternehmen gebucht werden - für die einen ein klares Indiz dafür, dass wir Morde und Diktaturen unterstützen, für uns, die wir uns gerne von klugen Frauen beraten lassen, eine publizistische Herausforderung, der wir uns wie schon jedes andere werbefinanzierte Medium zuvor zu stellen haben. Schon mit dem generellen Entschluss vor inzwischen zwei Jahren, Werbung auf Spreeblick zuzulassen, waren wir uns dieser Herausforderung bewusst. Und haben beschlossen, uns auf die moralische Bewertung der Werbekunden hinsichtlich einer „die sind gut - die sind böse“-Aussage möglichst selten einzulassen. Denn jeder Kunde, den wir als „verwerflich“ ablehnen, bedeutet im Umkehrschluss unsere moralische Absolution für die Kunden, die werbend auf Spreeblick erscheinen. Eine Falle, die größer wird, je länger man darüber nachdenkt und je länger man über jeden einzelnen möglichen Werbekunden recherchiert.

Die Entscheidung, ob ein Werbekunde explizit abgelehnt wird, treffen für Spreeblick allein Tanja und ich, die Autoren werden in diesen Prozess bewusst nicht eingebunden, sie kennen nicht einmal die Anfragen und Buchungsdetails. Denn wer bei Spreeblick wirbt, soll keinen Einfluss auf die haben, die bei Spreeblick schreiben. Zu letzteren gehöre auch ich selbst, und solange Spreeblick keine eigene Media-Abteilung hat, aus der ich mich raushalten kann, muss ich mit diesem Spagat umgehen - was ich mir zutraue, schließlich arbeite ich seit etwa zwei Jahrzehnten in (auch) werbefinanzierten Medien ohne dass jemals ein Werbekunde Einfluss auf das gehabt hätte, was ich gesagt oder geschrieben habe.

Ich glaube zudem, dass die Welt der globalen Unternehmensverstrickungen, mit denen wir speziell im Netz tagtäglich zu tun haben, derart komplex ist, dass Versuche, diese Komplexität jedes Mal ein klein wenig mehr zu entwirren, sinnvoller sind als Boykottaufrufe. Ist Yahoo „schlimmer“ als Apple? Ist Microsoft „böser“ als Google? Wie geht Reporter Ohne Grenzen mit der Tatsache um, dass ihre Rechner unter Windows laufen? Muss sich die World Organization For Human Rights USA, welche die oben genannte Klage gegen Yahoo eingereicht hat, dafür rechtfertigen, dass ihr Blog bei Googles blogger.com gehostet wird? Müssen wir unser Internet abschalten, das zu einem großen Teil auf Cisco-Technologie basiert? Und wie gehen wir mit der Tatsache um, dass die chinesische Regierung auf Linux statt Windows setzt und dafür mit der Linux Foundation kooperiert? Und wie lächerlich hätten wir uns gemacht, Yahoo als Werbekunden abzulehnen, während wir konstant Yahoos flickr (die mittlerweile selbst die chinesische Zensur zu spüren bekommen) oder das ebenfalls Yahoo gehörende del.ico.us nutzen und im Fall von flickr-Premium-Accounts sogar dafür zahlen?

Ich staune immer wieder über Menschen, die für jede komplexe Frage im Leben eine schnelle und einfache Antwort parat haben, für die jeder flickr-Nutzer somit in letzter Konsequenz ein Mörder ist. Und ich wünsche mir manchmal, mein Denken wäre ebenso einfach. Ist es aber nicht, und daher nehme ich die Herausforderung an, unsere Entscheidungen zu diskutieren und mich der Kritik daran zu stellen. Ich glaube sogar sagen zu können, dass die Diskussion, die in anderen Ländern schon vor Jahren geführt wurde, eine wichtige für die Blogosphäre ist, egal ob sich ein Blog für oder gegen Werbung entscheidet.

Ich höre sehr gerne und sehr aufmerksam denjenigen zu, die es besser wissen als ich, denn daraus lerne ich. (Update und Anmerkung wegen möglicher Misverständnisse: Die nachfolgenden, sicher im Nachhinein eher emotionalen Sätze beziehen sich nicht grundsätzlich auf jede Kritik, die ja durchaus berechtigt sein kann) Und solange die lauteste „Kritik“ von denjenigen kommt, die von „Blutbloggern“ reden, während sie ihrer Auffassung von freier Meinungsäußerung durch Verleumdungen, Beleidigungen, Fehlinterpretationen von Zitaten, Löschungen von Kommentaren mit anderer Meinung und der Sperrung von Zugriffen auf ihr Blog von kritischen Blog-Artikeln aus Ausdruck verleihen… solange überlasse ich die Entscheidung, welches Blog man lesen mag, denen, die es sowieso entscheiden: den Lesern.

Update: Neue Nachrichten.


188 Kommentare

  1. 01

  2. 02

    geroyche:

    wenn der tank man als fotomotiv bei flick als “moderate” eingestuft wird, dann sehen ihn deutsche studenten jetzt auch nicht mehr
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/91085

    und bei google reicht auch schon “angeblich rechtswidriges” http://www.chillingeffects.org/international/notice.cgi?NoticeID=6904 damit man den deutschen suchindex bereinigt.

    china hin oder her. es ist wie mit allem (siehe putins replik auf merkels kritik an der demonstrationsfreiheit neulich), man bringe erstmal den eigenen staat in ordnung
    ( http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25481/1.html )
    sonst fehlt leider den guten argumenten schlicht die glaubwürdigkeit.

    china ist systematischer und unverblümter im vorgehen. ich bin sicher mancher innenpolitiker hier beneidet das klamheimlich.

  3. 03

    stefan:

    Nope. Johnny, Ihr entscheidet, von wem Ihr Geld nehmt. “Denn jeder Kunde, den wir als „verwerflich“ ablehnen, bedeutet im Umkehrschluss unsere moralische Absolution für die Kunden, die werbend auf Spreeblick erscheinen.” — Das ist totaler Quatsch.

    “Eine Falle, die größer wird, je länger man darüber nachdenkt und je länger man über jeden einzelnen möglichen Werbekunden recherchiert.” — Auch das ist einfach so dahingeschrieben. Nicht jeder Werbekunde hat Scheisse auf dem Konto. Solltest Du besser wissen.

  4. 04

    Haarbueschel:

    Danke für die ausführlichen Erläuterungen. Die Begründung, ihr würdet eure Kunden nicht moralisch Bewerten, weil dies eine Absolution für alle anderen bedeuten würde, leuchtet mir allerdings nicht ein. Aller existierenden Komplexität zum Trotz: Das würde einem Fatalismus das Wort reden, den ich bei Spreeblick nicht kenne und dessen Abwesenheit ich hier auch sehr schätze. Ich sehe auch einen grossen Unterschied zwischen dem Nutzen eines Dienstes und der Werbung dafür. Ich denke, das sich die meisten Menschen grundsätzlich der Komplexität bewusst sind und das auch unterscheiden können.

    Spreeblick m.E. vertritt - wenn schon keinen “moralischen Anspruch”, auf jeden Fall eine moralische Sensibilität. Das diese dann bei den Werbekunden Pause hat, erscheint mir als nicht einleuchtend.

  5. 05

    mspro:

    1. Einen Dienst zu nutzen und dafür zu werben ist NICHT - ABSOLUT NICHT - vergleichbar.
    2. Im übrigen bin ich kein Stück klüger, was die Grenze angeht. Es hört sich so an, als gäbe Sie es schlicht nicht. Weil ja alles so furchtbar komplex ist? Unentscheidbar? Gut. Dann entscheide! Sowas nennt man “Verantwortung” wo ich herkomme.
    Denn 3. das hier ist nicht Fritz und Du bist kein kleiner Redakteuer. Das ist Dein Blog. Hier geschieht nichts gegen Dein Veto.
    4. Und sorry. Auf die Kritiker einzudreschen, zähle ich nicht als Argument.

  6. 06

    signalpirat:

    “Denn wer bei Spreeblick wirbt, soll keinen Einfluss auf die haben, die bei Spreeblick schreiben. (…) - was ich mir zutraue, schließlich arbeite ich seit etwa zwei Jahrzehnten in (auch) werbefinanzierten Medien ohne dass jemals ein Werbekunde Einfluss auf das gehabt hätte, was ich gesagt oder geschrieben habe.”

    Hm!
    Und ohne die aktuelle Debatte - hättest Du all das, was vor ‘Ende des Artikels’ steht, genau so geschrieben? Hättest Du es überhaupt geschrieben?
    Die Werbung hat anscheinend gewaltigen Einfluß auf das, was Du schreibst. Allerdings nicht direkt, sondern indirekt: Du bist unter dem immensen Druck, der blog-Gemeinde zu beweisen, daß du nicht unter Druck durch die Werbenden bist. Die Überschrift ‘China und das Internet’ ist eigentlich nicht zutreffend, ‘Spreeblick und die Werbung’ ist das eigentliche Thema des Artikels: Die von allen Seiten mit Spannung erwartete Stellungnahme von euch. Ich zumindest bemerkte, daß ich unwillkürlich auch bei der ersten Hälfte des Artikels nur unter dem Gesichtspunkt ‘Aha, jetzt bin ich mal gespannt wie sie mit dem Thema umgehen!’ las. Und die China/Internet-Problematik war weit weg in diesem Moment, nicht mehr als das Spielfeld, auf dem die Spreeblick/Werbung-Diskussion ausgetragen wurde.
    Dem eigentlichen Thema schadet das. Bedauerlicherweise.
    Wenn die Aufmerksamkeit der Leser und die Diskussion in den Kommentaren (die, so wird ja immer wieder betont, blogs erst zu dem machen, was sie sind) auf dieser Ebene fixiert ist, ist das meiner Ansicht nach ein guter Beleg dafür, daß die Werbung schadet. Denn - selbst wenn du ohne Werbung den ersten Teil des Artikels Wort für Wort identisch geschrieben hättest, wäre die Rezeption und Diskussion eine ganz andere gewesen.

    Du hast schon früher in werbefinanzierten Medien gearbeitet, aber - soweit ich das weiß, korrigiere mich wenn ich irren sollte - dort hattest du persönlich wahrscheinlich keinen Einfluß auf die Wahl der Werbekunden. In sofern ist die Situation eine andere und die Fragen, die Du Dir jetzt stellen (lassen) mußt, gab es damals in dieser Form nicht.

  7. 07

    marcel weiss:

    Die Leute, die von Blutbloggern faseln und bei Yahoounterstützung kein Pardon mehr zu kennen scheinen, nutzen jeden Tag auf ihrem Blog Yahoos del.icio.us. Daily Post mit Links, unter anderem auch mit etlichen Taglinks zurück zur ‘Diktaturunterstützer-Filiale’.

    Muss man dazu noch etwas sagen?

    (Haha, eben gesehen, das man jetzt so tut, als hätte man das nicht gewusst. yeah..)

  8. 08

    Georg:

    Ich verdiene selbst jeden Tag meine Brötchen in der Werbung. Und ganz sicher nicht nur mit Kunden, die ich persönlich alle ganz toll finde. Aber das ist nun wirklich gequirlter Mist:
    “Denn jeder Kunde, den wir als „verwerflich“ ablehnen, bedeutet im Umkehrschluss unsere moralische Absolution für die Kunden, die werbend auf Spreeblick erscheinen.”
    Leute, wenn ihr Geld verdienen wollt, okay, müssen wir alle.
    Aber so eine schlechte Ausrede für die Wahl euerer Anzeigenkunden ist wirklich eine Beleidigung für eure Leser.

  9. 09

    egal:

    Je nach Standpunkt und Situation kann man hier seine Meinung niederschreiben. Letztlich wird der werbende immer in der Defensive sein, der der keine Werbung in seinen Blog hat haut kräftig zu. Ich finde die Begründung von Spreeblick absolut ausreichend. Ich beurteile auch keine Tageszeitung nach Ihren Anzeigenkunden, und stehe ich in der Apotheke fühle ich mich auch nicht im Stande zu beurteilen ob ein Medikament nun besonders Tierfreundlich getestet wurde, da nehme ich einfach das günstigste. Ich finde dir ganze Diskussion reichlich scheinheilig.

  10. 10

    signalpirat:

    Scheinheilig, soweit würde ich nicht gehen… letztendlich müssen Johnny & Co. sich an ihren eigenen Ansprüchen messen lassen. Den beim Start von Adical gab es eben gewisse Ankündigungen, was die Akzeptanz von Werbekunden angeht… ohne diese wäre die Debatte bei beidem nicht so hitzig.

    … und da lässt der bisherige Umgang und diese Antwort eben vor allem die Frage offen: Was für die Kriterien müssen denn zutreffen, damit ein Werbekunde abgelehnt wird?
    Oder, anders gesagt: Was hätte Yahoo NOCH tun müssen, um abgelehnt zu werden?

  11. 11

    marcel weiss:

    P.S.: unabhängig vom unterirdigen Verhalten der am lautesten brüllenden Kritiker, mit denen man eh nicht diskutieren kann, wollte ich eins noch sagen: ich halte die Wahl Yahoo als Werbepartner anzunehmen auch für zumindest diskussionswürdig.

  12. 12

    andy:

    Noch erschreckender wird das ganze, wenn man mal einen Blick in die Statistiken wirft: Laut internetworldstats.com kommen weltweit ~12% der Internetnurzer aus China. Wenn der rasante wirtschaftliche Aufschwung anhält, könnten es bald 20% sein. Damit würde dann jeder 5. Internetnutzer in einem zensierten Internet surfen.

    Hier noch ein paar interessante Links zum Thema:

    China-Bericht der OpenNet Initiative
    http://www.opennetinitiative.net/studies/china/

    Interview mit einem Ingenieur, der geholfen hat Netzwerke in China einzurichten
    http://www.weeklystandard.com/Utilities/printer_preview.asp?idArticle=922

  13. 13

    fpk:

    Bei aller berechtigten Kritik an der Politik manch einer Firma (Yahoo hat eindeutig die Grenze überschritten und ihre Begründung stinkt, da der Journalist seinen Account in Hong Kong hatte, wo nicht volksrepublikanisches Recht gilt) sollte man immer bedenken, dass es ohne Cisco, Microsoft und co. gar kein Internet in China gäbe und damit auch nicht die phänomenalen Möglichkeiten, die es für die Meinungsfreiheit in China eröffnet hat.

    Es gibt trotz Zensur heute unvergleichlich mehr Möglichkeiten sich zu informieren als früher und mit anonymous oder anderen Proxies kann man sich auch jede geblockte Seite anschaun. Journalisten bietet das Netz die Möglickhkeit Text, die keine Zeitung drucken will, auf ihren Blogs zu veröffentlichen. Es gibt mittlerweile investigative Journalisten, die nur im Netz veröffentlichen und die Zensur so unterlaufen.

    Haben sich die Radikalkitiker der westlichen Internetfirmen mal drüber Gedanken gemacht was die Chinesen davon hielten, wenn sich die Firmen ganz aus dem Geschäft dort zurückzögen?

    Kritik ja, aber bitte mit Augenmaß, und vielleicht auch ab und an schaun was chinesiche Blogger wie Isaac Mao dazu zu sagen haben:
    http://www.isaacmao.com/meta/2007/02/open-letter-to-google-founders-to-save.html

  14. 14

    sunny:

    Bezogen auf den Vortrag von Mercedes Bunz bietet die chinesische Regierung ja durchaus eine Angriffsfläche. Hier braucht man die Macht nicht sichtbar zu machen, bzw. zu entwirren. Und so ist es auch mit der Opposition in China - sie bewegt sich im Untergrund. Die Kräfteverhältnisse sind also derart klassisch verteilt, dass man hier mit Foucault nicht weiterkommen würde, ausgenommen die Unternehmen, deren Stammsitz sich in sogenannten demokratischen Ländern befindet, die es quasi besser wissen müssten, die aber ebeso Repressionen fürchten müssen, würden sie sich nicht an die Gesetze halten.

    Mit oder ohne Werbung wäre dieses Thema auf die Blogagenda getreten.

    In meiner groben Einschätzung der Dinge, die ich über global agierende Firmen lese, würde ich behaupten, dass immer dann ein Umdenken in der Firmenpolitik begann, wenn ein Imageverlust zu drohen schien.

    Als Beispiel habe ich momentan Coca Cola im Kopf, die sich ja auch quasi an die kolumbianischen Regeln, bzw. mafiösen Machenschaften gehalten haben, bis eines Tages alles herauskam und dann war das Heulen groß. Schadensbegrenzung und so weiter.

    Bei Starbucks wiederum liegt der Fall etwas anders. Die haben sich die Markenrechte an ethiopischem Kaffee gesichert und Äthiopien schien keine Chance zu haben, die Markenrechte an seinem eigenen Kaffee zurückzubekommen, bis herauskam, WIE Starbucks dabei vorgegangen ist. Wieder Angst vor Imageverlust und Äthiopien kann jetzt hoffentlich seinen eigenen Kaffee ausgiebig als Marke schützen lassen, bzw. eventuell ist das schon geschehen (aus dem Artikel den ich gelesen habe, kam nicht hervor, ob schon alles in sack und tüten ist).

    Und so weiter. Imageverlust bedeutet, dass die Leute sich von dem Produkt abwenden. Das ist nicht unbedingt Boykott in seiner reinsten Form. Aber es scheint zu wirken.

    Wieviele Leute benutzen Yahoo nicht mehr? Ja, ich habe auch noch einen Yahoo - Acount - wie neulich festgestellt habe. ;)

    Irgendwo hat es natürlich was, ihr bekommt Geld von denen die ihr kritisiert. Kannte mal einen Künstler, der mit Geld von der Deutschen Bank, kritische Deutsche - Bank - Kunstaktionen finanziert hat.

    Aber was ist mit dem Image von Spreeblick?
    Welche Firma kommt als nächstes?

  15. 15

    sunny:

    fpk, klingt interessant, was isaac mao sagt. aber irgendwo auch irre! ;) - die komplette googlisierung von china, mit adsense und allem pipapo, aber!! bitte ohne Zensur!

  16. 16

    Iris:

    Ehrliche Meinung gefragt? Bitte sehr:

    An diesem Artikel ist zwar viel Nachvollziehbares dran, aber mich hast Du trotzdem nicht überzeugt, dass darin DEINE ganze Wahrheit in Sachen Blogs und Werbung steckt.
    Einerseits macht Deine Argumentation so für mich so durchaus Sinn: Wenn man versuchen würde, Werbung von Unternehmen, die ‘Dreck am Stecken haben’ auf dem eigenen Blog auszuschließen, müsste man vermutlich auf viele, vielleicht sogar die meisten lukrativen Angebote verzichten. Und dann würde sich die ganze Werbekiste vielleicht gar nicht mehr lohnen. Andererseits ist mein persönlich Fazit aus dieser Kalkulation ein anderes - nämlich keine Werbung in meinem Blog. Das ist aber für Dich keine Option (mehr?), weil Du mit/für Spreeblick Einnahmen erwirtschaften willst/musst. Das ist Dein Dilemma. Oder besser: So nehme ich es wahr.

    Damit ist Spreeblick zwar m.E. nicht schlechter als die meisten anderen Unternehmen im Online-Business, aber auch nicht besser (wohlgemerkt aus ethisch-moralischer Perspektive). Denn wenn man die geübte Rhetorik wegstreicht, bleibt für mich am Ende auch nicht mehr übrig als: “Die anderen machen das ja auch.”

    Die Form der Kritik, auf die Du im letzten Absatz Deines Statements anspielst, finde ich trotzdem unter aller Sau - u.a. weil manchen Kritikern ihr selbstverliehener Heiligenschein überhaupt nicht steht. Er wirkt auf mich wie eine groteske Verkleidung. Außerdem ist mir derart zähnefletschendes Gekeife auch in gebloggter Form zuwider. So!

  17. 17

    Robin S. a.k.a. MakeAMillYen:

    Gings hier um China oder um Werbung?

  18. 18

  19. 19

    Don Alphonso:

    Einfache Frage: Von wie vielen Regimekritiker muss Yahoo, die das als einzige machen, die Daten an die Chinesen übermitteln, wie viele Jahre müssen die dann in den Knast, bevor Du damit ein Problem hast?

  20. 20

    Johnny:

    #16, Iris, es ist nicht immer leicht, auf wiederholte und sehr aggressiv vorgetragene verbale Angriffe gegen die eigene Person (die über Kritik weit hinaus gehen) gar nicht oder völlig emotionslos zu reagieren. Nach vielen Postings, die uns direkt und in einem Ton, der nicht meiner ist, angriffen, war eine Reaktion meinerseits meiner Meinung nach nötig. Sorry, falls dieser nicht meiner sonstigen Tonalität entspricht.

  21. 21

    Iris:

    Johnny, ich glaub’ Du hast mich hier ein bisschen missverstanden. Nicht Dein Ton war in dieser (mal frontal, mal unterschwellig forgesetzten) Auseinandersetzung um Adical m.E. unter aller Sau sondern der gewisser Keifer, auf die Du mit dem letzten Absatz Deines obigen Statements reagiert hast.

  22. 22

    .50AE:

    Ich trinke kein Coka Cola mehr, da ich die Politik des Konzerns in ärmeren Ländern zum kotzen finde. Es gibt ne menge anderes, das ich - wäre ich konsequent - einfach ablehnen müsste. Tja. Ich bin also unkonsequent und hab schon mit meinem Cola Boykott zu kämpfen (vor allem wenn man was kühles will). Aber irgendwie kommt es mir richtig vor… es scheint ein Anfang zu sein :)

    Kennt wer ne gute Suchmaschine ausser Google?

    Mfg

  23. 23

  24. 24

    Robert:

    ChaCha.com
    Da suchen menschliche Sklaven für dich!

  25. 25

  26. 26

    AP:

    Gehen wir mal davon aus, sämtliche potentiellen Anbieter von Suchmaschinen und Routern etc. pp. hätten sich den Vorschriften verweigert. Was wäre dann? Hätte China kein Internet? Hätte China selbst entsprechende Geräte entwickelt? Wäre die chinesische Regierung eingeknickt? Hätten alle staatsfreundlich geltenden Chinesen Internet und der Rest nicht? Würde es in China etwas ändern, wenn Adical keine Yahoo Werbung schaltet? Würde es bei Yahoo etwas ändern, wenn Adical keine Werbung von denen schaltet? Kann man überhaupt Werbung schalten, bei der man sicher ist, es mit einer objektiv “sauberen” Firma/ Idee zu tun zu haben? Wo ist denn die Grenze zwischen geht-noch-gerade und geht-gar-nicht?
    Hat irgend jemand eine Idee, wie etwas objektiv “besseres” hätte passieren können?

    Und nee, ich habe kein Blog. Ich nutze auch yahoo nicht. Ich habe nicht mal einen Router. Allerdings XP als Betriebssystem. Mist.

  27. 27

    maria:

    Ich weiß nicht, aber die Kritik von holgi = Spreeblick-Teilzeit-Mitautor = klingt nicht nach Verleumdungen, Beleidigungen, Fehlinterpretationen von Zitaten, Löschungen von Kommentaren mit anderer Meinung:

    Ich begreife momentan nichtmal ansatzweise, wie Teile der Speerspitze der Meinungsfreiheit, Teile der Blogosphäre, sich tatsächlich bezahlen lassen können von Yahoo. Von einem Unternehmen, dass Menschen, die genau diese Freiheit für sich und ihr Land haben möchten, an die chinesische Diktatur ausgeliefert hat. Ich zerbreche mir seit Tagen den Kopf darüber, spreche mit Menschen sowohl innerhalb der Blogosphäre, als auch ausserhalb, sogar mit meinen Eltern - und bisher ist die einzige Antwort, die ich in unterschiedlichen Formulierungen bekommen habe: Gleichgültigkeit.
    Ja - erst kommt das Fressen und dann die Moral. Ich kann mir aber weder vorstellen, dass irgendjemand von uns dermassen hungrig sein kann, noch dass Yahoo eine so grosse Summe zu zahlen bereit ist, dass man über die paar blöden Chinesen ausnahmsweise mal hinwegsehen kann. Vielleicht täusche ich mich aber auch - wäre nicht das erste Mal.

    Oder mal andersherum gefragt. Unter welchen Umständen könnte man Verständnis für jemanden haben, der sich, ohne erkennbare Not, von einer Firma bezahlen lässt, die einen ins Gefängnis gebracht hat, indem sie einen um des Profits Willen an eine Diktatur ausgeliefert hat?

    http://holgi.blogger.de/stories/822489/

    Vor allem, wenn man bedenkt, dass du mit republica eine richtige Menge Geld eingenommen = große Sponsoren, die die Kosten decken und dann noch 400 Besucher mehr als erwartet, also auch 20.000,- Euro mehr Einnahmen als erwartet (bei kaum mehr Kosten pro Mehrbesucher) = hast und derzeit wirklich nicht am Verhungern sein dürftest.

    Oder anders herum gefragt: Glaubst du wirklich, dass Jamba schlimmer ist als Yahoo und Cisco?

    Jamba zieht Kindern das Geld aus der Tasche - was du sehr scharf kritisiert hast - Yahoo und Cisco helfen (über das normale zu erwartente Maß hinaus - du kennst die Artikel dazu, die du gerade nicht verlinkt hast) dabei dass Menschen eingesperrt und getötet werden, weil sie frei ihre Meinung äußern wollen.

    P.S.: Mal andersherum gefragt: Hätte Jamba dir Geld bezahlt, hättest du denen ihr Geschäftsmodell wohl auch nicht für schlimm gefunden, oder?

  28. 28

    MC BASTARD:

    LOL habt ihr schon mal ganz runter gescrollt? da is werbung…

    aber schön gekennzeichnet… danke für das grinsen…

    zum thema: wenn man wirklich alles boykottieren will was irgendwie irgendwo irgendwann mal in menschenverachtenden zusammenhang steht/stand wird man schnell feststellen, dass man lieber nur noch essen aus eigenem anbau isst, seine kleidung selber näht, zu fuß mit den selbst gemachten mokasins in den garten geht, strom und internet verweigert, es sei denn man erzeugt es selbst (viel spaß im einseitigen internet)…

  29. 29

    Michael:

    Du hast ja die Fotos vom Massaker verlinkt. Wenn Adical nun ausgerechnet unter diesem Posting die Cisco-Werbung ausspuckt - was soll man da noch schreiben?

    Muss ich da wirklich eine moralphilosophische Abhandlung eröffnen, die den Unterschied zwischen Coca-Cola-Trinkern und Cisco-Werbekunden eröffnet? Ist es wirklich eine “komplexe Frage”, auf die du dich berufst?

    Oder reicht es, wenn ich sage, dass der Tank-Man nicht nur ein wenig beleidigt, sondern ernsthaft angepisst gewesen wäre?

  30. 30

    mspro:

    Sorry, ich reg mich echt auf gerade. Was soll überhaupt diese Formulierung:
    ich höre sehr gerne und sehr aufmerksam denjenigen zu, die es besser wissen als ich, denn daraus lerne ich.
    Willst Du uns verarschen? Es geht hier überhaupt nicht um Wissen oder Nicht-Wissen. Du weißt genug, dass Du Yahoo einschätzen kannst. Und selbst wenn nicht. Es geht hier nicht um Irrtümer, oder wer die besseren ethischen Regeln befolgt. Das traue ich Dir eigentlich schon zu, so was einschätzen zu können. Eigentlich.

    Was Du in Deinem Text versuchst, ist Dich aus der Verantwortung zu stehlen. Am besten kommt das raus, wenn du schreibst: “Zu letzteren gehöre auch ich selbst, und solange Spreeblick keine eigene Media-Abteilung hat, aus der ich mich raushalten kann,…

    Das ist Dein Wunsch: Dich rauszuhalten. Die Verantwortung abgeben, damit Du dann sagen kannst: “Ach, das war ja gar nicht meine Entscheidung.”, “Ich kann ja nix dafür, die Media-Abteilung, Du weißt schon…” und den ganzen Stuss, weswegen man die etablierten Medien schon gar nicht mehr auf ihre Anzeigen hin ansprechen mag. Weil man nicht wüsste an wen man sich richten muss. Weil die Macht dort diffus ist. Weil keiner mehr Verantwortung übernimmt.

    Und bis dahin gibst Du der Welt die Schuld. Die viel zu komplex ist. Der der echte Feind abhanden gekommen ist, weil die Macht so diffus agiert.
    Du verlinkst Mercedes Bunz, die genau als Problem definiert und beteiligst Dich selbst an dieser Diffusion, indem Du die Verantwortung ablehnst, deine Macht verschleierst, indem Du Deine Machtlosigkeit beteuerst.

    Ich denke, wenn Mercedes (zurecht) fordert, der Diffusität entgegenzutreten und die Mächtigen daran zu erinnern, dass sie durchaus verantwortlich sind, dann solltest Du das dringend mal auf Dich beziehen. Das Problem fängt nämlich nicht erst bei G8 an.

  31. 31

    maria:

    mal weiter gedacht:

    Wenn du das Verhalten von Yahoo und Cisco verstehen, gut heisen und damit leben kannst, warum dann Spree8?

    War Spree8 nur das Einfangen der Werbezielgruppe Globalisierungsgegner, um sie dann sogleich mit Yahoo-Werbung zu kommerzialisieren?

  32. 32

    Johnny:

    maria? Aus welchem Satz liest du bitte, ich würde das Verhalten der Firmen gut heißen??

  33. 33

    lana:

    Ihr habt keine Meinung mehr, nur noch eine Policy. Dabei hatte Spreeblick mal Soul. Jetzt gehts nur noch um die Frage, wie man Geld fressen kann, ohne dass es beim Bücken klimpert. Die Sache stinkt weiter.

  34. 34

    Johnny:

    maria, die Kritik von Holgi war nicht gemeint.

    Alle anderen: Ich bin nicht dauernd online, bemühe mich aber später um einzelne Antworten.

  35. 35

    maria:

    Man kann es natürlich auch so formulieren:

    Beweisen sie das beide momentan ja auch, indem sie mutige, kritische deutsche Blogger mit Werbeaufträgen finanziell unterstützen. So kann man vielleicht auch Holgis Dilemma schlüssig erklären. So wird aus einer Werbeschaltung für einen Beihelfer der Unterdrücker ein Licht der Freiheit, und die Fans, die Adicals Blogger zu haben gedenken, finden das auch wirklich supi.

    Mutige, abständige Leute. Alle miteinander. Aber 9Live ist böse, sagt Herr Niggemeier, Bild ist böse, sagt das Bildblog, die G8 ist böse, sagt Johnny Häusler, der Schäuble ist böse, sagt Felix Schwenzel, Abmahnung wegen Bilderklau sind böse, sagt René Walter, Online-Durchsuchungen sind böse, findet Netzpolitik.org (in fact, dank Yahoo ist das in China wohl mitunter etwas überflüssig), und nur der Werber Sascha Lobo findet nichts böse, weil er ja die Werbung reinholt.

    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/822831/

    Wie es sowieso auffällt, dass seit Adical die Kritik in der deutschen Blogosphäre fast gänzlich in sich zusammengebrochen ist.

    Welch ein Wunder, die die früher für Offenheit eintraten und jeden Dreck (Du bist Deutschland) für das Ende der Welt hielten, und durch Kleinbloggersdorf jagten sind jetzt = die größten, wichtigsten 30 Blogs = schon Mitglied von Adical und fast der ganze Rest hält die Schnauze, weil er sehnlichst auf einen Einstieg bei Adical wartet.

    Und ihr werdet doch keine Kritiker bei Adical Geld verdienen lassen, oder?

    Ich weiß nicht, was ursprünglich dein Ziel beim Bloggern war, Johnny. Wenn es etwas anständiges, ehrliches u.s.w. war, dann schau dir mal die deutsche Blogosphäre jetzt gerade an:

    Was da alles gut geredet, nicht mehr kritisiert wird = Ich seh nix, ich hör nix, ich sag nix = ist derzeit das Ergebnis von Adical. DEINEM ADICAL.

    Dann wundert es doch auch nicht, dass einem kleinem Haufen Blogger, mit einer brandneuen Werbeagentur gleich die großen und “lieben” Unternehmen die Türe einrennen und Geld raushauen, oder?

    Und zuvor haben sich viele Agenturen (z.b. bei macessentials, Bildblog u.a.) die Zähne an der Vermarktung ausgebissen.

    Und jetzt läuft es wie von selbst.

    Das Schweigen der deutschen Blogosphäre ist preiswert zu haben Ein Prozent wird bezahlt, und der Rest hält in Hoffnung auf ein Brotkrumen die Schnauze.

    Tolle Leistung Johnny!

    (Auch wie du das alles in dein Gewissen reinkriegst.)

  36. 36

    Neuraum:

    Erst kommt das Fressen, dann die Moral :) Aber im Ernst: die Boykottaufrufe nützen wenig, es sei denn, es handelt sich um offen verbrecherische Geschäftspraktiken, worunter nach meinem Verständnis Verkauf der Informationstechnologie nach China nicht fällt. Wie kann man mehr Freiheit fordern und gleichzeitig die dafür nötige Technologie verweigern? “Lernt erst Schwimmen, dann lassen wir das Wasser in den Pool”. Ohne eine starke Netzgemeinde in China wird sich nichts ändern. Übrigens, die Zunahme der kritischen Stimmen in Chinas Internet wird durch viele Beobachter registriert, die wachsende Emanzipation chinesischer User ist eine Tatsache. Überhaut ist die Volksrepublik keine Diktatur im klassischen Sinne, denn das heutige Regime hat wenig totalitäre Züge; es als autokratisch zu bezeichnen wäre richtiger. Das Land wäre aber tatsächlich eine Diktatur geblieben, hätte es sich für den Handel nicht geöffnet oder ein umfassendes Embargo nach 1989 aufgebrummt bekommen.

    Außerdem möchte ich einige Einwände bringen (die aber keinesfalls Zensur an sich rechtfertigen sollen):

    - Es gibt Länder, die in einem viel größeren Umfang Inhalte im Netz sperren, darunter auch einige, die im Allgemeinen als liberal gelten. Thailand filtert deutlich mehr als China, um nur ein Beispiel zu nennen. Deutsche Version von Google tut es auch - im Nahmen des Schutzes der Verfassung. Wenn ich z.B. im Zuge einer Diskussion über Rechtsradikalismus Quellen recherchiere, nutze ich die dot-com-Adresse, um dem Spruch “Aus Rechtsgründen hat Google X Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt” zu entgehen. Lächerlicher Paternalismus und eine eindeutige Beschränkung der Freiheit - aus der Sicht jener, die im Land des Ersten Verfassungszusatzes leben. Ich versuche hier natürlich keinen Vergleich zwischen unserer Demokratie und chinesicher “Diktatur” zu ziehen, möchte aber den Grad der Überheblichkeit in der im Grunde richtigen Kritik senken.
    - Chinesische Nutzer bedienen sich ohne größere Angst unzähliger Proxy-Server in Asien, um an gesperrte Inhalte zu kommen. Das weiß ich aus erster Hand, denn ich kenne einige Residenten in diesem Land (sind zwar alles Ausländer, aber vielleicht macht gerade das die Aussage glaubwürdiger).
    - Womit wir bei der Webseite Greatfirewallofchina.org wären: die scheint ziemlich unseriös zu sein, abgesehen vom netten Design. Man bekommt dort alles mögliche als gesperrt angezeigt, selbst meine private Domain, die ich lediglich als Ablage für Grafiken und anderen Dateien nutze und die garantiert keine chinafeindliche Inhalte oder Pornos beherbergt. So sperrten die Chinesen zwar Livejournal.com während des letzten Volkskongresses, womit meine virtuellen Freunde, die dort leben und arbeiten, auf Proxies ausweichen mussten, aber dies geschah für nur wenige Tage; inzwischen ist die Bloggemeinde längst wieder über die chinesischen Provider direkt erreichbar, die URL wird aber weiter als “blocked” angezeigt. Und das stimmt wirklich nicht.

    Und jetzt Persönliches: ich misstraue sehr stark jeder Auflehnung und jedem Protest, die keine Opfer verlangen - sei es Geld, sei es Verlust an Komfort. Das Hinterfragen eigener Geschäftsbindungen finde ich in diesem Sinne sehr lobenswert (keine Schmeichelei Johnny!), aber das automatische Hauen auf China, diesen Lieblingsprügelknaben der westlichen Welt, ist einfach ungerecht gegenüber den meisten Chinesen und den spannenden Entwicklungen, die gerade im Land statt finden.

    Mit Überraschung habe ich eben festgestellt, dass es das Wort Sinophobie tatsächlich gibt.

  37. 37

    maria:

    maria? Aus welchem Satz liest du bitte, ich würde das Verhalten der Firmen gut heißen??

    Daraus, dass du deren Verhalten relativierst und für sie hier und über Adical auf 30 anderen Blogs wirbst.

  38. 38

    Iris:

    @AP:

    Gehen wir mal davon aus, sämtliche potentiellen Anbieter von Suchmaschinen und Routern etc. pp. hätten sich den Vorschriften verweigert. Was wäre dann?

    Sie hätten damit womöglich anderen Unternehmen ein anderes Beispiel gegeben und die hätten es ihnen vielleicht gleichgetan. Darunter etliche vermutlich gar nicht mal, weil sie so ein gutes Herz haben oder das eigene Gewissen es ihnen gebietet, sondern schlicht, weil sie nicht als Buhmann in der ersten Reihe stehen wollen. Und die chinesische Führung würde dann vielleicht mit der Zeit merken, dass sie mit ihrem politischen Kurs auf dem Weltmarkt aufläuft und die anderen sie nach ihren Regeln nicht mitspielen lassen. China ist zwar riesig, aber es ist dennoch Teil dieser Welt. Und ganz allmählich würden sie vielleicht hier und da ihre harte Linie aufweichen, um hier und da ein bisschen besser anzukommen. Wer weiß? Was ich aber weiß ist, dass Freiheit überall da stirbt, wo sich keiner für sie einsetzt. So war’s schon seit jeher in der realen Welt und es gilt genauso für die virtuelle.
    Es war und ist auch immer leicht, sich damit rauszureden, dass einer allein nichts ja doch nichts ändern kann. Aber was wäre denn z.B. gewesen, wenn Oskar Schindler sich gesagt hätte: “Was kann ich schon am großen Ganzen ändern?” Jede große Bewegung beginnt mit einem ersten Schritt. Aber wenn den keiner macht, weil keiner daran glaubt, dass genug andere mitgehen oder folgen, bewegt sich nicht nur vielleicht nichts sondern mit Sicherheit.

  39. 39

    lana:

    Übrigens handelt es sich bei dem “Tank Man” um Wang Wei Lin. Wer Recherche mit Google oder Yahoo gleichsetzt, beschränkt den eigenen Horizont auf den Scope seiner Werbekunden. Vielleicht sollten einige Spreeblick-Redakteure sich mehr Gedanken um die eigene professionelle Weiterbildung machen als darüber, wie der letzte Werbeauftrag als kompatibel zur hauseigenen Hipsterprosa dargestellt werden kann.

  40. 40

    marcel weiss:

    #36 “und fast der ganze Rest hält die Schnauze, weil er sehnlichst auf einen Einstieg bei Adical wartet. ”

    Was für ein Schwachsinn. Es sind genau solche konstruierten Argumente, die mich richtig nerven. Nur weil nicht jeder in die Hetze einsteigt, ist er sofort ein im Schatten auf seinen Nutzen wartender Opportunist.

    Weißt Du was das ist? “Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.” Da bist Du in richtig guter Gesellschaft mit so einer Denkweise.

    Btw. Maria: Kommst Du aus Hamburg?

  41. 41

    Peter H aus B:

    Ihr müsst euch in der Redaktion ja die Köpfe einschlagen.
    Auf der einen Seite Malte, der durchdreht wenn Tornados über Demo-Camps fliegen, auf der anderen Johnny, der skrupelos für Yahoo und Cisco wirbt..Spannend.

    Großes Kino. Ich hol mal Salzstangen und ein Bier….

  42. 42

    Mathias Richel:

    Bei aller richtigen Diskussion, möchte ich kurz anmerken, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen Nutzung und Bewerbung einer Firma gibt. Erst die Nutzung ermöglicht Umsatz, ermöglicht Werbung, ermöglicht Nutzung. Das ist ein Kreislauf, in dem man sich immer unfrei bewegt, wenn man sich nicht komplett verweigert.

    Der Umweltschutz und die Entwicklungshilfe sagen deshalb schon sehr lange: Ein Umdenken muss im Konsum beginnen.

    Warum soll das hier anders sein?

    Tatsächlich entbindet das aber auch niemanden von seiner individuellen Verantwortung als Werber.

  43. 43

    sunny:

    mal so daher gefragt, neuraum, hälst du es nicht für eine verbrecherische praktik, wenn yahoo die daten seiner kunden rausgibt, aufgrund von gesetzen, die die meinungsfreiheit unterbinden? bzw. mit der herausgabe der daten für einen menschen eine sehr ungewisse zeit beginnt, die schlussendlich im knast endet?

  44. 44

    M.:

    Offtopic zum Diskussionsthema, Anekdote zum Aufhänger des Artikels:

    Ich lese diesen Artikel gerade von einem regulären chinesischen DSL-Zugang aus, ohne irgendwelche Great-Firewall-Umgehungsmaßnahmen. Auch das YouTube-Video ist zugänglich.

    Die große Firewall ist deutlich durchlässiger (zumindest für deutsch- und englischsprachigen Content) als ich es erwartet hätte. Zum beliebten Thema Bedeutung von Blogs: Interessanterweise kann ich alle klassischen Newssites abrufen. Zensiert sind hingegen die großen Bloghoster und die Wikipedia(!).

    In meinen Augen hat Google richtig gehandelt. China ist in Bewegung und Abschottung, um keinerlei Kompromisse eingehen zu müssen, ist dem freien Informationsfluss auch nicht dienlich. (Ich erinnere mich dabei dunkel an Diskussionen vor vielen Jahren, ob es moralisch vertretbar sei, (als Westdeutscher/West-Berliner) in die DDR zu reisen, da man mit dem sogenannten Zwangsumtausch die DDR stützen würde.)

    Noch ein nur lose zusammenhängender Gedankengang: China ist komplex. Ich glaube, ich kenne keinen einzigen Chinesen, dem ich die hier geführte moralische Diskussion begreiflich machen könnte.

  45. 45

    sunny:

    M. , das ist doch mal ein Aufatmen. Aber letzten Endes war die DDR auch komplex und trotzdem wurden Menschen aufgrund von politischen Äußerungen eingesperrt. Ich will auch nicht länger auf China herumhacken, da die USA beileibe keinen Deut besser sind, was Meinungsunterdrückung betrifft. Aber eines möchte ich auf keinen Fall - zurück in die DDR, vorher würde ich mich erschießen und sehr genau detailliert in einem Abschiedbrief ausführen, warum ich das getan habe - basta - die DDR hat mir meine Kindheit versaut, um es mal grob auszudrücken.

  46. 46

    fpk:

    @Iris
    was eine Arroganz. Die 100 Mio. dertzeitigen Internetnutzer in China würden sich sicher bei dir bedanken, dass du dafür plädierst ihnen das Internet vorzuenthalten, bis vielleicht irgendwann keine Kommunistische Partei mehr in China herrscht.

    Hier wird im luftleeren Raum diskutiert, ohne jede Bodenhaftung. Wer sich nur ein bisschen mit China beschäftigt hat, der weiß, dass das Internet Freiheiten geschaffen hat, die sich vor 20 Jahren niemand vorzustellen wagte.

  47. 47

    hansel:

    neuraum, mit verwenden von google.com statt google.de ist es nicht getan, das google geotargeting weiss trotzdem, woher du kommst. du musst schon eine ip-adresse von google usa (oder einem anderen land) kennen (zb ueber ping seiten in dem jeweiligen land, wie zb fuer usa: http://www.fifi.org/services/.

    mathias richel, ein sehr grosser unterschied zwischen nutzung und werbung ist zb: werbung erzeugt mehr nutzung, was man von der nutzung selbst nicht sagen kann.

    ich trinke coke und esse bei mcdonalds, aber ich wuerde mir eher ein bein abschneiden, als fuer die werbung zu arbeiten oder medien mit werbung zu konsumieren. werbung wird einem ja so schon gegen seinen willen an jeder ecke aufgezwaengt. man wird einer psychischen belastung ausgesetzt, gegen die man wehrlos ist. ich bin fuer oskar roehler, wenn er sagt, dass werbung das erste waere, was er verbieten lassen wuerde, wenn er die macht dazu haette. ich kann gegen werbung im internet nur werbeblocker empfehlen, wie zb die firefox extension adblock:
    https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/10

  48. 48

    ben:

    wunderbar, dann kann man ja schnell noch Heckler&Koch und Co. ins Boot holen, die sind beim Export von Freiheit auch immer mit dabei. und genau sowenig wie yahoo Menschen verfolgt töten Waffen Menschen, es ist nämlich viel komplexer: Politiker geben Soldaten den Befehl Menschen zu töten, die nehmen sich dann die Waffen und drücken ab…

    ja klar, übertrieben, aber eine ähnliche Argumentation.

    Alles kein Problem, ihr wollt mit Werbung Geld verdienen, tut das. Dafür braucht es keine Entschuldigung, aber bitte dann auch keine Erklärung warum es gute Werbung für schlechte Dinge gibt…

  49. 49

  50. 50

    Iris:

    @fpk:

    Häh? Wie verquer ist das denn? Selber arrogant zu glauben, die 100 Mio. derzeitigen Internetnutzer in China würden sich von ein paar ausländischen Konzernen das Internet vorenthalten lassen. Wenn ich hier überhaupt für irgendwas plädiere, dann dafür, mit Diktatoren keine Geschäfte zu machen. Ja, soviel Arroganz gönn’ ich mir.

  51. 51

    Mathias Richel:

    “werbung erzeugt mehr nutzung, was man von der nutzung selbst nicht sagen kann.”

    Hallo Hansel,

    das Werbung mehr Nutzung erzeugt ist ein gewünschter Effekt, aber zunächst einer von vielen und das ist auch nicht garantiert. Meistens geht es in der Werbung um Markenbildung, die dich in deinem schon bestehenden Nutzerverhalten bestätigen soll.

    Und das Nutzung nicht mehr Nutzung erzeugt untergräbt in dieser Pauschalisierung alle erfolgreichen Social-Community-Ideen.

    Mit Pauschalisierungen kommen wir hier aber alle nicht weiter, wie man doch sehr schnell an dieser Diskussion hier erkennen kann.

    Denn natürlich kann man, wie du, Werbung generell ablehnen, dann ist das hier aber noch nicht das Thema.

    Hallo Iris,

    leider haben erst Geschäfte mit dem Regime in China dazu geführt, dass sich das Land ein Stück weit öffnen und entwickeln konnte.

    Ein China ohne Geschäfte erkenne ich in Nordkorea.

  52. 52

    Neuraum:

    @ sunny

    Das fand ich sehr, sehr schlimm. Vielleicht hat mein Kommentar einen falschen Eindruck hinterlassen, obwohl ich an meheren Stellen versucht habe, das Plädoyer für mehr Geduld zu relativieren.

    Und jetzt setze ich einen drauf und relativiere weiter: weder Yahoo! noch weitere westliche Unternehmen werden wohl in der Zukunft den gleichen Fehler begehen (wobei Yahoo! in weiteren Fällen der Beihilfe für chinesische Behörden verdächtigt wird, aber nicht mehr in der jungsten Zeit). Was nicht unbedingt für ihre Moral spricht, aber zumindest für ihr Gefühl für öffentliche Wahrnehmung.

    Gezielte Bösartigkeit würde ich Yahoo! sowieso nicht vorwerfen. Man muss das lokale Management einfach besser kontrollieren, das zu schnell von Verhältnissen im Land eingenommen bzw. korrumpiert wird (was selten in Form der direkten Käuflichkeit gegen Geld passiert, sondern in Form der bequemen Anpassung).

    Ich kenne das aus Russland, wo viele Printmedien von westlichen Verlagen kontrolliert werden und wo keine formale Zensur besteht, aber die sogenannte “innere Zensur” in den Redaktionsräumen so stark ist, dass die Leute sich zu schnell mit dem Systen arrangieren und beim ersten Telefonanruf einknicken. Was komischerweise oft überflüssig ist, die Steuerung dagegen erfordert aber ein bisschen Mumm. Und den Mumm sind die frischen “Nachwuchskräfte” überhaupt nicht gewohnt. Die Welt ist voll von Konformisten, die solange cool sind, bis sie dem Buchhalter aus dem benachbarten Flügel begegnen. So war das auch im Fall von Yahoo! Keine gewissenlose Monster, sondern Opportunisten, die wahrscheinlich der Tragweite ihrer Handlungen gar nicht bewußt waren.

  53. 53

    mikel:

    Das ganze Dilemma von Johnny liegt wohl in der Konstruktion der Dinge hier. Wenn man Redaktion, Autor und Werbeleiter (oder wie Fachfrau das nennt) in einem ist, dann kommt es zwangsweise zu solchen Konflikten, die unauflösbar sind. Das gleiche Dilemma wie in Bereichen, in denen gesponsert wird. Es zeigt aber auch unsere eigene Verquickung mit allem. Wer hat sein Hemd/Bluse heute schon daraufhin untersucht, ob da auch keine chinesischen Teile darin sind? Oder sein Auto, sein Fahrrad, die Handschuhe auf der Baustelle?

    Es liegt wie gesagt an der Konstruktion der Dinge hier. Wenn man mal angefangen hat Firmen und ihre Produkte moralisierend zu betrachten, zu gegenpropagandieren und auch noch den Ruhm der Aktion dafür einsteckt samt seit Sixtus wertlosen Award, darf sich nicht wundern, dass er als Werbeleiter daran gemessen wird und zerhackstückt, wenn er als Autor darüber schreibt, ohne als Chefredakteur dagegen anzugehen.

    Innere Transparenz wäre angesagt , Entflechtung als Autor, Chefredakteur und Werbeleiter.

    Man schreibt nicht über Kunden oder Sponsoren und auch nicht für sie. Wenn es sein muss gegen sie.

    So einfach wäre das. Es ist höllisch kompliziert sein eigener Webeleiter zu sein ;-)))

  54. 54

    hansel:

    “Und das Nutzung nicht mehr Nutzung erzeugt untergräbt in dieser Pauschalisierung alle erfolgreichen Social-Community-Ideen.”

    “Social-Communitiy-Ideen”? Nie gehoert. Link/Beispiele?

  55. 55

    hansel:

    “die DDR hat mir meine Kindheit versaut, um es mal grob auszudrücken.”

    dito

  56. 56

    Tobi:

    Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, dass das was Spreeblick hier macht bei aller Kritik, die man an der Entscheidung haben kann vielleicht auch irgendwo absicht ist?

    Was wäre wenn yahoo die Werbung rausnimmt? wegen des Artikels oder der Diskussion?

    Wäre das nicht viel mehr Öffentlichkiet für das, was passiert? Ich meine damit nicht, das man von Anfang an an sowas gedacht hat, aber vielleicht ja jetzt, denn der Artikel ist nicht pro dessen, was yahoo in china macht.

    Nur ein gedanke.

  57. 57

    Mathias Richel:

    @Hansel:

    Auch wenn es nicht zum Thema gehört, hier nur die wahllose
    google-Suche zum Thema

  58. 58

    Neuraum:

    @ hansel

    Doch, es hilft. Notfalls noch “hl=de” gegen “hl=en” im query string auswechseln, dann nervt die Kastrierung der Suchergebnisse definitiv nicht mehr. Es gibt keine Kontrolle über die IP-Adressen bei Google: ich hab’s gerade über einen ausländischen Proxy nachgeprüft.

  59. 59

    hansel:

    @Mathias Richel

    auf Wikipedia gibts dazu nichts, weder en noch de, also gehe ich davon aus, dass es sich dabei nicht um einen wissenschaftlichen Begriff handelt. Ich nehme an, dass damit sowas wie “Mundpropaganda” gemeint ist, was aber meines Erachtens nicht zur Nutzung an sich gehoeren wuerde.

  60. 60

    Johnny:

    #40, Lana: Kannst du mir bitte die Quelle nennen, aus der der Name des Tank Man stammt und die bestätigt ist? Danke dir.

  61. 61

    Iris:

    @Mathias Richel:

    leider haben erst Geschäfte mit dem Regime in China dazu geführt, dass sich das Land ein Stück weit öffnen und entwickeln konnte.

    Und weißt Du genau, dass dieses Regime China überhaupt in absehbarer Zeit noch regieren würde, wenn überhaupt keiner Geschäfte damit gemacht hätte? Ich persönlich nehme an, dass dieses Regime ausländischen Unternehmen wohl kaum aus lauter Nettigkeit entgegenkommt, sondern weil diese Geschäfte auch in ihrem Interesse sind, resp. ihrer Machterhaltung dienen.

  62. 62

    hansel:

    “das Werbung mehr Nutzung erzeugt ist ein gewünschter Effekt, aber zunächst einer von vielen und das ist auch nicht garantiert. Meistens geht es in der Werbung um Markenbildung, die dich in deinem schon bestehenden Nutzerverhalten bestätigen soll.”

    Dann wuerde ich es etwas abwandeln und sagen: Werbung ist Gehirnwaesche, Nutzung nicht. Das heisst, Werbung redet einem staendig Sachverhalte ein, die unwahr sind, indem sie bewusst Mythen konstruiert. (siehe auch: Roland Barthes, Mythen des Alltags, Suhrkamp)

    Aber es stimmt, ist vielleicht nicht ganz On-Topic (nur ein bisschen).

  63. 63

    Mathias Richel:

    @Iris:

    ich glaube, beides ist richtig. Natürlich spürt das Regime einen Handlungsdruck, andererseits profitiert die Bevölkerung (sicher nur einige Teile dieser, viel weniger zum Beispiel die Landbevölkerung) auch von dieser Öffnung.

  64. 64

    sunny:

    tobi, das glaube ich auch, habe ich irgendwo oben in den kommentaren geschrieben.

    neuraum, genau - du weist was ich meine - opportunisten. ich kann mir vorstellen, dass man als anfänger in china plötzlich sehr schnell den mund hält, was aber quatsch ist. sehr schönes beispiel, das mit forbes.

    hansel - das ist hier nicht thema.

    iris - stimme dir zu.

    so und jetzt will ich nen chefredaktionsposten.

  65. 65

    maria:

    @marcelweiss: fast. Warum?

  66. 66

    dr. cox:

    @stefan (3), Stefan:

    fuer mich macht der satz absolut sinn. warum haeltst du ihn fuer totalen quatsch? ne begruendung waere sehr hilfreich…

    nicht jeder werbekunde hat scheisse auf dem konto? mag sein, da faellt mir spontan Greenpeace ein. keine ahnung ob die hier werben wollen…

    aber du scheinst ja mit vielen anderen in einer welt zu leben, in der du dich restlos von firmen abwendest die dreck am stecken haben. ich nehme an du hast nie coca getrunken, nie chiquita bananen gegessen, nie mit nem mercedes gefahren, nie bei esso getankt, nie ein konto bei der deutsche bank gehabt, nie produkte gekauft von BASF, bayer, hoechst, nestlé, siemens… usw…

    jeder kleine, noch so alternative punk macht sich zum teil des perversen systems, wenn er auch nur ne dose bier kauft…
    kommt schon, geht durch eure eigene bude und sagt mir, ihr koennt euch voellig davon distanzieren! dann kommt zurueck ins internet (kann man der uebermittlung glauben schenken, eine erfindung des amerikanischen militaers) und pruegelt weiter auf Spreeblick ein!

    zusammenfassend: ich verachte die machenschaften des chinesischen regimes und ALLER ihre mutmasslichen helfer! moechte nur gesagt haben, dass wir kleine leser und bloger, aufgrund der weltweiten, undurchschaubaren vernetzung, nicht die moeglichkeit haben auch nur annaehernd grenzen zwischen gut und boese zu ziehn. und ich glaube das in Johnny’s statement gelesen zu haben.

  67. 67

    hansel:

    sunny, ich finde schon, dass es ein integraler Bestandteil dieser Diskussion ist, festzustellen, in wie fern sich Nutzung von Werbung unterscheidet.

    Ansonsten duerfte man ja so gut wie nichts mehr kaufen/nutzen, wenn man ausschliessen wollte, jeglichen Genozid zu unterstuetzen, da alles im freien Markt miteinander verzahnt ist, und diese Beziehungen auch immer mehr werden.