12

Wie Familienministerin Manuela Schwesig und andere Politikerinnen und Politiker keine Werbung für die Deutsche Bank machen: #einheitsmomente

db_einheitsmomente_sm

Die Deutsche Bank (weltberühmt durch Zinsmanipulationen, Verdacht auf Devisen-Tricksereien und Manipulationen beim Gold- und Silberpreis, Mitschuld an der Finanzkrise, Anklage wegen möglicher Verstöße gegen die amerikanischen Wertpapiergesetze und andere #einheizmomente) hat also eine neue Werbekampagne. Unter dem Hashtag #einheitsmomente freuen sich Prominente über die Wiedervereinigung. Mit dabei sind auch einige (Ex-) Politikerinnen und Politiker, u.a. Aydan Özoğuz, Wolfgang Thierse, Petra Pau und die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. Siehe Screenshot oben.

Als Bosch (der inzwischen auch einen Blog-Post dazu geschrieben hat) auf Twitter zurecht fragte, ob es legal wäre, dass Politikerinnen und Politiker sich in die Werbekampagne einer Bank einspannen lassen, antwortete ihm Frau Schwesig zunächst ausweichend:

Die Deutsche Bank, nicht so sehr bekannt für ihre Filmproduktionen oder unabhängigen Interview-Serien, hat also ein paar Menschen befragt. Die sie zufällig auf der Straße getroffen haben, vermutlich. Klar, dass man da mitmacht. Ist ja für eine gute Sache. Oder so. Und vor allem: Es ist keine Werbung. Sagt Manuela Schwesig. Zumindest nicht für die Deutsche Bank, die das Ganze präsentiert und deren Logo auf der Nichtwerbung steht, die unter dem Titel „Anzeige“ in manchen Zeitungen gedruckt wurde.

Und irgendwie hat Frau Schwesig ja Recht. Es ist ja – wenn überhaupt – nur Werbung für die Deutsche Einheit. Damit die noch mehr gekauft wird und die Kundinnen und Kunden ihr vertrau… oh, wait. Ist ja gar kein Produkt, diese Einheit. Na, egal.

Jedenfalls ist es keine Werbung, wenn die Deutsche Bank einen Film dreht, eine Website launcht und Printanzeigen schaltet. So sollten auch mal andere Unternehmen Nichtwerbung machen, finde ich!

So könnte es z.B. aussehen, wenn Manuela Schwesig keine Werbung für VW macht.
vw_einheitsmomente_sm_sb

Und so könnte es aussehen, wenn Manuela Schwesig keine Werbung für Gazprom macht.
gazprom_einheitsmomente_sb

Und so, wenn Manuela Schwesig keine Werbung für McDonald’s macht.
mcd_einheitsmomente_sb

Oder wenn Manuela Schwesig keine Werbung für Primark macht.
primark_einheitsmomente_sb

Das könnte ein Trend werden.
Nichtwerbung mit Politikerinnen und Politikern.
Immer eine saubere Sache!

UPDATE Das wurde mir zugespielt. Echt!

Bildschirmfoto 2015-10-11 um 18.27.58

12 Kommentare

  1. 01
    Flo

    Soweit ich mich an Dirk Laabs‘ Buch über die Geschichte der Treuhand erinnere, gehörte die Deutsche Bank ja auch zu den westdeutschen Firmen, die in Hinterzimmergesprächen den Markt in den neuen Bundesländern aufteilten bevor der Staub der Mauer sich gelegt hatte (sowie auch Lufthansa und die Allianz zB).

    Insofern sollte man auch noch anmerken, wie hier geschichtliches White Washing betrieben wird und sich Politiker dafür nicht zu schade sind.

  2. 02
    mal hier, mal da

    Eine Steigerung sind die Aktionen für die „Bild“, ob direkt wie z.B. Schwarzer und viele andere oder „Ein Herz für Kinder“ oder jetzt für die Flüchtlinge. Bei der letzten Aktion war sich sogar Gysi nicht zu schade.

  3. 03

    Zu Bemitleiden ist in diesem Fall eher die Deutsche Bank: glaubt man dort ernsthaft, dass eine mittelbekannte blonde Politikerin das Image aufpoliert, wenn die nächst gelegene Filiale geschlossen wird und man als Privatkunde rausgeworfen wird, weil sich die Geschäftsausrichtung geändert hat?

  4. 04

    Schlimm ist, dass sich offenbar kaum noch jemand über so einen – aus meiner Sicht wirklichen – Skandal aufregt. Deshalb: Danke für die Berichterstattung.

  5. 05

    Zu den größten Spendern (der SPD) (juristische Personen, aufsummierte Spendensummen von 2000 bis 2008, ab 2007 nur Spenden ab 50.000 Euro[15]) zählen folgende Unternehmen und Verbände:


    300.000 € Deutsche Bank AG

    Quelle:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands#Finanzen

  6. 06
    Somaro

    @Horst Müller: Ich nehme mal an, dass solche „Skandale“ nur noch die Erwartungen bestätigen. Wir haben nicht mehr 1970 und vollstes Vertrauen in unsere Politiker und lesen eine Zeitung und glauben, was da drin steht. Wir misstrauen den Werbung-abhängigen Medien genauso, wie den bei Konzernen auf der Gehaltsliste stehenden Politikern.

    Ich persönlich sehe so eine Anzeige bzw den Artikel und denke mir: „War doch klar. Wer so naiv ist zu glauben, Politiker würden da nicht zuschlagen, glaubt auch, Youtuber wären unabhängige Idealisten, die nur ihre Überzeugungen vertreten.“

  7. 07

    @Somaro: Die Akzeptanz von Missständen ist trotzdem kein Weg. Und den Schwenk zu den YouTubern verstehe ich nicht. Die sind Entertainer und Selbstständige. Politikerinnen hingegen sind Volksvertreter und werden vom Volk bezahlt. Riesenunterschied.

  8. 08
    Martin Hoheneder

    Sehr informativ!

  9. 09
    kommerz

    Ja, eher fragwürdig. Gab es Geld dafür?

  10. 10
    Andy Fuchs

    Ach Mann,

    jetzt lasst doch die armen Politiker(innen) in Ruhe… Die MÜSSEN sich doch mit der Industrie gut stellen, wenn sie nach ihrem Mandat einen schicken Posten abbekommen wollen (…wie hätte denn sonst der Wissmann vom einfachen, unterbezahlten Verkehrsminister zum Präsidenten aufsteigen sollen?)

    Ein bisschen mehr Verständnis bitte!

  11. 11
    EG

    Lustigerweise finde ich tatsächlich, dass das keine Werbung für … ist, sondern die Deutsche Bank eher mit der Nach-Wende-Unsicherheit (= freie Marktwirtschaft, Banken und ihre Profitinteressen) assoziiert. Das Logo der Bank mit dem Spruch kombiniert könnte auch direkt aus der Titanic stammen. Also hat sich eigentlich nicht nur Manuela Schwesig sondern auch die Deutsche Bank mit der Kampagne in’s Knie geschossen …

  12. 12
    Karl

    Verdammt, dieses dümmliche gendern! Es zerstört so sehr den Lesefluss und ist weder sprachlich noch inhaltlich richtig. Wir haben eine so schöne Sprache. Warum müssen einige diese mit ihrem Ideologiekrebsabfall versauen? Ein Glück, dass es auf dem Desktop Plugins dagegen gibt.

Diesen Artikel kommentieren