Archiv

30

Digitale Bildungspolitik: Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach

„Die wollen doch nur helfen – oder?“ betitelt SpOn einen Artikel über das vermeintliche Engagement von Firmen wie Lego, Google oder Apple an deutschen Schulen.

Schlagzeilen, die mit „oder?“ enden, sind ja generell schon eine Notlösung, sie spiegeln (haha) investigative journalistische Arbeit vor, wo keine ist. Leserinnen und Lesern soll in diesem Fall suggeriert werden, dass die genannten Unternehmen selbstverständlich nicht helfen, sondern unsere wehrlosen Kinder mit fiesen Methoden infiltrieren und zu von US-amerikanischen Produkten abhängigen Vollidioten machen wollen. Außer Lego, denn die sind dänisch, führen aber trotzdem nichts Gutes im Schilde. Weil Roboter.

Nun gibt es durchaus viel zu beachten bei privatwirtschaftlichem Engagement an Schulen, inhaltsleere und schlecht recherchierte Artikel wie der genannte tun das aber nicht, sondern verbreiten in erster Linie Vermutungen voller Konjunktive.

Und vor allem fehlt der wichtigste Satz in diesem Zusammenhang:
Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach.
Read on my dear…

19

Autokorrektur

In Gesprächen behaupte ich immer gerne, ich würde mich nicht für Autos interessieren.

Dann erzähle ich von meinem ersten Wagen (einem Renault R4, wie dieser hier, aber in hellblau) oder von meinen diversen echten, also Nicht-BMW-Minis (ich hatte genau so einen Mini Cooper in British Racing Green und später einen gebrauchten, der ein Loch im Boden hatte, durch das man die sehr nahe Straße beobachten konnte). Ich berichte auch nur halb-ironisch davon, dass ich eigentlich gerne in einem kleinen britischen Zweisitzer herumfahren würde.
Read on my dear…

16

Why not make Google non-profit?

Es gibt eine etwas kürzere, deutschsprachige Version dieses Textes drüben bei WIRED.

Along with several activists and journalists, I recently had the pleasure of being invited by Google to a meeting with Vint Cerf, whose name should make any German smile when spoken aloud. Mr. Cerf is an incredibly likeable, eloquent and well dressed gentleman with a biography and list of achievements that makes you feel not worthy.

As one of the developers of TCP/IP, he is rightfully recognised as one of the „fathers of the internet“. Since 2005, Cerf is also Vice President and Chief Internet Evangelist of Google.
Read on my dear…

12

Wie Familienministerin Manuela Schwesig und andere Politikerinnen und Politiker keine Werbung für die Deutsche Bank machen: #einheitsmomente

db_einheitsmomente_sm

Die Deutsche Bank (weltberühmt durch Zinsmanipulationen, Verdacht auf Devisen-Tricksereien und Manipulationen beim Gold- und Silberpreis, Mitschuld an der Finanzkrise, Anklage wegen möglicher Verstöße gegen die amerikanischen Wertpapiergesetze und andere #einheizmomente) hat also eine neue Werbekampagne. Unter dem Hashtag #einheitsmomente freuen sich Prominente über die Wiedervereinigung. Mit dabei sind auch einige (Ex-) Politikerinnen und Politiker, u.a. Aydan Özoğuz, Wolfgang Thierse, Petra Pau und die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. Siehe Screenshot oben.
Read on my dear…

31

And U2, Apple?

Über die neuen Apple-Produkte wurde wie immer nach der Vorstellung sehr viel geschrieben von sehr vielen Menschen, die die Geräte noch nie in der Hand hatten, geschweige denn ausprobieren konnten. Der Vollständigkeit halber mache ich die kurze Runde:

1) iOS 8 ist prima.
2) Größere iPhones sind eigentlich Mist, betrachtet man speziell das 6+ aber als kleineres iPad und beachtet, dass manche von uns inzwischen mehr mit einem Smartphone o.ä. arbeiten als mit einem Laptop oder, haha, einem Desktop-Rechner, geht die Sache vielleicht doch auf. Mal abwarten, wie sich die Dinger mit einer Hand bedienen lassen.
3) Die Apple Watch wird besonders mit den vermutlich sehr teuren Varianten am Markt funktionieren, Apple hat nämlich a) erkannt, dass eine Armbanduhr in erster Linie Luxusgegenstand und Schmuckstück ist und b) auf spezielle, bei anderen Smartwatches fehlende Funktionen geachtet. Pulsschläge und Mini-Scribbles statt SMS werden Menschen auf eine neue Art kommunizieren lassen. Meine Prognose: Wir werden die Dinger lieben, Stars und Sternchen werden nicht mehr ohne gehen.

Natürlich kann man tolle Gadgets in Zeiten der Totalüberwachung aber sowieso nur noch mit einem gleichzeitigen Magengeschwür feiern. Da ich kein Magengeschwür will, feiere ich nicht, sondern gehe auf einen anderen sehr diskussionswürdigen Teil der Präsentation ein: Die Apple-Kooperation mit U2.
Read on my dear…

3

FIFA und die WM (John Oliver)

Das ist so bitter und unfassbar wie grandios vorgetragen, was John Oliver da in seiner HBO-Show „Last Week Tonight“ über die FIFA und die WM in Brasilien zusammenfasst. Alles passt: Fußball ist eine Religion.

[Danke, Martina!]

3

John Lurie unterhält die CIA

john lurie

Da lacht er, und wir lachen mit: John Lurie führt großartige Monologe mit der CIA („We go where others cannot go“), die seit gestern (!) einen offiziellen Twitter-Account betreibt und mit ihrem durchaus witzigen ersten Tweet aus dem Stand eine halbe Million Follower generiert hat. Die Angabe, dass die CIA selbst nur 25 Twitterern folge, wirkt übrigens in diesen Zeiten auch sehr lustig.

Nicht halb so lustig wie John Lurie allerdings, denn der unterhält sich seit gestern konstant und beinahe ausschließlich mit dem Account der CIA, nachfolgend ein paar Perlen.

Read on my dear…

7

Im Jahr Eins nach Snowden

Viel ist geschrieben worden für den heutigen Jahrestag der ersten Veröffentlichungen durch Edward Snowden, kaum noch etwas bleibt den vielen guten Texten hinzuzufügen. Fehlen tut mir dennoch einiges, und damit adressiere ich nicht einmal die Regierungspolitik, von der ich gar nichts mehr erwarte nach den Lügen der vergangenen Monate.

Read on my dear…

13

Wie YouTube das andere Spotify werden will und warum das nicht jedem gefallen könnte

busking

Dass Google mit YouTube einen neuen Abonnenten-Musikservice starten will, der dem Modell von Spotify sehr ähnlich sein soll, ist bekannt. Genauso wie die Tatsache, dass dieser Start 2013 noch nicht stattfand. Vielleicht wird es ja was in diesem Jahr, vielleicht schon im Sommer, und vielleicht wird das neue Produkt dann Music Pass heißen.

Vielleicht werden aber nicht alle Songs bei diesem Dienst erhältlich sein. Gerüchten zufolge gibt es hinter den Kulissen einigen Unmut bei den Indie-Labels, die sich u.a. bei der Digitalrechteagentur Merlin sammeln, denn angeblich bietet YouTube den Labels als Vergütung für Streams oder Plays weniger als die Hälfte dessen an, was Spotify momentan zahlt. Zudem möchte YouTube die Auszahlungen vom eigenen Werbeumsatz abhängig machen, bezahlt werden soll also nur, wenn YouTube auch genug Werbung verkauft hat – was auch immer das bedeutet. Viele Indie-Labels wollen das nicht mitmachen und haben daher wohl die von YouTube benötigten Verträge noch nicht unterzeichnet.

Anders sieht es bei den Majors aus, den großen Playern im Musikgeschäft. Vivendi SA (früher Vivendi Universal) soll an Bord sein, Sony und Warner ebenfalls. Denn selbst, wenn von YouTubes neuem Dienst nur wenig an die Labels und damit auch an die Künstler geht, fließt an die Majors jede Menge Geld.

Irrsinnige Summen rauschen durch die Gerüchteküche. Über eine Milliarde Dollar soll Google als Vorschuss für kommende Umsätze der nächsten fünf Jahre an Universal/Vivendi zahlen, mehr als 400 Millionen an Sony, über 200 Millionen an Warner. Alles Gerüchte, wie gesagt, doch die Größenordnungen könnten stimmen. Und so könnte es passieren, dass die Großen Verträge unterzeichnen, die den Kleinen nicht geheuer sind.

Denn wenn die Gehälter von CEOs der Big Player umsatzabhängig sind, sorgen ein paar hundert Millionen für ein feines Taschengeld in der Chefetage.

15

Große Seeschlachten: Von Wikipedia bis C.H.Beck (Update)

UPDATE 29. April 2014 Es gibt hier ein offizielles Statement als PDF vom Verlag C.H.Beck zu der unten folgenden Sache. Die Analyse ist umfangreich, das Resultat kurz: „Aufgrund der Prüfung hat der Verlag beschlossen, das Buch nicht weiter auszuliefern.“ Dennoch lohnt sich die Lektüre des gesamten Statements. (Dank an @telemedicus!)

Ich bin sehr vorsichtig geworden, wenn es um wirkliche oder angebliche Skandale im Bereich von Urheberrechten und deren Verletzung geht. Ohne lange Recherche kommt man der tatsächlichen Wahrheit selten nahe.

Tatsächlich sieht es aber ganz so aus, als wäre die Entdeckung von Arne Janning, die er hier öffentlich auf Facebook dokumentiert und diskutiert, den ein oder anderen Medienartikel wert. Denn Arne weist nach, dass das geschichtswissenschaftliche Werk „Große Seeschlachten: Wendepunkte der Weltgeschichte von Salamis bis Skagerrak“ der Autoren Arne Karsten und Olaf B. Radar in offenbar sehr großen Teilen wörtlich und teilweise inklusive Fehlern aus der Wikipedia abgeschrieben wurde. Ohne, dass die Autoren darauf hinweisen. Diese Meldung findet sich mittlerweile auch in erzürnten Amazon-Rezensionen des Buches wieder.

Read on my dear…

13

Spotify-Playlists: Musikmoderation digital

Nachdem mein Artikel über Einnahmen aus dem digitalen Musikbereich jede Menge Interesse geweckt hat, wird es ein paar Updates zum Thema geben. Heute soll es um Playlists bei Spotify und anderen Streamingdiensten gehen, die mittlerweile eine markt- und somit verkaufsbeeinflussende Stellung erreicht haben.
Read on my dear…

71

Das verdient man mit Musik im Netz

UPDATE Ich habe am Ende des Artikels Links nachgetragen und noch ein paar Sätze zum Thema CD-Verkäufe getippt.

UPDATE Ich habe hier noch einen Nachtrag zu diesem Artikel geschrieben.

Debatten, Vermutungen und Gerüchte gibt es genug rund um die Einnahmen, die man mit digitaler Musik generieren kann. Unsere Band Plan B liefert nun ein paar genaue Zahlen, denn wir sind nicht nur Musiker, sondern auch Label.

Und dazu gibt es ein paar schicke Fotos von Gregor Fischer.

Read on my dear…