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Bundesliga-Spieltag 28: Ede Geyer, Dohmen und Tick, Trick & Track


Super Symbolbild: Lucio nach dem Abpfiff. Mehr Betrachtungen zum Spieltag nach dem Klick.

Arminia Bielefeld — Bayern München 0:1
Die Augenringe des Jürgen Klinsmann sind schon beinah hitzfeldesk: Wenn Bayern noch drei oder vier Mal verliert, darf er vielleicht nach der nächsten WM schweizer Nationaltrainer werden.. Je roter der Kopf des Uli Hoeneß, desto dunkler die Augenumrandung des betreffenden Trainers.
(Nur bei Magath hat man das nicht feststellen können, was maßgeblich an dessen karottensaftbraunem Teint liegt.)
Aber obwohl momentan Toni aus fünf Metern Strand das Meer nicht trifft, wird uns die Mumifizierung Klinsmanns leider erspart bleiben, wegen Minute 58 diesmal: da hat Ribéry über Tonis Stirn als Bande getroffen, während die Hälfte der Bielefelder Spieler mit dem Schiedsrichter diskutierten, ob man Tüten links oder rechtsrum richtig dreht.
Nächste Woche dann Schalke und wieder sehr viele lustige Gesichtsausdrücke von Hoeneß, Lucio und Luca Toni. Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen.

FC Schalke 04 — Energie Cottbus 4:0
Nein, dazu sag ich nichts, das ist nicht gut für meinen Blutdruck, ich darf da überhaupt nicht dran denken, wie dämlich Cottbus sich diese Saison anstellt, Himmel, da könnte ich mich aufregen, und immer wenn ich mich aufrege, erscheint mir der Ede Geyer im Schlaf danach, nackt, und will mir die Haare grün färben, die Schamhaare, fürchterlich, ich darf mich nicht aufregen. Dieser furchterregende Ede Geyer. Die Lücken zwischen seinen Zähnen sind ja auch fast so groß wie der Abstand zwischen den cottbussern Innenverteidigern.
(Das Schalker Spiel hingegen: Kombiniere, kombiniere! Büskens und Mulder, das Tick, Trick und Track der Bundesliga: nur, dass die statt Mützen viel lustigere Frisuren tragen. Rührend auch die Traube um Engelaar, der für seine Flanke zum 4:0 beglückwünscht würde, als wäre er Vater geworden. Von Drillingen. Eisbärdrillinge. Ist hat doch ein sehr pathetischer Verein, dieses Schalke.)

1. FC Köln — VfB Stuttgart 0:3
Mario Gomez sieht in der Nationalmannschaft immer aus, als würde er ein Hünengrab nachstellent wollen; das kann er ganz gut, dafür hat er die passende Statur. Bei Stuttgart allerdings ist der Ball sein Freund, und zwar sein Busen-, Leib- und Magenfreund, nicht so ein alberner Brieffreund in Tokyo. Dass sich die Kölner Hintermannschaft aber anstellt wie ein Philatelistenkongress im Windkanal, hilft natürlich: und die völlig selbstlosen Mitspieler auch. Selbstlosigkeit gilt ja nicht als Grundtugend des Schwaben, aber ach. Doch.
(In der Sportschau hat der Kommentator “ždie Anschleicher vom Neckar” zu den Stuttgartern gesagt.)

VfL Wolfsburg — Bayer Leverkusen 2:1
Ehrlich gesagt, die müssen jetzt auch nicht dringend nur deswegen Meister werden, damit es die Bayern nicht werden. Lieber wäre mir, wenn sich mal ein investigativer Journalist an Magaths Teeglas wagen würde, um ihm ein bisschen Küstennebel unterzujubeln.
Aber wenn sie es sich verdienen, soll doch der Magath einen neuen Suppenteller kriegen. Der Blick von Manuel Friedrich nach dem Elfmeterpfiff, der dem 1:0 vorausging: als hätte man ihm sein eben zum siebten Geburtstag geschenktes Fahrrad geklaut, eines mit bunten Bändern am Lenker. Dass Wolfsburg dann nach dem Ausgleich nicht, wie sagt man? Aufgesteckt (Haare zum Beispiel) hat, ähnlich wie letzte Woche, liegt ja auch nicht nur an der Moral, sondern an der Kraft. Magaths Mannschaften sind ja immer fit wie ein Radieschen, um am Ende rennen sie die Gegner im Zweifel tot.
Wir werden sehn.

VfL Bochum — Borussia Dortmund 0:2
Dortmund, die Mannschaft, die die ganze Saison über nicht so genau wusste, naja was weiß ich, eher ein bisschen unentschieden, trallala, hat zum Saisonende offensichtlich ein wenig Obama gespritzt gekriegt und — da müsste jetzt irgendwas mit Siegermentalität stehen. Siegermentalität my ass. Ich zitiere aus dem Gedächtnis diesen seltsamen Psychocoach, der ein Buch geschrieben hat über das Siegergen oder so einen Kram, und völlig ironiefrei von der FAZ gefragt wurde, ob man das trainieren könne, und er völlig ironiefrei antwortete, ein bisschen zumindest, und fragt man sich schon, was so und insbesondere dieser Psychocoach im Schädel hat außer ein paar Seifenblasen, die hin und wieder pluff machen.
Pluff, so hab ich auch gemacht, als ich Valdez”˜ 2:0 gesehen habe, ein Hauch von Diego legte sich über mein Wurstbrot. Das der sowas kann, der hat doch seine Beine sonst nur zum Grätschen, wie man bei anschließenden seinerseitigen Versuchen, den Ball zu kontrollieren, genau sehen und konstatieren und feststellen konnte. So ein flüssig-fluffiges Tor nach einer Magendarminfektion, Moral: Egal, ob Krankheit oder Fußball, wenns erstmal läuft, dann läufts. (Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß passt hier zwar in einer Hinsicht auch ganz gut; aber in anderer Hinsicht nicht, darum solls auch gar nicht weiter breitgetreten werden.)

Eintracht Frakfurt — Borussia Mönchengladbach 4:1
Man muss der Borussia schon allein dafür dankbar sein, dass sie Pressetermine mit Hans Meyer ermöglicht, deren Ergebnisse zum Unterhaltsamsten gehören, was Sportseiten so hergeben. (Außer, Bayerns Pressesprecher meldet sich zu Wort. Oder Peter Neururer.) Umso erstaunlicher, wie humorlos Meyer spielen lässt, wie dröge und unattraktiv. Wäre das Gladbacher Spiel eine Person, sie hieße Edmund Stoiber. Der Spielwitz ist da ein wenig kurz geraten, knapp über einsfuffzig genau genommen, fragwürdige Frisur allerdings, die aber zur Nase passt irgendwie. Marin heißt er, kennt man ja. Die knapp über einsfuffzig Spielwitz mit Tölle lagen heute zwar zwei Mal im Frankfurter Strafraum rum, was zwei Elfmeter brachte, was ein Tor brachte, was nicht reicht, zu gar nichts reicht. Was wohl auch zukünftig nicht reichen wird, die Äpfel, die die Bundesliga sind, hängen zu hoch, oder die Trauben, oder die Sterne, ist ja auch egal. Aber auch ohne Marin hat Gladbach nächstes Jahr eine passable Zweitligamannschaft.
Karlsruher SC — 1899 Hoffenheim 2:2
Ich glaube ja, Hoffenheim hat keinen Bock mehr. Der KSC ja auch nicht. Trotzdem vier Tore, und man höre und staune: Karlsruher Stürmertore. Was es nicht alles gibt. Wortspiele mit dem Namen Freis, Spottreime beispielsweise, sind zu einfach, um hier angebracht zu werden.
(Rolf Dohmen sieht ja auch so aus, als hätte er die letzten drei Wochen in einem Erdloch verbracht. Der Nase nach zu urteilen, mit einem Fässchen Rotwein. Oder dreien.)

Die Bundesligarückschau findet von heute an bis Ende der Saison jeden Samstag statt.

18 Kommentare

  1. 01

    schön, dass fooligan wieder da ist. aber warum nicht bei fooligan?

  2. 02

    Ich liege lachend auf dem Boden. Danke für den letzten Absatz, ich hätte sonst gebettelt, dass ich das jeden Samstag serviert bekomme.

  3. 03

    Großartiger Artikel mal wieder! Bitterböse, so macht Fußball(fan sein) Spaß.

    ein kleiner Typo ist drin: [STRG]+[F] “haswte”

  4. 04
    Stefan

    Da hat sich aber einer von der alternativen Liste bei SPOX inspirieren lassen :-) Schätz’ ich… Falls nich, auch egal: Sehr unterhaltsam!

  5. 05
    vib

    “Dass sich die Kölner Hintermannschaft aber anstellt wie ein Philatelistenkongress im Windkanal, hilft natürlich.”
    Ja, was habe ich gelacht. Bedankt.

  6. 06
    Les More

    Du bist nicht witzig. Aus. Peinlich, dass du dir ausgerechnet Fußball aussuchst, um zu demonstrieren, dass du es nicht bist. Bleib lieber bei deinen pseudointellektuellen Städtebetrachtungen, du Troller für Arme.

  7. 07
    bEn

    @ 06
    1. ist das wohl eher eine Einzelmeinung und
    2. kann man das auch sagen ohne gleich beleidigend zu werden.

    Mir hats gefallen. Aber wirklich mal, warum nicht bei Fooligan?

  8. 08

    Ja, warum nicht fooligan? Einfach damit hier wenigstens einmal in der Woche mal wieder was lesenswertes erscheint, darum.

    Wenn Lucio den Mund aufmacht und man den Ton nicht hört, erinnert mich das übrigens auch immer an eine Ente. Auf, zu, auf, zu…

  9. 09
    Andremoda

    Tolles Bauchmuskeltraining!

    Mehr davon!

  10. 10

    Doch, sehr fein kommentiert. Ich meine, Stoiber und Wurststulle in einem Fußballpost — muss man erst mal hinkriegen!

  11. 11

    und Fußball kann doch unterhaltsam sein! Kommentator #6 allein auf weiter Flur…

  12. 12

    “Die Bundesligarückschau findet von heute an bis Ende der Saison jeden Samstag statt.”
    Aber warum?
    Zwingt man dich?

  13. 13
    Frédéric Valin

    Warum nicht bei Fooligan? Weil ich es momentan nicht schaffe, ein Fußballblog zu füllen, und samstägliche Betrachtungen allein für ein Blog eher dürftig sind. Fooligan bleibt mehr oder weniger als Archiv stehen: Und wir haben während der EM versucht, ob Spreeblick und Fussball zusammengeht. Da das geht, haben wir uns gedacht, machen wir die Samstagszusammenfassungen eben zum Sportblick.

    @jens: Nee. Warum?

  14. 14
    Frédéric Valin

    @lars von lerex: Danke! Traditionell sind in den Bundesligarückschauen immer drei bis vier Tippfehler drin, an denen kommt man eigentlich kaum vorbei.

  15. 15
  16. 16
    DonJay

    richtig, nicht witzig. Fußball steht euch nicht . Und WAS ist mit den Sonntagsspielen?

  17. 17
    Frédéric Valin

    @DonJay: Aber netter Versuch, dieses: Ihr könnts nicht, aber macht zu wenig Dingens.

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