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Das verdient man mit Musik im Netz

UPDATE Ich habe am Ende des Artikels Links nachgetragen und noch ein paar Sätze zum Thema CD-Verkäufe getippt.

UPDATE Ich habe hier noch einen Nachtrag zu diesem Artikel geschrieben.

Debatten, Vermutungen und Gerüchte gibt es genug rund um die Einnahmen, die man mit digitaler Musik generieren kann. Unsere Band Plan B liefert nun ein paar genaue Zahlen, denn wir sind nicht nur Musiker, sondern auch Label.

Und dazu gibt es ein paar schicke Fotos von Gregor Fischer.

Die Vorgeschichte: Als wir 2012 beschlossen, meine Band Plan B, die Mitte der Neunziger auf Eis gelegt wurde, in (teilweise) neuer Besetzung wieder auf die Bühnen zu bringen, ahnten wir nicht, was auf uns zukommt. Aus der ursprünglich simplen Idee, einfach mal wieder Krach zu machen, wurde ein Haufen Arbeit. Denn drei Alben gab es aus der aktiven Zeit beim damaligen Label BMG Ariola, die immerhin rund 120.000 Stück verkauft hatten, seit dem vorläufigen Ende der Band aber nirgends verfügbar waren. Weder als CD noch als Vinyl und schon gar nicht digital. Das wollten wir ändern. Wir wollten ein eigenes Label gründen, die drei Alben wieder verfügbar machen und sie vorher noch neu mastern lassen, die Gesamtproduktion also noch einmal überarbeiten und den aktuellen Soundmöglichkeiten anpassen.

Dazu mussten wir uns an den jetzigen Rechteinhaber der Aufnahmen wenden, die SONY, welche Mitte oder Ende der Neunziger den BMG-Katalog übernommen hatte. Unserer ursprünglichen Idee, die Alben in Eigenregie und auf eigene Kosten neu zu mastern und zu veröffentlichen, wurde jedoch schnell ein Riegel vorgeschoben. Obwohl wir selbstverständlich dazu bereit waren, SONY einen Anteil der Einnahmen, von denen wir keine Sensationen erwarteten, abzugeben (man nennt es „Overwrites“), wollte uns SONY die Rechte an den Aufnahmen, die seit 15 Jahren im Keller lagen, weder überschreiben, noch wollte sie einem neuen Mastering zustimmen und dann die Alben selbst wieder veröffentlichen.

Nach wochenlangem Hin und Her zwischen der Band und SONY führte eine SMS eines befreundeten Musikanwalts an einen ihm bekannten SONY-Chef dann innerhalb von Minuten zu einer Einigung. Für eine gewisse Summe als Vorschuss wollte uns SONY die Rechte für eine beschränkte Zeit überschreiben, an den Einnahmen wären sie natürlich weiterhin beteiligt.

Über die genaue Summe muss ich schweigen, der recht hohe Betrag war jedoch für uns nur mit Hilfe eines Vorschusses von Finetunes und durch einen Deal mit Hornbach finanzierbar, die uns beim Ausbau unseres kleinen Proberaumstudios unterstützten, wobei noch etwas für unsere SONY-Kosten übrig blieb. Finetunes hatte angeboten, sich um den Vertrieb der neuveröffentlichten Alben im digitalen Bereich zu kümmern und in Zusammenarbeit mit Cargo auch um den Vertrieb der physischen Tonträger, also der CDs.

So standen wir also da. Aus der Schnapsidee, wieder Musik und die alten Alben erneut verfügbar zu machen, war ein Wust an Aufgaben geworden. Mit der SONY die Verträge verhandeln, ein Label gründen, neue Verträge mit Finetunes und Cargo, Vorschüsse, Mastering in Auftrag geben und bezahlen, SONY bezahlen, die CD-Cover (die bei SONY nicht mehr vorhanden waren) für den Druck komplett neu nachbauen, CD-Produktionen in Auftrag geben und bezahlen … Und neben der Freude darüber, dass es auch in Unternehmen noch einige alte Fans gab, die uns tatkräftig bei unserem Vorhaben unterstützen, stand die Absurdität, dass wir plötzlich Vorschüsse an SONY zahlten. Für unsere Aufnahmen, deren Kosten längst abgeschrieben waren.

Es folgten ein paar Studiotage und Videodrehs, Proben, Proben, Proben, diverse kleinere und wilde und spaßige Tourneen und Gigs, Wiedersehen mit alten Bekannten, neue Gesichter und Menschen, die uns zum ersten Mal entdeckten, Erinnerungen und neue Erlebnisse.

Und natürlich: Abrechnungen. Von denen wir hier für das Jahr 2013 einen Auszug zeigen wollen, um das Rätselraten im Bereich des digitalen Musikvertriebs etwas zu erleichtern.

plan b digital

plan b digital stats

Was man wissen muss, um diese Zahlen verstehen zu können:
Es geht hier allein um die Einnahmen aus dem Verkauf und Streamen digitaler Songs. Die Einnahmen aus CD-Verkäufen sind also nicht enthalten. Zudem sind dies die Einnahmen unseres Labels „Dancing Propaganda“, also der Plattenfirma (exklusive der Anteile, die beim Vertrieb bleiben). In unserem Fall ist die Band auch das Label, das ist aber eher die Ausnahme. Normalerweise würden diese Gelder an das Label gehen, welches dann die Künstler entsprechend der bestehenden Verträge beteiligt – diese Beteiligung kann zwischen 5% und 50% liegen, je nachdem, wann welcher Deal unter welchen Bedingungen abgeschlossen wurde.

Auch wichtig: In den Fällen, in denen die Urheber der Musik (also die Komponisten und Texter) nicht mit den ausübenden Künstlern, die beim Label unter Vertrag stehen, identisch sind, erhalten diese in den meisten Fällen von den hier gezeigten Geldern nichts. Ihre Einnahmen kommen von der GEMA, die eben an die Urheber zahlt (außer bei YouTube…).

Da in unserem Fall die Urheber auch die Künstler sind, erhalten wir also einmal unsere Anteile als Band aus den gezeigten Einnahmen und als Komponisten und Texter nochmals Gelder von der GEMA (außer bei YouTube…). Da wir aber vorher als Label bei der Herstellung der CDs auch an die GEMA zahlen mussten, dreht sich das alles etwas im Kreis, wenn man Label, Band und Urheber vereint. Ja, ganz schön kompliziert.

Dass die hier gezeigten Stückzahlen nicht besonders groß sind, sollte niemanden überraschen. Wir haben als Label kein Geld für Werbung und PR, die Alben sind zudem bis zu 25 Jahre alt („Greenhouse Effect“ erschien 1989) und die Songs laufen nicht gerade im Radio rauf und runter. Aber: es gibt sie, man kann sie online kaufen oder streamen, und darum ging es uns ja.

Zu Spotify ist noch zu sagen, dass es bisher nur ein „Mini-Album“ gibt, die gesamten drei Alben werden in den kommenden Tagen / in wenigen Wochen komplett auf Spotify hörbar sein.

Betrachtet man die Zahlen genauer, kann man recht eindeutig sagen, wer wie viel an eine Plattenfirma (noch einmal: nicht an die Künstler!) ausschüttet. Mit „Bundles“ sind Alben gemeint, die jeweils 12 Songs beinhalten. Beim Beispiel iTunes rechne ich also 66 Bundles à 12 Songs plus 129 Einzelsongs. Man kommt damit auf folgende Zahlen, absteigend geordnet nach Summe:

Zahlungen netto an Label aus Digitalverkäufen pro Song

  1. Google Play Music € 0,46
  2. 24-7 € 0,45
  3. Realnetworks AT € 0,44
  4. Musicload € 0,43
  5. iTunes € 0,41
  6. Amazon € 0,37
  7. MediaNet € 0,35
  8. 7digital € 0,31
  9. eMusic € 0,19

Zahlungen netto an Label pro Songstream

  1. WiMP € 0,013
  2. Simfy € 0,009
  3. Deezer € 0,007
  4. Spotify € 0,005
  5. Slacker € 0,001
  6. YouTube € 0,001

Und noch ein paar Hinweise. Diese Zahlen gelten für unser kleines Label mit lächerlichen Verkaufs- und Streamzahlen. An Spotify und anderen Unternehmen sind große Labels beteiligt, ihnen gehört ein Teil der Dienste, man kann also davon ausgehen, dass sie auch mehr verdienen. Ich hoffe dennoch, dass die Zahlen ein wenig für eine klarere Debatte sorgen können.

Es könnte außerdem die Frage auftauchen, woher denn die Einnahmen aus YouTube-Streams kommen. Bei YouTube kann man seine Songs als Rechteinhaber „claimen“. Sie werden dann im System gespeichert und automatisch erkannt. Wenn im Zusammenhang mit einem Song Werbeeinnahmen generiert werden, zahlt YouTube an den Rechteinhaber aus. Auch das ist ein Grund, warum wir mit Finetunes als Dienstleister arbeiten, denn allein schafft man diesen ganzen Kram gar nicht. Und es erklärt, warum und von wem Songs gesperrt werden. Nicht von der GEMA, sondern von den Rechteinhabern der jeweiligen Aufnahmen, also meistens von den Labels.

Zuletzt sei gesagt: Unsere CD-Verkäufe sind besser, aber natürlich auch nicht der Kracher, und obwohl wir auch noch Merchandising-Einnahmen haben und hin und wieder Gagen bekommen, ist das Ganze bisher ein massives Zuschussgeschäft, das wir uns ohne die oben genannte Unterstützung nicht hätten leisten können. Wir haben halt Vorausinvestitionen als Label, und hätten wir nicht nur uns selbst unter Vertrag, sondern noch zehn andere Acts, von denen einer abgehen würde, dann könnte das alles schon wieder anders aussehen. Aber dann müssten wir halt auch rund um die Uhr Label sein, uns Honorare zahlen, noch mehr investieren, usw. usf. … auch diese Branche bleibt also ein Geschäft, bei dem man rechnen können muss und bei dem man verlieren und gewinnen kann. Aber immerhin eines, das den tollsten Inhalt der Welt hat: Musik.

UPDATE Die Frage nach den Einnahmen aus CD-Verkäufen tauchte auf, hier die Antwort: An selbst produzierten CDs und an Shirts usw. verdienen wir am meisten. Bei den über den Vertrieb laufenden CDs kommen 4-5 EUR zu uns als Label (nach Abzug der Kosten von ca. 1,50 EUR bleiben also 2,50 bis 3,50 EUR „Gewinn“), wenn wir direkt verkaufen, ist es noch mehr. Einer Band hilft man also immer mit dem direkten Kauf der CD oder des Shirts am Merchandising-Stand beim Konzert oder über die Band-eigene Website.

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71 Kommentare

  1. 01
    MArtin

    Sehr interessant, danke für’s Teilen. Kurze Bemerkung: Die Verkaufsanteile, die man an einen Partner zahlt, mit dem man nicht mehr vertraglich zusammenarbeitet, heissen meines Wissens ‚override‘, nicht ‚overwrite‘.

  2. 02
    Richard

    Frage 1: Gibt es Plan B nicht bei Napster? Ich habe da zwar 5 Plan B’s gefunden. Aber wohl nicht die richtigen.

    Frage 2: Warum wurden die Aufnahmen nicht rausgeklagt? Vor 15 Jahren und nach dem Hin und Her mit dem Katalog war das rechtlich doch bestimmt nicht immer 100%ig, oder? Oder war der neue Vertrag der Weg des geringsten Widerstands?

  3. 03

    Wir freuen uns über den Sound von Plan B in unserem Vertriebskatalog und gehören tatsächlich zu den Firmen, in denen es noch einige alte und vor allem auch junge Fans der Band gibt.
    Absolut begrüßenswert ist der Ansatz, sich transparent und offen mit Abrechnungen im digitalen Bereich auseinanderzusetzen – das können wir nur unterstützen. Und weil wir da auch gern praktisch werden, möchten wir den Platz nutzen, um ein paar Fakten hinzuzufügen, um das Gesagte zu unterstützen und zu erweitern.

    Der Erlös pro Einzeltitel aus einem Einzeltrackverkauf ist ein anderer als der Erlös pro Einzeltitel aus einem Albenverkauf. Das erklärt am Beispiel iTunes: Bei einem Einzeltrackverkauf im deutschen iTunes Store zu 0,99€ (brutto) kommen knapp 0,60€ (netto und abhängig vom Künstler-Label-Vertriebssetting) beim Label an. Rechnet man einen Albenverkauf auf die enthaltenen Einzeltracks – so wird der jeweilige Pro-Track-Erlös abhängig von der Trackanzahl auf dem Album evtl. geringer sein. In sofern: 0,41€ pro Track sind hier ein „gemittelter“ Wert. Das ist uns wichtig für das Verständnis, auch wenn das im Ergebnis der Gesamtrechnung Nichts ändert. Die GEMA Abgaben tragen in Deutschland die Plattformen – d.h. die Urheberabgabe wurde bereits vor Ausschüttung der Umsätze an den Vertrieb ordnungsgemäß an die GEMA abgeführt.

    Kleine Ergänzung zu Spotify und Besitzverhältnissen: Neben den Anteilen der Majors hält auch Merlin (http://www.merlinnetwork.org/), die internationale Lizenzagentur für Independents, Anteile an Spotify. Darüber kommt es aber nicht automatisch zu zusätzlichen Ausschüttungen – das würde in dem Falle passieren, dass einer der Beteiligten seine Anteile verkaufen würde
    Wir halten es mit dem letzten Satz von Johnny: „Aber immerhin eines, das den tollsten Inhalt der Welt hat: Musik.“ Für uns sind unsere Labels Partner, ohne Euren Content könnten wir Nichts „bearbeiten“, Nichts weiterentwickeln, Nichts unterstützen und vor allem auch über Nichts beratschlagen, diskutieren, philosophieren.
    Für alle, die Fragen zum Thema digitale Abrechnungen, Zusammenhänge oder Vertriebsprozesse haben: Meldet Euch einfach bei uns: labelteam(@)finetunes.net

  4. 04
    Jan

    Mal ein paar (vielleicht etwas blöde) Fragen dazu, Johnny.

    1. Du sprichst von Sony als Rechteinhaber der Aufnahmen. Bezieht sich das auf das Urheberrecht an den Kompositionen, aufs Leistungsschutzrecht, oder auf beides?
    2. Wenn ich mich recht erinnere gibt es eine Regelung, nach der man als Urheber das Recht hat, seine Werke einem Musikverlag wieder wegzunehmen, wenn der einen nicht vernünftig vertritt. Gibt es sowas ähnliches nicht für Leistungsschutzrechte? Das wäre doch eigentlich so ein Fall, wenn eure Songs nicht mehr verfügbar gewesen sind.
    3. Wenn das Problem das Leistungschutzrecht ist: Hättet ihr die Songs nicht neu einspielen können, ohne euch um das Leistungsschutzrecht der alten Aufnahmen kümmern zu müssen? Ok, das ist vielleicht etwas viel Aufwand, gebe ich zu… :)

  5. 05
    Jens Best

    Spannend fände ich noch zum Vergleich: „Das verdient man mit Musik im Radio“

    Wenn das Lied z.B. auf hr3 gespielt wird, also quasi ein „Radio-Stream“ an x zehntausend Menschen, wie viele Cent verdient die Band dann pro Hörer.
    Wenn man rudimentäres Wissen da reicht, müsste man also den GEMA-Preis für Radioausstrahlung pro Lied durch die Anzahl der durchschnittlichen Hörerzahl des jeweiligen Radiosenders teilen, oder?

  6. 06

    Bei den Themen Kulturfinanzen und „Wovon leben, wenn man von Musik leben möchte?“ ist ja die eigentliche Gretchen-Frage, ob es früher besser war, gleich bescheiden oder schlechter? Von außen scheint es mir paradox zu sein: Ihr habt mehr Möglichkeiten, das Publikum direkt zu erreichen und Fans zu gewinnen, aber die Beteiligung des Publikums an euren Kosten scheint weniger „nachhaltig“ zu sein. Schon mittlere Erfolge machen keine Band mehr satt? Kannst du was dazu sagen, ob ihr früher höhere wirtschaftliche Chancen hattet als heute?

  7. 07
    Markus Hassold

    Jens Best,

    die Labels – und damit die ausübenden Künstler erhalten ihr Geld von der GVL – die GEMA bezahlt die Urheber (Komponisten und Textdichter). Das Inkasso für die GVL bei den Radiostationen übernimmt aber auch die GEMA- es ist also ein Teil dieser Einnahmen, der an Labels und ausübende Künstler abgeführt wird – ein anderer Teil, der für die Komponisten, Textdichter und Musikverleger vereinnahmt wird.

    Also bitte nicht Äpfel mit Birnen in einen Topf werfen – das Finetunes-Labelteam hat dazu schon gute Erklärungen abgegeben. Die Debatte leidet an genügend gefährlichem Halbwissen – das muss man schon präzise machen.

    In der Tat wäre eine GVL-Abrechnung hier aufschlussreich. Insbesondere, da de GVL erst vor kurzem auf ein neues Verteilsystem umgestellt hat, bei dem sprichwörtlich noch gar nichts funktioniert. Das sollte dringend mal publik gemacht werden – vielleicht auch für die Mitglieder der zukünftig einmal in diesem Spiel mitwirkenden C3S – damit sie sehen, was auf sie zukommt…..

  8. 08
    rehbi

    also mich persönlich int. musik im netz eigentlich sehr wenig . ich schau mir über facebook manchmal videos an oder höre songs . ansonsten unterstütze ich meine lieblingsbands durch konzertbesuche , manchmal platten und cd käufe ( meist) auf konzerten , merchandise . hauptsache ihr macht weiter musik und spielt konzerte :) muß ich jetzt Sony eigentlich toll finden oder nicht ??? diese frage stell ich mir …

  9. 09

    Vielleicht wäre es ja weniger kompliziert geworden, wenn ihr ein neues Album eingespielt hättet. Bei den heutigen Preisen für Aufnahme Equipment und CD Pressung wäre das u. U. günstiger geworden, als die Ablösesumme plus Gewinnbeteiligung an Sony. Und wenn das Album sich gut verkauft hätte, wer weis, ob nicht Sony die alten Sachen von sich aus „wieder veröffentlicht“ hätte.
    Ich habe ebenfalls ein schönes Album herausgebracht, das über Online Verkäufe mittlerweile 1,56 € eingespielt hat, bei NULL Werbung! Davon kamen gut 20 ct. von Interessierten über einen Blog Beitrag hier auf Spreeblick. Interessanterweise von Leuten aus GBR, SWE, USA und CHE (so die Länderkürzel von meinem Online Distributor).
    Also das Interesse an meinem Album und an Spreeblick scheint international zu sein. ;-)
    Insgesamt habe ich 200 Alben an Freunde, Bekannte, Kollegen und z. T. wildfremde Menschen verschenkt, die ich auf der Straße oder in der Bahn traf, wenn ich sie sympatisch fand.
    Von den 300 verbliebenen CDs muss ich 50 Stück à 15.- € verkaufen, um meine Investitionen – wohlgemerkt nur für die CD Pressung – wieder einzuspielen. Alles andere, wie Instrumente oder Aufnahmegeräte zählen bei dieser Rechnung nicht, da ich, wie Johnny Anfang 2012 hier auf Spreeblick mal netterweise über mich schrieb, „offenbar viel Humor bei gleichzeitiger Liebe für Musik …“ habe.
    CDs verkaufe ich hin und wieder an Passanten, die mich an der Elbe sitzen sehen http://www.youtube.com/watch?v=pYL_YA9PL6k&list=PLCE287909286C030F und mir zu hören, wenn ich dort mal live was zum Besten gebe. Und wenn ich 100 Stück verkauft habe, werde ich ein zweites Album herausbringen, dann vielleicht in Zusammenarbeit mit einem Label, da man – so meine Erfahrung – ohne professionelle Bemusterung kaum eine Chance hat im Radio gespielt zu werden.
    Und das ist dann wieder das eigentlich Interessante, wenn es um den Frage geht, was man mit Musik im Netz verdient. Mit dem Netz alleine läuft für kleinere Acts nämlich nicht viel, wie auch Johnnys Zahlen weiter oben verdeutlichen. Verdienen lässt sich im Netz – so wie ich das mittlerweile sehe – nur dann etwas, wenn die traditionellen Medien, TV, Hörfunk und Presse über den Künstler bzw. seine Musik berichten.

  10. 10
    Lupino

    Vielen Dank für diese äußerst interessanten Informationen.

    Ich finde es schon eine ziemliche Frechheit, dass ein Urheber/Künstler seine eigenen Stücke vom Label zurückkaufen muss, zumal dieses keinerlei Interesse zu haben scheint, die Stücke selbst erneut zu verwerten. Kann mir jemand rationelle Gründe nennen, warum Sony (oder jedes x-beliebige andere Label wahrscheinlich auch) sowas macht?

  11. 11

    Die Fotos sind toll, toll, toll.

  12. 12
    Brunni

    Spannender Artikel, der uns Konsumenten doch mal einige Hintergründe erklärt.
    Der machte auf jeden Fall Bock mal wieder in Eure alten Sachen zu hören, leider ist es unglaublich schwer Euch unter den ganzen anderen „Plan B’s“ zu finden und ich hätte fast aufgeben (Die Wikipedia Discografie hat es gerettet ;-) ) Verlinkt doch mal Eure Sachen auf Eurer Homepage … vielleicht wird dann auch mehr gekauft ;-)

  13. 13

    Sehr interessanter Artikel. Wir als Band Seltsam! arbeiten gerade an unserer 2. CD und sind auf der Suche nach Vertriebswegen. Aufgewachsen mit Vinyl-LP’s/Cd’s fällt es uns etwas schwer den virtuellen Downloadweg einzuschlagen. Wenn ich die Tabellen aber so überfliege, ist dies wohl eine ernstzunehmende Alternative. Wahrscheinlich erreicht man damit auch mehr Leute bzw. der Radius (weltweit?!) erweitert sich.
    Wobei ja nix umsonst ist Itunes/Apple/spotify wollen ja auch verdienen :-(
    Danke für den Artikel Johnny und bis zum nächsten(r) Album/Tour in Frankfurt.
    Holger

  14. 14

    Johnny,
    Ohne preiszugeben wie viele CDs ihr verkauft habt würde mich interessieren (als Käufer der neugepressten Veröffentlichung), wie viel ihr an einer verdient. Sprich: Wie viel sinnvoller ist ein CD-Verkauf als ein digitaler Verkauf.
    Ich ertappe mich immer öfter bei der Frage, wie kann ich einen Künstler am besten unterstützen, denn die wenigsten haben einen einfachen Spenden/Paypal-Button auf ihrer Webseite: kauf ich die CD beim Konzert? Oder das überteuerte T-Shirt? Oder das iTunes-Album? Ich finde da dürfen die Künstler schon etwas Hilfestellung leisten (vorausgesetzt sie wissen, womit sie am meisten Geld verdienen…)
    thx

  15. 15

    Ich schließe mich Sebastians Frage an.

  16. 16

    @Jens Best: Radios zahlen meist eine Pauschale, die dann von der Gema ausgeschüttet wird. Wenn Du als kleine Band das Glück hast, im Radio zu laufen, heisst es nicht, dass Du das Geld sehen wirst, welches bei einem mal auch kein nennenswerter Betrag ist. Es wird unter den grossen aufgeteilt, quasi eine Quote.
    Hier wäre eine Anpassung zum Streaming eine Alternative, womit dann auch die kleinen Bands den einen oder anderen Cent wirklich bekommen würden aber wie die Rechnung schon oben zeigt, viel ist es nicht. :)

  17. 17

    @Sebastian: Je nach Auflage und Aufmachung kostet eine CD in etwa 1,- – 1,50€ ab 1000stk. Über den Vertrieb bleiben für das Label meist 4,- – 7,- EUR hängen, wovon der Künstler je nach Vertrag seinen Anteil bekommt.
    Wenn Du die Band direkt unterstützen willst, dann ist meist der Shop auf der Bandseite die ideale Möglichkeit, da verdienen sie dann wirklich allein, sofern sie diesen selbst verwalten. :)

  18. 18
    QWERTZwerk

    Aber am letzten Foto ist ja gut erkennbar, dass es sich nicht um Arbeit, sondern um reinen Spaß handelt. Warum also sollte man euch bezahlen? ;D

  19. 19

    @Richard: Napster gibt es noch? :) (Ich frage mal nach, danke für den Hinweis!) Mit Klagen hätten wir nichts erreicht, die Verträge galten zeitlich unbegrenzt.

    @finetunes labelteam: Danke für die Ergänzungen!

    @Jan: Mit den Urhebern hat SONY nichts zu tun, nur mit den Aufnahmen. Daher hätten wir die Sachen neu einspielen können, mit einem Song haben wir das auch gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=V9C7j4MbLVQ

    Aber ja, das wäre für drei Alben noch teurer geworden und es wäre nicht das Gleiche gewesen wie die alten Aufnahmen …

    @Fritz: Alles schwer zu sagen. Wir hatten früher regelmäßige Vorschüsse vom Major Label und mehr Unterstützung – am Ende aber (nicht zurückzahlbare) Schulden, denn es wurde auch sehr viel ausgegeben. Wenn du heute alles selbst machst, kannst du mehr echten Gewinn machen, dafür ist es aber auch sehr viel schwerer geworden, im Meer der Veröffentlichungen Gehör zu finden.

    @Markus Hassold: Ich blicke bei der GVL überhaupt nicht mehr durch. Noch ein Grund mehr, warum Künstler Hilfe in bestimmten Angelegenheiten brauchen.

    @Brunni: Verlinken. Gute Idee. Soll ja was bringen im Internet (manchmal ist meine Selbst-PR dann gar nicht mal so gut … :)). Trage ich oben nach!

    @Sebastian: @frauziefle: Ich trage das auch oben noch nach: An den selbst produzierten CDs und an Shirts usw. verdienen wir am besten. Wie @Micha korrekt sagt: Bei den über den Vertrieb laufenden CDs kommen 4-5 Euro zu uns als Label (nach Abzug der Kosten von ca. 1,50 bleiben also 2,50 bis 3,50 „Gewinn“), wenn wir direkt verkaufen, ist es noch mehr. Einer Band hilft man also immer mit dem direkten Kauf der CD oder des Shirts am Merch-Stand beim Konzert oder über die Website.

    @QWERTZwerk: Und wer zahlt den 200-Euro-Schampus, den ich mir da über den Schädel gieße? :)

  20. 20

    @Johnny Haeusler: „Ich blicke bei der GVL überhaupt nicht mehr durch.“
    Ist eigentlich ganz einfach Johnny, die GVL zahlt einerseits an die Labels und andererseits an alle aktiv mitwirkenden Musiker, die an einer Einspielung beteiligt waren, sofern sie im Radio gespielt wurde. Dies wird heute automatisch über die ISRC-Codes erfasst, die für jedes Lied zu erwerben sind bzw. durch das Label vergeben werden.
    Voraussetzung für die Teilhabe an GVL Ausschüttungen ist die Anmeldung jedes Künstlers als GVL Mitglied. Man erhält dann über den ArtSys-Zugang https://www.artsys.gvl.de/artsys/(S(woq1adeybstmxwavnmimnuxt))/login.aspx?AspxAutoDetectCookieSupport=1 Einblick in alle Airplays, die gesendet und als solche erfasst wurden. Kleinere Radiostationen erfassen meist noch nicht automatisch pro Titel und melden dann den LC und den Titel über ihr Abrechnungssystem. In diesen Fällen teilt die GVL den Anteil des Labels und der mitwirkenden Künstler untereinander auf. „Die GVL nimmt im Gegensatz zur GEMA, welche die Rechte von Urhebern (Komponisten, (Lied-) Textdichtern) bzw. deren Musikverlagen wahrnimmt, die Rechte von Leistungsschutzberechtigten (ausübenden Künstlern, d. h. Interpreten) bzw. deren Tonträgerunternehmen wahr.“ Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/GVL
    Die GVL liefert allerdings (im Gegensatz zur VG Wort) keinen guten Support für ihre Mitglieder, gerade die kleineren Künstler erhalten so gut wie gar keine Unterstützung, weil – so mein Eindruck – Auszahlungen der GVL an unbekanntere Künstler nur widerwillig erfolgen. Das neue elektronische Meldesystem erschwert zudem die Erfassung von Titeln, die z. B. in freien Radios oder kleineren Webradios „gesendet“ wurden. Am lukrativsten ist es für jene Musiker, die an einer Produktion als (bezahlte) Auftragsmusiker mitgewirkt haben, da der Berechnungsschlüssel für die Vergütung durch die GVL, in diesen Fällen abhängig ist von der „Gage“ des Künstlers, die er für die Einspielung erhalten hat.
    Am besten fährt man also, wenn man sein eigener Auftraggeber ist und sich selbst eine Rechnung stellt für die Mitwirkung an der eigenen CD-Produktion als Musiker, die dann natürlich als Einkommen versteuert werden muss (sonst landet man in womöglich in prominenter Gesellschaft in der JVA in Landsberg).

  21. 21

    und das schönste an die popeligen 4,80 € bei youtube kommt man nicht einmal dran, weil die Mindestauszahlungsgrenze bei 70 € liegt, wenn dass bei anderen Diensten ähnlich ist, kann man dann quasi einige der Werte noch auf null setzen ;)

    Btw.: Hat damals Sony Marketing und Produktion bezahlt? Dann wäre das ganze jetzt auch nicht soo böse

  22. 22

    Ich muss sagen, dass mir eure Zahlen zwar sinnvoll und richtig erscheinen, ich aber einwerfen muss, dass ihr offensichtlich keinen guten Vertriebsdeal habt, das geht sicher besser… ;-)
    Ansonsten weiterhin viel Erfolg!

  23. 23
    Mimo

    Manchmal liegt es auch einfach daran das niemend schlechte Musik kaufen möchte egal ob auf CD oder Digital

  24. 24

    @Johnny
    Aber: ist das nicht bei Euch jetzt ein Sonderfall? Weil Ihr Band UND Label seid?
    Bekommt eine Band denn immer die eigenen CDs einfach überlassen für den Eigenvertrieb? Nein, oder?
    Ich frage so dezidiert nach, weil wir Autoren ja auch ab und zu selbst verkaufen, aber wir müssen unsere Bücher zu einem Preis x einkaufen, und dürfen nur in Ausnahmefällen damit handeln.
    Das führt dann gern zu Erstaunen bei Veranstaltern, die davon ausgehen, dass ich ja 100 Euro verdiene, wenn dort 10 Taschenbücher a 10 Euro verkauft werden, in Wahrheit sind es aber nur um die 5 Euro im Falle eines Büchertisches eines Händlers. So wie überall im Handel.

  25. 25

    @ʕ•̫͡•ʔ: Ich weiß schon, was die GVG macht, bei den Neuerungen blicke ich nur nicht mehr durch. :)

    @herrMartin: BMG hat damals alles bezahlt. Da SONY aber keine direkten Kosten mit unserem Kram hatte, war der Drang, das Zeug wieder verfügbar zu machen, vielleicht auch nicht sehr groß (obwohl sie natürlich unsere rechnerischen Ausstände bei BMG mit übernommen haben) und natürlich sollten sie deshalb ja auch beteiligt sein (sind sie auch jetzt noch). Ist schon alles okay, nur, dass wir einen Vorschuss zahlen mussten, war schon deftig. Aber gut, wir hätten es ja auch ablehnen können.

    @Mimo: Na klar: Geld verdienen kann man nur, wenn es auch erfolgreich ist. Wir haben damals rund 120.000 Alben verkauft, dass da jetzt nicht noch mal Zehntausende die alten Tracks kaufen, ist logisch. Mir ging es aber gar nicht um die Erfolgsfrage, sondern um die absoluten Zahlen, bei denen egal ist, ob ich 12 Streams hatte oder 1,2 Millionen.

    @frauziefle: Ja, ist ein Sonderfall. Mit Büchern wäre das nur zu vergleichen, wenn du selbst der Verlag bist und die Produktion der Bücher auch übernimmst und finanzierst. Wenn eine Band ein Label hat, zahlt das Label die Herstellung der CDs und dann muss die Band für Eigenverkauf z.B. am Merch die CDs ebenfalls einkaufen.

  26. 26

    @Johnny
    Okay, danke!
    Für uns Autoren gibts ja noch einen starken Handel, das ist vielleicht ein Unterschied zu Musikern heute. Wenn ich da an früher denke, und die Plattenabteilungen in den großen Märkten…
    Aber ich nehme mit: bei der Band die CD kaufen macht mehr Sinn, als irgendwo einen download. Richtig?

  27. 27
    DieterK

    @Johnny
    „(…) erhalten wir also einmal unsere Anteile als Band aus den gezeigten Einnahmen und als Komponisten und Texter nochmals Gelder von der GEMA (außer bei YouTube…).“

    Wenn ich mich recht erinnere, wolltest Du die „digitalen“ Rechte von der GEMA zurückrufen, also auf das GEMA-Inkasso gegenüber YouTube und Streamingdiensten etc. verzichten. Ist dies geschehen? Falls ja, was hat es gebracht? Danke!

    @finetunes labelteam (3)
    Kann das finetunes labelteam etwas zum Verhältnis der Einnahmen aus den Rechten an den Aufnahmen zu den Einnahmen aus den Rechten an den Kompositionen für die diversen digitalen Einkommenquellen sagen. Danke!

    @ʕ•̫͡•ʔ (9, 20)
    Wie hoch ist der GVL-Anteil im Vergleich zum GEMA-Anteil beim Hörfunk? Danke!

  28. 28

    sehr schöner und ausführlicher artikel, der mir wieder einmal recht gab, weil ich mich weder an eine plattenfirma, an einen verlag oder sonstwo, sonstwie anketten ließ und lasse.

    meine songs, die tonträger alle bei der gema angemeldet, verkaufe ich ohne irgendwelche der dubiosen plattformen, direkt auf gigs und über das internet.
    auf meiner website weise ich darauf hin und wenn mich jemand per mail anschreibt, bekommt er zwei möglichkeiten genannt.
    die cd per post für 12.50 € inkl. versand oder online für 5.- €.
    das funktioniert international und hervorragend, wenngleich auch nicht so schnell. hinzu kommt aich noch, ich muss mich nicht mit allen möglichen leuten herumärgern und habe die alleinige kontrolle über alles.
    ich bin zwar noch in der gema, habe ansonsten von dem club die nase voll. mittlerweile warte ich auf auslandstantiemen die bis in das jahr 2008 reichen. aber ich findes es toll, dass ihr euch nochmal hochgerafft habt :-)

  29. 29

    @DieterK: Moin DieterK, da ich mit bisherigen 1,59 € für Streams noch nicht so richtig im „Geschäft“ bin, lässt dies vielleicht auch Rückschlüsse auf meine GVL-Ausschüttungen zu. Ich bin im Moment mit allen möglichen Tricks dabei, mal Airplay bei einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt zu ergattern. Erst dann, kann ich mir zahlenmäßig ein Bild machen. Ich weis nur, dass wenn ich an einer Produktion z. B. 1000 € als Honorar für meine Mitwirkung als Keyboarder erhalten habe, dieser Betrag mit einem Faktor o,ox + x multipliziert wird, der dann in Abhängigkeit von den bei der GVL gemeldeten und registrierten Airplays auf dieser Basis zur Auszahlung käme. Je höher das Honorar für Auftragsmusiker und ihre Einspielung war, desto höher später auch die Zahlungen durch die GVL. Soweit wie es in Wikipedia und auch in den Unterlagen der GVL beschrieben wird, wird hinsichtlich GEMA und GVL zwischen Urhebern und Leistungsschutzberechtigten unterschieden. Das heißt die GEMA zahlt an die Urheber also Komponisten, Texter und die GVL an die Musiker. Die Höhe der Beträge errechnet sich aus den jeweiligen Verteilungsschlüsseln von GEMA und GVL. Somit lassen sich absolute Zahlen im Vergleich nicht benennen. Es sei denn, es wird mal was von ÄNDY gesendet, dann liefere ich gern auch Zahlen. Wobei die GEMA bei mir wegfällt, da ich eine Creative Commons License nutze. Näheres zu der Ausschüttung erfährt man übrigens bei den „Fragen und Antworten zum Verteilungssystem“ der GVL, wobei der nachfolgende Link durch die Spreeblick Eingabemaske nach der zweiten Klammer zerstört wird und nur durch Kopie and Paste in einem neuen Browserfenster zu erreichen ist. https://www.artsys.gvl.de/artsys/(X(1)S(3nkz4oumuidwbzxt3qmq4zie))/login.aspx?AspxAutoDetectCookieSupport=1

    @Johnny Haeusler: Die Neuerungen bestehen in der elektronischen Erfassung der bei der GVL durch den Anspruchsberechtigten zu registrierenden und zu meldenden Titel, bei denen du als Musiker beteiligt warst, in das ARTSYS-Meldesystem. Der Witz dabei ist: „Grundsätzlich erhalten Sie nur Vergütungen für Mitwirkungen, die Sie z.B. über ARTSYS.GVL gemeldet haben und die von der GVL bestätigt wurden.“ Melden lassen sich aber nur die Titel, die gesendet wurden und die durch eine Sendeanstalt in das System eingegeben wurden. So dass letztlich eine herkömmliche Meldung in Papierform erfolgen muss, um die Produktion überhaupt erst einmal GVL-relevant zu erfassen, da nur für erfasste Produktionen Ansprüche entstehen. Die GVL-Katze beißt sich da gewissermaßen selbst in den Schweif. Auf Papierform gemeldete Titel erscheinen aber nicht im Online Melde System.

  30. 30
    dirk

    peinlich – alte unbekannte band, mit unkommerziellem output versucht mit ihren machwerken geld zu verdienen. LOL xD macht trance oder techno – da kann ich seit jahren nur von samplerbeiträgen sehr sehr gut leben ;-)

  31. 31

    Hallo Johnny,

    schönen Gruß von euren damaligen CD/LP Regalnachbarn „THE PLEASURE PRINCIPLE“.

    Toller Artikel!

    Wir hatten etwas mehr Glück, unsere alte Plattenfirma EMI hat uns 2010 angeboten unser Debütalbum nach 20 Jahren erstmalig digital zu vertreiben und auch die Kosten für ein Remastering zu übernehmen. Nach einigen Diskussionen hat sich das Label sogar dazu durchgerungen, noch etwas mehr Geld locker zu machen, wodurch wir die Möglichkeit hatten, für ein Minibudget ein neues Album aufzunehmen und beide, das Debütalbum von 1990 und das neue von 2010 als Doppelalbum zu veröffentlichen. Und das nicht nur digital, sondern auch noch physisch als CD. Schwein gehabt.
    Das Verhalten von Sony, euch gegenüber ist mir komplett rätselhaft.
    Früher haben sich alle über die Macht der Schallplattenriesen aufgeregt und nach Indipendent geschrien. Die Goldgräberzeiten mit Majors sind ja mittlerweile genauso Geschichte, wie viele Majors auch. Aber ganz ehrlich, mit den heutigen Möglichkeiten in Bezug auf Produktion, Veröffentlichen, Öffentlichkeit generieren und Vertrieb, ist auch nicht schlecht. Mehr Indipendent gab es noch nie und LIVE geht immer!
    In diesem Sinne, schön, dass ihr wieder da seid!!!

    Alex Flucht
    THE PLEASURE PRINCIPLE
    http://www.pleasureprinciple.de

  32. 32

    Stimmt mich irgendwie bitter diese Kalkulation. Dennoch schön, dass ihr wieder zusammen Musik macht.

  33. 33
    bRp

    Quintessenzen, die ich draus ziehe:

    1) Von Musikverkäufen können nur die – mal geschätzten – 0,5% Topverdienermusiker leben. Der ganze Rest muss auf Tour und täglich arbeiten.

    2) Wer Musik kauft, unterstützt die Musiker ein wenig. Wer auf ein Konzert geht, unterstützt die Musiker. Wer Merch kauft, der ist eine echte Hilfe.

    3) Lass dich niemals ohne guten Anwalt auf eine große Firma ein.

    Zwischen den Zeilen auch noch was gelernt – merci!

  34. 34
    Michael

    Gab es nicht vor Jahren schon Artikel darüber die berichteten das die Plattenfirmen und Ticketanbieter immer mehr gewinne von Merch und Konzerttickts abknapsen?

    Liegt sicher auch immer daran wer man ist und wie man gerade in der Zeit liegt… ich habe z.b. über e-books gehört das dort Digital viel mehr pro verkauftem exemplar beim Autor landet und das besonders kleine Autoren sehr davon profitieren und das obwohl es vergleichsweise wenig brauchbare Wege gibt e-books zu konsumieren. – Wenn nun aber eine Band von „damals“ altes Material an die kleine Fangemeinde adressiert kann ich mir schon vorstellen das es da digital nicht so leicht in die Gänge kommt wie bei den Arctic Monkeys, den Strypes oder Kraftklub zum Zeitpunkt auf dem Weg zum durchbruch der jeweiligen Bands. – Allein schon weil das Publikum für aktuelle Musik einem Digitalem Formart wesentlich offener gegenübersteht… und wenn es da dann läuft sehen 40 cent pro song aufeinmal doch gar nicht so schlecht aus.

  35. 35
    Lemmy

    Danke Johnny für diese detaillierte interessante Info.
    Da meine Musikantenkameraden und ich ebenfalls seit geraumer Zeit
    mit dem Gedanken spielen, unsere damalige (nicht ganz sooo bekannte)
    Berliner Band wieder ins Leben zu rufen, ist das glaube ich sehr hilfreich.

  36. 36

    „Nach wochenlangem Hin und Her zwischen der Band und SONY führte eine SMS eines befreundeten Musikanwalts an einen ihm bekannten SONY-Chef dann innerhalb von Minuten zu einer Einigung.“

    :D Wie immer klärt es eben ein Anwalt!

  37. 37
    Felix Moniac

    @Dirk: Peinlich. Unbekannter Typ ohne Nachnamen disst hervorragende Band mit hervorragenden Mitgliedern und versucht, mit saudummen Kommentaren zu trollen. Mach‘ Dein Trance und Dein Techno. Bist halt schon ’n Geiler.

    @Johnny: „Die alten Plattencover hatte SONY nicht mehr“; „nach einer SMS mit dem Bekannten bei SONY“; nachdem IHR die Platten neu aufgenommen bzw. gemastered habt: WOFÜR haben die jetzt genau ihr Geld bekommen???

  38. 38

    @Felix Moniac: SONY besitzt die exklusiven Verwertungsrechte an den Aufnahmen und hat diese an uns übertragen, das bedeutet aber nicht, dass sie nicht mehr mitverdienen. Die Vorschüsse sind also Vorschüsse auf SONYs Anteile an den Erträgen aus unserer Verwertung.

  39. 39
    Felix Moniac

    @Johnny Haeusler: Danke. War eher zynisch gemeint, weil sie ja nix mehr verwerten. Ihr seid ja diejenigen, die die ganze Arbeit auf sich genommen haben. Finde, dass das eine unfaire Regelung ist, dass SONY einfach diese Exklusivität behalten darf, obwohl sie eigentlich nichts mehr dafür tun.

  40. 40

    @Felix Moniac: Ich habe von Bands gehört, die ihre Rechte auch von Majors ohne Vorschüsse bekommen haben. Es gibt also auch die faire Version unserer Story. Keine Ahnung, warum wir da Pech hatten …

  41. 41
    Felix Moniac

    Hauptsache, es geht jetzt positiv weiter! :-)

  42. 42
    Korinthenkacker

    Danke für diese Transparenz, nur warum legt ihr dann nicht gleich die kompletten Einkünfte/Schulden offen, die ihr mit diesem Revival gehabt habt, damit man mal sieht, ob sich mit Musik Geld machen lässt? In dem Artikel bleibt leider sehr viel sehr schwammig (was die Verkaufszahlen der selbstverkauften CDs angeht z.B)

  43. 43

    @Korinthenkacker: Weil ich dazu keine Lust und Zeit habe, das würde mich Tage kosten, um wirklich für komplette Transparenz zu sorgen (allein der Ordner für die letzte Tour umfasst 60 Seiten). Darum ging es mir auch nicht, sondern allein um die Zahlen aus dem Digitalbereich.

    Wenn ich mal Zeit habe, mache ich so etwas aber auch vielleicht noch mal für Einzelbereiche (Konzert in Berlin, Konzert außerhalb, CD-Produktion etc.), mal sehen. Am Ende sagt das aber alles nicht aus, ob man mit Musik Geld verdienen kann. Denn natürlich kann man.

  44. 44

    Vielen Dank für diesen Blick hinter die Kulissen. Hochinteressant

  45. 45

    Ist schon übel, wie es teilweise bei den ganzen Konstrukt zugeht, vor allem wie die Major das alles knallhart durchziehen.

  46. 46

    @Jens Best:

    Die Abrechnung der Airplays erfolgt in Deutschland über die GVL. Die Beträge werden pro/Sendeminute berechnet, aber jedes Jahr ändert sich der Minutenbetrag.

    Für mich als US-Musikerin (bin Deutsche, aber musikrechtlich US Musikerin, macht das einziehen der Royalties dann hier in Europa die amerikanische Variante der GEMA, nämlich die BMI. Die ziehen meine Royalties jeglichster Form (Radio, TV, Aufführungen), weltweit für mich ein und schütten die mit knapp 12 Monaten Verzögerung an mich aus.

  47. 47

    @Johnny Haeusler: Das ausschlachten von Musikrechten ist das Konzept, an dem die Majors auch in Zukunft noch festhalten werden. Der Backingkatalog kostet sie keine laufenden Kosten, und wirft eigentlich immer nur Gewinn ab.

  48. 48

    Major Labels sind nichts anderes als eine Bank für Kreative. Sie geben dir Geld, damit du deine Songs auf Platte herausbringen kannst. Sie sorgen dafür, daß genug Leute deine Platte hören und eventuell auch kaufen werden. Klar, für diesen Service möchten die Majors dann auch bezahlt werden. Zuerst zahlst du alle deine Vorschüsse und die Ausgaben für deine Albumproduktion und sonstige Kosten zurück. Dann zahlst du auch noch die Gewinnbeteiligung an dein Major, die müssen ihr Geld ja auch vermehren. Vielleicht bleibt auch nochwas für dich hängen. Vielleicht. Meistens aber nicht. Ausserdem hast du denen alle deine Rechte übertragen, so daß selbst wenn du keinen Deal mehr mit ihnen hast, sie trotzdem noch an dir verdienen.

  49. 49

    Joon, ganz so einfach kann man es sich aber doch nicht machen.
    Ich will Majors sicherlich nicht in Schutz nehmen aber eine sehr einseitige Betrachtung ist auch nicht von Vorteil.
    Es zwingt niemand jemanden, einen Knebelvertrag zu unterschreiben. Ein Vertrag ist auch Verhandlungssache. Man kann Ihnen vorwerfen, dass Sie unmoralisch handeln gegenüber dem Künstler aber wenn man seine drei Kreuzchen ohne Verhandlungen macht, lässt man sich ja ein auf das Spiel. Raum- und Zeitlich steht in jeden Vertrag standardmässig drin, wir hatten daraus 10 Jahre gemacht und damit war der Fall erledigt.

    Und natürlich zahlt man Vorschüsse zurück, warum sonst heisst es Vorschuss? Sonst würde es ja Geschenk heissen. ;)

    Was man wirklich kritisieren kann, ist das Streaming an sich. Eigentlich eine der besten Ideen aber der Künstler hat hier wirklich nichts von.
    Und schaut man hinter Firmen wie Spotify, dann findet man Firmen wie Sony und Warner etc., die dann nicht nur an den Gewinnen des Portals beteiligt sind, sondern auch als Label. Die 0,002 Cent sind da wirklich ein Witz, was der Künstler bekommt. Da hoffe ich, dass sich noch mal was verbessert, hier wäre mal die Gema wirklich gefragt.

  50. 50

    @Micha: Ja, man kann da sicher auch verhandeln. Ich wollte nur den Hintergrund eines Majors-Label Deals vereinfacht darstellen, weil viele „Nachwuchstalente“ durch DSD & Co. völlig naiv glauben, man würde ihnen ständig Geld, Album und Promo schenken, ohne daß sie das jemals zurückzahlen müssten.

  51. 51

    @Joon Wolfsberg: DSD ist ja noch ein ganz anderes Thema, da wäre ein klassischer Vertrag ja geradezu ein Geschenk. Sobald man den Vertrag zur Teilnahme so einer Veranstaltung unterschreibt, ist man ja als Person schon fast nicht mehr Herr seiner Lage und eher ein Sklave der Medien- und Musikindustrie. Da kann man auch nur Gegensteuern, in dem man drauf verzichtet. Verhandlungen gibts da nicht.

    Aber solchen Nachwuchstalenten ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen, da der in Aussichtgestellte Ruhm alle vernünftigen Sinne vernebelt, da kann man Reden, was man will. :)
    Eines muss man ja zugeben, die Chance auf Ruhm und Geld ist ja tatsächlich vorhanden aber ein 5er im Lotto ist da wohl einfacher und dazu, wenn man es mal geschafft hat, ist man nach 5 Jahren oder früher ein psychisches Wrack, da die dich ja komplett verbraten.

  52. 52
  53. 53

    @ʕ•̫͡•ʔ: Thank you for the link! My new album needs so many friends.

  54. 54

    Ein toller Artikel!
    Ich bin Pianist und versuche auch meine Musik zu vermarkten.
    Mein Eindruck ist, dass immer mehr Menschen die Musik streamen,
    was zwar die Bekanntheit erhöht aber den Markt an CDs und sogar
    Downloads kaputt macht…
    Letztenendes verdiene ich auch nur durch Konzerte
    und den Direktverkauf der CDs.
    Danke für die Deaillierten Zahlen im Dschungel der
    Abrechnungen….
    Andreas

  55. 55
    Frank

    Danke für den interessanten Einblick. Ich kenne verschiedene Künstler, die ihre Musik über „bandcamp“ vertreiben. Da bleibt meines Erachtens nach für digitale Verkäufe erheblich mehr bei den Künstlern hängen als bei den großen Anbietern.

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