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Mehr AppStore-Unsinn: Apple, get a grip!

Die Nervereien um Apples Politik bei den Zulassungen von iPhone-Programmen im AppStore, dem integrierten Download-Shop des Geräts, hören nicht auf. Nach Trent Reznor und vielen anderen hat es nun auch unseren Freund und Spreeblick-Cartoonisten Craig Robinson erwischt.

Craig ist Erfinder der Minipops, einer Serie von inzwischen weltberühmten, pixeligen Karikaturen bekannter Menschen. Die Minipops gibt es nicht nur auf Craigs Website, sondern auch als erfolgreiche Buchveröffentlichung (“>hier der Amazon-Partnerlink).

Als Apple-Fan und iPhone-Nutzer arbeitete Craig nun seit einigen Wochen an einer Minipops-iPhone-Applikation, die 1.000 Minipops zeigt, jede einzelne davon hat Craig mit einem kurzen Satz und mit dem ihm eigenen, sehr britischen Humor beschrieben.

Und Apple lehnte die Applikation ab. Die Begründung:

Thank you for submitting Minipops 0.9 to the App Store. We’ve reviewed Minipops 0.9 and determined that we cannot post this version of your iPhone application to the App Store because it contains content that ridicules public figures and is in violation of Section 3.3.12 from the iPhone SDK Agreement which states:

“Applications must not contain any obscene, pornographic, offensive or defamatory content or materials of any kind (text, graphics, images, photographs, etc.), or other content or materials that in Apple’s reasonable judgement may be found objectionable by iPhone or iPod touch users.”

Craig wird nun einige Bilder entfernen und das Programm erneut einreichen.

Selbstverständlich steht es Apple zu, selbst zu bestimmen, welche Programme über den AppStore vertrieben werden können und welche nicht, und moralische Entscheidungen sowie die Unterscheidung zwischen Satire und Diffamierung sind auf einem weltweit zugänglichen Marktplatz sicher nicht immer leicht zu treffen. Dennoch kommen mir Apples Entscheidungen immer alberner vor. Etwas mehr Vertrauen in die meist erwachsenen Benutzer, ein Stück mehr Mut und vor allem ein differenziertes Sichten und Einschätzen der eingereichten Applikationen sind dringend nötig. Verbaut Apple weiterhin Künstlern den Weg in den AppStore, verpasst das Unternehmen eine enorme Chance und damit auch Einnahmen.

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22 Kommentare

  1. 01
    Hendrik

    Apple könnte natürlich auch das iPhone als Hardware verkaufen und die Software über beliebige Kanäle dorthin kommen lassen und nicht nur exklusiv über den AppStore, dann gäbe es diesen Schwachsinn nicht.

    Doch das kann Apple nicht machen, denn genauso wie bei der Kopplung des iPods an iTunes läuft das Geschäft nur deswegen so gut, weil Apple eben die volle Kontrolle über alles behält – oder es zumindest versucht -, was im Zusammenhang mit den Hardware-Plattformen steht.

    Ach ja, Apple, Hort der Freiheit.

  2. 02
  3. 03

    @Frank: Danke! Passiert mir immer.

    @Hendrik: Apple war noch nie “Hort der Freiheit”, siehe iTunes und iPod. Dennoch gibt es durchaus plausible Gründe für Walled Gardens, die natürlich auch mit Monetarisierung zu tun haben, von der auch die Entwickler etwas haben, aber nicht ausschließlich. Ich empfehle hierzu immer wieder “The Future Of The Internet (And How To Stop It)” von Jonathan Zittrain (Amazon-Partnerlink, schamlos!), der sehr fein beschreibt, warum Unternehmen aufgrund von Spam, Viren und anderen System-Attacken im Moment den “geschlossenen” Weg vorziehen. Gleichzeitig sucht er Wege zurück in die “Freiheit”.

    Und: Ich teste seit Erscheinen Android und den dortigen Marktplatz, der sicher weit freier ist als der AppStore. Aber auch dort bezahlt man, vielleicht nicht sofort mit Geld, aber mit der Abgabe sämtlicher Daten an Google (die Daten liegen auch bei Apple vor, nur basiert Apples Geschäftsmodell nicht auf höchst personalisierter Werbung). Und bis bei Android auch nur annähend brauchbare Apps auftauchen, wird es aber noch eine Weile dauern, das Fehlen einer Qualitätskontrolle fällt dort extrem auf.

    Selbige darf aber nicht zu einer inhaltlich albernen Kontrolle werden, und ich hoffe, dass Apple dem Druck der Entwickler, was solchen Unfug angeht, bald nachgibt. Apple ist nicht “besser” als andere Unternehmen, in manchen Bereichen gilt das genaue Gegenteil. Dennoch sind die einige Produkte um Längen durchdachter als andere.

  4. 04
    Andreas

    Womit wir eigentlich zu der viel wichtigeren Frage kommen: darf ein Hersteller eines Gerätes zur Anzeige von Inhalten über die Inhalte bestimmen, wo doch gerade diese Geräte heutzutage das Buch, die Zeitung etc. ablösen sollen?

    (ja, ich weiss, dass man Inhalte auch anders auf das iphone bekommt, nicht nur als app, aber hier ist ja fast schon von einem vertriebsmonopol auszugehen)

  5. 05

    @Andreas: Im eigenen Vetriebskanal darf ein Unternehmen das selbstverständlich. In meinem eigenen Laden bestimme ich das Sortiment. Nachvollziehbare Kriterien wären dennoch sinnvoll.

    Sollte Apple beginnen, Web-Inhalte zu zensieren, wäre das eine andere Kiste, bzgl. des AppStrores aber kann man nur appellieren, Druck aufbauen und hoffen.

  6. 06
    ovit

    das riecht doch leicht nach zensur!

  7. 07
    Interessent

    Wie isn. die Lizenz von den Dingern auf seiner Page? Find leider nichts ob copyright, cc, copyleft etc.

    Find die sehr geil und würd se evtl verwenden wollen, wenn mgl.

  8. 08

    …hat hier jemand android gesagt…?

    update: ah, in den comments. die les ich doch über feed nie mit…

  9. 09

    @Interessent: Ich würde mich mit solchen Fragen an den Urheber wenden, das soll enorm sinnvoll sein, hört man. ;)

  10. 10
    Daniel

    Der Amazon-Partnerlink funktioniert übrigens nicht…

  11. 11
    Hendrik

    (nicht der Hendrik von (1))
    Apple sollte sich, nach allem was man so hört wohl ohnehin erstmal damit beschäftigten die App-Entwickler zu bezahlen deren Produkte sie zugelassen haben. Bis da etwas passiert würde ich ohnehin nichts einreichen.

  12. 12

    http://procrastinating.de/archives/2009/05/12/1984/

    da gabs heute schon was.

    stalker app fürs iphone

  13. 13

    Ich kann da nur sagen: Vote with your Wallet ! Das einzige, was Firmen letztendlich kratzt, ist ihre bottom line, d.h. Geld. Was das für den Konsumenten heißt, wissen wir wohl alle – kauft mehr Bio usw. “¦ Hier geht es aber um (Mit-)Produzenten und dazu fällt mir nur ein: Lasst die Finger von der Plattform ! Ein Bekannter hat einmal versucht für Symbian einen Wikipedia-Reader zu entwickeln und ist auf vergleichbaren Hürden (irgendwas mit Softwaresignatur und Geld) aufgelaufen – heute entwickelt er auf einer freien Plattform (PyNeo). Mit jeder exklusiven Anwendung für eine Plattform steigt deren Attraktivität – also, warum genau lässt sich Craigs Anwendung nicht als Web-App realisieren (würde dann ja trotzdem gehen auf dem Iphone, via Safari) ?

  14. 14
    marcus

    Ich hoffe einfach, dass Apple in solchen Fällen lockerer wird, wenn es Parental Control auf dem iPhone geben wird.
    Die meisten Ablehnungen sind nicht einem Kontrollwahn, sondern einfach der Angst von lauten Interessengruppen geschuldet, die Stunk wegen eines Bildes wie dem obigen machen.
    Lieber lässt Apple 20 gute apps draußen als dass sie sich eine schlechte reinholen.

  15. 15

    ja, die auswahl wirklich oftmals willkrürlich. Ich gehe mal davon aus, dass das jedesmal andere Leute sind die dort entscheiden was reinkommt und was nicht…

  16. 16

    Ist doch eh komisch. Da ist das iPhone schon ein Gerät, das damit prahlt, das ‘echte’ Netz anzeigen zu können. Gleichzeitig gibt es für jeden Quatsch eine spezialisierte Application.

  17. 17

    Ich nehme an, Craig will diese App kostenlos anbieten? Warum macht er das dann überhaupt auf diesem Weg? – Apple bietet ja ebenfalls eine Form von subsidiären Desktopapplikationen für iPhone an, nämlich die Webapps.

    Damit könnten doch die Inhalte ebenfalls ein Symbol auf dem iPhone-Desktop erhalten, wenn es ihm darum geht. Ansonsten soll er halt seine Webseite tauglich für mobile Browser machen, und dort den Hitler anzeigen lassen, wenn er Wert drauf legt.

    In beiden Fällen würde er Apple vor Augen führen, wie sinnlos deren Unterfangen eigentlich ist, bzw. wie doppelmoralisch man sich eigentlich gibt. Nebenbei wären eine Webapp oder eine über CSS angepasst Webseite weitaus einfacher noch zu realisieren als die Cocoa-programmierte iPhone App.

  18. 18

    @Alexander Trust: It’s not going to be free. The price we want to sell it for is USD 2,99.

  19. 19

    @partikelfernsteuerung
    Das “echte” Netz. Dafür ist doch der Webbrowser zuständig. Für alle anderen gibt es doch die spezialisierten Programme. Es gibt auch für das Desktop-MacOS X viel Quatsch.

    Sollten denn jede Programme zugelassen werden? Wie sähe denn eine vernüftige Entscheidung seitens Apple aus? Und gäbe es dann noch mehr Programme, wie dieses Babyschüttelprogramm?

  20. 20
    Jan(TM)

    Neues aus Absurdistan:
    Ich kaufe mir heute das App Lyrics von Tarento Software. Hübsch – die Texte stammen von http://www.lyricswiki.com , sieht auch recht nett aus. Meine Nichte spielt auf ihrer Gitarre und ich singe mit, gut das Lied das ich suchte gabs nicht – kann ich ja später ändern dank wiki. Blätter paar Fields of the Nephilim Texte durch … läuft super. Dann lieg ich so rum und will “No milk today” trällern – fein, Lyrics gestartet, findet auch den Text, klicke auf Anzeigen – hä? “STOPP! Explicit lyrics!”(ok nur so ähnlich).
    Leicht sauer hab ich mich abends beim Hersteller http://www. moop.me umgeschaut, super Apple verlangt einen Filter für Songtexte – obwohl man die Lieder problemlos in iTunes kaufen kann. Die haben aber zum Glück eine Funktion eingebaut um den Filter abzuschalten. Bin mal gespannt wie lange das gut geht.

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